Episode 281: The Sixth Sense – The One Time M. Night Shyamalan Got Everything Right
Der Kinderpsychologe Malcolm Crowe bekommt eines Tages Besuch von einem ehemaligen Patienten, der völlig am Ende zu sein scheint. Er wirft ihm vor ihm nicht ausreichend geholfen zu haben, aber es bleibt ein kurzer Besuch, denn zwei Schüsse werden abgefeuert. Das Drama kocht kurz hoch… und schon müssen wir die Szenerie wieder verlassen. Wir springen in die Zukunft, wo der Kinderpsychologe auf einen jungen neuen Patienten wartet. Er hofft, mit diesem mehr Erfolg zu haben.
Das Kind redet wie ein Erwachsener, scheint Schwierigkeiten mit Gleichaltrigen zu haben und sieht tote Menschen. Diese toten Menschen wissen nicht dass sie tot sind. Was sie nicht davon abhält, gruselig zu sein und das Kind gehörig zu traumatisieren. Der Kinderpsychologe braucht so seine Zeit dem Kind zu glauben, und wirft mit unglaubwürdigen Diagnosen um sich, bis er sich dem übernatürlichen ergibt und dem Kind das einzige rät was er halt als Psychologe zu tun weiß: „Hör dir die Sorgen der Geister an, seien sie noch so gruselig. Nur dann kannst du damit klarkommen.“
Und tatsächlich. Calvin und Hobbes gehen zu der Beerdigung eines verstorbenen Mädchens, das dem Kind verraten hatte, dass ihre Todesursache das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom ihrer Mutter war. Dort klären sie ohne viel Brimborium den Fall und hauen wieder ab. So wird es Zeit, Abschied zu nehmen. Das Kind muss sein bestes Leben leben. Und der Kinderpsychologe endlich verstehen (Achtung Spoiler!) dass er die ganze Zeit tot war und seiner Frau Lebewohl sagen muss. Was für ein Mic Drop am Ende. Uff.
So. Plor, ich habe ein paar fragen an dich. Aber das wichtigste als erstes: du als anglophiler Phonetikspezialist wirst jetzt ein für alle mal klären… wie spricht man diesen Titel aus??
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 281: The Sixth Sense – The One Time M. Night Shyamalan Got Everything Right Publishing Date: 2026-05-20T08:44:38+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2026/05/20/episode-281-the-sixth-sense-the-one-time-m-night-shyamalan-got-everything-right/
Johannes Franke: Ich finde, dass es total wichtig ist, dass dieser Film auch funktioniert, wenn der Plottwist nicht da wäre. Ja. Dass der Film nicht damit steht oder fällt, dass dieser Plottwist funktioniert oder nicht funktioniert.
Florian Bayer: Herzlich willkommen zu einer ganz klassischen Episode vom Muss-Man-Sehen-Podcast. Ja, endlich keine Kunstkacke, sondern ein wirklich großer, klassischer Hollywood-Film.
Johannes Franke: Yes.
Florian Bayer: Der überraschend auch so ein bisschen großer, klassischer Blockbuster geworden ist.
Johannes Franke: Ja, und endlich ein Film, den ich mir einfach nur ganz klassisch von dir gewünscht habe, aber keiner, den du noch nicht kanntest.
Florian Bayer: Nee, den kannte ich. Und ich glaube, die meisten Menschen, die irgendwie so in den 90ern ihre Jugendzeit erlebt haben, die haben diesen Film gesehen, weil der war einfach... Das war der Mund-zu-Mund-Propaganda-Film in der damaligen Zeit, Ende der 90er.
Johannes Franke: Das riesige Ding, dass auch diese ganze Twist-Kultur überhaupt erst so groß gemacht hat.
Florian Bayer: The Sixth Sense ist schuld an sehr vielen, auch nicht so guten Filmen, die sich extrem auf ihren Plot-Twist verlassen.
Johannes Franke: Wollen wir ganz kurz einmal für die Leute, die noch nicht so oft reingehört haben oder zum ersten Mal da sind, sagen, was wir hier machen?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wir geben uns gegenseitig Hausaufgaben und der andere kann sich einfach nicht wehren. Das heißt, wenn ich dir einen Film gebe, Plor, den du eigentlich nie sehen wolltest, musst du ihn sehen, weil ich ihn dir gebe. Das ist meine Macht über dich.
Florian Bayer: Vorgabe ist meistens, Alter, diesen Film musst du gesehen haben und liebes Publikum, diesen Film müsst ihr gesehen haben. Und während wir über diese Filme sprechen, ganz wichtig, wir spoilern die Hölle aus diesen Filmen. Und The Sixth Sense ist zwar 27 Jahre alt, aber das ist einer der größten und berühmtesten Plot-Twist-Filme der Filmgeschichte. Plus, ich habe diesen Film gesehen ohne zu wissen. wie der Plot Twist aussieht. Geil, ich auch. Und ich bin unglaublich dankbar dafür. Deswegen möchte ich das niemandem wegnehmen. Sprich, wenn ihr diesen Film noch nicht gesehen habt und nicht wisst, was der große Twist in diesem Film ist, haut ab. Was macht ihr doch hier? Jetzt. Raus da. Wirklich, raus mit euch. Guckt euch diesen Film an. Seid dankbar, dass ihr es nicht wisst. Macht bloß nicht Wikipedia auf oder irgendwelche Artikel dazu, weil natürlich redet jeder über diesen Plot Twist. Guckt euch den Film so unbedarft wie möglich an, weil ich finde, dieser Twist kann einen komplett umhauen, wenn man nichts davon weiß.
Johannes Franke: Es gab angeblich damals ein paar Idioten, die im Fernsehen diesen Film besprochen haben und den massiv gespoilert haben für die Leute.
Florian Bayer: Das macht man nicht. Also beim aktuellen Film und gerade ein Film, der auch so darauf setzt, das Publikum wirklich zu überraschen. Nein, böse, buh,
Johannes Franke: raus. Und deswegen jetzt, ich werde kurz was über den Film erzählen, weil ihr den Film vielleicht nicht gestern nochmal geguckt habt. Da sind Spoiler drin, schon in diesem Text. Also... Jetzt eure letzte Chance abzuhauen. Okay, ein geweihter Kreis, dann geht's los. Der Kinderpsychologe Malcolm Crow bekommt eines Tages Besuch von einem ehemaligen Patienten, der völlig am Ende zu sein scheint. Er wirft ihm vor, ihm als gemartetes Kind nicht ausreichend geholfen zu haben, aber es bleibt ein kurzer Besuch, denn zwei Schüsse werden abgefeuert. Das Drama kocht kurz hoch und schon müssen wir die Szenerie schon wieder verlassen. Wir springen in die Zukunft, wo der Kinderpsychologe auf einen jungen, neuen Patienten wartet. Er hofft, mit diesem mehr Erfolg zu haben. Das Kind redet wie ein Erwachsener, scheint Schwierigkeiten mit Gleichaltrigen zu haben und sieht tote Menschen. Achtung Spoiler Diese toten Menschen wissen nicht, dass sie tot sind. Was sie nicht davon abhält, gruselig zu sein und das Kind gehörig zu traumatisieren. Der Kinderpsychologe braucht so seine Zeit, dem Kind zu glauben und wirft mit unglaubwürdigen Diagnosen um sich, bis er sich dem Übernatürlichen ergibt und dem Kind das Einzige rät, was er halt als Psychologe so zu tun weiß. Hör dir die Sorgen der Geister an, seien sie noch so gruselig. Nur dann kannst du damit klarkommen. Und tatsächlich. Calvin und Hobbes gehen zu einer Beerdigung eines verstorbenen Mädchens, das dem Kind verraten hatte, dass ihre Todesursache das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom ihrer Mutter war. Dort klären sie ohne viel Brimborien den Fall und hauen wieder ab. So wird es wieder Zeit, Abschied zu nehmen. Das Kind muss sein bestes Leben leben und der Kinderpsychologe muss endlich verstehen, Achtung Spoiler, dass er die ganze Zeit tot war, und seiner Frau lebewohl sagen. Was für ein Mic-Drop am Ende. Uff. So, Plor, ich habe ein paar Fragen an dich, aber das Wichtigste als erstes. Du als anglophiler Phonetik-Spezialist wirst jetzt ein für alle Mal für uns klären, wie spricht man diesen Titel aus?
Florian Bayer: Indem man sich die Zunge verknotet. The Sixth Sense. The Sixth Sense. Ich bin nicht, mein TH ist nicht gut. Und alle, die diesen Podcast schon länger hören, wissen, dass mein TH echt nicht gut ist. Und deswegen lasse ich es da stehen und sage,
Johannes Franke: der sechste Sinn. Sehr gut, sehr gut, sehr gut. Also die meisten Podcasts, die ich gehört habe, haben komplett auf das TH verzichtet. Also... die englischen Podcasts. Das heißt, selbst die Briten und die Amis haben Schwierigkeiten mit diesem Wort und sagen einfach nur Sixth Sense.
Florian Bayer: Auch denen liegt ihre Zunge am Herzen.
Johannes Franke: So, zweite Frage. Was ist das Gruseligste, was dein Kind je zu dir gesagt hat?
Florian Bayer: Oh, mein Kind hat gruselige Sachen zu mir gesagt.
Johannes Franke: Jetzt bin ich gespannt.
Florian Bayer: Also alle, die auch Kinder haben, wissen das. Kinder, die so zwischen sagen wir mal zwei und fünf sind, haben so eine krasse, fantastische Phase. wo sie wirklich weirdes Zeug erzählen. Die Geschichte meines Kindes war Halloween. Halloween ist groß. Größer als ich, größer als Andreas. Niemand weiß, was das bedeutet. Das ist unser Nachbar, der ist sehr groß. Der ist zwei Meter groß. Halloween hat lange Finger. Und Halloween steht immer mal wieder da. Und sie hat eine Kettensäge. Und er hat mir immer mal wieder von Halloween erzählt. Aber es war nie so, und jetzt ist Halloween bei uns im Raum. Sondern er hat einfach so... nett plaudernd davon erzählt und Halloween ist da und Halloween macht das und Halloween steht da rum. Halloween war sehr gruselig.
Johannes Franke: Okay. Das heißt aber, Halloween war nie eine konkrete Gefahr im Raum?
Florian Bayer: Nein. Bela hatte natürlich Ängste wie jedes andere Kind und hat die auch immer noch. Und auch so abstrakte und fantastische Ängste, die sind bei ihm nie so konkret geworden. Er hat nie von Monstern unterm Bett erzählt oder von merkwürdigen Gestalten im Kleiderschrank. Okay. Ich bin sehr dankbar dafür, weil ich springe auf sowas voll an. Wenn Bela zu mir sagt, Papa, kann ich bei dir heute Abend im Bett schlafen? Ich glaube, da steht der Buhmann. Dann sage ich, oh mein Gott, der Buhmann. Wir müssen uns verstecken. Ruf die Polizei an. Okay, okay. Ja, dann schön. Dann hast du ja mit diesem Film wahnsinnig viel Spaß gehabt.
Johannes Franke: Musstest du wirklich an dein Kind denken zwischendurch? Ich weiß nicht, wann du den Film das erste Mal... Du hast ihn ja gesehen, als du noch kein Kind hattest.
Florian Bayer: Ich hatte kein Kind, als ich diesen Film gesehen habe, Gott sei Dank. Damals war ich frische 17 Jahre alt. Unschuldige 17 Jahre alt. Nee, ich musste jetzt auch wenig an mein Kind denken, weil dieser Cole, dieser Protagonist hat... Also mein Kind hat relativ wenig von dem. Der ist ja so sehr krass, so sehr... Er ist altklug, von der Art zu reden, sehr in sich gekehrt, wirklich krass introvertiert, hat nur Kontakt zu, kann nur mit Erwachsenen, kann überhaupt nicht mit Kindern, redet fast gar nichts und wenn er was sagt, wirkt es immer schräg, er wirkt immer so ein bisschen kalt, unterkühlt. Mein Kind ist sehr weit weg davon und ich war als Kind auch sehr weit weg davon. Das heißt, es ist keine Figur, mit der ich mich irgendwie groß identifizieren konnte. Stattdessen habe ich ihn, als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe und auch. heute immer so einfach als klassisches Horrorfilm-Kinder-Meme wahrgenommen. Wenn du einen Horrorfilm erzählst und hast ein Kind drin und du willst mit dem Kind was Gruseliges machen, dann machst du dieses Kind einfach zu altersweise für sein Alter. Dann machst du dieses Kind kalt, dann gibst du diesem Kind einen schlecht sitzenden Anzug und lässt es halt irgendwie unheimlich und schräg wirken und damit hast du schon sehr viel gewonnen.
Johannes Franke: Diesen schlecht sitzenden Anzug hatte das Kind beim Casting schon an.
Florian Bayer: Ja, ist das nicht geil? Es ist total cool. Und dieser schlecht sitzende Anzug beim Casting hatte einen sehr spezifischen Grund. Und zwar, weil der Vater dieses Kindes, also unser Kind heißt Haley Joel Osmond, und sein Vater war das, was man im Gemeinhin als Stage-Dad bezeichnet. Sprich, der hat sehr viel Zeit mit seinem Kind verbracht. Der war für sein Kind sowohl Trainer als auch Agent, als auch Manager.
Johannes Franke: Als auch Helikopter-Vater.
Florian Bayer: Als auch Helikopter-Vater. Der hat mit Haley die Sachen eingeübt. Der hat ihm... hat ihm gesagt, wie er die Sachen spielen muss. und hat ihn dementsprechend auch vorbereitet, dass die beim Casting sich instant in ihn verliebt haben.
Johannes Franke: Also mit so einem Stage-Dad ist das natürlich eine tolle Sache für das Kind in der Hinsicht, dass man Infos bekommt, die man sonst nicht bekommt.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Aber es ist natürlich auf der anderen Seite dieser Helikopter-Dad. Ich habe nicht viel von... von Hayley gehört, wo er sagt, mein Vater war ein Idiot oder sowas. Aber ich kann mir das nicht als unbeschwerte Kindheit vorstellen.
Florian Bayer: Nein, definitiv nicht. Das ist, glaube ich, ziemlich anstrengend. Wer keinen Helikopter-Death hat und deswegen die Rolle nicht gekriegt hat, war Michael Cera.
Johannes Franke: Ja, Michael Cera von Arrested Development. Ja,
Florian Bayer: oder Scott Pilgrim oder diversen anderen Filmen, der einfach ein witziger Schauspieler ist. Und der war als witziger Schauspieler da hingegangen.
Johannes Franke: Ja, beziehungsweise das war sein erstes Casting für den ersten großen Film. Das heißt, der wusste noch gar nicht. Der war damals zehn Jahre alt.
Florian Bayer: Genau. Ungefähr so alt wie Haley Joel Osment damals. Und er ist da sehr unbedarft hingegangen und hat das Ding wohl ziemlich lustig gespielt. Und das war nicht das, was die wollten.
Johannes Franke: Der wusste aber auch nicht, was im Rest des Skripts passiert.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Denn unser Regisseur M. Night Shyamalan.
Florian Bayer: Und unser Drehbuchautor.
Johannes Franke: Und unser Drehbuchautor M. Night Shyamalan hat das Ganze sehr hart. Unter Verschluss gehalten, sagen wir es so. Er wollte nicht, dass irgendwas davon rauskommt an die Öffentlichkeit. Und deswegen haben auch die Leute, die gecastet wurden, nicht so richtig viele Infos bekommen.
Florian Bayer: Es hatte auch einen anderen Grund. Manoj Nelyatu Shyamalan. Ja, ich habe mir extra nochmal angehört, wie sein ursprünglich indischer Name ausgesprochen wird. Damit ich ihn wenigstens einmal sagen kann. Der war ja eigentlich gar kein Genre-Regisseur. Der war kein Horror- und kein Science-Fiction-Regisseur.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und es ist eigentlich erst mit diesem Film geworden. Stattdessen war das, was ihm in die Wiege gelegt wurde, das, womit er angefangen hat, waren Dramen und Tragikomödien. Das war eigentlich sein Ding. Und dementsprechend hat er das Ding auch hier an seinen Cars und auch an seine Crew so ein bisschen als Drama verkauft. Weniger als
Johannes Franke: Genre-Film. Es geht so weit, dass die meisten Schauspieler, die daran beteiligt waren, während des Drehs nicht gemerkt haben, dass sie einen Horrorfilm drehen.
Florian Bayer: Die dann wirklich in der Vorstellung gesessen haben und gesagt haben, oh, aha. Das ist also ein Horrorfilm, wusste ich gar nicht. Vor allem die Darstellerin von diesem einen Geist, also von dem, die größte Geisterrolle, die von ihrer Mutter vergiftet wird, die hat das wohl wirklich als Drama gespielt. Und dann war sie mit ihrer Familie beim ersten Screening von diesem Film mit ihrer kleinen Schwester.
Johannes Franke: Die war beim ADR mit ihrer Schwester. Das ist also das, wo man hingeht, wenn da noch was nachsynchronisiert werden muss.
Florian Bayer: Und ihre kleine Schwester hat das gesehen und es... ausgetickt. Und ihre Mutter hat das gesehen und hat zum ersten Mal gesagt, fuck, das hast du gedreht? Meine süße kleine Tochter kotzt hier Erbsensuppe. Und Haferflocken. Und Haferflocken. Die Zeit muss sein. Also es war wohl ein ziemlicher Schock. Und wie gesagt, der Schock lag auch daran, dass M. Night Shyamalan, der hat sehr lange hat er sich vom Genre-Kino ferngehalten. Und dass er zum Genre-Kino gegangen ist, war auch so ein bisschen eine Notlösung, weil er ein Skript gebraucht hat. Ein gutes.
Johannes Franke: Okay, wir gehen tief in die ursprüngliche Geschichte dieser ganzen Nummer rein. Bevor wir dann wieder in die Geschichte reingehen, es ist eine wahnsinnig spannende, ein wahnsinnig spannender Werdegang, weil M. Night Shyamalan, wie du gesagt hast, ja schon andere Sachen vorher gemacht hat, also vor allem geschrieben hat.
Florian Bayer: Ja, er war Drehbuchautor.
Johannes Franke: Und er war Drehbuchautor beim größten Arschloch dieser Welt.
Florian Bayer: Harvey
Johannes Franke: Harvey Weinstein. bei Miramax. Ja,
Florian Bayer: er hatte einen festen Vertrag mit Miramax und zwar wohl einen ziemlichen Knebelvertrag. Er hing da fest und zwar mit seinem Regievertrag. Er hatte diesen sein Regiedebüt, White Awake hat er geschrieben. Er hat davor schon einige auch durchaus angesehene Drehbucharbeit gemacht und hatte dann diesen Vertrag bei Miramax für White Awake und Harvey Weinstein mochte diesen Film White Awake nicht. Überhaupt nicht.
Johannes Franke: Und er konnte auch überhaupt nicht mit ihm was anfangen, aber er wollte ihn auch nicht loslassen.
Florian Bayer: Nee, und er hat gesagt, okay, wir haben da jetzt Geld reingepulvert, wir müssen das Ding irgendwie noch zu irgendwas machen, was sehbar ist. Was wir gerade hier haben, ist sentimentale Scheiße, das will ich nicht. Und dann hat er quasi M. Night Shyamalan in der Post-Production eingesperrt. Und er hat gesagt, wir machen jetzt Schnitte, wir machen diesen Film neu, wir machen aus diesem lächerlichen Film, den du hier gemacht hast, einen guten Film. Und du hängst in unserem Vertrag drin, also mach keine miesen Tricks. Und Emna Ceymelan hat gesagt, Hilfe Holt mich hier raus.
Johannes Franke: Ich will ein Star sein, holt mich hier raus. Holt mich aus den Klauen dieses Monsters, was er ja tatsächlich war. Und hat gedacht, okay, die einzige Chance, aus diesem Knebelvertrag rauszukommen, ist im Grunde, dass mich eine andere Firma rauskauft.
Florian Bayer: Und dazu muss ich das beste Drehbuch schreiben, das es überhaupt gibt. Und dann hat er sich hingesetzt und hat gedacht, na gut, ich schreibe halt ein Drama, ich kann Dramen. Mir fällt kein gutes Drama ein. Und nach seiner eigenen Aussage hat er sich in seinem Zeitbuch verabschiedet. Zimmer umgeguckt und hat dann die Plakate gesehen, die da hängen. Namentlich Poltergeist, der weiße Hai, Rosemary's Baby. Ey, sowas kann ich auch.
Johannes Franke: Und es ist anscheinend wirklich das erste Mal, dass er da so auf dieses Mystery-Suspense-Ding gekommen ist. Und anscheinend hat es das erste Mal richtig Klick gemacht bei ihm. Er hatte wahnsinnig viele Ideen plötzlich für allen möglichen Scheiß. Und ich wage zu behaupten, seitdem hatte er nicht nur wahnsinnig viele Ideen, sondern hat er einfach alle Ideen. Und hat alle Ideen immer, egal ob sie zusammenpassen oder nicht, in seine Filme gepasst.
Florian Bayer: Man muss dazu sagen, M. Night Shyamalan ist ein extrem von sich selbst überzeugter Mensch. Ja. Das heißt, wir müssen uns das vorstellen, das war ein junger Mann, der war 25, der hing da fest in diesem Vertrag bei Miramax. Sein Film wurde gerade von Harvey Weinstein irgendwo im Keller zerstückelt. Und er sagt, okay, ich hab hier das beste Drehbuch überhaupt, das ist total geil, das ist eine Million wert. Und er pitcht dieses Drehbuch nach außen und sagt, passt auf, wenn ihr dieses Drehbuch machen wollt, das kostet euch eine Million, das Ding muss in Philadelphia gedreht werden, seiner Heimatstadt, und ich will eine Regie führen. Das war nämlich das Loophole. Wenn er es schafft, jemand anderen dazu zu kriegen, dass er das Drehbuch kauft und ihn zum Regisseur macht, dann kauft er ihn frei aus diesem Miramax-Vertrag. Das ist auch eine absurde Sache in Amerika,
Johannes Franke: wie man da so festhängen kann. Und das war ein guter Plan, also tatsächlich wahrscheinlich seine einzige Möglichkeit und die hat er genutzt und er hat sich irgendwo in ein Hotel eingeschlossen in der Nähe von den ganzen Produzenten, die er angeschrieben hat, denen er das alles geschickt hat, das Ding, hat es allen gleichzeitig geschickt aus diesem Hotel und hat einfach gehofft, dass dieses viel zu teure Hotel sich lohnt und irgendjemand antwortet. Und wenn er keine Antwort bekommen hätte, dann hätte er richtig teure, aber tolle Ferien in einem richtig hart teuren Hotel gehabt.
Florian Bayer: Er hat Antworten gekriegt. Ja, krass. Es gab nicht nur... Einen, der das Ding kaufen wollte. Es gab gleich mehrere. Es gab Interesse an diesem Skript. Und er hatte als Drehbuchautor einen guten Ruf. Er hat hier, was hat er gemacht? Stuart Little hat er irgendwie so überarbeitet. Er hat Drehbucharbeiten gemacht, die durchaus anerkannt waren. Und das Drehbuch war auch einfach verdammt gut. Und eine Person fand dieses Drehbuch richtig gut. Ja, und das war David Vogel. David Vogel.
Johannes Franke: Und David Vogel war damals, und er hat eine ganz eigene Vorgeschichte, die wir vielleicht darauf vorkramen müssen, der war bei Disney. Und David Vogel hat für Disney Stoffe eingekauft. Und David Vogel ist so ein kleines bisschen frustriert gewesen.
Florian Bayer: Hintergrund? Disney hat Ende der 80er, Anfang der 90er, die mit dem Gedanken gespielt, so ein bisschen das Erwachsene-Programm vom Kinderprogramm zu trennen. Sprich, wir machen Filme. Da können wir nicht Disney draufkleben, weil die eher für Erwachsene sind. Und es gab zwei Gründungen und zwar zum einen Touchstone Pictures und zum zweiten Hollywood Pictures. Hollywood Pictures sind die, die letzten Endes diesen Film produziert haben. Und das war einfach, wir machen Filme für Erwachsene und da können wir nicht das Disney-Label draufkleben. Deswegen machen wir alles, was wir irgendwie produzieren unter Hollywood Pictures. David Vogel hat Hollywood Pictures Filme eingekauft und produziert mit extrem viel Erfolg. Und wenn wir uns die Filme angucken, dann sind die Titel jetzt nicht so, dass ich sage, yay, so ein komischer Dschungelfilm mit, wie heißt der?
Johannes Franke: Mit Brendan Fraser.
Florian Bayer: Mit Brendan Fraser, genau, der wirklich, muss man nicht gesehen haben.
Johannes Franke: Aber die hatten wahnsinnig viel Erfolg, das ist das eigentlich Wichtige.
Florian Bayer: Ja, David Vogel war erfolgreich.
Johannes Franke: Für Disney zumindest.
Florian Bayer: Und zwar war das eine Zeit, das muss man dazu sagen, das war Mitte, Ende der 90er, diese große Disney-Renaissance war gerade vorbei. Die König der Löwen war der letzte große Erfolg und die Animated Studios, die haben gerade so ein bisschen Blut gelassen. Die hatten nicht mehr den Erfolg wie Ende der 80er, Anfang der 90er. Und mit den Erwachsenenfilmen haben die aber einiges an Geld gemacht, mit niedrigen Produktionskosten, viel eingespielt. David Vogel war unzufrieden, weil er nicht die Filme machen durfte, die er machen wollte.
Johannes Franke: Die haben ihm ja am Anfang, als er zu Disney gekommen ist, gesagt, ja, geh mal durch Disneyland und schau dir mal so ein paar Sachen an und lass dich inspirieren für so ein paar Verfilmungen. Und er ging da durch und ihm fiel einfach nichts ein. Und dann hat er sich aber die ganzen Erwachsenen angeschaut, die viel mehr da sind als die Kinder. Und hat gedacht, ja, vielleicht machen wir einfach die Erwachsenenfilme. Also wirklich das Zielpublikum Erwachsenen. Und machen da irgendwie den Disney-Stempel drauf, so dieses typische... Was kann Menschheit alles? Wozu ist der Mensch im positiven Sinne fähig? Und das haben sie ihn aber nicht machen lassen.
Florian Bayer: Der hatte zuvor mit Steven Spielberg zusammengearbeitet bei verschiedenen Sachen. Der kannte Steven Spielberg gut. Der hat unter anderem Schindlers Liste gepitcht für Disney und Disney hat gesagt, ne Holocaust-Film wollen wir nicht machen. Und stattdessen hat er dann sowas gemacht, wie gesagt mit viel Erfolg den Dschungelfilm, die Realverfilmung von 101 Dalmatiner, die man nicht hoch genug einschätzen kann. Das war das erste Mal, dass Disney wirklich dieses Live-Action-Remake-Ding probiert hat. Lange vor den großen Erfolgen, die sie jetzt hatten.
Johannes Franke: Mit Glenn Close dieses Ding. Genau. Wo sie so wahnsinnig aussieht. Meine Fresse.
Florian Bayer: Sie hat echt die Cruella absolut getroffen. Und David Vogel war ein bisschen unzufrieden. David Vogel hat das Skript gelesen von M. Night Shyamalan und hat gesagt, Alter, das ist das beste Skript, was ich je in meinem Leben gelesen habe. Und hat es instant gekauft.
Johannes Franke: Am selben Tag quasi.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und er hat ihm nicht nur eine Million gegeben, die M. Night Shyamalan wollte. Sondern er hat ihm drei Millionen insgesamt gegeben. Davon 2,2 glaube ich für das Drehbuch und dann nochmal einen Vorschuss für, also quasi ein Versprechen für seine Gage als Regisseur. Und also Summa Summa ungefähr drei Millionen, was viel mehr war, als Shyamalan sich gedacht hat.
Florian Bayer: Aber er hat ja mehrere Angebote gehabt und hatte gedacht, okay, die waren von den Höchstbietenden und es ist ziemlich geil. Das Problem war so ein bisschen, David Vogel hatte damals nicht den besten Stand bei Disney. das vor allem daran lag, dass sein großer Mentor, der, der ihn... überhaupt da reingeholt hat. Jeffrey Katzenberg hatte kurz davor Disney im Streit verlassen. Unverklagt. Unverklagt. Das ist so eine eigene Geschichte. Es ging um sehr viel Millionen Dollar. Und wenn klar war, okay, das ist ein Katzenberg-Typ, dann hat sich in der Kantine niemand mehr neben dich gesetzt. Und dann hattest du das Büro am Ende des Flurs. Das heißt, David Vogel wusste irgendwie, da hängt so ein Damoklesschwert über seiner Stelle, obwohl er so erfolgreich war. Er war der erfolgreichste Live-Action-Produzent bei Disney zu der Zeit. Der hat die richtigen Skripte gekauft. mit richtigem Budget richtig umgesetzt, sodass sie erfolgreich waren, dass sie einfach mal schwarze Zahlen geschrieben haben. Aber es war ja klar, dass Michael Eisner, der damalige CEO von Disney, dass der den eigentlich loswerden will. Und das ist im Verlauf dieser Produktion ist das auch passiert. Die haben das Ding nämlich, den ganzen Film gleich, an Spy Class Entertainment verkauft, so eine Indie-Butze.
Johannes Franke: Und Vogel entlassen.
Florian Bayer: Und Vogel entlassen.
Johannes Franke: Das Ding ist, der CEO hat versucht, sich ein bisschen zu profilieren auch. Der wollte auch irgendwo hin, weil eben gerade genau intern irgendwelche Memos waren von, wir haben so und so viel Verlust und wir müssen hier ein bisschen anziehen und macht was und ordentlich Druck dahinter. Und deswegen hat er dann einfach die Gelegenheit genutzt, David Vogel zu kündigen und das Ganze neu aufzustellen und ihm die Schuld zu geben, falls sie Geld verlieren sollten.
Florian Bayer: Ich wage zu behaupten, monetär war das die größte Fehlentscheidung, die Disney in den 90ern getroffen hat.
Johannes Franke: Kann absolut sein, absolut.
Florian Bayer: Am Schluss haben sie 12 Millionen verdient durch diesen Film. Nicht genug.
Johannes Franke: Dieser Film hat sehr viel mehr eingespielt.
Florian Bayer: Sie haben gedacht, sie wollen dieses Risiko nicht machen, sie wollen nicht gambeln, sie verkaufen das Ding und sie kriegen ein bisschen was dafür und sie haben kaum was gesehen von den 672 Millionen, die das Teil eingespielt hat. Wahnsinn. Ja,
Johannes Franke: große Fehlentscheidung und das wahrscheinlich einfach nur aus Ego. Das ist wahrscheinlich eine reine Ego-Nummer gewesen, wenn ich das zumindest, wie ich mir das so zusammenreime hier.
Florian Bayer: Disney, eine von vielen Fehlentscheidungen, die Disney in seiner Geschichte gerade so ab den 90ern getroffen hat. Das war eine, die hart reingekickt hat und ich gucke auch mit so ein bisschen Genugtuung drauf. Ja, genau. Aber der Film wurde produziert. Kathleen Kennedy hat den Film betreut. Das ist ja mittlerweile die mächtigste Frau bei Disney wahrscheinlich, weil sie verantwortlich ist für alle Lucasfilm-Projekte und das sind einfach die, die gerade das Geld reinspielen.
Johannes Franke: Möchtest du Tee, Flo?
Florian Bayer: Sehr gerne, danke. Und? Auf der Suche nach einem Hauptdarsteller gab es für Disney ein Glück. Was heißt, es gab ein Glück? Naja, sie brauchten einen prominenten Darsteller, aber sie wollten die Produktionskosten niedrig halten.
Johannes Franke: Ja, aber das Ding ist, die wollten ihn ja eigentlich gar nicht. Also es geht hier um Bruce Willis, ne? Ja. Und Bruce Willis hatte zuvor einen Film hingeschmissen. Broadway Rollers.
Florian Bayer: Bruce Willis, großer Schauspieler seit Pulp Fiction, endlich wieder im Gespräch. Sagt, ey Leute, ich bin wieder da, ich mach wieder Karriere.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich möchte meinen eigenen Film machen. Ich produziere den auch. Ich mache Regie. Ich mache alles. Ich kriege das voll gut hin. Das wird eine Romantic Comedy. Das Genre, woran man denkt, wenn man an Bruce Willis denkt. Disney, gib mir Geld dafür. Ich mache das. Und dann dreht er diesen Film.
Johannes Franke: Und irgendwann schmeißt er alle Leute raus. Der ist total unzufrieden mit den Leuten. Will hier nicht und da nicht. Und ich weiß gar nicht genau, ob sein Producer-Credit wirklich so ein Producer-Ding ist. Oder ob das einfach nur ist. Ich weiß nicht, ob du das weißt. Aber wenn ein Schauspieler... irgendwann so groß werden, dass ihre Gagen zu groß werden, dann kommen Produzenten auf dich zu und sagen, ich kann dir nur so und so viel zahlen, aber als Gage obendrauf bekommst du einen Producer Credit. Ich kann mir vorstellen, dass das irgendwie eine Rolle gespielt hat und dass Bruce Willis seinen Producer Credit ein kleines bisschen zu ernst genommen hat.
Florian Bayer: Das Ding hatte zwei Jahre vor Produktion. Es wurden 20 Tage gedreht. Die Leute, die da mitgemacht haben, war wohl... Alle unglücklich und haben gesagt, irgendwie war die ganze Stimmung am Set merkwürdig. Bruce Willis war permanent unzufrieden. Es mussten Sachen neu gedreht werden. Es war eine einzige Katastrophe. Am Ende hat er in dem Ding 28 Millionen Dollar verbraten. Dieser Film kam nie raus.
Johannes Franke: 20 Millionen, ich habe immer mit dem 18 gelesen, aber... Potato, Potato, also richtig viel Geld haben die dadurch verloren. Und Disney hat dann irgendwann gesagt, Alter, entweder wir verklagen dich jetzt auf diese Summe und du musst uns das zurückzahlen, weil du bist offensichtlich derjenige, der hier alle verkrault hat und entlassen hat. Oder du stehst für uns zur Verfügung für Filme. Für drei Filme haben sie sich dann geeinigt. Für sehr viel weniger Geld als du normalerweise bekommen würdest. Normalerweise hätte er 20 Millionen ungefähr zu der Zeit bekommen für einen Film. Und dann musste er für viel weniger arbeiten. Wie viel weniger ist ein kleines bisschen umstritten. Es gibt so Zahlen zwischen 3 Millionen und 10 Millionen.
Florian Bayer: Es klingt auf jeden Fall sehr schräg. Ich finde, es klingt eher wie so eine, war er die Geisha bei Disney dann?
Johannes Franke: Naja, er hat sich schon noch vorbehalten, dass er das aussuchen darf.
Florian Bayer: Er durfte es aussuchen. Und er hat keine schlechte Wahl getroffen, zumindest bei zwei Sachen. Und zwar die drei Filme, um sie einmal zu nennen. Armageddon. 1998, The Sixth Sense, 1999 und The Kid 2000. Armageddon war ein ziemlicher Hit für große Actionfilme. In einer Zeit, in der keine guten Actionfilme gemacht wurden. Das war auch kein guter Actionfilm, aber es war ein Hit. The Kid ist eine ziemliche Katastrophe. Das ist eine katastrophale Comedy, in der er seinem jüngeren Ich begegnet. Das jüngere Ich sein Leben beurteilt.
Johannes Franke: Oh, okay.
Florian Bayer: Ja, es klingt auf dem Papier toll. Niemand von Disney hätte damit gerechnet, dass er sagt, The Sixth Sense ist mein Film.
Johannes Franke: Die wollten das ja auch nicht, weil die nämlich nicht geglaubt haben, dass The Sixth Sense irgendwas kann. Die wollten ja ihn für die großen Kassenschlager haben. Und wenn er jetzt bei dem sagt, ja, das mache ich, dann haben sie quasi eine von drei Jokern verbraten. Und das wollten die auch nicht. Der Regisseur wollte das auch nicht.
Florian Bayer: Nein.
Johannes Franke: Der wollte ja Bruce Willis auch nicht, weil er gedacht hat, das sprengt ja das ganze Budget, was ich habe.
Florian Bayer: Das Problem war halt auch, dass das so zwei Egos waren. Wir haben schon gesagt, M. Night Shyamalan war sehr selbstbewusst. Bruce Willis war sehr selbstbewusst. selbstbewusst. Und Bruce Wills hat sich mit dem Gedanken, dass er sich jetzt von so einem 25-Jährigen herumschubsen lässt, ziemlich schwer getan. Der hat eigentlich mit dem Gedanken geflirtet, dass er ja auch die Regie machen könnte.
Johannes Franke: Er hat auch tatsächlich einmal am Telefon gesagt, ja, also ich mache mit, wenn M. Night Shyamalan nicht Regie führt. Aber das war, glaube ich, mit dem Agenten zusammen. Und es kann sein, dass es einfach nur eine taktische Entscheidung war mit dem Agenten zusammen.
Florian Bayer: Möglich. Vor allem, weil Bruce Wills das Skript ja wirklich geliebt hat.
Johannes Franke: Genau. Die haben sich gegenseitig einfach angeschrien am Telefon und haben gesagt, das ist mein Projekt, du darfst mir nicht sagen, wen ich da nehmen muss. Ich habe dir das ja versprochen und so. Und dann legen die wütend auf und fünf Minuten später ruft er nochmal an und sagt, ja, Bruce Willis macht es trotzdem.
Florian Bayer: Klingt so ein bisschen nach Trump. Die Trump-Taktik. Ich werde euren ganzen Laden auseinandernehmen.
Johannes Franke: Es klingt wie eine typische amerikanische Taktik.
Florian Bayer: Vielleicht das auch,
Johannes Franke: ja. Ich glaube, dass die Zeit voll davon war, von solchen Gesprächen, wo man sich gegenseitig angeschrien hat, aufgelegt hat und zwei Minuten später hat man gesagt, Ja, war ein gutes Gespräch, wir machen das so und so.
Florian Bayer: Wer auch nicht von dem Film überzeugt war, war Toni Collette. Die war in New York, weil sie eigentlich für Martin Scorsese das war das eigentliche machen wollte. Bringing out the dead. Die war, glaube ich, vor allem im Kontrast zu Martin Scorsese? Nicht Steven Spielberg? Martin
Johannes Franke: Scorsese. Jedenfalls hatte sie gleichzeitig zwei Angebote.
Florian Bayer: Ja. Sie ist Australierin, sie war deswegen in Amerika. Ja. Aber sie war nicht für... The Sixth Sense hat sie mitgenommen. Sie hat mit ihrem Agenten geredet und der hat gesagt, ja, pass auf, du kannst die Audition machen für Bringing Out the Dead. Du kannst mit Martin Scorsese zusammenarbeiten. Und da ist noch eine andere Audition für The Sixth Sense. Mach die auch mal mit. Und dann hat sie halt beide gemacht. Und dann ruft ihr Agent bei ihr an und sagt so, Toni, ich habe gute Nachrichten. Du bist bei The Sixth Sense. Ups. Sie waren nicht so begeistert. Hat das aber auch sehr selbstironisch erzählt. Insofern, weil sie ja dann auch eine
Johannes Franke: Oscar-Nominierung bekommen hat für The Sixth Sense.
Florian Bayer: Das war ihre erste wirklich große Rolle.
Johannes Franke: Insofern, ja. Also es ist schon, ne. Natürlich Scorsese ist es nicht geworden, aber das ist natürlich, dann im Nachhinein ist das natürlich gut.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Naja, jedenfalls alles ein bisschen hin und her, ob es jetzt Bruce Willis macht oder wer dabei ist. Und dann, nachdem das alles feststand, mussten sie halt nach dem Kind suchen, ne. Und das Kind ist ja immer so eine heikle Sache, die muss man ja kurz vorher finden, damit das Kind nicht innerhalb von zwei Jahren Vorproduktion dann zu alt wird für die Rolle. Und das ist eine schwierige Nummer. Da muss man viele Kinder anschauen und dann auch schnell sein.
Florian Bayer: Was halt wirklich geholfen hat, also wir haben es ja schon gesagt, Haley Joel Osment war von seinem Dad ganz schön getrillt. Und der hat wohl alle umgehauen, als er beim Casting war.
Johannes Franke: Zum einen, weil er tatsächlich wie ein Erwachsener gesprochen hat, weil das... tatsächlich einfach sein Ding ist und er auch wirklich Schwierigkeiten mit anderen Kindern hatte. Sehr intelligenter Mensch.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das hat man als Kind einfach auch schon gemerkt. Und er hat mit drei angefangen zu lesen einfach von sich aus. Nur als Hinweis. Und er wollte mit vier Paläontologe werden. Und er konnte mit vier das Wort Paläontologe auch fehlerfrei sagen. Also insofern, ich bin beeindruckt von dem, was ich weiß über ihn jetzt.
Florian Bayer: Und Ich muss sagen, er spielt in diesem Film auch fantastisch. Fantastisch. Ich bin überhaupt kein großer Hayley Joel Osment Film und ich finde, und das trifft für ganz viele Leute in diesem Film zu, dass hier irgendwie alles zusammengepasst hat. Und Hayley Joel Osment ist einfach ein Puzzleteil von vielen, das krass ist in diesem Film. Und er spielt, es ist einfach genau die richtige Rolle für ihn und er spielt die genau mit der richtigen Ernsthaftigkeit und Verletzlichkeit.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und Altersklugheit, Altersweisheit. Emotionalität. Hast du dir die deleted scenes angeschaut?
Johannes Franke: Nee. Müssen wir auch noch drüber reden nachher. Weil da ist er auch noch mal richtig, richtig gut. Da gibt es noch so eine Szene, wo ich sagen würde, wow, ist gut, dass sie nicht drin ist im Film, aber er macht das wahnsinnig gut.
Florian Bayer: Und das krasse ist, um nochmal darauf zurückzukommen, dass es letzten Endes, dass viele das für ein Drama gehalten haben. Dieser Film ist sehr lange ein Drama. Es dauert extrem lange, bis wir die erste Geistererscheinung haben.
Johannes Franke: 56 Minuten.
Florian Bayer: Und die allererste ist nur auditiv.
Johannes Franke: Du gehst jetzt einfach darüber weg, dass ich eine Zahl nennen konnte. 56 Minuten. Du schreibst dir immer alle Zahlen auf und Zeiten und ich scheiß da drauf. Und jetzt habe ich mal eine Zeit.
Florian Bayer: Wir haben eine Geistererscheinung, die nur auditiv ist. Wenn er eingesperrt ist, das ist kurz vor der Halbzeit.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und in der 45. und 48. Minute, also wirklich zur Halbzeit, gesteht er zum ersten Mal dem Psychiater, dass er Geister sehen kann. Und dann, wie du schon gesagt hast, 56 Minuten dauert es, bis wir zum ersten Mal eine visuelle Geistererscheinung haben. Und es werden nicht sehr viele Geistererscheinungen sein insgesamt in diesem Film.
Johannes Franke: Nein, aber sie reichen völlig aus. Also wenn ich mich daran erinnere, wie ich den Film das erste Mal gesehen habe, ich weiß nicht mehr, wie alt ich war. Muss in meinen Anfang 20 oder sowas gewesen sein. Ich habe ihn nicht direkt gesehen, glaube ich, als er rauskam. Und... Es war wirklich fucking gruselig. Die paar Geistererscheinungen hat er sich einfach gut verdient.
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: muss man sagen.
Florian Bayer: Es ist auch einfach, also es ist wirklich gut inszeniert, weil der Film hat so eine sehr ruhige Trägheit. Das, was M. Night Shyamalan ja auch später oft vorgeworfen wurde, dass er das macht und dass das sehr artifiziell wirkt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und vor allem mit der Musik von James Newton Howard ist immer so eine latente Anspannung drin. Und dann kicken die Jumpscares, und es sind wirklich sehr klassische Jumpscares, die wir hier haben, die kicken da natürlich rein. und Und wenn es nur so ist, eine Gestalt geht kurz einmal im Bild vorbei und wir hören die Geigen kreischen. Es funktioniert.
Johannes Franke: Wobei ich sagen muss, wenn wir schon kurz die Musik ansprechen, kleines bisschen am Klischee kratzen. Sodass man zwischendurch so denkt, ja okay, kannst auch ein bisschen tone it down a little. Ist ein bisschen zu viel.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Und dann spielen die wenigen Geisterbegegnungen, die es gibt, natürlich auch mit dem Grotesken einfach. Also wir haben zum Beispiel diesen jungen der sagt, hey, ich zeige dir die Waffen meines Vaters, dreht sich rum und dann sehen wir seinen halb weggeschossenen Hinterkopf. Wir haben die Menschen, die in der Schule aufgehängt wurden, die verprügelte Frau. Wir haben eine Maskenbildnerin mit verbranntem Gesicht, relativ gegen Ende. Es sind immer so diese, so ein bisschen mit dem Ancaniwally spielen, dass du Menschen zeigst und denen irgendwie ein Feature gibst, was sie so ein bisschen grotesk erscheinen lässt, was sie verletzt erscheinen lässt und was einfach so ein unheimliches Gefühl erzeugt.
Johannes Franke: Wer war die Oma eigentlich? Ist sie nicht bei ihm zu Hause auch die Oma? Sehen wir die Oma?
Florian Bayer: Wir sehen die Oma nicht.
Johannes Franke: Wir sehen die Oma nicht, ja? Weil wir sehen da drei oder vier Geistergestalten in diesem Haus und ich weiß nicht, und das eine Frau dabei, die ist ein bisschen älter und sieht geschlagen aus.
Florian Bayer: Das ist nicht seine Oma.
Johannes Franke: Und das ist hoffentlich nicht seine Oma.
Florian Bayer: Ich glaube, der Film verzichtet sehr bewusst darauf, die Großmutter zu zeigen, die ja so ein bisschen dieser emotionalen Rahmenhandlung zwischen Cole und seiner Mutter Lynn ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Dass die halt die ganze Zeit rumspuckt und vor allem Lynn was sagen will über Cole. Und Cole hat so viel Angst, um ihr das zu sagen. Und das ist dann diese große Versöhnungsszene, die übrigens auch sehr nah am Kitsch gebaut ist.
Johannes Franke: Ja, aber das hatte sich der Film inzwischen dann verdient. Aber da kommen wir nachher dazu. Du siehst schon sehr skeptisch aus. Verdammt. Oh nein, oh nein, oh nein. Ich habe Angst.
Florian Bayer: Du musst keine Angst haben.
Johannes Franke: Okay. Du grinst dabei aber so, wenn du das sagst.
Florian Bayer: Nein, du musst keine Angst haben. Also ich finde es total interessant. Wir müssen... Wie immer werden wir darüber reden, wie wir den Film fanden. Und ich glaube, das schließt diesmal auch ein, zumindest einen kurzen Blick auf das gesamte Oeuvre von M. Night Shyamalan zu werfen. Ja leider, muss er zu. Einfach, weil der Typ ja mittlerweile auch so ein Meme geworden ist für katastrophale Regiearbeiten und für einen stetig sinkenden Rotten Tomatoes Score.
Johannes Franke: Nein, Das will ich alles nicht sitzen lassen auf meinem armen M. Night.
Florian Bayer: Geister kommen relativ wenig vor in dem Film. Stattdessen ist es... Er lebt vor allem von der Interaktion zwischen Cole und Crow. Und dann, das ist das krasse, es gibt sehr viel Filmmaterial. Wir haben sehr oft Szenen, wo wir während des Films auch so ein bisschen so eine Verstörung empfinden, einfach weil wir denken, zumindest wenn wir den Film zum ersten Mal sehen, was ist der Sinn jetzt, was soll das? Und das ist diese Masterclass, die in diesem Film liegt, dass sehr viele von diesen kleinen Szenen Anspielungen sind auf den... Plottwist am Ende.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und guter Plottwist lebt halt auch davon, dass er nicht komplett unvorhersehbar ist, sondern dass man am Schluss das Gefühl hat, ah,
Johannes Franke: es ergibt Sinn.
Florian Bayer: Es ergibt total Sinn.
Johannes Franke: Ja, absolut.
Florian Bayer: Und ganz viel von der Qualität von diesem Plottwist, zu dem wir nachher kommen, hängt auch damit zusammen, dass es einfach unglaublich viele Szenen gibt, die uns das eigentlich erzählen. Die ganze Zeit über. Es ist so geil, weil dieser gute Plot Twist. Weil das ja wirklich sehr gut gemacht ist.
Johannes Franke: Und man das beim zweiten und ich glaube auch dritten oder vierten Mal gucken, hat man das Vergnügen natürlich völlig anders als beim ersten Film. Aber das Vergnügen ist volle Kanne da. Ich liebe es, zu wissen, was passiert ist und zu sehen, warum ich es beim ersten Mal nicht gesehen habe.
Florian Bayer: Und ich finde, es ist extrem bold, was Shainalanda macht. Er zeigt Crow so oft. mit Menschen, mit denen er nicht interagiert, mit denen er eigentlich interagieren müsste. Und er schafft es aber, die Szenen so zu inszenieren, dass du das bei deinem ersten Schauen überhaupt nicht in Frage stellst, dass die da stumm nebeneinander sitzen, 30 Sekunden.
Johannes Franke: Und es ist super seltsam. Und ich beim... und gucken wirklich denke, fuck, warst du blöde? Warum hast du das nicht mitbekommen? Warum fällt dir nicht auf, dass die Kamera ausgerechnet dann, wenn Hayley Joel Osment sagt, ich sehe tote Menschen und sie wissen nicht, dass sie tot sind, direkt fünf Minuten lang gefühlt auf das Gesicht von Bruce Willis gucke? Warum? Das ist ein Hinweis, den kann man doch nicht weggucken. Was soll das? Und die Produzenten wollten den ja auch nicht. Genau diese Stelle haben die Produzenten gesagt, nee, das ist jetzt zu viel. Das geht nicht. Und er hat das aber verteidigt und tatsächlich haben auch bei Testvorführungen, hat keiner gesagt, das war die Stelle, wo ich es gemerkt habe.
Florian Bayer: Es gibt so viele obvious Momente. Er verschiebt keine Möbelstücke. Er setzt sich in das Restaurant auf den Stuhl, ohne ihn vorzuziehen, setzt sich seiner Frau gegenüber, die ins Nichts starrt, die ihn nicht anguckt, die ihn ignoriert. Und sie schaffen es, die Szene so zu inszenieren, als wäre es ein Ehestreit.
Johannes Franke: Obwohl sie überhaupt nicht reagiert. Und nur am Ende, vielleicht ein bisschen häufig. mit sich selbst redet, damit sie eine quasi Reaktion geben kann auf das, was er sagt. Sie sagt ja am Ende nur Happy Anniversary und wir denken, okay, das ist ein snappy Kommentar auf, du bist zu spät. Aber so oft, wie sie so in Szenen dann irgendwie am Ende noch was sagt, zur richtigen Zeit, ist schon ein bisschen viel vielleicht. Aber das ist Nitpicking auf sehr hohem Niveau.
Florian Bayer: Und dann sitzt er bei Lynn neben ihr und entweder er zum ersten, seine erste Sitzung mit mit Cole hat und er sitzt neben ihr und sie sagt nichts und er sagt nichts. Und Cole kommt rein und sieht ihn und wir sehen so ein leichtes Erschrecken. So ganz subtil gespielt. So ein vorsichtiges, oh, da ist wieder dieser Geist, der mich heute Morgen schon verfolgt hat. Ist das so? Ja.
Johannes Franke: Ist das, weil das habe ich mich gefragt, weil der Film das ja nicht deutlich klärt, ob das Kind von Anfang an weiß, dass dieser Typ eigentlich ein Geist ist.
Florian Bayer: Definitiv. Cole rennt vor ihm weg. Deswegen ist die erste Begegnung in der Kirche. Cole hat Angst vor ihm. Und es ist Crows psychologisches Geschick, das dazu führt, dass Cole zum ersten Mal wahrscheinlich in seinem Leben mit einem Geist redet.
Johannes Franke: Krass, ne?
Florian Bayer: Und auch seine Hartnäckigkeit natürlich. Er verfolgt ihn ja wirklich sehr krass und sehr ausgiebig. Aber dafür,
Johannes Franke: dass das Kind das sozusagen weiß und es überhaupt nichts dergleichen sagt. Warum?
Florian Bayer: Es sagt zu den anderen Geistern auch nichts. Ich finde das total schlüssig. Naja,
Johannes Franke: zu den anderen Geistern sagt es vor allem nichts,
Florian Bayer: weil es Angst davor hat. Aber versetz dich mal in Coles. Sure. Du wirst von Geistern verfolgt. Dein erster Impuls, vor allem als verängstigter Neunjähriger, ist nicht zu sagen, ey übrigens, du bist tot, sondern dein Impuls ist, vorsichtig zu sein, Angst zu haben, wegzurennen, sich zu verstecken und wenn die Geister mit dir reden, ganz vorsichtig zu reagieren. Es gibt ja überhaupt keinen Bedarf, dass Cole ihn aufklärt, weil Cole überhaupt nicht weiß, dass er es nicht weiß. Ich finde, das ist extrem schlüssig. Jaja, auf jeden Fall. Ich find's bloß,
Johannes Franke: weil ich beim Gucken das nicht im Kopf habe, dass das... Kind, das ja weiß vielleicht. Und ich wirklich mir die Frage erst am Ende gestellt habe, jetzt bei diesem Gucken.
Florian Bayer: Nein, Cole sieht ihn als Geist und wir haben genau übrigens auch Crow, also Bruce Wills, trägt immer dieselben Sachen und zwar die Sachen, die er getragen hat, als er ermordet wurde.
Johannes Franke: Oder mit denen er irgendwie in Kontakt stand, während er gestorben ist.
Florian Bayer: Und wir sehen nicht Coles Perspektive, aber natürlich sieht Cole ihn die ganze Zeit mit der riesigen blutigen Wunde auf dem Bauch. Der wurde ja in den Bauch erschossen. Das heißt, wenn er Cole begegnet, dann sieht Cole ein Typen in einem Anzug mit einer blutigen Bauchwunde. Natürlich hat Cole Angst.
Johannes Franke: Stimmt, darüber habe ich nach gar nicht nachgedacht, weil das sehen wir ja nie. Wir sehen nie Perspektive des Kindes auf ihn. Also die realistische, in Anführungsstrichen realistische. Krass. Ja. Fakt schon wieder, mind blown. Bloa, was machst du mit mir? Okay. Du wusstest es auch nicht,
Florian Bayer: ne?
Johannes Franke: Beim ersten gucken? Ne. Und ich war so fix und fertig mit den Nerven. Ich fand's krass.
Florian Bayer: Ich war komplett blown away. Und Und ich liebe gute Plot Twists. Ich fühle mich sehr klug, wenn ich Plot Twists vorhersehen kann. Und das passiert immer mal wieder. Und es gibt einige Filme, die mich überrascht haben. Ich würde behaupten, kein Film hat mich so getroffen mit seinem Plot Twist wie dieser Film.
Johannes Franke: Ja, wahrscheinlich.
Florian Bayer: Memento, der auch um die Zeit gemacht wurde, hat ähnlich reingehauen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wir reden auch über Memento. Letztes Jahr haben wir das, glaube ich, gemacht. Da haben wir sehr lange über Memento geredet.
Johannes Franke: Kann auch länger her sein vielleicht.
Florian Bayer: Kann auch schon vorletztes Jahr gewesen sein. Egal. Auf jeden Fall, Memento hat mich ähnlich getroffen und da war ich auch sehr glücklich mit dem Plot Twist. Aber ich würde behaupten, dass Sixth Sense, und das ist jetzt so ein sehr bold Statement, ist der beste Plot Twist der Filmgeschichte.
Johannes Franke: Könnte sein, auf jeden Fall. Vielleicht noch das Kabinett des Dr. Caligari.
Florian Bayer: Das wusste ich, weil ich den auch so aus wissenschaftlicher Neugier gesehen habe.
Johannes Franke: Ja, gut, okay. Aber den fand ich schon auch als Plottwist irgendwie gut hergestellt.
Florian Bayer: Der war sehr gut hergestellt. Zeugin der Anklage?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Der hat mich überrascht. Machen wir jetzt gar eine Top 3 aus dem Boot einfach? Wir haben extra keine Top 3 Plottwist, die haben wir bestimmt. Es gibt einige gute Plot Twists in der Filmgeschichte, ohne jeden Zweifel. Er ist nicht der erste richtig geniale, aber ich glaube, er ist wirklich der beste. Und zwar eben auch nicht nur in der Art, wie der Plot Twist am Schluss inszeniert wird mit diesem Schockmoment, sondern wie darauf hingearbeitet wird und das Publikum die ganze Zeit an der Nase herumgeführt wird, ohne es zu bemerken. Und man fühlt sich trotzdem nicht verarscht am Schluss.
Johannes Franke: Ich finde, dass es total wichtig ist, dass dieser Film auch funktioniert, wenn der Plot Twist nicht da wäre.
Florian Bayer: Ja. Das ist spannend, ja.
Johannes Franke: Dass der Film nicht damit steht oder fällt, dass dieser Plottwist funktioniert oder nicht funktioniert. Das nimmt so viel Last von den Schultern dieses Plottwists. Und das hat wahrscheinlich M. Natschamalan in seinen folgenden Filmen nicht immer so gut hingekriegt. Das ist vielleicht das Problem hier.
Florian Bayer: Ich glaube, also ja, ich stimme dir auf jeden Fall zu, dieser Film funktioniert ohne seinen Plottwist. Dieser Film funktioniert extrem gut als Mystery-Drama, wenn man ihn irgendwie in eine Schublade pressen will.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich habe ihn jetzt... Ich habe mich wieder gefragt beim Sehen, was ist das? Ich halte M. Night Shyamalan weder für einen guten Regisseur, noch für einen guten Drehbuchautor. Wirklich. Ich glaube, er ist wirklich kein guter Regisseur und kein guter Drehbuchautor.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und er macht in seinen Filmen, lass mich kurz reffieren. Ja, ja, ja. Er macht in vielen seiner Filme nach The Sixth Sense, macht er unglaublich viele Fehler, wo du nicht nur so drauf guckst und sagst, es sind Eigenheiten, sondern du guckst drauf und denkst, es ist so leicht, diese Fehler zu vermeiden. Du machst sie einfach nicht. Es ist so einfach, die zu vermeiden. Und er macht sie immer wieder. Er kann überhaupt keine Dialoge schreiben. Seine Dialoge wirken komplett artificiell. Seine Figuren bewegen sich ganz oft awkward und irgendwie unpassend zum Geschehen. Er ist so verliebt in seine Kamera. Diesen nervigen, schrägen Kameraperspektiven, die er aus den 90ern mitgenommen hat und gedacht hat, das müssen wir jetzt bis zum Jahr 2025 am Leben halten.
Johannes Franke: Dutch Angle hat immer noch einen großen, guten, echten Platz im Werkzeugkoffer.
Florian Bayer: Er hat so viele... unpassende, stille Szenen, so eine Awkward Silence, wo du das Gefühl hast, das funktioniert so nicht, das ist einfach nur, das macht das Pacing komplett kaputt. Seine Skripte sind komplett naiv. Im schlimmsten Fall christlicher Kitsch, der kaum zu ertragen ist. Im besten Fall holprige, naive Geschichten, die von einem Zehnjährigen geschrieben sein könnten. Ich finde, M. Night Shyamalan ist wirklich kein guter Regisseur und kein guter Drehbuchautor. Und dann frage ich mich, was ist in diesem Film richtig? passiert. Wenn man einen schlechten Film von einem guten Regisseur sieht und sich fragt, was ist falsch passiert? Hier ist die Gegenfrage. Was ist hier passiert? Warum hat das so geklappt?
Johannes Franke: Aber M. Night Shyamalan hat ja nicht nur diesen Film gut gemacht. Es gab doch auch noch andere Filme, die wirklich solide waren.
Florian Bayer: Es gab noch ein paar solide Filme.
Johannes Franke: Ich fand Unbreakable wirklich nicht schlecht.
Florian Bayer: Unbreakable ist absolut solide und ich gehöre tatsächlich zu denen, die auch eher sagen bei Filmen, wo die Kritiker schon gesagt haben, tschüss, dass sie ganz okay waren. Ich fand The Village ziemlich gut.
Johannes Franke: Okay, schön.
Florian Bayer: Es gibt noch Hoffnung für dich. Das Mädchen aus dem Wasser, in all seiner Holprigkeit, hatte der irgendwie was Putziges.
Johannes Franke: Okay, den habe ich nicht gesehen leider.
Florian Bayer: Aber ich finde The Happening und die Avatar-Verfilmung, After Earth,
Johannes Franke: Split,
Florian Bayer: Class, Old, das sind unverzeihbare Filme. Also ich muss es wirklich mal so brutal sagen. Das sind nicht nur schlechte Filme, das sind phänomenal schlechte Filme. Also... Bei Split und Glass ist halt eine weirde Art von Campiness drin, die das Ganze seltsam machen.
Johannes Franke: Nein Es ist nicht nur Campiness?
Florian Bayer: Nein Er nimmt sich viel zu ernst. Die Campiness würde ich mitnehmen, wenn er sich nicht so schrecklich ernst nehmen würde in seinem Podcast. Ja, okay, okay. Und Split, ich finde Split ist wie eine Fingerübung von einem 15-Jährigen, der keine Ahnung davon hat, wie eine... Personal Dissociative Disorder funktioniert. Und er sich irgendwas zurecht reimt aus so ein paar Groschenromanen, die er gelesen hat. Ich verstehe nicht, dass der Film nochmal so abgefeiert wurde von der Kritik. Das ist eine Katastrophe.
Johannes Franke: Also ich glaube, das Problem bei M. Natschermann ist, er hat alle Ideen auf einmal und er weiß nicht zu unterscheiden zwischen den guten und den schlechten Ideen. Er kriegt das nicht richtig hin, das zusammen zu sortieren. Aber er hat großartige Ideen dazwischen.
Florian Bayer: Gegenrede. Er muss nicht unterscheiden zwischen den guten und schlechten Ideen, weil seine Ideen Ideen alle gut sind, das habe ich das letzte Mal schon gesagt, bei der Ankündigung, auf dem Papier, wenn du das in einem Satz formulierst, was er für einen Film macht, klingt das immer gut.
Johannes Franke: Ja, es geht ja auch um mehr Details. Also es ist ja jetzt, okay, du machst den großen Schritt zurück, aber auch in den kleinen Details und auch was eben in dem Film dann alles reinkommt und was da alles an Ideen zusammenkommt, das wirkt dann so wahnsinnig naiv, weil er sich in eine Idee verliebt hat, die nicht trägt, die nicht funktioniert. Aber ich glaube, jetzt muss ich kurz ranten können, klar? Ein anderer Podcaster, ich habe zu viel gehört, deswegen leider weiß ich es nicht mehr, es tut mir wahnsinnig leid, aber ich habe es draußen gehört, die Theorie, dass... Dass M. Night Shyamalan geteilt ist in Regie M. Night Shyamalan und in Drehbuchautor M. Night Shyamalan. Und Regie M. Night Shyamalan ist so wahnsinnig darauf angewiesen, dass Drehbuchautor M. Night Shyamalan es geschafft hat, was Konsistentes zu schreiben. Regie M. Night Shyamalan ist, wenn er ein gutes Drehbuch vor sich hat, ein guter Regisseur. Aber er ist eben ausgerechnet die gleiche Schwäche, die er eben auch als Drehbuchautor hat. Er kann nicht unterscheiden zwischen guten und schlechten Ideen.
Florian Bayer: Das halte ich für kompletten Bullshit. Regie M. Night Shyamalan ist genauso schlecht wie Drehbuchautor M. Night Shyamalan.
Johannes Franke: Wie erklärst du diesen Film sonst?
Florian Bayer: dazu können wir gleich kommen.
Johannes Franke: Ich glaube, er hat echt gute... Nein Doch, doch, doch. Er schafft es, Szenen wirklich gut zu inszenieren.
Florian Bayer: M. Night Shyamalan schafft es, sich Schauspieler zu nehmen, die im Grunde genommen gute Schauspieler sind.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Und die komplett zu versauen.
Johannes Franke: Du redest von Glass.
Florian Bayer: Ja, nimm Glass. Wir können auch Science nehmen. Das Schauspiel von Mel Gibson. Und Joaquin Phoenix in Science ist das schlechteste Schauspiel ihrer Karriere. Ja, Mel Gibson weiß ich sowieso nicht so. Das Schauspiel von Samuel L. Jackson. Du wolltest es hören. Von Samuel L. Jackson.
Johannes Franke: Nein, das finde ich gut.
Florian Bayer: Ist in Class.
Johannes Franke: Nein, Samuel L. Jackson kann nichts versauen.
Florian Bayer: Das ist das schlechteste Schauspiel seiner Karriere. Wie schafft man es, einen Schauspieler wie James McAvoy, der wirklich gut ist? Ja,
Johannes Franke: ja, ja.
Florian Bayer: so schlecht zu inszenieren. Weil man in der Lage ist, Leute zu begeistern.
Johannes Franke: Er hat, ich glaube, James McAvoy so hart von seiner Idee begeistert, dass McAvoy tatsächlich so stark reingegangen ist, dass er gesagt hat, ja geil, mach ich, mach ich, mach ich, ist geil. Das ist für mich als Schauspieler total gut.
Florian Bayer: Und ich glaube, das ist ein erster Punkt. Dieses Begeistern. Ich glaube, dass, und zwar M. Night Shyamalan war damals noch nicht so cocky, wie er danach war. Ja. Sixth Sense hat ihn versaut. Und ich glaube, er war damals noch deutlich unsicherer und das hat seine Leistung stärker gemacht, weil er die Leute, die was konnten, hat machen lassen. Und da zum Beispiel, also vor allem Toni Collette, die hat eine Oscar-Nominierung für diesen Film gekriegt, vollkommen zu Recht. Und ich glaube, er hat hier einfach nicht so viel reingeredet. Und ich habe das Gefühl, er hat, danach wurde er cocky und dachte, oh, hier haben Sachen funktioniert, die gebe ich den anderen Schauspielern auch mit. Und hat denen quasi gesagt, mach es mal ein bisschen so. Das hat bei The Sixth Sense so gut funktioniert. Das Problem ist, dass es nicht The Sixth Sense war, wo er das gemacht hat. Das ist schon bei Unbreakable passiert, meiner Meinung nach. Bei Unbreakable hast du das Gefühl, das ist ein okayer Film, der ist wirklich gut, der ist solide. Aber du hast das Gefühl, er nimmt diese The Sixth Sense-Rahmung und packt die da irgendwie drauf. Und hat dann dieses Kind, das zu alt und klug ist. Und hat diesen dauer-menakolischen Bruce Willis. Und diese komischen Kameraperspektiven.
Johannes Franke: Aber man muss auch dazu sagen, dass er so ein kleines bisschen in die Richtung gedrängelt wurde, weil sobald der Erfolg von diesem Film so reingehauen hat, haben alle ihn quasi darauf festgenagelt. Ihn als Plottwist-Filmemacher. Und dann hat man Erwartungen zu erfüllen von Produzenten, die sagen, ja, wenn du den nächsten Film machen willst, dann muss es aber auch in diese Richtung sein, wie Produzenten oft so sind. Das eine hat funktioniert, also müssen wir es nochmal machen im Grunde. Und dann wirst du da so nach und nach reingedrängelt.
Florian Bayer: Das glaube ich nicht. Ich glaube, der hat die Filme gemacht, die er machen wollte ab diesem Moment. Und ich glaube, er hat gesagt, ich habe meinen Genre gefunden. Ich habe meine Art Filme zu drehen gefunden. Und ich habe meine Art von Pathos und christlicher Botschaft gefunden. Und er hat einfach das gemacht, was er machen wollte. Und das war ein Problem.
Johannes Franke: Naja, jedenfalls hat er es gemacht.
Florian Bayer: Es ist seine Schuld. Ich lade das nicht auf Studios ab. Ich lade das nicht auf Schauspieler ab und ich lade das nicht auf eine obskure Trennung von Regisseur und Drehbuchautor ab. Nein, M. Night Shyamalan ist ganz allein für das verantwortlich, was er in den 2000ern und 2010ern an Filmen verbrochen hat.
Johannes Franke: Am Ende ist er dafür verantwortlich, auf jeden Fall, gebe ich dir recht, vielleicht nicht alleine, aber er ist dafür verantwortlich, was er gemacht hat. Was ich am Ende sehe ist, ein überambitionierter Mensch, der vielleicht arg... cocky ist, wo man so denkt, ja, komm mal ein bisschen runter von deinem hohen Ross. Aber ich finde es total sympathisch, mit welcher Energie er in diese Ideen reingeht.
Florian Bayer: Und da bin ich absolut bei dir. Da bin ich, ich finde seine Filme schlecht. Aber, eins muss man ihm zugestehen, Entschuldigung, der Typ hat Eier. Ja, der macht das, worauf er Bock hat. Und er hat obskure Ideen und er hat es sehr lange geschafft, bei den Studios für diese obskuren Ideen Geld zu sammeln. Und zwar in einer Zeit, in der er schon lange als Kassengift galt, weil seine Filme nicht so erfolgreich waren. Aber hat er es irgendwie noch geschafft, dass die ihm Millionen zugesteckt haben für den Shit, den er da produziert hat?
Johannes Franke: Er hat auch in seiner Karriere wahnsinnig viel Box-Office-Geld reingeschaufelt. Hat er,
Florian Bayer: auf jeden Fall hat er.
Johannes Franke: Also er hat natürlich... paar Flops gemacht und so. Und es wird auch viel Hate über ihn ausgeschüttet. Aber Hate auch für Filme, die wahnsinnig erfolgreich waren. Also er ist jetzt nicht der Kritiker-Darling.
Florian Bayer: Überhaupt nicht. Vollkommen zu Recht.
Johannes Franke: Aber er hat tatsächlich viel Geld für Studios reingeholt. Und das ist vielleicht auch ein Grund dafür, dass die Studios immer wieder sagen, ja komm, dann mach halt noch einen.
Florian Bayer: Ich habe großen Respekt vor dem, was er gemacht hat. Einfach, weil er wirklich sein Ding durchgezogen hat. Und ich glaube sowas... Und er ist ja auch wirklich so ein Oddball.
Johannes Franke: Du bist nur wenige Zentimeter davon entfernt, mir recht zu geben und zu sagen, dass er geniale Filme macht. Das Krasse ist,
Florian Bayer: wir müssen da einmal drauf gucken, aus so einer größeren Perspektive. Ende der 90er, als The Sixth Sense rauskam, haben Leute gesagt, das ist der nächste Steven Spielberg. Ja,
Johannes Franke: genau.
Florian Bayer: Das hat ihm zum einen gut getan und zum anderen schlecht getan, weil er hat das geglaubt. Aber er ist kein Steven Spielberg. Er hat nicht mal ansatzweise das Talent und das Können von Steven Spielberg.
Johannes Franke: Vielleicht könnte er ein Steven Spielberg sein, wenn er ein bisschen... mehr auf andere Leute noch mithören würde.
Florian Bayer: Spielberg hat dem kleinen Finger mehr Können als Shyamalan in seinem gesamten Körper.
Johannes Franke: Oh Mann, nur, nein, das möchte ich nicht auf mir sitzen lassen. Das ist mein Shyamalan.
Florian Bayer: Das Ding ist ja, pass auf, weißt du, warum ich eigentlich so sauer bin? Ja. Weil ich immer wieder auf ihn reinfalle. Ich lese, ich lese die Beschreibung zu seinen Filmen und denke, old, okay, Leute gehen an einem Strand, plötzlich sind die Kinder Jugendliche, plötzlich werden sie erwachsen, wow, was passiert da? Klingt voll geil. Mystery, oh, ein großes Rätsel. und mit großartigen Schauspielern inszeniert. Und dann schaue ich mir diesen Film an und danach denke ich, M, Knight, was hast du mit Alex Wolff gemacht? Das ist ein guter Schauspieler. Wie kannst du diesen Menschen nehmen, der einer der besten Schauspieler unserer Zeit ist, der jungen Darsteller unserer Zeit, und ihm diese Leistung abgeben? Wie funktioniert das? Das heißt, du würdest, also ich bin ja Schauspieler. Wenn jetzt M. Night Shyamalan anrufen würde, würdest du mir abraten? Lauf
Johannes Franke: Ich meine, er macht erfolgreiche Filme.
Florian Bayer: Was soll das? Ich glaube, wenn du in einem M. Night Shyamalan Film mitgespielt hast, leidet deine Schauspielqualität. Deine Karriere gewinnt dadurch. Aber ich glaube, du wirst zu 10% schlechterer Schauspieler. Ja, 10%. Vielleicht auch 20%. Nein Kommt drauf an, wie viel du mitbringst. Okay, 8%. 12%. Einigen wir uns auf 10. Verdammt, auch mal angefangen. Okay, aber lass mich noch mal kurz, weil wir sind ja immer noch bei The Sixth Sense. Jetzt haben wir schon diesen ganzen Es sind noch mehr Sachen, die hier funktionieren. Und es ist teilweise ganz banal, zum Beispiel, dass es einfach weniger Dialoge gibt als in seinen anderen Filmen. Und die Dialoge, die wir sehen, sind vor allem Dialoge zwischen einem erwachsenen Psychologen und einem Kind, das merkwürdig ist. Das heißt, es ist einfach, es gibt Es gibt nicht so viel zu patzen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und bei den Dialogen, bei der Happening zum Beispiel, hat er Dialogen zwischen Erwachsenen geschrieben. Und dann guckst du da drauf. Entschuldigung, ich wollte dich ver... Okay, ja. Weniger Dialoge. Ich glaube, diese merkwürdige Atmosphäre, dieses merkwürdige, langsame Pacing mit diesen schrägen Kameraperspektiven passt einfach unglaublich gut genau zu dieser Art von Geistergeschichte, wo die Wahrnehmung immer ein bisschen verzerrt ist.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Oh mein Gott, Flo Was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir? Oh mein Gott, ich glaube... Oh nein, wir sind in einer Self-Promo. Nein, shit. Ganz schnell, damit wir zurückfinden. Ihr da draußen, es gibt wahnsinnig viele Wege,
Johannes Franke: wie ihr uns unterstützen könnt. Und wir brauchen Unterstützung, glaubt uns.
Florian Bayer: Wenn ihr uns ein bisschen Trinkgeld dalassen wollt, macht das doch bitte über buymeacoffee.com. Den Link findet ihr auch in der Episodenbeschreibung.
Johannes Franke: Dann könnt ihr uns gerne ein paar Euro geben. Gerne auch gleich monatlich einstellen, nicht wahr?
Florian Bayer: Denn Kosten haben wir genug. Wenn ihr uns mit Geld zwingen wollt, einen bestimmten Film zu besprechen, Ist das eure Chance? Das könnt ihr nämlich über dieses Formular auch machen.
Johannes Franke: Oder ihr schickt uns einfach so einen Filmvorschlag, ohne Geld. Und Feedback gerne an johannes.at muss man sehen.de und florian.at muss man sehen.de Außerdem freuen wir uns natürlich über jedes Abonnement,
Florian Bayer: egal ob bei Spotify, Apple Podcast, Deezer, whatever.
Johannes Franke: Was uns total helfen würde ist, wenn ihr uns so 5 Sterne oder Herzchen oder sonst irgendwas,
Florian Bayer: was auch immer euer Podcatcher anbietet, gebt. Und am besten auch noch gleich eine Review dazu schreiben. Ah super, fehlt noch irgendwas?
Johannes Franke: Ne, ich glaube wir haben alles, wa?
Florian Bayer: Okay, dann ganz schnell zurück in die Episode.
Johannes Franke: Yes Ich muss sagen, wirklich, während des Films, man geht immer mehr in dieses Gefühl rein, was Bruce Willis irgendwann veräußert, als ich scheine kein Gefühl für Zeit mehr zu haben. Ja. Und auch diese Geisterperspektive so zu verinnerlichen, dass man dieses ständige Aufblenden, Abblenden, was man jedem anderen Filmemacher um die Ohren hauen würde, aber hier... funktioniert das so gut. So dieses, ich weiß nicht, wie bin ich von A nach B gekommen? Wieso bin ich jetzt plötzlich hier? Was habe ich in der Zwischenzeit gemacht? Wie habe ich die große Kirchentür überhaupt aufgemacht als Geist? Also es ist einfach, ich bin plötzlich da und mein Geist Heißt, genauso wie der von Bruce Willis, im Grunde ignoriert das alles weg und unterdrückt dieses Gefühl von, das kann doch nicht stimmen. Irgendwie ist was mit der Zeit nicht in Ordnung und mit dieser Wahrnehmung nicht in Ordnung.
Florian Bayer: Das Gute ist halt, dass es auch wirklich so gut ohne den Plot Twist funktioniert, weil es so eine generelle Verlorenheit erzeugt. Wir fühlen uns in diesem Film verloren. Die Grenzen zwischen psychischer Erkrankung und Bewahnvorstellungen und tatsächlicher Geistererscheinungen, tatsächlich übernatürlichen Geschehens so fließend sind. Wo diese Grenzen zwischen Erwachsenenwelt und Kinderwelt so komisch aufgebrochen sind, weil wir hier dieses Kind haben, was sich so erwachsen verhält und gleichzeitig diesen Erwachsenen, der wie so ein Kind verloren herumstolpert. Und diese Verlorenheit, die überträgt sich total krass und sorgt für so ein permanentes Unwohlsein und so eine permanente Hilflosigkeit auch.
Johannes Franke: Total, ja. Das unterstützt aber auch die Emotionalität, die da zwischendurch immer wieder auftaucht. Das, was du so ein bisschen als sentimental formulierst.
Florian Bayer: Ja, der Film hat sehr viele sentimentale Momente. Ich finde vor allem diese Geschichte zwischen Cole und seiner Mutter. Es ist so, also ich finde zum einen ist es schon so ein bisschen Reißbrett. Die aufopferungsvolle, alleinerziehende Mutter. Die Löwenmutter, die sich vor ihr Kind stellt und sagt, meinem Kind tut niemand was. Und die ihrem Kind in die Augen schaut und sagt, du bist so gut, wie du bist. Mia und Und alle sind auf ihrer Seite. Toni Collette rettet das sehr viel. Was eigentlich relativ viel Klischee ist, rettet sie einfach dadurch, dass sie unglaublich gut spielt.
Johannes Franke: Das betrifft nicht nur sie. Also das Kind, wenn es nur ein bisschen schlechter gewesen wäre, hätte der ganze Film absolut gelitten. Ich gebe dir recht, dass die Dialoge jetzt nicht unbedingt der Weisheit vielleicht der Schluss sind. Aber die Schauspieler machen da so einen Höllenjob. Ja, alles tragen.
Florian Bayer: Nee, Haley Joel Osment und Toni Collette arbeiten. unglaublich stark zusammen. Und man fühlt halt irgendwie mit, also man fühlt sowohl mit ihr mit, als auch mit ihm so das unverstandene Kind. Ich finde es ganz spannend, dass es halt wirklich diese Offenheit gibt, wie viel hat dieses Kind einen Knacks und wie viel ist dieses Kind wirklich psychisch gestört und es gibt dann ja auch die Diagnosen im Film. So am Anfang haben wir so ein, wo die Kamera einmal über den Block fliegt von Crow, der aufschreibt mögliche Angststörungen, extreme Temperamentswechsel. Er hat socially isolated anxiety.
Johannes Franke: Ich habe echt Schwierigkeiten mit diesen Diagnosen, muss ich sagen. Das, was er da in seinen Recorder reinhaut, das wird überhaupt nicht gerechtfertigt von dem, was das Kind tut. Auf der Leinwand. Das stimmt so nicht. Also Schizophrenie, so viel ist es jetzt auch nicht. Das sind ganz normal teilweise Sachen, die Kinder einfach machen.
Florian Bayer: Nee, aber Schizophrenie hat er schon eine richtige Vermutung, weil wir erfahren ja später, also wenn dir ein Kind erzählt, dass es tote Menschen sind, dass die immer und überall sind und es verfolgen und so, dann ist Schizophrenie und dann sind das Halluzinationen beim Neunjährigen.
Johannes Franke: Deswegen habe ich dich gefragt, was dein Kind gruseligst gesagt hat. Ist dein Kind deswegen schizophren? Nein.
Florian Bayer: Das ist nicht mehr die fantastische Phase. Wenn du neun bist und das nicht auseinanderhalten kannst und sagst, ich werde von Toten verfolgt, dann brauchst du eine psychiatrische, psychologische Behandlung.
Johannes Franke: Echt, ist das so, dass das...
Florian Bayer: Ich glaube, ein neunjähriger, ein gesunder neunjähriger kann Realität und Fiktion auseinanderhalten und das spricht schon für Wahnvorstellungen.
Johannes Franke: Ja, aber es ist doch immer noch möglich, dass wir es mit einem neunjährigen zu tun hatten oder achtjährigen zu tun hat, der nicht so kooperativ ist und einfach sagt, nee, das ist jetzt meine Welt und ich muss denen doch nicht erzählen, was ich jetzt hier für,
Florian Bayer: dafür wirkt es zu echt. Das ist krass, deine Suspension of Disbelief kommt aus einer ganz anderen Ecke als meine. Ich hätte nämlich gedacht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Dieser Moment, wo er im Bett liegt und zu ihm das erzählt, das ist der Moment, wo er eigentlich aufhört, mit ihm therapeutische Sitzungen zu machen. Also er kann es nicht, weil er ein Geist ist, aber das ist eigentlich der Moment, wo er aufhört, therapeutische Sitzungen zu machen und zur Mutter sagt, dein Kind hat ein großes Problem. Wir müssen jetzt gucken, dass wir das machen und ich gehe davon aus, dass nur eine stationäre Behandlung erstmal hilft. Und dass er dann tatsächlich, ich weiß nicht wie das ist, ich bin kein Kinderpsychologe, ich hätte gedacht, dass das auch... dass auch medikamentös dann behandelt werden muss, dass das schon so ausgeprägte Wahnvorstellungen sind, auditiv und visuell, dass es behandelnswert ist. Und zwar instant.
Johannes Franke: Es gibt eine Einsortierung vom Psychologen online, die ich gelesen habe und die spricht dem halt entgegen und sagt, das was da im Film gesagt wird, ist sehr unrealistisch. Es gibt vor allem die fehlende Desorganisation des Kindes wird irgendwie angeführt. Die fehlende was? Desorientierung und Desorganisation. Also das Kind weiß weiterhin, wo es ist. Redet nicht wirr, ist intelligent, eloquent und empathisch. Also das sind alles so Sachen, es gibt keine völlig unlogischen Gedankensprünge oder Wortneubildungen, wie man das so sagt. keine formale Denkstörung, die bei Schizophrenie einigermaßen typisch wäre, gerade bei Kindern. Und sie würden eher ein posttraumatisches Belastungssyndrom an ihn setzen.
Florian Bayer: Naja, ich kann schwer dem Experten widersprechen, den du gehört hast. Interessant, sagt er was zu dem Thema Halluzinationen? Weil ich finde, das klingt halt so nach krassen visuellen, auditiven Halluzinationen, was er da äußert.
Johannes Franke: Ja, das habe ich jetzt nicht, nee.
Florian Bayer: Weil das wäre für mich der Moment, wo, wie gesagt, ich hätte gesagt... und das ist nur meine Meinung, deswegen nimmt das wirklich so mit a grain of salt. Ich hätte gesagt, das ist der Punkt, wo eigentlich ein Psychologe sagen muss, okay, und ein Psychotherapeut, der er ja offensichtlich ist, hier kann ich nicht mehr helfen, hier muss das Kind in eine Klinik und hier muss es Medikamente kriegen gegen diese Wahnvorstellungen. Das ist gefährlich. Und vor allem, weil sie, weil er ja auch davon ausgeht, dass sie mit selbstverletzendem Verhalten einhergehen. Er geht ja davon aus, dass diese Narben, die das Kind überall hat, dass die Dass die selbst beigefügt sind.
Johannes Franke: Also was ich glaube, wo du absolut recht hast, ist, dass der Psychologe in dem Moment zur Mutter gehen müsste und sagen müsste, so, jetzt setzen wir uns mal hin und überlegen mal, was wir machen. Und beschließen vielleicht wirklich eine stationäre Behandlung oder sowas. Würde man beim posttraumatischen Belastungsstörung, würde man vielleicht auch einen Klinikaufenthalt für eine Weile empfehlen. Je nachdem, nach der Härte und der Schwere. Also diese Halluzinationen und so, das könnten alles Flashbacks und Dissoziationen sein, die man durch posttraumatisches Belastungssyndrom bekommt.
Florian Bayer: Was ganz spannend ist und das finde ich mit der Erklärung im Sinn, dass das echt ist, was er sieht, weil das wird uns ja ganz klar vom Film irgendwann ab einem gewissen Punkt verkauft. Es ist ein normales Kind und wäre nicht jedes Kind so, wenn ihm die ganze Zeit Geister über den Weg rennen.
Johannes Franke: Auf jeden Fall, natürlich volle Kanne. Ich verstehe das auch total und der Film erzählt uns ja auch nicht, ihr müsst jetzt irgendwie die Dreiviertel des Films anzweifeln, dass er die Geister sieht, bis wir das dann um der 56. Minute zeigen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: sondern wird wir sind schon die ganze Zeit bei ihm, oder?
Florian Bayer: Auf jeden Fall.
Johannes Franke: Also es ist nicht so, dass wir das anzweifeln und sagen, ja, hier ab in die Psychiatrie.
Florian Bayer: Nein, das Setup ist ziemlich eindeutig von Anfang an. Ich überlege gerade, woran es liegt, aber das Setup ist sehr eindeutig, dass das Kind, dass das echt ist, dass das echte Geisterbegegnungen sind. Und natürlich auch dadurch, dass diese Brücke zum Anfang immer mal wiedergeschlagen wird zu diesem Vincent, den Crow behandelt hat, der genau dasselbe hatte offensichtlich.
Johannes Franke: Offensichtlich, genau. Und dem man dann irgendwie nicht helfen konnte und ihm nicht sagen konnte, red doch mit den Geistern einfach.
Florian Bayer: Und das finde ich ganz spannend, weil es wird halt am Anfang wird halt Cole schon, also es wird schon erzählt, Cole hat diese schrecklichen Bilder gemalt. Cole macht merkwürdige Sachen. Cole ist isoliert. Und dann haben wir den Punkt, wo wir sehen, ah, Cole sieht, seitdem er drei oder so ist, sieht er ständig Geister. Dieses Kind ist einfach, das hat andere Sachen zu kämpfen, als sich mit Tommy Tamasino anzufreunden oder ähnliches.
Johannes Franke: Ja, es ist total krass, was man sich so überlegt, wie man reagieren würde, wenn man so als Kind einen Haufen Geister sehen würde auf dem Weg. Und kann man sich daran gewöhnen? Eher nicht.
Florian Bayer: Offensichtlich nicht.
Johannes Franke: Also allein dieser weggeschossene Hinterkopf da von dem einen, der sagt, ich zeig dir mal, wo die Waffe von meinem Vater ist. Oh, das haut echt rein.
Florian Bayer: Und die Geister sind ja auch offensichtlich eine Bedrohung. Also wir lernen ja im Film, dass die Geister auch interagieren können mit der Umwelt. und zwar physisch. Wir sehen es zum einen in Crow. Crow schafft es, eine Scheibe einzuschlagen. Er ist ein Poltergeist.
Johannes Franke: Großartige,
Florian Bayer: wenn man auch diese Szene, so die Gruselszene, wenn man sie aus der anderen Perspektive sieht, da zerspringt plötzlich eine Scheibe, wenn du einen anderen Mann küsst, nachdem dein Mann gestorben ist. Und die Wunden werden ja später nicht mehr erwähnt, aber offensichtlich haben die ihm ja die Geister zugefügt.
Johannes Franke: Das heißt,
Florian Bayer: Cole wird von den Geistern auch körperlich angegangen. Die sind irgendwie eine Art physische Bedrohung auch.
Johannes Franke: Ja. Wo wir Ja. bei dem kalten Atem wären, was mir jetzt gerade über den Weg läuft in meinen Notizen,
Florian Bayer: weil ich echt gedacht habe, das sieht aber echt zwischendurch sehr nach CGI aus. Du bist nicht der Einzige. Es haben einige gedacht und es wurde auch öfter mal geäußert und der, der verantwortlich war für das Set-Design, hat getobt und hat gesagt, Alter, das ist echt.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: es ist echt. Es ist echt.
Johannes Franke: Der arme Haley Joel Osment musste relativ häufig einfach nur mit Unterwäsche in so einem richtig kalten Raum stehen und frieren. Und ja, ich verstehe das Ding. Ich verstehe, dass körperliche Reaktionen wie Zittern am Körper und so, dass das vielleicht was ist, was man dem Körper überlässt und sagt, okay, du musst da jetzt durch. Würde ich auch wollen als Schauspieler, muss ich sagen. Dass ich sage, okay, wenn ihr die Chance habt, dann kühlt den Raum runter, dann muss ich das nicht spielen.
Florian Bayer: Sie haben wirklich das klassische Horrorfilm-Konzept. benutzt, dass sie Räume einfach kalt gemacht haben, wenn sie Atem zeigen wollen. Total krass.
Johannes Franke: Also sie haben wirklich Folie ausgelegt und alles abgedämmt und so und haben dann kalte Luft reingehauen.
Florian Bayer: Und das ist krass und das ist so traurig, dass es dann so künstlich aussieht, weil es so stark ist, weil es so präsent ist. Und sie beleuchten es halt auch so und halten die Kamera so drauf, dass man es sehr sieht, was vielleicht nicht die beste Entscheidung ist.
Johannes Franke: Das ist vielleicht der Fehler gewesen, mit der Beleuchtung so drauf zu hauen, dass man denkt, ja, das kann jetzt aber auch nicht sein. Naja, schade eigentlich.
Florian Bayer: Aber ich finde es eine grandiose Idee. Auch wieder was, was uns immer wieder diese Hinweise gibt, dass er ein Geist ist, wenn er in den Raum kommt und seine Frau fängt an zu frieren.
Johannes Franke: Naja, aber er ist doch nur, weil seine Frau friert ja gar nicht so viel, während er da ist. Und es geht ja darum, dass das vor allem kalt wird, wenn Geister wütend sind.
Florian Bayer: Da ist das Drehbuch komplett holprig und inkonsistent. Ich habe das jedes Mal, wenn er im Raum steht, bei seiner Frau zittert sie.
Johannes Franke: Echt ist das?
Florian Bayer: Also nicht im Restaurant. Wir haben eine Szene, wo... Wenn er dieses Hochzeitsvideo gesehen hat und dann zu ihr geht, wo sie im Bett ist und setzt sich neben sie, dann zieht sie die Decke drüber.
Johannes Franke: Aber das ist ja am Ende dann, wenn er emotional aufgewühlt ist.
Florian Bayer: Das ist davor schon. Er guckt dieses Hochzeitsvideo, geht zu ihr hoch, sie liegt im Bett, er setzt sich neben sie und sagt, tut mir leid, dass ich nicht so viel Zeit hatte und sie zieht die Decke so ein bisschen über sich.
Johannes Franke: Ja, das war ja nicht kalt.
Florian Bayer: Und dann am Ende natürlich genau auch. Also der Film sagt uns irgendwann, wenn sie wütend sind, wird es kalt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Er ist nicht wütend in diesen Szenen. Er ist auch nicht in der Schlussszene wütend, wenn er versteht, dass er ein Geist ist. Nein, er ist emotional aufgebracht.
Johannes Franke: Naja, ja, das können wir ja unter den Teppich kehren, bitte. Wir haben vorhin von Wallberg geredet, von
Florian Bayer: Vincent. Genau,
Johannes Franke: Vincent Grey, der ja wirklich nur ein paar Minuten da zu sehen ist und das erste Patient Zero sozusagen einmal darstellt. Der kommt, um ihn umzubringen.
Florian Bayer: Ja. Donnie Wahlberg. Donnie Wahlberg. New Kids on the Block. Und wenn man sich so Fotos von ihm anschaut, der ist nicht so dünn wie in diesem Film. Was ist da los? Method Acting. Und zwar mehr als ihm. Sie haben sich abgesprochen. Es gab so eine Vereinbarung, du nimmst so und so viele Kilo ab. Genau. Und dann hat er es dreifach fast abgenommen davon.
Johannes Franke: Ja genau, er hat circa 20 Kilo abgenommen. 43 Pfund.
Florian Bayer: Alter.
Johannes Franke: Das ist unglaublich. Man musste ihm zwischendurch medizinische Hilfe geben. damit das irgendwie funktioniert.
Florian Bayer: Ach du Scheiße.
Johannes Franke: Und der ist da irgendwie ans Set gekommen, hat sich da richtig hart reingesteigert und aus irgendwelchen komischen Gründen hat er offenbar geglaubt, dass er das in einem Take alles schaffen muss. Und hat sich so reingesteigert und hat es so hart gespielt und es war so krass und grandios. Und am Ende ist er zusammengebrochen, hat er in der Ecke gesessen und hat gezittert und vor sich hingewippt und hat versucht, sich wieder runterzukriegen. Und dann kam der Regisseur hin, Emna Camelan, Er sagt, ja, sehr gut, sehr gut. Und er so, und? Hast du alles, was du brauchst? Und M. Night Shyamalan, naja, wir müssen es jetzt schon noch ein paar Mal nochmal machen, ne? Wie man das eben bei Filmen so macht. Und irgendwie hat Donnie gedacht, er kommt mit einmal durch. Aber nein, er musste noch ein paar Mal ran. Krass, ne?
Florian Bayer: Total krass. Und er hat aber auch tatsächlich, weil das so relativ am Anfang der Dreharbeiten war, weil M.
Johannes Franke: Night Shyamalan auch gesagt hat, wir müssen es irgendwie so chronologisch wie möglich drehen, auch für das Kind. Für Kinder ist das immer ganz gut. Erwachsene kommen damit besser klar, wenn man Out of Order dreht. Normalerweise wird es ja nach Drehorten abgearbeitet und wenn jemand am Anfang in der Universität ist und am Ende auch nochmal in der Universität ist, dann drehst du unter Umständen am gleichen Tag den Anfang und das Ende des Films.
Florian Bayer: Macht die Technik total Sinn.
Johannes Franke: Ja und hier hat er versucht so gut wie möglich chronologisch zu drehen, das heißt Danny Warburg war am Anfang da. Und der hat wohl durch seine Ernsthaftigkeit, die er dieser Rolle entgegengebracht hat, so ein bisschen die Stimmung am Set festgelegt.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Dass alle gesagt haben, oh, wir machen hier wirklich was und nicht einfach nur irgendwie Fun and Games.
Florian Bayer: Das hat er gut gemacht. Und diese Rolle, und er spielt es wirklich gut. Und dieser kurze Moment, in dem er zu sehen ist, hier ist wirklich intensiv. Und es ist wirklich gut inszeniert. Und gerade auch, weil er so kurz zu sehen ist. Ja. Um noch einen anderen Darsteller zu nennen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Trevor Morgan. Tommy Tamasino. Der wirklich arrogante Schauspielfreund, nicht Freund, sondern Bekannte von Cole. Der improvisiert, wenn er für Coles Mutter den guten Freund spielt, damit sie Cole nicht mehr merkwürdig kennt. Und der offensichtlich eine wunderschöne Werbung gemacht hat, so eine typische 90er Jahre Werbung. Mama, Papa, mir geht es nicht gut. Und dann kriegt er das Ding. Trevor Morgan ist ein Schauspieler, der seit vier Jahren 1986 quasi, seit seiner Geburt im Geschäft ist und alles möglich gemacht hat. Von McDonalds-Werbung in den Anfang der 90er bis zuletzt Auftritte in Serien wie Law & Order, Ghost Whisperer. Nie was Großes gemacht. Immer so kleine Filme, Nebenrollen und so weiter. Und ich finde, er soll einmal Stand-In sein für diese ganzen Schauspieler da draußen, die diese kleinen Rollen spielen, die unglaublich wichtig für die großen Filme sind.
Johannes Franke: Tja, und das hat sein Leben bestimmt. Aber es ist... Daher hier. Ich glaube, er kann total glücklich sein mit seinem Leben und seiner Karriere, wenn man die ganze Zeit gedreht hat und so.
Florian Bayer: Der war nie unterbeschäftigt.
Johannes Franke: Das ist toll. Gönne ich ihm alles. Er hatte vorher, wohl wenn ich es richtig verstanden habe, einen anderen Film, auch mit Hayley Joel Osment. Und da war die Rollenverteilung andersrum. Da war die große Rolle er. Und Haley Joel Osment war nur so eine kleine Rolle.
Florian Bayer: Und guckt euch mal das Plakat an und die DVD-Hülle, die man von diesem Film dann später gesehen hat.
Johannes Franke: Oh nein.
Florian Bayer: I Remember April aus dem Jahr 1999.
Johannes Franke: Der arme Schauspieler.
Florian Bayer: Er war die Hauptrolle. Und dann haben sie aber, nachdem The Sixth Sense so ein Riesenerfolg war und alle gesagt haben, Haley Joel Osment ist der neue Kinderstar, haben die natürlich die Kinoplakate und die DVDs und Videos alle geändert, dass sein Gesicht ganz groß drauf zu sehen ist. Es tut mir so leid. Das arme Kind, wirklich, das ist nicht schön, wenn du mit 10 oder 12 oder sowas so stolz auf deine Karriere bist und dann wird der DVD-Cover,
Johannes Franke: dann wirst du einfach wegrationalisiert oder klein hingestellt in die Ecke irgendwo.
Florian Bayer: Übrigens klingt von der Beschreibung auch ganz nett wie ein Film, den ich gerne sehen würde. I remember April aus dem Jahr 1999. Es geht um Kinder, die während des Zweiten Weltkrieges einen japanischen Soldaten finden. Und unter anderem spielt Pat Morita Mr. Miyagi in diesem Film mit.
Johannes Franke: Schön.
Florian Bayer: Cool. Ich möchte noch kurz auf zwei Casting-Decisions zu sprechen kommen. Und zwar die erste ist Lysa Samurawa.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ist die Bridesmaid in dem Hochzeitsvideo.
Johannes Franke: Ach.
Florian Bayer: Die einfach mal betrunken. Crow sagt, dass er doch bitte immer auf Anna aufpassen soll. Und es ist so eine kleine Szene. Sie ist ganz toll. Ja,
Johannes Franke: sie ist sehr süß.
Florian Bayer: Sie erzählt sehr viel über die Liebe, die zwischen Crow und Anna ist, weil wir sie ja nicht interagieren sehen groß, außer am Anfang mit ihren komischen Striptease, den sie machen. Und das ist wichtig, weil es halt auch Es ist eine wirklich wichtige Szene, um zu zeigen, was er verloren hat.
Johannes Franke: Ja, na klar.
Florian Bayer: Und was er als Verlust wahrnimmt. Und sie spielt das einfach großartig, dieses Betrunkene. Und passt immer gut auf sie auf. Zweite Casting-Decision. Wir haben eine Art Szene.
Johannes Franke: Ach Gott. Die viel länger war, als sie im Film zu sehen ist.
Florian Bayer: M. Night Shyamalan war absolut unglücklich mit der Art, wie er diese Szene spielt. Und ich verstehe auf Teufel komm heraus nicht, warum. Ich verstehe es auch nicht. Er spielt das absolut solide. Total.
Johannes Franke: Finde ich vollkommen in Ordnung. Also wer es jetzt nicht mitbekommen hat, M. Night Shyamalan spielt selber eine Rolle in seinem Film den Arzt da. Und ich fand die Szene vollkommen solide. Ich weiß gar nicht,
Florian Bayer: was los ist. Er war unglücklich damit und trotzdem hat er sich danach in allen möglichen Rollen in seine Filme platziert.
Johannes Franke: Ein Trauma, das er überwinden versucht.
Florian Bayer: Ja, und das Schlimme ist, er ist schrecklich. In Science oder in Old. Er ist nicht gut. Und in diesem Film ist er gut und in diesem Film war er unglücklich. Und noch einmal ein kleines Puzzleteil für meine Vermutung, dass er einfach zu cocky geworden ist und dass seine Unsicherheit damals das Beste aus ihm herausgeholt hat. Ach, ich gönne ihm alles. Ach komm. Er hat viel aus dieser Szene rausgeschnitten.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Sie war eigentlich viel länger. Aber der fertige Film scheint es nicht zu gebrauchen. Es gibt ja viel, was er rausgeschnitten hat.
Johannes Franke: Das ist ja gar nicht so wenig. Es gab ja noch eine Szene, wo Cole mit Crow zusammen mit Plastiksoldaten spielt. Und da erzählt Cole dann über Private Jenkins und Private Kenny und was die für Schicksale haben, so wie die im Krieg so. Und offensichtlich sind das Tote, die er kennt und die er dann in dieses Spielzeug hinein projiziert und dann erzählt, was die erlebt haben. Und ich finde, dass Haley Joel Osment so wahnsinnig gut in dieser Szene ist. Ihr könnt sie auf YouTube sehen. Die ist zu Recht nicht im Film, weil sie viel zu viel verrät im Grunde. Also wie auch,
Florian Bayer: wie er so drauf ist und irgendwie kriegst du zu viele Indizien durch diese Szene, finde ich. Aber er spielt das so wahnsinnig gut. Dieses Kind ist der Hammer. Und kommt denn dieser Szene auch ein bisschen kindlicher verspielt darüber? Weil das Spannende ist ja, dass er im fertigen Film jetzt sehr nüchtern über diese Geistererscheinungen redet. Also nicht nüchtern, aber emotional aufgewühlt. Und er verarbeitet die nicht, indem er spielt oder... Ja. Geschichten drumherum baut, sondern er erzählt einfach, was es ist.
Johannes Franke: Er ist nicht mehr Kind in der Szene als im Rest des Films. Okay. Nein, nein, nein. Es ist im Grunde das Stand-In. Die werden da in der Gegend rumgeschoben, diese Figuren, aber ein richtiges kindliches Spielen wird das nicht.
Florian Bayer: Und ein paar Geister-Szenen haben sie noch rausgeschnitten, ne?
Johannes Franke: Sie haben vor allem einen Mr. Marshall rausgeschnitten. Das ist ein älterer Nachbar, den Cole irgendwann besuchen soll und ihn auf Deutsch, weil das Mr. Marshall ein Deutscher ist und offensichtlich von seiner toten Frau gelernt hat, wie man sagt, ich habe Durst.
Florian Bayer: Wunderbar.
Johannes Franke: Und er geht zu ihm und fragt ihn, noch was zu trinken, damit sie ins Gespräch kommen und ihm dann helfen kann, mit seiner Frau klarzukommen, die gestorben ist. Ignoriert das nämlich. Mr. Marshall ist jemand, der das weg ignoriert und sagt, die müsste doch jeden Moment wieder kommen. Wartet auf der Straße auf sie. Und sie ist aber längst tot und das Kind kommt und gibt ihm die Tagebücher, die die Frau geschrieben hat und in den Tagebüchern sieht dann Mr. Marshall offensichtlich, dass da schon lange kein Eintrag mehr drin ist und dass das vielleicht bedeuten könnte, dass die Frau auch nicht wiederkommt, weil sie halt vielleicht tot ist. Und später im Film geht dann Bruce Willis nochmal dahin und guckt, ob das einen Einfluss auf ihn hatte, diese Erkenntnis.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und der ist das blühende Leben.
Florian Bayer: Ach krass, okay.
Johannes Franke: Also es ist so ein... Ein Beispiel für, wie kann man ihm helfen mit dieser Gabe. Und das ist zu Recht rausgeflogen. Die Begründung habe ich nicht gefunden, aber in meinem Kopf ist die Begründung. Ich will ja, dass das Kind lernt, dass es den Geistern zuhören muss. Wenn es aber früh im Film schon hilft, dann ist dieser Lerneffekt ja gar nicht mehr da.
Florian Bayer: Ja, absolut. Es gibt ja tatsächlich nur diese eine Hilfe, die sie machen, wo sie aufdecken, dass die Tochter vergiftet wurde von ihr. Mutter, die als einzige Rot trägt auf der Beerdigung.
Johannes Franke: Echt, wirklich. Also es gibt ja das Rot ist ja tatsächlich etwas, was Shyamalan genutzt hat und gesagt hat, alles was Rot ist, muss irgendwie eine Verbindung zu zwei Welten haben, zur toten und zur lebendigen Welt und das muss so ein Crossover, das ist die Farbe dafür. Und hat auch irgendwie Szenen nochmal neu gedreht, weil das nicht ins Farbkonzept gepasst hat. Und die Frau aber auf der Beerdigung der eigenen Tochter rot tragen zu lassen, finde ich die schlechteste Entscheidung, die man treffen kann.
Florian Bayer: Es ist so irritierend. Ich finde diesen Plot übrigens total geil. Ich finde es cool, dass wie das eine Mädchen, dem ja hilft, dass auch gezeigt wird, warum sie beängstigend wirkt, nämlich weil sie quasi ihr Todestrauma wieder durchlebt und er beiwohnen muss, wie sie sich übergibt.
Johannes Franke: Aber wie sie dann sagt, sorry, das musste jetzt mal kurz sein, weil sie sich beruhigt und dann sagt, ja. Jetzt,
Florian Bayer: wo ich das hinter mir habe, wo ich gekotzt habe, können wir mal reden. Das ist ein bisschen ein seltsamer Übergang eines Geistes, finde ich. Aber ansonsten finde ich das ganz gut. Es gab ja wohl so einen ersten Entwurf, wo sich Shyamalan deutlich mehr an Das Schweigen der Lämmer orientiert hat und wirklich der Hauptplot ist, dass es um einen Serienkiller geht und dass die Geistererscheinungen helfen, diesen Serienkiller zu finden. Also ein klassischer Profilerfilm.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Serienkillerfilme gab es damals sehr viel. Nach Das Schweigen der Lämmer gab es ja so eine ganze Reihe an Diesen Serienkillerfilm, Gott sei Dank ist das nicht passiert.
Johannes Franke: Ja, ja, aber er hat auch wirklich viele Fassungen gebraucht. Ich glaube, er hat zehn Fassungen am Ende gehabt. Und erst in Fassung fünf oder sechs oder so ist dieser Serienkillerplot weggefallen. Und er hat sich auf etwas anderes konzentriert. Und auch, dass er tot ist, ist ja tatsächlich auch erst in den letzten Fassungen irgendwie dazugekommen.
Florian Bayer: Ist auch später reingekommen. Und dafür ist es wirklich so toll eingewoben in den gesamten Plot.
Johannes Franke: Und ich glaube, das ist das große Problem. das Shyamalan später hatte. Der Plottwist war in diesem Film aus dem Material herausgeboren.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: In den letzten Fassungen. Und dann hat er angefangen, darüber nachzudenken, ich habe erst den Plottwist im Kopf, welchen Plottwist kann ich denn bringen, um dann die Story drumherum zu bauen.
Florian Bayer: Ich muss schon wieder widersprechen, die Plottwists sind nicht das Problem von Shyamalan. Die Filme, die ich von ihm noch am ehesten mag, das waren die nach The Sixth Sense und da war er wirklich der Plottwist-Guy. Das war Unbreakable, das war Science, das war The Village. Aber danach sowas wie The Happening oder Avatar oder After Earth oder auch Split und Glass, das sind keine Plot Twist Filme. Das sind dumme Filme, aber das sind keine Plot Twist Filme. Und dieses Plot Twist Ding, ja, das hat er eine Zeit lang mit sich rumgeschleppt und das hat er auch versucht zu erfüllen, diese Erwartungshaltung. Aber das war die Zeit, in der er nicht so richtig schlecht war. Richtig schlecht wurde er, als er das hinter sich gelassen hat. Und wenn wir uns zum Beispiel The Happening anschauen, da gibt es ja auch, gibt es keinen richtigen Plot Twist, aber es gibt ja diese Erkenntnis irgendwann in der Mitte des Films, relativ früh. Oh, die Pflanzen sind verantwortlich. Aber das ist nicht das Problem von diesem Film. Das sind zehn andere Probleme. Oh Gott, dieser Film ist so schlecht. Du hast Death & Ingen gesehen, oder?
Johannes Franke: Ja, aber es ist lange her. Das ist schon krass. Ich weiß es nicht mehr.
Florian Bayer: Nein, es ist wirklich krass. Wir mögen ja beide Filme und so. Es ist wirklich krass.
Johannes Franke: Ich muss es einfach wieder gucken.
Florian Bayer: Es tut einfach weh. Also wirklich. Na gut. Sie haben diese... Ehekrise. Und am Schluss stellt sich heraus, dass es um Essen ging. Wir reden über Essen für mich. Wir reden nicht über Happening. Sie war mit irgendjemand anderem Torte essen oder so. Das ist... Und dann diese Zwingli-Morg-Morlberg-Bitte-Pflanze-Rede. Wir reden über The Sixth Sense. Und die alte Frau. Nicht über Happening. Top 3. Konzentrier dich. 3.
Johannes Franke: Ah, wir haben eine Top 3. Du hast dich jetzt geflüchtet damit. I see dead people. Ja, also das hat sich natürlich angeboten, oder? Top 3,
Florian Bayer: I see dead people. Der Meme des Films. Genau. Auch oft parodiert. Ja.
Johannes Franke: Und wer fängt an? Du musst anfangen, glaube ich.
Florian Bayer: Ich muss anfangen. Platz 3. Peter Jackson in den 90ern auf seinem Weg zwischen vom Indie-Horrorfilm mit wirklich krassen Splatter-Sachen zum ernsthaften Blockbuster-Regisseur. Sprich, nach Meet the Feebles und Brain Dead. Vorher der Ringe, The Frighteners aus dem Jahr 1996 mit Michael J. Fox, der mit Geistern zusammenarbeitet, um böse Geister zu besiegen. Vielleicht der bessere Ghostbusters. Großartiger Film, macht echt Spaß. Michael J. Fox in Höchstform. Tolle Geistererscheinungen, tolle Special Effects, obwohl das Budget gar nicht so hoch war. Kein großer Erfolg. Peter Jackson macht einfach einen verdammt guten, unterhaltsamen Film. Schön. Ich habe The Threateners nie richtig gesehen, glaube ich. Solltest du. Ja. Also ich habe Ausschnitte darüber gesehen, weil natürlich, also es ist Peter Jackson. Aber ich habe auf Platz 3, ich habe die üblichen Verdächtigen auf meinen Plätzen,
Johannes Franke: muss ich sagen. Ich habe The Shining.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also sie haben das Shining und das Shining befähigt sie dazu, tote Menschen zu sehen.
Florian Bayer: Danny, spiel mit uns. Für immer. Und immer.
Johannes Franke: Und immer. Ja, die Zwillinge, die da stehen und so. Und ein Haufen groteske tote Menschen am Ende auch, die dann auch die Frau seltsamerweise sieht und so. Darüber haben wir wahnsinnig lange über The Shining geredet. Ich glaube, ich verrate nicht zu viel, wir lieben diesen Film, wir finden ihn wahnsinnig gut. Aber es gibt so Dinge, über die man dann reden muss und unter anderem eben tatsächlich über diese ganzen Toten, die man dann... am Ende dann doch sieht auch.
Florian Bayer: Mein Platz 2, ein bisschen so fast schon so eine Art Vorläufer von The Sixth Sense, weil es auch um das Thema Tod geht und eine Frau, die nicht weiß, dass sie tot ist, Fragezeichen. Carnival of Souls aus dem Jahr 1962, Tanz der Toten Seelen hieß er in Deutschland, von Herc Harvey mit einem Mini-Budget gedreht von gerade mal 30.000 Dollar. Und irgendwie so eine ganz merkwürdige Mischung aus B-Movie. Aber für einen B-Movie viel zu ernst und viel zu düster und viel zu philosophisch. Eine Frau hat einen Unfall und kommt irgendwie davon und es wird nicht genau erklärt, warum. Und von dem Moment an wird sie von Untoten verfolgt. Und alle verwandeln sich in ihrem Umfeld in irgendwie so merkwürdige Zombies, die gruselig sind. Und es gibt dann, es ist nicht wirklich ein Plot, weil es bleibt so vage, sie hat Kontakt mit Menschen, aber diese Menschen werden dann auch zu diesen Geistererscheinungen und so weiter und am Schluss sehen wir, dass sie mutmaßlich diesen Unfall nie überlebt hat und quasi das. sterbend halluziniert oder wie auch immer oder dass sie selbst ein Geist ist. Großartiger, spannender Film und niedriges Budget. Irgendwie so ein klassischer Midnight-Movie-Film, der aber deutlich mehr ist als einfach nur ein B-Movie.
Johannes Franke: Man muss dazu sagen, 30.000 damals wären heute so 300.000. Also 300.000.
Florian Bayer: Wenig Budget.
Johannes Franke: Es ist trotzdem ein großer Unterschied. Zwischen 30.000 und 300.000 liegen ungefähr 300.000. Also 270.000, aber das ist... Durchaus noch ein Unterschied. Aber sehr, sehr wenig Budget, weil wenn wir das auf die Budgets gucken, die wir heute so haben, gerade in Hollywood, da ist ja ein Film, der 40 Millionen kostet, geradezu lächerlich. Ich habe auf Platz 2, habe mich wieder rausgewagt, in eine Serie. Oh. Britische Serie, Ghosts.
Florian Bayer: Nicht Doctor Who?
Johannes Franke: Nicht Doctor Who.
Florian Bayer: Aber in Doctor Who gibt es auch Geister.
Johannes Franke: Ganz viel, ganz viel. Ich hätte auch ganz viele Episoden da. Ich hätte die ganze Folge, ich hätte die ganze Top 3 nur mit Doctor Who zu knallen können. Aber nein, es ist Ghosts. Ghosts handelt von einem Pärchen, das frisch in einem großen Haus ankommt, also einer Art Manor, wie man es nennen würde in England. Und dort sind über die Jahrzehnte, Jahrhunderte und sehr, sehr lange seit den Neandertalern sehr viele Menschen gestorben. Und auch Menschen gestorben, die dort unerledigte Dinge oder die irgendwie, wie man so sagt, dass Geister entstehen, dass sie da bleiben. Und es ist aber eine Comedy-Serie. Ist eine Art Sitcom. Und die Hauptfigur fällt aus dem Fenster, überlebt das knapp, ist aber so nah an den Toten dran gewesen, dass sie ab jetzt die Toten sehen kann. Ihr Partner allerdings sieht die nicht. Das heißt, am Anfang versucht sie das zu verheimlichen, dann kriegt er das irgendwie mit und sie steht dann da, redet in die Luft mit einer Gruppe von... sechs, sieben, acht Geistern, die alle auf sie einreden, was sie denn machen soll für sie, weil sie keinen Einfluss mehr haben. Und dann versuchen sie als Instrument für die wahre Welt zu nehmen, damit sie Sachen für sie machen. Und das ist ziemlich geil. Also es ist sehr, sehr lustig und sehr, sehr gut gemacht.
Florian Bayer: Klassisches Sitcom-Setup, so mit einer fixen Kameraperspektive und Dosengelächter? Es ist kein Dosengelächter dabei. Nein,
Johannes Franke: das ist ein relativ modernes Sitcom.
Florian Bayer: Bewegliche Kamera?
Johannes Franke: Bewegliche Kamera und auch gut ausgeleuchtet und schön gemacht und so. Okay,
Florian Bayer: cool. Das klingt interessant. Wow, fünf Staffeln. Wahnsinn.
Johannes Franke: Jaja. Und es gibt eine amerikanische Version und eine deutsche Version. Die kann ich nicht empfehlen. Die britische ist wirklich richtig gut.
Florian Bayer: Die britische Version. Okay. Das Original. Alles klar. Die kommt auf jeden Fall mal auf die Liste. Mein Platz 1 Horror. Martyrs von Pascal Logier. Ich hab dich irgendwann an Halloween in einer unserer berühmten Halloween-Horror-Episoden da mitgequält. Ein französischer Horrorfilm aus dem Jahr 2008, wo die toten Menschen die unsere Protagonistin sehen kann, tatsächlich nicht wirklich existieren, sondern nur Geschöpfe ihrer Fantasie sind und zwar ausgelöst durch ein Trauma, das sie als Kind hatte. Ein wirklich harter, brutaler Horrorfilm der New French Extremity. Man muss wissen, worauf man sich einlässt, weil es ist wirklich ein harter und schwer zu ertragener Film, aber meiner Meinung nach einer der besten Horrorfilme der 2000er Jahre.
Johannes Franke: Und ich mag Horrorfilme eigentlich nicht und ich habe so meine Probleme damit, aber ich fand den am Ende, auch wenn er wahnsinnig anstrengend war und ich ihn nie wieder sehen möchte. Echt ganz gut.
Florian Bayer: Ich weiß, ich war total schockiert.
Johannes Franke: Ja, krass. Ja, hört euch die Episode an. Wenn ihr euch sowieso keine Horrorfilme anschaut, könnt ihr euch die Episode dazu einfach anhören, ohne ihn gesehen zu haben. Aber wenn ihr Horrorfilme mögt, dann guckt euch erst den Film an, dann hört ihr die Episode dazu. Ich habe auf Platz 1 The Others. Natürlich. I see dead people und ich weiß nicht, dass ich selbst dead people bin. Das Sixth Sense Ripoff? Vielleicht, weiß ich nicht genau. Aber großer Spoiler, großer Spoiler. So viel möchte ich nicht dazu sagen. Nicole Kidman mit zwei Kindern in einem großen Haus, es ist großartig. Es ist wirklich ganz, ganz toll und ein ganz toller Plot Twist.
Florian Bayer: Haben wir gerade am Anfang dieser Episode unser Publikum vor Spoilern, vor das Sixth Sense gewarnt und dann unvermittelt in der Top 3 sechs Filme rausgehauen, die wir... absolut zerspoilert haben. Ach, fuck. Wir sind so schlechte Menschen.
Johannes Franke: Dschengel. Das war unsere Okay, wieder zurück. In unserem Film The Sixth Sense haben wir noch große Baustellen, die wir aufmachen wollen? Eigentlich nicht.
Florian Bayer: Nein.
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Dieser Film war eine Sensation, dieser Film ist eine Sensation. Er hat extrem viel Geld eingespielt und vor allem war es einer der großen Mund-zu-Mund-Propaganda-Filme. Der hatte einen Achtungserfolg beim Startwochenende, 25 Millionen glaube ich, was irgendwie gut ist, was absolut ein gutes Ergebnis ist, womit alle zufrieden sind. Und dann geht man davon aus, dass die Zahlen deutlich runtergehen am Box-Office, dass es deutlich weniger Publikum gibt und das ist bei diesem Film nicht passiert.
Johannes Franke: Der ist so reingecreept noch weiter in die Zuschauerschaft und hat echt... viele, viele Leute in die Kinos geholt.
Florian Bayer: Und das war wirklich, ich kann mich daran erinnern, das war so, du hast gehört, musst du Sixth Sense sehen. Du warst im Kino und hast zu irgendjemand anderem gesagt, du musst das Sixth Sense leben.
Johannes Franke: Leute haben sich aber auch wirklich zusammengerissen, anderen nicht zu sagen, was der Plottwist ist. Was echt geil ist. Man wirklich anderen sagt, vertrau mir einfach, du musst diesen Film sehen. Und das war eine Zeit, wo auch nicht mit Internet und so das alles irgendwie schon rumzirkulierte. Und du, wenn der Film rauskommt, im Grunde drei Wochen lang von Twitter wegbleiben musst, damit du nicht über irgendwas stolperst. Ja,
Florian Bayer: heute wäre das schwieriger mit diesem Plottwist-Film.
Johannes Franke: Das ist im Grunde wie bei Blair Witch Project, da haben auch alle einfach gesagt, Alter, den musst du sehen. Und dann irgendwie, ich habe damals gehört, da haben die echt gefunden, da gibt es eine Webseite, da wird das alles erklärt. Und so, als Webseiten noch nicht so wahnsinnig groß waren, wo das noch so ein Mysterium war, das Internet.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ja, es war krass. Das ist eine gute Zeit dafür gewesen. Also er hat auch die gute Zeit dafür abgepasst.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: So und wir öffnen unser Muss-Man-Sehen-Universum und geben anderen Podcasts, die vielleicht über den gleichen Film gesprochen haben oder eine Meinung dazu haben, ein kleines Forum von so zwei, drei Minuten, dass sie uns sagen können, wie sie den Film fanden.
Florian Bayer: Wir brauchen auf jeden Fall einen Jingle dafür. Jingle. Er hat 672 Millionen eingespielt am Boxoffice. Krass, scheiße. Er war nominiert für sechs Oscars. Krass. Unter anderem bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch, bester Nebendarsteller, bester Nebendarstellerin und bester Schnitt hat keinen einzigen gewonnen.
Johannes Franke: Ja, es war ein starkes Jahr, muss man auch sagen. American Beauty war, glaube ich, im letzten Jahr.
Florian Bayer: American Beauty hat in diesem Jahr abgeräumt. Und es war auch eine Zeit, in der Genre-Filme bei den Oscars meistens leer ausgegangen sind.
Johannes Franke: Schade.
Florian Bayer: Ich würde behaupten, Sam Mendes hat für die beste Regie gewonnen.
Johannes Franke: Und fürs Drehbuch, glaube ich.
Florian Bayer: Und ich finde, das ist auch irgendwie verdient. Ich würde behaupten, dass ich bester Film, aber das ist auch so ein bisschen Hindsight, weil American Beauty meiner Meinung nach nicht so gut gealtert ist, würde ich behaupten, dass Sixth Sense hat ihn eher verdient. Vielleicht.
Johannes Franke: Aber dann wäre er noch cockier geworden.
Florian Bayer: Ja. Aber es hätte keine große Rolle gespielt. Die beste Nebendarstellerin hat Angelina Jolie in Girl Interrupted gewonnen. Auch vollkommen zu Recht. Aber vielleicht auch hier, würde ich sagen, war Toni Collette. Stück stärker und lieber Haley Joel Osment gegen Michael Kane zu verlieren als Nebendarsteller ist keine Schande.
Johannes Franke: Nein, überhaupt nicht.
Florian Bayer: Aber Haley Joel Osment, war er ein One-Hit-Wonder? So ein bisschen, oder? Tja,
Johannes Franke: weiß nicht. Vielleicht, vielleicht. Nee, der hat ja AI, wie heißt das? Der Film hieß ja AI, ne? Ja, ja,
Florian Bayer: Film war AI. Oh Gott, hat der in AI genervt.
Johannes Franke: Ja, wirklich? Ach, ich weiß es nicht. Also nicht er,
Florian Bayer: sondern ich mag Haley Joel Osment. Ich finde ihn super sympathisch. Das ist ja auch jemand, der so mit sehr viel Humor und sehr reflektiert auf die Zeit zurück zurückblickt, als er seine große Karriere hatte. Er hat Filme gedreht danach. Er war kurz so der neue Jungstar. Aber das hat sich dann auch sehr schnell verspielt. AI war seine zweite große Rolle. Ansonsten noch das Glücksprinzip mit Kevin Spacey.
Johannes Franke: Sein Problem war, dass er nicht mit Michael Jackson befreundet war.
Florian Bayer: Das war nach Michael Jackson. Damals war es eher karrierehinderlich, mit Michael Jackson befreundet zu sein. Aber ansonsten hat er halt sowas gemacht wie die Stimme von Mowgli in Dschungelbuch 2.
Johannes Franke: Ach, okay.
Florian Bayer: Sehr viele Indie-Filme, sehr viele Serien. In The Boys habe ich ihn das letzte Mal bewusst nochmal wahrgenommen. In dieser abgefuckten Superhelden-Satire auf Amazon läuft die, glaube ich. So eine schwarzhumorige Serie, wo Superhelden Köpfe platzen lassen und sehr böse sind.
Johannes Franke: Dabei hatte sein Vater so viel Hoffnung für ihn.
Florian Bayer: Dieser Vater.
Johannes Franke: Haley Jill Osment hat während dieser Zeit immer von uns gesprochen.
Florian Bayer: Von mir. Wie krass ist das so schrecklich.
Johannes Franke: Dieses Drehbuch hat uns begeistert. Meint sich und seinen Vater.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also wirklich, wie krass ist das denn, die ganze Zeit nur im Plural zu reden, weil man sich so als Einheit sieht. Also ich weiß nicht, ob das gesund ist.
Florian Bayer: Absolut schräg. Er hat, vielleicht auch er hatte nach diesem großen Hit, hatte er einfach viele kleine Rollen und viele kleine Geschichten. Auch so ein paar Indie-Filme und Serien und ich glaube, der kommt ganz gut über die Runden. Ja,
Johannes Franke: genau.
Florian Bayer: Aber er konnte das nicht reproduzieren.
Johannes Franke: Ja. Ich meine, sowieso, das, was du als Kind machst, kannst du als Erwachsener sowieso gar nicht reproduzieren, weil sich einfach so viel verändert bei dir. Also egal, wie viel schauspielerisches Talent du als Kind hast, du hast das als Erwachsener nicht im geringsten so. Du musst dir ganz anders Sachen erarbeiten als als Kind.
Florian Bayer: Ja, die Geschichte könnte an der Stelle enden, weil er hatte wirklich eine nette Karriere und alles witzig und so weiter. 2025 wurde er verhaftet in einem Skiresort, anscheinend wegen dem Besitz von illegalen Drogen. geschenkt. Es gibt Video Aufzeichnungen von ihm. In der Verhaftung, weil er sich darüber aufregt, warum er verhaftet wurde. Und offensichtlich hat er dabei, bei dieser Aufregung, auch wie viele andere Stars leider, einige Meinungen zum Judentum rausgelassen, die nicht so nett sind. Oh fuck.
Johannes Franke: Mach mir doch den Kleinen nicht kaputt.
Florian Bayer: Was soll denn das? Er hat sich danach dafür entschuldigt.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Aber er hat wohl den Vor allem den Police Officer, der ihn verhaftet hatte, ziemlich hart antisemitisch beleidigt. Scheiße. War wegen der Geschichte dann vor Gericht auch und geht jetzt zu den anonymen Alkoholikern und besucht einen Therapeuten und vielleicht wird auch alles gut. Insofern, geschenkt. Ich möchte über diesen Film noch was sagen. Ja.
Johannes Franke: It's better than cats. Bitte, dein Auftritt. Es gibt ein SNL-Sketch, Saturday Night Live. Die gibt es ja auch schon ewig. Und da gab es ein Sketch, wo einfach, weil alle Cats irgendwie so abhaten. Es ist ein Volksspot geworden zwischendurch.
Florian Bayer: Es gibt ja, es gibt ein Original dazu. Es gibt dieses, es gibt von irgendeinem Musical gibt es diese tatsächlich das, wo sie eine Frau draußen interviewen und sie ganz enthusiastisch sagt, it's better than Cats. geil.
Johannes Franke: Und dann hat SNL das aufgegriffen und macht einen ganzen Sketch dazu, wo alle immer sagen, it's better than cats, it's better than cats.
Florian Bayer: Das ist einfach zu Meme geworden.
Johannes Franke: Und dass das hier in diesem Film aufgegriffen wird, weil der Kleine irgendwann sagt, ach, mein Mitschüler hat gesagt, das ist alles scheiße, was wir hier auf der Bühne machen, weil die ihre Schulaufführung da haben. Und Bruce Willis dann sagt, nein, ich fand's großartig, ist ganz toll. Es ist better than cats. Und das ist so ein So ein seltsamer Gag ist, der so in dieser Zeit verhaftet ist.
Florian Bayer: Was diesen Film wirklich auszeichnet, ist, dass er im Gegensatz zu allen anderen Filmen von M. Night eigentlich kein richtig unfreiwillig komisches Moment hat.
Johannes Franke: Ah, ja,
Florian Bayer: ja. Dass er sich sehr oft awkward anfühlt, aber diese Awkwardness die ganze Zeit passt.
Johannes Franke: Total, absolut. Ich muss sagen, M. Night Shyamalan bin ich immer bereit zu verteidigen. Und das nur auf Grundlage offensichtlich dieses Films. Und vielleicht noch ein bisschen von Unbreakable. Weil Unbreakable fand ich wirklich gut. Unbreakable ist absolut okay. Und dass dieser Film hier so gut ist, dass er es schafft, mich davon zu überzeugen, diesen Regisseur auch in die düstersten Ecken hinein zu verteidigen, das muss man sagen. man erstmal schaffen. Und das bei mir. Der sich quasi ein Filmkritiker-Podcast ans Bein genagelt hat. Das ist schon eine Leistung.
Florian Bayer: Ich glaube, es ist einfach ein merkwürdiger Moment von er hat einmal alles richtig gemacht und danach die Karriere von M. Night Shyamalan schwankt so zwischen solide und Vollkatastrophe, was Filme betrifft. Und er hat aber einmal einmal hat er wirklich ein Meisterwerk gemacht. Ich finde also, dass Sixth Sense hat ja auch so dieses ganze Mystery-Geister-Genre neu belebt. Ja. Absolut zu Recht. Ich finde, dass Sixth Sense ist ein großartiger Gruselfilm, ein großartiges Drama.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Mit den ganzen Sentimentalitäten ist es okay, nehme ich.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und vor allem ist es wirklich, und dafür ist er vollkommen zu Recht in die Filmgeschichte eingegangen, er hat einen unglaublich guten Plot Twist. Nicht nur, was den Plot Twist selbst betrifft, sondern was die ganze Hinarbeitung betrifft.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und wie gesagt, vielleicht der beste Plotwist der Filmgeschichte.
Johannes Franke: Ja, vor allem, weil man den Film eben ein zweites, drittes Mal gucken kann und dann ein ganz anderes, schönes Seherlebnis hat.
Florian Bayer: 85% Rotten Tomatoes. Unbreakable hat 68%. Science 74%, was ich nie verstehen werde. Science ist so ein schlechter Film. The Village 43%. Das Mädchen aus dem Wasser 24%. Dabening 17%. Und dann kam Avatar mit 6%. Das musst du erstmal schaffen. Bei Rotten Tomatoes. Und ich hab die alle gesehen. Fuck,
Johannes Franke: aber er hat so viel Geld für irgendwelche Studios eingewirtschaftet. Der hat einfach also, der kriegt auch immer wieder was.
Florian Bayer: Sehr viel Liebe für M. Night Shyamalan, aber auch ein bisschen Ärger. Ich glaube, wenn er jemanden an der Seite hätte, dem er seine Ideen pitcht und der sagt, okay, und jetzt machen wir ein gutes Drehbuch dazu und finden einen guten Regisseur, der das umsetzt, dann wären das fantastische Filme, weil die Ideen sind alle toll. Ja,
Johannes Franke: da glaubst du nicht, dass er sich das aus der Hand nehmen lässt.
Florian Bayer: Und das ist wirklich schade. Und da bin ich auch ein bisschen sauer auf ihn, weil er wirklich gute Ideen hat. Und wirklich schöne Ideen.
Johannes Franke: Aber würdest du deine Ideen einfach nur irgendwelchen Leuten pitchen und sagen, ihr macht mal?
Florian Bayer: Wenn die Kohle stimmt, klar, warum nicht?
Johannes Franke: Alter, man hat doch auch einen eigenen kreativen Bedürfnis. Ja,
Florian Bayer: aber ich weiß, dass ich kein guter Regisseur bin. Ich hatte keinen Bock, Regie zu führen. Ich glaube, damit bin ich durch. Und Drehbuch schreiben. Ich weiß, da gibt es auch Leute da draußen, die deutlich besser sind. Sprich, wenn ich eine Idee hätte... Ja,
Johannes Franke: aber darum geht es doch nicht. Du kannst doch nicht nur sagen, ja, es gibt Leute, die besser sind als ich. Dann würde keiner mehr was machen.
Florian Bayer: Nee, aber pass auf. Wenn du eine Idee hast für eine geile App, dann fängst du auch nicht an, die zu programmieren, sondern suchst dir jemanden, der das kann.
Johannes Franke: Das stimmt ja nicht. Nein, Plur. Du bist ja berühmtermaßen in diesem Haushalt inzwischen.
Florian Bayer: Der Vibe-Coder.
Johannes Franke: Der Vibe-Coder, der hier alles Mögliche... Du hast angefangen, ein Siedler-Dingens oder Siedler ist das.
Florian Bayer: Und deswegen sage ich, in unserer Zeit, wenn M. Night Shyamalan...
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: eine beliebige AI mit seinen Ideen gefüttert hätte, wäre was Besseres rausgekommen als bei seinen Filmen.
Johannes Franke: Oh nein. Außer bei The Sixth Sense. Ich kann mir vorstellen, dass M. Night Shyamalan einer ist, der am Ende tatsächlich, wenn das AI-Zeug soweit ist, das einfach schamlos nutzt. Ich glaube, M. Night Shyamalan war schon der AI, bevor es AI gab.
Florian Bayer: Okay, das ist ein guter Schlusssatz. Vielen Dank, Floor,
Johannes Franke: für diese wundervolle Episode. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Danke,
Florian Bayer: dass du mir den schon gegeben hast. Total toll. Ich habe mich echt gefreut, ihn wiederzusehen. festgestellt, er ist echt gut gealtert und er macht noch genauso viel Freude, auch wenn man den Cloth Twist kennt, wie damals.
Johannes Franke: Wenn ihr wissen wollt, was wir nächste Woche besprechen, dann bleibt noch einen Moment dran. Wir spielen nochmal den Jingle ein für euch, weil ihr ihn so liebt und dann dürft ihr uns zuhören, wie wir uns darüber einigen, was wir nächste Woche besprechen. Ich bin dran.
Florian Bayer: Du kannst dem nicht entkommen. Oh nein, er guckt schon so böse. Bis dahin, ciao. Bis dann, ciao. So, Plur, du hast da was für mich. Du hast mich jetzt mit M. Night Shyamalan nicht gequält, weil es war ja wirklich ein guter Film von ihm. Ja. Aber trotzdem hast du mich dazu gezwungen, mich wieder mit ganz vielen schlechten Filmen auseinanderzusetzen. Okay. Deswegen gebe ich dir für nächste Woche einen Film, der keinen guten Ruf hat.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und der auch kein Meisterwerk ist.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Aber meiner Meinung nach besser als sein Ruf und ich glaube, die Hintergrundgeschichte ist voll spannend und witzig und interessant.
Johannes Franke: Wir sind schon der Muss-man-sehen-Podcast. Ja,
Florian Bayer: ich glaube, das ist ein Kulturgut, ein amerikanisches Kulturgut, das man gesehen haben sollte. Oder zumindest kennen sollte. Und vor allem, weil dieses Jahr ein Remake kommt, auf das ich mich wirklich freue.
Johannes Franke: Ist dieses Jahr ein Remake davon? Jetzt muss ich überlegen, was es da gibt.
Florian Bayer: Die Rede ist von... Spaceballs kriegt eine Fortsetzung, was auch schon geil ist. Die müssen wir eigentlich auch gucken. Masters of the Universe. Aus dem Jahre 1987. Mit... Dolph Lundgren als He-Man, der Mann, der Pronomen benutzt hat, bevor es die Vogue-Kultur getan hat. Und Frank Langella als Skeletor, als der Mann mit der Skelettmaske. Sagt mir alles nichts. Deinen Blick entnehme ich. Masters of the Universe, He-Man.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: das war das Mattel-Spielzeug nach Barbie. Das habe ich noch mitbekommen. Jetzt machen wir auch was für Jungs. Tolle Hintergrundgeschichte, total spannend. Und der Film ist natürlich irgendwie auch Rotz, aber der Film ist besser als sein Ruf, glaube ich. und der Film hat... hat einiges zu bieten. Aber ja, natürlich, wir steigen tief hinab wieder mal ins 80er Jahre B-Movie-Action-Kino. Ich hab so viel Bock da drauf.
Johannes Franke: Also ich mochte ja auch das, was wir bis jetzt an 80er Jahre Schrott gemacht haben. Ich fand es ja schon sehr unterhaltsam.
Florian Bayer: Ich glaube, du wirst Spaß mit diesem Film haben. Ich bin sehr gespannt, vor allem, wie sich die Männlichkeitsbilder aus diesem Film gehalten haben. Oh nein,
Johannes Franke: oh nein.
Florian Bayer: Und ich bin sehr gespannt, jetzt gucke ich mal ganz kurz, wann das Remake rauskommt. Ich glaube, Das kommt nicht pünktlich raus für unsere Episode, dass wir das auch gucken können. Ah, der 5. Juni 2026. Das heißt, es liegt in der Zukunft. Wir werden nichts groß zum Remake sagen können, außer Trailer. Wir sind kurz davor. Wir sind wirklich kurz davor.
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Vielleicht gibt es hier einen Leak. Aber es ist auch gar nicht so wichtig. Ich möchte mit dir ganz viel über Spielzeug reden, weil ich habe damals mit He-Man-Figuren gespielt. Okay. über Dosh Lundgren und seine Muskeln. Okay. Seine Muskeln. Das wird ein großer Punkt in unserem Podcast. Und darüber, warum Filme, die eigentlich nicht gut sind, trotzdem genial sein können.
Johannes Franke: Okay,
Florian Bayer: na gut. Bis dahin.
Johannes Franke: Bis dann. Ciao.
