Episode 90: Manos: The Hands of Fate – Einer der schlechtesten Filme aller Zeiten
Ihr müsst jetzt alle kurz ganz stark sein. Ich habe Johannes nämlich für den Beginn dieser Episode zum Schweigen verurteilt. Ich habe ihn gebeten, Regie übernehmen zu dürfen. Und die Einführung alleine zu machen.
Also erst mal die allgemeinen Eckpunkte für alle, die hier zum ersten Mal reinhören. Das Konzept unseres Podcasts ist wie folgt: Für jede Episode kriegt einer von dem anderen ne kleine Hausaufgabe in Form eines Films auf. Frei nach dem Motto: Den musst du sehen. Und in der jeweiligen Episode reden wir dann über den Film, tauschen Informationen aus, reden über den Kontext des Films, seine Bedeutung und streiten uns ordentlich über dessen Qualität.
Diese Woche war ich der Hausaufgabengeber und ich habe Johannes den Film als Youtube-Link in folgender Mail geschickt:
Ich zitiere:
So hier meine Hausaufgabe für Dienstag, die du wirklich unvoreingenommen, unbeeinflusst von filmhistorische Fakten sehen solltest.
Daher gebe ich dir nur diese Rahmeninfos mit auf den Weg:
Es handelt sich dabei um einen Vertreter der sog. Last Roughness. Bezeichnet werden damit surreale, experimentelle unkonventionelle Produktionen aus dem Low Budget Bereich Mitte der 60er Jahre, die sehr bewusst gegen filmische Konventionen verstoßen und als Vorläufer des New Hollywood gelten (Auf das filmtheoretische Werk dieses Regisseurs „Weapons against the Aristotelian unities“ werde ich bestimmt in unserer Besprechung eingehen).
Aber wie gesagt, am besten nicht so viel über den akademischen Background nachdenken, sondern einfach genießen. Speziell, aber wegweisend.
Was ich Johannes mit diesen Worten – die ich mir komplett aus den Fingern gezogen habe – aufgegeben habe, ist Manos – The Hands of Fate aus dem Jahr 1966. Ein Film, der eigentlich nur aufgrund von Großmäuligkeit und einer albernen Wette entstanden ist. Und ein Film, der von seinem Regisseur bereits nach der Premiere als womöglich schlechtester Film aller Zeiten bezeichnet wurde… und in der Folgezeit nicht nur von ihm.
Spoiler, zumindest wenn man nach dem Review-Score auf Rotten Tomatoes geht, ist er was Schlechtigkeit betrifft nur auf Platz 2; immer noch geschlagen von Ed Woods Plan 9 from Outer Space.
Aber, genau wie dieser ist er meiner Meinung nach ein Film, den man absolut gesehen haben muss. Praktisch eine Blaupause für Filmstudierende, vor welchen klassichen Fehlern man sich in Acht nehmen muss. Hier sind sie alle vorhanden, mitunter wirklich so, als wäre der Film fürs Lehrbuch gemacht.
Und in diesem Sinne. Lasst uns mal wieder dem Trash huldigen. Lasst uns schauen, was hier alles wie schief läuft. Lasst uns analysieren und ein wenig Spaß haben. Und damit genug der einleitenden Worte. Johannes, your turn.
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 90: Manos: The Hands of Fate – Einer der schlechtesten Filme aller Zeiten Publishing Date: 2022-09-22T08:29:45+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/09/22/episode-90-manos-the-hands-of-fate-einer-der-schlechtesten-filme-aller-zeiten/
Florian Bayer: Ah, ihr habt nichts gelernt, außer dass ich dir nicht trauen darf. Es ist auch so ein bisschen so ein Rätsel, man hält diesen Film neben 2001 Odyssee im Weltraum und sagt, dann finde die 10 Fehler. Finde die 10 Unterschiede. Hallo und herzlich willkommen zum Muss man sehen Podcast. Leute, ihr müsst jetzt alle kurz ganz stark sein. Ich habe Johannes nämlich für den Beginn von dieser Episode zum Schweigen verurteilt. Ich habe ihn gebeten, das Regizepte übernehmen zu dürfen und die Einführung alleine zu machen. Also erstmal ganz kurz zu den allgemeinen Eckpunkten von unserem Podcast für alle, die hier zum ersten Mal reinhören. Das Konzept ist wie folgt. Für jede Episode kriegt einer von dem anderen eine kleine Hausaufgabe in Form eines Films auf. Frei nach dem Motto, den musst du sehen, der wird deinen Horizont erweitern. Und in der jeweiligen Episode reden wir dann über den Film, tauschen Informationen aus, reden über den Kontext, seine Bedeutung und so weiter und so fort. Und meistens streiten wir auch ein bisschen über seine Qualität oder Möglichkeiten der Interpretation. Diese Woche war ich der Hausaufgabengeber und ich habe Johannes den Film als YouTube-Link per Mail geschickt. Und zwar mit folgenden Worten. Ich zitiere. So, hier meine Hausaufgabe für Dienstag, die du wirklich unvoreingenommen, unbeeinflusst von filmhistorischen Fakten sehen solltest. Daher gebe ich dir nur diese Rahmeninfos mit auf den Weg. Es handelt sich dabei um einen Vertreter der sogenannten Last Roughness. Bezeichnet werden damit surreale, experimentelle, unkonventionelle Produktionen aus dem Low-Budget-Bereich. Mitte der 60er Jahre, die sehr bewusst gegen filmische Konventionen verstoßen und als Vorläufer des New Hollywood gelten. Auf das filmtheoretische Werk dieses Regisseurs Weapon Against the Aristotelian Unities werde ich bestimmt in unserer Besprechung eingehen. Aber wie gesagt, am besten nicht so viel über den akademischen Background nachdenken, sondern einfach genießen. Speziell, aber wegweisend. Zitat Ende. Was ich Johannes mit diesen Worten, die ich mir, by the way, komplett aus den Fingern gezogen habe, aufgegeben habe, ist Manos. The End of Fate aus dem Jahr 1966. Ein Film, der eigentlich nur aufgrund von Großmäuligkeit und einer albernen Wette entstanden ist. Und ein Film, der von seinem Regisseur bereits nach der Premiere als womöglich schlechtester Film aller Zeiten bezeichnet wurde. Und in der Folgezeit nicht nur von ihm. Spoiler. Zumindest wenn man nach dem Review-Score auf Rotten Tomatoes geht, ist der was Schlechtigkeit betrifft nur auf Platz 2. Immer noch geschlagen von Atwoods Play 9 from Outer Space. Aber genau wie dieser ist er meiner Meinung nach ein Film, den man absolut gesehen haben muss. Und ich glaube, wir werden in dem Gespräch so nach und nach darauf kommen, warum. Ich glaube, das ist einer der wichtigsten Filme für alle, die Film studieren. Und um einmal so einen großen Bogen zu schlagen, was kann man alles falsch machen? Und auf welche Fehler sollte man unbedingt verzichten? Es ist wirklich fast wie eine Blaupause für ein Filmseminar. Achtung, achtet darauf. Achtung, achtet darauf. Macht dies nicht, tut das nicht. Hier ist wirklich alles von diesen Fehlern vorhanden. Als wäre der Film fürs Lehrbuch gemacht. Und in diesem Sinne. Lasst uns mal wieder dem Trash huldigen. Lasst uns schauen, was hier alles schief läuft. Lasst uns analysieren. Und vor allem lasst uns ein wenig Spaß haben. Und damit genug der einleitenden Worte. Johannes, bitte.
Johannes Franke: Ah, warum? Du bist so. Okay, also. Lasst uns einigermaßen ernsthaft über dieses Machwerk reden.
Florian Bayer: Du hast ihn tatsächlich komplett unbeeinflusst gesehen, aber du hast dich sehr schnell getrollt gefühlt. Hast du vorhin so ein bisschen durchscheinen lassen.
Johannes Franke: Naja, also die Genesis meiner Erkenntnis ging doch recht lang insgesamt. Aber ich habe halt irgendwann gemerkt, dass ich aufgegeben habe und habe auch festgestellt, ernst meinen kann das schon nicht mehr. Obwohl ich es sehr lange gebraucht habe, weil ich muss dazu sagen, dass wirklich sehr viele Sachen passiert sind, die du in der ein oder anderen Version eines anderen Films schon mal verteidigt hast.
Florian Bayer: Ja, und darauf müssen wir auf jeden Fall auch zu sprechen kommen, warum Jump Cuts in diesem Film zum Beispiel nicht funktionieren oder ein Bruch der klassischen 180 Grad Regel. Ich glaube, für uns als Filmschaffende, wir haben ja beide damit zu tun, ist es glaube ich wirklich spannend, sowas zu sehen. Also vielleicht ist das hier auch unsere große Meta-Episode, weil wir nicht nur über das Film schauen reden werden, sondern auch ganz viel über das Film schaffen. Und die Genese selbst des Films ist ja schon so ein Musterbeispiel fürs Film schaffen. Und zwar in dem Sinne, ey Leute, das ist alles viel, viel, viel schwerer, als man so denkt. Bevor wir richtig reingehen, möchtest du Tee, Plur? Sehr gerne. So, hier ein bisschen Zucker. Und darauf vielleicht gleich mal einzugehen, wie ist dieser Film überhaupt entstanden? Es ist nämlich wirklich eine interessante Entstehungsgeschichte. Der Regisseur dieses Films ist Harold P. Warren, der auch die Hauptrolle spielt. Der irgendwie so ein Accountant war oder was hat er gemacht? Der Salesman hat irgendwas verkauft. Er hat Dünger und Versicherungen in Texas verkauft. Und er war aber tatsächlich auch so offensichtlich in Theatern von Austin unterwegs, kannte so ein bisschen die Szene und kannte die Leute. Und vor allem war er Statist für TV-Serien. Aha. Er hat in den 60er Jahren in mehreren TV-Serien Stand-In gemacht oder Walk-On. Und zwar wirklich so diese klassischen Statisten-Rollen, keine Sprechrolle, kurz durchs Bild laufen, wir brauchen dann auch irgendwie Leute. Und zwar kennengelernt hat er bei einer dieser Statisten-Auftritte in der Serie Route 66, den Drehbuchautoren Sterling Silliphant, der unfassbar viel Crime for Television gemacht hat. Der war eine Nummer, ne? Eine große Nummer. Der war eine große Nummer. Der hat also schon, man könnte so sagen, so im Bi-Bereich. Aber damals war alles, was so TV gemacht wurde, Bi-Bereich. Und eben vor allem so Thriller. Naked City ist von ihm Perry Mason, Route 66. Irgendwie alles, was so Crime, Thriller, was in diese Richtung geht. Auf jeden Fall war Harold P. Warren bei der Serie Route 66 Statist. Und wie das halt passieren kann, man kommt ins Gespräch mit Cast und Crew. Und die saßen halt irgendwann mal zusammen im Café. Der Autor Silliphant und der Vertreter für Dünger und Versicherungen, Warren. Und dann haben sie sich über das Filmemachen unterhalten. Und Warren war wohl ziemlich großmäulig und hat halt gesagt, Pff, das kann doch jeder, so einen Horrorfilm zu machen. Das macht man zack, zack, zack. Fertig ist das Ganze. Und dann hat Silliphant gesagt, ach ja, zeig mal.
Johannes Franke: Wir haben gewettet. Oh Gott. So ein blöder Schwanzvergleich. Aber weißt du? Silliphant hat gesagt, du schaffst das nicht. Wenden, dass du das nicht schaffst. Entschuldigung. So weit von der Entstehungsgeschichte.
Florian Bayer: Viele Filme ist es ja nicht weg. Vielleicht. Und dann haben sie gewettet. Und dann hat Warren noch in diesem Café die erste Idee für das Skript auf eine Serviette geschrieben. Und hatte seine Idee und hat dann versucht, hier halt irgendwie diesen Film zu produzieren. Hat von verschiedenen Stellen relativ viel Geld gesammelt für die damalige Zeit. 19.000 Dollar.
Johannes Franke: Ja, was irgendwie 100.000, über 100.000 in der heutigen Zeit wären. Was für einen Independent-Film. Das machen viele Studenten, wenn sie richtig Geld zusammensammeln, auch regelmäßig in Deutschland.
Florian Bayer: Also definitiv. Also es wurden schon große, wirklich gute Filme im Low-Budget-Bereich für weniger Geld gedreht. Ja, das stimmt. Und er hat auch, wie gesagt, er kannte sich so ein bisschen aus in der Theater-Szene und hat da die Leute halt engagiert. Hat halt vor allem SchauspielerInnen da gesucht und gefunden. Und gleich von Anfang hat er gesagt, ich kann nichts bezahlen, aber ihr werdet am Profit dieses Films beteiligt, wenn da irgendwas dabei rumkommt. Was auch im Low-Budget-Bereich durchaus üblich ist. Das kennt jeder heute.
Johannes Franke: Also jeder Schauspieler wird mindestens 50 Mal im Jahr gefragt, ob er nicht einspannelt wird.
Florian Bayer: Und man macht es auch teilweise, wenn das Projekt klasse ist und spannend. Oder wenn man irgendwie das Gefühl hat, da könnte wirklich was Gutes draus werden. Also es ist nicht so schäbig, wie es klingt. Also gerade so im Low-Budget-Bereich ist das Geld halt einfach nicht da. Und dann sind es halt auch manchmal Herzensprojekte.
Johannes Franke: Ob das schäbig ist oder nicht, darüber streiteten sich natürlich die Schauspieler-Vereinigungen so ein bisschen.
Florian Bayer: Naja, wenn du eine Produktion hast, wo der Produzent sich nichts bezahlt, und ein Teil gleichzeitig noch Regie übernimmt und sich nichts bezahlt und in die eigene Tasche greift, um das Catering zu bezahlen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Also auf jeden Fall, ich kann jeden verstehen, der sagt, das will ich nicht machen. Ich verdiene damit mein Geld und ich kann das nicht machen, weil ich damit den Beruf auch irgendwie entwerte als Job, der Geld bringt. Aber ich finde es nicht schäbig, wenn Leute, die wirklich für eine Idee brennen, sagen, ich will das so umsetzen. Und andere Leute, die sagen, hey, ich bin überzeugt von deiner Idee, da mitmachen. Ja, ja, genau.
Johannes Franke: Problematisch wird es, wenn wir in Situationen kommen, was heutzutage relativ häufig passiert, dass wir sehr viele SchauspielerInnen auf sehr wenige Rollen haben. Und dass ganz viele SchauspielerInnen versuchen, über solche Projekte, von denen sie vielleicht nicht so überzeugt sind, aber trotzdem sich genötigt fühlen, das zu machen, damit sie irgendwo hinkommen. Und da wird es dann anfangen, schwierig zu werden, argumentativ. Also da muss man ein bisschen aufpassen.
Florian Bayer: Die Chance, das auszunutzen, ist halt auch ziemlich groß.
Johannes Franke: Das ist es halt, ja. Und ich habe auch schon Projekte gemacht, wo ich niemanden bezahlt habe. Ja, wir haben zusammen Projekte gemacht. Und das ist halt irgendwie ein schwieriges Feld. Aber schäbig oder nicht schäbig sollen andere beurteilen. Es kommt immer aufs Projekt drauf an und wie man mit den Leuten umgeht, wie man sie behandelt und aus welchen Gründen die anderen Leute mitmachen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall wurden Cast und Crew nicht bezahlt. Ihnen wurde versprochen, sie dürfen am Profit partizipieren. Was dann auch nochmal ein Problem aufreißen kann, wenn der Film tatsächlich Profit macht. In diesem Fall Gott sei Dank nicht. Und unter dem Arbeitstitel The Lodge of Sins und Fingers of Fate Fingers of Fate, ich habe so gelacht, wurde der Film dann 1966 produziert. Und hauptsächlich auf der Ranch von Colbert Coldway ein Anwalt, den Warren kannte, weil sie sich ein Büro geteilt haben. Und der wurde offensichtlich später auch Richter. Das sind so die groben Eckdaten. Übrigens ganz kurz, Harold P. Warren, der den Film gemacht hat, weil er auch den Michael spielt, die männliche Hauptrolle, also den Ehemann. Hast du ihn erkannt? Erkannt? Wie erkannt? Woher erkannt? Das ist Jimmy Kimmel. Was? Ich habe den gesehen und dachte so, dieser Blick und diese Art zu reden, das macht mir so schrecklich bekannt vor. Nein, das ist nicht Jimmy Kimmel.
Johannes Franke: Das sieht nicht aus wie Jimmy Kimmel.
Florian Bayer: Er sieht unglaublich aus wie ein gealterter Jimmy Kimmel, der sich für eine spießige Karriere entschieden hat, anstatt dafür Showstar zu werden. Ich finde dieser trockene Blick mit den zusammengekniffenen Augen und dieses etwas schnottrige Reden.
Johannes Franke: Ich finde, Jimmy Kimmel sieht schon aus wie die Version von Jimmy Kimmel, die sich für einen langweiligen Job entschieden hat. Aber das sehen Late-Night-Hosts oft, ne? Ja, das stimmt, ja.
Florian Bayer: Außer Conan. Genau, Conan nicht. Conan ist einfach ein Schlags. Ja. Aber das sind sogar die coolsten Late-Night-Hosts, die so aussehen. Ja, das stimmt. Also die könnten auch alle Nachrichtensprecher sein, ne?
Johannes Franke: Ja. So Colbert? Ja, definitiv. Also Colbert auf jeden Fall vor der Kanne. Und Oliver auch. Also ja, definitiv. John Oliver auf jeden Fall.
Florian Bayer: Ja, und dann hat er halt diesen Film gedreht. Und wir können eigentlich mit diesen einleitenden Worten schon gleich in den Film einsteigen, oder? Du hast die wichtigsten Sachen schon gesagt eigentlich. Wir müssen auf jeden Fall über studentisches Filmemachen reden. Ja. Wir müssen vor allem darüber reden, was können Leute aus dem Film mitnehmen? Und wir können das wirklich so Punkt für Punkt abarbeiten. Zum Beispiel, was können Kameraleute aus diesem Film mitnehmen?
Johannes Franke: Bevor wir da reingehen, ich muss dich noch einmal kurz schelten, wenigstens pro forma, weil ich ungefähr 60 Prozent des Films nicht genießen konnte. Weil ich die ganze Zeit überlegen musste, was findet Plur daran? Welche Richtung könnte Plur denn das als guten Film durchgehen lassen? Und ich habe echt, weil du nicht im Geringsten hast durchblicken lassen, dass es wirklich so schlechtester Film alle Zeiten Trash ist, dass ich wirklich die ganze Zeit dachte, ja okay, das ist so ein bisschen breathless, das ist so ein bisschen, was ist es, was ist es? Also ich werde ihn dir so oder so um die Ohren hauen, aber was? What's the point? What's the point? Ich konnte nicht befreit lachen. Ich wollte die ganze Zeit, ich hätte gerne befreit von Anfang an gedacht, okay, ich gucke mir jetzt The Room an in 60er Jahre. Aber nein, ich musste die ganze Zeit darüber nachdenken, wie argumentiere ich das jetzt, dass Plur nicht allzu enttäuscht ist, dass ich den Film nicht gut finde. Dann können wir das ja gleich am Anfang klären. Hast du was gefunden, wo du gesagt hast, das hat funktioniert, das war gut? Das Ende ganz kurz, da dachte ich ganz kurz, nachdem so viel Scheiße passiert ist, hat er eigentlich ein ganz okayes Ende gefunden. Der Plottwist am Schluss, also was heißt Plottwist? Es ist kein Plottwist, aber er hat die logische Folge genommen und gut umgesetzt. Ja, das ist wohl wahr.
Florian Bayer: Aber ansonsten weiß ich nicht, keine Ahnung. Also du hast auch, nachdem du das Voice-Dubbing gehört hast, nachdem du gehört hast, wie die Achtjährige mit der Stimme einer 40-jährigen Frau spricht, selbst da konntest du nicht befreit auflachen?
Johannes Franke: Nein, es war so schleichend, Plot, dass ich die ganze Zeit so, ich hatte so, es creepte so ran, so langsam, dass ich dachte, ich weiß nicht, darf ich nicht, kann ich, kann ich nicht, was ist das, was ist das hier? Also wenn ihr den Film guckt, ihr müsst wissen, es ist der letzte Trash überhaupt, es ist allgemein als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten anerkannt und ihr dürft befreit lachen, dass das alles überhaupt nicht funktioniert.
Florian Bayer: Ich finde, dieser Film ist ein Wunderwerk, weil es gibt verschiedene Arten von schlechten Filmen und es gibt ganz viele schlechte Filme, sowas wie The Room zum Beispiel, wo man sagt, man erkennt die Leidenschaft des Filmmachers. Obwohl alles komplett vor die Hunde geht, erkennt man, dass hier jemand wirklich für ein Thema gebrannt hat und versucht hat, das umzusetzen. Dieser Film ist von Anfang an so angelegen, dass man merkt, es ist allen, wirklich allen, die beteiligt sind, scheißegal, inklusive dem Regisseur. Der hat auch keine Begeisterung dafür. Der will seine Wette gewinnen. Es ist wirklich eine Produktion, die auf einer Wette basiert und es gibt keine Leidenschaft. Es gibt nicht dieses Fail im Großen, sondern es ist einfach ein ... Der Film gibt sich selbst auf, von Anfang an.
Johannes Franke: Ja, das habe ich so noch nicht reflektiert, aber jetzt, wo du es sagst, stimmt das so ein bisschen. Ich habe mich auch die ganze Zeit gefragt, wo ist denn die Größe und wo ist das der Pathos, den solche Filme normalerweise haben. Aber der versucht ja nicht mal ein Schloss irgendwie ... Weißt du, normalerweise bei dem Thema, die kommen da hin irgendwo. Normalerweise hätte ich so ein Schloss erwartet. Sie haben ja auch einen Igor, der auch mal Igor heißen sollte anscheinend, sondern jetzt irgendwie Torgo heißt. Torgo. Und all das bedeutet eigentlich, dass man in Größenwahn übergehen könnte und suchen könnte, alles größer zu machen, als es ist. Aber das versucht der Film gar nicht erst so richtig. Ja. Der macht auf allen Ebenen irgendwie alles falsch, aber dieser Größenwahn würde so viel besser machen eigentlich. Weil da hätte man irgendwie wenigstens die Leidenschaft, die einen dran hält. Dass man das Gefühl hat, okay, ich fieber mit dem Film mit, weil der Filmemacher was wollte. Ja. John Reynolds spielt den Torgo.
Florian Bayer: Der hatte so eine Metallkonstruktion an den Beinen, damit er so halt diesen wackeligen Gang hat, den er dann auch wirklich sehr vehement ausführt. Und offensichtlich war das Zeug so schmerzhaft, was sie ihm da verpasst haben, dass er angefangen hat, Schmerz mitzunehmen, dann irgendwann auf LSD umgestiegen ist. Er war die ganze Zeit auf LSD. Und der war die ganze Zeit drauf. Und wenn man den Film sieht, dann versteht man auch, warum der so spielt, wenn man weiß, dass er LSD genommen hat. Der ist einfach komplett drüber. Und teilweise hat man das Gefühl in Szenen, er weiß gar nicht so genau, was vor sich geht und was er spielen soll.
Johannes Franke: Hat die Frau oder das Mädchen nicht auch gesagt, damals habe ich irgendwie den nur so erlebt, als der ist immer gut drauf, der hat immer gute Laune. Und erst später so im Aufwachsen gemerkt, oh, es gibt ja solche Sachen wie LSD und so, der war wohl die ganze Zeit drauf.
Florian Bayer: Tragische weitere Hintergrundgeschichte, der hat kurz nach der Fertigstellung des Films Selbstmord verübt.
Johannes Franke: Kurz bevor der überhaupt hätte in eine Premiere gehen können. Vor der Veröffentlichung, genau. Eine Woche vorher oder sowas oder einen Monat, ich weiß nicht genau. Aber das ist tragisch. Das finde ich wirklich sehr traurig. Vor allem, wenn man das weiß und in den Film guckt und die ganze Zeit dieser wandelnden Leiche eigentlich zuschaut. Weil ja das nicht lange hin ist, bis er sich umbringt und wahrscheinlich auch damals schon die Grundlagen dafür gelegt sind, wenn er sich aus Depressionen umbringt und sowas, sowas schleppt sich ja lange hin. Ja, wahrscheinlich. Und der Drogenkonsum ist wahrscheinlich auch eine Auswirkung.
Florian Bayer: Möglich, genau. Also er hat sich nicht wegen dem Film umgebracht. Nein, nein, nein, nein, nein, nein. Warum er sich umgebracht hat, das war offensichtlich ja, keine Ahnung. Aber er hat sich sehr aktiv in den Kopf geschossen anscheinend. Ja, genau. Er wollte es. Er wollte sterben. Und die einzige Schauspielerin, die zumindest so ein bisschen danach was gemacht hat, das kommt noch dazu, also niemand von den Schauspielern und der Schauspielerin war. Und von den Crew-Leuten auch nicht. Oder von den Crew-Leuten. Niemand war noch irgendwie groß im Filmbusiness. Jackie Neiman-Jones, Und die, ah ne, das war die Becky, die Deppi. Ne, die andere. Und zwar die Ehefrau. Die eine, die blonde Kurzhärte. Diane Marie. Ne, die Diane Marie, die die Ehefrau spielt. Achso, seine Ehefrau. Achso, ja, ja. Genau, die Ehefrau von dem Paar, das da an diesem Haus landet. Wir müssen gleich kurz einmal die Story umreißen, damit gleich, worüber wir überhaupt reden. Die hat später eine Model-Karriere gemacht, unter einem anderen Namen. Okay. Also, jetzt nicht auf grobem Top-Niveau, aber zumindest hat sie damit Geld verdient. Das ist also so ein Show-Business geblieben. Warren Wall hat sie angeheuert, weil sie damals schon gemodelt hatten. Er meinte, Amazon Model, den Film zu besetzen, das könnte eigentlich ganz gut sein. Und er wollte auch eigentlich eine Nacktszene von ihr, woraufhin sie ziemlich wütend reagiert hat. So, ey, nein, ich packe hier nicht aus. Woraufhin er wiederum gesagt hat, das war nur ein Spaß. Wollte ich nur ein bisschen kitzeln. Mal schauen, wie du so drauf bist. Naja. Nicht so ein schöner Moment von dem Film. Und es gibt ja zumindest eine creepy Szene, wo Torgo sehr lange sie belästigt. Und zwar, indem er zu ihr geht. Und dann eine unfassbar lange Szene, wo er versucht, sie mit der Hand anzufassen. Und das ist schon mal ein Staple des Films. Es gibt Szenen, die sind so lange gehalten. Ja, ja, ja. Ey, sie wollen einfach nur Zeit füllen. Der Film geht 70 Minuten, der ist wirklich kurz.
Johannes Franke: Und trotzdem hat man das Gefühl, lange, lange, lange, lange, lange Zeit. War das nicht auch so, dass sie eine Kamera hatten, die eine bestimmte Laufzeit hatte?
Florian Bayer: 32 Sekunden konnte die Kamera.
Johannes Franke: Ich habe auch eins gefunden, wo 60 Sekunden stand. Also es gab unterschiedliche Informationen, die ich gefunden habe. Da bin ich ein bisschen durcheinander gekommen dann. 16 Millimeter Bell & Howl, eine Handkamera. Genau, und die konnte halt nur, ne, klar, irgendwann ist der Film alle. Also es ist ja nicht wie im Digitalzeitalter, dass du irgendwie endlos SD-Karte hast und die geht dann irgendwie zwei Stunden und dann ist die SD-Karte voll. Sondern es ist halt Film, ne, und der rollt da durch. Und jeder Zoll Film kostet Geld und rattert da durch. Und weil er Geld kostet, hat er auch wirklich von jedem, von jeder Szene immer nur zwei Takes gemacht, von jeder Einstellung.
Florian Bayer: Die waren extrem unter Zeitdruck. Sie haben auch ganz viel nachts gedreht. Also sie haben bewusst sich dafür entschieden, nachts zu drehen. Es gibt auch sehr viele Nachtszenen. Bis auf die eine große Tagszene, wo sie sagt, es wird dunkel. Und wir haben Mittagssonne. Knallend heißen sie, es wird dunkel, wir müssen gehen. Ansonsten wurde ganz viel nachts gedreht. Einfach, weil die meisten, die mitgemacht haben, egal ob Cast oder Crew, Jobs hatten, denen sie am Tag nachgehen mussten. Deswegen haben sie nachts gedreht und hatten dann das Problem, dass sie, wie gesagt, sie hatten nicht viel Geld für Licht und so. Und sie haben dann Leuchten aufgestellt und hatten nur eingeschränkt Leuchten. Deswegen war teilweise der Radius, in dem sich die Akteure bewegen konnten, sehr klein. Das sieht man auch in vielen Szenen, dass sie wissen, sie können jetzt nur zwei Schritte vorgehen, sonst sind sie komplett aus dem Licht draußen. Die stehen halt auch so aufgestellt da.
Johannes Franke: Das ist ganz oft, habe ich gedacht, oh mein Gott, da hat jemand irgendwie die einfach hingestellt und gesagt, bewegt euch nicht mehr, ihr gebt jetzt euren Text von euch und das war's. Das ist schon hart.
Florian Bayer: Wenn man genau hinguckt, sieht man oft Motten, die gehören nicht zur Ausschnitte. Die wurden einfach angelockt vom Licht und von der Kamera.
Johannes Franke: Gerade das, wo er den erschlägt, das ist so, ach Gott, nein, warum, warum, warum,
Florian Bayer: Und ja, wie gesagt, dann hatten sie wenig Zeit, das Zeug war alles geliehen. Das heißt, es war klar, das musste er dann auch irgendwann zurückgeben. Die Leute am Set haben sich schon lustig drüber gemacht, dass er, wie das halt so ist, wie man zum ersten Mal was macht, dass er nicht weiß, was er da tut. Es gab auch irgendwie so einen Mock-Up-Titel, den die Leute dem Film gegeben haben. Mangos.
Johannes Franke: Mangos, genau. Hands of Fruits oder sowas. Bowl of Fruits. Nur um die Länge der Kamera, wie lange die machen kann, mal nochmal ins Spiel zu bringen, ich glaube, der ist einfach immer ausgenutzt. Und der hat einfach immer so lange gedreht, wie die Kamera konnte. Ja. Und hat dann aber auch kein Gefühl dafür gehabt, dass auch mal kürzer sein könnte. Also, länger war ein Problem, aber kürzer wurde dann auch ein Problem, weil er sich gedacht hat, ich muss das nutzen. Ja. Und dann hat er es ungeschnitten reingetan in den Filmen.
Florian Bayer: Wie doof ist das? Das Ergebnis ist ein grauenhaftes Pacing. Wir haben teilweise Szenen, wo es diese Jump-Cuts gibt, einfach weil es nicht genug Schnittmaterial hat. Das heißt, die Kamera hat sich nicht sonderlich verschoben zur nächsten Szene, aber man sieht halt doch, dass eine Person von Punkt X zu Punkt Y springt, ohne dass es eine Bewegung dazwischen gibt. Höchst irritierend. Ja. Und das Zweite sind eben diese wirklich langen Szenen, die in der Post dann auch einfach nicht mehr gekürzt wurden, wo wir wirklich awkward Momente haben, wo es wirkt, als würden die SchauspielerInnen auf ihren Einsatz warten. Wo man wirklich sieht, da ist jemand und guckt noch hin und her und fängt dann seinen Satz an und dann guckt er nochmal hin und her.
Johannes Franke: Das ist die Frau, wo die rumknutschen, das Pärchen.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Ist das ganz viel so. Ganz krass. Die guckt echt in die Kamera und stellt dann fest, oh, es läuft noch, ich mach mal weiter.
Florian Bayer: Can you leave us alone, sagt sie zu den Polizisten. Aber davor haben wir fünf Sekunden, und fünf Sekunden können sich sehr lang anfühlen, wo sie irritiert guckt, als würde sie auf ihr Zeichen warten. Und wahrscheinlich hat wirklich jemand hinter der Kamera mal schnell mit den Fingern geschnippt und gezeigt, jetzt musst du. Ach Gott. Und danach guckt sie nochmal irritiert rum. Und offensichtlich ist in der Post keine Entscheidung zum richtigen Schnitt gefallen, weil diese Zehen wurden teilweise einfach aneinander geklatscht.
Johannes Franke: Es gibt Rumor, dass das Ding in drei bis vier Stunden zusammengeklöppelt wurde.
Florian Bayer: Ja, das würde passen. Es gibt auch Zehen, in denen die Klappe noch zu sehen ist. Ja, ganz am Anfang. Sie haben wirklich, die Anschlüsse sind eine Katastrophe. Die Zehen werden zu lang gehalten. Andere Zehen sind zu kurz. Es ist deutlich zu wenig Material. Ich glaube, das ist schon ein Grundproblem des Schnitts. Der konnte auch nicht mehr viel machen, weil einfach das Material nicht da ist. Das sieht man in ganz vielen Momenten, wo sie dann auch irgendwelche Zwischenstände reinschneiden, die man davor schon mal gesehen hat. So Blicke von Leuten, Reaction Shots, die aber eben komplett fehl wirkten am Platz.
Johannes Franke: Wovon sie sehr viel Material hatten allerdings, ist von dem Kampf der Frauen. Ja, und das sehen wir auch. Das ist ein episches Catfight Wrestling Match. Auch alles komplett reingeworfen wahrscheinlich. Es gibt wahrscheinlich keinen einzigen Frame davon, den er nicht verwurstet hat.
Florian Bayer: Oh, fuck. Auch so awkward inszeniert, dass sie kämpfen und dann sind sie auseinander, dann stehen sie wieder da, kämpfen wieder gegeneinander. So, jetzt kommen wir kurz zur Story, um einmal kurz zu umreißen, worum es geht. Okay. Ein Paar fährt in der Gegend rum und will zu einem Hotel und sie verfahren sich und kommen dann an dieses Haus von dem Master. Und da öffnet ihn Torgo und sie laden sich selbst ein. Man kann es nicht anders sagen. Auch so mit einem Selbstverständnis drücken sie ihm die Taschen in die Hand und er sagt so, ich weiß nicht, ob der Meister das gut findet, wenn sie jetzt kommen. Und unser Protagonist Michael sagt, ach Quatsch, komm, wir gehen jetzt da rein. Der sagt sowieso sehr oft allen, dass sie die Klappe halten sollen, dass er weiß, wo es lang geht. Genau. Unser Regisseur. Nur das nochmal zu klären. Und der Torgo führt sie dann rein und es ist wirklich ein Creepy House, das aber für uns nur aus einem Raum besteht. Das ist kein Creepy House.
Johannes Franke: Flo, es ist einfach kein Creepy House.
Florian Bayer: Es ist eine Hütte.
Johannes Franke: Es ist einfach nur eine Hütte. Du kommst da rein, du kriegst da den Kamin gezeigt, der ein ganz normaler Kamin ist. Das ist ein ganz normaler Raum. Die Wände sind in einer Farbe gestrichen, die okay ist, dass es nichts irgendwie runtergekommen oder sonst irgendwas. Das Bild. Es gibt das Bild, was sie immer wieder, immer wieder, immer wieder reinschneiden. Must be the master. Immer wieder reinschneiden. Und das ist auch so ein Assumption, weißt du, das muss dann wohl der Herr des Hauses sein mit seinem Hund.
Florian Bayer: Äh, es kann einfach irgendein Bild sein. Was ist das? Und dann fragen sie noch Torgo, ob das der Meister ist und ist der Meister tot? Und dann sagt Torgo, nein, er wird immer bei uns sein. Und auch eine Konstante in diesem Film, sie hauen nicht ab. Es gibt tausend Warnzeichen. Torgo sagt, ihr solltet nicht hier sein. Ja, das sagt er von Anfang an. Alles schreit, rennt weg und sie bleiben da. Sie entdecken eine, ihr Tier stirbt, ihr Kind rennt weg, sie entdecken eine Kultszene, wo Leute geopfert werden und sagen danach, komm, wir übernachten jetzt hier. Das ist so absurd. Sie sind auf jeden Fall in diesem Creepy House, das offensichtlich dem Meister gehört.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Der, ähm, das ist die visuelle Idee des Films, der einen Anzug hat, äh, ein Cape, auf dem rote Streifen sind, die, wenn er die Arme ausbreitet, sich als Hände offenbaren. Das ist fast, fast gut. Ja, aber es wird so ausgeschlagen. In allen unmöglichen Szenen sehen wir diesen Mann, die Arme ausbreiten und sagen, The Master.
Johannes Franke: Also, es ist so, ähm, das Problem ist, dass ich das nicht, ich, plur, ich konnte es nicht genießen. Ich konnte es einfach nicht genießen, weil ich die ganze Zeit gedacht habe, jetzt kommt doch irgendwas, warum dieser Film so bedeutsam ist, warum ich diesen Film gucken muss.
Florian Bayer: Aber du hast es tatsächlich geklaut, dass ich das glaube, oder das, das, das, das, das.
Johannes Franke: Ja, dass das irgendwann noch kommt. It's real. Dass ich irgendwann noch verstehe, warum dieser Film in unseren Podcast gehört. Also, ich verstehe jetzt, warum er in einen Podcast gehört, weil natürlich, du hast recht, man sollte diesen Film geguckt haben als angehender Filmemacher.
Florian Bayer: Ja, definitiv.
Johannes Franke: Weil wirklich alle Fehler drin sind, äh, bei denen man noch gar nicht wusste, dass es Fehler sein können. Ja. Wo man sagt, aha, okay, das kann ich also falsch machen, das wusste ich gar nicht, dass das geht.
Florian Bayer: Und es gibt viel, was man falsch machen kann auf dem Weg zum Film, zur Filmentwicklung.
Johannes Franke: Du hast vorhin angesetzt mit, was kann man denn als Filmemacher, als, als Kameramann lernen. Ja. Fokus. Ja. Fokus. Du brauchst jemanden, der sich damit auskennt, wie man jemanden in Fokus setzt. Das Problem ist natürlich damals gewesen, dass du keinen Vorschaumonitor so richtig hattest, mit dem du das irgendwie hättest klären können, aber dafür brauchst du halt jemanden, der sich damit ein bisschen auskennt und der das hinkriegt. Und der Kameramann hat zwar danach gesagt, nee, mit dir mache ich keinen Film mehr, aber ich weiß nicht, ob der auch nochmal andere Filme gemacht hat oder ob er gleich wieder gesagt hat, nee, das mache ich nicht mehr.
Florian Bayer: Das Problem ist auch nicht nur der Fokus. Es sind noch mehr Probleme.
Johannes Franke: Nein, es ist so viel.
Florian Bayer: Es gibt ganz viele Ausschnitte, Frames, also vor allem, wo Gesichter im Profil gezeigt werden und zwar hart im Profil. Das ist wirklich knallhart nur die Seite. Und das ist ein wirklich merkwürdiger Bildaufbau. Man muss kein Fan, Kenner von Filmen oder visuellem Storytelling sein, um zu sehen, dass da irgendwas nicht stimmt. Ja. Wenn da viel zu viel Raum ist vor dem Bild, vor dem Gesicht, wenn da einfach, wenn das einfach nicht passt.
Johannes Franke: Das kann auch ein Mittel sein, Plur.
Florian Bayer: Das kann ein Mittel sein. Wenn man das ordentlich einsetzt. Das kann ein Mittel sein, wenn man es ordentlich einsetzt.
Johannes Franke: Aber man muss die Regeln kennen, um sie zu brechen. Das ist das Problem. Und das ist hier das große Problem. Er kannte die Regeln. Ich kann mir vorstellen, dass man sehr viele Regeln brechen kann. Man sieht es an Breathless und so weiter. Bis dahin geltende Regeln zu brechen und neue aufzustellen für bestimmte Situationen. Aber der kannte sie halt nicht. Der wusste halt nicht, was er da tut. Und dann bricht man die Regeln halt nicht an der richtigen Stelle, sondern eben an der falschen Stelle.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das ist halt echt ein Problem. Und wenn du dann eben über die Kameraarbeit die ganze Emotionen der Leute, für die sowieso nicht da war, aber wenn man das Potenzial nicht einfangen kann, dann ist es halt schon mal schlecht.
Florian Bayer: Ganz wichtig auch bei der Kamera, also Bilder brauchen Ideen. Nicht nur die Geschichte braucht Ideen, auch Bilder brauchen Ideen. Was willst du erzählen und was sind gute Perspektiven, um das zu erzählen? Wir haben in diesem Film, und das macht ihn zumindest, um das gleich als Disclaimer dazu zu sagen, es gibt deutlich unterhaltsamere Trashfilme und deutlich unterhaltsamere schlechte Filme. Weil dieser Film auch ganz oft sehr generische Bildeinstellungen hat, die halt noch obendrauf kommen. Also gerade die Szenen in der Wohnung haben fast so ein Sitcom-Feeling, weil wirklich der ganze Raum einmal gezeigt wird. Und es passiert nicht viel und es wird nicht mal in die Nahe gegangen oder es wird es nicht aufgebrochen. Es ist die Kamera einfach stupide draufgehalten auf den Ausschnitt, wo man alles sieht, was zu sehen sein muss. Und wenn dann vier Charaktere, nämlich das Paar, der Torgo und das kleine Mädchen und ihr Hund da sind, dann hat man einfach ein großes Bild, in dem nichts erzählt wird und in dem sich Figuren bewegen wie nicht mal auf einer Bühne. Ja, aber schlechter, schwächer, weil sie halt auf ihre Ecken fokussiert sind, wo sie ihre Handlung machen und weil die Dynamik des Raums überhaupt nicht ausgenutzt wird. Weil an sich gibt es das ja.
Johannes Franke: Das gab es in den Zwanzigern oder früher und ein bisschen später, dass wirklich die Bilder so eingerichtet wurden wie damals auf der Bühne, sodass man eine Kameraperspektive hat und auf dieser Wandebene quasi passiert das Ganze. Wie so ein Puppentheater im Grunde.
Florian Bayer: Ja, und macht ja auch Sinn, wenn man damals sich natürlich an dem orientiert hat, was man am besten kannte, was visuelle Storytelling betrifft und das war das Theater.
Johannes Franke: Und weil du die Kamera noch nicht so wahnsinnig flexibel in der Gegend rumbewegen konntest. Ja. In den 60ern allerdings mit der Handkamera, die sie benutzt haben, hätten sie es machen können. Die haben bloß halt nur eine Richtung ausstatten können und den Rest nicht. Ja. Also auch das Licht. Ich glaube, das Problem ist vor allem auch, dass sie das Licht einmal aufgestellt haben und dann nicht umstellen konnten so ohne weiteres. Und dann hatten sie die Zeit dafür nicht. Wie lange haben sie gemacht? Ich glaube, sie haben zweieinhalb Monate daran gedreht. Ja, so roundabout. Und das ist natürlich, ja, weiß ich nicht, also es gibt, viele Filme werden heutzutage innerhalb von 14 Tagen gedreht, aber.
Florian Bayer: Wir befinden uns im Jahr 1966, das ist das Jahr in dem Dr. Zhivago veröffentlicht wurde. In dem, wenn wir bei Kammerspiel schon sind, weil der Film ist natürlich auch so aufgebaut wie ein Kammerspiel. Wer hat Angst vor Virginia Woolf wurde damals gedreht, auch vom Theater inspiriert und aber natürlich, klar, größeres Budget, aber hat viel mehr die Möglichkeiten des Raums genutzt. Und bei diesem Film hat man halt das Gefühl, es gibt überhaupt keine Idee für das visuelle Erzählen. Die Kamera wird halt einfach so aufgebaut, wie es gerade zu der Szene passt. Und dann manchmal gibt es diese Nahen, die nochmal dadurch kaputt gemacht werden, dass eben einer von den Akteuren in die Kamera reinguckt. Aber das Bild ist einfach, es ist kein gutes Bild.
Johannes Franke: Und das Krasse ist, im Nachhinein nachgelesen, erkenne ich so viele Sätze von Leuten, die ich kennengelernt habe in meiner Vergangenheit, die alle keine Ahnung von Filmen hatten, aber der Meinung waren, nee, wir machen das, wir kriegen das irgendwie hin. Und zum Beispiel der Satz, das machen wir dann danach im Schnitt. Ja. Und der muss sehr oft auf diesem Set gefallen sein. Ja. Der Typ hat echt oft gesagt, Hollywood Magic, das wird alles, wir machen das zweimal und dann habe ich genug und dann schneiden wir das alles so zusammen und alle Fehler werden ausgemerzt. Was natürlich ein fälliger Quatsch ist, wenn das Licht falsch ist, dann musst du das Ding neu drehen. Du kannst es nicht im Nachhinein, vor allem nicht in den 60ern. Ja. Und aber auch heute nicht. Es gibt einfach viele Fehler, die du am Set machst, die du später nicht ausmerzen kannst. Das geht einfach nicht. Ja.
Florian Bayer: Offensichtlich hat seine Crew auch immer mal wieder zu ihm gesagt, das kriegen wir hin. Er hatte ja keine Ahnung davon. Ja. Das heißt, er musste sich auch auf andere verlassen. Dann hat er gefragt, naja, wie sieht es aus? Und dann haben die gesagt, kann man auch im Schnitt machen? Dann hat er natürlich gesagt, das machen wir im Schnitt, das lösen wir im Schnitt. Und dann wurde tatsächlich in den Schnitt nichts gesetzt. Das ist das zweite große Problem.
Johannes Franke: Wenn er hat ja kein Geld mehr.
Florian Bayer: Es führt quasi die Probleme fort, wenn du schon schlechte Bilder hast, dann versuchst du im Schnitt das Beste daraus rauszuholen. Dann kürzt du, dann nimmst du das, was Gold ist. Ja, aber wenn du nicht ein einziges bisschen Gold aufgefangen hast. Aber ja, man darf den Schnitt auch nicht damit entschuldigen. Der Schnitt, im Schnitt hätte noch ein bisschen was passieren können. Natürlich, da hätte sehr viel passieren können. Aber die Post ist wirklich, man hat manchmal das Gefühl, es wurde alles reingepackt, was gefilmt wurde. Ja, genau. Es ist einfach aneinander geschnitten. Aneinander gereiht, diese Szenen. Es gibt quälend lange Szenen, wo wir zugucken, wie das Paar aus dem Auto aussteigt, seine Koffer nimmt und zum Haus geht. Und es ist einfach, es fehlt das Pacing, um die Geschichte voranzutreiben. Alles, was da ist an filmischem Material, wird vollkommen ausgekostet. Wir müssen bei allem zugucken.
Johannes Franke: Also insofern hat es ja fast was Dokumentarisches. Also, aber nicht innerhalb des Films, innerhalb des Story des Films, sondern etwas Dokumentarisches, was Filme machen betrifft. Es ist ein Rohschnitt, ne? Es ist ein, ja, ja, es ist ein Rohschnitt, auch so, klar.
Florian Bayer: So einen Schnitt kannst du tatsächlich jemandem in die Hand geben als Block und sagen, okay, das ist das Material, was wir haben, schneidest du uns einen Film draus. Ja, genau.
Johannes Franke: Und ich habe zwischendurch echt überlegt, okay, das wäre doch eine Aufgabe für Studenten heutzutage. Du gibst denen diesen Film und sagst, das ist unser Rohmaterial. Macht einen Recut. Macht einen Film draus. Ja. Ist vielleicht eine geile Aufgabe. Kann ich mir vorstellen. Und vor allem ist das Material ja auch frei. Okay, die haben ja es nicht geschafft, ein Copyright-Symbol reinzuhauen, was sie damals brauchten in Amerika, um dann eben genießen zu können, dass sie Copyright haben auf ihr Produkt.
Florian Bayer: Was ich immer noch für so ein absurdes Gesetz halte.
Johannes Franke: Absurd, völlig, es wurde ja auch geändert, aber es ist schon krass, wir hatten ja schon mal einen Film, wo das so war, ich habe den Titel gerade nicht im Kopf, was das war, welcher Film war das? Ja, und es war ein guter Film. Es war ein guter Film, es war ein großer Film. Jedenfalls haben sie es verbuzzelt, haben dieses Copyright-Symbol nicht in den Abschleun angepackt und schon hast du irgendwie Public Domain. Das Ding, du kannst es nehmen und daraus machen, was du willst. Das gehört. Das heißt, Aufgabe an alle Zuhörenden, die Film studieren oder die immer mal versuchen wollten, was sinnvoll ist zu schneiden, nehmt das Material dieses Films und schneidet was draus. Und wenn es nur fünf Minuten werden am Ende, weil alles weggekattet werden muss. Wahrscheinlich passiert das bei dem Film.
Florian Bayer: War es Scharade, der Film mit den Copyright-Issues? Ja, das kann sein. Ich glaube, es war Scharade, aber ich bin mir auch nicht mehr hundert Prozent sicher. Ja, es kann sein, Scharade. Würde auch ungefähr passen, ist ja also von der Zeit auf jeden Fall noch das komische Gesetz. Gucken wir mal kurz weiter in der Post, weil wir gerade beim Visuellen sind und Post. Es ist nicht nur der Schnitt, der in der Post versaut wurde. Also der Sound ist wirklich übel. Sound? Ja, genau. Welcher Sound? Fragezeichen. Also es ist eine Sache zu sagen, sie haben nicht die Möglichkeit, Sound am Set aufzunehmen. Oder nicht in guter Qualität, deswegen muss alles gedappt werden. Das ist ja okay. Das kann passieren. Kann man machen. Gab es auch in großen Filmen tatsächlich. Gab es auch in großen Filmen. Macht oft Probleme, ist oft irritierend. Definitiv Probleme macht es, wenn du nur drei, vier Leute hast, die sämtliche Rollen sprechen. Und der Ton klingt so falsch. Ja.
Johannes Franke: Die ersten paar Minuten haben mich so irritiert und ich habe gedacht, oh mein Gott, was ist das? Was habt ihr da verwendet? Und dann sind auch die Geräusche, die nicht viele sind, die sie dazu gepackt haben, wie so das Auto, das angelassen wird.
Florian Bayer: Das ist alles, es klingt alles falsch. Ja, ganz oft sind es tatsächlich, es passieren ganz viele Sachen, wo gar keine Geräusche sind. Sie haben nur in ihrer Meinung nach signifikant wichtigen Tonstellen, haben sie Geräusche eingeführt. Sonst haben wir auch ganz oft Szenen, in denen was passiert. Aber das, was passiert, kriegt nicht das Geräusch, das es eigentlich kriegen müsste. So banale Sachen wie Schritte, Türen, Luft. Und stattdessen haben wir diesen wirklich verlorenen Studiosound, wo man das Gefühl hat, da sitzen Leute im Studio und sind irgendwie nicht mal ein gutes Studio. Ja, ja, genau. Und dann eben drei, vier Stimmen. Und die Jackie Naaman Jones, die Deppi gespielt hat, das kleine Kind, die hat gesagt, sie war furchtbar enttäuscht.
Johannes Franke: Sie hat geweint.
Florian Bayer: Ja, als sie bei der Premiere war und dann hat sie diese alte Frau gehört, die sie synchronisiert. Und es ist wirklich schlimm. Es ist ganz schrecklich. Sie haben eine erwachsene Frau, sprich das Kind und versucht es zu schaffen, indem sie die Stimme verstellt. I'm hungry and I'm tired. Ja, in der Qualität ungefähr, wie du das jetzt gemacht hast. Ja, ja, ja. Genau so klingt das halt, wenn ein Erwachsener versucht, ein Kind zu imitieren. Und ansonsten, ja, die Stimmen doppeln sich halt. Also es gibt, eine Person spricht mehrere Personen im Film. Und hinzu kommt, dass die offensichtlich gar nichts hatten, um Ton am Set aufzunehmen. Man hat auch das Gefühl, die wissen gar nicht mehr, was da am Set gesprochen wurde. Was dann dann dazu führt, dass es eine krasse Repetition in den Dialogen gibt. Ja. Es gibt Dinge, die gesagt werden und dann werden sie nochmal gesagt. She is my girl, she will handle it. She is my girl, she will handle it. Einfach die zwei Sätze aneinander geklatscht. Weil offensichtlich niemand mehr genau gewusst hat, was passiert da in der Geschichte, was passiert da mit den Charakteren. Aber haben die kein Drehbuch gehabt oder was? Die haben ja irgendwas gesagt am Set. Also es kann natürlich sein, dass sie am Set auch schon diese repetitiven Dialoge hatten. Wobei es sieht teilweise nicht danach aus, weil die Leute bewegen sich komplett anders als das, was gesagt wird. Genau. Und es ist höchst irritierend, wenn man ja fast schon diesen Sing-Sang hört, wenn Charaktere einfach ihre Sätze, ihre Lines aus der Szene davor nochmal wiederholen. Und eben auch, Ton wird genauso gefüllt wie Bild in diesem Film.
Johannes Franke: Wahnsinn. Also ich stelle mir diesen Prozess so schlimm vor. Du sitzt als Regisseur dann, nachdem du die Dreharbeiten hinter dich gebracht hast und einfach versucht hast, alles durchzubringen, was irgendwie geht, dann bist du unter Stress und so und merkst vielleicht nicht unbedingt, dass du gerade viel Scheiße baust. Das kann ich noch abnehmen dem Ganzen, weil das wirklich eine sehr besondere Situation ist am Set und man dann einfach versucht durchzukommen und das durchzukloppen, was man sich da vorgenommen hat. Aber dann im Schnittraum zu sitzen und wenn es nur vier Stunden sind, wie man so sagt, dann muss man doch nach und nach merken, ach du Scheiße, was machen wir hier? Was ist das geworden? Und der Regisseur hat ja auch am Ende der Premiere gesagt, das ist der schlechteste Film aller Zeiten wahrscheinlich.
Florian Bayer: Er hat schon während der Produktion aufgegeben irgendwann. Ich stelle mir vor, wie er irgendwann im Schnittraum sitzt und sagt, so und jetzt klatscht noch ganz schnell da überall Jazzscore drauf. Ich habe die Schnauze voll und dann haut er ab. Das ist auch im Schnitt entstanden. Wir haben Musik. Ja. Dieser Film zeigt, warum man keine Musik über Dialoge legen sollte.
Johannes Franke: Geil. Am Anfang fand ich es noch ganz nett. Die ersten paar Minuten mit der Musik fand ich ganz nett. Da habe ich auch gedacht, okay, das ist jetzt also der Home-Video-Teil der Sache und dann wird es irgendwie ein Film. Da war ich noch guter Hoffnung. Und da habe ich auch gedacht, oh, und die Farben sind so schön retro, das mag ich eigentlich ganz gerne. Und so, also irgendwie hat der Film in den ersten paar Minuten was, wenn man nicht weiß, was einen erwartet. Und man kann mit der Musik irgendwie was verbinden und man kann mit dem, das geht irgendwie zusammen. Und dann ändert sich halt an der Qualität nichts. Es geht nur noch bergab. Und das ist halt das Problem.
Florian Bayer: Diese ersten zehn Minuten mit Musik sind ja schon ziemlich quälend, wo wir eigentlich nur Leute sehen, die sich im Auto fahren. Ja. Vielleicht. Man weiß es nicht. Da sollten Credits laufen, ne? Wahrscheinlich sollten da Credits laufen über diesen Bildern. Aber warum hat er es nicht gemacht? Kein Geld mehr. Hat nicht mehr gepasst. Keine Zeit, kein Geld. Aber dann schneidet man die weg.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und stattdessen sehen wir eine Credits-Szene ohne Credits. Und stellt euch das kurz vor, wirklich so Einführungsshots. Das sind halt Leute, die im Auto sitzen ohne Credits. Das funktioniert, wenn du ein Crewbrick bist und wenn du die Shining-Eröffnung hast. Das funktioniert auch ohne Credits. Stimmt. Und das hat sogar noch die Credits drin. Aber wenn du einfach nur Bilder hast von Leuten, die im Auto sitzen, unterlegt von diesem Jazz-Score, der wie gesagt sich durch den ganzen Film ziehen wird, egal ob gesprochen wird oder nicht. Ja. Und du mehr so Home-Video-Look hast. Dann gibt es irgendwann den Moment, wo es einfach nur quälend ist. Und wie gesagt, wir haben dann schon das erste Siebtel des Films, haben wir damit gefüllt. Das ist ungefähr das, worauf wir uns einstellen können. Und ja, es ist tatsächlich, ich kann total nachvollziehen, was du meinst, weil es ist noch das Beste am Film, weil noch nicht geredet wird. Ja, ja, genau. Sobald die Dialoge anfangen, wird es doch nochmal eine ganze Nummer schrecklicher. Nicht nur wegen des Duppings.
Johannes Franke: Sie kommen dann ja an diesem Haus an. Und ich denke in den ersten paar Minuten noch, dass dieser Typ, der diesen Igor spielt, wie heißt der? Torgo. Torgo. Dass der eigentlich ganz geil sein könnte, theoretisch. Weil der hat schon seine sehr, sehr spezielle Art und Weise, das zu spielen. Ja. Wenn, wenn er nicht irgendwie dann doch die falsche Abbiegung genommen hätte, dann hätten in den ersten paar Minuten hätte man noch denken können, das wird was. Vielleicht, ja. Und auch das mit den Knien finde ich gar keine so verkehrte Entscheidung. Die wollten ihm halt den Buckel nicht geben, weil der zu typisch ist. Deswegen heißt er auch nicht mehr Igor. Ja. Was aber im Grunde die Rolle des Igor ist immer. Das ist, und deswegen auch nicht den Buckel, sondern die Knie. Er ist der Hauskeeper. Finde ich interessant. Also finde ich eine interessante Entscheidung. Warum nicht, ne? Ja.
Florian Bayer: Was halt merkwürdig ist, was dann mit diesem Charakter passiert. Also wie gesagt, es ist noch nichts von dem Meister zu sehen, außer dem Bild. Der Meister wird auch später nur relativ wenig Leinwandzeit haben. Und Torgo sagt dann irgendwann zur Frau, zu Magarit, um mal auch ihren Namen zu sagen, dass der Meister sie als Frau will, aber dass er, Torgo, auch einen Blick auf sie geworfen hat. Dass er sie beschützen will. Und dann kommt diese Szene, auf die wir schon zu sprechen kamen, wo er sie, es soll eine Art von Belästigung sein. Also er geht zu ihrer Schulter hin. Unglaublich langsam. Sie steht da sehr steif und schreit dann aber um Hilfe. Es passt Dialog. Also wie sie redet und um Hilfe ruft und wie er sich verhält, passt nicht zusammen. Vor allem, weil er sie dann bittet, erzähl es bitte nicht deinem Mann. Und dann sagt sie, na gut, ich erzähle es nicht meinem Mann.
Johannes Franke: Was passiert da gerade? Ja, und vor allem, weil sie so von 0 auf 100 plötzlich anfängt zu schreien, nachdem er schon sehr lange sein Spielchen da getrieben hat und sie einfach nur da steht.
Florian Bayer: Und dann diese schrecklichen Nahaufnahmen, das haben sie so gedreht. Da hatten sie zumindest eine visuelle Idee, indem sie Torgo direkt das Ganze in die Kamera machen lassen. Ja, stimmt. Zumindest war es mal ein Moment, wo sie eine visuelle Idee haben, aber es funktioniert einfach nicht. Nein. Es ist einfach nervig.
Johannes Franke: Vor allem, weil wir die ganze Zeit dieses Gesicht sehen, das da in der Gegend rumzittert und stolpert.
Florian Bayer: Und es ist irgendwie... Dann stirbt der Hund, der Hund randweckt, der Hund ist tot. Sie sagen dann dem Mädchen, dein Hund ist weggelaufen, während du geschlafen hast. Damit ist die Sache erledigt. Und sie beschließen trotzdem, wie gesagt, ach so genau, sie wollen ein Telefon, um Hilfe zu rufen. Es gibt kein Telefon. Und dann sagen sie, okay, dann bleiben wir heute Nacht. What? Und Torgo sagt die ganze Zeit, ich glaube, es wäre nicht so gut, wenn ihr das tut. Torgo ist in dem Moment die Stimme der Vernunft.
Johannes Franke: Ja, und dann guckt er einmal durchs Fenster durch. Ja, genau, diese Spannertszene. Aus irgendwelchen komischen Gründen, was ja auch nicht der einzige Film ist, der das macht. Das muss man mal sagen. Und es gibt so viele Filme, die so bescheuert sind, die wirklich ihre Frauen dann vor Spiegel stellen und sagen, so, liebe Männer, das machen Frauen, wenn sie alleine vor einem Spiegel... So, wo sehen Frauen vor Spiegel aus? Sie berühren sich an der Schulter und an der Brust. Und plötzlich fühlt sie sich safe genug, sich auszuziehen, weil dieser Ort ja total safe ist halt, ne?
Florian Bayer: Aber der Ärger hat dann ja erst angefangen. Dann ist Debbie plötzlich weg, das kleine Kind, kommt zurück mit einem riesigen Hund und einem riesigen schwarzen Hund.
Johannes Franke: Der natürlich sofort erkannt wird als der Hund aus dem Bild. Natürlich. Weil wenn es einen Hund gibt, dann ist das der aus dem Bild.
Florian Bayer: Muss der Hund aus dem Bild sein. Und dann sagen sie, was hast du gemacht? Und zeig mal, wo du warst. Und dann zeigt sie, wo sie war. Und dann stolpern die quasi über so eine Kultstätte, wo der Meister, der mit den Händen, da liegt und umgeben von seinen Frauen. Und die scheinen alle in einer Art Winterschlaf zu sein.
Johannes Franke: Ich habe immer noch gedacht, das ist eine Vampirgeschichte. Ja. Weil sie kommen ja an ein Haus, ein Igor öffnet die Tür und solche Sachen. Dass ich dachte, okay, jetzt, na gut, jetzt kommen wir also zur Vampirgeschichte. Nett, okay, bin mal gespannt. Aber dann wird das nicht eingelöst, weil der liegt da ja nur. Und ich denke, es ist doch schon Nacht. Wird der nicht langsam mal aufstehen?
Florian Bayer: Und sie sind dann an dieser Kultstätte und dann sagt Maike so, oh, Torgo, wir werden das aber erklären müssen, was hier los ist. Ja, genau. Sag mal, Torgo. He's got some explaining to do. Was hat das auf sich mit dieser Kultstätte? Warum habt ihr hier Frauen an diesen Marta-Fällen? Warum liegt der Mann da? Und was ist das brennende Feuer? Das musst du uns jetzt mal doch erklären, sonst bleiben wir nicht. Warum liegt hier Stroh? Sie beschließt, jetzt ist auf jeden Fall der Moment, wo sie sagen, okay, wir sollten jetzt vielleicht doch mal unsere Sachen packen.
Johannes Franke: Und in dem Moment dachte ich noch, das ist vielleicht, wird es doch noch so ein Softporno, den du mir vorgesetzt hast. Ja, ich meine, es gibt die Catfight-Szene, ne? Ja, es gibt diese ganzen Ehefrauen von dem Typen. Und man denkt dann so, okay, okay, vielleicht ist es eine fehlgeleitete Variante von vor Emanuel, weißt du, so ein kleiner Ausblick. Aber leider wurde es das nicht.
Florian Bayer: Und dann wird Maike von Torgo, nachdem er nochmal irgendwie, er läuft nochmal zurück, weil er irgendwas gucken will oder so, wird er von Torgo niedergeschlagen und gefasst. Auch wieder so eine ewig lange Szene, wo wir sehen, Torgo befasst ist.
Johannes Franke: Sie lassen einfach die Kamera drauf und schneiden nichts weg. Da wird einfach drauf gehauen und dann hat er irgendwie Schwierigkeiten, den da irgendwo an den Baum ranzufesseln. Und das sehen wir in voller Länge, ohne dass er irgendwas beitragen kann zur Story. Es ist unglaublich doof.
Florian Bayer: Aber dann kommen wir zu meinem liebsten Moment des Films. Du hast einen liebsten Moment des Films? Und zwar, wenn der Meister erwacht und der Meister steht dann auf und sagt so ganz dramatisch, meine Frauen, steht auch auf, lasst, lasst die Nacht beginnen oder so irgendwas in der Richtung. Und dann gibt es einen sehr harten Schnitt und wir sehen den Meister da sitzen und die Frauen sitzen in einer Runde und diskutieren. Und zwar diskutieren sie so schnatter, schnatter, schnatter, schnatter, schnatter, schnatter. Und er sitzt da und denkt, hätte ich sie bloß nicht aufgeweckt. Sein Blick ist so der Blick eines Mannes, der gedacht hat, viel Ehe wäre eine tolle Idee und dann feststellt, dass es doch ziemlich ätzend ist. Und zwar wirklich lange. Wir haben die Kamera auf ihn, sein genervter Blick. Ja, absolut. Und diese Quassel-Szene von den Frauen ist auch so geil. Quassel, Quassel, Quassel, Quassel, Quassel, Quassel. Dann gibt es einen wichtigen Take, wo wir hören sollen, was die Frau sagt. Und dann sagt eine Frau, wir können das Kind nicht opfern. Und alle sind ruhig und dann wieder Quassel, Quassel, Quassel, Quassel.
Johannes Franke: Und das Geile ist, das Bild stimmt ja nicht überein. Die quasseln ja die ganze Zeit durcheinander. Und wir hören aber auf der Audio-Ebene völlig unpassend dazu. Dieses erst schnattern, dann diese einzelne Sequenz und dann wieder schnattern. Das hat nichts mit dem Bild zu tun.
Florian Bayer: Und dann komplette Stille und dann sagt der Meister, in diese Stille rein, Ruhe jetzt. Schnitt auf die Gruppe von Frauen. Und offensichtlich war die Regie-Anweisung in diesem Moment, macht mal ein Geräusch, wenn jemand gesagt hat, ihr sollt still sein, aber ihr wollt noch nicht still sein. Und dann machen die alle so ein Geraune. Und es ist wirklich so wie auf Ansage, raunt mal ein bisschen. Und sie wissen nicht, sie haben keine Wörter, die sie sagen können. Deswegen machen alle Frauen ganz komische Geräusche. Einfach nur so. Tolle Szene. Ich liebe diese Szene. Die ist wirklich witzig. Vor allem dieser Blick des Meisters. Das großartige. Diese Art, wie das Geschnatter geschnitten ist. So diesen Moment, wir brauchen jetzt einfach nur Geschnatterkulisse. Aber jetzt kommt ein wichtiger Satz. Und dann ist das Geschnatter vorbei. Und wir hören nur den wichtigen Satz. Und dann wieder Geschnatter. Und dann diese Stille. Und dann das Stille rufen in die Stille. Und dann dieses Raunen. Fantastisch.
Johannes Franke: Das Ding ist, er zieht das ja sehr lange durch. Die wiederholen sich ja und wiederholen sich und wiederholen sich. Und werden immer wieder in den Kreis gezogen von, wollen wir das Kind umbringen oder wollen wir es nicht umbringen. Sie kommen nicht zu einem Punkt, sie diskutieren darüber. Es gibt ja auch nichts Neues zu erzählen. Nein. Und es ist ja auch wirklich nur für und wieder. Also nichts dazwischen. Es gibt nur, ja wir sollten, nein wir sollten nicht. Ja. Das war's.
Florian Bayer: Und dann motzt der Meister auch mit einer von den Frauen rum, wo überhaupt nicht Gleis. Hä? Er sagt so, du, du bist für das alles verantwortlich. Wir haben diese Frau noch nie gesehen. Ja, wir wissen überhaupt nichts davon. Sie kann überhaupt nichts dafür. Und dann aber, und Torgo ist natürlich auch verantwortlich. Und dann ist der Meister erstmal weg. Dann diskutieren die weiter. Und dann beginnt vollkommen absurd dieser Kampf, weil sie sich gegenseitig Eifersucht vorwerfen.
Johannes Franke: Ja, aber so absurd, weil auch, also die Argumentationssituation. Zum einen sich überhaupt nicht auslöst und zum anderen, weil der Kampf ja an sich kein Kampf ist, sondern so ein bisschen Schubsen und da mal und dort und jetzt wälzt ihr euch dort lang und jetzt wälzt ihr euch dort lang. Und dann hat der Regisseur, weiß ich nicht, irgendwelche Fantasien ausgelebt und die Frauen mussten da irgendwie in der Gegend rumrollen und sich gegenseitig, aber die haben ja nicht mal, kein einziger Schlag hatte ein Ziel, kein Gerangel hatte irgendein Ziel. Es gab einfach nichts.
Florian Bayer: Und das alles in diesen weißen Negligees und dann stürzen sie sich so aufeinander und dann gibt es auch immer, das ist so eine Klischee-Szene wie so eine Barfight-Szene. Zwei fangen an zu kloppen und dann fangen alle anderen auch an sich zu kloppen, weil es bilden sich dann auch irgendwie Krüppchen. Dann werden sie zurückgehalten, dann kloppen sie sich wieder, dann kloppen sie sich wieder in Krüppchen und wälzen sich auf den Boden. Und du weißt nicht warum. Nee. Es gibt einfach keinen Grund und kein Ziel. Aber es ist halt so und es ist definitiv, es gibt definitiv diese Ebene in dieser ganzen Szene, wo die Frauen objektifiziert werden. Du hast einfach, du hast einfach ein Catfight. Du hast einfach, hier Leute, hier seht ihr Frauen knapp bekleidet, die jetzt im Sand sich wälzen und was machen, was man als Kampf bezeichnen könnte. Sind die Backpfeifen, die in diesem Film verteilt werden, nicht auch großartig? Es gibt mehrere davon. Vor allem sind sie tödlich. Ja.
Johannes Franke: Was völlig absurd ist. Also es gibt ja ein Ritual, was der Meister anstößt, wo Torgo dann irgendwie getötet werden soll oder geopfert werden soll oder sowas und die Frauen kommen und tatschen ihn einfach nur so an. Sie massieren ihn zu Tode. Sie massieren ihn zu Tode. Und wir sitzen da und denken uns, was? What the fuck is happening? Er überlebt das Ganze dann ja auch, ne? Ja, das stimmt. Und er hat auch schon den ersten Mordversuch des Meisters überlebt, wo der Meister schon gesagt hat, du musst irgendwie sterben und guckt ihn dann so komisch an und er fühlt sich in die Enge gedrängelt, aber irgendwie stirbt er dann doch nicht, obwohl der Meister das angekündigt hat. Ich verstehe es nicht. Torgo ist wie so ein kleines Kind in der Zino.
Florian Bayer: Du musst jetzt sterben.
Johannes Franke: Oh nee, wirklich? Nee, bitte nicht.
Florian Bayer: Ich will aber nicht. Ja, genau. Aber Torgo ist offensichtlich für den Meister der verantwortlich und deswegen hypnotisiert er ihn zu Tode. Dann lässt er ihn von seinen Frauen zu Tode massieren. Und das reicht immer noch nicht und deswegen macht er eine großartige Feuermagie. Er hält seine Hand an diesem Feuerstab und brennt sie ab und hat dann auch die brennende Hand von Torgo in der Hand. Der große Gore-Effekt dieses Films. Ja, Gore-Effekt. Wo er diese brennende Hand in der Hand hat und es wird höllig gelacht. Allerdings lacht er nicht. Im Bild wird nicht gelacht. Der Meister steht da mit ernstem Blick und fängt er an.
Johannes Franke: Man fragt sich unweigerlich, steht da noch ein zweiter Meister? Es gibt auch eine Szene, wo er wirklich loslachen soll, was aber völlig unmotiviert, wo er sich da reinsteigern soll in dieses Lachen, was auch überhaupt schauspielerisch gar nicht funktioniert. Was auch das Lachen gar nicht. Es ist einfach schrecklich. Es tut wirklich weh an vielen Stellen, muss man sagen.
Florian Bayer: Was funktioniert, ist, wenn er die Arme ausbreitet. Der Mantel hat, also dieses Cape sieht schon ganz cool aus mit den Händen. Ja, deswegen habe ich vorhin gesagt, es ist so fast schon eine gute Idee. Ja, er macht es halt sehr oft und es ist wirklich das einzige Gimmick des Films. Er ist der Herr der Hände. Es wird auch nie ganz klar, was das mit den Händen auf sich hat.
Johannes Franke: Das ist es halt. Es wird halt überhaupt nichts erklärt. Also ich meine, natürlich, Filme dürfen auch gerne viel im Unklaren lassen und so, aber da der Film halt sonst nichts zu bieten hat, wäre das wenigstens nice gewesen.
Florian Bayer: Ja. Naja, und dann wird eine von den Frauen noch geopfert und unser Paar versucht mit seinem Kind zu fliehen und sie rennen, stolpern durch die Wüste. Und wie oft zur Hölle kann man hinfallen? Wichtiges Gebot, um die Spannung zu erhöhen in einem Horrorfilm. Wenn jemand flieht, muss er fallen. Egal, wo lang er flieht. Und es muss aber auch die Frau sein in der Gruppe. Ja, aber der Mann stolpert auch einmal. Ja, gut, okay. Also sie stolpern anders.
Johannes Franke: Frauen stolpern öfter in dem Film als Männer. Aber der Mann darf auch einmal stolpern. Ja, und sie muss halt irgendwie auch so, ich sage dieses Wort bewusst hysterisch wirken. Ja. Das ist wichtig, dass der Mann auch kommen kann und sagen kann, jetzt reiß dich zusammen.
Florian Bayer: Genau. Das macht er auch sehr oft. Ruhe jetzt. Ich bestimme jetzt, wo es lang geht. Ich weiß, wo es lang geht. Ich bin Michael. Und dann dazwischen haben wir übrigens, dazu sind wir noch kaum gekommen, diese Szene, in der offensichtlich Warren seine schlechten Erfahrungen mit Polizisten in Texas verarbeitet, die ihm nicht erlaubt haben, am Straßenrand zu knutschen. Wir haben nämlich immer wieder dazwischen geschaltet, dieses Paar, das im Auto sitzt und
Johannes Franke: knutscht. Und ich dachte erst, okay, jetzt kommt da noch eine zweite Ebene rein. Das knutschende Pärchen muss sterben. Da kommt irgendwie so ein Texas Jane-Massaker, irgendwas, weiß ich nicht, keine Ahnung. Irgendwie werden die noch umgebracht. Aber nein, es hat nichts mit der Story zu tun. Die treffen sich nie. Es hat nichts miteinander zu tun. Es ist einfach ein zweiter Film.
Florian Bayer: Die erfüllen nur einen Zweck, den Polizisten zu sagen, hey, da war noch jemand anderes vorbeigefahren. Stimmt. Aber die Polizisten haben ja auch keinen Einfluss dann auf die Geschichte. Genau. Die Polizisten sagen dann, oh, dann gehen wir mal nachschauen. Dann hören sie die Schüsse. Und dann sagen sie, ach, das kommt bestimmt von der mexikanischen Grenze. Und dann fahren sie wieder. Also ja, nichts hängt mit nichts zusammen.
Johannes Franke: Ich glaube, das war was, da gab es auch Lichtprobleme. Deswegen konnten die nur ganz schnell einmal kommen, ihren Text absondern und wieder gehen.
Florian Bayer: Ja. Es ist einfach, es ist total überflüssig. Wenn die Polizisten irgendwie interagieren würden mit einem von unseren Protagonistinnen, dann würde es Sinn machen. Aber so ist es halt wirklich einfach nur so eine Nebenhandlung, die egal ist. Sie wollen fliehen. Sie rennen zurück ins Haus. Warum rennen sie immer wieder zurück ins Haus?
Johannes Franke: Ja, sie rennen zurück ins Haus, weil sie denken, naja, da werden sie uns ja nicht
Florian Bayer: suchen.
Johannes Franke: Was?
Florian Bayer: Das wird der letzte Platz sein, an dem sie uns vermuten. Aber nein, der Meister wartet auf sie.
Johannes Franke: Also irgendwie habe ich das Gefühl, einem Film beizuwohnen, den ich bei Wish bestellt habe. Und ich komme bis zum Ende nicht damit klar und habe irgendwie Schwierigkeiten, das auch als das Entertainment zu sehen, was mir später dann in der Recherche ganz viele Zuschauer verkaufen wollen. Weil es gibt ja ganz viele Leute, die dann in Foren schreiben, müsst ihr unbedingt sehen, schlechtester Film aller Zeiten, ist großartig hilarious, man kann so viel lachen. Aber bei The Room habe ich sehr viel mehr gelacht. Plan 9 from Outer Space ist wesentlich besser. Es ist einfach zu viel, zu schlecht, als dass man auch darüber lachen könnte.
Florian Bayer: Also ich finde, er hat seinen unterhaltsamen Moment. Ja. Aber er gehört definitiv nicht zu den Trash-Meisterwerken, bei denen man einfach Spaß hat, weil sie so schlecht sind. Weil er halt auch, also ich glaube, es liegt ganz stark daran, dass die Leidenschaft fehlt. Dass der Film sich so ein bisschen aufgegeben hat. Wie gesagt, wenn ich New Room gucke, dann sehe ich da die Leidenschaften, das macht es einfach lustiger, weil das so ein Scheitern im Größenwahn ist. Ja. Und das ist es hier halt nicht. Oder Edward ist so ein Scheitern in der Kreativität, weil Edward mit seinen wenigen Mitteln immer geniale Ideen hat, was er damit machen kann.
Johannes Franke: Der wollte unbedingt ganz viel.
Florian Bayer: Und das sind dann bescheuerte Ideen und das sieht dumm aus, aber man sieht zumindest, er hatte eine Idee. Da war zumindest ein Funken da, ein Feuer. Und das ist in diesem Film halt nicht, es gibt diese unterhaltsamen Momente, also wie gesagt, das mit dem Meister und mit den Frauen, das ist schon witzig, das macht mir auch Spaß zu sehen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber ich glaube tatsächlich, sein Wert besteht eben vor allem darin, einmal die Checkliste zu haben, was ist alles schiefgelaufen, was kann schieflaufen, worauf muss ich aufpassen. Ja. Ja, das stimmt.
Johannes Franke: Ach Mann, aber das tut einem schon sehr, sehr weh.
Florian Bayer: Das ist es halt auch, es tut mir bei dem Film nicht so sehr weh, weil ich das Gefühl habe, der Film war allen egal. Wie gesagt, Warren hat schon vor der Premiere gesagt, das ist echt Mist, was wir da gemacht haben. Der wusste, dass das scheiß ist und dem ging es darum, die Wette zu gewinnen und turns out, er hat die Wette gewonnen. Naja, klar, er hat einen Film gemacht.
Johannes Franke: Ja, genau. Ah ja, es ist auch eine lame Wette dann irgendwann, obwohl damals nicht, heute schon.
Florian Bayer: Ja, heute wäre es definitiv lame. Aber damals war es schon was Besonderes. Ja, das stimmt. Und so, also ja, ich meine, er hat nichts zur Filmgeschichte beigetragen, zumindest nicht in diesem Sinne. Aber, ja, der Film war ja wirklich lange vergessen. Also, der hatte ein paar Screenings, wie so, naja, lief halt ein bisschen, lief halt ein paar lokalen Kinos und das war es dann. Aber wieso überhaupt das?
Johannes Franke: Also, das ist halt, was ich mich wirklich die ganze Zeit gefragt habe, wie hat er das geschafft, überhaupt irgendjemanden davon zu überzeugen, im Kino zu laufen?
Florian Bayer: Die lokalen Kinos haben, glaube ich, damals auch einfach, wenn er gesagt hat, ey, ich hab hier da Kontakt und da Kontakt und da Kontakt, ich hab hier einen Film gemacht, dreht den doch mal. Ich glaube, das war einfach alles so Vitamin B. Und das war damals wahrscheinlich noch leichter in den lokalen Kinos, weil die lokalen Kinos einfach kleine Kinos waren.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Und die Jackie Naiman, von der wir schon gesprochen haben, die das Kind gespielt hat, die hat dann angefangen zu studieren irgendwann. Und dann haben Freunde von ihr, also sie hat darüber geredet und dann haben Freunde von ihr versucht, den Film zu finden und haben das offensichtlich nicht geschafft. Die wollten eine Kopie von dem Film, weil sie das lustig fanden, mal zu gucken, wie ihre Kommilitonin als Kind gespielt hat und haben es nicht geschafft. Also der Film war wirklich komplett verschollen. Und er wurde dann wiederentdeckt, so durch Zufall mehr oder weniger, und zwar vom Mystery Science Theater. Es ist in Deutschland nicht sonderlich bekannt. In Deutschland ist eigentlich nur der Film bekannt. Mystery Science Theater 3000, der Film, weil der von Oliver Kalkofe unter anderem synchronisiert wird. Und das Konzept von Mystery Science Theater ist wegweisend, weil die das vorweggenommen haben, was viele Film-YouTuber so in den 2000ern gemacht haben und in den frühen 2010ern. Und zwar schlechte Filme gucken und während dieser Film läuft darüber reden. Also wer in dieser Zeit so YouTube sozialisiert wurde, kennt vielleicht Namen wie Nostalgia Critic. Das ist definitiv der bekannteste davon. Und das war so in den 2010ern so ein Riesending. Da gab es ganz viele von diesen Kritikern. Die haben schlechte Filme geguckt und drüber geredet. Mystery Science Theater hat es 20 Jahre vorher gemacht, in den 90ern. Und einer von den Produzenten von Mystery Science Theater, dem wurde der Film wohl zugeschickt und die haben sich dann darum gekümmert, dass sie davon eine Kopie kriegen und haben den 1993 in der vierten Staffel, im Finale der vierten Staffel gezeigt. Und dadurch wurde er aus der Obskurität herausgehoben und wieder einem großen Publikum zugänglich.
Johannes Franke: Ja und wenn ich das richtig verstanden habe, haben sie tatsächlich bei diesem Film, ist es eine der schwächeren Episoden, weil man sich an gar nicht so viel aufhängen kann, weil er eben, wie wir schon auch sagen, nicht so schlecht ist, dass er so unterhaltsam ist, sondern er ist einfach so schlecht, dass es naja, äh ist. Und deswegen kann man auch nicht so viel nehmen und sich drauf lustig machen, weil man einfach irgendwann alles gesagt hat und sagen kann, na gut, der Ton ist schlecht, na gut, das Bild ist schlecht, na gut, die Synchronisation ist schlecht.
Florian Bayer: Ich hab von Mystery Science Theater nicht viel gesehen. Es ist eigentlich so eine kleine Bildungslücke, die ich habe, die ich auch mal aufholen wollte, weil das, was ich gesehen habe, fand ich ziemlich lustig teilweise. Und es gibt's auch, glaube ich, online zu finden. Und die hatten wirklich ganz coole Sachen und die haben's auch wirklich geschafft, Filme rauszukramen, die so ein bisschen vergessen waren. Die haben vielleicht auch so ein bisschen Trash-Filmkonsum in den 90ern, nostalgischen Trash-Filmkonsum in den 90ern mit definiert und sehr stark beeinflusst. Also so ein Film wie Manos, der wäre komplett verschollen, hätten die ihn nicht wieder entdeckt. Und jetzt ist er tatsächlich ein Kultfilm. Es gibt sehr viele Leute, die den Film abfeiern. Es wird immer mal wieder über den Film geredet. Er gehört zu den großen, schlechten Filmen. Er wird meistens so in einem Atemzug genannt mit Blaine from Outer Space, The Room und, keine Ahnung, Neil Preen-Film.
Johannes Franke: Hast du mit dem Regisseur, hast du da irgendwie noch verfolgt, was der, weißt du, was der noch gemacht hat? Und ob der mit dem Erfolg, dem späten Erfolg noch irgendwas ...
Florian Bayer: Er wollte. Er wollte noch was machen. Er wollte noch einen zweiten Film drehen und er hat auch offensichtlich ein Drehbuch dafür schon geschrieben. Allerdings dadurch, dass der, dass Manos so ein Misserfolg war, der hat einfach kein Geld eingespielt. Er lief in lokalen Kinos. Keiner hat drüber geredet. Er hat einfach nicht das Geld dafür gekriegt. Und dieses Skript für seinen neuen Film ist dann einfach verloren gegangen.
Johannes Franke: Und es gab doch aber auch Nachfolger 2018 oder so was.
Florian Bayer: Ja, es gibt mehrere Nachfolger. Die, ich glaube sogar, Original Cast spielt mit drin. Es gibt Manos, The Search for Valley Lodge aus dem Jahr 2010. Manos, The Rise of Torgo aus dem Jahr 2013. Manos Returns aus dem Jahr 2016. Oh mein Gott. In dem von Jackie Naaman, die das kleine Mädchen Debbie gespielt hat, per Kickstarter-Kampagne finanziert wurde. Wow. Und die haben das Ziel auch erreicht und haben 2016 angefangen, das Ding zu drehen. Und sie hat auch die Rolle der Debbie wieder gespielt. Und Tom Naaman, der ihr Vater ist, der hat auch den Meister wieder gespielt. Okay. Und Diane Mary ist als Margaret wieder dabei. In Oregon wurde der Film gedreht. Und er wurde in Seattle 2018 uraufgeführt. Und ich habe nicht reingeschaut.
Johannes Franke: Weißt du, was das Problem ist in meinem Kopf? An die Qualität, in Anführungsstrichen, des alten Films reinzukommen. Weil du kannst es ja nur besser machen eigentlich. Und das ist aber da gar nicht was, was man als Fan will.
Florian Bayer: Du willst ja als Fan einen schlechten Film sehen, oder? Ja. Spannende Frage, ne? Weil, also, ich glaube, wie du es machen kannst, du musst es auf jeden Fall, du musst es albern machen. Und lustig, vor allem, wenn du nur ein Budget von 20.000 hast, was sie hatten.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Und, ja, keine Ahnung, wahrscheinlich ist es so eine Trash-Horror-Komödie, die versucht, so witzig zu sein. Und ich kann mir vorstellen, dass es komplett scheitert. Vielleicht ist es auch sehenswert. Es wäre mal interessant, da reinzuschauen. Ja. Und sich das anzugucken. Ich fände es tatsächlich spannend, mit den Ideen, die in Manos drin sind, ein Remake zu drehen, was den Film voll ernst nimmt.
Johannes Franke: Ja, das fände ich auch interessant. Weil, auf einem Blatt Papier klingt es wie ein ganz typischer, also für heute typischer, vielleicht war er damals noch gar nicht so ausgelutscht, die Idee. Aber Dracula gab es auch, ist schon in der Literatur und so weiter. Aber ich kann mir vorstellen, dass man daraus einen decent Horrorfilm machen kann.
Florian Bayer: Es ist eigentlich ein Cabin in the Woods-Film mit einer Bedrohung, die lange nicht klar ist. Es gibt einen Kult, das heißt, darum kann man auch irgendwie was spannen. Was ist mit diesem Kult los? Und, darauf sind wir noch gar nicht gekommen, das Ende, der Twist am Ende ist ganz cool. Und zwar gibt es, der Meister kommt, sie versuchen den Meister zu töten, er überlebt das, wie auch immer, es wird nicht erklärt. Aber dann ist ein Schnitt zu einem neuen Paar, das zu dem Haus fährt. Und dann gibt es auch einen neuen Torgo, und zwar ist das Michael. Während Margaret und Debbie jetzt Teil der Frauen sind und sich demnächst wahrscheinlich wieder in so einem Catfight mit den anderen prügeln werden. Und das ist ja zumindest so von der Idee her erstmal rund.
Johannes Franke: Am Schluss der Premiere kam so eine ältere Frau auf den Regisseur zu und hat ihn mit ihrer Handtasche attackiert. Weil sie die Kritik hatte, dass das Kind doch nicht da wieder rein, also die darf doch nicht am Ende im Kult landen, das Mädchen, das kleine.
Florian Bayer: Das ist auch ziemlich hart, vor allem weil wir uns davon ausgehen, dass es ein Sexkult ist, was da gezeigt werden soll. Sie werden als seine Frauen bezeichnet, andere Männer werden geopfert, also es hat schon diesen Vieleheanstrich.
Johannes Franke: Naja, also ich glaube, dass man daraus was machen könnte und das ist auch eine Aufforderung an alle euch da draußen, weil es gibt keinen Copyright auf das Zeug. Ihr könnt da machen, was ihr wollt. Ihr könntet im Grunde die Idee, die Grundidee nehmen und daraus was machen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Viel Spaß. Schreibt uns, wenn ihr fertig seid.
Florian Bayer: Und startet das auf jeden Fall nicht mit dem Wort, ach so einen Film macht doch jeder schnell mal. Doch bitte, bitte.
Johannes Franke: Es ist ja auch einer der Projekte, wo man am Ende sagt, wenn ich gewusst hätte, was das für ein Aufwand ist, hätte ich es nicht gemacht. Und für die meisten Projekte ist es ja ganz gut, dass man nicht weiß, was für ein Aufwand das ist. Sonst würde man es ja nicht machen. Aber naja, das beißt sich ein bisschen mit dem Anspruch, dass man vielleicht doch weiß, was man tut, damit man einen guten Film hat am Ende. Ja.
Florian Bayer: Naja, aber bei Studentenfilmen. Man kann bei solchen Projekten auch viel verzeihen, beziehungsweise, um nochmal diesen Punkt zu machen, man kann aus diesen Fehlern auch sehr viel lernen. Und ich bin, was diesen Punkt betrifft, sehr dankbar für den Film Manos, weil er wirklich ein Film ist, der uns sehr viele Fehler präsentiert, aus denen wir lernen können. Der Regisseur konnte offensichtlich nicht mehr daraus lernen. Ja. Aber wir können daraus lernen, wenn wir das sehen und wenn wir solche Projekte planen, egal ob es Film ist oder was anderes, es kann viel schief gehen. Achtet auf die Details. Ja. Und seid dabei, auch bei den Details.
Johannes Franke: Ich glaube, es ist gut, wenn man sich den Film anguckt, einfach eine Liste macht, was hat nicht funktioniert und warum hat es nicht funktioniert. Das ist der eigentliche Punkt. Und ich habe das ja auch immer schon gesagt, ich habe immer mehr gelernt aus Filmen, die schlecht waren, weil man bei den guten Filmen nicht sieht, warum es gut funktioniert. Bei den schlechten Filmen sieht man viel schneller, warum etwas nicht funktioniert.
Florian Bayer: Ja. Und wenn ihr eure Liste macht, schreibt nicht einfach auf alles, weil was nicht funktioniert, weil dann failt ihr genauso, wie der Film gefailt ist, bei dem Versuch, ein Film zu sein. Ja. Top 3.
Johannes Franke: Unsere Top 3. Hm. Was haben wir denn als Top 3? Hände. Oh Gott, Hände. Ach, ich finde, da kann man schon was finden, da kann man ein bisschen rumspinnen. Ja, aber da sind ja, es gibt große Filme, die einfach vorne stehen müssen, die die Plätze alle reservieren.
Florian Bayer: Ach, echt?
Johannes Franke: Ja, natürlich.
Florian Bayer: Oh, okay. Ich habe gar nicht so was direkt gesehen. Die Frage ist natürlich, was nimmt man einzelne Szenen, weil Hände, also mit Händen kann man tolle Szenen machen. Das stimmt. Mit Händen kann man auch furchtbar klischeehafte Szenen machen, so also gerade Filme, die im Fantasy-Bereich angesiedelt sind oder im Mittelalter oder so, wo irgendein tapferer Krieger viele Schlachten geschlagen hat. Dann gibt es immer die Szene, wo die Prinzessin mit ihren zarten Händen seine Narben übersäte Brust langsam überstreich. Hände taugen auch für Klischees, aber Hände richtig eingesetzt können auch großartige Momente erzeugen.
Johannes Franke: Ich hätte eine Honorable Mention innerhalb einer Dishonorable Mention. Oh, das ist interessant, ja. Evil Dead 2, da gibt es doch eine Szene, wo diese Hand selbstständig wird und den ganzen Körper in der Gegend rumzieht.
Florian Bayer: Mein Platz 3 ist das, die Evil Dead 2 Szene, die Hand, die sich selbstständig macht. Ganz fantastisch. Tolle Szene, tolle Hand. Furchtbarer Film. Aber dann mache ich das einfach auch als Honorable Mention und nehme als mein Platz 3, nee, du musst anfangen mit deinem Platz 3. Ach so, ich muss.
Johannes Franke: Ja, dann nehme ich als Platz 3, weil es einfach sein muss, Edward Scissorhands. Ja, natürlich, die Scherenhände. Die Scherenhände, großartig. Der Film ist wirklich toll. Tim Burton, eines der frühen Werke von Tim Burton. Wo er noch nicht so ausgelutscht war.
Florian Bayer: Ja, genau, Edward mit den Scherenhänden gehört auf jeden Fall zu seinen großen Filmen, die jeder Liebhaber von 90er Jahre Burton und Grusel, düsterromantischen Komödien sehen sollte. Mein Platz 3 wäre dann die Kalligrafie-Szene in Tiger and Dragon, wo die Antagonistin Kalligrafie macht und die Protagonistin ihr über die Schulter schaut und mittlerweile weiß, dass sie die Antagonistin ist und gut kämpfen kann. Und sie sagt dann, oh, wer so gut Kalligrafie kann, das ist ja fast wie beim Kämpfen, da muss man seine Hände auch besonders geschickt einsetzen. Und wir sehen eben, wie die Hände geschickt über das Blatt streichen mit der Tinte und der Feder, um diese tollen Zeichen zu machen. Und das ist einfach eine schöne Zehende, in der sehr schön die Hände eingebaut werden, um eben diese Spiegelung zu machen von Kampf und der Poesie.
Johannes Franke: Ja, okay. Stimmt, das ist gut. Das ist ein guter Platz 3. Mein Platz 2 wäre dann Addams Family, natürlich. Also langweilig. Das ist mein Platz 1. Nein, wirklich? Ja. Ah, Floor. Ich dachte, du bist ein bisschen mehr, du hast mehr schöne Ideen oder sowas, aber nein. Das ist eine schöne Idee, das eiskalte Händchen. Es kann ja auch keiner mehr toppen, weil das eiskalte Händchen ist einfach großartig.
Florian Bayer: Und nur damit wir uns verstehen, wir reden von dem 90er-Jahre-Album-Film.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Der wirklich gut ist. Ein wirklich gutes Remake von einer TV-Serie. Absolut. Mit einer fantastischen Christina Ritchie.
Johannes Franke: Ah, so großartig. Die ist so toll in dem Film. Allen drei Filmen. Drei Filme? Zwei. Zwei?
Florian Bayer: Ich glaube, es sind nur zwei Filme. Und einem großartigen Roald Julia. Moment, jetzt muss ich kurz gucken, wie er heißt. Roald Julia, der, obwohl er gar nicht so aussieht, wie der traditionelle Gomez-Adams, einen ganz fantastischen Gomez-Adams spielt. Der ist leider gestorben, kurz nach dem Film. 1994 ist der schon gestorben. Echt? Scheiße. Fuck. Und auch sonst ist der Film fantastisch besetzt. Wir haben Christopher Lloyd als Onkel Fester. Das ist toll. Angelica Hughes. Als Morticia.
Johannes Franke: Er ist super besetzt. Wir müssen mal wieder Adams-Family gucken. Das ist ein toller Film. Beide? Drei? Ich weiß es immer noch nicht. Wie viele Filme haben wir denn bei der Adams-Family? Guck mal nach. Zwei Filme. Sicher? Ja.
Florian Bayer: Also zwei von den klassischen 90er-Filmen mit der Besetzung reden, dann sind es zwei Filme.
Johannes Franke: Das eine ist der Thanksgiving-Sache da, wo sie da in dieses Lager kommt.
Florian Bayer: Ja, genau. Thanksgiving, ja. Ja, genau. Das ist der zweite Teil. Das ist der zweite, genau. Und der erste Teil ist, wo Onkel Fester zu ihnen kommt und nicht weiß, dass er Onkel Fester ist. Ah ja, genau. Er wird quasi als Marvel-Wolf in die Familie eingeschmuggelt, weil er wie Onkel Fester aussieht und dann stellt sich heraus, dass er tatsächlich Onkel Fester ist. Echt? Das ist der erste? Das ist der erste Film. Hm, dann haben wir wahrscheinlich wirklich nur zwei. Schade. Es gibt jetzt einen aktuellen Adams-Family-Film. Den habe ich auch schon gesehen, weil mein Sohn den sehen sollte. Und der war auch unterhaltsam. Ein Animationsfilm. Läuft auf Netflix, wenn ich mich nicht irre. Okay. Ja, muss ich mir vielleicht auch mal anschauen. Dein Platz 1. Ne, dein Platz 2. Ja, mein Platz 1 ist die Adams-Family. Deswegen muss ich meinen Platz 2 auf Platz 1 schieben. Und jetzt nehme ich dir vielleicht was weg. Die Wurstfinger aus Everything, Everywhere, All at Once. Weil sie einfach so schön sind. Nee, habe ich nicht. Ein evolutionärer Sprung bei den Menschen in einem Everything, Everywhere, All at Once, ein Film, über den wir vor kurzem geredet haben. Es geht um Multiversen. Und in einem dieser Multiversen hat die menschliche Evolution einen Schritt zur Seite gemacht, weil die Affen mit ihren Händen sich gegenseitig erschlagen haben. Und dann hat natürlich der Affe sich fortpflanzen können, der am besten geschlagen hat. Und das ist mit den wurstigsten Fingern. Und so haben die Menschen alle Hände mit Wurstfingern, die rumschlabbern. Und nicht nur Wurstfinger, sondern auch Hotdogfinger mit inklusive Ketchup und Senf, wie auch immer das erklärt wird. Wir haben ein paar wirklich sehr romantische, schöne Szenen mit diesen Wurstfingern. Sehr romantische Szenen, ja. Das ist so toll. Zwischen Michelle Yeoh und Jamie Lee Curtis. Das Herz, ja, das Herz wird berührt. Man lacht, man weint, man möchte Hotdogs essen.
Johannes Franke: Mein Platz 1. Was braucht man mehr? Mein Platz 1, jenseits der Stille. Gebärdensprache. Oh, sehr gut, Jende. Also ich beschäftige mich ja schon seit Jahren mit Gebärdensprache, weil ich einfach viel beruflich damit zu tun habe und mit Gehörlosen zu tun habe und drehe und so. Und natürlich ist dieser Film einer der großen Filme, die ganz viele Leute damals inspiriert haben, überhaupt Gebärdensprache zu lernen. Obwohl sie sonst nie mit Gehörlosen zu tun hatten oder irgendwie mit Gebärdensprache zu tun hatten. Und ja, also wenn ihr den noch nicht kennt, den müsst ihr auf jeden Fall gucken. Von Caroline Link, glaube ich. 1996. 1996. Ja. Toller Film. Auch weltweit sehr positiv angenommen worden und hat viele, viele, viele Zuschauer.
Florian Bayer: Quasi der Vorreiter von Coda, ne? Weil es geht auch um ein Kind von Eltern, die nicht hören können.
Johannes Franke: Genau. Und die hat dann irgendwas mit Musik zu tun und möchte gerne Musik studieren oder sowas. Und die Eltern verstehen das natürlich auch nicht. Und dann stirbt auch noch der Vater, glaube ich, und die Mutter ist allein oder andersrum. Oh, da müssen wir mal wieder gucken. Ja.
Florian Bayer: Vor kurzem, weil das Thema auch gerade jetzt durch Coda wieder so sehr in die Aufmerksamkeit, die öffentliche Aufmerksamkeit gelangt ist. Und ich fand Coda gut, aber ein bisschen seicht. Und jenseits der Stille habe ich als kraftvolleren Film in Erinnerung.
Johannes Franke: Hm. Ich habe Coda, glaube ich, gar nicht gesehen. Noch nicht. Muss ich wohl dann mal. Ja. Aber auf jeden Fall ein toller Platz 1. Ja. Danke. Danke. Und jetzt hat dein Platz 1, was war das jetzt? Adams Family. Reden wir nicht weiter darüber. Ja, okay. Gut. Ich habe wieder eine Liste gewonnen.
Florian Bayer: Ganz eindeutig. Gehen wir zurück. Ich wollte eher gar nicht gewinnen.
Johannes Franke: Das war unsere Top 3.
Florian Bayer: Ich wollte nur beweisen, dass man eine Liste mit drei Filmen über Hände füllen kann. Das stimmt. Da hast du wohl recht.
Johannes Franke: Okay. Aber ich hätte schon keine Liste mehr mit fünf Filmen geschafft. Aber drei Filme geht. Gut, dann gehen wir in den Film zurück und eigentlich auch aus der Episode bald wieder raus.
Florian Bayer: Ja, ich denke, wir sind beim Fazit. Ich hatte eine Liste mit Sachen, die man aus dem Film lernen kann. Ich glaube, sie sind alle, worauf man achten sollte. Ich glaube, wir haben sie in der Episode so nach und nach alle abgehakt. Continuity ist noch ein großes Thema. Auf Continuity sollte man beim Film achten. Vor allem, wenn man eine Frau mit Kopftuch drin hat. Ja, genau. Beziehungsweise ohne Kopftuch. Genau. Ohne. Mal mit, mal ohne. Kommt halt immer auf die Szene an.
Johannes Franke: Und das innerhalb der Szene auch. Ja, genau. Kommt auf die Kameraeinstellung an. Genau. Ja, also es gibt einfach viel zu lernen aus diesem Film. Es gibt viele Möglichkeiten, Dinge falsch zu machen. Und das hat der Film alles mit Bravour geschafft, in jedes Fettnäpfchen reinzutreten. Und vielleicht verdient er allein dafür schon ein bisschen Kudos, wirklich jedes Häkchen zu setzen. Ja. Und das hinzukriegen. Wenn man einen Film machen will, kann man den mal sehen, damit man das versteht. Aber wenn man sonst mit dem Film nicht viel zu tun hat, weiß ich nicht. Gibt es unterhaltsamere Filme, die irgendwie scheiße sind?
Florian Bayer: Ja, also wenn ich eine Top 10 machen würde, der schlechten Filme, die man gucken muss, weil sie schlecht sind, dann wäre der wahrscheinlich mit drin. Aber eine Top 3 wäre es schon nicht mehr.
Johannes Franke: Schwierig. Plan 9 from Outer Space. Ja. The Room. Und dann auf Platz 3 der, weiß ich noch nicht.
Florian Bayer: Ich finde es schwierig. Ich habe jetzt beim Gucken, habe ich nochmal festgestellt, er macht mir doch dafür, dass ich ihn, als ich ihn das erste Mal gesehen habe, dachte ich, oh, der ist viel zu nervig und langatmig, um ein unterhaltsamer Trash-Film zu sein. Dafür hat er mir jetzt beim zweiten Mal wirklich viel Spaß gemacht. Okay. Mehr als ich gedacht hätte. Und es gab wirklich Momente, wo ich auch wirklich, wirklich lachen musste. Vielleicht ist es auch ein Film, der wächst.
Johannes Franke: Ja, wahrscheinlich ist es einer. Wahrscheinlich ist es einer. Weil, wenn ich vorher gewusst hätte, Plor, dass der Film zum Lachen doof ist, dann hätte ich vielleicht auch Spaß gehabt beim Gucken. Ja, den wollte ich dir nehmen.
Florian Bayer: Ich wollte ja, dass du was lernst.
Johannes Franke: Ihr habt nichts gelernt, außer, dass ich dir nicht trauen darf. Na gut. Okay, Plor, vielen, vielen, nein, Plor, nein, ich danke dir nicht, dass ich diesen Film gucken tue.
Florian Bayer: Aber ich danke dir, danke dir, dass du ihn geschaut hast und dass du so sehr genau die Fehler erkannt hast, auch wenn sie gut versteckt waren. Sehr gut versteckt. Und es ist auch so ein bisschen so ein Rätsel, man hält diesen Film neben 2001 Odyssee im Weltraum und sagt, dann finde die zehn Fehler. Finde die zehn Unterschiede. Wenn ihr wissen wollt, was Johannes mir nächste Woche aufgibt, dann bleibt noch kurz dran.
Johannes Franke: Werde ich mich rächen, ich weiß es noch nicht. Mal gucken, mal gucken, mal gucken. Dann vielen Dank, dass ihr durchgehalten habt, guckt ihn euch nicht an und wir hören uns nächste Woche wieder. Bis dann. Bis dahin. Schreibt gesund. Ciao.
