Episode 68: Groundhog Day – Das Murmeltier und die Five Stages of Grief
Its Groundhog day! Its Groundhog day! Its Groundhog day! Wieder und wieder und wieder…
Was kann man aus dem wiederholen von Fehlern lernen? Kann man sein Wesen um 180 Grad drehen, wenn man sich nur lang genug selbst langweilt?
Den meisten Zuhörer*Innen werde ich diesen Film aus dem Jahr 1993 nicht vorstellen müssen, trotzdem sei in kürze zusammengefasst: Phil ist ein miesepetriger Wetterfrosch, der als Reporter zum Murmeltiertag in ein kleines Städtchen geschickt wird um dort von den Festivitäten zu berichten. Nach widerwillig vollbrachtem Tag wacht er am nächsten wieder am 2. Februar, dem Murmeltiertag auf. Und am nächsten Tag ist wieder der 2. Februar. Murmeltiertag in a loop. Uns beschleicht natürlich schnell der Verdacht dass Phil lernen soll nett zu seinen Mitmenschen zu sein und den inneren Scrooge abzulegen.
Natürlich gibt es eine entsporechende Liebesgeschichte mit der großartigen Andie MacDowell, die ihm als Love Interest ein paar dutzend Ohrfeigen geben darf. Bill Murray in Höchstform und ein Comedy-Drama wie es im Lehrbuch steht und vielleicht genau wegen dieses Films dort seinen Platz findet. Ein Rewatch, der sich gelohnt hat? Oder einer der einen dazu bringt sich mit einem Murmeltier von einer Klippe zu stürzen? Was meinst du Plor? Was würdest du mit der Zeit machen?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 68: Groundhog Day – Das Murmeltier und die Five Stages of Grief Publishing Date: 2022-04-20T13:07:19+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/04/20/episode-68-groundhog-day-das-murmeltier-und-die-five-stages-of-grief/
Johannes Franke: Der muss doch jeder kommende Tag irgendwie abstinken gegen den Tag, den du dir perfekt zusammengebastelt hast über die Jahrzehnte.
Florian Bayer: Das ist wirklich eine spannende Frage. Also ich glaube zum einen muss sich die Zeit doch unglaublich kurz anfühlen, die er jetzt noch zu leben hat, nachdem du 10.000 Jahre gelebt hast.
Johannes Franke: Okay, Campers, rise and shine and don't forget your booties, cause it's cold out there today. It's always cold out there. It's jeden Tag cold out there. Ja, welcome, herzlich willkommen, liebe ZuhörerInnen da draußen zu einer erneuten, wiederholten Episode vom Muss-Man-Sehen-Podcast, wo wir uns gegenseitig Filme aufgeben.
Florian Bayer: Ja, das Konzept ist einfach. Einer gibt dem anderen eine Hausaufgabe auf, einen Film, den er schauen muss und dann diskutieren wir über diesen Film und im besten Fall streiten wir darüber, weil wir doch öfter mal einen unterschiedlichen Filmgeschmack haben.
Johannes Franke: Ist das der beste Fall? Ich bin mir nicht ganz sicher. Für uns, für unsere Beziehung, Flor, ist es vielleicht nicht der beste Fall für den Zuhörer da draußen, ist es vielleicht der beste Fall. Ich weiß es nicht genau.
Florian Bayer: Wir haben uns bis jetzt immer überlebt. Also es war manchmal ziemlich knapp. Ich erinnere mich dran, in der letzten Ingmar Bergmann-Folge ist Johannes mit dem Messer auf mich losgegangen.
Johannes Franke: Das müsst ihr euch unbedingt, ach nee, das haben wir ja rausgeschnitten. Ja, zu Recht. Ja, da wäre auch irgendwann die Polizei gekommen. Wir wollen jugendfrei bleiben. Ja. Oder wir machen den Crime-Podcast noch auf.
Florian Bayer: Oh ja, auf jeden Fall. True Crime. Filmrezensent von Rezensionspartner. Brutal. Naja, okay.
Johannes Franke: Wir machen heute den Groundhog Day. Wir reden über das Murmeltier. Ja.
Florian Bayer: Und täglich grüßt das Murmeltier mit Bill Murray. Und ich weiß, ich gehe davon aus, dass es kein Film sein wird, über den wir streiten, weil, um gleich mal so ein Hot Take reinzuwerfen. Oh. Ich glaube, das ist so einer der krassesten Konsensfilme überhaupt. Und zwar überhaupt nicht im negativen Sinne. Das klang ein bisschen negativ. Ich weiß, es klang negativ. Ja. Aber ich glaube, das ist ein Film, über den sich alle einig sind. Von Féton bis zum jüngsten Zuschauer.
Johannes Franke: Aber ist er das heute noch? Das ist nämlich die Frage, die ich mir vorher gestellt habe, weil ich habe den Film jetzt doch eine Weile nicht gesehen. Und ich habe ihn nur in wärmster Erinnerung und habe dann gedacht, ist das nicht auch so ein bisschen wie bei Scrooge, dass Bill Murray manchmal Sachen sagt, wo man denkt, oh nein, bitte nicht. Vielleicht. Wir werden es herausfinden. Das werden wir jetzt herausfinden. Ja. Ich führe uns erstmal in den Film ein, indem ich meinen zusammengeklöppelten Text vorlese. Möchtest du erstmal Tee haben? Oh, Tee. Ja, sehr gerne. Bitte gieß mir Tee ein. So, das ist euer Moment, liebe ZuhörerInnen. Euch auch Tee. Wir haben schwarzen Tee, Bünding-Tee. Viel zu viel Plur, aber danke. Noch einmal in sich gehen. Noch einmal in sich gehen. Ich würde auch noch ein Kluntchen nehmen.
Florian Bayer: Über den Film nachdenken, über das Filmjahr nachdenken, über das Genre nachdenken.
Johannes Franke: Was? Wie habt ihr das erlebt, diesen Film? Und ich erzähle euch jetzt, worum es geht. Weil ihr das ja noch nicht wisst, weil ihr den Film gar nicht geguckt habt, ihr Verräter. Okay. It's Groundhog Day. It's Groundhog Day. It's Groundhog Day. Wieder und wieder und wieder. Was kann man aus dem Wiederholen von Fehlern lernen? Kann man sein Wesen um 180 Grad drehen, wenn man sich nur lang genug selbst langweilt? Den meisten ZuhörerInnen werde ich diesen Film nicht vorstellen müssen. Trotzdem sei in Kürze zusammengefasst. Phil ist ein miesepetriger Wetterfrosch, der als Reporter zum Murmeltiertag in ein kleines Städtchen geschickt wird, um dort von den Festivitäten zu berichten. Nach widerwillig vollbrachtem Tag wacht er am nächsten Tag wieder am 2. Februar, dem Murmeltiertag auf. Und am nächsten Tag ist wieder der 2. Februar, Murmeltiertag in a loop. Uns beschleicht natürlich schnell der Verdacht, dass Phil lernen soll, nett zu seinen Mitmenschen zu sein und den inneren Scrooge abzulegen. Natürlich gibt es eine entsprechende Liebesgeschichte mit der großartigen Andy McDowell, die ihm als Love Interest ein paar Dutzend Ohrfeigen geben darf. Bill Murray in Höchstform und Comedy-Drama, wie es im Lehrbuch steht. Und vielleicht genau wegen dieses Films im Lehrbuch steht. Ein Rewatch, der sich gelohnt hat oder einer, der einen dazu bringt, sich mit einem Murmeltier von der Klippisch zu stürzen. Was meinst du, Plur?
Florian Bayer: Also ich muss sagen, ich hab den Film wieder sehr genossen. Eigentlich komplett ohne Einschränkungen, weil es ein Film ist. Also ich hab ihn vorhin Konsensfilm genannt und das klingt natürlich sehr abwertend. Aber es ist in dem Fall tatsächlich überhaupt nicht abwertend gemein, weil es ist einfach ein Film, der sehr genau weiß, wie er die Balance halten muss. Zwischen klassischen Popcorn-Kinoerwartungen und gleichzeitig trotzdem so ein bisschen eine abgedrehtene Story. Er versteht sich unglaublich gut darin, mit seinen Charakteren umzugehen. Und er hat ein super Tempo und er schafft es, in die Tiefe zu gehen, aber nie zu tief, sondern wieder hervorzuspringen. Also wir werden bestimmt nachher nochmal über das Originaldrehbuch reden und darüber, was sich der Originalautor dabei gedacht hat, als er den Film geschrieben hat. Und über die Spannung, die es ja durchaus gab, darüber, wie man den Film machen soll. Und es gab ja auch Stimmen, die den Film deutlich nachdenklicher und düsterer haben wollten. Ich finde, er hat es genau getroffen. Und er ist so ein bestes Beispiel für einen Mainstream-Film, der einfach saugut ist.
Johannes Franke: Und damit beenden wir die kürzeste Episode unseres bisherigen Schaffens. Weil mehr kann man gar nicht dazu sagen.
Florian Bayer: Was sagst du denn, Johannes?
Johannes Franke: Offensichtlich Ähnliches. Absolut Ähnliches, natürlich. Ich hatte aber Angst. Ich hatte wirklich Angst, weil ich gedacht habe, vielleicht drückt mich meine Erinnerung wie bei Scrooge. Ich weiß nicht, wie es dir bei Scrooge ging. Wir haben ja darüber in unserer Weihnachtsepisode gesprochen. Ich weiß nicht mehr, wie dein Take darauf war, aber ich fand das sehr über große Strecken problematisch. Weil dieser Grumpy-Typ, den Bill Murray ja oft spielt, der hat da halt sehr viele sehr sexistische Lines und Sachen, die komisch sein sollen. Wo man heute wirklich einem das Lachen im Halse stecken bleibt, weil man denkt, in der Gesellschaft wollen wir einfach nicht mehr leben. Und darüber wollen wir uns auch nicht mehr lustig machen. Und deswegen hatte ich Angst, dass es in diesem Film auch so ist.
Florian Bayer: Ja, vor allem, weil der Regisseur des Films ist ja Harold Ramis. Und der ist durchaus bekannt dafür, als Regisseur oder als Autor Filme gemacht zu haben, die, wenn man sie sich heute anschaut, mindestens problematisch sind. Also am prominentesten wahrscheinlich diese Teenager-Comedy-Filme, die er in den Ende der 70er, Anfang der 80er geschrieben hat und auch teilweise Regie geführt hat. Und Animal House und Caddyshack sind, glaube ich, so die bekanntesten von ihm. Und wenn man die sich heute anguckt, denkt man auch, wow, shit. Das ist teilweise ganz schön sexistisch und rassistisch. Ja. Aber tatsächlich bei Groundhog Day, obwohl ein Zyniker als Sympathieträger präsentiert wird, schafft er es vielleicht einfach durch Zufall und durch Glück auch. Und durch Bill Murray, glaube ich.
Johannes Franke: Ja, vielleicht. Ich glaube, Bill Murray wollte einfach einen anderen Film machen und hat deswegen von einer anderen Seite gezogen. Und deswegen kamen die da in der Mitte irgendwo raus, wo der Film sehr gut lag.
Florian Bayer: Das ist durchaus möglich. Bill Murray hat sich ja sehr darum bemüht, dass der Film einen philosophischeren Anstrich kriegt. Ja, genau. Und eigentlich tatsächlich näher ist am Originalskript, das Harold Ramis ziemlich krass abgewandelt hat. Und ziemlich krass für eine breitere Audience entschärft hat, so kann man es eigentlich sagen. Ja. Und trotzdem sind scharfe Sachen drin geblieben, ne? Ja. Also es gibt diesen Suicide-Cut, diesen Zeitraffer in der Mitte des Films, wo wir einfach mal sehen, wie sich Bill Murray auf diverse Arten versucht umzubringen.
Johannes Franke: Wobei das aber auch einigermaßen entschärft in der Komödie bleibt, ne? Also muss man schon sagen, es geht nicht plötzlich fünf Stockwerke tiefer in die Vorhülle und man hat das Gefühl, oh mein Gott, das ist ein ganz anderer Film. Sondern es bleibt eine Komödie und es bleibt im Comedic Timing.
Florian Bayer: Aber es gibt diese, und die ich tatsächlich verstörend finde, vielleicht das ist der einzige Fehler, den ich im Film finde, diese wirklich merkwürdige Szene, wo, nachdem er sich umgebracht hat, sehen wir einmal wie Rita und der Kameramann, die mit ihm zusammen an diesem Ort sind, die in der Leichenhalle stehen. Und einmal das Tuch hochgezogen wird und sein toter Körper gezeigt wird. Und ich glaube, es ist, der Film baut das ein, um uns einmal zu sagen, seht ihr, er ist wirklich gestorben, er kommt da auch durch den Tod nicht raus. Weil man könnte ja sonst immer so den Zweifel haben, naja, vielleicht hat er es überlebt oder zumindest so lange überlebt, dass der Tag nicht wieder in der Schleife springen konnte. Aber diese Szene wirkt irgendwie merkwürdig, die ist komisch. Ich finde die tatsächlich total irritierend und verstörend und finde, die hat in dem Film nichts verloren.
Johannes Franke: Das hat was damit zu tun, dass die Perspektive gewechselt wird. Wir haben normalerweise seine Perspektive, sein Erleben. Und er ist tot, er kann es nicht erleben. Warum sehen wir das? Ja, genau. Also das ist wirklich ein tatsächliches, ein tatsächlicher Fehler, den ich als Fehler identifizieren würde, das Film.
Florian Bayer: Wir gehen eigentlich davon aus, er ist in dieser Zeitschleife gefangen, aber nicht die ganze Welt ist in dieser Zeitschleife gefangen. Es ist ein persönliches Ding, weil es geht natürlich auch darum, wie sich ein zynischer Dreckskerl eben in einer Art Vorhölle wässert, um dann in einer Art diesseitigen Paradies zu landen am Schluss, indem er die Frau seiner Träume erobert.
Johannes Franke: Welche, also das, was ich mich gefragt habe während des Guckens, ist, welche großen Philosophen wird Plur wohl auspacken, um diesen Film philosophisch einmal abzurunden? Du hast bestimmt was, oder? Nee, ich habe tatsächlich gar nichts gesucht. Du hast nichts?
Florian Bayer: Ich habe nichts rausgesucht, der Film war einfach zu gut und zu unterhaltsam. Aristoteles, Nietzsche, es gibt viele Bezüge, die man ziehen könnte. Natürlich, man könnte Nietzsches ewige Wiederkehr nehmen, aber das ist ja auch eher so eine lose, weil Nietzsche hat so ein bisschen geschwurbelt und das Wort ist dabei abgefallen. Also natürlich kann man total krass vielmehr nicht den philosophischen, sondern vielmehr den spirituellen Bogen ziehen. Ja, na gut, das sowieso. Und offensichtlich haben sich ja auch sehr viele, sehr viele verschiedene Religionsanhänger für den Film interessiert, laut Harold Ramis und sind auf ihn zugegangen und haben gesagt, du, können wir über den Film reden?
Johannes Franke: Der kriegt bis heute Briefe immer wieder von irgendwelchen Leuten, von irgendwelchen spirituellen Gruppen, die mehr oder weniger einfach manchmal sich nur bedanken oder mal einen riesigen Aufsatz schicken darüber, warum dieser Film so großartig in ihre Religion passt. Es muss wirklich toll sein, das irgendwie. Und der Regisseur bedauert ein bisschen, dass das sein einziger wirklich großer Erfolg, also größeren Erfolg, den hat er einfach nicht mehr gehabt, ne?
Florian Bayer: Ja, tatsächlich ist, also natürlich haben wir hier irgendwie den Buddhismus ganz stark drin. Das sowieso. Also das Thema der Wiedergeburt und das Thema, dass du in so einer Art Weg bist von ewigen Wiedergeburten, bis deine Seele, dein Ich geläutert ist und du sowas wie Erleuchtung findest, das haben wir hier natürlich irgendwie. Aber es ist auch eine sehr universelle moralische Geschichte, weil diese Form von Läuterung finden wir alle eigentlich in allen Glaubensgemeinschaften wieder. Und ich würde sogar behaupten, in allen ethischen Philosophieschulen findest du Geschichten, Beispiele, Lehren von, wie der Mensch ein besserer Mensch wird. Weil das ist einfach das Wesen der Ethik, dass es darum geht, wie kann ich ein besserer Mensch sein, wie kann ich ein guter Mensch sein, was ist richtig, was ist falsch. Und das wird hier natürlich auch erzählt.
Johannes Franke: Das heißt, du hast keinen großen philosophischen Überbau, den du irgendwie jetzt so, ich hab ein bisschen auf dich gehofft, dass du als Philosophiestudent ehemaliger, dass du da jetzt groß auspackst, deine große Tasche mitbringst, auf den Tisch knallst und los geht's.
Florian Bayer: Ich würde diesem Film keinen großen philosophischen Überbau geben. Ich würde sagen, ja, natürlich, wir finden hier irgendwie so buddhistische Lehre, aber das ist natürlich auch eine Stärke des Films, dass wir hier so eine sehr universelle ethische Läuterungsgeschichte vor uns haben. Wenn du in die Literaturgeschichte zurückgehen willst, kannst du sagen, wir haben hier so eine Art Bildungsroman vor uns, in dem der Protagonist des Bildungsromans, im Gegensatz zu allen anderen Bildungsroman-Protagonisten, einen enormen Vorteil hat, weil die Zeit, die er hat, um sich zu läutern, ist unendlich groß. Das klassische Sujet von Bildungsromanen ist ja auch immer, dass die Zeit so ein bisschen knapp ist und dass du auch irgendwie, du willst aus deinem Leben das Beste machen, weil du weißt, dein Leben ist endlich. Und hier haben wir einen Protagonisten, der befürchtet, sein Leben ist unendlich, was ganz spannend ist. Dadurch hat er natürlich eigentlich kein Ziel, sich zu läutern, weil er ist gefangen, er befindet sich in einer Art Fegefeuer. Wir müssen unbedingt gleich drüber reden, wie lange diese Zeitschleife wohl ist. Und es gibt für ihn gar kein Ziel, überhaupt keine Motivation ab einem gewissen Punkt. Und er ist einfach nur in dieser Vorheule gefangen. Und das ist der Moment, in dem er dann das Beste daraus macht. Und dann findet die Läuterung statt. Und zwar eine ziellose Läuterung. Könnte man sagen, ist ein sehr merkwürdiger Take auf das Genre Bildungsroman, aber ein höchst effektiver.
Johannes Franke: Am Ende kommt ja genau da, wenigstens muss sich Aristoteles einmal einbringen, der ja dieses, dass man, Act, du musst was machen, du musst arbeiten, du musst dich einbringen, um Glück zu finden, um mit Leuten, mit anderen, du musst anpacken. Ja, und das sagt einem der Film ja am Ende, sodass man da eigentlich Ersterlösung findet im Zusammenspiel mit anderen und in der Zusammenarbeit mit anderen.
Florian Bayer: Ja, es ist tatsächlich auch, der Buddhismus sagt ja auch so ein bisschen, man soll irgendwie, also der Buddhismus, den könnte man fast den Gegenentwurf bringen, weil er sagt, du sollst durch Meditation, durch Kontemplation, durch Indisch gehen, sollst du zu dir selbst finden. Und das, finde ich, macht der Film wirklich geschickt, dass er zeigt, wie dieser Phil auch zu sich selbst findet, weil es gibt zwei Geschichten, wie er an Rita, an seinen Love Interest fast rankommt. Das erste ist halt, indem er ihr komplett was anderes vorspielt, indem er einfach alles auswendig lernt, weil er hat ja genug Zeit und genug Möglichkeiten und ihr dann komplett anderen Typen vorspielt. Und dann in der zweiten Geschichte, die dann eben am Schluss ist, kriegt er sie ja auch, aber indem er trotzdem sich selbst treu bleibt. Es gibt da eine wirklich schöne Szene, die man gar nicht unterschätzen darf, und zwar nachdem Rita ihn dann ersteigert hat, sagt er zu ihr, naja, ich muss dir jetzt was bieten, du hast viel Geld für mich bezahlt. Und sie sagt, naja, your bargain, du warst ein Schnäppchen. Und dann sagt er, oh ja, du hast wahrscheinlich recht. Und da sehen wir, er spielt eben nicht eine andere Rolle, sondern er ist immer noch irgendwie sich selbst.
Johannes Franke: Genau, er hat seinen Humor behalten.
Florian Bayer: Auch seine Selbstverliebtheit so ein bisschen, sein innerstes Wesen, aber er ist die gute Variante davon. Und das ist halt ein krasser Gegensatz zu dem, was er davor versucht zu sein, wo er irgendwie auf den Weltfrieden anstößt, was sozusagen das Absurdeste ist, was man machen kann.
Johannes Franke: Wo ich nicht sicher bin, ob sie das ernst meint. Also sie widerspricht ihm, ja, aber ich bin mir nicht sicher, ob er sich oft irgendwelche bescheuerten Sachen merkt, die sie nur im Scherz gesagt hat oder die sie gesagt hat, weil sie ihn verarschen will oder weil sie ihm nicht traut. Ja. Und dann Sachen auswendig gelernt hat, die ja eigentlich nicht wirklich stimmen.
Florian Bayer: Aber zu einem gewissen Punkt ist es ja tatsächlich effizient. Also ich meine, er kriegt sie bis zu dem Punkt, wo sie ihn küsst, zumindest einmal und dann geht's nur noch tief. Und dann kommen die Ohrfeigen. Genau, und dann endest du immer mit einer Ohrfeige.
Johannes Franke: Aber es ist auch geil, das war der Punkt im Film, bevor das zu Ende war, bevor die Ohrfeigen kamen, wo ich immer noch Angst hatte, ach verdammt, will uns der Film jetzt erzählen, so 90er Jahre mäßig. Und ich hab's einfach nur vergessen, dass man sich nur irgendwie, dass man sich da männlich-toxisch hochlügen kann. Aber nein, der Film macht das ja sehr gut. Der sagt einem ja dann in der Wiederholung, wie er dann versucht, alles so zu wiederholen bis zu dem Punkt, wo es schiefgelaufen ist. Dass er total verkrampft dann irgendwie erwartet, so, jetzt kommt gleich der Kuss, jetzt kommt gleich das. Und das funktioniert überhaupt nicht mehr, natürlich nicht.
Florian Bayer: Er scheitert früher, das ist ganz spannend, in diesem Zeitraffer, wo wir sehen, wie sie ihm die Ohrfeigen gibt. Er hat es zumindest, einmal hat er es geschafft, sie fast bis in die Wohnung zu kriegen. Ja, genau. Und dann sehen wir aber in diesem Zeitraffer, wo wir ganz viele Ohrfeigen sehen, dass sie auch teilweise im Schnee sitzen, wie du schon sagst. Wahrscheinlich war er verkrampft und wollte diesen Kuss forcieren. Genau. Und sie fand das total doof und abtörnend und es ist super gemacht. Es ist großartig. Ich finde den Film sehr schön reflektiert, ich finde es ganz toll. Es ist tatsächlich spannend, weil ich habe vor kurzem ein Video-Essay gesehen von Pop Culture Detective, den ich jetzt auch an dieser Stelle nur jedem empfehlen kann. Ein YouTuber, der Video-Essays macht, die so 20, 30 Minuten sind und da hat er über das Phänomen des harmless Peeping Tom, des harmlosen Stalkers und Spanners gesprochen. Was so ein ganz krasses Trope ist, was wir in der amerikanischen Filmgeschichte ständig haben, eben die Männer, die Frauen beobachten. Und was als total okay und harmlos dargestellt wird. Was als total harmlos dargestellt wird, das sind die Protagonisten, mit denen wir uns identifizieren sollen. Und ganz oft ist es auch so, dass tatsächlich dieses Spannen zu einer Romanze führt. Es ist meistens der arme, hoffnungslos Verliebte, der spannt und sie wird dann trotzdem auf ihn aufmerksam und er hat vielleicht sogar Informationen, die er nutzen kann. Aber das ist alles schön und romantisch und auch witzig und wir sind auf seiner Seite die ganze Zeit, obwohl es voll creepy ist, was er da macht. Du musst ja an Elmos Fire, St. Elmos Fire denken. Zum Beispiel, St. Elmos Fire ist ein sehr gutes Beispiel dafür und es gibt tausend andere Beispiele. Also jede zweite romantische Komödie hat das tatsächlich. Und hier ist es aber nicht so. Hier wird halt erzählt, dass es eben nicht zum Erfolg führt. Und diese ganzen Bemühungen des hoffnungslos Verliebten, wenn er überhaupt... Nein, ist er ja nicht mal.
Johannes Franke: Er will sie ins Bett kriegen, oder? Ja, genau. Also das ist halt das Ding. Und das finde ich sehr spannend, weil es einen Moment gibt, der sehr subtil gespielt ist, den man auch übersehen könnte, wo man merkt, okay, jetzt ist er wirklich verliebt. Wann ist der Punkt? Der ist bei der Depressionsphase dann, wo er dann sagt, okay, ich lasse das alles, ich mache das alles nicht mehr, vielleicht bringe ich mich einfach um. Weil er in dem Moment, ist sie ihm zu wichtig geworden, als dass er irgendwelche Spielchen treiben will.
Florian Bayer: Ja. Und er sagt, oh Rita dabei. Und zieht das wirklich konsequent durch. Es ist echt krass. Ich glaube aber, das ist schon ein Moment, wo er sich so langsam anfängt, in sie zu verlieben. Also offensichtlich hat er ja, also ein gewisses Interesse an ihr hat er ja von Anfang an. Ja, das auf jeden Fall. Er flirtet ja auf seine unfassbar schreckliche Art mit ihr. Oh Gott. Ja, aber ich fände es schwierig, einen Punkt auszumachen, wann er sich in sie verliebt. Weil offensichtlich, als dann der Moment ist, wo er sie halt versucht rumzukriegen, stellt er ja fest, dass sie komplett andere Interessen hat als er. Und komplett anderes Leben führt. Und dass er damit auch überhaupt nicht umgehen kann. Also ich meine, sie erzählt ihm, ich habe französische Lyrik studiert und er lacht sich kaputt.
Johannes Franke: Genau. What a waste of time. Und versucht das dann irgendwie umzudrehen. Und das ist so schön. Er spielt das aber auch echt gut, ne? Also diese einzelnen Momente und diese kleinen Sachen. Er war ja vorher nur als Comedy-Actor bekannt und dass er auch ernste Sachen spielen kann, ist halt so, das ist so sein Case, den er gemacht hat mit diesem Film. Vorher war das nicht so klar, niemandem so richtig klar. Nee, das hatte den halt Live-Comedien. Und dann anzufangen, solche ernsten Sachen zu spielen und das auch wirklich so gut zu machen, dass man in so kleinen Gesichtsregungen ablesen kann, welche Richtung das geht, finde ich sehr gut.
Florian Bayer: Ich glaube, der wesentliche Charakter-Turn findet tatsächlich so nach einer Stunde ungefähr statt, wenn er einmal, und man denkt zuerst, er wäre immer noch in den alten Strukturen gefangen, wenn er zu ihr sagt, ein Gott. Aber dann macht er ja diesen Turn, dass er radikal ehrlich zu ihr ist und ihr quasi alles erzählt, dass er diesen Tag immer und immer wieder durchlebt und er fleht sie an, ihm zu glauben. Und dann verbringen sie zum ersten Mal einen netten Tag zusammen. Zum richtig netten, also so einen ehrlich netten Tag. Ja, wo sie dann am Schluss total süß im Bett liegen und Karten werfen und sie sagt, Gott, ich brauche ewig, um das zu lernen. Und dann sagt er irgendwie so eine Zahl. Sechs Monate.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und wir können uns vorstellen, wie er, nachdem die Selbstmorde nichts mehr gebracht haben, nachdem er was Neues probiert hat und dann einfach mal sechs Monate lang nur im Bett saß und Karten geworfen hat. Oh Gott. Das ist, glaube ich, so der erste Moment, wo sie wirklich, wo es wirklich eine Chemie zwischen ihnen gibt, die auf beiderseitigkeit beruht. Und zwar, weil er ehrlich zu ihr ist.
Johannes Franke: Ja, genau. Wir haben, um mal so ein kleines bisschen doch nochmal in die technische Richtung reinzugehen. Der Film ist ja unterteilt in quasi die Five Stages of Grief.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Da hätten wir Denial, also Ablehnung, Anger, Wut, Bargaining, Verhandlungen, also dass man versucht, mit dem Leben zu verhandeln, um das, was man da, um das, was man trauert. Und dann Depression, also Depression und Acceptance, dass man es irgendwann akzeptiert. Ja. Sollen wir kurz ein Lexikon dafür aufmachen? Oh, sehr gerne. Apploor, wenn du mehr dazu zu sagen hast, dann war er damit.
Florian Bayer: Und zwar ist es ein Konzept von der Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross, die durch ihre Forschung irgendwann so einen Überblick entworfen hat, was passiert eigentlich, wenn man mit dem Tod konfrontiert ist. Und hat dann gesagt, es gibt fünf Stadien, die man durchläuft. Und das ist eben zum einen, dass man das erstmal leugnet, dass man da, man will es nicht wahrhaben. Das ist Denial, erste Stage und das finden wir bei Phil ja auch. Absolut. Der erste Tag, er denkt, es wäre ein schlechter Witz und der ist auch erstmal sauer auf alle. Und wenn er diesem Typen im Flur begegnet, der immer so total Strahlemann ist und sagt, hey, Wurmeltiertag, was wird hier gespielt? Das ist schon der zweite Tag, da ist schon Anger. Da ist schon Anger, genau, Anger. Da sind wir bei Punkt zwei, bei der Wut. Und dann sind wir bei Bargaining, Verhandeln, Feilschen, dass man irgendwie versucht, das zu lösen.
Johannes Franke: Wo finden wir das denn? Das ist mehr, dass Phil anfängt rumzuspielen. Er wird sehr leichtsinnig. Er fährt mit dem Auto gegen diese Mailbox, wird von der Polizei gejagt, betreibt Völlerei und dieses ganze Zeug.
Florian Bayer: Genau, eigentlich radikaler Hedonismus. Es ist nicht nur so ein Feilschen, sondern auch ein Ausnutzen der Situation bei ihm. Vielleicht auch, weil er vom Charakter her so angelegt ist.
Johannes Franke: Ja, und er fordert das halt heraus. Er sagt, na gut, wenn das jetzt so ist, dann komm, komm, keep it coming. Ja. Das ist so ein bisschen, gehört das schon ins Feilschen, finde ich, rein.
Florian Bayer: Und als viertes haben wir dann die Depression, Depression, die im Film ziemlich eindeutig gezeigt wird, wie er teilweise wirklich irgendwann den Wecker zerschlägt und nichts mehr macht. Einfach nur noch im Bett liegt, teilweise die Nacht durchmacht und wir sehen seinen total apathischen Blick.
Johannes Franke: Und dann das Murmeltier entführt und da langfährt und dann über die Klippe fährt, wo dann auch Andy McDowell und der andere, der Kameramann zusammen das noch sehen und noch kommen und filmen.
Florian Bayer: Der Moment, in dem er dann auch, in dem dann auch die Selbstmorde anschließen und er sich auf diverse Arten umbringt. Und wir sehen nicht alle Arten. Später sitzt er mit Rita im Café und zählt nochmal auf, auf welche Arten er gestorben ist. Und wir denken nur so, shit, wie oft hast du dich umgebracht?
Johannes Franke: Ja, also es ist echt übel. Vor allem, das Problem ist ja, es tut ja trotzdem weh. Ja. Es ist ja nicht so, dass du nur weißt, okay, nächsten Tag werde ich wieder leben, ich kann jetzt auch alles Mögliche machen, sondern du fügst dir echt scheiß Schmerzen zu.
Florian Bayer: Stell dir mal vor, du bringst dich am Anfang des Tages um und stürzt irgendwo runter und brichst dir sämtliche Knochen und weißt aber, du musst jetzt noch zwölf Stunden in diesem Zustand bleiben. Ah, fuck.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es ist eine düstere Note, die der Film versucht so ein bisschen auszublenden. Ja, ja, aber es ist so. Man denkt das auch auf jeden Fall mit. Das ist schon krass. Und Punkt fünf ist dann Akzeptanz. Ja. Dass man sich einfach dem Schicksal fügt. Und 1969 hat Elisabeth Kübler-Ross das in ihrem Buch über den Toten das Sterben veröffentlicht, eine Schweizer Wissenschaftlerin übrigens. Und das ist seitdem ein Modell, das immer wieder herangezogen wird, wenn es darum geht, wie gehen Menschen mit Trauer um, wie gehen Menschen mit dem Verlust von einem Menschen, der ihnen viel bedeutet, um. Aber auch, wie gehen Menschen damit um, dass sie damit konfrontiert sind, dass sie selbst sterben müssen, wenn sie zum Beispiel eine tödliche Krankheit haben.
Johannes Franke: Oder schlechte Nachrichten. Also sowas kann sich manchmal auch, wenn das traumatisch genug ist als Nachricht, dann kann das auch diesen Verlauf nehmen. Ja. Ich finde, das ist eine gute Methode. Und der Rebuchautor hat das ja auch bestätigt, dass er das so geschrieben hat. Und es gibt auch noch andere Möglichkeiten, den Film einzuteilen.
Florian Bayer: Ja, aber es ist durchaus ein Konzept, was nicht kritikfrei ist, was natürlich immer ist, wenn du versuchst, psychologische Phänomene oder auch biologische Phänomene zu kategorisieren und zu sagen, okay, wir machen hier jetzt die Schubladen auf und können diese Phasen sehen. Du läufst halt sehr schnell gefallen, so eine Art Generalisierung zu laufen, weil jeder Mensch anders ist, jeder Mensch anders umgeht mit solchen Phänomenen, mit Trauer, mit Wut und so weiter. Und wir sehen es ja auch an ihm. Also wie gesagt, wir haben zumindest diese eine Phase von Phil, die eben nicht so dieses Feilchen ist. Damit meinte sie ja eher so wirklich, dass man versucht, das irgendwie abzuwenden, so dieses mit dem Schicksalfeilchen. Und vielleicht ist das ein Moment, wo Leute zur Religion finden und dann ganz doll beten, weil sie hoffen, dass es dadurch eben besser wird. Und diese Phase hatte er ja nicht, sondern er stürzt sich dann einfach in so eine Art hedonistisches Leben hinein und säuft und frisst und hat Sex.
Johannes Franke: Und versucht das mit Ali McDowell.
Florian Bayer: Und versucht irgendwann Rita dann umzukriegen, woran er wirklich scheitert.
Johannes Franke: Ja, ich kann nicht genug betonen, wie gut ich das finde, wie der Film dieses Scheitern mit Rita darstellt. Weil er wirklich, er kommt relativ weit damit. Ja. Und das an einem Tag, was schon krass ist. Ja, auf jeden Fall. Was vielleicht Stretch ist und was man, naja gut, das ist ein bisschen, das ist halt die Filmwelt, in der wir uns bewegen. Aber es ist gut dargestellt, dieses, er kommt zu einem bestimmten Punkt und dann fühlt er sich zu sicher und dann muss er wieder zurückstecken und so. Und er schafft es aber nie, weil es einfach nicht funktioniert. Es funktioniert nicht, anderen Leuten durch ausgängig gelernte Fakten irgendwelchen Scheiß zu erzählen und über den eigenen Charaktermerk zu täuschen. Das geht einfach nicht auf Dauer.
Florian Bayer: Nee, es klappt nicht. Genau. Und es gibt auch einen ganz wesentlichen Unterschied zu dem, was er später macht. Später nutzt er diesen Tag, um wirklich zu lernen. Dann nimmt er zum Beispiel Klavierstunden. Ja. Und dann sitzt er jeden Tag vor dem Klavier, geht immer wieder zu derselben Klavierlehrerin und gibt dir viel Geld, damit sie ihn auch wirklich jetzt unterrichtet.
Johannes Franke: Und er muss jeden Tag zu ihr sagen, haben Sie vielleicht Interesse, mich zu unterrichten? Weil ich kann ja nicht sagen, dass ich schon seit 500 Tagen bei dir bin, sondern ich komme jedes Mal das erste Mal zu dir und sage, ich habe noch nie Klavierunterricht genommen. Und dann irgendwann ist er gut genug, dass sie dann sagt, ist das wirklich Ihre erste Klavierstunde? Ja, ja, aber mein Vater war Klaviertransporteur. Also insofern.
Florian Bayer: So, wie viele Tage hat er denn? Es gibt ja lebendige Debatten darüber. Wie viele Tage befindet sich Phil Connors in dieser Zeitschleife? Was sagt unser Regisseur? Der sagt zehn Jahre. Oder zehntausend Jahre, hat er auch mal gesagt.
Johannes Franke: Arschloch. Ja, das gibt's ja wohl nicht. Nein, aber der erste, der angefangen hat, damit rumzurechnen, glaube ich, kam auf acht Jahre und acht Monate. Ja. Aber ich glaube dem nicht. Ich glaube, er hat zu viele Sachen außen vor gelassen. Zum Beispiel, dass man vielleicht nicht jeden Tag Lust hat, wirklich sich ins Klavier zu setzen. Auch, dass man nicht jeden Tag acht Stunden am Klavier sitzen kann, sondern dass man nach drei Stunden eine längere Pause braucht, um irgendwas, um überhaupt die Knoten aus den Fingern zu kriegen. Solche Sachen. Ja.
Florian Bayer: Also wenn man ganz niedrig ansetzen will, kann man sagen, wir haben 34 Tage. Die sehen wir. Das ist auf jeden Fall, das ist das, was man auf den Stapel legen kann. Und natürlich ist das nichts im Vergleich zu dem, was dann nachher draufkommt. Er hat auch noch... Aber das ist das, was wir sehen.
Johannes Franke: Nein, ja gut, okay, was wir sehen, aber wir müssen auf jeden Fall mindestens noch auf 43 Tage kommen, weil er von weiteren Tagen erzählt. Genau, genau.
Florian Bayer: Und weil wir teilweise Ausschnitte sehen, wo ziemlich klar ist, dass das eigentlich auch ein Tag ist. Also man könnte das so sehr reinquetschen und sagen, okay, das war ein voller Tag, aber das ist unwahrscheinlich. Ja. Und damit sind wir natürlich überhaupt nicht nah dran, an dem was passiert. Nein, nein, nein. Er lernt Klavierspielen in der Zeit. Er lernt Französisch. Er lernt Französisch und er lernt Klavierspielen von Null an und er lernt Französisch auch von Null an. Und es gibt ja dieses 10.000 Stunden braucht man, um was zu perfektionieren. Ice Sculpturing, genau, perfektioniert ja auch. Das heißt, wir könnten da irgendwie 30.000 Stunden allein gegen das Französisch, gegen das Klavierspielen und gegen das Ice Sculpturing werfen.
Johannes Franke: Ja, da sind wir schon bei, wenn du Pausen machen musst und so weiter zwischendurch, sind wir da bei 15 Jahren schon fast.
Florian Bayer: Ja. Und ich glaube, selbst das trifft es nicht mal im Ansatz. Also, glaube ich auch. Die Idee ist natürlich total spannend zu sagen, hey, wir haben hier einen enormen Zeitraum für uns. Wir haben das, wie er versucht, Rita rumzukriegen. Diese vielen Tage, die nicht gezeigt werden, wo er einfach nochmal Informationen sammelt, wo es nicht so läuft, wo er nochmal einen anderen Weg ausprobiert. Du willst gar nicht wissen, wie lange Phase der Selbstmorde. Genau. Wir haben sowas wie diesen Banküberfall, den er macht. Ja. Da sehen wir nur das Ergebnis. Genau. Und er weiß genau, was in jeder Sekunde passiert. Du musst doch mindestens einen Monat planen für sowas, oder? Ja. Also, es ist doch auch total krass. Wie musste er das beobachten? Wie oft musste er das versuchen? Wie oft ist es schiefgegangen?
Johannes Franke: Und dann noch die Tage, wo er masturbieren musste. Das ist also die Tage, die er masturbieren musste. Wo er einfach nichts anderes gemacht hat, als im Bett zu liegen und zu masturbieren. None|Okay. Ja, also ich meine, es ist natürlich, ein normales Leben läuft einfach nicht so ab, dass du geradlinig sagst, ich lerne jetzt Klavier und sonst mache ich nichts und bin dann mit einem Jahr fertig. Funktioniert ja so nicht. Und man lebt ja dann auch und man muss ja auch die Leute kennenlernen. Er kann ja von jedem Lebensgeschichte aufzählen. Ja. Das heißt, er muss mit jedem auch irgendwie Monate verbracht haben.
Florian Bayer: Ja. Das ist schon krass. Und er muss bei jeder einzelnen Person herausgefunden haben, wie muss ich mit ihr reden, damit sie mir solche intimen Sachen aus ihrem Leben verrät. Genau. Weil, also zum Beispiel hat er offensichtlich herausgefunden, dass bei einem jungen Paar, das heiraten will, dass die Frau Zweifel hat. Ja. Das ist ja ein ziemlich intimes Detail. Und das ist etwas, was sie noch nicht mal ihrem Freund erzählt hat. Was sie nicht mal ihrem Freund erzählt hat, genau. Und es gab eine Zeit lang das Gerücht, dass im Originalskript von dem Autoren Danny Rubin ein Satz wäre, in dem Phil zu Rita sagt, ich habe 10.000 Jahre auf dich gewartet, Tag für Tag. Hm. Hm. Danny Rubin hat gesagt, das klingt toll, aber es stimmt einfach nicht. Ja. Mach er verkehrt.
Johannes Franke: Schade. Okay. Also ich würde mindestens 70 Jahre ansetzen, ehrlich gesagt. Aus meinem Gefühl heraus hat er mindestens 70 Jahre da gesessen.
Florian Bayer: Ich finde den Gedanken tatsächlich schön, dass es eine Zeitspanne ist, die wir uns nicht vorstellen können, weil sie in menschliches Leben übersteigt. Das heißt, deutlich länger als 100 Jahre. Okay. Eher, und ich kann mir durchaus vorstellen, eher in die Tausender. Und ich finde die Leute, die sagen, es können auch 10.000 Jahre sein, und das ist auch so dieses buddhistische Ding, weil das irgendwas mit dem Dharma zu tun hat und mit der Lebensspanne und so weiter, bis Butter zur Erde zurückkehrt. Ich kann es nicht genau erklären. Ich will es auch nicht genau erklären. Ich finde das auch irgendwie nett, dass es wirklich so eine spirituelle Dimension kriegt, in der man sagt, das war richtig lang. Das können wir uns gar nicht vorstellen, wie lang er in diesem Tag gefangen ist. In diesem netten Tag mit Murmeltier und mit dem Pennsylvania-Polka. Jeden Tag die gleiche Musik.
Johannes Franke: Sonny und Cher.
Florian Bayer: Und ich finde, Sonny und Cher ist nicht das Nervigste an diesem Tag. Der Song wurde ja bewusst gewählt, weil er so eine Redundanz hat und weil er dafür bekannt ist, dass sich der Refrain, der aus drei Wörtern besteht, ewig hinzieht. I got you, babe. Aber tatsächlich viel nerviger als dieses Sonny und Cher Song ist der Pennsylvania-Polka, den sie jedes Mal spielen, wenn er zu diesem Platz geht.
Johannes Franke: Beim ersten Mal jetzt wieder hören, beim Rewatch jetzt, habe ich gedacht, ach du Scheiße, da ist er mir wieder eingefallen. Dieser Ohrwurm.
Florian Bayer: Strike up the music, the band has begun. The Pennsylvania-Polka, pick out your partner and join in the fun. The Pennsylvania-Polka. Und das endlos. Es passiert in dem Lied nicht viel anderes.
Johannes Franke: Gruselig, gruselig. Aber du hast in diesem Städtchen ein paar tausend Leute. Du kannst dich schon eine Weile mit jedem beschäftigen. Also du hast, ich habe immer gedacht, der muss ja irgendwann mal irgendwo ausbrechen aus der Stadt. Die Stadt ist ja irgendwann leer. Also du hast ja irgendwann schon alles erlebt und du weißt ja alles. Was machst du dann noch? Irgendwas muss doch noch passieren. Aber in dem Städtchen, naja, so, ich weiß nicht, wenn da 100.000 Leute wohnen. 5.769 Einwohner hat Punxsettone. Nein. 5.000? Ja.
Florian Bayer: Fuck. Okay, he's lost. Das war's. Es gab tatsächlich die Überlegung von Harold Ramis, Szenen zu zeigen, in denen Phil versucht auszubrechen. Ja. Und in denen er sogar bis nach Hause fährt. Was offensichtlich gar nicht so ein großes Problem ist. Also die Entfernung, die er fahren müsste bis zur nächsten größeren Stadt, wäre wohl gar nicht so hoch. Das heißt, man könnte das irgendwie schaffen. Ja. Man könnte das auch durch diesen Schneesturm schaffen. Es wurde einfach alles verworfen, weil sie das Gefühl hatten, es passt nicht so gut zu dieser Geschichte. Ja, ja, ja. Wenn er aus diesem Rahmen dieser Kleinstadt ausbricht. Weil das Tolle ist natürlich dieses klaustrophobische Moment einer wirklich putzigen und netten Kleinstadt, die übrigens nicht Punxsettone war.
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Auch wenn sie im Film Punxsettone natürlich als den Geburtsort des Murmeltierkults ganz nach vorne packten. Es war nicht Punxsettone, wo sie gedreht haben.
Johannes Franke: Nee.
Florian Bayer: Und die Einwohner von Punxsettone, beziehungsweise die Stadtvertreter von Punxsettone waren darüber alles andere als glücklich, dass nicht bei ihnen gedreht wurde. Ja, aber es gab dort nicht alles, was sie brauchten als Orte. Und da sind sie so zu Woodstock oder wie? Woodstock, Illinois sind sie. Ja. Und ziemlich nah an Bill Murrays Heimat offensichtlich. In Wilmette ist Bill Murray groß geworden. Und das ist wohl relativ nah da. Ein wesentlicher Grund, warum sie sich gegen Punxsettone entschieden haben, ist, dass in Punxsettone diese Murmeltierfeierfestspiele nicht auf dem Dorfplatz stattfinden, sondern außerhalb. Auf so einem Wiesengelände, wo alles schön hergerichtet ist und wo die Leute dann hinpilgern. Und dieses Gefangensein in einer Kleinstadt, das hat halt nicht so wirklich funktioniert mit diesem, du stehst plötzlich auf einer großen Wiese und hast vor dir Wald. Und das kann ich total gut verstehen als Argument. Absolut, klar. Und in Woodstock haben sie dann offensichtlich so einen wirklich schönen Dorfplatz gefunden, wo auch die Murmeltiertradition stattfindet. Also tatsächlich nach dem Film deutlich stärker als vorher.
Johannes Franke: Ja, aber auch in Punxsettone haben sie ja vorher so 5000 Leute gehabt. Und dann kamen da irgendwie 100.000 Leute plötzlich nächstes Jahr, nachdem der Film rauskam. Echt wahnsinnig viele Leute, die dann plötzlich da eingefallen sind wie die Römer.
Florian Bayer: Grundsätzlich dieser, also dieser Murmeltierkult, den gibt es ja schon sehr lange. Aber wirklich populär geworden ist er eigentlich durch den Film. Es war halt wirklich so ein Pennsylvania-Ding. Und es hat sich dann auch dadurch, dass der Film so gut angekommen ist, in ganz USA ausgebreitet. Und es ist ein deutsches Ding, ne? Das ist das Witzigste. Das ist ein deutsches Ding? Ja, deutsche Einwanderer in Pennsylvania haben diesen Kult reingebracht. Okay. Und zwar in Deutschland war es tatsächlich, war es der Dachs, der seinen Schatten sieht oder nicht sieht. Okay. Und damit das Wetter hervorsagen kann. Und es war auch, die Einwanderer von Pennsylvania haben das auch gebracht. Und es gibt ein Pennsylvania-German-Dialect, wie die reden. Und da gibt es den Text dazu, den ganz alten, der quasi die Ursprünge davon ist. Blur, ich sehe am Horizont, das du rezitieren wirst. Wann der Dachs sei Schatte seht im Lichtmessmarie, dann geht er wieder ins Loch und beleibt noch sechs Wochen drin. Wann Lichtmessmarie aber Trieb ist, dann bleibt der Dachs Haus uns wat noch enna frier. Ja, ich zitiere, das war nicht Althochdeutsch oder sowas, das war Pennsylvania-Rich. Beziehungsweise der Pennsylvania-Dialekt, mit dem diese Dachs-Geschichte erzählt wird. Oh mein Gott. Und im späten 18. frühen 19. Jahrhundert hat der Kult angefangen, eben durch deutsche Einwanderer. Ja, da kommen die Deppen und machen hier irgendwelche idiotischen Weisheiten rein. Und Phil sagt mal in so einem zynischen Moment, früher war das noch geil, da haben die das Murmeltier geschlachtet und gegessen.
Johannes Franke: Und das haben sie wirklich, sie haben es wirklich getan. Das ist unglaublich. Oh mein Gott.
Florian Bayer: Das soll offensichtlich wie eine Mischung aus Hühnchen und Schwein schmecken. Ja, toll. Es gab sehr lange Murmeltier-Festlichkeiten, wo die Leute sich getroffen haben und dann gemeinsam das Murmeltier geschlachtet und gegessen haben. Blur, kommen wir zum ernsteren Teil zurück.
Johannes Franke: Was würdest du mit so einem Tag, der sich wieder und wieder wiederholt, tun?
Florian Bayer: Also ich habe tatsächlich sehr viel übrig für diesen hedonistischen Ansatz. Ja, ich auch. Ich finde es schon ziemlich witzig, diese Vorstellung. Das ist natürlich auch ein Grund, warum der Film so gut ankommt, weil es bedient so eine gewisse Superhelden-Fantasie. Ja, wenn du die Möglichkeit hast, einen Tag zu wiederholen und zu sehen, was falsch gelaufen ist und das irgendwie zu verbessern, eröffnet natürlich tolle Möglichkeiten. Du kannst natürlich sowas machen wie, du musst dir über keine Konsequenzen mehr Gedanken machen. Du kannst einfach feiern so hart, wie du noch nie gefeiert hast. Ich finde den Gedanken aber auch natürlich total toll, diesen Bildungsgedanken, also dieses Klavierspielen lernen, einfach mal Zeit zu haben für sowas.
Johannes Franke: Als ich noch, also den ersten Mal den Film gesehen habe, als ich Kind war und noch ganz unbeleckt von irgendwelchen hedonistischen anderen, also so Gedanken Sexualität oder viel Fressen oder viel, weiß ich nicht, dieses ganze Zeug. Ich fand das Lernen am geilsten. Das klingt ein bisschen komisch für ein Kind. Ja, aber ich fand es richtig geil zu sagen, oh mein Gott, dann kann ich Klavier spielen lernen, dann kann ich alle möglichen Instrumente rauf und runter, ich kann das lernen, ich kann das machen. Was interessiert mich die Frau, die da den Film durchläuft? Ich will lernen, ich will Zeug lernen. Das war so mein Gedanke als Kind.
Florian Bayer: Es ist ja auch tatsächlich cool, dieser Gedanke. Ich kann das total gut nachvollziehen. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich als Kind getickt habe, als ich den Film gesehen habe. Ich war wahrscheinlich auch so acht, neun, Moment, nee, kann nicht sein. Ich muss mindestens elf Jahre gewesen sein. Ja, stimmt. Der Film kam 93 ins Kino. Genau. Ich kann mich nur gut erinnern, dass meine Mutter diesen Film geliebt hat. Meine Mutter hat diesen Film sehr oft geguckt. Oh, okay. Was bei einem solchen Film nochmal super anstrengend ist, weil der Film sowieso auf diese Repetition setzt. Oh Gott. Und meine Mutter hatte so eine Art Filme zu gucken, indem sie wirklich einen Film fertig geguckt hat, dann war er zu Ende und dann hat sie den wieder angemacht. Oh Gott. Die hat am Nachmittag einen Film angefangen und hat ihn dann gleich wieder angemacht. Zurückgespult und wieder angemacht. Zurückgespult und wieder angemacht, damals in der guten alten Videokassettenzeit. Wahnsinn. Ich glaube, ich war als junger, als älteres Kind, junger Jugendlicher, war ich tatsächlich am meisten von diesem Hedonismus-Ding geflasht. Ja, okay. Und dann aber auch natürlich das Lernen, das ist total cool, du kannst dir Zeit nehmen für einen Roman. Ja, genau. Du musst dir halt immer merken, wo du warst, ne? Ja, ja, genau. Eine ursprüngliche Konzeptidee von dem Autoren war, dass Phil sich merkt, wie lange er in dieser Zeit gefangen ist, dadurch, dass er Bücher liest.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber egal, du kannst nicht an einem Tag Doktor werden. Wie soll das funktionieren? Das ist halt ein echtes Problem. Du promovierst nicht an einem Tag niemand, egal wie intelligent du bist, du promovierst nicht an einem Tag. Du kriegst höchstens eine Ehrendoktorwürde irgendwie. Aber selbst das braucht Zeit. Ja. Ohnehin, wenn wir zu den großen Fragen, den großen problematischen Fragen kommen. Wie soll das funktionieren? Was ist mit seinem Gehirn? Was passiert mit seinem Gehirn in dieser Zeitschleife? Ja, genau. Weil wenn wir davon ausgehen, dass sein Gehirn die Informationen speichert, die am Tag davor waren, dann altert sein Gehirn ja. Dann findet ja ein Zellzerfall und Zellwachstum statt. Das heißt, er müsste ja doch irgendwie altern in dieser Zeitschleife oder altert nur sein Gehirn? Oder werden Zellen wiederhergestellt und gleichzeitig Zellen bewahrt vom Tag davor? Fragst du gerade nach Realismus in einem Film, der eine Zeitschleife erfindet? Ja. Okay. Zeitreisen und Zeitschleifefilme sind ideal geeignet, um zu sagen, das ist doch voll unrealistisch. Das passt doch überhaupt nicht.
Johannes Franke: Also ich glaube, wenn jemand diese Zeitschleife herstellt und ich glaube, dass der Film nahelegt, dass es das Murmeltier ist.
Florian Bayer: Wow, okay. Okay, darauf muss mir gleich zu sprechen kommen. Das Murmeltier ist der Oberbösewicht. Ja, natürlich. None|Okay.
Johannes Franke: Und dann ist diese Entität ja auch in der Lage, dem Hirn von Bill Murray die Möglichkeit zu geben, den Alterungsprozess aufzuhalten.
Florian Bayer: Aber der Alterungsprozess besteht ja im... Eigentlich ist ein Alterungsprozess bei einem biologischen Körper, ist ja die Veränderung von Zellen. Und wenn im Gehirn Informationen gespeichert sind, müssen sich doch die Zellen im Gehirn verändern.
Johannes Franke: Das heißt, du kannst ein Reset in der Zeit herstellen, aber nicht verhindern, dass der Alterungsprozess über das Erinnerungsvermögen, dass das entkoppelt wird?
Florian Bayer: Wenn du ein Reset in der Zeit herstellst, kannst du keine biologische Entität an diesen rausnehmen, weil diese biologische Entität sich dann weiterentwickelt, während die restliche Zeit wiederholt wird. Das heißt, wenn du ein Repeat machst, ist es entweder möglich, indem du sagst, die Erinnerungen von Phil sind an seine Seele gekoppelt. Das heißt, du bist auch wirklich auf seiner spirituellen Ebene. Ah, now we're talking. Ja, aber wir befinden uns im 21. Jahrhundert und wir haben sehr viel in der Neurologie gelernt und wir wissen, dass Informationen sehr wahrscheinlich nicht in deiner Seele gespeichert werden, sondern in deinem Gehirn.
Johannes Franke: Wie wär's damit? Die Informationen werden bei Phil gespeichert, nicht bei unserem, sondern bei dem Groundhog, beim Murmeltier. Und jeden Morgen wieder auf unser Hauptfigur Phil übertragen. Das heißt, sein Reset passiert, aber er kriegt wieder eine neue Spritze. Das Murmeltier kommt nachts in seinen Schlafgemacht. Wie wir wissen, hat auch dieses Murmeltier, mit dem sie gedreht haben, Bill Murray zweimal gebissen. Zweimal an der gleichen Stelle gebissen.
Florian Bayer: Dieses Murmeltier hatte was gegen Bill Murray. Es gibt ja auch diese Szene, wo er das Murmeltier dann am Lenkrad hat und sagt, don't drive angry. Das Murmeltier wollte nämlich wegrennen, der musste das offensichtlich festhalten.
Johannes Franke: Und das war eine der Szenen, wo es gebissen wurde, wo sie da am Lenkrad sitzen. Was übrigens eine sehr süße Szene ist.
Florian Bayer: Ich finde es wirklich sehr süß. Wenn das Murmeltier der Bösewicht ist, warum kommt er dann nicht aus der Schleife raus, wenn er sich und das Murmeltier gemeinsam in den Abgrund fährt und sie beide in Flammen aufgehen? Ja, weil das Murmeltier ja keine, das ist ja nur die physische Repräsentanz von dem, was da eigentlich dahinter steckt. Ich bin nicht überzeugt. Es gab ja tatsächlich Ideen, wie können wir das erklären. Und Gott sei Dank haben sich Harold Ramis und Danny Rubin dagegen entschieden, das im Film zu platzieren. Und das, was aber so als Gedanke dann zumindest irgendwie entstanden ist, wenn man halt so ein Backstory schreibt, die man niemandem zeigen will, war, dass er verflucht wurde von einer Ex-Labyrinth.
Johannes Franke: Ja, alles Blödsinn. Funktioniert alles nicht. Nein. Und es gab ja auch nochmal irgendwann in dem Drehbuch eine Version, wo Andy McDowell dann am Ende in ihrer eigenen Teidschleife gefangen ist. Ja. Was auch, nee, das funktioniert nicht. Ich finde schon sehr gut, was in Änderungen vorgenommen wurden.
Florian Bayer: Tatsächlich ein Plotwist, den Rubin eigentlich gerne drin gehabt hätte. Rubin war ja auch alles andere als glücklich, als er dann das Endprodukt gesehen hat, weil Harold Ramis ihm nach seiner Meinung viel zu viel an dem Skript rumgedockt. Das hat und das viel zu viel aufgeweicht hat. Ja.
Johannes Franke: Er hat einen sehr süßen Text darüber geschrieben. Er hat immer wieder versucht zu betonen, dass er nicht undankbar wirken möchte. Aber das halt alles so ein bisschen, es ist ein bisschen schade. Und er hat viel gelernt dadurch. Und so. Und hat es versucht, irgendwie sich so ein bisschen drum rum zu mogeln, einfach zu sagen, ihr seid doof.
Florian Bayer: Ja. Er hat auch wirklich gesagt, er war dankbar für den Film, weil es einfach, es war sein großer Erfolg. Es war ein Riesending. Ja. Und dadurch, dass der Film so publikumswirksam war, war das natürlich auch erst möglich. Also hätte ein anderer Regisseur daraus eine düstere Fabel gemacht über Schuld und Sühne, dann wäre der Film nicht so krass an den Kinokassen angekommen. Ja. Und der ist ja wirklich sehr erfolgreich. Der erfolgreichste Film des Jahres oder so, ne? Und das in diesem Filmjahr. Das Filmjahr 1993 steckt voller potenzieller Filme. Da war viel, da war viel voll. Ja. Viel los. Unglaublich. Jurassic Park. 1993 war das Jahr von Jurassic Park. Und das Jahr von Off der Flucht. So ein großes Revival des klassischen Actionfilms. Wir haben mit ein unmoralisches Angebot, haben wir so einen Erotikstriller, der für Skandale gesorgt hat. Allein schon deswegen, die das Publikum neugierig gemacht hat. Wir haben Schindlers Liste. Also dieses Jahr war vollgestopft mit großen Publikumsmagneten.
Johannes Franke: Und was ich eingangs gesagt hatte, ich weiß nicht, ob du denen die Meinung teilen würdest, dass der so ein bisschen auch damals dieses Genre bestimmt hat. So wie es weitergeht. Wie man solche Komödien mit diesem, mit solch einem Hintergrund, so einem nachdenklichen Hintergrund dreht. Ich habe so den Eindruck, dass der so ein kleines bisschen was losgetreten hat unter diesen Leuten, die sowas gerne drehen wollten. Komödien ein bisschen anders.
Florian Bayer: Also, die frühen 90er waren natürlich so eine Zeit, in der Rom-Coms krass populär waren. Ja. Weil es gab, also was auf jeden Fall so einen Rom-Com-Hype mit ausgelöst hat. Ende der 80er war schlaflos in Seattle, lass mich jetzt nichts Falsches sagen. Der war 1993. Ah, fuck. Oh mein Gott. Der ist doch noch, ich hätte ihn in der 80er verortet, aber der ist offensichtlich auch 1993. Und dann haben wir natürlich diese britischen Rom-Coms mit, wo dann sowas wie Vier Hochzeiten, ein Todesfall. Alle Filme, in denen Hugh Grant irgendwie versucht, eine Frau zu kriegen. Übrigens auch mit Andy McDowell, Vier Hochzeiten, ein Todesfall 1994. 1994. Ich finde, der ist vor allem interessant für das Konzept Rom-Coms mit fantastischer Note. Und wir hatten bei unserem Podcast ja schon mal einen, der fast 30 Jahre später rauskam, nämlich Yesterday. Yesterday. Ach so, ja. Wo wir, wenn wir jetzt nochmal Groundhog den eben Yesterday halten, funktioniert ja auf ganz vielen Ebenen nach einem ähnlichen Prinzip, dass jemand, dass so eine gewisse Allmachtsfantasie erfüllt wird. Ja. Und das aber trotzdem dann im Laufe des Films klar wird, eigentlich geht es nicht darum, sondern es geht darum, die Frau der Träume zu gewinnen.
Johannes Franke: Ja, obwohl der grundsätzliche Gedanke das Ganze sehr appealing macht. Also gerade bei Yesterday, was für mich allein ist, leider in der Idee stecken bleibt, wo ich denke, die Idee bringt mich ins Kino. Aber wenn ich nicht so höflich wäre, nicht während des Films rauszugehen, würde ich vielleicht dann doch, ja. Nein, nein, nein, nein, nein.
Florian Bayer: Du bist Yesterday, der das Kino verlassen. Nein, nein, nein, nein. Das ist hart.
Johannes Franke: Nein, aber. Das ist wirklich böse. Ich weiß nicht mehr genau, wie böse ich war, während wir den besprochen haben. Aber ihr könnt ja mal reinhören. Ich hatte so meine Schwierigkeiten mit dem Film, fand ihn aber grundsätzlich durchaus ganz gut, glaube ich.
Florian Bayer: Ja, jedenfalls, wo wir stehen geblieben? Wir sind irgendwo stehen geblieben. Wir sind hängen geblieben. Wir sind hängen geblieben bei Yesterday und bei diesem Konzept der romantischen Komödie mit so einem Fantasy-Überbau. Aber Groundhog Day ist definitiv der bessere Film als Yesterday. Groundhog Day ist definitiv der bessere Film als Yesterday. Ich würde sogar sagen, Groundhog Day gehört mit zu den besten Rom-Coms der 90er Jahre. Ja. Und die 90er Jahre sind voll von wirklich, wirklich gut gelungenen Rom-Coms. Zum Beispiel Zehn Dinge, die ich an dir hasse? Nein. Zehn Dinge, die ich an dir hasse, ist eine Teenie-Komödie. Ich dachte eher sowas wie Vier Hochzeiten, ein Todesfall oder Notting Hill. Jetzt habe ich den zweiten Hugh Grant-Film schon aufgezählt. Finde eine romantische Komödie ohne Hugh Grant.
Johannes Franke: Und ohne Tom Hanks. Verdammt. Fuck. Themenwechsel. Anderer Film. Nein, gleicher Film. Aber er hat viele Preise gewonnen und so. Bafta und so.
Florian Bayer: In diversen Listen aufgenommen, also voll kanonisiert.
Johannes Franke: Ja, und also auch in diese Liste aufgekommen, reingekommen, die von der National Royal irgendwas, keine Ahnung, was ist das für eine Society, irgendwie eine amerikanische Society, die Preservable Films irgendwie einfach, wo sie sagen, die müssen wir aufbewahren für die Zukunft, weil die sind culturally significant.
Florian Bayer: Was du auch mal schaffen musst, als so eine Rom-Com. Ja, das ist schon krass. Weil das ist eigentlich so kulturelle Signifikanz, würde man ja eher so einen Film wie, wenn wir uns im gleichen Jahr bewegen, Schindlers Liste zum Beispiel, dazugestehen. Aber jetzt nicht unbedingt eine Komödie, wo ein Zyniker den einen Tag immer und immer wieder durchlebt, um dann schließlich am Schluss die Frau seiner Träume für sich zu gewinnen. Ich finde es tatsächlich krass, dass das Ding halt auch so extreme Auswirkungen hatte auf den Murmeltier-Kult. Das war eigentlich die Initialzündung, dass Woodstock halt auch angefangen hat, so Murmeltier-Feierlichkeiten richtig groß zu machen. Ja. Punxsatoni, sowohl Woodstock als auch Punxsatoni wurden zu Wallfahrtorten. Ja, total krass. Und in Woodstock gibt es dann auch noch so Schilder, wo dann steht, hier ist die Ned Ryerson-Ecke.
Johannes Franke: Die haben auch wirklich einen Haufen Führungen. Hier wurde das gedreht, hier wurde das gedreht. Schauen Sie sich bitte dieses Restaurant an, da wurde das gedreht.
Florian Bayer: Und Steven Topolowski, der den Ned Ryerson gespielt hat, der durfte auch mal als Ehrengast bei dem Murmeltier-Tag in Punxsatoni dabei sein. 2010 war er Honorary Grand Marshal und hat dann auf der Bühne während seiner Rede, hat er den Whistling Belly Button aufgeführt, den er im Film irgendwann zitiert, wo er sagt so, hey, das war doch mein Ding damals. Okay. Man will sich nicht vorstellen, wie das aussah.
Johannes Franke: Ach du Scheiße.
Florian Bayer: Und das Ganze um einen Kult, der komplett abergläubig und komplett weg von der Realität ist. Höllige Bullshit, Alter. Die Statistiken von Phil, um es nochmal deutlich zu machen, von Punxsatoni Phil, dem echten Punxsatoni Phil, sehen nicht gut aus für ihn. Tatsächlich hat er eine Trefferquote, die unter dem liegt, was man erwarten würde, wenn man random mit einem Würfel wirft.
Johannes Franke: Oh nein.
Florian Bayer: Er hat irgendwas zwischen 35 und 40 Prozent, ist offensichtlich seine Trefferquote was, was die Vorhersage des Frühlings betrifft, liegt aber auch daran, dass es überhaupt nicht klar zu definieren ist, was heißt eigentlich ein früher Frühling. Weil der Frühling beginnt ja am 20. März. Und welche Wetterphänomene macht man für einen Frühling verantwortlich. Auf jeden Fall kann ein Murmeltier, wenn es seinen Schatten sieht und deswegen zurück in seine Höhle kriegt, damit nicht vorhersagen, dass der Winter länger dauern wird, um das nochmal klar zu machen.
Johannes Franke: Danke, Flo, dass du das nochmal gesagt hast. Ich war mir plötzlich unsicher. Was passiert mit Phil, also nicht dem Groundhog, sondern unserer Hauptfigur, nach diesem Tag? Du hast 70 Jahre, sag ich jetzt mal so, oder 120 oder du sagst gerne 1000 oder so, diesen einen Tag erlebt und dann geht es plötzlich weiter. Der muss doch jeder kommende Tag irgendwie abstinken gegen den Tag, den du dir perfekt zusammengebastelt hast über die Jahrzehnte.
Florian Bayer: Das ist wirklich eine spannende Frage. Also ich glaube zum einen muss sich die Zeit doch unglaublich kurz anfühlen, die er jetzt noch zu leben hat, nachdem du 10.000 Jahre gelebt hast. Total krass. Plötzlich nur noch so, oh Gott, ich habe jetzt nur noch 50 Jahre. Verdammt, das geht schnell. Ist ganz spannend, was passiert im Gehirn, wenn diese Zeitschleife vorbei ist. Wahrscheinlich wird vieles verdrängt und vergessen. Also ich meine, wir Menschen sind wirklich ganz gut da drin, auch so Sachen beiseite zu schieben und zu sagen, okay, das ist Vergangenheit und lass uns mal 10 Jahre in die Zukunft denken. Dann sieht es vielleicht ganz anders aus. Dann gibt es vielleicht gar nicht mehr so, also er hat noch die Fähigkeiten, zumindest solange er sie noch benutzt, aber vielleicht gibt es dann gar nicht mehr so viele Erinnerungen an den Tag. Und leider haben sie es irgendwie verpasst, eine Fortsetzung zu machen, aber tatsächlich wäre das so ein Film gewesen, wo man sich eine 10 Jahre später, also tatsächlich 2003 eine Fortsetzung durchaus hätte vorstellen können. Mit einem Phil, der wieder in seine alten Verhaltensmuster gefallen ist. Vielleicht deswegen kurz vor der Trennung steht von Rita. Und dann fahren sie aber gezwungenermaßen, müssen sie als Produktionsteam nochmal nach Pankstetoni fahren und dann hängen sie beide in der Zeitschleife. Instant hit. Ich verstehe nicht, warum. Anfang der 2000er. Und das war die Zeit, als die Leute noch nicht so genervt waren von den Fortsetzungen, Reboots, die es heute gibt. Das wäre ein Hint geworden. Ich sage dir, warum.
Johannes Franke: Weil Bill Murray gesagt hat, ach du Scheiße, Alter, lass das, mach das nicht. Nie wieder arbeite ich mit Harold Ramis zusammen.
Florian Bayer: Nie wieder. Die haben nicht mehr miteinander geredet. Die haben sich so verstritten während der Dreharbeiten. Oh mein Gott. Und tatsächlich, weil eben Bill Murray eher auf der Seite von Danny Rubin war und mehr diese philosophischen Sachen reinbauen wollte. Der wollte einen ernsteren Film machen. Der wollte halt rauswachsen aus seinem Comedy-Ich. Während Harold Ramis gesagt hat, ey, du bist der lustigste Mensch, den ich kenne. Du musst Comedy machen. Mach fucking lustig, bitte. Und dann waren die Dreharbeiten offensichtlich ein ganz schöner Kampf zwischen den beiden. Schon in der Vorproduktion haben sie wirklich lange, lange diskutiert darüber. Und dann war Ramis irgendwann so genervt, dass er gesagt hat, okay, geht zu Danny Rubin und arbeitet ihr nochmal über das Skript drüber. Und versucht das irgendwie zu klären, weil er war total genervt davon, dass Mary die ganze Zeit Sachen verändern wollte. Und dann hat Ramis auch mal da angerufen und gefragt, wie weit seid ihr denn? Und Mary hat gesagt, ich bin nicht da.
Johannes Franke: Es ist ja auch so, dass das auch kompliziert zu drehen ist, muss man mal sagen. Du hast ja allein im Hotel, hast du 50.000 verschiedene Stages von Phil. Wie er das erste Mal feststellt, dass er in einer Zeitschleife gefangen ist, dann musst du zwei Sekunden später die Szene spielen, wo du beim 50. Mal irgendwie diesem Typen begegnest im Flur. Du musst immer wieder so. Und irgendwann hat Bill Murray das für sich anscheinend runtergebrochen und hat immer nur den Regisseur gefragt, so, sag mal, just tell me, good Phil or bad Phil?
Florian Bayer: Was für eine Herausforderung das auch für die anderen Schauspieler sein muss. Weil Phil darf ja variieren in seiner Reaktion. Er ist ja der, der den Tag jedes Mal anders erlebt. Aber die ganzen Statisten, so Ned Ryerson, dieser Typ im Flur, die Javierlehrerinnen, die müssen ja immer ihr selbes Programm durchziehen. Die müssen ja glaubhaft ein Mensch sein, der an diesem genauen Zeitpunkt stehen geblieben ist und den halt immer wieder durchspulen. Und das klappt erstaunlich gut. Also ich gehe mal davon aus, ich habe genau darauf geachtet. Man könnte bestimmt mal so pausieren und gucken, ob es Szenen gibt, die tatsächlich konserviert wurden. Zum Beispiel, wenn man so eine Overshoulder hat von Phil und Ned Ryerson kommt. Ach so, ja. Dass sie tatsächlich bis zum gewissen Schnittpunkt konserviert haben. Ja. Wäre ganz spannend mal zu sehen, was da in der Schnittarbeit auch passiert ist. Stimmt. Aber auf jeden Fall ist es so gut gemacht, dass es nicht auffällt. Also man denkt nicht, oh, sie haben die Szene konserviert, damit sie genauso aussieht. Man denkt aber auch nicht, ah, der Schauspieler oder die Schauspielerin hat es nicht so 100% getroffen. Das ist doch ein anderes Verhalten, als es eigentlich sein sollte. Ja, genau. Es funktioniert. Es funktioniert extrem gut. Und es gibt ja viele Szenen, wo eine Interaktion stattfindet. Aber die Leute auch, die mit Phil interagieren, offensichtlich so ihr Programm einfach abspulen. Zum Beispiel, wenn er runtergeht in dieser Pension, in der er ist und mit dieser netten alten Dame redet, die einen Kaffee macht. Die fragt ihn halt immer dasselbe. Genau. Und egal, wie er reagiert, sie versucht irgendwie so ihr Programm abzuziehen. Haben sie gut geschlafen? Wie war es? Freuen sie sich aufs Murmeltier? Wollen sie Kaffee? Ja. Und er konterkariert das dann immer ganz schön, indem er so sie halt abwatscht oder ihre Fragen beantwortet, bevor sie sich stellen kann. Es ist wirklich gut gemacht. Also technisch herausragend. Ja, absolut. Und Bill Murray und Harold Ramis haben sich dann ja auch irgendwann offensichtlich wieder nach 20 Jahren.
Johannes Franke: Aber das war kurz bevor Ramis gestorben ist. Genau. Das ist schon hart. Also zum Glück ist es noch passiert, aber das ist dann.
Florian Bayer: Das ist so traurig. Die waren jahrelang davor, die waren Freunde, die haben ganz viel zusammengearbeitet. Ja, Ghostbusters. Ja. Meine Güte. Das ist schon hart. Das ist traurig. Aber im Ghostbusters Remake dürfen sie dann selig nebeneinander stehen. Bill Murray in echt und der digital restaurierte Geist von Harold Ramis, der ja bei Ghostbusters den Egon gespielt hat. Da gibt es so eine wirklich schöne Szene, wo die Ghostbusters wieder alle vereint sind. Ja. Spoiler. Und die sind natürlich alle alt und Harold Ramis ist tot, leider. Und konnte natürlich nicht mitspielen. Aber sie haben wieder so eine digitale Herstellung gemacht von der Figur und das hat tatsächlich ziemlich gut gepasst. Ach, wie schön. Als Geist haben sie ihn dann noch tatsächlich, weil die Figur des Egon ist auch gestorben. Der kam letztes Jahr ins Kino. Ghostbusters Legacy. Hm. Ist okay. Sehr, sehr krass. Und das nervt mittlerweile auch so ein bisschen auf diese Nostalgie-China. Naja, gut, okay. Und ich glaube, es ist auch so ein bisschen so Überkompensation, weil sie wahrscheinlich, weil sie einfach nicht diese Debatten wiederholen wollte zu dem anderen Ghostbusters-Film, die ganz schreckliche Debatten waren. Aber das ist ein anderes Thema. Und dann haben sie so überkompensiert, indem sie extrem auf Nostalgie setzen und alle zwei Minuten so ein Fanservice einbauen. Hm. So was, was halt auch so Stranger Things macht oder so, wo ganz klar ist, wir wollen die 80er-Leute kriegen. Wir geben denen das volle 80er-Paket. Ja. Aber es gibt diese wirklich süße Szene, wo die Ghostbusters nebeneinander stehen und dann der Geist von Egan, beziehungsweise Harold Ramis steht neben ihnen und lächelt ihnen zu. Ja. Ach, Mann.
Johannes Franke: Ja, wo sind wir gelandet? Wollen wir zu unseren Top-3 gehen? Lass uns mal, genau, ich wollte gerade vorschlagen, wir gehen mal, bevor wir anfangen noch so ein bisschen den großen Bogen nochmal zu schlagen über den Film. Lass uns mal unsere Top-3 nehmen. Ich hatte das tiefe Bedürfnis, mehr Filme zu finden, die dieses Konzept durchziehen, dieses Groundhog Day-Konzept. Und es gibt ja irgendwie inzwischen auch das Genre quasi, Groundhog Day-Filme. Ich finde es total krass. Und ich habe es gegoogelt und habe aber nicht genug gefunden, die ich wirklich gesehen habe. Ah, schade. Mach mal erst mal den Jingle. Jingle. Yeah.
Florian Bayer: Unsere Top-3.
Johannes Franke: So, Groundhog Day-Filme.
Florian Bayer: Schade, weil, also es ist, das sind tatsächlich Filme, die vom Konzept her so sind, dass sie schon so eine gewisse Grundfunktionalität mitbringen. Ich freue mich immer, wenn ein Groundhog Day-Filme rauskommt und es gibt so viele durchschnittliche, aber selbst die durchschnittlichen funktionieren, weil das Konzept einfach so verführerisch ist.
Johannes Franke: Es ist so stark, oder? Ich finde es sowieso, also natürlich Zeitreise-Filme, wenn man auf Zeitreise-Filme steht, dann sind Zeitreise-Filme auch in durchschnittlicher Qualität sehenswert, weil man einfach Spaß dran hat. Ja. Und in diesem Fall natürlich besonders, weil das so viele Implikationen hat, die ganz easy bedient werden können, dass da kann man gar nicht so viel falsch machen, dass man wirklich unbefriedigt, also gänzlich unbefriedigt aus so einem Film rausgeht.
Florian Bayer: Ja, das stimmt definitiv. Ich glaube, bei Zeitreise-Filmen ist es nochmal so ein bisschen schwieriger, weil bei Zeitreise-Filmen kann einem die misslungene Logik sehr reinhauen. Ja, genau. Bei diesen Zeitschleife-Filmen hast du es ein bisschen leichter, weil die, es gibt nicht so viele Logikfallen wie in den Zeitreise-Filmen. Ja. Und es gibt natürlich auch, auch ganz spannend, habe ich auch eine in der Liste Hybriden aus Zeitreise- und Zeitschleife-Filmen.
Johannes Franke: Ja, stimmt. Ich habe zwei tatsächliche Groundhog Day-Filme und einen, der so ein bisschen an sich anschmiegt. Ich bin gespannt, was du hast.
Florian Bayer: Ich bin sehr gespannt auf deine Liste. Ich muss loslegen, weil dein Film, okay. Ich möchte eine Honorable Mention nennen. Und zwar einfach, weil das ein wirklich unglücklicher Film ist. Der hatte einfach Pech. Und zwar 12.01 Uhr. Ein TV-Film, Science-Fiction-Film, der im Jahr 1993 veröffentlicht wurde. Der ja dann auch geklagt hat, oder? Genau. Der Autor Richard Lupoff hat sich ziemlich aufgeregt über und täglich küsst das Mummeltier und hat gesagt, diese Idee wurde mir gestohlen. Wir wollten was dagegen machen. Aber das war einfach, wir hatten keine Chance. Das war Hollywood. Wir gegen Hollywood. Wir hatten einfach keine Chance. Und tatsächlich, um eine Sache stark zu machen, dieser Film, dieser Langfilm basiert auf einem Kurzfilm mit dem gleichen Namen aus dem Jahr 1990, der das Thema hat. Das heißt, drei Jahre vor der Produktion vom Mummeltier. Jetzt wissen wir natürlich auch, dass Danny Lupin irgendwie schon Anfang der 90er, also lange vor der Filmproduktion angefangen hat, Danny Lupin nicht, sondern Danny, den Autoren von Groundhog Day, Danny Rubin, der hat schon Anfang der 90er angefangen an dem Skript zu arbeiten und war auch inspiriert von einer anderen Science-Fiction-Geschichte. Das heißt, das Konzept waberte schon irgendwie rum. Ich glaube, es war einfach Zufall und einfach Pech, dass die beiden Filme quasi gleichzeitig rauskamen. Und es gibt dieses Phänomen ja öfter in Hollywood oder in der Filmwelt, dass zwei Filme, die sich sehr ähnlich sind, zufälligerweise einfach zur gleichen Zeit rauskommen. Also ein Bekanntes ist zum Beispiel Pixar's A Bug's Life und Anne's von DreamWorks, zwei Animationsfilme mit einer Ameise im Mittelpunkt, die beide im gleichen Jahr rauskamen. Und es ist manchmal einfach Zufall.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und meistens ist es dann aber auch so, dass einer von beiden Filmen einfach komplett abstinkt, weil der andere halt so viel Aufmerksamkeit erzeugt. 12.01 ist ein guter Film. Der ist wirklich sehenswert. Und es ist ein Film, der die Zeitschleife versucht, wissenschaftlich zu erklären. Es gibt quasi eine Maschine, die dafür verantwortlich ist. Und der Plot des Films ist auch, dass unser Protagonist versucht, die Zeitschleife aufzulösen, indem er eben diese Maschine zerstört oder verhindert, dass sie die Zeitschleife auslöst. Und er ist so ein bisschen clumsy, könnte man sagen. Es ist halt schon ein TV-Film. Er hat einfach nicht das Production-Value vom Murmeltier. Aber es ist ein guter Film und er hat wirklich Pech gehabt, dass er so ein bisschen in der Rezeption einfach untergegangen ist, dadurch, dass seine Veröffentlichung kollidiert ist mit der Veröffentlichung von Groundhog Day.
Johannes Franke: Ja. Ich finde auch die Idee nicht so abwegig, dass man irgendwie sagen müsste, wow, da musste jemand klauen, damit er auf eine Idee kommt. Weil es ist auch hergeleitet. Es ist ja auch so, dass der Autor von Groundhog Day erzählt hatte, dass er erst gedacht hat, naja, wir machen einen Charakter, der ewig lebt von Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Das war aber vom Production-Aufwand so groß, dass er gemerkt hat, okay, das würde sehr viel Geld kosten, Historie und Zukunft darzustellen und so weiter. Also lassen wir ihn einfach den gleichen Tag wiederholen. Dann muss ich keine Kostüme und keinen großen Aufwand betreiben, sondern dann bleibt das alles in dem kleinen Mikrokosmos.
Florian Bayer: Es ist einfach eine Idee, die, also es ist nicht verwunderlich, dass die Idee irgendwie so rumwabert und dass dann irgendwann auf die Idee kommt. Also ich meine, wer würde, wer könnte von sich behaupten, das Konzept Zeitreise als aktives Genre erfunden zu haben, das gibt es einfach. Das gibt es schon ewig. Wahrscheinlich haben sich die Menschen auch schon vor 3000 Jahren Gedanken über Zeitreisen gemacht. Mein Platz drei. Dein Platz drei. Ich bin gespannt. Ein ganz junger Film. Und zwar ein Streaming-Dienstfilm, der, glaube ich, auf Netflix, lass mich nichts Falsches sage, auf Netflix zu sehen ist. Das ist Palm Springs von Max Barabakov. Und es ist, was soll ich wieder zu sagen, es ist ein Zeitschleife-Film. Spannend ist tatsächlich, dass er insgesamt drei Personen behandelt, die sich in dieser Zeitschleife befinden. Wobei zwei unsere Protagonisten sind und eigentlich haben wir schon eine Hauptprotagonistin, die in diese Zeitschleife reinschlittert. Ja. Und da mit diesem Typen zusammentrifft, der da schon sehr lange drin ist.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dann werden eigentlich auch wieder so diese Five Stages of Grief so ein bisschen durchgemacht. Ah ja, okay. Aber das Nette ist, dass sie das zusammen machen und dass sie sich lieben und dass sie sich hassen und dass sie irgendwie versuchen, klarzukommen. Mhm. Und in einer wirklich großartigen Nebenrolle ist J.K. Simmons zu sehen als der dritte in der Zeitschleife Gefangene. Ja, den kennt ihr vielleicht als fieser Musiklehrer in Whiplash oder als Vater von Juno in dem gleichnamigen Film. Mhm. Immer wieder gern gesehen in die Komödien. Einfach so ein cooler Typ. Also ihr kennt den. Er hat den Spider-Man, hat ja auch den Zeitungsverleger gespielt in den neuen Spider-Man-Filmen.
Johannes Franke: Ja, er stimmt.
Florian Bayer: Er spielt immer so alte, etwas krummelige Personen, die aber trotzdem so ein bisschen das Herz am rechten Fleck haben.
Johannes Franke: Der hatte auch eine eigene Serie in Berlin hier. Ähm, ich hab bloß gerade... The Closer? Nee. Da hat er auf jeden Fall... Ich hab da mitgespielt, das ist gerade ein bisschen peinlich, dass ich den Titel nicht weiß. Oz, Hölle hinter Gittern?
Florian Bayer: Nee. Lawned Order? Moment. Lass mich kurz gucken. Also was haben wir, was hat denn Serien gedreht? Goliath, Brooklyn, Nein, Nein, Verschwiegen, Veronika Maas, Counterpart... Counterpart? Counterpart. Counterpart. Counterpart war's. Meine Güte. Kenn ich gar nicht. Auf jeden Fall, genau, Palm Springs, wirklich unterhaltsamer Film. Er erwartet nicht zu viel Tiefgang, aber er macht Spaß. Okay.
Johannes Franke: Das ist deine drei gewesen? Meine drei, ja. Meine drei wäre... Kann mich gerade nicht entscheiden. Das Problem ist, dass das keine echte Groundhog Day-Filme sind, die ich hier noch für Platz drei in Erwägung ziehe. Weil die anderen beiden natürlich auf zwei und eins liegen, die das wirklich tun. Ich würde sagen, Looper würde dem am nächsten kommen, weil sie einen Loop herstellen. Das ist kein unfreiwilliger Loop und das ist kein von irgendeiner Entität hergestelltes Ding, sondern sie machen halt... Irgendwann muss sich der Rekrut, der halt Auftragskiller ist, sich selbst umbringen über so einen Zeitloop. Ja. Und dann will einer das verhindern.
Florian Bayer: Er holt nicht wirklich die ein und selbe Situation immer, sondern er wird einmal zurückgeschickt.
Johannes Franke: Genau. Also ein Loop. Ein Loop. Und auch La Jetée ist ein Loop quasi. Und ich fand, Loop war ganz interessant. Weiß nicht, ob ich den Film wirklich so richtig gut fand, aber ich fand ihn vom Konzept her spannend. Er war auch cool.
Florian Bayer: Es war so ein klassisches Science-Fiction-Konzept, wo du irgendwie denkst, okay, auch wenn der Film durchschnittlich ist, dann muss ich sehen, weil ich wissen will, was machen sie mit dem. Filmkonzept. Genau, genau. Das gibt es viel zu oft und dann sind die Filme meistens durchschnittlich. Aber Looper hat auch eher zu den Besseren gehört davon. Ja, ich glaube schon. Es gibt so oft so Filme, bei denen man denkt, geiles Konzept, ich will den gucken, weil das Konzept einfach so toll klingt. Und dann ist man tierisch enttäuscht, wenn man feststellt, dass die Macher es nicht schaffen, aus dem Konzept was rauszuholen. Ja. Und dann eben doch so eine 0815 Science-Fiction-Mystery-Handlung erzählen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Mein Platz zwei. Dein Platz zwei. Ein spanischer Film aus dem Jahr 2007, Time Crimes. Das ist der, wie ich schon angemerkt habe, Hybrid aus Zeitreisefilm und Zeitschleifefilm. Und zwar geht es darum, dass ein Mann eigentlich morgens aufsteht und irgendwie so sein Zeug macht und dann wird er plötzlich von einem Killer gejagt und flieht vor dem und landet in einem Forschungslabor, wo eine Zeitmaschine ist. Und der wird dann und er versteckt sich in der Zeitmaschine und reist dann zurück in die Vergangenheit, allerdings nur ein paar Stunden und sieht diese selbe Situation. Ja. Also, wie sein anderes Ich von dem Killer gejagt wird aus einer anderen Perspektive und landet dann nochmal in dieser Zeitmaschine und sieht die ganze Situation nochmal aus einer anderen Perspektive. Und es ist, ich glaube, wir haben drei oder vier Schleifen insgesamt. Ich glaube, es sind vier. Okay. Und ein Film, über den ich nicht so viel sagen darf, weil er hat echt tolle Plottwists, teilweise ein bisschen vorhersehbar, glaube ich. Aber er ist ganz spannend, weil er diese Zeitschleife kombiniert mit extrem knappen Zeitreisen, dass du wirklich nur ein paar Stunden in die Vergangenheit reist und damit aber trotzdem schon das Schicksal der Menschheit und dein Schicksal änderst. Also, sehr gut gemacht, guter Film.
Johannes Franke: Okay, cool. Klingt sehr spannend. Dann wäre mein Platz zwei etwas wahrscheinlich, worauf alle schon warten, Lola rennt. Der war wirklich sehr, sehr gut und wirklich toll vom Konzept her. Und man hat dann so ein bisschen Angst, dass er zu nah an Groundhog Day kommt, aber natürlich überhaupt nicht, weil die Geschichte völlig andere ist und völlig anders erzählt ist.
Florian Bayer: Darf ich die blasphemische Frage stellen? Ist es ein Zeitschleife-Film, wenn die Protagonistin nicht weiß, dass sie sich in einer Zeitschleife befindet? Doch, eigentlich schon, oder?
Johannes Franke: Doch. Also, solange wir als Zuschauer das wissen, ist es okay.
Florian Bayer: Und trotzdem verändert sich das Schicksal. Ja, genau. Also, auch ganz toll erzählt, wie diese ganz kurzen, diese ganz kleinen Änderungen, Butterfly-Effekt-Technik, das Leben von Menschen radikal ändern. Also, sie haben dann, sie stolpert auf ihrem Weg durch Berlin über Leute und dadurch, dass sich so minimal was ändert, sie rempelt sie mal an oder läuft dran vorbei. Und dann wird aus einer Lotto-Gewinnerin plötzlich eine Kindesentführerin oder aus einem Drogenabhängigen wird plötzlich ein glücklich verheirateter Familienvater. Ja. Das ist gut gemacht.
Johannes Franke: Tom Tücker oder wie war das? Tom Tücker. Tom Tücker, ne? Einer der früheren Filme von Tom Tücker. Toller Regisseur, muss ich immer wieder feststellen. Der Durchbruch von Franka Potente.
Florian Bayer: Ja, stimmt. Die auch mittlerweile als Regisseurin vor allem unterwegs ist in der deutschen Filmlandschaft. Das wusste ich gar nicht. Seit, also, ich habe sie schon lange tatsächlich nicht mehr spielen sehen, aber sie dreht, glaube ich, relativ viel gerade. Hm. Geil. Okay, dein Platz 1. Mein Platz 1. Und wenn man sagt, worum es geht, klingt es wie eine Guilty Pleasure. Aber es ist tatsächlich nach Crown Talk Day, mein liebster Zeitschleife-Film, Edge of Tomorrow, beziehungsweise Live, Live, Die, Repeat mit Tom Cruise.
Johannes Franke: Oh! Oh!
Florian Bayer: Ich weiß. Oh, das ist doch ein Guilty Pleasure. Ja, ein Science-Fiction-Action-Film, in dem ein Soldat im Kampf gegen Alien-Invasoren von einem von den Aliens von irgendeiner komischen, mit so Zeug bespritzt wird, als er das Alien tötet. Und dann durchlebt er den selben Tag immer und immer wieder. Das heißt, er muss wieder in den Krieg ziehen, kämpft wieder, wird wieder getötet und so weiter, bis er dann irgendwann lernt, eben seinen Tod zu verhindern.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und er trifft dann auf eine Soldatin, die sagt, oh krass, du bist in dieser Zeitschleife, ich hatte auch mal so eine Zeitschleife. Also sie ist nicht in dieser Zeitschleife gefangen, aber sie war das vor fünf Jahren. Okay. Und offensichtlich sind die Alien-Invasoren gegen die Menschen so erfolgreich, weil sie die Zeit zurückdrehen können. Die Alien-Invasoren kämpfen einfach immer wieder dieselbe Schlacht, bis sie erfolgreich sind. Deswegen haben die Menschen keine Chance gegen sie. Ah. Und sie hat damals die einzige Schlacht der Menschen gewonnen, weil sie halt in dieser Zeitschleife drin war. Und er ist drin, weil er von der Alien-Flüssigkeit getroffen wurde und deswegen mit dem Alien gekoppelt ist. Alien-Time-Come. None|Genau. Ich glaube, es sind einfach nur Blut und Gedärmen, mit denen er bespritzt wird. Und seine Aufgabe ist es dann, sie jeden Tag davon zu überzeugen, dass er in derselben Zeitschleife ist, wie sie damals war.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und mit ihr zusammen einen Plan auszuhacken, wie sie die Aliens besiegen können. Okay. Und es ist wirklich ein sehr gelungener Science-Fiction-Action-Film. Er erwartet ebenfalls, er erwartet nicht so viel Tiefgang, aber er ist erstaunlich intelligent gemacht. Okay. Hat eine gute Mischung aus Humor, Tragik und natürlich auch Action-Science-Fiction. Das, was man erwartet, es wird viel geballert und Aliens springen rum und werden erschossen und so weiter. Aber es ist ein wirklich unterhaltsamer Film, der sich einfach supergut schnell wegguckt. Edge of Tomorrow aus dem Jahr 2014. Okay, cool.
Johannes Franke: Ja, dann muss ich den vielleicht doch mal gucken, weil ich hab immer, wenn ich darüber gestoppt bin, hab ich gedacht, Tom Cruise. Okay, mein Platz 1 ist ein deutscher Tatort. Den ich nicht gesehen habe, verdammt. Den du nicht gesehen hast, verdammt. Ja. Plur.
Florian Bayer: Und es ist von diesem Experiment Talent-Tatort. Genau, Muro und das Murmeltier heißt das Ding. Liebe Zuhörerinnen, wir haben einmal über einen Muro-Tatort geredet, der auch experimentell war, weil es sich um einen Meta-Tatort gehandelt hat. Aber jetzt musst du was zu dem Murmeltier sagen.
Johannes Franke: Das Murmeltier, Muro und das Murmeltier, der kommt immer wieder an denselben Tatort und versucht eine Geiselnahme unblutig zu beenden und den Typen irgendwie daraus zu kriegen und stellt fest, nachdem er da einmal gescheitert ist, dass er nächsten Tag wieder dahin kommt und der Tag wieder anfängt. Und er hat einfach, er muss immer wieder ansetzen, um irgendwann es zu schaffen, dieses Ding zu beenden ordentlich, ohne dass Leute draufgehen. Und dann ist er einmal bis zum Entführer durchgedrungen und dann stellt sich raus, der Entführer ist mit in dieser Zeitschleife und sagt irgendwann, so, wollen wir das Ganze nochmal machen? Komm, Reset. Und er hat halt auch schon so ein bisschen aufgegeben. Also es ist so ein bisschen entspannend, ich finde, es bringt sich so eine Dynamik zwischen den beiden, die irgendwie sehr spannend ist. Also eine sehr, sehr sehenswerte Tatort-Variante.
Florian Bayer: Wenn ihr unseren Take auf Tatort grundsätzlich als Filmgenre haben wollt, müsst ihr in die Episode reinhören, in der wir über Tatort und über Rosamunde Pilcher reden, also die großen Eckpfeiler der deutschen TV-Unterhaltung. Das ist eine sehr schöne Episode. Das ist großartig. Und ja, den sollte ich, glaube ich, auch mal sehen, weil ich fand den Muro-Tatort, den wir damals geguckt haben, ziemlich okay. Ziemlich okay.
Johannes Franke: Das ist das Beste, was man über deutsches Fernsehen sagen kann.
Florian Bayer: Und mein Liebster-Tatort ist ein anderer Muro-Tatort, der wirklich gut war, wo sie so auf Tarantino gemacht haben. Ah ja, genau, im Schmerz geboren. Im Schmerz geboren, genau. Ja, ja, ja. Aber sonst bin ich überhaupt kein Tator-Zuschauer, aber den sollte ich mir mal geben, ja. Cool.
Johannes Franke: Sehr schön. Yes, endlich wieder was Deutsches in der Liste. Das ist ein bisschen, wir sind so Amerika-lastig, muss ich sagen. Du versuchst dann immer Asien mit reinzuholen und so, aber. Mein Platz zwei war ein spanischer Film, nochmal, um das kurz anzumerken.
Florian Bayer: Okay. Okay, ich bin Amerika-lastig, ja, es tut mir leid. Und du hast diesen Film vorgeschlagen, Grand Hawk Day, der wohl so ein richtig typisches Beispiel für einen uramerikanischen Film ist wieder, ne? Das stimmt ja, irgendwie schon. Verdammt.
Johannes Franke: Okay, gut. Ich hab sonst, trage ich sehr viel Anti-Amerikanismus von mir her. Oh Gott, das wird nicht besser.
Florian Bayer: Was nicht besser ist. Nein, nein, versteht mich nicht falsch, ich hasse Amerikaner. Ich mag nur amerikanische Filme. Ja, genau. Fuck, Anna.
Johannes Franke: Wo hab ich mich hier reingequatscht? Okay, also. Wir gehen aus dieser Liste raus, gehen in unseren Film zurück und können nochmal so ein bisschen ausholen. Wie wär's denn, Plur? Ja. Das war unsere Top 3.
Florian Bayer: Was bleibt von diesem Film? So eine klassische Frage, die man immer mal reinwerfen kann. Das ist, als ob du eine Hausarbeit schreibst, Plur. Es ist tatsächlich ein zeitloser Film. Er funktioniert heute genauso gut wie im Jahr 1993. Prall im Tendit? Zeitloser Film?
Johannes Franke: Was ist denn los?
Florian Bayer: Er funktioniert wahrscheinlich in 30 Jahren immer noch so gut, wie er heute funktioniert. Und deswegen finde ich auch, das ist ein Film, der jedes Lob verdient hat. Und es ist ein typischer Film, wo man denkt, ah, den kann man auch Menschen zeigen, die nach 2010 geboren wurden und sagen, hey, guckt euch mal an, was für großartige Filme die 90er zu bieten haben. Ja, absolut.
Johannes Franke: Ich hab noch zwei Funfacts, die ich loswerden möchte, bevor ich mein Fazit. Es gab eine wundervolle Szene, die sie gedreht haben in drei Tagen, aber nicht mit reingenommen haben, wie Phil das ganze komplette Hotelzimmer, in dem er da ist, auseinander nimmt und besprüht mit Zeug und dann schlafen geht und am nächsten Morgen ist alles wieder so. Das ist an der Stelle normalerweise, wo er jetzt im Film einfach nur den Stift nimmt, den zerbricht und neben das Bett legt.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Was auch eine schöne Sache ist, aber das andere ist, irgendwie hätte ich gerne gesehen, wie er das alles zerlegt und irgendwie da rasiert sich da auch noch so ein Irokesenschnitt. Ja. Und das sind alles so Sachen, die ich gerne gesehen hätte. Verdammt. Das wäre bestimmt eine tolle Szene geworden. Auf jeden Fall. Und das Ende ist ein bisschen unsicher gewesen bis zum Schluss. Also nicht im Groben. Die waren klar, dass die beiden, Phil und Rita, am Ende zusammen im Bett aufwachen am neuen Tag. Hatten sie Sex? Hatten sie Sex? Das war die Frage. Oder nicht? Ziehen wir sie an oder gehen wir in Schlafanzüge? Haben sie was anderes an als am Abend davor oder nicht? Und dann hat der Regisseur einfach in der Crew rumgefragt, was meint ihr denn? Und dann war echt die Crew so 50-50. Die einen haben gesagt so und die anderen haben gesagt so. Und dann kam ein junges Mädchen, das irgendwie in der Crew angestellt war, die dann sagte um Gottes Willen, ihr müsst das so machen, dass die beiden die gleichen Klamotten anhaben, sonst ruiniert ihr den ganzen Film. Ja.
Florian Bayer: Und ich glaube, sie hat recht. Ich bin voll auf ihrer Seite. Definitiv. Absolut. Er kann nicht, das kann einfach nicht sein, wenn der Arschloch Phil das Ziel hatte, mit ihr im Bett zu landen, dass der nette Phil dann das Ergebnis hat innerhalb von einem Tag. Es würde auch gar nicht zum Charakter von Rita passen. Absolut nicht. Genau. Ja.
Johannes Franke: Und das Schöne ist, dass sie dann ja auch noch, um das ein bisschen zu unterstützen, in dem Moment, wo er so am nächsten Morgen sie sehr leidenschaftlich küsst, sagt, wieso
Florian Bayer: kommt das jetzt erst? So warst du gestern gar nicht drauf, du bist einfach eingeschlagen. Ja. Hättest du gestern schon haben können, was ist denn los? Auch ganz schön. Zu dieser Schlussszene noch, sie gehen dann ja runter und er sagt, lass uns hier leben. Ja, genau. Offensichtlich adlibbt. Und das lass uns erst mal mieten oder sowas.
Johannes Franke: Genau, lass uns erst mal zur Miete wohnen.
Florian Bayer: Das ist süß. Und er hebt sie über das Tor und springt dann selbst drüber.
Johannes Franke: Ja, weil dieses Tor tatsächlich am Drehtag fucking eingefroren war. Das ist so süß. Ja, wie die Umstände den Film nochmal elevaten. Sehr schön. Ich bin heute so mit Anglizismen dran, das ist unglaublich. Meine Güte.
Florian Bayer: Elevate mal deine Meinung zu dem Film. Wenn das noch möglich ist.
Johannes Franke: Ich finde, dass dieser Film sehr schön gedankenlos tritt. Vor allem die Gedanken, wer will ich sein? Was für ein Mensch möchte ich sein? Wie möchte ich durchs Leben gehen? Und die Chance zu bekommen, das 70 Jahre lang jeden Tag anders zu machen. Und zu wissen, okay, ich kann jetzt einfach mal rumexperimentieren und überlegen, wie will ich denn sein? Wie will ich auf andere reagieren? Wie sollen andere auf mich reagieren? Was macht mich tatsächlich glücklich in der oder der oder der Situation? Und ich glaube, dass die meisten guten Filme diese Frage irgendwo drunter liegen haben. Wer will ich sein im Leben? Und ich finde, dass dieser Film das auf eine ganz spezielle und sehr, sehr gute Art und Weise lostritt. Diesen Gedanken, diese Überlegung. Und auch die wirklich starke Botschaft hat, auch wenn sie nicht ausgesprochen wird. Wir haben unser Leben irgendwie selbst in der Hand. Und zwar nicht, dass wir in der Hand haben, immer, wenn du arm geboren bist irgendwo und keine Chance hast, hochzukommen, bedeutet das nicht, dass du dein Leben in der Hand hast und zum Millionär werden kannst. Sondern aber du kannst in jeder Situation eine Entscheidung treffen, wie will ich reagieren? Wie will ich auf andere wirken? Wie sollen andere auf mich reagieren? Und was kann ich dazu tun?
Florian Bayer: Und das ist natürlich auch total attraktiv kombiniert mit diesem utopischen Gedanken, dass du mehr als eine Chance erhältst. Dass du auch mehr experimentieren kannst, weil es eben einen Rahmen gibt, der dir dieses Experimentieren erlaubt. Also das ist einfach auch eine Traumvorstellung natürlich.
Johannes Franke: Ich muss an die Szene denken, wie er in einer Kneipe sitzt und den beiden erzählt, wie wäre das für euch, wenn ihr jeden Tag das Gleiche erlebt, jeden Tag keine Änderungen zum Vorherigen und einer von den beiden halt einfach sagt, that sums it up for me. Und er hätte es nicht mal sagen müssen. Allein der Schnitt in die Totale, wie die beiden hoffnungslos da sitzen, der hat gereicht. Es hat mich fast gestört, dass er das gesagt hat, weil die Pointe war da. Und es ist so großartig, weil du natürlich ein kleines Stück Motivation von dem Film mitbekommst, zu sagen, ich bin Herr meiner Situation. Ich kann selber entscheiden, was ich machen will draus oder in welche Richtung ich wenigstens schieben möchte. Ein utopischer Film auch.
Florian Bayer: Ja. Auf jeden Fall. Ja und deswegen ein ganz toller und hoffnungsvoller Film, finde ich. Finde ich auch, also einfach auch ein Feel-Good-Movie letzten Endes, obwohl es zwischendrin diese Selbstmord-Szenen gibt. Letzten Endes ist es doch auch so ein Film, genieße das Leben, mach das Beste draus, nimm das, was du irgendwie kriegst und versuch Gutes zu bewirken.
Johannes Franke: Ja. Und wage Experimente und zu gucken, wie kann ich diesen Tag schöner und besser zu gestalten, für mich und für andere und neue Wege zu denken und zu reagieren, auszutesten, testen.
Florian Bayer: Das Tolle ist ja, dass er am Schluss, wenn er diesen Tag so wirklich toll gestaltet für sich und für alle anderen, dass er es nicht mit dem Ziel macht, aus der Zeitschleife rauszukommen, sondern dass er davon ausgeht, dass der Tag sich trotzdem wiederholen wird. Aber er hat irgendwie für sich eine Art gefunden, einen wundervollen Tag zu gestalten und deswegen ist es auch total okay, dass die Zeitschleife dann vorbei ist, weil es ist so die beste aller denkbaren Realitäten, die er erzeugt. Ja, genau. Und übrigens, um das noch einzuwerfen, wie viele Menschen haben Unfälle und sterben an diesem Tag in einer Stadt, in der nur 5000 Menschen leben? Das stimmt. Was für eine Albtraumhafte von Verbrechen und Tod und Leid durch solche Stadt war das.
Johannes Franke: Wir haben gar nicht darüber geredet, dass er ja am Ende wirklich einfach nur aus sich heraus alles Mögliche lernt und macht und tut und diesen Tag so gestaltet und für sich optimiert, dass er möglichst viele Leben besser machen kann und auch damit sein Leben besser macht und dass sie am Ende ihn von sich aus fragt, willst du mit uns was trinken gehen und ihn ersteigert und diese ganzen Sachen wirklich von ihr aus kommen, was der Film so clever macht und so gut macht.
Florian Bayer: Und er muss Wichtigeres tun. Er muss den Jungen retten, der vom Baum fällt. Ja. Und er muss den Damen helfen, die in ihrem Auto hängen bleiben und er muss den Heimlichgriff bei diesem Typ im Restaurant machen. Ja, genau. Das ist für ihn in dem Moment wichtiger, weil er weiß, wenn ich das nicht mache, dann passieren da keine schönen Dinge. Und er ist so zum Philanthrop geworden.
Johannes Franke: Ja. Ich finde es total gut erzählt einfach am Ende. Und dann verdient er sich das auch, das Ende. Er verdient sich das wirklich. Und das machen andere Filme oft nicht genug, dass sie sich wirklich dieses positive Ende verdienen. Ja. Ach, schön. Okay. Wir haben bestimmt ganz viele Sachen nicht erzählt, die wir hätten erzählen können,
Florian Bayer: aber das ist ja immer so. Wenn ihr wissen wollt, was nächste Woche drankommt, bleibt noch kurz dran nach dem Jingle. Ansonsten, Johannes, vielen Dank, dass ich diesen Film schon wieder... schon wieder sehen durfte. Es hat tatsächlich wieder Spaß gemacht, obwohl man meinen könnte, es ist so ein Film, der so auf Repetition setzt. Ja, genau. Es macht einfach trotzdem Spaß. Auch wenn sich Szenen ständig wiederholen. Und wieder und wieder. Und wieder und wieder und wieder. Schön. Bis nächste Woche.
Johannes Franke: Bis nächste Woche. Bleibt gesund. Ciao. Ciao. Flor, willst du mir sagen, was wir das nächste Mal machen?
Florian Bayer: Möchte ich. Ich habe ein Genre gefunden, das wir noch nicht hatten. Was? Ich bin so stolz auf mich. Oh nein. Ich gucke nämlich tatsächlich mal danach, was hatten wir noch nicht, was brauchen wir noch.
Johannes Franke: Ja, aber dann kannst du nicht die ganzen kleinen Scheißgenres rausholen, von denen du genau weißt, dass die vielleicht... Also, ich habe einfach immer Angst, wenn du sowas sagst.
Florian Bayer: Das ist kein Scheißgenre. Tatsächlich ist das das größte Genre wahrscheinlich weltweit. Du grinst schon so halb. Nach dem Zusatzgangs. Pass auf, das weltweit größte Genre nach dem, also auf Platz zwei, nach Bollywood.
Johannes Franke: Oh nein.
Florian Bayer: Wir hatten Tatsache, und zwar einfach, weil es sehr viele Chinesen auf dieser Welt gibt. Ich möchte dir einen chinesischen Film zeigen. Okay. Und zwar eines in China extrem beliebtes Genre ist Martial Arts, wovon ich wirklich keine Ahnung habe. Oh Gott. Ich habe kaum Ahnung, aber ein Subgenre des Martial Arts ist das Wuxia-Genre. Und davon...
Johannes Franke: Wuxia auch ausgesprochen?
Florian Bayer: Ich habe gerade extra nochmal reingehört, wie es ein Chineser aussprechen würde. Wuxia ist...
Johannes Franke: Ah, okay.
Florian Bayer: Wuxia wird jetzt geschrieben. W-U-X-I-A und es bedeutet, im Wushu bewanderte ritterliche Helden. Also es geht um... Es ist tatsächlich ein Teil Martial Arts, weil es geht halt um historische SchwertkämpferInnen. Okay. Im alten China. Und es ist auch ein Genre, mit dem ich mich gar nicht so gut auskenne, aber ein bisschen besser als mit Martial Arts und dass ich auch deutlich mehr mag. Und es gibt einen relativ jungen Film aus diesem Genre, den ich unglaublich mag, den ich als junger Erwachsener geliebt habe und schon sehr lange nicht mehr geguckt habe, von Ang Lee, dem Regisseur, der später dann in Amerika einen Oscar gekriegt hat für Brokeback Mountain und der auch Hulk gedreht hat und einfach sanft in Amerika angekommen ist. Der hat im Jahr 2000 den Film gedreht, Tiger and Dragon, beziehungsweise Crouching Tiger Hidden Dragon, wie er im Englischen heißt. Aha. Und ich werde nicht versuchen, das chinesische Original auszusprechen. Und es ist ein Wuxia-Film. Es ist ein Film, in dem gekämpft wird, in dem Kampfkunst vorne steht. Aber es ist ein sehr poetischer Film mit einem historischen Hintergrund und er ist, glaube ich, auch ein Film, der dir gefallen könnte. Ich bin sehr gespannt, was du davon hältst.
Johannes Franke: Und der hat auch diese Tiger and Dragon Remakes hervorgerufen, oder? Weil es gibt doch amerikanische Tiger and Dragon, oder? Filme. Nicht? Du guckst so komisch. Amerikanische Tiger and Dragon Filme? Nicht? Ich glaube, du bist bei was anderem.
Florian Bayer: Ja, bestimmt. Ja, ich weiß es ja nicht. Keine Ahnung. Ich kenne es nur vom Namen. Es gibt einen Tiger and Dragon Film und der hat für so ein kleines Revival des Wuxia gesorgt und vor allem auch für eine Popularität dieses Genres im Westen. Der ist in Amerika und auch in Deutschland ziemlich gut angekommen. Und es ist ein Film, der halt so die Poesie des Kampfes nach vorne hebt. Ich bin sehr gespannt. Ich bin auch gespannt. Ich habe ihn schon so lange nicht mehr gesehen. Ich liebe ihn. Okay. Ich habe ihn geliebt.
Johannes Franke: Ich weiß nicht, wie ich ihn jetzt finde. Muss ich mir so Karten basteln mit so Ziffern drauf, die ich ja immer hochhalte, während die kämpfen? So als Wärter? Nein. Keine Bewertung.
Florian Bayer: Ich glaube, du wirst überrascht sein. Wenn du an Martial Arts denkst und dann Jackie Chan oder Bruce Lee im Kopf hast, dann bist du sehr weit weg von diesem Film.
Johannes Franke: Nee, ich hatte jetzt eher so Wettkampf-Ästhetik. So wir gucken uns jetzt den Kampf an, dann machen wir kurz Pause, gucken uns den anderen Kampf an und dann hat das eher einen dokumentarischen Charakter. Ich sage nichts weiter dazu. Schau ihn dir an. Okay. Lass dich überraschen. Na gut. Ich bin gespannt. Vielen Dank, Plur, für diesen interessanten Vorschlag. Wir sehen uns nächste Woche und wir hören uns nächste Woche. Bis dahin. Tschüss. Ciao.
