Episode 111: Der unsichtbare Dritte – Alfred Hitchcocks James Bond?
Wir schreiben das Jahr 1959 – Hitchcock hat schon eine unglaubliche Karriere hinter sich, während James Bond noch drei Jahre auf sich warten lässt.
Was James Bond damit zu tun hat?
Nunja, wenn man sich “Der unsichtbare Dritte” bzw. North by Northwest anschaut, bekommt man das unbestimmte Gefühl, dass alle nachfolgenden Bond Filme von ihm abgeschrieben haben. Es ist ein Agenten-Thriller – mit einem Agenten wider willen. Roger Thornhill wird von Spionen für “George Kaplan” gehalten, der ganz oben auf ihrer “to kill” Liste steht.
Also muss Thornhill sich etwas einfallen lassen, wie er am Leben bleiben und gleichzeitig beweisen kann, dass er nicht Kaplan ist. Dabei reist er mit einer sehr sexuell interessierten Dame durch Amerika, entgeht einigen Anschlägen und bekommt es mit echten Geheimagenten, Spionen und Gangstern – und mit sexuellen Eskapaden zu tun.
Nachdem der Film rauskommt, erhält Hitchcock ein Telegramm eines gewissen Ian Flemming, ob er nicht seine Geschichten um einen Agenten mit der Nummer 007 verfilmen möchte.
Plor, warum ist North by Northwest der erste James Bond und warum nicht? Und… was soll North by Northwest bitte schön für einen Himmelsrichtung sein?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 111: Der unsichtbare Dritte – Alfred Hitchcocks James Bond? Publishing Date: 2023-02-16T20:24:41+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2023/02/16/episode-111-der-unsichtbare-dritte-alfred-hitchcocks-james-bond/
Johannes Franke: Und dann kommt der blöde, blöde, blöde, blöde Satz, der alles wieder kaputt macht. Mich will ja sonst keiner heiraten. Und du denkst dir, what the fuck, du brauchst keinen Mann, du kriegst das alles alleine hin. I am but mad north-northwest. When the wind is southerly, I know a hawk from a handsaw. Das war wer, Plor?
Florian Bayer: Sorry, ich muss passen.
Johannes Franke: Das ist Hamlet.
Florian Bayer: Oh, ja.
Johannes Franke: Der Titel unseres Films, den wir heute besprechen, bezieht sich, gewollt oder ungewollt, auf Hamlet.
Florian Bayer: Wow, also wir starten gleich mit dem ganz... großen Paket Kultur, in dem wir Shakespeare zitieren.
Johannes Franke: Jawohl, ja.
Florian Bayer: Wunderbar. über Hitchcock, ne? Johannes hat mir einen Hitchcock-Film aufgegeben, unser dritter Hitchcock-Film.
Johannes Franke: Was? Unser Dritter? Ah, stimmt. Wir haben Fenster zum Hof gehabt und wir hatten Mr. und Mrs. Smiths. Was ein bisschen ein Reinfall war.
Florian Bayer: Und das ist auch die dritte Episode in Wir betrachten Hitchcocks Abenteuer in Amerika.
Johannes Franke: Ja, seltsam. Es ist ja auch ein späterer Hitchcock, muss man sagen. Der hat ja in den 30ern, Ende der 20er hat er da schon angefangen. Und hat Schumpffilme gemacht und dann hat er in den 30er, 40ern viel gearbeitet. Sehr, sehr viel. Und ausgerechnet der einzige Film für MGM ist... North by Northwest oder im Deutschen der unsichtbare Dritte.
Florian Bayer: Genau. Und es ist allerdings auch, also es ist Ende der 50er, später Hitchcock, ja. Für mich sind die späten Hitchcocks immer so die krassesten und das sind eben die in den 60er Jahren. Also eigentlich würde ich sagen, später Hitchcock ist...
Johannes Franke: drei, vier gewesen. Oder fünf.
Florian Bayer: Wir haben Psycho, Die Vögel, Marnie, Frenzy. Wir haben noch sehr viele krasse und sehr gute Filme in den 60ern und sogar in den 70ern. Ja,
Johannes Franke: Aber dann hört es auch langsam auf, wenn man sich die Filmografie anguckt, dann hat er vorher einfach so einen riesigen Rutsch viel mehr gemacht.
Florian Bayer: Es ist der späte, mittlere Hitchcock oder der mittlere, späte Hitchcock? Auf jeden Fall ist es tatsächlich ein Werk. Hitchcock war eine Größe, als er den Film gemacht hat. Definitiv. Er hat schon sehr viel hinter sich und wir schauen einfach mal, wie dieser Hitchcock-Film ist, der laut seinem Mitarbeitenden Drehbuchautoren der ultimative Hitchcock-Film werden soll.
Johannes Franke: Ja, der sich auch hingesetzt hat, um genau diesen Film zu schreiben. Johannes, du hast den Film vorgeschlagen.
Florian Bayer: Du hast bestimmt einen kleinen Text dafür.
Johannes Franke: Ich habe einen kleinen Text für uns. Den werde ich einmal kurz in dieses Mikro absondern und dann wissen wir, worum es geht und worüber wir reden. Wir schreiben das Jahr 1959. Hitchcock hat schon eine unglaubliche Karriere hinter sich, während James Bond noch drei Jahre auf sich warten lässt. Was hat James Bond damit zu tun? Nun ja, wenn man sich der unsichtbare Dritte bzw. North by Northwest anschaut, bekommt man das unbestimmte Gefühl, das alle nachfolgenden Bond-Filme von ihm abgeschrieben haben. Es ist ein Agenten-Thriller. mit einem Agenten wieder Willen. Roger Thornhill wird von Spionen für George Kaplan gehalten, der ganz oben auf ihrer To-Kill-Liste steht. Also muss Thornhill sich was einfallen lassen, wie er am Leben bleibt und gleichzeitig beweist, dass er nicht Kaplan ist. Dabei reist er mit einer sehr sexuell interessierten Dame durch Amerika, entgeht einigen Anschlägen und bekommt es mit echten Geheimagenten, Spionen und Gangsten. Und mit sexuellen Eskapaden zu tun. Nachdem der Film rauskommt, erhält Hitchcock ein Telegramm eines gewissen Ian Flemingen. ob er nicht seine Geschichte um einen Agenten mit der Nummer 007 verfilmen möchte. Warum ist North by Northwest der erste James Bond und... Warum nicht? Und was soll North by Northwest bitte schön für eine Himmelsrichtung sein?
Florian Bayer: Es sollte ja ursprünglich ein bisschen anders heißen. Sie haben es eingekürzt. Es gab den Titel, der schon das drin hatte, der aber etwas logischer war. Irgendwie so...
Johannes Franke: Du meinst das mit den Nose-Sneezern, dieser Typ, der in der Nase von George Washington hängt oder was war das?
Florian Bayer: Das auch, genau. Genau, Hitchcocks ursprüngliche Idee. Der ganze Film basiert eigentlich nur darauf, dass irgendjemand mal in der Nase von George Washington sitzt, miesen muss und deswegen entdeckt wird... Nee, als sie schon wussten, sie wollen den Film als Reisefilm benennen, gab es einen... Ein Titel, in dem irgendwie etwas klarer wurde, dass da jemand von Norden nach Nordwesten fährt, dass das so ein bisschen unsere Route ist und aber auf deiner eigentliche Frage zurückzukommen. Ja. Nein. Ja, natürlich. Aber nein.
Johannes Franke: Nein, ja, natürlich. Wieder so eine gute Antwort.
Florian Bayer: Es ist kein James-Bond-Film. Warum? Du liest das ständig, du stolperst immer wieder drüber, wenn über diesen Film geredet wird. Und er hat Momente davon. Ich würde sagen, wenn dann, ist es eine Parodie auf die James Bond Romane, die ja schon durchaus älter sind. Ian Fleming ist seit 1970. 53 unterwegs. Mit James Bond hat er schon einige Romane veröffentlicht.
Johannes Franke: Also fünf Jahre, sagen wir so. Ja, aber schon populär. Ja gut, populär.
Florian Bayer: Und verkauft populär in literarischen und Schundromankreisen, das ist auch wirklich für diesen Film. Nicht populär im Filmischen, existiert einfach noch nicht. Es hat auf jeden Fall parodistische Elemente. Ich würde es sogar ein bisschen erweitern. Ich würde sagen, das ist nicht unbedingt zwingend eine Parodie auf James Bond, sondern vielmehr eine Parodie... auf all diese Palp-Selbstermächtigungs-Fantasien, die es in Groschen-Romanen da draußen gibt. Ja. wie Agenten oder irgendwelche coolen Typen beinhalten, die unterwegs sind, die große Abenteuer erleben können. Und Frauen flachlegen und Verbrechen lösen und zusätzlich den Kommunismus besiegen, weil irgendjemand mal wieder irgendwas an den Kommunismus verkaufen will. Aber es bricht an einem ganz bestimmten Punkt mit diesen Selbstermächtigungsfantasien. In diesen Fantasien ist der Protagonist immer der, der sich ganz bewusst ins Abenteuer stürzt, der ganz bewusst kämpft und genau weiß, was er macht. Während dieser vorne, unser Protagonist in diesem Film, die ganze Zeit durch das Szenario durchstolpert.
Johannes Franke: Aber immer mit einem coolen Spruch auf den Lippen.
Florian Bayer: Immer mit einem coolen Spruch auf den Lippen.
Johannes Franke: Das muss man sagen. Und deswegen finde ich nämlich, also einer der vielen Gründe, warum es für mich dafür spricht, dass es ein James Bond ist. ist, dass er immer einen coolen Spruch hat, dass er keine Angst zu haben scheint. Ja. Also immer mal wieder so ein bisschen andeutet, dass es irgendwie gerade unangenehm ist, aber irgendwie stört ihn das alles nur so marginal, habe ich das Gefühl.
Florian Bayer: Also irgendwas stimmt mit diesem Vornhild? nicht. Ganz eindeutig. Wir haben wirklich das Szenario, der wird verwechselt, die versuchen ihn umzubringen, mehrmals und er ist immer so, ach ja, Okay, ja, ich bin immer für einen guten Witz zu haben. Okay, jetzt sitze ich betrunken in meinem Auto und werde von der Polizei verfolgt. Oh, da ist ein Flugzeug. Naja, ich renne mal, muss ich ja machen.
Johannes Franke: Aber immer so lakonisch und immer so ein bisschen so, ach ja, lass uns mal drüber reden. Lass uns mal noch ein paar Witze über die Situation machen.
Florian Bayer: Es ist total merkwürdig und vielleicht ist es aber auch so, dass er... Wirklich froh ist, dass mal was in seinem Leben passiert.
Johannes Franke: Das stimmt.
Florian Bayer: Offensichtlich zweimal verheiratet. beide Frauen haben sich von ihm getrennt, weil sein Leben zu langweilig ist und er hat eine sehr enge Beziehung zu seiner Mutter. Der wir auch noch auf den Grund gehen müssen. Was ist da mit ihm und seiner Mutter los?
Johannes Franke: Ich hab so ein bisschen das Gefühl, dass die ersten paar Minuten, die wir in dem Film sehen, wo wir das Mutterverhältnis auch so ein bisschen näher bekommen, Der soll dafür da sein, dass wir sofort irgendwie an ihm andocken können und Sympathie für ihn haben. Und zwar eher so eine Cuteness Faktor.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: anstatt so einen Helden zu etablieren.
Florian Bayer: Er ist so ein bisschen der, obwohl er zweimal verheiratet war, eigentlich ist er so ein bisschen der ewige Junggeselle, der immer noch so ein bisschen unter der Fuchtel von seiner Mutter ist, aber... gleichzeitig mit ihr auch so eine Body-Beziehung hat. Also ich meine, das Problem ist wahrscheinlich, dass sie zu jung war, als sie ihn gekriegt hat.
Johannes Franke: Wahrscheinlich, ja. Sie war 18.
Florian Bayer: als sie ihn gekriegt hat, zumindest wenn wir das Alter der Schauspieler uns anschauen. Die Darstellerin von Fornhills Mutter, die wirklich ganz herausragend ist. Jesse Royce Landis ist nur acht Jahre älter als Cary Grant.
Johannes Franke: Cary Grant hatte auch irgendwie am Anfang wirklich Schwierigkeiten zu sagen, ja, das mache ich lieber Hitchcock, weil er wirklich viel älter ist, als die Figur sein soll.
Florian Bayer: Ja. Aber die Beziehung zu seiner Mutter ist toll. Er steckt ihr Geld zu.
Johannes Franke: Er kann sie bestechen. Was ist Das denn bitte? Ich fände das total verstörend in dem Moment. Das ist so absurd.
Florian Bayer: Und das zieht sich auch so ein bisschen wie so ein roter Faden durch diesen Film, dass die ganze Zeit so absurde Sachen passieren, die kaum realistisch sind. Und deswegen, also Thriller, ich finde, das ist schon so eine handfeste Komödie größtenteils.
Johannes Franke: Das muss man schon sagen. Aber er läuft ja durchaus als Thriller. Also in verschiedenen Einsortierungen im Internet findet man das Wort Thriller durchaus sehr häufig. Und das hat natürlich Thriller-Elemente und Hitchcock ist ja auch bekannt, sowas zu machen zwischen Horror und Thriller auch noch zu oszillieren in manchen Sachen. Da hat er wirklich viel, muss man auch sagen, in die Communion-Kiste gegriffen.
Florian Bayer: zu dem Film gesagt, er wollte was Spaßiges machen, was lighthearted und was nicht so voll ist mit Symbolen wie seine andere Filme.
Johannes Franke: Dann haben andere Leute angefangen, wieder Symbole zu suchen.
Florian Bayer: Naja, ich meine, er hat seine Tropes, hat er alle irgendwie untergebracht. Er hat diese komische Beziehung zur Mutter, er hat die Hitchcock-Blondine.
Johannes Franke: Definitiv. Und diesen Vertikoffall Oder Vertigo. Also er hat ihn in vielen Filmen benutzt. Fenster zum Hof hat ihn ja auch, wo er in den Bluescreen reinfällt oder was auch immer.
Florian Bayer: Und das grundsätzliche Thema natürlich auch von einem Otto-Normalbürger, der irgendwie in Probleme gerät, ohne dass er das will und ohne dass er was dafür kann. Und das ist tatsächlich hier wirklich so auf die Spitze getrieben, weil unser Thornhill ist halt ... Ja, er ist halt ein Werbetexter, Werbemensch. Er ist kein Abenteurer. Und dann stolpert er durch dieses Abenteuer, weil er einmal die Hand gehoben hat. Und weil die Gangster offensichtlich zu blöd waren?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Einmal zu sagen, oh, Entschuldigung für die Verwechslung, wir gucken weiter.
Johannes Franke: Der Autor des Drehbuchs hat selber zugegeben, dass es doch sehr viele Logiklücken gibt.
Florian Bayer: Das ist extrem farfetched, was da passiert.
Johannes Franke: Aber es ist ja süß und man geht über vieles so hinweg. Weil man sich denkt, ja gut, okay, ist gerade sehr unterhaltsam.
Florian Bayer: Der ganze Film basiert eigentlich darauf, dass er ein Telegramm für seine Mutter aufgibt in dieser Kneipe. Und dann meldet er sich im selben Moment, wird im Hintergrund dieser Kaplan aufgerufen, weil ein Telefonat für ihn erwartet wird. Und dann sind die Gangster, die da sitzen, die auf Kaplan die ganze Zeit warten. Das ist unser Kaplan. Es gibt keinen Background-Check oder so. Nein, nein. der blind ist.
Johannes Franke: Aber ich find's dramaturgisch richtig geil, weil der sitzt dann in diesem, er ist da irgendwie eingebrochen in diesem Sozellzimmer, hat sich da reingeschlichen. Und dann klingelt das Telefon her, geht als Kaplan dran, um sich noch viel tiefer in die Scheiße zu reiten. Damit alle noch mehr davon überzeugt sind, dass er es ist. Das ist schon krass.
Florian Bayer: Er macht auch wirklich alles, um nicht aus dem Problem rauszukommen. Er hat mehrere Möglichkeiten, einfach rauszukommen. Seine Mutter sagt es zu ihm. Wie sagt sie? Mein Gott, bezahl die 20 Dollar. Mein Gott, nimm die Strafe von der Polizei an, sie haben dich wegen Betrunken am Steuer erwischt, jetzt reite dich nicht noch weiter in die Scheiße, indem du diesem Kaplan und diesem offensichtlichen Bösewicht hinterherkommst. Daher recherchierst.
Johannes Franke: Weißt du, dass dieses goddamn pay the two dollars, dass das ein Satz ist, das ist eine Anspielung. Es gibt diesen alten Sketch, wo jemand irgendwas gemacht hat und der Anwalt dieses Menschen versucht da irgendwie rauszuboxen und handelt ihm aber immer mehr Probleme ein und immer mehr Strafen ein wegen irgendwelcher Sachen, die der Anwalt dann macht. Und dann sagt dieser Typ halt irgendwann in diesem Sketch, Goddammit, pay the two dollars.
Florian Bayer: Und es gibt wirklich mehr als genug Möglichkeiten, für ihn da rauszukommen. Am Anfang sitzt er ja wirklich tief in der Scheiße. Er wird entführt, die wollen ihn umbringen, die füllen ihn ab mit Alkohol. setzen ihnen das Auto, um die Klippe runterzufahren, aber er kommt raus in einer wirklich absurden Szene, wo er dann einfach weiterfährt und man muss auch dazu sagen, diese Gangster haben die dümmsten Ideen, jemanden umzubringen, überhaupt.
Johannes Franke: Das werden wir im Laufe des Films noch rausfinden. Es ist großartig. Ich habe echt Spaß an diesen Gangstern, weil ich denke, okay, ihr habt euch zum Ziel gesetzt, die absurdesten Möglichkeiten zu finden, statt ihn einfach zu erschießen irgendwo.
Florian Bayer: Und sie machen es ja richtig, als sie den tatsächlichen Townsend umbringen, den vorne, dann trifft man raus, wenn was ist. Dann treffen sie einfach ein Messer in seinen Rücken.
Johannes Franke: Und es funktioniert super. Also sie können es eigentlich.
Florian Bayer: Lassen hören würde man meinen, aber nächstes Mal, okay, was machen wir? Wir könnten ein Flugzeug anheuern.
Johannes Franke: Eigentlich wollen wir gerne einen Tornado haben. Weißt du, das ist so gut.
Florian Bayer: Bist du, Johannes? Großartiger Funfact zur Produktion.
Johannes Franke: Hitchcock hat sich gedacht, beim Pitchen vor irgendwelchen Leuten, hat er denen dann erzählt, so und dann machen die folgendes, die Gangster. Die lassen einen Tornado entstehen und auf diesem Feld steht dann Thornhill und denkt sich, scheiße, jetzt kann ich nirgends mehr hin wegen dieses Tornados. Oh, danke für den Tee, gerne, gerne. Die Leute, die sich gedacht haben, ein Tornado... haben dann irgendwann es geschafft, ihn davon abzubringen, ein Tornado irgendwie entstehen zu lassen. Zum einen... Kriegt die Produktion das nicht hin, einen Tornado entstehen zu lassen? Es sei denn, er sieht aus wie bei Wizard of Oz. Das wäre aber doch recht peinlich für einen Hitchcock zu der Zeit. Und zum anderen der Logikfehler, wie schaffen die Gangster es, einen Tornado entstehen zu lassen. Also schon ziemlich dämlich. Ich weiß nicht, warum...
Florian Bayer: Ich wäre so gern Mäuschen gewesen bei diesen Produktionsgesprächen. Hey, Hitchcock, nein. Nein, es geht nicht, wirklich nicht. Ich will aber meinen Tonal. Ich will aber. Na gut, dann nimmt halt ein Flugzeug.
Johannes Franke: Aber Hitchcock ist doch ein super Regisseur, der weiß doch, was geht und was nicht geht und wie das funktioniert.
Florian Bayer: Ich glaube, für den war das ein riesiger Spaß. Der wollte einfach mal... freie Hand, der hatte einen wirklich guten Deal zu der Zeit mit der Produktionsfirma MGM Und der wollte, glaube ich, einfach mit sich mal austoben und hat gesagt, ey, ich mache jetzt einen Film, der wirklich einfach nur Spaß bringt. Ich will Quatsch machen, ich will Blödsinn machen, ich will albern sein. Und mit einem Grund, dass ich das glaube, deswegen sehe ich dem Film das nach. Der Film ist eine riesige Wundertüte, der sehr viel Spaß macht, der irgendwie diese Ermächtigungsfantasien drin hat. Es ist so ein bisschen dieser Gedanke, vielleicht ist jedem das schon mal passiert, dass man irgendwie verwechselt wurde, dass jemand gesagt hat, hey, du bist doch der und der. Und dann sagt man, nee, bin ich nicht und dann war die Situation vorbei. Und vielleicht ist das so ein bisschen der Film von der Person, die sich fragt, was wäre gewesen, wenn ich das durchgezogen hätte? Oder wenn mir nicht geglaubt worden wäre, in was für ein Abenteuer hätte ich da reingeraten können. Und wo hätte ich überall hinkommen können und langfahren können, von der Stadt zur UN bis irgendwo in die Pampa, wo ich dann vom Flugzeug angegriffen werde?
Johannes Franke: Ja, da gibt es aber sehr viele Komödien auch inzwischen drüber und es gab es ja auch vorher schon, oder? Ich kann mich jetzt nicht so richtig, mir fällt jetzt spontan keiner ein, aber ich glaube vor 1900... 59 gab es doch sicher schon mal so ein paar Filme von Leuten, die dann irgendwie eine andere Identität angenommen haben oder so, die sich halt gedacht haben, ja, was passiert denn, wenn ich... Mal jemand anders bin. Also so neu ist das nicht. Aber Hitchcock ist ein Hitchcock, wenn er nicht eine Thriller-Handlung drin hat zumindest, oder?
Florian Bayer: Das Besondere ist ja vor allem, dass es eben nicht um jemanden geht, der einfach so freiwillig sich entscheidet, sich ins Abenteuer zu stürzen und eine neue Identität anzunehmen. sondern dem von allen irgendwie die Identität von außen aufgestülpt wird, der sich dann aber... auch sehr schnell sehr wohl drin fühlt.
Johannes Franke: Also, ja, wohl drin fühlen ist so ein bisschen übertrieben vielleicht, aber... Aber der hat halt irgendwie, man scheint ein bisschen Spaß dran zu haben, obwohl er es nicht so sagen will.
Florian Bayer: Ja. Er erlebt halt das James Bond Abenteuer. Dazu gehört dann auch so komplett casual Sex mit einer Fremden, die einfach so da ist. Kein Grund, misstrauisch zu sein.
Johannes Franke: Das ist der zweite Grund, warum ich glaube, es ist der Vorgänger von James Bond. Es ist ein James Bond. Das Bond-Girl ist da. Und das ist, gib's zu. 50% von James Bond ist das Bond-Girl.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Und das Bond-Gerl ist auch immer, und das ist in diesem Film auch ganz stark, die Frau natürlich sexy ist, aber auch vor allem, bei der man nicht genau weiß, auf welcher Seite steht sie jetzt. Ist sie auf der Seite von unserem Protagonisten oder arbeitet sie für die Gangster? Und es ist in diesem Film ja auch sehr lange unklar, wie ihre Rolle da drin ist. Wir erfahren dann sehr früh, okay, sie ist irgendwie mit den Gangstern verstrickt, aber so ganz... Es bleibt dieser Zweifel und sie könnte ja doch gut sein.
Johannes Franke: Als sie das erste Mal rausstellt, denke ich, oh no, sie gehört zu dem Bösen und war relativ überzeugt, dass sie einfach dazugehört. Das relativiert sich über die Zeit natürlich, weil sie auch so spielt, weil man merkt, okay, sie hat ein schlechtes Gewissen und so weiter und es gibt irgendwas, muss dahinter sein noch. Aber das Enttäuschendste des ganzen Films für mich war tatsächlich der Moment, wo sie... wo es sich herausstellte, dass sie zu dem Bösen gehört, weil bis dahin hätte sie... Die krasseste Frauenfigur seit der Geschichte des Films bis dahin. sein können, weil sie so dermaßen sich auf ihn draufstürzt mit einem eigenen Willen.
Florian Bayer: Alter, ja, ne?
Johannes Franke: Und sich so... dafür einsetzt, dass der jetzt mit ihr zusammen verschwindet ins Kabuff und dann irgendwie Spaß hat.
Florian Bayer: Sie rettet ihn vor der Polizei und dann hat sie Sex mit ihm. Und zwar ziemlich klar, wir wollen jetzt Sex haben, lass uns loslegen. Wir haben einen Zugwaggon, wir haben gemütliche Sitze, lass uns vögeln.
Johannes Franke: Und er sitzt die ganze Zeit da und sie spielt ihn an die Wand. Und er ist völlig fassungslos und sagt, okay, gut. Was für ein Zufall, dass wir zusammentreffen. Nein, kein Zufall. Ich habe dafür bezahlt, dass du hier sitzt.
Florian Bayer: Eva-Mary-Sendt. Als unsere Femme Fatale in diesem Fall, die ja wirklich einfach cool ist und es ist auch keine Romanze, die da aufgebaut wird. Am Schluss machen sie den Twist Richtung Romanze, aber eigentlich geht es um Lust, es geht um sexuelles Verlangen und sie will ihn flachlegen.
Johannes Franke: Und ich hätte mir so gewünscht, dass das dabei, dass das das ist, dass sie wirklich als eine der wenigen Frauenfiguren aus dieser Zeit mal wirklich da ist und sagt, ich habe ein eigenes Bedürfnis, ein eigenes Verlangen und das hole ich mir jetzt. Ja. Aber nein, sie muss es machen, weil irgendjemand sagt, du machst das jetzt.
Florian Bayer: Das ist so eine Enttäuschung. Vielleicht war der Haste-Code zu dieser Zeit dann doch noch zu stark. 50er Jahre und deswegen müssen sie auch am Schluss heiraten. Aber Kudos an den Filmen, dass er hier erstmal Sex erzählt, ohne dass geheiratet wurde.
Johannes Franke: Das stimmt, ja.
Florian Bayer: Sie haben wirklich unverfänglichen Sex. Sie haben einfach nur einen One-Night-Stand im Zug.
Johannes Franke: Ja, wobei sie natürlich eine Line noch ändern mussten. Sie hätte eigentlich gesagt, I don't make love on an anti-stomach. Und dann mussten sie das neu dubben mit dem Satz I don't discuss love with an empty stomach, aber naja.
Florian Bayer: Aber es ist einfach klar, wenn man diese Szene sieht, diesen ganzen Komplex, wie er sie im Zug trifft, wie sie ihn vor der Polizei beschützt, wie sie zusammen essen. Es ist einfach... Und es ist klar, wenn er dann in ihrem Zugabteil ist, ist es einfach so offensichtlich, es geht hier nur um Sex.
Johannes Franke: Und ich finde es tatsächlich auch sexy. Einer der wenigen... Filme, die es schaffen, dass ich davor sitze und denke, uh.
Florian Bayer: Und wohlgemerkt. Wir sind Ende der 50er, wir sehen keine nackte Haut.
Johannes Franke: Nichts. Es ist nur das Gespräch und so ein bisschen dann, wie die in der Kabine dann anfangen, so ein bisschen rumzuknupfen.
Florian Bayer: Aber auch ganz, ganz vorsichtig. Ganz vorsichtig. So dieses typische Hollywood-Knutschen, wo die Köpfe so geneigt sind, dass man keine Zunge sieht. Also, dass man auch keinen offenen Mund sieht.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Und es wird auch nicht indiziert, also man sieht es auch nicht, dass das irgendwie zum Einsatz kommt. Also es ist nicht wild.
Florian Bayer: Genau, genau. Aber ganz spannend, vor dieser Zugszene haben wir ja eine relativ wesentliche Szene... Der Film arbeitet sehr subjektiv. Wir haben die ganze Zeit Fornells Perspektive, der nicht weiß, was los ist, der durch den Film stolpert. Und in der 40. Minute wird das aufgebrochen. Wo wir so die einzige wirklich auktoriale Perspektive haben, wo nach dem ganzen Scheiß, der ihm passiert ist, also er wurde betrunken gemacht, er wurde fast umgebracht. Er ist nochmal zu dieser Villa gefahren, wo er fast umgebracht wurde, niemand mehr da. Dann hat er versucht, diesen Typen zu finden, der wurde dann mit dem Messer umgebracht, im UN-Gebäude. Und dann haben wir plötzlich diesen Schnitt zu einer netten kleinen Runde von der CIA. Ja. Und wir haben die Erklärbär-Szene unseres Films.
Johannes Franke: Es ist so reingepfropft.
Florian Bayer: Absolut.
Johannes Franke: Ich weiß überhaupt nicht. was ich damit anfangen soll. Ich finde es so seltsam. Wäre es nicht auch irgendwie interessanter gewesen, also ich verstehe, warum er es gemacht hat, aber wäre es nicht interessanter gewesen, Dass wir als Zuschauer immer noch ganz lange denken könnten, es ist vielleicht wirklich dieser gesuchte Kaplan?
Florian Bayer: Ich wäre gerne weiter im Dunkeln getappt. Es ist natürlich so ein bisschen Stilmittel der 50er.
Johannes Franke: Es ist auch Hitchcock-Stilmittel. Hitchcock sagt ja immer... Ich gebe dem Zuschauer mehr Info, als unsere Hauptfigur hat, damit ich als Zuschauer anders mitfiebern kann.
Florian Bayer: Es erinnert mich so ganz unangenehm an diese Szene aus Psycho, die ganz am Ende von Psycho ist, wo der... Psychiater, Psychologe gezeigt wird, der sagt, okay, ich habe jetzt mit unserem Killer geredet, ich kann Ihnen jetzt genau erklären, was ist, er hat diese Krankheit, er hat das deswegen gemacht und so weiter. Ich fühle mich in dem Moment als Publikum so ein bisschen für dumm verkauft, weil uns wird dann haarklein erklärt, okay, dieser Kaplan ist nur eine Finte. Der existiert gar nicht wirklich, weil es gibt tatsächlich einen Maulwurf in den Reihen von diesen Gangstern, den müssen wir schützen. Und jetzt wurde der Vorne für den Capital gehalten, aber okay, mein Gott, dann sind sie abgelenkt, ist ja super und der Vorne ist seinem Schicksal überlassen, haha, lass mal. lassen wir ihn übers Messer springen. Das wird uns alles in diesen fünf Minuten einfach mal von der CIA erzählt. Und diese Szene ist so offensichtlich eine Szene fürs Publikum. Kann er uns nicht zutrauen? Oder kann er nicht dem Publikum in den späten 50er Jahren zutrauen, auf diese Szene zu verzichten und weiter mit Vornhild durch die Dunkelheit zu tappen?
Johannes Franke: Absolut. Andere Filme haben das auch geschafft. Auch zu der Zeit gab es durchaus die Möglichkeit, dass man da mitgeht und noch ganz lange denkt, ist das, ist das nicht.
Florian Bayer: Ja, und es gäbe halt auch wirklich spannende Möglichkeiten, dann so mit Andeutungen zu arbeiten. Und es ist wirklich nicht viel, was gemacht werden muss. Es muss einfach diese Szene weggeschnitten werden. Und der Film ist meiner Meinung nach deutlich spannender und auch interessanter.
Johannes Franke: Ja. Zumal es ja später auch nochmal wirklich erklärt wird. Also die erklären es ja nochmal später, weil irgendwelche Dialoge darauf basieren, dass das nochmal erzählt wird, was jetzt eigentlich Sache ist. Also die Gangster erzählen es nochmal und die Leute, die Die Ermittlungen machen die CIA, die erzählen es ja auch ihm nochmal und so. Das wäre also nicht nötig gewesen, das ist ein bisschen schade.
Florian Bayer: Ich kann es ihm so ein bisschen nachsehen, weil für mich der Film halt... ein großer, komm, wir stürzen uns ins Abenteuerspaß ist. Und dann ist es einfach... Okay, dann muss es nicht die ganze Zeit so spannend sein. Wenn wir sagen, Hitchcocks Suspense-Momente sind halt der Zuschauer weiß mehr als der Protagonist. Ja. Das funktioniert in dem Fall nicht so wirklich, weil es zu viel ist und zu erklärt ist und Hitchcock macht das sonst deutlich... Deutlich virtuosa, mehr mit Bildsprache, mit Andeutung. Und hier hat er einfach so, wir haben jetzt mal Leute, die uns alles erklären. Es wäre spannender, wenn es nicht da wäre. Ich würde mehr Spannung in dem Film empfinden, wenn es nicht da wäre. Aber wie gesagt, die Spannung ist für mich nicht das Wesentliche. in dem Film, sondern einfach der Spaß. Die absurden Sachen, die passieren, die Merkwürdigkeiten, sein Verhalten.
Johannes Franke: Es ist so ein bisschen so ein Disney-Ride.
Florian Bayer: Ja. Auf jeden Fall. Und zu dem Disney Ride gehört ja so eine ganz wesentliche Szene. die Szenen, die auch immer zitiert wird und wenn du sagst, mach mal so eine Reihe von den fünf ikonischsten Hitchcock-Bildern, das nehmen dem Messer in der Dusche und den Vögeln, die angreifen, ist diese Szene von Thornhill, der durch das Feld läuft und vom Flugzeug verfolgt wird.
Johannes Franke: etwas, was mich so lange verfolgt hat, also wie Ihnen das Flugzeug, dass ich gedacht habe, dieses Bild, das ist so krass und das ist so ikonisch und ich weiß verdammt nochmal nicht, was das soll. Ich muss diesen Film sehen. Und deswegen, ich weiß nicht, warum ich so lange gewartet habe, diesen Film zu gucken.
Florian Bayer: Schieben wir einmal ganz kurz zur Seite, dass das wirklich idiotisch ist, wie sie versuchen, ihn umzubringen.
Johannes Franke: Das ist so dämlich. Es ist so absurd. Aber gut, okay, das haben wir vorhin schon festgestellt.
Florian Bayer: Und das Flugzeug fliegt auch zuerst... Über ihn und kommt dann nochmal zurück und schießt erst dann.
Johannes Franke: Erst dann, ja.
Florian Bayer: Und es schießt, also es hat offensichtlich die Schussanlagen... Es trifft ja nicht mal im Ansatz. Es trifft ja einfach nur irgendwie den Boden um ihn herum.
Johannes Franke: Ja. Aber was ich dann spannend finde, ist, dass dieses Kornfeld, wo er dann reinrennt, Ja, auch so ein Filmjob geworden, oder? Ja. Also ich finde es auch sehr spannend, wo das herkommt. Ich weiß nicht, ob es das vorher schon gab, aber da fällt es mir jetzt auf, dass das so fast einen unschuldigen Anfang nimmt, dass man das Kornfeld als Verstecken und als Als Ort des, naja, man weiß nicht, was findet man dort und was passiert, weil das einfach alles sehr dicht ist und fast wie ein Maze funktioniert.
Florian Bayer: Hitchcock hat zu dieser Szene gesagt, er wollte versuchen, radikal gegen die klassischen Klischees von so einer bedrohlichen Szene zu arbeiten. Normalerweise würde man so eine Szene nachts machen, irgendwo im Inneren, wo es dunkel ist, wo es klaustrophobisch ist. Und er wollte so Bright Daylight machen. offen, großes Gelände und trotzdem zeigen, hey, auch in diesem Setup kann man Spannung erzeugen.
Johannes Franke: Es ist genau... Genau das gleiche, als wenn er es im Dunkeln gemacht hätte, weil er sich nämlich auf genau die andere Seite der ganzen Geschichte gesetzt hat. Er hat ja diesen Establisher, ne? Riesiges Bild von dem Feld, von den Feldern, die da sind. Und er kommt da mit dem Auto an und ist so ein... Stecknadelkopf großer Mensch, der da aussteigt und wir haben das riesige Feld. Und das ist allein schon fast klaustrophobisch, obwohl es so riesige Weiten hat. hast du das Gefühl, ach du Scheiße, du bist da nirgendwo im Nirgendwo. Und da hast du im Grunde den gleichen Effekt, wie als wenn du im Dunkeln tappen würdest.
Florian Bayer: Ja, vor allem... Die Szene sticht wirklich auch heraus, auch soundtechnisch, wegen ihrem fehlenden Sound. Da ist keine Musik, da ist nichts. Er ist komplett verlassen. Er steht in diesem riesigen Feld. Wir haben diese krasse Perspektive auf ihn. Dann kommen ja auch wirklich so ein, zwei spannende Momente, wenn dann das Auto vorfährt. So kommt da was und dann steigt jemand aus und dann erfahren wir, okay, das ist nur jemand, der auf den Bus wartet und er hofft halt nach wie vor, dass dieser Kaplan kommt. Im Hintergrund fliegt ein Flugzeug, schon so eine Andeutung von einer Gefahr. Es ist wirklich eine spannende Szene, einfach weil die so ruhig inszeniert ist.
Johannes Franke: Ich finde es ganz toll. sich viel Zeit nimmt und so und dann die ganzen Leute vorbeifahren lässt. Er macht das, glaube ich, drei, vier Mal, ne? Man sagt ja immer, Comedy comes in three, aber ich glaube, da kommt sogar noch ein viertes Auto und das ist es dann halt auch nicht. Und dann kommt das Flugzeug.
Florian Bayer: Wir sind sehr lange bei ihm. Die Szene dauert fast zehn Minuten. Also von Ankunft in diesem menschenleeren Ödnis.
Johannes Franke: Entschuldigung, ich stelle mir gerade vor, wie du da sitzt vor dem Fernseher und genau guckst. Hängt sie an, die Szene. Ah, bis dahin läuft sie also. Und dann genau ein Timetable hast, wie der Film aufgebaut ist.
Florian Bayer: Das ist halt sehr auffällig, ne? Szene ist wirklich lang. Wir haben hier eigentlich einen turbulenten Film vor uns, wo die ganze Zeit irgendwas passiert, wo von einer Katastrophe in die nächste gerannt wird und irgendwo Sex dazwischen ist. Und dann haben wir diese eine Szene, die sich wirklich sehr lange, sehr viel Zeit lässt, um Stimmung und Spannung aufzubauen.
Johannes Franke: Weißt du, an welcher Stelle im Film das eingebettet ist? Ist das so ein, weiß ich nicht...
Florian Bayer: Voll zentral.
Johannes Franke: Voll zentral.
Florian Bayer: Nach einer Stunde und sieben Minuten beginnt diese Szene.
Johannes Franke: Hast du dir das jetzt ausgedacht? Du hast das wirklich aufgeschrieben?
Florian Bayer: Ich mache mir Notizen, aber tatsächlich gucke ich meistens bei Filmen, was ist die zentrale Szene, so ganz binnen. Was ist in der Mitte des Films und wie lange dauert es, bis XY passiert? Ich kann ja einmal aus meinen Notizen zitieren. Es dauert 40 Minuten, bis wir wissen, dass der Bösewicht in Wahrheit Van Damme heißt. Jean-Claude.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Es dauert 39 Minuten, bis wir die Erklärszene haben, wo wir erfahren, dass Kaplan nur eine Fiktion ist, die von der CIA erfunden wurde und das war es. Tut mir leid, das ist jetzt ein bisschen enttäuschend, aber mehr Timecodes habe ich nicht aufgeschrieben.
Johannes Franke: Es ist schon nerdier, als ich dachte, dass es sein würde bei dir. Ich habe keinen Einblick in deine Notizen und ich denke dann immer, okay, du hast da so wirklich alles aufgelistet, genau nach Zeit. Vielleicht müsste man hier eine extra Rubrik draus machen. Plur lies Timecodes vor.
Florian Bayer: Ich kann dir ja mal ein paar von meinen Notizen zeigen. Manchmal habe ich sehr viele Timecodes, manchmal sehr wenige. Aber so, was steht ganz zentral im Film, habe ich fast immer. Weil ich finde das auch irgendwie ganz witzig. Und oft ist es eine zentrale Szene, entweder für die Handlung. Oder aus ästhetischem Gesichtspunkt. Hier ist es einfach aus ästhetischem Gesichtspunkt. Hier ist es eine spannende Szene in der Mitte. Ja, Pacing auch. Davor haben sie schon ein paar Mal versucht, ihn umzubringen und danach versuchen sie es nochmal ein paar Mal. Aber das ist so die krasseste Szene, die längste von diesen Action-Szenen.
Johannes Franke: Kannst du mir kurz sagen, wie man als Pilot in die Lage gerät, solche krassen Loopings und so krasse Manöver zu fliegen und dann... in dieses komische Auto reinfliegt.
Florian Bayer: Aber wie?
Johannes Franke: Total absurd. Das ist echt ein bisschen dämlich.
Florian Bayer: Man hat ein kurzes Gefühl, sie haben vielleicht einen Kamikaze-Piloten engagiert, aber warum hat er dann nicht einen Kamikaze-Angriff gleich auf vorne gemacht?
Johannes Franke: Vorne und hinten nicht. Ich glaube auch, dass es ganz allgemein bei Hitchcock sich nicht immer lohnt, die Logikfrage zu stellen. Ich glaube, weil Hitchcock sowieso jemand ist, der ist ein kleines Kind, der das spielen will und der will einfach, der hat eine Idee für eine Szene und dann will der dieses Abenteuer einfach erzählen und gut ist. Und wenn man dann anfängt, da viel rumzustochern, dann nimmt man sich ein bisschen die Lust an dem Film.
Florian Bayer: Ja, das ist ja auch, ich glaube, es ist auch so ein bisschen wie dieser Film, wie die Story entstanden ist. Der hat es ja zusammen mit Ernest Lehman geschrieben. der offensichtlich was anderes machen sollte für MGM mit Hitchcock zusammen, was dann nicht geklappt hat. Und dann hat Hitchcock aber gesagt, hey komm, lass uns doch was zusammen machen. mit dem Lehmann komm ich gut klar, ich würd gern mit ihm was schreiben und dann haben die sich getroffen und haben offensichtlich angefangen, Ideen rumzuwerfen. Hitchcock ist halt gestartet mit der Idee von, Hey, wie wär's mit Mount Rushmore? Und da sitzt jemand in der Nase und dann niest jemand und dann rennen sie und dann springen sie. Und dann ist da niemand drauf eingestiegen und hat wahrscheinlich gesagt... Ja, wir müssen unbedingt was im UN-Hauptquartier machen. Ganz wichtig. New York, lass uns zur UN gehen. Hey, wie wär's, wenn ein Flugzeug da lang fliegt? Hey, wir könnten ja noch, wir können noch das, wir können noch das. Die hatten ursprünglich geplant, das Ding bis nach Alaska zu führen.
Johannes Franke: Oh mein Gott.
Florian Bayer: Ich gehe davon aus, dass der erste Entwurf von dem Script so ganz viele kleine Abenteuer-Episoden sind und die einfach Spaß haben und sich gegenseitig das Zeug zuwerfen. Und dann sitzen sie nachher in der Umsetzung Dann wird es ganz schön schwierig.
Johannes Franke: Ja, natürlich. Es ist auch vieles rausgefallen. Das ist aber noch ein Grund, warum ich glaube, dass es ein James Bond ist. Weil James Bond ja auch... zu den anderen 50 Prozent neben dem Bond-Girl ein Reisefilm immer ist. Es sind immer... Ein Puttberry von Sightseeing quasi. Du gehst durch die Alpen, der ist jetzt da in der Schweiz und dort... Es ist natürlich heute noch ein bisschen krasser, weil wir uns mehr leisten können, weil viel mehr Geld ausgegeben wird für Dreharbeiten. Aber schon damals... Mount Rushmore und dieses krasse Designerhaus, was sie da dem Bösewicht gegeben haben, das sind alles Tropes, die irgendwie... so James Bondig sind.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Interessant ist, dass bei James Bond haben wir ja eigentlich typisch diese Reise an exotische Orte. Das haben wir hier nicht, sondern wir haben hier wirklich North by Northwest. Wir bleiben in Amerika und die Strecke, die hier zurückliegt, ist ja auch relativ gering. Also im Vergleich zu James Bond ist es nichts, was er hier rumreißt.
Johannes Franke: Aber ich habe das Gefühl, dass es so ein bisschen dieser Karneval ist, den auch James Bond macht. Also egal, ob du jetzt weit reist oder nicht, aber so dieses Pacing von einem Ort zu mischen und dann ist wieder Wechsel und das ist wieder Wechsel.
Florian Bayer: Abenteuer, Action, Sex. Kurzes Gespräch, Abenteuer, Action, Sex und ganz wichtig eben am anderen Ort oder auf dem Weg zum anderen Ort in diesem Fall. Sie dürften nicht beim UN-Gebäude drehen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann haben sie aus dem Auto raus diese eine Szene, wie er in das UN-Gebäude reint. reingeht, die haben sie offensichtlich, keine Ahnung, wie sie das 1959 gemacht haben, wo die Kameras doch noch ein gutes Stück größer waren, haben sie das so aus dem Auto raus gefilmt und dann haben sie gemalt. Sie haben so eine Traufsicht vom UN-Gebäude. Da haben sie einfach die Sets gemalt.
Johannes Franke: Ah, deswegen sieht das so aus. Das wusste ich nicht. Ich dachte, die hätten das nicht aus dem Auto gefilmt, sondern sie haben drüben im Gebäude gegenüber sich hingestellt und haben dort durch die Scheibe rausgefilmt.
Florian Bayer: Auch gut möglich.
Johannes Franke: Nur haben vielleicht auch Legendenbildung und so weiter einiges getan. Aber sie durften nicht dort drehen und sie waren reluctant genug zu sagen, nee, wir machen das aber. Und einmal wurden sie weggescheucht und dann sind sie wiedergekommen mit einem anderen Plan und haben es nochmal gemacht. Es ist schon krass.
Florian Bayer: Und dann haben sie für diese Vogelperspektive gemalt. Sie haben sowieso relativ viel gemalt in dem Film, wo sie nicht hin durften. Und sie haben es auch wirklich geschafft, gute Räume zu finden, um dann das Innere des neuen Gebäudes zu drehen, dass es glaubwürdig ist.
Johannes Franke: Das haben sie gebaut. Ja. Das Innere vom UN-Gebäude haben sie gebaut im Studio. Da haben sie einen Fotografen extra beauftragt, der sollte reingehen ins UN-Gebäude, sollte dort Fotos machen. Und dann die Fotos mitbringen, damit sie es nachbauen können.
Florian Bayer: Und Lohn der Mühen war dann ja auch eine Oscar-Nominierung für Best Art Direction, Set Decoration.
Johannes Franke: Drei Ausgaben-Nominierungen insgesamt hatten sie und leider nichts gewonnen.
Florian Bayer: Ja, so ein bisschen schade, ne?
Johannes Franke: Ja, ein bisschen schade. Ja, das ist wirklich ein toller Film, wenn man nicht zu viel anfängt, darüber nachzudenken, wie logisch jetzt was ist.
Florian Bayer: Bloß nicht zu viel drüber nachdenken.
Johannes Franke: Oh mein Gott, was ist das für eine Musik?
Florian Bayer: Was war das?
Johannes Franke: Wo sind wir?
Florian Bayer: Ich glaube, wir wurden rausgerissen.
Johannes Franke: Aber wohin?
Florian Bayer: Oh mein Gott, Johannes. Ja, ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo.
Johannes Franke: Oh nein! Shit!
Florian Bayer: ganz schnell, damit wir zurück zum Besprech können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Johannes Franke: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind, also auf Spotify oder
Florian Bayer: iTunes, Beam, whatever, was ihr auch benutzt.
Johannes Franke: Also abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren sollen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer euer Podcatcher anbietet.
Johannes Franke: Genau und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn oder so.
Florian Bayer: Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes-at-mussmann-sehen.de oder florian-at-mussmann-sehen.de Genau, schickt uns Filmvorschläge und so weiter.
Johannes Franke: Boah, wir sind schnell durchgekommen.
Florian Bayer: Ja, jetzt schnell raus, schnell wieder zurück ins Gespräch.
Johannes Franke: Wir müssen einmal über den Anzug von Cary Grant reden.
Florian Bayer: Okay, das ist jetzt komplett dein Steckenpferd. Leg mal los.
Johannes Franke: Nein, ich habe nicht viel rausgesucht dazu. Es ist mir einmal über den Weg gelaufen, dass man sehr viel, sehr, sehr viel darüber reden kann, dass dieser Anzug der Anzug der Filmgeschichte sein soll. Ich weiß nicht genau, warum. Ich fand ihn auch gut, so... Und es wird viel darüber geredet, dass der so in einem durch ist, dass es eine gute Entscheidung ist, dass er keinen... Keinen Gürtel trägt, der irgendwie diesen grauen Anzug durchbrechen würde, dass die Socken passend dazu sind. Aber gut, das sind so Standards, die man sich halt überlegt. Wenn man ein bisschen Ahnung von Mode hat, dann überlegt man sich, dass man die richtigen Socken dazu trägt. Aber es gibt so viele Diskussionen darüber und es gibt so viele Leute, die sagen, das ist der Anzug und dann wissen wir noch nicht mal, wer den wirklich entworfen hat. Es gibt so drei Namen, die in der Gegend rumschwirren. wo immer wieder die Leute sich unsicher sind, wer es jetzt eigentlich war. Was ich auch ein bisschen seltsam finde. Auf jeden Fall Wurde der dann auch in verschiedenen Filmen von verschiedenen Schauspielern quasi wieder aufgetragen in Anlehnung an? Also von Tom Cruise und Ben Affleck und so in verschiedenen Filmen. Das ist krass, dass so ein Anzug so ein riesiges Ding macht. Das ist bei Frauen viel häufiger der Fall gewesen, dass so Stilikonen entstanden sind. Und das ist in diesem Fall halt der einfache Anzug ist, der graue einfache Anzug?
Florian Bayer: Ich glaube, das wesentliche Merkmal dieses Anzugs ist, also zumindest wenn wir uns jetzt in die letzten Minuten des Films begeben, dass er furchtbar stinken muss. Dieser Mensch wechselt nicht die Klamotten.
Johannes Franke: Er kriegt nach neuen Klamotten. Er kriegt am Ende neue Klamotten. Ja, und da sieht man das erste Mal den großen Unterschied zwischen seinen Klamotten und dann einem schlecht angezogenen, desolaten Typen. Das ist ein riesiger und, ich habe ihn nicht gesehen, den Unterschied, aber er wird diskutiert im Internet.
Florian Bayer: Also ich fand vor allem auffällig, dass er die ganze Zeit diesen blöden Anzug trägt und der muss ja nach Alkohol stinken, weil ich meine, er ist besoffen Auto gefahren damit, der muss nach Schweiß stinken.
Johannes Franke: Es muss eine Überwindung für sie gewesen sein, ihn überhaupt zu nehmen.
Florian Bayer: Ja, genau.
Johannes Franke: Oh mein Gott.
Florian Bayer: Er steckt dann ja auch in diesem Gepäckfach in dem Anzug, also er muss furchtbar verschwitzt sein. Ja. Im Maisfeld, da ist ja auch überall Dreck und Sand und Staub und ja, keine Ahnung. Sie fand ihn offensichtlich trotzdem scharf.
Johannes Franke: Es ist ein magischer Anzug, ich sag's dir. Der ist selbst säubernd, er schafft es alles selbst wegzuklopfen an Staub, was dran hängen geblieben ist vom Maisfeld. Es ist einfach... Ein sehr magischer Anzug. Deswegen, ich sage dir, James Bond.
Florian Bayer: Du meinst, der Anzug gibt ihm auch so ein bisschen die Superkräfte?
Johannes Franke: Ja, genau. Und den Mut und die Courage, überhaupt diese ganzen Sprüche zu lassen und dann keine Angst zu haben, wenn ihm irgendwie eine Waffe vor die Nase gehalten wird.
Florian Bayer: Deswegen geht er auch nicht duschen, sondern pfeift einfach Singing in the Rain und lässt den Anzug an, während er in der Dusche steht, um auch mitzukriegen, dass sie abhauen will.
Johannes Franke: Was übrigens auch schön ist. Ich mag die Szene. Ich finde die sehr schön.
Florian Bayer: Total süß. Und er ist in dem Moment auch einfach der clevere Chainsaw. Ein Typ, der genau weiß, was abgeht, obwohl er eigentlich keine Ahnung hat, was abgeht. Ich möchte noch zwei Personen hervorheben, die mir wirklich sehr gut gefallen haben in dem Film. Zum einen den Professor. Ich finde den Professor die ganze Zeit irgendwie niedlich. Du meinst den CIA-Typen, den guten. Ja. Der eigentlich die ganze Zeit sagt, naja, Zivilisten sind mir egal und so. Und der irgendwie immer so ein bisschen entspannt durch dieses Geschehen trottet. Wir haben einfach Eine ganz tolle Szene mit dem Professor, wo er mit Vornhild drüber redet. Er heißt übrigens Professor, er hat keinen Namen. Wo er mit Farnel drüber redet, dass sie eigentlich ein Maulwurf ist. Wo das nochmal erklärt wird. Und dann wird das erklärt unter dem Flugzeuggeräusch. Wir haben die beiden am Flugzeug vorbeigehen. Ja, genau. sagst, soft porno, ich erkläre Ihnen jetzt, was los ist und wir hören nichts von diesem Gespräch, weil einfach die ganze Zeit diese Maschinengeräusche zu hören sind. Tolle Szene. Zweiter wundervoller Charakter, nicht der Oberbösewicht Van Dam, sondern seine rechte Hand, Lennart, der, ich glaube, in Van Dam verliebt ist. Ja.
Johannes Franke: Okay, das möchte ich jetzt untermauert wissen.
Florian Bayer: Also dieser Lennart, der ist ja irgendwie immer dabei. Ganz herausragend gespielt von, lass mich einmal kurz zu... Van Damme wird gespielt von James Mason und Lennart wird gespielt von Martin Landau. Und der ist immer so dabei... Und wir erfahren dann ja auch irgendwie, dass Van Damme offensichtlich was mit unserer Protagonistin, mit unserer femme fatale, nämlich mit Yves hat. Und der Lennart ist der, der die ganze Zeit sagt, ey, du darfst ja nicht trauen, du darfst ja nicht trauen. Der Lennart ist auch der, der ihm danach die Platzpatronen zeigt und sagt so, siehst du, die hat nicht reingelegt, die hat den Vornell gar nicht erschossen, die hat nur so getan. Übrigens, war das abgesprochen? Wusste Vornehl, dass er jetzt eine große Schauspielleistung machen muss und sich hinwerfen muss? Weil der hatte doch nicht die Möglichkeit, das mit ihr abzusprechen, dass sie mit Platzpatronen auf ihn schießt.
Johannes Franke: Das hat er mit dem anderen abgesprochen, der wiederum es mit ihr abgesprochen hat. Also mit dieser väterlichen phlegmatischen Figur, die du vorhin meintest. Mit dem Professor, ja, okay.
Florian Bayer: Okay, okay. Also das gab über... Ich würde ja einer CIA-Agentin, wenn sie eine fiese Gangstergruppe infiltriert, nicht eine Pistole mit Platzpartei... Drohnen geben. Das ist eine scheiß Idee. Egal. Auf jeden Fall ist er der, der sagt, ey, du darfst dieser Eve nicht trauen. Und ich glaube nicht, dass er das sagt, weil er ihr nicht traut, sondern ich glaube, er sagt das. Weil sein Herz eigentlich für Van Damme kocht. Achtmal, wenn ihr den Film nochmal schaut, auf die Blicke, die Leonard Van Damme zuwirft. Dieses so leicht, so ein bisschen süffisant. so ein bisschen neugierig. Ich glaube, es geht im Gegensatz zu der Beziehung von Roger und Eve. ist diese Beziehung sehr rein. Es geht nicht um Sex, es geht um Liebe. Er ist einfach in ihn verliebt. Und deswegen viel mehr Liebe für Lennart, der ein ganz toller Bösewicht ist. Und so ein toller Handler. Also bevor es James Bond gab, auch wenn wir schon James Bond Referenzen haben, James Bond hatte immer die Bösewichte, die hatten immer coole Handlanger. Das gehört zum James-Bond-Film dazu. Und Lennart ist ein toller Handlanger von einem Bösewicht.
Johannes Franke: Okay. Ja gut, dann muss ich mir den Film daraufhin nochmal anschauen, auf diese Blicke. Haben wir noch irgendwelche tollen Figuren? Wir haben noch überhaupt nicht so richtig viel über sie gesprochen. Ich finde sie sehr gut. Ich finde, sie macht das sehr, sehr gut. Eve Saint, wie heißt sie mit Vornamen? Eve.
Florian Bayer: Yves Candle. Yves Marie Sand spielt Yves Candle.
Johannes Franke: Genau. Ich finde, sie macht das sehr, sehr gut. Sie wird manchmal so ein bisschen abgetan und man sagt oft, dass sie verblasst neben Cary Grant. Aber das finde ich überhaupt nicht. Sie macht das sehr, sehr gut. Und Hitchcock hat ihr wohl nur so drei Acting-Sachen gesagt während der Dreharbeiten. Immer nur, benutze deine Hände kaum. Schau deinem Gegenüber immer direkt in die Augen, also Cary Grant in dem Fall vor allem und lower your voice. Also dass sie ein bisschen tiefer sprechen sollte, was ich auch einen sehr guten Hinweis finde für diese Rolle.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ansonsten spielt sie das sehr gut von alleine.
Florian Bayer: Sie spielt schon so eine sehr traditionelle Femme Fatale. Weil man findet sie attraktiv. Man weiß nicht, ob man ihr trauen kann. Und ich finde, sie ist auch von Anfang an suspekt, wenn sie auftritt. Weil ich meine, so wie sie... wie sie ihm hilft, vor der Polizei zu entkommen und so, wie sie ihm Sex anbietet, dann ist es einfach schon klar, die steckt da irgendwie mit drin. Irgendwas ist mit ihr... Und dann trägt das natürlich ihre Figur, dass man nicht so ganz sicher ist, was mit dir los ist. ob sie auf der richtigen Seite steht oder nicht, ob sie wirklich für vorne was übrig hat oder ihn nur benutzt, um ihren Job zu machen. Ja, sie ist halt relativ wenig präsent. Also es gibt so die 2, 3, 10, wo ich sie dann aber auch jetzt nicht so stark finde. Es gibt ja diese... Szene, nachdem er vom Flugzeug angegriffen wurde und wo sie ihm dann in die Arme fällt, da hätte sie vielleicht das Ganze mit ein bisschen mehr Ambivalenz spielen können, dass man vielleicht ein bisschen mehr noch zweifelt. Ich finde, sie spielt das so groß, dass es schon fast wieder unglaubwürdig wirkt.
Johannes Franke: Vielleicht sind es die 50er vielleicht einfach auch.
Florian Bayer: Vielleicht sind es die 50er, dass das vielleicht ein bisschen weniger sein könnte. ein bisschen weniger so um die Arme fallen und sagen, oh Gott sei Dank, du lebst, nachdem sie ihn rausgeschickt hat auf dieses Feld.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: In der Auktion fand ich sie sehr stark. Die Auktionsszene, über die wir noch gar nicht gesprochen haben, die auch so eine schräge Abenteuerszene ist, die kommt...
Johannes Franke: überflüssig ist. Ich finde es wirklich großartig. Eine der Herzstücke dieses Films, finde ich, ist diese Szene. Nur um das mit ihr abzuschließen, sie hatten ja auch eigentlich gar nicht sie geplant. Die Schauspielerin sollte ja eigentlich, sollte das ja... Sid Cheris, ich weiß immer noch nicht, wie ich das aussprechen soll. die ich wirklich großartig finde, über die wir auch gesprochen haben, als wir über Singing in the Rain gesprochen haben. Sid Jeris, so... Und ich hätte sie gerne in dieser Rolle gesehen, aber ich bin auch froh, dass The Saint das jetzt spielt. Ein bisschen hin und her gerissen. Hitchcock hat sie einfach durchgedrückt, ne? MJM wollte eigentlich Citrus.
Florian Bayer: Ich finde, sie spielt das gut, aber sie gehört für mich jetzt nicht zu den glänzenden Momenten des Films, die in Erinnerung bleiben, weil ihre Figur ist vielleicht auch einfach ein bisschen zu eindimensional dafür.
Johannes Franke: Ich finde, daran macht sich das nicht immer fest, ob du jetzt eine gute Schauspielleistung oder so hast. Gerade in eindimensionalen Figuren, wenn du es schaffst, da noch was Hintersinniges. Denk an Carol Lombard in Mr. und Mrs. Smith. Das war die schlecht geschrieben, also furchtbar schlecht geschriebene Rolle. Sie hat es richtig gut geschafft, da Hintersinnigkeit reinzubringen.
Florian Bayer: Aber sie ist halt auch viel präsenter in dem Film. Eve Kendall hat einfach nicht so viele Momente. Sie ist einfach relativ wenig zu sehen. Na klar, sie ist eine zentrale Figur. Sie ist die Love Interest bzw. Sex Interest. Sie ist der eigentliche Maulwurf von der CIA. Sie gerät auch irgendwann in Lebensgefahr. Und doch ist sie... erschreckend unterrepräsentiert in dem Film. Jetzt gar nicht aus feministischer Sicht, sondern einfach dafür, dass sie so eine zentrale Rolle ist. Kriegt sie wirklich nur eine Handvoll Zähne? Und in denen ist sie halt auch oft irgendwie so ein bisschen die Beisitzerin. Klar, die Zähne im Zug. Ja. Großartig, wo sie die Verführerin ist.
Johannes Franke: Da ist sie wirklich stark.
Florian Bayer: Eine weitere Szene fällt mir nicht ein, wo sie präsent ist.
Johannes Franke: Na, na, in der, die wir jetzt gleich noch besprechen werden.
Florian Bayer: In der Auktion. Szene, aber da sind natürlich auch die...
Johannes Franke: Mir fehlt noch eine andere Szene. Als Hitchcock 100 Ponderosa Pines Hat pflanzen lassen im Studio, um nicht im Wald drehen zu müssen. Ja.
Florian Bayer: Ja, das ist total schrecklich.
Johannes Franke: Das ist großartig.
Florian Bayer: Also Sie haben wirklich viel mit Studio gemacht, Sie haben viel mit Bildern gemacht. Es hat so einen ganz eigenen Charme. Ich mag das ja.
Johannes Franke: Ich mag das auch total. Dann gibt es diese Szene, wie sie da im Wald... stehen, die so ein bisschen auch reingepfropft wirkt, wo man sich fragt, was macht die Szene da? Das Studio wollte auch, dass sie rausgestellt geschnitten wird und dann hat Hitchcock gesagt, guck mal nochmal in meinen Vertrag, ich darf machen, was ich will. Und dann stehen die da und treffen sich. Und ich finde die Szene ganz toll.
Florian Bayer: Grund für die Szene, wir brauchen noch einen Schauplatzwechsel. Wir brauchen einfach noch einen Schauplatz. Wir können jetzt nicht die ganze Zeit an dem Haus und an Mount Rushmore sein. Lass uns hier noch einen Wald hinbauen.
Johannes Franke: Ich finde es agrafisch. vom Kamerading und vom Bild her wunderschön. Ich finde die Szene toll und ich finde, es ist trotzdem noch ein Dialog, der an zweiter Stelle kommt. an der ich wahnsinnig enttäuscht bin über die Frauenfigur, wie sie geschrieben ist. Weil sie nämlich davon erzählt... dass ihr nie jemand was zugetraut hat sonst. Und dass sie das jetzt machen muss, weil... Weil sie sich immer, also naja, schlechtes Selbstbewusstsein am Ende, weil ihr immer gesagt wurde, du kannst nichts, du wirst nichts zu was bringen und so. Und sie sich jetzt verpflichtet fühlt, das eine Ding zu machen, was sie eben leisten kann. Und man natürlich weiß als Zuschauer, die kann viel mehr. Die könnte so viel tun und machen. Und dann kommt der blöde, blöde, blöde, blöde Satz, der alles wieder kaputt macht. Mich will ja sonst keiner heiraten. Und du denkst dir, what the fuck, du brauchst keinen Mann, du kriegst das alles alleine hin.
Florian Bayer: Von dieser 10er sind mir tatsächlich die Kulissen am positivsten in Änderungen geblieben. Ich finde den Dialog so... So plump. Also diese Funktion dieser Szene Scheint mir zu sein, dass vor allem nochmal so ein bisschen Melodramatik reingebracht wird. Läuft doch auch die ganze Zeit diese sehr kitschige Musik, dieser Musikteppich so im Hintergrund.
Johannes Franke: Kann sein, ich weiß nicht mehr.
Florian Bayer: Es ist so ein Melodramatikversuch, den ich irgendwie nicht so ganz abkaufen kann in dem Moment.
Johannes Franke: Vielleicht hat sie einfach bei mir inhaltlich angestoßen und deswegen ist sie bei mir so drin.
Florian Bayer: Und auch bei der Auktion ist sie halt vor allem, die da sitzt und leidet, während vorne... Während vorne wieder alles falsch macht, was man falsch machen kann. Also er weiß es natürlich in dem Moment nicht.
Johannes Franke: Auf hilarious Weise ist es großartig. Und wie er dann da rauskommt.
Florian Bayer: Ich meine, offensichtlich soll uns diese Szene ja jetzt erzählen, dass Fornell sich dann doch irgendwie in Yves verliebt hat.
Johannes Franke: Jaja. Definitiv.
Florian Bayer: Aber hatten sie nicht eine wirklich schöne, einvernehmliche Sexbeziehung, muss das sein? Dass er plötzlich den eifersüchtigen Macker gibt und sagt, hey, Van Damme, die Frau gehört übrigens mir. That's my best.
Johannes Franke: Boah, es sind noch nicht mal die 68er durch. Was erwartest du von diesem Film?
Florian Bayer: Die Szene ist so komplett daneben. Das ist kompletter Bullshit. Das ist einfach nur, um noch einmal zu zeigen, dass Thornhill eifersüchtig ist. Extrem. Ja. Eifersüchtig und wütend. Und um einmal einen Grund zu geben, die Handlung weiter voranzutreiben, um zu zeigen, jetzt werden die Gangster aber auch wirklich misstrauisch ihr gegenüber und jetzt kommt... Jetzt wird es wirklich gefährlich. Die kompletter Bullshit, die Szene, sie ist fantastisch.
Johannes Franke: Aber sie spielt das, finde ich, eben auch gut. Aber lass uns... Die sind diesen Pfad verlassen und wirklich darüber reden, was zur Hölle. Also ich habe geahnt natürlich, was passieren wird, was er machen muss, damit er da rauskommt.
Florian Bayer: Geburt des Fastpalm-Memes eigentlich. Diese ganzen Szene. Und dann genau. Und was macht ihr, um rauszukommen? Logisch wäre, Hilfe... Da stehen Leute, die wollen mich umbringen. Kann jemand die Polizei rufen? Vorne?
Johannes Franke: Nein. Er muss unbedingt die ganze Situation sprengen, die ganze Party, diese Versteigerung. Und schreit irgendwelche blödsinnigen Sachen dazwischen, damit alle irgendwie sich aufregen über ihn und ihn dann irgendwann von der Polizei abführen lassen.
Florian Bayer: nur kohärent, was er schreit zuerst.
Johannes Franke: Okay, jetzt will er ganz hoch bieten.
Florian Bayer: Nee, Moment, jetzt will er ganz niedrig bieten. Jetzt will er das Ganze in Frage stellen. Er weiß selbst nicht, was er da redet.
Johannes Franke: Und ich finde es großartig. Coolartig. Natürlich, du weißt in der Situation nicht, was du redest. Du machst einfach das, was am meisten Ärger verursacht, oder?
Florian Bayer: Und die ganze Zeit hoffen, dass endlich die Polizei gerufen wird. Und was toll ist, die, die die Auktion leisten, haben natürlich viel zu sehr einen Stock im Arsch, um die Polizei zu rufen, versuchen ihn... zuerst zu beschwichtigen, versuchen mit ihm zu reden, dann versuchen sie ihn zu ignorieren. Und er verzweifelt. schon richtig, weil die einfach zu blöd sind zu sagen, ey, offensichtlich will da jemand gerade unsere Veranstaltung sprengen. Wir sollten den mal hier rauskriegen.
Johannes Franke: Ich finde es ganz großartig. Aber dass nicht irgendwie einfach nur ein Sicherheitsmann des Hotels, wo sie das stattfinden lassen, irgendwie kommt und den einfach vor die Tür setzt oder so. Nein, es kommt die Polizei.
Florian Bayer: Was für eine bescheuerte Szene.
Johannes Franke: Aber allein dafür bin ich dankbar, dass ich diesen Film sehen durfte. Es ist großartig. Ich wusste nicht, dass Hitchcock so ein Händchen für absurde Situationen hat.
Florian Bayer: Hitchcock ist ja schon so ein Spaßvogel. Wenn man ihn von alleine lässt, der hatte, ich finde so die Geschichte, die da hinführt, die er in Amerika hat, die ist auch so ein bisschen so eine Selbstbefreiungskraft. Geschichte, weil er war ja schon seit, also den Film dreht er ja schon seit 20 Jahren in Amerika, aber er hatte halt viel Pech, ne? Er hatte diese Filme mit David Salznik gedreht, mit dem er dann irgendwie unglücklich war, dass er die ganze Zeit halt nicht das machen durfte, was er wollte. Mit dem hat er die ganze Zeit Stress.
Johannes Franke: Man muss dazu sagen, David O. sells Nick. Entschuldigung. Und das O steht für Nick. Nichts. Er hat das offenbar erfunden, das O, weil jemand anders aus der Familie auch David heißt. und darüber machen sie sich auch lustig am Set, während sie das drehen. Und ganz am Anfang... fährt ja unser Hauptcharakter mit Sekretärinnen in der Gegend rum und diktiert denen einen Haufen Zeug. Und das ist offensichtlich eine Parodie auf David O. Stasnick. Was ich sehr witzig finde.
Florian Bayer: Mit dem Hitchcock echt schlechte Erfahrungen gemacht hat. Das waren seine ersten Erfahrungen in Amerika. Und dann ist er bei Warner Bros. gelandet und da war es ja auch nicht besser. Da hat er ja auch... Hat er wirklich gute Filme gedreht, also der Fremde im Zug ist da zum Beispiel entstanden. Aber dann hat er vor allem, bei Anruf Mord hatte er diesen Stress, weil die wollten unbedingt, dass er das in 3D macht. Und es hat ihn so genervt. Auch ein Grund mit, warum es jetzt wieder Streit gibt bei diesem Film mit Kamera. Dann war das ja auch so ein Grund, dass er sich unabhängig gemacht hat und dieses Transatlantic Picture gegründet hat und Das war dann wirklich die Zeit, wo er, da stehen wir jetzt irgendwie, wo er dann wirklich erfolgreiche Filme gemacht hat. Aber es waren, wenn wir uns Hitchcocks Hollywood-Zeit betrachten, waren es eher so fünf Jahre, in denen er wirklich gut war. erfolgreiche Filme gemacht hat, in denen er das machen konnte, was er wirklich machen wollte und dieser Film, der Unsichtbare Dritte, steht irgendwie so in dieser Reihe und ist so ein bisschen ein Höhepunkt davon. Also davor aber halt das Fenster zum Hof war 1955. Da hat er schon sehr viel rumgealbert. Ja, der durfte
Johannes Franke: Da durfte er auch wirklich viel machen, wenn man bedenkt, was er mit diesem Studio angestellt hat, mit irgendwie... ganze Betondecken rausgenommen, damit er tiefer legen kann und so. Das war schon krass.
Florian Bayer: Ja, das war bei Paramount dann. Bei Paramount hatte er wirklich dann zum ersten Mal diese künstlerische Freiheit in Hollywood. Und dann hat er angefangen, Spaß zu machen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und Vertigo, wo er ja komplett rum experimentiert hatte, der ja damals komplett durchgefallen ist, der Kritik 1958. Mhm. Der unsichtbare Dritte steht so in dieser Reihe von Hitchcock, ist endlich von der Leine gelassen. Und darf jetzt mal ein bisschen schräg sein. Und darf jetzt mal ein bisschen aus der Reihe tanzen. Und vielleicht der Höhepunkt davon Psycho? 1960.
Johannes Franke: Ja, aber es ist toll, wenn man das so sich anschaut, so eine ganze Entwicklung. Ich müsste mir so viel mehr Hitchcock anschauen, um so zu sehen, Wo die Ansätze sind, was er denn wollte und wo das dann hingeht. Das finde ich wirklich spannend. Weil ich eben wirklich nicht erwartet habe, dass Hitchcock so viel rumblödeln darf.
Florian Bayer: Naja. Also es gab ja schon Stress mit dem Studio. Du hast ja schon erwähnt, dass er den Film länger machen wollte. Ja. Deutlich mehr noch kürzen.
Johannes Franke: Ja, die wollten mindestens unter zwei Stunden bleiben und Hitchcock hatte aber zum Glück diese Carte Blanche. Also er durfte wirklich machen, was er wollte.
Florian Bayer: Sie wollten ihm Ihre Ultra Panavision aufzwingen, 65 Millimeter?
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und er hat gesagt, nee Leute, Wisterwischen. Das ist mein Verfahren, mit dem ich arbeite. Und hat er sich auch durchgesetzt. Aber es war schon ein Kampf gegen das Studio. Und er hatte auch... Die Produktionskosten deutlich überzogen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Allein Cary Grant.
Johannes Franke: Ja, 500.
Florian Bayer: Der hat eine Klausel in seinem Vertrag, wenn die Drehzeit überzogen wird, dann kriegt er 5000 Dollar pro Tag.
Johannes Franke: Oh Gott, und dann hat sich das ganz am Anfang schon verzögert. Und dann hat er am Anfang echt jeden Tag, den sie nicht gedreht haben, 5000 Euro bekommen.
Florian Bayer: 5000 Dollar.
Johannes Franke: Dollar, ja.
Florian Bayer: Und eine Million war der Film insgesamt über Budget. 4,3 Millionen hat er gekostet, aber er war ein Erfolg. Da hat es mehr als Doppelte eingespielt.
Johannes Franke: Aber sie haben wirklich einiges auch fallen gelassen. Er hat zwar machen können, was er wollte, theoretisch, aber sie haben trotzdem Sachen nicht gedreht, wie zum Beispiel, es gab auch irgendwie... Aus dem Flugzeug wollten sie eigentlich eine Ego-Perspektive des Shooters machen, der auf ihn schießt. Das haben sie auch wegnehmen müssen. Das ist ein bisschen schade, aber na gut. Ich hätte es gerne gesehen. Und es gab noch was anderes, das suche ich gerade noch.
Florian Bayer: Ja, es gab irgendwas mit einer Fabrik oder so, ne? Moment, ich guck auch gerade. In Alaska wollte er eigentlich den Showdown haben.
Johannes Franke: Ja, und dann hatte er irgendwie noch eine Szene mit Roger Thornhill ganz am Anfang in seinem Office. wo er irgendwie als Advertising-Typ arbeitet und irgendwelchen Kram macht. Das wären nochmal 20.000 Dollar gewesen.
Florian Bayer: Er wollte in eine Automobilfabrik. In Detroit wollte er eine Szene drehen, wo Cary Grant zusammen mit einer anderen Person am Fließband entlang geht und das wollte er ungeschnitten machen.
Johannes Franke: Oh, okay.
Florian Bayer: Rope, nicht Rope, Cocktail, doch Rope. War noch nicht so lange her, ne? wo Xbox damit experimentiert hat, was kann man machen mit so einem One-Shot, beziehungsweise Fake-One-Shot in dem Fall. Und er wollte eine One-Shot-Szene einbauen, wo sie in diesem Automobilwerk sind und am Band vorbeigehen. Und man sollte dann sehen, wie das Auto nach und nach zusammengebaut wird. Oh Gott.
Johannes Franke: Ganz am Ende hat jemand die Schraube falsch angesetzt. Ah, wir müssen noch mal drehen. Ja, natürlich, man muss dann irgendwie Kompromisse machen. Selbst in dieser Situation als Hitchcock, der wirklich alles darf, muss man dann irgendwie. Einfach sagen, okay, wir schneiden da was weg.
Florian Bayer: Eine Sache hätte ich noch. Most obvious. Hitchcock-Chameo ever.
Johannes Franke: Aber sowas von, muss man mal sagen, wirklich ganz am Anfang, ich glaube, das war wirklich die Phase, wo er keine Lust mehr darauf hatte, wo er wirklich gesagt hat, Alter, guckt euch den Film an und sucht nicht die ganze Zeit nach mir. Und deswegen hat er dann angefangen, die wirklich, die immer weiter nach vorne zu verlegen, die Cameos, dass die Leute wirklich gesagt haben, ah, jetzt habe ich ihn gesehen, jetzt kann ich den Film genießen.
Florian Bayer: Und nicht nur weit nach vorne gelegt in dem Fall, sondern auch wirklich opening sequence. Es ist keine Maskerade, keine Kamuflage. Er steht da am Bus. Wir sehen ihn in voller Größe. Es ist eindeutig. Oh, hallo Alfred.
Johannes Franke: Naja. Und dann haben sie aber auch darüber spekuliert, ob nicht später in einer Szene auch noch er in Jack als Frau verkleidet auftaucht.
Florian Bayer: Okay, das höre ich gerade zum ersten Mal.
Johannes Franke: Das wurde heiß diskutiert. Allerdings stellte sich dann raus, dass es eine Schauspielerin war, mit der er dann auch später nochmal gearbeitet hat. Und dass auch beim Fest auf Fenster auf dem Hof schon aufgetaucht ist und so. Den Namen habe ich gerade nicht parat, weil in meinen ganzen Notizen leider das ist alles untergegangen. Hitchcock-Icon.
Florian Bayer: Eignet sich einfach perfekt für so Movie-Legends.
Johannes Franke: Ja, absolut. Wollen wir... uns hinüberschwingen in unsere Top 3.
Florian Bayer: Bitteschön. Unsere Liste. Jedes Mal, wenn ich das höre, bin ich immer wieder irritiert. Wie du es schaffst, dramatisch, pathetisch und gleichzeitig komplett unsicher zu klingen.
Johannes Franke: Unsere Top 3. Okay, also wir haben das Thema, wie bin ich da nur reingekommen oder wo bin ich da nur reingekommen? Was eine sehr breit gefächerte Sache ist, irgendwie kann man da fast alle Filme reinlegen, aber, also ich meine, das ist ein... Das ist ein Grund, warum man einen Film macht. Man schickt jemanden irgendwo hin und der fragt sich, was mache ich jetzt hier?
Florian Bayer: Ja, und es ist ein beliebtes Trope geworden, gerade in den 90ern. Ende der 90er haben wir ganz viele Filme, die ganz bewusst das voll ausreizen, voll draufhauen. Ja. Die meistens alle kacke sind. Oder so 2000er. Also der Klassiker, was das betrifft, also so Slacker-Filme. Ey Mann, wo ist mein Auto? Ach du Scheiße.
Johannes Franke: Where's my car?
Florian Bayer: Ist, glaube ich, so einer von den Klassikern, was das betrifft. Also wenn wir aus... in diese Periode gucken. Und dann der bekannteste dürfte wahrscheinlich Hangover sein.
Johannes Franke: Naja, genau so was.
Florian Bayer: Pro-Comedy, wo sie eigentlich nur rumlaufen und versuchen herauszufinden, was letzte Nacht passiert ist, weil irgendwas total Irres los ist.
Johannes Franke: Das habe ich alles nicht in meiner Liste, weil ich das alles furchtbar finde. Aber dann wurde es umso schwieriger, die Filme zu finden, die ich wirklich gesehen habe, die ich wirklich toll fand. Da wird es dann für mich ein bisschen dünner schon. Musst du anfangen?
Florian Bayer: Ich muss anfangen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ich würde auch tatsächlich anfangen mit einem Film, der relativ jung ist. Also jung ist viel gesagt, über 25 Jahre alt. Aus dem Jahr 2006. Lucky Numbers 11. von Paul McEugan mit Josh Hartnett und Bruce Wills. Und zwar ein Slevin, unser Protagonist, der eine Krankheit hat. die ihn lakonisch werden lässt. Er hat so einen extrem niedrigen Blutdruck oder so. Er reagiert auf alles extrem. lakonisch, gerät durch eine Verwechslung in einen Kampf von zwei Gangstern gegeneinander. Monk Freeman und Ben Kingsley als der Boss bzw. der Rabbi. Die versuchen sich gegenseitig umzubringen und er gerät da irgendwie rein und wird dann beauftragt und hin und her geschickt. obwohl er nichts mit denen zu tun hat und läuft eben auch so komplett lakonisch durch das ganze Szenario. Sehr viel von Hitchcock geklaut, sehr viel bestimmt auch von der unsichtbaren Dritte geklaut. Wirklich unterhaltsamer Film, der so ein bisschen im Geist von Guy Ritchie und Tarantino-Filmen von der damaligen Zeit ist. Vor allem viel von Guy Ritchie und Tarantino geklaut. Macht aber wirklich Spaß mit einem großartigen Josh Hartnett. und einer tollen Lucy Lou als Love Interest.
Johannes Franke: Okay, cool. Mein Platz drei ist, ich bin bei den Klassikern, tut mir leid. Die sind auch so oft genannt worden und wir haben sie besprochen teilweise, aber... Das sind für mich die großen Filme in diese Richtung und zwar Sunset Boulevard.
Florian Bayer: Oh ja, sehr gut.
Johannes Franke: Der Autor, der da kommt, um ihre Biografie zu schreiben oder ihren, nee, Moment, nicht ihre Biografie, sondern noch ein Drehbuch, was sie noch drehen will, als letzte große Rolle, glaube ich. Und der weiß einfach irgendwann nicht mehr, was ist hier eigentlich los? Wer ist das? Und jetzt bin ich plötzlich ihr Liebhaber? Was ist... Was? Er wacht dann wirklich jeden Morgen wahrscheinlich auf und denkt sich, what the fuck is happening? Was? Fuck my life.
Florian Bayer: Ja, cool. Auf jeden Fall. Wo bin ich reingeraten? Hollywood.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Mein Platz zwei. Aus dem Jahr 2014. Frank. wirklich eine wunderschöne, kleine Indie-Komödie über einen Musiker gespielt von... Dom Nell Cleason, den man als einen von den Zwillingen bei Harry Potter kennt. Der ist ein Musiker und gerät durch Zufall... an eine Experimental-Band, weil deren Keyboarder ausgefallen ist. Er kann halt Keyboard spielen und soll dann für den einspringen. Und wird dann ganz abrupt Mitglied von dieser Band. Und der Kopf dieser Band ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Kopf. Und zwar, niemand weiß, wer es ist. Er heißt Frank. Der nennt sich selbst Frank und der trägt einen riesigen Pappmaché-Kopf und zeigt nie sein wahres Äußeres. Ziemlich konsequent. gespielt von Michael Fassbender. Und unser Protagonist wird dann Mitglied von dieser Band und dann gehen sie gemeinsam aufs Land, um ein Album aufzunehmen und zu produzieren. Und es kommt mehr und mehr stellt sich für ihn die Frage, Gott, wo bin ich da reingeraten? Was ist das für eine Freakshow? Und entwickelt sich an ganz vielen Punkten aber ganz anders, als man erwarten Und das ist ein wirklich toller, warmherziger Film, der sich so vor der experimentellen Musik und vor der Kunst kackt. Und vor allem mit einem ganz großartigen Frank, der die ganze Zeit diesen Pappmaché-Kopf hat. und der arme Schauspieler trotzdem präsent ist und vor allem unfassbar viel Charisma mitbringt, einfach durch die Art, wie er redet und wie er sich verhält. Ein toller Film.
Johannes Franke: Stell dir vor, du bist Schauspieler, du bist bekannter Schauspieler.
Florian Bayer: Ja, Michael Fassbender.
Johannes Franke: Du bist Michael Fassbender. Dann ruft jemand an und sagt... Ich hätte dich gerne in meinem Film. Es geht um folgendes. Oh ja, klingt sehr gut. Du wirst bloß nicht zu sehen sein. Was?
Florian Bayer: Es gibt eine Szene, wo man ihn ohne Maske sieht.
Johannes Franke: Ja, eine ist okay. Toll. Ich möchte nicht wissen, wie viel sie ohne ihn gedreht haben und einfach irgendjemanden in dieses Kostüm gesteckt haben.
Florian Bayer: Nein, das hoffe ich doch nicht.
Johannes Franke: Mein Platz zwei ist auch Klassiker, tut mir leid, der große Diktator.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Am Ende läuft der Trump die Flüchten aus dem Concentration Camp. mit dem ehemaligen Offizier. Und dann kommen ihnen Soldaten entgegen, die dann glauben, Weil der Trump eben aussieht wie Hitler oder wie hier ist Hinkel. Und zwingen ihn da irgendwie, nehmen ihn mit zur Kundgebung, wo er dann eine Rede halten muss. Und das ist die großartigste Rede der Filmgeschichte. Ja, Frieden. Schaut euch einfach einen googeln, rede der große Diktator und dann habt ihr einmal... zwei Tage lang nichts anderes im Kopf als diese unglaubliche, bewegende Rede, für den Frieden und für Gerechtigkeit und für Teilhabe für alle und so.
Florian Bayer: Charlie Chaplin persönlich. Nicht der Trump.
Johannes Franke: Dann quasi nicht mehr der Trump, sondern einfach Charlie Chaplin in die Welt hinaus. lasst uns alle einfach miteinander und nicht gegeneinander spielen.
Florian Bayer: Mein Platz 1, auch ein Klassiker von Orson Welles, der Prozess. Kafka-Verfilmung, Kafkas, der Prozess ist ja vielleicht so die Blaupause für, wo bin ich da nur reingeraten. Stimmt, ja. Unser Protagonist Josef K. wird verhaftet und weiß nicht warum, wird angeklagt, versucht da irgendwie rauszukommen. Und befindet sich in den Mühlen der Justiz und wird da einmal durchgemahlen als ganz normaler Bürger, der nichts gemacht hat. Oder zumindest glaubt, nichts gemacht zu haben. Und bis zum Ende erfahren wir nicht, was... ihm denn jetzt eigentlich vorgeworfen wird. Aber es geht eben seinen Weg. Tolle Verfilmung, Orson Welles, großartig. Großartig, tolle Kamera, tolles Schauspiel, tolle Bilder, unglaublich beklemmend. Fast ebenbürtig mit dem Roman.
Johannes Franke: Okay, wow. Ich habe ihn noch nicht gesehen.
Florian Bayer: Das wäre mal was für unsere To-Sea-Liste.
Johannes Franke: Mein Platz 1 ist auch wieder ein Klassiker. Life of Brian. Ihr seid alle Individuen. Ich nicht. Es ist so großartig, wie der Typ dich die ganze Zeit durch den Film stolpert und sich denkt, was passiert hier? Was soll das? Ich habe nichts damit zu tun. Im Grunde auch eine Blaupause für What the fuck is happening.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Wie bin ich da bloß reingeraten? Was, ich bin jetzt Jesus? Ich soll gekreuzigt werden? Moment mal!
Johannes Franke: Wir müssen unbedingt mal einen Monty Python-Film machen.
Florian Bayer: Haben wir noch nicht. Das ist total absurd, dass wir das noch nicht haben.
Johannes Franke: Fuck. Oh, Plor.
Florian Bayer: Das ist deine Aufgabe.
Johannes Franke: Ja, dann ist es meine Aufgabe. Okay, gut, gut, gut. Aber jetzt als nächstes musst du ja erstmal. Also insofern, lass uns mal aus der Top 3 raus und in den Film zurück. Das war unsere Top 3. Tada, da sind wir wieder im Film, der uns noch was zu sagen hat oder haben wir eigentlich alles gesagt, was dieser Film so zu bieten hat?
Florian Bayer: um uns zu sagen... Das Urteil. Dieser Film hat uns zu sagen, dass Logik... nicht wichtig ist. Dieser Film hat uns zu sagen, dass eine kohärente Geschichte, dass das... sinnvoll handelnde Akteure nicht wichtig sind. Und dieser Film hat uns zu sagen, dass man auch einfach mal Zeug aneinanderreihen kann und Spaß haben kann.
Johannes Franke: Ein Varietéfilm.
Florian Bayer: Deswegen muss ich dir vielleicht doch zustimmen. Wahrscheinlich ist es die Blaupause für einen coolen Hitchcock-Film. Ja, genau, ein Varieté-Film. Von einem Abenteuer ins nächste. Ja. Und wir kreieren irgendwie komische bedrohliche Situationen, die einfach nicht sein müssen. Aber wenn sie nicht wären, wäre es ja langweilig.
Johannes Franke: Ja, genau. Und es ist seltsam, weil das Genre nur notorisch dafür bekannt ist, also heute zumindest, Dass man das fast schon minutiös mathematisch aufeinander aufbauen muss, damit man, also wie Ocean's Eleven oder sowas, das gibt einen Plan. Der wird genau ausgearbeitet und das muss irgendwie stimmen und es muss logisch alles irgendwie ineinander. Irgendwie sind wir heute sehr daran gewöhnt, dass so ein Film... sehr viel Zeit darauf verwendet, das alles minutiös und logisch aufeinander folgen zu lassen. Vielleicht, weil sich zu viele Leute beschwert haben, auch bei Hitchcock.
Florian Bayer: Vielleicht ist das Publikum heute einfach anspruchsvoller als damals. Und sind wir anspruchslos? Oh Gott, nein!
Johannes Franke: Gott, wir haben einen Filmpodcast und sind anspruchslos. Was ist das denn? Nein, also ich glaube einfach... Dass man sich einmal darauf einlassen muss und dass man sagen muss, okay, wir haben hier einfach einen spielenden Hitchcock vor uns, der einfach Lust hat. uns auf eine Reise mitzunehmen, die nicht immer Sinn macht. Und ich finde es ganz großartig und ich finde es ganz toll.
Florian Bayer: Vielleicht so als Abschluss, wir haben ja jetzt beide schon ein paar Hitchcock-Filme gesehen. denn einordnen? Sagen wir mal, du musst jetzt nicht sagen zwischen Film X und Film Y, aber wenn du eine Top Ten von Hitchcock-Filmen machen würdest, wäre er im oberen Drittel, im unteren Drittel? Im oberen
Johannes Franke: Im oberen Drittel tatsächlich. Weil ich es liebe, was Hitchcock an Humor hat. Wenn er den mit einbringt, ist das wirklich toll. Es hat ein schönes Augenzwinkern. Und da er in keinem seiner Filme bessere Frauenfiguren hat, kommt auf der Baustelle nun auch keiner drüber. Insofern kommt er auf jeden Fall ins obere Drittel, vielleicht auf die ersten drei Plätze.
Florian Bayer: Das Traurige an diesem Film ist, Hitchcock hat so viele Filme mit deutlich schlimmeren Frauenfiguren.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, genau. Insofern, ich liebe das Fenster zum Hof. Ich fand Vertigo total krass. Bei Psycho weiß ich es nicht mehr ganz genau, ehrlich gesagt. Da bin ich so ein bisschen unsicher.
Florian Bayer: Ich glaube, es ist so ein bisschen der Hitchcock-Film, der schon, also gerade auch in dieser Zeit, in der er sehr erfolgreich war, heraussticht, Weil eben genau aus den Gründen, die du gerade gesagt hast, weil er so eine Abfolge ist von Absurditäten, weil er nicht so minutiös geplant ist. plant sonst minutiös, auch wenn er einen Augenzwinkern hat, weil das Fenster zum Hof hat er Spaß und macht Quatsch, aber der Film ist sehr durchkonstruiert und durchkomponiert.
Johannes Franke: Aber das musste er auch bei diesen Also so wie das gebaut war, wenn man das alles nur durch ein Fenster quasi erzählen will, also fast alles, dann musst du das sehr genau planen und machen.
Florian Bayer: Und dieser Film ist so ein bisschen der kleine Quatschfilm, der kleine Kobold von Hitchcock, Wofür ich ihn sehr schätze. Also er hat mit Sicherheit spannendere Filme gemacht, er hat mit Sicherheit lustigere Filme gemacht. Aber dieser Film ist für mich auf jeden Fall auch eher im, vielleicht nicht im obersten Drittel, aber in der obersten Hälfte von den Hitchcock-Filmen, von den Hitchcock-Klassikern.
Johannes Franke: Ich meine, es gibt Leute, die der Meinung sind, dass dieser Film zu den besten Filmen aller Zeiten gehört.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also er ist ja in diverse Listen aufgenommen und wird manchmal sogar als der beste Hitchcock überhaupt gewertet.
Florian Bayer: Da würde ich auf jeden Fall nicht mitgehen.
Johannes Franke: Was ist denn der beste Hitchcock?
Florian Bayer: Der beste Hitchcock. Ich glaube, mein Herz schlägt vor allem für den wirklich späten Hitchcock. Und zwar, Moment. Also ich liebe tatsächlich Francie. Das ist sein letzter Film. Ich mag die Vögel.
Johannes Franke: Ja, okay. Aber ist die Vögel stärker als der jetzt?
Florian Bayer: Ja doch, die Vögel kommt vor dem unsichtbaren Dritten.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und ich glaube, ich würde auch Frenzy vor dem unsichtbaren Dritten. Oh, das ist schwierig. Das ist schwierig. Das ist wirklich schwierig. Aber ich würde... Moment. Familiengrab, komplett unterschätzter Film. Das ist eigentlich meine liebste Hitchcock-Komödie. Ich würde Familiengrab auf jeden Fall vor diesem Film platzieren, auch weil er lustiger ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und, ähm, ja. Wir müssen mal noch einen Hitchcock Top Ten machen. Also Familienkrab ist sein letzter Film, 1976. Ich stehe auf den spätten Hitchcock. Die Vögel würde ich auf jeden Fall vor dem platzieren. Frenzy vielleicht so auf einer Ebene.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Psycho würde ich glaube ich auch davor platzieren dann doch. Vertigo würde ich davor platzieren. Ja, siehst du, da rutscht er schon fast aus dem Top 5 raus. Fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck.
Johannes Franke: Na gut.
Florian Bayer: Aber das Fenster zum Hof ist für mich auf jeden Fall auch ein besserer Film. Aber es ist ein starker Film. Offensichtlich schafft er es in die Top Ten, schafft er es definitiv. Aber dann wird es auch schon knapp an Hitchcock-Filmen nicht gesehen. Aber er ist besser als Cocktail für eine Leiche. Er ist besser als bei Anruf Mord. Er ist besser als über den Dächern von Nizza und der ist definitiv besser als der Mann, der zu viel wusste. Dann sind wir so in den 50ern, in dem Bereich, wo der Film stattfindet, dann gehört er definitiv zu den Besten.
Johannes Franke: Wo wir gerade dabei sind, wer den Film wie einsortiert und findet oder nicht findet. Cary Grant hat die ganze Zeit gedacht, was machen wir hier? Er hat es nicht verstanden. Er hat echt gedacht, die ganze Zeit, Alter, gut, okay, ich kriege jetzt Geld dafür und ich... Irgendwie vertraue ich dir auch, weil ich weiß, dass du ein guter Filmemacher bist, aber ich verstehe es nicht. Was machen wir hier? Das kann doch nichts werden. Und Hitchcock hat gedacht, ich erkläre es ihm jetzt nicht, weil es ist viel besser, wenn die Figur den ganzen Film über keine Ahnung hat, was eigentlich los ist.
Florian Bayer: Und das ist ihm auch perfekt gelungen. Ja. Mit dieser Ahnungslosigkeit und dem gleichzeitigen Selbstbewusstsein, mit dem Cary Grant durch diesen Film stolpert.
Johannes Franke: Das ist wirklich toll. Ja, das ist doch ein schönes Schlusswort mit völliger Ahnungslosigkeit und Selbstbewusstsein rocken wir auch. Auf jeden Fall.
Florian Bayer: Danke, dass du mir mit diesem Film nochmal die Möglichkeit gegeben hast. das alles nochmal aufzufrischen. Schön, schön, schön. Falls wir ein bisschen gestolpert sind in diesem Podcast, in dieser Episode, es liegt an dem Film.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, ja, der Film, das steckt an. Gut, wenn ihr das nächste Mal eine sehr stringente Episode haben wollt, dann wartet auf Plors Vorschlag für mich. Ein sehr stringenter und ernsthafter Film. Das schaffe ich. Bin ich mir ganz sicher.
Florian Bayer: Auf jeden Fall.
Johannes Franke: Ich bin sehr gespannt. Dürft ihr auch sein. Nach dem Jingle gibt es die Vorschau.
Florian Bayer: Und ansonsten, schöne Woche euch.
Johannes Franke: Bleibt gesund. Bis dann. Ciao. Ciao.
Florian Bayer: So, Johannes, ich habe dich ja in letzter Zeit öfter mit akademischen Werken gequält und mit Filmgeschichte. Ich glaube, damit sind wir auch noch nicht ganz durch.
Johannes Franke: Oh nein, noch mehr akademisches...
Florian Bayer: Ich glaube, wir haben wirklich ein schweres Thema vor uns. Ich möchte mit dir nächste Woche über Triebssublimierung in der Musik reden. über die Kulturindustrie, über weibliche Archetypen und das zentrale Paradigma einer postfeministischen Generation, ich muss zitieren, If you wanna be my lover, you gotta get with my friends. Wir reden nächste Woche über Spice World, den Film der Spice Girls, den Beatles-Film der Spice Girls, der, wenn ich mich richtig erinnere, besser ist als sein Ruf.
Johannes Franke: Was heißt denn, soweit du dich erinnerst, wann hast du den denn gesehen? Mit zwölf momentan. Nein, nein, nein.
Florian Bayer: Als der rausgekommen ist, ich habe für diesen Film, und vielleicht schaffe ich es, die noch zu finden, ich habe für den Film für meine Schülerzeitung eine Rezension geschrieben.
Johannes Franke: Was?
Florian Bayer: Und ich glaube, ich bin ziemlich hart mit ihm ins Gericht gegangen. Und ich war wahrscheinlich so 16.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Oder 15? War das 1997?
Johannes Franke: Moment, du bist hart mit ihm ins Gericht gegangen. Fandest den Film aber gut. Gut genug, dass wir ihn jetzt besprechen müssen.
Florian Bayer: Ich war ein cooler Teenager, ich durfte Spice World nicht mögen. Ist doch klar. Aber ich hab dann so im Nachhinein gedacht, nee, eigentlich hatte der Film Spaß gemacht. Kann aber auch sein, dass ich das falsch in Erinnerung habe. 1997, das heißt, ich war 15, ich war im Kino und hab... in den Kino geguckt, um für die Schülerzeitung eine Rezension zu schreiben. Ich versuche die zu finden. Ich gucke mal, ich habe meine alten Schülerzeitungen noch irgendwo rumliegen. Vielleicht finde ich die, dann kannst du einen Text vom 15-jährigen Kloa hören. Und ansonsten werden wir ganz viel über die Spice Girls reden. Natürlich musst du auch in das Debütalbum von der Band reinhören.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Du musst mir auf jeden Fall sagen, wer your favorite Spice Girl ist.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Und ich hoffe, wir werden ganz viel Spaß haben und ein bisschen durch die Swinging 90s rocken dabei.
Johannes Franke: Die ist swinging, nein, die ist rock. Okay, ich bin sehr gespannt, was das wird. Gut, wir haben einen geradlinigen, sehr stringenten Film vor uns. Mit einer stringenten Episode. Wir werden klare Struktur einhalten. Bin gespannt. Und ihr viel Spaß. Und kommt gut durch die Woche. Ciao.
