Episode 13: Much Ado About Nothing, The Fall
Regeln sind da, um gebrochen zu werden. Frei nach diesem Prinzip wenden wir in unserer dreizehnten Episode ein wenig vom klassischen Film ab und wenden uns dessen geistigen Ahnen zu, den Brettern, die die Welt bedeuten. Die Shakespeare-Komödie Much Ado About Nothing erhielt im Jahr 2011 im Wyndham’s Theatre in London von Josie Rourke eine denkwürdige Aufführung, die für die Nachwelt Gott sei Dank auf Film festgehalten wurde. Abgefilmtes Theater, höchst professionell inszeniert, aber dennoch mit spürbaren Unterschieden zu unseren sonstigen cineastischen Erlebnissen. Dass dies keineswegs ein Nachteil sein muss, kommt nicht nur in unserem Gespräch zum Tragen, sondern wird auch in der dazu passenden Top 3 „Film trifft Theater“ mehr als deutlich. Ganz anders dagegen funktioniert das Fantasyepos The Fall von Tarsem Singh aus dem Jahr 2006. Die Ode ans Geschichtenerzählen fährt alles auf, was das Medium Film zu bieten hat, vielleicht sogar zu viel des Guten. In der dazu gehörigen Topliste beschäftigen wir uns mit den spannendsten Kind/Erwachsenen-Duos der Filmgeschichte, bei der wir sogar überraschend konsensuell unterwegs sind.
Much Ado About Nothing [William Shakespeare, Regie: Josie Rourke]
(GB 1599/2011)
Wir schreiben das Jahr 1599. Genauer gesagt: Shakespeare schreibt das Jahr 1599 und zwar unter die gerade fertiggestellte Komödie „much ado about nothing“. Shakespearetypisch dreht es sich um intrigen, Liebende die um ihre Liebe Kämpfen und deren Antagonisten, die dagegen arbeiten. Oder, wie in der spannenden Variante des zweiten Pärchens: Antagonisten, die sich um die Liebe der Protagonisten bemühen, während diese davon überzeugt sind, dass sie einander hassen.
Gerade dieser Nebenplot, macht für mich das Stück besonders sehenswert. Insbesondere aber auch wegen ihrer grandiosen Schauspieler, allen voran David Tennant und Catherine Tate, in der Inszenierung des Wyndham’s Theatre in London, im Jahre 2011 unter der Regie von Josie Rourke.
Das Stück kann man einfach bei Youtube finden. Einfach „much ado about nothing“ und „Catherine Tate“ oder „David Tennant“ eingeben. (ok, ok, hier ist der LINK) Und wer dann erschrocken feststellt, dass seine oder Ihre Englischkenntnisse nicht ausreichen, um Shakespeare zu verstehen und mir schon Kultursnobismus vorwerfen will, dessen Atem sei gespart, ich versteh auch nur die Hälfte der Worte. I Shit you not! Wer Shakespeare emotional nicht versteht, war in einer schlechten Inszenierung. Punkt. Danke, Plor, dass du dich darauf eingelassen hast, einen Ausflug ins Theater zu unternehmen.
Und jetzt wüsste ich gern, ob sich der Ausflug für dich gelohnt hat, oder ob du in Zukunft nicht mehr am all inclusive Sommertrip für Senioren teilnehmen möchtest.
The Fall [Tarsem Singh]
(USA 2006)
The Fall von Tarsem Singh aus dem Jahr 2006 gehört ein wenig zu den vergessenen Fantasyperlen der frühen 2000er Jahre. Von der Kritik wurde ihm damals vorgeworfen zu eskapistisch, zu sehr auf visuelle Reize aus zu sein, und in den folgenden Jahren wurde kaum noch über ihn geredet, nicht zuletzt auch weil Singh als Regisseur nicht mehr groß in Erscheinung getreten ist. Dabei gehört The Fall zu den schönsten Vertretern einer filmischen Gattung, die in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren immer wieder durch herausragende Produktionen aufgefallen ist: Das Loblied auf die kindliche Fantasie in einer Geschichte, die sich tendenziell eher an Erwachsene richtet.
Für den düsteren, erwachsenen Ton sorgt in diesem Fall der Protagonist Roy, ein Stuntman, der nach einem schweren Unfall am Set und dem Verlust seiner Freundin in einem Krankenhaus im Kalifornien der 1920er Jahre dahin vegetiert. Er hat jede Hoffnung und jeden Lebensmut verloren und will sich mit einer Überdosis Morphium das Leben nehmen. Um an dieses zu gelangen will er eine Mitpatientin, die 5jährige Alexandria, ein Kind rumänischer Einwanderer, das sich bei der Arbeit auf einer Orangenplantage den Arm gebrochen hat, ausnutzen. Sie soll ihm die weggschlossenen Medikamente für seinen Freitod beschaffen. Um sie auf seine Seite zu ziehen, beginnt er, ihr eine eklektische Geschichte von fünf Abenteurern zu erzählen, die unterwegs sind um den tyrannischen Gouverneur Odius zu stürzen. The Fall bleibt allerdings nicht bei der Erzählung von Roy stehen. Alexandria beginnt sich in die Geschichte einzumischen, um deren Brutalität und Düsternis – verursacht durch Roys Depressionen – aufzubrechen. Es entspinnt sich ein faszinierender Zweikampf zwischen dem naiven Kind und dem lebensmüden Stuntman um die narrative Hoheit in dem entworfenen Märchen. Das alles inszeniert in visuell beeindruckenden, pittoresken und opulenten Bildern.
Sind diese so dominant, dass Plot und Subtext verloren gehen? Oder steckt in diesem Film doch mehr als ein bloßer Bilderreigen eines in seinen Fantastereien Amok laufenden Werbefilmers? Was denkst du Johannes?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 13: Much Ado About Nothing, The Fall Publishing Date: 2021-03-31T19:29:41+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/03/31/episode-13-much-ado-about-nothing-the-fall/ Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast? Nein, eigentlich nicht, aber ich. Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können. Wie wär's mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee. Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme. Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeig dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest. Das heißt so Musicals aus den 50ern? Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme? Mit russischen Untertiteln, von mir, für dich. Oh Gott, okay. Aber du weißt, dass das für Menge Streit sorgen kann. Definitiv, das wird lustig. Herzlich willkommen, Plor, endlich wieder. Eine Woche ist vorbei und wir reden wieder über Filme. Sehr schön. Über Filme? Über Filme? Fragezeichen? Okay, okay, ich hab mich ein bisschen weiter aus dem Fenster gelehnt, als wir das eigentlich wollten hier im Podcast. Wir wollten ja über Filme reden, aber ich habe eine so wundervolle Inszenierung von Much Ado But Nothing von Shakespeare, die ich dir einfach aufs Auge drücken musste. Ja, die Regeln, die Regeln. Ich bin gespannt, ob du mal irgendwann mich so richtig außerhalb... Ja, wozu Regeln, wenn man sie nicht ordentlich brechen kann? Richtig. Ich bin schon die ganze Zeit überlegen, wie ich mich rechnen könnte. Vielleicht mit so einem YouTube-Video, einem Influencer-Clip auf Instagram. Einen Werbespot habe ich das letzte Mal vorgeschlagen. Ja, stimmt. Oder ein Musikvideo, mal schauen. Irgendwas wird mir einfallen. Aber total okay, also ich meine, abgefilmte Theaterstücke, das ist spannend und darüber kann man auch reden. Ja. Und es ist ja auch nicht einfach nur ein Totaler auf die Bühne und das war es dann, sondern viel nah an und das ist filmisch inszeniert. Genau, genau. Ich würde gerne an dieser Stelle einmal Marie danken. Marie hat damals für mich Shakespeare so... Weiß nicht, meine Liebe zu Shakespeare geweckt. Das hatte ich vorher so gar nicht, aber dann habe ich Marie kennengelernt und es war so ein Aha-Moment, als ich dann im Globe stand, wir zusammen im Globe standen und uns Shakespeare angeschaut haben live. Und einfach, ja, weiß nicht, da irgendwie eine Welt, die mir vorher echt verborgen geblieben ist, entdeckt. Wollen wir noch kurz klären, was du für mich hast diese Woche? Einen Film, einen wirklich Film-Film, der alles das macht, was das Video machen kann. The Fall von Tarzim Singh aus dem Jahr 2006. Mhm, der wirklich alles macht, was das Video, also ein bisschen viel macht, aber egal. Aber wir fangen an mit dem Theater, wir fangen an mit dem Video. Okay, na gut, dann fangen wir mit dem Theater an, Schnick Schnack Schnuck. Wollen wir noch ganz kurz klären, was wir überhaupt, wir reden so selten darüber, was unser Konzept eigentlich ist. Wir reden glaube ich jede zweite Folge drüber, aber gerne. Und ich habe auch das Gefühl, dass auch keiner mehr weiß, wer du eigentlich bist und wer ich eigentlich bin. Ich bin Johannes Franke, ich bin Schauspieler und Filmliebhaber und ich rede gerne mit Plor über Filme und wir haben uns irgendwann gedacht, wir können entweder im Garten rumlaufen und darüber reden oder uns einfach vors Mikro setzen und reden. Was angenehmer ist, als es auf den ersten Blick klingt. Stimmt, ja, ich habe nicht damit gerechnet. Ja, ich auch nicht tatsächlich. Wer bist du, möchtest du dich nochmal kurz vorstellen? Ich bin Florian bzw. Plor, wie mich Johannes in 99% der Fälle nennt, eher 100%. Und ich bin WebTV-Produzent und ich liebe auch Filme und ich liebe es über Filme zu reden. Und ich liebe es vor allem mit Johannes über Filme zu streiten. Weil wir nicht immer der gleichen Meinung sind. Ja, und hoffentlich streiten wir heute auch ein bisschen. Mal schauen. Ich glaube schon. Mal sehen, wie kampfeslustig ich bin. Oh, ja deine Woche war ein bisschen, ähm, wirr, hast du erzählt. Ach ja, wuselig. Wuselig, das heißt, deine Kraft hast du schon verloren eigentlich die Woche über. Let out some steam. Ich war zu Ecker sagen würde. Ja, okay. I will destroy you! Wenn ihr wissen wollt, was es damit auf sich hat, dann müsst ihr die letzte Folge hören. Da reden wir nämlich über Kommando mit Schwarzenegger. Das war so schrecklich. Nein, das war nicht schrecklich, das war einfach wirklich sehr, sehr weird. Aber diesmal sind wir nicht bei den großen amerikanischen Action-Kloppern, sondern bei den würdevollen Briten. Wir sind bei Hochkultur. Ja, und bei den würdevollsten Briten überhaupt, ne? William Shakespeare. Willst du William Shakespeare wirklich als würdevollsten Briten einstufen? Ich weiß nicht, man könnte mal eine Umfrage machen, aber ich denke, er würde in den Top Ten landen. Ich glaube, darum müssen wir sehr ausführlich reden, sobald wir im Film drin, in der Inszenierung drin sind. Ich mach mal kurz das Intro, lese mal ein bisschen vor, was ich dazu geschrieben habe und dann kommen wir langsam rein. Leg los. Wir schreiben das Jahr 1599. Genauer gesagt, Shakespeare schreibt das Jahr 1599 und zwar unter die gerade fertig gestellte Komödie Much Ado About Nothing. Shakespeare-typisch dreht es sich um Intrigen, Liebende, die um ihre Liebe kämpfen und deren Antagonisten, die dagegen arbeiten. Oder wie in der spannende Mariante des zweiten Pärchens, Antagonisten, die sich um die Liebe der Protagonisten bemühen, während diese davon überzeugt sind, dass sie einander hassen. Gerade dieser Nebenplot macht für mich das Stück besonders sehenswert. Insbesondere aber auch wegen ihrer grandiosen Schauspieler. Allen voran David Tennant und Catherine Tate in der Inszenierung des Wyndham Theatre in London in Jahre 2011 unter der Regie von Josie Roke. Das Stück kann man einfach auf YouTube finden, einfach Much Ado About Nothing und David Tennant eingeben oder Catherine Tate. Und wer dann erschrocken feststellt, dass seine oder ihre Englischkenntnisse nicht ausreichen, um Shakespeare zu verstehen und mir schon Kultursnobismus vorwerfen will, dessen Atem sei gespart, ich verstehe auch nur die Hälfte der Worte. I shit you not. Wer Shakespeare emotional nicht versteht, der war in einer schlechten Inszenierung. Punkt. Danke, Plur, dass du dich darauf eingelassen hast, einen Ausflug ins Theater zu unternehmen und jetzt wüsst ich gern, ob sich der Ausflug für dich gelohnt hat oder ob du in Zukunft nicht mehr am All-Inclusive-Sommer-Trip für Senioren teilnehmen möchtest. Das ist so schrecklich. Tatsächlich hat mir die Inszenierung, die wirklich Spaß gemacht hat, gezeigt, wie sehr ich Theater gerade vermisse. Und es ist nicht nur so ein Covid-Ding, weil ich war auch vor dem Lockdown, weil ich lange nicht mehr so, gerade in so klassischen Shakespeare-Aufführungen, ich war mit meinem Kind viel im Kinderteater, aber so klassisches, erwachsenes Theater ist ein bisschen hinten übergefallen. Und die ganze Zeit, während ich das geguckt habe, dachte ich, ach ja, das fehlt. Das ist wirklich schade. Ich muss wieder öfter ins Theater gehen. Und jetzt ist gerade überhaupt nicht die Zeit dafür. Corona verbietet das und wir merken alle schmerzlich, wie sehr wir es vermissen. Es ist wirklich traurig, wenn man ein Jahr lang ohne Theater auskommen muss. Das ist für mich als Schauspieler noch mal eine andere Perspektive auf die Sache, aber als Zuschauer eben auch. Es ist furchtbar. Auch generell Live-Veranstaltungen. Und es ist natürlich so, ich habe mir das auf Instagram gelehnt, als ich gesagt habe, es ist sehr filmig. Es ist natürlich ein abgefilmtes Theaterstück und man sieht das die ganze Zeit. Aber das macht den Schmerz umso stärker. Es fehlt mir einfach. Und auch Publikumsreaktionen zu hören, es irgendwie als Teil des Publikums zu fühlen. Übrigens, um kurz über das Technische drüber zu bürsten, da haben die wirklich eine gute Arbeit gemacht. Es ist gut abgemischt. Toll, oder? Das Publikum ist hörbar, gut hörbar, aber nicht störend. Das Publikum, wo sie so ein bisschen krass drüber lachen, das ist aber auch der Inszenierung verschuldet, weil sie in ein, zwei Szenen sehr stark auf Slapstick-Humor setzt. Und es gab Momente, also du hast es bereits gesagt, ich verstehe bei Shakespeare auch nur die Hände. Ich hatte auch die Untertitel an, die automatisch generiert von YouTube. Ich habe mich dann da so ein bisschen durchgehalten. Und es gibt ein, zwei Szenen, wo das Publikum dann einfach wirklich so laut wird und so ausrastet, dass man auf der auditiven Ebene nichts versteht. Ich glaube, es geht nicht nur mir so, sondern wahrscheinlich sogar Native-Speakers aus Großbritannien. Ja, das ist halt das Ding. Shakespeare ist halt nicht nur Englisch, sondern es ist auch noch Shakespeare. Selbst die Native-Speaker in England sind ja nicht daran gewöhnt, an diese Art und Weise zu sprechen. Und viele sprachliche Bilder sagen ja auch als Native-Speaker nichts. Woher? Weil du wahnsinnig viel beschäftigst. Und Shakespeare scheint ja jetzt gerade, das lese ich immer wieder, gerade in Amerika, aber auch in England, so ein bisschen zu verschwinden aus dem Lehrplan. Also nicht gänzlich, aber die Wichtigkeit, die es mal hatte, scheint es gerade so ein kleines bisschen zu verlieren. Und es gibt immer wieder Artikel darüber, so Apelle von Schauspielern, von Regisseuren und so weiter, die sagen, wir müssen wieder Shakespeare reinbringen. Shakespeare ist ja so ein bisschen für die Briten das, was für uns Goethe ist. Ja, viele Schüler werden auf Shakespeare schimpfen, einfach weil sie wahrscheinlich viel zu früh da durchgequält werden, ohne den Spaß, den es auch in Shakespeare zu finden gibt, wirklich zu verstehen. Und dann wird das schnell zu so einer Fingerübung, dass man Textstellen interpretiert und Wortspiele interpretiert und fast so ein Vokabelheft führt, was hat er damit gemeint, was hat er damit gemeint. Das ist auch tatsächlich schwierig. Wie man mit literarischen Klassikern umgeht, ist eine spannende Frage, denke ich, weil ich weiß nicht, ob Shakespeare das Beste ist, um einem Neulernenden die Schönheit der englischen Sprache deutlich zu machen. Oder ob das nicht eher was ist für den Fortgeschrittenen, der sich schon ein bisschen damit auseinandergesetzt hat und einfach eine gewisse Grundkenntnis mitbringt. Ich glaube, dass man bei einer guten Inszenierung, das habe ich ja im Intro auch schon geschrieben, bei einer guten Inszenierung ist das Level deiner Englischkenntnisse eigentlich egal. Mit jedem Level verstehst du natürlich nicht alles und du kannst die Geschichte vielleicht, wenn du ganz schlecht im Englischen bist, gar nicht wirklich folgen. Aber bei einer guten Inszenierung kommst du mit jedem emotional mit. Weil Shakespeare das hinkriegt. Weil Shakespeare das irgendwie alles so anlegt. Man muss sich nur draufsetzen als Regisseur. Die Frage ist, was ist eine gute Inszenierung? Es gibt natürlich die Möglichkeit und das macht dieses Stück auch. Nicht nur den Wortwitz hervorzuheben, sondern auch Situationskomik und auch das Emotionale. Und die Snops und Literaturgummis werden dann natürlich sagen, naja, naja, die haben aus Shakespeare eine Lachnummer gemacht. Shakespeare ist ein Komödiant natürlich, gerade in dem Stück auch. Shakespeare ist Volkstheater. Aber man kann durchaus sagen, ja, man kann Shakespeare auch vulgarisieren, auch zu sehr vulgarisieren und dann ist es ziemlich enttäuschend für Leute, die der Hochkultur frönen. Ja, aber da muss ich dann bei Kultursnobismus einmal einhaken. Das finde ich ganz schrecklich. Shakespeare ist eben nicht das, was immer alle glauben, dieses hochtrabende und schwülstige Intellektualisierte. Das ist Shakespeare nicht, also nicht gänzlich. Shakespeare hat das auch. Shakespeare hat das vor allem in seinen Tragödien mehr, dass er mehr in dieses philosophische und in dieses, wie das eben auch bei Tragödien ist. Du hast ernstere Themen und du sprichst da ganz anders die Themen an. Aber die Komödien von Shakespeare sind Volkstheater und das Publikum, was damals vor der Bühne gestanden hat und sich das angeschaut hat, die haben keinen großen intellektuellen Hintergrund gehabt. Woher auch? Dafür muss Shakespeare ja geschrieben haben. Was es bei Shakespeare natürlich gibt, ist das radikale Primat des gesprochenen Wortes. Shakespeare ist kein Dramatiker, der viele Bühnenanweisungen gibt, der viele Schauspielanweisungen gibt, viel Bewegung macht, viel Raum erklärt, sondern bei Shakespeare steht das Wort. Und der Rest ist dann tatsächlich auch der Inszenierung überlassen. Und dann ist die Frage, wie man Shakespeare inszenieren will. Will man ihn so inszenieren, dass man sagt, ich bin am Urstoff am nächsten dran, wenn ich wirklich versuche, das so radikal minimalistisch wie möglich zu machen. Ich denke an so eine Hamlet-Aufführung, die ich mal in Berliner Ensemble gesehen habe, wo die Bühne kein dreidimensionaler Raum war, sondern wo sie wirklich nur die Rampe vorne hatten. Und dahinter war Plain White, wenn ich mich recht erinnere. Die Schauspieler auch nicht kostümiert, und dann haben die sich auf dieser zweidimensionalen Ebene bewegt. Und es war wirklich so, es gab keine große Bewegung im Raum. Das ist was, was man machen kann, wenn man sagt, ich nehme Shakespears Text radikal ernst. Da steht nicht viel drin, dass die jetzt an der Lampe hängen soll, oder eher mit Farbe beschmiert wird. Also mache ich das so. Das gibt es alles nicht bei Shakespeare. Bei Shakespeare steht komplett das Wort im Mittelpunkt und ich will nicht von dem Wort ablenken. Ja, ich glaube aber, dass das, was Shakespeare da macht, auch dem geschuldet ist, dass er das ja alles selbst inszeniert hat. Also er hat das Stück ja nicht geschrieben, um es anderen Regisseuren in die Hand zu geben und zu sagen, guck mal, da hab ich jetzt noch reingeschrieben, wie er das machen soll. Der hat genau gewusst, was er machen will. Und das kommt einem auch komisch vor, wenn man in einem Stück alles erklärt und dann auch noch reinschreibt, jetzt fühlt der das und der das. Nein, es steht alles im Text. Du musst den Text entsprechend interpretieren und dann kannst du natürlich Freiheiten haben, wie du es machen willst. Und wenn du es minimalistisch machen willst, finde ich auch spannend, muss ich schon sagen. Funktioniert wahrscheinlich eher mit Hamlet als mit Machido Badnafeng. Das ist dann die zweite Ebene. Und das ist tatsächlich auch die, zu der ich eher tendiere, zu sagen, er hat so wenig Anweisungen gegeben. Wenn ich den Shakespeare-Text ernst nehmen will, dann ist der Kern davon eigentlich, ey, mach damit, was du möchtest. Bleib am Text dran, aber inszeniere selbst und finde deinen eigenen Inszenierungsstil und was du mit deinen Kostümen machst und was du mit deinen Kulissen machst, das ist komplett dir überlassen. Und diese Inszenierung geht definitiv in diese Richtung, dass es sagt, ich hab hier den Text liegen und jetzt schauen wir mal, was wir mit den Kostümen machen können und wie wir das Set aufbauen und wie wir diese Farce inszenieren, wie wir dieses Intrigenspiel inszenieren. Und das macht sie auch wirklich schön. Also die Kostüme sind toll. Ich find's großartig. Soll ich erstmal die Story, dass wir einmal die Story rundum, dass jeder sich vorstellen kann, worum wir uns hier bewegen, worum wir kreisen. Es gibt eine A-Story und eine B-Story. Das ist ziemlich typisch für Shakespeares und auch allgemein damals und auch heute viel noch Komödien. Es gibt eine Haupt-Story und eine B-Story. Die Haupt-Story ist relativ typisch Shakespeare. Es kommen zwei Menschen zusammen. Ein Soldat in diesem Fall kommt nach Messina zurück. Das ist in Italien. Und Hiro, die Tochter des Gouverneurs, verliebt sich in Claudio. Genau. Der große heldenhafte Soldat. Der zurückkehrt. Der auch ganz toll in der Schlacht gekämpft hat und den alle lieben. Er ist der Star. Er ist der Star. Und die sind beide im heiratsfähigen Alter. Ich nehme an, dass die eigentlich so 20 sein sollen, höchstens. Ja, bei Shakespeare ist man mit 14 im heiratsfähigen Alter. Richtig, aber sie waren im Krieg. Nehme ich an, dass sie ein bisschen älter. 16, 17, 18, vielleicht höchstens 20. Würde ich sagen. Ich muss gerade kurz an die tolle Zusammenfassung von Romeo und Julia denken, die ich vor kurzem gelesen habe. Romeo und Julia dreht sich darum, dass ein 17-Jähriger eine 14-Jährige verführt und 60 Leute sterben. Geil. Okay. Nein, wir sind aber bei diesen. Wir sind bei manchen Wunderfängen. Also, Claudia kommt zurück aus dem Krieg. Hiro verliebt sich, halte den Überkopf in ihn. Er verliebt sich in sie. Jetzt würde man als Shakespeare normalerweise machen, die Eltern haben was dagegen. Aber nein, die Eltern haben gar nichts dagegen. Nein, der Vater sagt, ja, klingt doch super. Der Kriegsheld, warum nicht? Klar. Macht mal. Wer was dagegen hat, ist allerdings der Bruder, also der Alpbruder von Don Petro. Don Petro, der heißt Don John. Genau. Das ist der illegitime Bruder des Prinzen Don Petro. Und der ist der ist einfach der Bösewicht. Er sagt es einfach knallhart heraus. Ich bin der Bösewicht. Ich habe keine großen Intentionen. Ich will Chaos stiften. Übrigens ein total spannender Bösewicht. Ja. Hat ja auch ein bisschen abweicht von dem klassischen Bösewicht. Ja genau. Er hat überhaupt kein Interesse an Hiro. Er hat kein Interesse dran zu heiraten. Er hat kein Interesse an Macht und Geld. Er will einfach Chaos sehen. Ja und er kann seinen Bruder nicht leiden. Er kann seinen Bruder nicht leiden und will deswegen Chaos sehen. Er will die Welt brennen sehen. Er ist eigentlich der Joker. Er ist eigentlich der Joker. Das finde ich auch spannend. Das Problem ist, dass er innerhalb des Stücks nicht, also innerhalb dieser Inszenierung, ich weiß nicht, wie das in anderen Inszenierungen vielleicht möglich ist. Er kriegt da nicht genug Fleisch, als dass ich ihm genug irgendwie andichten kann oder ihm irgendwie mitgehen kann oder so. Das ist ein bisschen schade, weil mit dem Joker kann ich mitgehen. Der ist geil. Der will wirklich was. Sein Fleisch ist, dass er nicht viel redet. Sein erster Auftritt ist, er fährt da rein und hier ist mein Bruder, sagt Don Pedro und zeigt ihn und er steht auf und sagt, ich bin ein Mann weniger Worte. Pause. Pause, Pause, Pause. Dann stammelt er irgendwas und verschwindet hier. Was irgendwie schön ist ja, aber er kriegt innerhalb des Stücks dann nicht genug zu tun, um sich da ranhängen zu können als Zuschauer leider. Ich bin mehrere Intrigen. Seine erste Intrige ist, dass er also Don Pedro, der Feldführer, vorgesetzte von Claudio, sagt, hey, wir machen das ganz klassisch. Ich werde für dich um Hiro werben und ich werde als ich um sie werben. Das fand ich tatsächlich etwas merkwürdig. Was macht er da genau? Er will um sie werben? Also, nur zur Klärung. Es geht gerade um Don Pedro, nicht um Don John. Don John ist der Bösewicht. Don Pedro ist der Bruder. Don Pedro schlägt Claudio vor, weil er so verliebt ist, für ihn auf dieser Party um Hiro zu boolen. Formuliert das aber irgendwie komisch. Ich werde als ich boolen. Was dann später zu dem Missverständnis führt, dass Don John, glaube ich, dem Claudio sagt, der will die ja selber. Genau. Das ist die erste Intrige. Don John sagt zu Claudio, hey, pass auf, ich habe mitgekriegt, dass Don Pedro in sie verliebt ist. Der benutzt das. Der will gar nicht, dass du sie am Schluss kriegst, sondern der will einfach den ersten Schritt machen und der will dich aus dem Weg haben. Was aber ziemlich downplayed ist in diesem Falle, weil es relativ schnell aufgeklärt wird. Wird auch tatsächlich im Originaltext, ich habe einmal kurz reingeguckt, wird es auch schnell aufgeklärt. Das ist eine total absurde Intrige, einfach weil sie keine großen Folgen hat. Es gibt dieses kurze Missverständnis dadurch und dann wird das Missverständnis geklärt und Claudio und Hiro werden heiraten. Das ist ausgemachte Sache. Sie sind verliebt und hey, ganz toll. Sag mal, wenn wir schon dabei sind, warum zur Hölle traut sich Claudio nicht zu, das selbst zu machen? Was ist los mit diesem Typen? Also dieser Claudio ist sowieso so ein komischer Typ. Der ist ein Kriegsheld und der sieht gut aus. Sie haben einen Extreman genommen, sie haben einen Schauspieler genommen, der wirklich so ein typischer Schöngling ist. Tom Bateman spielt den Claudio und das ist einfach mal alles, was man von einem Claudio erwartet. Markantes Kinn, groß, hellen Brust oder Hühnerbrust, er tritt gekleidet, er ist Soldat in seiner schicken Navy-Uniform. Und ja, es gibt eigentlich keinen Grund warum er schüchtern sein sollte. Er kommt auch nicht schüchtern rüber in dem Stück. Er ist nicht großmäulig oder so, aber er ist selbstbewusst und nachdem das geklärt ist, ist er auch er weiß, was er will und er sagt auch, was er will, frei heraus. Ja, meine Erklärung und das deckt sich mit dem, was später passiert ist, er ist eigentlich einfach nur er ist nicht die hellste Leuchte im Kerzenständer. Er ist einfach weiß ich nicht, so knapp über Zimmertemperatur der EQ. Vom Gefühl her. Claudio ist so ein Abziehbild von so einem dummen Helden, der macht was, was ihm befohlen wird und der nicht wirklich nachdenkt und der halt irgendwie so sehr gerade heraus sein Leben gestaltet. Ja, und dann kommt halt jemand mit einem Vorschlag um die Ecke und der denkt, äh, äh, okay. Er glaubt auch alles, also er ist auch ein totaler Naivling, ihm wird was gesagt und er glaubt es. Er hinterfragt es nicht. Und es wird ihm von Don John gesagt, der wirklich von Anfang an wie so ein Abziehbild eines Bösewichten auftritt, auch wenn er nicht viel sagt, ist er so klein gewachsen, dann in diesem schwarzen Anzug und irgendwie mit so einem fiesen, blicken Blick die ganze Zeit. Ja, aber wie gesagt, Gott sei Dank wird diese Intrige schnell aufgelöst bzw. nicht als Intrige, es wird einfach, niemand weiß, dass Don John dahinter steckt, sondern es wird dann einfach aufgelöst und Tiro und Claudia sind bereit zu heiraten und deswegen muss Don John die nächste Intrige spinnen, die deutlich fieser ist und deutlich hinterhältiger. Ja. Er sammelt Leute zusammen, mit denen er eine Art Schattenspiel inszenieren will, nämlich im Fenster von Tiro, die derweil irgendwo anders abgelenkt wird, sollen zwei Menschen miteinander rummachen. Korporieren. Und dann will er ihn, Claudio, ans Fenster führen und ihm sagen, guck mal, Tiro hat jemanden anders. Das macht er dann auch, ne? Und das macht er auch. Er sprengt den Junggesellenabend. Die R-Story ist schon fast vorbei damit, weil irgendwann wird es halt aufgeklärt, dass das nicht stimmte. Die Gauner, die das Ganze inszeniert haben, werden gefasst und ja. Es kommt noch zu dieser Hochzeit. Die Hochzeit wird vorbereitet. Claudio sagt vor der Hochzeit, okay, sie hat mich betrogen. Ich werde ihr am Altar, werde ich ihr das entgegenschleudern. Dieses Miststück. Slut-Shaming, Slut-Shaming, Slut-Shaming. Und so kommt es dann auch. Claudio wird unmächtig und er zieht davon, nachdem er seine Worte gesagt hat, nachdem sie unmächtig wurde, noch von ihrem Vater ordentlich vertroschen wurde. Kann das nicht anders sagen. Und dann wird das Ganze kurz inszeniert, als ob sie tot wäre. Und übrigens, ganz kurz dazu. Sie haben eine Striptease-Tänzerin bei ihrem Junggesellenabschied, die ordentlich mit Claudio abgeht und Claudio zeigt auch keinerlei Hemmnisse einfach mal mit. Und kurz darauf hat er wirklich die Eier zu sagen. Ja. Sie ist eine Schlampe. Sie hat mit jemand anderem geschlafen. Es ist wirklich krass. Die Inszenierung, die Macht der Inszenierung, es steht ja nicht im Text drin, dass da irgendwie eine Striptease-Tänzerin ist. Sondern sie haben es einfach sich da einmal draufgesetzt, um diese diese dieses Problem einmal zu klären. Und es war wirklich gut. Aber sie haben diese Szene Claudio mit der Striptease-Tänzerin und direkt danach den vermeintlichen Betrug von Hiro. Und das ist einfach toll zusammengeschnitten dadurch. Weil du hast einfach ganz klar diesen Slut-Shaming-Moment und siehst einfach diese diese Doppelmoral. Ja. Also Hiro ist natürlich völlig im Boden zerstört. Sie fällt da in Ohnmacht auf der Hochzeit. Alle glauben erst mal, dass das ist die Stimme, der wird ja nicht lügen. Wenn er das gesehen hat, hat er das gesehen. Und selbst der Vater, der sofort erst mal zur Zirade ausholt und sie verbal wirklich im grunden Boden stampft. Nur ihre beste Freundin, die in der B-Story jetzt nochmal gleich zum Tragen kommt, die hält zu ihr. Und der Pastor, ist das ein Pastor? Ja. Und die sagen halt der Pastor sagt dann lass es uns so machen. Sie stirbt jetzt. Also wir tun so, als ob sie stirbt. Aus Vorgram. Dann wird er schon sehen, was er davon hat. Das so zu machen. Aber er zeigt nicht wirklich Remorse. Das muss man mal sagen. Es gibt so eine absurde Szene, wo er nochmal rumlacht und rumspottet. Ja. Wo du denkst, what the fuck. Das ist wie ein Arsch. Sie ist gestorben und er zeigt überhaupt gar keine Emotionen so richtig. Also keine Trauer oder irgendwas. Und erst, als dann die Gauner gefasst werden, die das ganze inszeniert haben und klar wird, dass sie es nicht war, also dass sie das nicht gemacht hat, ist alles okay plötzlich wieder. Und er denkt sich na, oh, das ist ja schade. Es gibt zumindest davor einmal diesen Remorse Moment, der auch tatsächlich nicht der emotional starkste Moment des Stückes war, wo er wirklich irgendwie trauert und auch kurz gucken. Ja, sich fast umbringt, ne? Sich fast umbringt. Ja, er sitzt da und er jammert darüber, dass sie tot ist und es ist auch so wie so ein Grabe aufgestellt für sie und er hat dann die Pistole auch in der Hand und hält sie sich an die Schläfe. Ah ja, stimmt. Ja. Und dann gibt es auch direkt danach nochmal diese bizarre Hochzeit, also der Vater, der eingeweilt ist in den Plan und gesagt hat, dass seine Tochter tot wäre wegen dieser Schande. Der sagt dann, na ja, ich hab ne Nichte, die sieht genauso aus wie sie. Das ist so absurd, vor allem, weil er sagt, so, und weil du das jetzt gemacht hast, musst du jetzt meine Nichte heiraten und er so, okay. Genau, das ist Claudio. What the fuck? Also Claudio ist wirklich ein so dämlicher Sexist und ein Macho und der ist irgendwie kein geiler Held, aber auf jeden Fall bei dieser bizarren Mischung aus Trauerfeier für Hiro und Hochzeitsfeier von Claudio mit der Nichte, macht dann die Nichte, die unterm schwarzen Schleier war, ihren Schleier hoch und Claudio erkennt, ah, es ist Hiro, sie lebt, da kommt raus, da Plot, Intrige und so weiter und tatsächlich ist es dann vorbei und alle sind glücklich und die A-Story ist eigentlich ein bisschen lahm, wenn ich jetzt nochmal so drüber gucke. Also diese A-Story finde ich total lame. Ja. Also ich, das ist so, so, okay, wir machen hier, wir haben Punkt A und der muss zum Punkt C und es gibt so ein halbseitiges B-Punkt. Ja. Und es ist irgendwie, bäh. Claudio ist halt auch wirklich ein Lama-Held. Ja. Ist ein Lama-Protagonist, weil er ist, er ist einfach so ein plasser Superheld, der dann immer harstiger wird im Laufe der Handlung. Den man überhaupt nicht, nichts gründ eigentlich dann, ja. Also vor allem in der zweiten Hefte, wenn so, ja, wenn es einfach, es gibt bei Shakespeare, das ist typisch Shakespeare eigentlich in den Komödien, oft diesen Moment, wo es so Richtung Tragödie kippt, wo alles wirklich kacke aussieht und das ist hier auch in der zweiten Hefte so inszeniert, wo der Humor deutlich zurückgefahren wird, bzw. nur noch die lustigen Sidekicks sind für den Humor verantwortlich und Claudio und Hiro haben einfach so eine tragische Handlung, die sich dann aber doch in Wohlgefallen auflöst und dann wird es wieder zur Komödie. Aber ja, Claudio ist eigentlich zu blass und zu doof, um ein guter Protagonist zu sein und Hiro ist zu blass und zu leer, sie macht ja nicht viel. Ich überlege gerade, ob es von Hiro spielen sie wirklich einmal Hiro an? Ich bin mir nicht sicher. Das ist, du du du, I need a Hiro, aber es ist die Melodie am Anfang, also sie spielen ein Lied, was dazwischen gespielt wird. Achso, doch, natürlich, das ist das Recht. Aber mit einem anderen Text, es ist ein sehr merkwürdiger Moment, es gibt auch ein paar Wortspiele mit Hiro, das ist eigentlich so ein Running Egg auch in dem Stück. Ja, genau, aber sie hat eigentlich keinen besonders starken Moment, die ja, er ist doof, sie ist blass und die Astoria ist relativ vernachlässigend, würde ich sagen. Ja, und das hat sich auch über die Zeit, also Shakespeare hat das geschrieben und soweit ich das weiß, ich habe jetzt in der Recherche das nicht nochmal gefunden, aber ich hatte mich ja schon mal damit beschäftigt, weil ich das so geil fand. Irgendwie das Gefühl, dass Shakespeare am Anfang der Astoria viel mehr Bedeutung beigemessen hat und das nach und nach immer mehr im Hintergrund, auch über die Jahrhunderte in den Inszenierungen, immer mehr nach hinten geschoben wurde und eigentlich die B-Story nach vorne geholt wurde, die auch wirklich viel, viel besser ist als die Astoria. Und das macht diese Inszenierung auch, also allein schon durch die Besetzung für die B-Story, für den Benedict David Tennant, es ist so großartig. Was der mitbringt, ein Power an Selbstverständnis vom Text, wie man das Gefühl hat, dass er einfach den Text durchdrungen hat in einem Verständnis und sie auch, was ich bei ganz vielen Shakespeare-Inszenierungen nicht sehe, nicht finde. Ich habe extra nochmal ein bisschen weiter geguckt, habe auch nochmal andere Inszenierungen reingeschaut und ich fand's immer im Vergleich gleich lame. David Tennant spielt das fantastisch, großartig, aber Catherine Tate rockt das Ding. Catherine Tate als Beatrice, die weibliche Protagonistin der B-Story, sie ist das Herz des Stückes. Ich finde David Tennant total großartig, er macht das wirklich super, er spielt diese Rolle fantastisch mit dem richtigen Zynismus und dem richtigen Sarkasmus oder so, aber sie toppt das immer noch und immer wenn die zusammen sind, sie haben viele, viele Duelle, viele verbale Duelle, sie geht immer als Siegerin hervor, weil ihre Figur einfach so geil ist und weil sie so geil spielt. Selbst wenn der Text das nicht will, sie geht als Siegerin aus der Szene, das ist großartig. Kommen wir zur B-Story. Der beste Freund von Claudio ist Benedict. Auch ein Soldat, der sich geschworen hat, niemals zu heiraten. I will die a Bachelor. Und er hat eine Vergangenheit in Messina, die nicht so richtig geklärt wird, aber offensichtlich kennt er diese Beatrice, die die Cousine ist von Hiro, von unserer Protagonistin. Und sie wohnt da irgendwie im Anwesen von Leonardo, das der Vater ist. Und sie ist so, sie ist eigentlich, sie ist ein Spiegelbild, sie ist genau so zynisch wie er, sie ist genauso sarkastlich wie er, sie hat keinen Bock auf Männer, sie hält Männer für dumm, im besten Fall, gefährlich, im schlimmsten Fall. Die beiden kennen sich, haben eine Vergangenheit, es wird nicht genau erzählt, welche, aber sie hassen sich. Sie haben eine Vergangenheit, die so angedeutet wird, dass man dann schon auch weiß, die hatten mal was miteinander. Aber es wird nie explizit gesagt. So richtig explizit, aber in allen Zusammenfassungen, die ich noch mal gelesen habe, wird angenommen, dass die beiden mal eine Beziehung hatten, die irgendwie, die nicht zyniert hat. Ich denke, sie haben sich gegenseitig traumatisiert. Dass er nicht heiraten will, ist ihre Schuld. Und dass die Männer hassen, ist seine Schuld. Und wenn man diese beiden Charaktere sieht und wie sie agieren auf der Bühne, nicht nur miteinander, sondern auch drum herum, versteht man auch direkt, warum, weil sie sind beide, sie sind die letzten zynischen Ersche und sie sind so toll dabei. Und sie sind, das Tolle ist, die sind von Anfang an als Zuschauer, denkt man, die sind füreinander geschaffen. Auf jeden Fall. Absolut. Eindeutig. Also, und dass die sich jetzt nur ausgerechnet hassen, macht natürlich so wahnsinnig viel Spaß. Und es macht auch total Sinn. Die müssen sich hassen. Es geht gar nicht anders. Ich muss mal raussuchen, ich habe aufgeschrieben, was er sagt über Frauen und was sie sagt über Männer. Was sie sagt über ihn. Weil ihr erster Auftritt ist ja, dass sie tatsächlich über ihn redet. Stimmt. Beatrice, wir lernen diese Benedict nicht als solchen kennen, sondern wir lernen ihn zuerst einmal durch sie kennen. Und zwar indem sie den Booten ausfragt, der kommt und sagt, naja, die Schlacht ist jetzt vorbei und jetzt kommen sie zurück, jetzt kommt der Prinz zurück und Claudio und dann fragt Beatrice, ah, ist da auch dieser Benedict dabei? Und dann sagt der Boote, oh ja, dieser Benedict, der ist doch ganz toll. Und dann legt sie los. Und ich habe nur die Hälfte verstanden, aber das, was ich verstanden habe, war echt böse und bitter. Also sie nimmt jede Gelegenheit, um über ihn herzuziehen. Das macht sie auch später beim Maskenball, wo sie nicht weiß, dass sie gerade ausgerechnet vor ihm steht und ihm dann erzählt, wie Scheiße sie ihn findet. Aber man weiß nicht genau, ob sie es vielleicht doch weiß, vor wem sie wieder steht. Man könnte es so inszenieren. Ja, könnte man. Hier war es eher nicht so inszeniert. Es war nicht so inszeniert, ja. Und sie redet tatsächlich auch schlecht über ihn, wenn er nicht da weiß. Also sie hasst ihn und jeder mit dem sie redet, jedem muss sie das mitteilen. Das ist auch ungefragt. Das ist übrigens Benedict in der Armee. Oh, Moment, Benedict. Dazu habe ich doch ein, zwei Sachen zu sagen. Das ist toll. Und ihr Kommentar zu Männern ist Sie sagt zum Beispiel, he is no less than a stuffed man. But for the stuffing, well, we are all mortal. Stuffing ist übrigens eigentlich ein Pregnancy. Wir müssen zum Titel kommen, aber vielleicht schieben wir das noch. Vielleicht schieben wir das noch. Das Spannende ist bei ihr, wenn sie was gegen Männer sagt, dass das Argument gar nicht so geil ist. Sie zieht das so aus dem Hut. Sie sagt, What should I do with him? Dress him in my apparel and make him my waiting gentle woman? He that has a beard is more than a youth. And he that has no beard is less than a man. And he that is more than a youth is not for me. And he that is less than a man, I am not for him. Ihr Männerhass funktioniert auf jeden Fall anders als sein Frauenhass. Ja, genau. Das Spannende ist, er rasiert sich. I see, the messenger, I see, lady, the gentleman is not in your books. Und sie antwortet, no. And if he were, I would burn my study. Das ist so großartig, ich hab auch den Satz aufgeschrieben. Ganz toll. Und genau, das ist wirklich tatsächlich Beatrice, den wir erstmal dadurch kennen, dass sie einfach nur über Benedict herzieht. Geil. Und er ist ja auch ein arroganter Dreckszahler. Sie kommt mit dem Golfwagen. Er kommt mit dem Golfwagen. Die genialste Idee für diesen Anfänger überhaupt. Das ist so geil. Und der macht auch noch Piep, Piep, Piep. Also das ganze Ding hat natürlich auch so dieses frühes 20. Jahrhunderts Screwball Comedy Flare. Die Kulissen sind auch so ein bisschen, die Kostüme sind so. Sie sind am Anfang im blauen Badeanzug. Und sieh diese Navy-Uniformen an. Und wechseln aber auch ständig die Klamotten. Das ist alles so 80er, 90er angehaut? Ja, 80er, 90er ist auch ganz viel drin. Und gerade bei den Masken, weil da haben sie so viel popkulturelle Referenzen, weil da mal Mario dazwischen rum tanzt. Das Kind hat sich als Super Mario verkleidet. Das ist großartig. Und sie als Lady Di? Oh, das hab ich nicht. Ich weiß nicht, ob das eine Lady Di Maske war. Ich kann es nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, aber ich bin mir nicht sicher, ob das eine Lady Di Maske war. Aber ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Na gut. Genau, sie kommen mit dem Golfwagen an. Sie treten alle drei total arrogant auf. Sie sind so eine richtige Dreier-Männer-Klicke. Also Don Pedro, der Prinz, ihr Vorgesetzter. Dann unser Claudio, über den wir es genug gesagt haben. Der Dovi. Und dann der arrogante, aber intelligente Drecksack. Benedict. Können wir von Claudio jetzt bitte als der Lappen reden? Der Lappen, da bin ich voll dabei. Ja, dann haben wir den Maskenball, wo sich alle nochmal darüber auslassen, wer wie wen wo mag oder nicht mag. Vor allem nicht mag. Und dann kommt, dass Don Pedro sich Beatrice als Ehemann anbietet. Und das ist so hart inszeniert. Sie sitzt neben ihm, als sie versteht, was er meint. Muss erst mal instinktiv tierisch loslachen. Und muss sich dann irgendwie, also wieder zurückkommen und versucht sich irgendwie da rauszuwinden. Irgendwie so, oh sorry, war nicht so gemeint. Aber du bist einfach überhaupt nicht für mich. Nee, ist... Nee. Und Don Pedro sitzt da und oh nein, es tut einem so leid. Don Pedro tut einem echt leid, weil, also ich meine, das ist so eine Kleinerklicke und das sind echt so drei Kerle, die teilweise tierisch nerven und zusammen rumprollen. Höhepunkt ist wirklich der schon erwähnte Junggesellenabschied. Aber dieser Don Pedro ist von den drei irgendwie noch so der Anständigste. Der irgendwie auch wirklich gute Absichten hat. Auch, dass er Claudio helfen will, Hiro zu erobern. Entschuldigung, auch, dass er dem Latten helfen will, Hiro zu erobern. Und genau, er macht sich an Beatrice ran, aber relativ gelenkt auch und auch wirklich vorsichtig zurückhaltend und das klappt halt nicht. Im Folgenden ist ja so ein bisschen der Trauerkloß auch. Immer so am Rand, gerade am Schluss, wenn es das Happy End gibt, steht Don Pedro echt so ein bisschen am Rand. Auch wenn sein Arschlochbruder festgenommen wurde, ist er irgendwie, er hat nicht so ein richtiges Happy End. Aber, dass er so ein toller Kerl ist und so ein ehrenhafter Kerl zeigt sich halt darin, dass er von Beatrice abgelehnt wurde, einen anderen Plan hat. Und zwar, es ist seine Idee, dass Beatrice und Benedict, die müssen wir verkuppeln. Es geht gar nicht anders. Und darum dreht sich eigentlich diese B-Handlung, dass die Helden und Helden jetzt eine Intrige spinnen, vor der Hochzeit, um Benedict und Beatrice zu verkuppeln und sie machen das, was natürlich am besten funktioniert. Sie erzählen einem von den beiden jeweils, dass der andere hoffnungslos verliebt wäre und der ganze Zweikampf eigentlich nur vorgeschoben wäre. Hast du das Gefühl, dass das so ein Gut ist von ihm? Oder ist das eher so eine Rache für den abgelähnten Heiratsantrag? Das ist eine heldenhafte gute Aktion. Weil sie sagt schon krasse Sachen. Sie sagt, your grace is too costly to wear every day. Okay. Sie ist danke. Aber vielleicht ist es auch der Moment, wo er merkt, okay, diese Frau ist vielleicht nicht so das Richtige. Vielleicht etwas ein bisschen Solideres. Na gut, okay. Also du sagst, es ist eher heroisch gemeint. Ich denke, es ist heroisch. Also ich kauf mir das ab, dass es tatsächlich ein süßer Plan ist und sie wollen sich einfach die Zeit vertreiben. Das ist jetzt noch ein bisschen bis zur Hochzeit. Was machen wir denn? Pass auf, ich hab hier einen Plan. Wir kriegen Beatrice und Benedict zusammen. Wir erzählen, dass Beatrice in Benedict verliebt ist, während Benedict uns beobachtet und machen so, als ob wir das nicht mitkriegen würden. Und ihr macht dasselbe mit Beatrice. Das funktioniert garantiert. Das funktioniert ja auch. Ich hab gerade noch den Monolog von David Tennant was er sagt, warum er keine Frau will und wie Frau sein müsste. Damit er... Der verkaterte David Tennant nach dem Maskenball. Es ist so großartig. Er macht das so unglaublich gut. Ein absolutes Highlight. Ganz tolle Szene auf jeden Fall. Es ist auch so stark mit dem Maskenball davor. Also dieser Maskenball und dieser Monolog danach. Das sind einfach zwei großartige Szenen. Weil bei dem Maskenball... Er macht das danach natürlich auch, weil er es sticht ihn ganz schön, dass sie so über ihn herzieht. Er ist verkleidet und Beatrice ist verkleidet. Er erkennt Beatrice und sie erzählt dann, dass sie Benedict total zum Kotzen findet. Und erkennt Benedict vermeintlich nicht hinter seinem Kostüm. Wir wissen nicht 100% ob sie ihn erkennt. Aber sie zieht halt echt ganz schön böse über ihn her. Und das trifft ihn auch. Dann kommen noch dazu, dass er ganz schön frustriert ist, dass Claudio jetzt so verliebt ist. Wobei beide eigentlich mal der Meinung waren. Claudio war ja auch auf seiner Linie mehr oder weniger. Frauen, nein. Best Buddies forever und so weiter. Und er dann so frustriert ist, dass Claudio so ekelhaft verliebt ist. Er fobt auch Claudio ganz schön. Und auch zurecht, weil Claudio ist natürlich, wir haben festgestellt, der Lappen, ist ein ganz schöner Schwärmer. Sie ist verliebt. Und ich bin verliebt. Und es ist alles toll. Und dass sie jetzt so wunderbar werden. Und dann haben wir einen Benedict, der hinten dran sitzt. Moment. Die ganze Zeit nur kotzt und eigentlich immer was dagegen zu sagen findet. Also auch immer ein gutes Comeback auf den Lippen hat. May I be so converted? I cannot tell. I think not. One woman is fair, yet I am well. Das ist so schön. Rich she shall be. That's certain. Wise and virtuous, fair, mild and noble and of good discourse. An excellent musician. Weißt du, da kommt da eins nach dem anderen. Noch drauf und noch drauf und noch drauf, so dass du am Ende ein Bild einer Frau hast, was niemand erfüllen kann. Natürlich. Und das ist ja auch sein Ziel. Also man kauft es ihm tatsächlich ab. Er will eigentlich Junggeselle bleiben. Aber gleichzeitig ist es auch so, er will auch geliebt werden. Ja. Und es ist auch, es wird fast so ein bisschen, also die Liebesgeschichte wird fast so ein bisschen kaputt gemacht dadurch, dass sie durch diese Intrige dann zustande kommt. Ja. Eigentlich ist dieser Maskenball, wo sie ihn beleidigt, inkognito. Und er danach so frustriert ist und dann diese Sachen raushaut. Das ist eigentlich ein viel schönerer Start für die Liebesgeschichte. Dann gibt es nochmal diese zusätzliche Starthilfe durch das Spiel, was die anderen mit ihnen treiben. Was so ein bisschen schade ist, weil man hätte diese Liebesgeschichte auch durchaus erzählen können, ohne dass es diese Intrige braucht. Naja, was ist Shakespeare? Was ist Shakespeare? Er braucht Intrigen, um da irgendwo hinzukommen. Dieses Stück ist sowieso voll mit Intrigen. Und zwar hauptsächlich mit wohlmeidenden Intrigen. Der wirklich böse Intrigant in diesem Stück ist Don John, der halt diese Claudia-Hyoro-Geschichte macht. Aber ansonsten, drum herum, spinnen die Figuren ständig irgendwelche Intrigen, irgendwelche Renkespielchen. Aber alle, nur um sich zu unterhalten, die haben einfach Spaß daran. Hey, wäre das nicht geil, wenn wir irgendwie Benedict und Beatrice verkuppeln? Komm, lass uns mal ein bisschen Spaß haben. Ja, das ist cool. Ja, das macht dieses leichtfüßige, was Shakespeare in den Komödie dann einfach auch schafft. Das finde ich toll. Und dann durch die Inszenierung hat sich da auch nur voll draufgesetzt und das ist halt wirklich schön. Ja, und dann hört halt Benedict die anderen darüber reden, dass sie so wahnsinnig verliebt sei in ihn und das auch wunderschön inszeniert, weil er da im Hintergrund sich irgendwo versteckt und dann in Farbe reinfällt, weil er das nicht glauben kann und dann fällt alles um. Eine schöne Slapstick. Sehr viel Slapstick. Ja. Ich mag sowas jetzt ja. Er ist dann einmal komplett mit Farbe beschmiert und dann kommt Beatrice, die noch nicht weiß, dass er vermeintlich verliebt ist, die gebeten wurden, ihn zum Dinner abzuholen und sie ist natürlich wie immer drauf und sie sagt Und er ist groß in diesem Moment. Und er grinst die ganze Zeit von einem aufs andere und das ist so großartig. Weil er glaubt, sie mag ihn und sie kommt da so schlurfter so und er kratzt sich noch am Hintern so richtig. So wenig Ladylike wie möglich. Ihr Zusammenspiel ist immer fantastisch, wenn ihr Sarkasmen aufeinandertreffen und dann trifft ihr Sarkasmus auf seine wirklich ernstgemänte Höflichkeit und sie hält es natürlich nach wie vor für Sarkasmus und haut ordentlich zurück und er sieht es aber nicht, weil er nur die Frau sieht, die vermeintlich in ihn verliebt ist. Oh, so schön. Er sagt am Ende, wenn sie weg ist This can be no trick. They seem to pity the Lady. Komisch. Oh man. Auch wie er da steht mit der Farbe bekleckert und dann sich fragt Love me? Guckt an sich herunter. Guckt wieder hoch. Why? Und er hat so ein gutes Timing dabei. Super. Ja, und dann kommt die Szene in der Hero und ihre Zofa. Wichtig, noch bevor wir weitergehen. Ganz wichtiger Satz. When I said I would die a Bachelor I did not think I would live till I was married. Shakespeare hat so tolle Sätze. Es ist so großartig. Wie nördend ganz schön ab kann das sein. Ich hab gar nicht so viele Sätze notiert. Ich komm nicht mit. The world must be peopled. Ich find's großartig. Und er grinst die ganze Zeit dämlich. Jetzt hört Beatrice wie die anderen sich gegenseitig erzählen, dass Benedict so wahnsinnig verliebt, den sie wäre. So ein Leuchter. Ich find's eine inszenatorisch, eine wahnsinnig gute Idee, weil im Grunde wiederholt sich die Szene jetzt. Genau, es ist wieder Slapstick, im Vordergrund reden drei Frauen über Benedict, der verliebt sei. Und du weißt schon, was die reden werden und deswegen achtest du am Ende gar nicht mehr darauf, was die sagen, sondern du siehst die ganze Zeit die Slapstick zu. Du verstehst auch nicht, was sie sagen, weil das ist die Szene, die ich vorhin gemeint habe, wo das Publikum so laut rüberlacht, wie sie da an der Decke hängt und das sieht und total schockiert guckt die ganze Zeit dabei. Ich hab tatsächlich nix mehr verstanden und ich glaube, es war dann auch nicht nur Unverständnis des Textes, sondern wirklich Unverständnis der Worte, weil so laut rübergelacht wurde, dass die komplett untergehen. Und es ist auch Absicht, glaube ich, einfach. Weil du weißt, als Regisseur, das interessiert jetzt einfach keinen mehr. Du weißt ganz genau, was kommen wird. Die Worte sind völlig egal. Was passieren muss, ist, dass sie das hört, okay, das müssen wir zeigen, also machen wir jetzt noch den Kniff, dass sie, dass sie da irgendwie von den Maler arbeiten, die da irgendwie passieren, dass da jemand einen Haken an ihre Hose ranmacht und sie hochzieht und sie dann in der Luft hängt und da vor sich hin schwimmt. Diese Szene wurde viel kritisiert tatsächlich, weil es zu viel Slapstick wäre. Ich finde, es passt total gut. Ich finde es auch großartig. Ich fand auch, es brauchte diese Spiegelung. Wir brauchten eine zweite Slapstick Szene und sie ist die ganze Zeit so zynisch und sie überlegen, sie hat diese Slapstick Szene verdient, einfach, um sie so ein bisschen physisch auch zu brechen, dass sie auch ihren Slapstick-Moment bekommt. Ja, dass sie nicht immer nur würdevoll da ist, sondern, dass sie nicht immer nur als Sieger aus allem rausgeht. Um auch einfach ihrem Zynismus zu begegnen, es braucht diesen Moment, wo beide aus den Angeln gehoben werden. Er mit der Farbe und sie im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Haken. Ja, ach schön, das freut mich, dass dir das, weil ich hatte auch kurz überlegt, ob dir das dann vielleicht zu viel geblödel ist am Ende. Ich hab auch zwischendurch drüber nachgedacht, aber ich fand's tatsächlich dann auch zu witzig und zu passen. Schön. Also das war auch der Moment, es ist einfach eine Abfolge von Szenen, wo man viel lacht. Weil angefangen bei dem Maskenball, es wird kurz wirklich zur Fars und auch mehr als Shakespeare das wohl angelegt hat, weil Shakespeare hat seine Fars-Figuren da drin und das sind halt diese beiden Wächter, die total dumm sind. Aber es wird in dem Moment auch zur Fars in dieser Hauptnebenhandlung. Aber es passt gut. Weil es ist natürlich auch, zumindest aus unserer heutigen Perspektive, so was total Abgetroschenes. Wir erzählen den Verliebten, wir erzählen den Nicht-Verliebten, dass sie ineinander verliebt sind und dann klappt das schon. Das hat man einfach schon oft gesehen. Und das muss nicht sprachlich dann komplett ausdividiert werden, sondern es reicht, wenn wir eine Vorstellung davon haben. Und wenn wir dann aber sehen, was mit den Verliebten passiert, wenn die im Zentrum stehen. Und durch die Slapstick-Szene passiert das, dass das Publikum einfach seine Aufmerksamkeit auf den Zuhörenden lenkt. Und im Originaltext, wenn du diese beiden Szenen durchliest, die kommen einfach nicht vor. Die stehen am Rande. Und es gibt keine Anweisungen weiter, für die wir hören einfach nur, was die Intrigierenden sagen. Und dann am Schluss dürfen sie noch mal sagen, oh jetzt bin ich aber überrascht und dann ist die Szene vorbei. Und diese Entscheidung der Inszenierung, die beiden so in den Mittelpunkt zu rücken, die Zuhören, ist großartig. Und sie sind ja auch die zentralen Figuren dabei. Was bei ihnen emotional passiert, ist das Witzige. Und das ist ja aber auch erst heute abgedroschen. Damals war abgedroschen, was er mit Hiro und mit dem Lappen gemacht hat. Also diese Geschichten gab es ganz, ganz, ganz viel damals auch. Ja, auch Intrigen gegen Hochzeiten. Ja. Aber, also auch vor allem das Konzept der Frau vorzuwerfen, sie hätte irgendwelchen Scheiß gemacht. Und dann irgendwie Remorse und diese ganze Zirkel. Aber, und immer die Frau, die dann auch trotzdem noch leiden muss, obwohl wir alle wissen, dass sie unschuldig ist. Ja, genau, genau. Es gibt so für die Frau eine merkwürdige Redemption-Ark, in dem sie durchs Leid geschickt wird. Im wahrsten Sinne des Wortes stirbt, was auch oft genug vorgekommen ist oder halt wie hier im übertragenen Sinne des Wortes. Und da gibt es auch irgendwelche italienischen Vorbilder, deswegen ist es auch in Italien das Stück und so. Die Leute, die Romantik haben, das sind auch ganz viel gemacht. Bei Schiller und Goethe findest du auch diese ganzen Handlungen, wenn du sowas sagst, wie Kabale und Liebe und blablabla. Es gibt zu viel davon. Aber das Schöne ist eben, dass diese Benedikt und Beatrice Nummer, dass die relativ neu damals war. Ja. Also, dass das echt nicht so, vor allem auch mit dieser Schärfe und diesem krassen Sarkasmus, die da drin steckt, das war damals noch nicht so. Übrigens, meine liebste gespielte Szene, ohne viele Worte, ich muss nicht viel Shakespeare zitieren, What? Nachdem Beatrice gelauscht hat und dann endlich runtergelassen wurde vom Haken und die anderen wechseln, das erste, was sie sagt, ist einfach nur ein richtig schönes, herzhaftes What? Und sie spielt es so on point. She nailed it. Großartig. Aber du musst nicht vergessen, was sie vorher macht. Sie geht vom Haken runter, genießt erstmal den Applaus der Szene und durchbricht die vierte Wand. Sie redet stumm mit dem Publikum darüber, was da gerade passiert ist, was für eine artistische Aktik gerade hinter sich gebracht hat, steigt vollkommen aus dem Stück aus, genießt kurz, richtet sich und steigt dann mit diesem What wieder in diese Geschichte rein. Und das wird so stark dadurch, weil für einen Moment wurde das alles aufgelöst, alle hatten Spaß, alle sind fröhlich. Pause und dann nochmal und das ist die Poente der Szene und sie trifft es so auf den Punkt. Und es ist nur ein einziges Wort. Sie war ein einziges Wort und es trifft es so gut. Toll. Oh Gott. Und dann kommt tatsächlich die eigentliche Phase, nämlich dieses die können wir zumindest kurz darauf eingehen, diese Wachmänner. Genau, die Bürgerwehr quasi, die die auch angeleitet sind aufzupassen und vor allem auf den Prinzen zu achten und die für das Stück so ein bisschen den Deus Ex Machina nachher spielen, weil sie die sind, die Intriganten, die diese Kopulation von Hiro, diese vermeintliche Kopulation aufdecken, weil sie die beiden, die das inszeniert haben, gefangen nehmen und dazu bringen, dann zuzugeben, dass das Ganze nur inszeniert war und das Hiro und schuldig ist und dann können sie heiraten. Es hieß damals immer Dimm as a Constable. Also so doof wie so ein Constable wie Naja, Hüter des Gesetzes. Also, weil damals wollte keiner diesen Job machen und er war schlecht bezahlt und du hattest keine Freunde mehr. Teilweise immer noch so. Und das Problem war, dass dann halt die, die nie aus dem Dorf rausgekommen sind, diesen Job übernehmen mussten und dann waren das halt auch nicht die Schlausten. Und das Geile ist, in der Szene, die jetzt kommt, der weist die dazu an, hier hast du eine Taschenlampe, du musst jetzt das machen, du musst jetzt das machen und der fragt immer nach, was mache ich denn, wenn ich einen Dieb sehe? Und am Ende, alles, was er an Eventualitäten raushaut, am Ende steht eigentlich immer, lass ihn in Ruhe. Lass ihn gehen, passt schon. Wir wollen uns damit nicht, wir wollen da uns nicht groß einmischen. Und ich finde, der Schauspieler von Dogberry, ich hab das auch irgendwo den Namen aufgeschrieben, ganz toll. Ganz toll, ich muss den Namen raussuchen, John Rum. Ich finde, der hat das wirklich toll gemacht. Nee, ja, ich... Es war so... Ich war lustig. Es war einfach so drüber. Ich hab kein großes Schauspiel erkannt, sondern einfach nur eine lustige, typische, absurde Szene, die Shakespeare immer einbaut in seinen Komödien. Diese bizarren Randfiguren, die meistens ziemlich dumm sind und die meistens durch die Szenerie stolpern, ohne zu verstehen, was vor sich geht und dann eventuell doch noch eine kleine Rolle spielen in dem Drama, in der Komödie. Aber eigentlich vor allem zur Belustigung da sind, um wirklich so, ja, Karnevalesque, um so ein absurdes, wirklich bizarres Moment zu bringen. Und das hat die Szene auch funktioniert und sie haben sie auch ordentlich drüber inszeniert. Mit dieser Tafel, die er dann hat, der hat so ein Whiteboard und blättert dann nach und nach die Bilder hoch, was müsst ihr machen. Und ich würde sagen, die Dummheit der beiden Wachleute kommt ganz gut zur Geltung. Ich finde es wirklich schön, weil er auch, Shakespeare spielt ja viel damit, dass man dann, dass er die englische Sprache eigentlich mehr oder weniger zerhexelt. Also, der kann kein ordentliches Englisch und der versteht auch nicht, was mit bestimmten Worten gemeint ist. Deswegen kommen auch bestimmte Wortspielereien wieder zum Tragen und so. Ich finde, das ist eine gut umgesetzte Figur auch, weil er das gut spielt. Auch diese Ambivalenz zwischen, ich will angesehen sein und ich bin aber stroh doof. Ich will meine Pflichten erfüllen, so gut es geht. Was muss ich noch mal tun? So, jetzt kommt dieser Striptease-Moment, oder? Ja, genau, der Junggesellenabschied. Und beinahe verplappert sich Benedict, was gerade los ist mit Beatrice. Er sagt I have, I have a toothache. Und redet sich dann wieder raus. Er kann es also nicht öffentlich machen. Er kann es nicht sagen. Aber umso schöner, wenn das nachher öffentlich macht. Ja, das ist dann wirklich toll später. It's not that strange. Oh wie toll. Ja, und sie spekulieren alle schon, dass er verliebt ist und sie wissen ja im Grunde. Natürlich. Sie haben das perfekt eingefädelt. Und das ist der Moment, wo sich jetzt die B-Handlung und die A-Handlung kreuzen. Jetzt ist diese Hochzeit und tatsächlich passiert das, was wir vorhin schon erwähnt haben, was bei Shakespeare immer passiert, in so einer Zeit, in der es so ein Moment gibt, wo alles ins Tragische fällt. Und das ist tatsächlich in dieser Inszenierung sehr stark gemacht in der zweiten Efte. Weil der Comedy Aspekt kommt eben nur noch in diesen bizarren Randfiguren vor, in diesen Wachleuten. Und die Haupthandlung ist sehr lange ohne Lacher. Es gibt jetzt wirklich auch tatsächlich dritte Geschichte von Beatrice und von Benedict ein bisschen in den Hintergrund. Bei dieser Hochzeit und bei dieser Anklage gegen sie und wenn sie dann in Unmacht fällt. Und dann hat Beatrice nochmal einen starken Moment und zwar einen starken Moment, der nicht kommentierant ist, weil sie die Einzige ist, die ihre Cousine verteidigt. Sie ist die Einzige, die sagt Moment mal, ihr glaubt wirklich alles, was ihr hört. Was soll das? Und lasst uns doch erstmal gucken, was da passiert ist. Und sie noch ein Grund für mich, warum ich Catherine Tate grundsätzlich irgendwie noch stärker finde als David Tennant in dem Stück, weil sie auch diese emotionalen Parts, die nichts mit ihrer Romanze zu tun haben, kriegt. Sie hat diesen starken emotionalen Moment, wo sie sich einfach für ihre Cousine einsetzt, wenn alle gegen sie sind. Und auch die Szene zwischen den beiden dann. Wo sie dann irgendwann zum Schluss kommt, Benedict, du musst Claudio töten. Und das wirklich von ihm fordert und das gut hergeleitet ist. Sowohl textlich als auch emotional. Sie ist wirklich gut gespielt. Das ist wirklich ein düsterer Moment, weil das ist der Moment, wo alles in sich zusammenstürzt. Es gab dieses große Trauma in der Kirche und dann gestehen sie sich gegenseitig ihre Liebe. Also vor allem zuerst Benedict. Dann ist das kommentiert mit It's not that strange, was ich echt schön fand. Und dann reden sie über ihre Liebe und dann sagt sie irgendwann, okay, ja, du musst für mich was tun. Und er würde alles für sie tun und sie sagt kill Claudio, weil er hat sich wie der letzte Arsch verhalten und er hat meine Cousine total krass und unvernünftigerweise angegriffen. Aber Benedict weiß mittlerweile oder glaubt mittlerweile auch, dass das irgendwie eine Intrige war. Er ist sich nicht sicher zumindest. In der Situation zumindest noch nicht ganz sicher. Seine erste Reaktion ist allerdings not for the whole world, for my whole world. Ich weiß es nicht, ich hab's nicht aufgeschrieben. Aber er wird erst dahin geführt. Und irgendwann in der Szene sagte dann, okay, ich gebe mich jetzt komplett in deine Hände und sage diese Männerfreundschaft ab, mehr oder weniger. Also diese Bro-Culture, die da bis jetzt überraschte, so dieses leicht toxic Masculinity, das da drin war. You kill me to deny it, farewell, sagt sie zu ihm. Also er sagt not for the white world. Sagt er als Antwort, wenn sie sagt kill Claudio und dann sagt sie you kill me to deny it, farewell. Und dann sagt er Terry, sweet Beatrice. Und dann sagt sie naja, ich sehe keine Liebe in dir. Also lass mich bitte gehen. Dann gibt's wirklich dieses hin und her, was auch ganz interessant ist. Wir hatten davor wirklich tolle, witzige Wortduelle zwischen den beiden. Wo sie sich einfach gegenseitig geneckt haben, die Spaß gemacht haben. Und jetzt haben wir das erste Mal ein wirklich ernsthaftes Wortduell zwischen den beiden. Dass dem auch nicht nachsteht, ne? Also die sind wirklich gut. Und da zeigt sich auch das erste Mal, dass das ein Paar sein könnte, das viel Tiefe mitbringen könnte auf einander viel. Sie sagt übrigens, wenn sie ein Mann wäre, würde sie's machen. Oh Gott, that I wear a man, I would eat his heart. Ich bin jetzt im Originaltext, ich weiß nicht, ob sie das gekürzt haben. Weiß man nicht genau. Es könnte sein, dass sie das sagt. Es ist ein super Wortduell zwischen den beiden und sie geht als Sieger hervor. Und es ist auch irgendwie convincing. Ja, total gut. Und genau, Benedict fragt sie dann auch nochmal, ob sie wirklich glaubt, tief in ihrem Herzen, dass Claudio falsch liegt und dass er sie zu unrecht verdächtigt hat. Und dann sagt, antwortet sie, yeah, as sure as I have a thought or soul. Und dann sagt Benedict, enough. I'm engaged. I will challenge him. I'm engaged. Das ist halt für ihn wirklich so der turning point seines Charakters, seiner Story, seiner Geschichte ist wirklich spannend. Ich find's wahnsinnig gut hergeleitet. Der Kontrast ist halt tatsächlich spannend. Weil, wie gesagt, wir hatten viele Kämpfe zwischen den beiden und das ist aber der erste ernsthafte Kampf. Ja, super Text. Und auch wirklich stark inszeniert in dem Moment, weil sie auf den Humor einfach verzichten, weil wir jetzt in der ernsten, in dem tragischen Teil des Stückes sind. Was passiert denn jetzt dazwischen? Ich bin hier, das nächste, was ich aufgeschrieben habe, ist schon wieder so lustig. Dann wird's nämlich wieder lustig. Ich hab geschrieben, zwei Stunden, neun Minuten der erste Lacher in der zweiten Hälfte. Aber ich hab nicht dazu geschrieben, was der Lacher ist. Versucht Benedict einen Song für Beatrice zu komponieren? Ist es das? Wahrscheinlich ist es genau diese Szene. Und die ist so groß. Die ist schön, ja. Oh Gott, ist das toll. Was spielt er am Anfang? Mh, mh, mh. Mh, mh, mh. Und vollständig am Ende mh, mh, mh. Und stellt fest, Scheiße, es gibt's schon. Versucht zu komponieren und er kommentiert auch, es ist nicht sein, er, I was not born under a rhyming planet, glaube ich. Schöne Selbstcharakterisierung. So ein beklopptes Kinderpiano, was er da vor sich hat. Und dann drückt er auf die falsche Taste und ein vorprogrammiertes Ding geht los. Und das Kind kommt, drückt einmal auf aus und geht wieder, wortlos. So eine schöne Inszenierung. Das Kind hat ja auch davor schon diesen schönen Auftritt in seinem Monologe. Der da total verkatert und total abgefuckt liegt. Und dann kommt das Kind und er sagt, Junge, bring mir das Buch. Ja, es ist toll. Sind sehr gut eingesetzt alles. Ja und dann kommt Beatrice und er versteckt das Kinderpiano ganz schnell. Nix passiert. Und dann gehen die da zu der Hochzeit. Und auf der Hochzeit benehmen sich alle schon so ein bisschen seltsam und Hero wird dann revealed als ich lebe doch, tada, Wahnsinn. Gute Auflösung. Und natürlich wäre Shakespeare nicht Shakespeare, wenn er nicht auch auf diese Hochzeit quasi eine Doppelhochzeit draus machen würde, sagen würde, okay, jetzt macht Benedict seiner Beatrice endlich öffentlich dann doch auch mal einen Heiratsantrag mehr oder weniger. Aber es ist schwierig. Es gibt diesen tollen Moment, wo er ein Gedicht für sie schreibt, gerade wo das war, und dann irgendwie so anfängt, so ansetzt, so ah und ich liebe sie mit meinem Herzen und so weiter und dann und dann abbricht Ich glaube, das ist das mit dem Kinderpiano. Ja, ich glaube auch. Das fand ich tatsächlich, das ist wirklich eine schöne Szene, wie er mit den Worten kämpft und er ist kein Liebender. Sie ist auch keine Liebende. Aber irgendwie schaffen sie es ja. Vor allem, weil er dann irgendwie auf der Hochzeit dann eben den Heiratsantrag stellt und sie fragt, ob sie ihn liebt und sie sagt, na ja, ja, nee, nicht mehr als ich weiß, keine Ahnung, und liebst du mich denn? Und er so, na ja, weiß nicht, nee, ja doch, nee, möh. Sie kriegen es nicht hin vor den anderen zuzugeben, dass sie aneinander leiden. Sie necken sich auch tatsächlich wieder. Es gibt wieder diesen Moment, wo sie in diese ganz alten Muster zurückfallen und einfach reinfoppen, nach dem anderen raushauen und dann kommen die anderen und sagen, nee, nee, nee, Moment, wir wissen das besser. Wir haben so nette gefunden, die ihr jeweils über den anderen geschrieben habt, weil das einfach in der Zeit so war. Man musste so nette schreiben, um jemanden irgendwie sagen zu können, dass er ihn liebt. Und die Gedichte lügen nicht. Und genau, sie gucken beide ihre so nette an und der Gesichtsaustrag sagt alles, nee, sie sind beide nicht gut in so was. Schlechte so nette, aber trotzdem, sie verraten es. Und ja, dann kommt einfach nur nochmal jemand und sagt, übrigens, Don John ist gefasst. Ja, hey. Alle freuen sich. Benedict, glaube ich, sagt noch, ja, das lässt uns dann morgen alles erledigen. Genau. Jetzt wird gefeiert. Machen sie noch Party. Und dann kommt, wie das immer bei Shakespeare-Inszenierungen ist, ein Abschlusstanz-Song. Was ich auch immer sehr schön finde. Eine ganz tolle Tradition. Genau, das Stück hat ja die ganze Zeit immer so diese musical-lesken Einschübe. Aber sie machen es nicht zu krass. Es war nie so, dass es mich gestört hätte, sondern es war einfach okay und hat zu der Inszenierung gepasst, auch weil es immer im Dienste der Geschichte steht. Ja. Ja, eine sehr leichte Inszenierung dann letzten Endes. Auch wenn es diesen tragischen Moment gibt. Auch wenn ich diese Hochzeitsfeier, die inszeniert wird, toll düster inszeniert fand, weil sie hatte eben diese bizarre Totenfeier-Komponente. Was nicht im Originalstück unbedingt drin ist. So, dass die Trauerfeier und die Hochzeitsfeier gekreuzt werden. Sie sind alle in Schwarz gekleidet. Also es ist irgendwie wie eine Beerdigung. Es wird auch nicht mehr aufgelöst, sondern sie bleiben dann so und die Hochzeitsfeier findet dann in diesem Rahmen statt. Aber sonst drumherum ist das Ganze schon... Ich habe aufgeschrieben, als Crueball-Comedy inszeniert und es passt auch irgendwie. Ja, ja, total. Und es passt auch, dass sie sich voll draufsetzen und die B-Handlung zur A-Handlung machen, über die wir jetzt auch viel länger gesprochen haben, weil der Lappen und Jiro einfach relativ langweilig sind. Ja. Und das, wie sie diese B-Handlung inszenieren, ist einfach toll, was natürlich vor allem an den beiden Schauspielern liegt. Sowohl David Tennant als auch und insbesondere Catherine Tate sind so großartig und ihre Wortduelle sind super und versprühen einfach diesen Charme von Klassichen kriegen sie sich oder kriegen sie sich nicht Komödien, lieben sie sich oder hassen sie sich. Wir wissen ja, dass sie sich lieben, aber das wird die ganze Zeit so, als würden sie sich hassen und es ist so toll, zu sehen, wie sie drumherum spielen. Charles, der Zweite, der König von Schottland, hat neben den Titel des Stückes geschrieben Benedict and Beatrice. Stimmt, ja, ja, ja. Später, als er das rausgebracht hatte, nochmal, genau. Ja, weil es einfach klar ist, die B-Handlung ist irgendwie geiler. Also es ist die B-Handlung. Catherine Tate rockt das Ganze und David Tennant rockt ordentlich mit. Ja. Wirklich toll. Und das Stück wäre auch, wenn ich nur die A-Handlung betrachten würde, würde ich zu dem Stück sagen, ja okay, okay, Shakespeare-Inszenierung, die sehr, sehr, das Leichte sehr betont. Aber durch die B-Handlung, dass die im Vordergrund ist und dass die auch ihre Slapstick- Momente kriegt, wird es zu einer wirklich, wirklich amüsanten Komödie. Ja. Das ist cool. Ich freue mich sehr, dass du das geguckt hast. Wir wollten noch über den Titel kurz. An O-Fing. No-Fing. No-Fing. Ja. Okay, möchtest du mit dem Anatomischen anfangen oder mit dem oder mit dem O-Juristischen? Ich mache mal mit dem Anatomischen. Nothing wurde damals auch als weibliches Geschlecht genutzt, weil sie hat ja nichts zwischen den Beinen. Genau. Eben mal gleich zum Mann, der den Penis hat, hat eine Frau Nothing between her legs. Und das ist die Vagina. Und damit haben wir das auch schon im Titel. Toll. Viel Lärm um, naja, nichts. Möchtest du einsteigen mit dem anderen? Mit dem No-Ting. Ich gucke gerade, ob ich es überhaupt aufgeschrieben habe. Ich habe es tatsächlich nicht da stehen, deswegen würde ich mich jetzt verhaspeln. Also, es gibt dieses Wortspiel No-Ting. Much about No-Ting. Genau, dass sie etwas bemerken oder etwas beachten. Zum Beispiel, der Lappen bemerkt die Schönheit von Hiro an, Benedict und Beatrice beobachten die Worte ihrer Freunde, die sie dazu führt, dass sie sich verlieben. Es geht sehr stark auch um den Blick, um das Hinblicken. Und das Spannende an dem Stück ist tatsächlich, dass die Zuschauer von Anfang an von alle Mitwisser sind. Wir sind die krassen Voyöre, weil wir wissen von Anfang an, wer der Bösewicht ist, was der Bösewicht plant. Wir sehen alles noch einmal mehr von außerhalb. Ich fand ein schönes Zitat von einer Kritikerin dazu. Ingeborg Bolz schrieb In Much Ado About Nothing wird der Voyeurismus auf die Spitze getrieben. In keinem anderen Stück Shakespeare's wird so viel belauscht, spioniert, weitererzählt, kolportiert, bewusst fehlinformiert oder denunziert. Wobei wir als Zuschauer die größten Voyöre sind. Da wir alle sich bespitzende Parteien gleichzeitig im Blickfeld haben. Fand ich ziemlich schön auf den Punkt gebracht, nicht zu dieser Inszenierung, sondern generell zu dem Stück. Es geht eigentlich die ganze Zeit darum, dass Leute sich bespitzeln, dass Leute sich hintergehen, dass Leute intrigieren. Und zwar sowohl die Guten als auch die Bösen. Sowohl mit guten Absichten als auch mit bösen Absichten. Primär mit guten Absichten. Was schön ist, weil ich glaube, das macht auch eines der großen schönen Dinge aus für mich an diesem Stück. Das ist nicht vom negativen an der Komödie rüttelt, sondern eben von der positiven Absicht. Auf dieser B-Story zumindest. Ich würde in den Raum stellen, dass das Stück noch besser funktionieren würde, wenn die A-Story keinen Bösewicht hätte. Und nicht diese Tragik. Und nicht dieses Missverständnis. Du brauchst eine Tragik. Ich würde die Tragik weglassen. In diesem Stück würde ich die Tragik weglassen. Weil in diesem Stück das Komödiantische so stark ist und so gewaltig ist, dass die Tragik ein bisschen reingefropft wirkt. Auch, weil Claudio und Hiro so place Charaktere sind. Aber die beiden, also jetzt Benedikt und Beatrice, brauchen auch ernsthafte Momente. Und das bietet diese A-Story für die beiden. Für mich ist die A-Handlung so ein bisschen... Die A-Handlung erinnert uns die ganze Zeit daran, wie toll die Liebesgeschichte der A-Handlung ist. Weil die Liebesgeschichte der A-Handlung so blöd ist. Ja. Übrigens der Titel nach meinem dafür halten erstaunlich viel mit dem Stück zu tun für Shakespeare's Benennungen seiner Komödien. Weil wenn du solche Titel hast wie All's Well That Ends Well und As You Like It und Comedy of Errors ne? Aber das sind ja keine... Deswegen bringe ich die Titel von Shakespeare immer durcheinander. Weil das Titel sind die nichts mit dem Stück zu tun haben. Und das war halt damals auch so oft so, dass tatsächlich so Titel für Komödien vor allem in so sprachlichen Bildern, die sowieso in der Sprache gebräuchlich waren, gesucht wurden. Sodass man als Zuschauer sich denkt, ach, das klingt aber lustig. Das hat nichts mit dem Stück zu tun, aber du, du, du, das kommt dir irgendwie familiar vor. Irgendwie hast du das Gefühl, ah, das kenne ich und das klingt irgendwie gut und lass uns da reingehen. Cheap puns. Ja, ja, irgendwie. Ja, es ist, also ich meine, wenn man böse wäre, könnte man den Titel so interpretieren, dass es ja wirklich das ganze Stück is about nothing, weil irgendwie diese ganzen Intrigen sind so albern. Ja, genau. Also es passiert auch nicht wirklich was Schlimmes. Es passiert fast was, also es passiert schon was Schlimmes, aber es kommt nicht zur großen Tragödie und es ist alles so, jetzt kann ich nur die deutsche Phrase nehmen, viel Lärm um nichts tatsächlich. Ja, ja, genau. Ja. Aber ich hatte, ja, ich hatte viel Spaß dran. Ich bin kein großer Fan der Shakespeare-Komödien. Also sie machen mir Spaß, es ist Shakespeare letzten Endes. Ich bin einfach eher, ich mag seine Tragödien einfach lieber. Aber sie ist toll und sie hat Spaß gemacht und die Inszenierung war auch großartig und ja, vor allem dachte ich die ganze Zeit mal wieder ins Theater gehen und jetzt lass uns endlich unsere Top-Liste machen. Moment, Moment, Moment. Achtung, seid ihr bereit? Seid ihr bereit? Jetzt kommt nämlich der Dschingel, den Johannes komponiert hat. Auf drei, zwei, eins. Unsere Liste. Ja, da war unser Dschingel. Toll, oder? Hast du ihn, hast du ihn dir auch vorgestellt, weil wir spielen ihn natürlich nicht live ein, der wird nachher in der Audio reingeschnitten. Hast du ihn dir aber auch trotzdem so vorgestellt und tatsächlich kurz diese, die richtige Pause genommen dafür? Ja. Das war ein eindeutiges Nein. Top drei. Top drei. Theater trifft Film. Trifft Film. Ja. Schön. Gutes Thema. Wer hat sich das ausgedacht? Ja. Weißt du, ich möchte kurz Theater. Theaterstücke, die seit Jahrhunderten immer wieder neu inszeniert werden. Das hat doch für mich, also das erste Mal, dass mir das aufgefallen ist, so sehr, so stark, das hat einen unglaublichen Vorteil. Filme gegenüber, die einmal gedreht werden und es ist gut. Ich mein, es gibt so Remakes. Aber da gibt es vielleicht drei. Die, ja, definitiv. Beim Film gibt es meiner Meinung nach auch viel zu wenig. Die Freude an eine Neuinterpretation. Weil, wenn es Remakes gibt, es gibt viele Remakes die letzten zehn Jahre. Wenn du Leute fragen würdest, würden die meisten sagen, die letzten zehn Jahre gab es viel zu viele Remakes, weil alles irgendwie, was erfolgreich war, und das ist der springende Punkt, kriegt irgendwann Remakes mit, wenn es älter als 20 Jahre ist oder 30 Jahre oder manchmal auch nur älter als zehn Jahre. Oder wenn es aus einem anderen Land kommt und die Amerikaner wollen noch ein Remake drehen. Das Problem dabei ist, dass zum einen darauf zielt, dass die Firmen, die erfolgreich waren, ein Remake kriegen und dass diese Remakes meistens unfassbar feige sind. Ja, weil sie versuchen, diesen Erfolg irgendwie abzuschurfen, aber ohne eine eigene neue Idee. Und im schlimmsten Fall passen sie es noch mehr an die Bedürfnis eines Mainstream Publikums an. Also, was mir jetzt einfällt, aus den letzten zehn Jahren ist das Remake von Oldboy, ein Koreanischen Film, der echt krass düster war und dann wurde ein amerikanisches Remake gedreht, wo sie einfach alle Ecken und Kanten abgeschliffen haben und wirklich einen Laschenfilm gemacht haben. Es gibt ein paar positive Gegenbeispiele. Ich würde mir viel mehr wünschen, dass filmische Remakes gemacht werden, die wirklich nochmal neue Ideen bringen und das machen, was das Theater halt macht, neu inszenieren und komplett neue Ästhetik, komplett neue visuelle Reize. Das Problem ist tatsächlich, dass unter Filmfans auch Remakes so einen schlechten Ruf haben, was auch daran liegt. Dabei hast du so eine schöne, weißt du, Shakespeare bietet dir so eine Fülle an Möglichkeiten und hat so viele schöne Möglichkeiten dir hingelegt, die jeder bedienen kann und sagen kann, ich leg jetzt meinen Fokus darauf. Und es gibt so viele Filme, bei denen das eigentlich auch so ist. Bei denen du so viele Möglichkeiten hast, wo du sagst, ah guck mal, aber lass uns doch mal auf die und die Sache mehr Wert legen und das neu inszenieren nochmal. Was ganz interessant ist, weil gerade, also zumindest was klassischer Rahmen betrifft, gibt's ja durchaus gerade Shakespeare, gibt's unzählige Verfilmungen. Und jedes Jahrzehnt hat seine Shakespeare-Verfilmungen die auch nochmal komplett, aber auch meistens sehr klassisch sind, wenn Shakespeare inszeniert wird, wird selten, wenn Shakespeare im Film inszeniert wird, wird selten zum Beispiel das Ganze im 20. Jahrhundert verpflanzt, was Aufführungen, Theateraufführungen ganz oft machen. Was zum Standardrepertoire gehört, dass du dein Bühnenbild nach 21. Jahrhundert aussehen lässt oder komplett anders. Und das passiert im Film ganz selten, wenn Shakespeare inszeniert wird, dann meistens klassisch oder wenn sie es mal in andere Zeit verpflanzen, dann bloß nicht zu weit nach vorne, sondern eher, keine Ahnung, sowas wie diese letzte Macbeth-Verfilmung von 2015, wo sie das glaube ich ins Mittelalter gepackt haben, ich weiß es nicht mehr genau, aber irgendwie so, also es ist so, ja sie trauen sich nicht so, sie trauen sich nicht so ganz das mit Shakespeare zu machen, was die Bühne mit ihm macht. Mir fällt gerade nur Romeo und Julia ein und so ein Hamlet-Film, der in der Rave-Szene spielt, aber sonst fällt mir nicht viel ein. Es gibt von Much Ado But Nothing was. Hab ich gesehen, auf einem guten Regisseur auch. Ja, ja, ja, ich hab den Namen gerade nicht im Kopf, Joss Whedon. Der hat das bei sich zu Hause gemacht. Genau, das sah total spannend aus, bin ich auch drüber gestolpert, als ich gesucht habe. Ich hab ihn nicht gesehen, noch nicht, ich muss ihn aber noch gucken. 2012, ein Jahr nach der Aufführung, die wir gerade besprochen haben, und Joss Whedon ist natürlich vor allem deswegen spannend, weil er hat viel gemacht. Er hat unter anderem an Toy Story mitgeschrieben. Er hat an Cabin in the Woods von 2012 mitgeschrieben. Er hat einige Marvel-Filme inszeniert, zum Beispiel Avengers und Avengers Age of Ultron. Und wenn ich jetzt ganz schnell die Filmografie finde, kann ich noch mehr nennen. So, Filmografie Joss Whedon, als Buffy Buffy, Buffy. Ich kenne ihn von Buffy ursprünglich kenne ich ihn wirklich von Buffy. 1992, das ist der Film, nicht die Serie. Hat er nicht an der Serie auch mitgearbeitet? Vielleicht auch. So auch. Kann gut sein. Also bei den Filmen, da wüsste ich jetzt gar nicht, ob ich den wirklich gesehen habe. Television, ja, du hast recht, Buffy. Ja, okay. Krass, ja. Ich kenne ihn von Buffy. Er hat 25 Episoden geschrieben, aber nur bei einer Regie geführt. Er hat bei Rosanne mitgeschrieben. Oh. Bei Firefly. Er hat bei Office in einigen Episoden eine Regie geführt. Ja, er hat einiges gemacht. Und ja, als Co-Writer bei X-Men und Thor. Also offensichtlich hat er, ja, mit den Superhelden hat er es anscheinend. Ja, vor allem mit den Superhelden. Ja, genau. Ich finde jedenfalls das Theater viel, natürlich ist Theater freier, weil du nicht ein Box-Office von 100.000 Millionen haben musst. Ja. Du hast eine Spielzeit von 50 Vorstellungen, wenn es richtig gut läuft. Kann man... Und das war's. Die Kosten eines Theaterstückes im Vergleich zu den Kosten eines Films, wenn wir uns auf die großen Bühnen mal bewegen, wenn wir sagen, das was da stattgefunden hat für Gesamtkosten, das heißt, wir nehmen Proben, Kulissen, Inszenierung, alles zusammen. Wie verhält sich das zu einem Film? Kannst du dazu eine Nummer nennen? Kann man das vergleichen? Wo sind wir da? Sind wir beim Independent-Film? Sind wir mehr? Sind wir bei mehrere Millionen? Also wir sind bei einem Independent-Film in Deutschland. Nein, nicht in Deutschland. Wir sind, pass auf, wir sind jetzt in England. Das ist eine englische Inszenierung. Lass es uns mal mit dem klassischen Kino Made in USA oder meinetwegen auch Made in GB in UK vergleichen. Dann geht's das schon gar nicht mehr. Was kostet so eine Inszenierung? 5 Millionen, wenn du alles nimmst? Theaterinszenierung? 5 Millionen? Viel zu viel. So eine große Inszenierung? Ich meine, sie haben große Darsteller, sie haben eine große Bühne, sie haben bestimmt viele Leute da drin, die sie jeden Abend beherbergen. Ich kann's dir echt nicht sagen. Ich bin ganz schlecht mit so was. Aber ich glaube, 5 Millionen ist viel zu viel. Das würde mich tatsächlich interessieren, was so eine Produktion frisst. Also ich hätte jetzt spontan 500.000 gesagt. Okay. Aber das ist nur mein spontanes, ich hab keine Ahnung. Meine spontane Schätzung wäre 5 Millionen. Das ist auch meine spontane, ich hab keine Ahnung Schätzung. Weil ich denke, man muss halt, man hat halt Sachen, die wegfallen, die beim Film anders sind. Aber dafür ganz viele Sachen, die dazu kommen, weil du hast halt dann allamtliche Inszenierung, wo du sehr viele Angestellte hast. Ja. Also gerade weil du halt einfach Gäste hast. Ja. Du hast, du hast Barbetrieb, du hast Kaderobe, du hast Licht und Ton und Ausstattung und so weiter. Und das dann für mehrere Abende. Das hast du jeden Abend, genau. Interessant. Das wäre mal was Spannendes zum recherchieren. Was so ein Ding kostet. Gerade die Aufführungen jetzt zum Beispiel, die man so als top notch UK große Theater, große Aufführungen nehmen könnte. Was kostet so ein Ding? Das ist wirklich spannend. Es ist natürlich wahnsinnig schwer zu sagen, weil du nicht wissen kannst, wie viele Vorstellungen sie gespielt haben. Ja. Das heißt, du kannst nur die Kosten nehmen und das hätte ich jetzt auch gemacht bis zum, bis zur Aufführung. Also bis zum ersten Mal spielen. Ja. Aber gerade das kannst du ja beim Theater nicht. Also wenn du Gesamtkosten nehmen willst, dann willst du ja auch die Kosten nehmen, die den durch dich spielen. Das ist schon richtig. Ja, ja. Werd ich vielleicht mal recherchieren in einer freien Minute, weil es mich tatsächlich richtig interessiert. Ja. Aber jetzt Theater-Film. Theater-Film. Soll ich loslegen? Ich muss mal meine Liste aufmachen. Ah ja, ich hab wieder keine Nummern vergeben. Ja, klassisch. Dann fang du mal an. Ja, meine Nummer 3, Theater trifft Film. Ich hab versucht, alles einmal unterzubringen. Also einmal abgefilmt das Theater, einmal Film über Theater und einmal Film mit Theater-Stilmitteln. Beeindruckend. Wow. Danke. Ja, aber das ist doch krass. Film über Theater, meine Nummer 3, ist das Regie-Debüt von Charlie Kaufman aus dem Jahr 2008, Sinek Doche, New York. Okay. Ein wahnwitziges, größenwahnsinniges Projekt, sowohl der Film als auch das Thema des Films. Und zwar inszeniert Charlie Kaufman die Geschichte eines Theater-Regisseurs. Der beschließt sein Leben zu einem Theaterstück zu machen. Und zwar in einer leerstehenden Lagerhalle in New York. Baut er New York nach. Engagiert Schauspieler und fängt an mit denen zu proben. Engagiert auch einen Schauspieler, der ihn selbst spielen soll. Und der soll ihm dann auf Schritt und Tritt folgen, damit er quasi seinen Leben aufsaugen kann, damit er sich in die Rolle reinfühlen kann. So richtig klassisches Method-Acting. Aber es ist Charlie Kaufman. Das heißt, Realität und Fiktion verschwimmen mehr und mehr. Das Theaterstück entwickelt so ein Eigenleben. Es gibt kein Theaterstück. Dieses Theaterstück wird nicht aufgeführt. Es geht um den Bau der Kulissen, um die Proben. Und das ist total größenwahnsinnig. Und der Film selbst ist aber auch so größenwahnsinnig. Und sehr surreal, sehr merkwürdig. Einfach ein Meisterwerk einer meiner liebsten Filme der 2000er Jahre. Klingt total nach typisch Kaufman. Ja, es ist auch typisch Kaufman. Es ist halt sein Regiedebüt. Und es ist nochmal so ein bisschen entfesselter Kaufman. In seinen Arbeiten mit Spike Jonze zum Beispiel ist viel mehr Humor drin. Wenn man diesen Film sieht, merkt man, dass Spike Jonze oder die andere Regisseure, mit denen er gearbeitet hat, viel Humor reingebracht haben in seine Filme. Weil der Film ist deutlich düsterer, deutlich tragischer und deprimierender als die anderen Filme. Hat auch seine lustigen Momente. Auch seine bizarren Momente. Und er ist deutlich surrealer und konfuser. Spannend. Ich glaube, den muss ich mal gucken, weil ich habe sowieso so eine große Lücke, so eine Kaufman-Lücke, von der ich sehr schmerzlich weiß, dass ich sie brauche eigentlich. Dass ich das mögen würde, was da alles auf mich wartet. Sehenswerter Film und Kaufman ist ja immer so ein bisschen Masturbation. Seine Filme sind ja immer so Auseinandersetzungen mit seinem Inneren und seinem Seelenleben. Und der ist nochmal besonders krass, weil er halt einen anderen hatte, der im Fesseln anlegte. Ok, cool. Ok. Das war dein Platz 3. Ich habe keine weiteren abgefilmten Inszenierungen auf der Liste. Mein Platz 3 ist Birdman. Weil Birdman so, also der Film tut so, als wäre in einem durchgedreht, mit einer Kameraeinstellung. Man hat das Gefühl, dass nicht ein einziges Mal geschnitten wird. Was dem ganzen natürlich eine wahnsinnige Kraft gibt. Dann hat er wahnsinnig viel Aufwand mit Special Effects betrieben, um die Kamera aus dem Spiegel raus zu retuschieren, wo die Kamera eigentlich hätte sein müssen. Sodass du es schaffst, Perspektiven zu zu ermöglichen, die eigentlich nicht gehen. Wo du wirklich da sitzt als Zuschauer und sagst, was das denn? Weil man sieht das sonst nicht. Und spielt natürlich mit diesem Theater-Ding. Der Typ, der in einer Inszenierung ist und dann zum Birdman wird, den er eigentlich spielen soll. Den er gespielt hat. Richtig, den er gespielt hat und der immer sozusagen ihm nachhängt. Einfach eine wahnsinnige Kraft der Film. Der beste Rolle seines Lebens wahrscheinlich. Ja, aber auch die anderen Schauspieler. Wirklich, wirklich, wirklich toll. Der von Fight Club. Edward Norton. Auf jeden Fall. Und der spielt im Theater die ganze Zeit im Theater und geht nur einmal draußen aus dem Personaleingang raus und vorne wieder rein. Oder wie ist das? Ich weiß es nicht mehr ganz genau. Das fand ich total spannend, dieses Katakom. Man sieht viel zu selten in Filmen das hinter der Bühne. Und er läuft so oft durch diese Katakomten und vorbei an den Garderoben und an seinen Mitschauspielerinnen und Mitschauspieler. Es ist total spannend, weil dieser Film eigentlich seine Fahrt hinter der Bühne ist die ganze Zeit. Und ich mag sehr, sehr, sehr gerne die Szene, wo sie tatsächlich proben und verhandeln, was wie passieren soll. Und das ist nicht nur für den Film gemacht, vom Gefühl her. Ich als Schauspieler gucke mir das an und denke mir ja, ist genau so. Und es ist toll, weil oft machst du das ja für ein Publikum, dann sagst du ja, und dann passiert da da irgendwie so ein hochdramatischer Erarbeitungsprozess, den wir jetzt für das Publikum zuschneidern und das irgendwie so erzählen, obwohl es gar nicht so ist eigentlich. Aber es ist genau so. Und das ist toll. War auch ein ziemlicher Überraschungsabräumer bei den 2014. Bester Film, beste Regie, bestes Originaldrehbuch. Und beste Kamera. Michael Keaton war nominiert als bester Darsteller, aber hat nicht gewonnen. Und Edward Norton und Emma Stone waren als supporting acting nominiert. Ganz toll. Emma Stone ist sowieso auch großartig. Dein Platz Nummer? Platz zwei. Jetzt kommen wir zum Abgefilmten. Die Zauberflöte aus dem Jahr 1975 von Ingmar Bergmann. Ach, Ingmar Bergmann dreht inszeniert Mozarts Zauberflöte auf der Bühne und dreht das ab. Und zwar eine sehr klassische Inszenierung eigentlich. Und es macht keinen Hehl daraus, dass es abgefilmtes Theater ist. Wir sehen Publikum. Das finde ich total toll. Er filmt bei einigen Stücken filmt er ins Publikum, auch auf Kinder zum Beispiel, die das gucken und fängt ihre Blicke ein, wie sie reagieren. Also wir haben ganz viele reacting shots. Es ist größtenteils abgefilmtes Theater, ähnlich wie in diesem Fall. Wie in Much Ado About Nothing. Aber es bricht manchmal raus und manchmal geht es so weit nach hinten, dass klar ist, wir sind jetzt nicht mehr auf einer Bühne so wirklich. Jetzt bewegen wir uns irgendwie so in Kulissen, die nicht für ein Theaterpublikum sind, sondern für ein Filmpublikum. Wird ganz selten gemacht. Wird sehr vorsichtig eingesetzt. Hat aber, wenn es passiert, einen tollen Effekt, weil man sich plötzlich von der Bühne reingezogen fühlt in die Handlung. Und nochmal ein ganz neues Gefühl hat für die Zauberflötenhandlung. Ich bin kein großer Operettenfan. Aber ich mag die Zauberflöte tatsächlich sehr gerne. Dann musst du das mal schauen. Ich mag das auch total. Ich glaube, er lässt seine Darsteller schwedisch singen. Okay. Ich habe da vor allem lebhafte Erinnerungen dran, weil ich das als Kind geguckt habe, weil mein Vater davon so begeistert war. Er hat immer versucht, uns mit Hochkultur zu quälen. Und hat uns das dann vorgeführt. Ich fand es bestimmt auch ein bisschen kacke, aber ich weiß auch Sachen, die ich einfach schön fand und auch Sachen, die ich wirklich bewegend fand. Und die mich auch wirklich mitgerissen haben. Hat auch dazu geführt, dass ich mir den Film jetzt nochmal gekauft habe. Und auf meiner Liste habe. Ich habe so einen Stapel an DVDs, Blu-rays, die ich irgendwie noch gucken will. Und da liegt er relativ weit oben mittlerweile. Und ich freue mich auch richtig drauf, den zu sehen. Das wird bestimmt nochmal so auch so ein kleiner nostalgischer Trip. Ach schön. Cool. Das war ein guter Platz zwei. Platz zwei bei mir, Limelight. Limelight ist ein Chaplin Film. Charlie Chaplin, Charles Chaplin in diesem Falle wieder, weil er schon richtig erwachsene Filme gemacht hat und von seinem Slapstick weg ist. Es geht um einen Clown, der erarbeitet im Grunde seine Lebensstory so ein kleines bisschen mit. Einen alternden Clown, der nicht mehr gefragt ist auf der Bühne. Wir sind beim Tonfilm. Wir sind beim Tonfilm. Und er rettet eine Frau, die sich umbringen möchte. Eine junge Frau. Und kümmert sich um sie und gibt ihr irgendwie Zeug. Und sie ist auch am Theater. Sie versucht ihn, weil sie das so tragisch findet, dass er so sang und klanglos verschwindet, obwohl er mal so bekannt und so berühmt und so wahnsinnig gefeiert war für seine Sachen. Versucht sie für ihn nochmal so einen Abend zu organisieren, an dem alle nochmal kommen und ihn toll finden. Das klingt total schön. Habe ich nicht gesehen. Und da gibt es eine ganz tolle Szene mit Basta Keaton zusammen. Die beiden zusammen in einem Film. Das ist nur eine Szene, aber Basta Keaton spielt Klavier und er fiedelt. Also Chaplin. Und das ist eine ganz großartige Szene. Ich liebe diese kleine Szene, die sie da ja. Ja, ein ganz herzzerreißender Film. Wirklich toll. Hab ich jetzt lange nicht gesehen, deswegen stammele ich so ein kleines bisschen, weil ich nicht mehr alles so ganz genau weiß. 1952. Also ich habe es gerade aufgemacht. Ich kenne den Film nicht und er klingt direkt so, als müsste ich ihn unbedingt auf meine Liste setzen. Unbedingt, unbedingt. Ganz, ganz, ganz, ganz toll. Okay, cool. Schön. Mein Platz 1 könnte sich mit deinem Platz 1 überschneiden. Mein Platz 1 ist Dockville aus dem Jahr 2003 von Lars von Trier. Wir sind bei Filmen, der sich Theatermitteln bedient und dennoch sehr filmisch rüberkommt. Und gerade bei dem Film ist es besonders krass, weil sowohl was Ästhetik betrifft, als auch was Inszenierung betrifft, ist er eigentlich ganz nah dran am Brechtchen Theater, könnte man schon fast sagen, weil aber auch nur fast minimalistisch die Bühne und die Häuser sind nur aufgezeichnet und so. Aber dann inszeniert Lars von Trier so, dass du komplett drin bist im Geschehen. Und ich würde sogar behaupten, das ist sein filmischster Film, weil das ist eigentlich kurz nachdem er dieses Dogma 95-Ding gemacht hat, wo alles sehr dokumentarisch war und sehr trocken. Und dann inszeniert er mit so viel Pathos und so viel Gewalt, im wahrsten Sinne des Wortes, dass es total mitreißend ist und dass du nichts mehr von diesem Brechtchen-Verfremdungseffekt hast, sondern du bist voll drin und emotional aufgewühlt. Und dass das funktioniert, dass man so vermeintlich diese Bühne hat, die als Bühne identifizierbar ist, mit Häusern, die nur aufgezeichnet sind, und dann bist du plötzlich trotzdem voll im Geschehen drin. Krass. Ist dein Nummer 1 auch? Nee, ist nicht meine Nummer 1, aber nur deswegen, weil ich wusste, dass ich bei dir auftauche. Okay, aber wirklich, weil Mandalay war doch auch eine Fortsetzung? Mandalay war die Fortsetzung, sollte eigentlich eine Triologie werden, und Mandalay war aber nicht erfolgreich, fand ich auch nicht so gut. Und deswegen hat es dann, glaube ich, gelassen, hat sich einfach um andere Sachen gekümmert. Aber es ist wirklich, wirklich beeindruckend. Einer der besten Filme von Lars von Trier, der echt viele gute Filme gemacht hat. Absolut, ich stimme dir absolut zu. Und wie gesagt, ich habe noch was mit angebracht, damit die Diversität noch gewahrt bleibt. Eigentlich. Bei Platz 1, sein oder nicht sein. Und zwar das Original. Okay, Lubitsch. Bei Lubitsch kommt bei mir, finde ich, die Not des Theaters noch mehr raus als bei dem Remake. Obwohl natürlich im Remake, du kommst nicht drumrum, die Not des Theaters zu erzählen, aber da ist es irgendwie, finde ich, stärker. Ja. Ich habe mehr stärkere Erinnerungen an das Remake, weil ich das öfter gesehen habe. Und weil ich das auch als erstes gesehen habe, vor dem Original. Und deswegen würde ich behaupten, wenn ich mit einem Film mehr verbinde, dann verbinde ich eher mit dem Remake mehr, aber ich sollte das Original einfach auch nochmal gucken und vielleicht die Filme gegeneinander halten. Ja, vielleicht. Spannend, auf jeden Fall. Ganz toller Film über die, willst du das kurz zusammenfassen, oder ist es besser darin? Der Film ist von 1942, wurde in den USA inszeniert und spielt tatsächlich in der Zeit des Zweiten Weltkriegs und zwar in Polen, soweit ich weiß. Die Gruppe spielt eine antifaschistische Komödie und soll das dann aber absetzen und dann spielen sich stattdessen Hamlets. Der Hauptdarsteller, dessen Frau hat eine Affäre. Die Szene des Films. Und wenn er den klassischen Monolog macht aus Hamlet, sein oder nicht sein, dann trifft sie sich mit dem, mit ihrer Affäre. Weil sie genau weiß, genau in dem Moment, wo er auf die Bühne geht und sein oder nicht sein sagt, haben sie besonders viel Zeit, weil er dann auf der Bühne ist, und er findet es aber voll kacke, dass der Typ immer aufsteht. Er steht genau an dieser Stelle, steht immer dieser Typ auf und geht. Er fühlt sich nicht respektiert. Und dann viel drum herum und es ist eigentlich auch eine Auseinandersetzung mit der Freiheit der Kunst, mit der Freiheit des Theaters und das wird alles rumgesponnen um diese Geschichte von der Affäre und von dem Schauspieler auf der Bühne, der damit nicht klarkommt und ich muss ihn unbedingt auch mal wieder sehen. Es ist echt lange her, dass ich den gesehen habe. Dann spielen sie doch auch eigene Rollen. Dann müssen sie sozusagen im wahren Leben Rollen aufsetzen, um das Theater zu retten, um sich selbst zu retten. Ich weiß nicht mehr genau, wie das dann vonstatten geht, aber sie spielen quasi im wahren Leben die Rollen ihres Lebens um sich zu retten. Ja, genau. Genau, weil die Nazis dann in Marschau einmarschieren und ihnen die Hände auf die Hände zu schlagen. Das ist ja ein ganz krasser Film. Ja, genau. Jetzt krieg ich's. Es ist schwierig. Es ist auch wirklich ein sehr komplexes Ding, fand ich immer. Vielleicht ist auch das Original deswegen für mich noch eindrucksvoller, weil es einfach näher an der realen Welt dran ist. Also es ist von 42. Es ist von 42 und Ernst Lubitsch war ein Migrant aus Deutschland, Aber nee, er war nicht geflohen. Jetzt bin ich bei Wikipedia. Er war schon 1922 in die USA ausgewandert. Aber 22 ist sehr früh, da wusste er noch gar nicht, was da kommt. Nein, er ist einfach ausgewandert wie viele in der damaligen Zeit. Und hat aber natürlich sehr hellhörig betrachtet, was da in Deutschland vor sich geht. Und genau, das war dann auch schon die Zeit des Krieges. Also hast du quasi einen Film aus erster Hand, weil der so nah an der Realität dran ist, die gerade passiert. Ein ähnliches Schicksal wie Chaplin mit seinem Diktator. Er hat Probleme gehabt, Geldgeber für den Film zu finden. Als er den inszeniert hat im Jahre 41, war das noch nicht so, dass die Nazis so offen angegriffen wurden aus den USA. Chaplin hatte ja auch das Problem, dass sein Diktator nicht gespielt wurde in einigen Kinos, weil die gesagt haben, wir haben zu viele deutsche Zuschauer. Können wir nicht machen. Offensichtlich hatte Lubitsch auch ähnliche Probleme und Schwierigkeiten, das Geld zu kriegen für den Film. Und, ähm, ja. Jetzt haben wir schon wieder eine Stunde und 40 Minuten geredet. Uff, wir sind aber auch durch, ne? Äh, Plor, wenn wir jetzt nicht viel rauskürzen, das werdet ihr dann hören, wenn ihr abgleicht, wo ihr gerade seid. Ja, das hatten wir bei der letzten Folge auch schon überlegt, haben zu kürzen und da wurde auch ein bisschen gekürzt. Plor, wir haben schon eine Stunde und 10 Minuten. Sehr viele Zuschauer sind da Kopfkratzend. Wo sind diese 10 Minuten, die ihr uns gestohlen habt? In diesen 10 Minuten war ich auf Toilette, haben wir neue Tee eingegossen, hat der Affe in unserem Kopf pling, pling, pling gemacht wie bei Homer. Schlusswort, Much Ado About Nothing. Eine der großartigsten Inszenierungen, die ich jetzt gesehen habe von diesem Stück. Natürlich habe ich bei Weitem nicht alles gesehen, was man vielleicht sehen sollte. Es gibt bestimmt ganz viele andere, ganz tolle Inszenierungen davon. Ich bin einfach froh, dass es dieses Stück in der Form gibt, weil es mit diesem B-Plot einfach für mich einfach ganz, ganz, ganz großartig an so eine Liebesgeschichte rangeht. Das nehme ich total gerne als wunderschönes Schlusswort, dass ich es so unterstreichlich kann. Ich hab kaum was davon... Ich hab vielleicht eine Much Ado About Nothing-Inszenierung gesehen, in jungen Jahren. Ich fand diese Inszenierung toll. Ich mag den B-Plot, ich fände den A-Plot langweilig, aber das ist egal, weil der B-Plot im Vordergrund steht und Spaß macht. Vielen Dank, dass du es geguckt hast. Danke, dass du es mir gezeigt hast. Das war wirklich eine Bereicherung. Schön, das freut mich. Das ist ja das Ziel des Ganzen. Dann machen wir jetzt eine Pause und reden dann noch mal drei Stunden über das nächste. The Fall von Tarzan Singh nach der Pause. Dann bleibt dran, bis gleich. Da sind wir wieder. Wir haben Pause gemacht. Gar nicht so viel wie sonst. Du hast immer noch mal 3-mal 3 Zigaretten geraucht. Ich war auf Toilette. Ich rauche jetzt einfach, während wir aufnehmen. Ist okay, kein Problem. Ich komme damit zurecht. Möchtest du noch Tee? Oh ja, sehr gerne. Danke dir. Möchtest du vielleicht auch mal erzählen, was wir jetzt machen? Wir schauen uns... Wir haben uns The Fall angeschaut. Oder was meinst du? Wir haben uns The Fall angeschaut von... Tarzan Singh. Und ich werde einfach mal vorlesen, was ich geschrieben habe, ein kleines Lied von Tarzan Singh. Ja, das ist ein Lied von Tarzan Singh. Das ist ein Lied von Tarzan Singh. Das ist ein Lied von Tarzan Singh. Das ist ein Lied von Tarzan Singh. Das ist ein Lied von Tarzan Singh. Ich werde einfach mal vorlesen, was ich geschrieben habe. The Fall von Tarzan Singh aus dem Jahr 2006 gehört ein wenig zu den vergessenen Fantasyperlen der frühen 2000er Jahre. Von der Kritik wurde ihm damals vorgeworfen, zu eskapistisch, zu sehr auf visuelle Reize auszusehen. In den folgenden Jahren wurde kaum noch über ihn geredet. Nicht zuletzt auch, weil Singh als Regisseur nicht mehr großen Erscheinung getreten ist. Dabei gehört The Fall zu den schönsten Vertretern einer filmischen Gattung, die in den letzten 10-15 Jahren aufragende Produktionen aufgefallen ist. Das Lob blieb auf die kindliche Fantasie. In einer Geschichte, die sich tendenziell eher an Erwachsene richtet. Für den düsteren, erwachsenen Ton sorgt in diesem Fall der Protagonist Roy. Ein Stuntman, der nach einem schweren Unfall am Set und dem Verlust seiner Freundin in einem Krankenhaus in Kalifornien der 1920er Jahre dahin vegetiert. Er hat jede Hoffnung und jeden Lebensmut verloren. ...Hauptsuchergebnisse. Entschuldigung, mein Handy hat reagiert. Alexa, lass uns in Ruhe. Ist dir schon aufgefallen, wenn das passiert, sagen wir was anderes? War das Google? Es war Google, ne? Hat Google einen Namen? Nee, du musst okay Google sagen. Halt die Schnauze, ich sag's dir. Google braucht keinen Namen wie Siri oder wie Alexa, sondern es ist einfach nur okay Google. Es ist einfach nur okay Google. Er hat jede Hoffnung und jeden Lebensmut verloren und will sich mit einer Überdosis Morphium das Leben nehmen. Um an diese zu gelangen, will er eine Mitpatientin, ein 7-jähriger Alexandria, ein Kind rumänischer Einwanderer, der sich bei der Arbeit auf einer Orangenplantage den Arm gebrochen hat, ausnutzen. Sie soll ihm die weggeschlossenen Medikamente für seinen Freitod beschaffen. Um sie auf seine Seite zu ziehen, beginnt er ihr, eine äklektische Geschichte von fünf Abenteurern zu erzählen, die unterwegs sind, um den tyrannischen Gouverneur Odious zu stürzen. The Fall bleibt allerdings nicht bei der Erzählung von Roy stehen. Alexandria beginnt, sich in die Geschichte einzumischen, um die Erzählung von Roy's Depressionen aufzubrechen. Es entspinnt sich ein faszinierender Zweikampf zwischen dem naiven Kind und dem lebensmüden Stuntman, um die narrative Hoheit in dem entworfenen Märchen. Das inszeniert in visuell beeindruckenden, pittoresken und opulenten Bildern. Sind diese so dominant, dass Blott und Subtext verloren gehen? Oder steckt in diesem Film doch mehr als ein bloßer Bilderreigen eines in seinen Fantastereien amok laufenden Werbefilmers? Was denkst du, Johannes? Ja, sehr gute Frage, sehr gute Frage. Lass uns das am Ende beantworten. Bitte lass uns zu dieser Frage zurückkehren, die ist spannend. Ja. Erste Frage an dich, Plor. Habe ich das nur verpasst oder verrät uns der Film bis zum Schluss nicht, wer dieser Typ ist, was ihm widerfahren ist? Ich habe nicht verstanden am Anfang, was eigentlich... Ich höre zwischendurch, dass der Arzt sagt, du könntest dich nicht einfach umbringen wegen der Frau. Da weiß ich, der wollte sich umbringen wegen einer Frau. Hat er deswegen seinen Bein gebrochen? Weiß ich nicht, keine Ahnung. Ich kriege am Anfang eine opulente Szene in Schwarz-Weiß, wo ich denke, oh, worum geht es? Geht es um einen großen Raubzug, Überfall auf eine Eisenbahn? Oder wird da jemand gerettet? Oder ist da irgendwas Schlimmes passiert? Ich weiß es nicht. Es wird mir auch nicht genauer erzählt, was jetzt passiert ist. Und das, was danach folgt, schließt für mich in keiner Form an. Ich kann das nicht in Verbindung bringen. Was das eine mit dem anderen zu tun haben soll. Ich komme damit klar, ich finde es okay. Ich finde es visuell auch spannend. Ich fand den Anfang sehr reizvoll visuell. Aber inhaltlich kann ich ihn nicht verknüpfen. Jetzt die Frage, habe ich das nur verpasst? Oder hat jemand mal gesagt, dass das ein Stuntman war, der die Beine gebrochen hat bei einem Unfall? Es wird im Laufe der Handlung gesagt, aber es wird nicht einfach so platt eingeführt. Der Charakter ist am Anfang im Krankenhaus. Es wird viel im Verborgenen drüber geredet. Wir sehen oft Gespräche aus der Perspektive des Kindes. Ich habe Roy zum Protagonisten gemacht, aber eigentlich ist Alexandria die Protagonistin. Ihre Erlebniswelt und auch ihre Eindrücke der Realität. Deswegen kriegen wir auch nur bröckchenweise Informationen, was mit diesem Mann geschehen ist. Weil wir es durch ihre Augen sehen. Sie kennt sich überhaupt nicht aus mit Stuntmen und Filmen. Sie erzählt am Anfang, dass er für Filme arbeitet. Sie versteht das überhaupt nicht. Er sagt Pictures und sie ist okay, Bilder. Dann konkretisiert er noch mal Moving Pictures und versucht, das zu erklären. Wir merken, dass sie ein Kind ist, das keinen Kontakt damit hat. Das liegt nicht nur an der Zeit, es sind die 1920er Jahre. Keno hat noch einen gewissen Exotenstatus. Aber es liegt vor allem daran, dass sie einfach mal Kinderarbeit macht. Sie arbeitet auf einer Orangenplantage. Sie hat sich auch beim Orangenpflücken den Arm gebrochen. Es wird wirklich peu à peu und tröpfchenweise erzählt. Was er gemacht hat. Es wird alles erzählt. Wir erfahren von ihm, dass er einen Film macht. Wir erfahren auch, dass er sein Geld damit verdient, dass er fällt und springt. Diese Verknüpfung mit den Anfangszänen kommt auch, wenn sie ganz am Schluss seinen Film gucken. Wo er auf das Pferd springt und klar ist, er ist dieser Stuntman. Dann erzählt sie noch mal und sie hat die Filme gesehen. Da hat sie erkannt, wie er was abgekriegt hat auf den Kopf. Sie hat sich immer vorgestellt, dass jeder Stunt von ihm gemacht wurde. Was vielleicht nicht der Fall war. Er hat ihr gesagt, das sind meine Stunts und ich bin Stuntman. Das stimmt, der Film fällt nicht mit der Tür ins Haus, was seine Protagonisten sind, was sie antreibt. Und auch nicht, dass er verlassen wurde von der Frau für irgendeinen anderen Typen. Das wird auch so nach und nach erzählt. Das kommt auch irgendwo eingetröpfelt. Dass er das verpasst hat, das ist schade. Ich muss dazu sagen, ich hab den Film schon mehrmals gesehen. Das gehört zu den Filmen, die ich gerne wiedersehe. Weil er mich damals beeindruckt hat beim ersten Sehen. Gerade weil er in dieses Genre fällt, kindliche Geschichten oder Kindliche Fantasie und deren düsteren Seiten. Da gibt es mittlerweile eine ganze Handvoll hervorragender Filme. Ich finde, er gehört immer noch zu den stärksten. Er macht das auf eine ganz starke Art und Weise. Gerade weil er uns in diese Perspektive des Kindes entführt und auch teilweise reinzwingt und diese Naivität, die das Kind hat in seiner Vorstellung in den Vordergrund rückt. Eine wirklich schöne Sache, die ganz banal ist, ist, dass Roy, wenn er seine Geschichte anfängt, von dem Indian erzählt. Roy ist ein Western-Stuntman. Er hat offensichtlich in vielen Westernen gespielt. Sie kennt überhaupt keine Indianer. Sie hat keine Vorstellung davon, was das sein soll. Sie kennt kein Kino. Wenn du 120 lebst, kennst du keine Indianer. Wenn du nicht in der Nähe eines Reservates lebst. Deswegen stellt sie sich einen Inder vor. Weil ein Inder bei ihr auf der Orangenplantage arbeitet. Das fand ich so ein netten Twist. Von diesen Twists gibt es mehrere, dass er Sachen erzählt und sie das nicht richtig versteht. Wir haben drei Perspektiven. Wir haben zum einen die Perspektive von Roy, der dieses Märchen entwirft und dabei total eklektisch vorgeht. Er sammelt einfach wild zusammen. Er ist kein Geschichtenerzähler. Dann nimmt er das, was er kennt. Dann sagt er, da kommt Charles Darwin vor. Das ist der Wissenschaftler, der mit dem Affen unterwegs ist. Dann haben wir einen Indianer und noch einen Sklaven, offensichtlich zusammengeglaubt aus der Geschichte. Dann kommen die Banditen mit rein. Sie macht daraus ihr naives Märchen. Die dritte Figur, die da natürlich auch drin ist, unfreiwillig, ist der Regisseur, der rüber seine opulenten Bilder spannt. Die Bilder, die wir sehen, sind nicht nur die Bilder, die sie sieht, sondern das sind auch die Bilder von Tarzan Singh. Das sind natürlich krasse Bilder. Das sind auch erschlagende Bilder, eskapistische Bilder. Das ist einfach mal so, was haben wir visuell drauf? Damit kann ich das Publikum reizen. Ich weiß nicht, wie du es empfunden hast. Aber das ist das, was total hervorsticht. Diese gewaltigen Aufnahmen. Absolut. Wenn man dem Film nichts abgewinnen kann, aber das ist es 100%ig. Ich kann dem Film mehr abgewinnen als nur das. Wenn man in der Geschichte nichts anfangen kann oder überhaupt nichts versteht, guckst du das an und denkst, wow. Crazy shit, Alter. Wahnsinn. Es ist Tarzan Singh das Werbefilmer gewesen. Er hat nicht viel inszeniert. Dessel war sein größter Film und auch sein erfolgreichster Film, der bei der Kritik komplett durchgefallen ist, auch zurecht. Hast du den gesehen? Nee, aber ich hab eine kleine Kritik dazu gesehen. Die lief nicht gut aus. Ich musste der Kritik auch zurechtgeben, auch wenn sie natürlich biast ist, wenn ich mir das angucke. Das erste Mal, wenn mir jemand sagt, dass das scheiße ist. Das war nicht gut. Weil Dessel war kein guter Film. Der ist visuell beeindruckend, da macht er genau dasselbe. Allerdings ist die Story Mist. Es ist ein Mystery-Thriller mit Jennifer Lopez, die nicht das Schlechteste an dem Film ist. Oh, genau. Jennifer Lopez hat auch ein-, zweimal gut gespielt. In Out of Sight war sie gut. Es ist ein Film mit einer schwachen Story. Es ist eine typische Mystery-Thriller-Serienkiller-Geschichte in den Kopf dieses Killers reißt. Dann gibt es diese beeindruckenden Bilder, die sind wieder toll. Aber der Film ist Müll. Im Grunde ist es das gleiche Konzept, oder? Du hast eine reale Welt und dann das eigentlich große, opulente Fantasy-Element. Genau. Dann versuchst du irgendwie, versucht er den Realismus, weiß ich nicht ganz genau, den Realismus realistisch darzustellen, oder? Seine Bilder in der realen Welt sind schön und beeindruckend inszeniert. Es spielt zwar in diesem Krankenhaus, das ist eher ein trister Ort, aber er findet trotzdem immer wieder Szenen, die visuell reizen, diese Schattenspiele. Wenn sie etwas durch die Tür beobachten, dann ziehen wir sich nur in Schatten bewegen. Wenn sie den Typen, der die Röntgenaufnahmen macht, durch den Raum stolziert, sie hat Angst vor ihm und versteckt sich. Die Realität ist permanent durchflotzen von dieser kindlichen Vorstellungskraft. Das wäre auch ein kleines bisschen meine Kritik. Weil ich das Gefühl habe, er hat sich nicht entscheiden können. Er konnte nicht aus seiner Haut. Entweder ich mache diesen Kontrast auf, Realität und Fiktion, und versuche die beiden sich einander informieren zu lassen. Du weißt schon, sich gegenseitig zu befruchten. Aber dann musst du halt auch... Dann kannst du aus einem Schlüsselloch keinen Projektor machen. Die Idee ist total süß, dass durch das Schlüsselloch das Licht fällt und plötzlich wie ein Filmprojektor, das Pferd auf dem Kopf an der Wand hängt. Finde ich total toll. Aber er wird ja dann noch abgefahrener, wenn er in die Traumwelt reingeht. Ich habe mir vielleicht gewünscht, dass er den Kontrast durchzieht. Ich glaube, es geht dem Film nicht um Kontrast von Realität und Fantasie. Weil der Film die Perspektive des Kindes einnimmt. Das Kind sieht die Welt einfach mit den Augen eines Fantasten. Das Kind sieht immer merkwürdige Dinge und fantastische Dinge. Sehr vieles ist für das Kind neu. Deswegen macht das für das Kind auch keinen Unterschied in der Bedrohungslage, ob da jetzt ein anderes Kind geröntgt wird oder ein komischer Typ mit einem Metallhelm auf dem Kopf, wie es damals einfach aussah. Oder ob da düstere Ritter kommen. Das ist beides gleich erschreckend. Und diese Fluidität zwischen realem Erleben und Fantasien, das hat der Film getroffen. Das kauft ihm auch ab, dass das auch sein Ziel war. Dass er nicht die Realität als harten Kontrast machen wollte. Das ist eher das, was z.B. auch ein Film in diese Gattung fällt, Panzer Labyrinth. Das ist ein Film, der das gemacht hat. Der hat die Realität auf der einen Seite, Hart, Krieg, und dann die Fantasie auf der anderen Seite. Auch da überlappen sie sich ein bisschen. Aber es gibt einen deutlicheren Cut zwischen der Fantasiewelt und der realen Welt. Da fand ich es sehr gut gemacht. Panzer Labyrinth war großartig. Was diese Gattung betrifft, gehört Panzer Labyrinth Ich finde, The Fall ist für mich auf einer Ebene mit Panzer Labyrinth. Ich kann auch nicht verstehen, dass ihm so viel vorgeworfen wurde, dass er so eskapistisch wäre. Ich finde, er trifft die kindliche Wahrnehmung teilweise viel besser. Weil er diese Naivität immer wieder ins Spiel bringt, dieses Unschuldige, das das Kind hat. Das hat Panzer Labyrinth, der auch eine ältere Protagonistin hat, ein bisschen verzockt, indem er zu sehr dem Kind einen düsteren Blick auf die Welt gegeben hat. Dieser Film schafft es besser, das Naive und das Düstere parallel existieren zu lassen und immer wieder miteinander ringen zu lassen. Ich verstehe das. Das ist vielleicht auch gar nicht so schlecht. Was die Kehrseite der ganzen Sache ist, ist, dass die Geschichte, die er erzählt, die dann in der Fantasiewelt erzählt wird, die ist so confused. Nicht nur die Geschichte in der Fantasiewelt. Was du zur Realität gesagt hast, das stimmt auch total. Ich glaube, die Art des Erzählens ist teilweise ... Ich glaube, man könnte Clumsy sagen im Englischen. Es stolpert so ein bisschen hin und her. Es hat keine klare Stringenz. Ich glaube, das ist auch eine Schwäche von Tarzan Singh, dass er nicht klar koerent inszenieren kann. Es passt halt in diesem Film so gut, weil die Wahrnehmung des Kindes auch keine Koerenz hat. Die Geschichte, die er sich zusammenwürfelt, die hat auch keine Koerenz. Er improvisiert, er will Andesmorphium. Er will nichts anderes, als diese scheiß Tabletten haben. Natürlich fängt er an zu überlegen, was mache ich jetzt? Pass auf, da sind fünf Leute. Da ist Darwin. Da ist der Sprengmeister. Man merkt, das Improvisierte merkt man dieser Geschichte an. Das finde ich auch wiederum stark. Es ist natürlich ein komplett durchinszenierter Film. Aber dadurch, dass das tollpatschig stolpernd wirkt, hat es diesen Improvisationsscham, den so eine Geschichte hat. Aber an irgendwas möchte ich als Zuschauer mich festhalten können. An irgendwas will ich mich langhangeln. Irgendein roter Faden oder irgendein... Es kann auch ein Tau sein. Aber irgendwas, wo ich einmal festhalten kann und vertrauen kann, der schiebt mich durch alles durch. Ich habe die Möglichkeit, zu verstehen, wo er hin will oder wo ich gerade bin in der Geschichte. Du brauchst ein paar Stationen, an denen du etappen das Gefühl hast, du kommst voran. Aber du kommst in diesem Film eigentlich nicht etappenweise voran. Sondern du hast das Gefühl, du bist irgendwo verloren, erzählerisch. Ich finde, ich bin die ganze Zeit verloren gewesen, erzählerisch. Was mich irgendwann auch genervt hat. Neben der anderen Sache, von der wir reden müssen. Aber lass uns mal kurz einmal würdigen, dass dieses Kind so toll ist. Dieses Kind spielt super. Die 5-Jährige. Sie war 6, als das gedreht wurde. Sie haben genau das gemacht, was man mit Kindern machen muss. Sie drauf losreden lassen. Ich weiß nicht, wie es tatsächlich war. Aber das Gefühl, was mir der Film vermittelt ist. Die haben zwar Text gegeben, aber sie hat manchmal Textstellen vergessen. Dann ist sie später noch mal eingefallen. Dann hat sie sie noch mal später eingebaut. Sie sollte sich da so durchhangeln. Sie haben sie einfach gelassen. Sie haben nicht gesagt, nee, Kat, das enttue. Der Text war so. Sie haben Versprecher von ihr teilweise in die Story eingebaut. Dieses Ding mit dem Morphin, das ihr als eine 3 liest. Das fanden sie witzig und haben das reingelassen. Sie haben es sogar zu einem wesentlichen Storyelement gemacht, dass sie am Anfang nur 3 Morphium-Tabletten bringt. Weil sie gedacht hat, Morphin 3. Sie hatten teilweise wenig Crew am Set, wenn sie mit ihr gedreht haben. Sie haben sie so weit es ging, im Glauben gelassen, dass Roy sich tatsächlich nicht bewegen kann. Dass er tatsächlich ans Bett gefesselt ist. Um ihr diesen Rahmen zu geben, dass das glaubwürdig ist. Dass sie das glaubwürdig spielen kann. Dass er von ihr abhängig ist. Das hat offensichtlich gut funktioniert. Ja, weil sie ist wahnsinnig authentisch. Das ist fast gar nicht zu toppen, wie authentisch sie ist. Ich glaube, sie haben nicht viel Schauspieltraining mit ihr durchgemacht. Ich glaube, das hätte sie eher blockiert. Ich glaube, sie haben sie einfach machen lassen. Das hat super funktioniert, auch wenn ich sie oft nicht verstehe. Das gehört auch dazu. Sie ist ein Kind rumänischer Einwanderer. Die Rolle, die sie spielt, kann nicht gut Englisch. Da steht auch teilweise nur die Hälfte. Wenn du nach einem roten Faden suchst, für mich ist der rote Faden die Beziehung zwischen Roy und Alexandria. Das wird auch in dieser Geschichte wiedergespiegelt. Roy ist lebensmüde. Roy will sterben. Roy hat eigentlich keinen Kopf für eine schöne, putzige Geschichte. Das Spiel in der Geschichte ist eigentlich permanent dieses Spiel zwischen ihnen beiden. Zuerst ist sie nur passiv. Dann fängt sie irgendwann an, mit ihm zu kooperieren in der Geschichte. Irgendwann wird die Geschichte zu einem Kampf zwischen den beiden. Sie steigt mitten in die Geschichte ein. Das ist der Kampf. Sie sagt, es gibt diesen Moment, wenn die fünf Helden gefangen genommen sind. Er sagt, es gibt keine Hoffnung und alles ist verloren. Das ist deine Tochter. Dann kommt sie aus diesem Sack raus, der da stand. Dann ist sie in der Geschichte drin. Dann rettet sie ihn. Der wollte verzweifelt sterben, auch in der Geschichte. Sie kommt halt, nee, das ist auch meine Geschichte. Sagt sie, verbalisiert sie auch. Das ist auch meine Geschichte. Es ist nicht nur diese Szene, das ist ganz am Anfang. Wir haben diese fünf Helden, die unterwegs sind. Der Dieb, der zuerst als ihr Vater inszeniert wird. Dann sagt sie, mein Vater ist tot. Dann sagt er, okay, dann bin ich das jetzt. Dann schreibt Roy sich selbst in die Geschichte, weil ihr Vater tot ist. Er will seinen Bruder retten. Parallel passiert im Krankenhaus, dass Roy will, dass sie seinen Zeh anfasst. Er will wissen, ob er noch was spürt im Bein. Er hat Angst, dass er nicht mehr laufen kann. Dann sagt sie, ich hab deinen Zeh angefasst. Er glaubt ihr nicht und ist sauer auf sie. Sie kommt dann, sie hat den Bruder hängen. Das ist diese Szene, wo sie ihm den Zeh anfasst. Er ist sauer, hat nichts gespürt. Du hast meinen Zeh nicht angefasst, du hast gelogen. Sie kommen an den Palast des Bruders an, da hängt der Bruder. Dann sehen wir, wie der Bruder geopfert wurde. Und blutend da hängt. Diese Parallelisierung von Realität, von ihrer Beziehung und der Geschichte gibt es ständig. Er ist wütend auf sie. Deswegen knallt er mal ein krass böses Ende von diesem ersten Subplot dahin. Das ist auch ganz toll gemacht, wie sie bei dem ersten Erzählen fragt sie, warum? Weil der König Alexander, der Kaiser, das Wasser ausschüttet. Genau. Sie fragt, warum? Wenn er gerecht wäre, würde er ihm ein kleines bisschen Wasser geben. Die Transition von der Visualisierung der Geschichte und ihr ist toll. Der Wachmann fragt ihr, warum? Genau, mit ihrer kindlichen Stimme. Das finde ich schön. Solche kleinen Dinge macht er immer mal wieder. Das finde ich eine tolle Idee. Da gibt es auch diese Beerdigung von seinem Bruder, Roy, von den Banditen in der Geschichte. Ich werde jetzt Audios vernichten und alles Spanische. Dann schnitt zu ihr, wie sie sagt, ich dachte, der wäre spanisch. Nein, er ist französisch. Dann redet er kurz mit französischem Akzent weiter. Wenn er in seiner Geschichte durcheinanderkommt, was ihm auch passiert, weil er durcheinander ist und kaputt ist, dann hinterfragt sie das auch. Er versucht, die Geschichte ad hoc anzupassen. Ich finde diese Momente total toll. Davon lebt auch diese Fantasy-Geschichte. Natürlich hat sie diese opulenten Reize und diese komplett chaotische Story, die keine richtige Story ist. Aber sie lebt davon, dass sie ständig hinterfragt wird. Und dass ständig das, was zwischen ihr und ihm passiert, in diese Geschichte mit eingeflochten wird. Wenn er wütend auf sie ist, wird die Geschichte düster. Wenn er verzweifelt ist, wird die Geschichte tragisch. Wenn sie keinen Bock mehr darauf hat, dann wird sie nicht ruhig oder kriegt sogar eine ironische Note. Aber ich finde, dass all diese tollen Ideen man auch so interinszenieren können, dass man eine fokussiertere Story hat. Du meinst vor allem diese Fantasy-Geschichte. Ja, die Fantasy-Element. Zu dem Rest kommen wir später. Aber das Fantasy-Element war für mich einfach irgendwann anstrengend, weil ich nicht mehr wusste, wie, wo, wer. Ach, das habt ihr jetzt geändert, okay. Fünf Helden sind unterwegs, um den bösen Gouverneur zu töten. Treffen auf eine Frau, in die sich der Bandit verliebt. Die Frau stellt sich als der Verlobte des Gouverneurs heraus. Er will sie deswegen töten, aber dann heiraten sie. Und dann schließlich beschließen sie, den Gouverneuren zur Strecke zu bringen und brechen bei ihm ein. Dann bricht das Chaos aus. Und so eine simple Geschichte, mich dann noch zu verwirren, das musst du erst mal schaffen. Ich glaube, es ist zum Teil der Tollpatschigkeit, der die Narration von Tarzan Singh verschuldet. Ich glaube aber auch, dass es teilweise Konzept ist. Oder zumindest passt es einfach zu dem Rahmen der Geschichte. Es passt wie Arsch auf einmal, dass das eine Geschichte ist, die ein lebensmüder Typ im Krankenhaus einem kleinen Mädchen erzählt, das ihn ständig unterbricht. Und dass die Geschichte auch ständig ändert. Und dass diese Geschichte ständig angepasst wird. Es kommt aber noch dazu, dass in den Fantasy-Elementen so viel Symbolik und so viel hochtrabendes, weiß nicht, intellektuelles, hier... Hat er so viel Intellektuelles drin? Na ja, zumindest in den Bildern versteckt er so viel, wo du dich dann fragen sollst, was bedeutet es. Ich weiß nicht, ich hab den Film, muss ich dazu sagen. Ich hab den Film mit Maya zusammen. Hat Maya gelästert. Maya saß die ganze Zeit neben mir, ist auf und ab gehüpft und hat gesagt, interpretiere mich, interpretiere mich. Ich bin Kunst, ich bin Kunst. Das ist nur, weil Maya die Duck-Walker-Kritik zu The Cell geguckt hat. Da macht Duck-Walker das. Ja. Maya hat zu viel Channel Awesome geguckt. Und ich muss aber Maya an manchen Stellen einfach recht geben. Ich mag das. Ich mag Kunst. Ich mag, wenn man Bilder sieht, die man nicht komplett versteht. Ich mag auch das Gefühl von, ich muss nicht alles erzählen. Aber manchmal war es doch ein bisschen dolle. Ich fand tatsächlich, Ben The Cell gebe ich dir total recht. Da hat er versucht, einmal so, ich mach jetzt Psycho-Analyse, guckt euch die Bilder an, hier ist das Trauma, hier ist das Bild, versteht das, versucht, das zusammenzubringen. Ich finde, er macht das überhaupt nicht in diesem Film. Diese Bilder sprechen für sich, und das ist ja auch das, was ihm viel vorgeworfen wurde von der Kritik, dass sie einfach nur purer Eskapismus sind. Ich hab da nicht große intellektuelle Anspielungen gesehen, sondern einfach nur wunderschöne Bilder. Wenn der Priester, der sie verrät, böse lacht, und dann gibt es den Schnitt auf die Wüstenszene, wo sie liegen, aber das wird von dem Gesicht des Priesters auf die Wüste geschnitten, die dann kurz noch dieses Antlitz hat. Das ist ganz toll. Ja, aber das muss man nicht interpretieren. Das ist keine großsymbolische Kunst. Darum geht es auch nicht. Und wenn die Tänzer dann bei der Hochzeit da rumtanzen und dann wedeln die Tänzer auch so, ich finde, da gibt es keine großen doppelten Böen, sondern dem Film geht es da einfach um die schönen Bilder. Was es natürlich gibt, es gibt diese Anspielungen auf reale Persönlichkeiten. Also, er hat Charles Darwin zum Beispiel dabei, was ganz süß ist, der den Affen namens Wallace hat. Das soll Alfred Russell Wallace sein, der auch Evolutionsbiologe war und der mit Darwin sich viel ausgetauscht hat und der eigentlich der zweite große Evolutionsbiologen neben Darwin war und von der Geschichte ein bisschen vergessen wurde. Aber auch, weil er sich irgendwann zum Spiritisten und zum religiösen Menschen entwickelt hat und dann von Darwin und den anderen Evolutionstheoretikern ein bisschen verstoßen wurde. Dann gibt es den Sklaven, den nennt er Otter. Das ist inspiriert von Ota Benga, einem Afrikaner. Kurz gucken, woher der ursprünglich kam. Der von einem Sklavenhändler verkauft wurde für die Völkerschau von New York im Jahr 1906. Der später traurige Bekanntheit erreicht hat, weil er in New York im Zoo ausgestellt wurde, im Affenhaus, zusammen mit einem Orang-Utan im Käfig. Dann gab es ganz große Proteste von verschiedenen Bürgerrechtsbewegungen. Er durfte sich dann irgendwann im Zoo frei bewegen. Er hat das aber auch total kacke gefunden. Er hat dann wohl auch angefangen, sich mit Besuchern anzulegen und war ziemlich aggressiv. Er ist dann schließlich komplett raus und war kurze Zeit wieder zurück in Afrika, da hat er keinen Anschluss gefunden und hat dann in Amerika weitergearbeitet zu den verschiedenen kleinen Jobs. Eine total traurige Geschichte von einem modernen Sklaventum in Verbindung mit Rassismus, mit völkischem Denken. Aber auch diese Anspielungen sind nicht besonders intellektuell. Sondern es ist ganz klar, der Roy, der Geschichtenerzähler, nimmt Personen, die er im Kopf hat, an die er sich erinnert. Er hat offensichtlich mal von Darwin gehört, aber er hat das nicht. Er hat von diesem Otterbänger gehört. Das war auch in der Zeit damals eine Berühmtheit, die man kannte, wenn man ein-, zweimal Zeitung gelesen hat. Und er baut in seine Geschichte ein. Aber das waren für mich keine großen Symbolismen. Das ist für mich kein Schau-mich-an-ich-bin-ein-Kunstwerk-Ding. Wenn ich Bela eine Geschichte improvisiert erzähle, dann bediene ich mich auch bei allem Möglichen, was mir da einfällt. Dann ist da auch Indiana Jones, der im Star Wars-Universum rumhüpft. Es gibt eine Stelle, wo so Vögel aus dem Mund fliegen. Das ist das artsy-fatsyste, was ich jetzt aufgeschrieben habe. Aber das ist auch so eine Stelle, wo man denkt, ja, ja, ja. Es muss nicht groß interpretiert werden. Es ist nicht in dem Sinne von Rurialismus, sondern einfach. Es ist ein Bild, ein spannendes Fantasy-Bild. Ich meine, es ist doch viel öfter die Knallhardt, dieses kindliche Ding reingehauen. Zum Beispiel, wenn sie den Zauberspruch lernt, mit dem man das Böse verschwinden lässt. Der Zauberspruch geht googli, googli, googli. Weil der alte Mann ihr sagt, es gibt diesen Zauberspruch, damit machst du alles wieder gut. Das ist googli, googli, googli. Da wird ja auch in diese Geschichte eingeflochen. Ich finde, da ist der Punkt, wo man sieht, dass sich diese Geschichte selbst nicht zu ernst nimmt und nicht große intellektuelle Kunst sein will. Sondern einfach mal die Geschichte eines kleinen Kindes mit einem Erwachsenen. Wenn die Schwester niest zum Beispiel, oder noch besser, es gibt einmal diese Szene, wo sie niest. Dann wird auch tatsächlich kurz in der Geschichte genießt. Dann gibt es die Geschichte, wo er die Prinzessin rettet, der Bandit, der Roy ist. Er redet dann mit ihr und sagt, ich weiß, dass du den Priester mit Orangen... Nee, sie sagt zu ihm, ich habe heimlich den Priester mit Orangen beworfen, sagt die Prinzessin in der Geschichte. Das ist natürlich eine Anspielung auf das kleine Mädchen, weil das den Priester mit Orangen beworfen hat. Das Mädchen sagt dann auch direkt, das habe ich nicht gemacht, wie kommst du denn darauf? Dieses Kindliche wird die ganze Zeit reingeflochten. Nein, ich sehe da keine große, sieht mich an. Ich bin intellektuelle, surreale Kunst oder kryptische Kunst. Sondern ich sehe da einfach nur, ich bin ein schönes Bild. Ich bin übrigens das Produkt von einem lebensmüden Mann, der diese Geschichte erzählt und einer kindlichen Vorstellung. Naja, Hoppler, ungewollt. Und der opulente Größenwahn von Tarzemsing, der wundervolle Bilder inszenieren will. Na ja, ich habe das immer mal wieder gedacht. Also, ich kann ja halt jetzt, außer diese Vögel da aus dem Mund, die, was, na ja, relativ, ja, das ist nicht so krass, Arzi Fazi, aber mir kommen, sind immer mal diese Momente gekommen. Ich habe immer mal gedacht, ach ja, ja, zu viel, zu viel. I am art, it means stuff. Das Film schreit die ganze Zeit, it means nothing. Echt, ja? Ja, im Art, eskapistische Kunst halt, einfach Ästhetizismus. Es will vor allem gut aussehen und es will visuell beeindrucken. Tarzemsing übrigens war Werbefilmer. Ja, ja, ja. Und war unterwegs in Europa und hat bewusst Jobs angenommen, die ihn nach Paris gebracht haben und nach Rom. Weil er hat gesagt, er will dieses Zeug, diese Bilder, will er nicht im Studio drehen, sondern er will Bilder vor Ort haben und hat dann extra die Darsteller aus dem Film besetzt, dass er sich nach Europa kriegt. Und das alles für eine Szene, die 30 Sekunden dauert. Es gibt diesen tollen Zeitraffer, sie sind unterwegs zu Odios und dann laufen sie durch die Wüste und durch den Dschungel und dann laufen sie am Eiffelturm vorbei und am Kolosseum. Das ist so eine schöne Szene und es ist so übertrieben. Und man kann sich das auch so bildlich vorstellen, wie er da sitzt und das erzählt und wie er einfach sagt, und dann kamen sie noch an einem großen Turm vorbei. Das ist irgendwie so, was mir gerade einfällt, womit er das Kind beeindrucken könnte. Das finde ich toll. Die Darstellung des Schwarzen war mir teilweise sehr knapp an Rassismus vorbei. Das fand ich irgendwie nicht. Ich habe kein richtig konkretes Beispiel dafür, aber ich dachte die ganze Zeit, oh, jetzt wird es knapp. Es gibt auch dieses exotistische Moment, wo sie die Eingeborenen zeigen, wenn der Mystiker die Karte isst und dann in diesem Ritual geopfert wird. Wobei ich dieses Ritual noch kindlicher Fantasie hingeben kann und sagen kann, ja, okay, ja. Wahrscheinlich hatte ich als Kind sowas auch im Kopf. Wohlwollen könnte man sagen, er kolportiert Vorstellungen der damaligen Zeit über Sklavenhandel und wie Schwarze behandelt wurden. Bös will ich vielleicht nicht, aber kritisch könnte man definitiv anmerken, dass er damit natürlich Klischees und Stereotype reproduziert, die eigentlich überholt sind. Ja. Du meinst, dass er halbnackt rumläuft. Ja, und wie er sich geberdet. Wie redet er überhaupt? Er redet gar nicht richtig. Er hat eine Kommunikationsform, wo du denkst, ist das jetzt der Wilde aus dem, was soll das? Ja, eine relativ kleine Rolle. Er ist der Wilde und er ist nicht sehr zentral. Kann ich verstehen. Na ja, es gab sozusagen immer mal wieder Dinge, die mich da ein bisschen rausgezogen haben, wo ich zu viel angefangen habe nachzudenken, was man ja bei einem Film möglichst nicht möchte. Ja, gerade bei diesem Film. Denn natürlich ist so ein Film, der eigentlich will, dass man sich dem ganzen hingibt. Genau. Der mich auch schwer gestört hat ab einem bestimmten Punkt. Es wird irgendwann zu einem Yammerfilm. Yammerfilm, okay. Der Mensch möchte sterben. Er möchte, dass sie ihm Morphium bringt. Ist okay, gut. Gute Voraussetzung für einen Film und für so Situationen, die gerade mit einem Kind keine offenen Konfliktsituationen sind, weil er versucht, sie da rein zu tricken. Problem für mich, irgendwann, ich will nicht dauerhaft einer Figur zugucken, die eigentlich aufgegeben hat. Ja. Keine Lust, als Zuschauer jemanden zu sehen, der nichts will. Der will sterben. Aber das Ich-will-sterben ist noch nicht immer so stark inszeniert, dass er wirklich alles daran setzt, dass er sie immer wieder dazu bringt, das zu holen. Sondern diese Geschichte wird dann übermächtig, sodass ich diesem Strang seines Drängens nach sterben, dass der so klein gehalten wird, dass es mich irgendwann nervt. Ich denke, hör auf zu jammern, du bist runtergefallen. Die hat mal eine Frau gesagt, ich will nicht mehr. Was soll das? Wenn mir die Geschichte erzählen würde, wie das mit der Frau war und es eine Verbindung zu der Frau geben würde, zu seiner Beziehung zu der Frau, dann könnte ich verstehen, was bei ihm los ist. Dann könnte ich ihm auch folgen. Oder die Wichtigkeit seines Jobs. Er kann nicht mehr als Standman arbeiten, wenn sein Bein nicht mehr funktioniert. Das ist scheiße, aber ich muss es erzählt bekommen, um an ihm dran zu sein, emotional dann. Also wird mir nie so richtig eine Möglichkeit gegeben, und zu sagen, ich kann voll verstehen, dass der sterben will, und ich will mit ihm mitfiebern, schafft das oder schafft das nicht. Ich muss nicht mal sagen, ich will, dass er sterben darf. Ich muss wenigstens emotionally invested sein. Das bin ich nicht. Für mich ist das emotionale Epizentrum nicht seine Geschichte, sondern ganz klar ihre Geschichte. Das gibt es auch in einem ganz zentralen Moment in dem er sich erzählt, wirklich im Zentrum des Filmes, nachdem er zum ersten Mal viele Tabletten genommen hat. Moment, ich muss einmal kurz schauen. Er hat vermeintlich viele Tabletten genommen. Er wollte, dass sie von seinem Zimmernachbarn Tabletten stiehlt. Er stellt sich dann heraus, dass das nur Zucker war. Dann errastet er total aus. Sie kriegt das ein bisschen mit und ist total traurig. Sie will dann für ihn noch mal die richtigen Tabletten holen. Dann gibt es diesen Horrormoment, wo sie den Ritter sieht, den vermeintlichen Ritter. Das ist nur der Mensch, der das Röntgengerät bedient. Dann greift sie zu dem Morpheumklaas und fällt dabei. Dann fällt sie auf den Kopf. Dann gibt es diese Traumsequenz. Sie ist ein bisschen stärker zusammen, auch mosaikhaft, was ihre Geschichte ist. Offensichtlich wurden sie in Rumänien von Dieben überfallen. Dabei ist ihr Vater gestorben. Man sieht, das Haus hat gebrannt, es sind Diebe. Sie ruft auch Papa, der Steal Our Horse. Offensichtlich war ein Pferd damals verdammt viel wert. Insbesondere da, wo sie gelebt haben. Man sieht, wie die wütenden Menschen das Haus abbrennen. Das ist eine Mischung aus Erinnerung und Albtraum. Dann sehen wir, wie dieser Puppe das Papier aus dem Kopf genommen wird. Offensichtlich ist es sie. Sie ist gefallen. Sie hat eine Vision, wie ihr das Gehirn rausgenommen wird. Für mich ist das emotionale Epizentrum zum einen, dass sie eine viel tragischere Geschichte erlebt hat. Du hast vollkommen recht, er ist ein Yamara. Sein Todeswunsch ist auch sehr merkwürdig ausdekliniert. Er ist eventuell querschnittsgelähmt. Er hat seine Freundin verloren. Das mit der Freundin verloren ist kein großer, relevanter Plot. Der spielt eher eine Rolle in der Geschichte. Was für mich emotional viel stärker ist, ist, was mit dem Kind passiert. Zum einen, was dieses Kind schon für Scheiße erlebt hat. Und wie sie lebt. Sie arbeitet, sie geht in keine Schule. Sie muss auf der Orangenplantage arbeiten. Zum zweiten, wie für sie so eine Geschichte, eine Möglichkeit ist, rauszukommen und eine eigene Welt aufzubauen. Wie viel aber auch durch seine Schuld in ihr kaputtgemacht wird, in ihr Angst erzeugt wird. Sie ist ein traumatisiertes Kind. In dieser Geschichte erlebt sie fast eine Traumatisierung. Ich fand das total stark. Am Schluss, wenn die letzte Version der Geschichte kommt, wenn sie einbrechen, wird das besonders stark, dass man mit ihr mitfiebert. Dass man ihr wünscht, dass sie da irgendwie rauskommt. Das stimmt, absolut. Ich hab mich total von ihr emotional mitreißen lassen. Und auch in so kleinen Momenten, die in Kindern viel auslösen können. Das ist der letzte Teil der Geschichte, wenn sie in den Palast einbrechen und er dann anfängt. Er ist betrunken und sauer, dass das nicht geklappt hat mit dem Selbstmord. Er ist betrunken und erzählt ihr, dass die Story nur ein Trick war. Sie will unbedingt die Geschichte. Er sagt, die hat kein Happy End, aber sie will trotzdem die Geschichte. Dann fängt er an zu erzählen, wie sie da reinstürmen. Dann fängt er an, alle umzubringen. Ich leide da mit ihr. Sie gehen zusammen in diesen Palast. Einer nach dem anderen wird umgebracht. Sie sagt, du kannst den nicht auch noch umbringen. Was machst du da? Warum lässt du alle sterben? Er sagt, alle müssen sterben. Sie sagt, ich mag die Geschichte nicht mehr. Ich fand es richtig krass, wie das Kind verletzt wird in der Geschichte und wie das Kind gleichzeitig dagegen aufbegehrt. Für mich war das ein totaler emotionaler Anker. Der ist in diesem Moment am krassesten. Aber den hatte ich auch vorher schon. Ich fand, ihre Geschichte, wie wir so nach und nach erfahren, was sie erlebt hat, wie sie lebt, das hat mich die ganze Zeit gehalten. Ich bin einfach bei ihr, ich bin nicht bei ihm. Ich finde, ich gebe ihr vollkommen recht, und das ist eine blöde Aussage, aber er ist nicht der Typ, an dem man sich emotional festhält. Aber dafür ist sie das umso mehr. Das kulminiert in diesem letzten Moment, wenn sie wirklich gegeneinander kämpfen. Sie sagt, du kannst doch nicht alle umbringen. Er bringt sich trotzdem alle um. Das ist ein tragischer Moment, der mich total fesselt. Das stimmt. Ich bin da vollkommen bei dir, wenn es um diese Szene geht. Ich bin voll bei ihm. Sie hat mich auch den ganzen Film von Anfang an, hat mich dieses Kind auf jeden Fall auf ihrer Seite. Total. Ich leide auch voll mit ihr mit, wenn der Typ alle nach und nach umbringt. Aber er ist zu präsent und zu wichtig für den Film, als dass ich ignorieren könnte, wie schlimm er da in der Gegend rumjammert. Wie du sagst, stell dich nicht so an, ist keine Aussage, die man machen soll. Depressionen oder was auch immer sind ein ernsthaftes und wichtiges Thema und ein Problem, dass man nicht wegwischen kann. Aber der Film erzählt das nicht. Der Film erzählt diese Geschichte nicht. Das wird dem nicht gerecht. Kann ich da auch nicht andocken? Dann denke ich die ganze Zeit, ja, nee. Bin ich ganz bei dir. Ich brauch seine Geschichte nicht. Ich muss an seine Geschichte nicht andocken. Weil ich an ihre Geschichte genug andocken kann und vor allem an dieses Gefühl, als Kind eine Vorstellung davon zu haben, wie Geschichten funktionieren und wie Fantasie funktioniert. Und das auch erfüllt, die Erfüllung davon zu wollen. Und was für eine Irritation das auslöst, wenn das nicht erfüllt wird. Und was für eine Irritation das auslöst, wenn das nicht mit Erwachsenen und Ängsten und Problemen konfrontiert ist. Weil er ist natürlich, es ist total düster, was er erzählt wird. Er nutzt sie total aus. Er erzählt diese Geschichte, weil er die Tabletten haben will. Und wenn das nicht klappt, was er vorhat, dann wird er richtig arschig und macht ihr wirklich alptraumhafte Geschichten. Und sie ist da drin und sie kämpft dagegen und will da raus. Ja, das hat mich einfach bewegt. Ja, ja, also bewegt hat es mich am Ende ja, wie gesagt, eben auch. Ähm, ja, mir war das dann insgesamt einfach wirklich zu konfus, was in der erzählten Geschichte passiert und was im Film an sich passiert, ist ja auch relativ konfus erzählt. Und der Typ hat mich irgendwann zu sehr genervt. Ich weiß nicht, da wirklich... Ich finde, der Typ wird halt, der Protagonist, wird halt eigentlich erst stark dadurch, dass er mit dem Kind interagiert. Es ist die Paarung, die... Also das Kind ist das emotionale Epizentrum des Films. Und der Typ gewinnt einfach in der Paarung mit ihr. Also erwachsene Kindkonstellation. Da gibt es ja auch in der Filmgeschichte ein paar schöne Beispiele. Also als hätten wir es verabreden, sondern vielleicht auch da eine Westenliste. Haben wir, haben wir, haben wir. Oh mein Gott! Musik Unsere Liste. Wie heißt denn die Bestenliste, Ploar? Die Bestenliste heißt... Ähm... Ganz, ganz, ganz, ganz, ganz klassisch. Ich muss kurz einmal scrollen. Unsere Bestenliste ist heute... Erwachsenen-Kind-Duo. Es müssen nicht unbedingt Eltern und Kind sein, können natürlich Eltern und Kind sein. Ich habe versucht, tatsächlich auf Eltern-Kind-Konstellation zu verzichten, v.a. weil wir auch schon Topmütter hatten. Ich hatte übrigens bei Kommando kurz überlegt, ob ich eine Top-Väter-Liste mache. Was? Wäre auch ganz interessant gewesen, so als Kontrast zur Top-Mütter-Liste. Aber genau, wir haben Eltern-Kind-Konstellation in jeder vorstellbaren Variante. Und... Ja. Du musst loslegen, ich habe vorhin losgelegt. Stimmt, ich muss loslegen. Auf Platz 3, obwohl der Film eigentlich immer auf Platz 1 landen muss. Aber in diesem Fall, in dem Gespann ist es auf Platz 3, und zwar Jojo Rabbit. Darüber haben wir ja schon mal gesprochen. Adolf. Ich bin Adolf und der Kindeskind ist ein super Gespann. Ich finde es großartig. Ja, das sind sie auf jeden Fall. Wenn ihr mehr zu Jojo Rabbit hören wollt, unsere erste Episode überhaupt. Ja. Da reden wir sehr lange. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Bestimmt nicht so lange wie jetzt, wie wir im Moment über Filme reden. Aber 45 Minuten reden wir über Jojo Rabbit und über die Rolle von Hitler in dem Film und wie Hitler mit dem Film interagiert. Ganz tolles Gespann. Ich würde heute gerne mal was Ungewöhnliches machen bei meiner Top 3. Ich würde meinen Platz 3 gerne zurückhalten. Oh, okay. Weil ich dir den Platz 1 nicht nehmen will. Ach, weil du da auf meinen... Ich spekuliere darauf, dass mein Platz 3 der Platz 1 ist. Ich würde dich bitten, deinen Platz 2 zu machen. Und ich mache dann meinen Platz 2. Das ist sehr interessant, weil Platz 1 und Platz 2 bei mir unsicher sind, welcher wo ist. Okay. Ich spekuliere jetzt mal darauf, welchen Film du glaubst, dass ich Platz 1 habe. Und sage erst mal den Platz 2. The Kid. Das ist mein Platz 3. Verdammt. Den hätte ich dir auf der 1 gesetzt. Also, hätte ich gedacht, dass du den auf der 1 setzt. Aber ja, The Kid. Ich hätte ihn wahrscheinlich auf die Platz... Es ist ein Teil einfach. Eins und zwei sind einfach... Oder bin ich gespannt, was dein Platz 1 ist. Dann ist das auf jeden Fall was, was ich gerade nicht auf dem Schirm habe. Nee, das ist vor allem etwas, was nicht in meinen typischen Chaplin-Buster-Keaton- Debbie Reynolds-Ding fällt. Ja, Platz 2. Dein Platz 2, mein Platz 3, The Kid. Ein unglaublicher Film. Ja. 1921... Nee, nicht 1921. Doch, 1921. 1921, wow. Ach, was ich alles im Hinterstübchen noch weiß. Gerade mal in Ordinalfassung 67 Minuten, Neufassung von 1971, gerade mal 53 Minuten. Es ist ein unglaublich toller Film. Jeder einzelne Sekunde wert. Ja. Fantastisch. Für mich Chaplin, ja, peak Chaplin. Peak Chaplin? Ja, vielleicht. Der ist wirklich... Guckt ihn euch an. Wir sagen nicht zu viel dazu. Er hat einfach ein Kind adoptiert. Diese Beziehung zwischen ihm und ihrem Kind wird einfach dargestellt auf großartige Weise. Klassischer Tramp-Film. Das könnte man auch dazu sagen. Stummfilm. Chaplin ist Tramp in... Ja. Und wird wunderbar ergänzt durch dieses Kind. Das Kind, was wirklich toll ist. Das Kind musste an einer Stelle weinen im Film. Also sollte weinen. Ja. Weil es weggefangen wird. Von Authorities weggezogen werden soll von ihm. Das Kind soll weinen. Es weint und weint nicht. Es kriegt es nicht hin am Set. Mhm. Sie haben es zum Weinen gebracht, indem sie gesagt haben, wenn du jetzt nicht weinst, kannst du nicht weiterdrehen. Fuck. Das würde heute, glaube ich, so nicht mehr passieren. Übel. Und allein die Vorstellung davon, dass man nicht mehr mit Charlie Chaplin am Set sein darf, hat ihn zum Weinen gebracht. Ja. Na ja. Okay, dein Platz 2. Genau, dann wäre das jetzt mein Platz 2. Fahrraddiebe aus dem Jahr 1948 von Vittorio de Sica. Ein Klassiker des italienischen Neorealismus. Du guckst mich total fragend an. Ich kann dir sagen, schau dir diesen Film an. Es ist großartig. Es ist ein Film, der sich ganz stark mit Armut beschäftigt. Oh. Und mit, ja, ein sozialistischer Film zu sagen, ist vielleicht ein bisschen vieler, aber er beschäftigt sich mit der Arbeiterschaft, mit dem Proletariat und v.a. mit den Tagelöhnern in Rom. Es geht darum, dass ein, oh, ich hab ja doch ein Eltern-Kind-Konstellation drin. Antonio, der Erwachsene-Protagonist, arbeitet als Tagelöhner und kriegt einen Job als Plakatkleber. Und braucht dafür sein Fahrrad. Sein Fahrrad wird ihm gestohlen. Und dann ist er mit seinem Sohn in Rom unterwegs, um die Fahrraddiebe zu schnappen, um das Fahrrad zurückzukriegen. Und ich will jetzt auch nicht spoilern, was passiert. Also, es ist ein sehr trauriger Film, ein sehr bewegender Film. Und es ist toll, wie der Sohn auf seinen Vater blickt und wie der Vater auf seinen Sohn blickt. Weil das wird nach und nach erzählt, während sie unterwegs sind, in der verzweifelten Suche nach dem Fahrrad. Das ist eine Lebensgrundlage, es geht einfach mal ums Überleben. Toller Film. Ja, also, wenn man den ultimativen neorealistischen Film sehen will aus dieser Zeit, dann muss man diesen Film sehen. Auch hochgelobter Klassiker. Ich glaub, wenn du Neorealismus und Italien googelst, kommt das als allererstes. Sehr bewegender Film, sehr spannender Film. Und nach wie vor politisch auch brisanter Film. Cool. Mein Platz eins. Dein Platz eins. The Kid. Nein. Leon, der Profi. Oh, ja, gute Wahl. Ja, schön. Warum hast du daran nicht gedacht? Zum einen hätte ich den nicht als Johannes-Film auf dem Schirm zwingen. Ich weiß, dass du den Film magst, weil wir haben uns schon über den Film unterhalten. Vielleicht haben wir ihn sogar schon zusammen geguckt. Kann auch sein, ja. Aber es ist jetzt einfach kein klassischer Johannes-Film. Wenn ich sage, welcher Film ist eher Johannes, Leon, der Profi oder The Kid, dann würde ich sagen The Kid. Aber Leon, der Profi, hat eine Kraft, die einfach unglaublich ist. Mit einer ganz jungen Natalie Portman, ne? Die so viel Energie versprüht in diesem Film. Und so eine Spiellust und so eine... Ah! Und er macht das so großartig. Jean Reno. Jean Reno, genau. Nimmt das so auf. Und... Ah! Dieses Gespann und diese Gegensätze, diese Aufeinander-Treffel. Sie sind so eine Brut zusammenraufen. Ein tödliches Duo. Jaja. Sehr tödlich. Krass. Wirklich toller Film. Leon, der Profi. Wirklich krass. Anfang 90er, ne? Muss ich googeln? Hab ich nicht im Kopf. 1994. Okay. Und es ist ein amerikanischer Film. Aber von Luc Besson, ne? Der viele gute Filme gedreht hat. Dann mal dein Platz 1. Mein Platz 1 ist, ich bin schon wieder in Italien. Wo? Paradiso aus dem Jahr 1988. Du nixst? Ich hoffe, du kennst den Film. Nein, du kennst den nicht? Ah, schade. Das ist ein Johannes-Film. Okay. Es wird erzählt von dem Film-Rechiseur Salvatore. Mhm. Der sich an seine Kindheit in einem kleinen Fischerdorf in Italien erinnert. Und es geht darum, dass er... Er fährt an den Ort seiner Kindheit zurück und er erinnert sich, wie es als Kind war. Und im Zentrum dieser Kindheit steht seine Freundschaft mit einem Filmvorführer. Mit dem Filmvorführer Alfredo. Mhm. Und er darf als Kind bei ihm arbeiten, weil der nicht mehr sehen kann. Okay. Und darf die Filme vorführen. Und bekommt durch ihn die Liebe zum Kino gezeigt. Und es ist eine erwachsene Kindkombi, die vor allem die Liebe zum Film und die Liebe zum Kino erzählt. Okay. Und der Film ist die schönste Liebeserklärung an das Kino, die man sich vorstellen kann. Schön. Ganz nostalgisch, ganz romantisch, teilweise vielleicht auch ein bisschen romantisiert. Aber toll erzählt zwischen Gegenwart und Vergangenheit und immer wieder mit der Liebe zum Film. Und wie diese Liebe zum Film in den Erwachsenen geweckt wurde. Großartiger Film, 1988 kann ich nur empfehlen. Schön. Ja. Ja, dann kommt er auf die Liste. Die Liste. Irgendwie habe ich das Gefühl, jeder einzelne meiner Top-3-Filme hätte dir besser gefallen als The Fall. Ja, ich glaube auch. Was traurig ist, weil The Fall, um mal wieder zurückzukommen, war schön anzusehen. Ich hatte das Gefühl, dass alle diese Ideen ganz wunderbar hätten passen können und sich zusammenfügen können, wenn da nicht so ein paar Fehler gemacht hätte, die mich da immer wieder rausgerissen haben. Wie eben, dass wirklich die Hauptfigur nichts will und nicht ausreichend genug sterben will, um das voranzutreiben irgendwie. Weiß nicht. Es gibt, um mal den Hintergrund zu erzählen, warum mir das jetzt gerade so wahnsinnig wichtig ist, ich bin als Schauspieler. Es gibt eine Technik, die heißt Chabak, von Ivana Chabak ins Leben gerufen, wo so Hauptbedürfnisse von Figuren, die man als Schauspieler spielt, nach vorne gedrückt werden. Dass du sozusagen hauptsächlich darüber spielst, dass dein Hauptbedürfnis in deinem Leben befriedigt wird, damit du eine klare Linie spielen kannst im Film über. Damit der Zuschauer daran andocken kann an diesem Hauptbedürfnis. Du kannst verstehen, wenn jemand nach Sicherheit sucht im Leben. Kannst du als Zuschauer super verstehen. Du weißt sofort, aha, okay, ja, das kenn ich. Dann willst du da andocken. Dann machst du es natürlich alles komplexer, wenn du dich abarbeitest. Wenn die Figur kein Hauptbedürfnis hat, was soll ich denn andocken? Und wenn das Hauptbedürfnis ist, ich will sterben, dann muss das aber auch eine Rolle spielen. Ich glaube, du hast dich an der falschen Figur festgehalten. Du hast zu sehr versucht, dich am Amaxen festzuhalten. Ich mach dir keinen Vorwurf. Ich bin ein bisschen enttäuscht. Nicht wütend, enttäuscht. Nur enttäuscht. Was ist denn dein Fazit? Für mich eine der schönsten Liebeserklärungen an die kindliche Fantasie. Und an die Möglichkeit, Geschichten zu erzählen und Geschichten zu variieren. Dass visuell Atemberaubende alles zur Seite gekehrt. Auch eine tolle Auseinandersetzung damit, was passiert, wenn Erwachsene und kindliche Bedürfnisse aufeinandertreffen. Und die auch die Stärke erzählt, die Kinder haben, wenn sie ihre Bedürfnisse durchsetzen wollen im Fantastischen. Eine tolle Fantasterei. Ein bisschen gesponnen, ein bisschen convoluted. Auf jeden Fall gebe ich dir vollkommen recht. Aber in seinen emotionalen Momenten, in den wichtigen emotionalen Momenten so stark, dass das alles vergessen ist. Und zwar die emotionalen Momente des Kindes. Das ist visuell beeindruckend genug, dass man über sehr viele kleine Story-Patzer hinwegsieht. Plus, die Story-Patzer passen auch einfach zu der Art der Geschichte. Ein 5-Jähriger oder eine 5-Jährige kann keine klar stringente Geschichte erzählen. Aber ausgerechnet in dem Moment realistisch erzählen zu wollen, dass ein Kind das halt nicht kann. Und alles andere ist unrealistisch. Es passt einfach. Der einzige Treffer von Tarzem Singh. Der hat ja sonst nix gemacht. Aber hier hat er einen Volltreffer gelandet. Wir werden von ihm nichts mehr sehen, was diese Qualität hat. Und es ist schade, dass dieser Film vergessen wurde. Weil ich glaube, dieser Film hat eigentlich das Zeug zum Klassiker. Auch wenn viele, viele Leute andere Meinungen sind. Schaut ihn euch an, bildet euch selbst einen Urteil. Danke, dass du mir diesen Film gezeigt hast. Danke, Johannes, dass du ihn geschaut hast. Dass du ihn geschaut hast. Nein, wir brauchen mehr Kontroversen. Das Tolle bei Siskel und Ebert ist, dass sie ständig unterschiedlicher Meinung sind und sich dabei gegenseitig beleidigen. Wir sind viel zu nett zueinander. Wen meinst du Siskel und Ebert? Was ist das? Das müssen wir rausschneiden. Das ist eine große Wissenslücke. Roger Ebert und Gene Siskel, die Filmkritiker Amerikas der 60er, 70er, 80er, 90er, 2000er, und die haben zusammen, du musst, okay, Google auf YouTube. Siskel und Ebert. At the Movies. Können wir einfach das literarische Quartett als Variante nehmen, deutsche Variante? Ja, genau. Aber Siskel und Ebert ist geil. Guckst dir an, das sind fünf Minuten, wo sie sich über Filme streiten. Wir streiten eine Stunde ohne Treffer. Fürs amerikanische Fernsehen aktuelle Filme. Sie hatten immer zehn Filme pro Sendung. Aber jeder hat fünf ausgesucht. Sie waren oft unterschiedlicher Meinung. Das Geile ist, sie sind die geachtetsten Kritiker in Amerika. Ihr Wort ist Gold. Aber sie haben ganz oft daneben gehauen und auch zukünftige Klassiker total falsch eingeschätzt. Dann so was gesagt wie Taxi-Triver ist totaler Müll. Ein effektives Beispiel. Taxi-Triver waren sie sich wahrscheinlich einig. Aber es gibt einige Filme, wo sie echt drüber herziehen und im Nachhinein haben, die sich als Klassik einpuppt. Okay, spannend. Na gut, wir müssen also öfter daneben liegen. Das ist die Konklusion dieser Folge. Bleibt dran, wenn ihr wissen wollt, wie es nächste Woche weitergeht. Ich bin schon gespannt. Bis dahin, tschüss. Untertitel im Auftrag des ZDF für funk, 2017 Untertitel im Auftrag des ZDF für funk, 2017 Untertitel im Auftrag des ZDF für funk, 2017 Untertitel im Auftrag des ZDF für funk, 2017 So, wir müssen ja noch fürs nächste Mal besprechen. Ja, müssen wir. Oh Gott, nach dem Gespräch kann ich gar nicht mehr denken. Was heißt du denn für mich für nächste Woche? Ich kann leider keinen sächsischen Akzent machen. Das war noch nicht mal mein Sächsisch. Bring mal dein Sächsisch. Also, plot. Was haben wir denn? Ich habe für dich einen Film aus den 70ern wieder. Ich mache ja gerade meine 70er-Liste. Und einen Film, den ich auf meiner Noch-zu-sehen-Liste habe. Das heißt, einen Film, den ich auch noch nicht gesehen habe. Okay. Der aber zum einen als Klassiker des Historienfilms gilt und zum anderen von einem Regisseur ist, visuelle Stärke als auch für seine narrative Stärke, 1900 von Bernardo Bertolucci aus dem Jahr 1976. Der berühmte 1900, ja, ja. Okay. Novo Cento ist tatsächlich nicht so berühmt. Der Film ist auch ein bisschen in Vergessenheit geraten, eine Zeit lang. Und hat jetzt vor einigen Jahren ein neues Release gekriegt als Blu-ray oder DVD im Director's Cut. Hätten wir jetzt eine Kamera, würde ich das Ding in die Kamera halten. Es ist nämlich eine wirklich total schöne Edition, die ich jedem Liebhaber ans Herz legen kann. Auch wenn ich noch nicht weiß, wie der Film selbst ist. Es ist einfach eine wunderschöne DVD-Box von Koch Media, soweit ich weiß. Okay, dann werden wir nächste Woche über die Box reden, weil der Film war nicht so toll. Den hast du auch noch nicht gesehen? Ich kenne diesen Film nicht, nein. Was hast du denn für mich? Ich glaube, du hast wahrscheinlich von mir schon öfter mal gehört, weil der Film am meisten Einfluss in meiner Jugend auf mich hatte und meinen Stil und alles und überhaupt, mein ganzes Leben. Hängt nur von diesem Film ab. Benny und June. Die kennst du sicher, oder? Diesen Film habe ich zum ersten Mal mit dir zusammen gesehen. Vor 10 Jahren wahrscheinlich. Das heißt, ich habe auch dich infiziert? Du hattest damals auch mich infiziert. Wie schön ist das denn, cool. Ich habe ihn das letzte Mal vor 10 Jahren gesehen. Was der Rewatch sagt. Ach, wie cool. Ich freue mich sehr auf nächste Woche. Vielen Dank für diese Woche. Ich freue mich auch.
