Episode 71: Wings (1927) – Der erste Oscargewinner und sein queerer Subtext
Wings war eine von 1971 bis 1981 bestehende Rockband von Paul McCartney mit seiner ersten Ehefrau Linda… Nee, Moment, falscher Wikipediaartikel. Wings… verdammt Google findet es nicht… Ah! 1927 dazu eingeben. Ha!
Wings ist der erschreckend unbekannte Stummfilm der End-20er Jahre, in dem der erste gleichgeschlechtliche Kuss der Filmgeschichte zu sehen ist. Der Film, der die krassesten Flugaufnahmen zu bieten hat, die noch auf Jahrzehnte die Latte für Luftfahrt-Action gelegt haben. Und dazu dann noch der Gewinner der allerersten Oscars…
Doch worum geht es?
Also… Mary liebt Jack, Jack liebt Sylvia, Silvia aber liebt David. Jack und David lieben die Fliegerei und schließlich auch einander. Dazwischen ist Krieg. David stirbt. Jack liebt nun doch Mary, weil sie übrig bleibt.
Ende.
Man könnte den Eindruck bekommen es werde viel geliebt, aber viel mehr noch wird geflogen, geschossen und gelesen, nämlich Zwischentitel. Is ja n Stummfilm.
So. Plor, was hat dich denn an den Fernseher gefesselt? Die Liebe oder der Krieg?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 71: Wings (1927) – Der erste Oscargewinner und sein queerer Subtext Publishing Date: 2022-05-11T09:42:15+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/05/11/episode-71-wings-1927-der-erste-oscargewinner-und-sein-queerer-subtext/
Johannes Franke: Mary liebt Jack, Jack liebt Sylvia, Sylvia liebt David. Jack und David lieben die Fliegerei und schließlich auch einander. Dazwischen ist Krieg, David stirbt. Jack liebt nun doch Mary, weil sie übrig bleibt. Ende.
Florian Bayer: Sehr geehrte ZuhörerInnen, ich blicke gerade straight an Johannes vorbei auf seinen Kühlschrank und sehe, dass er Eintrittskarten hat für die drei Fragezeichen live.
Johannes Franke: Hey, Plor, du kannst mich doch hier nicht outen. In unserem Filmpodcast, dass ich die drei Fragezeichen mag.
Florian Bayer: Ich glaube, es gibt eine sehr hohe Übereinstimmung zwischen Podcast-HörerInnen und Drei-Fragezeichen-Fans. Das kann gut sein, ja. Herzlich willkommen zum Muss man sehen Podcast, wo Johannes, der mir gegenüber sitzt, und ich, der mir gegenüber sitzt, Plor, wo wir über Filme diskutieren. Und zwar nach dem Konzept, einer schlägt dem anderen jede Woche einen Film vor. Und im besten Fall einen Film, den diese Person noch nicht gesehen hat und die ihren Horizont erweitern soll. Und dann schauen wir den und dann diskutieren wir darüber und versuchen uns so wenig wie möglich zu streiten, was meistens misslingt. Versuchen aber unseren filmischen Horizont zu erweitern, was meistens gelingt.
Johannes Franke: Und ich habe unser Konzept diesmal ein bisschen gebrochen. Plor, möchtest du Tee? Ich könnte dir Tee eingeben. Sehr gerne, ja. Unser Konzept ein bisschen gebrochen, indem ich einen Film vorgeschlagen habe, den ich noch nicht gesehen habe, den ich aber trotzdem gut finde. Von dem ich einfach davon ausgegangen bin, dass ich ihn gut finden werde. Danket ihr für den Tee. Milch trinkst du ja nicht, ne? Nee, aber Klontje. Klontje, es gibt aber noch Klontje dazu. Der Hammer. Hier werden noch Pleasantries ausgetauscht. Macht's euch gemütlich. Nehmt euch auch einen Tee. Wir trinken Tee, schwarzen Tee mit Hafermilch.
Florian Bayer: Und nicht nur einen Film, den Johannes nicht gesehen hat, sondern den ich auch nicht gesehen habe. Wir haben also diese Woche tatsächlich eine Premiere. Wir sind völlig unvorbereitet in diesen Film reingegangen. Ja. Und erst bei der Recherche habe ich dann gesehen, ah, wir haben hier den ersten Oscar-Gewinner der Filmgeschichte vor uns.
Johannes Franke: Das ist unglaublich. Du kannst nicht alles vorherschlagen. Plor, ich wollte mindestens 20 Minuten darauf verwenden, den Leuten zu verklickern, dass das der erste Film ist, der einen Oscar gewonnen hat. Aber gut.
Florian Bayer: Wings aus dem Jahr 1927, Flügel aus Stahl, heißt der in der deutschen Synchronisation, deutschen Übersetzung. Ist ein Stummfilm, ein Schwarz-Weiß-Film und ein Klassiker, nicht nur, weil er den Oscar gewonnen hat, sondern auch, weil er einen sehr großen Einfluss auf Kriegsfilme hatte, die danach folgen sollten und Flugkampf-Szenen.
Johannes Franke: Der Hammer. Absolut. Ich würde sagen, ich gehe einfach mal, ich lese mal meine kleine Einführung vor und dann gehen wir ab in die Diskussion. Los geht's, Session. Wings. Wings war eine von 1971 bis 1981 bestehende Rockband von Paul McCartney mit seiner Ehefrau Linda, äh, Moment, nein, falscher Wikipedia-Artikel, Moment. Wings. Wings, Moment, Moment, Moment, Moment, Google findet unter Wings nichts anderes, 1927 dazu eingeben, besser, ha, sehr gut. Wings ist der erschreckend unbekannte Stummfilm der End-20er Jahre, in dem der erste gleichgeschlechtliche Kuss der Filmgeschichte zu sehen ist. Der die krassesten Flugaufnahmen zu bieten hat, die noch für Jahrzehnte eine hohe Latte gelegt haben und der erste Gewinner der allerersten Oscars. Doch worum geht es? Also, Mary liebt Jack, Jack liebt Sylvia, Sylvia liebt David. Jack und David lieben die Fliegerei und schließlich auch einander. Dazwischen ist Krieg, David stirbt. Jack liebt nun doch Mary, weil sie übrig bleibt. Ende. Man könnte den Eindruck bekommen, es werde viel geliebt, aber viel mehr noch wird geflogen, geschossen und gelesen. Nämlich Zwischentitel, ist ja ein Stummfilm. So, Plor, was hat dich denn an den Fernseher gefesselt? Die Liebe oder der Krieg?
Florian Bayer: Gute Frage. Ja. Weil der Film tatsächlich zwischen dem Emotionalen und dem Spektakulären hin und her springt. Ja. Und ich würde mal gleich mit so einem Bold Statement starten. Oh, okay. Wir haben hier den ersten großen Oscar-Bait-Film vor uns, bevor es die Oscars überhaupt gab. Und es passt nur zu gut, dass dieser Film der erste Oscar-Gewinner ist, weil er legt quasi die Formel zurecht für alle weiteren Filme, die verzweifelt versuchen, einen Oscar zu gewinnen in den nächsten Jahrzehnten. Bis zum heutigen Tag. Das ist unglaublich.
Johannes Franke: Ich habe nach den ersten 20 Minuten, habe ich genau diesen Gedanken gehabt, den du gerade formulierst, bloß ein bisschen anders. Ich habe gedacht, echt, das ist unglaublich. Das legt doch gerade Fundament für wahnsinnig viele kommende Filme, die dramaturgisch und inhaltlich an dem sich orientieren, um herauszufinden, wie schaffe ich es, einen Film zu machen, der so Preise gewinnt.
Florian Bayer: Ja. Das ist krass. Und der trotzdem dem Publikum gefällt, weil das ist bei den Academy Awards ja tatsächlich sehr wichtig, dass die Filme nicht bloß, wie zum Beispiel die Cannes-Filme, Filme sind, die das Feuilleton liebt, sondern auch das große Publikum. Ja. Der Oscar ist ja eigentlich der Mainstream-Star unter den Awards. Und dieser Film hat eben das alles drin, was zum Oscar-Film gehört. Es ist ein historischer Rahmen, ein romantisierter historischer Rahmen. Wir haben irgendwie dieses Zwischenmenschliche. Wir haben Problematisierung, die allerdings immer so ein bisschen weichgespült sind. Also es gibt Momente, wo dieser Film so ein bisschen die pazifistische Note einschlägt, aber ich glaube, kein Mensch auf dieser Welt würde diesen Film als Antikriegsfilm bezeichnen. Darüber müssen wir noch reden später, Plur.
Johannes Franke: Das ist unglaublich.
Florian Bayer: Oh, würdest du das sagen?
Johannes Franke: Das ist wirklich selten. Nee, ich finde es wahnsinnig seltsam. Ich bin so hin und her gerissen. Aber das kriegen wir noch raus.
Florian Bayer: Wir haben diese Romantisierung der Historie. Wir haben natürlich große Liebesgeschichten, aber auch nicht nur Liebesgeschichten als Zwischenmenschlicher Handlung, sondern wir haben eben diese sehr weitgehende Buddy-Geschichte, Promance. Wir werden mit Sicherheit nochmal drüber reden müssen, ob es auch zu einer Romance wird, weil dieser Film hat ja einen gewissen Ruf sich erarbeitet in queeren Kreisen wegen diesem Kuss. Und es gab lange Debatten drüber, ob es hier homosexuelle Untertöne gibt oder Übertöner. Sollte man darüber diskutieren müssen, ich verstehe es gar nicht, aber das können wir auch noch machen. Ich bin sehr gespannt. Und er hat sogar einen Comic-Relief. Der kommt aber sehr kurz. Der kommt leider viel zu kurz. Ich finde auch, den haben sie echt so ein bisschen hängen lassen. Den hätten sie deutlich mehr ausschlachten können. Und zwar gibt es, wenn unsere beiden Protagonisten Jack und David zur Akademie kommen, gibt es einen zusätzlichen Anwerber und zwar Hermann Schwimpf. Und er ist wegen seinem Namen, ist ja nicht so beliebt bei der Fliegerakademie, weil er klingt, der Name klingt natürlich deutsch, er ist offensichtlich Holländer. Sie sagen ja, you Dutch boys oder so, womit er abgekanzelt wird. Und er beweist, er will dann immer beweisen, dass er ein echter Amerikaner ist. Und das macht er mit seiner Tätowierung. Am Oberarm, am Bizeps. Am Bizeps, der so schön schlabbert. Und dieser Hermann Schwimpf, der kommt drei, vier Mal vor und ist einfach so die Comic-Relief-Figur, ne?
Johannes Franke: Der macht auch diesen, der hat so immer so einen schelmischen Gesichtsausdruck. Ich muss immer an O'Donald denken oder wie der heißt, von Singing in the Rain, der den einen von den dreien spielt. Ah, verdammt, warum fällt mir der Name gerade nicht ein? Ist egal. Auf jeden Fall hat der großes Potenzial, wirklich dieser Sidekick zu sein, der immer wieder auftaucht und durch die Gegend tänzelt und da irgendwie noch eine Wut-Will-Nummer von sich gibt oder sowas. Aber leider, leider benutzen sie das nicht wirklich viel.
Florian Bayer: Ja, leider. Und er war genau das, es war, also er wurde auch so da reingesetzt, ne? Er war ein Comedian und er hat dann aber halt eben auch Filme gedreht und tatsächlich kam er aus Schweden. Er war ein schwedischer Einwanderer. Ein schwedischer Einwanderer. Und er war auch, offensichtlich hat er auch damit gespielt, dass er eben diesen Akzent hatte. Und das war so eines seiner großen Highlights während seiner Auftritte. Ach so. Dass er der ist, der halt lustig Englisch spricht und dass er versucht, irgendwie in Amerika dazuzugehören und es ihm nicht so wirklich gelingt.
Johannes Franke: Das macht sich natürlich im Stummfilm nicht so gut.
Florian Bayer: Aber ich finde, er ist trotzdem sehr lustig. Er ist super lustig. Ich finde, die Rolle ist auch echt, ich finde es gut, dass sie so eine Figur nochmal reingesetzt haben. Absolut. Und er hat unfassbar viele Filme gedreht und Wings gehört eher zu seinen frühen Filmen. Also sein erster Film ist von 1926, in dem er mitspielt. Und dann hat er offensichtlich immer so ein bisschen diese Comedy-Sidekick-Rollen und er hat gespielt bis in die 50er Jahre hinein. Ah, vielleicht kenne ich den sogar aus irgendwelchen 50er Jahre Filmen. Ich finde, sein Gesicht schreit so danach, den hat man in 1000 Filmen aus der Zeit gesehen, in irgendeiner kleinen Nebenrolle, um ein bisschen Humor reinzubringen. Weil das macht ihr in dem Film halt auch.
Johannes Franke: Du hast doch bestimmt den Wikipedia-Artikel gerade da. Hast du ein paar Titel aus den 50ern da? Ein paar Namen?
Florian Bayer: Aus den 50ern. Lass mich mal scrollen, scrollen, scrollen, wie gesagt. Also in den 50ern. The She-Creature. Paris Model. The Beautiful Plonk from Bashful Band. Also ich kenne hier nichts davon. I'm from Arkansas. Ah, verdammt. Okay, nee, dann. Machine Gun Mama.
Johannes Franke: Ah, Machine Gun Mama.
Florian Bayer: 1944. Oh Gott, keine Ahnung. Ein Musical-Comedy-Film von Harold Young.
Johannes Franke: Aber tatsächlich. Da warten Perlen auf uns, Floor.
Florian Bayer: Wir müssen das alles gucken. Al Brandl. Fünf Minuten Leinwandzeit in diesem Film und trotzdem bleibt er im Gedächtnis einfach, weil es so lustig ist.
Johannes Franke: Und wieder mit dem Bizeps rumwackelt, um die Fahne irgendwie zum Wehen zu bringen. Es ist großartig. Ich finde es wahnsinnig witzig und es ist sehr schön. Denn das Ding ist, dass ich nicht so richtig weiß, ob der Film sich entscheiden kann zwischen einer Komödie und einer Tragödie und einem Kriegsfilm und einem Antikriegsfilm und einem, keine Ahnung. Ich bin ein bisschen unsicher, was der Film eigentlich will. Also komödiantisch hat er sonst ja relativ wenig zu bieten. Er hat schon, aber auch immer ein Slapstick-Timing dabei. Immer irgendeinen Typen, der sich noch ins Auto übergibt. Irgendein, weißt du, solche Sachen.
Florian Bayer: Es gibt natürlich diese Bar-Szene, die wirklich groß ist, wenn wir den betrunkenen Jack sehen und er dann überall Bubbles sieht, die dann auch wirklich sehr schön eingezeichnet sind in das Bild und dann überall rumfliegen.
Johannes Franke: Ich bin so beeindruckt von diesem Film, was so die Technik betrifft. Wollen wir das mal als großes Feld nehmen? Weil der hat so viele tolle Sachen wie diese Bubbles. Es ist unglaublich. Also, der Film besteht ja zu ganz großen Teilen, das müssen wir als erstes sagen, aus Fliegerei. Stellt euch vor, 1927, wir haben eine riesige Kamera, die sehr, sehr stationär ist. Es gibt aus diesen Zeiten kaum Filme, wo es große Kamerafahrten oder sowas gibt, weil es einfach sehr schwer und teuer ist. Natürlich haben viele Filme das irgendwie versucht, aber es gab immer nur so Highlights von Movement. Aber was heute so betrieben wird an Kamerabewegungen und so, das ist einfach nicht denkbar gewesen mit diesen riesigen Dingern von damals. Und es gab auch Handkameras irgendwie für so Kriegsberichterstatter, aber das war auch alles qualitativ nicht der Hammer. Und so, die haben auch mit sowas so ein bisschen gearbeitet, aber die haben es geschafft, diese krassen Kameras an Flugzeuge wirklich heranzubauen, um damit in der Gegend rumzufliegen.
Florian Bayer: Nicht nur an Flugzeuge ran, sondern auch in Flugzeuge rein. Es ist krass. Die Schauspieler in diesem Film, wir haben viele Cockpit-Aufnahmen und da kommen wir auch schon zu einem visuellen Highlight, was wir in allen Fliegerfilmen bis zu Star Wars auch wiederfinden. Diese Cockpit-Kamera, Frontkamera auf den Piloten.
Johannes Franke: Ich musste die ganze Zeit an Star Wars denken. Ich habe die ganze Zeit gedacht, George Lucas hat doch diesen Film gesehen und hat gedacht, ich mache den auch, bloß eben in modernen.
Florian Bayer: Definitiv. Die Kampf-Szenen aus Star Wars sind ganz krass inspiriert von diesen Flugaufnahmen. Unglaublich. Und zwar diese Cockpit-Frontkamera. Und um das nochmal stark zu machen, in Star Wars sitzen die Schauspieler natürlich im Studio und sitzen in einem Nachbau. Hier haben wir Frontkameras auf die Cockpit-Ansicht, wo unsere Schauspieler wirklich im Cockpit sitzen.
Johannes Franke: Und die fliegen wirklich in der Gegend rum. Die fliegen in der Gegend rum. Der eine Schauspieler, David, der den David gespielt hat, der konnte tatsächlich fliegen. Der hat auch im Ersten Weltkrieg als Pilot gedient.
Florian Bayer: Und der Regisseur auch. Deswegen hat der überhaupt die Regie bekommen. William Wellman war Flugzeugführer sogar im Ersten Weltkrieg. Das heißt, der wusste auch ungefähr, wovon er redet und was er da zeigt.
Johannes Franke: Und der war auch sehr tyrannisch am Set, was die Umsetzung betrifft, weil es ihm echt wichtig war. Und wahrscheinlich genau deswegen, weil er die Erfahrung mitgebracht hat und wusste, wie es wirklich war. Aber Charles Rogers, der den Jack spielt, der war kein Pilot. Und der musste Flugtraining machen. Der hat echt krass viel gelernt. Und am Anfang haben die noch den Fluglehrer gehabt, der sich dann bei den Flugaufnahmen darum gekümmert hat, dass das Ding in der Luft bleibt. Und am Ende hat er das selber gemacht. Der hat wirklich gespielt, geflogen und teilweise die Kamera noch bedient. Die mussten ja auch noch die Kameras, da konnte ja keiner andere dann noch mitfliegen.
Florian Bayer: Es gab wohl auch so eine Mischung. Also es waren Piloten mit an Bord. Sie waren nicht allein in den Maschinen. Aber die Piloten, die da mit waren, die haben relativ wenig gemacht. Die haben, also natürlich gibt es diese Flugzehen, wo wir die Cockpit-Ansicht sehen. Das sind tatsächlich, da fliegen die halt einfach. Und dann gibt es natürlich nebenbei nochmal diese Zehen, wo wir wirklich irre Stunts sehen. Ja, von außen. So genau, von außen. Aber bei ihren Flugzehen waren wohl auch Piloten so als Sicherheitsmaßnahmen mit an Bord, die auch teilweise ein bisschen gelenkt haben, die die ihn zum Beispiel dann hochgebracht haben. Weil ja, du kannst nicht so viel lernen innerhalb von Wochen. Aber tatsächlich haben die auch in Szenen selbst geflogen. Ja. Es macht viel von der Spannung aus natürlich. Es ist unglaublich. Es fühlt sich echt an, obwohl es ist von 1927, ne?
Johannes Franke: Und das ist, also ich meine, es ist natürlich genau deswegen so echt, weil es echt ist. Weil sie haben ja wirklich nur die Kamera da hingeschnellt und die sind wirklich in der Gegend rumgeflogen. Und alles, was das mit dem Gesicht macht, alles, was das mit dem Körper macht, was das an dem Schauspiel gibt und so weiter. Es ist der Hammer. Ja.
Florian Bayer: Regisseur Wellman hat extra darauf geachtet, dass sie aufgestiegen sind an Tagen, an denen viele Wolkenformationen zu sehen waren. Weil er wollte dieses Gefühl von Geschwindigkeit und von Intensität dieser Luftaction. Er hat gesagt, und das kann man nachvollziehen, Geschwindigkeit ist relativ. Also wenn du nichts hast, wogegen du fliegen kannst, dann wirkt das nicht besonders schnell. Deswegen haben sie extra geguckt, dass sie viel in den Wolken fliegen, damit es irgendwas gibt, was diese Geschwindigkeit vermittelt. Und das sieht man in dem Film auch. Also diese Intensität der Wolken, durch die sie durchfliegen.
Johannes Franke: Der hat das verglichen mit den Autos, die auf der Straße, wenn man ein Auto filmt, das auf der Straße lang fährt, dann hast du den Referenzpunkt Haus, was im Hintergrund ist. Das Auto fährt schnell am Haus vorbei. Man sieht das. Man kann das, hat durch den Referenzpunkt, weißt du, welche Geschwindigkeit das Auto hat. Aber mit dem Flugzeug im Himmel, wenn du ja nichts hast, was dagegen irgendwie zu sehen ist. Dann steht das. Dann steht das Flugzeug in der Luft und gut ist. Und das ist wirklich clever. Und das hat er wirklich sehr gut gemacht. Und die Filmaufnahmen mit den Wolken sind natürlich grandios. Überhaupt. Also nicht nur als Referenzpunkt. Und dann hat er tatsächlich zwischendurch 19 Tage gewartet, bis es wieder das Wetter so weit war, dass sie wieder fliegen konnten. Es war ein unglaublich langer Dreh, ne?
Florian Bayer: Neun Monate. Ja. Der Hammer. Es muss Chaos gewesen sein in dem Hotel, in dem die Leute waren. Da hat er nämlich die ganzen Piloten, was damals einfach mal Männer waren. Ja. Und die Schauspieler. Und dann haben die in den Hotels gesessen und gewartet, bis es wieder losgeht. Und daraus sind sehr viele Schwangerschaften entstanden. Es gibt da so ein paar Geschichten. Aber ich glaube... The Elevator Girls were all pregnant. Director Wellman hat gesagt, tatsächlich es war ein Armageddon of sexual Donnyproog. Sie waren in diesem Hotel für neun Monate und am Schluss... Hatten... Genau. Das ist unglaublich. Und natürlich war das auch möglich, weil er Hilfe vom Militär hatte. Und das ist krass.
Johannes Franke: Das muss ich... Also natürlich bedeutet das auch unter Umständen, dass der Film eine Richtung eingeschlagen hat, die eben nicht so entschlossen Antikriegsfilm geworden ist. Ich kann mir vorstellen, dass das Militär nicht geholfen hätte oder ihre Unterstützung zurückgezogen hätten, wenn sie mitbekommen hätten, dass es ein Film ist, der das Militär schwächer macht. In dieser Zeit vor allem. Das ist heute ein bisschen anders vielleicht. Aber damals war einfach das Militär so eine heilige Instanz, die man nicht angreift. Vor allem nicht, wenn man finanziert wird von denen.
Florian Bayer: Das ist denkbar. Ich würde es tatsächlich nicht komplett auf die Militärbeteiligung schieben, weil der ganze Film atmet den Geist von dieser Helden der Lüfte romantisieren. Ja, absolut. Sowohl in den Bildern als auch in den Zwischentiteln. Also wir müssen nachher noch mal kurz ein bisschen zur Geschichte des Luftkriegs im Ersten Weltkrieg kommen, weil da gibt es tatsächlich nicht so viel Geschichte. Der Film hat diese Romantisierung in sich und die ganze Story ist um diese Romantisierung gebaut, weil es einfach die typische Geschichte ist von den Helden, die losziehen. Ihre Frauen sind zu Hause, geben noch die Fotos mit und die Helden ziehen dann los in den Luftkampf und werden da zu Männern. Am Schluss wird auch gesagt, er kommt nicht gebrochen nach Hause, sondern er kommt als Mann zu Hause. Er ist als Junge losgegangen, kommt als Mann nach Hause. Also diese Romantisierung ist schon drin. Und natürlich spiegelt sich das auch nicht in der Technik, sondern im visuellen Stil des Films wieder. Es ist einfach atemberaubend. Wir haben hier einen Film, der das voll auskostet, dass diese Luftfahrt-Action, nenne ich sie jetzt mal, wirklich beeindruckend ist. Und du sitzt vorm Bildschirm und denkst, wow, dieser Film ist fast 100 Jahre alt. Und es funktioniert trotzdem. Es reißt dich total mit. Es ist ein verdammt, ich bin da. Absolut.
Johannes Franke: Also ich kann immer nur wieder eine Lanze dafür brechen, sich die alten Filme anzuschauen und einfach zu lernen. Du hast natürlich durch den Abstand viel mehr Möglichkeiten auch zu verstehen, welche Kniffe die damals benutzt haben, weil die heute so wahnsinnig bekannt sind. Aber ich glaube, dadurch ist der Lernfaktor noch größer als Filmemacher, sich die alten Filme anzuschauen. Und nicht nur, wenn du Filmemacher bist, sondern auch einfach nur, wenn du Filme liebst, sich die alten Filme alle anzuschauen und zu sehen, wow, was hatten die damals für Möglichkeiten und wie hat sich der dramaturgische Bogen eines Films entwickelt bis heute.
Florian Bayer: Und gerade in den Flugkampfszenen, man kann gar nicht überbewerten, wie krass diese Flugkampfszenen einflussreich waren. Absolut. Bis ins kleinste Detail. Einfach sowas auch wie Nahaufnahme von Metall, in das Kugeln reingehen. Ja. Und dann hat man die Einschusslöcher. Das ist in jedem zweiten Flugkampffilm, egal ob es ein Kriegsfilm ist oder ein Science-Fiction-Film wie Star Wars, sieht man diese Bilder. Wo gezeigt wird, jetzt wird es ernst, einfach indem erstmal Plech zerschossen wird. Ja.
Johannes Franke: Und das ist in diesem Film. Und ich habe gedacht, was hat es denn da zu suchen? Das ist doch viel zu modern. Aber nein, das ist die Zeit. Die haben damit angefangen.
Florian Bayer: Das war die Pionierzeit der Luftfahrt im kriegerischen Sinne. Ja, ja, ja. Der Erste Weltkrieg war die erste Zeit, in der das passiert ist. Und sie haben das eigentlich weitergeführt, was im Ersten Weltkrieg damit auch gemacht wurde. Und jetzt um kurz einen Cut in das Technische zu setzen, müssen wir nachher noch viel mehr Technisches sagen. Ja. Aber springen wir mal ganz kurz zum Historischen. Ja. Weil die Flugfahrt war jung und der Erste Weltkrieg war das erste Mal, dass der Luftkampf eine Bedeutung hatte im Krieg. Die war unglaublich niedrig. Der Luftkampf selbst hat keine große kriegsentscheidende Rolle gespielt. Es gab tatsächlich die Ersten, die damit angefangen haben, waren die Deutschen. Und wir haben nicht diese, damals hatte der Luftkampf noch so eine gewisse Unschuld. Weil wir haben nicht das, was wir im Zweiten Weltkrieg dann haben, dass diese Flächenbombardements von Städten stattfinden. Das haben wir im Ersten Weltkrieg überhaupt nicht. Was tatsächlich gemacht wurde, was der Anfang des Luftkampfs war, war, dass die Deutschen mit Zeppelin nach oben geflogen sind und Granaten runtergeworfen haben. Aber es waren keine zivilen Ziele, sondern es war tatsächlich eine Unterstützung aus der Luft für den Stellungskrieg, um die gegnerischen Stellungen irgendwie zu treffen. Und das war tatsächlich schon zu Beginn des Krieges. Das waren so die ersten Bombardierungen, die zum Beispiel gegen Häfen gingen oder gegen gewisse Soldatenstützpunkte. Also tatsächlich hatten die deutschen Flugzeuge, haben dann auch einen relativ unheimlichen Ruf entwickelt. Und da haben dann die Alliierten irgendwann dagegen gesteuert und haben ihre eigenen Flugzeuge hochgebracht. Und dann kam es zu diesen berühmten Dogfights, zu diesen Luftkämpfen, Mann gegen Mann. Und das war tatsächlich eigentlich, wie der Film es auch erzählt, in der Endzeit des Krieges. Das war im Jahr 1917, da kam es zu diesen großen Kämpfen. Und das Besondere war, dass diese Kämpfe in der Rezeption deutlich stärker waren, als sie eine Rolle gespielt haben auf dem Schlachtfeld. Und das hat einen einfachen Grund. Diese Kämpfe, die ließen sich benutzen, um Heldengeschichten zu erzählen. Du hattest in den Kriegen vorher, im 19. Jahrhundert, gab es noch diesen klassischen Kampf Mann gegen Mann mit Schwert und mit Pferd, Eleganten, die Schlacht reiten. Der Erste Weltkrieg war ein Stellungskrieg. Der wurde anonym gestorben. Da haben die sich keinen Zentimeter weiter bewegt. Also da ist natürlich das berühmteste Beispiel. Menschen, die zusammengefärscht in Schützengräben sitzen, aufeinander schießen und dann sterben. Und dieser Luftkampf, diese Dogfights, die haben die Individualität zurück in den Krieg gebracht. Das war die einzige Möglichkeit zu sagen, hey, wir haben hier einen Helden, der kann es mit einem einzelnen Gegner aufnehmen. Weil das ist das, was passiert ist. Es sind zwei Flugzeuge gegeneinander geflogen. Da ist der Film auch historisch akkurat. Und die haben aufeinander geschossen und versucht, sich gegenseitig runterzubringen. Der rote Baron Hermann von Richthoff ist der berühmteste aus dieser Ecke, der so zum Helden stilisiert wurde. Und die Amerikaner haben natürlich auch versucht, ihre Piloten zu helden zu stilisieren. Und die Briten und Franzosen haben das genauso gemacht. Und das war halt möglich, weil man gesagt hat, das ist ein einsamer Ritter, der fliegt los, der kämpft gegen einen anderen Mann, Mann gegen Mann. Das ist nicht so, man ballert ins Nichts und trifft zehn Leute und tötet sie ohne zu wissen wen.
Johannes Franke: Ja, sondern das ist wirklich eins zu eins.
Florian Bayer: Und deswegen wurde diese Ritterlichkeit auch betont. Wir haben ja diese eine wirklich schöne, romantische Szene in dem Film, wo der Zwischentitel sagt, es gibt Ritterlichkeit unter diesen Pionieren der Lüfte. Und wir sehen, dass einer abgeschossen wurde und der andere Pilot, ein Deutscher tatsächlich, sieht dann, dass er ihn getroffen hat und dass er sich nicht mehr wehren kann, weil seine Waffe auch nicht mehr funktioniert. Und dreht dann ab und sagt, okay, ich habe diesen Kampf gewonnen. Und dieses Narrativ, dafür haben sich die Luftkämpfe einfach geeignet und deshalb wurden die sehr groß gemacht. Die Piloten wurden sehr gefeiert, obwohl ihre Rolle wirklich eine minimale war. Die hatten eine kleine taktische Bedeutung, so als Aufklärungsflieger und auch so ein bisschen, um ein paar Bodenziele zu zerstören, ein bisschen die Bodentruppen zu unterstützen. Aber letzten Endes hatten sie keinen wirklich wesentlichen Einfluss auf das Kriegsgeschehen.
Johannes Franke: Aber diese Heroisierung dieser Flieger war mir gar nicht so bewusst. Und das erklärt jetzt so ein bisschen das, was ich beim Gucken gedacht habe, das ist ein bisschen aufgeblasen, dass der nach Hause kommt und da ein riesiges Fest und der wird da irgendwie vom Bürgermeister begrüßt und die feiern ihn alle. Dann ist das vielleicht doch einigermaßen realistisch.
Florian Bayer: Das war so. Das war tatsächlich so. Die wurden krass gefeiert und die haben auch Geschichten erfunden. Es gab diese Immelmann-Geschichte, die irgendwann in den USA aufgetaucht ist, wahrscheinlich auch so ein bisschen verbreitet durch verschiedene Medien und wahrscheinlich auch durchs Militär forciert. Da ging es darum, dass ein englisches Fliegerass namens Albert Ball mit 44 Abschüsse den deutschen Piloten Max Immelmann, der 15 Luftsieger hatte, zu einem Duell über den Wolken aufgefordert hätte, schriftlich. Ähm, okay. Und dieser Deutsche hätte akzeptiert und dann hätten sie gegeneinander gekämpft und hätten ein richtiges Duell Mano a Mano gehabt. Und am Schluss hätte der, natürlich, der Britte hat den Deutschen dann abgeschossen am Schluss. Die Geschichte ist komplett erfunden. Es stimmt nichts an dieser Geschichte.
Johannes Franke: Schön.
Florian Bayer: Und das war, es ging vor allem eben um das Bild für weniger die Propaganda gegen den bösen Feind. Das war nochmal aus anderer Richtung. Also vielmehr das Bild für die Menschen zu Hause, um zu sagen, hey, dieser Krieg hat doch was Heroisches. Ja, auch Moral ein bisschen hochzuhalten. Ja, genau. Um die Moral hochzuhalten, sowohl in den Truppen als auch an der Heimatfront, die ja in den Weltkriegen eine große Rolle gespielt hat. Ja.
Johannes Franke: Hm. Krass. Aber es ist schon so, dass man, dass man oft, weiß nicht, wie es dir ging im Film, aber dass man oft da sitzt und sich fragt, oh, will der Film mir jetzt sagen, ich zeige jetzt die Toten relativ gnadenlos, muss man sagen. Zwischendurch sieht man doch auch. Es gibt eine Szene, eine Sterbe-Szene von einem Piloten, der dann sogar Blut spuckt, ne? Ja, genau. Ist das Kritik oder nicht? Erlaubt er sich da Kritik oder nicht? Oder was ist, ist das Bild, was man da zeichnet, vielleicht sowieso damals so gewesen, dass man gesagt hat, man muss jetzt gar nicht irgendwie noch blumisieren, weil jeder weiß, wie der Krieg ist. Und das ist trotzdem, wir haben uns trotzdem darauf geeinigt, dass es irgendwie heroisch ist. Ich weiß es nicht. Verstehe ich nicht. Ich weiß nicht genau, was der Film will. Also der Filmemacher.
Florian Bayer: Es wird ja tatsächlich oft, es gibt diese Zwischentitel, die vom Schrecken des Krieges erzählen und es wird dann ja auch gesagt, diese ganze Frankreich-Paris-Szene, die es gibt, wird ja damit eingeleitet, dass die Piloten irgendwie versuchen, Abstand zu finden und irgendwie versuchen, den Schrecken zu vergessen. Aber ich glaube, dieser Schrecken, der da immer angedeutet wird, der bettet sich in das heroische Gesamtnarrativ ein. Das sind Helden, die nehmen den Schrecken bewusst auf sich, um für die richtige Sache zu kämpfen. Und stärker hängen bleibt dann eben doch nicht der Schrecken des Krieges, sondern Selager. Das ist der Krieg. So sieht es eben im Krieg aus. Das wird gerade gegen Ende verdammt oft gesagt einfach. Das ist halt der Krieg und das gehört dazu, wenn du heldenhaft kämpfst. Ei, ach. Kurz zum Technischen nochmal, was ich unterbrochen habe. Hast du noch was Technisches? Ja, wir haben Farbe.
Johannes Franke: Oh mein Gott, oh mein Gott, oh mein Gott.
Florian Bayer: Feuer, was kolorisiert ist und zwar wirklich schön.
Johannes Franke: Ist das toll.
Florian Bayer: Also es ist schlimm, wir reden hier, also wir haben jetzt den großen Bogen gespannt, wir reden von Schrecken des Krieges und Menschen sterben, aber sieht es nicht toll aus, wenn so ein Flugzeug abgeschossen wird?
Johannes Franke: Oh mein Gott, das ist so eine gute Entscheidung und es ist so toll, weil die das, also die Version, die wir vor uns liegen haben, Plur, ist ja eigentlich eine restaurierte Version, die gar nicht das Original ist. Sondern die einfach wieder so hergestellt wurde und restauriert wurde, wie sie glauben, wie sie war, als sie rausgekommen ist.
Florian Bayer: Kudos zu Paramount, die sich wirklich Mühe gemacht haben. Es gibt eine fantastisch restaurierte Version auf Blu-ray und bei Amazon kann man die sich auch kaufen. Du hast allerdings Archive geguckt.
Johannes Franke: Ich habe in Archive geguckt, wenn ihr die nicht kennt, archive.org, das ist eine ganz, ganz tolle Webseite. Vielleicht kannst du das was sagen, Plur, weil ich kenne die gar nicht so gut, aber ich erinnere mich immer wieder, dass du davon geredet hattest, wo man alles findet, was irgendwie erreichbar ist, legal.
Florian Bayer: Archive.org ist, glaube ich, die leben tatsächlich von Spenden und die aktivieren Medien ganz viel, also alles, was irgendwie urheberrechtlich frei ist. Und man findet dort Filme, man findet dort Literatur, man findet dort Audio-Files, man kann selbst Sachen hochladen. Wir haben unseren Podcast da auch drin, einfach so aus Archivierungstrang von mir. Von archive.org gibt es auch die Wayback Machine, das kennt ihr vielleicht, wenn man alte Websites sucht, die nicht mehr online sind, kann man in dieser Wayback Machine, kann man sich die alten Websites noch anschauen, wie sie 2015 oder 2010 oder so aussahen. Und man findet eben auch tatsächlich relativ viele Filme da.
Johannes Franke: Das ist total gut und ich habe den dort gesehen und es lief ganz wunderbar, ist ganz tolle Version, gute Auflösung, guter Sound. Also natürlich ist der Film, trotz Stummfilmen hat er einen Score, also er hat Musik und er hat Geräusche. Ja, und das war tatsächlich das, was die damals angelegt haben. Die haben nämlich, 1927 gab es die Möglichkeit schon, auch wenn es noch nicht so verbreitet war, das mitzugeben, dass man auf einem bestimmten Tonlichtband oder wie das hieß, dass man das mitliefern kann mit dem Film und dann läuft da sozusagen die Orchesteraufnahme mit. Da war noch keine Sprache dabei, kein Dialog, aber man konnte auch eben wie so ein Orchester eben auch Geräusche mitliefern.
Florian Bayer: Ja, genau, solche Sachen. Sie sind gut eingesetzt. Also man hat nicht das Gefühl, dass es so ein nerviges Flugzeugtrönen ist, sondern es ist in den richtigen Momenten, werden diese Geräusche untermalt.
Johannes Franke: Absolut perfekt gemacht, finde ich. Und dann haben die es eben, weil wir das wissen, dass es damals so war, dass die Flammen, wenn ein Flugzeug getroffen wird und runterfällt, dass die Flammen gelb koloriert sind.
Florian Bayer: Und es ist der Hammer. Das Bild ist fantastisch, weil es macht wirklich was Krasses mit diesen Zähnen. Jeder kennt das, wenn man ein schwarz-weißes Bild hat und dann so einen Farbpunkt setzt.
Johannes Franke: Meistens ist es rot, wenn eng Blut gezeigt wird. Ich finde es dann nur ein bisschen dämlich. Aber in diesem Fall ist es ja so, dass das Gelb von dem Weißen, des schwarz-weißen, gar nicht so weit weg ist. Ja. Und deswegen ist es sehr schön subtil. Ja. Es ist nicht dieses knallige Rot, was dann so durchkommt und man dann sagt, okay, okay, ich hab's verstanden. Sondern es ist so subtil genug, dass es so einen Effekt hat, der einen irgendwie trifft, der einen ins Mark trifft, der einem die Dramatik der Situation so viel stärker macht, ohne einen mit einem Holzhammer zu treffen.
Florian Bayer: Man versteht auch tatsächlich besser, was passiert, weil wenn man keine Ahnung von Luftkämpfen hat, so wie ich, dann sieht halt ein riskantes Manöver genauso aus wie ein Absturz. Das stimmt, ja. Und dadurch, dass wir gesehen, ein Flugzeug ist getroffen und es gibt diesen einen visuellen Punkt, der das ganz klar macht, wissen wir, okay, jetzt ist es ernst, jetzt stürzt er ab oder jetzt kommt er ins Schlingern, jetzt kriegt er Probleme. Ja.
Johannes Franke: Das ist wirklich toll gemacht. Und es gab einen ganz bestimmten Prozess, mit dem das gemacht wurde. Also es saß da nicht nur einfach irgendjemand mit einem Buntstift und hat die Filme angemalt, sondern da musste irgendwie alles andere, was nicht koloriert werden musste, musste mit so einem Film versehen werden, damit dann diese Stelle wiederum in ein Färbebart gegeben werden konnte, damit diese Stelle dann gefärbt wird und der Rest nicht. Und das war irgendwie ein ganz bestimmtes Verfahren, das schon lange vorher, 1916, schon eingesetzt wurde und dann bis Ende der 20er. Und danach gab es dann irgendwie andere Farbfilmexperimente sowieso.
Florian Bayer: Also beeindruckende Luftaufnahmen, vielleicht noch zwei kleine Fakten dazu. Es wurde in San Antonio, Texas geträgt und es gab zwei größere Unfälle während des Drehs.
Johannes Franke: Ja, einen tödlichen. Einen tödlichen, oh mein Gott. Und er hatte echt Angst, dass er dann nicht mehr weiterdrehen darf. Und dieses Militär hat allerdings dann auch die Schuld eher auf den Piloten gelegt, als auf den Regisseur, der ihn da hochgeschickt hat. Das ist ein bisschen das Risiko gewesen. Und hatten einen anderen Unfall, da hat jemand sich das Genick tatsächlich gebrochen. Das klang auch so, als ob der irgendwie gestorben ist, aber der hatte ein paar Wochen Krankenhäuser unterhalten und konnte dann wiederkommen.
Florian Bayer: Kontrollierter Absturz war es. Und der ist aus dem Cockpit rausgefallen nach dem Absturz. Und es war halt, 1927 sahen die Flugzeuge noch ein bisschen anders aus als solche. Da gab es nicht so viele Sicherheitsvorkehrungen.
Johannes Franke: Da bist du halt rausgefallen, wenn du irgendwie ungünstig gelegen hast da in der Luft.
Florian Bayer: Ja, aber wir haben ja nicht nur die Flugzehnen, die eine beeindruckende Technik und Kameraführung mit sich bringen. Also es geht ja eigentlich, eigentlich geht es ja schon los in der Eröffnungssequenz, wenn wir sehen, wie David, einer unserer Protagonisten, zusammen mit Sylvia, die so ein bisschen so ein Love Triangle bildet, das kein wirkliches Love Triangle ist. Weil sie ist ganz klar in David verliebt und Jack ist zwar in sie verliebt, aber sie bringt es einfach nichts übers Herz, ihm zu sagen, dass sie ganz klar mit David zusammen sein will. Auf jeden Fall haben wir diese Eröffnungssequenz, wo David und Sylvia zusammen in der Hollywood-Schaukel sitzen. Und wir haben diese, tatsächlich unsere erste schwindelerregende Kamerafahrt, wo mir wirklich kurz ein bisschen schummrig wurde, ist nicht im Flugzeug, sondern ist wie diese Schaukel auf und nieder geht und die Kamera fährt da mit und schaukelt quasi mit. Wir haben wirklich ein schaukelndes Bild.
Johannes Franke: Wie auf der Schaukel. Und ich nehme an, dass sie sie wirklich auf die Schaukel montiert haben, die Kamera. Was gleich am Anfang klar macht, okay, wir haben es hier mit Leuten zu tun, die sich wirklich Gedanken machen, die innovativ sind. Weil das ist auch nichts, was man in den Zwanzigern so wahnsinnig viel gemacht hat, die Kamera irgendwo dran zu montieren und da irgendwelche Experimente mitzumachen und so. So eine Kamera ist sauteuer und sauschwer. Also, wow.
Florian Bayer: Und es gibt den visuellen Ton des Films vor, weil wir haben diese Art der Bilder, finden wir oft im Film. Es gibt diese eine berühmte Bar-Szene. Das war doch der Grund, warum du den Film gucken wolltest, ne?
Johannes Franke: Ja, wir sind da in Paris in dieser Bar. Der eine Typ ist total betrunken und sieht dann diese Bläschen, über die wir auch noch reden müssen. Also, als Establisher-Shot, als Shot zum Etablieren, wo wir sind. Diese Kamerafahrt über die Tische, wo die Gäste sitzen.
Florian Bayer: Und zwischen den Gästen durch. Das ist noch so beeindruckend. Die Kamera ist nicht an der Decke, sondern die Kamera ist wirklich, fliegt über die Tische, knapp über die Tische an den Gästen vorbei, um eben zu unserem Protagonisten, zu Jack zu kommen, der ganz betrunken in der Bar gerade mit einer Französin flirtet.
Johannes Franke: Das ist unglaublich. Das ist eine total geile Sache, weil du überhaupt nicht mit rechnest, weil du denkst, in den 20ern, was haben die denn da gemacht? Die haben die Kamera aufgestellt und gut ist. Und dann fliegt das Ding da durch. Die mussten wirklich so einen ganz eigenen Apparat dafür bauen und erfinden. Ich weiß nicht, ob es das dann war, was dann auch später Hitchcock und so verwendet haben für ihre Sachen, für ihre Kamerafahrten. Und Hitchcock hat das ja auch sehr gerne gemacht. Aber das war unglaublich. So ein riesiger Arm, den sie da für die Kamera hatten, der dann über diese Sets rüber ist. Ja. Boah.
Florian Bayer: Und dann kommen wir eben zu dieser Bubble-Szene, die ja auch wirklich nochmal so visuell verspielt ist.
Johannes Franke: Wir haben Jack, der betrunken ist und der sieht überall so kleine Bläschen, die aufsteigen. Aus dem Getränk natürlich, da macht es am meisten Sinn. Und er sagt auch die ganze Zeit Bubbles, Bubbles, fucking Bubbles. Und das Geile ist, der Typ war wirklich betrunken. Der wirklich, der Schauspieler war 22 und hatte noch nie getrunken. Er hatte echt noch nie getrunken und hat das erste Mal da sich richtig besoffen. Und er war halt bei den Dreharbeiten einfach durch. Super. Und diese Bubbles sind irgendwie so gut reingebaut, dass man sich echt erstmal fragt, hä, Moment, digital, was? Nein. Weil es sieht nicht aus wie Comic reingemalt. Aber es muss ja irgendwie reingemalt sein.
Florian Bayer: Es ist reingemalt. Und sie fangen halt subtil an, aber sie steigern sich dann. Und die Bubbles kommen dann überall, auch aus den Trompeten. Ja, das ist schon geil. Und es wird immer mehr. Und das ist wirklich, irgendwann hast du so ein Szenario, wo diese Bubbles überall durch die Luft fliegen. Das sieht trotzdem toll aus. Das sieht gut aus. Und das ist eine tolle Visualisierung von einer Betrunkenheit. Ja. Das funktioniert einfach.
Johannes Franke: Und dann hast du gelesen in den Titels, dass sie versucht haben, da auch noch diese betrunkene Sprache in ... Irgendwelche Schreibfehler oder was haben sie da reingebaut, um klarzumachen, dass er betrunken leilt.
Florian Bayer: Super. Also technisch ist es wirklich ein beeindruckender Film, ohne jeden Zweifel. Visuell wirklich unglaublich stark.
Johannes Franke: Und das noch heute. Also wenn ich mir den Film anschaue, nicht nur ... Also natürlich denkt man, das ist die Zeit. Es ist irgendwie krass, dass es in der Zeit so gut ist. Aber es ist auch für sich stehend einfach sehr gut.
Florian Bayer: Ja. Das ist wirklich toll. Kommen wir mal zu dem, was neben der Technik und neben dem, wie so entsteht, das ist natürlich die Geschichte. Findest du die Geschichte mitreißend?
Johannes Franke: Finde ich die Geschichte mitreißend. Also man hat schon schreckenweise das Gefühl, dass es eine ganz große Ausrede für diese Aviation-Szenen sind. Also dass man so, jetzt kommen wir zu einer Flugszene. Guck mal, was wir können. Und das davor ist so ein bisschen, ja, so aus dem Hut gezaubert. Aber es kommt ja auch aus einer Geschichte, die für sich schon gestanden hat. Also es ist eine Verfilmung eines bereits existierenden Stoffes. Ja. Aber der ist auch stark verändert. Und der ist auch vor allem stark verändert, muss man dazu sagen, weil die Schauspielerin Miss Boe oder wie sie hielt.
Florian Bayer: Clara Boe wollte, die war nicht zufrieden mit der Geschichte. Nein. Wir haben hier tatsächlich, also das, was ursprünglich geplant war, ist deutlich mehr, dass die Rahmenhandlung nur dazu dient, irgendwie von einem Luftkampf zum nächsten zu führen. Und Clara Boe, die damals ohne jeden Zweifel der Star war. Absolut. Sie war die, mit der der Film beworben wurde. Sie ist ganz groß auf dem Plakat. Sie war eine große Schauspielerin. Sie war ein Sexsymbol. Das erste It-Girl. It-Girl. Ein Jahr vorher, oder? 1926, glaube ich. 1927 wurde der, glaube ich, auch gedreht. Oder 1927 kam er raus. Auf jeden Fall ist es, ja, es fällt genau in dieselbe Zeit. Sie ist das erste It-Girl. Im Film It. In dem Film It, da spielt sie ein It-Girl und sie galt damals als Sexsymbol. Also It-Girl vielleicht ganz, wir müssen kein Lexikon für den List aufmachen. It-Girls sind die, die sich an reiche Typen ranhängen oder an berühmte Typen, um selbst reich und berühmt zu werden.
Johannes Franke: Ganz toll. Jedenfalls hat sie das Drehbuch in die Hand bekommen und hat gesagt, Wings is a man's picture and I'm just the whipped cream on top of the pie. Und das wollte sie nicht. Ja. Und natürlich ist es immer noch so ein bisschen so, aber sie haben echt viel gemacht dafür. Sie durfte dann im Auto in der Gegend rumfahren und durfte da viel mehr machen.
Florian Bayer: Sie machen sie zur Mitprotagonistin, indem sie auch in den Krieg eintritt quasi. Ja. Als zivile Unterstützung. Genau, Medical Corps oder wie das heißt. Genau, als Krankenschwester eigentlich. Und dementsprechend wird auch diese Liebesgeschichte von ihr und Jack so ein bisschen ausgeweiltet. Tatsächlich haben wir am Anfang so ein bisschen Screwball-Comedy-Vibes, weil er ist so ein bisschen der Naivling, der dumme Idiot, der nicht merkt, dass sie voll auf ihn steht. Und wir haben eigentlich eine wirklich niedliche Szene, wenn er sein Auto repariert und sie kommt und himmelt ihn an. Und dann knallt er es nicht, aber trotzdem mag er sie. Und es gibt so ein bisschen so diese Screwball-Vibes. Sie ist verliebt, er ist dumm.
Johannes Franke: Es ist aber auch Etablierer dafür, dass er sich vielleicht für Frauen gar nicht so sehr interessiert. Könnte man meinen. Könnte man meinen, aber dann hat er plötzlich die Sylvia da am Wickel. Aber vielleicht auch nur als Social Approval-Ding, was ja ganz oft in der Zeit gemacht wurde.
Florian Bayer: Schieben wir die sexuellen, homosexuellen Unterdrücke erstmal noch kurz zur Seite. Also was hier natürlich erzählt wird, sind ganz klar heteronormative, ein heteronormatives Beziehungsgeflecht. Jack liebt Mary. Du hast es so schön auf den Punkt gebracht in der Einleitung, ich kann es nur wiederholen. Jack liebt Mary. Mary liebt, Entschuldigung. Mary liebt Jack. Jack liebt Sylvia. Sylvia liebt David. David und Jack müssen in den Krieg. Und David und Jack werden so ein bisschen als Konkurrenten etabliert. Und während der Akademie werden sie dann zu Freunden, vor allem bedingt durch einen großen Faustkampf. Also David weiß eigentlich, dass Jack keine Konkurrenz für ihn ist. Und er hat damit auch irgendwie abgeschlossen. Es ist okay, Sylvia will eigentlich David das Foto mitgeben. Und dann kommt Jack und sie hat das Foto in der Hand und er freut sich so. Und dann gibt sie es ihm, weil sie kann es einfach nicht ertragen, dass er traurig ist. Und sie sagt zu David, ja, ich gebe ihm mein Foto, aber dich liebe ich wirklich. Und David akzeptiert das, aber Jack denkt, sie hätten da so ein Konkurrenzding am Laufen. Und dann sorgt Jack für einen Faustkampf mit ihm. Und dann erarbeiten sie sich quasi in diesem Kampf den Respekt des anderen, werden dadurch Freunde.
Johannes Franke: Es ist so ein bisschen ein Trope, der also, es ist schon ein bisschen, vor allem, weil das, man muss dazu sagen, ich weiß nicht, ob du das so gesehen hast wie ich, aber die kämpfen da, diesen Faustkampf. Und das ist so das, was später in Filmen so, was haben wir bei, wo war das, Tiger and Dragon. Sie wird entführt von ihm und dann kämpfen die. Und mitten im Kampf fangen sie an, rumzuknutschen und haben Sex oder so.
Florian Bayer: Das machen sie in diesem Film nicht.
Johannes Franke: Nein, aber das ist das Äquivalent für die 20er, oder nicht? Lass uns die homosexuellen Untertöne immer noch ein Stück zur Seite schieben. Aber das geht nicht, das ist die Szene, das ist die Szene. Neben der anderen Szene am einen Ende ist das die Szene, wo das so hochkommt, wo man das Gefühl hat, okay, die kämpfen jetzt miteinander und dann merken sie, oh, ist doch ganz geil.
Florian Bayer: Okay, ich sehe schon, wir müssen darüber reden. Also, dieser Film hat einen, also die beiden werden Freunde, die beiden kämpfen zusammen im Krieg. Ja. David wird abgeschossen, alle denken, er wäre tot. Jack ist tierisch wütend, fliegt los und schießt einfach wahllos Deutsche ab deswegen. Und David hat aber überlebt und schafft es, ein deutsches Flugzeug zu klauen und damit zurück zur Heimat zu fliegen, wo er im Flugzeug auf den Jack im Flugzeug trifft. Und Jack erkennt natürlich nur ein deutsches Flugzeug, schießt und schießt damit seinen Freund ab. Er stürzt in ein französisches Dorfhaus. Und dann kriegt Jack natürlich mit, oh mein Gott, ich habe meinen besten Freund abgeschossen und der liegt im Sterben. Jack kommt zu ihm und wir haben eine wirklich sehr lange Sterbe-Szene, die mit einem gleichgeschlechtlichen Kuss endet. Und wo Jack über David gebeugt ist und sagte, ich wollte doch nur noch einen Deutschen für dich abschließen. Und dann streichelt er ihm durchs Haar und David schaut ihn an, sie schauen sich tief in die Augen, sie umarmen sich mehrfach. Es ist sehr viel Zärtlichkeit zwischen zwei Männern, die wir hier sehen. Und wegen dieser einen Szene hat der Film auch in queeren Filmkreisen einen gewissen Kultstatus, weil er eben als Film gilt, der hier einen homosexuellen Untergrund hat.
Johannes Franke: Und es ist der erste Film, wo so ein gleichgeschlechtlicher Kuss tatsächlich zu sehen ist. Ja. Also das ist halt einfach so der geschichtliche, deren Verdienst quasi so ein bisschen.
Florian Bayer: Also ich glaube, also Punkt eins, du hast offensichtlich ja schon, du stehst sehr auf diese Homosexualität. Gleich von Anfang an. Also ich würde sagen, Punkt eins ist, ich glaube, niemand der Beteiligten hatte das intendiert, weil der Film erzählt dafür einfach viel zu stark diese heteronormative Romanze. Und die ist so ein Rahmen drumherum. Das kann ich nicht bestätigen.
Johannes Franke: Oh, okay. Also es gab Interviews danach mit Leuten, die beteiligt waren am Film oder Freunden von Beteiligten und so. Und es hieß immer, dass alle wussten, dass Charles Rogers schwul ist.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das war also irgendwie given. Und wenn du so einen Film machst, in einer Zeit, wo das nicht selbstverständlich ist und in einer Zeit, wo das sowieso ein schwieriges Thema ist und dich dann für diese Inszenierung entscheidest und als Charles Rogers mitspielst und auch allen erzählst, also wo es einfach bekannt ist, dann muss das irgendeine Form von Intention mittragen.
Florian Bayer: Okay, folgen wir mal kurz diese Interpretation. Heißt das, wir haben hier eine Freundschaft, die sich zu einer homosexuellen Liebe entwickelt, die in Untertönen erzählt wird?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dieser Jack geht am Schluss nach Hause und heiratet Mary?
Johannes Franke: Das ist die große Schwäche des Films, muss ich sagen. Mhm. Sowieso. Also, weil es wird überhaupt nicht erklärt, warum er dann nach Hause geht und Mary und dann sagt, ach, mir ist übrigens aufgefallen, ich liebe dich. Und dann auch noch ihr erzählt, dass er einen Fehltritt in Frankreich sich erlaubt hat. Aber was für einen Fehltritt denn, weil die waren ja nicht zusammen. Die hatten ja keinen... Aber sie waren zusammen im Hotelzimmer. Ja, aber das hat sie, er wusste ja nicht, dass sie das ist. Nee, aber genau das meinte er ja mit Fehltritt, dass er quasi mit einer Frau zusammen war. Aber er muss, welchen, warum sollte er ihr das beichten müssen? Die waren ja nicht, die waren ja kein Paar vor dem Krieg. Sie hat sich ja nur an ihn rangeworfen.
Florian Bayer: Aber seine Unschuld ist damit ein bisschen verletzt. Ach Gott. Also, ich glaube, das ist schon, das gehört schon zu dieser Ritterlichkeit, dass sie keuch bleiben für ihre Frau, deren Fotositzende haben.
Johannes Franke: Schari, ich muss dir was erzählen, vor zehn Jahren.
Florian Bayer: Ja, gut, okay. Wir leben ihr Gott sei Dank nicht mehr in diesen Zeiten. Und ich meine, sie haben ja durch den gesamten Film über diesen Konflikt um die Sylvia. Es gibt ja nochmal diese Szene, bevor sie losfliegen, zur großen Schlacht, in der David dann auch abgeschossen wird, wo es nochmal um dieses Foto geht. Und zwar, wo David das Foto rausfällt. Ja. Und wo Jack das Foto rausfällt, weil er hat das ja von Sylvia. Und dann sieht David auf der Rückseite halt stehen, für dich, David. Und deswegen will er es zurückpacken bei Jack, damit Jack das nicht sehen kann, was es eigentlich ist. Sehr heroisch. Sehr heroisch. Und Jack denkt, David würde immer noch darunter leiden, dass Sylvia ihn liebt. Und dann streiten sie sich um das Foto und dann sieht David nur einen Ausweg und zerreißt das Foto. Und sie ziehen auch so, sie haben einen letzten Streit quasi, bevor sie gemeinsam in die Schlacht ziehen. Also dieses Triangle zwischen Sylvia, Jack und David ist ja omnipräsent in diesem Film. Das steht ja die ganze Zeit über ihrer Freundschaft. Und das ist ja auch, das wird ja auch oft betont, dass es darum geht, dass sie, was ist stärker? Unsere Freundschaft oder unser Konkurrenzkampf um diese eine Frau. Ja. Das kann man ja nicht einfach wegwichen. Das ist ja da.
Johannes Franke: Ja. Aber muss man mal sagen, oder? Es ist dramaturgisch echt ganz gut gemacht, dass sie das am Anfang aufschreibt hinten und dass sie dann ihren letzten Streit vor dem... Das ist doch ein typisches, dramatisches Element von einem Hollywood-Film heute, oder? Auf jeden Fall.
Florian Bayer: Du brauchst ein Missverständnis, das einen Konflikt erzeugt.
Johannes Franke: Und man hat immer, wenn man an die alten Filme denkt, an eine Stummfilmzeit denkt, denkt man immer so an billige Pantomime, die nichts erzählen kann, sondern die immer so platt bleibt. Aber das stimmt ja nicht. Und das finde ich so genial daran, an diesem Film. Ich freue mich allein deswegen über diesen Film, weil so viele dramaturgische Kniffe drin sind, die wirklich gut funktionieren.
Florian Bayer: Das ist krass. Es gab in den 20er Jahren schon Auseinandersetzungen mit dem Thema Homosexualität unter Soldaten und Homosexualität im Ersten Weltkrieg. Und tatsächlich, ironischerweise nicht von der amerikanischen Seite, sondern am stärksten von der deutschen Seite. Oh. Und zwar ein Pionier auf diesem Gebiet war der Sexualforscher, Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld, der eigentlich so als Mitbegründer der homosexuellen Bewegung gilt. Und der hat in den 20ern, also bevor dieser Film gemacht wurde, hat der ein Buch herausgebracht, die Sittengeschichte des Ersten Weltkriegs. Mit verschiedenen AutorInnen, die über Sexualität im Krieg geschrieben haben. Ein großes Thema war natürlich Prostitution an der Front. Und es gibt aber auch einen Abschnitt über Homosexualität in Kriegszeiten. Das wurde vor allem untersucht vom Wissenschaftlich-Humanitären Komitee, auch eine deutsche Vereinigung. Die Homosexuelle befragt haben zum Krieg. Und die haben natürlich vor allem Homosexuelle befragt, die quasi geoutet waren oder die für sich selbst geoutet waren und warum sie in den Krieg gezwungen sind und so weiter. Das heißt, es ging weniger um diese homosexuellen Untertöne, sondern mehr um wirklich Homosexuelle, wie ist ihr Verhältnis zum Krieg. Und tatsächlich gab es offensichtlich, also wie gesagt, ich bin hier, wir haben wenige Quellen, weil damals wurde das halt viel unter den Teppich gekehrt. Und deswegen bin ich so ein bisschen auf diese deutschen Quellen angewiesen. Aber da stehen ganz interessante Sachen drin. Und zwar gab es tatsächlich einen begeisterten Patriotismus bei vielen Homosexuellen. Viele Homosexuelle, also verhältnismäßig viele, sind in den Krieg gezogen offensichtlich. Und das ist unter anderem etwas, was Magnus Hirschfeld versucht zu erklären. Warum haben wir so viele Homosexuelle, die begeistert Soldaten sind? Weil damals waren natürlich auch noch sehr viele Klischees unterwegs. Und darüber redet er dann auch. Ja, die Homosexuellen sind ja eigentlich viel sensibler und viel zarter als heterosexuelle Männer. Und die können doch eigentlich, das passt doch überhaupt nicht, dass die Soldaten werden. Da haben wir halt so die Klischees, die bis heute fortbestehen. Und er versucht so ein bisschen damit zu erklären, dass zum einen Homosexuelle weniger familiäre Bindungen haben. Das heißt, es gibt nichts, es gibt nicht so viel, was sie zu Hause hält, weil sie tatsächlich einfach, ja, weil sie keine Ehen haben, weil sie keine Ehen eingehen können. Man muss dazu sagen, in Deutschland war tatsächlich die Verfolgung von Homosexualität deutlich stärker als in anderen Ländern. Und er sagt dann auch zum Beispiel, okay, und einige wollten genau deswegen nicht in den Krieg ziehen. Aber es gab trotzdem sehr viele, die für Deutschland in den Krieg gezogen sind. Das zweite war, das ist so ein sehr düsteres Kapitel, da es wohl Homosexuelle gab, die quasi mit einer Art Selbstmordwunsch in den Krieg gezogen sind. Dieses verborgene Leben, das ich führen muss, dem wird dann wenigstens ein Ende gesetzt, wenn ich auf dem Feld ehrenhaft sterbe. Was ziemlich tragisch und ziemlich abgefuckt ist. Und dann streift er zumindest auch das Thema, dass die Kameradschaft unter den Soldaten irgendwie diese sehr starke Nähe zur gleichgeschlechtlichen Liebe hat. Einfach weil man eben aufeinandersitzt, miteinander lebt, quasi in Gemeinschaften, die irgendwie als Eheersatz dann auch fungieren. Und er bringt zumindest kurz den Punkt, es könnte sein, dass das mehr Möglichkeiten gab, romantische oder sexuelle Verbindungen mit anderen Männern aufzubauen. Dass einfach durch diese krassen Nähe, die man hatte und durch diese Kameradschaft, dass dadurch auch Romantik verstärkt wurde. Aber er geht natürlich immer von Menschen aus, die wussten, dass sie homosexuell sind, als sie in den Krieg gezogen sind. Weil hier im Film haben wir natürlich keine bewussten Homosexuellen.
Johannes Franke: Nein, es wird nicht erzählt zumindest, nee.
Florian Bayer: Und dann könnte man aber die Frage stellen, und das ist das, was da hier leider fehlt, inwiefern kann Homosexualität erblühen in Kampfzeiten? Weil wir haben natürlich die Situation, jemand geht als Junge zur Armee und kommt als Mann nach Hause. Das heißt, es findet eine Entwicklung statt in Kriegszeiten. Absolut. Und das ist auch genau die Zeit, in der sich sowas überhaupt entwickelt. Genau, so eine Entwicklung hat ja auch mit Selbsterkenntnis zu tun. Und du lernst dich selbst erst richtig kennen, wenn du mit Krisen konfrontiert bist, wenn du mit Menschen konfrontiert bist, mit denen du vorher nichts zu tun hattest und so. Und das wäre natürlich ein starker Punkt, dass man sagt, okay, wir haben hier eine erblühende Homosexualität, die dann leider durch den Tod zerrissen wird. Ja, genau. Aber dann wird sie auch tatsächlich so zerrissen, dass wir zurück zum Heteronormativen kommen. Und am Schluss ist ganz klar, er kommt zu ihr und führt sein schönes bürgerliches Leben mit Ehefrau.
Johannes Franke: Ja. Und wird auch nicht kritisch erzählt oder sowas, sondern es wird als Ja und jetzt Happy End für den einen Menschen. Genau. Wird er für die beiden.
Florian Bayer: Und wenn, dann würde ich halt sagen, diese homosexuellen Untertöne sind halt was, was nicht in dem Film angelegt war. Was man aber total gut als dekonstruktivistische Fingerübung in den Film reinlesen kann. Da bin ich gerne dabei.
Johannes Franke: Ja. Ich denke schon, ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin schon überzeugt davon, dass er das irgendwie mit reingeschrieben und reingebaut hat. Er hat ja auch, das ist auch der erste Film, einer der ersten Filme, die so ganz casual nackte Menschen mit drin hat. Ja. Und die so auch mit Sexualität spielen, auch wenn sie keinen Sex zeigen. Aber sie, wenn die zum Beispiel in Paris in diesem Zimmer landen und wir sehen kurz ihre Brüste. So ganz, ganz, ganz kurz.
Florian Bayer: In der Paris-Szene gibt es, in der Bar-Szene in Paris gibt es auch tatsächlich ein homosexuelles Frauenpaar. Ja, genau.
Johannes Franke: Solche Sachen. Also es ist halt, der Film ist ja nicht völlig frei davon und wir interpretieren das jetzt rein, sondern es sind ja schon hier und da kleine Sachen, die mit Sexualität zu tun haben, die mit Homosexualität zu tun haben und so. Das ist ja alles irgendwie tatsächlich mit drin. Die Frage ist halt, wie groß ist die Tragweite? Aber dass es überhaupt jemand macht, zwei Frauen an einen Tisch zu setzen, die einfach als Easter Egg, aber eben eindeutig homosexuell sind, da muss man ja auch erstmal einen gewissen Rucksack mitbringen zum Set, in dem das vorhanden ist schon.
Florian Bayer: Wenn man es negativ interpretieren will, also dem Film Böses will sozusagen, kann man natürlich das so lesen, dass hier eine Art Sodom gezeigt wird. Weil es geht ganz klar, in dieser ganzen Paris-Szene geht es ganz klar darum, dass Menschen versuchen, den Schrecken des Krieges zu vergessen und zu überwinden und dann stürzen sie sich in Eskapaden. Und deshalb gibt es ja auch diese starke Bewertung von der Betrunkenheit von Jack. Ja. Das ist ja was Schlimmes, was er da gerade macht. Ja. Er ist betrunken, er würde fast mit dieser Französin im Bett landen und er wird von Mary gerettet.
Johannes Franke: Sie ist eigentlich der Engel, der kommt und ihm die Unschuld rettet. Hm, ja. Oh mein Gott. Aber die sich auch wieder selbst vergisst dabei, ne? Also wurde wirklich, das ist auch ein bisschen hart. Naja, sie verliert ihren Job deswegen, also sie wird rausgeschmissen. So viel wie die sich dann opfert für ihn, das ist schon auch ein bisschen, oh Gott.
Florian Bayer: Ja. Aber das ist das, was die Leute natürlich damals sehen wollten. Clara Bow, die halbnackt ist, im Hotelzimmer mit ihm landet, gleichzeitig ein bisschen witzig, ein bisschen süffisant und die dann erwischt wird und das ist dann eine peinliche Situation. Aber wir sehen viel nackte Haut dabei.
Johannes Franke: Ja, ja, genau. Ah, ja. Ach, ich weiß nicht. Ich lese das da sehr gerne rein und ich habe auch das Gefühl, dass die sehr, sehr zärtlich miteinander sind. Auch vorher schon, nicht erst wenn der Typ stirbt, sondern nach dem Boxding. Der streift da dem einen ja irgendwie, nachdem die da so geschlagen vom Feld gehen, schon mit dem, noch die Boxhandschuhe an, so die Haare zur Seite, ganz zärtlich und so.
Florian Bayer: Das ist so süß. Ich finde das ganz toll. Ich glaube, was man ohne jeden Zweifel und auch ohne Goodwill einfach reinlesen kann, ist, dass hier wirklich sehr schön männliche Zärtlichkeit gezeigt wird zwischen zwei Männern. Vollkommen unabhängig von der Intention, ob das jetzt, ob das romantisch ist, ist es einfach schön, dass den Männern wirklich sehr viel Zeit gelassen wird. Und nicht nur ihre sensible Seite zu zeigen, sondern auch wirklich zärtlich miteinander umzugehen, auch physisch.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Das ist was, was ja bis zum heutigen Tag viele Hollywoodfilme einfach nicht machen und sich nicht trauen. Wenn Männerfreundschaften gezeigt werden, sind das ja so diese klassischen Bodydinger, wo sie sich gegenseitig auf die Schultern hauen. Und wenn es überhaupt irgendwie körperliche Nähe zwischen zwei Männern gezeigt wird, dann meistens irgendwie in einem homophoben Setting, wo sich drüber lustig gemacht wird, dass die beiden Männer sich zu nah gekommen sind und sich danach besonders männlich verhalten müssen. Genau. Das macht der Film nicht, er macht das nicht ironisch, er macht sich nicht drüber lustig, sondern er zeigt hier einfach in einer wirklich langen Szene, die Sterbezähne von David dauert fünf Minuten, wenn nicht sogar noch länger. Ja. Zeigt er einfach mal, wie zwei Männer sehr lange einfach nur auf sich fokussiert sind und zärtlich zueinander sind. Und das ist toll. Ja, absolut.
Johannes Franke: Ach schön, ja. Also deswegen, es gibt so viele, viele Sachen, die dieser Film irgendwie richtig macht oder die dieser Film neu macht oder wo er Sachen anstößt. Also sei es auf der technischen Seite oder auf der erzählerischen Seite. Ich finde es ganz beeindruckend. Und was mich ein kleines bisschen, um halt so ein bisschen auf diese andere Seite zu schauen, ich finde es gibt ein paar zu viele Flugzehen. Ja, definitiv. Echt, wo man dann denkt, ah ja, okay, ich weiß es ja jetzt, du musst mir das nicht nochmal und nochmal erzählen. Auf die ein oder andere war Art und Weise, aber der war halt wirklich sehr stolz auf diese Kamerafahrten. Tatsächlich haben viele Zuschauer in die Flugzehen für historische Aufnahmen. Ja, genau. Die haben echt gedacht, der hat ja Originalmaterial verwendet. Das ist, das musst du erst mal schaffen. Das ist echt beeindruckend.
Florian Bayer: Also was für mich tatsächlich so ein bisschen der Dreh- und Angelpunkt ist, der den Film schwierig macht, ist diese Romantisierung des Krieges. Wir haben hier ganz traditionelle Heldengeschichten. Ja. Und auch wenn der Film das versucht, immer so ein bisschen aufzubrechen, das macht er total lasch. Und letzten Endes geht es eben doch um das Narrativ. Wir haben hier Helden der Lüfte. Ja. Sie kämpfen für Ruhm und Ehre. Sie sind moderne Ritter. Aber es gibt einfach eine ganz kleine Faszination am Krieg, der der Film erliegt.
Johannes Franke: Absolut. Absolut. Also diese Faszination des Krieges macht mir auch immer wieder Schwierigkeiten. Beziehungsweise ich bin im Film so gewogen, dass ich das nicht will. Dass ich die ganze Zeit denke, komm, jetzt krieg die Kurve und erzähl mir, dass Krieg scheiße ist.
Florian Bayer: Aber das ist natürlich auch ein Problem des Genres an und für sich. Also ich finde, es gibt gute Kriegsfilme. Gibt es eigentlich gar nicht. Ja. Und ganz viele Antikriegsfilme, kann man sagen, gut, so versucht, okay, super.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: So eh für Effort, ne? Ja, genau. Aber eigentlich erliegen die meisten dann eben doch der Faszination am Kampf und an der Schlacht. Selbst wenn Filme versuchen, Antikriegsfilme zu sein, scheitern sie oft. Und das passiert dem Größten. Das ist auch Stanley Kubrick passiert. Selbst ein Film wie Full Metal Jacket, der sich als Antikriegsfilm gibt, scheitert daran, weil er eben doch zu sehr begeistert ist, dann von der Ästhetik des Kampfes, von der Ästhetik des Soldatentums. Ja. Also es ist so, es liegt einfach in dem Genre begraben. Leute, wenn ihr gute Antikriegsfilme kennt, empfehlt mir gerne welche. Ich habe so viele Antikriegsfilme mittlerweile gesehen, wo ich das Gefühl hatte, nee, es funktioniert nicht. Saving Private Ryan, Platoon. Immer gute Ansätze, aber dann doch immer zu viel Heldengeschichte, die dann doch irgendwie reinkommt. Ja, scheiße. Und der Film ist natürlich auch als Blaupause für das Kriegsfilm-Genre, hat das eben deutlich krasser. Der versucht kein Antikriegsfilm zu sein, der ist einfach ein Helden-Epos. Mhm. Ja. Und ich glaube, das ist natürlich auch ein Problem, was vor allem eben so große, epische Kriegsfilme haben. Kriegsfilme laden dazu ein, viel Geld zu investieren, große, aufregende Zähne zu drehen. Wir haben, glaube ich, lang und breit über die visuelle Attraktivität dieses Films geredet, die niemand leugnen kann.
Johannes Franke: Die kriegst du halt nur, wenn du wirklich viel Geld in die Hand nimmst, ne? Und der Film hatte was für ein Budget? Zwei Millionen? Zwei Millionen. Was heute umgerechnet irgendwas mit 30 Millionen wären. Ja. Stell dir das mal vor, in den 20ern 30 Millionen für einen Film auszugeben, wie krass ist das denn bitte?
Florian Bayer: Und das war ja eine wirtschaftlich durchaus schwierige Zeit.
Johannes Franke: Ja, genau. 27.
Florian Bayer: Börsenkrise steht kurz bevor.
Johannes Franke: Steht kurz bevor, ja.
Florian Bayer: Ja, wir haben eigentlich noch so eine goldene Ära, wo sie alle denken, ah, wir können das Geld draufhauen.
Johannes Franke: Stimmt, wir haben das noch, ne? Ja. Aber es ist schon krass. Also 30 Millionen musst du erst mal investieren. Vor allem bei einem Film, wo du denkst, als Finanzier zum Beispiel denkst, was hat der da vor? Ich habe keine Ahnung, ob das klappt. Das ist ja alles neu, was du da machen willst. Ja. Also da muss man auch wirklich viel Geduld und viel Interessismus haben.
Florian Bayer: Und er hatte ja mehrere Finanziers zusammen. Es gab dann einen Hauptfinanzierner, Otto Kahn, der auch beim Set mal vorbeigekommen ist. Großer Fehler. Und er hat für ziemliches Chaos gesorgt. Also gerade bei der, er war bei der finalen Schlachtszene dabei von Samuel. Die er 30 Tage geprobt hat. Ja. Das ist unglaublich. Und dann kommt dieser Otto Kahn und bringt alles durcheinander. Und es gab wohl auch, er hat irgendwie Explosionen-Timings kaputt gemacht, weil er irgendwie, ich stelle mir vor, wie er so über das Zent latscht und sagt, Moment, was macht ihr denn da? Und im Mittag kommt, explodiert eine Kirche und dann springt Wellman auf, tatsächlich, Wellman ist aufgesprungen und schreit rum.
Johannes Franke: Völlig verständlich. Vor allem, weil Wellman ja auch die Explosions selber gemacht hat. Der hat ja wirklich, weil der genau wusste, okay, dann muss das, dann muss das, dann muss das. Der hat sich niemanden genommen, der das macht für den, sondern der hat wirklich selber aufs Knöpfchen gedrückt, wenn welche Explosion kommt. Und dann kommt da irgendein Depp und stellt sich da hin und sagt, was ist denn hier los? None|Das gibt's nicht. Und er muss ihn wirklich mit übelsten Beschimpfungen des Settes verwiesen haben. Aber man muss auch sagen, dass Wellman von ganz vielen Seiten als echt harter Hund bezeichnet wird, muss man sagen. Der hat wirklich, der hat wahrscheinlich mit dem Militär, deswegen hat das Militär ihn wahrscheinlich auch mit Kusshand genommen, weil er wahrscheinlich genau auf deren Linie so an männlichem Auftreten, hier wird das so gemacht und das wird so gemacht und wir machen das so und das so. Und nicht anders. Irgendwie hat er wirklich eine ganz klare Vision im Kopf gehabt. Der hat wirklich genau gewusst, was, wie, wo zu sein hat.
Florian Bayer: Der wollte sein Ding durchziehen und Kahn war davon beeindruckt. Der wurde angeschrien, der wurde zu Sets verwiesen als Hauptfinanzier. Und an diesem Abend geht er ins Hotelzimmer von Wellman und sagt, wow, gute Arbeit. Guter Regisseur. Du kannst alles haben, was du brauchst. Mach diesen Film fertig. Das ist unglaublich. Total krass. Und ich meine, es hat sich gelohnt. Ja. Wir haben hier einen Oscar-Gewinner. Wir haben den Oscar-Gewinner.
Johannes Franke: Den allerersten Oscar-Gewinner. Der hieß noch nicht Bester Film, sondern der hieß noch Best Production oder sowas. Ja. Aber krass.
Florian Bayer: Und auch für technische Sachen.
Johannes Franke: Ich weiß nicht, es gab schon zehn Kategorien mindestens, oder?
Florian Bayer: Es gab schon einiges. Ja, die erste, also ganz kurz zur ersten Oscar-Verleihung. Es war eine Zeit, in der die Filmindustrie so ein bisschen in der Krise war. Zum Beispiel dadurch, dass das Radio aufgekommen ist. Die Leute sind weniger ins Kino gegangen und es gab diesen Haze-Code, der angefangen hat. Der Film steckte so ein bisschen in der Krise. Wie können wir den Film retten? Natürlich, indem wir große Gala machen, Filme auszeichnen. Die erste Oscar-Verleihung fand am 16. Mai 1929 statt vor 270 Gästen. Ja. Und die Oscar-Gewinner wurden im Gegensatz zu heute drei Monate vorher von der Presse angekündigt. Und im nächsten Jahr wussten sie das schon. Wie antiklimaktisch. Keine gute Idee und haben es geheim gehalten.
Johannes Franke: Sehr schön. Und die haben 1929, natürlich weiß ich das wieder, Charles Chaplin in drei Kategorien nominiert. Und haben dann schnell den wieder weggenommen von den Nominierungen, als es eigentlich schon zu spät war. Weil sie ihm einen eigenen Preis für all das gegeben haben. Der hat einen extra eigenen Preis bekommen, weil er einfach den Hammer-Film gemacht hat. Und es war nicht der beste Film, sondern der hat irgendwie eine Sonderehrung von der Academy bekommen. Total krass. Ja. Auch irgendwie schön. Ja. Für den Film, der da gerade rauskam. Was war denn das? War das Licht in der Großstadt? Nee, was war denn das? Ich weiß es nicht. Ich kann ganz kurz googeln, ob ich es finde. Ja. Chaplin, 1929 Oscar.
Florian Bayer: Also The Circus wurde von der Academy freiwillig zurückgezogen. Ja, genau. Und dann hat Charlie Chaplin diesen Special Award gekriegt. Genau.
Johannes Franke: Ja, ja, weil in drei Kategorien war er nominiert und die waren einfach, der hätte sonst drei Preise gewonnen. Und weil der einfach so gut war. Und The Circus ist auch wirklich gut. Ihr müsst euch diesen Film angucken. Und es ist tatsächlich bis 2012 der einzige Film gewesen, der einen Oscar bekommen hat, der ein Stummfilm war. Ja. Wir sind am Ende der Stummfilm-Zeit, ne? Danach gab es ja Tonfilme und dann haben wir immer Tonfilme den Oscar bekommen. Also zumindest für bester Film. Und wenn ihr wissen wollt, wer 2012 als bester Film den Oscar, als bester Stummfilm gewonnen hat, den haben wir auch schon mal besprochen. Den haben wir schon besprochen. Das war The Artist. The Artist. Schaut euch, hört euch diese Episode an. Die ist auch sehr, sehr schön. Weil wir auch über Stummfilm-Zeit reden und dann über die Transition heute und so. Und was für schöne Reminiszenzen und Hommagen es so gab. Haben wir noch ein großes Thema, was wir noch aufmachen wollen? Oder wollen wir uns in die Top 3 stürzen?
Florian Bayer: Wir stürzen uns in die Wolken hinein. Kannst du einmal Reinhard May anspielen, bitte? Äh, äh. Jingle.
Johannes Franke: Unsere Top 3. Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Und so weiter und so fort. Äh, Top 3. Über den Wolken. Äh, die Kategorie hattest du, Clor, vorgeschlagen, Clor. Ich, ähm, ich war sehr spät daran mit dran, mir den Top 3 auszudenken. Und da hast du mir einfach gesagt, ah komm, wie wär's mit über den Wolken? Und ich so, äh, okay. Und hab dann erst festgestellt, dass es eine blöde Idee war. Hattest du Schwierigkeiten, was zu finden? Ich hatte Schwierigkeiten. Ach, verdammt. Ja, weil, also, ganze Filme in Wolken fand ich schon schwer genug. Und dann hab ich gedacht, dann finde ich vielleicht Szenen in Wolken, die ich besonders toll finde. Aber auch da wird's dünn. Luft, da oben ist halt dünn. Ja, die Luft oben ist dünn. Das können wir schon mal festhalten. Aber du bist, du hast in deinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen viel mehr Glück gehabt als ich.
Florian Bayer: Ich hab auf jeden Fall drei Honorable Mentions. Oh Gott. Und dann noch eine Top 3, auf die ich eigentlich recht stolz bin. Also man kann, man kann drüber diskutieren, ob das eigentlich, bei Zweien kann man sagen, das ist nicht über den Wolken, das ist unter den Wolken, aber es ist so knapp unter den Wolken, dass es okay ist.
Johannes Franke: Nein, ich bin hart über dich richten, Flo, weil du diese Kategorie vorgeschlagen hast. Ich hab auch Honorable Mentions. So, dann leg mal los. Ich hab Wizard of Oz, weil sie fliegt durch die Wolken nach Oz. Fantastisch. Nach Oz. Super, auf jeden Fall. Sehr schön. Hätte auch in meine Top 3.
Florian Bayer: Super Szene und die Hexe kommt dann noch vorbeigeflogen. Super Szene und dann die Transition von Schwarz-Weiß zu Farbfilm.
Johannes Franke: Wahnsinn. Toll, ganz toll. Und Trip to the Moon, was über den Wolken, sehr weit über den Wolken im Weltall ist.
Florian Bayer: Ja, stimmt, stimmt, kann man auf jeden Fall machen. Sie fliegen durch die Wolken, um zum Mond zu kommen.
Johannes Franke: Und Soul. Unser Jazz-Film, den wir auch schon besprochen haben, von Pixar, was eine ganz großartige Darstellung von über den Wolken, also so Afterlife ist. Und an den hab ich gar nicht gedacht. Und du sagst, du hattest Probleme und der ist nicht mal in der Top 3 gelandet? Wow. Na, weil der nicht wirklich in den Wolken, der hat nichts, ich seh keine einzige Wolke in dem Film. Und da hab ich gedacht, na, vielleicht rennen sie nicht die ganze Zeit durch so ein Wolkenland. Was? Na, ist das ein Wolkenland?
Florian Bayer: Moment. Moment. Schauen wir uns nochmal kurz Bilder von Soul an, weil ich hab das Gefühl, die rennen die ganze Zeit durch Wolken.
Johannes Franke: Dann hätte er meine Top 3 gekonnt, dann müsste der in die 1. Alter, das sind, naja. Sind das Wolken? Das sind keine Wolken. Nee, sind eher so Felder. Aber es ist eine ganz, ganz tolle Visualisierung des Great Before, nämlich nicht des Great Beyond, also nicht wirklich der Himmel, sondern die Warteschleife, bevor man als Seele auf die Erde kommt. Ja. Und da ist er irgendwie gefangen durch Umstände, die ihr euch angucken müsst. Und das wird so wahnsinnig toll visualisiert, wie die Seelen da sind.
Florian Bayer: Fantastisch, ja.
Johannes Franke: Irgendwie so ein Jeff heißt er, glaube ich, der Typ, der, also die 200.000 Typen, die alle Jeff heißen und immer gleich aussehen, die sich um diese Seelen kümmern und die irgendwie, die nach draußen schicken. Starker Film, haben wir auch besprochen. Das ist so ein großartiger Film, ganz toll.
Florian Bayer: Tolle Musik vor allem. Ja, von Jean-Baptiste. Wer Pixar mag, wird diesen Film lieben und man muss, glaube ich, nicht mal Pixar mögen, um diesen Film zu lieben. Das ist einfach ein schöner Film. Ja, ja. Okay. Meine Honorable Mentions. Ich muss einfach den Klassiker des Luftfahrtfilms nennen, der später kam, und zwar des Luftfahrt-Katastrophenfilms. Es ist nur eine Honorable Mention, weil er alles andere als perfekt ist. Aus dem Jahr 1970, Airport. Der erste große Luftfahrt-Katastrophenfilm, so ein bisschen cheesy, so ein bisschen corny. Aber er spielt halt die ganze Zeit im Flugzeug, in den Wolken und hat diese ganzen Tropes, die der Katastrophenfilm hat, so wunderbar konzentriert. Es ist kein Meisterwerk, aber es ist wirklich ... Aber warum heißt der Film dann Airport, wenn er nicht auf dem Airport ... Ja, gute Frage. Naja, es gibt tatsächlich immer wieder diese Schaltungen zum Airport, mit denen sie Funkverkehr haben. Okay. Und das Thema ist einfach, der Pilot kann halt nicht mehr fliegen und ist hier ein Arzt an Bord? Ist hier jemand an Bord, der die Maschine fliegen kann? Okay. Ein guter Film. Okay. Also man muss ein bisschen was dafür übrig haben für diese 70er-Jahre-Cheese-Ness, weil es ist schon teilweise so krass und natürlich hat der Pilot, der das Flugzeug dann nachher rettet, hat eine Affäre mit einer Stewardess und es sind so die ganzen Klischees-Versorgung. Okay. Eine weitere Anordnung für Menschen, ein Musikvideo, um mal ein bisschen unsere Struktur zu brechen. Schön. Von Bright Eyes at the Bottom of Everything. Bright Eyes ist eigentlich ein Solokünstler, der heißt Conor Obers.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und er macht so Songwriter-Indie-Weird-Folk.
Johannes Franke: Was ist das für ein Genre, Flo? Kannst du das nochmal wiederholen, bitte?
Florian Bayer: Er macht Folk, er ist ein Songwriter. Er macht Folk, aber er hat manchmal so ein bisschen was Schräges mit drin, aber auch sehr oft sehr viel Kitsch. Okay. Und ich bin gar nicht so ein großer Bright Eyes-Fan, muss ich dazu sagen. Der ist mir meistens zu kitschig. Aber er hat ein ganz tolles Lied gemacht, das heißt At the Bottom of Everything. Und in dem Lied geht es darum, dass eine junge Frau in einem Flugzeug sitzt und dann stürzt das Flugzeug plötzlich ab und man hört durch die Sprechanlage den Piloten, der sagt, oh mein Gott, tut mir leid, tut mir leid, tut mir leid. Und diese junge Frau dreht sich zu dem Mitpassagier um, ein älterer Herr, der davor die ganze Zeit seine Bloody Marys geschlürft hat und fragt, oh mein Gott, wo geht's hin? Und dann sagt er, wir gehen zu einer Party. Es ist deine Geburtstagsparty. Happy Birthday, Darling. Und dann geht das Lied los. Also das erzählt Conor Obers, bevor das Lied losgeht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann singt er einen total fröhlichen Tune, dass wir feiern müssen, dass wir tanzen müssen, dass wir das Leben genießen müssen, weil es bergab geht. Und in dem Videoclip dazu sieht man eben das Flugzeug und sie sitzen in dem Flugzeug, das Flugzeug stürzt ab und sie feiern. Und es ist so schön, weil sie wissen, sie werden sterben und sie genießen die letzten Sekunden. Und dazwischen wird noch so mit so Pappmaché das Flugzeug gezeigt, wie es von den Wolken hin und her gewirbelt wird. Und wir sehen die Leute, die im Flugzeug sitzen und knutschen und saufen und jubeln und einfach Spaß haben und singen. Und es ist wirklich süß, tragisch, total kitschig. Aber manchmal habe ich einen Softspot für sowas. Du hast gerade ausgesehen wie so ein 13-jähriges Mädchen. Oh, ich habe so einen Softspot. Es sind vier Minuten. Ihr solltet euch das anschauen. Ich zeige es dir vielleicht nachher. Ja. Videoclip zu Bright Eyes at the Bottom of Everything. Klingt total schön. Und meine letzte Honorable Mention ist Drachen Sam leicht gemacht. Ach. Nicht von Pixar, sondern von DreamWorks. Habe ich auch schon drüber nachgedacht, den reinzuhauen. Mit den beeindruckendsten Flugzenen des 20. Jahrhunderts. Ein CGI-Film, der damals auch so auf 3D getrimmt wurde, aber er funktioniert auch außerhalb von 3D. Ja, absolut. Und die Flugzenen sind unglaublich beeindruckend. Die sind wirklich gut gemacht. Du hast das Gefühl, du schwingst dich mit einem Drachen in die Lüfte. Auch zehn Jahre ist der mittlerweile alt oder so. Der ist toll. Der ist nach wie vor einfach super. Es ist einer der besten DreamWorks-Filme tatsächlich. Der ist von, sind glaube ich keine zehn Jahre. Er ist von 2010. Das sind genau schon mehr als zehn Jahre. Hat auch zwei Fortsetzungen, die auch sehenswert sind. Toller Film. Schön. Ich muss anfangen mit der 3, oder? Ja, genau. Mach mal. Damit du die eins als letztes machen kannst. Mein Platz 3. Und da haben wir gleich den ersten Streitkandidaten, weil sie fliegen nicht wirklich über den Wolken. Ein Kinder- und Jugendfilm aus dem Jahr 1996. Amy und die Wildgänse. Ah, ja. Das ist okay. Ein wunderschöner Film. Ich dachte, ich muss jetzt mit dir streiten, aber das ist vollkommen in Ordnung. Ein junges Mädchen, das seine Mutter verloren hat und deswegen auf der Farm ihres Vaters lebt, der von ihrer Mutter geschieden war, findet da Wildgänse-Eier und brütet die quasi aus, indem sie halt ihnen Wärmekissen macht und Licht leuchtet und so weiter. Und die, wie das Wildgänse so an sich haben, ist das Erste, was sie sehen, ist ihr Muttertier und sie bleiben dann an ihr hängen und laufen ja überall hinter ihr her. Der Winter naht, die Gänse fliegen in den Süden. Und Gott sei Dank ist Amys Vater ein kleiner Leonardo und baut Fluggeräte und er baut ihr dann ein Fluggerät, mit dem sie vorfliegen kann, damit die Gänse ihr in den Süden folgen und er fliegt mit nach einer wahren Begebenheit angeblich, weiß ich nicht, ist egal. Es sind halt so, sie fliegen dann halt mit diesen superleichten Flugzeugen, fliegen sie halt Richtung Süden und haben die Wildgänse bei sich und es ist einfach ein unfassbar schöner Film von Carol Ballard aus dem Jahr 1996 mit einer sehr jungen Anna Paquin, die man heute vielleicht kennt aus der Serie True Blood und aus diversen anderen Filmen und man, ah, die hat auch in diesem neuen Netflix-Film mitgespielt, wo es um diese deutsche, ne Quatsch hat sie nicht, das war eine andere Anna, das nehme ich wieder zurück. Okay. Auf jeden Fall toller Film, absolut sehenswert mit Jeff Daniels noch zusätzlich, wenn ihr ja noch Star-Power braucht, aber der Film, ja, sollte man gesehen haben. Okay.
Johannes Franke: Mein Platz 3 ist mehr nur eine Szene als alles andere, aber doch eine ausgedehntere, deswegen darf sie mit in die Liste und zwar die Stadt in den Wolken bei Star Wars. Oh ja. Ja. Lando Carissia oder wie er heißt, der da wohnt.
Florian Bayer: Dieser ängstliche Blick werden mich gleich Star-Wars-Fans töten. Lando, ja. Lando.
Johannes Franke: Großartig. Das ist wirklich toll, also wie die da, ich glaube, als ich das erste Mal das gesehen habe, war das so mein Highlight für diesen Film, für den ganzen Film, weil ich gedacht habe, wow, okay, die Stadt in den Wolken, über die Wolken, da diese, was er einfach geschafft hat, grafisch, wie das aussieht, das ist großartig. Ja. Dann landen die da und haben dann ihre Dingens da im Rest des Studios, egal, aber allein die Stadt über den Wolken, diese Aufnahmen da, sehen sehr gut aus, ganz, ganz toll gemacht.
Florian Bayer: Toller Film, Star Wars, Empire Strikes Back, der zweite Teil, also Episode 5. Bevor mich, bevor mich jetzt auch noch Star-Wars-Fans kreuzigen. Du bist schon so viel gekreuzigt, Blur, von allen möglichen Leuten, von allen möglichen Zeiten, die diesen Podcast hören, aber ich bin auch längst tot. 1980 und dafür echt beeindruckend. Ich meine, das ist auch schon 40 Jahre her, ne? Wow, das ist total krass, meine Güte. Okay, ja, dein Platz 2. Mein Platz 2 ist, auch unter den Wolken, ist der Himmel über Berlin. Aber man sieht die Wolken, die Stadt berühren und man sieht diese Engel, wie sie auf den Gebäuden sitzen und quasi an den Wolken dran sind und das sind so tolle Bilder.
Johannes Franke: Also es ist ein toller Film und es sind tolle Bilder, aber da streite ich mehr mit dir. Das ist nicht dein Thema über den Wolken.
Florian Bayer: Aber, also wenn du die Siegessäule nimmst, das ist doch schon sehr hoch und sonst... Sie sind in den Wolken drin. Die Wolken hängen tief in Berlin, es ist Herbst. Wim Wenders, aus dem Jahr 1987.
Johannes Franke: Okay. Mein Platz 2 ist Up in the Air. Und zwar mit George Clooney und Anna Kendrick und dieser anderen Frau. Oh nein, es tut mir so leid. Und warum weiß ich den Namen nicht?
Florian Bayer: Den ich noch nicht gesehen habe, aus dem Jahr 2009 von... ist von Reitman? Von Jason Reitman. Dem Sohn von Ian Reitman? Ja, dem Sohn von Ewan Reitman, der unter anderem auch Juno gemacht hat. Das, was Bob Andrews sagt.
Johannes Franke: Also, genau. Dieser Film handelt von einem Typen, also George Clooney und dieser anderen Frau, die da einfach nur im Grunde ihr Leben lang dem Beruf gewidmet haben, in der Gegend rumzufliegen und von Firma zu Firma in der ganzen Welt hin und her zu jetten. Er, sein Job ist es, Leuten schon beizubringen, dass sie gefeuert sind in irgendwelchen großen Firmen und hat eigentlich kein Privatleben und findet das irgendwie geil. Und sie irgendwie auch und dann treffen sie sich immer mal wieder auf irgendwelchen Flughäfen und haben dann irgendwie was miteinander und fliegen dann wieder auseinander und dann haben sie irgendwie immer wieder, verabreden sie sich dann auch irgendwann, aber sie haben eigentlich drauf gehofft, dass sie sich einfach immer wieder zufällig treffen. Also, der Haupthandlungsort sind Flughäfen? Nein, der Haupthandlungsort ist oben über den Wolken.
Florian Bayer: Und du ärgerst dich über meinen Himmel, Himmel über Berlin, ganz klar in den Wolken, während deine Protagonisten an Flughäfen rumhängen.
Johannes Franke: Ich habe schon mal nicht Terminal genommen, oder wie hieß der Film? Oh, Terminal war schön. Ja, aber das ist auch ein Flughafen die ganze Zeit. Tom Hanks als Exilant, der nicht einreisen darf. Der Film war total beeindruckend, weil diese Geschichte halt wahr ist. Und man denkt, oh mein Gott. Der hat echt lange Zeit auf diesem Flughafen gelebt. Jahrelang am Flughafen gewohnt. Ja. Krass, Mann. Einfach, weil du nirgendwo mehr rein darfst in irgendeinen Staat. Krass, Mann.
Florian Bayer: Dein Platz 1. Mein Platz 1 ist, das ist jetzt aber wirklich im Himmel, über den Wolken, Laputa, das Schloss im Himmel. Ich habe wieder einen japanischen Studio Ghibli-Anime auf Platz 1 gepackt, wo sie die ganze Zeit auf der Suche sind nach diesem Schloss im Himmel, das titelgebend ist. Und irgendwie ist es so ein bisschen Steampunk und sie kämpfen dann gegen Luftpiraten und gegen das Militär und dann schaffen sie es irgendwann, über die Wolken zu fliegen und landen auf dieser wirklich fliegenden, schwebenden Insel, die von Robotern bevölkert wird, die seit Jahrhunderten, glaube ich, da nicht sind und nichts mehr zu tun haben, außer so ein Tempel zu bewachen. Und dann bewegen sie sich halt wirklich über den Wolken auf dieser Insel und die Bilder sind einfach Studio Ghibli und Hayao Miyazaki, typisch total schön. Ein toller Film, irgendwie so zwischen Poesie, Fantasy und wilder Action-Verfolgungsjagd. Großartig. Ja.
Johannes Franke: Oh. Ja, Studio Ghibli-Filme habe ich einfach zu wenig gesehen, aber ich weiß, ich habe sofort so ein ästhetisches Bild im Kopf. Also natürlich dieser große Studio Ghibli-Film, welcher war das nochmal?
Florian Bayer: Chihiro.
Johannes Franke: Chihiros Reise, genau. Den habe ich natürlich gesehen.
Florian Bayer: Ich habe angefangen, Studio Ghibli-Filme mit meinem Sohn zu gucken. Ach, wie schön. Er war angetan davon, obwohl nicht so viel Action ist und obwohl sie auch so, ich glaube, er würde manchmal sagen, oh, das ist doch langweilig, so viel komisches Zeug, was da passiert. Aber er fand sowohl Laputa als auch Chihiros Reise ins Zauberland, fand er toll. Schön.
Johannes Franke: Ja. Mein Platz 1 ist ein Film, der schon eine ganze Weile her ist, aber ich kann mich im Grunde nur noch erinnern, dass ich ihn wirklich, wirklich toll fand und traurig und ich weinen musste. Ab von Pixar. Oh Gott.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Es ist so ein unglaublicher Film gewesen, wo dieses Haus mit diesen riesigen Ballons in die Luft gehoben wird und dieser alte Mann mit dem dicken Kind. Dicken Pfadfinder-Kind. Ja. Das ist so toll. Die sind beiden auch ein ganz tolles Team. 2009.
Florian Bayer: Großartig. Der Film mit einem der traurigsten Intros, Präludien der Filmgeschichte, wo dieses Leben gezeigt wird von ihm und seiner Frau. Ja, und dann stirbt die Frau irgendwann. Ja. Und sie will eigentlich Kinder haben und sie will eigentlich reisen und wir sehen so diese ganzen, sie, eigentlich so ein Leben, was nicht so läuft, wie sie möchte. Ja. Und das bringt ihn ja dazu, dann hochzufliegen, weil sie wollte eigentlich reisen und sie haben das nicht gemacht und das ist echt traurig.
Johannes Franke: Ja, da fängt der Film schon mit so einem Downer an. Ja, total. Das ist unglaublich. Aber wirklich, er hat es echt gut geschafft, dich da wieder hochzuholen, dich da wieder reinzuziehen und zu sagen, guck mal, und hier ist der hoffnungsvolle Teil der ganzen
Florian Bayer: Sache. Wir haben das Traurige abgehandelt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Jetzt gibt's Freude, Abenteuer.
Johannes Franke: Wahnsinn.
Florian Bayer: Ja, toll. Also. Ja, 2009, auch schon über zehn Jahre alt.
Johannes Franke: Ja. Ich glaube, das ist so der, einer der großen Filme, die dazu geführt haben, dass ich mich mehr für Pixar-Filme wieder mehr interessiert habe. Ja. Ja. Naja. Das war eine tolle Top-3, Johannes.
Florian Bayer: Schön. Du hast gesagt, oh, ich hab nichts gefunden und dann hast du echt drei schöne Filme. Außer der, wo sie am Flughafen rumgammeln.
Johannes Franke: Dafür hab ich ja schön in der Honorable Mentions Wizard of Oz verbraten, was da eigentlich hingehört hätte. Das war unsere Top-3. Okay, Fazit, was? Fazit, gehen wir zurück in den Film. Ah, Fazit. Also, Implore, fang du mal an. Ich zwinge mal dich als erstes.
Florian Bayer: Ja, visuell beeindruckend. Ja. Nicht nur für die damalige Zeit, sondern grundsätzlich krass, wie viel man, ich hab ihn zum ersten Mal gesehen, aber wie viel ich wiedererkannt habe, was offensichtlich andere Filme kopiert haben. Und zwar wirklich so von Kriegsfilm-Klassikern über Star Wars bis hin zu Flugfilmen heute. Ja. Ja, und das rettet den Film natürlich auch. Also, es ist schon einfach ein starker Film. Aber diese Heroisierung des Krieges und des Kampfes in der Luft, das war mir doch an vielen Stellen too much. Und die Liebesgeschichte fand ich halt auch ein bisschen dünn dann, um da irgendwie noch was zu machen. Es war halt ein Oscar-Film. Aber es war ein guter Oscar-Film und es gibt viele Oscar-Filme heute, die diese Formeln benutzen und da schrecklich versagen dabei. Und der hat's aber geschafft. Also, sehenswert.
Johannes Franke: Ich glaube, dieser Film hat die höchste Dichte an, ich denke, alle paar Minuten, wow, da kommt das also her. Der Wahnsinn. Okay. Das ist also wirklich alle paar Minuten denkt man, wow, krass. Okay. Das ist also da schon, da wurde das schon gemacht. Ach, der hat das also erfunden oder der hat das zumindest etabliert oder da. Echt, das ist unglaublich. Deswegen lohnt sich der Film absolut. Und der Film lohnt sich absolut, wenn man den Film von Anfang an als homoerotische Variante liest und in jeden noch so kleinen Blick, der überhaupt nicht so gemeint ist, hineinlesen kann. Uh, David, wie wär's mit uns beiden?
Florian Bayer: Und das ist so schön. Das ist wirklich schön. Ja, finde ich auch. Ich finde auch tatsächlich, das ist eine Respektlosigkeit, die Klassikern viel öfter widerfahren sollte. Dass man sagt, also wie gesagt, ich bin nicht der Meinung, dass das intendiert war, aber ich glaube, das kann man total gut reinlesen und ich finde es auch absolut gerechtfertigt, das reinzulesen. Und es macht den Film definitiv größer, als er eigentlich ist.
Johannes Franke: Nein, ich glaube, das war der von Anfang an und das hat der richtig gut gemacht, der Regisseur. Hätte ich ihm gar nicht zugetraut. Aber ich bin mir hundertprozentig sicher und ich werde ihn mal nachher anrufen und nachfragen. Verdammt.
Florian Bayer: Ja, also ich bin sehr, sehr, sehr glücklich mit dieser Wahl. Ja, ich auch. Vielen Dank, dass du den vorgeschlagen hast, weil es ist so ein Film, den hätte ich tatsächlich wahrscheinlich eher nicht geguckt oder hätte man so durchgeskippt durch ein paar Flugzehnen und gesagt, ah ja, okay, daher kennt man das, daher kennt man das. Aber ich bin froh, ihn am Stück gesehen zu haben, auch wenn er mit über zwei Stunden ziemlich lang war. Ja, er ist schon lang, ne? Aber es hat sich gelohnt, definitiv. Also es ist ein Film, den man auch in der Gänze gucken kann, trotz seiner Schwächen. Lohnte sich nicht nur die Highlights zu gucken, sprich die Schlussszene mit dem gleichgeschlechtlichen Kuss und die Flugzehnen, sondern es lohnt sich, das als Ganzes zu sehen. Ja, ja, absolut.
Johannes Franke: Schön. Ja, super. Freut mich. Ach, hätten wir mal wieder Stummfilme 20er Jahre, genau mein Ding. Da bin ich mal gespannt, Plor, was von dir kommt. Ja, wenn ihr wissen wollt, was ich nächste Woche für Johannes habe, bleibt dran. Ansonsten wünsche ich euch eine schöne Woche. Ebenfalls, ebenfalls. Bleibt gesund und werdet nicht wahnsinnig durch all den ganzen Kram, der gerade so passiert. Wir hören uns. Bis dann. Bis dann. So, dann erzähl mal Plor. Ich habe festgestellt, dass ich ganz viele Sachen nicht erzählt habe zu dem Film, die ich hätte erzählen wollen. Willst du es noch reinschmeißen? Was? Keine Ahnung. Die spanische Grippe kommt einmal vor und ich habe während des Guckens gedacht, hä? The Flu? Und warum ist The Flu in Anführungsstrichen? Natürlich, das referiert darauf, dass die spanische Grippe gerade irgendwie grassierte und dass echt viele Leute, streckenweise mehr Leute in der Grippe gestorben sind, als am Kriegsgeschehen. Und total krass. Und dann macht der Titel, eingeblendete Titel, dass die The Flu haben, in Anführungsstrichen, und damit meinen, die machen Party in Paris. Und ich dachte mir, warum The Flu? Und naja, okay, spanische Grippe.
Florian Bayer: Verstehe. Okay.
Johannes Franke: Aber es hat mich einiges gebraucht und deswegen will ich es sagen, das rauszufinden. Ich habe lange recherchiert, um das rauszufinden, Plot. Deswegen muss ich das jetzt noch sagen. So, und Intermission. Die haben eine Intermission. Ja. Was ist eine Intermission?
Florian Bayer: Eine Intermission wird, ist eine, wie der Name bereits gesagt, eine Untermission, eine Unterbrechung des Films für Musik und Spaß. Ist das nicht süß? Ja. Das wurde bis in die 80er gemacht. Ja, ich finde es auch jedes Mal, ich finde es auch, also heute, wenn man es noch sieht, ist es ja meistens ironisch benutzt. Ja, aber ich freue mich trotzdem jedes Mal, wenn sowas benutzt wird, wenn sowas gemacht Ich mag auch zum Beispiel, der Film hat ja auch so ein musikalisches Intro noch, bevor es losgeht. Wir haben einen sehr langen Plek und Musik läuft. Ich mag das total, diese klassischen, filmischen Stilmittel.
Johannes Franke: Das hat so ein bisschen was von Woodville, dass du so ein bisschen Tanz und Musik und es wurden ja auch nicht nur ein Film gezeigt. Manchmal bist du ja in Kinoabende gegangen, wo dann erst so ein kurzer Slapstick, dann so ein, weiß ich nicht, irgendein Woodville irgendwas, ein starker Mann, der noch irgendwelchen Zeichen macht. Und dann weißt du, da hast du einen Eventabend. Ja. Vor dem Vorfilm, vor dem Hauptfilm kommen halt noch Sachen. Ja. Und dann hast du eine Intermission, weil der Film entweder zu lang ist, um in einem Sitting durchgeguckt zu werden, weil Leute alle paar Minuten auf Toilette müssen. Oder eben, was früher der Fall war, bis 1912 oder 15 war das noch so, dass die Reels, die ausgetauscht wurden, die Rollen, die Filmrollen für die Projektion, die mussten, da musste eine richtige Intermission gemacht werden, damit die Rollen ausgetauscht werden können. Und sie haben meistens Musik aus dem Film dann gespielt, ne?
Florian Bayer: Und Maria, das ist schon so ein Ding, dass irgendwie so die Atmosphäre versucht wurde, das ein bisschen aufrecht zu halten.
Johannes Franke: Ja, und dann wurde die Rolle getauscht. Aber das ging natürlich irgendwann technisch viel besser und dann gab es nur noch dieses kleine Zeichen. Wenn ihr euch wundert manchmal, warum rechts oben so ein Kreis ist und so ein kleines, genau, dann, der nur ganz kurz für so zwei Frames, drei Frames auftaucht, ist so ein Kreis, der sagt, in so und so viel Frames ist die Rolle zu Ende, lieber Projektionsleiter, bitte im Wechsel, die Rollen wechseln. Und das ging ja dann irgendwann ohne Intermission, ohne dass es irgendwie auffiel, aber es war schon, ja, eine eigene Sache. Und dieser Film hat eine Intermission, die einfach eingebaut ist, wo einfach nur Intermission steht und dann läuft ein bisschen Musik. Ja. Ganz toll. Total schön. Ach, schön. Okay, das musste ich jetzt noch einbringen. Das war wichtig. Kino als Erlebnis. Ja. Sehr.
Florian Bayer: Plor, was hast du für mich? Was habe ich für dich? Okay, wir springen sehr weit wieder nach vorne und wir sind nicht bei einem Filmklassiker und ich weiß jetzt schon, dass die Recherchearbeit wirklich die Hölle wird zu diesem Film. Okay. Weil es ist ein junger Film und es ist ein nicht so bekannter Film. Ich will endlich mal einen Dokumentarfilm machen. Einen richtigen Dokumentarfilm. Und zwar einen, aber alles andere als leicht zu konsumierenden Dokumentarfilm. Oh. Aus dem Jahr 2004 von Franziska Tenner, deutsche Regisseurin, deutscher Film, No Exit. Und zwar hat die Regisseurin ungefähr ein Jahr lang eine freie Kameradschaft in Frankfurt oder also Neonazis begleitet. Ach fuck, ich kenne das. Ich glaube, ich habe den schon gesehen. Und der Film hat eine sehr tragische Komponente. Fuck ja. Aber auch eine sehr komische Komponente. Es funktioniert irgendwie als eine Art Tragikomödie. Aber es ist halt wirklich ein Dokumentarfilm. Es werden Menschen gezeigt, die wirklich existieren. Ja. Und das, wie gesagt, von 2004. Das heißt, der Film ist 18 Jahre alt und die waren damals junge Erwachsene.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das heißt, ich bin mal gespannt, auch ob wir was zu denen heute finden.
Johannes Franke: Das wäre natürlich spannend, das stimmt. Meine Güte, No Exit. Ich erinnere mich daran. Ich erinnere mich daran, wie der rausgekommen ist. Wow. Okay. Ja, versucht diesen Film zu finden. Guckt euch auf jeden Fall diesen Film an.
Florian Bayer: Das kann ich schon mal reinwerfen. Guckt euch den Film an. Er dauert nicht ganz zwei Stunden, 100 Minuten ungefähr. Und man findet ihn auf YouTube in nicht perfekter Qualität, aber auf jeden Fall anschaubar. Es ist ein Dokumentarfilm. Also er lief auch im Kino. Und das heißt, es ist nicht einfach nur eine Dokumentation, sondern er hat auch einen gewissen künstlerischen Anspruch. Ja. Wow.
Johannes Franke: Okay. Ich bin gerade zurückgeworfen. Ich hatte diesen Film völlig vergessen. Aber der ist total krass, glaube ich. Ja, dann ich freue mich drauf. Plur, vielen Dank. Und bis nächste Woche. Bis nächste Woche. Ciao. Ciao. None|Ciao.
