Episode 40: Is‘ was, Doc?
Is was Doc [Peter Bogdanovich]
(USA 1974)
Die Screwballkomödie „Is‘ was, Doc?“ von Peter Bogdanovich aus dem Jahre 1972 erzählt uns eine Gesichte vierer Taschen.
Genau!
Vier. Taschen. Vier identische Taschen noch dazu. Und sie erzählt uns von deren mehr oder weniger wertvollen Inhalt. Eine Verwechslungskomödie mit Vierlingstaschen also.
Achja und natürlich ist es eine Geschichte über aggressives Stalking und dessen dramatische Folgen. In einer Zeit in der Stalking noch als romantisch erzählt wurde, darf die junge Barbra Streisand bzw. Judy Maxwell wie sie hier heißt, dem Nerd Howard Bannister hinterher steigen und durch intrigante Streiche dafür sorgen, dass sich seine beruflichen wie privaten Träume erfüllen, auch wenn er die Privaten bis dato noch nicht einmal kannte.
Wenn man sich der Naivität, mit der dieses Thema angegangen wird, einmal hingibt, kann man sehr viel Spaß haben, oder Plor?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 40: Is‘ was, Doc? Publishing Date: 2021-10-07T17:21:17+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/10/07/episode-40-is-was-doc/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast? Nein, eigentlich nicht, aber ich. Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können. Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee. Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeige dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest.
Florian Bayer: Das heißt so Musicals aus den 50ern? Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme? Mit russischen Untertiteln? Von mir, für dich. Oh Gott, okay. Aber du weißt, dass das für Menge Streit sorgen kann. Äh, definitiv. Das wird lustig. Herzlich willkommen hier bei einer neuen Folge. Johannes hat mich gerade voll überfallen. Kurz zur Einordnung. Ja. Wir nehmen diese Folge unmittelbar nach der letzten Episode auf.
Johannes Franke: Weil wir gerade erst beschlossen haben, dass wir jetzt immer zwei Folgen machen. Anstatt zwei Filme in einer Folge zu besprechen, machen wir jetzt immer einen Film pro Folge. Weil die Zeit. Die Zeit. Es ist wirklich schwer. In Corona hatten wir nicht ganz so viel zu tun. Da ging das gut. Und da haben wir uns irgendwie wirklich reingestürzt. Und jetzt merken wir beide, wir haben auch andere Sachen zu tun.
Florian Bayer: Unsere Mithoffnung ist auch so ein bisschen, dass wir dadurch den Podcast für euch auch konsumierbarer machen. Weil ihr könnt einfach, ihr habt halt nur noch einen Film pro Episode und müsst nicht zur Mitte skippen, wenn ihr sagt, oh, ich habe überhaupt kein Interesse an dem einen Film. Sondern ich will nur was zu dem anderen Film hören. Das heißt, ihr kriegt jetzt weiterhin jede Woche eine neue Episode, aber eben nur einen Film. Und wir werden wechseln. Das heißt, eine Woche schlage ich einen Film vor und die nächste Woche Johannes. Letzte Woche war ich dran mit St. Elmo's Fire. Und diese Woche bin ich dran mit Isvastok.
Johannes Franke: Ich bin sehr gespannt. Ich auch. Willst du uns einfach mal einführen? Das ist wieder so ein Staple von mir, wo ich denke, das konnte nur von mir kommen. Definitiv. Das ist ein totaler Johannes-Film. Und ich hoffe, dass du das nicht nutzt, um mir das nächste Mal einen japanischen Film mit spanischen Untertiteln zu geben. Werden wir sehen. Okay, ich würde uns mal in den Film einführen und dann können wir ja mal gucken, wo es uns hinführt. Die Screwball-Komödie Isvastok von Peter Bogdanovic aus dem Jahre 1972 erzählt. Uns eine Geschichte vierer Taschen. Genau. Vier Taschen. Vier identische Taschen noch dazu. Und deren mehr oder weniger wertvollen Inhalt. Eine Verwechslungskomödie mit Vier-Längstaschen. Ach ja, und natürlich ist es eine Geschichte über aggressive Stalking und dessen dramatische Folgen. In einer Zeit, in der Stalking noch als romantisch erzählt wurde, darf hier die junge Barbara Streisand, beziehungsweise Judy Maxwell, wie sie hier heißt, dem Nerd Howard Bannister hinterhersteigen und durch intrigante Streiche dafür sorgen, dass sich seine beruflichen wie privaten Träume erfüllen. Auch wenn er die privaten Träume bisher noch nicht kannte. Wenn man sich der Naivität, mit der dieses Thema angegangen wird, einmal hingibt, dann kann man viel Spaß haben. Oder, Plo?
Florian Bayer: Ich bin überhaupt kein Fan von Screwball-Komödien.
Johannes Franke: Oh nein.
Florian Bayer: Das ist die beste Screwball-Komödie überhaupt.
Johannes Franke: Wirklich, ja?
Florian Bayer: Ich bin kein Fan von klassischen 50er-Jahre-Screwball-Komödien. Oh, ich liebe sie. Gehört ja auch so ein bisschen zum Konzept von unserem Podcast, dass wir unterschiedlichen Filmgeschmack haben. Und ich weiß, Screwball ist absolut so dein Genre. Ja. 50er-Jahre, ein bisschen deppiche Männer, verführerische, aber süße, nette Frauen. Und dann gibt es ein Hin und Her und kriegen sie sich oder kriegen sie sich nicht. Und ein Kampf der Geschlechter und viele Verwechslungen und viel Chaos. Ist überhaupt nicht mein Ding. Dieser Film ist ja irgendwie so ein Nachklang. Der ist aus den 70ern und hat aber dieses Konzept der 50er. Und er macht das ganz fantastisch. Ich liebe diesen Film von Anfang bis Ende. Yes, yeah! Ich habe vorher gemacht. Und ich hatte jetzt auch wieder, ich kannte ihn ja schon vorher, aber ich hatte jetzt auch wieder so einen verfluchten Spaß dabei.
Johannes Franke: Ja!
Florian Bayer: Geil.
Johannes Franke: Ach schön. Ja, es ist also, um mal in dieses Genre nochmal ein bisschen reinzugehen. Screwball-Komödien sind in den 30er, 40er Jahren sehr beliebt geworden. Sehr, sehr beliebt geworden. In Zeit der Great Depression in Amerika. Also die große Depression, so eine Wirtschaftskrise und dann irgendwie kam dieses Genre auf. Das sind einfach, was dieses Genre so ausmacht, sind schnelle Dialoge, richtig schnelle Dialoge. Du kommst teilweise nicht hinterher als Zuschauer und auch gerade dadurch wird es einfach witzig.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Aber auch nicht nur durch die Schnelligkeit, sondern weil auch, wenn es ein talentierter Schreiber war, einfach sehr viel intelligenter Humor drin steckt. Mhm. Und das Staple ist so ein bisschen, dass damals war das eben sehr neu. Und ich glaube, auch deswegen mag ich die Filme so, dass die Frauen in diesem Fall die weit überlegenen Figuren sind, die dem etwas debschen Mann irgendwie hin und her schicken und dann irgendwie immer fünf Schritte voraus sind. Und irgendwie oft in den 30ern waren es so die Ehen, die irgendwie auseinandergenommen wurden. Wir haben das auch gehabt mit Carol Lombard. Erinnerst du dich? Ja. Carol Lombard, die ja tragischerweise dann im Flugzeug durch einen Unfall gestorben ist, die dann noch Sein oder Nichtsein gemacht hatte und die einfach eine großartige Frau für so Screwball-Comedian war. Die war selber wahnsinnig intelligent und hat auch diesen Witz so gut verstanden und so gut gespielt und rübergebracht. Und die ist dann halt gestorben in den 40ern, in den 40ern glaube ich, 41 oder so.
Florian Bayer: Nach dem Film, den wir besprochen haben in unserer Episode 32, Sein oder Nichtsein. Genau. Ziemlich unmittelbar darauf, das war Anfang 40er Jahre.
Johannes Franke: Und dann haben sie ihn gedreht und dann hat sie nicht mal die Premiere mehr mitbekommen. Und das war ihr Schritt zurück in die Screwball-Comedie und die hätte noch wahnsinnig viel machen können. Und seitdem ist da eine Lücke gewesen, die nicht gefüllt wurde. Und in den 70ern hat der Regisseur, der diesen Film gemacht hat, Peter, ich kenne den Nachnamen gerade, Peter Bogdanovich, der hatte mit den Leuten zu tun, die in den 50ern, 30ern, 40ern, 50ern diese Screwball-Comedien gemacht haben. Und der wollte einfach gerne eine Hommage daran machen und sie vielleicht auch ein bisschen mit Hops nehmen. Und er sagte, Barbra Streisand war die erste, die diese Lücke, die Carol Lombard hinterlassen hat, gefüllt hat. Ja. Und das kann ich nur unterschreiben.
Florian Bayer: Ja. Also übrigens, um kurz in unsere Podcast-Historie zu gehen, es ist, wenn man den Begriff weit genug dehnt, ist es die dritte Screwball-Comedie, über die wir sprechen. Ja. Vielleicht die vierte, wenn man den Subplot von Much Ado About Nothing von Shakespeare mit reinzieht, die auch sehr viele Screwball-Elemente hat. Ja. Ja. Aber ansonsten haben wir über Manche Mögens heiß geredet. Der auch schon, da muss man auch schon das Genre weit fassen, wenn man sagt, der gehört rein. Aber wir hatten eine wirklich originäre Screwball-Comedy und das war ausgerechnet unser Alfred-Hitchcock-Film, wo wir uns so voll in die Nesseln gesetzt haben, Mr. and Mrs. Smith, von dem wir auch beide nicht so begeistert waren.
Johannes Franke: Die auch wirklich nicht gut war, leider, weil Alfred Hitchcock einfach kein Screwball-Comedien-Mensch ist. Das muss man leider so sagen. Ja. Irgendwie hat das nicht funktioniert. Und auch die Themen, wie es irgendwie zusammenge... Es gab ein paar Momente, die irgendwie schön waren, aber insgesamt, hört sich die Episode mal an, ist trotzdem spannend, weil wir auch viel über Filmgeschichte und über die Zeit damals reden.
Florian Bayer: Genau, und den müssen wir vor allem noch einmal erwähnen, weil da eben Carol Lombard die weibliche Hauptrolle spielt in diesem Film.
Johannes Franke: Und sie war so der Hoffnungsträger dieses Films.
Florian Bayer: Ja, und sie war auch wirklich gut in diesem Film und ist dann allerdings mit, ja, mit einem nicht so tollen Script, mit einem wirklich komischen Plot und auch einfach nicht so tollen Dialogen konfrontiert. Ja. Macht noch einiges daraus, aber kann den Film auch nicht retten.
Johannes Franke: Ja, aber sie hat immer einen Witz und eine Schnelligkeit und einen intelligenten Blick, der einfach Spaß macht zu gucken. Und das hat eben Barbra Streisand irgendwie auch. Ja. Die schafft das. Und die schafft das auch, das, was der Film sehr gut macht, diese Studentin, die in allen Bereichen einmal war, weil sie eigentlich von jeder Uni geschmissen wurde, auf der sie war. Und da hat sie überall in unterschiedlichen Fächern alles Mögliche an Wissen aufgesaugt. Sie hat so eine absurd hohe Expertise für alles.
Florian Bayer: Also sie wird etabliert als Charakter, der, wenn irgendjemand aus dem wissenschaftlichen Bereich irgendwas erzählt, sie weiß es. Sie kennt es. Sie kann sofort mitreden.
Johannes Franke: So geil.
Florian Bayer: Und dann schmeißt sie mit Fachbegriffen um sich und redet alle anderen in Grund und Boden. Und es ist so großartig, weil sie auch nicht nur labert, sondern sie hat wirklich diese Expertise. Sie sorgt für einen großen Twist am Ende, indem sie einen Plagiator aufdeckt, weil sie eben diese Expertise hat, weil sie ganz obskure wissenschaftliche Arbeiten gelesen hat, mit denen sich kein Mensch auseinandersetzt, beziehungsweise die, selbst wenn Menschen sie gelesen haben, sie halt im halben Jahr vergessen haben. Und sie hat das alles im Kopf gespeichert. Sie wirft auch ganz oft Definitionen. Das ist ganz großartig, wenn sie von Eunice gefragt wird, haben sie dann keinen Anstand? Das kann ich zitieren. Und dann wirft sie einfach mal eine Definition dafür hin.
Johannes Franke: Das ist so geil. Und das Schöne ist, er fragt sie zwischendurch, also unsere andere Hauptfigur, die sie versucht für sich zu gewinnen, der fragt sie zwischendurch völlig entgeistet, wo nimmst du diese ganzen Worte her? Und sie sagt dann aber nicht, es kommt dann irgendwann raus, dass sie überall auf Unis war und immer rausgeschmissen wurde und alles aufgesaugt hat. Sie sagt so en passant, ach, das fällt mir so ein, das kommt so irgendwie zu mir. Sie spielt es auch noch runter und das ist irgendwie echt cool.
Florian Bayer: Das macht so einen schönen Charakter. Und es ist natürlich auch großartig in dieser Ergänzung eben mit diesem steifen, hilflosen, total nicht zur Selbstständigkeit fähigen Dr. Howard Bannister, der von Ryan O'Neill gespielt wird.
Johannes Franke: Und das ist so weird, weil ich bin gewohnt, als Zuschauer von Filmen, der in den 80ern geboren ist und irgendwie seltsame Anwandlungen von Filmen mitbekommen hat, wie Frauen versucht werden, man setzt ihnen eine Brille auf und dann sieht es hässlich enden. Ja, und das ist in diesem Fall andersrum. Genau. Sie haben dem Mann eine Brille aufgesetzt und haben gehofft, dass er als Nerd rüberkommt. Und er sieht aber viel zu gut aus, viel zu gepflegt aus, viel zu, weiß ich nicht, weißt du, was ich meine?
Florian Bayer: Es geht spätestens dann komplett in die Brüche, wenn er das erste Mal sein Hemd auszieht und wir sehen seinen nackten Oberkörper und denken, wow.
Johannes Franke: Und das Geile ist, oh Gott, das ist so geil und ich feiere den Regisseur dafür. Er hat ja eine Fliege an und er kriegt diese Fliege, verdammte Fliege nicht auf und zieht dann einfach nur das Shirt drunter aus und er hat noch diese Fliege an und er sieht aus wie ein Chippendale. Ja, das ist unglaublich. Gab es damals schon die Chippendales? Ich habe keine Ahnung, ich weiß nicht, ob es ein Zitat ist oder ob es irgendwie, ich weiß nicht, aber es sieht so aus wie so ein Schirper.
Florian Bayer: Lass uns mal schauen, lass uns mal ganz kurz gucken. Auf jeden Fall ist, diese Chippendale-Referenz hatte ich nämlich auch sofort, aber ich hätte jetzt so spontan gedacht, Chippendales wurden 1975 gegründet. Okay, also wahrscheinlich keine Chippendales-Referenz. Aufgrund des Films. Er sieht tatsächlich sexy aus in dem Moment.
Johannes Franke: Ja, das ist unglaublich.
Florian Bayer: Aber sonst hat er diese Brille und er macht das auch wirklich gut, seine Rolle so sehr hilflos und steif zu spielen. Ganz am Anfang, wenn er immer, wenn er mit Younes unterwegs ist und von ihr die ganze Zeit Befehle zugebellt riecht und dann immer, ja, ja, ja, Younes.
Johannes Franke: Ja, ja. Man fragt sich die ganze Zeit, warum sie zusammen, aber man weiß es eigentlich auch, weil einfach beide völlig andere Agenda haben als jetzt irgendwie romantische Gefühle. Und das sagt sie ja auch irgendwann, ne? Sie sagt sich nicht wegen der Liebe. Romantik macht Platz für etwas.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Sie behält ihm einen Vortrag darüber, während sie ihn irgendwie zurecht macht für irgendwas. Und darüber, dass Romantik überhaupt nicht, das ist nicht das, was sie sucht im Leben. Bei ihm vor allem schon gar nicht. Und dann sagt sie, Romantik macht Platz für was viel Größeres, für Wichtigeres, für und lässt eine Lücke und er wirft ein Senilität. Trust.
Florian Bayer: That's what I meant. Genau. Das ist großartig. Diese Dialoge zwischen Hort und Younes sind natürlich auch immer groß. Ganz toll. Ganz, ganz toll. Warum trägt sie eigentlich eine Perücke? Es ist so seltsam. Sie hat diese absurde Perücke. Sieht so schrecklich aus mit dieser Perücke. Und die ist eigentlich, die ist ja keine, die ist wirklich keine schlecht aussehende Frau. Nee. Aber mit dieser voluminösen Perücke, mit dem wirklich krassen Mittelscheitel. Und dann diese Kleider, die sie trägt, sieht sich einfach so krass aus. Und sie spielt das auch hervorragend.
Johannes Franke: Ja, sie spielt das richtig gut. Das ist wirklich toll. Was sie mit ihrer Stimme anstellt, ich habe keine Ahnung, wie sie sonst klingt, aber es ist so unglaublich.
Florian Bayer: Aua, aua, aua, aua, aua. Sie tut weh. Sie ist wirklich von Anfang bis Ende anstrengend. Und so wird sie etabliert. Und man freut sich aber jedes Mal über dieses Anstrengende.
Johannes Franke: Okay, jetzt haben wir schon so viel über die Figuren geredet, aber es geht doch eigentlich um die Taschen, Plur. Ja. Das ist doch eigentlich, der Film fängt doch damit an, es war einmal eine Tasche. Eine karierte Tasche. Vier karierte Taschen. Ja, wir stellen fest, wir haben vier karierte Taschen. In einer Tasche sind prähistorische Steine von unserem Herrn Bannister.
Florian Bayer: Von Howard, der damit zu einem musikwissenschaftlichen Kongress fährt, weil er will beweisen, es ist so schräg. Also Steinzeitmenschen, prähistorische Menschen haben mit diesen Steinen kommuniziert und Musik gemacht und Töne hergestellt. Und das ist eine Frühform der Musik. Und er will ein Stipendium bei diesem musikalischen Kongress für diese Forschung.
Johannes Franke: Ja, und irgendwie schafft der Film es uns zu erzählen, dass er mit einer Stimmgabel an einen Stein schlagen kann, um dann dran zu horchen, ob da irgendwelche musikalischen Hintergründe in dem Stein verborgen sind. Völliger Quatsch. Also richtig völliger Quatsch. Da setzt sich der Film natürlich auch voll drauf. Er setzt sich auf jeden Quatsch, den er erzählt. Genau, das ist unglaublich geil. Und ich glaube, das macht den Film auch so sehenswert und man kann sich so super drauf einlassen, weil man von vorne bis hinten weiß, okay, da ist nichts ernst gemeint.
Florian Bayer: Tasche Nummer zwei, Judy, unsere Stalkerin, die Howard durch Zufall trifft und ihn dann aber direkt attraktiv findet.
Johannes Franke: Die genauso aussieht wie erste Tasche und anderen Inhalt. Sie hat einfach Frauenkleider und irgendein Buch.
Florian Bayer: Das ist auch eine wirklich chaotische Tasche, die sehr gut zu ihr passt, weil sie ist auch so eine Chaotin.
Johannes Franke: Genau. Die dritte Reisetasche gehört einer Miss von Hoskins, die ist einfach sehr reich, eine Millionärin, die in dieser Tasche, die genauso aussieht wie die anderen beiden, einfach ganz viel Schmuck aufbewahrt, der sehr wertvoll ist. Wie auch der Concierge des Hotels feststellt, wenn sie dann landen. Ja, Hans. Nein, er heißt nicht Hans, er heißt Fritz. Fritz. Sie nennt ihn einfach Hans. Und sie checkt auch in das gleiche Hotel ein, in dem auch unser Bannister ist, in dem auch unsere Barbra Streisand, Judy Maxwell ist.
Florian Bayer: Wobei Judy sich tatsächlich in das Hotel einfach einschleicht. Sie geht zur Rezeption und findet heraus durch so ein bisschen tricksrisches Fragen, welches Zimmer nicht besetzt ist. Und dann bestellt sie sich auf dieses Zimmer was zu essen, damit sie Roastbeef essen kann. Eigentlich ist ihr Plot, also oft haben wir das ja so, jeder Charakter hat eine Motivation. Und ihre Motivation ist Roastbeef.
Johannes Franke: Sie will einfach nur essen. Aber der Film will uns schon auch erzählen, dass sie sich in ihn verliebt. Definitiv, definitiv. Und zwar im Vorbeigehen.
Florian Bayer: Hals über Kopf im Vorbeigehen. Sie begegnen sich am Anfang am Flughafen kurz. Und dann eben sieht sie im Hotel wieder und dann fängt sie schon an ihn zu stalken und aufzulauern.
Johannes Franke: Massiv. Und wir müssen noch eine vierte Tasche eröffnen. Tasche Nummer vier. Das ist ein Agent, Mr. Smith, der diese Tasche besitzt, in der ganz viele sehr geheime, gestohlene Dokumente sind, die er sich einmal ganz plakativ im Flughafen anschauen darf.
Florian Bayer: Gib uns einen grauen Ordner und schreib ganz groß Top Secret drauf. Und wir wissen alles, was wir wissen müssen. Vor allem in der Zeit des Kalten Krieges natürlich. Super.
Johannes Franke: Perfekt. Und der wird verfolgt. Von einem anderen Typen, dem Gegenspion der anderen Seite. Das Name ich jetzt... Mr. Jones. Ah, Mr. Jones, genau.
Florian Bayer: Aber diese Namen werden nicht genannt, oder? Die kommen nur in den Credits vor und es ist natürlich auch Smith und Jones, das sind einfach so diese Decknamen.
Johannes Franke: Es ist unglaublich. Smith, was Besseres ist nicht eingefallen. Also was Generischeres, aber das muss es ja sein.
Florian Bayer: Und um ganz kurz zum Schluss zu springen nochmal, weil es ging so im Chaos, das nachher dadurch entsteht, durch diese vier Taschen so ein bisschen unter. Ist dieser Mr. Smith ein Reporter? Habe ich das richtig verstanden? Will der die Akten eigentlich, weil er besteht dann nachher so drauf, dass diese Akten an die Öffentlichkeit kommen und für mich klang es fast so, als ob er entweder ein Whistleblower ist. Ja. Oder ein Reporter, aber eigentlich der Gute von den beiden, wenn man so will.
Johannes Franke: Ja, ja. Nee, für mich wirkt er ja auch wie der Gute von den beiden, aber ich habe nicht so richtig rausgefunden, was das... Ich glaube, ich hatte nur den Eindruck, dass er einfach der Spion der anderen Seite ist und die Dokumente wieder...
Florian Bayer: Das dachte ich nämlich nicht, das wird halt so inszeniert als dubiose Spionengeschichte und wir fragen uns die ganze Zeit, was ist da los? Wer von den beiden sollte jetzt die Akten haben, weil wir einfach nicht wissen, wer gut und böse ist? Ja, genau. Und das ist auch nicht wichtig eigentlich. Nee, das ist überhaupt nicht wichtig. Das ist ein klassischer McGuffin. Genau, genau. Ja, aber das sind unsere vier Taschen und die landen dann halt in diesem Hotel.
Johannes Franke: Wir haben ein Wort fallen lassen, was wir kurz erklären müssen.
Florian Bayer: McGuffin ist ein ganz klassisches Tool beim Filmemachen und kommt in zahllosen Filmen vor. Vor allem hat das angefangen eigentlich bei der schwarzen Serie, also bei den Filmen noch, bei diesen klassischen Detektivgeschichten in den 40ern. Und eigentlich bezeichnet es einen Gegenstand, der den Plot voranbringen soll und bei dem vollkommen egal ist, worum es sich handelt. Also irgendein Objekt, nach dem gejagt wird, das muss nicht unbedingt eine Tasche sein. Es sind oft Taschen, weil Taschen eignen sich natürlich sehr gut dafür zu verbergen. Es kann aber irgendwas sein und es geht darum, dass man irgendein Objekt hat, an das alle ran wollen, das einfach für alle wichtig ist. Und aber für den Plot selbst ist nur wichtig, wie sie eben versuchen ranzukommen, was das dann bedeutet, welche Macht damit verbunden ist, ist eher zweitrangig. Es wird Alfred Hitchcock zugeschrieben, beziehungsweise seinem Drehbuchkollegen Angus McPhail, die sollen das so entwickelt haben. Und wenn man sich Hitchcock-Filme anschaut, also gerade in den 40ern, dann haben wir das eben sehr oft, dass es um irgendein Objekt geht. Ein Schmuckstück, einen Koffer. Aber der Malteser-Falken ist auch so ein klassisches Ding, da geht es halt um eine Statue. Das ist vollkommen egal, es spielt keine Rolle, das ist nicht wichtig. Es braucht nur irgendwas, was den Plot antreibt, weil alle danach jagen und sich darum streiten.
Johannes Franke: Manchmal wird sehr abfällig darüber gesprochen, weil manchmal ist das ein Lazy Job von einem Drehbuchschreiber, der einfach irgendeinen McGuffin einbaut. Und danach jagen alle und am Ende ist aber nichts damit. Also wenn der sozusagen keine eigentlichen Bedeutungen bekommt, dann ist es manchmal doch ein bisschen ärgerlich. Ich habe den Eindruck, wir sollten eine Kategorie einführen. Plot erklärt oder Johannes erklärt, je nachdem ob es Technik oder Drehbuchschreiben ist. Dann brauchen wir so einen Schingel dafür. Ja, genau. Unsere Erklärung. Das war, das muss man sehen, Lexikon.
Florian Bayer: Tatsächlich, Schishek hat den Ring im Wagners Ring des Nibelungen als den größten McGuffin aller Zeiten beschrieben. Also offensichtlich auch schon im 19. Jahrhundert beliebt.
Johannes Franke: Okay, ja. Genau, und unser McGuffin ist eigentlich nicht eine Reisetasche, sondern alle vier. Und zwar für jeweils den Besitzer und jeweils denjenigen, der eigentlich zum Beispiel die Juwelen will oder zum Beispiel die Dokumente will, die da geheim sind.
Florian Bayer: Ja, nämlich dadurch entsteht so langsam die Verwirrung. Dann wir haben den Concierge, der die Juwelen sieht und er pfeift dann seinen Detektiven, der übrigens ganz toll ist, seinen Hausdetektiven, zu sich und sagt, da muss die Tasche klauen. Und der Hausdetektiv ist dann halt im Hotel unterwegs und greift sich irgendwann die Tasche, indem er in das Zimmer einbricht. Kurz bevor er erwischt wird, muss er schnell in ein anderes Zimmer fliehen, schiebt die Tasche unter das Bett, dann stehen zwei Taschen nebeneinander. Ja, und wie es in so einer Verwechslungskomödie halt ist, greift er dann die falsche Tasche und die Taschen sind durcheinander.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und wir haben uns vor der Episode geeinigt, dass wir nicht versuchen aufzuschlüsseln, in welchem Raum gerade welche Tasche ist, weil es geht dann drunter und drüber. Das will auch der Film nicht. Nein, es ist ein Werk auch nicht wichtig.
Johannes Franke: Die Taschen sind alle McGuffins. Genau, es ist einfach nur, dass die irgendwo jetzt, wir sehen halt immer mal wieder, wie jemand irgendwo reingeht und eine Tasche austauscht und wir stellen fest, ah ja, das ist aber nicht die Tasche, die er eigentlich wollte. Genau. Und das reicht uns auch eigentlich, weil nicht wichtig ist, um die Story zu verstehen, wer welche Tasche gerade hat. Ja, das ist vollkommen egal. Und das sagt einem der Film auch irgendwie unten drunter.
Florian Bayer: Witzig ist halt, was um die Taschen herum passiert. Genau. Zum Beispiel, der Hoteldetektiv hat es vermasselt, die Tasche zu klauen und deswegen will der Concierge in das Zimmer von der alten Dame, um die Tasche wieder zu holen.
Johannes Franke: Und der alte Dame, oh Gott, der Concierge sagt, bitte kümmere dich um die alte Dame, halte sie auf. Wie soll ich das machen?
Florian Bayer: Mit deinem Charme. Da gibt es diese großartige Szene, wo er einfach hingeht. Man sieht noch, er überlegt noch so ein bisschen, es fehlt die Birne über seinem Kopf. Das würde auch passen, weil das hat sowieso so einen Comic-Zeichentrick-Cartoon-Charakter die ganze Zeit. Und dann geht er hin und stellt ihr einfach ein Bein. Ganz platt. Und dann läuft er ihr hinterher und versucht ihr die ganze Zeit ein Bein zu stellen. Und sie schreit auch nicht um Hilfe oder so, sondern sie will einfach nur zu ihrem Hotelzimmer und versucht halt die ganze Zeit an ihm vorbeizukommen.
Johannes Franke: Das ist so geil, vor allem weil er bis kurz bevor er ihr das Bein stellt, die ganze Zeit vor sich hin mummelt. Mit deinem Charme, dein Charme, lass deinen Charme spielen. Und Bein stellen. Was?
Florian Bayer: Und dann springt er auch so geil auf sie drauf und legt sie fest. Und sie macht nichts, sie sagt nicht hilflich, wenn ihr überfallen sollt. Sie will einfach nur zum Hotelzimmer.
Johannes Franke: Und es ist so ein schöner, stummer Kampf, der irgendwie einfach nur so Kampfgeräusche und das war's. Und das ist so geil. Irgendwie, also das ist auch so ein Merkmal von Screwball-Comedian, dass Slapstick ja durchaus ein wichtiges Element ist.
Florian Bayer: Tatsächlich in diesem Film deutlich mehr als in den klassischen Screwball-Crew in den 40er Jahren. Der Film ist sehr Slapstick-getrieben. Und das mag ich auch an ihm. Er hat wirklich gute Slapstick-Momente. Und auch, er ist halt 70er Jahre, das heißt er spielt schon mit den Slapstick-Momenten. Gerade am Schluss in dieser irren Verfolgungsjagd. Oh Gott, hast du nachgeguckt? Ich wollte nochmal nachschauen, wie lang die ist. Die ist extrem lang. Die ist lang und die hat eine Million Dollar gekostet. Das war ein Viertel. Ein Viertel von dem gesamten Budget nimmt diese Verfolgungsjagd ein. Oh mein Gott. 19 Tage haben sie gebraucht, um die zu drehen. 32 Stuntman. Und sie dauert? Trommelwirbel. Ne? 11 Minuten.
Johannes Franke: Ich hab 10 Minuten geschätzt. Verdammt. Aber weißt du was, die haben einmal, fahren diese Treppe runter. Mit all den Autos. Und man sieht der Treppe das an, dass sie nicht dafür da war. Die hat danach echt Schaden genommen. Und es ist im Film zu sehen. Und ich habe noch gedacht, okay, haben die die Treppe extra gebaut? Oder ist das mit dem Schaden da irgendwie, ist das klar? Geht das klar? Und dann habe ich recherchiert. Und daraufhin, nachdem das passiert ist, hat die Stadt gesagt, wir machen das nicht mehr, ohne wirklich alles einmal vorher durchzulesen und zu wissen, was ganz genau passieren soll. Weil diese Treppe hat wirklich Schaden genommen. Und es ist bis heute zu sehen.
Florian Bayer: Dieser Film ist schuld daran, dass San Francisco, da spielt der Film nämlich, wurde ja auch gedreht, dass San Francisco extrem mäkelig geworden ist, was Filmdrehs betrifft. Weil die haben alles kaputt gemacht. Das ist unglaublich. Total krass. Es gibt eben diese, und das sind aber tatsächlich nur 11 Minuten, diese Verfolgungsjagd. Und sie ist so wild und so chaotisch. Sie fahren Lastenrad. Ist das geil? Ich finde es so großartig. Wir schreiben das Jahr 1972. Und wir haben zwei Protagonisten. Auf einem Lastenrad. Auf einem Lastenrad. Und das Lastenrad besiegt die Autos.
Johannes Franke: Es ist so geil. Aber es hat viel damit zu tun, dass sie eben diese, in San Francisco gibt es halt auch diese krassen Hügel, wo meine Straße einfach eine Steigung hat. Also wenn man da runterfährt, dann ist halt einfach, da kannst du auch nichts mehr ausrichten. Da kannst du nicht gegentreten, wenn du mit dem Fahrrad bist. Oder bremsen. Na ja, dann brauchst du wirklich gute Bremsen, damit es irgendwie auf dem Fahrrad einigermaßen so bleibt. Und ich würde mich da nicht trauen, mit dem Fahrrad runterzufahren. Also schon mit dem Auto sah es irgendwie gefährlich aus.
Florian Bayer: Ja, diese San Francisco-Straßen sehen echt krass aus. Ja. Und in dieser Verfolgungsjagd gibt es dann ja diese richtig schöne, klassische Szene, wo die Glasscheibe über die Straße getragen wird. Und man die ganze Zeit drauf wartet, wie wird sie kaputt gehen. Wie geht sie kaputt. Und es wird sehr schön damit gespielt, weil es ein sehr langer Suspensmoment ist. Wo wir als Publikum natürlich wissen, die wird irgendwann kaputt gehen. Und Autos fahren ständig dran rum. Irgendwann stehen sie wirklich ganz sicher an der Seite. Und es kann eigentlich nichts mehr passieren. Und dann wird jemand anderes, der an der Straße auf einer Leiter steht, von der Leiter runtergehauen vom Auto und schwingt an so einer Fahne, an der er sich festhält. Und er schwingt dann in die Glasplatte rein. Also der Mensch, der gar nicht an der Verfolgungsjagd beteiligt war, darf sie am Schluss kaputt machen.
Johannes Franke: Und die haben echt viel damit zu tun gehabt, das hinzukriegen mit der Glasscheibe und so. Also da ist viel Produktionsgedöns hinten dran. Das habe ich jetzt nicht alles aufgeschrieben, aber es war sehr witzig, das durchzulesen. Also die Verfolgungsjagd lohnt sich auf jeden Fall.
Florian Bayer: Definitiv. Nicht nur die Verfolgungsjagd. Wir haben ja vier große Handlungen. Okay, Ploi, mach du mal die Struktur. Du bist der Strukturmensch. Also wir haben diesen Abend im Hotel, wo zwei Leute versuchen, die Taschen zu klauen und alle versuchen, irgendwie was für sich zu gewinnen. Wo dieser musikalische Kongress ist, zu dem sich dann auch Judy wieder schleicht und da als Younes ausgibt. Das ist so geil. Ganz großartig. Howard findet das natürlich total schlimm am Anfang. Und versucht irgendwie so zu sagen, das ist nicht meine Frau, und wird aber ständig übertönt, weil er kann sich einfach nicht ausdrücken. Ich möchte kurz zitieren.
Johannes Franke: Er kommt ran, wo er noch seine Frau noch gar nicht erwartet, weil die ja noch sich umzieht. Und dann kommt er und da sitzt dann Barbara Streisand. Und da hält sie schon ganz fröhlich und sagt, ach Howard, schön, dass du da bist. Und stellt sich irgendwie geschickt als Younes vor. Und er sagt, er guckt sie nur an und sagt, You, You. Und sie sagt, You, Younes. Richtig, Younes. Das Stottern haben wir im Griff. Das Stottern kriegen wir langsam in den Griff. Und dann sagt Howard auch noch, How, How, um zu sagen, How did you do that? Oder so. Und sie sagt, How, Howard. Sehr schön, sehr gut. He always gets stuck on names. It must be the excitement of meeting you for the first time. Und geht halt auf den Chef, um den es ja geht. Der soll ja überzeugt werden, der dieses Stipendium für geben soll. Und der ist auch total begeistert von ihr.
Florian Bayer: Er ist unglaublich begeistert. Weswegen dann Howard auch irgendwann mitspielt und akzeptiert, dass die jetzt seine Frau ist. Übrigens nicht Younes, sondern Burnsy. Das ist nicht Younes. Stimmt, wir nennen mich Burnsy. Weil sie mit Nachnamen Burns heißt. Genau. Ich wollte ganz kurz die zwei Charaktere, die für diese Szene noch wichtig sind, die in dieser Szene noch zusätzlich etabliert werden, die keine Taschen haben, Gott sei Dank. Das ist zum einen eben dieser reiche Typ, der das Stipendium rausgeben soll. Auf das alle wild sind. Den Mr. Larrabee. Das ist der, den Howard für sich gewinnen muss, damit er für seine Forschung Geld kriegt. Weil das ist der Geldgeber. Mr. Larrabee. Das ist Frederick. Frederick Larrabee, genau. Ja, ja, ja. Und dann die zweite, wirklich witzige, unglaublich witzige Person ist der Konkurrent von Howard, Hugh Simon. Der eigentlich so ein richtig schleimiger, schmieriger Typ ist und gleich von Anfang an versucht, Mr. Larrabee um den Finger zu wickeln. Und auch exaltiert bis ins Letzte. Und dann wird er aber eben von dieser falschen Eunice, also von Judy, von Burnsy, ausgestochen, weil sie so charmant ist und so viele tolle Geschichten parat hat und ihr einfach zu allem was einfällt, dass er komplett ausgestochen und an der Seite ist. Und deswegen beschließt sich Howard dann irgendwann das Spiel mitzuspielen, wenn die richtige Eunice reinkommt und sagt, Howard, ich will hier rein. Sie lassen sie nämlich nicht rein, weil ihr Namensschild weg ist. Weil die hat schon Barbra Streisand, dieses blöde Namensschild. Dann kommt sie reingestürmt, verfolgt von zwei Concierges, festgehalten an den Beinen und dieser Mr. Larrabee sagt, hast du das Originalzitat? Was ist das für eine Unstable? Ah, nee, das habe ich nicht.
Johannes Franke: Moment, ich gucke ganz kurz. Ich habe nur das Zitat, wie sie da steht und sagt, wie, sie können mich nicht finden. Ich stehe genau hier.
Florian Bayer: Weil sie das Label nicht finden für sie. Moment, ich will ganz kurz, ich versuche einmal kurz zu finden, wo das Zitat ist, weil das ist so schön. Sie sind unterm Tisch, ist eigentlich egal, weil es wegen, also er wollte eigentlich mit ihr reden und dann sind sie unterm Tisch, alle, die gesamte Tischgesellschaft. Das ist ein großartiges Bild.
Johannes Franke: Plus kannst du nicht einfach so einen Nebensatz machen. Es ist so toll. Irgendwann will Howard unbedingt mit Barbra Streisand reden, weil sie einfach, weil er ihr klar machen will, dass das nicht so geht. Und dann lässt sie ihre Serviette fallen und sagt, there goes the napkin und bückt sich unter den Tisch. Er kommt auch hinterher. Und die anderen am Tisch denken sich halt, oh, da gibt es eine Party und kommen mit unter den Tisch.
Florian Bayer: Die Concierge fragt noch, was für einen Wein gab es an diesem Tisch. Und dann gibt es diese schöne Totale von dem Tisch, die alle unter dem Tisch runterböcken sich. Das sieht so geil aus. Und Judas kommt reingerannt und schreit, Howard, Howard. Und dann fragt Larrabee, who is that dangerously unbalanced woman? Und Howard überlegt kurz und sagt dann, I never saw this woman before in my life.
Johannes Franke: Und dann wird sie rausgeschmissen. Du darfst nicht unterschlagen, dass Barbra Streisand einen ganz wundervollen Blick drauf hat an der Stelle.
Florian Bayer: Dieser Abend endet dann in komplettem Chaos. Weil dann kommen eben die verschiedenen Taschen. Sie schleicht sich noch in sein Hotelzimmer. Der Fernseher ist laut. Er macht den Fernseher laut, weil Yunus bei ihm anruft und fragt, ich höre doch eine Frauenstimme. Dann sagt er, ich gucke einen Kriegsfilm. Eine Frauenstimme? In einem Kriegsfilm? Äh, ja.
Johannes Franke: Er findet irgendeine Ausrede und dann, natürlich kann das Judy, Barbra Streisand, nicht auf sich sitzen lassen, kommt direkt ans Telefon ran und nennt auch noch seinen Namen und versucht irgendwie klarzumachen, dass sie da ist. Yunus kommt rüber, Howard steckt Judy aufs Dach. Aber das finde ich krass. Er stellt sie auf das kleine Sims, was sie noch hat, um zu stehen, ohne runterzufallen vom Hotel, was ziemlich hoch ist. Definitiv. Das wäre ein schüttlicher Sturz. Wer zur Hölle macht das? Also das fand ich ein kleines bisschen zu weit gegangen für eine Screwball-Komödie
Florian Bayer: schon. Ich fand's super. Es war so übertrieben, dass sie hängt dann auch da. Sie rutscht aus und hängt wirklich nur mit beiden Händen an diesem Sims. Also es ist total übertrieben. Es ist so drüber. Und drüber. Einmal Todesangst in ihren Augen. Sondern so, oh nee, auch jetzt das noch.
Johannes Franke: Und dann kommt ja auch noch der andere Typ, der gerade die Tasche geklaut hat. Oder hat er die noch dabei? Ich weiß nicht. Ja.
Florian Bayer: Der eine Typ will die Tasche haben und Yunus sagt, Howard soll den Fernseher ausmachen und das geht dann nicht, weil er den Knopf abgedreht hat und dann reißt er das Kabel aus der Wand. Es gibt Feuer, die Stränkleranlage springt an und es ist reines Chaos.
Johannes Franke: Reines Chaos. Ach, und es wird so schön gegengeschnitten mit nächster Morgen, alles ist angekokelt und der Hotelmanager klopft an der Tür und sagt, wir haben eine Nachricht für Sie. Ach, welche Nachricht denn? Goodbye. War das schon die ganze Nachricht, ja? Yep. Ich würde nur jetzt bevorzugen, wenn sie auschecken würden.
Florian Bayer: Die Klavierzähne klammern wir mal kurz aus, weil die nicht so wichtig für den Plot ist. Ah, aber die ist so toll. Über die können wir gleich reden. Die müssen wir nachher. Ich will einmal die Struktur durchgehen. Okay. Bevor wir uns verlieren. Die zweite große Ding ist dann im Haus von Mr. Larrabee, wodurch einen total absurden Zufall, das macht auch überhaupt keinen Sinn, Yunus dann auch noch landet. Also Judy fährt mit Howard zum Haus von Mr. Larrabee, weil Howard will das jetzt eigentlich aufklären, dass Yunus seine Frau ist, aber Judy schafft es, sie an einen anderen Ort zu locken und das ist aber ausgerechnet der Ort, wo der Hausdetektiv mit den vermeintlichen Diamanten gelandet ist, aber er hat halt die falsche Tasche, deswegen sind das die Steine von Howard und er wird gerade bedroht mit einer Waffe und dann sagt sie, Moment, das sind doch Howards Steine, woraufhin die Gangster denken, ah, sie weiß, wo die richtigen Juwelen sind, die wir eigentlich klauen wollten. Das dümmste, was ich sagen konnte in dieser Situation. Das macht auch überhaupt keinen Sinn, dass sie, diese Judy hat sich irgendeine Adresse ausgedacht. Nein, das hat sie nicht.
Johannes Franke: Sie hat sie vorher gehört. Sie hat sie vorher gehört? Ja. Verdammt, das habe ich verpasst. Nein, nein, das macht schon absolut Sinn. Oh, der Film hat Logik. Ja, ja, weil es darum ging, dass der Gangster genau dort hingeschickt werden sollte. Und das hat sie mit einem Ohr mitgehört, wie der da hingeschickt wird und deswegen hat sie die Adresse genannt. Okay.
Florian Bayer: Dann macht das doch viel mehr Sinn, als ich dachte. Ja, ja. Und dann landen sie auf jeden Fall alle auf dieser Party und dann kommt es eben zu der dritten großen Szene, zu dieser Verfolgungsjagd. Weil auf dieser Party ist dann wieder Chaos, weil dann sind die Gangster da, dann sind die Agenten da. Die vier Taschen sind da. Die vier Taschen sind da und die betronen sich mit Waffen und es gibt einfach den Moment, wo Judy irgendwann zu Howard sagt, lass uns abhauen, schnapp dir die Tasche. Und Howard fragt, welche? Alle. Und ich meine, alle. Und dann rennen sie weg mit diesen Taschen und es kommt zu dieser Verfolgungsjagd-Szene, die wir gerade schon sehr ausführlich besprochen haben. Wie super ist es? Es ist blankes Chaos. Es ist wirklich toll. Und dann kommt es zur vierten großen Szene, meine Lieblingsszene in diesem Film. Das ist meine Lieblingsszene? Wenn sie bei der Verfolgungsjagd im Wasser gelandet sind, werden sie festgenommen und sie landen vor Gericht. Und es ist so großartig, dieser Richter und die Leute, die alle dazwischen sind.
Johannes Franke: Und vor allem, weil es eine ganz lange Vorgeschichte dafür gibt, bevor die dann überhaupt vor Gericht landen. Wir sehen einfach ganz in Seelenruhe, nachdem wir jetzt ein riesiges Tempo hatten von dem ganzen Film, die ganze Verfolgungsjagd und alles. Und es gipfelt darin, dass wir einfach nur einen Richter sehen, wie er Platz nimmt, wie er ganz lange breit erklärt, dass er bitte einen ruhigen Tag haben möchte, dass sein Herz schon genug ausgestanden hat in den letzten Wochen vor Gericht und packt Pillen aus, die alle für irgendwas sind, um ihn am Leben zu erhalten und betont immer wieder, dass es sehr wichtig ist, dass es sehr ruhig sein wird. Und dann geht das Geschrei los und die kommen rein und es ist alles laut und schrecklich.
Florian Bayer: Dieser Judge Maxwell ist einfach so großartig. Und das Tolle ist ja auch, er gleich am Anfang kommt rein und er ist total genervt. Er hat überhaupt keinen Bock auf diesen Job, weil er nur mit Abschaum zu tun hat. Er sieht Leute da sitzen und sagt, was ist denn das für ein Abschaum? Ja, und das sind nur die Besucher. Und dann kommen diese Leute rein und reden durcheinander und alle versuchen zu erklären, was passiert ist. Und Howard denkt sich, ich kann das erklären und tritt dann als erster mutig nach vorne und versucht die Situation aufzulösen. Auch mit den mangelnden Informationen, die er hat und redet dann von Burnsy und von Judy. Und wer ist Eunice und wer ist wer?
Johannes Franke: Und das ist völlig absurd. Der Richter kriegt nichts davon auf die Reihe. Der versucht immer zu notieren, sagt dann, ah ja, okay. Und das ist jetzt, nein, da ist noch was. Achso, da ist also noch was.
Florian Bayer: Und das wird irgendwann zum Running Gag, dass er dann immer sagt, let's skip this part. Weil es einfach zu viel ist, diese Erklärung, weil es einfach keinen Sinn ergibt. Ja, es ist toll. Also die Richterszene mag ich auch wirklich sehr. Und die Richterszene wird auch wunderschön aufgelöst, weil irgendwann ist so ein bisschen, also Barbara Streisand ist die ganze Zeit unter dieser Decke, unter der Jacke versteckt. Und er sagt dann irgendwann, okay, sie scheinen ja offensichtlich die Frau zu sein, die dafür verantwortlich ist. Kommen Sie mal nach vorne, was haben Sie denn zu sagen? Und dann zieht sie zurück, offenbart ihr Gesicht. Und er sagt, Judy. Und sie sagt, Papa. Hi, Daddy. Das ist so toll.
Johannes Franke: Und dann blenden wir eigentlich nur noch ab, weil eigentlich klar ist, okay, die bemühen sich jetzt irgendwie den Knoten zu lösen, der da drin ist in der ganzen Story. Und wir bekommen dann nur noch die Auflösung mit.
Florian Bayer: Dieser Knoten lässt sich eigentlich nicht mehr heißen. Das ist ja auch das Tolle. Dieser Film lebt einfach von diesem permanenten Chaos. Egal ob in der Verfolgungsjagd, egal bei diesen Hotelzimmer-Szenen, die einfach nach dem Prinzip funktionieren, Tür auf, Tür zu. Einer schleicht über den Gang. Manchmal begegnen sie sich zufällig und sie kennen sich ja nicht. Und dann sagt der eine, oh, ich muss noch das machen. Ich will nur das machen. Das ist super Chaos. Und man sieht halt immer nur, wie Taschen hin und her geschoben und getauscht werden. Es ist natürlich auf dieser Party das totale Chaos. Wenn sie sich da mit Waffen bedrohen und sie wegrennen und dann alle hinterher. Die Verfolgungsjagd ist Wahnsinn. Die verschiedensten Fahrzeuge, die hinter ihnen her sind und sie mit diesem geilen Lastenfahrrad.
Johannes Franke: Aber erkennst du das Zitat? Darüber haben wir schon ein paar Mal gesprochen. Die Keystone Cops. Die Keystone Cops sind in den 20ern, das war eine riesige Produktion quasi nur von Filmen, wo Slapstick betrieben wurde mit Polizisten, die Gauner jagen. Und es sind ganz viele Autos, die einfach in einem atemberaubenden Tempo durch die Stadt fahren und dann gerade so nicht vom Zug überrollt werden oder gerade so jemanden nicht erwischen, der sonst sterben würde und so. Und das ist voll das Zitat von dieser Art und Weise, schnelle Comedy zu machen. Das ist so großartig.
Florian Bayer: Das ist einfach Slapstick. Also das ist auch der Moment, wo er definitiv anders funktioniert als diese klassischen Screwball-Comedien, weil die bei weitem nicht so viel Slapstick-Action haben. Das stimmt, ja. Das ist der erste amerikanische Film, der in den Credits die Stuntleute aufgeführt hat.
Johannes Franke: Ja, völlig zu Recht. Und seitdem wurde das halt dann betrieben. Ich finde es gerade schade, dass es nicht vorher so gemacht wurde. Ja, das ist so ein bisschen traurig. Ja, weil Stuntleute gab es ja auch schon früher. Ja, definitiv.
Florian Bayer: Und so wichtig für einen Film, gerade für einen solchen Film. Die ganze Physical-Comedy würde einfach nicht funktionieren ohne vernünftige Stuntleute, die wirklich krasse Sachen machen und ihr Leben riskieren für unseren Spaß.
Johannes Franke: Ja, ein männlicher Stuntman hatte für Barbra Streisand auf dem Fahrrad die Stunts gemacht. Und der hat sich halt auch dann den Fuß gebrochen.
Florian Bayer: Ja, und wenn man den Film sieht, dann macht das auch total Sinn, weil es ist wirklich so ein halsbrecherisches Stunt.
Johannes Franke: Ja, das ist total krass. Meine Güte. Ja, man guckt sich solche Filme so an, es sieht alles so leicht aus und so. Und man denkt nicht daran, was da eigentlich für krasse Sachen dahinter stecken.
Florian Bayer: Das ist halt auch so schön bei all diesen Slapstick-Sachen, dass wirklich krasse Sachen passieren. Aber er verliert nie seine Leichtigkeit. Der Film wird nie dramatisch. Es wird nie so, dass man das Gefühl hat, oh Gott, oh Gott, Hilfe. Sondern es macht die ganze Zeit Spaß. Man lacht einfach. Auch wenn Waffen gezogen werden, wenn Leute wegrennen, wenn krasse Unfälle passieren, ist es einfach die ganze Zeit witzig und leichtherzig. Aber nicht seicht, weil dafür ist er zu bissig.
Johannes Franke: Genau, genau. Und das finde ich eine ganz tolle Kombi in dem Film. Ja, definitiv. Ich hatte so ein bisschen Angst, als ich den Film vorgeschlagen hatte. Weil ich nicht mehr genau wusste, auf welcher Seite von Messers Schneider ist er denn für dich dann. Weil ich nicht mehr genau wusste, ob er so intelligent ist, wie er intelligent ist. Und ob er nicht zu, naja, ich meine, wenn man sich die 50er-Jahres-Screwball-Comedian anguckt, dann ist da viel schlechtes Frauenbild dabei und überhaupt so, solche Sachen. Und das hat der Film kaum. Ganz wenig. Es gibt nur einmal der Spruch von dem Richter. Eunice versucht noch einzuwerfen und die haben mich fast, they molested me almost. Ja, das ist nicht zu glauben. Und dann sagt sie, sagt er, naja, das glaube ich nicht. Ja. Und guckt sie an. Also offensichtlich, weil so siehst du aus, also kannst du nicht vergewaltigt worden sein.
Florian Bayer: Es gibt diese zwei, drei, es gibt noch mehr so leicht sexistische Anleihen. Es gibt auch diesen Moment, wo der, wo der Corsierge zum Detektiv sagt, gehen das Zimmer der alten Dame und sagt zu ihr, dass du unsterblich in sie verliebt bist. Und seine Reaktion ist einfach, kann ich sie nicht einfach umbringen? Ja. Es gibt diese Momente, aber ich finde, sie sind relativ gering und es wird einfach so aufgelöst, weil das Männerbild in dem Film ist halt viel krasser als das Frauenbild, weil die Männer sind einfach mal alle Deppen und Tölpe.
Johannes Franke: Also ich kann es nicht oft genug sagen, aber Barbra Streisand ist wirklich unglaublich gut in diesem Film. Sag was zu der Klavierzähne, komm. Ich wollte sie dir nicht wegnehmen. Also unser Bannister, unsere Hauptfigur, unsere männliche kommt da hoch, weil er ausgeschmissen wurde aus dem Hotel und dann irgendwie in Aufzug steigt und eigentlich runter will, aber irgendwie fährt er dann hoch zur Baustelle, wo noch was gebaut wird vom Hotel und dann wandert er da einfach lang, ich weiß nicht genau, wie sie darauf gekommen sind, diese Szene da einzubauen, weil so richtig, ja, es ist einfach, ja, okay, so einen ruhigen Moment
Florian Bayer: einzubauen einfach. Nach der chaotischen Nacht haben wir so einen Moment der Melancholie. Ich glaube, er denkt auch tatsächlich nochmal über alles nach und man glaubt das auch in dem Moment. Ja.
Johannes Franke: Und er läuft da rum und dann ist da irgendwie so ein riesiges Ding abgedeckt mit einem großen Tuch und er stellt halt fest, das ist ein Flügel und fängt da an, so ein bisschen dran rumzuklimpern und zieht dann das Tuch da komplett runter und da liegt jemand. Und wer liegt denn da? Natürlich Judy. Judy liegt da. Barbara Streisand liegt auf dem Klavier. Liegt wie so eine, wie dahingegossen, wie das eben so ist, wenn man, wenn man sich bei Jessica Rabbit hat doch auch mal auf so einem Klavier gelegen, oder? Natürlich. Also das ist wie ein typisches Bild auf einem Flügel, eine Frau liegt da und ein Mann sitzt davor und spielt.
Florian Bayer: Wir müssen ganz kurz dazu sagen, als dieser Film gedreht wurde, stand Barbara Streisand noch ziemlich am Anfang ihrer Schauspielkarriere. Das war so ihr vierter, fünfter Film. Ja. Und sie war vor allem, aber sie war schon als Musikerin bekannt, ne?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Sie hat ja schon diverse Broadway-Stücke gespielt und zwar seit den 60ern war sie eigentlich eine berühmte Musikerin. Ja. Und deswegen kriegt sie dann auch diese musikalische Szene, die jetzt kommt.
Johannes Franke: Und sie war auch bekannt genug, als dass sie sozusagen zu der Produktion gegangen ist und gesagt hat, ich möchte gerne einen Film mit euch machen. Und die sich dann überlegt haben, ah, Barbara Streisand will mir einen Film mit uns machen. Was machen wir denn da? Und daraufhin diesen Film entwickelt haben. Also es ist nicht, dass sie den Film fertig hatten und dachten, wen nehmen wir denn für die Rolle? Sondern es war wirklich auch für sie geschrieben.
Florian Bayer: Sie hat einen Musicalstar.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Sängerin, Musicalstar. Und dann ist sie auf dem Klavier und dann haben wir diese wunderschöne Casablanca-Referenz. Und sie macht es so toll.
Johannes Franke: Sie sagt dann irgendwie, sie zitiert Rick, die Hauptfigur von Casablanca, die ja sagt in Casablanca, ausgerechnet von all den Kneipen auf der Welt muss sie ausgerechnet in meine stolpern. Das zitiert sie. So richtig, so richtig Bogart imitieren mit einer Stöhne. Und es ist so geil. Das ist super. Und dann sagt sie am Ende, play it, Sam. Und er weiß überhaupt nicht, hä, hä, hä. Und dann sagt sie noch, B-Flight oder sowas. Keine Ahnung. Gibt irgendeinen Ton vor. Und dann, ach ja, kein Problem. Und dann spielt der einfach völlig improvisiert drauf los. Die spielt natürlich ausgerechnet dieses Lied. Und dann singt sie diesen Titelsong von Casablanca. You got to remember this. A kiss is just a kiss. As time goes by. Genau. Und das singt sie ganz wundervoll. Und das hat sie auch nicht vorher im Studio eingesongt, sondern das haben sie wirklich am Set original gemacht. Weil der Regisseur gerne diese ganzen Geräusche, wenn sie runterkommt vom Klavier und wie das alles vom Flügel und sich da irgendwie, das natürlich alles ändert. Und wenn man das vorher einsingt im Studio, dann klingt das alles immer ein bisschen zu sauber. Und sie singt das ganz wundervoll, finde ich. Ganz toll.
Florian Bayer: Es ist ja so ein bisschen, ich stelle mich jetzt kurz vor als Zuschauer aus der Zeit, der kein großer Broadway-Fan ist, kein großer Musical-Fan ist und kein großer Barbaras Streisand-Fan. Und dieser Zuschauer, der ich in dem Moment bin, könnte die Befürchtung haben, dass dieser Film zu viel Musical wird, wenn Barbaras Streisand mitmacht. Naja, ist es ja aber nicht. Sie haben das ganz gut gelöst. Sie geben Barbaras Streisand eben diese Gesangsnummer.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und es gibt so ein paar Momente, die so ein bisschen musikalisch sind, aber es wird nie, du hast nie das Gefühl, dass es irgendwie, dass es zum Musical kippt, sondern es ist eben immer ein Moment, auch wenn sie am Anfang über die Straße geht und etabliert wird als Charakter, dann haben wir sie auch so ein bisschen singen, dieses Funicula, was sie quasi pfeift. Das ist von George Gershwin oder was? 1880er Jahre, klassische Musik von Nicola. Es gibt noch so ein paar mehr von diesen musikalischen Momenten, aber es wird wirklich in den Film eingeflochten und der Höhepunkt ist natürlich diese tolle Klavier-Szene, es ist einfach schön gemacht. Und du hast nie das Gefühl, oh jetzt kommt eine Gesangsszene, damit Barbaras Streisand einmal singen darf. Überhaupt nicht. Es passt einfach gut rein.
Johannes Franke: Total schön.
Florian Bayer: Und es gibt eben auch den richtigen, ruhigen Moment nach der chaotischen Nacht und vor diesem chaotischen Tag da mit der Verfolgungsjagd.
Johannes Franke: Ja. Und es ist wundervoll. Irgendwie haben sie es hingekriegt, dass diese sehr seltsamen Charaktere, die sich dann annähern und das erste Mal der Kuss stattfindet zwischen den beiden, weil er dann doch feststellt, dass er sie irgendwie gut findet. Und Filme müssen natürlich sofort von Liebe reden, aber egal. Haben wir letzte Woche schon festgestellt, Stalking ist so cute. Oh Gott. Dann ist dieser erste Kuss tatsächlich erotisch. Ich fand den tatsächlich gut.
Florian Bayer: Kommen wir kurz nochmal zu Barbaras Streisand. Willst du das Thema jetzt? Ich bin kein großer Barbaras Streisand Fan. Und ich finde, das Problem ist, sie hat definitiv eine Erotik in dieser Rolle. Ja. Aber wenn ich Barbaras Streisand sehe, sehe ich halt doch irgendwie immer diese Frau, die dann in den 70ern und 80ern sehr viele Sachen gemacht hat, die mich nicht so kriegen. Und das wirkt zu sehr damit rein. Das ist total verstörend für mich in diesem Film, weil ich finde sie in diesem Film total sexy eigentlich. Ja, das ist toll. Es gibt ja auch diese Badezene, wo sie im Bad auflauert und dann so halbnackt mit Handtuch da steht und noch nass ist und so. Und das ist alles sexy. Aber ich sehe halt immer Barbaras Streisand. Und Barbaras Streisand ist eigentlich nicht sexy.
Johannes Franke: Also mein Bild. Weißt du, was ich meine? Nee, überhaupt nicht, weil mein Bild von Barbaras Streisand von diesem Film geprägt ist. Ach krass. Ich kenne Barbaras Streisand vor allem durch diesen Film und dann später natürlich andere Sachen kennengelernt und so. Aber das war, glaube ich, eine meiner ersten intensiveren Begegnungen mit Barbaras Streisand. Und ich fand sie schon immer unglaublich toll, einfach in diesem Film. Und alles andere kann das nicht überschatten.
Florian Bayer: Auch nicht Yantel, Star is Born, Herr der Gezeiten.
Johannes Franke: Weiß ich alles nicht genau gerade.
Florian Bayer: Ich habe einfach ein anderes Bild von Barbaras Streisand. Barbaras Streisand ist für mich eigentlich nicht diese Rolle, nicht diese Frau, weil ich sie halt auch anders kennengelernt habe. Okay, verstehe. Und wenn ich an Barbaras Streisand denken muss, muss ich auch immer an diese alberne Anekdote denken, dass sie jemanden verklagt hat, der ein Foto gemacht hat von oben, von ihrer Villa mit diesem Streisand-Effekt.
Johannes Franke: Oh, das ist eine Kategorie für uns zum Erklären. Das muss man sehen. Lexikon. Das Streisand-Effekt. Im Grunde, um es kurz zu erklären, wenn man versucht, als bekannter Mensch etwas zu verhindern, einen Fakt oder ein Foto oder irgendein Dokument versucht zu verhindern, dass es an die Öffentlichkeit gerät, bestärkt man im Grunde nur das öffentliche Interesse daran, dass es an die Öffentlichkeit gerät. Deswegen sollte man eher den Streisand-Effekt, der dadurch entstand, dass sie versucht hat, etwas zu verhindern, umlau umgehen und lieber totschweigen, als da noch Großgerichtskosten zu bemühen.
Florian Bayer: Der heißt tatsächlich Streisand-Effekt wegen Barbaras Streisand, weil die im Jahr 2003 einen Fotografen verklagt hat, der einfach nur Luftaufnahmen von Kalifornien gemacht hat, von der Küste. Weil er einfach, es ging nicht um sie, es hatte nichts mit ihr zu tun. Er wollte einfach nur Bilder machen von der Landschaft, weil die sehr schön ist, da gibt es ja diese Klippen und da stehen sehr viele Häuser von sehr vielen reichen Hollywood-Stars, auch von ihr. Und dann hat sie gesagt, Moment, du hast mein Foto veröffentlicht und hat ihn auf, oder beziehungsweise die Zeitschrift, für die er das gemacht hat. Das war, das muss man sehen, Lexikon. Und es waren 12.000 Luftaufnahmen. Oh nein. Und dann wegen diesem einen, das ihr Haus zeigt, hat sie ihm verklagt und dadurch ist was bekannt geworden natürlich und plötzlich wussten alle, da wohnt Barbaras Streisand. Und 2003, wir reden so Peak-Internet-Troll-Zeit, als Trolltum noch lustig war und nicht total von Nazis verseucht. Unzählige Menschen haben daraufhin Fotos von ihrem Haus im Internet gepostet. Das wurde eine richtige Welle im Internet von Bildern von ihrem Haus. Tja. Und für mich ist Barbaras Streisand halt eher mit sowas verbunden. Die ist halt für mich immer so ein bisschen die, und das ist wahrscheinlich auch ungerecht, so ein bisschen die reiche Schauspieler-Diva, die halt sehr viele Musicals gemacht hat und auch sehr kitschige und schmalzige Musicalfilme und Songs aufgenommen hat und immer mal wieder in irgendwelchen Late-Night-Shows in Duetten aufgetreten ist, weil jeder mal ein Duett mit ihr machen will. Ja, und ich tue ihr damit wahrscheinlich ein bisschen Unrecht, aber dieses Bild, das Bild lässt sich, glaube ich, nicht mehr korrigieren. Das ist auch ein Streisand-Effekt. Schade.
Johannes Franke: Ja, bei mir war das nie so und deswegen habe ich sie immer als so tolle Schauspielerin, tolle, intelligente und auch sehr attraktive Schauspielerin. Also ich bin wirklich, bei diesem Film bin ich massiv beeindruckt von ihr, was sie an Schnelligkeit mitbringt, an Schauspiel und so.
Florian Bayer: Sie ist in diesem Film großartig und sie ist in diesem Film fantastisch. Sie ist on point, sie ist super witzig, sie ist super schnell und das, aber ich habe halt immer dieses zweite Bild von ihr. Lass das aber weg, lass es einfach weg. Ich kriege es nicht raus, es tut mir schrecklich leid, es tut mir auch wirklich um den Film leid, weil wie gesagt, sie ist in dem Film, grundsätzlich ist sie halt irgendwie schon sexy in dem Film. Aber?
Johannes Franke: Auch intelligent und schnell. Okay. So, wollen wir ganz kurz, kennst du Leoparden küsst man nicht? Nee, der gehört zu den Filmen, die ich noch sehen muss. Dann werden wir das demnächst nachholen, Plur, weil eigentlich dieser Film sich so massiv auf diesen Film bezieht. Also, Isfas Dog ist eigentlich eine große Persiflage oder Hommage oder schwer zu sagen, auf Leoparden küsst man nicht. wo Cary Grant mit Cary Grant mit Cary Grant, also einfach diese Beziehungsdynamik und Cary Grant ist da so ein, auch so ein Professor, so ein sehr verwirrter Typ irgendwie. Auch eine Screwball-Komödie und irgendwie, der hat auch so eine Brille auf, es bezieht sich alles irgendwie da drauf.
Florian Bayer: Und unser Howard, der hat Cary Grant gefragt, was er machen muss, um diese Aura zu vermitteln. Ryan O'Neill hat das Cary Grant gefragt und seine Antwort war, er hat ja gar nichts, keine
Johannes Franke: großen Tipps gegeben, er hat einfach nur gesagt, yeah, you have to wear silk underwear. Was? Okay.
Florian Bayer: Und wahrscheinlich haben wir deswegen auch diese wirklich tolle Underwear-Szene, wo auch alles über diesen Charakter gesagt ist. Wenn seine Hose reißt und wir sehen ihn in Unterwäsche, dann wissen wir, wie dieser Mann tickt.
Johannes Franke: Oh Mann, ganz toll. Ja, also ich glaube, wenn es um Screwball geht, dann kommt man auf keinen Fall um Leoparden küsst man nicht aus dem Jahre 1939, 1938? 1938, Bringing Up Baby im Originaltitel. Er wurde wieder sehr kreativ übersetzt. Ja, aber ich glaube auch, das ist eine gute Übersetzung, ist auch eine gute Synchronfassung, wenn ich mich richtig erinnere. Von Howard Hawks. Ja, also auf jeden Fall werden wir das irgendwann demnächst mal machen müssen, wenn wir wieder genug andere Sachen haben und nicht nur Screwball von mir kommt. Es ist echt, ich habe da echt eine Vorliebe für.
Florian Bayer: Warum, woran liegt das? Was, ja, weil diese Filme, genau, was geben einem diese Filme? Wie gesagt, What's Up Dog ist ein super unterhaltsamer Film, der macht super viel Spaß, aber wenn ich jetzt die Frage stellen würde, bringt mich dieser Film weiter?
Johannes Franke: Aber das ist vielleicht auch die falsche hochtrabende Frage.
Florian Bayer: Genau, genau. Das ist gemein. Es ist tatsächlich, es macht einfach von der ersten bis zur letzten Minute Spaß, sowas zu sehen, wenn es gut gemacht ist. Ja. Und die haben natürlich auch ein gewisses Konzept mit Romantik umzugehen und mit Beziehungen und werfen da auch einfach ein leichtes Licht drauf.
Johannes Franke: Und persiflieren diese ganze Love Story Tendenzen, die in Hollywood auch vorher schon existierten.
Florian Bayer: Und sie schreien halt auch die ganze Zeit, seht es nicht so dramatisch. So, man verliebt sich. Genau. Man trennt sich. Es passiert immer was. Das Leben ist bunt.
Johannes Franke: Ja, genau. Weswegen ja auch am Ende die Eunice, die ja nun schlecht beraten ist mit Howard, dass die dann mit Frederick abhaut.
Florian Bayer: Ja, mit dem Geldgeber. Und das ist ganz toll, weil Frederick, das erste, was Frederick zu Eunice sagt, ist, wo ist das Unbalanced Woman? Und dann gibt es diese Szene bei seiner Party, wo sie angegriffen wird von dem Gangster. Und dann kommt Larrabee wieder. Das ist der zweite Moment, wo er auf sie trifft. Und er sagt, don't you dare strike that brave Unbalanced Woman. Wo man dann merkt, jetzt entwickelt sich die... Die Romanze zwischen den beiden. Ja, aber ganz sachte. Es gibt nicht viel, was darauf hinweist, aber es ist da. Und dann gibt es ja diese zweite Szene, wo er sie nach ihrem Namen fragt, wenn sie im Auto sind oder so. Wo sie über ihren Namen reden und sie werden mit der Pistole bedroht. Der Gangster ist mit ihnen im Auto bei der Verfolgungsjagd. Und dann sitzt ein Yu, also dieser Yu Simon, dieser exaltierte Konkurrent. Und Larrabee und Eunice sitzen zusammen im Auto und sie flirten so ein bisschen. Sie hat Angst und er tröstet sie so ein bisschen und da kommt es irgendwie zu ihrem Namen. Und dann sagt dieser Yu, das ist doch vollkommen egal, wie die Namen sind. Wir werden hier gerade mit einer Waffe bedroht. Was soll das?
Johannes Franke: Ja, es ist schön. Es ist eine kleine, subtile Entwicklung. Und dann hauen die halt irgendwie am Ende zusammen ab. Und es gibt gar kein Drama darum, dass die eigentlich gerade Verlobten sich getrennt haben. Es ist gar kein großes Drama am Ende dann mehr. Während des Films ist es so, der Umgang zwischen den beiden ist halt schwierig. Und natürlich gibt es da Krisen. Aber die eigentliche Trennung ist dann sehr einvernehmlich und sehr easy peasy einfach abgehandelt.
Florian Bayer: Und wir freuen uns tatsächlich auch in diesem Moment für Eunice und Larrabee, dass die zusammen sind. Weil dieser Larrabee ist auch irgendwie ein süßer, sympathischer Typ, auch so ein bisschen verpeilt.
Johannes Franke: Mag den Schauspieler. Der ist toll, ne? Der ist wirklich toll.
Florian Bayer: Der ist wirklich gut. Jetzt musst du wieder recherchieren, woher kenne ich ihn? Ja, das wollte ich auch gerade sagen. Verdammt, jetzt muss ich gucken. Das habe ich nämlich. Also, wir haben als Frederick Larrabee Austin Pendleton, der seit Ende der 60er dreht. Das heißt, Is Was Dog war auch einer seiner früheren Filme. Er hat unter anderem im Muppet Movie von 1979 mitgespielt. Okay. Aber keine große Rolle, wenn ich mich recht erinnere. Also, ich hatte nicht das Gefühl beim Schauen, dass ich den Schauspieler kenne. Und dann hat er viel gedreht. Ja, Extraplatt, Mein Vetter Winnie. Ah, okay. Ich nenne einfach Filme, Beautiful Mind 2001. Er war offensichtlich eine Stimme bei Findet Nemo. Und das war, ich finde ihn ganz toll in dem Film, aber es gab nicht den Moment, wo ich dachte, Moment, den kenne ich doch. Diese Rolle ist auch einfach so süß-sympathisch. Er ist so ein bisschen verpeilt. Er passt auch dadurch gut zu Younes, weil er genauso wie Howard ist in dieser Hilflosigkeit. Ja. Und gleichzeitig freundlichen Art und er wird von Younes auch am Ende genauso rumkommandiert. Ja, genau. Es wird sofort gesagt, so, also du hast diesen Termin als nächstes.
Johannes Franke: Ja, es ist toll. Und Younes ist auch wirklich sehr, also sehr in Karikatur gezeichnet. Ja, total. Brave unbalanced woman. Ja, ich finde es so geil, wie sie da sitzt im Hotelzimmer im Bett und dieses Buch liest, The Sensual Woman. None|Ja. Und es ist tatsächlich damals so ein Bestseller gewesen. Oh, shit. Das gab es tatsächlich, das Buch. Und es wurde dafür berühmt und war auch ein bisschen ein Skandal, dass es so explizit aus der Sicht der Frau Sexualität erzählt hat. Aha. Und sie liest dieses Buch und legt es ganz angewidert zur Seite. Und das sagt so alles über diese Frau aus. Das ist so geil. Ich brauche gar nicht mehr.
Florian Bayer: Ich weiß sofort, was so ist es. Sie ist irgendwie, sie ist den ganzen Film immer total unsympathisch und man denkt sich die ganze Zeit, oh Gott, wie kann man nur in einer Beziehung mit dieser Frau sein. Aber irgendwie ist es auch süß am Schluss, wenn sie da mit dem Larrabee zusammen ist. Total gut. Das passt schon und das ist irgendwie nett. Und dieser Yu ist dann noch so als Dritter im Bunde, der ist halt auch die ganze Zeit so großartig auch, dass er sich die ganze Zeit versucht so rauszuwinden, wenn es gefährlich wird. So, don't touch me. I'm a doctor. Und das ist eine Figur, die man einfach liebt zu hassen, weil er ist von Anfang an unsympathisch und so schwierig. Ja, ist geil. Es ist super.
Johannes Franke: Ich glaube, der hatte auch sehr viel Spaß, diese Rolle zu spielen. Ja, mit Sicherheit. Man sieht es ihm an.
Florian Bayer: Oh, krass. Was denn? Kennst du noch Malcolm in the Middle? Ja, na klar. Hast du das viel geguckt?
Johannes Franke: Nicht richtig viel.
Florian Bayer: Es gibt irgendwie in späteren Staffeln ist der große Bruder von Malcolm, Francis, auf einer Farm, wo sein Chef ein deutscher Immigrant ist. Ja, kenne ich. Das ist Kenneth Maas, der spielt den deutschen Immigranten Otto, der diese Farm aufgebaut hat und keine Ahnung vom Wild-West-Leben hat, aber der halt so eine Wild-West-Farm machen will, klassisch amerikanisch. Und ich glaube, in der deutschen Synchro ist es ein Schwede, aber natürlich ist es im amerikanischen Original ein Deutscher, ein Otto. Okay. Und Francis hilft ihm und versteht sich auch ganz gut mit ihm. Und das ist Kenneth Maas, daher kenne ich ihn. Hätte ich niemals erkannt, dass das der ist. Geil. Sehr, sehr, sehr viele Jahre nach diesem Film.
Johannes Franke: Eine Sache noch. Du, wir waren ja immer sehr begeistert vom Brechen der vierten Wand. Das haben wir hier auch. Ja. Funktioniert das genauso gut wie sonst auch? Ich habe es tatsächlich nicht als so krassen Bruch der vierten Wand wahrgenommen.
Florian Bayer: Er guckt einmal direkt in die Kamera und sagt, help. Ja. Er sagt das nicht zu uns, sondern zu seinen inneren Dämonen. Okay. Ich habe das Gefühl, da war immer noch mal so eine Trennung dazwischen.
Johannes Franke: Okay. Okay. Na gut. Na gut. Weil ich fand nämlich, dass es nicht als Konzept durchkam dann. Ja. Hat es nur so ein, zweimal gemacht und es war gar nicht so irgendwie. Aber ich fand es, im ersten Moment fand ich es witzig, aber es war schade, dass es nicht als Konzept dann durchgegangen ist.
Florian Bayer: Ich finde es okay, so wie sie es machen. Also ich habe es nicht als großes, selbstreferentielle Darbietung gesehen, sondern einfach als witzigen Moment mit einem witzigen Blick. Und der Film ist halt voll von diesen witzigen Blicken. Guckt Barbara Streisand nicht auch einmal, wenn sie ihm auflauert, so ein bisschen verschwörerisch zu uns? Kann nicht sein. Ich kann es gar nicht mehr so sagen, weil sie gucken dann doch alle immer so, wenn sie so Blicke haben, zu sehr ins Nichts hinein, in die Leere und nicht zu dem Publikum. Okay. Aber so sehr wir uns über die Schauspieler freuen, es gibt einen Style in diesem Film und das haben wir ja schon ganz am Anfang gesagt. Die Tasche? Vielleicht nochmal eine Klammer darum zu machen. Die Taschen sind die Stars des Films. Sie sind ein ganz klarer MacGuffin, alle vier. Ja. Aber es ist tatsächlich, die Verwechslung der Taschen ist gar nicht mal so zentral irgendwie am Ende, auch wenn das natürlich der Grund für die Verfolgungsjagd ist. Ja. Aber trotzdem sind diese Taschen einfach so präsent. Und das ist auch das, was ich am stärksten Erinnerung hatte von dem Film. Ich wusste noch, da gibt es Taschen und die werden verwechselt. Ja. Obwohl es jederzeit vollkommen egal ist, was in diesen Taschen gerade drin ist.
Johannes Franke: Ja, es sind tolle Taschen. Ich mag ja eine gute Tasche. Also so eine gute, ich habe ja, einer der wenigen Leute, die ich kenne, männlichen Freunde, die ich kenne, die so eine Handtasche haben. Also ich habe echt eine Tasche, die ich immer mit mir rumtrage, wo alles mögliche drin ist, was ich ganz wenig kenne von anderen männlichen Freunden.
Florian Bayer: Ich habe auch so eine kleine Tasche, aber die habe ich ganz selten dabei, weil ich meistens, wenn ich was mitnehme, dann brauche ich eine größere Tasche, weil es zum Beispiel Laptop ist oder so. Ah ja, okay. Und für kleine Sachen habe ich dann halt doch meine Hosentaschen.
Johannes Franke: Ja, das reicht aber nicht aus für das, was ich dabei habe. Weißt du, mein Lippenstift, der muss halt ...
Florian Bayer: Wenn wir bei Filmen sind, bin ich auch tatsächlich, glaube ich, eher der Koffertyp als der Taschentyp. Nicht in der Realität, ich habe keinen Koffer, also ich habe halt irgendwie einen komischen Reisekoffer, aber nicht so einen klassischen Aktenkoffer. Aber eigentlich ist das, wenn es um Gepäck geht oder um Taschen, bei Filmen würde ich sagen, landen eher die vorne in einer potenziellen, virtuellen Jingle. Rutschen wir gerade in die Top 3, ja? Okay.
Johannes Franke: Jingle.
Florian Bayer: Unsere Top 3. Bugs in Film. Top 3, ich musste dir einen lachenden Smiley schicken, als du mir das geschrieben hast und musste dann verzweifeln. Bei der Überlegung, was sind denn coole Taschen in Filmen?
Johannes Franke: Was sind coole Taschen in Filmen? Eigentlich habe ich nur geschrieben Taschen. Du hättest auch dich rausreden können auf Rucksack, Rollkoffer. Ich habe Koffer drin. Ja, aber nicht nur in Filmen. Also ich habe einfach nur Taschen geschrieben. Also du hättest doch den Bezug zu Filmen weglassen können. Aber tatsächlich habe ich mehr Bezug zu Filmen als zu Gepäckmode. Also hast du keine Lieblingstasche, die irgendwie für dich, außer der Rucksack, der jeden Tag deinen Laptop schleppt?
Florian Bayer: Ja, meine Schneetasche von dem Unternehmen, für das ich arbeite. Das ist eine sehr, sehr gute Laptop-Tasche, die tatsächlich auch hier gemacht wurde. In Berlin von Pack Attack heißen die. Die sitzen hier irgendwo in Friedrichshain, wenn es sie noch gibt. Das ist schon fast zehn Jahre her, dass wir die Taschen haben machen lassen. Ah nee, vor fünf Jahren haben wir nochmal neue gemacht, als wir neu eingestellt haben. Und die machen handgefertigte Taschen aus diversen Materialien. Und die sind wirklich gut. Das sind gute, beständige Taschen. Man kann die sich auch nochmal gestalten lassen. Die haben irgendwie ein Deal mit irgendwie so einem, keine Ahnung, der halt so Labels druckt und sowas. Und von denen kann man sich Taschen manuell machen lassen. Nach Wunschfarben kombinieren, Materialien kombinieren, guter Laden. Wir machen Werbung.
Johannes Franke: Wir müssen diese Episode als Werbung deklarieren.
Florian Bayer: Wir haben die Werbung in der letzten Episode gemacht. Verdammt. Okay.
Johannes Franke: Ja, Taschen, Taschen, Taschen, Taschen, Taschen, Taschen, Taschen, Taschen.
Florian Bayer: Und ich muss anfangen, weil dein Film ist... Hast du eine Honorable Mention? Ja, ich habe eine Honorable Mention und ich befürchte so ein bisschen, die ist in deiner Liste drin. Oh, jetzt bin ich gespannt. Also meine Honorable Mention, die... Also es gibt eigentlich einen Teil auf Platz drei. Das heißt, ich habe eine Honorable Mention und es sind zwei Taschen, die sich sehr ähnlich sind. Und zwar ist das eine die Tasche aus Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind. Das habe ich auch, ja. Das habe ich befürchtet. Und die hat einen Teil um Platz drei mit der Tasche von Merlin aus Die Hexe und der Zauberer. The Sword and the Stone heißt der, glaube ich, 70er Jahre Zeichentrickfilm. Und es sind ähnliche Taschen. Es sind halt Taschen von Magiern, die einfach cool sind, weil sie alles beinhalten können. Ein fantastisches Tierwesen, ein ganzes Zoo. Ja, genau. Und bei Die Hexe und der Zauberer passt halt die gesamte Wohnung rein. Und ich mag das Konzept. Sehr schön. Mag ich die Taschen.
Johannes Franke: Das ist mein Platz drei, ein Teil von eigentlich drei Filmen. Oh. Weil es genau das gleiche Konzept ist, was du sagst. Eine Tasche, in die mehr reinpasst, als eigentlich augenfällig möglich ist. Das wäre eben bei Fantastische Tierwesen, dieser Koffer. Und Mary Poppins. Stimmt. Die hat auch so eine Tasche. Das ist die Tasche Nummer eins, die mir sofort als erstes einfällt. Und es ist gar nicht so richtig nach Plätzen zu verteilen großartig, weil Mary Poppins eigentlich auf Platz eins gehört. Weil das das erste Mal ist, dass mir eine Tasche in einem Film irgendwie wichtig war. Und Mary Poppins hat einfach da immer einen Platz in meinem Herzen. Sowieso. Und Harry Potter, der hat nun ganz viele solcher Dinge. Die tragen ja auch ein ganzes Zelt mit sich rum. Und in dem Zelt ist auch nochmal ganz viel Zeig.
Florian Bayer: Dieses Zelt. Ich mag auch diese Szene, wenn er reingeht in das Zelt. In dieses ganz kleine Zelt, in das andere Früchte sind. Und dann sieht er es und sagt nur, ich liebe Magie. Ja. Das ist schon der vierte Teil, glaube ich. Er erstaunt nicht mehr nur drüber, sondern er freut sich auch drüber, weil er weiß mittlerweile, dass solche verrückten Dinge geschehen. Genau, ja. Und das ist eine tolle Szene, wenn dann dieses Zelt wirklich ein Palast ist.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Toll. Wundervoll. Genau. Dein Platz zwei. Jetzt kommen zwei MacGuffins. Mein Platz zwei, MacGuffin Nummer eins, ist der Koffer aus Pulp Fiction. Ach, ja. Der ist einfach, also zum einen ist es ein tolles MacGuffin, weil es einfach nicht geklärt wird, was da drin ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aus dem Pulp Fiction aus dem Jahr 1994. Der Koffer, der hell leuchtet. Der manche dazu veranlasst hat, zu philosophieren, dass da ja die Seele von Marcellus Wallace drin sein könnte, von dem Obergangster, weil der auch ein Pflaster auf dem Hinterkopf hat. Aber es ist gar nicht so wichtig, was drin ist. Es ist nur was sehr bedeutendes, weil dieser Koffer wird zweimal geöffnet, einmal von John Travolta und begleitet von der Frage, sind wir glücklich? Und er sagt, ja, ja, wir sind glücklich. Und einmal geöffnet von Tim Roth, als er den Koffer klauen will. Und der fragt dann einfach nur, ist das das, was ich denke? Und Samuel L. Jackson sagt, ja, es ist, was du denkst.
Johannes Franke: Und was ist es, verdammt nochmal, was soll das? Es leuchtet. Ja. Ich fand es ein kleines bisschen pretentious in dem Moment, als ich es das erste Mal gesehen habe, habe ich gedacht, naja, ja, okay. Es ist vielleicht nicht mehr, wenn wir zu meinem Platz 1 kommen. Oh, okay. Dann mache ich erstmal meinen Platz 2 dazwischen. Und zwar Darjeeling Limited. Die reisen mit einem riesen Gepäck in der Gegend rum. Der reist ja einmal in der Welt umher, durch Indien, glaube ich. Ja. Und, ja, die haben irgendwie die Rinder, das sind drei Brüder, ne? Die gehen durch Indien und haben diese Louis Vuitton Taschen dabei, die extra für den Film gemacht wurden übrigens. Und die repräsentieren quasi so ein bisschen die Emotional Package, was sie so haben, ne? Ihre Probleme, die sie mit sich rumschleppen. Und sie haben ganz schön zu tun, das Zeug in der Gegend rumzuschleppen. Und ich finde es, das sind tolle Taschen.
Florian Bayer: Alles zusammengepackt und wirklich vollgepropft, ne? Ja, genau. Sie sind schwer bepackt, ja, das ist schön. Das ist Reise. Ja, genau. Das ist ja das Schöne eigentlich an diesen klassischen Reisetaschen, dass sie immer eben so diese Sehnsucht mittragen. Dass man alles haben kann, was man braucht und überall hingehen kann. Man ist auf jeden Fall perfekt ausgestattet.
Johannes Franke: Das geht so ein bisschen auch bei mir dann bei, was ich, eine der wenigen Sachen, die ich an Titanic ganz toll fand. Die hatten so riesige Koffer. Ja. Riesige Koffer, die an Wort geschleppt werden, um da irgendwie, das ist ein einziger Schrank eigentlich.
Florian Bayer: Ja, stimmt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Diese krassen Reisekoffer, so Ende 19., Anfang 20. Jahrhundert, die auch nicht wirklich mobil aussehen, aber die toll sind. Weil einfach, wenn man sieht, wie die Leute halt so ein Ding auf dem Rücken haben und man denkt so, wow, die tragen hier ihre gesamte Garderobe mit sich. Das ist unglaublich. Und die sehen einfach toll aus. Die sind cool, das stimmt. Aber die sind total unpraktisch und unmobil. Ja, ja. Ganz dämlich eigentlich. Meine Nummer eins. Meine Nummer eins. Ja, MacGuffin, Koffer aus Pulp Fiction. Der ist natürlich, wie vieles bei Tarantino, eine Reminiscenz an einen Klassiker des Filmnore aus dem Jahr 1955. Kiss Me Deadly. Im Deutschen unter dem Titel Rattennests gelaufen. Okay. Und glaube ich auch so eher ein bisschen unbekannterer Film. Von wem? Von Robert Aldrich. Aha. Der mit diesem Film diese, dieses Genre, der das Film noch genommen hat und nochmal ein gutes Stück dreckiger gemacht hat, düsterer und brutaler. Und in diesem Film gibt es einen Koffer, auf den unser Protagonist, der Detektiv Mike Hammer, irgendwann tritt, trifft. Mike Hammer hat in ganz vielen von diesen klassischen Detektivfilmen eine Rolle gespielt. Das ist so der Detektiv. Der wurde, glaube ich, auch mal von Humphrey Bogart gespielt. Hier wird er gespielt von Ralph Mika. Und er trifft und er forscht etwas hinterher und irgendwann findet er diesen Koffer in einem Schließfach. Dann öffnet er diesen Koffer leicht und es kommt ein helles Licht raus und sein Handgelenk ist verbrannt und er macht den Koffer ganz schnell wieder zu. Oh, okay. Und dann trifft er auf einen Wissenschaftler, der ihm sagt, ja, das hat irgendwas mit dem Manhattan-Projekt zu tun und das ist gefährlich und Strahlung und der Koffer darf nicht geöffnet werden. Und dieser Koffer ist halt dann der McGuffin in dem Film, dem alle hinterherjagen und er hat ihn. Und der Film endet damit, dass jemand von den Bösewichten schließlich an den Koffer drankommt. Und ich will jetzt nicht zu viel spoilern, doch ich muss spoilern, es ist 555 und es gibt natürlich auch eine Femme Fatale und die Femme Fatale ist der Bösewicht und die öffnet dann am Schluss diesen Koffer und dann geht alles in Flammen auf. Dann haben wir pure Apokalypse. Oh, wow. Und das Krasse ist, der Film erzählt es, er hat diese Manhattan-Projekt-Anleihen, aber eigentlich ist es viel spannender, wenn du dir vorstellst, in diesem Koffer steckt so der Urschlund der Hölle. Wir sind in einer Zeit der Paranoia, der Angst vor einem dritten Weltkrieg, der Angst vor einer nuklearen Katastrophe, vor der Atombombe. Und diese Angst spiegelt der Film natürlich und multipliziert sie nochmal, indem diese Angst, diese Vernichtung in dem Koffer ist und dann brennt halt das gesamte Strandhaus, in dem sie sind, brennt einfach ab und man sieht grelle Lichteffekt und man hat das Gefühl, hier wurde gerade die Hölle geöffnet, die in diesem Koffer verborgen war. Und man muss sich gar nicht mit Physik auseinandersetzen und denken, ach, das macht doch keinen Sinn, dass da Manhattan-Projekt-Sachen drin sind. Das ist viel cooler zu denken, das Ganze ist so eine Parabel und das ist im Prinzip die Büchse der Pandora und die wird jetzt geöffnet und alles geht in Flammen auf und das ist einfach so ein krasses Finale, weil plötzlich diese Detektivgeschichte, die die ganze Zeit rau war und düster, zu so einer epischen Apokalypse führt. Ja, wow. Super Film. Wow. Vor allem wegen des Endes. Ansonsten ist es halt, ist vor allem ein Film-Noch-Streifen. Es ist ein dreckiger, roher Film-Noch-Streifen, wo ein Detektiv sich viel prügelt und viel forscht, aber durch das Ende erhält er einfach im wahrsten Sinne des Wortes Goldstatus.
Johannes Franke: Oh, wow. Okay. Bei Büchse der Pandora muss ich immer an Marco Wöckling denken, der aus Büchse der Pandora die Buchse der Pandora macht, was der Internetanschluss ist. Ich liebe es. Okay. Meine Nummer eins. Meine Nummer eins ist die Olsen-Bande. Nein. Und zwar gibt es, ich glaube, das war der Film, die Olsen-Bande und ihr großer Coup, was im Grunde auch jeder Film sein könnte, aber die haben unterschiedliche Titel und die gehen natürlich alle nach dem gleichen Konzept. Egon hat einen Plan, mächtig gewaltig Egon und sie fangen an, irgendein Ding durchzuziehen. Und in diesem Film ist halt so ein Geldkoffer. Und dieser Geldkoffer ist halt irgendwie, wie in unserem Film jetzt, wird er halt von einer Hand in die nächste gegeben. Es gibt Verwechslungen da und dort ist das unser Koffer nicht, ja, das. Und ja, ich musste sofort an diesen Koffer denken. Es ist so irgendwie Kindheit eingebrannt, weil ich die Olsen-Bande natürlich als Kind gesehen habe und es einfach ganz großartig fand.
Florian Bayer: Mächtig gewaltig Egon. Ich habe nur tatsächlich mit Markus, einem guten Freund von mir, der auch ein Film hat, ist sehr viel über die Olsen-Bande geredet vor kurzem, weil er das geguckt hat und die Film jetzt quasi so ein Rewatch gemacht hat. Vielleicht müssen wir die Olsen-Bande mal sehen. Vielleicht müssen wir mal die Olsen-Bande sehen, ja.
Johannes Franke: Das wird schön. Okay, cool. Da weiß ich schon. Ja, das war mein Platz 1. Top 3.
Florian Bayer: Ja, das war unsere Top 3. Schöne Top 3, interessant. Sie auch sehr gut unseren Filmgeschmack widerspiegeln, weil ich habe die McGuffins aus den düsteren Thrillern und du hast die netten Verwechslungskommunien mit den Taschen, die hin und her geschoben werden. Und die Taschen, die Magie können. Ja, aber die mag ich ja auch. Die sind toll. Auf Magie können wir uns einigen. Wenn man eine Tasche aufmacht und da alles drin sein kann, das funktioniert einfach. Ganz toll. Okay, schön. Dann wollen wir in den Film zurückspringen. Wir springen zurück zur Istwas-Dock. Ich glaube, wir sind schon fast am Ende der Episode angelangt. Ich glaube auch.
Johannes Franke: Es gibt gar nicht mehr so viel zu sagen. Am Ende löst sich halt alles schön auf. Die Millionärin, deren Juwelen ja fast geklaut worden wären oder geklaut wurden, die bezahlt am Ende den ganzen Schaden, den die angerichtet haben. Weil sie einfach Preisgeld ausgelegt hatte dafür, dass die Juwelen zurückkommen. Und sie sind ja zurückgekommen, also bezahlt sie das alles. Und es springen sogar noch 50 Dollar oder so für Howard raus. Aber er kriegt sein Stipendium nicht, was sehr traurig ist. Na, das stimmt aber nicht ganz. Weil? Weil natürlich Barbra Streisand alles den Tag am Ende noch rettet, indem sie den Typen, der stattdessen das Stipendium bekommen sollte, einmal nachweist, dass er Plagiatismus betreibt. Und damit denkt sich dann Frederick, wie heißt der Nachname? Larrabee. Larrabee denkt sich dann, na, dann überlegen wir uns irgendwie was, wie wir dich doch zum Gewinner des Stipendiums machen. Kriegen sie irgendwie hin.
Florian Bayer: Alle sind glücklich. Eunice und Larrabee sind zusammen. Judy und Howard sind zusammen.
Johannes Franke: Ja. Und dann dreht sich aber unser Protagonist Howard um und leider ist Barbra Streisand nicht mehr da. Verdammt, was ist nur los? Und das ist so ihr letzter Moment, den sie sich noch nimmt, in dem sie ihn dann im Flugzeug überrascht. Ja. Wo er dann sitzt und eigentlich schon denkt, er wird sie nie wiedersehen. Und dann kommt von hinten ihr Monolog und er dreht sich um und toll und sie küssen sich. Und es gibt noch ein ganz wunderbares Schlusszitat. Was auf ganz wunderbare Weise referiert auf einen Film, den dieser Schauspieler vorher gemacht hat. Ryan O'Neill. Love. Johannes, sag uns, was Liebe bedeutet. Love means never having to say you're sorry.
Florian Bayer: That's the dumbest thing I've ever heard. Das ist toll. Das ist aus Love Story von 1970. Also das erste Zitat. Das erste Zitat. Und Barbra Streisand zitiert das nochmal für Ryan O'Neill. Und Ryan O'Neill war damals in Love Story der Hauptdarsteller, einer der kitschigsten Liebesfilme, der je produziert wurde.
Johannes Franke: Aber ein schöner Film tatsächlich. Ja. Und da sagt er den Satz, ne? Genau. Da sagt er den Satz, love means never having to say you're sorry. Und sein Comeback ist dann natürlich großartig, dass er einmal sagt, was für ein Blödsinn. Nie was Dümmeres gehört. Schön. Gefällt mir sehr gut. Das ist ein tolles Schlusswort für den Film. Und dann doch so ein bisschen Selbstreferentialität auch nochmal. Ja, genau.
Florian Bayer: Wenn sie so aggressiv einen Film zitieren, in dem der Hauptdarsteller ein paar Jahre vorher gespielt hat. Ja. Und das einmal nochmal zerreißen. Ja.
Johannes Franke: Aber das macht ja auch der ganze Film. Der ganze Film referiert auf alle möglichen Sachen. Scrooge-Comedian, Slapstick-Comedian. Ja. Das ist eine einzige Liebeserklärung eigentlich an dieses Format, was ja eigentlich schon seit zehn Jahren nicht mehr in ist. Also die haben sich wieder drauf. Also es gäbe natürlich immer Ausreißer. Auch heute werden Scrooge-Comedian gemacht, die man irgendwie da reinquetschen könnte in dieses Genre. Ja. Mit viel Liebe und so. Ja. Viel Wohlwollen. Die Klassiker sind eigentlich in den 30er, 40er Jahren. Es lohnt sich sehr, da reinzuschauen. Leoparden küsst man nicht, ist halt der Klassiker, den man anschaut und schon auch ab und zu denkt, what the f- was haben die sich da zusammengesponnen? Oh mein Gott.
Florian Bayer: Ich glaube, was ich an WhatsApp-Doc besonders liebe, ist, dass er eben nicht nur Screwball ist, sondern auch ganz viel wirklich Slapstick. Ja. Also Screwball-Comedian hatten auch Slapstick, aber er hat einfach diese krassen Slapstick-Momente, viel Action.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dass er eine gewisse gesellschaftskritische Tiefe hat. Ja. Einfach dadurch, dass eben, es wird auf den Wissenschaftlern rumgehauen, auf diesen selbstverliebten Schnöseln, die an nichts anderem als den Fördergeldern interessiert sind.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es wird, es wird halt so ein bisschen noch kalter Krieg mit reingeworfen mit diesen Akten und es ist einfach, es hat einfach eine Tiefe, die ich in diesen Screwball-Comedian, in diesen klassischen aus den 50ern eher vermisse.
Johannes Franke: Okay, verstehe. Hm. Na gut. Da bin ich mal gespannt, was zu Leoparden küsst man nicht sagt. Ich auch. Weil das ist echt, das ist halt wirklich eine runde Platter, glaube ich, wenn ich mich richtig erinnere. Ich habe echt oft da gesessen und habe gedacht, ach du Scheiße, wie krass.
Florian Bayer: Naja, okay, cool. Vielen Dank, Plur. Ja, vielen Dank, dass du mir diesen Film nochmal vorgeschlagen hast. Das war sehr schön. Das war eine tolle Zeitreise in die frühen 70er. Sehr schön. Und zu einem Genre, was ich sonst nicht mag, aber was ich in diesem Film einfach nur lieben kann.
Johannes Franke: Und danke euch, ihr da draußen an den Empfangsgeräten, dass ihr uns wohlgesonnen oder auch weniger wohlgesonnen zugehört habt.
Florian Bayer: Wenn ihr Anmerkungen, Kritik, Lob, whatever habt, schreibt an florian-musman-sehen.de. Also die Kritik an Florian, das Lob bitte an johannes-musman-sehen.de. Erzählt allen weiter, dass es einen tollen Podcast gibt, in dem jetzt pro Episode über einen Film geredet wird. Nicht mehr über zwei, weil wir einfach übertrieben haben am Anfang. Und wir sehen uns nächste Woche. Und wenn ihr wissen wollt, was dann drankommt, und zwar ein Film von mir, weil wir heute einen Film von Johannes hatten, dann bleibt noch kurz dran. Sehr schön. Bis dann. Bis dann. Ciao.
Johannes Franke: So, Plur. Du musst mir jetzt also sagen, was du mir antun willst nächste Woche. Ich will dir wirklich was antun. Oh nein.
Florian Bayer: Einen Film von David Lynch. David Lynch kann gut oder auch anstrengend sein. Ich will einen von den Filmen nehmen, der bei der Kritik nicht so gut weggekommen ist. Also anstrengend. Genau. Und tatsächlich, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, seinen letzten großen Langfilm, der mittlerweile auch schon sehr lange her ist. Ja, das ist sein letzter Langfilm gewesen. Okay. 15 Jahre her. Inland Empire aus dem Jahr 2006. Eine Frau in Nöten ist der Untertitel. Habe ich den nicht gesehen? Ich habe den doch, glaube ich, gesehen. Kannst du kurz umreißen? Es ist so ziemlich, ich würde behaupten, der experimentellste Film von David Lynch. Ja. Am nächsten, also David Lynch macht ja schon surreales Kino, aber Unterhaltungskino. Und der Film ist, von ihm ist am nächsten am Experimentalfilm. Es geht um eine Schauspielerin, die sich in ihrer Rolle verliert. Ja. Aber wie das bei David Lynch halt so ist, fliegt Realität und Fiktion so weit durcheinander, dass man nicht sagen kann, geht es wirklich darum. Weil Personen wechseln ihre Identität. Ja. Es sind Ereignisse, die nicht zu erklären sind. Und plötzlich sehen wir einen Ausschnitt von ein paar Hasen, die in einer Sitcom sind und sich total awkward verhalten. Okay. Ich liebe diesen Film. Um das schon mal vorweg zu stecken. Ich glaube, das mit den Hasen sagt mir was. Ich glaube, den Film habe ich schon gesehen. Das kann gut sein. Ich finde, es ist der Film von David Lynch, der am meisten unterschätzt ist, weil es so diesen Moment gab, wo viele im Fuiton gesagt haben, oh David, jetzt reicht es. Jetzt ist nicht noch so ein chaotischer Film. Und dann haben auch manche gesagt, jetzt hat er komplett den Faden verloren. Okay. Und vielleicht wurde der auch so ein bisschen abgestraft dafür, dass Lynch halt in den 90ern sehr viele so konfuse Filme gemacht hat. Und dann gibt es ja öfter mal den Moment, dass das Kritiker überkompensieren, weil sie die anderen Filme so abgefeiert haben, weil sie was Besonderes waren. Und dass sie dann irgendwann sagen, jetzt müssen wir eben aber mal eins auswischen. Und dann gibt es halt so ein Bauernopfer. Und ich finde, der Film ist so ein bisschen das. Okay. Ähnlich das, was I'm Thinking of Ending Things für Charlie Kaufman war. Das war auch so ein Bauernopfer. Der ist bei der Kritik ja auch nicht so gut weggekommen.
Johannes Franke: Okay. Ja. Was erwartet mich da? Okay. Ich bin sehr gespannt, Plur. Vielen Dank für diese tolle Empfehlung.
Florian Bayer: Ja, ich erwarte 180 Minuten Surrealismus und Experimentalfilm mit digitaler Handkamera gedreht. Oh, 180 Minuten? Es gibt eine Musical-Einlage.
Johannes Franke: Okay. Na, dann hast du mich überzeugt. Ach, du Scheiße. Okay. Na gut. Das Konzept gebietet ist, dass ich sage, gerne, Plur. Lass uns David Lynch gucken. 180 Minuten.
Florian Bayer: Ich freue mich sehr. Wir werden über Surrealismus reden. Wir werden über David Lynch reden. Und bestimmt auch darüber, warum David Lynch es geschafft hat, als Surrealist einem Mainstream-Publikum soweit bekannt zu sein, dass viele Leute sagen, boah, wenn du einen abgefahrenen Film sehen willst, musst du Lost Highway sehen oder musst du Maler Hill & Trives sehen. Weil also viele Leute, die sonst nicht so abgefahrene Filme mögen. Und warum der Inland Empire vielleicht nicht ganz da reinfällt, weil er eben nicht ganz so Mainstream-tauglich ist wie seine anderen Werke. Das wird spannend.
Johannes Franke: Das wäre jetzt die Hoffnung gewesen für mich. Aber jetzt auch das noch. Okay. Okay. Okay. Gut. Dann also, wenn ihr, liebe ZuhörerInnen, wissen wollt, wie schlimm ich den finde, hört euch dann in der nächsten Episode an. Wir hören uns nächste Woche wieder. Viel Spaß und bis dann. Bis dann. Ciao. Ciao.
