Episode 69: Tiger and Dragon und der chinesische Wuxia-Film
Der chinesische Begriff Wuxia setzt sich aus zwei Silben zusammen. Die erste Silbe Wu bedeutet so viel wie Kampfkunst, die zweite Silbe Xia steht für die Personen, die dieser Kampfkunst in dem Genre des Wuxia Films oder Wuxia Romans nachgehen. Dabei handelt es sich um wandernde Ritter für die gute Sache, aber auch um Personen die in einem Spannungsverhältnis zu Gesellschaft und Obrigkeit stehen. Sie sind gesellschaftliche Randfiguren, zugleich aber auch Helden, die in abgelegeneren Regionen Chinas für die gerechte Sache streiten.
Der Film “Crouching Tiger, Hidden Dragon” aus dem Jahr 2000 war Ang Lees Versuch dieses spezifisch chinesische Filmgenre einem westlichen Publikum nahe zu bringen. Erzählt wird von der Region rund um Peking zur Zeit der Qing Dynastie im späten 18. Jahrhundert. Das grüne Schwert der Unterwelt, die Waffe des ehrwürdigen Wudang Meisters Li Mu Bai wurde gestohlen, kurz nachdem es dem Hohen Rat von Peking geschenkt wurde. Die Schwertmeisterin Yu Xiu Lian versucht die wertvolle Waffe wiederzufinden. Schnell stellt sich heraus, wer die Diebin ist: Yu Jiao Long, die junge Tochter des Gouverneurs, die bald verheiratet werden soll. Doch nicht nur das. Diese ist eine herausragende Kämpferin, die sich selbst die äußerst komplexe Wudang-Kampfkunst gelehrt hat und zugleich mit Jadefuchs im Bund steht, eine abtrünnige kriminelle Schwertmeisterin, die für den Tod von Li Mu Bais Lehrmeister verantwortlich ist.
Aber es ist nicht allein die Geschichte um Ehre, Kampfkunst, Liebe und die Suche nach dem richtigen Lebensweg, die Tiger and Dragon glänzen lässt. Der Film lebt von seiner Inszenierung des Kampfes und der Akrobatik seiner Schwertmeisterinnen: Menschen trotzen den Gesetzen der Physik, springen, tanzen und beginnen im wahrsten Sinne des Wortes zu fliegen. Der Kampf ist hier auch immer ein Stück Zauberei, die Welt ist eine magische und poetische, in der Kampf und Schönheit eng beieinander liegen.
Johannes, als durch und durch westlicher Zuschauer. Ist es diesem Film gelungen, dich in die Welt der Kampfkünste und diese fantastische Version des historischen Chinas zu entführen? War es eine Reise, die du gerne wiederholen würdest, oder bleibt es bei diesem einmaligen Trip?
Transkript
Um den Zugang für Menschen mit Behinderungen zu erleichtern und um eine Volltextsuche nach Themen zu ermöglichen, haben wir beschlossen unsere Gespräche auch als Transkription zur Verfügung zu stellen.
Allerdings muss man dazu sagen, dass die heutigen Techniken automatisiert Transkriptionen herzustellen, doch immer wieder an ihre Grenzen stoßen und streckenweise unlesbare Texte hervorbringen. Eine händische Korrektur der Texte, ist ein Aufwand, der die Möglichkeiten dieses Podcasts bei weitem übersteigt. Trotz dieser Nachteile, überwiegen für uns die Vorteile einer (wenn auch fehlerhaften) Verschriftlichung.

Sie können das Transkript aktivieren und mitlesen, indem sie oben im Player auf dieses Symbol klicken.
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 69: Tiger and Dragon und der chinesische Wuxia-Film Publishing Date: 2022-04-27T20:26:28+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/04/27/episode-69-tiger-and-dragon-und-der-chinesische-wuxia-film/
Johannes Franke: Nein. Doch sie bringt sich um. Nein. Eindeutig. Nein. Sie wird überleben. Nein. Sie bringt sich um. Sie fällt da einfach runter und gut ist. Platsch. Bleibt nur noch Rotes übrig.
Florian Bayer: Nein. Das ist nicht, was uns der Film erzählen will. Sie glaubt an die Magie. Der Film will uns gar nicht erzählen. Fuck you. We have a legend.
Johannes Franke: Anyone who dares to jump from the mountain, God will grant his wish. Long ago, a young man's parents were so ill, so he jumped. He didn't die. He wasn't even hurt. He floated away, far away, never to return. He knew his wish had come true. If you believe, it will happen. The elders say, a faithful heart makes wishes come true. Und jetzt bitte das Ganze in Hochchinesisch. Oh Gott, oh Gott, oh Gott. Liebe Zuhörer, willkommen hier zur neuen Episode. So müssen wir drauf sein, um diesen Film und diese Episode genießen zu können. Wenn ihr euch auf diese Legende einlassen könnt, dann seid herzlich willkommen. Wir sprechen heute über
Florian Bayer: Crouching Tiger Hidden Dragon, den ich vorgeschlagen habe, was man vielleicht nicht vermuten könnte, nachdem Johannes jetzt so wirklich großartig eines der wesentlichen Zitate des Films intoniert hat.
Johannes Franke: Ich musste mich echt zusammenreißen, die Ironie komplett rauszulassen aus meinem eigentlichen, aus meinem Hinterkopf. Das werden wir jetzt in der Besprechung wahrscheinlich auch noch merken. Ja. Kurzes Konzept nochmal.
Florian Bayer: Wir schlagen uns gegenseitig Filme vor. Jede Woche gibt es von einem eine Hausaufgabe für den anderen. Und in der anschließenden Episode diskutieren wir dann über diesen Film,
Johannes Franke: der vorgeschlagen wurde. Und möglichst mit der Maßgabe, den Horizont des anderen zu erweitern, mit einem Film, den der andere noch nicht gesehen hat, was ich in letzter Zeit sträflich vernachlässigt habe, weil ich immer wieder Filme vorgeschlagen habe, die du schon kennst. Aber du hast es diesmal wirklich geschafft, mir einen Film vorzuschlagen, den ich noch nicht kannte. Ich glaube auch ein Genre,
Florian Bayer: in dem du nicht so bewandert bist, weil wir reden über Wusia-Filme, über Martial-Arts-Filme aus China in dem Fall. Jetzt hast du gleich dieses Grinsen drauf gehabt, als du Wusia gesagt hast. Es gibt Streit darüber.
Johannes Franke: Wir haben ja sehr lange diskutiert, wie wir es denn jetzt aussprechen wollen. Wusia oder Wusia? Plor, du bist ja der Meinung, dass es Wusia sein soll. Warum?
Florian Bayer: Also, eins vorweg, wir sind nicht zu einem Ergebnis gekommen, weil wir haben es uns jetzt auf verschiedenen Seiten angehört. Es gibt, wenn man eingibt How to Pronounce den Begriff der W-U-X-I-A geschrieben wird, findet man alle möglichen verschiedenen Aussprachen. Ich habe tatsächlich in Vorbereitung auf dieser Episode nochmal einen Podcast gehört, wo es um die Geschichte des Wusia-Films ging und es war ein amerikanischer Podcast und die waren zu viert oder so und es war eine Chinesin dabei und die hat Wusia gesagt, während die Amerikaner alle Wusia gesagt haben. Deswegen bin ich jetzt erstmal so bei Wusia geblieben. Es kann aber auch sein, dass sie eine Taiwanesin war und es gibt tatsächlich offensichtlich
Johannes Franke: unterschiedliche Aussprachen. Du bist bei Wusia, ne? Ja, ich habe Wikipedia aufgeschlagen, weil man ja weiß, dass bei Wikipedia nichts steht, was nicht stimmt. und habe versucht dort über die Lautübertragung, also dieses phonetische Schrift, dass man das einmal nachschaut und dann habe ich das Buchstabe für Buchstabe einmal nachgeschaut und da kam ich auf Wusia. Die Frage ist,
Florian Bayer: ob man es so machen kann und es ist witzig, wir haben jetzt ganz am Schluss, haben wir aus Verzweiflung noch einmal quer gegoogelt und dann haben wir ein Forum gefunden, ein Wusia-Filmforum, wo darüber diskutiert wird, wie sprecht ihr das aus? Und es sind natürlich die zwei Optionen, Wusia und Wusia sind ganz oben oder Wutsia und ganz anders ist auch dabei und alles hat ziemlich genau 30% Umfrage unter Wusia-Filmliebhabern. Es ist offensichtlich ein großer Streitpunkt, also wenn ihr wisst, wie man es wirklich ausspricht, wenn ihr irgendwie einen Hintergrund habt aus China, Taiwan, wie auch immer, erleuchtet uns. Ich würde es wirklich gerne wissen und mir hat das Googlen gerade überhaupt nicht geholfen, weil ich das Gefühl habe, es gibt einfach,
Johannes Franke: vielleicht ist auch einfach beides möglich. Ich bin mir ganz sicher, dass uns genau drei Leute schreiben werden und jeder hat eine andere Meinung. Hoffentlich.
Florian Bayer: Und zu guter Letzt haben wir da noch einmal reingehört und Johannes hat es tatsächlich geschafft, nochmal eine Betonung rauszukraben, wo eine Frauenstimme
Johannes Franke: Wuxia gesagt hat. Ja, ich glaube, das ist eine sehr computergenerierte Stimme gewesen, die einfach nur Buchstabe für Buchstabe intoniert hat. Das war's.
Florian Bayer: Okay, Crouch and Tiger, Hidden Dragon, so wie er im Amerikanischen genannt wurde, im Deutschen einfach verkürzt auf Tiger and Dragon, ein Martial-Arts-Film aus dem Jahr 2000.
Johannes Franke: Ich habe bis jetzt nichts mit Martial-Arts-Filmen groß zu tun gehabt. Natürlich kenne ich, oh, jetzt fällt mir der Name nicht mehr mal ein, weil ich vielleicht, nein, ich meine, natürlich kenne ich Bruce Lee und ich kenne Jackie Chan und so und vor allem Cobra Kai, die neue Version von seinem Vorgänger. Wie heißt das Ding? Meister Miyagi, Mr. Miyagi? Ja, aber so heißt auch der Film nicht. Karate Kid. Karate Kid, meine Güte, warum ist mir dieser Name nicht eingefallen? Karate Kid. Ich kenne natürlich Karate Kid, aber ich habe keinen Bezug dazu. Insofern hast du schon sehr gut versucht, meinen Horizont zu erweitern. Ich bin gespannt. Wir werden sehen, ob du das geschafft hast.
Florian Bayer: Was ganz interessant ist, weil ich tatsächlich auch keinen großen Bezug zu Martial-Arts-Filmen haben und wenn, dann tendenziell eher aus der japanischen Ecke. Also ich kenne halt so diese Midnight-Movies wie Sasori Scorpion oder so, die oft auch als Vorlage gedient haben, dann für die Tarantino-Versuche, Martial-Arts in seinen Western-Style-Filmen unterzubringen.
Johannes Franke: Möchtest du Tarantino als Versuche, das unterzubringen? Willst du es darauf runterbrechen? Naja, Tarantino macht das
Florian Bayer: sehr speziell. Ja, okay. Aber tatsächlich war das eher mein Bezug zum Martial-Arts-Film. Umso interessanter, dass das hier, glaube ich, mein liebster Martial-Arts-Film ist. Aber ich würde einfach mal einsteigen und den eigentlich Ja, erzähl mal so ein bisschen, worum es geht und dann können wir ja loslegen. Der chinesische Begriff Wuxia setzt sich aus zwei Silben zusammen. Die erste Silbe Wu bedeutet so viel wie Kampfkunst. Die zweite Silbe Shia oder Sia steht für die Personen, die dieser Kampfkunst im Genre des Wuxia-Films oder Wuxia-Romans nachgehen. Dabei handelt es sich um wandernde Ritter für die gute Sache, aber auch um Personen, die in einem Spannungsverhältnis zur Gesellschaft und Obrigkeit stehen. Sie sind gesellschaftliche Randfiguren, zugleich aber auch Helden, die in abgelegeneren Regionen Chinas für die gerechte Sache streiten. Der Film Crouching Tiger Hidden Dragon aus dem Jahr 2000 war Ang Lies Versuch, dieses spezifisch chinesische Filmgenre einem westlichen Publikum nahezubringen. Erzählt wird von der Region rund um Peking zur Zeit der Qing-Dynastie im späten 18. Jahrhundert. Das grüne Schwert der Unterwelt, die Waffe des ehrwürdigen Wudang-Meisters Li Mu Bai, wurde gestohlen, kurz nachdem es dem Hohen Rat von Peking geschenkt wurde. Die Schwertmeisterin Yu Shulian versucht die wertvolle Waffe wiederzufinden. Schnell stellt sich heraus, wer die Diebin ist. Yu Chaolong, die Tochter des Gouverneurs, die bald verheiratet werden soll. Doch nicht nur das. Diese ist eine herausragende Kämpferin, die sich selbst die äußerst komplexe Wudang-Kampfkunst gelehrt hat und zugleich mit Jadefuchs im Bund steht. Eine abtrünnigen kriminellen Schwertmeisterin, die für den Tod von Li Mu Bai's Lehrmeister verantwortlich ist. Aber es ist nicht allein die Geschichte um Ehre, Kampf, Kunst, Liebe und die Suche nach dem richtigen Lebensweg, die Tiger und Dragon glänzen lassen. Der Film lebt von seiner Inszenierung des Kampfes und der Akrobatik seiner SchwertmeisterInnen. Menschen trotzen den Gesetzen der Physik, springen, tanzen und beginnen im wahrsten Sinne des Wortes zu fliegen. Der Kampf ist hier auch immer ein Stück Zauberei. Die Welt ist eine magische und poetische, in der Kampf und Schönheit eng beieinander liegen. Johannes, als durch und durch westlicher Zuschauer, ist es diesem Film gelungen, dich in die Welt der Kampfkünste und diese fantastische Version des historischen Chinas zu entführen? War es eine Reise, die du gern wiederholen würdest oder bleibt es
Johannes Franke: bei diesem einmaligen Trip? Das kommt drauf an, ob es noch mehr Filme gibt, die das schaffen wie dieser Film. Also impliziert gesagt, ja, das hat der Film geschafft. Aber gibt es davon so viele? Weil der Film ist ja anscheinend auch so ein bisschen mit Blick auf westliches Publikum gemacht worden. Ja. Und ich weiß nicht, ob ich es schaffen würde, das muss ich einfach ausprobieren. Ich weiß es nicht. Ich habe es tatsächlich nie, ich habe mich für dieses Genre nie begeistert. Aber auch aus Unwissenheit. Es könnte sein, dass mich auch Filme, die gar nicht so sehr auf dieses westliche Publikum abzielen, begeistern könnten. Dieser hat es auf jeden Fall geschafft irgendwie. Das ist schön.
Florian Bayer: Er hat ja tatsächlich eine Renaissance des Wussiger Films eingeleitet und vor allem auch eine enorme Popularität dieses Genres beim westlichen Publikum. Es kamen nach diesem Film innerhalb kürzester Zeit mehrere Filme raus, die versucht haben, die Magie zu reproduzieren, die dieser Film erzeugt hat und vor allem auch beim westlichen Publikum anzukommen. Hero und House of the Flying Deggers werden wohl so die bekanntesten Versuche davon sein. Und in dem Fall sage ich bewusst Versuche, weil es ihnen aus unterschiedlichen Gründen, zumindest bei mir persönlich, nicht so ganz gelungen ist,
Johannes Franke: diesen Zauber wiederzuerwecken. Weil Hero wird mir immer wieder empfohlen, wenn ich das so, die Recherche, weißt du, dann gucken wir da durch und dann wird einem immer wieder Hero entgegengeworfen und man denkt sich, okay, die Bilder sehen sehr gut aus. Die Bilder sind fantastisch.
Florian Bayer: Er ist deutlich opulenter nochmal und mehr auch so in die Richtung Kriegskunst gerückt. Kriegskunst spielt ja in diesem Film fast gar keine Rolle, aber Kriegskunst ist im traditionellen Wuxia-Film eigentlich ein oft benutzter Top-Boss. Bei Hero ist das, was es mir schwer gemacht hat, dass er deutlich näher an der chinesischen Kultur ist und vor allem an der politischen chinesischen Kultur. Ich hatte mit Hero enorme Probleme, weil ich den fast schon, ich sag das jetzt mal so, mit westlicher Arroganz und Ignoranz als proto-faschistisch wahrgenommen habe. Oh. Der hat eine ganz merkwürdige Moral, was das Verhältnis der tapferen Kämpfer zur Obrigkeit betrifft. Okay. Was quasi in eine Art Opfer mündet, dass dieser Film allerdings total affirmativ zeigt und zwar so ein Opfer für die höhere Sache und die höhere Sache ist in diesem Fall aber ein krass autokratisches Regime.
Johannes Franke: Was in diesem Film jetzt hier Tiger and Dragon fast schon erstaunlich weit ab von bringt, weil die, weil der hier ja oft den Sieg des Einzelnen über die Gesamtheit zeigt. Was ich so einem Film fast gar nicht zugetraut hätte im politischen Sinne jetzt.
Florian Bayer: Ja. Ich glaube, was eine wesentliche Rolle tatsächlich spielt, ist, dass wir es hier ja nicht mit einem rein chinesischen Film zu tun haben, sondern einer Koproduktion von Taiwan und da haben wir ja schon so ein extremes Spannungsfeld, also gerade in der aktuell politischen Lage zwischen Taiwan, Hongkong, China und den USA und ich glaube, das spielt eine wichtige Rolle auch der Blick Richtung USA, dass es eben, dass diese Betonung des individuellen Kämpfers, der individuellen Kämpferin viel höher wertgeschätzt wurde und dass die Themen auch, wie du gesagt hast, viel mehr die Individualität preisen. Es geht eigentlich die ganze Zeit um Freiheitskampf von Individuen, die sich von gesellschaftlichen Fesseln, aber auch von ihren selbst auferlegten Fesseln lösen wollen.
Johannes Franke: Ich merke schon, wir sind heute wieder ein bisschen in so eine Vorlesung driften wir ab. Themen und Politik und so ein bisschen eine Zusammenführung von verschiedenen Dingen, die in diesem Film kombinieren, weil der Film natürlich auch Gepäck mit sich bringt, was Politik betrifft und was diese ganze Entwicklung betrifft. Das siehst du auch drin? Nein, einfach durch seine Herkunft. Ja, auf jeden Fall, das stimmt. Und das Anlehnen an westliche Sehgewohnheiten und so weiter. Ich hatte das Gefühl, er versucht in der Handlung zumindest sehr apolitisch zu sein. Ja, das stimmt. Aber irgendwie wird es doch kontextualisiert durch den Zuschauer, habe ich das Gefühl.
Florian Bayer: Ja, vielleicht ein bisschen, ja. Es ist ja ganz spannend, weil es gibt ja diesen politischen Background in der Handlung, dass sie, diese besondere Schwertkämpferin, die mit einer Aussetzung zusammenkämpft und von ihr gelehrt wurde, auch wenn wir ziemlich schnell herausfinden, dass sie offensichtlich eher die Meisterin ist und ihre Meisterin, die so ein bisschen vertrottelt und halt irgendwie versucht, irgendwas mit Kampf zu schaffen. Aber sie ist die Tochter des Gouverneurs und es wird ja auch am Anfang, als dann herauskommt, okay, der Schwertstiebstahl hängt irgendwie mit dem Gouverneurshaus zusammen, wird ja auch gesagt, oh, das ist schwierig, jetzt kommen wir in politisch heikles Territorium und Julien löst das ganz gut, dass sie dann sagt, nee, lass mich das mal machen, lass mich das mal lösen. Sie ist so die Erste, die direkt versteht, was da abgeht und sie weiß ziemlich schnell, wer die Diebin ist und es ist auch kein Geheimnis für das Publikum. Ja, sehr schnell. Für alle Personen ist es ein großes Geheimnis, obwohl man ganz eindeutig sieht, dass Zhao Long unter dieser Maske ist. Das ist dieses Superhelden-Ding.
Johannes Franke: Ja, du hast also einen fetten Stoff vor der Nase und das war's. Natürlich weiß keiner mehr, wer du bist.
Florian Bayer: Aber es lässt sich so schön damit spielen. Ich liebe diese Kampfszene zwischen ihr und Limu Bay, wenn Limu Bay immer so ein bisschen mit seiner Waffe versucht, ihren Schleier zu lüften und sie dann immer sehr elegant ausweicht.
Johannes Franke: Ja, aber er ist dann auch selber entscheidet, es nicht zu tun. Genau, genau, ja. Das finde ich aber auch schön. Das ist eine gute Entscheidung und eine gute Situation zu sagen, ich zeige das einmal, dass er es von sich aus auch nicht macht. Und er begreift das ja auch.
Florian Bayer: Also eigentlich die Deppen, die es nicht begreifen, sind vor allem dieser Polizeiinspektor, der auch so ein bisschen reingepflanscht wirkt in die Hand. Es ist merkwürdig, weil da wird so ein Handlungsfaden aufgemacht mit diesem Polizeiinspektor und der mit seiner Tochter zusammen die Jadefuchs jagt und dann noch diesem Wachmann, der da irgendwie mit reingerät und diese Story wird angerissen und kriegt sogar einen dramatischen Höhepunkt, in dem der Polizeiinspektor dann umgebracht wird von Jadefuchs. Ja. Und dann haben wir zumindest noch eine Szene zwischen dem Wachmann und der Tochter, die eigentlich total nett ist. Ja. Wo er Wache hält und sagt, ich beschütze dich jetzt und sie sagt, ach komm doch rein und da wird ja so eine Romanze auch angedeutet, aber dann wird die Handlung fallen gelassen. Die sind einfach weg. Wir sehen nichts mehr davon und es ist total merkwürdig, weil das eine interessante Handlung ist.
Johannes Franke: Naja, ich meine, der Film wäre natürlich nochmal zwei Stunden länger gewesen, wenn da alle seine Stränge hätte weiterführen wollen. Es sind ja noch mehr liegen gebliebene Stränge, aber das ist vielleicht auch, weil es eine Vorlage hatte. Also das Ganze ist ja nicht originär vom Regisseur geschrieben, sondern das ist ja schon mal, das wurde ja schon mal verfilmt, aber die Verfilmung aus den 30ern, glaube ich, ist irgendwie verschitt gegangen, also die existiert nicht mehr so richtig.
Florian Bayer: Es beruht auf einer Pentalogie. Fünf Romane gibt es von Wang Du Lu, der Kranich und Eisen heißt die Vorlage. Und genau, die wurde auch schon mal verfilmt und es ist, glaube ich, auch so ein Teil dieses Wusia-Komplexes, ohne mich da zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen, weil ich mich mit Wusia-Filmen wirklich sonst nicht so gut auskenne, dass es einfach wiederkehrende Personen gibt und dass das Ganze in so einem fantastischen Rahmen stattfindet. Und zwar, wie auch Ang Lee gesagt hat, so ein imaginiertes China. Das hat nichts mit dem historischen China zu tun und deswegen wird es in dieser Episode auch keine Geschichtsvorlesung geben, weil dieses historische China, was hier gezeigt wird, eben im späten 18. Jahrhundert, hat wenig mit der Wirklichkeit zu tun und es ist eigentlich klassisches Fantasy-World-Building, was da betrieben wird. Ja. So wie die Städte auch aussehen, wie die Dörfer aussehen, was für Personen da agieren, was für eine Rolle diese Schwertmeister und Schwertmeisterinnen einnehmen. Das ist alles, es hat schon sowas von so einem klassischen Fantasy-World-Building, wie wir es im westlichen Raum kennen. Also es ist nicht so vollgeklatscht mit Fantasy wie Herr der Ringe, aber vielleicht auch, weil die fantastischen Elemente im östlichen einfach anders definiert werden.
Johannes Franke: Ja. Die Frage ist für mich so ein bisschen und das werde ich nicht beurteilen können und du vielleicht auch nicht, ob das das China ist, was man sich als Bürger Chinas mit all dem geschichtlichen Gepäck, was man so kennt, so vorstellt und wünscht. Ist das eine Wunschvorstellung oder was ist das?
Florian Bayer: Ich glaube, es ist tatsächlich ganz stark eine Wunschvorstellung und es ist das, was jede Nation macht. Wir haben hier ja ganz klassische Romantisierung der Vergangenheit. Nicht nur World-Building im Fantastischen, sondern auch tatsächlich so nationale Legendenbildung. Das haben wir Deutschen auch durch. Anfang des 19. Jahrhunderts, wenn man sich anguckt, was die Romantiker aus dem Mittelalter gemacht haben. Die Artus-Legenden haben auch nicht viel zu tun mit der Wirklichkeit des Frühmittelalters.
Johannes Franke: Vielleicht ein guter Vergleich mit den Artus-Legenden. Das ist schon...
Florian Bayer: Auch weil da die fantastischen Elemente zurückgenommen sind. Die Geschichten handeln von einer Zeit, die näher liegt. Also man kann einfach keine, man kann einfach nicht mehr so eine krasse Legende erzählen und deswegen so Low-Fantasy. Man benutzt fantastische Elemente, man hält die aber so weit zurück, dass zumindest so ein bisschen in den Gedanken des Betrachters sein könnte, ach ja, könnte da vielleicht doch so ein magisches Element existiert haben, was verloren gegangen ist. Und das hat sich auch bis in die moderne Fantasy des 20. Jahrhunderts gehalten. Also wenn wir J.R. Tolkien nehmen, also den großen Fantasy-Autoren des 20. Jahrhunderts, was da mit Magie gemacht wird, bleibt ja auch oft neblig abstrakt. Also Gandalf ist jetzt niemand, der zaubert, der so High-Fantasy-Zauber macht, sondern seine Zauber beschränken sich irgendwie darauf, dass er eine gewisse Kontrolle hat über seinen Körper und auch ein bisschen über den Körper von anderen. Aber es ist fast wie auf so einem Spektrum. Der Weg vom besonders charismatischen Trickser, der die Natur zu nutzen weiß,
Johannes Franke: hin zu Magier, ist halt so sehr fließend. Ja, aber das ist, unser Bedürfnis, das Ganze in Regeln zu packen, ist ja auch erst irgendwie seit, weiß ich nicht, den 80er, 90ern oder vielleicht sogar noch später, oder? Also so wirklich harte Regeln für Zauberei festzulegen, zu sagen, nach den Regeln kann der das und danach nicht. Und das, ich hab so ein bisschen das Gefühl, dass so Videospiele damit zu tun haben, die dann angefangen haben, wirklich Regeln festzulegen. Rollenspiele natürlich auch. Und Rollenspiele, genau.
Florian Bayer: Wenn wir heute von Magie reden, haben wir natürlich auch oft so eine Magievorstellung aus den Harry Potter Romanen, die einfach mal die Fantasy-Blaue-Pause für das 21. Jahrhundert zu sein scheinen oder zumindest zu werden scheinen. Und auch was, was danach gekommen ist, wo wir es sehr oft haben, diesen Kontrast von magischer und nicht magischer Welt. In den traditionellen Legenden sind magische Welt und nicht magische Welt mehr miteinander verwoben. Und wir lieben heute offensichtlich Geschichten, wo die Magie außerhalb der realen Welt steht. Und wir träumen uns in Personen, die es irgendwie schaffen, dieses Hindernis zu überwinden und dann irgendwie Kontakt zu haben mit dieser fremden Welt. Also Harry Potter ist ein Beispiel, wenn ich jetzt überlege, fällt mir bestimmt noch ein anderes Beispiel ein. Die Schule der magischen Tiere, um ein ganz junges frisches Kinderbuch zu nennen, ist auch so.
Johannes Franke: Nun besteht die Frage darin, wo liegt die Magie in unserem Film? Damit wir so ein bisschen mal den Bogen wieder zurück zum Film. Wo liegt die Magie darin und wo liegen die Sehnsüchte und Bedürfnisse danach? Weil ich das mich ganz viel beim Film gefragt habe, bei ganz vielen Situationen, die vielleicht entweder sehr kulturell bedingt sind, von denen ich nicht so viel Ahnung habe oder eben was so Magie betrifft und was so bestimmte Verhaltensmuster auch von Menschen betrifft. Was für Sehnsüchte und werden da bedient?
Florian Bayer: Ja, natürlich auf jeden Fall die Beherrschung des eigenen Körpers. Wir haben gleich im Einstieg haben wir Lee Mubai, der von einer Meditation zurückkommt und von der berichtet. Und da wird es ja schon irgendwie so angeteasert, dass du deinen eigenen Körper irgendwie überwinden kannst und zu was Höherem finden kannst. Und es wird auch nicht konkreter benannt. Ja, ja, genau. Und das konkret wird es dann einfach in den Kämpfen und in den Akrobatikeinlagen. Was war denn dein Empfinden, als die erste akrobatische Kampfszene kam? Weil es ist ja schon krass. Es ist ja wirklich, der Film spielt ja, der spielt ja nicht. Der Film sagt ja einfach mal so zack und was die jetzt machen, sieht aus wie Fliegen. Und sogar so krass, dass wir auch, wenn die Drahtseile mit CGI wegreduschiert sind, dass dieses Gefühl der Schwerelosigkeit total vorhanden ist, wenn die so über diese Dächer gleiten. War es für dich befremdlich?
Johannes Franke: Warst du gleich drin? Fandst du es doof und musstest lachen? Ich musste lachen, aber nicht, weil ich es doof fand, sondern weil ich es irgendwie sehr süß fand am Anfang und dann irgendwann kommt man rein und merkt, das hat eine ganz eigene Eleganz, die irgendwie geil ist. Ja. Also ich habe nicht damit gerechnet, weil ich immer so Ausschnitte gesehen habe irgendwie und dann auch in Kontexten, wo man sich eher lustig darüber macht und so. Und dann merkt man, wenn man ein bisschen drin ist, dass das eine ganz eigenartige, transzendentale Eleganz hat für sich. Und ich bin nicht unbedingt der Typ für Transzendenzen, die irgendwie mit Meditation und sowas, man ist ja auch am Anfang so ein kleines bisschen, wenn er da kommt, was wir gerade hatten und erzählt, ja und dann bin ich aus meinem Körper und dann habe ich gar nicht die Erleuchtung, sondern ich wurde voller Trauer und so weiter. Und ich dachte, ja gut, du hattest eine schlechte Meditation und jetzt, warum kommst du jetzt und beschwerst dich? Was ist los? Das ist schon so ein bisschen, äh, weiß ich nicht. Also das, das fand ich ein bisschen befremdlich und musste ich erst überwinden. Und das mit dem Kämpfen, mit diesen, mit dieser, mit der Schwerelosigkeit konnte ich schneller überwinden, weil das gar keine ideologische Komponente hat, sondern einfach nur eine ästhetische und die ästhetische fand ich sehr schön. Ja, es hat wirklich so was von Zirkusakrobatik,
Florian Bayer: weil die Drahtseile einfach so spürbar sind. Also ganz kurz als Kontext für die ZuhörerInnen, wir haben, ähm, die erste große Akrobatik-Kampfszene ist, wenn, ähm, Julianne, die Diebin, von der wir noch nicht wissen, das Chaolong ist, über die Dächer Pekins verfolgt. Und sie laufen die Wände hoch und sie fliegen dann wirklich über die Dächer. Also es wird, es wird nicht als Flug inszeniert, aber es wird auch nicht als einfaches Springen inszeniert, weil dieses Gefühl der Schwerelosigkeit ist immer drin. Sie berühren die Dächer kaum, während sie so weiterschweben. Und sie machen das auch tatsächlich, ähm, sehr langsam und bedächtig. Also es ist so eine sehr, ähm, fließende Bewegung. Das ist der große Unterschied zu Filmen wie zum Beispiel Matrix, wo ja auch mit diesem Flug- und großen Sprungthema gespielt wird.
Johannes Franke: Ja. Willst du den Fun Fact bringen? Der, der gleiche Choreograph ist, ne? Genau. Und das finde ich so beeindruckend, weil Matrix ist mir natürlich sofort eingefallen. Ja. Und dann habe ich gemerkt, wow, okay, also in der Recherche natürlich erst, wow, okay, natürlich kommt mir das bekannt vor. Das ist der gleiche Typ und der hat das irgendwie geschafft, so ein, so ein grundsätzliches Gefühl dafür zu, zu vermitteln. Er hat irgendwie immer, ich habe das Gefühl, man könnte wieder erkennen, wenn er was choreografiert hat. Jin Wu Peng heißt der,
Florian Bayer: der, ähm, der, äh, Choreographer, der genau für, für alle drei Matrix-Filme und auch für Hero dann später diese Stunts gemacht hat und er ist offensichtlich ein Drahtseilkünstler. Ja, ja. Offensichtlich ist sein Ding, dass er Leute an, äh, an Drähte hängt und sie durch die Luft fliegen lässt. Ja. Und bei Matrix sieht es aber anders aus, weil es halt mehr Geschwindigkeit und vor allem mehr Kraft hat. Ja. Hier hat es viel mehr Eleganz und ist viel mehr fließend
Johannes Franke: und hat dadurch auch sowas so ein bisschen Traumwandlerisches. Naja, wenn man mal an die Worte von der, ähm, einen Hauptdarstellerin denkt, äh, die die Tochter gespielt habe, hat, deren Name ich, Sie sang? Ah, es ist so, es tut mir so, wir müssen es einmal sagen, es tut mir wahnsinnig leid, wenn wir was falsch aussprechen, äh, es, es geht uns echt schwer über die Lippen, weil einfach, das ist nicht unser Kulturkreis, wir sind damit nicht groß geworden und es tut uns sehr leid. Wir bemühen uns, aber es tut uns sehr leid, wenn wir was falsch aussprechen. Ja,
Florian Bayer: wir haben nochmal ganz viel reingehört, wie man die, wie man die Person ausspricht. Ja. Und die sang, ist die, ähm, ist die, ähm, ist die, die Chiaolong gespielt hat, die Gouverneurs Tochter.
Johannes Franke: Ja. Und die, äh, hat erzählt, dass sie natürlich auch selber kaum Erfahrung mit Martial Arts hatte, aber dass sie Tanzerfahrung hat und dass sie das alles, wie sie eine Tanzchoreografie gelernt hat. Und das sieht man. Das sieht man auch in den anderen Sachen. Äh, sowieso wird ja oft so Kampfchoreografie mit Tanz verglichen, mit Tanzchoreografien, aber in diesem Fall wird's einem einfach sehr bewusst. Die sind halt, die haben ganz eigene Eleganz, auch wenn es teilweise sehr hart ist, weil es halt Kampf ist, aber es ist ein Tanz. Ja.
Florian Bayer: Es fehlen auch oft tatsächlich die harten Einschläge, wenn die kämpfen. Also im Kampf berühren sich die Schwerter auch ganz selten. Es ist sehr viel ein Zurückweichen, ein bisschen mit Finden arbeiten. Und die Schwerter klären nicht laut aufeinander, sondern streifen sich viel mehr.
Johannes Franke: Der hat auch eine ganz, ganz besondere Art und Weise, Geräusche darzustellen. In der Film, finde ich. Vor allem, wenn die da in der Gegend rumfliegen, dieses Flattern der Gewänder ist total schön. Ich könnte es den ganzen Tag hören. Ich finde es wirklich, wirklich wundervoll. Und das, was du sagst, die Kampfinstrumente, die aufeinander knallen, sind halt nicht so Knall, sondern eben so eher ein Streifen und ein bisschen ein, manchmal fast schon ein Kuscheln miteinander, was so spannende Geräuschkulisse macht.
Florian Bayer: Es gibt dann, es gibt ja tatsächlich die Momente der Gewalt. Also gerade in diesem ersten Kampf haben wir dann ja den Moment, wo Jade Fuchs den Geheimpolizisten umbringt mit einem Wurfstern, der in seinem Kopf hängen bleibt. Und es ist tatsächlich plötzlich ein Schock, weil man total rausgerissen ist. Es dient aber auch natürlich dazu zu zeigen, diese Jade Fuchs, die gerne eine von den Wudang-Kämpferinnen wären, die das auch gerne so drauf hätte, sie ist irgendwie, sie kann das nicht. Ihre Art zu kämpfen, fehlt einfach dieser Eleganz, die die anderen haben in dem Film. Obwohl sie natürlich viel, trotzdem, sie kann einiges. Sie kann kämpfen,
Johannes Franke: natürlich, sie ist eine Kämpferin. Aber sie hat halt, ihr fehlt ein bisschen die Eleganz und die Selbstbeherrschung vielleicht. Ja. Das ist es vielleicht auch und das merken wir auch im Rest des Films so ein bisschen. Und ich finde die Figur natürlich spannend. Man muss dazu sagen, ein kleines bisschen, wo ich mich zurückhalten muss, die ganze Zeit beim Reden, und das Subtilität nicht unbedingt die Sache des Films ist. Nein, überhaupt nicht. Das ist kein subtiler Film. Also man muss schon sagen, dass die Plots da drin sind sehr auf Ecke und Kante und ganz klar und die Figuren sind klar gezeichnet und man muss schon viel in Kauf nehmen, wenn man so ein paar Motivationen hinterfragen würde, dass dann fängt es an, schwierig zu werden. Ihre Motivation ist ja auch tatsächlich
Florian Bayer: eine, die so einen gewissen narrativen Sexismus mit sich trägt. Ja. Sie ist böse geworden, weil der Meister von Limu Bay, den sie umgebracht hat, den sie heimtückisch umgebracht hat, das ist auch so was, sie kämpft nicht würdevoll, sondern sie ist heimtückisch, das ist ihre Art zu kämpfen. Der, von dem wollte sie eigentlich die Wudang-Kunst lernen und der wollte sie aber nicht, wollte sie ihr nicht lehren und sie sagt einmal zu Limu Bay, das ist so dieses typische Ding, so ich gebe jetzt noch schnell meinen Plotpoint raus, schreit sie so, ey, dein Meister wollte mich nie die Wudang-Kunst lernen, aber er wollte mit mir schlafen und deswegen musste ich ihn umbringen. Und das ist natürlich, es wohnt diesem Narrativ so ein gewisser Sexismus inne, dass die frustrierte Frau, die nicht akzeptiert wurde, dass die dann zum Bösen wird,
Johannes Franke: dass sie dann zum Drachen wird. Ja. Naja. Was mir auch Schwierigkeiten bereitet ist, dass die Tochter des Gouverneurs, um die es ja geht, die dann, die ja anscheinend bei ihr in der Lehre ist, bei unserem Jadefuchs, dass die in den Büchern lesen konnte, was Jadefuchs nicht lesen konnte und es ihr nicht beigebracht hat. Was ist das für ein Arschloch im Hof, zu sagen, oh, ich kann hier lesen, was hier steht und das Ganze irgendwie noch besser machen. Warum zur Hölle sagt sie ihrer Meisterin nicht Bescheid
Florian Bayer: und sagt, guck mal, so geht das. Aber ich glaube, das ist, weil sie verstanden hat, dass ihre Meisterin bei Weitem nicht so begabt ist, wie sie. Das ist doch egal. Das spielt hier natürlich auch eine ganz große Rolle. Was ist das für ein Argument? Das ist sowieso nicht begabt, also kann sie es nicht lernen, was soll's dann, verschweige ich es halt. Ich glaube, dieser Film hat so ein bisschen dieses Jedi-Motiv. Es gibt Auserwählte, die das lernen können und es gibt Auserwählte, die das beherrschen können und dazu gehört Jadefuchs eben nicht. Also ich glaube, das will uns der Film erzählen, dass das nicht nur ist, du musst halt deine 10.000 Stunden abrackern, dann kannst du schon Wudang, sondern du musst das irgendwie in dir tragen.
Johannes Franke: Ja, das merkt man ja auch, weil die Technik natürlich eine sehr magische ist am Ende und dann, sonst könnte es auch jeder auf der Straße und insofern ist es schon klar, dass es da eine Art Auserwählte, vor allem auch sein, er sagt ja auch die ganze Zeit, ich will dich der ganzen Sache lehren, nicht, weil ich dich irgendwie besonders toll finde oder mag, sondern einfach, weil ich finde, dass diese Technik für besondere Menschen ist und du bist ein solcher besonderer Mensch. Da kommen wir zum Titel,
Florian Bayer: Crouching Tiger Hidden Dragon, der natürlich ein metaphorischer Titel ist, ein Sprichwort aus dem Chinesischen, das eben diesen eigentlich Doppelbedeutung hat. Zum einen, also der Tiger vielleicht so ein bisschen auch als das jähzornige Tier, das jederzeit zuschlagen kann und das lauert und gleichzeitig der Drachen, der irgendwie im Hintergrund verborgen ist, und der Drache steht natürlich für große Eleganz, Kunst, also man könnte sagen, so ein ungeschliffener Rohdiamant. Und das ist natürlich auf Chao Long, trifft das total zu, dass sie, sie ist wild, sie ist, sie lässt sich nichts sagen. Also die Versuche von Nimue bei, sie zu lehren, schlagen ja auch erstmal komplett fehl und sie bringt es schwer zurück und er sagt, oh, du bringst das schwer zurück und sie sagt, nee, ich mach gar nichts. Ich hör nicht auf euch.
Johannes Franke: Oh Mann, es geht am Ende echt um so einen Spoiled Brad, den ich hören will.
Florian Bayer: Ja, definitiv.
Johannes Franke: Es ist unglaublich. Das ist das, was mir am Ende ein bisschen Sorgen gemacht hat, Schwierigkeiten gemacht hat mit dem Film, weil ich denke, oh nee, eigentlich ist der ganze Plot des ganzen Films nicht so ausgefeilt.
Florian Bayer: Aber sie ist so cool als Spoiled Brad. Ich liebe diese Kampfszene in dem Café, in dem sie dann ist. Das ist großartig. Wo sie sich hinsetzen, das Schwert hinlegt. Das ist so großartig. Und dann kommen diese ganzen Kampfmeister und sehen, oh, sie hat dieses grüne Schwert und wollen herausfinden, wer das ist und provozieren sie so ein bisschen und dann verprügelt sie die alle auf eine grandiose Art und Weise. Wo wir eine wirklich andere, nochmal eine ganz andere Art von Kampfkoreorekraft haben mit viel Slapstick und viel Humor. Und sie läuft durch dieses traditionelle chinesische Teehaus oder was auch immer das ist. Die Kneipe. Durch die Kneipe. Und sagt so ihre One-Liner auf und verhaut die Leute währenddessen.
Johannes Franke: Das ist fantastisch. Und da muss man mal einmal sagen, es geht wirklich um drei starke Frauenfiguren und einen Typen. Ja. Das finde ich großartig.
Florian Bayer: Und die Frauen sind, und es ist absolut, es ist keine Frage, dass die Frauen gleichwertige Kämpferinnen sind. Absolut. Wir wissen, die Xiaolong ist halt ein ungeschliffener Rohdiamant. Die muss das erst noch ein bisschen lernen. Aber zumindest von Julian wissen wir, sie kann genauso gut kämpfen wie die Limu bei. Sie hat ein anderes Kampfziel. Sie sagt, sie präferiert die zwei Schwerter statt den grünen langen Schwert. Aber es ist einfach so, und die Frauen, die kämpfen auch. Und die kämpfen auch gegen Männer
Johannes Franke: und die besiegen auch Männer. Und die haben, glaube ich, eine der großartigsten Kampfszenen im ganzen Film zusammen. Was ist deine Lieblingskampfszenen im Film? Ich finde es so schwer.
Florian Bayer: Also von der reinen Optik mag ich tatsächlich total, wirklich nur so die Sekunden, wenn Limu bei und Xiaolong auf diesem Baum stehen und sie miteinander balancieren und sich versuchen, gegenseitig runterzuwerfen. Und dann stehen sie auf diesem ganz dünnen Ast, auf diesem Zweig vielmehr. Ja, ich liebe dieses Bild, wie sie da stehen und man sieht einfach, man spürt diese Schwerelosigkeit, diese Leichtigkeit der Kämpfer so stark in dem Moment.
Johannes Franke: Er ist natürlich ein genialer Move, um zu illustrieren, wie leichtfertig und wie schwebend das alles ist, sie auf einen Baum, also so einen Bambusbaum zu stellen, auf so einen Ast, der jederzeit wegbrechen würde. Was ist denn deine liebste Kampfszene? Offensichtlich Shulian und Xiaolong. Ja, es ist so ein bisschen unentschieden zwischen dieser Kampfszene, zwischen den beiden Frauen und der in der Kneipe. Ja. Weil die Kneipe ist großartig. Die Kneipe ist einfach super witzig. Sie demoliert alles und sie ist wirklich, am Anfang sitzt sie wirklich sehr schön ruhig da und reagiert nur und reagiert dann eben schnell und macht irgendwas und trinkt dann weiter Tee.
Florian Bayer: Sie ist so überlegen. Und es ist wirklich so schön inszeniert. Und dann dieses Bild von diesen ganzen, nachher, wenn Shulian und Li Mubei zu der Kneipe kommen und zu untersuchen, was da passiert ist und dann haben wir diese ganzen lädierten Kämpfer da sitzen und sagen, das war die unhöflichste Person, gegen die wir je gekämpft haben. Wir wollten doch nur einen netten Kampf haben und sie war so respektlos uns gegenüber.
Johannes Franke: Sie hat sie alle vermöbelt und es ist wirklich schön und es gibt ein schönes Schlussbild, wie sie in der totalen dann dasteht, den letzten Typen noch vermöbelt hat und dann kracht die Treppe noch zusammen. Das ist sehr schön. Das ist ein gutes Timing, es ist schön, es ist lustig, visuell wirklich sehr gut gemacht.
Florian Bayer: Und dann auch tatsächlich der Wortwitz, wenn sie sagt, dass das die, du heißt Juhu, du hast den Namen meines Erzfeindes, dich werde ich besonders verprügeln. Wer ist das Erzfeind? Wer ist der Erzfeind? Ihr Mann. Und dieser Moment, wie alle so machen, oh. Es ist wunderschön. Es ist wirklich auch eine lustige Szene, weil davor setzt der Film so viel auf diese Poesie und auf diesen Pathos auch, der in dem Kampf liegt, dass es gut ist, dass es da so einen Moment gibt, wo ein Kampf auch einfach ein bisschen ironisch gezeigt wird.
Johannes Franke: Ja, absolut.
Florian Bayer: Also das braucht der Film auch in dem Moment dringend. Wäre es zu viel gewesen, wenn jetzt nochmal so ein epischer Kampf gekommen wäre.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Eieiei.
Johannes Franke: Aber wenn wir gerade bei Optik und so sind, der Film ist wirklich sehr gut fotografiert. Also ich finde es großartig. Wunderschöne Bilder. Sehr, sehr schöne Bilder. Gut gewählte, runtergetonte Farben. Also nicht besonders Queech-Bund oder sowas, sondern wirklich sehr. Und man, es ist ja wirklich auf Film gedreht. Wann ist der rausgekommen? 2000. Genau. Peter Pau heißt der Kameramann. Und ich habe das Gefühl, dass die Kameraarbeit, die Qualität des physischen Films, der es ja damals noch war und nicht das digitale, das hat da echt einen Peak erreicht, den ich so großartig finde, den ich so toll finde. Filme aus der Zeit, die wirklich gut fotografiert sind, sehen auch technisch einfach so schön aus. Das ist unglaublich. Es ist wirklich,
Florian Bayer: es hat einfach total dieses Kino-Feeling mit diesen breiten Bildern. Wir sehen sehr viel Landschaft, wir sehen sehr viele Dächer. Also ein wesentlicher Teil spielt ja in Peking, das auch irgendwie wunderschöne Kulissen zu bieten hat. Und dann haben wir diese Verfolgungsjagden über die Dächer und durch die Gassen und man hat das Gefühl, die Kamera macht immer einen sehr großen Raum auf. Absolut. und scheut sich auch nicht davor, wirklich viel von der Umgebung zu zeigen und zu zeigen, wie die Menschen durch diese Umgebung fliegen. Ja, das ist wirklich beeindruckend.
Johannes Franke: Und er geht natürlich auch in die, er bleibt nicht nur in der Totalen, er geht auch viel in Nahaufnahmen rein, die auch alle sehr schön gewinnbringend eingebracht sind. Das ist, es ist wirklich ein sehr gut durchdachter Film in der Cinematografie. Also wirklich. Er hat auch keine Hektik, in diesen Nahaufnahmen.
Florian Bayer: Also es gibt natürlich diese Momente, wo er sehr gerne auch so zwischen einfach nur den flatternden Gewändern hin und her schneidet, wenn sie fliegen, tanzen, kämpfen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber du hast nicht das Gefühl, dass du den Überblick verlierst, sondern du weißt ganz klar, was welche Person gerade macht. Ja. Gerade so Actionfilme unserer Zeit haben ja manchmal die Krankheit, dass sie so viel verschleiern durch Wackelkamera.
Johannes Franke: Das ist ganz schrecklich, ganz oft. Und das macht der Film richtig gut. Also man hat das Gefühl, dass heutzutage ganz viel so zu Lasten von einer guten Choreografie geht und deswegen wahnsinnig viel geschnitten werden muss, damit das irgendwie actionreich funktioniert. Und wenn ich mir die alten Bruce Lee oder Jackie Chan Sachen anschaue, da kannst du echt lange mit der Kamera in einer Perspektive bleiben und es bleibt spannend. Ja. Wenn du dir heute die Choreografien teilweise in einer Perspektive anschauen würdest, dann würdest du vor Langeweile sterben, weil du nicht, also natürlich die guten, großen, es gibt ein paar Kampfszenen, das werden wir nachher noch mal haben, die wirklich auch so funktionieren, die du auch auf der Theaterbühne sehen könntest und sagen könntest, wow, okay, krass. Aber das ist halt, da brauchst du halt viel Aufwand. Du musst lange, lange, lange, lange dafür choreografieren, trainieren und einüben.
Florian Bayer: Der Vorteil von Bruce Lee und Jackie Chan war natürlich, dass beide Sportler sind und dass beide viel selbst gemacht haben. Ja, ja, genau. Und das Glück hat nicht jeder Action-Schauspieler. Ja, na klar. Gerade die amerikanischen Action-Schauspieler, die die 80er bevölkert haben, so wie Schwarzenegger. Ja. Stallone, die sehen muskulös aus, aber das sind natürlich keine Akrobaten. Die hatten keine Eleganz. Und dann die Action-Schauspieler von heute. Das ist, ah, hat denn ja Gott sei Dank irgendwann aufgehört, dieser Muskelfetisch von Hollywood. Aber das sind dann halt so normale Dudes. Das ist halt Keanu Reeves, der halt einfach nur ein Schauspieler ist. Ja. Oder Bruce Wills, der halt auch, das sind halt Schauspieler tatsächlich. Die haben nicht so diesen sportlichen Hintergrund, während Jackie Chan und Bruce Lee beide einfach mal Kampfsportler auch waren.
Johannes Franke: Wobei Keanu Reeves ja wirklich sehr, sehr gut ist, was das betrifft.
Florian Bayer: Auf jeden Fall.
Johannes Franke: Er hat ja wirklich gute Sachen gelernt und gemacht.
Florian Bayer: Und auch jemand, der sich tatsächlich auch, genau, der sich viel Mühe gibt, so Akrobatik zu lernen und wahrscheinlich auch einen heftigen Fitnessprogrammplan hat, bevor er in so eine Rolle reinsteigt. Das ist ganz interessant. Die SchauspielerInnen dieses Films hatten ja alle auch keinen sportlichen, kämpferischen Hintergrund. Der Film zeigt ganz schön, also so wie du gesagt hast schon, dass eine Schauspielerin so oft sich an Tanz orientiert hat, dass man sehr viel auch machen kann, ohne dass man hier große Kämpfernaturen vor sich hat. Stimmt, ja. Weil, also es ist natürlich auch eine sehr spezielle Ästhetik, die komplett auf diese Drahtseile setzt. Ja, ja, genau. Das zieht sich halt einfach durch den Film. Aber damit ist es möglich. Und damit konnte aus diesen Personen, egal ob das jetzt Michelle Yeoh ist oder Shaoyun Fad, konnte total viel rausgeholt werden. Und die hatten, Shaoyun Fad hat vorher, der hat nie Kampffilme, Martial-Arts-Filme gespielt, ne? Das weiß ich nicht genau. Ich kenne mich mit diesen ... Oder zumindest Nico's Wussier-Film. Der hat tatsächlich, der hat Action-Filme gedreht. Der hat viel Action-Filme gedreht schon.
Johannes Franke: Aber das Geile ist ja auch, dass du nicht nur auf irgendwelche Stuntmen setzt in diesem Film. Du siehst ja die Gesichter ganz viel. Und die sitzen ja, stehen ja da wirklich in Bambuswäldern. Ja. Die haben die ja wirklich dahin gekarrt. Das ist kein Computertrick oder so. Dieser Bambuswald, das ist so großartig. Das ist der Wahnsinn. Das ist total unglaublich. Und dann machen die so wunderschöne Nahaufnahmen von Gesichtern hinter Blättern und haben da eine unglaubliche Ästhetik drin. Ich habe jetzt tatsächlich,
Florian Bayer: ich habe nicht so viel zur Produktion gelesen. Wie machen die das bei den Außenzähnen? Haben die dann einen Kran, an dem die Drahtzeilen haben? Das heißt, die hatten da einen riesigen Kran stehen, weil die sind ja wirklich schon auf dem Hoch, oben auf dem Blätterdach. Ja. Und dann hingen die Schauspieler im Freien an diesem Kran.
Johannes Franke: Die haben da gehangen. Krass, ne? Also ich habe keinen Kran gesehen, weil ich keine Bilder davon gefunden habe, aber aus meiner Recherche, dass der Regisseur das alles nochmal betont hat und gesagt hat, alles wirklich dort passiert und wirklich, wir haben die da echt hingehängt. Und das war auch nicht ganz leicht. Das kann ich mir vorstellen. An diesem Bambusding haben sie drei Tage gedreht. Also das ist schon wow. Sie haben natürlich auch,
Florian Bayer: also wirklich dankbare Kulissen, die Naturaufnahmen, die Stadtaufnahmen. Das sind einfach wunderschöne Kulissen, die auch nochmal, wie du schon gesagt hast, der Fotografie auch nochmal zugute kommen. Dass es wirklich viel für die Kamera einzufangen gibt, vom einfachen Bauernhaus bis hin zum imposanten Wasserfall und Gebirge. Es ist einfach beeindruckend. Ja.
Johannes Franke: So. Wollen wir mal so ein kleines bisschen Problemwälzung betreiben? Weil es gibt ein paar kleine Probleme in dem Film. Wie geht los? Fangen wir mit deiner Problemwälzung an. Also das Erste, was mir wirklich im schweren Magen liegt, ist die Art und Weise, wie erzählt wird, wie sie entführt wird in der Wüste von diesem Typen. Beziehungsweise sie reitet ihm hinterher, um ihren Kamm wieder zu kriegen. Ja. Und dann hält sie ihn aber fest. Also hält er sie aber fester in dieser Höhle und lässt sie nicht mehr gehen und so. Stockholm. Oh, und ich dachte die ganze Zeit, oh Gott, es will mir der Film erzählen, dass das cool ist. Oh, fuck. Weil die sich ja wirklich ineinander verlieben dann und dann aus einem Kampf wird ein Kuss und vielleicht Sex und überhaupt und sowieso. Was so ein ganz altes, blödes Ding ist, was ich nicht mehr sehen kann. Wollen wir ganz kurz die Zuhörer abholen?
Florian Bayer: Es gibt nämlich diese Liebesgeschichte, die auch nochmal eine wesentliche Rolle spielt. Und zwar, Chao Long hat unter anderem diesen, ist unter anderem gegen die Hochzeit. Nicht nur, weil sie nicht in Gefangenschaft geraten will, sondern auch, weil sie einen Geliebten hat. Und zwar hat sie den, als sie mit ihrer Familie durch die Wüste gereist ist, hat seine, das ist, Schwarze Wolke heißt er, ein gefürchteter Bandit aus der Wüste. Und er hat die Karawane überfallen, mit der sie in der Wüste unterwegs war und hat ihr dabei einen Kamm gestohlen, den sie sehr geliebt hat. Und dann ist sie ihm hinterhergeritten, weil sie den Kamm haben wollte und sie konnte damals schon kämpfen. Und sie versucht dann, den Kamm wieder zu gewinnen und kämpft gegen ihn. Verliert dann aber nicht, eigentlich verliert sie auch nicht so wirklich.
Johannes Franke: Nein, sie verliert nicht wirklich.
Florian Bayer: Aber sie, auf jeden Fall kommt es dazu, dass er sie dann gefangen nimmt und er hat sie in der Höhle gefangen und er sagt, komm jetzt erstmal zu Kräften, er gibt dir was zu essen und zu trinken, damit wir weiter kämpfen können. Und wir haben hier natürlich so dieses Bild, dass der Kampf eigentlich so der Sexersatz ist. Ja, genau. Tatsächlich ein Motiv, was wir oft im chinesischen Film und auch im Wuxia-Film finden, dass Sex nicht wirklich explizit gezeigt werden darf und nur nicht mal angedeutet werden darf, weil die chinesische Filmzensur ist sehr stark. Es wird sehr viel, sehr viel weggekürzt und es gibt sehr viel Selbstzensur. Und die meisten RegisseurInnen haben sich irgendwie damit arrangiert und arbeiten drumherum. Es gibt in China ein ganz eigenes Filmgenre offensichtlich, in dem homosexuelle Liebesbeziehungen erzählt werden, ohne dass sie als Liebesbeziehungen erzählt werden und dass sie meistens mit so einer Pro-Mance enden. Aber alle, die das gucken, wissen ganz genau, wir haben hier ein Liebespaar vor uns, aber ja, es ist wie chinesische Zensur, Selbstzensur und so weiter und die KünstlerInnen haben da halt irgendwie drumherum geschrieben und drumherum gearbeitet, dass sie es trotzdem rausbringen können. Okay. Und das haben wir da halt, also der Kampf ist eigentlich der Sexersatz. Und ich bin total bei dir. Es ist komisch, ne? Er hat sie gefangen und dann haben wir so diese klassische, nervige Stockholm-Geschichte, dass sie sich dagegen wehrt, sie nimmt den, sie schafft es, den Kampf zu kriegen und kämpft dann gegen ihn und dann liegen sie auf dem Boden und wälzen sich und dann kommt sie natürlich zu dem Kuss und dann werden sie zum Paar. Ich fand, das war auf der Clip, ich fand, das war nicht so schlimm, wie es viele amerikanische Filme machen.
Johannes Franke: Ja, das stimmt vielleicht, aber trotzdem, ich will mich nicht am Schlechteren orientieren.
Florian Bayer: Ja, ich mochte tatsächlich diesen Twist, dass er wirklich gegen sie kämpfen will, weil er beeindruckt ist von ihrer Kampfkunst und dann ist ja diese wirklich süße Badezähne, wo er keinen Peak hat. Ich glaube, wir hatten in einer der letzten Episoden darüber geredet, über diesen netten Mojeur von nebenan, den so oft im Kino gibt. Genau, den netten Peeping Tom, den harmless Peeping Tom und er ist kein harmless Peeping Tom, weil er guckt wirklich nicht. Er sagt, ich lasse dir ein Bad ein und ich werde jetzt singen, damit du weißt, dass ich nicht in der Nähe bin und er geht dann tatsächlich raus und singt und wir sehen, er hat keine unährenhaften Motive, wenn man so will. Er will wirklich keinen Sex mit ihr, er will wirklich gegen sie kämpfen. Er weiß sich nicht genau. Er ändert aber natürlich nichts daran, dass wir hier natürlich so eine wirklich komische, toxische Beziehungsentwicklung haben. Ja. Um die der Film,
Johannes Franke: ja, da kommt er nicht so ganz raus. Bin ich bei dir. Also er könnte das kommentieren, tut er aber nicht. Also es ist einfach gesetzt. Ich finde es tatsächlich cool,
Florian Bayer: dass sie ihm kämpferisch überlegen ist, weil es macht ja auch Sinn, weil sie eine Mudankämpferin ist. Und tatsächlich die Momente, in denen sie besiegt, es ist dann einfach, weil sie mit der Wüste nicht klarkommt. Sie schafft es, ihn zu besiegen und flieht dann in die Wüste und läuft durch die Wüste und verdurstet fast und dann holt er sie wieder zurück. Ja. Fand ich ganz cool, dass sie ihn nicht als so einfach überlegen darstellen. Ja. Aber trotzdem, ja. Ich bin bei dir.
Johannes Franke: Hast du irgendein Problemfeld, das du besprechen möchtest, oder fandst du den Film 100 Prozent zu ... Gut, okay. Es gibt keine 100 Prozent bei dir.
Florian Bayer: Es gibt keine 100 Prozent. Tatsächlich, das Problemfeld, habe ich schon angesprochen, ich finde den Charakter des Jadefuchs, ihr wird so ein bisschen eine schwache Motivation gegeben. Ja, absolut. Und das wird auch irgendwie nicht aufgelöst. Ich fand es auch tatsächlich ein bisschen schwach, wie die Story dann so zu ihrem Höhepunkt kommt und dass sie dann nochmal Limu Bay vergiftet. Ich weiß nicht, ob das wirklich nötig gewesen wäre. Tatsächlich war für mich die Romanze zwischen Julien und Limu Bay die starke Romanze des Films, die ich irgendwie schöner fand. Ja. Als die zwischen, Jo, also der schwarzen Wolke und Zhao Long ist halt so eine sehr klare Romanze. Ja. Sie, das junge Mädchen aus feinem Haus, er, der wilde Bandit, sie will nicht mehr im feinen Haus sein. Sie will eigentlich mit ihm zusammen sein.
Johannes Franke: Es ist doch irgendwann
Florian Bayer: einwandweilig. Was willst du nicht mehr sehen? Es ist wirklich eine Stereotype-Romanze. Aber die zwischen Julien und Zhao Long, äh, zwischen Julien und Limu Bay ist wirklich toll, weil das so eine unausgesprochene Romanze ist und wir erfahren peu à peu im Film, dass sie offensichtlich seit Jahrzehnten unausgesprochen ist, weil er sich ein Gelübde gegeben hat, weil ihr Ehemann gestorben ist und er war ein, ein, ähm, Meister von ihm? Oh Gott, nicht ein Meister. ein Kampfgefährte von ihm, ne? Ja. Und er würde das als Betrug sehen, wenn er mit ihr jetzt was anfangen würde und sie haben beide Gefühle füreinander und ich finde das, um das noch mal zu betonen, das ist von, ähm, Michel Jo und, ähm, und Shou Yu und Fat total toll gespielt, wie sie zusammentreffen und so die ganze Zeit dieses subtile Nähe und gleichzeitig diese krasse Distanz, die irgendwie da ist in dieser, so eine professionelle Distanz. Ich fand das wirklich, ich fand das wirklich schön und das war für mich, das hat bei mir irgendwie so gewisse romantische Adern getriggert, ich weiß auch nicht, ich fand das wirklich, ich fand das wirklich schön und ich, es gab so Momente, wo sie einfach nur da sitzen und sich unterhalten und wirklich so steif nebeneinander und ich dachte, oh, ist das schön. Das ist vielleicht so ein bisschen verqueres Bild von Romantik,
Johannes Franke: was ich da habe, aber ich fand's toll. Also ich hab zwei Probleme mit der Entwicklung und Inszenierung dieser Geschichte, weil eigentlich, hast du recht, natürlich, wenn zwei Menschen voreinander sitzen, die sie, die einander lieben, von denen wir wissen, dass sie das tun und dann können die nicht zueinander wegen irgendwelcher moralischen Hürden, das ist natürlich, da sitzt man da vor, oh Gott, heißt das romantisch. Aber so würdevoll, wie sie das machen. Ja, natürlich. Normalerweise ist das so was immer so würdelos, weil die alle so verklemmt sind und so hilflos. Aber ich hab zwei Probleme damit.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Das erste ist, uns wird relativ schnell am Anfang von dem alten, von dem alten Typen, den sie besucht, glaube ich. Ja, dem Stoffhändler, ne? Von dem wird uns erzählt, dass die miteinander verliebt sind. Ja. Der muss uns das erzählen. Warum kann uns der Film das nicht so erzählen? Warum kann der Film uns das nicht über Blicke und so weiter erzählen? Was soll das? Bin ich absolut bei dir, war komplett unnötig.
Florian Bayer: Kann man einfach vergessen. Es funktioniert auch ohne diesen, ohne diesen Erklärbär. Der ist, der ist komplett blödsinnig, ja.
Johannes Franke: Und das zweite ist, ihre Blicke verraten das Ganze. Seine nicht. Nein. Da bin ich komplett anderer Meinung. Ganz, ganz lange habe ich nichts davon in seinem Gesicht gesehen. Wirklich nicht? Später ja, später ja. Aber ganz, ganz lange, bis ganz lange in den Film hinein habe ich von ihr immer wieder solche Blicke gesehen, von ihm nicht. Ich glaube, das ist nämlich das zweite Crouching Tiger Hidden Dragon
Florian Bayer: Moment des Films. Aha, ja, das stimmt vielleicht. Wie er diese Liebe zurückgehalten hat aus einem falsch verstandenen Ehrgefühl, aus einem selbst auferlegten Gelübde und so weiter. Und ich finde, man sieht in seinem Blick eine unglaubliche Spannung. Ich finde, die beiden haben echt eine krasse Chemie miteinander. Und das die ganze Zeit in diesem Rahmen, wo sie wirklich so steif und professionell
Johannes Franke: miteinander agieren. Ich finde, sie spielt das einfach besser als er.
Florian Bayer: Ich glaube,
Johannes Franke: sie spielt das einfach besser und er kriegt das nicht so hin, wie es soll.
Florian Bayer: Er spielt halt auch, er hat seine Rolle so klar definiert als der ehrwürdige Meister, der sehr steif ist und sehr förmlich ist in jeder Situation. Ich mag aber total diese erste zaghafte Liebeserklärung von ihm an sie, als er ihre Hand nimmt und sagt, ach, die Hand habe ich so lange nicht angefasst. Sie ist ganz rau und voller Schwelen vom Kampf.
Johannes Franke: Tolles Kompliment, oder? Aber das ist schon eine ganze Weile in den Film hinein. Da ist ja schon die Hälfte des Films rum, glaube ich, oder? Natürlich. Die Liebeserklärung
Florian Bayer: muss erst ganz am Ende kommen und dann kurz vorm Tod die richtige Liebeserklärung, wenn er in ihren Armen liegt und wir sehen, dass er stirbt.
Johannes Franke: Ja, das ist auch so ein Problem, was ich mit dem Film habe, ist dieses Heroische, was da drin steckt und diese Geschichte, die ich am Anfang zitiert habe, bei der ich mich echt zurückhalten musste, zu nicht die Ironie mit reinzuhauen, weil, alter, spring da runter und du wirst sterben, aber nein, du wirst davon fliegen und du wirst wissen, dass alles gut sein wird. Was ist das? Was soll das? Was ist das für ein... Johannes, das ist Poesie. Das ist nicht Poesie.
Florian Bayer: Diese Poesie schenkt uns eine der schönsten Schlusszählen der jüngeren Filmbeschichte, wenn sie da runterspringt. Nein. Doch, sie bringt sich um. Nein. Eindeutig. Nein.
Johannes Franke: Sie wird überleben. None|Nein. Sie bringt sich um. Sie fällt da einfach runter und gut ist. Platsch. Bleibt nur noch Rotes übrig. Nein.
Florian Bayer: Das ist nicht, was uns der Film erzählen will. Sie glaubt an die Magie. Der Film will uns gar nichts erzählen. Fuck you. Für alle, die neu eingeschaltet haben, es gibt einen ewig währenden Disput zwischen mir und Johannes, ob Filme einem etwas erzählen wollen.
Johannes Franke: Und Flor sagt immer, der Film kann nichts erzählen wollen. Der hat keinen eigenen Willen. Das ist nur das, was wir daraus machen. Und ich sage, Plor, der Film will nicht romantisch oder sonst irgendwas sein.
Florian Bayer: Okay, ich bin bei dir. Der Film will das nicht erzählen. Du erzählst das, aber wie du es erzählst, ist scheiße.
Johannes Franke: Nein, das ist, das hat mich von Anfang, gleich am Anfang, als diese Geschichte das erste Mal aufkam, was natürlich klar war, dass das am Ende sich auslösen müsste, dass sie das da einführen, weil sonst ist es ja sinnlos. dachte ich schon, ach du Scheiße, das ist ja eine Form von Romantisierung des eigenen, also Selbstmordromantisierung.
Florian Bayer: Das ist kein Suizid, was da stattfindet. Der Film liegt auch überhaupt nicht nahe, dass es um einen Selbstmord geht. Aber was ist es denn dann? Bist du in ernsthafter Meinung, dass die da wegfliegt einfach? Johannes, du hast doch gesehen, was die vorher gemacht haben. Die sind über Dächer geschwebt. Die haben auf diesem Baum gestanden. Glaubst du nicht,
Johannes Franke: dass sie auch so einen Sprung überleben könnte? Ja, aber wozu springt sie denn da? Also dann, okay, das heißt, Konsequenz ist, sie springt da runter, fliegt dann da runter, landet unten, ihr Wunsch wird erfüllt und sie springt wieder hoch zu ihrem Geliebten? Oder was ist das?
Florian Bayer: Nein, der Film ist genau an dieser Stelle im richtigen Moment vorbei. Ja, damit er nicht zeigen muss, wie sie aufklatscht und stirbt. Sie zeigt einfach, was ihr Herzenswunsch ist und sie hat sich entschieden. Das ist das Entscheidende. Sie war die ganze Zeit so unentschlossen. Sie war die ganze Zeit am Suchen und am Kämpfen. Ja, und hat alles... Sie ist weggerannt vor ihm. Sie hat totale Scheiße produziert,
Johannes Franke: weil sie nicht in der Lage war, mal sich zu entscheiden. Und jetzt hat sie sich entschieden und du sagst,
Florian Bayer: zu spät, zu spät. Dann fällt sie rund und klatscht auf den Boden.
Johannes Franke: Er hätte sich mal vorher überlegen müssen, was er da also zu einem Spoiled Bratis ist.
Florian Bayer: Liebe ZuhörerInnen, wir sind beim regelmäßig wiederkehrenden Zweikampf zwischen Flor und Johannes. Ding, ding, ding, ding. Und Johannes gewinnt. Von wegen. Ich schwebe davon und steche mit einem eleganten Stich mit dem grünen langen Schwert zu. Das war genau der Punkt, an dem der Film enden muss. Und man soll sich an so einem Punkt nicht fragen, wie geht's weiter. Man soll sich gar nicht fragen, ob sie stirbt oder ob sie nach oben schwebt oder sowas, weil das nicht relevant ist. Relevant ist, dass sie in dem Moment die richtige Entscheidung getroffen hat, dass sie überhaupt eine Entscheidung getroffen hat. Und das gibt ihr, der Film. Und das darfst du ihr nicht nehmen, indem du sagst, Das ist ein Selbstmord.
Johannes Franke: Ja, was ist, aber warum, der Film nimmt ja absichtlich so eine Situation. Also es ist, er hätte ja sonst auch nehmen können, um deinen größten Wunsch in Erfüllung zu bekommen, bla bla bla, musst du diesen Kilt nähen. Er hätte genauso konsequenzlos sein können, wie irgendwo runter zu springen. Das wäre aber bei weitem nicht so kräftig gewesen. Das wäre bei weitem nicht so stark gewesen. Und wir sehen doch auch den Blick von Wur
Florian Bayer: da am Schluss,
Johannes Franke: wenn sie springt. Wenn die Gefahr nicht besteht, dass sie stirbt?
Florian Bayer: Natürlich besteht die Gefahr. Daran besteht die Stärke. Okay. Daran besteht die Stärke. Die Stärke besteht in der Überwindung jeglicher Naturgesetze. Und das erzählt uns ja auch der Film, dass die Stärke darin besteht, die Stärke, die alle diese Kämpferinnen haben, besteht darin, dass sie es schaffen, Gesetze zu überwinden. Sowohl Naturgesetze als auch Menschengesetze.
Johannes Franke: Aber welche Überwindung ist es denn überhaupt dann noch, da runter zu springen, wenn du weißt, naja, ich komme ja sowieso wieder hoch. Es geht nicht um die Überwindung der Gefahr, sondern über die Überwindung der Gesetze, der Gesetzmäßigkeiten. Ja, aber das macht dir ja den ganzen Film über. Wo ist der Unterschied,
Florian Bayer: auf dem Bambusbaum zu stehen und da runter zu springen? Das ist doch deutlich mehr, als auf einem Bambusbaum zu stehen.
Johannes Franke: Wo?
Florian Bayer: Okay. Das sagt deine Erfahrung, ja? None|Ja. Also wenn du die Wahl hättest, einen Bambusbaum hochzuklettern und auf einem dünnen Ast zu stehen oder einen Berg mehrere Kilometer in die Tiefe zu springen, wofür würdest du dich entscheiden? Die Frage ist, was ist schöner? Stich.
Johannes Franke: Oh mein Gott. Okay, also, das sind meine Problemfelder. Aber ansonsten finde ich den Film natürlich sehr schön fotografiert und irgendwie hat er schöne Themen, auch wenn die Themen sehr, sehr plakativ teilweise formuliert werden. der Drang nach Freiheit durch ihre Person, wenn sie ein bisschen weniger Spoiled Bread gewesen wäre, wäre es vielleicht noch ein bisschen stärker gewesen, weil so natürlich irgendwie, naja, wie alt soll sie jetzt sein? Ich meine, sie hat ja schon Ewigkeiten ohne ihren Geliebten gehabt und der Geliebte, den hatte sie vielleicht dann mit 17, 16. Das heißt, sie muss jetzt irgendwie Ende 20 sein, damit das an genug her ist. Das Alter von den Figuren
Florian Bayer: ist so überhaupt nicht klar und ich glaube, das bleibt auch bewusst so ein bisschen schwammig, weil das gehört für mich auch so ein bisschen mit zu diesem Suspension of Disbelief fantastischen Rahmen dazu. Ja, ist richtig. Dass wir nicht wirklich wissen, wie lange dauert diese Geschichte von diesen einzelnen Figuren, was... Aber man darf sie auch wirklich nicht hinterfragen, weil sonst fängt man an,
Johannes Franke: sich irgendwo in den Rabbit Hole zu begeben, was nicht gut endet.
Florian Bayer: Das ist ein bisschen auch so, was der erste Star Wars Film macht, der hat ja seine fantastische Stärke auch dadurch, dass er einfach mittendrin in einem Geschehen startet und wir so nach und nach so ein bisschen entschlettert kriegen, was für Vorgeschichten es da gibt, ohne dass es zu sehr in die Tiefe geht. Ja. Das ist das, was dann halt natürlich das Expanded Universe mit allen weiteren Star Wars Filmen gemacht hat. Aber der erste Star Wars Film war ja nicht so angelegt und da wussten wir einfach nur, Obi-Wan Kenobi ist offensichtlich ein alter, weiser Mann. Lukes Vater hat offensichtlich in den Drohnenkriegen gekämpft und zusammen mit Obi-Wan Kenobi und ist dann gestorben wegen Darth Vader. Aber wir erfahren wirklich nur so, punktuelle Details und das reicht auch, weil dadurch bleibt die Welt lebendig und lädt natürlich auch zum Fan-Fiction-Gedöns ein, was voll Spaß macht.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Was in diesem Fall, bei diesem Film übrigens so ein bisschen schief gegangen ist, es gibt nämlich eine Fortsetzung davon. Oh, die muss ganz schlecht sein, oder? Ich hab sie nicht gesehen und zwar tatsächlich dachte ich so, wow, es gibt eine Fortsetzung von einem meiner Lieblingsfilme der frühen 2000er Jahre und dann hab ich die Rezension dazu gelesen und der wurde ja gnadenlos zerrissen und der soll wohl nur noch wirklich ein müder Abklatsch von diesem Film sein und dann hatte ich auch wirklich kein, nicht das geringste Bedürfnis,
Johannes Franke: mir den anzuschauen. Ich glaube, der wurde von dem Choreografen inszeniert.
Florian Bayer: Der Choreograf hat die Regie übernommen. Yen Wupeng hat die Regie übernommen von dem Film Crouching Tiger Hidden Dragon Sword of Destiny aus dem Jahr 2016.
Johannes Franke: Und Schauspieler des Originalfilms haben dann auch gesagt, wir machen da nicht mit, solange nicht der Originalregisseur dabei ist. Ja. Ang Lee,
Florian Bayer: um das vielleicht nochmal zu betonen, der ja diesen Film benutzt hat, um das asiatische Kino einem westlichen Publikum nahe zu bringen, was er geschafft hat tatsächlich. Der Film hat enorm abgeräumt. Das war der erste Martial-Arts-Film, der Oscar-nominiert war für den besten Film und er hatte sowieso unzählige Oscar-Nominierungen. Ang Lee selbst hat dann eine straighte Reise Richtung Hollywood angetreten. Er durfte den Hulk inszenieren in einer wirklich nicht guten Hulk-Verfilmung. 2003 vor Marvel Universe. Er hat danach allerdings einen Oscar-prämierten Film gedreht
Johannes Franke: mit Progbeck Mountain. Ah ja, genau. Ja. Krass, ne? Also es ist schon, der hat schon einiges auf seiner Filmografie-Liste stehen, wo man sagt, wow, okay, großartig.
Florian Bayer: Ja, der ist einfach in Hollywood angekommen. Life of Pi hat er inszeniert. Ah ja, stimmt. 2012. Und wenn man diesen Film sieht, dann kann man das auch verstehen, weil es ist, man sieht seine Wusia-Herkunft, aber es ist ein Film, der, also es ist nicht schwer nachzuvollziehen, dass der beim westlichen Publikum gut ankommt. Vielleicht würden sogar Wusia-Puristen sagen, das ist an ganz vielen Ecken und Kanten abgeschliffen. Das ist nicht das, wie ich das Genre sehe. Ja.
Johannes Franke: Weichgespült für den westlichen Markt. Keine Ahnung. Ich habe das Gefühl, dass ich von Wusia-Filmen normalerweise erwartet hätte, dass die Geschichte drumherum eigentlich nur eine Ausrede für die Kampfszenen ist. Das ist das, was ich erwartet habe, was ich gedacht habe, was solche Filme machen. Vielleicht machen die das auch. Ich weiß es nicht ganz genau, aber dieser Film macht es nicht. Ja. Dieser Film hat wirklich eine Geschichte drumherum, wo man nicht nur das Gefühl hat, ah, jetzt versuchen sie zum nächsten Kampf zu kommen. Ich glaube, was bei Wusia-Filmen wichtig ist,
Florian Bayer: ist so eine grundsätzliche Form von Eskapismus, die zum einen natürlich in den Kampfszenen liegt, aber auch eben in dem ganzen Drumherum. Es sind halt auch so das, was bei uns Historical Period-Dramas sind, Kostümfilme. Filme, die protzige Bauten haben, schöne Landschaften, schöne Kostüme, einfach eine verzaubernde Ästhetik und das hat dieser Film natürlich auch alles. ist für mich auch, also ich finde die Geschichte wirklich gut und rund, aber für mich ist der Star des Films die Ästhetik. Ja. Und ich finde, man merkt auch, dass sehr viel Geschichte drumherum geknüpft ist um diese schönen Bilder, aber das ist okay. Also das ist, ich mag Ästhetizismus und manchmal darf es auch einfach schön sein und muss nicht politisch sein und nicht gesellschaftskritisch. Ja.
Johannes Franke: Ich habe noch ein kleines Thema, was ich gerne ansprechen würde. Wir haben ja drei starke Frauenfiguren. Ja. Das heißt, das Frauenbild, dieses Films basiert vor allem auf dem Versuch, Frauen mehr, mehr Kraft und mehr Eigenständigkeit und vor allem auch Freiheit zu geben. Vor allem, weil unsere Hauptfigur nach Freiheit strebt und irgendwie dieses Schwert, ja, dieses Grüne, für Freiheit steht. Ja. Wer nimmt sich die Freiheit, wer nimmt sie ihr wieder weg oder versucht es und solche Sachen. Was ist mit dem Männerbild? Ist ja auch ein anderes als das, was ich im westlichen Kino sonst habe, zumindest in der Zeit auch. Ich habe nicht den muskelgepackten toxisch-männlichen Typen, sondern einen sehr bewussten, in sich selbst ruhenden Typen. Das ist natürlich auch dieser Gesellschaft irgendwie klar. Also es gibt schon seit Ewigkeiten dieses Idealbild von einem meditierenden Mann, der in sich ruht und jede Entscheidung bewusst trifft, was aber auch einen Problemfall aufmacht, finde ich. Ich war nämlich zuerst, habe ich gedacht, ah, das ist gut, das ist ein gutes Männerbild, ein neues Männerbild, was mir hilft. Aber es stimmt nicht ganz, weil die andere Seite ist, das Wegdrücken von Emotionen und das Unterdrücken von Wünschen und Träumen und auch kein guter Umgang damit, dass man mal wütend ist oder dass man mal traurig ist oder so. Das ist auch schwierig.
Florian Bayer: Da ist ja auf jeden Fall eine sehr traditionelle Männerfigur, die keine, wie du sagst, keine Emotionen zulässt und keine Ausbrüche zulässt. Wir haben ja auch tatsächlich in dem Loh, also Schwarze Wolke, haben wir ja auch eine, eigentlich eine Verkörperung von dem Männerbild, was du gerade kritisiert hast, weil das ist der Draufgänger in der Wüste, muskulös. Gut aussehen, verdammt gut aussehen.
Johannes Franke: Meine Güte, ist der sexy, oder? Ich weiß nicht, weiß ich nicht, kann ich nicht. Alter. Nicht ganz meins, glaube ich. Oh Mann, ich will auch gegen ihn kämpfen.
Florian Bayer: Kämpfen, ist das das Wort? Kämpfen in Anführungsstrichen? Mich darf er fesseln und in seine Wüstenhöhle schleppen
Johannes Franke: und ein Stockholm-Syndrom anleiern.
Florian Bayer: Ja, wir haben da definitiv diese, eigentlich schon diese traditionellen Männerbilder. Genau, er zeigt seine Emotionen nicht wirklich. Und selbst wenn er sie zeigt, ist das auch nur so, er vergießt keine Träne. Ja, es ist alles sehr, es ist natürlich auch voll attraktiv. Also er hat, er strahlt einfach so viel Würde aus. Ja, klar. Und ich mag auch tatsächlich so ein bisschen diesen Aspekt in der asiatischen Kultur, Emotionen nicht zu zeigen, sondern so, so sehr, sehr nach außen, sehr hart zu sein. Aber man sieht, wo das hinführt.
Johannes Franke: So Leute, die dann ausbrechen und die irgendwie Sachen machen, wo man echt sagt, oh, hättest du mal lieber dich ein bisschen um deine Emotionen gekümmert. Ein gesundes Verhältnis
Florian Bayer: zu seinen Emotionen ist es nicht. Wobei ich gebe ihm immer zumindest noch so den Benefit of the doubt, dass er seine Emotionen sehr wohl reflektiert, die allerdings nicht nach außen zeigt. Also so kann ich die Figur positiv lesen, weil er ist ja jemand, der sich sehr viel damit auseinandersetzt, mit seinen Emotionen. Also mit seinen Gefühlen für Julian setzt er sich auseinander. Er leugnet sie nicht. Er leugnet sie, er zeigt sie nicht nach außen, aber für sich selbst leugnet er sie nicht. Und seine Ängste und seine Sehnsüchte leugnet er auch eher nach außen. Naja, ich glaube, dass dieses Meditationsbild, was am Anfang entworfen wird, zeigt natürlich auch, dass er vielleicht versucht hat, die irgendwie zu verschließen und dass das nicht funktioniert hat. Und damit geht er ja auch sehr offen um, dass diese Meditation, die ihm einen größeren Blick verschafft hat, Angst macht.
Johannes Franke: Na, und das andere, was, deswegen finde ich das auch ein kleines bisschen im Gesamtkontext des Films problematisch, also es macht mir den Film nicht madig, aber es ist ein bisschen problematisch, weil das andere Extrem ist sie, das Mädchen, das ihren Emotionen stark freien Lauf lässt und die Konsequenzen sind devastating. Der Typ stirbt am Ende, weil sie nicht in der Lage war, ihre Emotionen und sich damit, also ist auch etwas, was ich jetzt die ganze Zeit kritisiere, dass sie dieses Spoiled Brat, diese blöde Kuh, sich mal ein bisschen hätte festlegen können.
Florian Bayer: Ich glaube, ich mag auch diesen Twist nicht, dass er stirbt und dass sie irgendwie dafür verantwortlich ist. Das finde ich auch nicht gut. Das ist irgendwie, ich glaube, das ist so ein bisschen ungerecht ihr gegenüber. Wobei es natürlich auch zu diesem tollen Moment auf den Berg führt, der kein Selbstmord ist.
Johannes Franke: Ja, aber das bedeutet doch, im Grunde sagt uns der Film doch, sie hätte viel eher ihre Emotionen unter Kontrolle kriegen müssen und hätte sie sich mal so, ne? Aber man muss sich auch mal, man muss ja auch mal ausbrechen können. Ja. Und das muss möglich sein. Und natürlich kämpft sie dafür, aber der Film gibt ihr nicht recht. Ja, sie ist schon so ein bisschen
Florian Bayer: unsere missverstandene Heldin und ich glaube, die Sympathien sind irgendwie am Schluss auch bei ihr. Sind schon da, ja. Und Julian verzeiht ihr ja auch offensichtlich. Es gibt ja diesen Moment zwischen ihnen, diesen sehr intensiven Moment, wo man das Gefühl hat, sie macht sie jetzt für den Tod verantwortlich und dann weicht sie aber zurück und gibt damit die Schuld quasi ab oder entschuldet sie oder wie auch immer man das lesen will. Ich finde, das ist da schon dann irgendwie auch rund und das funktioniert für mich auch. Ja, gut. Jetzt sind wir wieder bei Problemfeldern.
Johannes Franke: Ich finde den Film gut.
Florian Bayer: Ich mag den Film schon. Ich glaube, das war rauszuhören, dass der Film mir gefallen hat. Das freut mich auch total, weil ich glaube, Martial Arts ist so ein Genre, wenn man damit nichts zu tun hat, ist man grundsätzlich erst mal, wenn man hört, Martial Arts Filme abgeschreckt, bin ich auch. Ich bin kein Martial Arts Fan. Ich mag auch die alten Bruce Lee und Jackie Chan Filme nicht. Die sind mir immer zu viel, einfach zu viel Action und zu viel von Station zu Station, um dann nochmal eine Action-Szene zu haben.
Johannes Franke: Gerade Bruce Lee. Ja, gerade Bruce Lee. Das ist das Problem. Bei Jackie Chan, muss ich sagen, ist eine andere Sache. Ja, da gibt es den Humor. Der Humor macht so viel Wett. Ich finde es so großartig teilweise.
Florian Bayer: Und bei Jackie Chan ist es auch immer der Wow-Effekt. Ich glaube, bei Jackie Chan ist für mich der Genuss der Filme auch ganz stark auf einer Meta-Ebene, weil ich weiß, was dieser Mann alles selbst macht. Ja, ja.
Johannes Franke: Bruce Lee hat das auch alles selbst gemacht. Ja, aber nicht so lustig wie Jackie Chan. Genau. Und Bruce Lee hat immer diesen sehr minimalistischen Move drauf, der da ganz schnell irgendwas bewirkt und hat dann aber so ein verkrampftes Gesicht und ist dann so, ich weiß nicht. Deswegen konnte ich mit ihm nicht so viel anfangen, aber mit Jackie Chan durch seinen Slapstick-Ansatz und seine Möglichkeiten mit allen Requisiten, was der teilweise mit einer Leiter gemacht hat. Das ist so geil. Mit einer Klappleiter.
Florian Bayer: Das ist so großartig. Das sind auch die coolen Sachen von Jackie Chan. Nicht so sehr die Kampf-Szenen, sondern diese Stunt-Szenen, wo er irgendwie auf einem Teller balanciert, der von jemandem aus dem Auto gehalten wird, während das Auto eine Klippe runterstürzt. Das ist einfach super.
Johannes Franke: Ich glaube, wir bewegen uns ein bisschen auf unsere Top 3 zu. Ja, glaube ich auch. Oh, das hat sich organisch ergeben, Plur. Total. Das ist ja unglaublich.
Florian Bayer: Unsere Top 3. So, was hast du für eine Top 3, Plur? Top 3-Kampf-Szenen muss natürlich sein bei diesem Film und auch, weil dieser Film natürlich regelmäßig genannt wird, wenn es um die besten Kampf-Szenen geht. Es ist so unglaublich,
Johannes Franke: was die an Choreografie haben. Ich muss es nochmal sagen, dieser Kampf zwischen den beiden Frauen in dieser Arena oder was das ist, dieser Hof, es ist unglaublich, was für eine Geschwindigkeit die drauf haben, wie das für Effekte durch die einzelnen Instrumente, die sie sich nehmen, also Kampfinstrumente, die sie sich nehmen, erzeugt werden. Es ist so großartig. Es ist unglaublich. Und es hat nichts, für mich, nichts mit Kampf, wer ist der Stärkere zu tun, sondern für mich hat es wirklich, es ist ein Musical. Es ist ein Musical, das Ding. Und es sind halt Kampfsthemen, statt das gesungen wird, aber es ist Choreografie und es ist großartig.
Florian Bayer: Es ist wirklich unglaublich. Tatsächlich mag ich das, nach dieser Kampfszene gibt es ja nochmal die Begegnung zwischen Julian und Xiaolong, wo sie in ihrem, wo sie im Wohnzimmer sind, des Gouverneurs, und Xiaolong ist dabei, Kalligrafie zu machen. Ja. Und dann sagt Julian nochmal, oh, Kalligrafie ist sehr schwierig und um das zu können, muss man, das ist, braucht man dieselbe Gewandtheit wie beim Kämpfen. Und wir sehen halt einfach, wie sie diese Pinselstriche macht auf dem Papier. Und das ist so die Herangehensweise des Films am Kampf. Und es ist halt auch einfach eine schöne Szene, einfach nur zu sehen, wie der Pinsel über das Papier wandert und diese Striche macht. Ja. Also das ist super. Absolut. Aber jetzt andere Kampf-Szenen. Kampf-Szenen. Und ich habe tatsächlich auch nicht, ich habe keinen einzigen Martial-Arts-Film drin. Ah. Ich habe einige Honorable Mentions. Mhm. Ich weiß nicht,
Johannes Franke: wo stehst du? Hast du Honorable Mentions? Ich habe, ja, aber ich muss mich noch entscheiden, was ich dann reinwerfe. Und das heißt, die Honorable Mentions kommen wieder am Schluss. Okay, ich würde gerne
Florian Bayer: eine Honorable Mention bringen, die, die, die muss einfach sein. Und die ist eine Honorable Mention, weil es wirklich was total Bizarres ist. Kennst du die Serie Family Guy? Ja. Die Zeichentrickserie. Ja. Es gibt in dieser Serie so eine, in den älteren Staffeln, ich weiß nicht, ob sie das später immer noch gemacht haben, gibt es so ein wiederkehrendes Segment und zwar der Chicken Fight, wo der Protagonist Peter, ein, quasi eine Karikatur von Hummer Simpson, also Family Guy wurde auch immer vorgeworfen, dass sie die Simpsons kopieren. Ich glaube, sie sind eher eine Parodie darauf. Ja. Sich mit einem Huhn anlegt. Und zwar geht es darum, glaube ich, also der Ursprung ist eigentlich, dass er einen Gutschein hat von dem Huhn, also es sollte, soll, glaube ich, ein Mensch in einem Hühnerkostüm sein, aber dann ist es ein echtes Huhn. Okay. Und dieser Gutschein ist abgelaufen, ich kriege es nicht mehr so 100% zusammen und dann ist er so wütend, dass er dieses Huhn angreift und dann kämpfen die. Okay. Und dann gibt es eine Szene, die dauert zwei Minuten, wo die kämpfen und zwar durch die gesamte Stadt, die rollen über die Straßen, die fallen durch Kaufhäuser. Es ist total übertrieben. Okay. Wegen dieser Sache. Und dann ist der Kampf vorbei und Peter geht weg und das Huhn liegt vermeintlich tot auf dem Boden und bewegt sich dann nochmal. Und dann gibt es dieses Segment, das kehrt dann wieder. Es gibt insgesamt vier, fünf Chicken Fights in dieser Serie und zwar vollkommen unerwartet. Die gehen über die Straße und plötzlich kommt das Huhn angerannt und greift ihm an und wir haben wieder so eine Kampfsequenz. Okay. Und die gehen dann teilweise bis zu fünf Minuten. Wow. Und das bei einer Serie, wo eine Episode 25 Minuten dauert.
Johannes Franke: Ja, krass, Mann.
Florian Bayer: Das heißt, die haben einfach mal so ein Fünftel oder nicht sogar mehr von der Episode einfach nur für diese Chicken Fights draufgelegt. Es ist fantastisch. Selbst wenn man die Serie nicht mag, weil es so over the top ist und weil wir einfach so einen Kampf Mann gegen Hahn haben durch die halbe Stadt. Schaut euch das an. Bei YouTube findet man die. Ich zeige es dir nachher.
Johannes Franke: Wenn wir mit der Episode fertig sind,
Florian Bayer: muss ich dir mal ein Chicken Fights zeigen.
Johannes Franke: Auf jeden Fall. Ja, ich habe von Family Guy habe ich nicht so wahnsinnig viel gesehen. Es gab ein paar gute Sachen, die ich gesehen habe, die ich tatsächlich, wo ich gesagt habe, jetzt muss ich mir die Serie doch mal anschauen und dann habe ich aber leider wieder im nächsten Moment was gesehen, wo ich gedacht habe, oh nee, und ekelhaft und bäh. Und dann wollte ich es dann noch nicht mehr. Okay. Naja.
Florian Bayer: Willst du einfach mal mit deinem Platz 3 anfangen? Ich habe, pass auf, weißt du was, ich packe meine Honorable Mentions auch an den Schluss, dann können wir uns gleich entgegenwerfen. Ja, sehr gut. Und dann besteht nicht so die Gefahr, dass ich dir vielleicht doch noch einen aus der Top 3 mit einer doofen Honorable Mention wegnehme. Sehr gut.
Johannes Franke: Das machen wir jetzt zur Tradition, okay? Ja. Ich hätte auf Platz 3 die Hallway-Fight-Scene von Oldboy, den wir gesehen haben. Wo er da... Echt?
Florian Bayer: Dafür? Dafür mache ich die Honorable Mentions weg, damit du mir meinen Platz 1 wegnimmst. Das ist dein Platz 1? Das ist mein Platz 1. Erzähl weiter.
Johannes Franke: Ja. Oh mein Gott. Okay. Nein, ich habe sie nur auf Platz 3, weil es natürlich, ich muss noch in andere Richtungen gehen. Aber das bedient auch so ein bisschen das Genre, in dem wir uns gerade bewegen. Asiatische Kampfszenen, die irgendwie auch wirklich sehr, sehr hart durchchoreografiert sind. Aber kein Martial Arts, ne? Kein Martial Arts, das stimmt. Es ist viel zu roh und dreckig dafür. Absolut. Aber er kämpft sich durch diesen langen Flur, wo so Dutzende von Menschen versuchen, ihn aufzuhalten. Und er kämpft sich da so durch. Und das Geile an der Szene ist, dass es größtenteils aus so einer, ich sage mal, auktorialen Perspektive erzählt. Also man sieht in der Kamera in einem engen Flur, aber so weit weg, dass dieser enge Flur einmal so als totale zu sehen ist von der Seite. Und er bewegt sich halt so von links nach rechts durch den Flur durch. Ich würde es die Super Mario Perspektive nennen.
Florian Bayer: Ja, ja. Sehr gut. Der Raum wirkt nämlich wirklich zweidimensional im Moment. Und wie in so einem klassischen Beat-em-up-Street-Brawler im Videospiel muss er von links nach rechts und gegen diese Typen kämpfen. Das ist großartig. Das ist wirklich eine krasse Szene. Super Szene. Aus dem Jahr 2003 Oldboy. Es ist vor allem auch so eine geile Szene, weil sie realistisch ist. Normalerweise haben wir ja oft diese Kampf-Szenen, wo einer gegen viele kämpft.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wo man das Gefühl hat, die warten alle drauf, dass sie ihren Einsatz haben. Es macht keinen Sinn. Alle stehen im Kreis um ihn herum und einer nach dem anderen. Anstatt, dass alle draufkloppen und ihn fertig machen. Und hier macht es natürlich Sinn, weil der Flur wirklich so eng ist, dass die können nur nacheinander angreifen. Ja. Und trotzdem kommen sie von vorne und von hinten und er kriegt auch ordentlich was ab.
Johannes Franke: Ja, er sieht furchtbar aus am Ende. Ja. Aber er ist wirklich gut. Das ist eine gute Szene. Sehr gut choreografiert und man kommt da sehr gut mit. Ja.
Florian Bayer: Super, dann nehme ich dir jetzt deinen Platz 1 weg. Mein Platz 3 ist The Princess Bride aus dem Jahr 1987. Hab ich's?
Johannes Franke: Nein. Verdammt. Aber ich hab überlegt.
Florian Bayer: Ich hab drüber nachgedacht. Die Brautprinzessin zu Deutsch. Ja. Das Buch ist besser als der Film. Das Hörbuch. Definitiv. Das Hörbuch ist besser als das Buch. Als Buch, ja. Aber der Film hat auch seine Stärken von Rob Reiner. Und zwar Fantasy, Schnickschnack. An den Klippen des Wahnsinns. Und dann gibt's diese eine Kampfszene an den Klippen des Wahnsinns, wo ein Kämpfer, der Inigo Montoya heißt, dass der dafür begrümmt ist, ein toller Kämpfer zu sein, kämpft gegen den Unbekannten, der sich später als unser Held herausstellt. Der Schwarze. Und Inigo Montoya stellt fest, dass der gut kämpfen kann und denkt dann, naja, dann spiel ich noch ein bisschen mit ihm und kämpfe mit der linken Hand. Ja. Weil er ist eigentlich Rechtshänder. Und dann kämpfen sie halt gegeneinander und dann sagt er irgendwann, ha, aber ich bin Rechtshänder. Und dann, ohne es ihm scheinbar überlegen und dann sagt der andere, aber Moment, ich hab dir auch was nicht verstanden. Och, Rechtshänder. Und wechselt dann auch.
Johannes Franke: Das ist so großartig. Aber ich, bei mir überschattet immer die Erfahrung des Hörbuchs alles andere. Und ich find den Film, nur deswegen glaube ich, so großartig, weil ich das Buch so großartig finde. Der Film ist gar nicht so richtig gut. Der Film hat ganz viele Schwächen.
Florian Bayer: Vielleicht sollten wir den Film mal besprechen. Der ist aus dem Jahr 1987. Ja. Und in den USA gilt er als absoluter Fantasy-Film-Klassiker. Jeder in den USA liebt diesen Film. Und ich hab ihn sehr spät gesehen. Ich hab zuerst das Buch gelesen, zuerst das Hörbuch gehört, dann das Buch gelesen. Und dann haben wir, glaube ich, sogar zusammen den Film geguckt. Kann sein, kann wirklich sein.
Johannes Franke: Und ich hab ihn neulich erst wieder gesehen.
Florian Bayer: Wir saßen so ein bisschen fassungslos davor, welche Entscheidung der Regisseur getroffen hat, vor allem, dass er diese Meta-Ebene sehr, sehr, sehr rausgenommen hat. Weil das Buch ist so toll, weil es eigentlich eine Satire auf Fantasy-Geschichten ist. Es ist so großartig. Weil es diese geile Meta-Ebene hat, dass ein alter Autor ein Buch findet, das sein Vater ihm vorgelesen hat und will das dann seinem Sohn nahe bringen und stellt dann fest, dass das total langweilige Stellen hat, die sein Vater einfach übersprungen hat.
Johannes Franke: Das ist so schön. Die gekürzte, leicht gekürzte Fassung, die Ausgabe der spannenden Stellen oder sowas, der spannenden Teile. Und es ist so schön, die Erfindung einen anderen Autoren zu nehmen und zu kürzen und die spannenden Teile rauszugeben. Ich find's großartig. Und das Geile ist,
Florian Bayer: der Autor William Goldman referiert dann auch auf die unspannenden Teile und sagt dann, okay, und jetzt kommen noch 50 Seiten, wo einfach nur die Kleidung besprochen wird. Das ist offensichtlich eine Gesellschaftskritik, die mein Vater wohl wissen, dass das total nervig ist, einfach übersprungen hat. Und im Film geht das so ein bisschen verloren. Ja. Weil der Film traut sich nicht,
Johannes Franke: diese Meta-Ebene aufzumachen. Ja. Und auch die Inszenierung streckenweise haut auf daneben. Aber dieser Kampf an den Klippen des Wahnsinns ist einfach legendär. Also ich find den wirklich jedes Mal hab ich sehr warme Gefühle dafür. Weil die beiden Kämpfenden auch noch sehr viel Sympathie füreinander entwickeln. Ja. Während des Kampfes. Und sie müssen jetzt gegeneinander kämpfen. Ja, tut mir leid. Sorry, dass ich dich töten muss, sagen die immer gegenseitig.
Florian Bayer: Ja. Und sie sind so höflich zueinander.
Johannes Franke: Und sie gönnen sich sogar eine Pause. Ja, genau.
Florian Bayer: Gerade diesen Moment, wo sie sagen, okay, jetzt machen wir mal kurz eine Pause und dann unterhalten sie sich noch nett. Ja, und dann geht's weiter.
Johannes Franke: Es ist so toll. Ich find's wirklich schön. Auch dieser Plottwist, dass beide dann die Hände noch wechseln und sagen, ich bin eigentlich Rechtshänder. Das ist schön. Ja. Dein Platz zwei. Mein Platz zwei ist, jetzt muss ich mich entscheiden, ich würde gerne die Darth Maul-Lightsaber-Scene in Star Wars nehmen. Oha, ja. Vor allem, ich weiß gar nicht, wie ich die heute beurteile, aber damals hat sie sehr viel Eindruck auf mich gemacht. Ich kannte vorher andere Lightsaber-Scenes und fand sie größtenteils langweilig. Und gerade deswegen, weil ich die vorher langweilig fand, war ich davon besonders beeindruckt. Weil das wirklich spannend war. Also, du sitzt im Kino als Jugendlicher oder weiß ich nicht mehr, wie alt war ich? Keine Ahnung. Jugendlich. Und dann hat er sein normales Schwert und plötzlich macht es Klick und auf der anderen Seite kommt noch so ein Ding und er hat das Doppelding und dann geht es los. Oh mein Gott. Und dann haben die wirklich gut choreografiert,
Florian Bayer: finde ich. Wirklich eine spannende Kampfszene. Star Wars Episode 1 1999, die oft verhasste, mittlerweile so ein bisschen rehabilitierte Prequel-Triologie von George Lucas. Ich habe keinen Star Wars Film in meiner Liste. Wenn ich einen Star Wars Film nehmen würde, würde ich wahrscheinlich die Kampfszene aus Episode 6 nehmen. Wenn der letzte Kampf zwischen Luke Skywalker und Darth Vader, wo dieser Konflikt zwischen ihnen ausgetragen wird, Darth Vader will, dass Luke auf die böse Seite wechselt, Luke will, dass Darth Vader auf die gute Seite wechselt, Luke will eigentlich nicht kämpfen, der Imperator steht zwischen ihnen und will ihn dazu bringen zu kämpfen und versucht seine dunklen, hasserfüllten Emotionen zu wecken und der Kampf hat einfach unglaublich viel emotionale, zwischenmenschliche Spannung neben der eigentlichen Choreografie. Und tatsächlich bin ich auch ein Fan von den alten Star Wars Kämpfen eher als von den neuen, weil ich mag diese zurückhaltende Choreografie. Wenn wir zum Beispiel den Kampf sehen, den ersten Kampf zwischen Obi-Wan Kenobi und Darth Vader, den ersten Lichtschwertkampf überhaupt in der gesamten Filmreihe, da passiert nichts, außer dass sie hin und wieder die Schwerter kreuzen. Das ist aus Choreografie-Technik eine Katastrophe. Aber da steckt so viel Spannung drin, weil sich so zwei Meister gegenüberstehen und wir wissen, die müssen nicht viel zeigen, dass ich das jederzeit dem Darth Maul-Duell, was choreografisch wirklich spannend ist, auch mit diesen Türen, die dann schließen. Ja, ja, genau. Ich ziehe das trotzdem diesem Duell vor. Okay, verstehe. Mein Platz zwei, ganz andere Richtung. Eastern Promises tödliche Versprechen von David Cronenberg aus dem Jahr 2007, wo es um einen harten Hund geht, einen Russen, der in London für die Mafia arbeitet, aber eher so kleine Aufträge macht. Er ist eigentlich Fahrer für die Mafia und er gerät und er gerät dann in so einen Strudel, in dem er befördert wird in der Hierarchie, dann auch etwas schlimmere Sachen machen muss. Eigentlich ist er ein verdeckter Ermittler. Spoiler, Entschuldigung. Du hast jetzt die ganze Zeit drum rum gedruckst. Es muss gesagt werden, weil irgendwie kommt ihm dann niemand auf die Schliche und dann gibt es einen Kampf in einer Sauna, wo er eigentlich einen Kontaktmann treffen will und dann wird er angegriffen und dann gibt es einen wirklich brutalen und rohen Kampf zwischen nackten Männern in der Sauna und dieser Kampf hat aber keine Körperästhetik. Also Körper spielen eine primäre Rolle, der nackte Körper, aber die werden nicht romantisiert und nicht ästhetisiert, so wie man sonst in Kämpfen findet, sondern sie werden in ihrer ganzen Brutalität gezeigt, was sie miteinander was sie gegeneinander tun können, was menschliche Körper sich gegeneinander anrichten können und es ist wirklich dadurch eine unglaublich intensive und auch schmerzhafte Kampfszene. Ich glaube, ich habe niemals eine Kampfszene sonst gesehen, die mich so stark hat mitfühlen lassen, im wahrsten Sinne des Wortes physisch wie diese. Okay, krass.
Johannes Franke: Okay, mein Platz 1, die finale Szene von Kommando, Schwarzenegger. Let off some steam. Nein, Nein, okay.
Florian Bayer: Aber das ist eine geile Honorable Mention. Wenn ihr mehr über Kommando wissen wollt, den habe ich Johannes in der Frühzeit unseres Podcasts gegeben und Johannes war sehr schockiert darüber, was für 80er Jahre Trash-Action-Filme ich mag. Der beste Schwarzenegger-Film, der je gemacht wurde. Ach du Scheiße. Die Quintessenz des Schwarzenegger-Action-Kinos.
Johannes Franke: Okay, Schmerz beiseite. Nein, Platz 1 ist bei mir und das ist wieder ganz, geht wo ganz anders in eine ganz andere Richtung. Charlie Chaplin, Modern Times, die Boxszene. Ah, süß. Ich muss, ich kann meinem Herz nicht anders folgen. Ich muss eine typische Johannes-Filmszene nehmen. Charlie Chaplin, ich liebe ihn und wir haben uns ja Modern Times angeschaut und da gibt es diesen Boxkampf, der mit dem Film an sich nicht viel zu tun hat, der aber dann irgendwie einfach zwischendurch passiert,
Florian Bayer: weil er irgendwie geht. City Lights war das, oder?
Johannes Franke: Achso, nicht Modern Times, genau, City Lights, Entschuldigung. Ich bring die ganzen Filmentitel durcheinander. Nein, Modern Times. City Lights. Er will einfach Geld sammeln für seine Freundin, für seine blinde Freundin. Er geht in den Boxkampf und er kann eigentlich nicht kämpfen und er sieht auch sehr erbärmlich aus dabei und es gibt eine ganz wundervolle Slapstick-Szene, wie er versucht, dem Kampf mehr zu entweichen als alles andere. Auch mit diesem klassischen Trope,
Florian Bayer: genau, der schwache Kämpfer, der dem starken Kämpfer entrinnen will und nicht wirklich kämpfen will und dann wirklich alberne Bewegungen macht und dann am Schluss trotzdem wie auch immer triumphiert. Nee, ich glaube, er triumphiert nicht.
Johannes Franke: Er triumphiert nicht mal in dem Film. Ich glaube, oder?
Florian Bayer: Ach nee, er wird K.O. gehauen. Er wird K.O. gehauen. Das war ziemlich schnell.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil oft haben wir es dann ja so, dass die starken Typen
Johannes Franke: sich einfach selbst K.O. hauen. Ja, ja, genau. Nee, nee, da ist Chaplin schon realistisch genug. Obwohl Chaplin selbst tatsächlich guter Boxer war. Der hat auch einige Kämpfe gewonnen. Sieht man auch in dieser Szene, ne? Also er kann dieses tänzeln. Er kriegt das gut hin.
Florian Bayer: Aber er sieht erbärmlich aus. Das ist beeindruckend. Ja, das stimmt. Okay, ich muss einen anderen Platz 1 nehmen, weil Oldboy hatten wir ja schon. es tut mir so leid. Dann nehme ich einfach meinen Platz 4 von den Honorable Mentions. Monty Python and Holly Crail. Die Ritter der Kokosnuss. Der Kampf von Arthus gegen den Black Knight. Natürlich. Ich glaube, also Johannes Lachen sagt schon alles. Ich glaube, ich muss nicht viel sagen zu dieser Szene. Die kennt wahrscheinlich jeder.
Johannes Franke: Ja. Wird ihm der Arm abgeschlagen. Ah, natürlich ist es nur eine kleine Wunde. Kämpf weiter, kämpf weiter. Wird ihm der zweite Arm abgeschlagen. Kein Problem, kein Problem. Kratz dich mal.
Florian Bayer: Ach, das ist doch nur eine Fleischwunde. Bisschen zum Höhepunkt, weil er dann wirklich ohne Arm und ohne Beine auf dem Boden liegt und sagt, einigen werden uns auf unentschieden.
Johannes Franke: Großartig. Okay, ja, das ist dein Platz 1.
Florian Bayer: Okay,
Johannes Franke: das ist eigentlich meine Honorable Mention Platz 4, aber jetzt ist es mein Platz 1. Ich habe noch eine Honorable Mention und zwar Indiana Jones auf dem Marktplatz. Peng? Ja, None|genau. Der Typ, der mit seinem Schwert da sonst was anstellt, dass er in der Gegend rumwirbelt und sich auf den Kampf mit Indiana Jones vorzubereiten und in die zieht einfach die Pistole und schießt ihn nieder und geht wieder. Und Fun Fact,
Florian Bayer: Situation needed, ich weiß es nicht 100%, aber ich glaube, es ist improvisiert. Harrison Ford hatte keinen Bock
Johannes Franke: und hat dann einfach geschossen. Er war krank und er wollte diese ganzen, er war so krank, dass er irgendwie dachte, oh, jetzt noch diese ganze Kampfszene, irgendwie keine Lust, nee, komm, lass uns das anders machen und hat das dann vorgeschlagen und es ist echt, es war im Drehbuch, dass sie echt lange kämpfen sollen.
Florian Bayer: Ja, und es ist so viel besser dadurch, aber es ist auch ziemlich grausam. Indiana Jones ist ein kaltblütiger Mörder, ne? das stimmt, muss man sagen. Aber ist ja auch, ist ja auch Han Solo, der schießt ja auch als erstes den Namen wie du...
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Han Solo schießt als erstes.
Johannes Franke: Flo, lass uns nicht noch dieses Feld aufmachen,
Florian Bayer: sonst gehen wir raus und prügeln uns. Ich hätte noch die Kampfszene aus Inception in einem Hotel, wo wir uns in einem Traum, in einem Traum befinden. Das ist so großartig, diese Hallway-Szene. Genau. Wahnsinn. Und zwar ist der Twist in dieser Szene, dass sie in dem Übertraum in einem Auto sitzen, das gerade eine Klippe runterstürzt und deswegen dreht sich alles. Ja. Und dann dreht sich auch dieses Hotel, während sie da kämpfen und die ist tatsächlich, also sie ist von der Ästhetik, ist sie gar nicht so weit weg von Matrix oder von Tiger and Dragon, weil es auch darum geht, dass die Schwerkraft sich auflöst, dass alles so im fantastischen Rahmen stattfindet und dann fliegen sie durch diese Hallway und kämpfen da. Und du weißt auch,
Johannes Franke: wie sie das gemacht haben technisch, oder? Waren es nicht auch Drahtseiler? Nein, nein, um Gottes Willen. Das ist großartig. Es gibt einen ganz tollen Film von Fred Astaire, wie er in seinem Hotelzimmer ist und dann verliebt ist und dann tanzt er natürlich, weil es Fred Astaire, und er tanzt die Wand entlang, dann auf die Decke, dann wieder die Wand runter und so weiter. Der tanzt im ganzen Raum alle Wände und Decken entlang. Und das Ganze ist entstanden dadurch, dass sie das Set so gebaut haben, dass sie es drehen konnten. Ein Hexenhaus. Ein Hexenhaus. Und das ist der eigentliche Ursprung, glaube ich, dieses Hexenhaus-Konzept. Die haben den ganzen Raum getreten.
Florian Bayer: Das heißt,
Johannes Franke: die haben die Hallway-Scene so gedreht, dass sie den Flur einmal nachgebaut haben, im großen Studio und das Ganze auf einem drehbaren Set. Das heißt, die haben die einmal um sich selbst gedreht. Großartig. Und die Kamera ist mitgedreht, damit man nicht sieht, dass es sich dreht. Ja. Und das ist der Hammer. Das heißt, die haben das wirklich choreografiert auf einer sich selbst, um sich selbst drehenden Kugel, also so einem Kubus. Fantastisch. In so einem Kubus. Und das ist der Hammer.
Florian Bayer: Der Wahnsinn. Okay, auch ohne Wissen, wie es technisch gemacht ist. Großartige Szene, aber mit dem Wissen nochmal ein ganzes Stück beeindruckender. Ich hatte noch eine letzte Ordnung über Menschen und das ist ganz banal, um doch noch ein bisschen Martial-Arts zu nennen. Kill Bill. Die Pride gegen die Crazy 88. Tolle Kampfszene, eine gegen viele. Ja. Muss man nicht viel dazu sagen. Wer sehr ausgedehnte Schwertkampfszene mit viel Blut und abfallenden Körperteilen mag, der wird hier Freude haben.
Johannes Franke: Mit Pumpen, die riesige Blutfontänen herzeugen von Leuten, die geköpft werden. Das ist absurd. Naja. Okay, aber trotzdem gut, choreografisch auch sehr gut. Okay, das war unsere Top 3, ne? Ja, das war unsere... Uh, das war sie.
Florian Bayer: Das war unsere Top 3.
Johannes Franke: Und zurück in den Film. Haben wir noch was zu sagen, Plur? Ich glaube, ich bin ausgespielt.
Florian Bayer: Großartiger Film, tatsächlich nicht der erste Wusia-Film, den ich gesehen habe, um das vielleicht noch kurz historisch einzuwerfen. Ich habe, ohne zu wissen, dass es dieses Genre überhaupt gibt, habe ich Anfang der 90er Chinese Ghost Story gesehen, der auch zu dem Genre gezählt wird, der auch tatsächlich ein schöner Film ist, aber deutlich mehr Fokus auf das Fantastische legt und deutlich weniger Fokus auf den Kampf. Und ich glaube, selbst mit dem, selbst als ich damals dann Tiger and Dragon gesehen habe, war nicht mein Gedanke, oh, der ist ja wie die Chinese Ghost Story. Ich habe den im Kino gesehen und ich war hin und weg. Das war, und deswegen würde ich sagen, es war eigentlich meine erste, meine erste Erfahrung mit dem Genre und danach habe ich diese ganzen Renaissance-Filme, die dann rauskamen, die habe ich geguckt und es war keiner dabei, der mich irgendwie so beeindruckt hätte, wie Tiger and Dragon. Allerdings habe ich jetzt in Vorbereitung auf diese Episode nochmal gedacht, ich sollte doch mal ein paar von den Klassikern gucken. Es gab offensichtlich so ein paar Phasen des Wussier-Films, eine Frühzeit, wirklich noch Stummfilme, ein goldenes Zeitalter, eine New Wave in den 80ern und dann eben diese Renaissance durch Tiger and Dragon und Konsorten. Und ich glaube, ich sollte mal irgendwann in die 50er, 60er oder 70er springen und mal was aus diesem goldenen Zeitalter gucken. Okay.
Johannes Franke: Ja, das ist sowieso. Unser Podcast, unser ganzes Zeug, was wir hier machen, inspiriert mich ja auch immer wieder, Filme mal aus neuen Perspektiven zu gucken oder neue Filme aus alten Genres, die ich schon abgeschrieben habe, nochmal reinzuschauen, weil das alles, es gibt so viele Schätze da draußen, die ich nicht kenne. Inklusive diesem hier, wo ich nie von alleine drauf gekommen wäre, weil ich nie gedacht hätte, dass mir Martial Arts irgendwas sagt. Also bis auf so ein paar Jackie Chan Sachen, die ich einfach lustig fand, weil die wirklich gut choreografierter Slapstick sind und in diesem Falle einfach eine Ästhetik, in die man sehr schnell reinkommt, die erstmal so ein bisschen zum Kichern ist, weil die da halt in der Gegend rumschweben an Drähten, aber die eine ganz eigene Ästhetik herstellen, die wirklich, wirklich, wirklich sehr, sehr schön ist. Und ich möchte enden mit einem weiteren Zitat, weil ich mit einem Zitat eingestiegen bin. Darf ich noch einmal kurz sagen, yes,
Florian Bayer: eine erfolgreiche Episode, Horizont erweitert und sogar Geschmack getroffen.
Johannes Franke: Ich kriege ein Sternchen. Ja, du kriegst ein Sternchen und ein Bienchen. Das Zitat, mit dem ich enden möchte, ist, in dem ersten Entwurf, den der Regisseur von seinem Drehbuch hatte, stand natürlich zu den Kampfszenen einfach nur, hier, bitte Kampf einsetzen. Also, es stand nicht drin, wie die aussehen werden oder sowas. Und das hat ihm anscheinend Sorge gemacht, weil er seinen ersten Draft Leuten zeigen wollte und hat reingeschrieben folgendes. You will note in the script that none of the fight scenes are described and I will just inform you now that they will be the greatest fight scenes ever in the history of cinema. Period. Ich find's so süß. Toll. Es hat geklappt. Und irgendwie, vielleicht hat er sogar recht. Vielleicht hat er wirklich recht. Ich find die großartig. Die haben eigene, ganz eigene Ästhetik, die wirklich, wirklich toll ist. Die nichts mit blöden Haut drauf zu tun haben, sondern einfach mit Kunst. None|Ja. Sehr schön.
Florian Bayer: Vielen Dank, Flore. Danke, Johannes. Wenn ihr wissen wollt, was nächste Woche drankommt, wir haben nächste Woche unsere 70. Episode, eine Very Special Episode. Wir haben nämlich wieder einen Gast, aber dazu gleich mehr. Bleibt dran. Und ansonsten euch eine schöne Woche. Vielen Dank, Johannes, nochmal. Vielen Dank euch fürs Zuhören und wir hören uns. Bleibt gesund und bis zum nächsten Mal.
Johannes Franke: Ciao. Tschüss.
Florian Bayer: Wollen wir mal das Abro aufnehmen? Also Episode vorher. Wir machen eine kurze Markus' Introduction und Markus sagt, welchen Film er für uns hat nächste Woche.
Johannes Franke: Ja, aber ich muss nur sowas sagen. Nicht irgendwie, wer alt ich bin. Nein, nein, nein. Was ist deine Lieblingsfarbe? Magst du Ponys?
Florian Bayer: Das sind meine Hobbys. Das sind die wichtigsten Sachen. Magst du Ponys? Das ist so eine süße, unschuldige Frage für einen Podcast.
Johannes Franke: Und, magst du sie? Ich will dich nicht unter Druck setzen, aber von deiner Antwort hängt sehr viel ab. Ja, ja. Ich mag große Pferde lieber. Okay. Willkommen im testosterongeladenen Podcast.
Florian Bayer: Herzlich willkommen, liebe Pferdeliebhaberin. Voll nicht. Zum Pony- und Filmpodcast. Nimmst du eigentlich schon auf? Ja, ich nehme die ganze Zeit auf. Wir haben tatsächlich für nächste Woche was Besonderes. Wir machen wieder eine Folge mit einem Gast. Wir machen wieder eine Dreierrunde. Und unser Gast ist Markus. Der Markus, hi. Hallo Markus.
Johannes Franke: Hi, hi. Du möchtest uns einen Film geben. Sehr gerne. Und zwar würde ich gerne mit euch nochmal Stalker gucken. Nicht, dass wir uns schon mal gesehen hätten,
Florian Bayer: aber du kennst ihn schon, nehme ich an. Ja, ich kenne ihn sehr gut. Ich glaube, Markus, wir haben ihn auch mal zusammen geguckt, oder?
Johannes Franke: Das weiß ich. Nee, nee, nee. Zum ersten Mal habe ich den alleine geguckt. Okay. Aber so wie ich euch kenne, kennt ihr den schon, aber ich möchte mit euch darüber reden. Oh. Da kennst du mich schlecht. Johannes, du kennst ihn nicht, ne? Ich kenne ihn nicht. Ich habe ihn noch nie gesehen. Wirklich? Nein. Das ist aber schon ...
Florian Bayer: Oh, diese Judgmental-Nicke. Ein ernstes Nicken, das wir jetzt nicht hören können. Okay, wir reden nächste Woche über Stalker, den ich kenne. Und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass ich ihn mal mit Markus geguckt habe. Und dann werden wir über André Tarkowski reden, über Stalker, über das sowjetische Kino aus den 70er-Jahren und über Spiritualität und Liebe und Hoffnung und alles, was dazugehört. Johannes, be prepared.
Johannes Franke: Was ist das für ein Film, wenn du so viel aufwirfst?
Florian Bayer: Das ist der Film.
Johannes Franke: Okay. Wir sehen uns nächste Woche.
Florian Bayer: Danke, Markus.
Johannes Franke: Wir sehen uns nächste Woche. Bleib gesund. Und du auch? Sonst sehen wir uns nächste Woche nicht. Das wäre blöd. Ja. Okay, gut. Bis dann. Bis dann. Ciao. Tschüss.
