Episode 80: Excalibur (1981) – Sword & Sorcery Exzesse
In den frühen 70er Jahren hatte Regisseur John Boorman die glorreiche Idee, den Herr der Ringe zu verfilmen und tauschte sich darüber auch emsig mit dem damals noch lebenden Tolkien aus. Wie so viele Versuche das Fantasyepos auf die Leinwand zu bringen, scheiterte auch dieser. Aber Boorman war schon immer einen Zacken ambitionierter als viele seiner Kollegen, und so bewahrte er viele seiner damals entworfenen visuellen, narrativen und allegorischen Überlegungen in einer Schublade, um sie gut zehn Jahre später für ein anderes Fantasyepos wiederzuverwerten.
Excalibur, 1981, so etwas wie ein persönliches Projekt Boormans, nicht nur weil er es in unmittelbarer Nachbarschaft seines Wohnortes in Irland umsetzte und die Hälfte des Casts mit Familienmitgliedern besetzte. Nein, auch weil er hier nochmal alles in die Waagschale warf, nachdem sein letzter Film – The Exorcist II – glorreich gescheitert war: Mit für ein Fantasyepos recht dürftigen Budget, zahllosen unbekannten Schauspielern (von denen aber viele später noch eine beachtliche Filmkarriere hinlegen sollten) und Spaß an Pomp, Bombast, Albernheit und Kitsch.
Excalibur ist ein Konvolut von Fantastischem, Übertriebenem und Bizarrem. So als würde sich ein Kind auf den Artus- und Gralsmythos stürzen. Da kämpft dann eine Hand voll Ritter in Alurüstungen vermeintlich gigantische Kriege, Merlin darf als Mischung aus Gandalf und Goofball Drachenmächte beschwören und natürlich wird zu Richard Wagner und Carl Orff in die Schlacht geritten. Als Kind habe ich dieses Tohuwabohu geliebt, als Erwachsener sehe ich dann doch die zahllosen albernen und unfreiwillig komischen Momente.
Und doch ist diese Artusverfilmung auch ein beeindruckendes Epos, mit berauschenden Bildern, großartigen Allegorien und keiner Angst vor einem Wahnwitz, der sonst leider vielen Fantasyfilmen abgeht. Oder wie siehst du das Johannes?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 80: Excalibur (1981) – Sword & Sorcery Exzesse Publishing Date: 2022-07-13T07:16:35+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/07/13/episode-80-excalibur-1981-sword-sorcery-exzesse/
Johannes Franke: Und dann gibt es aber keine goldenen Zeiten, die irgendwie gezeigt werden oder sowas. Der Film hat keine Zeit für die goldenen Zeiten. Er muss weiter durch die Abenteuer rennen. Ja, aber das Problem ist doch, dass ich dann überhaupt nicht mehr verstehe, was das alles soll.
Florian Bayer: So, da wären wir wieder. Hallo, lieber Plur. Muss man sehen Podcast. Hallo Johannes, hallo liebe ZuhörerInnen. Hierzu muss man sehen Podcast, wo wir was tun, Plur? Wir werfen uns gegenseitig Filme zu. Jede Woche gibt es einen neuen Film. Und ich habe versucht, deinen Film aufzufangen. Ob mir das gelungen ist. Diese Woche war ich dran mit einem Filmvorschlag für Johannes. Einen Film, den du noch nicht kanntest, ne? Richtig, ich habe ihn noch nicht gesehen. Ich hatte so ein bisschen in unseren Genres, die wir bisher abgeklappert haben, nachgeguckt und hatte festgestellt, wir hatten eigentlich noch nicht so einen richtig klassischen Sword & Sorcery Film. Ja. Und bei der Recherche habe ich dann nochmal festgestellt, es gibt auch nicht wirklich viele gute Sword & Sorcery Filme.
Johannes Franke: Ja, ich möchte den Frage in den Raum stellen, musste es ein Sword & Sorcery Film sein? Ist das so wichtig? Ist das als Genre für unseren Podcast so wichtig?
Florian Bayer: Für die Fantasy-Filmgeschichte auf jeden Fall. Und gerade in der Zeit, in der wir uns jetzt bewegen, so Anfang der 80er, wurden diese Filme geradezu aufs Publikum draufgespült. Also natürlich dank des Erfolgs von Conan der Barbar, aber auch dank des Erfolgs von diesem Film, gab es eine Zeit lang unfassbar viele Filme, wo muskelbepackte Recken meistens halbnackt mit Schwertern gegen Drachen und meistens hat das Budget dafür nicht gereicht, sondern dann gegen irgendwelche anderen Barbaren gekämpft haben. Und es wurde dazwischen ein bisschen gezaubert, es gab pathetische Musik und es ist unglaublich viel Schrott in der Zeit entstanden. Möchtest du Tee, Plur? Sehr gerne. Ich habe mir einen Film rausgesucht, den ich schon als kleines Kind unglaublich mochte, der mich damals als Kind umgehauen hat. Wir werden nachher bestimmt nochmal drüber diskutieren, warum dieser Film vielleicht gerade bei Kindern so an ganz vielen Stellen Klick macht. Und zwar handelt es sich um John Bormans Excalibur aus dem Jahr 1981. Yes!
Johannes Franke: Ein Regisseur, der es schafft, seine Schauspieler dazu zu animieren, den ganzen Film durchzuschreien.
Florian Bayer: Ja! Ein lauter Film, ein ziemlich wilder Film, der Lieblingsfilm von Zack Snyder. Eigentlich muss man nicht mehr viel dazu sagen, damit ist fast alles über diesen Film gesagt, was gesagt werden kann.
Johannes Franke: Ich habe noch einen Fakt, der alles sagt über den Film, was man wissen muss. Die junge Frau, die für die Mischpoke tanzen muss und die, glaube ich, vergewaltigt wird, ist die Tochter des Regisseurs.
Florian Bayer: Ja! Sie hat auch im Interview dazu gesagt, wenn du von einem Ritter in Rüstung vergewaltigt wurdest, von zwei Rittern, weil er hat ja die Persona von dem anderen angenommen zwischenzeitlich, während dein Vater zugeschaut hast, dann hast du alles erlebt, was du erleben musst. Aber ich würde einfach mal einsteigen, ich habe einen kleinen Text vorbereitet, den lese ich vor und dann zerfleddern wir diesen Film. Sehr schön, ich freue mich drauf. In den frühen 70er Jahren hatte Regisseur John Borman die glorreiche Idee, den Herr der Ringe zu verfilmen und tauschte sich darüber sogar emsig mit dem damals noch lebenden Tolkien aus. Wie so viele Versuche, das Fantasy-Epos auf die Leinwand zu bringen, scheiterte auch dieser. Aber Borman war schon immer ein Zacken ambitionierter als viele seiner Kollegen und so bewahrte er viele seiner damals entworfenen visuellen, narrative und allegorischen Überlegungen in einer Schublade, um sie gut zehn Jahre später für ein anderes Fantasy-Epos wiederzuverwenden. Excalibur 1981. So etwas wie ein persönliches Projekt Bormons. Nicht nur, weil er es in unmittelbarer Nachbarschaft seines Wohnortes in Irland umsetzte und die Hälfte des Casts mit Familienmitgliedern besetzte. Nein, auch weil er hier nochmal alles in die Waagschale warf, nachdem sein letzter Film, The Exorcist II, glorreich gescheitert war. Mit für ein Fantasy-Epos recht dürftigem Budget, zahllosen, zumindest damals unbekannten Schauspielern, von denen aber viele noch später eine beachtliche Filmkarriere hinlegen sollten und Spaß an Pomp, Bombast, Albernheit und Kitsch. Excalibur ist ein Konvolut von fantastischem, übertriebenen und bizarren. So als würde sich ein Kind auf den Arthos- und Kraltsmythos stürzen. Da kämpft dann eine Handvoll Ritter in Alurüstung, vermeintlich gigantische Kriege, Merlin darf als Mischung aus Gandalf und Goofbold Rachenmächte beschwören und natürlich wird zu Richard Wagner und Karl Orff in die Schlacht geritten. Als Kind habe ich dieses Tohuwabohu geliebt. Als Erwachsener sehe ich dann doch die zahllosen, albernen und auch unfreiwillig komischen Momente. Und doch ist diese Arthos-Verfilmung auch ein beeindruckendes Epos, mit berauschenden Bildern, großartigen Allegorien und keiner Angst vor einem Wahnwitz, der sonst leider vielen Fantasyfilmen abgeht. Oder wie siehst du das, Johannes?
Johannes Franke: Dann werden wir das Fazit gleich mal am Anfang stellen. Durch dieses wahnsinnige Unterfangen bin ich ab, sagen wir, nachdem ich die normale Länge eines Films überschritten habe und Erschöpfung bei mir einsetzt, ergebe ich mich dem Film und sage, okay, okay, mach was du willst, mir egal, ist in Ordnung. Stockholm-Wirndrom, wo bist du? Hör damit.
Florian Bayer: Es ist schon krass. Oder der Film ist von vorne bis hinten komplett drüber. Es ist unglaublich.
Johannes Franke: Also ich brauche echt lange, um darüber hinwegzukommen, wie Merlin ist. Um da überhaupt hinwegzukommen, steige ich über einen Haufen andere Leichen, wo ich denke, was war da noch? Ach Gott, lass es liegen links. So muss ich mich nicht darüber beschweren, weil Merlin einfach alles toppt. Immer wenn er ins Bild kommt, schreit er irgendwie irgendwelche dramatischen Dinge in die Kamera.
Florian Bayer: Das Wort, Dr. King. Mit dieser großartigen Stimme. Und dann ist es ein großer Schauspieler. Es ist Nick Williamson. Ein Shakespeare-Schauspieler. Zudem hat Samuel Beckett. Samuel Beckett persönlich hat gesagt, touched by a genius. Es ist unglaublich. Er wurde als Hamlet seiner Generation bezeichnet während der 60er Jahre, war ein wirklich großer Typ im Theater. Und dann besetzt John Borman ihn, packt ihn in diese Merlin-Rolle und macht aus dieser Merlin-Rolle so eine ganz bizarre Mischung. Ich kann es nochmal wiederholen. Gandalf und Goofball.
Johannes Franke: Ich weiß nicht, ob es das trifft. Für Gandalf ist er nicht weise genug. Und naja, da kommt der Goofball dazwischen. Aber was hat er denn von Gandalf, außer die Zauberfähigkeiten, die er auch irgendwie nur so einzusetzen scheint, wie es ihm gerade... Also vielleicht hat er Würfel dabei, nach denen er das entscheidet.
Florian Bayer: Nein, er hat auf jeden Fall diesen Pathos und diesen Prophetchen-Pathos. Als würde er immer so fünf Minuten der Filmhandlung vorweglaufen und sagt dann einfach sowas wie, that's it. Wenn irgendjemand irgendwas gesagt hat, was klug war oder irgendwas gefunden hat, ah, das ist es. Jetzt ist die Weisheit plötzlich da. Oder er sagt, oh, you're mad. Und ich find's toll, weil es ist wirklich, es ist so durch... Es ist auch, es hat definitiv eine unfreiwillige Komik. Ja, aber so aus von... Aber es bringt auch so einen gewissen leidenschaftlichen Spaß mit, weil er eben halt nicht das macht, was man vielleicht erwartet, dass er die ganze Zeit düster ist und sich irgendwo düster im Schatten bewegt, sondern er tritt nach vorne und haut seine One-Liner raus.
Johannes Franke: Aber er ist trotzdem düster. Er versucht zumindest düster zu sein. Mit dieser glänzenden Metallplatte auf dem Kopf. Ja, meine Güte, die ihm vorne auch an der Stirn irgendwie so reindrückt, wo man irgendwie denkt, was, tut das nicht weh?
Florian Bayer: Die ist ein Teil von ihm. Gandalf. Merlin ist kein Mensch. Das wird auch an ein, zwei Stellen mal gesagt. Und es ist auch tatsächlich in der klassischen Merlin, in den klassischen Merlin-Geschichten, wovon es haufenweise gibt, wir müssen später noch auf Artus-Legenden und so zu sprechen kommen, wird Merlin meistens als eine Art Schimäre, als eine Art Mischwesen präsentiert, dass irgendwie, es ist einfach kein Mensch. Er kommt irgendwo anders her. Niemand weiß, wie er entstanden ist, aber er ist da. Er ist ein Wesen der Nacht, des Drachen.
Johannes Franke: Erlebt er nicht auch alles rückwärts? War das nicht auch so, dass er andersrum in der Zeit lebt? Und das habe ich irgendwo noch mal gehört. Ja, es ist alles so ein bisschen durcheinander.
Florian Bayer: Das Problem ist bei Merlin, genau wie bei Artus, dass wir halt unglaublich viele Geschichten haben, die so ineinander fließen, unglaublich viele Mythen und Legenden. Und die Geschichte von Artus allein ist halt auch mal, also wenn du die Vorgeschichten mitrechnest, ist sie einfach mal 1500 Jahre alt.
Johannes Franke: Du hast es in deinem ersten Text angedeutet, dass du es als Kind so gemocht hast und dass es jetzt irgendwie beim Nochmal-Gucken natürlich so ein paar Schwächen offenbart. Schaffst du es wegzurechnen, dass du das als Kind gesehen hast? Was würde passieren? Wie würdest du den Film jetzt tatsächlich bewerten und sehen? Hättest du ihn auch für diesen Podcast ausgewählt? Wenn, der heißt, möchte ich kurz betonen, muss man sehen.
Florian Bayer: Hättest du diesen Film ausgewählt, wenn du ihn als Kind nicht gesehen hättest? Ich bin fest davon überzeugt, dass jeder diesen Film sehen sollte. Auf jeden Fall. Und natürlich, der hat ganz viele trashige Momente, ganz viele alberne Momente, aber es lässt sich nicht leugnen, dass er unter diesem ganzen Quatsch und Schmarrn sehr viele Stärken hat. Unter anderem das Visuelle, die Ästhetik. Dieses Spiel mit Licht und mit Farben. Und zwar auch, dass dieses Bewusste sich dem Surrealen und den Zachen hingeben.
Johannes Franke: Er ist sehr erdfarben, was natürlich der Story hilft und der Erzählung hilft, den sie anstellen will. Und er ist aber auch an vielen Stellen sehr weichgezeichnet und unscharf. Was ich nicht immer richtig finde, für das, was er eigentlich will. Er will ja viel so echte Kämpfe und Schlamm und Realismus in vielen Dingen. Und dann so viel Weichzeichner ist manchmal nicht so gut.
Florian Bayer: Der Weichzeichner, den finde ich teilweise tatsächlich auch ein bisschen nervig. Den fand ich als Kind total geil, weil der halt alles so ein bisschen traumhaft macht. Ja, ja. Und ich kann auch verstehen, wo man damit hin will. Auch zum Beispiel die Lichter. Also du sagst, er ist sehr erdfarben. Ich würde vor allem sagen, er ist sehr farben, weil er in allen Aufnahmen, die im Wald spielen, in allen, auch Außenaufnahmen, knallt der einfach nochmal so ein grünes Licht dagegen. Und das finde ich geil. Das finde ich wirklich so, als mutige, konsequente Entscheidung finde ich das wirklich geil, weil es eine ganz eigene Atmosphäre erzeugt, die sagt, wir präsentieren euch hier die Natur. Wir drehen nicht im Studio. Aber gleichzeitig zeigen wir, wie die Natur irgendwie verfremdet ist, wie diese mythischen Kräfte in der Natur noch wirken. Und für mich schafft er das auch damit, dass er eben überall diese Lichter reinknallt, dass wir überall diesen Nebelwabern haben. Und dann haben wir, dann ist der Hintergrund total grün. Ja. Und man fragt sich, okay, so sieht das nicht aus. Das ist nicht, wie die Realität aussieht. Ja. Aber es schafft damit eben, diesen fantastischen Rahmen zu setzen. Das weiß ich sehr zu schätzen.
Johannes Franke: Ja. Für mich clasht das halt natürlich ein bisschen aufeinander, aber das ist vielleicht auch ein Stil der Zeit, kann ich mir vorstellen. Das kann ich sozusagen noch akzeptieren, auch wenn ich es vielleicht nicht so gemacht hätte. Es soll ja auch so ein bisschen die Sagenhaftigkeit dieser ganzen Geschichte mittransportieren. Aber dafür sind sie natürlich dann wieder zu albern in ganz vielen Dingen, ne?
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Und das Alberne ist natürlich auch so ein Moment des Bizarren. Also der nimmt sich diese verschiedenen Mythen, diese verschiedenen Elemente, diese Mytheme könnte man sagen auch, und wirft sie zusammen in einen Topf. Also seine Vorlage ist ja tatsächlich eigentlich schon so ein Konglomerat aus Arthus-Legenden. Seine Hauptvorlage sind nicht einfach nur die zahllosen Arthus-Geschichten, sondern es gab diesen Versuch im 15. Jahrhundert von einem gewissen Thomas Mallory, die verschiedenen Arthus-Legenden zu einem Buch zusammenzuführen. Der war im Prinzip sowas wie der Bibelautor seiner damaligen Zeit, was Arthus-Mythen betrifft. Und der hat im 15. Jahrhundert Le Morte d'Arthure geschrieben. Er war ein britischer Autor, hat es aber trotzdem diesen französischen Titel genommen, weil bei der Arthus-Legende geht auch französisches und englisches so sehr ineinander über, weil damals, als Arthus gelebt hat, vermeintlich, es gibt ja keinen richtigen Arthus, das war ja die Zeit eigentlich um die Völkerwanderung, wo, wenn von Britannien geredet wurde, war nicht nur die Insel gemeint, sondern die Britannia, Frankreich, der Norden Frankreichs, der Nordwesten Frankreichs, gehört da auch dazu. Und der hat zum ersten Mal, das war eigentlich der erste Versuch, wirklich hier eine geschlossene Erzählung zu machen. Und darauf referiert der Film ganz viel, packt aber gleichzeitig auch aus den alten Mythen, die da nicht reingeflossen sind, auch noch mit Zeug rein. Das heißt, er ist ganz bewusst erklektig, er will viel Zeug zusammenwerfen.
Johannes Franke: Der Film will, ich habe auch echt das Gefühl, er will alles erzählen. Er will nicht nur die Arthus-Legende erzählen, er will alles, alles eigentlich, egal was dem Regisseur noch im Kopf rumspukte, das musste alles mit rein, was ihm so eingefallen ist dazu. Und das ist halt schwierig für einen Zuschauer, wenn man sich dann denkt, wo will der Film hin?
Florian Bayer: Das ist total erschlagend. Ich finde, man kann so Hauptthemen rausfiltern. Was ich ganz spannend finde, was bei Arthus immer so ein bisschen unter der Oberfläche eine Rolle gespielt hat, dieser Clash von Christentum und heidnischen Kulturen. Das finden wir ganz stark, vor allem in den Dialogen Merlins mit Morgaine, die Halbschwester von Arthus, die auch, wie er magiebegabt ist. Und Merlin sagt ganz oft zu ihr, wir sind offensichtlich zwei, wir gehören zu einer aussterbenden Gattung an. Diese alten Naturgeister sterben langsam. Und jetzt wird Platz gemacht für diesen christlichen Mythos. Das ist ganz spannend, weil das auch was ist, was in der Arthus-Legende zumindest immer so unterbewusst stattfindet. Wir haben die bereits christianisierten Briten, die gleichzeitig kämpfen gegen die Heiden aus dem Norden und aus dem Osten und sonst woher. Und es wäre ein interessanter Fokus gewesen. Ich finde, das ist durchaus ein interessanter Fokus.
Johannes Franke: Ja, ich hätte es spannend gefunden, wenn man darüber ein bisschen mehr, weiß ich nicht, wenn man das hätte ausbauen können und andere Sachen vielleicht auf der Seite liegen lassen. Ich weiß nicht, ich habe das Gefühl, dass der Film sich nicht entscheiden kann, was er dann erzählen will und was er den Leuten wirklich mitgeben will, weil am Ende habe ich alles und nichts gesehen.
Florian Bayer: Naja, was natürlich ganz wesentlich ist, es handelt sich nicht um einen politischen Film. Ja. Es gab ja durchaus auch im 19. und 20. Jahrhundert Versuche, die Arthus-Legende zu politisieren. Arthus als Vorreiter einer demokratischen Ordnung zu präsentieren. Der hat so seine Ritter alle versammelt und alle sind gleichwertig, alle sind an dieser Tafel, die bestimmen. Wir haben hier quasi ein Parlament vor uns, was Bullshit ist. Aber was ganz gut in so ein säkulares, aufklärerisches Narrativ gepasst hat. Er ist kein politischer Film, das will er nicht. Er ist ein Film, der eigentlich so die Schönheit der traditionellen Mythen abfeiert. Er besitzt darin natürlich auch so was gewisses Regressives oder zumindest Konservatives. Ja. Im konservativen Kern. Er ist ein Film, der nicht nur auf einer faktischen Ebene diesen Mythos nahe bringt, weil wenn man diesen Film gesehen hat und vorher wenig Ahnung hatte von Arthus, kennt man sehr viele Versatzstücke der einzelnen Legenden um die Ritter. Aber man kann sie nicht zusammensetzen. Aber das ist ja auch Teil, das ist ein ganz wesentlicher Kern der Arthus-Legenden, dass ganz vieles sich nicht zusammensetzen lässt. Ja. Und wenn man es versucht zusammenzusetzen, dann scheitert man irgendwie. Und das macht der Film ja auch. Jaja, er scheitert auch, das stimmt. Aber er scheitert auf so eine würdevolle Weise. Würdevoll weiß ich nicht genau, ob das das Wort ist. Allein die Tatsache zum Beispiel, wir haben unseren Arthur-Darsteller, den Nigel Terry,
Johannes Franke: der mit Mitte 30 gleichzeitig einen Jugendlichen und einen alten Mann spielen soll. Und ich kaufe es ihm ab. Ich finde...
Florian Bayer: Ich finde, Nigel Terry ist ein wirklich strahlender Diamant in diesem Film, weil er schafft es für mich überzeugend, den Jugendlichen Unsicheren zu verkörpern, genauso wie den stolzen König, der dann über ein Reich regiert und Frieden geschafft hat, bis hin zu dem kaputten postapokalyptischen Arthus. Also, ich finde, die letzten beiden, ja.
Johannes Franke: Der erste, der Jugendliche, der staubert mir sehr unbeholfen daher, weil er versucht seine Stimme, er versucht irgendwas mit seiner Stimme, was nicht funktioniert.
Florian Bayer: Merlin, who are you? Where are you? Who am I?
Johannes Franke: Es funktioniert irgendwie nicht und er ist irgendwie zu awkward am Anfang.
Florian Bayer: Es funktioniert nicht. Ich finde, genau dieses Awkward und dieses Glamse am Anfang, ich finde das schön. Aber es ist ja unfreiwillig. Er hat so ein bisschen was von Luke Skywalker. Ja, das stimmt. Ich spüre da so einen Star-Wars-Einfluss. Ja, absolut. Star-Wars ist auch vier Jahre her, der erste Star-Wars-Film. Also, wir haben hier ja auch so diese klassische Heldengeschichte, bla, bla, bla, bla, bla, bla. Du kennst ja alles. Dass er zögert und dass er erst auf den Weg gebracht werden muss. Mir hat das sehr gut gefallen. Natürlich ist es auch ein bisschen albern. Natürlich ist es auch ein bisschen trüber.
Johannes Franke: Aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich mich nicht lang genug an diesen Typen gewöhnen konnte. Weil es ist ja schon so, dass er sehr durchstolpert. Also, gehen wir mal zum ersten Teil. Der erste Teil, ohne den, bevor Arthur überhaupt geboren wird, der rusht da so durch. Ja, die Vorgeschichte. Plötzlich ist das Schwert da. Plötzlich reitet der da irgendwie über Nebel drüber und vergewaltigt die Tochter des Regisseurs. Und, weiß ich nicht.
Florian Bayer: Gabriel Byrne, hast du ihn erkannt? Nee. Ufa Pentragon. Der Vater von Arthur wird von Gabriel Byrne gespielt. Einem sehr jungen Gabriel Byrne. Aber der war noch nicht so bekannt damals. Nee, der war überhaupt nicht bekannt. Fast alles war sein dritter Film. Und er war, keine Ahnung, irgendwie so Mitte 20. Ja. Das wird ein Motiv dieses Films sein. Wir werden ganz vielen Leuten begegnen, die in ihrer ersten, zweiten, dritten Rolle zu sehen sind, die später beachtliche Filmkarrieren hinlegen können. Wo man aber auch davor sitzt und denkt, ist er das? Ist das? Moment.
Johannes Franke: Ist das nicht? Das ist schon krass. Gabriel Byrne habe ich nicht erkannt. Patrick Stewart habe ich erkannt. Ja, Patrick Stewart habe ich aber auch. Da habe ich wirklich lange davor gesessen und habe gedacht, das kann er nicht sein. Die Haare. Ja, genau. Das ist ja seltsam. Ja, genau. Liam Neeson?
Florian Bayer: Liam Neeson, genau. Helen Mirren als Morgana. Total krass. Also, der Film ist starbesetzt, nur waren das halt damals noch keine Stars. Das war Helen Mirrens erste große Rolle eigentlich. Dadurch wurde sie wirklich bekannt.
Johannes Franke: Ja, zu Recht. Also, ich finde, sie macht das ja wirklich ganz gut, ne?
Florian Bayer: Ich finde sie toll. Ich finde, Helen Mirren ist neben Nigel Terry für mich der zweite, vielleicht sogar noch der stärkere, schauspielerische Glanz dieses Films. Ja. Auch weil sie verzichtet auf das, was sich wahrscheinlich an Merlin stört. Sie gibt sich nicht dieser Albernheit hin. Sie verzichtet auf alles, was bei Merlin an Problemen da ist. Sie spielt ihre Rolle, der Morgana, der irgendwie, der suchenden und gleichzeitig bösartigen Zauberin, spielt sie halt durchgehend mit einem Ernst. Ja, und mit Kraft.
Johannes Franke: Der manchmal fast fehl am Platz wirkt in diesem Tohuwabohu. Und das Krasse ist, in den Szenen, wo die zusammen sind, die konnten ja am Anfang, sie konnten sich nicht ausstehen. Die kamen aus einer anderen Produktion, ich glaube auch Hammett oder sowas. Macbeth. Macbeth. Und in dieser Produktion haben sie sich gehasst. Und dann kamen die irgendwie zusammen in diese Produktion, auch deswegen gecastet zusammen, weil die sich gehasst haben vorher. Und der Regisseur dachte, wo ich immer davor sitze und denke, meine Güte, du hast Schauspieler vor dir. Warum musst du denn jetzt auch noch Schauspieler holen, die irgendwie eine persönliche Geschichte mitbringen? Das ist doch völliger Quatsch. Dafür sind sie doch Schauspieler, dass sie das irgendwie ohne irgendwelche... Naja. Er hat gedacht, wenn die beiden sich nicht leiden können, dann ist das Onscreen noch geiler, weil die sich dann besonders gut bekriegen. Aber das ist ja Blödsinn. Außerdem haben die während des Films sowieso ihre Scheitigkeiten beigelegt und sind Freunde geworden.
Florian Bayer: Sie sind richtig gute Freunde geworden. Und das war ihre Durchbruchsrolle für den Film? Ja. Aber tatsächlich, also sie war vorher schon, genau wie Nicole Williamson, war sie davor schon eine sehr geachtete Theaterschauspielerin. Aber das war der Moment, wo sie so einen Übergang zum Film geschafft hat. Und Gott sei Dank. Ich meine, jeder, der Helen Mirren kennt und in was auch immer gesehen hat, weiß, sie strahlt eigentlich immer. Und sie dominiert auch immer Szenen, wenn sie zu sehen ist. Großartige Schauspielerin.
Johannes Franke: Ja. Und auch sie Shakespeare. Also ich meine, es ist nicht verwunderlich, wenn man aus England kommt und da Karriere als Schauspieler macht am Theater, dann hat man viel Shakespeare zu spielen. Das ist einfach so. Fast alle in diesem Film haben irgendwie eine Shakespeare-Karriere hinter sich. Was man auch merkt, was dem Ganzen mal besser und mal schlechter tut.
Florian Bayer: Das Schauspiel in dem Film, um es vielleicht so allgemein nochmal zu sagen, hat sehr viel von einer theatralischen, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes Schauspielführung. Wir haben Menschen, die sich wie auf Bühnen bewegen. Sie sind laut, sie sind präsent, sie durchsprechen nicht direkt die vierte Wand, aber es fühlt sich doch oft so an, weil man hat oft diese Monologe, die wie an ein Publikum gerichtet wirken und die auch, die nicht, wie es eigentlich für einen Film typisch ist, im Kontext von einer Handlung stehen, sondern einfach nochmal die Motivation nach draußen schreien. Niemand soll Excalibur besitzen, außer mir, schreit Ufer Pentragon und haut das Schwert in den Stein.
Johannes Franke: Oder er reitet in den Wald und schreit, Ambush, Ambush. Ja, wir sehen es, danke, das musst du nicht nochmal rufen.
Florian Bayer: What? Aber dieses Bühnenhafte passt natürlich auch zum Setting, weil der Film hatte ein relativ kleines Budget, zumindest für ein Fantasy-Epos, für einen historischen Film zur damaligen Zeit. Also wenn ich jetzt die Zahlen nenne, das sind elf Millionen, klingt erstmal viel. Ist für so ein krasses Ding nicht viel. Ist für so ein großes Ding nicht viel. Und man sieht es auch, weil es gibt nicht diese, es gibt nicht diese monumentalen Schlachten totalen, die man damals vielleicht kannte von Stanley Kubrick oder Akira Kurosawa, wo man sieht, dass einfach mehr Geld da war und dass einfach viele Statisten dahingestellt werden konnten und du hast einmal so diesen Schwenk über die Armee und du weißt, hier wird gerade jetzt wirklich Reenactment von einer großen Schlacht gemacht. Wenn gekämpft wird, dann wird die Schlacht meistens irgendwie so erzählt in den Dialogen und dann haben wir eine Handvoll Ritter, die gegeneinander kämpfen. Wir haben eigentlich kleine Scharmützel, die eine Schlacht darstellen sollen.
Johannes Franke: Ganz am Ende die Schlacht, da haben sie echt nur zehn Leute gehabt, die sie immer wieder durchs Bild geschickt haben, die immer wieder Kämpfe geführt haben, die nach mehr aussehen sollten, schon auch. Aber ich finde, der Film hat das ganz gut entschieden, die meisten Kämpfe davon auch nicht so zu tun, als wären das riesige Schlachten, sondern die haben ja auch durchaus Bilder gewählt, wo man sieht, dass da nicht so wahnsinnig viele Leute gegeneinander rennen, sondern das sehr gezielt und sehr realistisch. Dann versuchen die da durch den See zu kommen mit den Pferden und solche Sachen. Das ist schon ganz gut.
Florian Bayer: Das ist einer der wenigen Filme, der mittelalterliche Kämpfe glaubwürdig rüberbringt, weil das ist alles so ein bisschen clumsy, die Leute, Ufer reitet in die Schlacht am Anfang, schwingt seine Achse und fällt erst mal vom Pferd runter. Aber genau so war das damals. Diese Rüstungen waren fucking schwer. Die konnten sich nicht so schnell bewegen, wie wir das in vielen Ritterfilmen sehen, wo sie halt aufspringen und rumschlagen und total schnell sind. Die waren nicht agil, die waren nicht schnell, die waren tollpatschig und langsam und haben halt irgendwie versucht, das mit purer Stärke zu kompensieren. Wer Hertha zugeschlagen hat, hat gewonnen. Ja, genau. Das war es. Da wurde nicht viel taktiert beim Kämpfen. Da wurde draufgehauen und du konntest nicht groß zur Seite springen. Und das kriegt der Film tatsächlich gut hin. Ja, die armen Schauspieler hatten auch Schwierigkeiten mit den Rüstungen. Ja, obwohl sie Aluminium waren. Ja. Es war ein Leichtmetall, es waren keine Originalrüstungen. Und zwar wurden die von Bob Ringwood gestaltet. Der eigentlich am Anfang nur vier Stück machen sollte und dann über hundert gemacht hat. Und sie haben in Irland gedreht. Es hat die ganze Zeit geregnet. Und die mussten diese Rüstungen ständig säubern. Weil wir sehen ganz oft einfach für Imagery, es soll gut aussehen, die Rüstungen glänzen. Es gibt sehr viele Szenen mit glänzenden Rüstungen. Und die haben wohl jeden Tag da gesessen, bevor die Dreharbeiten gestartet sind, und haben erst mal Rüstungen poliert.
Johannes Franke: Aber es ist doch echt dämlich. Weiß nicht, gefällt dir das? Willst du das sehen? Ich will nicht einen mittelalterlichen Film sehen und dann die Rüstungen so glänzen haben. Was ist das denn?
Florian Bayer: In der Kombination?
Johannes Franke: Das ist wie bei, ja, er hätte Herr der Ringe machen können. Die Elben, die da durch den Wald reiten, herrschaftlich und glänzende Rüstungen haben, weil sie nie benutzt werden. Aber in diesem Film sind es doch alles Rüstungen, die alle nicht nur zum Darstellen sind, sondern einfach auch in Gebrauch.
Florian Bayer: Um noch mal auf das Traumhafte zu referieren. In der Kombination mit Blüten, die rumfliegen, weil jetzt endlich das Reich gerettet wird. Und Camina Burana, was so die obvious choice ist. Natürlich, ich hätte es wahrscheinlich auch gemacht.
Johannes Franke: Camina Burana, da kann man nicht dran vorbei, wenn man das möchte.
Florian Bayer: Es fühlt sich so an für mich wie so eine Kinderwahl ein bisschen. Wir nehmen Richard Wagner und wir nehmen Camina Burana, weil das einfach so das ist, was jeder kennt. Klar, natürlich. Das sind die bekannten pathetischen Stücke. Und wenn wir unseren ganzen Film damit zugleisen, dann wird schon die richtige Atmosphäre entstehen. Und ich kann es noch mal sagen, ich saß da als Kind damals und ich hatte eine Gänsehaut. Ich fand das total geil. Ich kann mir das auch vorstellen. Das war auch das erste Mal, dass ich Karl Orff überhaupt gehört habe. Deswegen verbinde ich den bis zum heutigen Tag immer mit diesem Film. Ich kann von Karl Orff nichts hören, ohne an diesen Film zu denken. Und wahrscheinlich war es auch das erste Mal, dass ich so bewusst Richard Wagner gehört habe und gedacht habe, oh krass, das ist ja atmosphärisch voll beeindruckend.
Johannes Franke: Ich finde, wenn wir gerade bei der Musik sind, also es gab ja diesen Musiker, den sie noch dazugeholt haben. Trevor Jones. Der die schwierige Aufgabe hatte, zwischen Karl Orff und Wagner noch irgendwie was dazwischen zu... Was Eigenes. Was Eigenes. Und man dann denkt, oh mein Gott, wie willst du da hinkommen? Und er hat es gut geschafft. Er hat es gut gemacht, ja. Ich finde es musikalisch tatsächlich gar nicht so schlecht. Ich finde die Entscheidung, gleich mit den ersten Bildern, mit... Ich glaube es war Wagner. Götzendämmerung. Götzendämmerung. Ich habe die Bibel nicht schon gelesen. Das liegt auch nicht so fern. Also insofern, was soll's. Götzendämmerung. Gut. Damit anzufangen ist halt sofort größenwahnsinnig. Ja. Ich weiß nicht. Mich hat der Film gleich gegen sich aufgebracht dadurch. Weil ich dann gedacht habe, nee, du musst dir das erst mal verdienen, dass du das machen darfst. Bau erst mal auf. Und hau nicht gleich voll auf die Kacke.
Florian Bayer: Er sagt halt gleich, wo er hin will, ne? Ja, natürlich. Ich mache hier Größenwand. Und du hast es ja vorhin schon gesagt. Aber dann ist er dann schon dort. Und er rauscht dann auch durch diesen Größenwand durch, ne? Ja. Die Vorgeschichte, Ufer, so breite durch den Nebel, vergewaltigt die Frau, haut seinen Schwetten in den Stein. Es passiert alles so unglaublich schnell. Es finden so viele Zeitsprünge statt. Ja. Auch später raus sind nochmal Zeitsprünge drin, wo du denkst so, wow, okay, jetzt sind offensichtlich 13 Jahre vergangen. Dieses kleine Kind ist jetzt ein junger Erwachsener. Okay, alles klar. Und auch so, dass die Zeitsprünge werden ja nicht groß erzählt.
Johannes Franke: Nein, nein, nein, nein. Es gibt keine Einblendung 13 Jahre später oder sowas, sondern es gibt dann irgendwie so einen schnellen Schnitt, wo man den Jungen und den Alten dann sieht. Und wenn man da einmal geblinzelt hat, ist weg. Ja. Weiß man nichts davon. Keine Ahnung. Okay. Also es ist nicht ganz leicht. Und man muss wirklich aufpassen in dem Film. Und der Film macht es einem nicht unbedingt leicht, immer aufpassen zu wollen.
Florian Bayer: Aber was ihm auf jeden Fall gelingt dabei, ich weiß ja nicht, wie du das wahrgenommen hast, aber ich finde diesen Film zu keiner Sekunde lang artlich. Nein, das stimmt.
Johannes Franke: Aber das geht auch nicht. So wie er da durchrast, kann man nicht eine Sekunde lang denken, jetzt hast du aber ein Bild zu lang gehalten. Natürlich gibt es das nicht.
Florian Bayer: Und er hat dann eben auch diese beeindruckenden Szenen. Also um jetzt mal den Sprung von Ufer zu Arthur zu machen. Ich finde diese Szene, wenn er erkennt, dass er jetzt der Thronfolger ist und sein Freund Patrick Stewart. Ich sage bewusst Patrick Stewart, weil der Name von diesem Ritter so schwer auszusprechen ist. Leon de Krenz. Oh, das war nicht schlecht. Danke. Wenn er ihm zur Hilfe eilt und dann kämpft er und dann gibt es diesen Moment, wo der Urien, ist es glaube ich, will ihn nicht als König anerkennen und sagt, du bist ja nicht mal ein Ritter. Und dann sagt er, nein bin ich nicht, aber du kannst mich zum Ritter schlagen und gibt ihm Excalibur in die Hand und kniet vor ihm nieder. Und ich kriege auch heute noch bei dieser Szene eine Gänsehaut. Es ist total pathetisch und total drüber. Es ist unglaublich. Und dann sind die auch noch in diesem Fluss und man denkt sofort, uh, Taufe, Jesus, was auch immer. Natürlich, aber Jesus und Arthus, das gehöre ich ja auch zusammen. Die haben so viele Parallelen, diese beiden Geschichten. Ja, natürlich. Und die haben ja auch diese Parallelen, was den historischen Kern betrifft.
Johannes Franke: Historischer Kern bei Arthur. Weiß nicht, welcher historischer Kern, bitte.
Florian Bayer: Lass uns mal ein Lexikon dafür aufmachen. Uh, machen wir ein Lexikon auf. Du musst nicht machen. Du hast dafür extra ein Intro aufgenommen. Oh, verdammt. Einen Schingel, den du jetzt gespielt hast. Ja. Jetzt. Jetzt.
Johannes Franke: Das muss man sehen. Lexikon.
Florian Bayer: Wir sind bei König Arthus. Wir gehen ganz kurz in die Legende rein. Ich mach's nicht zu lange. Ich bin kein, ich hab Geschichte studiert und Literaturwissenschaft, aber ich hab sowohl die Mediavistik als auch die mittelalterliche Geschichte immer versucht, so ein bisschen von mir fernzuhalten, weil das einfach nicht mein Steckenpferd war. Oh, okay. Deswegen werd ich's kurz halten. Arthus hat nicht existiert. Das ist ziemlich sicher. Es gibt zwar verschiedene Herrscher, die als Vorlage dienen könnten, aber wahrscheinlich wurde für diesen Arthus-Mythos ganz viel zusammengeworfen, was sehr frühmittelalterliche Charaktere betrifft. Und zwar befinden wir uns eigentlich nicht im Mittelalter, sondern wir befinden uns in der Zeit der Völkerwanderung, wenn wir auf die ursprüngliche Geschichte von Arthus zurückgehen, und zwar im 5. Jahrhundert nach Christus. Eigentlich sind die Geschichten um ihn auch mehrere hundert Jahre erst später wirklich entstanden. Wenn wir mal wegnehmen, dass manche sagen, ja, diese Geschichte von Amprosius, die da im 6. Jahrhundert aufgeschrieben wurde, die gehört schon zum Arthus-Mythos. Eigentlich sind die Geschichten von ihm viel später entstanden, die Geschichten um ihn. Und dementsprechend ist klar, da haben irgendwelche Leute versucht, einen Mythos zu schaffen und haben verschiedene Könige zusammengeworfen. Und die Grundgeschichte, die da allerdings erzählt wird, ist eine sehr spannende Geschichte. Und zwar ist das etwas, was mit dem Untergang des römischen Imperiums zusammenhängt, beziehungsweise mit dem Untergang des weströmischen Reiches. Die haben halt die halbe Welt beherrscht. Und dann ist Rom wegen verschiedener Gründe niedergegangen. Und dann sind die teilweise abgezogen. Und das ist auch in Großbritannien passiert, in der heutigen Großbritannien. Und das war eben dann eine Zeit, wo die Leute da schon sehr christianisiert waren, gleichzeitig unglaublich viel Druck von außen hatten. Also die Angeln, die Sachsen, die Jüten, die Pikten und Schotten und so weiter, die kamen von allen Seiten. Und gleichzeitig war plötzlich keiner mehr da, der das Reich verwaltet hat. Das war so fünftes Jahrhundert. Wir reden von einer Zeit, in der irgendwie so eine Herrschaft sich aufgelöst hat und es gab keine Nachfolge. Und dann wurde eben versucht, irgendwie eine Nachfolge zu finden. Und das war eine Zeit von sehr vielen Kriegen, von sehr vielen Streitereien um den Thron. Und es ist nicht so schwer vorstellbar, dass dann auf diese Zeit retrospektiv so ein Mythos gelegt wird. Da gab es einen, der es geschafft hat, das Reich zu einen. Der es geschafft hat, König über alle zu sein. Und dann werden eben als Vorbilder Leute genommen, wie dieser Amprosius, der viele Schlachten geschlagen hat und dabei sehr erfolgreich war. Die hat die Pikten zurückgeschlagen. Hey, lass uns das doch zu dieser Geschichte machen. Und angefangen haben diese Geschichten, wie gesagt, so eigentlich eher so im 9. Jahrhundert mit so verschiedenen kleinen Chroniken und dann gab es so verschiedene kleine Narrative. Und erst so im 12. Jahrhundert, also 600 Jahre später, hat sich daraus dann diese Artus-Epic entwickelt, diese Artus-Romane. Und zwar vor allem von französischen und englischsprachigen Autoren, die sich dann aber in ganz Europa ausgebreitet haben. Und die waren tatsächlich einfach ein Publikumshit, weil sie diese Motive aus der Völkerwanderungszeit mit Motiven des frühen Rittertums verbunden haben. Und da so eine Art, es ist fast so eine vorgezogene Romantik. Also es gab diese Nostalgie in diese Zeit, in die alte Zeit. Und wir packen da noch so ein bisschen Rittertum rein und so ein bisschen kämpfen für Ruhm und für Ehre und so weiter. Und in dieser Zeit, im 12. Jahrhundert, sind dann diese verschiedenen Motive entstanden, vor allem die Tafelrunde. Und klassisch an diesen Geschichten war eigentlich, dass es eben diese Tafelrunde gibt von König Arthus. Und die Ritter ziehen los und erleben ein Abenteuer und kommen dann wieder zurück und ziehen nochmal los und erleben noch ein Abenteuer. Und die meisten haben wahrscheinlich schon irgendwelche Motive. Davon gehört Tristan und Isolde ist zum Beispiel so eine typische Geschichte aus der Zeit. Dann gibt es die, sehr bekannt ist das vom grünen Ritter, mit dem Gewähen kämpft, der halt loszieht, um sich dem grünen Ritter zu stellen, die Parsival-Geschichte und damit auch zusammenhängend die Kralts-Geschichte. Aber es gab nicht so ein allumfassendes Narrativ, sondern es gab sehr viele einzelne Geschichten, die immer gleich aufgebaut worden waren. Wir steigen ein am Hof von Arthus. Irgendein Ritter kriegt eine Herausforderung, zögert ein bisschen, zieht los, erlebt ein Abenteuer. Es gibt Schwierigkeiten und er ist am Schluss irgendwie erfolgreich. Ist das nicht, darf ich Zwischenfragen stellen?
Johannes Franke: Du darfst sehr gerne Zwischenfragen stellen. Okay, ich melde mich schon so lange. Folgendes, mich erinnert das natürlich sehr an Göttersagen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: An diese Methodik einfach zu sagen, wir haben hier eine Personalie von zwölf Leuten und dann noch ein paar Unter-Pasants, Leute, denen werden Geschichten angedichtet, die uns dann erzählen sollen, dass wir ehrlich sein sollen, dass wir keinen einfach umbringen sollen, solche Sachen. Ist das im Grunde das Ansinnen?
Florian Bayer: Ja, definitiv. Vielleicht ist es sogar so ein Versuch, narrative Struktur der klassischen mythologischen Geschichten der polytheistischen Religionen in eine monotheistische Welt zu retten. Weil sowas wie die griechischen Götter sagen und die römischen Götter sagen, die noch nicht so lange her waren, die konnte man halt nicht mehr erzählen, weil es war ganz klar, wir haben hier einen Gott und dieser Gott sagt, du darfst keine anderen Götter anbeten. Also haben sie halt Geschichten von Menschen gehabt, die aber trotzdem dieses, so klassisch nach Feuerbach, so diese Sehnsucht bedienen, nach einem starken Wesen, also auch irgendwie übermenschliche Fähigkeiten haben, aber halt nie so viel, dass man sie als Halbgötter bezeichnen würde, aber die eben trotzdem, die einfach mehr können als der Durchschnittsmensch. Und in diese Geschichten sind natürlich dann auch sehr viele Mytheme aus heidnischen Religionen eingeflossen. Merlin ist auch um diese Zeit da eingebaut worden. Sowohl bei Arthus als auch bei Merlin gibt es in der Forschung offensichtlich immer noch so ein bisschen den Gedanken, es könnte auch sein, dass es sich einfach um einen Titel handelt. Das heißt, dass Arthus, sowohl Arthus als auch Merlin, steht nicht für eine Person, weil jeder konnte Arthus sein, wenn er halt König war und jeder konnte Merlin sein, wenn er gerade der Haus- und Hof-Druide des Königs war. Das betrifft ganz viele von diesen Motiven. Excalibur, der Name des Films, ist ja auch sowas. Es gab offensichtlich zwei Schwerter. Es gab das Schwert in dem Stein und es gab Excalibur. Und später wurde das einfach, um die Geschichte zu vereinfachen, zu einem Schwert zusammengefügt. Wow. Es wird teilweise davon ausgegangen, dass es sich bei dieser Sage vom Schwert aus dem Stein einfach nur um einen Übersetzungsfehler handelt, weil das Schwert eigentlich, das Schwert von einem Sachsen war. Ex-Saxon auf Latein. Und das klingt fast wie Ex-Saxo, was aus einem Stein heißt. Ach. Es könnte sein, dass er einfach das Schwert einem Sachsen abgenommen hat, den er in der Schlacht besiegt hat. Und das hat seine Stärke bewiesen. Und deswegen war er der König und der erfolgreiche Heerführer. Und daraus wurde dann halt irgendwann so durch Tradierungen plötzlich wurde die letzte Silbe weggenommen. Und dann war es plötzlich das Schwert aus einem Stein und nicht mehr das Schwert von einem Sachsen. Okay. Richard Löwenherz, der ja tatsächlich existiert hat, ein anderer sehr berühmter König aus dem 12. Jahrhundert, hat die Arthussagen benutzt, um seine Macht zu festigen. Er hat Propaganda betrieben mit den Arthussagen und hat eine Zeit lang behauptet und durch seine Schergen behaupten lassen, dass das Schwert, das er hätte, Ex-Kalibur wäre. Krass. Also wir sehen, damals ist schon das gemacht worden mit diesen Mythen und mit diesen Sagen, was heute auch gemacht wird. Sie wurden benutzt, um Macht zu festigen. Genau. Wir haben dann sehr viele verschiedene Arthuss-Romane und im 15. Jahrhundert kam dann der definitive Arthuss-Roman von Thomas Mallory, der auch die Vorlage ist zu diesem Film und der die Vorlage war für vieles, was wir mit dem Arthuss-Mythos verbinden heutzutage, in dem zum ersten Mal das Ganze komprimiert wurde. In dem zum ersten Mal stand, okay, wir haben hier die Vorgeschichte, Ufa ist der Vater von Arthuss, das Schwert ist im Stein und wurde von der Göttin aus dem See gespendet und Merlin bewacht das Schwert und sagt dann, wer das Schwert aus dem Stein zieht, der darf König sein, Arthuss zieht das Schwert aus dem Stein, wird König und dann kommen diese Ritter zu ihm. Aus dieser Zeit ist dann auch so was wie zum Beispiel das Lancelot, dass er sich in Genevair verliebt, die Frau von Arthuss und dass der Kral gesucht werden muss, um das Reich zu retten. Die Kral-Suche war ganz lange einfach so ein Motiv, wo die Ritter losgeschickt wurden, ey, such du mal den Kral und beweis, dass du würdig bist. Der Kral war wirklich einfach nur so ein MacGuffin und erst damals, im 15. Jahrhundert, wie gesagt, wir sind jetzt tausend Jahre nach dem historisch existierenden Arthuss, wenn er existiert hätte, erst da wurde die Geschichte zu so einer großen, runden Erzählung zusammengeführt.
Johannes Franke: Wow, meine Güte. Das heißt, wir haben ein Lexikon, das wir wieder zumachen können? Wir können das Lexikon wieder schließen. Achso, Jingle. Das war Das muss man sehen Lexikon Es ist natürlich spannend zu sehen, was da alles drinstecken könnte. Die Frage ist, was erzählt davon der Film tatsächlich? Weißt du, was meine große Frage immer wieder war während des Films? Ja. Wenn Merlin so darauf versessen ist, dass Arthus das ordentlich macht, dass der das mit dem Stein und dem Schwert irgendwie vorantreibt, dass Arthus dann das alles irgendwie, er will ja auf goldene Zeiten hinaus. Ja. Welche goldenen Zeiten zur Hölle? Ich habe keine gesehen. Ach nein, na drück.
Florian Bayer: Gut, was beddert. Doch, nein, nein. Ploch hat so aufhören, hier steigt Nebel auf. Die goldenen Zeiten sind sehr kurz in dem Film. Ja, was hier denn, was soll denn das? Aber es wird zumindest gesagt, also nachdem Arthur dann die Schlachten geschlagen hat, hey, wir haben die Schlachten geschlagen, wir haben gewonnen, jetzt lasst uns endlich feiern, Camelot. Und dann bauen sie...
Johannes Franke: Ja, da gibt es einmal die Tafelrunde und das war's. Ja. Und dann gibt es aber keine goldenen Zeiten, die irgendwie gezeigt werden oder sowas. Der Film hat keine Zeit für die goldenen Zeiten. Er muss weiter durch die Abenteuer rennen. Ja, aber das Problem ist doch, dass ich dann überhaupt nicht mehr verstehe, was das alles soll. Warum macht Merlin das? Und warum schreit er so? Und was hat er dann? Was hat der Mann?
Florian Bayer: Das sind halt 20 Jahre, die übersprungen wurden in diesem Film. Die sind ja auch nicht so wesentlich. Ich meine, sollen wir zeigen, wie die Ritter der Tafelrunde sitzen und dann einer nach dem anderen auf Abenteuer...
Johannes Franke: Ja, zumindest wenigstens anteasern irgendwie. Und dann hast du ein paar Abenteuer und dann hast du das letzte Abenteuer, was irgendwie zur Katastrophe führt. So, mit Lancelot.
Florian Bayer: Aber das würde die Struktur so ein bisschen kaputt machen, oder? Welche Struktur? Wenn wir jetzt eine... Welche Struktur, Plur? Wenn wir jetzt richtig traditionelle Arthus-Epic hätten, dann hätten wir gar keine Struktur mehr. So haben wir zumindest einen roten Faden. Und der rote Faden ist natürlich sehr stark auch die Leidenschaft, die die Vernunft und die goldenen Zeiten kaputt macht. Das ist zum einen die Leidenschaft von Ufer, die verhindert, dass er zum König werden kann. Weil er... Dieser ganze Krieg, dieser ganze Scheiß passiert ja eigentlich nur, weil Ufer nicht damit klarkommt, dass der Herzog von Cornwall eine schöne Frau hat, die er nicht eher poppen darf. Die er nicht poppen darf. Und die er für ihn tanzen lässt. Das ist alles. Deswegen haben wir den ganzen Mist an der Backe. Wegen einer Frau. Ja. Um das so... Die Frauen sind schuld. Ja. Und mit AFA wird das Ganze ja natürlich gespiegelt. Wir haben den ganzen Mist an der Backe, weil Lancelot sich nicht zurückhalten kann, wenn er Genevair sieht. Wieder die Frau ist schuld. Aber er versucht es. Er will woanders sein und geht immer wieder ins Ex-Kil zurück und in den nächsten Abenteuer. Und dann haben wir noch mehr Mist an der Backe, weil Afas Schwester, wieder eine Frau. Wieder eine Frau. Merkst du es? Merkst du es? Ja, ja, ja, ja. Weil die denkt, hey, lass mich mein Kind mit meinem Bruder zeugen. Dem kann ich auch nachher eine goldene Rüstung anziehen. Also ich finde, wir können schon klar sagen, dass die Leidenschaft und daran sind natürlich die Frauen schuld. Schuld daran ist, dass du keine goldenen Zeiten erleben darfst. Achso, okay.
Johannes Franke: Das ist die Botschaft des Films. Das habe ich mich auch gefragt, was will der Film mir sagen? Oder was will... Nein, nicht was der Film mir sagen will, Flor. Das haben wir geklärt. Wir können nichts sagen, was die Intention des Regisseurs ist.
Florian Bayer: Der will einfach spielen. Der Regisseur will spielen und der Film spielt sehr viel. Pass auf, ich sag's dir. Okay, okay. Ich sag dir, was dieser Film macht. Okay. Dieser Film sagt, Leute, es ist sechs Jahre her, da habt ihr eine wirklich, wirklich, wirklich großartige Parodie gesehen auf einen Film, der nicht existiert. Und hier ist der Film dazu. Und hier ist der Film dazu. Excalibur ist der einzige Film in der Filmgeschichte, wo der Spoof, die Parodie vorher stattfindet. Ja, stimmt. Und wenn man die beiden Filme nebeneinander hält, kann man es nicht fassen, dass das der eine vor dem anderen war. Das stimmt. 1975, Monty Python and the Holy Grail ist die perfekte Excalibur-Parodie.
Johannes Franke: Absolut.
Florian Bayer: Sechs Jahre vor Excalibur.
Johannes Franke: Und das Geile ist, Monty Python hat ne ähnliche Bildsprache. Ja. Man kann die beiden zusammenschneiden, ohne dass es groß auffällt. Ja. Das ist ziemlich geil.
Florian Bayer: Und es gibt ja auch, es gibt ja sogar dieselben albernen Witze. Zum Beispiel, wir haben diesen Moment mit Lanzelot, wer dann zum ersten Mal auf Lanzelot trifft. Lanzelot bewacht die Brücke und sagt, ihr könnt hier nicht vorbei. Ja, genau. Es ist ein fucking Wald mit einem kleinen Bach. Sie können den, sie müssen nicht mal Kilometer wandern, sie können einfach zehn Meter entfernt von ihm, können sie über den Bach reiten. Ja, absolut.
Johannes Franke: Es ist so geil. Ich weiß nicht genau, ob das Absicht ist, also wirklich von The Holy Grail irgendwie abgekupfert ist oder ob er einfach ist.
Florian Bayer: Es ist einfach, es ist der, es ist der Stolz-Athos, der dann natürlich thematisiert werden soll. Es zeigt das erste Mal wieder die Leidenschaft, die die Ratio kaputt macht und in dem Fall sogar allegorisch
Johannes Franke: er zerschlägt, Excalibur. Ja. Was natürlich schön ist, weil dann der Repair-Service von der Frau im See, Lady in the Lake. Also da kann sich Google mal irgendwie eine Scheibe von abschneiden. Die nimmt das einfach entgegen und zwei Sekunden später kommt das Shredder hoch. Und wer ist die Lady in the Lake? Die Tochter des Regisseurs.
Florian Bayer: Natürlich die Tochter des Regisseurs. Dieser Film wird sehr oft auch als Family Picture bezeichnet, weil John Bowman hat genau seine Töchter besetzt und zwar Catherine Bowman, Telchi Bowman und dann zusätzlich noch Charlie Bowman, sein Sohn. Und der hat das Ding gedreht in Irland, wo er wohnt. Ja, genau. So, dass er nach den Dreharbeiten abends nach Hause gehen konnte. Er hat wahrscheinlich so zehn Minuten Fußweg und ist dann entspannt pfeifend nach Hause gegangen, während der Rest des Casts und der Crew in ihren Zelten übernacht. So stelle ich mir das vor und er lag dann ganz gemütlich im Bett. Duptidu, ich bin dann mal weg.
Johannes Franke: Bleibt ihr mal hier im Schlamm. Ich gehe nach Hause in mein warmes Bett.
Florian Bayer: Ich finde es toll. Dieses Bild von ihr, wie sie hochsteigt, ist auch großartig. So sehr flach. Und dann kommt irgendwann die Hand nach oben. Eine sehr schöne Hand. Eine sehr schöne Hand, ja. Und hält das repartierte Schwert. Meine Güte. Ja, aber um das nochmal. Also es gibt so viele Verbindungen zu Monty Python in der Holy Grail. Also man kann diese Szene mit Lancelot eigentlich nicht sehen, ohne an den schwarzen Ritter zu denken. Ja, absolut. Aber ich musste sofort dran denken. Einigen wir uns auf Unentschieden.
Johannes Franke: Wenn du das schon ansprichst, diese ganzen Quests, die die ja eigentlich in ihrer Arthurs-Legende haben. Und ich mich dann frage, der wirft die dann ja raus, die Leute, und sagt irgendwann, hier, um das Reich zu retten, brauchen wir den Gral da. Der muss unbedingt gefunden werden. Und dann ist das irgendwie in so einem Zusammenschnitt, der aber überhaupt nichts mit irgendwelchen Quests oder Research oder sonst irgendwas. Also googeln, bloß in real. Weißt du, sie hätten ja irgendwas machen können. Sie ziehen los. Aber ja, wir sehen da immer mal Leute in der Gegend rumreiten. Das war es aber auch. Ja. Wo ist denn da, sie hätten noch ein paar Geschichten erzählen können. Ja, kommt jemand irgendwie in ein Dorf, spricht mit irgendjemandem, der sagt, oh, und der Drache da hinten, der hat irgendwas. Vielleicht ist das euer Gral. Der kämpft gegen den Drachen, das ist es nicht. Weißt du, solche Sachen hätte man erzählen können. Aber nein, es wird einfach nur so ein bisschen,
Florian Bayer: weiß ich nicht, diffuse Sinn und Hergereite gezeigt. Sie konzentrieren sich in dieser letzten Hälfte sehr auf Parsifal, der auch so ein bisschen reingeworfen wird in die ganze Geschichte, weil er trifft ja auf Lancelot. Das ist eigentlich, eigentlich ist das die goldene Zeit. Parsifal trifft auf Lancelot und kommt dann am Hof an. Und dann gibt es eben diese Anklage von Liam Neeson, Gawain, der sagt, das sieht alles nicht gut aus, weil unser tapferster Ritter ist nicht an der Tafel und es liegt an ihr. Und zeigt dann auf Gwynevere und dann sagt Arthus, irgendjemand muss die Ehre meiner Frau verteidigen. Ich kann das nicht, ich bin König. Wer möchte? Was zur Hölle ist das, bitteschön?
Johannes Franke: Wie zur Hölle kommt man auf die Idee zu sagen, sie wurde angeklagt und damit sie unschuldig ist, muss der andere Angeklagte sie verteidigen und am Ende hat auf jeden Fall der Recht, der gewonnen hat. Klassisches Gottesurteil durch Kampf. Aber warum, warum hat man dann, ich verstehe. Das wurde wirklich gemacht. Was ist das für eine Rechtsprechung? Das war Rechtsprechung im Mittelalter. Aber, aber, aber, aber was? Ich bin, ich bin nur, weil ich der Stärkere bin, habe ich recht.
Florian Bayer: Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde das in einem anderen Mittelalterfilm thematisiert und zwar The Last Duel aus dem Jahr 2021 von Ridley Scott. Hätte man das wenigstens kommentieren können? Die haben es ja einfach nur hingestellt. Nee, der Film kommentiert nicht, der zeigt, wie es ist. Im Mittelalter wurden, gab es sogenannte Gottesurteile. Da haben Leute gegeneinander gekämpft und es war klar, wer im Kampf gewinnt, der ist der, der Recht hat, weil Gott wird die Hand von dem, der, der im Recht ist, schon so führen, dass er den Kampf gewinnt. Und vielleicht, um mal außerhalb der Spur eine Filmempfehlung auszusprechen, The Last Duel von Ridley Scott aus dem Jahr 2021 betrachtet das letzte, der letzte Kampf, das letzte Gottesurteil, was auf dieser Art stattgefunden hat. Also hat tatsächlich eine historische Vorlage, wo Matt Damon gegen Adam Driver kämpft, weil Adam Driver angeklagt ist, die Frau von Matt Damon, gespielt von Jodie Comer, vergewaltigt zu haben. Und dieser Film wird, das ist ein wirklich guter Film, der wird aus drei Perspektiven erzählt. Zuerst die von Adam Driver, dann die von Matt Damon und am Schluss die von Jodie Comer. Und er zeigt so im Prinzip, stellt ja genau die Fragen, die du jetzt gerade stellst. Und das macht sie halt irgendwann so ziemlich frustriert und sagt so, zwei alte, fette Ritter kämpfen gegeneinander, da hat Gott nichts damit zu tun. Und mein Schicksal ist ja auch auf der Waagschale und ich kann nichts tun, bin einfach ohnmächtig, weil ich eine Frau bin. Sehr guter Film, sehenswert auf jeden Fall. Wenn ihr einen realistischen Ritterfilm, Mittelalterfilm sehen wollt, der das Rittertum ziemlich doll auseinander nimmt, guckt euch Last Duel an. Sehr gut, cool. Okay. Aber in Excalibur kriegen sie die Kämpfe besser hin als in Last Duel. Da werden die Kämpfe dann doch wieder zu schnell gemacht.
Johannes Franke: Ja, das muss man dem Film wirklich zugute halten. Die Kämpfe sind sehr schön realistisch und sehr schmutzig und einfach nur in der Gegend rumgeschubst und wer am stärksten zuschlägt, hat halt gewonnen.
Florian Bayer: Ja, und ab und zu wird auch mal ein Körperteil abgeschlagen und es spritzt auch Blut. Also es ist schon, es hat... Aber es ist nicht viel. Nee, nicht viel.
Johannes Franke: Es gibt so ein, zwei Momente, wo es mal so ein bisschen, aber es ist realistisch.
Florian Bayer: Und er zeigt dann manchmal, was halt auch so ein bisschen so ein Bruch ist mit dieser traumhaften Atmosphäre, er zeigt schon eine ordentliche Brutalität. Ja, ja, ja. Also selbst wenn nicht so viel Blut spritzt, einfach auch in der Art, wie halt aufeinander gehauen wird. Man spürt die Schmerzen von den Leuten. Ja, ja.
Johannes Franke: Was mich ein bisschen irritiert manchmal ist, dass so Schwerter durch Rüstung durchgehen. Irgendwie haben sie seltsame Momente, wo dann jemand umgebracht wird, in dem einfach nur die Rüstung penetriert wird und man sich denkt, hä, wozu hast du die denn? Ja. Wenn wir jetzt gerade noch bei Lancelot sind oder beziehungsweise bei Dingens, der Passivall, der einspringt. Eigentlich ist ja King Arthur einer, der die ganze Zeit sagt, ja, es muss alles nach Gesetz gehen und alles nach Regeln und so und ich bin der König, ich kann dich nicht verteidigen und so. Ich muss erst König sein und dann Ehemann und dann kommt irgend so ein Bursche vorbei und sagt, ich mach das und dann wirft er alles über Bord, was es an Regeln gibt und macht ihn einfach zum Ritter. Ja, weil sonst keiner will.
Florian Bayer: Das ist ja auch so ein furchtbar, deprimierender Moment für Arthur, wenn er sagt, okay, Lancelot ist offensichtlich nicht aufgetaucht, um für die Ehre zu kämpfen von meiner Frau. Wer will es denn sonst machen? Und alle gucken nicht auf ihre Nägel und du merkst genau, alle denken, dass die was mit Lancelot hatte. Es ist keiner, der sie für unschuldig hält. Niemand will dieses Risiko eingehen, dafür getötet zu werden.
Johannes Franke: Oh Gott. Ja, aber dass das Krasse ist, wenn dieser Typ, Liam Neeson ist das, ne? Ja. Der das sagt. Awain, ja. Geht dem nicht eigentlich auch auf, fuck, ich muss gegen Lancelot kämpfen. Das war doch der Typ, der eigentlich fast unseren König getötet hätte in diesem Duell.
Florian Bayer: Unterschätzt er nicht die Gottesfürchtigkeit von diesen Leuten. Er geht fest davon aus, wenn er recht hat, dann wird Gott ihm schon helfen.
Johannes Franke: Oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott.
Florian Bayer: Ah, fuck, fuck. Und das Krasse ist ja tatsächlich, er hat ja nicht recht. Also, wenn wir davon ausgehen, dass dieser Ehebruch in Gedanken nichts Schlimmes ist. Ja, aber davon gehen wir ja nicht aus. Die gehen nicht davon aus, oder? Ja, es ist im klassischen Atos-Mythos, es gehört sehr lange dazu, dass Lancelot Quinewehr begehrt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber, dass das diese typische Minne- und Badeerzählung waren. Du darfst die Frau begehren von fern und du hast diese Anbetung von ihr, aber die ist unschuldig. Das ist in Ordnung, weil es ganz klar ist, es wird nichts passieren. Und es ist auch einseitig eher, du darfst sie anhimmeln und anbeten, aber es hat so was, es ist so asexuell romantisch. Ach so, das heißt, du darfst auch keine feuchten Träume oder so sein? Nein, nein, auf keinen Fall. Okay. Und dass das zum Ehebruch führt, das wurde dann auch eher später dazu gedichtet. Und auch nicht immer, das ist halt so ein Motiv, was sich natürlich so anbietet, dass wir eine Dreiecksbeziehung machen aus dem König, seinem besten Ritter. Ich finde es voll irritierend, dass die Champions genannt werden in dem Film. Oh, okay. Be my Champion. Okay. Tut mir leid, ich muss gerade an irgendeinen Baseballverein denken oder so.
Johannes Franke: Und die Geschichte von Lancelot sagt mir aber auch, was auch viele andere Geschichten in dem Film sagen, dass sie einmal aufs Gleis gesetzt werden, die Figuren, und dann in ihrer Funktion das Gleis runterfahren müssen. Was wirklich ein großer Fehler des Films für mich ist. Der Film ist unfassbar schicksalshörig. Ja, irgendwie mag ich das nicht. Ich komme damit nicht klar, dass er nicht wenigstens links und rechts mal guckt und vielleicht dann sein Schicksal doch noch sich erfüllt, aber dass er wenigstens so ein bisschen was anderes macht, als nur sie anzuschauen, verliebt und dann zu sagen, ich gehe dann mal wieder in den Wald zurück.
Florian Bayer: Wir haben ja am Anfang gesagt, dass Zack Snyder den als seinen Lieblingsfilm bezeichnet. Ja. Und genau diesen Fehler macht Zack Snyder auch und diesen Fehler machen sehr viele Regisseure, die sehr ambitioniert sind und große monumentale Geschichten erzählen wollen, dass sie ihre Figuren wie Puppen durch die Manege führen und dann merkt ihnen das auch an und das hat dieser Film auch, der ist komplett fatalistisch, es gibt wenig aktives Momentum bei den einzelnen Figuren. Die Stolpern hat alles so Richtung ihr Schicksal und der Film erzählt es ihnen ja auch die ganze Zeit. Merlin sagt, AFA, als er zum ersten Mal Gwenewehr sieht, Oh, ich sehe in der Zukunft den Verrat durch einen deiner Ritter. Er prophezeit das Ganze. Also dieser Film ist ein einziges fatalistisches Moment.
Johannes Franke: Genau. Ja, so wird auch das Ende inszeniert. Das ist ja auch alles, es geht alles auf einen bestimmten Punkt hin und dann, ja, muss das so sein. Ich weiß nicht, irgendwie gefällt mir das nicht.
Florian Bayer: Aber wir wissen ja auch, wie die Geschichte geht. Ich meine, es ist die Arthus-Legende, die ist eben auch fatalistisch. Der König, sie finden den Kral, der König darf in seine letzte Schlacht reiten und der König muss in seinem finalen Kampf gegen seinen eigenen Sohn sterben, während er gleichzeitig diesen Sohn töten kann. Ja, Mortred, was hältst du denn von Mortred, von Athas Sohn, unserem Blondschopf? Robert Eddy. Beziehungsweise der Sohn
Johannes Franke: von unserem Regisseur. Zumindest in der jungen Version. In der Kinderversion, genau. Ja, sie haben ihn gut besetzt. Es sieht aus wie ein Ekel, den man da irgendwie für sich instrumentalisiert in den Kampf schickt. Ich finde, das Häuschen, diese Höhle, die sie sich da gebaut hat, Morgana, oder wie sie, Morgane, finde ich ganz gut gemacht. Das ist okay, vor allem, weil sie auch gut ist einfach. Und dann wie Merlin nochmal aus seinem Kryo-Schlaf oder was das ist.
Florian Bayer: Das ist wirklich merkwürdig, dieser Eisblock. Da sind echt die 80er mit dem Film durchgegangen.
Johannes Franke: absolut. Kommt er noch, taucht doch mal in den Träumen der anderen auf und schafft das irgendwie, sie dazu zu überlisten, ihren Zauberspruch zu wirken und den Nebel aufsteigen zu lassen. A dream for you. A nightmare for others. Ich könnte jedes Mal feiern,
Florian Bayer: wenn Merlin so aus sich rausfährt.
Johannes Franke: Ja, das macht er den ganzen Film über. Meine Güte. Ist das schon ganz nett und auch der Baum, wo die ganzen Toten hängen, die sie da vor dem Haus hat, direkt der Christmas Tree quasi, den sie da hat. Das ist schon nicht schlecht irgendwie. Und ich finde Passover tatsächlich an der Stelle sehr gut.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Der Schauspieler macht das sehr gut im letzten Drittel da, seine Sachen zu, seine Quest.
Florian Bayer: Auch ein Schauspieler, der eine ziemliche Bandbreite spielt, weil sie führen ihn ja ein als so einfachen Jungen, der an Afers Hof will. Ja, genau. Und auch wirklich so ein bisschen verspielt ist und nicht genau weiß, was er machen soll. Und am Schluss ist er einfach mal ein geschlagener Ritter, der aber auch ziemlich am Ende ist und trotzdem weiterkämpft und trotzdem weitersucht nach diesem Gral. Ja, ich fand das auch sehr überzeugend. Paul Joffrey, von dem man sonst irgendwie nicht mehr viel gehört hat.
Johannes Franke: Echt? Der kam mir so bekannt vor. Naja. Und das mit dem Gral ist natürlich dann irgendwie so über Visionen, naja, okay, einfach Pilze gefressen,
Florian Bayer: das war's. Es macht doch gar keinen Sinn, wie er erlöst das Gralsrätsel, indem er feststellt, dass Afa und der Gral eins sind und dann hat er den Gral halt in der Hand und dann steht er auch schon für den König. Ja, genau. Dann nimmt der Film doch eine sehr radikale Abkürzung, um uns zur finalen Schlacht zu führen. Was ich an diesem ganzen zweiten Teil halt stark finde, ist Helen Mirren als Morgaine. Die ist einfach die ganze Zeit. Die ist präsent und die bleibt auch lange undurchsichtig. Ich finde es ein bisschen schade, dass der Film die Chance verpasst hat, aus ihr eine etwas stärkere Frauenrolle zu machen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil Morgaine, also es ist tatsächlich auch eine Zusammenführung von zwei verschiedenen Rollen. Okay. Es eigentlich muss nicht die rein Böse sein. Die kann mehr kriegen.
Johannes Franke: Man spürt es auch so ein bisschen. Ich finde, wie sie das spielt, merkt man, dass sie da mehr sieht, natürlich in der Figur. Aber jeder ist der Held seiner eigenen Geschichte und so weiter. Aber der Regisseur hat da halt irgendwie nicht so viel drin gesehen anscheinend. Ja. Hat nicht so viel Bandbreite da reingehauen, sondern hat einfach sie.
Florian Bayer: Nee, letzten Endes ist klassische Rachsucht.
Johannes Franke: Ja. Nicht so schön.
Florian Bayer: Und auch wieder so das Ding, dass sie die ist, die Magie beherrscht und vom Mann nicht unterrichtet wird. Und ihre ganze Motivation ist auch so ein bisschen Wut gegenüber dem Mann. Also wir hatten das bei Tiger and Dragon, wo wir über Jadefuchs geredet haben, die auch kampfbegabt war und dann wollte sie der große Kämpfer nicht ausbilden und deshalb war sie zornig und deshalb wurde sie zum Bösewicht. Das ist so eine schwache Motivation. Ja. So Reißbrett einfach.
Johannes Franke: Ja, genau. Nee, aber es sind auch die 80er, muss man dazu sagen. Vielleicht ist auch einfach dieser Regisseur Kind der Zeit und war ja auch nicht mehr 20, als er das gemacht hat, oder?
Florian Bayer: John Borman ist ein faszinierender Regisseur. Was hat denn der so gemacht sonst? John Borman war eigentlich so ein früher Vertreter vom New Hollywood. Der hat mit Point Plank einen ziemlich guten Thriller gemacht als Debüt 1967 und hat dann nachgelegt mit Deliverance, beim Sterben ist jeder der erste aus dem Jahr 1972, ein wirklich knallharter Survival-Thriller, der auch für New Hollywood-Verhältnisse ziemlich brutal ist und ziemlich harte Themen behandelt.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Aber John Borman hat immer so zwischen Trash und Hochglanz gearbeitet. Mhm. Ja. Und bei Excalibur fließt beides so ein bisschen zusammen. Weil nach Deliverance hat er Sardos gedreht mit einem Sean Connery, der angeblich bei der Vorbereitung auf den Film auf seiner Couch geschlafen hat, weil er pleite war. Weil Sean Connery hat Oh nein. hat keine Rollen mehr gekriegt, weil er also als James Bond-Typ besetzt war. Oh nein. dass er nichts anderes drehen konnte. Krass. Und dann hat John Borman ihn zum Star von seinem Science-Fiction-Film gemacht, der irgendwie so total drüber ist mit mit Sean Connery in Landon-Schürze als Krieger in einer postapokalyptischen Zukunft. Okay. Und es ist so ein Film, wo man sich nicht so wirklich entscheiden kann, ob das jetzt also es ist ein Film, der definitiv eher Richtung Trash tendiert.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und dann war John Borman ja im Gespräch für Exorcist und hat es aber abgelehnt damals, weil er ich glaube, weil er Deliverance gedreht hat und gesagt hat, ich will Exorcist nicht drehen, der große Horrorfilm in der Zeit. Und dann hat er den Nachfolger gedreht, nach Sardos, hat er Exorcist 2 gedreht und dieser Film ist notorious dafür, eine der schlimmsten Fortsetzungen der Filmgeschichte zu sein. Der wollte den ja eigentlich drehen, um diesen Film hier zu finanzieren, oder? Er hatte diese Ideen, wie gesagt, er hat ja seit den 60ern diese Herr-der-Ringe-Verfilmung im Kopf und hatte dann diese ganzen Ideen da liegen. Und genau, er brauchte eigentlich Budget dafür und dann hat er Exorcist 2 gemacht, der war ein kompletter Flop. Er ist an der Kinokasse gescheitert, die Kritik war vernichtend. Vielleicht müssen wir den irgendwann mal gucken, wenn wir Lust auf Trash haben. Das ist ein sehr interessanter Film, weil da sieht man schon diesen Größenwahn bei Bauman. Der Film ist komplett drüber und es ist so nichts im Vergleich zum ersten Teil, aber er hat was. Weil er so albern und so kaputt ist, du wirst den Film hassen, das kann ich jetzt schon sagen. Aber du weißt, ich habe manchmal einen, ich empfinde Genuss bei solcher Art von Filmen und ich kann denen durchaus was abgewinnen, auch wenn sie komplett trashig sind und wenn alle sie hassen. Du magst vor allem Filme, die irgendwie so einen großen Anspruch haben, aber dann scheitern. Ja, scheitern im Großen, finde ich, ist etwas, was einem Künstler oder einer Künstlerin Würde gibt. Okay, dann habe ich sehr viel Würde in mir. Und Excalibur hat dann so ein bisschen seine Karriere gerettet, obwohl er danach auch nicht mehr viel gemacht hat, aber zumindest hat er dann wieder Budget in die Hand gekriegt. 1985, Der Smaragdwald war ein guter Film. Ja, okay. Das war so ein Öko-Thriller-Drama, wo ein kleiner Junge im Regenwald verloren geht, während da halt Staudämme gebaut werden und der wird dann von Indigenen wird er halt großgezogen und wird zu einem von denen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ja, und dann Hope and Glory hat er gedreht, den habe ich, glaube ich, nicht gesehen.
Johannes Franke: Aber da sind sehr viele Preise aufgelistet bei Hope and Glory. Also der scheint ganz gut gewesen zu sein. Academy Award
Florian Bayer: bei Deliverance war er auch als bester Regisseur nominiert. Ah, okay. Also er ist definitiv jemand, der was kann. Das sieht man auch in diesem Film, dass er einfach, er hat ein gutes Gespür, finde ich, für schöne Bilder. Ja, das schon. Oder sagen wir mal beeindruckende Bilder, besondere Bilder. Vielleicht das ja, für größenwahnsinnige Bilder. Ja, nicht nur größenwahnsinnig. Natürlich auch, aber dieses Spiel mit Licht und Schatten. Ja,
Johannes Franke: das stimmt schon.
Florian Bayer: Es gibt ja auch Dittos, was man im Rahmen dieses Films als minimalistische Bilder bezeichnen könnte, wenn wir einfach nur den roten Himmel sehen und dann Camelot so im Hintergrund und das ist eigentlich nichts anderes als so eine Schattenfigur.
Johannes Franke: Das stimmt. Oder das Bild, wo die nackt, wo die Frau des Königs dann doch mit Lancelot zusammen irgendwie, dann liegen die da im Wald und das ist auch ein relativ klares minimalistisches Bild, wenn die da einfach nur nackt liegen in diesem Dingens und drumherum ist halt Wald, aber auch nicht eklektisch, sondern sehr genau klar ausgeleuchtet. Das war arschkalt bei dieser Szene. Ja, das muss so schlimm gewesen sein. Oh Gott.
Florian Bayer: Ja. Also John Borman ist für mich ein total faszinierender Regisseur, gerade weil er immer so an der Klippe zum Wahnsinn und zum Trash balanciert und manchmal kommt totaler Mist dabei raus, manchmal aber auch wirklich faszinierende Sachen. Er ist definitiv ein mutiger Regisseur.
Johannes Franke: Ja, ja das stimmt. Mutig trifft's wohl. Aber überzeugend weiß ich nicht genau.
Florian Bayer: Naja, es ist, jetzt sind wir schon fast beim Fazit, it's a mess. Der Film ist komplett ein Haufen überladener, überpathetischer Sachen. Es ist ein bisschen Kinderfilm, es ist ein Kinderspaß. Aber ich finde, das muss man würdigen, dass jemand wirklich so aus sich rausfährt, um was zu machen, was er im Kopf hat, so eine Vision zu verwirklichen und dann mit wenig Budget sowas auf die Beine zu stellen. Ich finde es beeindruckend. Der Film beeindruckt mich heute auch noch, trotz seiner ganzen albernen Momente.
Johannes Franke: Das stimmt, das stimmt schon. Ich habe ja nicht umsonst gesagt, dass er mich dann irgendwie dann doch mit dem Stockholm-Syndrom erwischt hat am Ende, weil ich dann irgendwann aufgebe und sage, ja okay, los, komm, was hast du noch zu bieten? Komm, pack aus die Zauberkiste.
Florian Bayer: Und er traut sich halt auch narrativ die Zauberkiste auszupacken, weil er packt da halt auch so symbolistische Sachen rein, so reale Sachen. Es ist ja keine Straightforward-Fantasy-Geschichte wie Herr der Ringe, sondern es ist voll mit diesen Traumsequenzen und diesen merkwürdigen Dingen, die schreien, ich bin Kunst, interpretier mich. Und das muss man für so ein Epos, dass ja irgendwie doch ein großes Publikum erreichen soll, muss man sich das halt auch trauen. Das stimmt. Peter Jackson war nicht so mutig, als er Herr der Ringe gemacht hat. Da ist alles Straightforward. Das stimmt.
Johannes Franke: Ja. Na gut, das muss man ihm auf jeden Fall geben. Das stimmt vielleicht. Aber wollen wir denn, bevor wir jetzt endgültig den Film begraben, in unsere Top 3 hineinwandern? Ja, spiel mal den Schinger. Unsere Top 3. So, wir haben eine Top 3. Blo, was hast du dir für eine Top 3 gewünscht? Sort'n Sorcery und ich hab das einfach
Florian Bayer: so rausgehauen. Ich hab das so rausgehauen und hab dabei nicht bedacht, dass es wirklich schwierig ist, gute Sort'n Sorcery-Filme zu finden. Ja, ich fand's gar nicht so schwer. Es ist, also, meinem Gefühl nach funktioniert's in Spielen, Videospielen, aber auch Brettspielen oder auch sowas wie Tabletop und Fantasy-RPGs funktioniert's deutlich besser als auf Film-Ebene oder auch in Comics oder sogar in Romanen. Filme, finde ich, so richtig reine Sort'n Sorcery-Filme zu finden, die gut sind, ist sauschwer.
Johannes Franke: Es gab doch diesen AD&D-Film oder den D&D-Film. Ist der nicht von Uwe Boll? Ich hab keine Ahnung. Er gilt als total schlecht. Ja, ja, auf jeden Fall soll er total schlecht sein. Ich glaube, es ist so ein typischer Uwe-Boll-Film. Naja, also, ja, es ist wahrscheinlich nicht ganz leicht, vor allem, weil eben Fantasy, wie der Name schon sagt, so ein kleines bisschen von der Fantasie wegnimmt, indem es in Realität, harte Realität hineinholt, indem einfach festgelegt wird, so sieht der Zauberer aus, der hat jetzt einen Bart oder hat keinen Bart, hat eine Glatze und es macht und du denkst dir, okay.
Florian Bayer: Na, das Besondere bei Sword & Sorcery ist ja, um das Genre auch nochmal so ein bisschen abzuklopfen, dass es eben was anderes ist als Sword & Sorcery, als Genre, ist ja nicht, es ist ja nicht dasselbe wie Fantasy. Es ist ja eine Art Subgenre und es hat so bestimmte Elemente und dazu gehört zum Beispiel, dass die Zauberei präsent ist, aber nicht so stark ist, wie Harry Potter zum Beispiel.
Johannes Franke: Ja, gut, okay.
Florian Bayer: Also selbst wenn bei Harry Potter Schwertkämpfe vorkommen würden, das wäre zu viel Zauberei, um als Sword & Sorcery durchzugehen und das Übernatürliche ist zwar da, aber ist nie so krass ausgeprägt. Deswegen werde ich bestimmt bei ganz vielen Filmen, die du jetzt sind, sagen, das ist nicht Sword & Sorcery und das kann man bei ganz vielen Filmen, die ich nenne, auch sagen. Also typisch für Sword & Sorcery ist halt tatsächlich, wir haben irgendwie ein mittelalterliches Fantasy-Setting, wir haben berittene Kämpfer, meist müssen aber nicht beritten sein, aber auf jeden Fall mit Schwert, wie der Name schon sagt, Ich streiche gerade mal Star Wars raus. So, die Schwertkrieger sind, oh, Star Wars ist ein sehr schöner Spezialfall. Behalt es im Kopf. Okay. Und es gibt Magie, die aber unspezifisch ist. Deswegen passt Star Wars so gut, weil die Macht bei Star Wars ist so typisch Sword & Sorcery-Zauber. Absolut. Oder auch Herr der Ringe, das was Gandalf macht, ist so typisch Sword & Sorcery-Zauber. Eben nicht dieses, ich hab hier meine Levitation und lass dann mal hin und wieder Sachen fliegen, sondern es findet eher auf so einer abstrakteren Ebene statt. Ja.
Johannes Franke: Ja, was aber auch dazu führt, dass man sich denkt, Merlin würfelt anscheinend, wann er sich einmischt und wann nicht und was er macht und was er zaubert.
Florian Bayer: Aber Gandalf doch genauso.
Johannes Franke: Ja, ja, absolut.
Florian Bayer: Dann macht Gandalf mal einen produktiven Zauber, um den Leuten wirklich zu helfen. Da kann auch so eine krasse Schlacht toben und Merlin und Gandalf reiht drum und haut mit seinem Zauberstab den Orks auf den Kopf. Na toll. Hast du das Ding nicht zum Zaubern?
Johannes Franke: Aber ist es bei Herr der Ringe nicht so, dass Gandalf das auch einmal ein paar Mal anspricht und immer wieder gefragt wird, kannst du nicht bitte und er irgendwie doch eine Begründung hat, der man folgen kann zumindest? Ja, die Begründung hat Merlin auch irgendwie so, der Drache
Florian Bayer: ist überall und ich kann vielleicht, aber es ist anstrengend. Begründung für irgendwas. Er muss sich, nachdem er Ufer verwandelt hat, muss er sich erst mal zehn Tage ins Bett legen, um sich davon zu erholen.
Johannes Franke: Was süß ist, weil jedes Mal, wenn er was zaubert, bespielt der Schauspieler erst mal so ein bisschen so, oh, mir wird ganz müde und schummrig.
Florian Bayer: Hast du denn Honorable Mentions? Star Wars. Star Wars, finde ich super. Star Wars ist eine total coole Science-Fiction-Interpretation von dem Sorten-Sorcery-Thema. Ja, absolut. Und mit Sicherheit mehr Sorten-Sorcery als viele Fantasy-Filme, die im Mittelalter-Setting angesiedelt sind und von sich behaupten, das zu sein. Das stimmt, ja. Ich habe auch zwei Honorable Mentions, die auch so ein bisschen rausfallen.
Johannes Franke: Ich gebe meine anderen Honorable Mentions am Ende, weil ich immer noch nicht festgelegt habe, was in die Liste kommt. Also bist du jetzt erst mal mit deinen Honorable Mentions dran?
Florian Bayer: Und zwar zum einen würde ich gerne Armee der Finsternis nennen, Army of the Darkness. Der dritte Teil von Evil Dead. Wir haben den zweiten Teil geguckt. Du warst begeistert, wenn ich mich richtig erinnere. Absolut begeistert. Das ist so ein toller Film. Und wenn du dich richtig an diesen Film noch erinnern kannst, am Ende dieses Films wird er ins Mittelalter teleportiert. Stimmt, ja. In der Fortsetzung Army of the Darkness aus dem Jahr 1992 ist er im Mittelalter und muss eine mittelalterliche Burg vor einem Angriff von Untoten retten, die er selbst beschworen hat beim Versuch in seiner Zeit wieder zu landen. Wir haben großartige Stop-Motion-Skelette. Wir haben viel Schwertkampf. Wir haben einen Zauberer, der unproduktiv ist und nur die ganze Zeit über unseren Helden schimpft. Alles, was zu Sorten Sorsi gehört, aber natürlich ist es vor allem ein total albernes Gemetzel, wie Evil Dead 2 eben auch war. Und meine zweite Honorable Mention, die auch so ein bisschen rausfällt, ist der Film. Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein. Und zwar, um das jetzt nochmal konkreter zu nennen, es gibt davon mehrere Verfilmungen. Und zwar meine ich die Verfilmung aus Frankreich von Peter Fleischmann aus dem Jahr 1989. Und zwar fällt der so ein bisschen da raus, du wirst die Grundgeschichte hören, wirst direkt verliebt drin sein. Es geht darum, dass die Menschen sich so weit entwickelt haben, dass sie mit Raumschiffen ins All fliegen können und sie finden Planeten, die auch bevölkert sind von menschenähnlichen Wesen und sie wollen aber nicht eingreifen, sondern die beobachten, so ganz klassisches Star Trek-Direktiven. Und dann finden sie einen Planeten, in dem die menschliche Zivilisation ungefähr den Stand des Mittelalters erreicht hat. Und dann schicken sie da Leute runter zum Beobachten und einer von denen verschwindet zufällig, nachdem er offensichtlich doch eingegriffen hat. Jemand anderes wird runtergeschickt, um ihn zu finden. Und diese Menschen, die da unten landen, die haben halt so den Ruf dann wie Götter zu sein, weil sie eben zaubern können mit ihrer modernen Technik, was sie aber eigentlich nicht einsetzen dürfen und trotzdem machen. Und ich finde es ein Wunder, dass daraus noch keiner eine Serie gemacht hat. Das schreit so nach HBO-Serie oder Netflix-Serie. Weil man könnte ja noch so viel mehr machen mit diesem Setting. Man könnte ja auch sagen, sie finden da noch einen Planeten, der eine Western-Welt hat oder einen Planeten, der irgendwo im viktorianischen Zeitalter ist oder in der Steinzeit. Vielleicht ist es zu sehr an Star Wars dran. Ich weiß nicht. Nee, nicht an Star Wars, an Star Trek, Entschuldigung. Ich würde mir davon wirklich eine große Serie wünschen. Ich glaube, das könnte eine tolle Blockbuster-Serie sein. Es ist nicht so nah an Star Trek dran, weil es ein bisschen dreckiger ist und weil die Menschen auch nicht so weiterentwickelt sind wie bei Star Trek. Die haben nicht die coolen Phaser- und Beam-Möglichkeiten oder so, sondern die haben ihre einfachen Laserwaffen, wenn ich mich richtig erinnere. Und dann landen sie halt auf diesen Planeten, sind aber auch ziemlich lost. Es ist ein interessanter Film. Also kann ich mir empfehlen. Es gab auch eine Verfilmung, bei der ich immer noch überlege, ob ich sie dir irgendwann gebe. Eine relativ neue Verfilmung aus dem Jahr 2013, die 180 Minuten dauert, von einem russischen Regisseur, Alexej Germann, der gestorben ist, bevor der Film fertiggestellt wurde. Oh nein. Und dieser Film ist ein Albtraum in Schwarz-Weiß, in dem nichts passiert, außer Schmutz und Gewalt und Sex und Kunst. Sehr viel Kunst. Wenn ich dich irgendwann mal so richtig quälen will, wenn wir wirklich Zeit haben, dann werfe ich dir den zum Fraß vor. Das ist ein krasser Film. Okay. Das ist, glaube ich, der Anti-Maja-Film, den ich kenne. Dann habe ich jetzt schon Angst davor. Zu Recht.
Johannes Franke: Oh Gott. Okay. Ja, dann. Platz 3. Platz 3. Machen wir dann Platz 3. Beziehungsweise ich muss das machen. Fuck. Okay. Also, mein Platz 3. Entscheiden wir dann mal jetzt. Ich schmeiße mal auch Herr der Ringe raus, weil der ist natürlich absolut unbestritten gut und toll und so, aber ja, was soll ja jetzt dieses riesige Werk in dieser Liste. Und zwar hätte ich dann lieber Time Bandits drin. Oh, Time Bandits? Ist das Sorten-Sorcery?
Florian Bayer: Ja, doch, doch, doch. Ach komm. Es gibt eine Robin-Hood-Episode, aber sonst hängen sie auf der Titanic rum und sind bei Riesen. Ich finde,
Johannes Franke: diese Bande, dieses Rumreisen, dieses Gefühl von Road-Movie, aber mittelalterlich vom Grundgefühl her, das steckt da drin. Und irgendwie ist es so, sie ist ja auch irgendwie Schatzsuche quasi. Ja, ja. Also,
Florian Bayer: viel Rittertum sehen wir in diesem Film nicht unbedingt. Mein Oher. Ich meine, es sind Zeitdiebe. Sie haben nicht mal Schwerter. Sie sind vielleicht mit Messern bewaffnet. Sie haben die ganze Zeit ein kleines Kind dabei. Ja, genau. Das ist toll, dass du den nennst. Ich habe nämlich auch einen Terry-Gilliam-Film, der aus derselben Zeit ist. Und zwar Chababuki. Ach, okay. Wenn ich mich richtig erinnere, sogar der direkte Vorläufer von Time Bandits. Lass mich einmal kurz in Terry-Gilliams Filmografie gucken. Ja, wenn wir das Leben des Brian als Monty-Python-Film rausrechnen, war das der Film, den er unmittelbar vor Time Bandits gemacht hat. Und Chababuki ist genau wie Time Bandits eigentlich eine alberne Komödie. Ja. Aber hat eben auch diese ganzen Sorten Sorcery-Themen und auch ein schmutziges Mittelalter und es gibt einen Drachen und es gibt Kämpfer mit Schwert und es gibt auch irgendeinen Magier und das ist ein toller Film. Das ist dein Platz 3? Das ist mein Platz 3. Sehr schön. Cool.
Johannes Franke: Der hat mit Terry Gilliam einmal so und die... Okay. Mein Platz 2 wäre dann ein bisschen langweilig, weil das so eng an dem dran ist, was wir jetzt gerade haben. Die Hexe und der Zauberer. Ich liebe diesen Film einfach.
Florian Bayer: Aber auch hier... Ach komm. Also unser Arthus, der Flo heißt er in diesem Film, kämpft nicht sonderlich viel mit dem Schwert. Ja. Und unser Merlin macht ziemlich konkrete Zauber.
Johannes Franke: Das stimmt. Ja, aber du hast ja die Regeln festgelegt, die ich vorher nicht kannte. Nein, nein, nein, nein, nein. Das ist ein Sorten-Sorcery-Film allein wegen des Themas, den es hat.
Florian Bayer: Oh, da muss ich jetzt einfach mal ganz kurz meinen Platz 2 zurückstellen und nochmal genau dasselbe machen, was ich gerade eben gemacht habe. Wenn du schon einen Disney-Film nennst, muss ich kurz einen Disney-Film aus dem Jahr 1985 nennen, der oft so in das dunkelste Zeitalter von Disney geworfen wird, der meiner Meinung nach aber wirklich unterschätzt ist. Und zwar Taran und der Zauberkessel. The Black Cauldron heißt der im Original.
Johannes Franke: Ich glaube, den habe ich gar nicht gesehen.
Florian Bayer: Er gehört definitiv zu den unbekannteren Disney-Filmen, aber er ist eine wirklich klassische Abenteuer-Fantasy-Geschichte im mittelalterlichen Setting. Es gibt Schwerter, es gibt Magie und du hast die Hexen und der Zauberer genannt. Naja, die sind doch wahrscheinlich ein bisschen weiter auseinander. Aber ein... Aber ist das jetzt dein Platz 2? Was willst du einloggen? Eigentlich wäre mein Platz 2 Highlander. Aha, geil. Ich habe auch drüber nachgedacht. Hat halt auch sehr viele Zeitreise-Elemente, aber klassischen Schwertkampf. Das stimmt. Es gibt das magische Element. Ja. Es gibt ganz großartig diese typischen Heldengeschichten-Muster mit dem Helden, der nicht akzeptieren kann, dass er ein Held ist und von dem Mentor Sean Connery auf den Weg gebracht werden muss. Ich lasse es mal als unentschieden stehen. Black Cauldron oder Highlander? Beide sehenswerte Filme. Mein Platz 1 wäre dann...
Johannes Franke: Ich habe jetzt die Brautprinzessin nicht genannt. Oh ja. Das wäre auch noch schön gewesen. Vielleicht auch ein bisschen näher an deiner Definition. Der würde voll reinfallen. Und Robin Hood, weil ich den anderen Film von Disney da reingehauen habe, habe ich auch nicht genannt. Was aber schon so ein bisschen... Auf jeden Fall. Hat er magische Elemente nicht wirklich. Nicht so richtig.
Florian Bayer: Das ist halt das Ding. Es gibt bei einigen Robin Hood-Verfilmungen gibt es ja diesen magischen Anklang mit dem... Er bringt ja jemanden mit aus dem Morgenland und der hat glaube ich manchmal so... Echt? Zauberkräfte? Ich weiß es nicht mehr. Der hat zumindest so was Weises wie so ein Magier an sich. Okay. Weiß nicht genau. Ja, naja.
Johannes Franke: Vielleicht eher nicht. Die magischsten Kräfte hat wahrscheinlich Tuck. Wie er heißt? Der bierbraunde... Der bierbraunde Mönch. Mönch. Oder Tuck. Ja, genau. Tuck. Ja, mein Platz eins ist stattdessen geworden Labyrinth. Labyrinth. Mit David Bowie als Goblin King und... Ja, ja. Der magisches Element ist auf jeden Fall drin. Hat sie irgendwann ein Schwert in der Hand? Sie hat... Ja, sie hat auch ein Schwert in der Hand irgendwann. Ich werde das googeln und ich werde es spätestens mit Photoshop herstellen.
Florian Bayer: Okay. Labyrinth lasse ich dir durchgehen. Aber auch nur, weil ich nach dem Film so erschöpft bin. Okay. Was ist denn dein Platz? Mein Platz eins ist The Kree Knight aus dem Jahr 2021. Wir sind wieder bei der Arthus-Legende von David Lowery, der unter anderem Ghost Story gemacht hat, über den wir in der Urzeit unseres Podcasts mal geredet haben. Das war eine der ersten unserer ersten Episode. Der hat die Geschichte von Gawain, der gegen den grünen Ritter kämpft, 2021 verfilmt und eine wirklich großartige Dekonstruktion dieser Helden- und Rittermythen aus dem Paket gelegt. Toller Film. Auf jeden Fall sehenswert.
Johannes Franke: Ja, dann bin ich mal gespannt. Den muss ich auch unbedingt gucken, weil mir Ghost Story natürlich irgendwie doch sehr gefallen hat und einen ganz speziellen Stil hat. Und wenn er den bei dem Film auch so ein bisschen hat, Fragezeichen... Ja, okay. Okay, dann werde ich den vielleicht auch mal angucken. Schön. Jetzt gucken wir doch noch mal in unseren Film zurück und versuchen uns noch mal ein bisschen mit Fazit. Das war unsere Top 3. Was sagst du zu den Nippeln auf der Rüstung?
Florian Bayer: Nur mal so reingeworfen. Wie immer.
Johannes Franke: Warum?
Florian Bayer: Warum? Warum war das wirklich nötig?
Johannes Franke: Hast du noch irgendwelche Besonderheiten, die den Film besonders gut machen? Sowas wie Nippelverfrüstung? Das bringt erstmal dein Fazit. Ich kann keine Details mehr herausarbeiten. Mir ist dieser Film zu unfokussiert. Ich könnte ihm viel verzeihen, weil ich das Gefühl habe, da will jemand was und da will jemand einfach ein riesiges... Also er will jemand die Bibel verfilmen. das kann ich ihm irgendwie geben. Aber er ist so unfokussiert, dass es einfach zu anstrengend ist. Also irgendwann erschlägt dich die pure Größe der ganzen Sache und du gibst dich dem hin. Aber eigentlich ist es kein guter Grund, sich einem Film hinzugeben.
Florian Bayer: Ich liebe diesen Film gerade, weil er so unfokussiert ist. Es ist ein komplettes Durcheinander. Ich kann jeden einzelnen Kritikpunkt, den du da anbringst, kann ich total nachvollziehen. Der ist viel zu viel, der ist viel zu drüber. Aber ich habe einfach so viel Spaß bei diesem Film. Natürlich spielt da auch die Nostalgie mit eine Rolle. Aber ich gebe diesem Film eine Größe, die die Albernheiten verschmerzbar machen.
Johannes Franke: Okay. Dann hätten wir unser Fazit auch durch meine Güte, Blor. Ich hätte gedacht, wir brauchen viel länger, um dieses Epos irgendwie zu besprechen. Aber wir sind nicht sehr viel ins Detail gegangen.
Florian Bayer: Da gibt es aber auch nicht viel. Wir sind einmal über Artus drüber gerannt, wie der Film das ja auch macht. Also wir haben das, was der Film mit der Legende macht, haben wir mit dem Film gemacht. so ein bisschen. Und das ist glaube ich auch okay. Was, was Hitler mit Polen gemacht hat, das haben wir mit diesem Film gemacht. Was? Moment. Das ist doch ein schönes Schlusswort, Annalen hat Rache. Vielen Dank. Und was?
Johannes Franke: Was hat? Wir sehen uns nächste Woche wieder. Wenn ihr wissen wollt, Annalen hat Rache. Was Plor und was? das nächste Mal gucken muss als Rache für diesen Film, dann bleibt es noch dran.
Florian Bayer: Wo waren wir? Ach ja. Annalen hat Rache. Und was?
Johannes Franke: Was hast du denn nächste Woche für mich? Ich habe für dich nächste Woche bei Marc. Und zwar mit Audrey Hepburn und Cary Grant. Wer sonst? Und zwar heißt der Film Scharade. Und ich werde dir dazu noch nicht viel verraten, damit du den Film, du kennst den Film noch nicht. Ich kenne den Film nicht. Yes, ja, ja, ja. Ich habe den Titel definitiv schon mal gehört, aber nein. Okay, wir werden darüber reden nächste Woche. Du wirst ihn schön anschauen und dann werden wir rausfinden. Ist das nicht ein Hitchcock-Film? Das werden wir nächste Woche feststellen, ob das ein Hitchcock-Film ist und warum du ihn noch nicht gesehen hast und wie das passieren konnte. Gut, dann viel Spaß mit Scharade und mit Audrey Hepburn. Vielen Dank fürs Zuhören, liebe ZuhörerInnen. Und wir sehen uns nächste Woche. Vielen Dank dir, Plo, übrigens für den Film. Und das habe ich noch gar nicht gemacht.
Florian Bayer: Vielen Dank, dass du dich da durchgequält hast. Ja, ja, ich hätte es ja.
Johannes Franke: Die ganze Magie hast auch nicht finden lassen. Anna Heldrach. Bis dann.
Florian Bayer: Ciao.
