Episode 144: Ghost in the Shell mit Yugen vom Indiefilmtalk-Podcast
Wir haben wieder einen Gast: Yugen vom Indiefilmtalk-Podcast ist zu Besuch und hat uns etwas mitgebracht: Den Anime-Klassiker Ghost in the Shell aus dem Jahr 1995. Aber nur über diesen zu reden, wäre ein bisschen zu einfach. Und so knöpfen wir uns auch das Remake aus dem Jahr 2017 mit Scarlett Johansson vor.
In unserem Gespräch geht es um die vielen verschiedenen Facetten, sowohl des Originals als auch seiner „Amerikanisierung“. Und so reden wir nicht nur über seine beeindruckende Ästhetik sondern auch über die typischen Cyberpunk-Themen wie Künstliche Intelligenz, Mensch-Maschinen und Maschinenmenschen sowie die komplexe Politik dystopischer Zukunftsentwürfe.
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 144: Ghost in the Shell mit Yugen vom Indiefilmtalk-Podcast Publishing Date: 2023-10-04T11:44:44+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2023/10/04/episode-144-ghost-in-the-shell-mit-yugen-vom-indiefilmtalk-podcast/
Florian Bayer: Wow, der ist nicht nur gut gealtert, der Film, sondern der ist auch, Achtung Phrase, aktuell wie nie. Einfach, weil wir seit einem Jahr diesen extremen KI-Hype haben und das sind ja genau diese Themen.
Johannes Franke: Auch die Frage einfach, ab wann ist ein Mensch kein Mensch mehr oder bleibt ein Mensch immer ein Mensch?
Florian Bayer: Hallo, liebes Publikum, zu einer neuen Episode vom Muss-Man-Sehen-Podcast.
Johannes Franke: Der Muss-Man-Sehen-Podcast, wo wir uns gegenseitig Filme empfehlen und wenn uns nichts mehr einfällt, uns jemanden einladen, der uns einen Film empfehlen muss.
Florian Bayer: Und wir sagen dann, Eugene, bitte, wir brauchen neues Material, gib uns was. Und Eugene sagt dann, okay, wenn es sein muss. Hallo Eugene, frisch vom, ich habe es das letzte Mal falsch gesagt, deswegen muss ich jetzt ganz genau aufpassen,
Johannes Franke: Indie-Film-Talk-Podcast. Perfekt, perfekt. Ich war ja die Woche lang hier und habe ihm die ganze Zeit unser Cover ins Gesicht gehauen, eine Woche lang. Das war schlimm, die Woche war echt anstrengend, muss ich sagen. Aber jetzt weiß ich, es hat funktioniert. An der Wange hat er doch so die Abdrücke von Indie-Film-Talk, deswegen ist er voll drin. Genau, und ich bin da, ich freue mich, dass ich da sein darf. Ja, sehr gut. Du hast uns einen Film vorgeschlagen, den wir gucken sollten, beziehungsweise sogar zwei Filme. Was ein bisschen anstrengender wurde, muss ich gleich vorausgeben. Zumal es dann in meinem Kopf auch Verschränkungen gibt zwischen den beiden Filmen. Es ist schwierig. Und zwar, hast du uns vorgeschlagen? Ghost in the Shell, beide Versionen von 1995 und von 2017. Wichtig zu sagen, es gibt ja noch Ghost in the Shell 2.0 und noch viele weitere Ableger. Das ist mir dann auch erst wieder aufgefallen, als ich das jetzt nochmal gerewatcht habe, weil ich habe einfach nur Ghost in the Shell ganz tief in meinem Herzen und in meinem Kopf. Genau, deswegen, das war so mein Grundthema. Aber wir können erstmal über den Hauptfilm reden und Netflix hat, glaube ich, auch nochmal ein paar Remakes gemacht.
Florian Bayer: Um ganz kurz einzusteigen, hast du den Comic gelesen und hast du die anderen Filme oder Serien gesehen? Oder wirklich, das sind die beiden, die du aus dem Universum kennst?
Johannes Franke: Genau, das sind die beiden, die ich aus dem Universum kenne und habe jetzt im Nachhinein geguckt und wusste, okay, das ist, den Manga gab es davor, was war das, 1989 sogar schon? 1980 bis 1991 war der Run von dem Manga. Und auch das war ja auch inspiriert von anderen Autoren, der Manga. Also ganz spannend. Deswegen, ich bin eingestiegen mit dem 1997-Film, 1995-Film und was es für mich war, kann ich gleich erzählen. Aber das war so mein Einstieg. Wie seid ihr, habt ihr den davor auch schon gesehen gehabt? Ich kenne ihn.
Florian Bayer: Tatsächlich wollte ich dich auch fragen, woher du ihn kennst und wann du ihn zum ersten Mal gesehen hast. Mein erster Kontakt mit Ghost in the Shell war auf MTV oder Viva. Und zwar 1997, glaube ich, in einem Musikvideo von der Band Vamdu Project, ein Detroiter Haus-Duo und Haus eigentlich überhaupt nicht meine Musik. Aber dieser Videoclip hat mich dann, obwohl das überhaupt nicht meine Musik war, total gefesselt, weil da die Bilder zu sehen waren. Das ist halt ein dreiminütiges Musikvideo und das besteht komplett aus Filmszenen aus diesem Film. Und ich habe das gesehen und ich weiß noch, dass ich ästhetisch total geflasht war davon und fand es richtig geil und habe mich immer gefreut, wenn das gelaufen ist. Und die Bilder haben sich damals schon in meinen Kopf eingebrannt. Ich habe dieses Lied jetzt gerade im Kopf, wo du es gerade erinnern. Ich habe es vorhin gehört noch einmal.
Johannes Franke: Sag mal, spricht das jetzt gegen oder für den Film, dass man ihn erst über das Musikvideo eines völlig anderen Songs kennenlernt? Ja, das spricht gegen unsere Verleihkultur in Deutsch.
Florian Bayer: Ja. Okay. Und dann habe ich den Film aber wirklich komplett zum ersten Mal eher als junger Erwachsener gesehen. Ich habe so mit 19, 18, 19 habe ich angefangen Shadowrun zu spielen. Und damals dachte ich, Cyberpunk ist das Beste auf der ganzen Welt, was so Science-Fiction, Fantasy-Genre betrifft. Und in dem Zuge habe ich den dann halt auch irgendwann geguckt. Zusammen mit Akira, der so, das ist so ein bisschen meine westliche Ignoranz ist, kenne ich sehr viele Animes und ich kenne halt die großen Bekannten. Und das sind Akira, Ghost in the Shell und Studio Ghibli.
Johannes Franke: Ja, also was das betrifft, bin ich wahrscheinlich the weakest link, wie man so schön sagt. Ich bin glaube ich noch schlechter aufgestellt als Duplor, was das betrifft. Ich habe mit Animes ganz, ganz, ganz wenig zu tun und habe auch echt Schwierigkeiten gehabt und wahrscheinlich auch einfach kulturelle Schwierigkeiten gehabt, mich da wirklich hinein zu begeben und das so in der Form irgendwie würdigen zu können. Auch die Zeit vielleicht, weil es ja langsam erzählt war, vielleicht auch das? Nee, das ist was anderes. Tatsächlich, auch bei dem Film habe ich gemerkt, das liegt an anderen Dingen als jetzt Themen oder grundsätzlichen Tempi oder sowas, sondern es liegt tatsächlich einfach an der Ästhetik dieser Welt und der Verschlungenheit der Erzählung, die einem vielleicht, wenn man im Kulturkreis groß geworden ist, mehr sagt als mich Weißbrot. Ich verstehe den Gedanken, aber ich glaube, das ist besonders bei Ghost in the Shell, weil der ist echt nicht so leicht zu verstehen, glaube ich. Also der ist halt sehr tiefgründig, sehr philosophisch, also da sind viele Ebenen drin, die natürlich dadurch vielleicht auch schwer greifbar sind, wenn man ihn das erste Mal oder zweite Mal schaut oder einfach noch nicht so in dem Thema drin ist bei dem Film. Also ich musste ihn auch zweimal sehen damals, bevor ich wirklich auch so diese, wirklich verstanden habe, um was es wirklich geht halt. Also ich kann mir bei dem besonders vorstellen, ich glaube, da ist Dragon Ball jetzt anders, wenn man so will.
Florian Bayer: Das Interessante ist ja, dass der Film eigentlich produziert wurde oder zumindest veröffentlicht wurde, um eben ein westliches Publikum zu erreichen. Er war der erste Anime, der zur gleichen Zeit in Japan, Großbritannien und den USA veröffentlicht wurde und tatsächlich auch mit dem Ziel, so ein bisschen was für den US-Markt zu sein oder vielleicht auch so ein Door-Opener für den amerikanischen Markt für Animes.
Johannes Franke: Und der Regisseur hat auch Vorbilder eben im westlichen Kino gehabt und das fand ich so interessant. Zum Beispiel, um das gleich vorweg zu nehmen, Chris Marker, was ich total spannend fand, weil ich sofort an Chris Marker denken musste. Als ich den Film gesehen habe, habe ich die ganze Zeit gedacht, so diese dreieinhalb Minuten, die uns nur die Stadt zeigt, ohne dass irgendwelche relevanten Sachen passieren, ist wirklich echt so ein bisschen Chris Marker-Style. Ich muss an La Jetée denken, das ist schon echt krass.
Florian Bayer: Aber Joachim, du hast noch nicht gesagt, wann du den Film zum ersten Mal gesehen hast.
Johannes Franke: Lustigerweise, das Musikvideo, von dem du sprichst, war auch ein erster Anknüpfungspunkt, aber da wusste ich nicht, dass es Ghost in the Shell ist. Da war es für mich einfach nur geile Bilder zu einem coolen Soundtrack und cool, spannend. Erst im Nachhinein habe ich den, weiß ich gar nicht genau wann, aber schon so in den 2000ern erst, glaube ich, gesehen. Relativ spät, da war er schon unterwegs, ich würde sagen 2005, so in dem Dreh, da ist er mir erst über den Weg gelaufen. Aber es war für mich dann wirklich so, nach Matrix fand ich das auch sehr spannend, einfach diese Welt, die aufgebaut wurde und auch nochmal so ein Bild zu zeigen, wie man halt mit Animationen und wie man halt mit langsamem Storytelling halt eine Welt kreieren kann und nicht nur eine Welt kreieren kann, sondern auch mehrere Charaktere hat. Und die City, die Stadt dahinter, finde ich, ist in dem Film auch sehr prägnant und auch ein eigener Charakter irgendwie. Absolut, das muss man wirklich sagen, ja. Und das war so für mich beeindruckend, auch so als angehender Filmschaffender. Achso stimmt, ich mache auch Filme. Ich wurde ja nicht gefragt.
Florian Bayer: Aber echt mal, du hast vollkommen recht, wir sind so richtige Scheißgastgeber. Eugene, herzlich willkommen in unserem Podcast. Wer bist du, was machst du, wovon träumst du? Ich habe keine Lust mehr, nein. Nein, da gibt es keine Lust mehr.
Johannes Franke: Drama, Baby, ja. Es war bei Lanz anders. Nee, mein Name ist Eugene. Ich mache Regie und Drehbuch und arbeite zusätzlich, ihr habt schon gesagt, ich habe ein Podcast-Format, das heißt Indie-Film-Talk, wo wir über das Filme schaffen reden halt. Also wo wir uns so die wichtigen Stellen der Arbeit anschauen und was wir alles brauchen, um gute Filme zu machen. Und das ist ja auch fast sogar schon ein Vollzeitjob noch dazu geworden. Genau.
Florian Bayer: Und du kommst also eher aus der Praxis tatsächlich?
Johannes Franke: Ja, würde ich so sagen. Genau. Also ich mache auch viel Werbung, nicht nur Narratives, sondern verdiene ich mein Geld, viel Werbesachen und arbeite am Langfilm und an einer Serie gerade. Ach, cool. Wo wir gerade so ein bisschen Tempo rausnehmen und erstmal uns vorstellen, uns an den Händen fassen und uns gegenseitig erzählen, welche Probleme wir so haben. Wollt ihr alle Tee vielleicht? Ja, sehr gerne.
Florian Bayer: Sehr gerne.
Johannes Franke: Aber ich habe einfach Verlinkungen zu Instagram. Also wenn ihr meinen Namen eingibt, kommt man direkt zu Instagram.
Florian Bayer: Okay, cool. Schaut euch die Sachen an und hört in den Podcast rein. Der ist nämlich wirklich sehr hörenswert.
Johannes Franke: Ja, bitte auch.
Florian Bayer: Ich habe die Episode über Orfea, habe ich gehört mit Ranich. Stimmt, ihr habt doch darüber auch geredet. Wir haben darüber geredet und ich mache das meistens so als Vorbereitung für einen Podcast, höre ich einfach mal so. Oft so quer, wer redet noch über das, worüber wir jetzt reden werden? Und versuche immer, mich nicht zu sehr beeinflussen zu lassen davon. Aber das war eine echt schöne Episode und ein tolles Gespräch.
Johannes Franke: Axel ist einfach super, glaube ich. Also auch ein super Gast gewesen für das Gespräch. Also hat irgendwie Spaß gemacht. Und auch, ich finde einfach, Orfea and Love ist auch aus Deutschland auch mal ein sehr visueller Film. Ja, total. Und das fand ich halt sehr schön. Also der auch, wie gesagt, aus Deutschland muss man dazu sagen, es gibt viele gute Filme, die leider aber oft nicht im Kino landen am Ende oder nicht lange im Kino landen. Aber darauf habe ich mich gefreut, dass Orfea so ein bisschen einen längeren Release hatte, auch einfach durch den Track Rocket von Axel Ranisch. Und ja, ich weiß nicht, wie viele Leute den jetzt am Ende gesehen haben, aber... Ich hoffe, die halbe Welt. Wirklich, das ist so ein toller Film.
Florian Bayer: Ich befürchte zu wenige, aber es sollten viel mehr sehen. Also auch noch mal ein Appell an euch, Leute, schaut euch den Film Orfea and Love an. Das ist wirklich ein großartiger Film. Johannes hat ihn mir vorgeschlagen, weil er ihn auf einem Festival gesehen hat. Und wir waren zusammen im Kinosug auch und es war wirklich ein Erlebnis. Eugene, möchtest du Zucker? Ich? Nee, natürlich nicht. Okay.
Johannes Franke: Jetzt bin ich verwirrt. Jetzt bin ich verwirrt. Mix Signals für das erste Date. Nee, trink mal bei dir mit. Trink du mal deinen Zucker. Ich trinke ja keinen Zucker. Okay. Möchtest du Milch? Ich habe Hafermilch. Ja, selbstverständlich. Hafermilch trinke ich. Nein, ich trinke ganz roh. Ganz einfach. Ganz roh? Ganz roh. Dann bist du ganz wie Flor. Ja. Ich habe Tonnen von Zucker im Alltag. Das war auch ehrlich gesagt ein Löffel zu wenig. Oh, fuck. Also ihr müsst euch vorstellen, Flor kippt sich gerade einen ganzen Krug an Zucker in seinen, also die Tasse ist ungefähr 250 Milliliter. Ja. Er füllt sie und ja, jetzt rührt er gleich einmal um. Genau. Das war das Sahnegeräusch. Genau, macht noch ein bisschen Sahne dazu. Genau. Also er kümmert sich um seine Gesundheit. Leute, die Leute sind wegen des Films gekommen. Vielleicht sollten wir über diesen Film reden. Welchen Film? Zurück zu Ghost in the Shell von...
Florian Bayer: Der Mamoru. Mamoru Oshii. Mamoru Oshii. Und ich entschuldige mich wie immer bei allen ZuhörerInnen, wenn ich Namen falsch ausspreche. Es werden einige sein, über die ich ein paar Mal gestolpert bin.
Johannes Franke: Ich kriege da manchmal Kommentare von Leuten, dass sie sagen so, oh mein Gott. Nee, Gott sei Dank nicht, aber wahrscheinlich, weil wir vorbeugend schon uns von allen bei allen entschuldigen und hoffen, dass es irgendwie niemand groß krumm nimmt. Mir fallen auch immer wieder die Namen nicht wirklich ein und so. Es ist wirklich hart. Alles nicht schlimm. Alles nicht schlimm. Ich glaube Mamoru Oshii wird es euch nicht übel nehmen. Wir haben auch ein bisschen auf deine Expertise gehofft, dass du dich nochmal vorher zwei Stunden hingesetzt hast und die Namen alle geübt hast. Ja klar. Jeden einzelnen durchgenommen. Also auf jeden Fall ein dystopischer Film, Animationsfilm, über den wir heute sprechen. Und wie gesagt, weil wir ja heute nicht nur über den Animationsfilm sprechen, sondern auch über den Realfilm, den ich lustigerweise gar nicht so schlimm fand, wie ich den damals fand. Aber da kommen wir gleich dazu.
Florian Bayer: Ja, okay.
Johannes Franke: Genau, deswegen würden wir erstmal, wir fangen ja sowieso an mit dem Animationsfilm und ich würde einfach euch mal gerne fragen, wie fandet ihr ihn? Weil ich habe den ja jetzt reingeworfen und habe gesagt, ihr müsst ihn jetzt schauen, sonst kommt ihr nicht raus aus dem Kino. Und wie ging es euch damit? Flor, fang du an. Ich muss mich sammeln.
Florian Bayer: Ach, du bist ja stimmt. Ja genau, da war ja was. Also ich glaube, selbstredend, dass ich die Bilder grandios fand, habe ich ja schon gesagt, ist von Anfang bis Ende fantastische Bilder und jedes Bild erfüllt seinen Zweck und jedes Bild scheint mit extrem viel Sinn gefüllt zu sein. Ich glaube, ich habe den Film bis heute nicht richtig verstanden und jedes Mal, wenn ich ihn gucke, denke ich nochmal und bin auch immer so ein bisschen unentschlossen, wie geil oder wie schlimm ich es finde, dass so viel weggelassen wird. Der Film arbeitet mit extrem vielen weißen Flecken. Es gibt so viele Punkte, wo man sich fragt, okay, aber wer seid ihr genau? Wer ist diese Sektion 9? Wer ist diese Sektion 6? Was macht ihr genau? Ist sie eine Killerin? Ist sie eine Polizistin? Also es sind so oft Momente, wo man nicht genau weiß, was gerade erzählt wird, weil der Film einfach sehr sparsam ist. Also er ist ja auch ziemlich kompakt, er dauert keine 90 Minuten. Ich glaube aber jetzt beim diesmaligen Schauen hatte ich das Gefühl, ja, ich mag das. Ich finde das irgendwie spannend. Das überzeugt mich, dass so viel offengelassen wird und dass so viele Stellen sind, an denen man sich zum einen über die Story selbst Gedanken machen muss, aber dann auch einfach in diesen philosophischen Flow geworfen wird, den der Film natürlich einfach aufwirft. Was ist der Mensch? Wie unterscheidet sich Mensch von Maschine? Wie unterscheidet sich echter Geist von künstlichem Geist? Und gibt es da überhaupt Unterschiede? Und das hat mich diesmal ziemlich mitgerissen, vor allem, weil ich das Gefühl hatte, wow, der ist nicht nur gut gealtert, der Film, sondern der ist auch, Achtung, Phrase, aktuell wie nie. Einfach, weil wir seit einem Jahr diesen extremen KI-Hype haben und das sind ja genau diese Themen.
Johannes Franke: Auch die Frage einfach, ab wann ist ein Mensch kein Mensch mehr oder bleibt ein Mensch immer ein Mensch? Weil ich glaube, das ist ja auch das, was ich beim ersten Schauen gar nicht verstanden habe, ist, dass unser Major eigentlich ja Gehirn von einem Menschen in einen Cyborg-Körper implantiert wurde. Ist die dann noch Mensch, wenn halt einfach nur das Gehirn rausgenommen wird und in einen mechanischen Körper reingepackt wird? Gibt es da noch einen Ghost? Oder ist es eigentlich dann nur noch eine Maschine? Und das spielt ja der Film mit beiden Ebenen. Entweder auch Menschen, die Menschen sind, die sich halt einfach langsam alles wegtransplantieren und dann zu mehr mechanisch werden. Und andersrum eben genau sie, die halt wirklich so als Outstanding das Gehirn nur noch übrig ist und der Rest alles nur noch Maschine ist. Und das fand ich eine spannende Frage, die, genau wie du sagst, wir kommen immer weiter dahin, dass wir uns diese Frage nicht mehr verwehren können und uns fragen müssen, was das jetzt wirklich mit uns macht. Ich glaube sogar verstanden zu haben, dass es gar nicht das Originalgehirn des ehemaligen Menschen ist, sondern das ist sogar nur ein Scan dieses Hirns. Also ein synthetisiertes Gehirn und darin der Scan des echten, ursprünglich menschlichen Gehirns. Im Film, in der Realverfilmung ist es ja nochmal ein bisschen anders dann gelöst. Ich muss sagen, um mal meinen Eindruck, meinen Seheindruck, beim allerersten Mal und ohne Vorbereitung, ich schaue mir die Filme ja auch immer an, ohne irgendwelche Recherche vorher anzustellen, weil der Film mich von sich aus überzeugen muss und nicht mit einem Hintergrund, den ich mir schon vorher erarbeitet habe. Ich fand wahnsinnig beeindruckend, dass der Film wahnsinnig viele Exposition-Dialoge hat und dabei trotzdem nichts erzählt. Wie schafft der Film das mir, ganz viele Dialoge lang zu erzählen, ja, der hat dann damals und da wurde irgendwie ein System gestürzt und deswegen ist jetzt der Außenminister da oder was auch immer, ich weiß es schon gar nicht mehr ganz genau. Aber es wird einem ganz viel erzählt, ohne dass wesentliche Informationen vermittelt werden, die mir irgendwie erklären würden, was in dem Film tatsächlich wesentlich vermittelt werden soll oder will oder wie auch immer. Also insofern fühle ich mich von den Exposition-Dialogen ein bisschen betrogen, aber es schafft nicht, den Film kaputt zu machen, seltsamerweise. Also ich kann dir sagen, ich habe ein Gefühl, warum das so ist, weil die schaffen es, diese Exposition-Dialoge auch in der Welt zu erklären. Also auch die Charaktere wissen in dem Moment nicht genau, was da Sache ist. Ja. Und diese Erklärung, sonst ist es meistens ja nervig, weil wir wissen, dass die Charaktere in der Welt wissen halt, die kennen ja die Situation und wir wissen, dieser Dialog ist nur für uns Zuschauer da. Und hier, wenn du darauf achtest, gibt es so ein paar, ich habe ein, zwei Stellen rausgefunden gehabt, wo ich das Gefühl hatte, ganz clever gelöst, dass halt, ich versuche gerade nebenbei zu überlegen, welche Stelle, ob ich die jetzt schnell raussuchen kann im Kopf, aber wo sie es so geschafft haben, dass die Erklärung von Batou, glaube ich heißt der, der Große, oder Batou, mit den Augen, genau, dann irgendwie genau wieder, genau so ein Expositions-Dialog hat, wo er erklärt, wie so die Welt, wie die funktioniert, so eine Art, oder was die jetzt gleich machen müssen, aber in einem Moment, wo irgendwie sowas wie, die anderen können das nicht wissen, nur er kann das gerade wissen, deswegen erklärt er es denen halt. Und deswegen habe ich da jetzt gedacht, okay, na gut, der erklärt es halt den Kollegen da, weil die es einfach nicht wissen. Und das habe ich so durchgezogen gefühlt in dem ganzen Film. Also, müsste man nochmal schauen, um das jetzt nochmal zu verifizieren.
Florian Bayer: Ich finde es sehr auffällig und nur um ein bisschen vorwegzugreifen im Vergleich zu dem 2017er Remake oder zur 2017er Realverfilmung, die im Gegensatz zu diesem Film halt extrem erklärbärig daherkommt und alles nochmal und nochmal, sodass es auch wirklich jeder Zuschauer verstanden hat. Und dann finde ich das hier doch tatsächlich angenehmer, einfach weil es die Dialoge, wo es um Politik geht, authentischer macht. Wenn sie über Sektion 6 reden, dann reden da zwei Leute über Sektion 6, die die kennen und die wissen, welche Akteure da drin sind, die wissen, wie die sich verhalten und dann ist das für uns so ein bisschen kryptisch, weil wir einfach nicht drin sind in diesen staatlichen Organisationen oder diesen paramilitärischen Organisationen oder was auch immer. Ich kann doch nicht mal definieren, was die genau sind, wie die im Verhältnis zum Staat sind. Aber das macht es natürlich spannend und dadurch freue ich mich auch über jeden Informationshappen, den ich kriege und der mir die Welt so ein bisschen verständlicher macht und die Welt mehr mit Leben füllt. Und dann ist natürlich das Zentrale eben doch die Protagonistin, der Major, Kusanagi, wo es gar nicht so wichtig ist, wie die Politik um sie herum funktioniert, um sie als Charakter zu verstehen und um zu verstehen, womit sie sich, mit welchen Gedanken sie sich rumplagt
Johannes Franke: und was eher wichtig ist. Dahin muss ich erstmal kommen als Zuschauer, zu verstehen, dass es um sie geht, ne? Weil der Film sehr breites Spektrum an Möglichkeiten, sich irgendwo potenziell festzuhalten bietet. Also man fragt sich ganz lange, was will denn der Film jetzt eigentlich? Wo soll ich mich festhalten? Wo soll es lang gehen? Ist sie jetzt die Wichtige oder geht es um die beiden Müllmänner? Was ich aber auch von der anderen Seite ganz toll finde. Ich liebe es, dass ich drei Minuten lang den Müllmännern dabei zuschaue, wie sie leben. Ich finde es total toll. Aber ich muss sagen, vor allem deswegen, weil ich danach die Verfilmung gesehen habe, die Realverfilmung und gedacht habe, oh mein Gott, die hat mir gerade diesen Film, den ich vorher gesehen habe, viel besser gemacht. Wenn ich die Realverfilmung nicht gesehen hätte danach, dann wäre ich mit so einem verwirrten irgendwas, ja, weiß ich nicht genau, rausgegangen. Und dann kam dieser Film, der ein riesiges Overexplaining betreibt. Und dann war ich auch wie Plur, dass ich dachte, okay, ja, eigentlich war ganz geil, dass ich es nicht gewusst habe, dass ich nicht genau alle paar Minuten nachgekaut bekommen habe, was jetzt eigentlich passiert und warum das passiert.
Florian Bayer: Gerade bei den Müllmännern ist das so cool. Wir tauchen in deren Dialog und wir tauchen in das Leben von diesem einen an. Und er erzählt wirklich emotional berührende Sachen mit seiner Tochter, um die er sich sorgt. Und er will sich darum kümmern, dass sie ein gutes Leben hat. Und was für ein Schlag in die Markunggrube das dann ist, ist, wenn wir erfahren, dass das komplett falsche Erinnerungen sind, die ihm eingepflanzt wurden.
Johannes Franke: Ja, der Wahnsinn. Ist einfach traurig, ne? Also in dem Moment, wo man denkt so, krass, okay. Ja, das ist natürlich hart. Und es gibt zwei Sachen. Einmal diese Welt, von der wir gesprochen haben, und das finde ich, was dieser Film so faszinierend macht, ist halt, das finde ich auch einen Kurzfilm gut, die wir das umsetzen können, ist halt, sich in eine Welt reinwerfen, die, du hast das Gefühl, die existiert auch ohne dich. Auch wenn du jetzt nicht da reingucken würdest, die lebt einfach. Und das macht der Film richtig gut, egal, ob er sich einfach Zeit nimmt für die Stadt, für die einzelnen Charaktere, und einfach den Raum gibt, dass sie leben. Und deswegen finde ich es eben genau gut, dass sie nicht genau erklären, was Sektion 9 macht, was Sektion 6 macht, etc. Weil du merkst, wir springen einfach nur rein, und davor ist was passiert, danach ist was passiert, auch das Ende. Danach passiert ja auch wieder was, wo wir nicht wissen, wie es weitergeht. Das heißt, du merkst, es lebt halt. Und wenn ich auch noch darüber nachdenke, das ist ja so ein Blick in die Zukunft. Wenn du jetzt als Mensch in die Zukunft kommen würdest, durch eine Zeitmaschine, was auch immer, und du da landest, würdest du genau da stehen und denken, wer ist jetzt Sektion 6, wer ist jetzt Sektion 9, und wieso kämpfen die miteinander, wieso haben die Streit. Genau, und so ein Gefühl hast du. Und da habe ich auch hier das Gefühl, als ob du wirklich so eine Zeitkapsel nimmst, in die Zukunft genommen wirst, und sagst, okay, viel Spaß. Versuch mal zu verstehen jetzt, wie unsere politische Lage hier funktioniert. Und das ist natürlich spannend. Und natürlich ist alles anders. Und natürlich ist alles irgendwie nicht greifbar für uns jetzt sofort. Aber deswegen meine ich, deswegen finde ich es spannend, wenn du ein, zweimal guckst. Ich liebe es, wenn Regisseure sagen, ja, du musst beim Film fünfmal gucken, bevor du das guckst. Ja, das ist toll. Du sagst das gerne. Das finde ich immer so ein bisschen gut. Aber ich finde halt bei dem Film besonders, dass du halt, wenn du ein paar Mal schaust, du siehst immer wieder was Neues, wirklich. Und wieder neue Facetten, genau wie diese Szene mit diesen Müllmännern, die mich diesmal mehr erwischt hat als damals zum Beispiel. Wo ich dann nochmal viel mehr so dachte, krass, ja, und was wäre denn, wenn diese Welt so aufgebaut ist? Und kann man denn überhaupt irgendjemandem noch trauen? Und das fand ich so schön. Ich habe nur eine Sache. Kennt ihr Altered Carbon? Die Serie zum Beispiel? Das ist, glaube ich, auch eine Comic-Verfilmung.
Florian Bayer: Ich habe die ersten Folgen geguckt, und das fällt so in die Reihe vieler Amazon-Netflix-Serien, die ich angefangen habe und dann irgendwann aufgehört.
Johannes Franke: Es ist schade, weil ich, also, ich finde die Grundprämisse, bei Kino Plus schmeißt nicht jemand, was in die Kasse bei Prämisse sagt, ich finde diese Prämisse ganz spannend, weil es eben genau diese Frage aufstellt. Da geht es darum, dass du halt, der Mensch ist nicht mehr physisch unbedingt so wichtig, also der Körper ist nicht mehr so wichtig, weil den kann man reproduzieren, sondern das Gehör, also nicht Gehirn, der Geist ist wichtig. Also was da, der macht sich halt Mensch aus halt. Und die haben die Möglichkeit, diesen Geist halt immer wieder in so kleine Chips zu implantieren, die dann halt bei dir in den Körper, du kannst so wie so ein Slot, so ein CD-Laufwerk einschieben, und dann wird dieser Körper zum Leben erweckt. Und du kannst halt, die Leute, die super reich sind, die haben natürlich eine Cloud, wo die halt ihre Consciousness, also ihre Seele, wenn man so will, immer reinspeichern. Das heißt, die können sich immer weiter, die leben halt für hunderte von Jahren, weil die sich natürlich immer wieder runterladen können. Und du kannst sie auch nicht, bei den Menschen, die halt kein Geld haben, die haben halt ein Leben, weil das ist da drin, wenn du umgebracht wirst und dieser Chip kaputt gemacht wird, stirbst du wirklich, dann gibst du dich einfach nicht mehr. Und das ist natürlich der Clash, wo es darum geht halt, was sind wir eigentlich als Menschen und was macht uns aus, sind wir halt, und ich fand, so eine ähnliche Frage hat das auch gemacht. So eine ähnliche Frage hat mich dann auch diese Stelle, wo er, der Müllmann plötzlich merkt so, oh, okay, das ist alles eingepflanzt, was kannst du denn noch glauben? Es wurde auch nie weiter besprochen, glaube ich, in dem Film, aber ich finde diese Frage sehr spannend und das macht ja Cyberpunk ganz gerne. Also die Frage zwischen Humanity und wie viel Technologie steckt in uns dann am Ende.
Florian Bayer: Das Krasse ist ja, dass ausgerechnet der Geist, das ist was dann am verletzbarsten ist und das ist das, was von dem Puppenspieler, von dem vermeintlichen Bösewicht, Antagonisten, Schurken am ehesten angegriffen wird, und wir sehen sie, wie sie wirklich an die Grenzen ihres Körpers geht, also am stärksten natürlich in dieser Szene, wenn sie den Panzer aufreißt und dann ihre armen Muskeln sich mehr und mehr anspannen, bis sie dann aufplatzen. Aber eigentlich ist der Geist das, was dann doch eben am verletzlichsten ist und davor haben alle Angst, dass sie gehackt werden, dass sie ihren Verstand verlieren, dass sie falsche Erinnerungen kriegen oder dass sie sich nicht sicher sein können, ob ihre Erinnerungen überhaupt Erinnerungen sind oder nicht vielmehr Träume. Und das ist so ein düsteres Bild dieser Fragestellung, dass sich halt durch den ganzen Film gezogen hat, dass der Geist, das, was sie so hochhalten, das ist das, was uns Menschen ausmacht, dass der eigentlich das ist, was am verletzlichsten ist und was sich am leichtesten austricksen lässt.
Johannes Franke: Was ich interessant finde für diese Episode, ob wir rausfinden, is there a ghost in the shell? Oh Gott. Macht der, naja, ich meine jetzt nicht unbedingt für uns tatsächlich als philosophischen Diskurs, sondern innerhalb dieses Universums. Achso, ja, würde ich sagen. Antwort erledigt.
Florian Bayer: Ah, naja. Okay, und der Geist muss keinen menschlichen Ursprung haben offensichtlich, weil unser Puppetmaster ist ja, ist er auch ganz eindeutig ein Geist. Also er hat, er hat Wünsche, er hat Bedürfnisse, er will was erreichen und er hat keinen menschlichen Ursprung.
Johannes Franke: Das habe ich jetzt, das habe ich zum Beispiel nicht verstanden, ob der Puppetmaster jetzt wie Major auch ein synthetisches Gehirn hat oder ob er gar nichts davon hatte und einfach nur ein Cyborg ist, ein Android ist in theoretisch. Es wird gesagt, dass er aus der Suppe der Informationen geboren wurde.
Florian Bayer: Er ist ein Zufallsprodukt.
Johannes Franke: Also er ist nicht aus irgendeinem menschlichen Ursprung oder sonst irgendwas, sondern wirklich aus der Suppe der Informationen. Quasi, wenn wir jetzt das Internet haben und plötzlich, ja, meinetwegen Chat, GPT, sagt irgendwann, so Leute, jetzt ist es soweit. Ich bin jetzt da, um zu bleiben und zwar mit Bewusstsein und allem. Und ich heiße Puppetmaster. Und ich heiße Puppetmaster. Was ist das übrigens, was für ein furchtbarer Name. Also wie dämlich kann man, also Puppetmaster, Leute, warum? Gute Frage, wie habt ihr den Film gesehen? Englisch stappt? Deutsch stappt? Deutsch stappt. Natürlich Original mit Untertiteln. Nein, ich habe ihn auch auf Deutsch geguckt. Ich habe gehofft, dass ihr ihn Original gesehen habt.
Florian Bayer: Ich habe ihn Original mit Englisch. Sehr gut. Okay, gut. Aber ich kann ja nicht sagen, wie es im Original heißt, weil es hilft nichts. Ich habe dann irgendwann so drüber nachgedacht, okay, eigentlich könnte ich den auch Horst nennen, auch Deutsch synchronisiert gucken, weil es vollkommen nicht real ist,
Johannes Franke: weil ich,
Florian Bayer: was nehme ich mit aus dem Japanischen?
Johannes Franke: Und dann habe ich genau das gedacht, dachte ich so, also jetzt für unser Gespräch, dachte ich, ja, also klar, andere Betonungen von den, aber ich weiß ja trotzdem nicht, was das heißt. Deswegen bringen wir jetzt auch eine andere Betonung, nicht so viel, außer vielleicht ein anderes Schreien. Deswegen, das war, ja, deswegen habe ich es. Wobei man trotzdem eine grundlegende, so ein Gefühl dafür bekommt, was die Leute für ein Gefühl vermitteln wollen. Gebe ich dir. Und ich muss sagen, dass ich die deutsche Synchro wirklich ziemlich schlecht fand. Ja? Ja. Ich habe mich daran gewöhnt. Ich habe dieselbe wie damals, deswegen, ich fand die immer noch gut, aber ich verstehe, erzähl mal, warum fand ich sie schlecht? Ich fand sie sehr hölzern, ich fand sie, Du hast ihn viele Animes gesehen, hm? Ja, ja, das ist ein bisschen das Ding. Also, ich ahne auch, weil ich tatsächlich auch in andere Ausschnitte reingeschaut habe, dass das relativ viel so gemacht wird, wie ich das da gesehen habe, aber ich finde, dass man vielen Leuten einfach nicht glaubt, was sie sagen. Es ist nicht, es kommt nicht aus dem Herzen.
Florian Bayer: Kusanagi blinzelt nicht. Funfact, den ich aufgeschnappt habe. Das ist mir im Film gar nicht aufgefallen, aber habe ich im Nachhinein gelesen. Offensichtlich haben sie bei der Animation drauf geachtet, dass kein Blinzeln da ist.
Johannes Franke: Dass bei ihr kein Blinzeln, genau, damit sie als Puppe rüberkommt. Aber ich muss sagen, sie ist noch nicht mal so puppenhaft, sondern sie einfach nur, also sie scheint ja auch Emotionen eher sehr gedämpft wahrzunehmen, wenn sie tauchen geht, schon mehr, aber so. Ich glaube nicht, dass sie einfach nur Emotionen ist, sie ist einfach massiv depressiv, weil sie nicht weiß, wer sie ist, oder? Also für mich kam das einfach nur depressiv rüber. Also sie ist auf der Suche, würde ich sagen. Ich weiß gar nicht, ob sie depressiv ist, zumindest in dem Film, in der Zeit, ist sie auf der Suche nach sich selbst. Was ist sie? Das hat man ja dann in der Verfilmung nochmal übertrieben, fand ich. Ich fand es ganz schön, dass sie eben keine Emotionen gezeigt hat und wir ihre Emotionen eigentlich nur durch die Gegenschnitte gesehen haben. Du hast halt den Koloschow-Effekt, das benutzt man beim Film ganz gerne eben, dass du, das hat Herr Koloschow erfunden, oder zumindest angesprochen, Alfred Hitchcock ist auch so ein Fan davon, dass du, wenn du ein Gesicht hast, das einfach nur gerade in die Kamera guckt und ernst guckt oder lächelt oder was auch immer, sagt es doch gar nicht so viel aus, wie wenn der Gegenschnitt gezeigt wird. Also wenn du dann dasselbe Gesicht siehst und ein Baby siehst, dann interpretierst du automatisch ein ganz anderes Gefühl bei dieser Figur, bei dieser Person und genauso, wenn du danach ein Grab siehst, dann denkst du sofort, oh er ist traurig jetzt doch oder so. Und das haben die hier ganz oft benutzt, das heißt wir haben nur Gefühle über eben die Gegenschnitte und die anderen Bilder gezeigt und gar nicht über ihr Gesicht und das fand ich eigentlich eine schlaue Art und Weise mit so einem Android-artigen oder S-Heibog-artigen Wesen umzugehen, zu sagen, okay, du hast zwar keine, sichtbaren Gefühle, aber alles passiert in dir drinnen halt. Und trotzdem hab ich das Gefühl, ich hab dieses auf der Suche, dieses Getriebene bei ihr auch gemerkt, trotz dass es Animation ist, muss man auch dazu sagen. Also ich hab's nicht als Repression wahrgenommen. Also ich hab das mehr als so, ich weiß nicht, wer ich bin und ich bin auf der Suche danach und komme immer ein Stück weiter. Und ohne jetzt eben so theatral zu sein wie bei der 2017-Variante. Ich hatte fast ein Pinocchio-Komplex bei ihr. Verstehe ich. So dieses ich will aber ein echter Mensch sein. Bei 2017 jetzt? Nee. Auch bei dem?
Florian Bayer: Auch bei dem. Ich fand, sie hat die ganze Zeit so eine, sie hat einfach extrem von diesem Kontrast gelegt, dass sie ein totaler Profi ist und eiskalt tötet und Jobs ausführt und dann im Gegenzug dazu, aber sowas, ja, total melancholisch. Und ich fand diesen Wechsel auch wirklich stark zwischen diesen Action-Szenen, in denen sie einfach mal die, in denen sie einfach mal ihren Auftrag ausführt, ohne mit der Wimper zu zucken im wahrsten Sinne des Wortes und dann diese wirklich schönen, fast schon sphärischen Szenen, wenn sie zum Beispiel unter Wasser ist, also diese Tauchszene und das Wassermotiv kommt ja ganz oft vor im Film, dass irgendwie so dieses, wenn sie in einen anderen Geist eintaucht, wird das halt eben auch Tauchen genannt, das ist auch wieder dieses Wasserbild. Und ich fand, das war ein starker Kontrast, der bei mir dazu geführt hat, dass ich ihre melancholische Seite sogar stärker wahrgenommen habe. Also ich hatte nie das Gefühl, dass sie, dass sie hölzern wirkt oder wie eine Puppe, sondern ich habe sehr viel mit ihr mitgefühlt, mit diesem, ja, das Suchende, ich glaube, das trifft schon ganz gut, was du gesagt hast, mit diesem Suchenden und mit diesem Zweifelten auch, mit diesem Zweifelnden an sich und dass sie damit ständig hadert, dass sie einfach auch nicht weiß, hey, wie viel von mir ist überhaupt echt und vor allem, wie viel von meinen Erinnerungen sind überhaupt echt. Ja.
Johannes Franke: Wo seht ihr das eine Szene, also ich weiß gar nicht, ob aus dem Film, aber ich glaube im Manga sogar schon, dass eine Sexszene rausgeschnitten wurde. Eine Sexszene? Ja. Es gibt eine Sexszene, eine lesbische Sexszene und lustigerweise haben die die wieder aufgegriffen im 2017-Variant. Ja. Da dieser Kuss, den es da gab und das ist dann bei der Animation gar nicht drin gewesen. Auch wieder, also auch dieses Hadern und auch diese Suche nach sich selbst, deswegen spreche ich das gerade an. Ja. Vielleicht hätte es nochmal geholfen, das nochmal mehr zu verstehen. Also nicht die Sexszene, aber dieses, weil am Ende geht es ja darum, dass sie nicht weiß, wer sie ist halt einfach.
Florian Bayer: Ich fand es im 2017er hat das für mich tatsächlich zu den starken Momenten gehört, ohne zu wissen, dass das rausgeschnitten wurde, dass sie, es ist eine Prostituierte, oder? Ja. Oder Prostituierten und dass sie da anscheinend auch sowas wie entweder Liebe oder Körperlichkeit sucht und selbst nicht so genau weiß, was sie sucht. Ich fand, das hat dem Charakter einfach nochmal mehr Tiefe gegeben. Wurde die gedreht für den Anime? Wurde die gezeichnet?
Johannes Franke: Ich bin da nicht sicher. Also gezeichnet auf jeden Fall und da wurde sie, ich weiß nicht, ob es jetzt im Manga oder im Anime sie rausgeflogen ist. Ich glaube im Manga, dass sie da schon gesagt haben, das nehmen wir lieber raus. Das heißt, nachfolgende Versionen wurden sie entfernt gehabt, ein Riesen-Backlash, aber das haben sie trotzdem nicht mehr reingemacht und deswegen glaube ich, haben die es auch beim Realfilm nochmal aufgegriffen. Ja. Sehr spannend. Die hat nochmal mehr Tiefe gegeben. Naja, die Frage ist natürlich auch ein bisschen nach der Motivation. Ich habe ein kleines bisschen das Gefühl, dass dieses Nacktheiz-Thema ja sowieso so ein Problem des Regisseurs ist. Der hat das ja öfter anscheinend. Ich habe so ein bisschen was über ihn gehört noch und der hat auch so mit Waffen ein größeres Thema und so. Hat es das gebraucht, dass sie die ganze Zeit so Bubis, Bubis, Bubis? Aber sie war ja nicht nackt, ne? Also sie war nackt, aber sie war... Ja was?
Florian Bayer: Sie ist ein Roboter.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: ist ein Cyberkörper.
Johannes Franke: Was? Wie wichtig ist es für einen Cyberkörper, massive Brüste zu haben?
Florian Bayer: Die Bilder sind so schön. Hör auf! Und die Bilder sind natürlich auch schön, weil sie einen wirklich attraktiven Körper hat. Natürlich ist das dabei auch eine Rolle. Ach komm! Aber sie ist so badass. Es ist okay. Nein, es ist nicht okay. Außerdem muss sie nackt sein, weil sie diesen Tarnanzug hat.
Johannes Franke: Was hat der Tarnanzug damit zu tun, ob man nackt ist oder nicht? Also mit dem nackt, also mit dem, wie gesagt, die Frage ist nackt, ob was ist nackt, aber das ist nackt, ja, okay. Ob sie jetzt Bubis haben muss, weiß ich nicht, würde ich, also ganz ehrlich, ich glaube, das würde auch funktionieren, hätte sie keine. Also von mir aus, also ganz ehrlich, das entscheidet sich jetzt für mich nicht. Ich glaube aber auch, es geht ja auch immer um die Frage, deswegen habe ich die lesbische Szene angesprochen, also auch vielleicht um ihre Frage, bin ich Mann, Frau, Mensch, was auch immer und deswegen glaube ich schon, dass eine Identifikation irgendwie hilfreich war, als wenn du einen ganz androgyn zeigst und sagst, okay, wir wissen es auch nicht, so eine Art, dass sie trotzdem hadert einfach mit sich und es eben nicht ganz klar zu wissen, ob jetzt, weil sie Brüste hat, ist sie jetzt eine Frau oder weil sie Brüste hat, ist sie jetzt ein Mann oder das weißt du halt einfach nicht und deswegen glaube ich, zum Zeigen gar nicht so schlimm, ich weiß jetzt nicht diese Geschichte, von dem du erzählt hast, wenn er sowieso schon irgendwie dann mit dem Waffenthema, würde ich sagen, das stimmt, weil er auch seine anderen Werke, die er gemacht hat, sind meistens sehr brutal, eher brutal vielleicht nicht immer, aber auch sehr mit Waffen-Thematik, also die Wolfs, wie heißt die, die Wolfsbrigade zum Beispiel, Jinro heißt es, die habe ich lustigerweise auch gesehen gehabt, aber auch viel später, jetzt vor drei, vier Jahren, fand ich auch gut, auch so eine Dystopie, die er gezeigt hat wieder, aber auch sehr, ne, Maskulinität, sehr viel Waffengewalt, und das ist so ein Thema, glaube ich, ich fand aber in dem Film, ganz ehrlich gesagt, die wurde zwar, also so krass explizit war es ja auch nicht, es gab ein paar explizite Szenen, aber, Wie hat sie bewusst ohne Genitalien gezeigt? sie hat, ja, sie ist, sie hat auch keine Brustwarzen.
Florian Bayer: Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, diesen Film als maskulinistischen Film zu lesen,
Johannes Franke: einfach,
Florian Bayer: weil wir haben einfach eine starke Protagonistin, die Jobs macht und ihre Untergebenen rumkommandiert und sie hat eine krasse Freundschaft zu dem Batuu, der ihr Kollege ist, was auch keine Liebesbeschreibung ist, genau, ohne irgendwelche Romantik oder Sexual Tension. Ja, ich glaube,
Johannes Franke: dass sie auch einigermaßen als sexuell durchs Leben geht. Ja, so habe ich es verstanden. Würde ich auch sagen. Nur dem, wie es mir präsentiert wird. Mir fällt wirklich alle paar Minuten auf, oh, okay, da wurden wieder die Bubis nach vorne geholt. Was ist das?
Florian Bayer: Warum? Ich hatte nie das Gefühl, dass das so als Eye-Candy benutzt wird oder dass hier so ein, also, wackelnde Brüssel. Ich kann es halt nicht so hundertprozentig, sie sind gigantisch. Ich hatte keinen Male Gaze auf diesen Film. Kann ich sagen, wirklich, wirklich. Jetzt hast du es an mich weitergegeben.
Johannes Franke: Du bist das Problem. Gaslighting. Nee, aber ich sage, ich eigentlich auch nicht so wirklich. Also, ich gebe dir recht, recht groß gezeichnet. Also, ich habe das gar nicht so wahrgenommen. Für mich war es einfach, okay, Androgyn ist sie ja trotzdem. Also, sie weiß nicht, wer sie ist. Und wie gesagt, weil auch untenrum, obenrum, ist ja alles sehr, also ohne wirklich die Geschlechtsteile direkt zu zeigen. Deswegen fand ich gar nicht so schlimm. Aber, ist ja alles gut. Ist ja richtig.
Florian Bayer: Ihr Körper wird halt auch auseinandergenommen. Also, ihr Körper wird halt auch gezeigt. Ich finde nochmal, das ist ja dieser Moment, wenn sie mit der Muskelkraft den Panzer öffnet und dann ihre Haut aufsplittert. Und die haben ja schon so eine Body-Horror-Ästhetik dabei. Ja, das stimmt. Aber der Körper wird wirklich auseinandergenommen. Also, ich habe dann wirklich null Erotik gesehen in der Darstellung ihres Körpers. Und Schönheit, definitiv. Da bin ich total bei dir. Also, auch, dass der Körper so gezeichnet wurde, dass es ein schöner Körper ist. Und auch, dass ihr Gesicht so gezeichnet wurde, dass es ein schönes Gesicht hat. Aber ich habe das nie so als sexualisierend wahrgenommen, sondern eigentlich immer als, naja, der Film feiert halt schon krass seine Bilder. Was er sich aber auch erlauben kann, weil er halt auch wirklich krass schöne Bilder hat, die die ganze Zeit sowas Sphärisches haben, sowas Verträumtes, Abgehobenes. Egal, ob in den Action-Szenen oder in den Zwischenmomenten. Es ist eigentlich immer so
Johannes Franke: traumwandlerisch. Wenn du gerade dabei bist, würde ich gerne in den Stil so ein bisschen reingehen. Ich finde es total spannend, dass ich beim Sehen merke, er hat ja teilweise Bilder, die wirklich sekundenlang unverändert einfach dafür drüber gepennt. Die Bewegung kommt von der Kamera und im Bild selbst bewegt sich einfach nichts. Und du denkst dir manchmal, wow, dass in so einem Film sich das erlauben kann, als Animationsfilm fast schon Stills zu zeigen, ganz viel. Und dann wiederum auf der anderen Seite so krasse Spiegelungen in Fensterscheiben, im See und wenn Blut fließt oder sowas, auch sehr gut animiert oder Schüsse ins Wasser und so. Du merkst, okay, die Leute haben sich wirklich Gedanken gemacht, wir haben vielleicht nicht das krasseste Budget, das habe ich gerade nicht im Kopf, wie viel Budget das gefressen hat.
Florian Bayer: 330 Millionen Yen, was damals drei Millionen Dollar entspricht.
Johannes Franke: Also nicht so wahnsinnig viel Geld für einen Animationsfilm und sie haben auch sehr wenig Zeit gebraucht, ich glaube, sie haben nur zehn Monate oder sowas gebraucht und dann, andere Filme rochen drei Jahre. Dann muss man sich Gedanken machen, was kann ich und was kann ich nicht? Was schaffe ich in der Zeit und wofür habe ich das Geld und wofür nicht? Und ich finde immer, dass sich ein Film immer gut zeigen lässt, wo Leute wirklich wussten, das kann ich und das kann ich nicht oder wo Leute gesagt haben, ich will aber alles machen. Also in diesem Fall einfach zu sagen, okay, wir haben hier nicht genug Geld, die ganzen krassen Sachen überall einzusetzen, sondern wir konzentrieren uns auf dies, dies, dies und dies und der Rest ist einfach schön, dies sind animiert, aber ruhig. Gebe ich recht, also so ging es mir auch. Also ich glaube, die haben sich da gute Gedanken gemacht bei der Produktion, wie die, also genau wie du sagst, wie die Sachen umsetzen und wo auch wirklich, genau wie du sagst, auch bei Animationen ja alles, was sich bewegt, ist ja nochmal mehr Aufwand und dementsprechend dann zu sagen, okay, genau wie du sagst, manche Szenen lassen wir einfach so stehen, wie sie sind und einfach um diese Landschaft zu zeigen und dann danach halt, es gab ja diesen einen Shot oder diese einen Szenen Folge, wo die, ich weiß gar nicht an welcher, ich glaube nach den, es kam entweder nach oder vor den Müllmännern, wo einfach die Stadt gezeigt wurde, wo das Boot das Wasser fährt und der Regen plötzlich beginnt und so, und diese ganze Konstellation war eigentlich, ging recht lang, aber auch schön, also war einfach so, man hat sich die Zeit genommen und guckt sich da um und denkt so, krass.
Florian Bayer: Mit dieser fantastischen Musik von Kenji Kawai, diese Choräle, die auch nochmal so ein Kontrast sind zu dem dystopisch-futuristischen und das wirklich so was, ja was schon Sakrales hat das Ganze, wenn immer dieser Gesang
Johannes Franke: dazwischen ist. Von Anfang an, ne, ich hab sofort das Gefühl, okay die Musik sagt uns jetzt, lasst euch darauf ein, wir machen jetzt einen Schaltengang runter und wir gucken uns das Ganze in Ruhe alles an. Das macht die Musik am Anfang und ich find's so gut und das zieht ja den Film durch und gerade in dieser Stelle, die übrigens Plor, Zentrum des Films, du hast immer das Zentrum des Films, guckst du dir immer genauer an,
Florian Bayer: das Zentrum des Films ist, wenn der Puppetmaster zum ersten Mal redet. Uh, okay. Aber kurz vorher ist das, oder? Zum Körper, ne, die hab ich bei 33 Minuten ist diese Stadtszene. Ja, dann hab ich mich verschätzt. Bei 45 Minuten ungefähr ist diese Szene, wo der Puppetmaster redet und sagt, dass er mehr der Informationen geboren wurde und dass er Asyl will und dass er sich bewusst denen gestellt hat.
Johannes Franke: Das hab ich auch da, die Szene fand ich ein bisschen schwierig danach, als er dann, war das so eine Art Rauchgranate in den Raum geworfen wurde und dann er plötzlich verschwunden ist und ich dachte so, okay, wie ist er jetzt da weggekommen? Aber dann gut, da haben die ja gesagt, irgendjemand hat ihn da von seinen Leuten abgeholt und weggefahren und wie auch immer. Das war aber so ein bisschen dahingestellt, fand ich so, okay, gut, schnell weiter und der nächste Punkt und dann so, okay, gut, hätte man vielleicht noch anders auflösen können, aber okay.
Florian Bayer: Ich fand's manchmal wirklich schwer, so grundsätzlich, hat sich das durch den ganzen Film gezogen, zu verstehen, bei ihrer ersten Infiltration arbeitet sie ja offensichtlich für Sektion 6. aber sie macht diesen Auftrag für Sektion 6 und dann ist überhaupt nicht klar, ich dachte, sie wäre eine Killerin, also sie ist, sie kommt, sie tritt eigentlich, sie tritt nicht auf wie jemanden, der für ein staatliches Institut arbeitet, sondern sie taucht, springt da rein und erschießt jemanden und taut wieder ab. Also lässt den Kopf platzen. Genau. Ja. Genau. Das trifft's ganz gut und dann haben wir die ganze Zeit ja diesen Konflikt zwischen Sektion 6 und Sektion 9, die offensichtlich irgendwie zusammenarbeiten sollen, die offensichtlich für das gleiche System arbeiten, sich aber die ganze Zeit behaken und auch gegenseitig ausspionieren und dann haben wir halt noch diese dritte Partei, die für den Puppenspieler arbeiten und ja, ich fand's teilweise wirklich einfach schwer zu verstehen, wer agiert hier gerade. Es war auch, als er entführt wird, dann dachte ich, Moment, was sieht das jetzt? Hat sie irgendwie sowas geplant und dann ist er ja auch relativ schnell in diesen Szenen, in diesen Action-Szenen ist der Film ja auch, hat der Film auch eine gewisse Hektik und dann, ja, manchmal war ich so ein bisschen verloren. Also wirklich auf dieser Handlungsebene. Wer was? Er will Asyl? Bei wem? Vor wem? Vor wem soll er beschützt werden? Moment, könnte mir einmal jemand sagen, wie dieser Staat heißt, in dem ihr leben? Wirklich.
Johannes Franke: Liberty City. Es ist offensichtlich nach Hongkong modelliert. Leute haben sich nach Hongkong begeben nochmal und haben wirklich genau fast Straßenzüge nachempfunden und die dann natürlich entsprechend der Zukunftsvision verändert. Aber Hongkong schien wohl schon damals sehr nah an dem dran zu sein mit den ganzen Schildern und das einzige Bunte ist ja immer die Werbung in diesem Film. Ansonsten sind die alle sehr grau. Ich finde es total krass. Ich hatte ganz oft
Florian Bayer: das Gefühl, die Bilder sind so ein bisschen als hätte jemand Plate Runner geguckt und gesagt, oh das ist zu viel. Wir müssen das Ganze ein bisschen realistischer und authentischer machen und lass auch mal Tag sein und mach ein bisschen ein paar Pflanzen noch dahin und dämmst ein bisschen runter, dann ist es realistischer und das ist einfach auch gelungen, finde ich. Dass es auch einfach diese dreckigen authentischen Seiten gibt, dass die halt normalen Autos da rumfahren und nicht über die Straßen schweben und dass sie, dass es auch mal Tag ist und dass sie einfach auf einer Wiese unterwegs sind, das fand ich ziemlich gut, nicht zu sehr diesen Cyberpunk-Klischees erlegen, so düster, destoplich und gewaltig
Johannes Franke: wie möglich zu sein. Wie ist es denn mit der Zukunftsvision? Habt ihr ein Gefühl dafür? Habt ihr das Gefühl, das ist realistisch? Könnte das 2029 tatsächlich soweit sein? In sieben Jahren? Sechs Jahren? Na ja, kommt auf an, was passiert in den nächsten zwei Wochen mit Chatty BT? Zwei Wochen denkst du uns also. Okay. Na, es geht ja so schnell jetzt gerade, wo man gar nicht weiß, was alles so auf uns zukommt. Aber ich glaube, das ist noch sehr nah. Ich glaube, damals 1995, das wären dann wie viele Jahre gewesen? 30 Jahre? 34 Jahre? Da hat man gedacht, okay, das könnte ungefähr hinhauen. Jetzt würde ich auch nicht, also ich finde es zu nah. Also zu wie Terminator, was ja schon war. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass dieses Szenario, also diese Frage von, also dieses, ist ja das Cyberpunk-Thema, dass man halt anfängt, sich irgendwie zu optimieren, was wir ja immer sind. Wir sind ja immer am gucken, wie können wir uns optimieren, wie können wir besser werden, stärker werden, schneller werden, im Job besser werden. Und diese, ich glaube ja auch diese Optimierung von diesem einen Wissenschaftler, der seine Finger sind dann so großartig. Genau sowas. Ich kann mir schon vorstellen, das ist ja, ich habe da auch mal etwas geschrieben gehabt, wo ich das mal so weitergesponnen habe und gedacht habe, genau, wenn jetzt irgendwann mal, es fängt an mit Prothesen, wo man sagt, okay, wir Menschen brauchen Prothesen, die ihre Hand verloren haben. Was passiert denn, wenn diese Prothesen besser sind als die normale Hand? Und wenn diese Menschen dann plötzlich schneller tippen können, weil sie halt einfach das, was sie denken, schneller umsetzen können in diese Finger und dadurch halt viel besser optimiert sind für genau diesen Job, fangen denn die Leute an zu sagen, hm, naja, ich brauche einen Job, wenn ich die Hand weg mache und dafür halt schneller da diesen Job kriege, vielleicht mache ich das. Vielleicht fängt es so, ne, so ganz sukzessive oder ganz langsam so an und das ist ja jetzt nur die Hand. Das kann auch sein, das haben wir auch beim Sport schon, das sind zum Beispiel Leute mit Prothesen da zum Teil, ich glaube, die laufen noch nicht schneller, aber es wird immer besser, was da geht einfach und dass man sich dann fragt, hey, why not? Und klar, dann ist die ethische Frage, die noch dazu kommt, aber da wir sehr, immer noch sehr kapitalistisch, in der kapitalistischen Welt sind und sehr geldgetrieben sind, kann es schon passieren, dass wir sagen, hey, wir bauen uns um und dann kommt irgendwann dann diese Frage, die sich dieser Film stellt, mit ab wie weit kann man da gehen? Ich glaube, bei Cyberpunk ist es so, also auch bei dem Buch und bei dem Spiel zum Beispiel, Cyberpunk, ist es ja auch so, dass es halt irgendwann den Switch gibt, wo du zu viel Technik in deinem Körper hast oder so viel drin hast, dass du selber verrückt wirst, weil dein Gehirn nicht mehr versteht, was du wirklich selber bist, so eine Art und anfängt sich gegen den Körper zu kämpfen, so eine Art und du wirst irgendwann und die haben da glaube ich diese Situation, dass du dann so eine Art Zombie wirst, weil du halt einfach, dein Körper weiß nicht mehr, dein Geist weiß nicht mehr, was mit dem Körper anzufangen, so eine Art und ich meine, der Film spielt solche Sachen ja auch an, gewisserweise und ja, das ist die Frage, ob das kommt, aber ich glaube schon, dass es in diese Richtung gehen könnte und so weiterentwickeln und die Frage, ja, ist die Antwort. Wie viel lange gibt es uns? Ich gebe uns, also sagen wir so, hoffentlich stellen wir uns 20 davor schon, da weiß ich nicht, aber wenn jetzt so, also ich glaube, das ist schon wirklich 100 Jahre oder sowas. Okay, okay.
Florian Bayer: Ich glaube, es ist auch einfach spannend zu sehen, was schon so ist, wie es in dem Film angeteasert wird und zum Beispiel allein diese Vorstellung von einem weltweiten Netz, also ja, Internet oder Vorläufer vom Internet gab es auch schon 1995, als dieser Film entstanden ist und auch schon 1989, als der Comic entstanden ist, aber die haben da einiges ziemlich gut getroffen, auch dieses, wie Überwachung funktioniert, mit GPS, wir haben hier Navis, 1995, als GPS noch militärisch war, noch nicht zivil benutzt wurde. Genau, und ja, und das von der künstlichen Intelligenz, also klar, dass eine künstliche Intelligenz so kommuniziert
Johannes Franke: und sich so menschlich gibt und auch die Frage dann, ist diese künstliche Intelligenz ein Lebewesen oder nicht? Irgendwann wird das eine Frage sein, die wir uns beantworten müssen, ob das, ist das nur Nullen und Einsen und kann man das nicht als Lebewesen verstehen oder sind wir auch nur Nullen und Einsen in gewisser Weise und ist das gar nicht sowas Besonderes und dementsprechend ist das vielleicht einfach die Weiterentwicklung? Das sind so Fragen, die natürlich nicht beantwortet werden können, jetzt direkt, heute hier in dieser Küche, aber Schade, ich hatte es gehofft, ich hatte es wirklich gehofft. 42. Sehr gut, gute Antwort. Was denkst du denn? Du hast die Frage reingebaut, wann denkst du denn, oder glaubst du, dass es irgendwie passieren könnte, dass es in diese Richtung geht? Ja, ich würde sagen, eher neun als acht oder sieben Jahre. Also ich glaube schon, dass wir sehr nah an so einem Punkt sind, an einem Kipppunkt, an dem es passieren kann. Da ich nicht genug weiß, was ChatGBT, was da im Hintergrund passiert gerade und wie ernst die, naja, Weltuntergangsstimmung teilweise ist von Leuten, die damit zu tun haben und die dann sagen, wir brauchen unbedingt diese Regulierung und diese Regulierung, weil, weil, weil uns das alles überholen könnte und wir uns gegenseitig selbst auslöschen. Das erste Mal in der menschlichen Geschichte, glaube ich. Das wirklich auch, dass ein Haufen Wissenschaftler sich zusammentun und sagen, ja, wir brauchen jetzt dringend irgendwie mal, naja, Gesetze dafür. Was aber auch in der Kritik stand, weil die Wissenschaftler, die das genau sagen, das sind die Leute, die daran entwickeln und natürlich wäre es ganz cool, wenn die anderen aufhören zu entwickeln und wir weiterentwickeln. Also man wusste nicht genau, aus welchem Grund sie das gesagt haben. Vor allem, weil Elon Musk da drin war und man dann gedacht hat, aha, irgendwas muss dahinter stecken. Alle sofort hellhörig und misstrauisch. Wenn der sich rausgehalten hätte, alle hätten es ernst genommen. Ja, wahrscheinlich nicht. Egal, aber das Ding ist, dass wir tatsächlich irgendwie an einem Punkt sein könnten, an dem sowas kippt und es gibt ja schon Chatverläufe von ChatGBT, wo man als leichtgläubiger Mensch sagen könnte, was, der kann das sagen und sich selbst als lebendig, es gibt ja Chatverläufe von ChatGBT, wo es sich einfach als lebendig darstellt und fast schon Dialoge aus diesem Film quasi bringt und man sich dann denkt, naja, wir wissen jetzt, wie der Hintergrund ist und wie dieser Chatverlauf zustande kommt, aber an welchem Punkt ist das nicht mehr nachvollziehbar und wo entscheidet sich das dann? Es ist eine völlig absurde Frage, weil du kannst es irgendwann ja nicht mehr sagen. Jetzt ist natürlich die spannende Frage,
Florian Bayer: wie bewerten wir unseren Antagonisten, den Puppet Master? Ich finde den Namen
Johannes Franke: außerdem ganz cool. Also ich finde ihn badass. Naja, ist ein bisschen on the nose. Ja klar, aber es ist halt trotzdem der Puppet, also besser als dieser 2017, der hieß dann irgendwie, wie hieß der, Kenzo irgendwie sowas? Ja, ich weiß nicht. So einen ganz normalen Namen irgendwie. Da dachte ich so, das ist doch kein, also im Vergleich dazu, der Puppenspieler, der alles irgendwie im Hintergrund steuert und irgendwie. Ist er ein Schurke?
Florian Bayer: Nee. Oder sind wir auf seiner Seite am Schluss? Weil sie, also unser Major ist ja am Schluss auf seiner Seite
Johannes Franke: und lässt sich auf diese Verschmelzung ja auch ein. Ich fand es so einfach, ganz ehrlich gesagt, weil er hat schon viel Scheiße gebaut. Muss man sagen. Ich habe mir die Frage, okay, sie hat aber auch Scheiße gebaut. Sie war eine Killerin für den Start. Ja gut,
Florian Bayer: aber sie denkt ja für einen guten Zweck. das denkt er auch. Ja, sie verfolgt auch nur Befehle. Also ich glaube, sie hat sich nicht groß moralisch damit auseinandergesetzt, ob ihr Job richtig ist. Verdammt, ich habe einen Faden verloren. Ist der Puppet Master für euch gut oder böse? Ich kann seine Motivation irgendwie total verstehen. Also er ist mehr geworden, als er ursprünglich war und er sucht sich jetzt irgendwie, er strebt danach, sich fortzupflanzen offensichtlich, anscheinend so als Grundtrieb des Lebens, sich zu erweitern. Und das ist einfach nachvollziehbar. Aber ich finde das cool und auch nachvollziehbar, dass sie sich am Schluss mit ihm einlässt. Wobei ich die ganze Zeit dann gedacht habe, was macht sie eigentlich so besonders? Sie ist ja nicht der einzige Ghost in so einem Cyborg-Körper. Warum will er unbedingt sie haben?
Johannes Franke: Aber das hat der 2017er ja versucht so ein bisschen zu erklären. Genau. Zu sagen, dass sie der Einzige ist, wo es geklappt hat. Ja. Dass das kombiniert wurde. Aber im 1995er Film ist das nicht der Fall. Nee, es ist eine Reihe von ganz vielen Modellen, die genauso sind wie sie. Hat sie auch sogar gesehen. Es gibt die Szene da, wo die Stadt, glaube ich, gibt es in der Spiegelung oder im Fenster, eine Person. Eine Arbeiterin. Genau, die genauso aussieht wie sie. Und eine Schaufensterpuppe.
Florian Bayer: Offensichtlich hat er trotzdem sie ausgewählt, weil er sie verfolgt hat. Vielleicht, weil sie einfach den besten Job macht, weil sie, keine Ahnung, besonders gut ist in ihrem Job. Vielleicht auch, weil sie am meisten an ihrer Identität zweifelt. Hat er sich einfach verliebt? Nein.
Johannes Franke: Was?
Florian Bayer: Nein.
Johannes Franke: Ich wollte jetzt eine romantische Kommentante hinterher bringen. Was ist denn los? Auf keinen Fall.
Florian Bayer: Dann wählen wir den Podcast. Danke, dass ihr zugehört habt. Johannes redet mal wieder Mist. Hört nicht auf Johannes. Nein. Es ist keine Romantik in diesem Film. Nein, er will einfach, er will Evolution. Er will das, wonach, das ist eigentlich das, was ihn als Leben auszeichnet.
Johannes Franke: Gut, die Frage ist, was ist Liebe? Also vielleicht ist es ein Teil davon. Ja.
Florian Bayer: Okay, das nehme ich.
Johannes Franke: Bitteschön. Tada. Vielen Dank. Vielen Dank.
Florian Bayer: Oh, Podcast beantwortet. Womit auch die Frage beantwortet wäre, was ist der Ghost? Der ist dann auch nur eine Synapsen, die miteinander wirken.
Johannes Franke: There is no ghost in the show. Sorry. Johannes, der eiskalte Rappen. Aber es ist eine gute Frage. Für mich ist es auch nicht ganz klar. Also die Frage ist ja, es gibt ja zwei Sachen. Erstmal, welche Position nehme ich ein und welche, ob ich ihn verstehe oder nicht. Also wenn man aus seiner Sicht geht, verstehe ich seine Intentionen. Das macht ihn auch zum guten Antagonisten. Weil es ist klar, warum er handelt, finde ich. Und es ist auch richtig für ihn, dass er so handelt. Das, was er tut, ist natürlich zu hinterfragen, von mir als Zuschauer. Weil, wie gesagt, das Krasseste ist halt zum Beispiel das mit diesem Müllmann, der halt einfach ein ganzes Leben, was er im Kopf hat, einfach nicht stimmt. Wo ich mich frage, kann man, also jetzt habe ich auch gefragt, wenn es diese Technik gibt, dass man halt sowas irgendwie nachjustieren, also solche Änderungen einpflanzen kann, kann die Regierung das nicht auch wieder rückgängig machen oder ihm andere Änderungen einpflanzen. Aber das wurde nie besprochen, deswegen weiß ich keine Ahnung. Aber das habe ich mich da gefragt in dem Moment. Deswegen, wenn ich das sehe, denke ich so, ja, das ist auch, also für die Gesellschaft ist es natürlich nicht so geil, seine Wege, um sein Ziel zu erreichen. Vielleicht hätte er es ja auch anders finden können, diesen Weg. Ja, absolut. Deswegen bleibt er auch Antagonist eigentlich. Aber ich verstehe voll, warum sie sich dann darauf einlässt, weil sie ja sowieso die ganze Zeit auf der Suche ist und nach einem Sinn quasi auch sucht und diesen Sinn dann in dieser Verschmelzung findet. Und auch ein bisschen on the nose, dass da ein Kind bald rauskommt am Ende, dass das dann da sitzt.
Florian Bayer: Das ist ein bisschen, naja, gut, okay. Ist das Kind bei der Verschmelzung rausgekommen oder ist das Kind nicht einfach da, weil Batou einen neuen Körper für den Ghost? Aber das ist halt... Aber das war doch Batou eigentlich, wo er das gemacht hat. Ja, natürlich. Aber metaphorisch ist es halt... Ja, natürlich, ja.
Johannes Franke: Ein Kind ist geboren. Ja, genau. Und das ist ein bisschen, okay. Ja, gut, wir haben es verstanden. Die beiden sind jetzt... Zum Glück hat er keinen Babykörper gefunden. Ja, genau. Teil 2 wäre schwierig geworden. Ein kleines, schwieriges Thema. Wo hat er diesen Kinderkörper her? Gibt es da eine weirde Sex-Traffic-Problematik, die da drunter liegt?
Florian Bayer: Ich will nicht weiter drüber nachdenken. Okay. Aber viel spannender. Es wird nicht thematisiert. Ich hätte nämlich einfach gesagt, okay, es ist ein Kinderkörper, wachsen Cyborg-Körper natürlich. Gibt es das auch? Nein, ich weiß nicht.
Johannes Franke: Weil dann ist es wirklich weird. Nee, wahrscheinlich... Also ich verstehe es halt, er hat diesen Körper irgendwo auf dem Schwarzmarkt. Also ist es ein Cyborg? Also ein mechanischer Körper, wo sie einfach dieses Gehirn reingepackt haben. Also diesen Ghost reingepackt haben, wenn man so will. Aber warum musst du ihn auf dem Schwarzmarkt holen? Und warum gibt es auf dem Schwarzmarkt ausgerechnet Kinderkörper zu kaufen?
Florian Bayer: Na, damit der Staat im Hintergrund das nicht mitkriegt.
Johannes Franke: Also ich glaube... Nee, nee, es könnte ja auch so eine Art... Fetisch-Sache. Fetisch-Sache sein. Ja.
Florian Bayer: Es kann aber auch AI sein. Aber Arthur hat das auf dem Schwarzmarkt gekauft, weil Kusanagi, beziehungsweise Kusanagi, Puppet Master, whatever, die jetzt sind, untertauchen müssen. Ja, natürlich.
Johannes Franke: Ja, ja, klar. Das ist schon klar. Und man kann ja auch sagen, das ist so eine AI-Sache. Das Kind für kinderlose Paare ist halt ein AI, ein Cyborg-Körper oder ein... Das ist okay. Du darfst in deiner naiven Welt leben. Ich habe mit ihm gesprochen und ich weiß... Das sieht so aus. Wenn wir um den Bogen zu den 2017er zu sagen... Den sollten wir auf jeden Fall schlagen, weil wir sind schon sehr weit. Sonst schaffen wir das nicht mehr. Und da habe ich eine Szene, die mich richtig gestört hat beim 2017er. Ich fange damit an, ohne zu sagen, dass ich sage, ich habe vorher kurz gesagt, dass ich den gar nicht so schlimm fand am Ende, aber in die Szene, wo Batuu, er kommt, bei einem Animationsfilm, kommt er irgendwo bei den Crime-Situationen an und dann, ich weiß gar nicht, was da genau passiert, ich habe es leider vergessen, aber nimmt sein Auto und fährt wieder weg und fährt jetzt Richtung zu unserer Hauptcharakter, zum Major. Diese selbe Szene gibt es auch in dem Realfilm und da gibt es die Situation, dass er fährt an die Straße und macht eine... Also nur um cool zu sein, das hat mich gar angestört, siehst du, wenn du dich dann fragst, wieso hat er das eigentlich gemacht, hat es keinen Sinn, er macht glaube ich irgendwie so einen 360-Grad-Spin und fährt in dieselbe Richtung wieder weiter oder irgendwie sowas, aber es sieht zwar geil aus, aber es macht keinen Sinn, dass er das macht. Und das war so, dachte ich so, na gut, das hat mich, weil einfach da auch wieder der Vergleich da war zu dem anderen, ich weiß genau, warum sie diese Szene eingebaut haben, weil es halt im Original auch drin ist, aber eben da war es um einiges cooler, weil es Sinn gemacht hat und hier war es wirklich sinnlos.
Florian Bayer: 2017 von Rupert Sanders ist der, ist die Realverfilmung, des Films offensichtlich schon in den 2000er, 2008 von Steven Spielberg wurden die Rechte gekauft und dann hat es ewig gedauert, es gab auch viele, die am Skript rumgeschrieben haben, bis der endgültige Film dann rausgekommen ist und er war ein ziemlicher Flop, sowohl beim Publikum, also mit mageren 170 Millionen Dollar Box Office bei 110 Millionen Dollar Budget, aber auch bei der Kritik ziemlich durchgefallen und ich muss ja sagen, du hast das schon, ich finde, der ist besser als sein Ruf. Ich finde, es gibt vieles, was wirklich nicht so cool ist, und das liegt vor allem daran, dass man sieht, dass das Rupert Sanders, zu dem muss ich gleich noch was sagen, offensichtlich darum bemüht war, die Ästhetik des Originals einzufangen und das hat er teilweise großartig gemacht, also es ist wirklich, der Film ist teilweise ein beeindruckendes, Beispiel dafür, wie man Anime in Realfilmen tauchen kann und wirklich schafft, die Atmosphäre zu retten.
Johannes Franke: Und auch viel übernimmt eins zu eins und trotzdem gut aussehen kann. Vielleicht nicht immer Sinn ergibt, aber trotzdem einfach visuell sehr beeindruckend eins zu eins übernehmen kann und eine eigene Ästhetik findet. Kennt ihr Robert Sanders? Der hat davor
Florian Bayer: Snow White and the Huntsman gemacht. Den großartigen Snowman and the Huntsman. dieser Film ist wirklich, dieser Film ist ein absolutes Phänomen. Ich habe noch nie einen Film gesehen, wo es so eine krasse Diskrepanz gibt, zwischen Inszenierung und Inhalt. Weil das ist inszenierungstechnisch, Kamera, Schnitt, auch die visuellen Ideen, ist das Oberliga. Das ist teilweise, das ist fast schon, das ist wirklich, der hat eine Ästhetik, die mich teilweise erinnert hat, an wirklich, an so die großen Ebenen des europäischen Arthouse-Kinos in den 60ern oder 70ern. Wirklich so Werner Herzog inspiriert, fast schon fantastische Bilder, unglaublich große Landschaftsaufnahmen und dann ist die Story totale Krütze. Und es ist so eine Diskrepanz, ich habe sowas noch nie erlebt. Dieser Film ist eigentlich, auf der Bildebene ist dieser Film ein absolutes Kunstwerk,
Johannes Franke: aber er ist halt inhaltlich ziemlich Krütze. Irgendwo sitzt jetzt Robert Sanders und du siehst so wie so eine Träne eben so.
Florian Bayer: Und wenn er es selbst drehen würde, wäre es fantastisch und wir würden alle mitweinen. Wirklich, dieser Mann kann unglaublich gut mit Bildern inszenieren.
Johannes Franke: Und ich kenne nur diesen... Naja, man muss dazu sagen, dass Greg Fraser, der die Kamera gemacht hat dafür, für Huntsman, dass der einfach auch viel mit reinbringen kann. Der hat viele gute Sachen gemacht. Was hat er so gemacht? Also jetzt einfach mal bei Wikipedia zu grasen. Rogue One, The Batman, Dune, solche Sachen. Und für Dune musst du schon wirklich eine gute Vision haben. Das stimmt.
Florian Bayer: Auf jeden Fall ist Rupert Sanders, dieser Film Snow White, und der Huntsman hat sich komplett in meinen Kopf eingebrannt, weil ich das einfach nicht zusammenkriege. Diese Bilder, zu denen ich sagen würde, das ist Kunst. Das ist wirklich gut. Und dieser Inhalt, der halt so, naja, so Young Adult, Fantasy, Kitsch aus den 2000ern, wie er damals so nach Hunger Games
Johannes Franke: ständig kam irgendwie. Vielleicht hat er eine schlechte Auswahl getroffen, also was jetzt so die Geschichten angeht. Also er kommt ja glaube ich aus dem Commercial-Bereich, hat Musikvideos auch gemacht gehabt und hat glaube ich auch diesen Blick für genau eben Bilder, also mit Bildern erzählen. Und wenn vielleicht da ein bisschen Probleme mit dem Drehbuch und vielleicht mit der Schauspielführung, weiß ich nicht. Ja. Das kann ja auch sein, dass da vielleicht dann die Diskrepanz herkommt halt. Also geht mir genauso, weil auch Ghost in the Shell sieht richtig gut aus. Ja. Da kann man sagen, was man möchte, dass der Film sieht und auch, wir reden auch wieder 2017, sehr viel CGI mit drin, aber trotzdem, der kann ja auch ganz anders aussehen. Und das muss, und auch eben die wichtigen Key-Aspekte auch getroffen, die er dann auch aus dem Anime übernommen hat. Das ist ja auch bei Animationsverfilmen manchmal so, wo du denkst so, Leute, habt ihr den überhaupt gesehen? Und in dem visuellen Part haben die extrem, also auch genau die Stellen, oder auch dann manchmal, die Sachen auch verändert, aber dann halt an einer anderen Stelle eingebaut. Ah, okay. Dieser Kopfplatzer, der kommt natürlich, der ist genau, der kommt an einer anderen Stelle nochmal vor. Aber cool.
Florian Bayer: Er bringt ja auch eigene Ideen mit ein. Es ist nicht nur so, dass er das reproduziert aus dem Zeichentrickfilm. Zum Beispiel dieses Eintauchen. Ist im Anime ja ganz simpel. Einfach, wir sehen einfach die Leute von oben. Und er erzählt hier halt so eine Virtual Reality und so eine Cyberspace-Reise von Killian, wie dann der Major heißt in dem 2017er Film. Nicht so abstrakt wie das Original, aber visuell unglaublich stark. Auch dann, als dann diese Menschenmasse auf dem Boden ist und es ist total düster wie in so einem Horrorfilm. Sie versuchen sie runterzuziehen. Dieser Hack wird wie so eine Horrorvision inszeniert. Also da kommen auch einige Ideen, wo ich sagen würde, ja, da fehlt so ein bisschen die Subtilität und das Abstrakte vom Original. Aber es sind interessante Ideen und die Bilderwelt des Originals wird interessant erweitert.
Johannes Franke: Ich hätte mir bei Scarlett Johansson, die hier die Hauptdarstellerin spielt, manchmal mehr wieder zurück zum Anime gewünscht. Also eben weniger Gefühl, also sichtbare Gefühl, also ihr Gefühl gerne intrinsisch oder von ihr aus schon, aber im Gesicht, in ihrer Mimik, in ihrer Bewegung. Was sich antrainiert hat, das war ganz spannend, ist ja der Gang, der, ich weiß gar nicht, ob Major im Anime so gelaufen ist, aber ihr merkt, sie hat so einen maskulinen Gang, den sie da irgendwie an den Tag legt, wo ich mich ein bisschen ab, also mich hat es irgendwie gestört. Irgendwie war es gleich so eine Richtung wieder, die mich irgendwie reinrückt, statt einfach nur, Anführungsstrichen, ganz normal zu laufen. Und, also die ganze Zeit irgendwie die Arme nach vorne. Ja, ja, ja. Und solche Sachen oder auch dann, auch diese Szene, wo sie da reingezogen wird, dachte ich auch in dem Moment, also sie ist ja ein Cyborg, sie hat, sie hat eigentlich, würde sie eigentlich keine Gefühle da zeigen und wird dann halt in dieses, links reingezogen, und wir hätten viel, eigentlich müssten sie ganz normal hochgucken und das wäre dann auch für die Szene gar nicht mehr so spannend, weil dann sehen wir ja gar keine Emotionen in ihrem Gesicht und sie wollen ja sehen, wie sie Angst oder wie, solche Sachen, wo ich dachte, geht gerne ein bisschen weiter zurück. Und ich weiß nicht, ob da wieder, das war nicht mit Regieanweisungen, mit der Schauspielerin, ob man da vielleicht, oder ob sie da vielleicht als Star, was jetzt Kyle Johansson ist, vielleicht auch sehr viel selber entscheiden durfte und gesagt hat, ich gebe das rein. Sie hat, sie hat schon sich zurückgenommen. Sie hat tatsächlich schon in der Vorbereitung gesagt, ich will die Emotionen zurückziehen und nicht zu viel machen. Ich kann mir vorstellen, dass die Regie dann gesagt hat, ja, aber an der Stelle brauche ich das schon noch, oder an der Stelle brauche ich das schon noch. Weil, also das, was ich von ihr weiß, ist, dass sie das schon so vorbereitet hat. Ich finde Scarlett Johansson ist eine tolle Schauspielerin. Ich finde sie sehr gut. Ich finde sie total gut in dem Film.
Florian Bayer: Ich finde sie richtig schlecht in diesem Film. Wirklich? Ich glaube sogar, es ist das, also ich würde behaupten, es ist so der schlechteste Auftritt von ihr, den ich bisher gesehen habe. Echt? Hat sie nicht Marvel noch gemacht? Ist das nicht? Ja. Aber da ist vielleicht auch, also hier kann sie mehr kaputt machen. Ich finde Major halt im Original echt cool und ich finde es auch cool, dass sie so, so was du als Hölzern bezeichnest oder als Puppenhaft bezeichnest,
Johannes Franke: ich finde es echt cool, dass sie so wenig macht. Weil das hätte ich ja gerne beim echten Menschen gesehen. Das ist ja das, was Ex Machina super macht. Ja, genau. Wo du halt, ist ja theoretisch auch von außen, ist es extrem Hölzern, wenn man so möchte. Ist auch genau dieses Pinocchio-Thema, aber in ihr passiert so viel. Ja. Und das merkt man einfach. Und das habe ich hier, habe ich manchmal das Gefühl, sie wollte da zu viel, oder wie gesagt, vielleicht auch von der Regie, keine Ahnung, aber zu viel zeigen. Ja. Alicia Vikander aus Ex Machina
Florian Bayer: wäre ein toller Major gewesen. Ja. Oh Mann.
Johannes Franke: Ja, aber wieder die gleiche Rolle zu spielen ist für die Schauspielerin auch nicht geil. Warum ist es eigentlich nicht geil? Man will doch ganz viele verschiedene Sachen machen. Ist es so als Schauspieler? Wenn du nicht gerade Joe Gerner bist, der die ganze Zeit ist ein ganzes Leben lang die gleiche Rolle. Ist Ex Machina älter oder jünger als das Remake von... Das ist eine gute Frage. Ich glaube, es ist jünger, aber mal gucken. 2015. Das ist älter. Älter, tatsächlich. Also ich finde, dass der Film sehr viel auf der visuellen Ebene richtig macht und auf der erzählerischen Ebene habe ich das Gefühl, oh komm, lass mich doch in Ruhe, lass mich doch selber was entdecken, lass mich doch selber verstehen, was da passiert.
Florian Bayer: Warum erklärst du das?
Johannes Franke: Warum erklärst du es nochmal?
Florian Bayer: Hör auf, damit ist mir zu erklären. Ich weiß, dass der Gauss das Bewusstsein ist. Hör auf!
Johannes Franke: Kann sein, dass ich das rausschneiden muss? Das war zu laut.
Florian Bayer: Aber echt mal, so ein Erklärwerffilm, das ist wirklich, also vor allem, nachdem das Original so abstrakt war und dann, ja, und nicht nur das, sie müssen auch allem eine Origin-Story geben. Ja, ja, ja, ja. Warum kriegen Batous Augen eine Origin-Story?
Johannes Franke: Das ist vollkommen überflüssig. Das fand ich eigentlich ganz nett. Das fand ich ganz nett. Das brauchte man nicht. Ich finde, einer der schlechtesten Willens der Geschichte des Films. Puppet Master? Nicht der, nee, nicht Puppet Master, sondern, nee, nicht Kutze, sondern der Chef der Firma. Wie hießen die, die Firma jetzt hier? Die hieß ja auch nicht mehr Sektion 6, sondern die hieß, äh, Hanzo, Hansa, irgendwas? Ja, ja, Hans, Hanka. Hanka, Hanka. Also wirklich, der schlecht, also der hat, null Motivation, der ist nur am, am böse gucken und das war's. Ich hab da wieder so eine typische, das ist wahrscheinlich eine, eine Entscheidung von, vom Studio, wo man den ganzen Tag gesagt hat, hey, also die westliche Welt, die versteht das nicht, wenn wir einfach nur, wenn wir uns so ein bisschen zurückhalten und sagen, wir brauchen schon einen Willen. Wir brauchen schon irgendjemanden hier, der irgendwie böse ist, wo wir wissen, okay, der muss besiegt werden, weil sonst funktioniert das Welt. Das hat mich auch gestört, dass man plötzlich geht und der hat mal noch, du hast auch gemerkt, dass man ihn reingeprofft hat. Der war nicht, der war nicht drin und nicht nötig, aber nur, einfach nur um zu sagen, okay, da haben wir nochmal einen Bösen, der besiegt werden muss. Und hat auch diese, also auch genau diese Frage, die du vorgestellt hast, ist der Puppet Master böse oder nicht, hat es rausgenommen, diese Frage, weil plötzlich ja noch ein anderer Bösewicht da war, wo wir hingucken und sagen, ach na gut, wir hoffen mal, dass sie da irgendwie den noch besiegt, weil es nicht nötig war. Die Frage war eben, ja auch hier ist, weil dieses, diese Dissonanz oder dieses nicht klar entscheiden können, zu sagen, welcher Seite sind wir eigentlich? Ja. Das ist ja auch, das hat mich an dem 2017er gestört, wo ich das Gefühl habe, ihr habt das da nicht, also und deswegen komme ich wieder zurück zu deinem Rupert Sanders, wo ich denke, Bild kann er, aber ich frage mich halt, was für, mit welchem Material arbeitet er oder wie, da weiß man auch nie genau, wie viel Handhabe er beim Drehbuch hatte, aber ich fand halt einfach, diese Grundessenz haben die dann irgendwann nicht mehr verstanden, also was jetzt wirklich den Hauptfilm ausgemacht hat.
Florian Bayer: Naja, sie haben ja die künstliche Intelligenz komplett weggelassen, weil wir erfahren ja, dass, also dieser Gedanke, dass es auch ein Bewusstsein geben könnte, ohne, ohne, dass es ein Gehirn gab, das ist ja komplett weg, dadurch, dass der, dass der vermeintliche Bösewicht Kurze ihr Bruder ist und tatsächlich, äh, nicht ihr Bruder, dass er ein echter Mensch war und mit ihr gelebt hat und die, der 2017er Original hat, glaube ich, viel mehr sowas wie, viel mehr so Fragen im Kopf, wie, was ist die Realität, was ist, was, wie können wir uns, auf unser Bewusstsein verlassen? Ne, der 2017er. Okay, und zwar, weil er aus so einer, der 2017er ist in so einer Zeit entstanden, als gerade Oculus Rift, VR, Augmented Reality groß war, der 1995er hatte viel mehr dieses KI-Thema im Kopf, das der 2017er gar nicht mehr hat, also wann kann ein künstliches Bewusstsein genauso sein, wie ein menschliches Bewusstsein. Und das ist aber viel aktueller mittlerweile wieder und dadurch wirkt der 2017er viel mehr datet als der 1995er, weil er halt so dieses, der 2017er hat die Themen seiner Zeit, Oculus Rift, Augmented Reality und so weiter und der 1995er ist halt viel visionärer und dadurch einfach viel besser gealtert.
Johannes Franke: Naja, ich glaube, dass der Originalfilm philosophisch einen reichhaltigeren Background hat, während der 2017er eigentlich darum, sich darum dreht, seine eigene Individualität und seine Erinnerungen wieder zu erlangen, weil sie geht ja dann auch zu der Mutter und die, die ganz seltsam einfach sagt, ja komm rein, ich weiß nicht, wer du bist und ich erzähle dir auch, ohne dass du mich fragst, einfach meine Story. Und die Katze ist aus der Tür, aus der richtigen Tür rausgekommen. Richtig, ganz toll. Das war wirklich absoluter Tiefpunkt dieses Films in der Motivation der Leute, aber wiederum trotzdem schauspielerisch so schön, dass ich zwischendurch wirklich Gefühle für die beiden habe, während die da sitzen. Aber ich frage mich die ganze Zeit, woher kommt das jetzt? Aber gut, also die Verschiebung der Motivation des Hauptcharakters ist das auch irgendwie ein bisschen das Problem, glaube ich. Ne, da gebe ich recht. Also auch bei der Stelle bin ich auch raus gewesen und dachte so, Leute, also da merkt, es ist wirklich lazy. Also da hat man wirklich übermerkt, okay Leute, wir wollen irgendwie die Mutter noch einbauen, die muss die noch irgendwie treffen, weil dann hat sie nochmal eine Motivation irgendwie oder lernt nochmal, okay, ich habe ja wirklich schon mal gelebt als Mensch und ich dachte auch, also da wollte man halt auch wirklich sie, Protagonist, verstehe, als du als Zuschauer, dass sie wirklich auch gut ist sie ist eine Flüchtling und ist irgendwie oder aus der Arbeiterklasse und man hat sie ohne ihr, ohne dass sie es will, von der Mutter entrissen und dann halt zu diesem, nennen wir es mal Monster gemacht, was sie ja selber gar nicht wollte und deswegen verstehen wir schon mal, dann ist es schon mal okay, dass sie dann Leute umgebracht hat, weil sie ist ja eigentlich ja, das will sie ja alles ja gar nicht und dann gibt es ja noch diesen bösen Konzern, der, weil er wird ja auch gezeigt, als er ist auch wirklich dafür zuständig, dass sie zu dem gemacht wurde, weil er, und das heißt, du hast ganz klar eine Disneyfizierung von der Geschichte, wo du sagst, okay, böse und gut ist ganz klar klassifiziert und wir wissen genau und das fand ich schon schade, weil es gibt ja auch Presse, auch aus Amerika und auch aus Hollywood gibt es bessere Beispiele dazu und ich weiß nicht, woher die Angst da kam, weil das Original ist ja so erfolgreich gewesen, wieso man dann da wieder so viel Angst hat und sagt, okay, wir müssen das so ein bisschen aufweichen, damit die Leute wirklich auch verstehen, was los ist. Ich glaube, ich kann dir sagen, warum. Ich glaube, dass wir in der Welt, das ist sehr alt, dieser Gedanke, dass der westliche Teil dieser Welt, also amerikazentrisch und Europa und so weiter, dass der sehr auf Individualität gegangen ist, einfach in der Kultur und dass der asiatische Teil sehr auf dieses gemeinschaftliche Wir als, also geht es gar nicht, geht es gar nicht so sehr um das Individuum, sondern um das gemeinschaftliche Vorankommen. Und das sieht man auch in dem Film, das Thema ist ja mehr Evolution. Wie gibt es eine neue Entwicklungsstufe der Menschheit an sich und nicht so sehr das Individuelle, auch wenn es um sie geht, aber das Mergen von zwei Dingen zu einer höheren Intelligenz hat mehr was Allgemeines. Ist spannend, weil ich habe auch mal von einem Psychologen gehört, dass in der westlichen Welt wurden Menschen gefragt, nach, wer bist du? Wenn du die Frage stellst, wer bist du? Und dann kommen aus dem Westen eher Aussagen wie, was du arbeitest. Also ich bin Regisseur, ich bin Mechaniker und dass man das mehr definiert und aus der asiatischen Welt kam eher die Aussage von ich bin Familienvater, ich bin, also mehr diese Gesellschaftsthematik, also was bist du in dieser Gesellschaft und nicht was bist du als Individuum halt. Und das ist theoretisch das, was du gerade sagst, was ich ganz spannend finde. Also spannend, darum habe ich, und das würde dann auch passen zu dem Film, dass es dann da viel individualistischer gesehen wird. Ja. Ja, schade. Ja, voll schade.
Florian Bayer: Ja. Was hat er denn auf der Haben-Seite? Ich fand zum Beispiel Dr. Uwe Le, gespielt von Juliette Binoche, fand ich total toll.
Johannes Franke: Ja. Als spannender,
Florian Bayer: ambivalenter Charakter. Ja. Und das ist aber eher so eine Stilfrage. Ich fand Takeshi Kitano natürlich ganz geil.
Johannes Franke: Ganz cool. Ich fand sie halt leider, Uwe Le, auch wieder so, leider wieder hervor, wie sagt man, vorhersehbar, dass sie diese Rolle spielt. Also sie ist die Wissenschaftlerin, die etwas getan hat und ambivalent ist, weil sie natürlich eigentlich die Wissenschaft vorantreiben will. Es gab gleich am Anfang ja diese Szene, wo sie, glaube ich, den Major erstellt und wo sie dann auch so sagt, nein, wieso, wieso, lass sie doch sein, wie sie ist oder irgendwie sowas. und ich denke, ja, das ist halt ganz klar. Und das fand ich schade. Da hätte man noch ein bisschen, auch wieder hier ein bisschen zurücknehmen können. Ja. Und deswegen da bin ich auch so ein bisschen raus gewesen. Also die Haben-Seite, wie gesagt, visuell ist ja das größte Haben-Seite-Thema. Deswegen fand ich den Film gar nicht so schlimm, weil auch diese Frage, die wir uns am Anfang gestellt haben, wie schafft man es halt, eine Welt zu erzählen und Raum zu geben für die Welt, hat der Film zum Teil ganz gut gemacht. Das ist viel weniger als der Original, muss ich ganz klar sagen. Also das fand ich beim Original besser. Aber die Welt war schon cool. Ich fand die Stadt nicht so schön. Sollte sie auch nicht.
Florian Bayer: Ich fand die Stadt auch nicht so, die Stadt hat ein bisschen zu gelackt gewirkt. Vielleicht ein bisschen zu sehr Blade Runner. Das hat irgendwie, ich kann es noch nicht mal an einem genauen Punkt festmachen. Ich fand im Anime die Stadt irgendwie stärker. 100 Prozent.
Johannes Franke: Mit Reißen da. Ja, gebe ich recht. Gebe ich recht. Du hast aber nach der Haben-Seite gefragt. Plur, was haben wir denn auf der Haben-Seite? Oh, Plur muss lange suchen in seinen Notizen.
Florian Bayer: Ich fand es tatsächlich ganz interessant, dass sie so grundsätzlich erzählt haben, eine stärkere Verknüpfung zwischen unserer Protagonistin und dem Antagonisten. Dass dann rauskommt, dass sie zusammen waren, dass sie eine gemeinsame Vergangenheit haben, dass sie sich kennen. Das fand ich spannend. Ich weiß es grundsätzlich zu honorieren, dass der Film versucht, mehr zu machen oder was anderes zu machen als das Original. Dass er nicht einfach versucht, ein 1 zu 1 Remake zu sein, sondern dass er wirklich auch eine andere Geschichte erzählt. Finde ich grundsätzlich erstmal gut, dass er das machen will.
Johannes Franke: Genau, aber ich glaube, diese Grund... Jetzt komme ich wieder auf etwas Negatives. Dabei die Grundessenz sollte man nicht vergessen und verlieren. Und das fand ich halt, hat er zum Teil das. Das fand ich halt schade. Weil sonst finde ich das super. Also wenn man schon ein Remake macht, dass man eben nicht sagt, wir verfilmen das einfach 1 zu 1. Und auch das Bestes Beispiel war genau dieses, wo sie in ihrem Kabuff, sagen wir mal, aufwacht und diese Stadt im Hintergrund siehst. Ja. Was irgendwie von der... Also das fand ich gerade zum Beispiel von der Qualität viel schlechter, diese Szene, als eben das Original. Weil einfach das Original ja was ganz anderes gezeigt hat. Ja. Auch von der Distanz von ihr. Was ganz anderes gezeigt hat, als diese Szene, die einfach nur in Anführungsstrichen nachgemacht wurde.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und dann auch noch mit mehreren... Ich glaube, da gab es ja noch mit mehreren Shots, wo sie dann auch noch sich anzieht und dann noch irgendwie rausgeht und so. Beim Original einfach auf diese Szene und du siehst einfach nur, wie sie rausgeht, glaube ich sogar, in der Silhouette, für ein paar Sekunden weg ist. Du siehst nur die Stadt und dann siehst du nur, wie sie verschwindet. Oder hörst du, glaube ich, nur das Geräusch von der Tür zuschlagen oder wie auch immer.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Reicht vollkommen aus. Absolut. Und da haben die je wieder zu viel... Und das war aber so, das wäre so die Essenz von, okay, ich verstehe, okay, es geht darum, vielleicht genau das zu zeigen und dann würde ich das vielleicht jetzt nicht vollkommen anders machen oder wenn dann anders, dann was anderes zu zeigen halt. Irgendwie fand ich, das hat ja manchmal so ein bisschen verloren. Aber wie gesagt, ja, ich habe schon wieder was Negatives gesagt. Ich wollte was Positives sagen. Ich fand die grundsätzlich unterhaltsam. Ja. Ich fand's... Also man muss dazu sagen, es gab ja diese Zeit... War es dieselbe Zeit, wo es Robocop und Co. gab? Ja, das war diese Remake-Zeit, ne? Ja. Und da finde ich den im Vergleich zu Robocop schon... Okay. Um einiges besser und wie gesagt, auch ich hatte jetzt nicht das Gefühl durch die geilen Bilder, dass ich meine... Wie lange ging der? Eineinhalb Stunden oder länger? Dass ich die verschwendet habe oder dass ich das Gefühl habe, so, oh, hm. Bei Robocop auch, Robocop sag ich auch, oder hier, Total Recall gab's ja das auch damals, ne? Remake und so. Der hatte zum Teil ganz geile Szenen auch, aber war trotzdem von der Story halt, ne? So und da hatte ich schon das Gefühl, so, pff, ja, okay. Ich überlege gerade,
Florian Bayer: ich glaube, das Total Recall Remake fand ich richtig olle und das Robocop Remake gar nicht so schlecht, aber ich weiß es nicht mehr genau.
Johannes Franke: Auch da war die Essenz auch, also, wenn ihr schon, also, ihr sagt, dieses Remake-Thema ist ja auch so eine eigene, das ist eine eigene Folge, Leute, das müsst ihr nochmal extra machen, weil, da könnte man lange überreden, weil ich verstehe immer noch nicht, ich verstehe diese Idee von zweiter Teil, das verstehe ich schon. auch da frage ich mich manchmal, wieso macht man nicht in dieser Welt eine ganz andere Figur? Also, wieso? Klar, weil man hängt viel an diese Hauptdarsteller, an diese Hauptcharakter ran und klar, das ist halt unser Hauptanker für die Geschichte, aber manchmal denke ich mir, vielleicht ist die Essenz der Geschichte wichtiger als dieser Charakter. Also, dass man halt, wenn man einen stirbt, langsam Remake macht, dass man überlegt, was ist denn eigentlich die Essenz unserer Geschichte? Muss es denn der Sohn von John McClane sein? Oder reicht es vielleicht einfach nur zu verstehen, okay, es geht eigentlich um diese eine Person, die halt irgendwie Hürden überkommt, die sie eigentlich nicht schaffen könnte und das in einer ganz anderen Welt zu machen, vielleicht irgendwo, vielleicht sogar in einem anderen Land zu machen, mit aber derselben Grundessenz. Das fände ich manchmal schöner als immer dieses, wir müssen, wir dürfen, wir müssen aufpassen, wir müssen dabei bleiben, auch ein Remake könnte man ja auch so machen. Das würde man ja nicht Remake nennen natürlich, aber, dass man Ghost in the Shell aber irgendwie in einer ganz anderen Situation macht, aber auch Einblick in diese Welt gibt einfach, diese Welt als Grundlage nehmen und nicht eben diesen Charakter. Also auf dem halben Weg nach Amerika haben sie es ja geschafft mit der Besetzung von Scarlett Johansson das Ganze in eine andere Kultur bringen zu wollen. Wollen wir die Debatte
Florian Bayer: nochmal aufmachen? Ja, aber natürlich.
Johannes Franke: Was haltet ihr davon, dass wir irgendwie dann doch sehr amerikanisch-europäische Gesichter sehen in einem eigentlich sehr asiatischen Film. Also die haben es ja hier ein bisschen versucht zu mischen, muss ich sagen, also ein bisschen. Ja, ja. Es gibt diese eine Figur, die die ganze Zeit
Florian Bayer: Takashi Kitano
Johannes Franke: und alle antworten auf Englisch. Die ganze Zeit japanisch. Ich finde es großartig, dass er das tut, aber das macht natürlich alles andere noch offensichtlicher,
Florian Bayer: dass das nicht wirkt. Es ist halt so offensichtlich, dass ausgerechnet die Protagonistin dann mit einer amerikanischen Top-Darstellerin
Johannes Franke: bedrest wurde. Und dann gab es zwischendurch Gerüchte, dass sie auch noch versuchen, digital sie noch japanischer zu machen und das haben sie dann wieder fallen lassen. Doch, doch, es gab sowas. Also Battle Angel Alita-Style die Augen noch vielleicht verändern oder so. Als es rausgekommen ist, hat die Produktion sofort zurückgerudert und hat gesagt, nein, nein, nein, nein, das war so ganz kurz mal so angedacht, aber auch gar nichts mit Scarlett Johansson. Das haben wir irgendwie mit anderen Figuren überlegt. Aber war dämlich. Also sagen wir so, mich hat es hier nicht so doll gestört wie in anderen Filmen, weil es ging ja nicht darum, wo, also du hast vorher auch Spaß gesagt gehabt oder auch ernst gemeint gesagt, dass die Stadt, du weißt gar nicht, wie die Stadt heißt. Ja. Weil der Film hat jetzt keinen Namen, okay, das spielt jetzt in Japan. Klar, es wurde mit dem Wissen dahinter, weiß man, okay, das war die Grundlage für die Bilder, aber es könnte theoretisch in jeder Stadt, in jeder westlichen Metropole spielen oder auch nicht nur westlich, sondern auch östlich Metropole spielen. So, und deswegen hat es mich gar nicht so doll gestört. Schlimmer war es zum Beispiel bei dieser, bei Marvel, Doctor Strange, da haben die doch den Monk, Tilda Swinton,
Florian Bayer: das finde ich schon
Johannes Franke: was anderes, weil da ist es ganz klar, dass der eben tibetanisch ist oder so und da dann zu sagen, wir packen jetzt einfach nur einen Star rauf und das finde ich schlimmer, ganz ehrlich gesagt. Ja, ja. Aber ich gebe recht, man könnte natürlich also sagen wir so nach oben hin offen auf jeden Fall um einiges verbessern. Ja. Also das ist hundertprozentig. Ja. Und da gibt es auch genug asiatische Schauspieler, die man auch, oder SchauspielerInnen, die man halt auch nehmen hätte können wahrscheinlich. Gerade auch die Wissenschaftlerin. Ja. Ja. Warum? Warum sie? Also ich meine, sie hat es gut gemacht, aber das hätte genug andere Schauspieler geben. Weil sie auch wieder bekannt ist, ne?
Florian Bayer: Ja, ja. Blöd. Ja, toll. Ja, das ist schon so sehr auffällig, dass sie diese zentralen Rollen, diese beiden eigentlich. Beim Antagonisten haben sie ein bisschen geschludert. Man kann ja nicht alles haben. Mamoru Ochi hat gesagt, ist es für ihn okay. Ja? Ja, das stimmt. Er hat gesagt, und ich kann mir eigentlich niemand ein besseres vorstellen, als Galaxian. Man sieht so im Hintergrund, wie er dein Geld zählt. Ja, ja, genau. Nur von mir ist es okay. Es ist okay. Ich glaube, ich wäre versöhnt damit, wenn ich sie halt nicht wirklich, ich fand sie halt wirklich nicht gut in der Rolle. Ich finde Scarlett Johansson ist eine gute Schauspielerin, aber ich fand sie wirklich störend schlecht. Okay.
Johannes Franke: Also das ist sehr hart, ich weiß. Es gab eine Petition mit dem Titel DreamWorks Stop Whitewashing Asian Characters wegen dieses Films und es gab 104.000 Unterschriften. Ja. Und ich glaube, dass dieses Problem des Whitewashings in diesem Fall wirklich auch dazu beigetragen hat, dass der Film so schlecht gelaufen ist. Es ist einfach vorher schlechte Presse und die Leute schon so, ah nee, kein Bock. Langsam ist mal so weit, dass wir das hinter uns lassen. Hätten sie machen, so wie bei Sonic the Hedgehog. Danach einfach die Zähne nochmal neu. Ja. Echt? Das habe ich gar nicht mitgenommen. Den haben sie komplett überarbeitet. Echt? Nachdem so ein Bashing kam, haben sie gesagt, okay, dann müssen wir nochmal, die hatten davor so, ist ja ein anderes Beispiel, da geht es jetzt nicht um sowas Ernstes, aber für mich nicht, ich glaube für die Leute, die dich da aufgeregt haben, schon. Die hatten da irgendwie so menschliche Zähne, also die haben ihn vermenschlicht und dann haben die irgendwie es mal wieder geleakt und dann haben die alle aufgeregt, das ist nicht mein Sonic the Hedgehog.
Florian Bayer: Aber es sah auch wirklich schlimm aus. Also diese Trailer mit der ersten CGI-Variante von Sonic sahen echt schlimm aus.
Johannes Franke: Okay. Naja, dann ist es halt, wie gesagt, es ist nicht mein Sonic the Hedgehog, mein Sonic the Hedgehog ist ja eine echte Figur, wir wissen alle, wie Eagle aussieht und die sehen definitiv, die haben nicht solche Zähne. Die haben nicht solche Zähne, aber schnell wieder weg sind sie.
Florian Bayer: Aber das ist so komplett out of context, aber was Sega mit Sonic the Hedgehog gemacht hat in seiner Geschichte ist auch wirklich hart. Also das ist ja, es gibt eine Version von Sonic und das ist pixlich blau und klein und aus dem 90er und so will ich ihn bis heute sehen. Und die haben, die haben seine Beine verlängert, die haben ihn muskulös gemacht, in den Wehrwoll verwandelt, das ist wirklich schräg. Also Sega ist echt nicht cool. Ariel ist auch nicht schwarz. Ja, stimmt, aber die Aria.
Johannes Franke: Alter, Alter, was ist das denn jetzt? Wollen wir jetzt die Ariel jetzt? Oh nein. Nein, ich wollte einfach nur auf die, diese Krille, manchmal finde ich das auch manchmal ein bisschen albern. Also ich verstehe, weil ich sage, man ist ja zum Teil aufgewachsen mit, also wie gesagt, ich finde es nicht albern, dass man sich aufregt, wenn man sich darüber aufregt, aber ich finde es manchmal auch albern, wenn da so ein Riesending draus gemacht wird. Total. Also wie gesagt, das ist die typische Internet-Bubble wieder, natürlich. Also bei Ariel jetzt besonders zum Beispiel, wo dann sich Leute wieder aufregen mit, ja, wieso kann man denn, bei einer Fantasy-Figur. Aber das ist einfach nur Rassismus, oder? Richtig. Ja,
Florian Bayer: es gab keine große Nostalgie dahinter.
Johannes Franke: Aber das ist ja die ganze Zeit, dass die Leute bei Disney Woke-Washing vermuten und denken, oh, das ist alles schlimm und wie auch immer, wo man denkt zu Leuten. Also wenn er, leider, wie gesagt, ist das doof, ist es immer, wenn der Film dann trotzdem schlecht ist. Das ärgert mich dann, weil das ist dann schade, weil das ist dann halt so, kann man natürlich schwer dagegen argumentieren und sagen, na gut, der Film ist aber gut, also halt einfach die Klappe. Und das ist dann blöd. Aber ansonsten gibt es da keinen, also was regen sich Leute manchmal aus.
Florian Bayer: Das ist das Schlimmste daran, die Rechten machen uns wirklich den Filmgenuss kaputt, weil man guckt einen Film und denkt so, bitte sei gut, weil man einfach, Ghostbusters 2016, ich war so traurig, dass mir der Film nicht gefallen hat. Ich bin da wirklich reingedacht und dachte, ich muss diesen Film mögen, ich muss ihn mögen
Johannes Franke: und dann war es verdammt. Genau, ganz genau. Das darfst du doch im Podcast nicht sagen, Plur. Wir müssen doch sagen, dass der Film gut war und das ist ja toll.
Florian Bayer: Er war natürlich nicht so schlecht wie ihn die rechte Gamergate-Bubble gemacht hat, aber er war... Er war dann ja nicht so gut. Ich fand den ganz okay. Ja? Ja. Aber ich hatte Spaß.
Johannes Franke: Voll cool. Genau, das wollte ich gerade ins Feld führen. Na gut, okay. Ich kenne es nur, ich kenne auch nicht. Aber okay, genau, die nächste Folge wird sein über Sonic the Hedgehog. Und über Remix. Und Remix. Oh nein.
Florian Bayer: Ich möchte noch einmal in die nicht vorhandene Kamera meine Blu-ray halten von Ghost in the Shell. Es gibt eine wirklich schöne Blu-ray. Hört ihr die? 25 Jahre Jubiläums-Edition. Die habe ich schön. Kannst du mal reiben daran,
Johannes Franke: ein Podcast?
Florian Bayer: Sie hat sogar ein wunderschönes Booklet mit ein bisschen Texten, die etwas mehr erklären, wie diese Welt funktioniert. Und ja, kann ich wirklich nur empfehlen. Von Nippenart. Okay.
Johannes Franke: Japanische und deutsche Tonspur. Keine englische Tonspur. Hast du uns gerade so ein bisschen ins Fazit reinkatapultiert, weil du jetzt völlig das Thema gewechselt hast. Ja. Machen wir.
Florian Bayer: Auf ins Fazit.
Johannes Franke: Auf ins Fazit. Eugene, du darfst das letzte Wort haben. Deswegen würde ich als erstes Plur bitten, sein Fazit zu nehmen.
Florian Bayer: Das Urteil. Also ich mach's kurz. 1995er Film ist wirklich großartig. Ein fantastischer Anime. Ich hab jetzt auch, nachdem ich ihn gesehen habe, echt nochmal Lust, vielleicht doch mal die anderen zu sehen, die danach gekommen sind noch. Ich hab's dir gesehen. Und 2017er Film besser als sein Ruf, aber viele Schwachstellen, wie wir jetzt gerade wieder festgestellt haben. Was mich vor allem beim 2017er gestört hat, dass er einfach schlechter gealtert ist, weil er im Gegensatz zum 95er Film nicht so versucht, einen Zukunftsentwurf zu machen, sondern wirklich so sehr an seinen Themen der damaligen Zeit hängt. Aber den kann man sich eigentlich auch angucken. Also Ghost in the Shell muss man auf jeden Fall sehen. Das 1995er Original, 2017er Variante, kann man machen.
Johannes Franke: Okay. Ich glaube, es wird ja viel gesagt, eben der große Unterschied zwischen 95 und 2017 ist, dass die Philosophie völlig flötend geht und dass die Themen nicht mehr so tief sind und so weiter. Ich glaube fast, das ist jetzt vielleicht ein bisschen ketzerisch, aber dadurch, dass der erste Film kaum was erklärt, fühlt man da so Tiefe, die vielleicht aber auch nicht unbedingt mehr ist als die Tiefe in dem 2017er Film. Der 2017er Film quatscht die einem halt tot. Das ist alles. Lass ich mal so stehen. Vielleicht ist da ja was Wahres dran. Mein Gefühl dazu. Aber ich habe natürlich den 2017er Film bei weitem nicht so genossen, weil ich wirklich immer wieder irgendwas erklärt bekommen habe und weil ich gerade eben im Kontrast war. Ich habe das wirklich hintereinander geschaut, die beiden Filme und war so, ach Gott, keine Lust. Und dann habe ich natürlich auch auf die ganzen Sachen gewartet in der Geschichte, was jetzt kommt und wann kommt der Puppet Master denn jetzt endlich. Kam er nicht. Und es gab eine andere Geschichte dazu, was man auch machen kann, was vollkommen in Ordnung war, was mich aber in dem Moment so, so, hä, wo bin ich jetzt? Was soll das? Und es gibt einfach zu viele Ungereimtheiten und so viele Momente, wo ich denke, okay, da haben die am Set gestanden, also 2017er, und gesagt haben, ach, das verspielt sich oder das machen wir in der Post oder, ach, wer das jetzt sieht, der hat den Film nicht verstanden. Die ganzen Sprüche, die man so am Set drischt, um sich weiter voranzubringen, um zu sagen, nee, wir kümmern uns jetzt um andere Sachen, ist jetzt egal. Und das sieht man dem Film einfach an, finde ich. Und deswegen würde ich mich Plur anschließen und sagen, man sollte auf jeden Fall den 1995er-Film gesehen haben, auch wenn man ihn nicht versteht, vollkommen wurscht. Und wenn man ihn verstehen möchte, nach dem ersten Mal, kann man ihn noch ein paar Mal sehen, um ganz viel zu entdecken. Aber der Film schafft es auch den ersten Genuss, ohne dass man ihn noch mal und noch mal, noch mal sehen muss, trotzdem dem Film was abzugewinnen. Das finde ich toll. Das schaffen andere Filme ja, wie du am Anfang gesagt hast, Regisseure, die sagen, ja, meinen Film muss man einfach fünf, sechs Mal sehen, damit man den versteht. Und das mit Stolz sagen. Ich weiß nicht. Und der Film schafft es einfach, auch im ersten Genuss genug zu bringen, ohne dass man alles verstehen muss. Und auch Fragen. Ich übernehme das mal gleich für mein Fazit. Und auch Fragen aufzuwerfen, die einen halt danach, also wenn man Lust hat auf solche Filme, die halt eher allen noch mal nachdenklich stimmen danach, ohne jetzt theatralisch traurig zu sein, sondern einfach nur, danach gehst du raus und denkst, okay, ich habe vielleicht nicht alles verstanden, aber ich habe genug verstanden, um nochmal drüber nachzudenken, was da passiert ist. Das finde ich halt so toll, was dieser 1995 Ghost in the Shell schafft und auch Inspirationsquelle für viele Filme danach war, muss man auch dazu sagen, also wenn es jetzt eben genau über diese Zukunftsvision ist, über diese Frage Mensch-Maschine-Frage aufzuwerfen, wurde auch sehr oft zitiert und dementsprechend ein Film, den man gesehen haben muss, ich muss gar nicht mehr so viel hinzufügen, das habt ihr ja schon so toll gemacht, ich habe den 2017er-Film, würde ich sagen, wenn ihr den noch nicht gesehen habt, schaut ihn auch, wie gesagt, der sieht sehr gut aus und wenn ihr Spaß an auch guten Bildern habt, auch ein Film, den man sich auch angucken kann, ich würde ihn auch nicht hintereinander gucken, so wie du es angesprochen hast, ich glaube, das ist nicht förderlich für den 2017er. Das ist glaube ich so, weil dann einfach, das stört dann manchmal einfach, weil du einfach dann auch ein anderes Pacing einfach gerade mitgenommen hast und dann im nächsten Moment plötzlich dieses zusammengeraffte irgendwie hast und lustigerweise ist das andere halt kürzer sogar, aber deswegen würde ich den nicht zusammen gucken, aber grundsätzlich gesehen, glaube ich, also auch ich habe den nicht mehr nicht so schlimm wahrgenommen, wie ich ihn damals wahrgenommen habe und hatte auch meinen Spaß damit grundsätzlich gesehen und würde mir einfach beide nochmal anschauen, ich finde die super und ja, ich finde die Thematik aber auch spannend, ich glaube auch für Leute, die halt Lust haben, so ein bisschen das Thema Zukunftsvisionen und da reinzuschauen und einfach selber drüber nachzudenken, habe ich gerade schon gesagt, guckt da rein. Ihr habt gar nicht gemerkt, ich habe jetzt gerade einen Loop gebaut, in der Minute 24 könntet ihr wieder einsteigen an der Stelle und ihr würdet genau weiterhauen.
Florian Bayer: Sehr perfekt. Das kannst du nachher im Schnitt einfach nochmal machen. Dann geht die Folge einfach so ein bisschen aufgeflägt nochmal. Das überlasse ich den Zuhörern. so ein bisschen neu schneiden, das ist dann das Remake von dem ersten. 2.0. Johannes macht das im Schnitt. Ja, Jutin, vielen Dank, dass du dabei warst, war großartig. Vielen Dank, dass du diesen Film empfohlen hast, dass wir den nochmal gucken konnten, also ich nochmal gucken konnte, Johannes zum ersten Mal.
Johannes Franke: Wir hatten sehr viel Spaß damit, vielen, vielen lieben Dank und ihr da draußen hört in den Indie-Film-Talk hinein. Perfekt gesagt. Ich hab's geübt. Im Gegensatz zu Plur. Plur, danke, dass du den Film geguckt hast und dabei warst. Johannes, vielen Dank für diese tolle Episode. Und was wir nächste Woche machen, das hört ihr nach unserem obligatorischen Outro. Bis dahin. Ciao. So, Plur. Ah, was für ein Gespräch. Ja, voll cool. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Jetzt, wo Eugene raus ist, kommen wir ja lästern.
Florian Bayer: Nein, das war wundervoll. Was gibst du mir als Kontrast zu dem japanischen Cyberpunk-Drama, Science-Fiction, Thriller, whatever?
Johannes Franke: Du bekommst von mir ein Jahr, 1968, und 60
Florian Bayer: Studentenrevolte, Hippies, Party,
Johannes Franke: Sex, Trucks, Rock'n'Roll. The Odd Couple. Fast. Und zwar zu Deutsch, wie hieß das? Männerwirtschaft vielleicht? Ich muss nochmal... Nein, ein Verrücktes Paar? Ein seltsames Paar. Ein seltsames Paar. Männerwirtschaft war was anderes. Damn. Also, das im Deutschen ein seltsames Paar. Und zwar von Gene Sachs, 1968.
Florian Bayer: Walter Matthau und Chad Clemon, oder? Ganz genau.
Johannes Franke: Das ist voll der Johannes-Film. Es ist absolut der Johannes-Film. Ich liebe diese komödiantischen Momente zwischen den beiden, sind großartig. Und die haben so viel Erfahrung bis dahin. Also, 1968 ist wirklich recht spät für die beiden. Und das ist so großartig.
Florian Bayer: Ich bin sehr gespannt drauf, weil ich kenne sie vor allem in dieser Konstellation und dann eher in noch älteren Konstellationen. Stimmt. Ich habe auch noch zusammen gemacht. Ja, ja. Vielleicht würden wir auch während dieser Folge dann herausfinden, ob wir auch ein bisschen was vom Odd Couple haben. Wer von uns der Neurotiker ist und wer der Chaot.
Johannes Franke: Ja, kannst du bitte abwaschen, wenn du dann, bevor du gehst? Ich bin der Chaot.
Florian Bayer: Ja, cool. Sehr schön. Bis nächste Woche. Schaut euch den Film an und dann können wir nächste Woche zusammen darüber reden. Frisch reingehen. Ja, sehr gut. Bis dann. Ciao. Ciao.

Hallo zusammen,
erstmal Danke für euren Podcast, den ich sehr gerne höre! Zu dieser Episode möchte ich sagen, dass ich die gerne etwas früher gehört hätte, denn in meinem eigenen Podcast habe wir vor kurzem auch über Ghost in the Shell gesprochen und sind zu ähnlichen Erkenntnissen gekommen, wie ihr in dieser Episode. (Ich mach mal Werbung und poste den Link: https://eigentlich-podcast.de/egl42-ghost-in-the-shell-ein-visuelles-und-philosophisches-meisterwerk-der-cyberpunk-aera/). In der Vorbereitung meiner Folge habe ich auch zum ersten Mal ein bisschen besser verstanden, worum es in Ghost in the Shell geht, obwohl ich den Film in verschiedenen Sprachvarianten mehrfach geschaut habe. Zum Verständnis haben mir die deutschen Subtitles sehr geholfen, die ich einfach so runtergelesen habe (Tipp auch für andere Filme, einfach nur die Subtitles lesen). Da wird der Konflikt zwischen Sektion 9 und Sektion 6 deutlich und auch, dass der Puppetmaster politisches Asyl beantragt. Diesen Aspekt und die ganze OpSec-Thematik halte ich doch für einen großen Weitblick für die damalige Zeit verglichen mit Remake. Also dem Schluss Plädoyer von Johannes folge ich hier nicht 😉 Auch die erigierten Brustwarzen von Kusanagi sind nicht bloß sinnlos platzierter Eyecandy, sondern zeugen von der Sexualität der Figur, die es braucht, um die Verschmelzung mit dem Puppetmaster einzugehen. Diese philosophische Frage ist gerade auch hoch im Diskurs bei der Weiterentwicklung von KI, inwieweit hier auch biologische Fortpflanzungsmuster adaptiert werden können.
Soweit von mir, weitermachen!
Grüße
Flo
Hey Flo! Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar! Sehr interessante Gedanken dazu! Ich glaube gerade bei solchen Filmen kann man nie abschließend sagen, wie der Film zu lesen ist. Auf jeden Fall spannende andere Perspektive!
Beste Grüße!