Episode 33: Amazon Studios Inclusion Policy
Uff, heavy stuff and a very special episode… Wir sprechen über das Aufregerthema der letzten Wochen, die Amazon Studiocs Inclusion Policy und das dazugehörige Playbook. Es wurde schon viel darüber gesprochen und jeder und jede, der/die sich mit Filmproduktion und -Distribution auseinandersetzt, dürfte dazu eine Meinung haben. Wir wollen dennoch versuchen, neue Impulse für die Diskussion um Kunst und Identitätspolitik zu finden und dabei vielleicht auch ein wenig einer scheinbaren Mehrheitsmeinung zu widersprechen. Und so gehen wir die gesamte Inclusion Policy Punkt für Punkt durch, schwenken hin und wieder zum Playbook rüber und versuchen zu ergründen, worum es in den entsprechenden Texten geht und worauf wir uns als Publikum und Filmschaffende einstellen müssen. Wie immer höchst subjektiv, aber zumindest mit dem Versuch, ein wenig Sachlichkeit in den Diskurs zu bringen. Spoiler: Wir scheitern.
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 33: Amazon Studios Inclusion Policy Publishing Date: 2021-08-18T16:02:34+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/08/18/episode-33-amazon-studios-inclusion-policy/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast? Nein, eigentlich nicht, aber ich. Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können. Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee. Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeige dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest.
Florian Bayer: Das heißt so Musicals aus den 50ern? Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme? Mit russischen Untertiteln, von mir, für dich. Oh Gott, okay. Aber du weißt, dass das für eine Menge Streit sorgen kann. Äh, definitiv. Das wird lustig. Herzlich willkommen, liebes Publikum, zu einer Very Special Episode von unserem Podcast. Johannes, weißt du, was eine Very Special Episode ist? Eine sehr besondere. Ja, das ist übersetzt. In den 80er Jahren, in der Hochzeit der Sitcoms, gab es eigentlich bei so jeder leichtphysiken, klassischen Sitcom mit Familie und fröhlichen Kindern und fröhlichen Eltern und alle sind glücklich, gab es so besondere Episoden. Das waren die Very Special Episodes. Und die haben sehr ernste Themen behandelt. Das heißt, du hast eine Folge Alle unter einem Dach geguckt und warst plötzlich konfrontiert mit dem Thema Drogenmissbrauch. Du hast eine Folge geguckt von Prince of Bel-Air und plötzlich ging es um Rassismus. Oder du hast eine Folge geguckt von Alle unter einem Dach und plötzlich gab es eine Fehlgeburt oder eine Abtreibung. Und der Term Very Special Episode hat sich wirklich dafür festgesetzt für Episoden, die komplett ausscheren aus diesem normalen Sitcom-Betrieb und harte Themen anpacken. Oft auch mit dem Hinweis, via Discretion Advised oder Parental Discretion Advised, um einmal klarzumachen, überlegt, ob ihr das wirklich jetzt mit euren Kindern gucken wollt. Eventuell ist das nicht das richtige Familienprogramm gerade und nicht so wie die üblichen 20-Minüter. Und dann gab es halt auch wirklich mal Episoden, wo zum Beispiel die Kinderhauptfiguren von einem Päderasten belästigt werden und ähnliches. Wow. Und genau das haben wir heute auch. Wir haben eine Very Special Episode, weil wir werden über ein sehr ernstes Thema reden, das die gesamte Filmwelt und sowohl Filmschaffende als auch Filmrezipierende in Aufruhr versetzt. Das ist nämlich ein Gespenst. Ein Gespenst geht. Ein Gespenst geht um durch die Filmwelt und dieses Gespenst heißt Identity Policy.
Johannes Franke: Aber es ist ja gar nicht so übertrieben. Also ich dachte jetzt, jetzt übertreibst du, aber eigentlich, wenn ich mir die Reaktionen gerade so anschaue von Filmschaffenden, von Rezipierenden, von Leuten, die irgendwie damit zu tun haben und auch von Leuten, die gar nichts damit zu tun haben eigentlich. Der Aufschrei ist groß.
Florian Bayer: Die Apokalypse naht mal wieder. Linksgrüne Gutmenschen wollen uns die schönen Filme wegnehmen. Aber sind es die linksgrünen?
Johannes Franke: Ist das so? Weil es gibt ja nun wirklich aus jeder Ecke irgendwie auch linksgrünen versiffte Ecken wie ich. Da gibt es Leute, die da große Probleme mit haben. Und wir müssen uns, glaube ich, ernsthaft mit auseinandersetzen und nicht nur einfach sagen, das sind irgendwelche Rechten, die die Welt nicht...
Florian Bayer: Der Sarkasmus, mit dem ich das gesagt habe, spiegelt natürlich schon so ein bisschen wieder, wie ich mich positioniere. Ja. Aber tatsächlich ist es so, es gab in den letzten Wochen, also es ist schon ein bisschen älter, aber eigentlich hat es in den letzten Wochen so richtig hochgekocht nochmal. Es gab sehr viel Aufregung und Auslöser war diesmal ausnahmsweise kein Ghostbusters mit weiblicher Besetzung und kein Star Wars mit einem schwarzen Sturmtruppler, sondern sehr konkret, dass die Inclusion Policy der Amazon Studios, beziehungsweise das damit veröffentlichte Playbook, wo die Amazon Studios einmal gesagt haben, so, wir schauen uns an, wie gerade Filme gemacht werden, wie Serien gemacht werden und wir wollen mehr erreichen. Vielleicht liest du einfach mal von Jennifer Sack, vom CEO, von den Amazon Studios die Erklärung vor, was sie vorhaben.
Johannes Franke: With the establishment of our Inclusion Policy and Inclusion Playbook, Amazon Studios has committed itself to being a thought and action leader in the transformation of our industry. We know how much work there is to be done to improve representation, both on camera and behind the scenes, and it starts at home, with us. With clear directives and a commitment to accountability, these guides provide a path towards a more equitable future, both on and off camera.
Florian Bayer: Und natürlich läuten da alle Alarmglocken. Amazon Studios will mit dem Gedanken der Inklusion im Hintergrund die gesamte Filmbranche ummodeln.
Johannes Franke: Alles soll anders werden und alles soll inklusiver werden. Und mein erster Impuls ist natürlich, okay, jetzt läuten natürlich die Alarmglocken bei allen Rechten, die sowieso bei allem aufschreien, was irgendwie neu und inklusiver und kulturell vielfältiger werden soll. Das ist ja so ein Abo, das die sowieso haben. Aber das Problem ist, ich bin in einer Industrie als Schauspieler, die traditionell sehr links ist und wo ganz viele Schauspieler sagen, um Gottes Willen, jetzt haben wir gerade, unser eigentlicher Job geht uns flöten. Weil in dieser Inclusion Policy anscheinend Dinge drinstehen, die dem Schauspieler seinen eigentlichen Job wegnimmt. Also Schauspieler verstehen, dass sie nur noch das spielen dürfen, was sie eigentlich schon sind. Und das wollen wir uns hier mal genauer anschauen, ob das so ist oder nicht.
Florian Bayer: Und tatsächlich ist es ja so, es ist nicht nur ein Thema in den rechten Blasen. Wolfgang M. Schmidt hat gestern ein Video veröffentlicht in seinem Kanal Filmkritik, wo er sich sehr drüber ausgelassen hat, auch mit ziemlich deutlich harschen Worten. Und gesagt hat, das gefährdet die Kunst. Ich habe hier gerade vor mir liegen die Perspektive, die ja so ein ganz, ganz schreckliches linkes Arbeiterkampfblatt ist. Die schreibt Identitätspolitik bei Amazon, Liebesgrüße aus Absurdistan. Also es ist offensichtlich ein Thema, was nicht nur die klassischen AfD-Heinis bewegt, sondern es ist ein Thema, was sowohl aus der linken Politik als auch aus der linken Kultur, wahrscheinlich auch ganz allgemein aus der bürgerlichen Kultur Menschen bewegt. Und es geht einfach die Angst um, dass Amazon hier versucht, einen Rahmen zu schaffen, der kunstfeindlich ist, der es schwieriger macht, Filme zu produzieren und das alles nur, um eben Inklusion nach vorne zu bringen. Wobei das Wort nur natürlich in Anführungsstrichen zu setzen ist, es ist ja ein hehres Ziel.
Johannes Franke: Also es geht ja um was und es geht ja auch um was, was sehr Wertvolles und Richtiges. Wir wollen uns vielleicht nicht unbedingt in der Frage verstricken, ob Amazon wirklich hehre Ziele hat.
Florian Bayer: Ja, wir können nicht darüber diskutieren, ob Amazon gut oder böse ist. Wir können nur mit dem arbeiten, was wir hier haben und uns die Frage stellen, zum einen, wie krass ist das, was Amazon da schreibt? Wie stark ist es Regel, wie stark ist es Hinweis, wie stark ist es Selbstverpflichtung und Fremdverpflichtung? Das ist das eine, was ich denke, was sich klären lässt, also weil man einfach auf das Wording gucken kann. Und die zweite Frage ist, bei den Ideen, die da vorkommen, welche Ideen sind tatsächlich kunstfeindlich und welche Ideen bringen tatsächlich Kunst in Probleme? Und vielleicht auch, welche Ideen erzeugen eine andere Art von Rassismus? Rassismus, was auch oft vorkam jetzt im Diskurs als Vorwurf, dass das ja auch eine Form von Rassismus ist, wenn eben nicht farbenblind gecastet wird, sondern besonders auf Farben geguckt wird, wenn sehr genaue Schubladen aufgemacht werden und gesagt wird, okay, wir brauchen jetzt unbedingt noch eine asiatische behinderte Lesbe, etc. Und das sind, glaube ich, Sachen, die man am besten löst, wenn man diesen Text einfach mal Punkt für Punkt durchgeht. Und das wollen wir machen. Wir wollen uns die Inclusion Policy angucken und werden dann entweder danach oder, wo es sinnvoll ist, auch nochmal in das Playbook reingucken, um zu verstehen, was will Amazon überhaupt und was plant Amazon und was sind hier die Ziele?
Johannes Franke: Um das nochmal zu klären, die Inclusion Policy ist im Grunde eine eingedampfte, vereinfachte Form des Playbooks, beziehungsweise andersrum, das Playbook will klären, wie sollte das Ganze umgesetzt werden, was jetzt in der Inclusion Policy einmal festgeschrieben wird.
Florian Bayer: Und wenn ihr es selbst lesen wollt, tut das auf jeden Fall, wir hauen das auf jeden Fall nochmal in unsere Shownotes und bevor ihr euch unser Gelaber anhört, geht da so unvoreingenommen wie möglich ran und ich glaube, es ist unmöglich, da unvoreingenommen reinzugehen, weil jeder irgendwie eine Haltung zum Thema Identitätspolitik hat, gerade in unserer Zeit, aber versucht das und lest das sorgfältig und versucht auch vielleicht für euch selbst zu denken, was ihr davon haltet.
Johannes Franke: Nichts ist schlimmer, als in eine Diskussion einzusteigen, ohne etwas gelesen zu haben, der die Diskussion zugrunde liegt. Also das, was immer gerade von der Rechten lustigerweise gesagt wird, ja, denkt für euch selbst, lauft nicht wie Schafe hinterher, lest es selbst und macht es wirklich und... Drückt kurz Pause, lest es und dann kommt wieder.
Florian Bayer: Genau. Es muss nicht unbedingt das Playbook gleich sein, Inclusion Policy lässt sich gut lesen so. Das Playbook ist sehr, sehr lang und es sind auch viele einfach nur Hinweise, wie man es leichter umsetzen kann, wie man die Ideen umsetzen kann, die in der Inclusion Policy schon ziemlich konkret formuliert sind.
Johannes Franke: Genau. So, und vielen Dank, dass ihr euch das antut mit uns, weil es ist jetzt wirklich ein langes und hässliches und schwieriges Gespräch, das wir führen müssen, aber was wir als Gesellschaft einfach wirklich dringend brauchen und wo ich Amazon auf weirder Art und Weise gerade dankbar bin, dass wir uns damit auseinandersetzen.
Florian Bayer: Ausgerechnet Amazon, die ihre Milliardärinnen in den Weltraum schließen. Amazon Studios strives to be the home for top tier Talent and Content. Fett gedruckt als Einleitung.
Johannes Franke: Wir wollen Marktführer sein und geben sozusagen das Geschäft gleich mit in die Moral.
Florian Bayer: Es ist tatsächlich, es ist natürlich, das sollte man auf jeden Fall am Anfang immer bedenken, wenn man das liest, es ist natürlich erstmal eine Kampagne, eine Marketingkampagne und es ist natürlich auch Eigenwerbung, die Amazon hier macht.
Johannes Franke: Ja, aber sie ist in der Lage, ganz viel loszutreten, weil Amazon natürlich als einer der großen Player in der Lage ist, andere Zwangs mitzuziehen. Also es wird jetzt sozusagen, wenn Amazon das so groß durchzieht und damit irgendwie mehr oder weniger Erfolg hat, werden andere Studios mitziehen müssen.
Florian Bayer: Ja, die werden sich selbst verpflichtet fühlen, auch irgendwas zu machen. Es geht gar nicht darum, dass Amazon tatsächlich Zwang ausübt, sondern einfach ganz logisch. Apple sieht, oh Gott, es gibt diesen Musikservice Spotify, lasst uns Spotify bauen. Oh, Amazon hat ein Inclusion Playbook, lasst uns ein Playbook auf Inclusion machen.
Johannes Franke: Ja, also im Grunde, man darf also bei der ganzen Diskussion auf gar keinen Fall vergessen, welche Macht Amazon hat mit dem, was sie da tun. So, auf viele Ideen kommt man nicht, wenn man nicht bestimmte Rahmen bekommt. Und ich glaube, dass eine Identitätspolitik schmerzhaft sein kann für manche Prozesse, die man sich eingearbeitet haben, aber eben auch neue Möglichkeiten eröffnet, die man nicht wegwischen sollte.
Florian Bayer: Die Wahrheit ist ja tatsächlich, wenn wir von kreativen Rahmen reden, dann reden wir von dem engsten kreativen Rahmen, den wir immer mit uns mitschleppen. Und das ist unser kulturelles Erbe. So, wie wir gelernt haben, wie Frauenrollen definiert sind in Filmen und Büchern, wie Männerrollen definiert sind in Filmen und Büchern, wie Schwarze charakterisiert werden oder Homosexuelle. Das haben wir ja von Kindesbeinen an mitgekriegt. Und die Sozialisation, die wir hatten, ist wahrscheinlich immer noch unser engster Rahmen. Und wenn wir uns eine homosexuelle Figur ausdenken und diese Figur unglaublich Stereotyp ist und allen Ideen dieses Guidelines widerspricht, dann liegt das natürlich daran, dass eben im Hintergrund, ohne dass wir es bemerken, dieser wirklich, wirklich enge soziale und kulturelle Rahmen werkelt. Und für uns heißt das, wir sind 1982, Anfang der 80er geboren und wir sind in der Bundesrepublik der 80er groß geworden als Kinder und dann in der Bundesrepublik der 90er und das war auch eine andere Zeit. Und dieser Rahmen ist sehr stark und sehr mächtig und wahrscheinlich deutlich mächtiger als Amazon.
Johannes Franke: Ja, und es sorgt ja auch dafür, dass diese Diskussion so vehement wird jetzt gerade.
Florian Bayer: Ja, nur um das vielleicht nochmal zu sagen, hier kämpft nicht ein enger Rahmen gegen die Freiheit, sondern hier kämpfen zwei Rahmen gegeneinander.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Ich würde mal weiter vorlesen, was Amazon als Maßgabe rausgibt. We aim to do this in two ways. First by seeking out stories that amplify the voices of characters across race, ethnicity, nationality, sexual orientation, age, religion, disability, in Klammern including mental health, body size, gender, gender identity and gender expression. Das, also, dieser Satz allein zeigt, dass sie sich sehr viele Gedanken darum gemacht haben, weil sie also so präzise aufgeschrieben haben, was sie meinen. Da will jemand einen Shitstorm verhindern, den er trotzdem kriegt. Das ist schon krass. Also wirklich alles in Klammern, including mental health, sagt schon hier, es geht nicht nur um disabilities, die man sehen kann, sondern eben auch welche, die einfach so mental. Und die Unterschiede zu machen zwischen Gender, Gender Identity und Gender Expression, was gar kein so großes Thema bis jetzt ist, sondern immer nur zwischen Gender und Gender Identity unterschieden wird und jetzt noch Gender Expression dazukommt, ist schon Forward Thinking, würde ich sagen. Ja, ja. Wir diskutieren aus einer Position heraus, die wir hoffen, dass die meisten da draußen haben, dass wir schon der Meinung sind, dass die Welt inklusiver sein sollte und dass wir mehr Repräsentation für bestimmte Minderheiten brauchen.
Florian Bayer: Wir werden keinen Devils Advocate spielen für die Leute, die von der unterdrückten weißen Rasse reden oder die sagen, die behaupten, es gibt nur Sex und es gibt kein Gender und so weiter. Also ich glaube, das ist auch nicht die Position derer, die die fundierte Kritik daran üben. Genau, ja. Und wir wollen uns mit der fundierten Kritik daran auseinandersetzen und nicht mit denen, die rumbrüllen, die weiße Rasse stirbt aus. Fuck you. Genau, einmal ein Fuck you an alle, die misgendern, die Rassisten sind, die homophob sind. Misogyn. Misogyn, apleistisch. Genau. Fuck you.
Johannes Franke: Ihr könnt ausschalten. Genau, ihr dürft abhauen. Um euch geht es nicht, sondern es geht jetzt wirklich darum, wie schaffen wir es, eine Welt nach vorne zu bringen, die besser wird, die inklusiver wird. Und welche Mittel sind dafür gut und was macht Amazon und was macht Amazon vielleicht richtig und vielleicht potenziell falsch? Also, da müssen wir einfach gerade gucken.
Florian Bayer: As our trusted creative and production partners, we ask you to join us in these efforts, so we may move the industry towards a more representative and inclusive future. We ask. Zumindest einmal kurz hervorheben, dieses we ask. Ja.
Johannes Franke: Da ist kein Demand drin, ne? Aber das, aber man muss, wie gesagt, man muss wissen, dass Amazon eine bestimmte Macht hat. Natürlich. Die nicht, we ask kindly ist bei denen schon eher ne, und es sind Amis.
Florian Bayer: Aber wir müssen das Wording genau nehmen. Wir dürfen nicht in jedes Ask und in jedes Goal und in jedes Aim dürfen wir ein Muss und ein Soll reinlesen. Sonst, natürlich haben wir dann 1984. Ja. Ich glaube, es ist wichtig, auf das Wording zu achten, weil das ist, glaube ich, ein ganz wesentlicher Kritikpunkt, dass Leute oft in das Wording krassere Sachen reinlesen, als tatsächlich drinsteht. Und man kann aus einem we ask nicht, ihr sollt machen. Das geht nicht. Das ist richtig.
Johannes Franke: Aber man muss trotzdem, also du kannst, das ist keine Insel, du musst trotzdem die Gesellschaft mitdenken, die das dann umsetzen soll. Das heißt, du musst mitdenken, A, welche Macht Amazon hat und B, welche Leute das dann umsetzen und mit welcher Art und Weise die das umsetzen und welche Hürden da noch mitgehen.
Florian Bayer: Aber du darfst dabei auch nicht Amazon zum Despoten machen, wer sie Fäden in der Hand hält und die gesamte Filmindustrie lenkt und kontrolliert, weil das ist Amazon auch nicht. Die Amazon Studios sind in der Filmindustrie nicht der krasse große Machtfaktor. Die Amazon Studios haben nicht die Macht, komplett die Filmwelt umzugestalten. Aber wer hat es denn dann? Also Netflix ist mächtiger. Netflix ist nicht viel mächtiger. Was Filmindustrie betrifft und Filmproduktion, Disney ist viel, viel, viel, viel, viel, viel mächtiger. Okay. Nimm Disney. Okay. Amazon ist ein kleiner Wicht, wenn es neben Disney steht, was Filmproduktion betrifft.
Johannes Franke: Aber kein zu unterschätzender Player und einer, der, wie wir vorhin schon gesagt haben, eigentlich schon auch die Macht hat, etwas nach vorne zu schieben. Und nicht, wo Leute dann daneben stehen und sagen, ja unten interessiert mich noch nicht.
Florian Bayer: Ja, jetzt kommt der wesentliche Inhalt. Amazon Studios' Inclusion Policy covers the following four areas. Developing Stories and Characters. Hiring and Production. Reporting and Documentation. Commitment to Accountability.
Johannes Franke: Und ich glaube, das Letzte ist das, was uns alle aufschrecken lässt. Commitment to Accountability. Also Amazon sagt, und das werden wir nachher schon lesen, immer wieder, wenn ihr das nicht einhaltet, was wir uns da überlegt haben, dann müsst ihr uns zumindest erzählen, warum nicht. Accountability. Let's see. Das ist, ich glaube, das ist das große Problem.
Florian Bayer: Jetzt ist das Wording auf einmal wichtig.
Johannes Franke: Ja, wir sind eigentlich auf der gleichen Linie, aber lass uns ruhig ein bisschen diskutieren.
Florian Bayer: Ja, aber natürlich, Accountability ist erstmal ein harter Begriff.
Johannes Franke: Ja, aber der ist auch wichtig. Also ich finde es ja auch wichtig. Also was nützt es dir, Sachen in die Welt zu setzen, wenn du sagst, naja, am Ende interessiert es keinen. Also klar brauchst du Accountability.
Florian Bayer: Dann nimm mal den schönen rosanen Block, den wir haben. Das ist doch nochmal ein, noch einmal, noch einmal ordentlich mit Ausrufezeichen.
Johannes Franke: Okay, we encourage pitches, scripts and stories from storytellers of all backgrounds, including those from underrepresented communities. Consistent with our content guidelines, Amazon Originals should reflect the wide diversity of our customers and recognize the dignity of all people by avoiding demeaning stereotypes and harmful tropes. For this reason, characterization based on race, ethnicity, nationality, sexual orientation, religion, disability, including mental health, body size or image, age, gender, gender identity and gender expression should be made with care and in each case will be subject to an enhanced review. Wir sind also bei dem Punkt stories und Charaktere entwickeln. Genau. Und was, im Grunde zitiert er sich selbst von oben drüber, was zählt alles mögliche auf, was für Backgrounds man so haben kann, ne, race, ethnicity, nationality und so weiter. Es ist ihm wirklich ernst und wichtig damit, ne. So. Und dann gibt es eben Unterpunkte, Stereotyping. We discourage stories that solely depict harmful or negative stereotypes. Bin voll dafür. Auf jeden Fall. Natürlich. Also, da bin ich voll bei Amazon. Slurs and the humanizing language related to identity as well as narratives that link identity factors to jobs, religious beliefs, class, social class or behavior. Die gehen sehr weit rein. Sie gehen sehr tief ins Thema rein. Ich finde das super. Also, das ist ja auch ein ganz allgemeines Thema. Es hat gar nicht so sehr was mit Film zu tun, sondern das Thema, was wir zu beackern haben als Menschheit jetzt gerade, ist einfach da voll drin. Und ich finde es interessant, wie ausführlich.
Florian Bayer: Also, um mal Devils Advocat zu spielen, könnte man natürlich einmal so anmerken, Moment Slurs and the humanizing language. Heißt das, heißt das, ab sofort sehen Filme und Serien anders aus, wenn sie im 19. Jahrhundert spielen? Wird auf das N-Wort verzichtet, wenn du einen Film über Sklavenhandel machst, über Sklavenhaltung?
Johannes Franke: Jetzt wird es spannend. Da kommt nämlich gleich als nächstes Historical Depiction. Da steht, content that features out-of-date historical stereotypes, language and iconography. Wie spricht man das? Iconography. Iconography must avoid gratitude use of such portrayals. Also, schlecht vorgelesen, aber was es bedeutet ist, dass der Film das nicht unterstützen soll. Ja. Dass er es zeigen darf, aber nicht, dass der Film am Ende dem Zuschauer suggeriert, war doch super so. Ja. Und das ist ein wesentlicher Punkt. Und ich glaube, das ist genau das, worüber sich alle aufregen und diesen Satz überlesen haben oder ihn nicht ernst nehmen. Natürlich darf ich noch zeigen, wie es war, aber ich muss wenigstens dem Zuschauer eine Möglichkeit geben, zu verstehen, dass das scheiße war.
Florian Bayer: Ja. Das heißt, wenn du einen Rassisten und Sklaventreiber aus den Südstaaten im 19. Jahrhundert zeigst, dann benutzt er natürlich auch das N-Wort. Ja. Aber dann ist er auch nicht die Identifikationsfigur, dann ist diese Person nicht der Sympathieträger, sondern dann ist ganz klar, dass das in einem rassistischen Kontext geschieht. Ja, genau. Ja, die Authentizität, das ist ein wesentliches Thema, was gleich als nächstes kommt.
Johannes Franke: Das ist eigentlich auch das Wichtigste der ganzen Diskussion, Authentizität. Die Überschrift ist Cultural Authenticity. Wenn Serious, Regulars oder Lead Characters, also Hauptfiguren einer Serie, portray people from underrepresented communities, wie women, underrepresented racial, ethnic groups, sexual orientation, gender identity, people with disabilities, We expect creative teams to make a concerted effort to hire above-the-line staff, in Klammern Directors, Writers, Producers and or Creators, who represent the identity group depicted on screen. Soll heißen, sie müssen wenigstens, der Drehbuchautor oder der Regisseur oder so, muss was mit dem Thema zu tun haben, mit der Identity, die der Film darstellt.
Florian Bayer: Die Produktion soll sich darum bemühen, dass wenn sie zum Beispiel, wenn eine Geschichte von Schwarzen erzählt wird, dass dann im Hintergrund Leute schreiben, die sich in diese Geschichte reinversetzen können, weil sie eben ihrem Background entspricht, weil sie eben schwarz sind.
Johannes Franke: Jetzt kommt das Problem, der Drehbuchautor sagt, naja, dafür bin ich doch Drehbuchautor, damit ich mich in Storys reinarbeite, die nicht meine sind. Ja. Was ganz oft schief geht, wie wir wissen. Was ganz oft schief geht, absolut.
Florian Bayer: Also es gibt so viele schlechte Bücher über Frauen, die von Männern geschrieben sind, die versuchen, die Perspektive einer Frau einzunehmen, dass ich diesen Gedanken erstmal total nachvollziehbar finde.
Johannes Franke: Ja. Ich finde aber auch auf der anderen Seite eben den Gedanken nachvollziehbar, dass ein Drehbuchautor sagt, hallo, wird mir jetzt vorher schon unterstellt, dass es schlecht sein wird? Das ist schon ein kleines bisschen schwierig.
Florian Bayer: Was natürlich interessant ist, wir befinden uns in diesem Studiosystem. Das heißt, wir haben es hier nicht mit Autorenfilmern zu tun, sondern Amazon Studios hat ein Team. Es werden Ideen gepitcht. Ja. Und dann hast du hier diese große Idee, hey, lasst uns doch mal einen Film über das Hollywood aus den 40er Jahren machen. Und dann wird geguckt, okay, wer könnte das schreiben? Hey, lasst uns doch einen Film machen über Miles Davis' Karriere. Aber wer könnte das schreiben? Und dann wird natürlich überlegt, wir brauchen jemanden, der sich mit Jazz auskennt. Das ist selbstverständlich. Ja. Wenn du einen Film über Miles Davis drehst als Studio und du sagst, du überlegst dir ein Team von Autorinnen, die daran mitarbeiten sollen, ist ja der erste Gedanke. Natürlich ist es cool, wenn sich jemand mit Jazz auskennt. Ist richtig. Würde sich niemand drüber beschweren, oder? Ja, na klar.
Johannes Franke: Innerhalb dieses Systems, was du beschreibst, funktioniert das. Aber zum Beispiel Good Omens ist ja auch eine Amazon-Produktion. Da gab es eindeutig einen Autor vorher schon, der hat genau das geschrieben. In diesem Falle ist es ja alles ein kleines bisschen anders gelagert. Ja. Aber das ist nicht der klassische Weg bei diesen ganzen Studio-Produktionen. Nein, ist richtig. Aber sie wollen ja auch, und das steht später auch noch drin, sich in allen diesen Produktionen, ob jetzt selbst erdacht oder ins Boot geholt oder so, darauf achten.
Florian Bayer: Ja. Aber es macht doch auch Sinn bei sowas. Also wie gesagt, nochmal, wenn du einen Film, nehmen wir nochmal Miles Davis. Wenn du einen Film über Miles Davis machst, dann willst du natürlich jemanden haben, der sich mit Jazz auskennt. Du willst jemanden haben, der historisches Background-Wissen hat über die Zeiten, in der Miles Davis gelebt hat.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ich finde, das sind zum Beispiel so zwei Personen, das würde niemand in Frage stellen, dass das wichtig ist. Und dann denke ich, natürlich ist es doch logisch, wenn du sagst, du willst eine Person haben, die sich damit auskennt, wie sich ein Schwarzer in den USA zu der damaligen Zeit gefühlt hat. Ja. Das ist für mich einfach nur folgerichtig, dass du Experten hast, die sich damit auskennen.
Johannes Franke: Und Drehbuchautoren nutzen auch Experten, aber das ist dann halt nicht der Drehbuchautor, sondern das sind Leute, die sie konsultieren. Also Consultants für bestimmte Themen. Und das ist aber nicht above the line, sondern das ist below the line bei denen. Also das Ding ist, was ich eigentlich mache, ist ja den Gegenseiter aufzunehmen. Aber das Argument ist ja eigentlich, es muss ja nicht der Drehbuchautor sein. Es kann ja auch der Regisseur sein und es kann auch der Produzent sein oder einer dieser above the line Posten. Und das heißt, der Drehbuchautor muss sich ja nicht beschweren. Es kann ja einer sein, der sich ja gut einarbeitet. Und wenn er ein gutes Drehbuch geschrieben hat, dann ist er halt ein gutes Drehbuch. Aber dann haben wir vielleicht in der Umsetzung wenigstens noch einen Director, der sich damit, der sozusagen das da Advokat spielen kann für die Sachen, die eben wichtig sind.
Florian Bayer: Aber wie gesagt, um das nochmal stark zu machen, ich denke generell ist das Denken bei den Studios und auch total nachvollziehbar, dass du Expertise haben willst auf dem Gebiet, über das du Filme machst. Und bei ganz vielen Sachen ist es, glaube ich, überhaupt kein Diskussionspunkt. Also vor allem, was den Job des Writers betrifft. Du willst jemanden, der sich mit dem Thema auskennt, über das geschrieben wird. Und dann ist es keine Frage, dass es super ist, wenn diese Person dann eben Ahnung von Chemie hat, wenn sie über Marie Curie schreibt. Das ist so überhaupt keine Frage. Darüber wird niemand sagen, hey, das ist ja voll kacke, dass die Person Ahnung haben muss in Chemie. Was soll das denn überhaupt? Würde niemand in Frage stellen. Ist auch ein guter Vergleich. Und hier wird es aber in Frage gestellt, plötzlich so, warum sollte, wenn es um das Thema geht, homosexuelle Liebe in den 90ern jemand, warum sollte das jemand schreiben, der in den 90ern gelebt hat und homosexuell ist? Natürlich, weil diese Person hat verdammt nochmal Expertise darin. Ja. Und diese Person kann verhindern, dass dann eben Klischees gemacht werden über Homosexualität in den 90ern oder darüber hinaus.
Johannes Franke: Richtig. In der Position des Writers allerdings unter Umständen nicht 100 Prozent, weil du hast vielleicht jemanden gefunden, der in den 90ern geboren ist und homosexuell ist, der kann aber nicht schreiben. Kann passieren.
Florian Bayer: Ist aber vielleicht immer noch, aber dafür gibt es dann ja auch, wie gesagt, wir sind im Studiosystem, dafür gibt es ja auch diese Teams. Und wenn ich überlege, was ich als Historiker an schlechten historischen Romanen gelesen habe von Leuten, die schreiben können, aber wo man merkte, die haben so ein total oberflächliches Wissen über Geschichte und sind dann auch entsprechend in ganz viele Klischeefallen getappt. Und was mir dann auch wehgetan hat als jemand, der weiß, dass es so nicht aussah, dann denke ich, hey, ja, natürlich soll, natürlich will ich eine Expertise haben, wenn ein Text geschrieben wird, wenn es ein Drehbuch ist. Und dann stelle ich mir vor, ich bin Historiker und ich habe bestimmt nicht so einen emotionalen Bezug zur Geschichte des 19. Jahrhunderts, wie ein schwarzer Bürgerrechtler oder eine schwarze Bürgerrechtlerin zur Geschichte der Schwarzen in den USA der 60er Jahren. Weil das ist nochmal was viel Stärkeres, das kann verletzen. Das ist ein emotionaler Bezug. Und wenn die dann sehen, dass damit wenig Wissen rangegangen wurde, dann kann das ja wirklich auch den Seegenuss kaputt machen und im schlimmsten Fall sogar verärgern. Ja, und auch falsche Stereotype nach vorne bringen. Und um das auch nochmal stark zu machen, es geht nicht um Zwang. Es geht nicht darum, dass die gezwungen werden sollen, jetzt hier die Teams komplett so zu besetzen, sondern sie sollen sich bemühen, Leute zu finden, die verdammt nochmal Expertise in diesem Gebiet haben.
Johannes Franke: Aber der Druck ist schon recht hoch, weil sie ja danach Bericht erstatten müssen. Der Druck sollte auch hoch sein.
Florian Bayer: Es geht ja um gute Filme. Natürlich sollte der Druck hoch sein. Ja, absolut. Der Druck ist immer hoch in Studios. Glaubst du, wenn Marvel einen Superheldenfilm dreht und dann das riesige Marvel-Universum vor sich hat, dann ist der Druck auch verdammt nochmal hoch, weil sie wissen, dass da Millionen Comic-Fans sind, die komplett ausrasten, wenn Captain America's Schild die falsche Farbe hat.
Johannes Franke: Ja, ja, ist richtig. Ich will bloß sagen, auch wenn sie sagen, sie sollen sich bemühen, dass das, wenn ich als Kind vor meiner Mama stehe und die sagt, jetzt bemühe ich aber mal, dann habe ich einen großen Druck als Kind.
Florian Bayer: Aber das ist doch auch das fucking Film-Business. Das ist doch voll von Druck. Ich glaube nicht, dass das das ist, wo die dann plötzlich alle schwitzen. Da gibt es tausend andere Sachen, wo sie viel mehr schwitzen. Allein schon, wenn es darum geht, wie das Ding dann später am Box-Office performt. Ja, natürlich.
Johannes Franke: Also, es ist möglich, Leute ins Boot zu holen. Und es ist absolut richtig und wichtig, Leute ins Boot zu holen, die sich damit auskennen. Und zwar nicht nur als Quote irgendwo in den kleinen Positionen, sondern eben above the line, oben in den großen Positionen. Leute, die den Background haben, die den Film behandelt.
Florian Bayer: Und jetzt kommt auch die Einschränkung. We will aim for 30% of the above the line staff to meet this goal. Es geht hier um 30%. Es geht hier nicht darum, dass sie sagen, wir wollen 100% haben. Es geht hier nicht darum, dass sie sagen, du darfst deinen Film über Martin Luther King nur noch mit schwarzen Bürgerrechtlern, die in den 60ern gelebt haben, besetzen. Das kommt gleich noch. Den Staff damit besetzen. Es geht um 30%.
Johannes Franke: Was total machbar ist, weil wir haben noch genug Leute, die sich damit auskennen. Also, ich glaube, diese Angst kommt ja auch immer hoch, dass Leute sagen, ja, aber dann gibt es eben nicht genug Leute, die sich damit auskennen oder nicht genug Leute, die auch noch spielen können, Schauspieler und so. Natürlich gibt es die. Du musst die halt bloß fördern und in die Richtung bringen. Es ist wie mit Frauen in großen Führungspositionen. Ach, aber wenn ich doch keine Frau finde, die Führungsqualitäten hat, verdammt nochmal, dann kümmere dich darum, dass es genug Frauen gibt, die das kriegen.
Florian Bayer: Überleg mal, warum du keine findest. Ja. Wahrscheinlich genau deswegen. Meine Güte. Und ich finde, 30% klingt auch nicht wie so eine gruselige Zahl. Ich kann es nur nochmal sagen. Du willst ein Drittel der Leute, die an einem Projekt beteiligt sind, was ein historisches Thema hat oder ein politisches Thema hat, willst du mit einer gewissen Involvierung in dieses Thema haben. Ich denke mir auch natürlich, wenn ich als Studio einen Film produziere, dann finde ich, wie gesagt, wenn ich von dem Identity-Politics weggehe und Expertise anders fasse, zum Beispiel im Akademischen, dann denke ich, hey, ja, natürlich will ich diese 30%, weil das das Endprodukt besser macht.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, das ist halt das Eigentliche. Mal die Moral ganz zur Seite geschoben. Ja, es macht den Film nur reicher. Ja. Ist klar.
Florian Bayer: Und das soll dann 2024 auf 50% steigern.
Johannes Franke: Das macht mir so gar keine Angst. Nee. Ganz im Gegenteil, ich freue mich sehr darüber, dass man sich darum Gedanken macht und dass man sagt, okay, wir haben es jetzt 100 Jahre versucht, auf freiwilliger Basis. Wir müssen jetzt einfach mal darum kümmern, dass wir wirklich was festschreiben und sagen, okay, lass uns das versuchen. Festschreiben ist es ja noch nicht mal.
Florian Bayer: Ich finde, we will aim for 30% ist butterweich formuliert. Ja, das stimmt.
Johannes Franke: Und das macht es noch butterweicher, weil du kannst als Produktion, wenn du merkst, nee, wir haben die Expertise nicht da und der Typ, der uns was erzählen könnte, ist halt kein Director oder kein Drehbuchautor, dann kannst du das Amazon auch erklären und die sagen dann, na gut, okay. Ja, hier haben wir noch eine Beraterin für dich. Genau. Also insofern, was hinter der Kamera betrifft, ist auch, glaube ich, gar nicht so die ganz große Diskussion. Wir kommen jetzt zur großen Diskussion. Jetzt kommen wir nämlich zum Casting. Genau. Und das ist ein wahnsinnig schwieriges Thema. Okay, ich lese mal vor. Soll ich vorlesen? Ja. Hiring and Production. Creative Teams are required to submit detailed plans for auditioning and casting to ensure that candidates from underrepresented communities are considered and hired. The plan must also outline strategies for how the production will cultivate an inclusive environment. The inclusion playbook has details to support building these plans. Vielleicht müssen wir da noch reingucken. Aber wir haben jetzt erstmal die generellen Informationen zum Casting. Also es geht darum, wer soll vor die Kamera? Und wie soll das aussehen, damit es inklusiv ist? Ja. Und was sagt Amazon dazu? The story comes first. Das ist der erste Satz. Und das ist wahnsinnig wichtig. Und das ist auch etwas, was viele Leute überlesen. Story comes first. Fett gedruckt. Und das kann ich auch nur unterstreichen. Natürlich. Und dann kommen immer die großen, ja, und dann kann ich bestimmte Geschichten nicht mehr erzählen. Was ist, wenn meine Geschichte nun mal unter weißen, biertrinkenden Männern spielt? Ja, die kannst du erzählen. Aber fuck you, erzähl deine Geschichte von weißen, biertrinkenden Männern. Genau. Das ist doch in Ordnung. The story comes first. Aber wenn du irgendwie eine Chance hast, kümmere dich drum. Auch hier, du wirst dir wahrscheinlich einen Experten ranholen für weiße, biertrinkende
Florian Bayer: Männer. Du wirst 30% weiße, biertrinkende Männer in deinem Skript einsetzen. Und die Story wird total kacke sein. Aber du wirst einen neuen Hangover gemacht haben und wirst sehr glücklich über dich sein. So.
Johannes Franke: Aber es ist trotzdem nicht ganz so leicht, wie wir das jetzt formulieren. Wir machen das jetzt ein bisschen lustig, aber eigentlich ist das schon ein empfindliches und schwieriges Thema. Nichts mal weiter, ja. Was mit der gebührenden Aufmerksamkeit behandelt werden sollte. Sie schreiben, story comes first. The inclusion policy recommends casting characters from all backgrounds, as long as it does not compromise the authenticity of the narrative. Wichtig. Ja.
Florian Bayer: Wir werden keine homosexuellen Rollstuhlfahrer im Mittelalter haben. Das ist das beste Beispiel, was du je gebracht hast. Das sagen nämlich alle. Davor haben ganz viele Angst tatsächlich. Und was ist mit Mittelaltergeschichten? Und was ist mit Geschichten bei den Wikingern? Sind da auf einmal schwarze Wikinger dabei? Nein. Natürlich, natürlich ist die Authentizität wichtig. Und gerade bei historischen Stoffen wird die auch weiter wichtig bleiben. Ja.
Johannes Franke: Also sie geben natürlich jetzt das Beispiel, dass man, also ich nehme an, sie denken daran, dass du einen Film hast, der nun mal in Slums vor allem schwarzer Leute spielt. So, dann wirst du nicht so wahnsinnig viele weiße Leute casten können. Ja. Obwohl es divers sein sollte. Das wirst du nicht haben. Ja. Also, und das ist auch in Ordnung. Und damit inkludieren wir auch die weißen, biertrinkenden Männer, über die ich eine Geschichte erzählen will, wo es überhaupt keinen Sinn macht, dass da ein schwarzer Rollstuhlfahrender Weintrinker dabei ist. Was für Beispiele haben wir hier?
Florian Bayer: Ich glaube, die historischen Filme sind immer noch die besten Beispiele, weil diese Angst so oft aufkommt. Keine Sorge Leute, euch werden die historischen Filme nicht weggenommen, was das betrifft.
Johannes Franke: Und dann denkt man natürlich gleich an Bridgerton. Ja, aber das ist auch ein Spiel damit. Das ist was ganz anderes. Das ist doch total okay, natürlich kann das. Aber es muss halt nicht. Und das ist halt das, was so oft fehlverstanden wird. Bridgerton kommt nicht aus einer Verpflichtung heraus, sondern weil sich jemand gedacht hat, das wäre doch schön.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und wenn er sich gedacht hätte, es wäre auch schön, wenn es alles weiße sind, dann wären es halt alles weiße gewesen.
Florian Bayer: Darüber können wir gleich nochmal diskutieren, wenn es darum geht, dass die Authentizität gewahrt werden muss. Und das ist, glaube ich, auch schon das Nächste. Das ist ein ganz spannender Punkt. Das ist ein Punkt, der sehr viel Diskussion ausgelöst hat. Das ist wahrscheinlich sogar der Punkt, der gerade in linken Kreisen und in Kulturkreisen das größte Problem, als das größte Problem wahrgenommen wird. Ja. Es wird konkretisiert. Identity aligns with the identity of the character they will be playing. By gender, gender identity, nationality, race, ethnicity, sexual orientation and disability. Ich habe bewusst diese Pause gesetzt, weil die sexual orientation wird oft als Punkt herangezogen, warum das schwierig sein könnte. Ja. Und in particular, when the character is a member of an underrepresented group identity. Punkt. Okay. Darüber muss geredet werden.
Johannes Franke: Es fängt schon mal an mit whenever possible. Das ist, also ich weiß, es gibt viel Druck, Amazon, das irgendwie zu erklären, warum das nicht so geht eventuell. Aber es ist eine Hintertür, zu sagen, okay, in dem Falle ging es nicht. Wir konnten das nicht zusammenbringen. Wichtig ist jetzt, gehen wir das mal durch, by gender. Das heißt, ich darf nicht mehr als Mann eine Frau spielen oder andersrum, wie das durchaus ein paar Mal passiert ist.
Florian Bayer: Können wir das Wort dürfen durchstreichen? Sollten. Weil ich glaube, das ist wirklich, also ich finde es in dem Kontext nicht das richtige Wort. Es ist, wenn möglich soll eine Frau auch von einer Frau gespielt werden. Können wir uns darauf einigen? Ist das okay? Ja, ja, ja, ja, okay.
Johannes Franke: Das heißt, es muss Amazon auf jeden Fall erklärt werden, warum Cate Blanchett Bob Dylan spielt.
Florian Bayer: Und ich glaube, diese Fälle kommen so selten vor und sind oft auch im Bereich, im Sinn der Story oder im Sinn von einer bewussten Dekonstruktion der Geschichte. Ich halte das für kein großes Problem. Es gibt nicht viele Filme, in denen das gemacht wird. Und wenn es gemacht wird, geschieht es ja meistens eben auch in so einem postmodernen Kontext, wo mit Geschlechtsrollen gespielt wird und die aufgelöst werden. Das heißt, ich glaube, eine Cate Blanchett, die Bob Dylan spielt oder eine Bob Dylan-Variante, ist in dieser Inclusion Policy kein Problem. Genauso wenig ein Mann, der eine Frauenrolle spielt.
Johannes Franke: Es ist ja das große Problem mit allen Sachen, die man niederschreibt, dass sie eine Generalisierung nicht vermeiden können unter Umständen, dass Menschen, die das lesen und danach handeln, sehr amtsmäßig damit umgehen. Das heißt, du hast unter Umständen, wenn du Pech hast, ein Mitarbeiter von Amazon, dem du ein Drehbuch vor die Nase setzt und sagst, ich möchte das Ganze so und so umsetzen, es stimmt nicht ganz mit dem überein, was da drin steht, weil ich habe eine andere künstlerische Vision. Und der dann sehr amtsmäßig sagt, nee, geht nicht. Also den Faktor müssen wir leider schon auch mit einrechnen. Ich glaube nicht, dass die Amazon Studios funktionieren wie eine deutsche Behörde. Ich befürchte, es tut es mehr, als wenn es lieb ist. Wenn ich, ich habe mit Netflix zu tun gehabt. Ja. Und ich habe schon das Gefühl, dass da manchmal in dieser Art umgegangen wird. So musst du die Leute wirklich davon überzeugen, dass du eine bestimmte Geschichte erzählen darfst. Und das sind manchmal eben Leute, die eher Geschäftsmänner als Künstler sind. Das Problem existiert aber schon immer.
Florian Bayer: Das muss man auch mal sagen. Das finde ich ganz, ganz wichtig nochmal zu sagen und ich kann ein ganz schönes Beispiel bringen, nicht aus der Filmwelt, sondern aus der Videospielwelt. Dieser Gedanke besteht auf jeden Fall, du musst Leute von deinem Konzept überzeugen und die sagen, nee, so geht das nicht. Du musst es so ein bisschen anders machen. Und die Welt, in der wir groß geworden sind, die mediale Welt, hatte ja meistens eher den umgekehrten Weg, dass das immer zu Ungunsten ging von Frauen, von Schwarzen, von ein Beispiel aus der Videospielwelt. Es gab ein Spiel, das wurde entwickelt für eine Nintendo-Konsole in den 90er Jahren, für Nintendo 64, das hieß Dinosaur Planet mit einer tapferen Kämpferin, eine Füchsin war es, glaube ich, die als Abenteurerin auf einem fremden Planeten gegen Dinosaurier kämpft, Schätze sucht, blablab, 3D-Action-Adventure. Großes Spiel damals und das war dann sehr lange in der Entwicklung und dann irgendwann hat Nintendo gesagt, lasst uns da doch einfach unser beliebtes, bekanntes, männliches Maskottchen Fox McCloud reinpacken. Und dann wurde das Spiel zu Star Fox Adventures und die Crystal, die ursprünglich diese Füchsin war, wurde untergeschrieben auf eine entführte Prinzessinnenrolle und Fox McCloud war der große Abenteurer, der auf diesem Planeten rumgewütet hat. Und das ist das, wie die Filmindustrie seit 100 Jahren funktioniert, dass gesagt wird, naja, wir brauchen da noch einen männlichen Abenteurer, wir können doch nicht, die Protagonistin kann doch nicht die sein, die das Abenteuer erlebt. Ja. Oh, denk doch mal dran, wir wollen den Film auch in Texas spielen. Wirklich. Ein Interracial Couple, nein, das geht nicht, funktioniert nicht, können wir nicht machen. Es gibt Beispiele aus der Filmgeschichte, es gibt Beispiele gerade aus der Studiogeschichte, wo große Projekte finanziert wurden und kreativ reingeredet wurde.
Johannes Franke: Du hast also im Grunde, also du willst damit sagen, wir kommen in keine Verschlechterung, weil es eigentlich immer ein menschlicher Faktor ist.
Florian Bayer: Ja. Also es gibt immer die Typen, die sagen, nee, das verkauft sich aber besser.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dass es jetzt vielleicht zusätzlich noch die Typen gibt, die sagen, aber irgendwie ist das doch ein bisschen einseitig. Du hast ja nur weiße, männliche Charaktere in deinem Frauengefängnis-Drama. Ist vielleicht nicht so schlimm. Ist wahrscheinlich sogar ganz gut und letzten Endes ist es natürlich auch ein Ausgleich eben zu dem, was permanent im Filmstudiosystem passiert.
Johannes Franke: Aber es wird schon, also jetzt nicht als Gegenargument, sondern vielleicht auch ein Pro-Argument, es gibt dann halt tatsächlich Regisseure, die nicht mehr so viel umsetzen können, weil sie vornehmlich in weißen, männlichen Milieus spielen und sich da abarbeiten wollen und irgendwie Sachen nach vorne bringen, die einfach nicht mehr zeitgemäß sind. Dann ist es vielleicht auch gar nicht so schlecht, dass sie das nicht mehr machen.
Florian Bayer: Es gibt viel mehr Regisseure und Regisseurinnen, die nicht umsetzen können, was sie wollen, als es die gibt, die das umsetzen wollen. Ja. Und es gibt viel mehr DrehbuchautorInnen, die nirgendwo hinkommen, die es einfach nicht zu den Studios schaffen, die es nicht schaffen, dass ihr Projekt umgesetzt wird, als es Leute gibt, deren Filme, deren Ideen umgesetzt werden. Ja. Es wird so getan, ich habe das Gefühl, es wird oft so von der Kritik getan, als hätten wir eine wunderbar funktionierende Kreativindustrie, in der Menschen super Chancen haben, ihre Ideen umzusetzen und jetzt gibt es diese eine Bedrohung und die heißt Diversity, die plötzlich das ganze, die ganze volle, freie, kreative Branche in einen irrenengen Käfig sperrt.
Johannes Franke: Und das ist es halt nicht. Das ist es einfach nicht. Lass uns mal weitergehen. Wir haben bei Gender, okay, Mann, Frau, Frau, Mann, mal schauen, wenn ihr mal es künstlerisch begründet, geht das wahrscheinlich noch. Gender Identity. Ja. Bedeutet vor allem Trans? Es geht vor allem um Transfiguren. Es geht vor allem um Transfiguren. Und natürlich möchte ich, dass eine Transfrau auch eine Transfrau spielen kann oder einen Transmann spielen kann. Das große Problem dabei ist und was mein großes Argument ist, weil Schauspieler ja immer sagen, na klar, ich kann doch aber auch einen Transmann spielen oder ich kann auch eine Transfrau spielen. Ich bin doch, dafür bin ich doch Schauspieler. Und dann denke ich, ja, vielleicht das schon. Vielleicht bist du auch in der Lage, dich gut genug damit auseinanderzusetzen und das zu recherchieren und das ordentlich zu spielen. Gibt es gute Beispiele? Ja, definitiv. Was mein Problem dabei ist, es gibt genug Transfrauen, die Schauspielerinnen sind, die keine Jobs bekommen. Weil sie in so viele Rollen nicht reinpassen, dass sie gar keine Jobs mehr haben. Und warum soll ich denen die Jobs wegnehmen? Und ich habe das schon ein paar Mal gemacht. Ich habe Rollen abgelehnt in der Richtung, weil ich gedacht habe, warum, warum soll ich jetzt, der ich alles spielen kann, theoretisch, den Leuten, die nur einen kleinen Teil des Marktdeckments abdecken dürfen, wegen irgendwelcher Idioten, die sich, oder auch, weil es tatsächlich nicht passt, was weiß ich, warum soll ich denen die Jobs wegnehmen?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ist doch bescheuert.
Florian Bayer: Um das tatsächlich noch ein bisschen aufzubrechen. Ich fände es viel spannender und das widerspricht fast schon diesem Guideline, dass man bei, gerade wenn es um Transmenschen geht, auch sagen kann, hey, die sollen auch Rollen spielen, die nicht transdefiniert sind. Das heißt, die, bei denen einfach, bei denen es überhaupt keinen Transhintergrund gibt. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich das sehe und ich sehe das viel zu selten. Es gab diese Netflix-Serie, der Kandidat hieß die, glaube ich. Das waren einfach sowas wie House of Cards an der Highschool. Es geht um jemanden, der sich für den als Schülersprecher bewirbt und Politik macht, genauso wie bei House of Cards, so mit Intrigen und so, aber alles so eine Nummer kleiner. Super Serie, also super erste Staffel, die zweite habe ich dann nicht mehr geguckt, warum auch immer. Und da gab es einen Transmann, der relativ prominent besetzt war, es war einer seiner Berater, aber dessen Geschlechtlichkeit wurde überhaupt nicht groß, wurde einfach nicht groß thematisiert, wurde überhaupt nicht thematisiert oder definiert. Und der Schauspieler ist Transmann, das habe ich dann halt gelesen, weil, naja, es ist mir halt schon ein bisschen aufgefallen. Ich fand das total super, weil er hat einfach eine männliche Rolle gespielt, ohne die Frage, ob trans oder nicht. Ja, super. Und das würde ich mir auch viel mehr wünschen. Was allerdings in den Guidelines bis jetzt nicht vorkommt. Genau. Aber. Und wo man sagen könnte, das widerspricht doch der Repräsentation, dass ein Transmann ein Cis-Mann spielt. Moment mal.
Johannes Franke: Ja, und wer das sagt, es wird ja oft gesagt, warum, dann darf ja auch der Transmann nicht mehr die Cis-Männer spielen oder andere Identitäten spielen. Was ja eigentlich der Ruf ist eigentlich zu sagen, nein, Schwule oder Non-Binary oder was auch immer, kann auch einfach nur ein Anwalt spielen. So. Das steht da jetzt nicht drin. Aber es ist ja eigentlich das drunter liegende Thema. Ja. Das drunter liegende Thema ist, wir wollen unterrepräsentierte Gruppen nach oben holen. Und dazu gehören natürlich auch die Transmenschen, die sonst nur Transmenschen spielen dürfen. Und dass sie dann eben in Rollen kommen, die gar nichts damit zu tun haben.
Florian Bayer: Ja, dass das, was im Playbook nochmal ein bisschen genauer ausgeführt wird, dass es wichtig ist, dass wenn du zum Beispiel eine homosexuelle Figur in deiner Geschichte hast, sollst du dir natürlich Gedanken drüber machen, wodurch ist diese Figur definiert. Und wenn sie nur durch ihre Homosexualität definiert ist, dann machst du irgendwas falsch. Und zwar nicht nur aus dem moralischen Standpunkt, sondern auch einfach aus dem Storytelling-Standpunkt. Ja. Weil eindimensionale Figuren sind eindimensional. Wenn ein Mensch in deiner Geschichte nur durch seine Rasse, nur durch sein Geschlecht oder nur durch seine Gender-Identität oder sonst was definiert ist, dann ist das einfach mal eine fucking eindimensionale Figur. Nein, tu das nicht. Und selbst wenn du nichts von Identitätspolitik hältst, nein, tu das nicht. Einfach, weil du eine lebendige Story erzählen willst. Lass uns mal weitergehen. Ja, gehen wir mal weiter.
Johannes Franke: Nationality. Nationality ist, wie scharf sind denn die Grenzen da? Ja, schwierig.
Florian Bayer: Darf Sean Connery James Bond spielen? Darf ein Schotter einen englischen Geheimagenten spielen? Darf ein Amerikaner? Daniel Craig ist Amerikaner, ne?
Johannes Franke: Ich glaube, ja. Darf der James Bond spielen? Nee, ich weiß es nicht. Darf ein Inder einen Pakistani spielen? Ja. Ich als Europäer habe gar keine Ahnung. Ich weiß es nicht. Das Problem ist, eigentlich müsste drinstehen, fragt die Leute, die es betrifft. Ja.
Florian Bayer: Das ist sowieso ganz oft immer der richtige Hinweis. Redet mit den Leuten, die es betrifft. Und ihr werdet feststellen, dass es verflucht viele Japaner gibt, die es total kacke finden, wenn sie von Chinesen gespielt werden und die dann Tai genannt werden oder so.
Johannes Franke: Ja, also ich glaube, das ist die Maßgabe, die aber leider jetzt gerade noch nicht drinsteht. Vielleicht kommt es ja noch irgendwo. Aber redet mit den Leuten darüber und findet raus, was irgendwie. Das ist halt wieder das Problem bei Guidelines. Die sind nicht individuell. Guidelines sind nicht individuell.
Florian Bayer: Ich gehe fest davon auf, für diesen Text wurde sehr viel mit diesen Menschen geredet. Ja. Ich glaube. Da gehe ich ja auch davon aus, natürlich. Es wird viel über Amazon gelästert und natürlich, das ist auch eine Marketingaktion. Ich kaufe aber Amazon ab und ich glaube, das muss ich einfach tun, um so ein Goodwill vorauszusetzen, sonst ist es schwer darüber zu diskutieren. Ich kaufe Amazon total ab, dass sie das ernst meinen und dass ihnen das Thema wichtig ist. Unabhängig davon, wie viel Publicity sie sich davon versprechen und so weiter. Ich kaufe ihnen ab, dass sie das ernst meinen. Beziehungsweise die Leute, die sich damit beschäftigen.
Johannes Franke: Also, ich kann mir nicht vorstellen, dass Jeff Bezos sich da irgendwie Interesse, also dass er sich damit groß beschäftigt hat. Vielleicht, keine Ahnung.
Florian Bayer: Ich würde ihm nicht Unrecht tun. Ich weiß nicht, womit sich Jeff Bezos beschäftigt.
Johannes Franke: Ja, damit im Weltraum rumzuhören.
Florian Bayer: Aber er hat halt immerhin nicht Fox News gekauft, sondern die Washington Post. Das heißt, er scheint ja durchaus eher zu der einen Seite zu tendieren und nicht zu
Johannes Franke: der anderen. Ja, das ist immerhin was. Aber ich weiß nicht, sozusagen, das ist ein riesiger Haufen. Du kannst nicht von die von Amazon reden. Das funktioniert nicht. Natürlich nicht. Also, es gibt die Abteilung von Amazon, die dafür verantwortlich ist und die das umsetzen will und soll. Und denen kaufe ich das einfach auch ab. Natürlich.
Florian Bayer: Kommen wir zu dem schwierigsten Punkt in der Klammer. Und das ist die Sexual Orientation. Es gibt nämlich ein großes, die Frage ist, wie groß es ist und schweres. Und die Frage ist, wie schwer ist das Argument dagegen? Weil gesagt wird, ist das nicht ein Weg zum Zwangsouting?
Johannes Franke: Ja, das ist ein großes Thema. Also zum einen das Zwangsouting und zum anderen, das ist wie bei Gender Identity. Eigentlich ist das Ziel dahinter, dass der Erfahrungsschatz genutzt wird, den die Person mitbringt, die das spielt.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Bedeutet aber nicht, dass ein schwuler Mann nicht genug Erfahrungshorizont mitbringt, hetero Menschen zu spielen. Ja. Weil das würde das bedeuten, ne? Es soll darauf geachtet werden, dass keine schwulen Schauspieler hetero Leute spielen. Das finde ich problematisch.
Florian Bayer: Wobei tatsächlich, also das ist ja ein wichtiger Zusatz, den sie machen. Es geht vor allem particular member of an underrepresented group. Das heißt, es geht nicht darum, dass sie sagen, ihr Schwulen dürft keine Heteros mehr spielen. Es geht ja darum, dass vor allem die unterrepräsentierten Gruppen, und das sind eben nicht die Heteros, sondern das sind die Homosexuellen, dass die von Homosexuellen gespielt werden. Genau. Ich glaube, diese Frage, oh Gott, dürfen jetzt Homosexuelle keine Heterosexuellen mehr spielen, ist so eine Scheinfrage, mit der, glaube ich, auch so ein bisschen die Rechte versucht, die dann auf ihre Seite zu ziehen, oder einfach zu trollen, indem sie sagen, hey, denk mal darüber nach, jetzt dürft ihr auf einmal nicht mehr ... Das ist nicht die Frage. Das geht vor allem um unterrepräsentierte Gruppen. Genau. Aber auch da kann man natürlich sagen, hey, so ein Film wie Brockback Mountain, Argument, so ein Film wie Brockback Mountain, ist dann nicht mehr möglich, weil beide Darsteller, die das hervorragend gespielt haben, heterosexuell waren. Ja.
Johannes Franke: Das, also ... Das Problem als Schauspieler ist, wie weit ist die Figur von dir weg, und wie viel musst du mitbringen als Erfahrungs-Background, um das wirklich spielen zu können. Ja. Und nun wollen Schauspieler und können Schauspieler auch, wurde tausendfach bewiesen, Schauspieler rollen, spielen, die so weit weg von ihnen selbst sind, weil bestimmte Sachen sich ja auch ähneln. Die Probleme, die du hast, wenn du ein Kind verlierst, sind ... Du hast als Schauspieler diese Erfahrung nie gemacht. Du kannst es trotzdem spielen, weil du vielleicht eine Erfahrung gemacht hast, die du übertragen kannst darauf. So funktioniert das Schauspiel, ne?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Du überträgst Erfahrungen aus deinem Leben auf Erfahrungen des Charakters. Und nun ist Liebe, Liebe. Ja. Ob ich jetzt als Mann einen Mann oder eine Frau liebe, spielt für die Erfüllung der Rolle überhaupt keinen ... Also ist es so egal. Allerdings gibt es trotzdem natürlich Erfahrungen, die du als schwuler Mann machst. Ich rede jetzt immer von Mann, weil ich aus meiner Perspektive gehe. Aber Frauen, genauso lesbische Frauen, haben einfach tatsächlich inhärente Erfahrungen gemacht in ihrem Leben, die sich im Spiel unter Umständen niederschlagen, die eine Frau, die das nie erlebt hat oder die ein Mann, der das nie erlebt hat, vielleicht übersieht. Weil die Erfahrung nicht dafür da ist. Aber das ist eine Sache, die man individuell klären müsste, ne? Die irgendwie ... Die nicht ... Die dann einfach dazu führt, dass man sagt, das ist ein guter Schauspieler gewesen oder nicht. Hat dann aber nichts damit zu tun, wie man das ... Also ...
Florian Bayer: Ja, ich denke schon, und damit schlage ich mich so ein bisschen gerade auf die Seite von den KritikerInnen an diesem Abschnitt. Ja. Dass jeder Mensch erstmal so grundsätzlich in der Lage ist, über alles zu schreiben und alles zu spielen. Und zwar aus seiner Perspektive und dann natürlich auch seine Perspektive reinbringt. Und die unterscheidet sich stark von dem ... Von der Perspektive von anderen Menschen. Ja. Aber grundsätzlich finde ich den Gedanken richtig, dass die Fantasie uns Menschen die Möglichkeit gibt, über unseren Horizont hinauszudenken. Genau. Das heißt, wir können uns hineinversetzen in andere Menschen. Empathie, Fantasie. Und natürlich treffen wir es nicht. Wir treffen es nicht 100 Prozent. Auf keinen Fall. Und das wäre Anmaßung, zu sagen, ich treffe das. Du kannst dich als Heterosexueller, kannst du dich nicht in homosexuellen 100 Prozent reinversetzen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich glaube, es kann ganz viel Spannendes daraus entstehen, wenn Menschen das versuchen. Ja. Aber es kann auch ganz viel Schlimmes dabei entstehen. Und es ist in der Vergangenheit auch ganz viel Schlimmes dabei entstanden. Ja, ja, ja. Also Schlimmes und Böses und Großes Wort. Einfach Blödes, Doofes, wie auch immer man es nennen will. Aber das ist eben das, wo ich immer das mitlese, bemüht euch. Versucht jemanden zu finden, der diese Erfahrung hat. Und der dann authentischer über diese Erfahrung schreiben kann. Und wenn es nicht klappt, dann klappt es nicht. Plus, wir haben hinter uns eine riesige Filmgeschichte, in der es halt immer anders war. In der die Drehbücher zu 90 Prozent von weißen Männern geschrieben wurden. In denen die Protagonisten zu 90 Prozent von weißen Männern dargestellt wurden. Und in denen Homosexuelle zu 90 Prozent von Heterosexuellen gespielt wurden. Und in denen Homosexuelle sich nicht getraut haben, zu sagen, dass sie homosexuell sind, weil sie Angst hatten, dass sie dann als Heterosexuelle nicht mehr akzeptiert werden als Großstars, die von Frauen angehimmelt werden. Ja. Und vor diesem Hintergrund glaube ich, dass es richtig ist zu sagen, gebt euch mehr Mühe darauf zu achten. Die Frage nach dem Zwangsouting. Weil es ist offensichtlich ein starkes Argument von KritikerInnen. Ja. Das ist ein Argument, was sehr oft genommen wird. Ich glaube, das ist so ein bisschen ein Scheinargument. Also ganz ehrlich, ich breche vielen, die dieses Argument benutzen. Es ist ein Argument, was so ein bisschen... Ich breche vielen, die das Argument benutzen, den guten Willen ab. Und dass es denen gar nicht darum geht, dass die armen Homosexuellen sich jetzt zwangsouten müssen. Sondern ich glaube, denen geht es eher darum, was zu finden, ein Reiskorn zu finden, auf das sie zielen können.
Johannes Franke: Aber wenn wir davon unabhängig denken, wer das sagt, also das Argument bringt mich zum Nachdenken. Ich überlege, was das bedeutet. Wenn ich ein Drehbuch als Agent zugeschickt bekomme, da sind fünf Rollen dabei, die besetzt werden müssen. Und ich könnte jetzt noch jemanden vorschlagen. Aber dazu müsste ich, um die Chancen zu erhöhen, wissen, ob der schwul ist oder nicht. Das heißt, er muss sich geoutet haben vorher. Das ist schon bedenklich. Also ich bin sozusagen bei Sexual Orientation wirklich hin und her gerissen.
Florian Bayer: Ich verstehe die Problematik dieses Punktes. Auch weil wir ja tatsächlich sagen, eigentlich ist ja unsere Idealwelt, in der sich niemand, der homosexuell ist, outen muss. Das ist ja eigentlich das Ideal, was wir haben. Genau. Dass es egal ist und dass es halt einfach passiert, wenn du mit jemandem flirtest und dann herausfindest, dass diese Person kein Interesse an dir hat oder ein Interesse an dir hat. Ja. Aber in dieser Idealwelt leben wir natürlich nicht. Und wir leben in einer Welt, in der tatsächlich noch viele ihre Homosexualität verbergen oder mit der einfach nicht alltäglich umgehen können oder in der die Homosexualität von Menschen nicht wahrgenommen und ignoriert wird, weil Heterosexualität so krass als Default gesetzt wird, dass du dich mit jemandem unterhältst und wie normal sagst und hast du eine Freundin oder eine Frau, obwohl du gar nicht fragst oder vielleicht einen Mann, sondern weil das einfach der Default ist. Deswegen verstehe ich das durchaus, ja, ich verstehe diese Problematisierung davon. Und ich glaube, es ist auch was, worüber man sich Gedanken machen kann, was das bedeutet und was das für Konsequenzen haben kann. Ich glaube, wie bei allem ist es so, dass die Konsequenzen in der Realität dann bei Weitem nicht so sind, wie sie sich jetzt hier vielleicht ausgemalt werden. Ein anderes Beispiel, ich weiß, ich hole jetzt weit aus, aber es erinnert mich so ein bisschen an das Argument, wenn es um die Frage nach der Toilettennutzung geht, dann kommen die perversen Männer, die sagen, ich identifiziere mich als Frau und die dann auf die Frauentoilette gehen, nur um Frauen zu bespannen. Es ist ein Argument, was in diesem Diskurs rumschwirrt. Und ein bisschen erinnert mich dieses Argument auch daran. Deswegen sage ich auch, ich glaube, dass das nicht von allen im guten Willen gemacht wird, weil bei diesem Argument ist es ganz oft, dass es das ist, was von den Konservativen gebracht wird, die sich plötzlich Gedanken darüber machen, dass die armen Frauen bespannt werden können. Aber das ist so ein Scheinargument, das passiert ja einfach nicht.
Johannes Franke: Ja, aber das ist ein schlechter Vergleich, glaube ich, weil das ja wirklich, das, was wir hier haben, ist eine konkrete Gefahr, dass Leute sich nur wirklich, das passiert halt wirklich.
Florian Bayer: Ja, wir kämpfen gerade auch mit den Argumenten. Und dieses Argument wird ja auch von vielen gebracht, denen ich das Argument abkaufe. Wolfgang Schmidt hat dieses Argument auch gebracht in seinem Video. Und ich glaube nicht, dass Wolfgang Schmidt homophob ist. Und ich glaube auch nicht, dass der so ein Argument mit bösem Willen bringt, sondern ich kaufe ihm ab, dass er sich darüber auch Gedanken macht und auch zurecht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Kommen wir zu den harten Zahlen.
Johannes Franke: Nee, nee, nee, nee. Noch nicht? Disability fehlt noch. Disability. Und ich finde Disability auch ein wichtiges Thema, weil das etwas ist, was auch Schauspieler in meinem Umkreis für ganz problematisch halten, was ich für völlig unproblematisch halte, weil ich wiederum Menschen, die im, sagen wir, im Rollstuhl sitzen oder Menschen, die gehörlos sind. Ja. Dann, die haben sowieso ein begrenztes, wie bei den Transmenschen. Die haben nur ein begrenztes Feld, das sie bedienen können. Ja. Und warum soll ich denen den Job wegnehmen?
Florian Bayer: Da kommt bei mir auch immer so ein bisschen garstiges, gehässiges Argument durch. Es gibt viel zu viele Schauspieler in Hollywood, die nach einem Oscar schielen, in denen sie sich besetzen lassen als Autist, als geistig Behinderter, keine Ahnung. Und das ist so, das ist so diese klassische Oscar-Rolle, ne? Jetzt spiele ich mal einen, der irgendwie eine Behinderung hat und da muss ich alles ranlegen, um irgendwie diese Spastiken oder so zu spielen und dann habe ich mich ein ganzes Jahr lang vorbereitet und habe mit den Kranken geredet, wie sie sich bewegen, habe meinen Arm festgebunden, damit der so ein bisschen gelähmt ist, habe mich richtig bemüht und jetzt kriege ich den Oscar dafür. Und ich glaube, allein deswegen sollte man schon sagen, nee, lass doch die Leute das spüren, die das sich reinverfühlen können und die das umsetzen können und nutzt diese, nutzt nicht Behinderung oder auch Sexualität oder so als Sprungbrett für einen Oscar. Das hatten wir viel zu oft in den letzten Jahrzehnten, dass Leute, fucking Oscar-Performance, natürlich muss die Person irgendwie eine Behinderung haben.
Johannes Franke: Und es gibt ja auch wirklich genug Schauspieler, die eine Behinderung haben, die dann besetzt werden können. Und es wird sich einfach oft nicht die Mühe gemacht. Ich habe zu viele Anfragen, ich habe einfach, ich messe es immer daran, wie viele Anfragen ich so habe. Und es gibt immer noch Anfragen für Menschen, die eine Behinderung haben, die ich nicht habe, wo ich denke, nein, es gibt Schauspieler dafür. Neulich wieder einen Gehörlosen. Nein, muss ich nicht spielen. Also ich kann Gebärdensprache, aber das heißt nicht, dass ich einen Gehörlosen spielen sollte. Ich würde wahnsinnig gerne eine Gebärdensprache drehen, aber dann bitte als Hörender, der als, weiß ich nicht, als Übersetzer arbeitet oder sowas.
Florian Bayer: Und nochmal, es gibt diese Einschränkung in diesem ganzen Blog, whenever possible, die darf man nicht überlesen, über die soll nicht drüber gelesen werden. Es steht hier nicht, es gibt diesen Zwang, es soll so gemacht werden. Es ist einfach das Wording, es ist mir wirklich wichtig.
Johannes Franke: Ja, und vor allem auch der Zusatz, insbesondere, wenn die Person ein Mitglied einer unterrepräsentierten Gruppe ist, darum geht es. Es geht nicht von oben nach unten, sondern es geht von unten nach oben zu heben und nicht zu senken. Und das ist halt das Ding.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Uff. So.
Florian Bayer: Zahlen, da steht 50%. To reduce invisibility in entertainment and where the story allows, and where the story allows. Bitte einmal verdrucken. Wo die Geschichte es wirklich erlaubt, wo es eben, die Story kommt zuerst, ne? We aim to include one character from each of the following categories. Das heißt, es sollte von jeder Kategorie, der drei Kategorien, eins, zwei und drei, sollte mindestens ein Charakter vorhanden sein. Das heißt, wenn es die Story hergibt, solltest du einen queeren Charakter haben, einen with a disability und drei, die in einer underrepresented racial, ethnic, cultural group sind. Konkret würde das aussehen in einem Film. Du willst irgendwo eine Sprechrolle haben, die queer ist. Und any size, das heißt, ein Satz reicht wahrscheinlich. Du willst eine Sprechrolle haben, die eine Disability hat und drei Sprechrollen, die zum Beispiel schwarz sind oder Latinos oder einen schwarzen Latino und einen Asian. Schauen wir uns doch mal einen Film an. Was haben wir geguckt? Wir haben geguckt, wir hatten in unserer letzten Episode, haben wir uns Dr. Sleep angeguckt. Ich will jetzt einmal kurz schauen, ob Dr. Sleep das erfüllt. Wir haben drei underrepresented racial groups, haben wir, ne? Wir haben allein schon dadurch, dass unsere Protagonistin eine schwarze ist und zwei schwarze Eltern hat. Das heißt, der dritte Punkt wäre erfüllt. Person with a disability. Hat irgendeine Person mit einer Disability eine Sprechrolle?
Johannes Franke: Nicht in diesem Film, soweit ich mich erinnern kann.
Florian Bayer: Lass mich mal kurz überlegen. Ich kann mich auch nicht dran erinnern.
Johannes Franke: Also, Mental Health ist ja included, ne? Das übersieht man oft, aber wir haben auch keinen depressiven... Er ist in diesem Pflegeheim, aber das ist... Ja, er ist in einem Pflegeheim und ein Sterbender, der wahrscheinlich Disability geplagt ist inzwischen durchs Alter, hat eine Sprechrolle. Aber das ist mit viel gutem Willen.
Florian Bayer: Und einer von den Menschenfressern läuft auf dem Stock rum, aber auch, das ist so in seiner Geschichte halt, weil er so alt ist, ne? Naja, stimmt schon fast wieder dann. Naja. Und lesbian, gay, bisexual, transgender or gender non-conforming, non-binary. Haben wir eine queere Rolle in diesem Film? Nicht, dass ich wüsste.
Johannes Franke: Nicht, dass ich wüsste. Spielt keine Rolle.
Florian Bayer: Ja. Und dann 50% of the total of these should be women. Das heißt, haben wir 50% von diesen Rollen als Frauen? Und da könnte man sagen, ja, nee. Na gut, die Mutter und die Tochter sind beide schwarz, das heißt, das sind zwei Frauen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und bei den Sterbenden liegen aber nur Männer. Ja. Also, Dr. Sleep würde wahrscheinlich... Dr. Sleep wäre ein Film, der trotzdem möglich wäre, um das gleich dazu zu sagen. Aber Dr. Sleep würde diesem Anforderungskatalog nicht gerecht werden. Wollen wir da noch einen zweiten Film, den wir irgendwann mal in der letzten Episode, in einer vorangegangenen Episode besprochen haben, nehmen?
Johannes Franke: Es ist schon so, dass wir vielleicht den nachfolgenden Absatz mit einarbeiten sollten. Ja, lies mal vor. Most productions have a multitude of speaking roles, from leads to smaller roles, where it doesn't compromise the authenticity of the story. The minimum aspirational goal for casting across speaking roles are 30% white men, 30% white women and non-binary people. Da sind Frauen und non-binary zusammengezogen in die 30%. 20% men from underrepresented races and ethnicities and 20% women and non-binary people from underrepresented races and ethnicities. Where we can have more people from underrepresented racial ethnic groups, we will seek to do that. Also da geht es allgemein um die Verteilung Männlein, Weiblein in underrepresented und in ganz ... Es liest sich tatsächlich unglaublich sperrig.
Florian Bayer: Es liest sich wirklich sehr sperrig. Wenn ich mir vorstelle, ich mache einen Film und ich habe das vor mir und dann fange ich an, Listen zu führen und zu gucken. Und ich kämpfe noch mit dem Absatz davor und denke so 50% Frauen davon. Ja, dann kommt mir das erstmal tatsächlich kompliziert vor als Filmmacher. So, uff, das ist ein Katalog, muss ich mal gucken.
Johannes Franke: Ah, es geht um Casting. Ganz allgemein. Okay. Ganz allgemein Casting des ganzen Films. Die Schauspiele, die vor der Kamera.
Florian Bayer: 30% weiße Männer, 30% weiße Frauen, non-binary people. Tatsächlich haben wir dann schon, haben wir 60% weiße, ne? Ja, ja. Es ist so, also dieses Ding, also ich will es nicht gäßig interpretieren, aber wir haben 60% weiße da drin und 50% Männer.
Johannes Franke: Ja. Und wir haben Weiße gegen underrepresented ethnic groups. Da sind Schwarze, da sind Asian, da sind das alles mögliche mit drin, die dann 40% ausmachen dürfen.
Florian Bayer: Und sie sagen natürlich die Einschränkung, klar, wenn es möglich ist, mehr zu nehmen, werden wir das versuchen. Aber tatsächlich, also so grundsätzlich sehe ich erstmal dieses 30% white men und 30% white women sehe ich nicht als so eine krasse Hürde an. Also es ist eigentlich eher erschreckend, dass das als so eine krasse Hürde wahrgenommen wird, dass du, ähm, ja. Dass die Hürde ist über, über, ähm, dass du nur, nur, nur 60% weiße. Ja.
Johannes Franke: In einem amerikanischen Film. Ja, das ist schon krass. Und es geht ja noch weiter, dann haben sie, we aspire to cast at least 10% of our roles with people who are lesbian, gay, bisexual, transgender und so weiter. Äh, äh, und 10% with people with who self-identify as a person with a disability. Was ich auch eine interessante Formulierung finde, self-identification als, also dass man sich selbst so definiert als Person mit einer Behinderung.
Florian Bayer: Ich glaube, das ist auch tatsächlich wieder so ein Absatz, der nicht ganz so problematisch wahrgenommen wird, weil es wieder um hinter den Kulissen geht. Der Absatz davor ist halt, zielt halt ganz klar auf die Story. Wie, also hier geht es ja um das Kasten. Und in dem Absatz davor geht es ja wirklich darum, wie besetzt du deine Rollen. Wenn du eine gute Geschichte machen willst, die in unserem Sinne ist, dann überleg, dass du mindestens, mindestens drei underrepresented groups, drei Leute aus unterrepräsentierten Gruppen hast, die eine Sprechrolle haben. Guck, dass du auf jeden Fall eine queere Sprechrolle drin hast und guck, dass zusätzlich noch eine mit einer Disability ist und guck, dass das 50% Frauen sind. Ich kann verstehen, dass mit diesem Absatz gekämpft wird. Ich habe dafür Verständnis, weil es ist ein Rahmen, der dir sagt, es gibt so ein Zahlenwerk und versuch das mal einzubauen. Auch mit der Einschränkung, wenn das Story allows. Natürlich, dieses When the Story allows ist quasi ein Schlupfloch für alles. Du kannst jederzeit sagen, hey, mein Film spielt in einem reichen Oberschichtenmilieu in Beverly Hills. Ich kann hier keine, ich sehe hier einfach nicht viele Schwarze und ich sehe hier, na doch, Homosexuelle wahrscheinlich schon. Ich sehe, also, da wäre es zum Beispiel gar kein Problem. Ich verstehe das saure Aufstoßen, was passiert, wenn man diesen Abschnitt liest. Aber gleichzeitig komme ich halt nicht umhin, immer wieder diese Einschränkung zu lesen, where the story allows. Und vor allem in Kombination mit dem Story, ganz am Anfang, das Story comes first. Das ist eine klare Aussage, das ist die fett gedruckte Aussage, die ganz am Anfang steht.
Johannes Franke: Was ich nicht ganz verstehe, ist, warum Amazon das auf jede Produktion bezieht und nicht sagt, wir haben ein Kontingent im Jahr von so und so viel Produktion und insgesamt sollte diese Quote erfüllt werden. Aber wir haben Dominantly Black Stories und Dominantly White Stories unter Umständen und das gleicht sich dann aus.
Florian Bayer: Dann hast du so ein Segregation-Ding, dann hast du deine Filme für das schwarze Publikum mit den schwarzen Personen. Das kann ja auch nicht das Ziel sein.
Johannes Franke: Aber wenn du sagen würdest, ich will das Ziel insgesamt erfüllen, würdest du den einzelnen Produktionen mehr Freiheit geben?
Florian Bayer: Ja, ich glaube, wir müssen noch mal kurz drüber nachdenken, was Amazon hier macht. Und ich glaube, nach wie vor ist es ein Fingerzeig an FilmemacherInnen. Macht euch Gedanken. Schaut, ob das möglich ist. Erlaubt das die Story. Und wenn es die Story erlaubt, dann macht es doch mal. Versucht es doch mal. Ja. Und das ist ein gewaltiger Unterschied zu, so hat ein Film auszusehen. Ja. Und tatsächlich, ich sehe da auch Gefahren für die Kunst, wenn du zum Beispiel plötzlich so einen Überbietungswettbewerb hast. Und du hast dann plötzlich FilmemacherInnen, die sagen, okay, wir brauchen ja noch den Schwarzen und den Behinderten. Lass uns doch einfach hier noch einen Schwarzen im Rollstuhl eine kleine Sprechrolle von drei Sätzen machen. Dann hast du ganz schnell, dass das wie ein Bumerang zurückfliegt, weil plötzlich so wirklich wieder so Quotenrollen entstehen, die, und zwar, ich rede jetzt nicht gegen Quoten, ich finde Quoten in der Politik zum Beispiel und so, 50 Prozent Frauen finde ich total gut. Und ich meine vor allem diese Klischeequotenrollen, die das Kino in den 90ern und 80ern ganz krass eingesetzt hat, wo klar war, du hast 99 Prozent weißen Kars in der Highschool und du hast dann einen Schwarzen.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Und der spielt den Klischee-Schwarzen auch. Und natürlich sagt Amazon hier dauernd, das soll nicht passieren, das soll nicht passieren, das soll nicht passieren. Aber die Gefahr besteht, dass dann so einzelne Rollen reingeschrieben werden, die sich nur definieren eben über die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe, die noch erfüllt werden muss. Und dann wirkt es tatsächlich forciert und gekünstelt, wenn du halt hast eine große Gerichtsszene und sie stehen vor dem Gerichtssaal und warten auf die Verhandlung und dann kommt plötzlich nochmal eine Rollstuhlfahrerin und sagt, ich habe hier übrigens noch ihre Papiere. Oh, danke, Mary, sie kriegt noch einen Namen. Nein, wir sehen uns morgen. Und dann rollt sie wieder weg.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann hast du da einen selbstzufriedenen Regisseur sitzen, der sagt, so, Aufgabe erledigt. Und als Publikum sitzt du da und denkst, was hat diese Szene mit dem Film zu tun? Ja. Ach so, und du kennst die Guidelines und du sitzt da und so, ah, da ist die Person. Ja. Und dann gibt es Spiele, Spot the, Trinkspiele werden das. Spot the Diversity. Und das wäre halt natürlich Kacke. Ja. Wobei ich auch nicht weiß, ob diese Gefahr überbewertet wird. Also dann, wenn wir diese Gefahr sehen, dann haben wir natürlich extrem wenig Vertrauen in die Kreativität unserer Filmschaffenden.
Johannes Franke: Ja, das ist ein bisschen das, was ich meine mit Rahmen. Wenn du einen Rahmen hast und damit kreativ umgehen willst und ein guter Filmemacher sein willst, dann musst du dir einfach was einfallen lassen, was wirklich funktioniert.
Florian Bayer: Und wenn du das nicht hinkriegst, wenn du es nicht schaffst, wenigstens in einem amerikanischen Film, der heutzutage spielt, wenigstens drei Personen einzusetzen, die nicht weiß sind und eine Sprechrolle haben. Ja. Dann bist du einfach auch kein kreativer Mensch. Dann hast du vielleicht auch den falschen Job. Um es mal ganz hart zu sagen. Weil wenn du das nicht hinkriegst und wenn du es nicht hinkriegst, wenigstens eine Person mit Disability logisch irgendwie in die Geschichte einzuflechten, dann fehlt dir vielleicht auch der gesellschaftliche Blick, um einen Film mit vielen Personen zu machen.
Johannes Franke: Hm. Naja. Also es gibt natürlich dann auch noch Filme, wo nur drei Personen vorkommen.
Florian Bayer: Das ist glaube ich, das ist aber nochmal was anderes. Diese Filme sind ausgenommen. Ich hatte kurz überlegt, wir hatten auch ein Thinking of Ending Things als ein Film von einer, in einer unserer Episoden. Eventuell ist es eine zukünftige Episode. Wahrscheinlich ist es eine zukünftige Episode. Ja. Und das ist ein Kammerspiel, wo es vier tragende Rollen gibt. Die Eltern und das Paar, das ist was anderes.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Niemand erwartet von einem Kammerspiel, das nur vier Personen hat, dass diese Guidelines gezwungenermaßen erfüllt werden. Ja. Aber ich darf erwarten von einem Film, der im New York des 21. Jahrhunderts spielt, dass queere Menschen, dass schwarze Menschen, dass Latinos, dass Menschen mit Disability sich bewegen. Ja. Sobald es eine Straßenszene gibt, es ist nicht so schwer. Forrest Gump, nehmen wir Forrest Gump. In Forrest Gump, 90er Jahre, das ist halt ein Film, der über einen längeren Zeitraum spielt. Aber so in den 60ern, 70ern und so weiter, der hat wahrscheinlich alles drin. Der hat eine Disability drin, der hat Underrepresented Racial Groups und natürlich gibt es keine queere Personen, weil der Film von Robert Zemeckis ist. Ist der von, ist Forrest Gump von Robert Zemeckis? Ich glaube ja. Ich glaube auch. Ja, ja, doch. Aber zumindest immerhin two or three.
Johannes Franke: Und ganz unten unter diesem Casting-Bereich steht dann aber auch nochmal, if any of these aspirational goals are not met, the external partner may be asked to submit a description of the steps that were taken to achieve these goals. Ja. Also er muss sich schon rechtfertigen auf jeden Fall. Und ich glaube, es fällt ihm natürlich nicht schwer, bei einem Kammerspiel sich zu rechtfertigen. Natürlich. Aber hängt, wie vorhin schon mal gesagt, eben davon ab, dass die richtige Person da sitzt und sagt, ja, na klar, stimmt, hast recht, ist natürlich nicht möglich.
Florian Bayer: Ich verstehe dieses Druckgefühl, was aufkommt. Ich verstehe, dass dieses Druckgefühl gerade bei KünstlerInnen aufkommt. Ja. Oh je, jetzt muss ich mich darum auch noch kümmern. Oh je, jetzt muss ich mich rechtfertigen. Ein klassischer Satz ist natürlich, es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Ja, das ist richtig. Das ist ein Guideline, das ist ein Fingerzeig, der mehrmals weiche, abschwächende Formulierungen hat. Egal, ob das jetzt ist sowas wie The Story Comes First, was wirklich fett gedruckt ist. Ob sowas ist, wie Whenever Possible oder We Aim to Include, ist halt auch was anderes als We Demand to Include oder so. Das ist einfach ein Unterschied.
Johannes Franke: Ja, da hat sich jemand sehr gut Gedanken gemacht über das Wording. Ja, klar. Musst du ja auch bei sowas. Ja. Sie haben auch noch Pay Equity, dass jeder gleich bezahlt wird, finde ich auch. Ich glaube, darüber muss nicht diskutiert werden und das ist auch nicht der springende Punkt. Genau. Und das Ganze, was wir jetzt durchgeexerziert haben für die Leute vor der Kamera, steht dann nochmal für Behind the Camera. Das müssen wir jetzt, glaube ich, nicht so durchexerzieren.
Florian Bayer: Auch wieder Minimum 30% Women, 40% Members of Underrepresented Racial Ethnic Groups, Increased Goal to 50%. Ja. Und bei Serien genau dasselbe. Der Knackpunkt ist, habe ich das Gefühl, alles, was die Story betrifft. Dass es eine Angst gibt, dass Geschichten, gute Geschichten geopfert werden für die Diversity. Ja.
Johannes Franke: Und das ist, glaube ich, einfach nicht der Fall. Wenn du 80-jähriger Regisseur bist, der immer weiße Geschichten erzählt hat, kann ich verstehen, dass es ihm schwerfällt, sowas zu schreiben. Aber ich glaube, es geht ja sowieso um Zukunft. Und die Zukunft unserer Filmlandschaft und Regisseure und unsere Produzenten, die kriegen das ja sowieso gerade alles in die Wiege gelegt. Ja. Das heißt, du hast da sowieso Leute, die von sich aus auch das Bedürfnis danach haben, auf sowas zu achten. Und die kriegen dann sowas zur Unterstützung, damit sie auch ihre Arbeit so machen können, dass es in bestimmten Guidelines auch drinsteckt. Sodass sie nicht einen 80-jährigen Produzenten erst überzeugen müssen und sagen müssten, aber es gibt doch Möglichkeiten und so. Sondern es steht halt da, in den Guidelines von Amazon und der 80-jährige Produzent können sagen, ja, okay, ist jetzt so.
Florian Bayer: Ich verstehe die Welt zwar nicht mehr, aber ich weiß, dass ich es machen muss. Ich glaube, das ist ein Punkt, der nochmal ganz stark gemacht werden muss. Wenn man sich die aktuelle Filmlandschaft anschaut und nicht nur die aktuelle, sondern die Filmlandschaft schon immer, gibt es einen gewissen Konformismus, was Storytelling betrifft. Und dieser Konformismus geht eigentlich, ging immer zu Lasten von unterrepräsentierten Gruppen, von Menschen mit Behinderung, von queeren Menschen. Ja. Wenn du dir anschaust, was sind die großen Blockbuster der letzten Jahre, egal ob jetzt Marvel oder Star Wars, da wurde es schon zum Beispiel bei Star Wars besser. Aber du hast halt trotzdem noch oft die klassischen männlichen Helden, oft die männlichen weißen Helden. Ja, klar. Die Damsels in Distress, die tatsächlich die Sidekicks, die dann zu einer anderen ethnic Group gehören. Das sind oft die Sidekicks. Und diese Konformität im Studiosystem kommt natürlich auch von diesem sozial-kulturellen, kulturhistorischen Background, in dem es gewisse Stereotype gibt. Und das ist ein sehr krasser und sehr enger Rahmen. Und dieser krasse und enge Rahmen wirkt sich ja auf alle Kreativen aus. Das heißt, viele KünstlerInnen mit tollen Scripts, in denen es eben eine schwarze Heldin gibt oder eine behinderte Heldin, sind gar nicht durchgekommen durch die gläserne Decke des Studios. Weil die Idee einfach nicht gepasst hat. Dann haben sie gesagt, okay, dann drehen wir jetzt doch lieber John Wick, da haben wir einen weißen Helden, mit dem sich unser Zielpublikum identifizieren kann. Was vor allem heißt, mit dem wir uns identifizieren können, weil wir Männer sind. Ja. Und zu denken, wir hätten eine freie Filmindustrie und hier stehen Guidelines, die das kaputt machen, ist komplett naiv.
Johannes Franke: Hm, naja. Nun sind wir, wenn wir jetzt nicht alles nochmal durchexerzieren wollen für Behind the Camera, eigentlich durch. Allerdings gibt es ein paar Themen, die wir jetzt noch nicht hatten, wie zum Beispiel über Humor wird gesprochen im Playbook.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: So was ist nochmal wichtig, weil die Angst besteht, dass man, was sowieso schon ziemlich geschürt wird, dass man durch Political Correctness und jetzt durch diese Guidelines einen Humor verbietet, der in Satire zum Beispiel ist ja immer, Satire ist immer verletzend für eine bestimmte Gruppe. Ja.
Florian Bayer: Möchtest du mal vorlesen oder soll ich vorlesen? Ich habe es gerade aufgeschlagen, Stereotypes and Humor, im Playbook über General Stereotypes. We understand that the best comedy can derive from the unexpected and be an agent of truth telling. We urge content creators, focusing on comedy, humor or satire, to engage with their material in deep ways.
Johannes Franke: Ask the fundamental question. Are you the right person to tell this story or these jokes? Also bin ich wieder böse, wir bashingen jetzt auf diese ganzen alten weißen Männer, aber als alter weißer Mann. Wir sind alte weiße Männer, wir dürfen das. Als alter weißer Christ Judenwitze zu machen, bist du vielleicht nicht die richtige Person für. Also das ist das, was damit erzählt werden soll. Es ist natürlich, wir sind in einer schwierigen Zeit, was das betrifft, muss man schon sagen, was Humor betrifft. Monty Python war in einer Zeit, die damit viel freier umgegangen ist und wo John Cleese, der inzwischen ein alter weißer Mann ist, sagt, das wäre heute nicht mehr möglich.
Florian Bayer: Das glaube ich nicht. Ich glaube, das ist eine Illusion.
Johannes Franke: Ja?
Florian Bayer: Guck dir South Park an. South Park ist tausendmal härter als alles, was Monty Python je gemacht haben. Guck dir die ganzen blöden Spooffilme an. Die sind nicht so witzig wie Monty Python, aber die sind mindestens genauso geschmacklos und die hauen mindestens genauso auf Stereotype. Viel mehr auf Stereotype. Ja, aber das ist ja das, was wir jetzt verhindern wollen langsam. Ja, aber wir leben in einer Zeit, in der das weiter passiert.
Johannes Franke: Ja, aber es geht ja darum, dass Amazon eine Idealwelt anstößt, um die wir jetzt diskutieren. Wir diskutieren ja nicht den Status Quo, sondern wir diskutieren, wo Amazon sich vorstellt, wie die Zukunft ist.
Florian Bayer: Okay, also in der Gegenwart hat John Cleese einfach Unrecht. Monty Python könnte heute genauso existieren. Okay. Monty Python hat auch nie so doll nach unten getreten, auch, aber Monty Python hat vor allem immer nach oben getreten. Und das ist der große Unterschied. Und ich würde mich freuen über einen Monty Python von heute und ich glaube, ich glaube, dass es die Leute, die Monty Python als die hochhalten, die heute verboten werden würden, um es mal krass zu formulieren, die haben Monty Python nicht verstanden. Die verstehen nicht den Unterschied zwischen Monty Python und einem rassistischen Humor von, keine Ahnung, oder einem sexistischen Humor von einem Kristall oder von einem, wie heißt diese eine, Mario Bart. Oh Gott. Geil, dass ich sagen kann, wie heißt diese eine, Mario Bart, überlegen wir uns darauf, bin ich ganz stolz. Es gab eine Zeit, wo man das sofort wusste, wie der heißt. Die haben den Unterschied nicht verstanden, weil Monty Python haben nicht einfach Stereotype reproduziert, sondern Stereotype gebrochen und mit Stereotypen gespielt. Das ist eine ganz andere Liga und eine ganz andere Qualität.
Johannes Franke: Auch nicht immer, aber ja. Also Monty Python hat vor allem, weil du das gerade sagst, nach oben getreten und nicht nach unten.
Florian Bayer: Die Sache ist ja, rassistische Witze waren noch nie witzig. Und rassistische Witze waren auch vor 30 Jahren nicht witzig und die meisten Leute haben auch schon vor 30 Jahren den Kopf über rassistische Witze geschüttelt. Und dann werden von vielen, die sagen, man darf ja heute nichts mehr, werden so Beispiele gebracht. Sowas wie Monty Python wäre nicht mehr möglich. Das halte ich für totalen Bullshit. Oder sowas wie dieser Sketch von Herr Schabobo. Das habe ich vor kurzem gesehen von Fernsehkritik TV, die ja auch immer sich, Holger Kreimer regt sich auch immer drüber auf, dass man heutzutage nichts mehr sagen dürfte. Der hat gemeint, sowas wie von Gerhard Polt, Herr Schabobo wäre heute nicht mehr witzig, würde heute nicht mehr gemacht werden. Wo es darum geht, dass eine Familie einen schwarzen Untermieter hat und den dann zum Kaffee und Kuchen einlädt. Und sie reden mit ihm über Afrika, als ob das halt ein riesiges, als ob das ein Land wäre und eine Kultur. Und dann sind halt Freunde da und die sagen dann, hey, wir waren doch da in Schwarzafrika an der Küste in dem Hotel. Kennen Sie das zufällig? Kennen Sie nicht? Schade. Und können Sie nicht mal Trommel spielen für unseren Sohn? Sie können das doch, Sie haben das doch im Blut. Oh mein Gott. Und natürlich wäre das heute auch noch möglich. Wahrscheinlich wäre es auch heute einfach ein bisschen überholt, weil es heute diese Form von Rassismus nicht mehr so gibt. Also gibt es auch noch, aber nicht mehr so krass präsent im Bürgertum wie damals. Aber das ist ja auch ein Treten nach oben. Da wird ja nicht Witze über den Schwarzen gemacht, sondern da werden Witze über die Weißen gemacht, die rassistisch sind. Und es gibt ganz viele von diesen Beispielen, die angebracht werden. Ach, das könnte heute nicht mehr gemacht werden, das könnte heute nicht mehr gemacht werden. Und meistens sind es Sachen, die natürlich heute noch gemacht werden könnten, die heute noch genauso lustig wären. Und die Leute, die das sagen, haben einfach nicht verstanden, dass das eben kein rassistischer Humor ist. Der Herr Jabobo von Gerhard Polt ist nicht rassistisch. Der macht sich lustig über den Rassismus.
Johannes Franke: Der tritt halt auch nach oben. Um Amazon mal zu zitieren ganz kurz. Humor may be used to illuminate the way a group has been treated and can spotlight important ways that racism, sexism and other biases and prejudices affect the lives of group members. Also es geht darum, etwas so Rassismus offen zu legen. Ja. Sowas funktioniert trotzdem weiterhin laut Amazon und was ja, was du jetzt gerade auch eben gesagt hast.
Florian Bayer: Ich glaube, das sind Ängste, die einfach nicht notwendig sind. Ich glaube wirklich, diesen Humor, der hochgehalten wird von damals, der sich ganz viel erlaubt hat, der ist heute auch noch möglich. Die Titanic ist heute noch wunderbar dabei. Die macht heute genauso bitterböse Sachen wie früher. Die, ähm, Jali Hebdo, auch ein berühmtes Beispiel. Ja. Und zahllose satirische Filme, die teilweise deutlich krasseren und bösartigeren Humor haben, als er in den 70er, 80er war, gibt's noch.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und natürlich sind andere Sachen heute nicht mehr witzig, aber die würde auch keiner in seine Filme einbauen. Über Auschwitz-Witze, da würde doch keiner, kaum noch jemand drüber lachen, außer vielleicht halt wirklich Nazis. Und wenn jemand einen rassistischen Witz bringt, natürlich schütteln dann die meisten auch mit dem Kopf.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das nicht erst seit jetzt, sondern schon seit 10 Jahren. Und eigentlich auch seit 20 Jahren. Und heute sagen wir, ja, diese Filme waren damals rassistisch und die wollten witzig sein, waren aber vor allem rassistisch in ihrem Humor.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Aber das sind nicht die, das sind nicht die glänzenden Vorbilder, die wir hochhalten sollten.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und die wir auch nicht hochhalten. Das ist nicht Monty Python. Monty Python ist nicht das Problem. Sauspark ist nicht das Problem. Gerhard Polt ist nicht das Problem. Mhm. Das ist nicht, das ist nicht der Humor, auf den das Ding zielt.
Johannes Franke: Ich habe jetzt gerade, während wir darüber geredet haben, dann bin ich nochmal drüber geflogen. Also ich habe das auch schon mal gelesen, aber jetzt gerade fällt mir nochmal auf, das ist wahnsinnig gut zusammengestellt von Amazon. Ganz einfache Fragen zu stellen. Do these characters have any other depth or insight or do they merely serve to deliver comedy? Sind die Leute, die du in deinem Ding zerstörst, nur dazu da, Lines zu deliveren oder haben sie einen wirklichen Grund, in dieser Story zu sein? Das ist fast schon so eine moderne Filmschule für Drehbuchautoren. Ich finde das wahnsinnig spannend gerade.
Florian Bayer: Wenn du auf eine Filmschule gehst oder wenn du dir Bücher vorliest, wie werde ich ein guter Drehbuchautor, dann stehen doch genau solche Sachen auch drin. Mach dir Gedanken über deinen Charakter. Ist dein Charakter eindimensional? Ist er plass? Hat dieser Charakter eine Funktion in der Geschichte? Was will der Charakter erreichen? Hast du dir wirklich Gedanken über, hat er eine Hintergrundgeschichte? Ja. Diese Fragen solltest du dir stellen zumindest, wenn du ein Skript schreibst. Und ja, natürlich hat das hier ganz klar diese Diversity-Richtung. Aber niemand trägt sich über ein Buch aus einer Filmschule auf, in dem diese Fragen stehen. Niemand trägt sich darüber auf, wenn es eine Ausschreibung gibt von der ARD für eine Serie und da drin steht, bitte mach dir über folgende Dinge Fragen. Natürlich gibt es einen Anforderungskatalog und der ist hier aber butterweich und das sind wirklich Sachen, über die man sich Gedanken machen sollte, wenn man eine gute Geschichte schreiben will. Ja, mach dir Gedanken darüber, wie deine Charaktere sind, ob deine Charaktere nur durch eigene Eigenschaft definiert sind. In dem Fall jetzt Homosexualität und Ethnie oder so, weil das viel zu oft, viel zu lange gemacht wurde. Aber genau dasselbe betrifft auch zum Beispiel Fragen wie Beruf, Geschmack und so weiter. Und es wäre kein Aufreger, wenn irgendeine Filmschule zu dir kommen würde und sagen würde, hey, du willst ein gutes Skript schreiben, mach dir mal Gedanken über die Charaktere, mach dir mal Gedanken, definierst du ihn nur durch deinen Beruf. Mach dir mal Gedanken, ob der Witz witzig ist. Niemand würde sagen, oh, Faschismus, oh, uns wird die Freiheit weggenommen, Filme zu machen, weil es ganz selbstverständlich ist, dass es gut ist, sich Fragen zu stellen, während man ein Kunstwerk schafft.
Johannes Franke: Was bleibt also übrig von den Problemen, die gewälzt werden? Wir haben das jetzt alles einmal durchgekaut, grob, natürlich nicht im Einzelnen, was da noch im Playbook steht, aber so grob. Was sind die großen Probleme und woran müssen wir tatsächlich arbeiten und was erledigt sich sowieso von selbst?
Florian Bayer: Ich kann verstehen, dass das Problem, dass die harte Zahlen schreiben, wenn es um Charaktere geht in der Geschichte, nicht um die Besetzung der Crew. Das finde ich total okay, da bin ich absolut dabei, aber ich kann verstehen, dass wenn es um die Figuren in der Geschichte geht, dass da so harte Zahlen wie, wie war es mindestens drei aus einer unterrepräsentierten ethnischen Gruppe, mindestens ein queerer Charakter, mindestens einer mit Disability, mit Sprechrollen und davon sollten 50 Prozent Frauen sein, dass das Kopfkratzen und Ängste auslöst. Ja. Allerdings sehe ich die Entschärfung und die ist mir sehr wichtig. Hier wird nichts gefordert. Hier wird gesagt, wir versuchen das zu erreichen. Wir bitten euch da mit zu versuchen. Die Story steht an erster Stelle. Aber trotzdem, ich kann verstehen, wo diese Ängste herkommen und es kann sein, dass das tatsächlich einen negativen Ausschlag verursacht. Es kann sein, dass das zu Problemen führt, die sich dann offenbaren beim Film machen. Ja. Und es kann auch sein, dass das dazu führt, dass wir bei Amazon in den kommenden Jahren ein paar Filme und Serien sehen, wo das sehr komisch und sehr forciert wirken wird. So wie das ein Wort wie AutorInnen forciert und merkwürdig wirken kann. Und das ist ein Teil vielleicht auch einfach von einem Übergang. Kann aber auch sein, dass man sich dann Gedanken macht, dass man vielleicht nicht doch lieber Schreibendes sagt oder so.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Ich sehe es überhaupt nicht als Gefahren für das Filmschaffen. Ich glaube, Amazon wird da viel zu viel Macht zugesprochen und ich glaube, es wird viel zu viel diese Empörungswelle geritten. Und es werden viel zu viel Vorschläge und Ideen und Gedanken als Despotismus interpretiert.
Johannes Franke: Und die Seite des Schauspielers? Dass der Schauspieler denkt jetzt, da war die Vielfalt, die er eigentlich spielen wollte, weswegen er Schauspieler geworden ist, nicht mehr spielen darf?
Florian Bayer: Ich glaube, es kommt dazu nicht. Und wenn du die Vielfalt für dich als Schauspieler dadurch definierst, dass du als Heterosexuellen und Homosexuellen spielst und als Weißen und Schwarzen.
Johannes Franke: Oh, das hast du jetzt in einen Satz gepackt? Das hast du jetzt in einen Satz gepackt? Ich weiß ja nicht.
Florian Bayer: Nimm das. Was ich sagen wollte, wenn das, die drei Optionen, die da weggenommen werden, wenn das für dich bedeutet, jetzt ist keine Vielfalt mehr möglich, dann ist deine Vielfaltdefinition beim Spielen vielleicht auch etwas eng. Weil es geht nur um diese Punkte. Das wurde auch übrigens gesagt. Oho, bedeutet das jetzt, dass nur noch Mörder Mörder spielen dürfen? Nee, es wird konkret gesagt, was wichtig ist.
Johannes Franke: Ja, es geht um Identity.
Florian Bayer: Ja. Es geht nicht darum, dass du Mörder sein musst oder Pederast, wenn du einen Pederasten spielst oder einen Mörder. Ja. Und ich glaube, Vielfalt im Schauspiel ist so ein riesiges Feld. Es gibt so viele Dinge, Vielfalt in Rollen zu erzeugen, dass es dich nicht umbringt, wenn du als Heterosexueller keinen Homosexuellen mehr spielst, damit einfach Homosexuelle ein bisschen mehr Chancen im Filmbusiness haben.
Johannes Franke: Ich glaube, dass es bei der sexuellen Orientierung problematischer ist als bei allen anderen.
Florian Bayer: Ja, das glaube ich auch. Bei der sexuellen Orientierung, da muss man einfach nochmal drauf gucken. Das stimmt tatsächlich. Es ist auch wirklich unglücklich, wenn man, und offensichtlich, das spricht nicht für Amazon, haben sie sich keine Gedanken drüber gemacht, als sie das mit aufgenommen haben. Dass das diese Implikationen haben kann, eben, ja, Zwangsouting ist immer der Begriff, der aufgekommen ist. Aber dass sie darüber nicht Gedanken gemacht haben, was das bedeutet für SchauspielerInnen, wie sie mit ihrer Sexualität ab sofort umgehen müssen bei Casting-Prozessen, ist tatsächlich ein bisschen unglücklich.
Johannes Franke: Und auch dort an Stühlen sägen, wenn er nicht zufrieden ist mit dem, was er machen darf. Und dann wird sich das zurechtdrucken. Ich kann mir schon vorstellen, dass es eben, wie du auch sagst, nur die eine oder andere Produktion geben wird, die ein bisschen seltsam hölzern daherkommt, mit diesen Guidelines umzugehen. Aber, ähm, ich glaube, das große, die große Gefahr gegen die Kunst ist es eben einfach nicht.
Florian Bayer: Linke Identitätspolitik wird den Film nicht kaputt machen, weil rechte Identitätspolitik in den letzten 100 Jahren den Film auch nicht kaputt gemacht hat. Ja, aber es immer wieder versucht hat. Nee, noch nicht mal das, nee. Nicht rechte Identitätspolitik, ein rechter oder ein rechter identitätspolitischer Rahmen hat es nicht kaputt gemacht. Wir haben sehr, es gibt hervorragende Filme, die keine Diversity-Kriterien erfüllen, die hart an allem vorbeischrappen, was Amazon da schreibt, die männliche Hauptrollen haben, die keine Sprechrollen für Frauen haben und wenn reden sie nur über Männer, die keine, keine Diversity drin haben und so weiter. Es gibt diesen Rahmen einfach seit 100 Jahren und trotzdem sind gute Filme auch in diesem Rahmen entstanden. Also ich würde, Citizen Kane erfüllt keine dieser Kriterien, Citizen Kane war ein weißer Film mit weißen Männern für weiße Männer und ist trotzdem ein hervorragender Film. Und dasselbe gilt für Außeratem, dasselbe gilt für Sunset Boulevard, dasselbe gilt für unzählige Filme, die wir besprochen haben. Wenn wir uns den kulturellen Kanon der letzten 100 Jahre angucken, stellen wir fest, da gibt es eine harte identitätspolitische Linie und die heißt weiß, männlich, heldenhaft, hetero, ohne Behinderung.
Johannes Franke: In diesem Rahmen gibt es hervorragende Filme, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass wenn wir den Rahmen etwas öffnen, noch mehr hervorragende Filme herauskommen.
Florian Bayer: Und im Rahmen Schwarz, Behindert, Queer und so weiter werden auch hervorragende Filme entstehen. Macht euch nicht ins Hemd.
Johannes Franke: Schön, das ist ein guter Schlusssatz. Vielen Dank, Plur. Danke, Johannes. Und euch eine schöne und nachdenkliche Woche. Bis dann. Tschüss. Tschüss.
