Episode 125: Zazie dans le métro – Die Nouvelle Vague im Slapstickrausch
Wir besuchen mal wieder eine von Plors liebsten Filmepochen: Die Zeit der Nouvelle Vague. Dieses Mal jedoch mit einer Komödie, die durchaus das Zeug hat, auch den Slapstick-Geschmack von Johannes zu treffen: Zazie dans le métro von Louis Malle aus dem Jahr 1960.
Es geht um den Rausch der modernen Großstadt, um den unschuldigen und weniger unschuldigen Blick von Kinderaugen, um Skurrilitäten und Absurditäten und um die Vermählung von Kunst und infantilem Humor, von Akademikertum und unverblümtem Spaß.
In unseren zugehörigen Bestenlisten sprechen wir über Filme mit Kindern als Protagonisten, die so gar nicht für Kinder geeignet sind.
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 125: Zazie dans le métro – Die Nouvelle Vague im Slapstickrausch Publishing Date: 2023-05-24T11:44:35+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2023/05/24/episode-125-zazie-dans-le-metro-die-nouvelle-vague-im-slapstickrausch/
Florian Bayer: Das war alles, die Welt ist explodiert und eskaliert, es war ein Farbrausch, es waren Verfolgungsjagden, es war Party und Schrecken und Horror und Spaß und sie so, ja, war ganz okay. Hallo Johannes und herzlich willkommen, liebes Publikum, zu einer weiteren Ausgabe des Muss man sehen Podcast. Heute reden wir endlich wieder über einen Klassiker der Nouvelle Vax, das Sieh-Dolle-Metro von Louis Mal. Euch erwartet ein intellektueller und kindlicher Hochgenuss, der noch viel künstlerisch wertvoller und exquisiter klingt, wenn er in französischer Sprache eingeleitet wird. Das Problem ist, die meisten haben jetzt abgeschaltet, weil sie gedacht haben, ah, verstehe ich nicht, das ist nicht meine Sprache. Ja, das gibt's öfter mal, ne, dass man bei Spotify irgendwie über so einen Podcast vorbehalten einfach mal so klickt, ah, Titel klingt gut und dann schaltet man rein und dann springt einem plötzlich so Arabisch entgegen und man denkt so, oh shit, ich bin in der falschen Sprache gelandet. Wir reden endlich wieder über die Nouvelle Vague, ich hab's schon gesagt und wenn ich französisch spreche, dann weiß jeder, dann wird es ernst, denn mein französisch ist echt katastrophal oder katastrophal, wie die Franzosen sagen würden. Wobei, du bist im Saarland groß geworden, da ist es doch eigentlich oberste Bürgerpflicht, französisch zu kriegen. Ja, ich hatte auch in der Grundschule, ab der dritten oder vierten Klasse hatte ich französisch bis zur Oberstufe. Ich habe sehr, sehr lange sehr viel schulfranzösisch gelernt, was einem auf der Straße nicht viel weiterhilft. Ich glaube, ich habe mehr französisch gelernt auf Reisen, Urlaub in der Bretagne als irgendwie auf der Schulbank. Und das geht wahrscheinlich den meisten so mit den Fremdsprachen, mit denen sie in der Schule konfrontiert waren. Gossenhaft intellektuell, irgendwas dazwischen. Auf jeden Fall ist das keine Sprache, die man, ich glaube, auch als französisch Schüler müsste man sich da ziemlich durchquälen und wäre wahrscheinlich sehr schnell überfordert, weil es ja auch so ganz viel Sprachspiel ist und Sprachzertrümmerung und Sprachdekonstruktion. Also sprachlich bestimmt kein leichter Film, aber hey, wenn es irgendjemanden gibt, der ein bisschen Französisch kann oder von sich behauptet, der ich kann ganz gut Französisch, schaut ihn mal im Original und schreibt uns vielleicht, wie ihr das wahrgenommen habt und ob ihr mitgekommen seid oder ob es euch hoffnungslos überfordert hat, was da zu hören war. Es ist ja auch durchaus gerade bei diesem Film legitim und vielleicht sogar, worauf wir auch zu sprechen kommen werden, vielleicht auch so gar ein bisschen die Intention des Regisseurs und des Autoren der Vorlage. Ja, wir sind halt auch so mittendrin in der klassischen Postmoderne, können wir es mittlerweile nennen, weil wir befinden uns ja irgendwo danach, wo auch immer, nach der Postmoderne. Das ist ja auch das, was der Postmoderne ganz oft vorgeworfen wurde, dass sie den Sinn und so das Essentielle komplett außen vor lässt und einfach nur noch Spaß haben und spielen will. Also die ganzen Dekonstruktivisten, die denken und gestalten eigentlich nicht mehr nach Inhalt, sondern nur noch danach, wie kann man irgendwie mit Zeug rumspielen, wie kann man referieren und Spaß haben. Und wieso wirft man denen das vor? Das habe ich nie verstanden. Das ist eine gute Frage. Naja, also... Du hast mir zu viel Spaß, das geht nicht. Ich kann es schon verstehen, es gab ja so ein bisschen diesen Konflikt zwischen den Kulturschaffenden, die irgendwie aus der Moderne kamen. Also tatsächlich, die Frankfurter Schule wird so oft in diesen Postmoderne-Diskurs reingeworfen. Ja, möchtest du Tee, bloß ganz kurz? Ja, bitte. Gerade die Gegner der Postmodernen nennen ja oft die Frankfurter Schule. Dabei waren, gerade in der Frankfurter Schule waren einige vehemente Gegner des Postmodernen Spiels, weil die halt gesagt haben, Nee, Kunst muss doch mehr sein, als nur mit Sprache rumzuspielen. Kunst hat doch irgendwie einen Sinn und einen politischen Auftrag. Kunst soll Werte vermitteln. Kunst soll irgendwie was Höheres finden. Und was ihr hier gerade macht, ist einfach nur noch Kunst zum Selbstzweck. Quasi der neue Ästhetizismus. Vielleicht, aber ich glaube, die postmodernen KünstlerInnen und DenkerInnen hätten sich nicht als Designfreaks verstanden. Ja gut, okay. Das ist ja auch eine andere, da kommst du ja aus einer anderen Ecke dann. Das ist klar. Ich glaube, die hätten sich sogar eher so als Antidesign verstanden, weil Design natürlich so sehr formgebunden ist und sehr klar versucht, Ordnung zu schaffen und auch versucht, im Design geht es ja im besten Fall auch ganz oft darum, so einen Gleichklang von Gestaltung und inhaltlicher Ebene zu erschaffen. Also ganz banal, dass du einen geschwungenen Coca-Cola-Schriftzug hast, der irgendwie das vermittelt, was die Marke auch vermitteln soll. Und ich glaube, darum ging es den Postmodernen und den Dekonstruktivisten eher weniger um diesen Gleichklang. Vielmehr um die Zerstörung dieses Gleichklanges. Wir sollten uns auf keinen Fall in zu viel Theorie verrennen. Lass uns mal ganz kurz einsteigen damit, worüber wir überhaupt reden. Saucy Dolle Metro aus dem Jahre 1960 von Louis Malle ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Raymond Conot aus dem Jahre 1959. Also tatsächlich ein Jahr nach Veröffentlichung des Romans wurde das Ding verfilmt. Es war ja gar nicht Louis Malle, der am Anfang so begeistert war von der Vorlage, sondern William Klein, ein Fotograf und Filmemacher, der vor allem bekannt ist durch seine Dokumentarfilme, beziehungsweise damals vor allem durch seine Dokumentarfilme bekannt war. Und der hat das Buch gelesen und war wie viele seiner Zeitgenossen total beeindruckt davon. Das Buch hat hohe Wellen geschlagen, das wurde sehr wohlwollend rezipiert und es wurde sehr positiv darüber geredet, wie es mit der Sprache spielt, wie es Neologismen schafft und wie es in Sprache so Auflösung von Wirklichkeiten darstellt. Und William Klein fand das total toll und wollte das umsetzen und hat dann irgendwie mehr oder weniger durch Zufall mit Louis Malle drüber geredet und hat dann gesagt, hey, lass uns das doch zusammenarbeiten. Oder Louis Malle hat auch gesagt, hey, lass uns doch zusammenarbeiten. Louis Malle war damals schon, war immer so ein bisschen Außenseiter der Nouvelle Vague, war aber damals schon Regisseur, der einen Namen hatte, vor allem dank Fahrstuhl zum Schafott aus dem Jahr 1957. Irgendwas mit Lovers. Und die Liebenden, Les Amants. Genau. Fahrstuhl zum Schafott, vor allem durch die Einbindung von Musik in Filmen. Er hat damals mit Miles Davis gearbeitet für den Soundtrack und übrigens ganz, ganz großartiger North Thriller aus Frankreich, Fahrstuhl zum Schafott, sehr sehenswert, noch in Schwarz-Weiß. Ja, er hat schon mit die Liebenden was komplett anderes gemacht. Also Louis Malle ist ein sehr spannender Regisseur, weil man weiß nie so genau, woran man bei ihm ist, wenn man einen Film von ihm sieht, weil er hat einfach in allen Genres gewütet. Also Fahrstuhl zum Schafott war ein sehr traditioneller North Thriller mit Mitteln der Nouvelle Vague. Die Liebenden war ein unglaublich kitschiger Liebesfilm, bei dem ich bis heute nicht so ganz verstanden habe, warum der so als Meisterwerk gilt. Und dann haben wir Sassi, das ist einfach pures Chaos. Und er hat auch ganz viel im Surrealismus gewütet später. Er hat fast so burleske Filme gemacht, Hollywood-Filme quasi auch. Der hat alles mal rausprobiert. Und insofern finde ich es, also wenn man ein paar Filme von Louis Malle gesehen hat, stellt man irgendwann fest, okay, man weiß einfach nicht, was als nächstes kommt. Weil im Gegensatz zu anderen Regisseuren, auch der Nouvelle Vague, wie zum Beispiel Godard, gibt es bei Louis Malle wenig Konsistenz in den Filmen. Auch qualitativ gibt es große Unterschiede. Und deswegen ist das immer so eine Überraschung. Außer Atem ist 1960 auch entstanden. Das heißt, wir sind hier in derselben Zeit. Und so die Endfünfziger und frühen Sechziger gelten ja als die Zeit der Nouvelle Vague. Ähnlich wie bei anderen Filmbewegungen ist es so, dass die Nouvelle Vague früher einsetzt als ihre Filme. Was einfach damit zusammenhängt, dass die Vertreter der Nouvelle Vague, die großen Vertreter der Nouvelle Vague wie François Truffaut oder auch Jean Renoir, dass die alle eigentlich aus der Kritik kamen. Das waren Theoretiker, die haben über den Film geschrieben. Und so ein bisschen als der Grundlagentext der Nouvelle Vague gilt ja eine gewisse Tendenz im französischen Film von François Truffaut 1954 veröffentlicht. Also eine gute Zeit vor diesem Film. Und die eigentlich großen Langfilme, wo man sagt, das ist Nouvelle Vague, die setzen eher so Ende der 50er, Anfang der 60er ein. Also vielleicht so Hiroshima Mon Amour von Alain René 1959 und Außeratem von 1960 ist eigentlich der Initialfilm der Nouvelle Vague. Die Gefahr besteht natürlich auf jeden Fall. Ich glaube, es ist ganz wichtig, von was für einer Form von Kritiker wir reden. Wenn wir uns die französische Kritik zu der damaligen Zeit anschauen, die französische Filmkritik, ist das was anderes als das, was Roger Ebert dann Ende der 60er gemacht hat. Ganz einfach, weil die haben ja nicht das gemacht, was man heute kennt, so als traditionelle Rezension, wo jemand schreibt, der Film ist so und so, der ist ganz gut, deswegen und deswegen und ich gebe ihm drei von fünf Punkten. Das haben die ja nicht gemacht. Die waren ja wirklich Filmliebhaber und Filmphilosophen, die einfach sich sehr viel mit dem Medium auseinandergesetzt haben und sehr lange darüber nachgedacht haben, was macht die Kunst mit uns, wie können wir die Kunst weiterentwickeln, wie kann sich die Kunst verändern. Also es gab damals vielleicht so ein bisschen mehr so einen Gleichschritt von Kritik und Kunst, einfach weil es ein relativ junges Medium war. Ja, so jung auch nicht mehr, muss man sagen. Als anderes Beispiel, wo es funktioniert, würden mir vielleicht die Expressionisten einfallen. Die klassischen Expressionisten haben ja auch mit diesen Zeitschriften angefangen, wo Theorie ganz oft auch Nebenkunst stand, wo die ganz viel drüber philosophiert haben, was den Expressionismus auszeichnet, wie ihre Kunst aussehen soll, wie ihre Kunst die Welt revolutionieren soll. Und dann gleichzeitig haben sie auch diese Kunst gemacht. Also es gab irgendwie so ein Zusammenarbeiten von Kritik und Medium. Und die haben sich nicht als Gegenspieler verstanden. Und ich glaube, das war bei den Nouvelle Vague-Leuten auch so. Das waren keine Feinde des Films und auch keine Nachmesser. Das waren nicht Leute, die den Film versucht haben einzuordnen. Die haben was anderes gemacht irgendwie. Das ist so hart gesagt. Es geht ja um Kanonisierung auch. Also Roger Ebert ist jetzt niemand, der sagt, ich beurteile, wie gut man den Film verkaufen kann. Das machen wir ja auch nicht. Nein, auf keinen Fall gibt es diese scharfe Grenze. Natürlich findet das alles komplett auf dem Spektrum statt. Ich würde behaupten, die Nouvelle Vague-Leute standen eher so stärker noch auf der anderen Seite des Spektrums, einfach weil die einfach Filme nicht so bewertet haben. Also ich glaube, du hättest die nicht so wie uns über ein Filmreden hören. Die hätten nicht so gesagt, das fand ich nicht so gut handwerklich und das war nicht so gut gemacht. Die hatten irgendwie einen anderen Auftrag, ein anderes Sendungsbewusstsein. Und die Texte, die damals veröffentlicht wurden in dieser Zeitschriftkarriere du Cinéma, für die ja unter anderem Truffaut gearbeitet hat, die hatten auch immer so einen Call to Action drin. Truffaut hat nicht einfach nur gesagt, das ist Kacke am Film, sondern Truffaut hat gesagt, Leute, wir müssen hier so Filme drehen. Guckt euch das mal an. Das müssen wir machen. Also der hat sich immer auch eigentlich als Filmemacher verstanden, der gleich auch sagt, was gemacht werden muss. So ein bisschen. Naja, wir haben halt einfach... Unser Verständnis von Filmkritik ist natürlich auch geprägt von dem, wie es sich dann im 20. Jahrhundert viel entwickelt hat. Und da gibt es natürlich auch die Gesetze des Marktes, die da ganz stark reinwirken. Dass die Masse von Leuten sagt, stellt die Forderung an die Kritik, sagt mir, was ich gucken soll. Sagt mir, wofür ich mein Geld und meine Zeit investieren soll. Oder meine Zeit. Wenn du Zeit als Kapital betrachtest, spielt das ja auch eine große Rolle. Ist ganz spannend, weil wir ja auch in einer Zeit leben, wo man sagen kann, okay, was passiert gerade mit der Kritik dadurch, dass alles so krass verfügbar ist. Zum Beispiel Musikkritik, wird die jetzt obsolet, weil du sowieso kurz mal bei Spotify ein Album reinhören kannst? Oder verändert sich die Kritik dadurch wieder und es gibt wieder andere Anforderungen an die Kritik? Ja. Das klingt immer so negativ und zynisch, wenn du das so sagst. Aber es ist ja tatsächlich ganz spannend, Geschmack eingeordnet zu kriegen. Ja, nee, natürlich. Und auch Geschmack ist total subjektiv, durch und durch. Man kann alles mögen und alles Kacke finden. Aber was man machen kann, ist, ich würde sagen, Geschmack objektifizieren. Das heißt, man kann Gründe finden, warum der Geschmack, den man hat, gut ist. Und warum der, oder beziehungsweise warum das, was man gut findet, gut ist. Und ich glaube, das ist auch vielleicht ein bisschen das, wo sich dann, wo es auch so, wo sich die Frage nach dem guten und schlechten Geschmack irgendwie nochmal trennen lässt. Wenn wir sagen, alles ist subjektiv, dann gibt es keinen guten und schlechten Geschmack. Aber wenn du sagst, du kannst mit Argumenten und indem du tiefer eintauchst, kannst du begründen, warum du etwas gut findest. Wenn du das kannst, dann ist dein Geschmack gut im weitesten Sinne. Während wenn du einfach nur sagen kannst, geil, bunt, dann ist dein Geschmack schlecht. Dann ist vielleicht nicht die Unterscheidung in guten und schlechten Geschmack, sondern eher die Unterscheidung in reflektierten Geschmack. Ja, natürlich. Vielleicht. Und das ist ja auch... Ich weiß nicht. Na, der Vorteil ist im besten Fall, dass du dadurch deinen Geschmack eher vermitteln kannst. Dass du vermitteln kannst, warum du was gut findest und damit vielleicht Leute sogar im besten Fall für etwas begeistern kannst, was dir gefällt. Ich muss gerade an deine Wohnung denken. Der harte Übergang von Theorie zu Praxis. Ich weiß, was mir gefällt. Ich komme in die Johannes' Wohnung und denke, oh ja, stilsicher. Und dann komme ich in meine Wohnung und denke, Moment, bei Johannes war da ein Bild. Wenn ich da jetzt ein Bild aufhänge und dann hängt das in diesem Rattenloch und drunter auf dem Boden steht so ein Pets-Süßigkeiten-Spender. Irgendwo in der Ecke liegt ein Beachvolleyball und die Playstation. Die Playstation ist kein Blickfang fürs Wohnzimmer. Also die Playstation ist eine tolle Konsole, aber sie ist kein Blickfang fürs Wohnzimmer. Sie ist einfach hässlich. Wo waren wir? Sassidole Metro. Louis Mal hat angefangen, das Ding zu filmen. Was, kommen wir echt wirklich zu diesem Film? Machen wir wirklich diesen Film noch? Ja. Und William Klein war dann als Berater dabei, weil sie irgendwann festgestellt haben, okay, William Klein macht nicht wirklich was, sondern Louis Mal macht die ganze Arbeit. Und Louis Mal sortiert alle rum und sagt allen, wie sie stehen müssen und wie sie aussehen müssen. Und dann hat William Klein gesagt, okay, ich halte mich mal ein bisschen zurück. Ich halte mich mal ein bisschen mehr zurück. Und am Schluss war er halt nur noch künstlerischer Berater. Na, Klein selbst hat gesagt, er findet es verrückt, wenn irgendjemand behaupten würde, er hätte Corici geführt in dem Film, weil alles, alles, was gemacht wurde, kam von Louis Mal. Also, wie gesagt, Klein selbst hat gesagt, nee Leute, echt jetzt, ich habe damit nichts zu tun. Und es gibt sogar so eine Anekdote von Klein, wie er gesehen hat, dass eine Szene mehrmals gedreht wurde. Und dann hat er gesagt, ey, das ist eigentlich ganz geil. Und diese Wiederholung, diese Wiederholung, das können wir ja auch machen, wir spielen hier so viel, wir experimentieren hier so viel, warum nicht das? Und er ist dann wohl vor die Crew getreten und hat gesagt, Leute, wie wäre es, wenn wir das machen? Und dann gibt es diesen Moment des Schweigens. Man sieht so einen Busch vorbeifliegen. Und Klein selbst hat gesagt, das war der Moment, wo er realisierte, dass er keine Chance hatte. Er war lost. Es war einfach, es war Louis Mal's Film und Louis Mal hat gesagt, wo es lang geht. Und ich glaube, er dürfte sogar ganz glücklich sein, dann am Schluss noch so als künstlerischer Berater irgendwie eine Rolle in den Credits zu kriegen, weil Louis Mal war ein Regisseur der Nouvelle Vague und dementsprechend war es ein Vertreter des Auteurfilms. Das heißt, Louis Mal war jemand, der davon überzeugt war, dass der große Filmemacher, der Autor alles in der Hand hat und alles bestimmt vom Drehbuch bis zur kleinsten Einstellung. Es gibt so ein Interview mit Louis Mal, ich weiß nicht, ob du es gesehen hast, Anfang der 60er Jahre im französischen Fernsehen, wo er gefragt wird, wie es dazu gekommen ist und wie er einen Film machen wollte und was er im Sinn hatte. Und er sagt, naja, Film ist ein anderes Medium als Literatur und das Besondere an Conos Buch ist offensichtlich, dass es eine Kritik und Dekonstruktion von Sprache und Literatur ist und ich habe versucht, das Ganze insofern in den Film zu übertragen, indem ich es nicht zur Kritik an Sprache mache, was das Medium der Literatur ist, sondern als Kritik am Bewegtbild, am Medium Film. Und dann habe ich halt versucht, so wie das, was auch im Buch enthalten ist, diese Parodie und Pastiche, also diese Imitation, Hommage und Satire, diese Nachahmung von den Traditionen des Mediums, das habe ich versucht, eben im Film zu machen, das heißt, ich nehme die Tradition des Films und versuche das zu persiflieren, zu imitieren, aber auch mich davor zu verbeugen. Das schiebt er dann so hinterher und deswegen möchte ich diesen Film Charlie Chaplin widmen. Ja, das ist so süß. Und Charlie Chaplin hat den Film gesehen und fand den ganz toll. Du musst wirklich dran denken, er war ein junger Regisseur damals, diese Aufnahme von ihm ist toll, weil er sitzt da wirklich als ganz junger, verschüchterter Regisseur. 24, 25, wie alt ist der, irgendwas in der Richtung? Ja, er war, 32 war er geboren, das heißt, er war 28, als der Film veröffentlicht wurde. Also mit 27 hat er ihn gedreht und er ist da wirklich stolz drauf und man merkt ja auch, also er ist ja sehr inspiriert von der amerikanischen Kultur, da werden bestimmt noch mehrmals drauf zu sprechen kommen. Er sagt dann auch, dass er total umgehauen war, als Chaplin zu ihm gesagt hat, dass er den Film mochte und Charlie Chaplin hat den Film in Frankreich gesehen, er hat ihn in Frankreich zum Filmfest eingeladen, der Film war nicht untertitelt. Charlie Chaplin hat kein Wort von dem Film verstanden und Charlie Chaplin war trotzdem begeistert danach. Springen wir einen Schritt zurück. Weil das haben wir euch noch gar nicht gesagt. Ihr habt ja den Film alle gesehen, deswegen müsst ihr es nicht wissen, aber trotzdem ganz kurz, worum geht es eigentlich in diesem Film? Du bist also Onkel Gabriel? Und die sind sofort total liebevoll miteinander. Ich find's total süß. Und wir erfahren auch, warum sie bei ihrem Onkel ist. Und zwar, das ist diese Dark Note, die wir immer mal wieder reingepresst kriegen während dieses Films, weil ihre Mutter schnacken will. Die Mutter trifft sich mit einem Liebhaber und will einfach mal Ruhe vor der blöden Göre haben. Sie ist zehn, auch wenn sie oft nicht wie neuneinhalb klingt. Nein, überhaupt nicht. Aber sie flucht ziemlich schnell und ziemlich viel. Es geht auch gleich los mit Fluchen. Also irgendwie Napoleon. Gabriel sagt, oh und jetzt kannst du die Heimat von Napoleon sehen und Napoleon am Arsch. Und Gabriel will sie dann zu sich nach Hause bringen, also bringt sie auch zu sich nach Hause und sie hat aber nur ein Ziel. Sie kommt vom Land und sie will, wenn sie schon mal in der Stadt ist, will sie Metro fahren. Sie will U-Bahn fahren, unbedingt. Was sonst. Und das ist wirklich, wirklich ein Downer für sie. Sie hat sich so drauf gefreut, Metro zu fahren und dann geht es nicht. Aber Gabriel hat ja auch ein kleines Programm für sie vorbereitet. Also er sagt, ach komm, ich kann dir das zeigen und das. Und er hat auch seinen persönlichen Chauffeur, den Taxifahrer Charles, der sie auch abholt vom Bahnhof und mit dem sie dann durch die Stadt fahren. Ja. Und dann haben wir diese geile Autofahrt-Szene, die auch so sehr schnell ist im Zeitraffer. Und wir sehen Sasi immer mal wieder die Tür aufmachen und sich so raushängen aus dem Auto. Total krass. Gabriel versucht ihr zu erklären, was wo ist und hat selbst keine Ahnung, aber Charles hat auch keine Ahnung. Also wiederkehrendes Motiv. Die Orte, es ist nicht ganz sicher, was wo ist. Ja. Und er sagt, hier sehtest du das Pantheon und dann sagt Charles, Blödsinn, das ist es doch gar nicht. Und sie diskutieren die ganze Zeit drüber. Ja, Sasi flog die ganze Zeit. Sie hat eigentlich keinen Bock. Sie will Metro fahren. Verdammt nochmal, was machen diese komischen alten Leute da mit ihr? Sie ist wirklich süß. Sie ist unglaublich niedlich. Kathrin Demangeau. Ich entschuldige mich sehr für meine französische Aussprache, die wirklich nicht on point ist. Ich war schon gespannt, wie du es machen wirst. Ich gebe mir Mühe. Die hat nicht viel danach gespielt. Ja, sie hat zumindest noch so zwei Filme in ihrer Vita stehen. Genau. Fett zu Tee La Banque mit Louis de Funais und Misa Sack. Keine Ahnung, beide nicht gesehen. Sie dominiert einfach den Film mit ihrem Scham. Ja, mit ihrer Zahnlücke und dann so, naja, so sehr ambivalent gezeichnet, weil sie hat auf jeden Fall das, was wir ja oft sehen in Filmen mit kindlichen Protagonisten, dass sie sehr altklug ist und oft auch weiser daherkommt als die Erwachsenen. Ja, aber sie ist manchmal auch einfach nur Anarchie. Sie ist radikal kindlich, albern, treibt ihre Umgebung zur Weißglut und versucht oft auch klüger und weiser zu klingen, als sie eigentlich ist und sieht man oft in diesen Momenten, wenn sie sich so das, was sie erlebt in der Außenwelt, was teilweise ziemlich krasse und verstörende Sachen sind, indem sie versucht, sich das irgendwie so zusammen zu puzzeln und irgendwie damit die Welt erklärbar zu machen. Und das sind dann halt oft so sehr unvollständige Sachen, die sie irgendwie zusammensetzt, weil halt einfach wichtige Informationen fehlen. Ein wiederkehrendes Moment des Films ist, dass sie sich drüber Gedanken macht, was homosexual bedeuten könnte, weil ein Polizist Gabriel irgendwann bezichtigt, schwul zu sein. Und sie hört das halt und sie versucht das irgendwie zu verstehen und versucht da irgendwie sich so einen Reim draus zu machen und sinniert da sehr viel drüber. Sie redet sehr viel über Sex. Genau, sie will diese eine Gewissheit haben. Und es gibt mehrere Gespräche von ihr über Sex oder über irgendwelche dunkleren Sexsachen. Ja, wenn wir schon in einem Spannungsfeld sind, ich kann mir vorstellen, dass das bei ganz vielen Filmen verstörend wäre, weil es halt irgendwie so sexualisiert im Schlimmsten Fall und dann irgendwie so eine ganz unangenehme Atmosphäre erzeugt. Ich finde, in diesem Film passiert das überhaupt nicht, weil dieses Reden über Sex, das sie macht, immer ein Mittel ist, um die Erwachsenen wahnsinnig und fertig zu machen. Also es gibt ja diese eine Szene, wo sie Charles ausfragen will und dann sich offensichtlich selbst so ein bisschen anbietet und dann gibt es diese Verfolgungsjagd, den Eiffelturm runter und er ist so total gestresst von ihr, weil sie die ganze Zeit sagt, ja, du könntest ja auch mit mir und ich bin doch auch schon fast erwachsen und ihn macht das wahnsinnig. Und es ist so entsexualisiert, es ist einfach ein Kind, das einen Erwachsenen penetrant nervt. Ja, genau, es ist für sie auch so ein albernes Spiel und sie merkt, glaube ich, auch, dass sie damit irgendwie ein Tabu ankratzen und dass sie damit Erwachsene wirklich nerven kann und dass sie damit Erwachsene ärgern kann. Und zu ihrem großen Ziel neben dem Fahren in der Metro gehört natürlich auch, Erwachsene zur Weißglut zu bringen. Das macht ihr ein unglaubliches Vergnügen. Ich glaube nicht, sonst springen wir einfach von Episode zu Episode. Wir können uns ja mal so ein bisschen an den Personen entlanghangeln. Ja, okay. Also wir haben Gabriel, ihren Onkel und Charles, den Fahrer und dann lebt dieser Gabriel in einem Haus mit einer illustren Bewohner-Schar, zu der unter anderem der Vermieter Tyrandeau gehört, der mit seinem Papagei ständig unterwegs ist. Der überhaupt nicht glücklich darüber ist, dass so eine dumme Göre bei ihnen jetzt im Haus ist. Dann haben wir Albertine, die Ehefrau von Gabriel, die zumindest am Anfang wirkt, als ob sie nur bedienen würde. Ja. Sie dann beim Abendessen sitzen und sie geht einmal rein und raus, während Gabriel und Sasi beim Abendessen sitzen. Das ist Peak Nouvelle Vague, ne? Das ist alles, es ist fast wie aus dem Lehrbuch. Ja. Also man kann so außer Atem von Godard nebendran halten, diese Kaffee-Szene. Ja. Und man sieht genau das. Man sieht diese Jump Cuts, man sieht diesen Bruch der 180-Grad-Regel. Ja. Also es ist einfach, die Kamera spielt verrückt. Und selbst wenn man das filmische Fachwissen nicht mitbringt, sieht man, dass da irgendwas auf ist. Ja, natürlich. Nicht so richtig. Warum gehört es zum Film? Warum gehört es da zum Film und nicht bei außer Atem? Ich glaube, da ist was ganz Wesentliches, dass wir, was Skudaya natürlich auch versucht hat, ist so diese Großstadtwahrnehmung mit diesem Hektischen irgendwie rüber zu bringen. Was wir hier haben, ist nicht nur die Großstadtwahrnehmung, sondern vor allem die Wahrnehmung eines Kindes, die so unvollständig ist, die auch chaotisch ist und die Sachen vergisst, Sachen weglässt. Und die einfach springt. Und das Kind muss nicht ADHS haben, um so zu sein, dass Kinder einfach nicht so eine Aufmerksamkeitsspanne wie Erwachsene. Kinder sind schnell abgelenkt. Für Kinder geht alles irgendwie rasanter und aufregender. Und das sehen wir halt hier die ganze Zeit. Da wird halt auch ein Essen zu einer großen Party, auch wenn sie nichts anderes machen, als Supps zu löffeln. Ja, ja, genau. Es ist großartig. Es gibt es später dann nochmal mit den Muscheln, was auch total krass wird. Und während sie das macht, erzählt sie diese absurd düstere Geschichte, dass ihre Mutter ihren Vater umgebracht hat. Und die Krass. Diese Hektik der kindlichen Wahrnehmung sehen wir vor allem ja, weil es gibt große Verfolgungsjagden. Dieser Film besteht eigentlich aus, man könnte sagen, drei großen Verfolgungsjagden. Die erste ist noch relativ kurz. Das ist die, wenn sie am nächsten Morgen abhaut und dieser Tyrandeau hinter ihr herläuft. Und sie will halt die Metro sehen und sie flieht vor dem Tyrandeau und kommt dann, hat sie fast und dann landet sie in so einem Kreis von Leuten. Und sie sagt, helft mir, ich kenne diesen Mann nicht. Und eine nette Frau fragt, was hat er denn gemacht? Und dann flüstert sie ins Ohr. Und du kannst dir auch vorstellen, wie es im Verlauf dieser stillen Post immer schlimmer und schlimmer wird. Weil alle sind empört. Und es wird auch weitererzählt. Es geht durch den Kreis durch und dann erfahren, kriegen es die Leute nochmal reingeflüstert, die es schon davor einmal reingeflüstert bekommen haben. Ich finde es super. Ich habe so viel Spaß dabei. Und dann kommen wir zur zweiten großen Verfolgungsjagd. Und die ist mit einer Figur, die offensichtlich sehr wesentlich ist im Film, weil die kommt sehr oft vor, in wechselnden Rollen. Das ist unser Trousquillon, der in dem Fall noch Petro heißt. Und er wird schon so als Triebtäter eingeführt. Eigentlich ja. Er sieht sie und er denkt sich so gleich, oh. Und man sieht in seinem Blick, wie er so angeregt ist von ihr und sich die Haare nochmal kämpft und nochmal schick macht, damit er mit ihr reden kann. Und er redet dann mit ihr und versucht, sie irgendwie so zu bezirzen. Und sie will halt unglaublich gerne eine Blue Jeans. Ja. Und die kauft er ihr dann auch von einem Verkäufer, der aussieht wie er. Warum auch immer. Warum auch immer. Und dann kommt diese Szene mit dem Essen, von der wir erzählt haben. Und sie macht sich die ganze Zeit eigentlich drüber lustig, dass er sich wohl an ihr vergreifen will. Und er erzählt dann halt auch diese Geschichte von ihrem Vater, der sich an ihr vergreifen wollte, weswegen es ihm den Kopf gekostet hat. Und dann ganz abrupt rennt sie vor ihm weg, klaut ihm die Hose und wir kommen zu der zweiten, wirklich langen Verfolgungsnacht nach 30 Minuten Film. Und diese Verfolgungsjagd dauert über 5 Minuten. Ja, und deshalb haben sie natürlich dieses Spiel mit den Worten, und das sehen wir ganz krass in dieser Verfolgungsjagd, zum Spiel mit den Bildern. Ja, volle kleine. Wir haben eine irre Verfolgungsjagd immer wieder reingeschnitten, wie sie rennt, lachend Richtung Kamera, ohne vorwärts zu kommen. Ohne vorwärts zu kommen, ja. Und dann haben wir alles drin, was es gibt an traditioneller Stumpf im Slapstick, aber auch so Looney Tunes. Wir haben wirklich Comic-Einschübe-Explosion. Sie wirft ihm auch einmal dieses Dynamit hin, wirklich dieses Comic-Dynamit. Ich glaube sogar zweimal. Zweimal sogar, dass nur seinen Augen explodiert und dann ist sein Gesicht auch voll mit Ruß. Also wirklich, wie man es kennt von Willie E. Coyote. Das ist genau das. Ich krieg mal mit Slapstick, ich weiß es doch. Das ist tricktechnisch so super schön. 1960, ne? Ja. Ganz toll, auch wenn er sie dann angelt. Und dann hat er plötzlich diese alte Frau angeangelt, die genauso angezogen ist wie sie. Es ist wahrscheinlich wirklich so diese Verbeugung vor dem Kino. Und vielleicht das satirische Moment, in dem es einfach nochmal so eine kleine Schippe draufsetzt. Weil es, also zumindest diese traditionellen Slapstick und Verfolgungsjagdfilme, die waren so extrem spektakulär. Aber die haben versucht immer zumindest so ein Stück auf dem Boden des Realismus zu bleiben, oder? Also so diese Verdopplung von Personen. Ja, er löst Gesetze der Physik halt auch einfach, wie sie sich bewegen und wo sie langlaut. Sie fährt Auto dann irgendwann auf dem Beifahrersatz und guckt nach hinten und das Auto fährt einfach von selbst weiter. Ja, genau. Also die Realität wird damit einfach komplett gebrochen. Und ganz radikal, wie gesagt, in diesen Comic-Einschüben, wo wir wirklich diese Explosionen haben mit Plitzen, die gemalt sind auf der Leinwand. Kein richtiger Konflikt. Und es gibt viele Konflikte, aber keiner wirkt so, als ob er existenzgefährdend oder wirklich bedrohlich wäre. Hast du das Gefühl, dass das gutes Schauspiel ist, was da stattfindet? Na, es ist halt gutes Schauspiel in dem Rahmen, in dem es stattfindet. Also es arbeitet mit Overacting und mit satirischem Spiel und auch mit Brüchen mit der vierten Wand und mit so Metaspielereien. Das heißt, es ist kein gutes Schauspiel im realistischen Sinne oder im naturalistischen Sinne, aber es ist ein perfektes Schauspiel im satirischen Sinne, im Spoof-Sinn. Ich glaube, ganz viel ist es vom Spiel auch sehr bewusst eine Verbeugung vor dem Stummfilm-Schauspiel. Ja, voll. Also wir haben zum Beispiel diese Szene dann, wenn der Trousquillon dann zum ersten Mal bei Gabriele und Albertin ist und sich in Albertin verliebt, warum auch immer. Ja, ja. Frag nicht nach dem Sinne. Und dann haben wir diese romantische Musik und dann kommt ja sogar diese Off-Erzähler-Stimme. Was? Er verliebt sich jetzt? Okay. Und dann macht er sie an und das ist einfach Stummfilm. Und um die Frage schon mal vorwegzunehmen, was, wer oder was ist dieser Trousquillon? Weil dann ist er ja plötzlich ein Polizist und plötzlich hat er das Recht, sie festzunehmen. Er ist nicht mehr dieser Triebtäter, er wird auch nicht mehr dieser Triebtäter sein. Was ist es mit dem? Weil wir begegnen ihm nachher nochmal als Polizist wieder, ohne Schnurrbart plötzlich. Ja. Wir begegnen ihm am Ende als faschistischen General wieder, der die ganze Party auflösen will. Was ist das für eine Figur? Er ist, glaube ich, sehr viel dran. Also wäre tatsächlich auch so einer meiner Gedanken, dass er so vielleicht noch konkreter, dass er die Verkörperung von dem ist, was das Kind doof findet an Erwachsenen. Er ist die doofe Seite der Erwachsenenwelt, weil er ist die Autoritätsperson. Er ist der irgendwie komische, awkward, übergriffige Typ, von dem sie auch ahnt, dass er nichts Gutes im Schilde führt. Er ist der, der die Party beendet. Ja, ja. Und er ist der, der sich an die wirklich nette Frau von ihrem wirklich netten Onkel ranmacht. Also irgendwie ist er immer da als Störfaktor mindestens, wenn nicht sogar als Bedrohung, also wenn auch in diesem naiven kindlichen Sinne. Ich finde ihn auch ganz interessant, wenn wir von dem Kindlichen weggehen, als Verkörperung von einer gewissen Bürgerlichkeit, die im Gegensatz steht zu dem sehr bohemischen, zu diesem Bohem-Leben, das der Gabriel führt. Dazu kommen wir ja gleich, weil wir werden gleich was Wichtiges über Gabriel erfahren. Bleiben Sie dran. Und zwar ist er, er ist dieser, der Triebtäter in der Maske des netten Bürgers, dazu tritt er als erstes auf. Dann ist er der Polizist, der seine Macht benutzt, um sich an eine Frau ranmachen zu können und um einfach einen netten Kerl, den sie mag, zu bedrohen. Er ist ein Polizist, der seinen Job macht irgendwann einfach nur, ohne drüber nachzudenken in dieser dritten großen Verfolgungsjagd. Und dann irgendwann ist er sogar Faschist und General. Und das sind immer so Rollen des Bürgerlichen, denen hier das künstlerische, weltoffene, lebendige Paris entgegengestellt wird. Sie ist ja voll in der Bohem-Gesellschaft gelandet. Gabriel ist Trek. Er ist Tänzer in einer, offensichtlich in einem Kabarett, wo er als Frau verkleidet auftritt. Und deswegen kommt auch der Gedanke, dass er homosexuell sein könnte, weil er ja Frauenkleider trägt. Aber vielleicht habe ich auch einfach nur ganz viele Textstellen verpasst. Nee, es gibt ja diesen Moment, wo Charles das sehr vehement leugnet. Und es wird ja immer wieder diese Ehe mit Albertin angeführt, als Grund, dass er nicht homosexuell sein kann. Ich finde es ganz interessant, wie er selbst damit umgeht, weil er kokettiert ja immer so ein bisschen damit. Also er leugnet es nie so krass, sondern sagt, naja, ich bin doch verheiratet. Und dann sagt Sassi, glaube ich sogar, ja, das muss sich ja nicht davon abhalten, homosexuell zu sein. Also es bleibt immer so ein bisschen vage. Frankreich war tatsächlich im Vergleich zu Deutschland zum Beispiel relativ liberal, was den Umgang mit Homosexualität betrifft. Also die wurde im Zuge der französischen Revolution wurde Homosexualität legalisiert in Frankreich. Das heißt, so früh schon? Ja, also ich bin im 18. Jahrhundert damals festgehalten im Strafgesetzbuch sogar, dass Homosexualität nicht mehr illegal ist. Oh, geil. Und was natürlich nicht heißt, dass da alles Sonnenschein war und so. Ja gut, aber so ein erster Schritt ist ja nur wesentlich. Und es war halt, es war wie oft Anfang des 20. Jahrhunderts in Europa, war es natürlich ein urbanes Phänomen. Also offen ausgelebt ein urbanes Phänomen und in Künstlerkreisen, halt in so liberalen Kreisen. Was in Deutschland genauso war, nur halt mit dem Unterschied, dass es eher vom Gesetz anerkannt war. Ja, aber es wurde trotzdem auch diskriminiert, auch von staatlicher Seite. Also es war jetzt nicht so, dass die Öffentlichkeit in der Stadt gesagt hätte, lass die mal machen. Es gab zum Beispiel eine homosexuelle Zeitschrift, Inversion 1925 und die wurde zensiert und die wurde auch verboten. Die hat dann einfach nicht mehr existiert. Das heißt, es gab schon immer auch so unter der vermeintlichen Legalität von Homosexualität gab es immer Gesetze, die es irgendwie den Homosexuellen schwer gemacht haben. Und es gab auch, es gibt ja dieses klassische Alter-Ding, ab wann darf man heiraten? Oder genau, Schutzalter, ab wann darf man sexuell verkehren oder eine Beziehung haben? Das lag für Homosexuelle immer höher als bei Heterosexuellen. Also da wurde einfach unterschieden. Ja, das ist auch irgendwie schön, das ist auch gar nicht so wichtig. Auch wie diese Ehe von ihm und Albertin wirkt, wir haben ja sehr früh dann doch das Gefühl, dass das eher eine platonische Ehe ist. Da gibt es keine romantische oder sexuelle Energie zwischen den beiden. Aber es wirkt trotzdem wie eine echte Ehe. Die würden durch dick und dünn gehen. Ja, genau. Und die sind auch irgendwie füreinander da und achten aufeinander. Aber es ist halt nicht so das, was man einer traditionellen Ehe versteht. Es wird keinerlei Beziehung zu einem Mann von ihm angedeutet. Nee. Aber er scheint sich auch ganz gut in der Rolle, dieses Bohem zu gefallen, der halt mal hier und mal dort. Ja, ja, genau. Wahrscheinlich würde man ihn heute als bisexuell bezeichnen, keine Ahnung. Ja. Vielleicht hat er eine Beziehung mit Sam Schiffeur. Vielleicht hat er eine Beziehung mit Charles, wobei Charles ja doch sehr an Mardo gebunden ist. Da haben wir ja die große Romanze des Films. Die Kellnerin, die eventuell die Tochter von Tyrandeo ist, wir wissen es nicht genau. Aber er will sie ja heiraten und sie fallen ja immer übereinander her, wenn sie sich sehen und küssen sich sehr leidenschaftlich. Auch mal mit Sonnenbrillen wechseln. Oh gut, Brille, überhaupt Brillen. Brillenwechsel, ja. In diesem Film werden sehr oft Brillen gewechselt. Manchmal fallen sie vom Himmel her. Manchmal gibt es auch einfach diese Jump Cuts. Also ich finde diese Szene echt schön, wo Mardo und Charles sich küssen und dann haben sie immer abwechselnd die Sonnenbrillen auf. Und du brauchst immer so zwei, drei Schnitte, bis du verstehst, dass da gerade was Merkwürdiges passiert. Ja, ich sag's ja ungern, weil das ja ein Film ist, den hattest du mir vorgeschlagen, den hatte ich dann doch relativ hart kritisiert. Aber natürlich werden ganz oft Erinnerungen an Tati wach, an Playtime. Ja, ja. Dieses Panorama, wir zeigen Stadt und da passiert was und da passiert was und da passiert was und guckt mal, sucht euch mal raus, was ihr witzig findet, was ihr euch angucken wollt. Where's Waldo? Ja, genau. Und nicht so radikal wie bei Tati, weil dieser Film halt weniger auf Panoramen setzt, sie setzt mehr auch auf Nahen und mehr auf Schnitt und so. Tati hat ja wirklich uns die Panoramen hingeworfen und uns dann sehr lange in den Panoramen umherirren lassen. Ja. Aber mit demselben Geist und mit denselben Vibes, auch so nach dem Motto, hey, hier passiert sehr viel, das ist sehr viel Leben, guck mal, ob du klarkommst. Ja, Tati hat ja immer so ein bisschen auf diese Panoramen gesetzt, bei Playtime wahrscheinlich am amorganistischsten. Ja, und am konsequentesten. Gut möglich, dass wir hier so eine Doppelinspiration haben, dass man sich mal von Tati's Klassikern inspirieren lässt und dann Tati wiederum, wenn er seinen neuesten Film dreht, denkt, ach, bei dieser Sassi sind ja echt irre Sachen passiert. Ich glaube, ich könnte auch nochmal ein Stück Irrer werden. Oh mein Gott, was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir? Ich glaube, wir wurden rausgerissen. Aber wohin? Oh mein Gott, Johannes. Ja? Ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo. Oh nein. Shit. Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Gespräch können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen? Beam, whatever, was ihr auch benutzt. Genau, also abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren sollen. Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer euer Podcatcher anbietet. Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes-at-musmann-sehen.de oder florian-at-musmann-sehen.de. Genau, schickt uns Filmvorschläge und so weiter. Boah, das, oh, wir sind schnell durchgekommen. Ja, jetzt schnell raus, schnell wieder zurück ins Gespräch. Okay, Sasi darf nicht Metro fahren, aber immerhin macht ihr Onkel einen Ausflug zum Eiffelturm mit ihr. Alter, mir wird schwindelig. Es ist unglaublich. Es gibt einige Momente, wo ich denke, shit, das ist wirklich gut, weil sie balancieren dann da dran rum und es wirkt immer so, als würde einer kurz, Sasi beugt sich über das Geländer. Ja, super krass. Gabriel hält sie auf und seine Brille fällt runter und es ist immer so ein Schwindel dabei und dann ist da noch diese Schwarzwald-Gruppe, ne, wir haben deutsche Frauen hier. Die Gretchens. Gretchens, genau. Die auch Gabriel total geil finden, warum auch immer. Also die sind von Anfang an angetan von ihm. Die kleben dann quasi nur noch an ihm. Stimmt, dieser Käpt'n muss plötzlich auf dem Leuchtturm stehen. Es ist super. Ich war mal auf dem Eiffelturm, aber ich hab keine Idee mehr, wie das war, aber so war es nicht, glaube ich. Du kannst da auch keine Treppen gehen, oder? Du fährst da mit einem Aufzug hoch, dann bist du oben und dann kannst du runtergucken. Weil Charles und Sasi gehen ja die kompletten Treppen runter, das Ding ist hoch. Ja, der Hammer. Während Gabriel dann, nachdem er die Brille verloren hat, von einem philosophischen Schwindel befallen wird und anfängt, wie prätentiös ist das? Er fängt nämlich dann an, existenzialistisch zu philosophieren, während er über den Eiffelturm irrt verfolgt von den Kretschens. Warum ist da ein Eisbär? Also der Eisbär kommt nachher noch mehr vor, aber warum? Er schwindelt dann da so drüber, verfolgt von den Frauen und dann fällt er irgendwann mit diesem Ballon und segelt sanft zur Erde und landet auf dem Sandkasten. Die ihr geholfen hat, die Zeitschrift richtig zu drehen, die sie offensichtlich seit 10 Minuten verkehrt rumliest. Es sieht aus wie so ein futuristisches Timer. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, er könnte jetzt auch gleich abheben. Ja, ich glaube auch, mich an sowas zu erinnern, dass dieses Auto tatsächlich irgendwie, also es wurde zumindest gebaut für den Film, es ist keine Halluzination von uns, es existiert zumindest in diesem Film. Und dann haben wir ja unsere dritte große Verfolgungsjagd, nämlich mit dieser Madame Mouac, die das Streitgespräch zwischen Sazie und Gabriel mitkriegt. Vor allem, dass Sazie Gabriel prügelt und die sich eigentlich so einmischt, um den Streit zu schlichten und dann auch ziemlich schockiert ist von Sazies losem Mundwerk. Und dann wird Gabriel entführt von diesen Gretchen. Dann müssen Madame Mouac, die sich hoffnungslos in Gabriel verliebt hat, der eigentlich nur einen Mann will, egal wen, und Sazie zusammen mit dem Polizisten. Wir haben den nächsten Auftritt von Trousquillon. Aber er hat plötzlich keine Schnauzer mehr, oder? Er hat keinen Schnauzer mehr, genau. Man muss auch zweimal gucken, um festzustellen, dass er das wirklich ist. Und mit dem müssen sie jetzt auf jeden Fall dem Bus hinterher, damit sie Gabriel anfangen, weil der muss ja zu seiner Probe, weil der einen Auftritt hat in Le Paradis, seiner Bar. Ja, und dann... Und dann sind sie plötzlich zu viert im Auto. Also sie sind mal zu dritt, mal zu viert. Und dann haben sie auch, am Schluss ist das Auto nur noch so blanke, ohne Karosserie, wirklich nur noch der Unterbau. Es ist einfach eine Absurdität. Ich weiß nicht, ist es irgendwann für dich bemüht? Nee, nicht bemüht. Es gibt einen Moment, wo ich denke, wow, das ist ganz schön anstrengend jetzt. Aber es wirkt die ganze Zeit so lebendig und es wirkt nie forciert. Es wirkt für mich immer irgendwie, es passt immer. Es ist ja auch kein, es ist kein besonders langer Film, ne? Er geht anderthalb Stunden. Naja, was heißt kein besonders langer Film? Es ist halt eine normale Spielfilmlänge. Und er zieht es halt einfach durch. Also ich meine, es gibt schon so ein bisschen ruhigere Momente. In manchen Dialogen ist es so ein bisschen ruhiger. Aber er hat immer so ein Grundtempo und er hat auch immer so einen Grundton. Du hast immer das Gefühl, dass er gleich wieder losstolpern kann. Ja, ja, ja, total. Und er stolpert ja auch dabei ein bisschen, aber das ist auch Teil des Vergnügens, ne? Also du sagst, die Eiffelturm-Szene ist ein bisschen lang, würde ich direkt unterschreiben. Und würde auch sagen, dass es so einen Moment gibt, wo man denkt, ah, okay, passiert jetzt was anderes oder muss ich jetzt noch zehn Minuten Shakespeare-Satre-Dialog-Monolog erleben? Und ja, der Film stolpert dabei ein bisschen. Das Pacing ist halt, und es gibt kein kohärentes Pacing. Aber dadurch ist er halt ständig in Bewegung und du wirst halt ständig hin und her geruckelt und hast vielleicht auch gar keine Zeit darüber nachzudenken, dass es zu viel sein könnte. Also es gibt die Theorie, dass der Film sich sehr stark auch mit dem Wandel in der modernen Großstadt befasst. Und offensichtlich sind zum Beispiel die Getränke, die sie austauschen, sind alte Getränke, traditionelle französische Getränke, die ausgetauscht werden durch neue Getränke. Und es gibt ja auch diese eine Szene, wo man einen Chamophonspieler irgendwas sieht, der durch eine moderne Jukebox ersetzt. Einfach so Jumpcard. Und es gibt diese Szene, wo das Telefon ein ganz traditionelles Fernsprechgerät gezeigt wird. Und das wird dann so in drei Schnitten, glaube ich, zum modernen Weltscheibentelefon der damaligen Zeit umgemodelt. Und das machen die auch, glaube ich, mit der Bar. Wir haben hier so ein sehr traditionelles französisches Bistro, das ständig umgebaut wird und einfach ständig diesen urbanen Wandel in sich trägt. Ja, ich weiß, was du meinst. Ja, ich habe es tatsächlich gar nicht so wahrgenommen, dass er das so radikal wertet. Aber ich glaube, man kann einen Punkt dafür machen. Also ich sehe was, was du damit meinst. Ich habe das Gefühl, er vermandet uns da einfach mit der Hektik. Und es gibt halt diesen Wandel. Und der Film feiert ja auch irgendwie so das moderne, städtische Leben. Ich meine, Gabriel begegnet er mit sehr viel Liebe. Und dass Gabriel ein Tracktänzer ist, ist toll. Und da ist ja auch dann Trousquillon ganz klar der Antagonist, der irgendwie, der sich zuerst drüber auslässt, dass Gabriel möglicherweise homosexuell ist. Und der dann auch irgendwie, ja dann ganz am Schluss so als wirklich dieser Faschist auftritt, der sagt, jetzt ist Schluss mit lustig, jetzt wird gekämpft. Wobei vorher ja auch gekämpft wird. Ja, was passiert da eigentlich bei dem Kampf? Das ist so das große Finale, wo alles eskaliert plötzlich. Aber man weiß überhaupt nicht, vor allem weil sie schon schläft. Ja. Und ich weiß gar nicht, was das... Sie wird teilweise, sie wird manchmal wach und wirft dann noch so einen Teller. Sie ist einfach total erschöpft. Sie hat einen anstrengenden Tag hinter sich. Sie hat viel erlebt und dann schläft sie so halb auf dem Tisch und dann... Ist das noch ihre Projektion ihres Traumes? Vielleicht ist das, was sie sich vorstellt, was die Erwachsenen machen, wenn die Kinder im Bett sind. Weil jedes Kind will das wissen. Und jedes Kind fragt sich, ey Leute, ihr habt jetzt noch drei Stunden, was macht ihr jetzt? Was zur Hölle macht ihr dann mit der Zeit? Ja. Und vielleicht stellt sie sich das vor, dass das ist, was sie verpasst. Ja. Weil wir haben dann ja auch, also sie ist ja in diesem Nachtleben vorher schon unterwegs und wir haben dann plötzlich dieses hektische Nachtleben mit den vielen Lichtern und mit diesen Neon-Reklamen und dann jetzt sie allein ein zehnjähriges Mädchen, allein durch die Straßen und so. Ja, das ist krass, weil sie so müde ist und erschöpft. Der Film hat halt nicht diese Dramatik. Eigentlich würde man sagen, oh mein Gott, das ist total schrecklich, das arme Kind, kann ich irgendjemand sagen, wo hörst du hin?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Also schon ein bisschen düster, ne? Wir haben hier ein zehnjähriges Mädchen, das von ihrer Mutter beim Bohem-Onkel abgeladen wird, damit die Sex haben kann mit ihrem Liebhaber. Und dann büchst du das Kind aus, dann ist das Kind ganz lange allein in Paris unterwegs und dann läuft es durch offensichtlich, was so ein halbes Rotlichtviertel ist oder zumindest so eine Amüsiermeile und ist total müde. Es wird alles gut, aber es ist schon irgendwie ziemlich stark, oder? Es ist auch so ein bisschen, also wird damit auch ein bisschen erzählt, wie sie eigentlich ein Kind ist, das zu viel gesehen hat, zu viel Erwachsenes mitgekriegt hat, zu viel von dem ganzen Shit aufgesogen hat und deswegen irgendwie das verarbeiten muss, indem es anfängt, solche Geschichten zu erfinden und sich solche Geschichten auszudenken. Also könnte sogar Trousquillon eigentlich wirklich einfach nur ein Polizist sein, aber sie sieht einen Erwachsenen, den sie als Antagonisten wahrnimmt und projiziert da so diese Ängste, die sie gegenüber ihrem Vater hertreibt. Ja, ja, ja. Weil es gibt ja auch offensichtlich, also ich meine, dass ihre Mutter ihren Vater erschlagen hat, halte ich jetzt mal für sehr unwahrscheinlich, aber offensichtlich gibt es ja so einen Konflikt und ihre Mutter ist mittlerweile mit ihr allein und also man kann sich sehr gut so eine Geschichte überlegen, dass sie von ihrem Vater missbraucht wurde oder zumindest, dass der Vater das vorhatte und dass die Mutter ihn deswegen verlassen hat und mit ihr geflohen ist und dass sie das jetzt, sie hat halt ein Fahrzeug zu verarbeiten. Sie hat ein tolles Leben, sie hat echt Spaß und sie ist aufgeweckt, sie ist intelligent. Ich habe nicht das Gefühl, dass sie fertig ist und dass sie Hilfe braucht, sondern eigentlich brauchen ihr die Leute Hilfe, mit denen sie Kontakt hat. Und dann, wenn sie schläft, es eskaliert ja genau, also eigentlich sind die Erwachsenen ja total verrückt, weil sie schläft und dann prügeln die Erwachsenen aufeinander ein, schlagen sich mit Tellern. Ich habe fast das Gefühl, die Kulissen werden in dem Moment eingerissen. Dass wir jetzt so das Gefühl haben, der Film hebt sich jetzt quasi selbst auf und in dieser Prügelei reißen sie die Wände eigentlich ein vom Filmset. Jetzt ist Feierabend, so wie die Metalband, die am Schluss ihre Instrumente zertrümmert. Ja, oder wie bei Mel Brooks, das ist ja auch. Genau, genau. Und dann kommt Trousquillon zum letzten Mal mit seiner Armee draußen. Irgendeine geile Szene, wenn wir die Armee, die auf dem Bildschirm ist und die kommen dann näher und dann sehen wir, dass das nur so ein Bildschirmbild ist. Weirdes, geiles Bild. Und dann wird gekämpft und es gibt Revolution und Krieg und Prügelei und es endet damit, dass Gabriel, Albertin und Sasi, die immer noch schläft, fliehen. Albertin, die offensichtlich im Buch zu einem Mann gemacht wird, dann am Schluss auf den letzten Seiten. Ich habe das Buch nicht gelesen. Das habe ich nicht mitbekommen. Der Charakter Albertine heißt auch anders im Buch und sie ist dann in dem Moment plötzlich ein Mann. Wir haben bei ihr ja auch schon so einen kleinen Wandel. Also sie kleidet ja Mado ein, nachdem die den Heiratsantrag gekriegt hat von Charles und fährt dann, muss Gabriel noch sein Kostüm bringen und fährt dann durch die Stadt und ist so sehr schick gekleidet plötzlich. Ist plötzlich so eine Macherin. Ich weiß gar nicht, wie ich es anders formulieren sollte, aber sie kriegt so männliche Klichee-Trademarks so ein bisschen drauf dadurch, dass sie so die Haare zurückgebunden und schicke Lederklamotten. Ich weiß es nicht. Ich kann es nicht genau beschreiben. Sie wird maskuliner gemacht, zumindest was Rollenklischees betrifft und sie fliehen dann zusammen in die Metro. Ich finde es eigentlich schön, dass sie am Schluss nochmal Metro fahren kann. Auch wenn sie es verschläft. Aber sie verschläft es, ja. Sie verschläft es, das ist auch irgendwie ein bisschen traurig, aber eigentlich ist es okay, weil, ganz unabhängig davon, dass ich diesen Film großartig finde, es ist wunderbar. Meine liebste Szene ist ganz am Schluss, wenn sie dann bei der Mutter abgegeben wird und die Mutter fragt so, und hattest du eine gute Zeit? Es ist zu großartig. Und sie sagt so, ach, Komsa. Und es ist so geil, also sie sagt danach noch ein bisschen mehr, aber ich finde dieses Komsa so hammergeil. Einfach weil, das war alles, die Welt ist explodiert und eskaliert, es war ein Farbrausch, es waren Verfolgungsjagden, es war Party und Schrecken und Horror und Spaß und sie so, ja, war ganz okay. Ach krass, weil dieser Trouscalion scheint extrem zentral zu sein in der Geschichte, weil er kommt immer wieder vor und seine Persönlichkeitsauflösung wird immer krasser und irgendwann ist dann ja auch dieser Moment, wo er bei Albertin ist und hier nochmal auflauert und sie dann fragt, ey, wer bist du überhaupt? Und er sagt so, ich weiß selbst nicht so genau, ich wusste mal meinen Namen, aber jetzt weiß ich nicht mehr mehr meinen Namen, ich habe keine Ahnung mehr. Und da gibt es auch nochmal so diesen Schnitt mit der Kamera, wo er dann plötzlich nackt steht und total erschrocken ist. Also es ist so, er ist eigentlich die Person, die am meisten Probleme hat, mit dieser, die Gewissheiten zu wahren. Ja, das stimmt. Und um das vielleicht nochmal stark zu machen, er ist vielleicht so eine Verkörperung des Bürgerlichen, das, was die Kinder doof finden, die Vertretung der klassischen bürgerlichen Autorität und eben sowohl mit Licht als auch Schattenseiten, weil als Polizist ist er ja ab einem gewissen Punkt sogar hilfsbereit, wenn sie Gabriel versuchen zu retten von den Grätschens, da hilft er ja sogar und dann ist die Witwe, die Muak, ist dann ja auch eine Zeit lang ihm komplett verfallen und er ist irgendwie so ein Charakter, der Autorität darstellt, der Bürgerlichkeit darstellt und der deswegen dazu verdammt ist, zu verlieren in diesem grotesken Schauspiel.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ja. Ja. Ja. Und es war 1932 geboren, er war 13 Jahre alt, als der Krieg vorbei war und er hat wirklich so ganz wesentliche Kindheitsjahre hat er einfach mal in Kriegszeiten verbracht. Ja, finde ich auf jeden Fall spannend, auch als Interpretation, dass es hier auch darum geht, nochmal so eine Stimme zu finden. Und die Nouvelle Vague-Leute, denen ging es ja auch ganz stark darum, dass Frankreich eine künstlerische Identität entwickelt. Die haben ja diesen Film vorgeworfen, die aus der Filmfabrik kamen, die sie kritisiert haben, dass die eben sehr formelhaft sind und dass die eigentlich nichts anderes machen, als Tradition zu imitieren. Und dann gab es ja diesen Stolz von diesen jungen Filmmachern, die gesagt haben, wir machen jetzt hier unser eigenes Ding. Und deswegen ist die Nouvelle Vague ja auch so zersplittert. Es gibt ja wenig, man kann wenig sagen, was die Stilmittel der Nouvelle Vague sind. Also sowas, was wir hier sehen, so Jump Cuts und Auflösung von Zeit sehen wir da sehr oft. Entfesselte Kamera. Entfesselte Kamera. Aber sowas wie Nouvelle Vague kann halt auch sowas sein wie bei Truffaut, wo ganz ruhig und traditionell erzählt wird und das Besondere eher so in den Geschichten stattfindet. Und das hängt halt auch damit zusammen, dass es einfach so ein gewisses Selbstbewusstsein gab auf die individuelle Schaffenskunst. Und sprich, wir haben hier sehr viele Individualisten. Nouvelle Vague war einer derer, die auch eher so am Rande der Nouvelle Vague stattgefunden haben, weil er nicht zu den großen Theoretikern gehört hat, sondern weil er gemacht hat. Während Truffaut geschrieben hat, wie man das Kino retten konnte, war Louis Malle Kameramann bei Jacques Cousteau. Ja, ja, genau. Also er hat einfach von Anfang an gearbeitet. Er hat nicht lange studiert. Kommen wir ganz kurz zur Darkside von Louis Malle im künstlerischen Sinne. Oh, okay. Louis Malle hat nämlich einen Film gemacht, 1977. Ich hoffe, also bei mir funktioniert es, dass es das nicht ändert an der Wahrnehmung von diesem Film. Aber es könnte was an der Wahrnehmung von diesem Film ändern. Vor allem an dem Gereden über Sex von Sassi. Und zwar hat Louis Malle 1977 den Film Pretty Baby gemacht, der damals schon sehr kontrovers rezipiert wurde und auch in der Retrospektive immer mal wieder herangezogen wird als einer der großen kontroversen Filme. Die Geschichte von einem kleinen Mädchen, das in einem Bordell groß wird und dann selbst auch ihre Jungfräulichkeit wird versteigert und sie heiratet einen Freier dann. Sie wird gespielt von der 10-jährigen Brooke Shields. Ich glaube, die war 10 damals. Und es gibt auch Nacktszenen von ihr. Oh ja, stimmt. Die Geschichte. Ich wusste gar nicht, dass es so ehemal ist. Also, ich habe den Film gesehen und es fällt nicht sonderlich schwer, diesen Film als große Päderasten-Fantasie zu lesen. Oh Gott, oh Gott, oh Gott. Weil es wird natürlich als Drama inszeniert und es geht ganz viel um diese Figur, die Brooke Shields spielt und darum, was sie erlebt. Aber der Film ergötzt sich ganz eindeutig am kindlichen Körper. Am kindlichen nackten Körper und am kindlichen zurechtgemachten Körper. Oh Gott. Und er erzählt auch, ich meine, es ist Kindesmissbrauch, was da stattfindet, aber er erzählt die Geschichte von einem Freier, von einem Sexualstraftäter, der ein Kind missbraucht, als irgendwie liebender Mann, der sich um sie kümmert. Und der eigentlich nur das Beste für sie will und der eigentlich ein guter Typ ist. Und es ist wirklich, wirklich problematisch, weil diese Beziehung von Kind mit Erwachsenen wird in diesem Film nicht wirklich, nicht mal, vielleicht wird sie ein bisschen kritisch reflektiert, aber es wird einfach nicht klar gemacht, was da stattfindet, was halt echt düster ist. Okay, krass. Ja, genau. Von Louis Mal. Wurde damals heftig kritisiert, der Film. Ich glaube, Brooke Shields hat auch einiges gesagt zu den Dreharbeiten, dass sie nicht besonders geil waren. Ja. Und das war Louis Mal's großer Ausrutscher. Fuck. Okay. Naja, also, wann ist das gewesen? 1977. 17 Jahre nach, sah sie. 17 Jahre später. Dazwischen hat Louis Mal wirklich tolle Filme gemacht. Also das Ehrlich ist großartig. Viva Maria ist ein toller Film, wirklich unterhaltsam, wird dir auch gefallen. Okay. Wenn ich dir einen Louis Mal-Film empfehlen soll, sag ich, guck du dir Viva Maria an. Okay. Das ist ein Western mit einer Terroristin, die als Sängerin unterwegs ist mit einem großen Wagen und die machen so eine Burlesque-Show im Wilden Westen und dann gibt's aber Musik und Action und Explosionen und das ist echt spaßig mit Brigitte Bardot und Jean Moreau. Okay. Großartiger Film. Nee, der war in Frankreich. Ich dachte, den hätte er in Amerika produziert. Toller Film, auf jeden Fall sehenswert. Okay. Und wenn du was wirklich, wenn du Louis Mal am krassesten und freakigsten sehen willst, dann musst du dir Black Moon angucken aus dem Jahr 1975. Okay. Ich find's so geil, ich muss einfach nur die Beschreibung von Wikipedia vorlesen. Um einem blutigen Bürgerkrieg zwischen Männern und Frauen zu entkommen, ergreift die junge Lilly mit dem Auto die Flucht und stößt auf ein abgelegenes Anwesen, wo sie auf ein zotteliges Einhorn stößt. Ich hab's jetzt ein bisschen verkürzt. Es ist ein sehr schräger und sehr bizarrer und sehr surrealer Film. Okay. Ja, na dann, dann muss ich mir ein bisschen was von Louis Mal angucken und ich weiß genau, welchen nicht. Fahrstück zum Schafott. Eigentlich, also Fahrstück zum Schafott wird dir gefallen und Viva Maria wird dir gefallen. Top 3 Filme mit kindlichen Protagonisten, die nicht für Kinder gemacht sind. Liebes Publikum, Johannes ist in einer Denkpause gefangen. Schalten Sie nicht ab. Reboot, Reboot. Wie geil, dass du den nennst, weil damit haben wir einen neuen deutschen Filmfilm, den du magst. Den ich vielleicht heute nicht mehr mag. Wer weiß, Floor. Volker Schlöndorf, einer der großen Vertreter des neuen deutschen Films und du hast ihn in Verdammt. Wenn ihr wissen wollt, wie Johannes über den neuen deutschen Film abkotzt, ist dir die Folge zu... Das ist die erste Folge, glaub ich. Nee, warum läuft Herr Amok? Ach so, ja, auch das noch. Schlingen Sie nicht. War später. Genau, warum läuft Herr Amok? Schlimm. Mein Platz 3. Ja. Aus dem Jahr 2015 Room, der in Deutschland unter dem Titel Raum lief. Okay. Also nicht The Room, sondern... Einfach Room. Ein irisches Drama über einen Fünfjährigen, der zusammen mit seiner Mutter in Raum lebt. Und Raum ist die gesamte Welt. Raum besteht aus einem kleinen Zimmer. Okay. Und es gibt einen kleinen Schrank und sie leben dann nur zu zweit und er muss sich manchmal in dem Schrank verstecken, wenn von oben jemand kommt. Oh Gott. Und es war dann nach und nach durch die Augen dieses Fünfjährigen Kindes, dass die Mutter offensichtlich schon sehr lange in den Raum gefangen gehalten wird. Okay. Und der, der sie gefangen hält, offensichtlich sein Vater ist. Okay. Und sie alles macht, um das Kind zu schützen. Und das Kind kennt nur diesen Raum. Fuck. Und das Kind weiß nicht, was da draußen stattfindet. Oh Gott, oh Gott. Ja, es ist tatsächlich, der Roman dazu ist auch ziemlich, ziemlich stark. Es ist ein ziemlich belastender Film, aber er hat eine tolle Entwicklung und wir erleben auch diesen Befreiungsmoment und er erzählt unglaublich stark, wie ein Kind Welt wahrnimmt, wenn die Welt komplett zusammengeschrumpft ist. Und es tut natürlich in der Seele weh, das zu sehen, aber es gibt auch diesen Moment, wo man so glücklich ist, wenn dann die Freiheit kommt und es ist wirklich toll inszeniert. Das Buch ist noch ein Stück stärker als der Film, aber der Film ist auch wirklich gut, wirklich sehenswert. Und es ist natürlich hart und Thema ist natürlich auch sexueller Missbrauch und es ist gerade so, es hat natürlich diesen Hintergrund mit dieser, wie ist diese Geschichte noch Österreich, dieses Mädchen, das so lange gefangen war. Ja, genau. Das kann man da irgendwie dranlegen, aber es ist kein sensationalistischer Film. Es ist kein Exploitation-Film, sondern er erzählt das vorsichtig und halt sehr stark die ganze Zeit durch die Augen des Kindes. Krass. Wow. Ah, ja, ja, den hatte ich auch im Auge. Ist Natalie Portman in dem Film noch ein Kind, ja, ne? Sie ist noch vor der Quartett. Ja, ja, ja.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich hab den so sehr als Vater-Tochter-Beziehung in Erinnerung, aber es ist halt auch schon lange her, da ich den gesehen habe. Aber stimmt, sie hatte so diese, also er ist ja komplett nicht nur asexuell, sondern auch irgendwie so, Auf jeden Fall ein spannender und faszinierender Film. Ja. Auch wiederum mit dieser blinden, kindlichen Wahrnehmung, aber auch mit dieser geraubten Unschuld des Kindes, ne? Dieses Kind, das einfach zu viel Scheiße erlebt hat und zum Killer wird. Ja. Ja, cool. Mein Platz zwei, Leolo aus dem Jahr 1992, ein kanadischer Film über einen kleinen Jungen, der in sehr armen Verhältnissen lebt und irgendwie in einer ziemlich grotesken, dysfunktionalen Familie und der es aber schafft, irgendwie so, sich so eine zweite Realität zu schaffen durch seine Fantasie. Also er denkt dann ganz viel in Geschichten und erzählt diese Geschichten auch und alles so sehr grotesk und sehr bizarr und es geschehen merkwürdige Dinge. Das ist so schwer zu beschreiben tatsächlich. Es ist schon ein surrealer Film, aber auch irgendwie ein Coming-of-Age-Drama, das auch so sehr viel die, so die bizarren Seiten des Erwachsenwerdens zeigt und auch gerade das in die Pubertätskommens, also der ist schon ein bisschen älter, der ist so zwölf oder dreizehn. Wir erleben, wie er in die Pubertät kommt und wie er auch Interesse an Sexualität entwickelt. Sehr schräger und sehr merkwürdiger Film, der aber trotzdem, trotz seiner ganzen düsteren Töne immer so eine warmherzige Note hat, aber definitiv nichts für Kinder ist. Okay. Tut nicht weh. Da gibt es diese erschütternde Szene, wo der Sohn seinen Vater bei den Streikbrechern Und dieser Film hat so toll diesen Arbeitskampf mit dem Freiheitskampf von Billy kontrastiert. Genau. Diese zwei verschiedenen Kämpfe, die aber auch irgendwie zusammengehören und jeder versucht sich zu behaupten. Ah, schöner Film, ja. Ja, schöner Film. Mein Platz 1, tut mir leid, Johannes, ich muss ihn reinpacken. Wir haben ihn vor zwei Wochen gesehen, wir haben vor zwei Wochen drüber geredet. The Painted Bird aus dem Jahr 2019. Die Geschichte eines kleinen Kindes, das im Krieg, im Zweiten Weltkrieg durch das Hinterland Osteuropas irrt, immer auf der Suche nach zu Hause, auch wenn dieses Zuhause irgendwann nur noch so eine fixe Idee ist und er stolpert von einem schrecklichen Menschen zum anderen. Johannes mochte den Film nicht. Ich finde, er hat auch gute Argumente, warum er den Film nicht mag. Ein schwerer und wirklich harter Film, der definitiv nichts für Kinder ist, der auch nichts für Jugendliche ist. Das ist wirklich ein Film, der das FSK ab 18 absolut verdient hat, weil es sind einfach mal fast drei Stunden lang menschliche Grausamkeiten. Und ein Blick in den Abgrund des Menschlichen. Ich fand ihn einen unglaublich starken Film. Man kann einen Punkt machen, dass er vielleicht auch in die Richtung Torture Porn geht, dass es einfach zu sehr sich auch irgendwie drauf ausruht, einfach nur Abscheulichkeit nach Abscheulichkeit zu zeigen. Ich fand ihn unglaublich stark, aber es ist keine leichte Kost. Ich glaube, also wir streiten ja gerne und wir kokettieren auch immer gerne damit. Das war eine Episode, wo wir beide sehr ernsthaft unseren Punkt klar machen wollten, weil wir beide eine sehr starke Meinung zu dem Film hatten und die auch emotional gefärbt war bei uns beiden. Ja, voll. Und das macht die Diskussion, glaube ich, aber auch ziemlich spannend. Ja, hört mal rein. Also es ist eine ernstere Folge als sonst. Wir machen nicht so viele Witze und wir streiten auch vielleicht ein bisschen mehr als sonst, auch vielleicht ein bisschen ernster, ein bisschen leidenschaftlicher, aber tut ja, glaube ich, keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil, glaube ich. nicht jetzt einspielen, das spiele ich irgendwie zwischendurch ein. Pass auf, das nächste Mal sage ich nichts dazu. Du darfst es einfach irgendwann reinhauen, und zwar mitten in die Episode. Du kannst ja so mit dem Finger über die Tonspur gehen und dann sagen, hier. Und dann kommst du da einfach rein, so bei Minute sieben, fünfunddreißig. Nein, das geht nicht, das geht nicht. Johannes, du hast es schon gesagt, es freut mich natürlich, aber dir hat der Film gefallen, offensichtlich. Schön. Es tut mir leid, aber ich glaube, ich kenne keinen einzigen Nouvelle Vague Film, der so ist. Das ist wirklich ein Sonderling von einem Sonderling aus der Sonderling-Genre-Kiste. Ja, Mann. Ich glaube aber auch, tatsächlich ist es ein Nouvelle Vague Film für Leute, die sonst die Nouvelle Vague nicht abkönnen, weil sie sagen, die Nouvelle Vague ist zu ernst, zu selbstverliebt, nimmt sich viel zu wichtig und das macht der Film halt nicht. Der hat halt einfach Spaß und ist halt auch einfach so ein kleines, verspieltes Kind. Können wir noch einmal erwähnen, zum Abschluss, dass dieser Gridou fantastisch ist. Der aussieht wie Asterix, wie so ein Gallier, der plötzlich in diese Welt geworfen wurde. Der Schuhmacher. Der Schuhmacher. Ja. Ich finde den so geil. Ich habe den gesehen und dachte, oh Asterix. Der sieht aus wie so ein Gallier. Stimmt schon. Der irgendwie da reingefallen ist. Ja, absolut. Der ist zwischendurch schwarz. Warum? Für zwei Friends. Ich habe genau nach dem sucht. Ich habe es nicht verstanden. Ich habe es überhaupt nicht verstanden. Sie fragen ihn nach seinem Namen und dann sagt er Gridou. Ja. Und dann wird er ganz kurz Blackface tatsächlich gezeigt. Ist es Blackfacing? Ich glaube ja. Ich dachte, es wäre wirklich ein schwarzer Schauspieler. War es ein schwarzer Schauspieler? Ich hoffe es. Ich weiß es auch nicht 100%. Und dann habe ich, ich habe gegoogelt und habe geguckt und irgendwie Gridou, was ist die Anspielung? Ja, genau. Ich habe es nicht gefunden. Ich auch nicht. Keine Ahnung. Sagt ihr es uns. Vielleicht weiß es jemand. Man muss sich wahrscheinlich bei ganz vielen Anspielungen mit französischer Kultur auskennen. Eine Ahnung davon zu haben, was da gerade passiert. Aber man kann auch ohne diesen kulturellen Background Spaß daran haben. Wir an uns feststellen. Glaube ich auch. Ich habe es nicht gelesen. Aber nachdem ich den Film jetzt nochmal gesehen habe, dachte ich, okay, jetzt sollte ich das Buch auch mal lesen. Und insofern ist es nicht nur ein Muss-man-sehen-Podcast heute, sondern auch ein Muss-man-lesen-Podcast. Wow. In diesem Sinne. In diesem Sinne. Johannes, vielen Dank. Euch vielen Dank fürs Zuhören. Wenn ihr wissen wollt, was Johannes nächste Woche für mich aufgibt und für euch auch alle, dann bleibt noch kurz dran. Nach dem Jingle werden wir über den Inhalt der nächsten Episode reden. Vielen Dank, dass ihr dabei wart. Bis dann. Ciao. Ciao. Ich kann mich nicht erinnern. Ich habe den damals im Kino geguckt. Ja. Aber ich weiß nicht mehr mit wem. Moment, lass uns mal gucken, was du mir die letzten Male gegeben hast. Du hast mir gegeben Banksy. Kanntest du schon? Du hast mir gegeben The Apartment. Kanntest du schon? Verdammt, du hast mir gegeben I'm Still Here. Oh. Du hast mir Triangle of Sadness gegeben. Okay, aber der war einfach neu und du hattest noch keine Chance hinzusehen. Und du hast mir die Plant Date Dinger gegeben, die habe ich auch nicht alle geguckt, da kannte ich auch nur einen oder zwei. Da kanntest du zwei. Du hast mir Schulze gegeben, den ich noch nicht kannte. Oh, Schulze gibt es die Blut. Die auch sehr dankbar war. Okay. Es gibt doch, du hast mir einige Filme. Ja. Aber die Ratio ist ungünstig. Nein, ich habe dir Sneakers, kanntest du nicht, ne? Nein. Ja, oh Gott, jetzt wird es richtig peinlich. Spice World kanntest du. Nein, Spice World, ja, okay. War das nicht eher mein Wunsch an dich, dass du mir den gibst? Gut möglich. Okay, aber Liebe ist ein toller Film zum drüber reden und kein leichter Film. Finden wir heraus, was Michael Haneke unter Liebe versteht. Oh Gott, jetzt hast du eine philosophische Frage. Und werden wir darüber diskutieren, was wir unter Liebe verstehen.
