Episode 14: 1900, Benny & Joon

In unserer vierzehnten Episode beschäftigen wir uns mit dem opulenten Historienepos 1900 aus dem Jahr 1976 sowie der nostalgischen Romcom Benny & Joon aus dem Jahr 1993. Wieder einmal zwei Filme, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Ein großes, überlanges, überambitioniertes politisches Werk aus Europa, das den Sozialismus und das einfache Bauernleben feiert und versucht die Geschichte eines halben Jahrhunderts nachzuzeichnen. Auf der anderen Seite ein wilder und herzlicher Feel Good Movie, der den Humor und die Ästhetik der klassischen Stummfilmcomedy zelebriert und sich bemüht, ein ganz intimes, menschelndes Porträt zweier Liebenden am Rande der Gesellschaft zu zeichnen. Auf der einen Seite zu viel, auf der anderen Seite zu wenig? Für Gesprächsstoff ist gesorgt…

Wie immer gibt es auch wieder zwei passende Bestenlisten. Wir suchen nach den stärksten Historienfilmen, die im 20. Jahrhundert spielen. Und wir werden einmal ganz persönlich, mit den Filmen, die uns in unserem Leben am meisten beeinflusst haben. Dabei springt dieses Mal sogar gleich ein Filmvorschlag für nächste Woche heraus.

1900 [Bernardo Bertolucci]

(Italien 1976)

Der italienische Regisseur Bernardo Bertolucci wurde ziemlich überraschend in den 80er Jahren so etwas wie ein kleiner Darling des epischen Historienfilms. Mit Werken wie Der letzte Kaiser, Himmel über der Wüste oder Little Buddha inszenierte er prachtvolle, visuell beeindruckende Filme, die sowohl Publikum als auch Kritik ins Schwelgen brachten. Dabei stand der Regisseur die Jahrzehnte zuvor eigentlich noch für kompromissloses und radikales Kino, irgendwo zwischen politischer und persönlicher Revolte. Verantwortlich für die plötzliche Entdeckung des Historischen Epochalen war nicht nur Bertoluccis Enttäuschung über die Entwicklung der italienischen Politik und Gesellschaft sondern vor allem auch ein Film: 1900 beziehungsweise Novecento aus dem Jahr 1976. Dank des unerwarteten Erfolgs des Films Der letzte Tango in Paris konnte Bertolluci hier seine schon lange bestehende Vision wahr werden lassen, ein Gesellschaftsporträt über das Italien der ersten Jahrhunderthälfte zu verfilmen.

Im Mittelpunkt stehen zwei Menschen, die am selben Tag im Jahr 1901 geboren werden und deren Leben – so verschieden sie sind – immer wieder miteinander verknüpft werden. Alfredo (gespielt von Robert DeNiro) ist Sohn einer reichen Gutsherrenfamilie und soll irgendwann Grund und Gut seines Vaters und Großvaters erben. Olmo (gespielt von Gerard Depardieu) ist ein einfacher Bauernsohn, dessen Familie als einfache Landarbeiter für den Gutsherrn arbeiten. Alfredo und Olmo werden Freunde, aber auch Kontrahenten und Feinde. Sie durchleben die wilden Jahre im Italien des frühen 20. Jahrhunderts: Von der Belle Epoque über den erstarkenden Sozialismus, die Wirrungen des Ersten Weltkriegs bis zur Geburt der faschistischen Bewegung und der Herrschaft des Nationalismus. Bertolucci erzählt ihre Geschichte jedoch nicht als komplexes, monumentales Gemälde, sondern als schlichte Fabel, die stets an einem Ort verharrt und im ländlichen Norditalien alle Konflikte dieser Zeit verhandelt.

Persönliche Lebensgeschichte, historisches Panorama, politische Kampfschrift? Darüber kann man sicher geteilter Meinung sein. Fest steht jedenfalls, das 1900 Bertoluccis Opus Magnum ist: Über fünf Stunden Laufzeit, viel Geschichte, viele Anekdoten, viel sozialistische Leidenschaft. Zu viel von alledem, Johannes?

Benny & Joon [Jeremiah S. Chechik]

(USA 1993)

DER Film meiner Jugend. Ich kann diesen Film mitsprechen.Auf deutsch UND auf englisch. Die 1993 erschienene Komödie von Jeremiah S. Chechik erzählt die Geschichte des namengebenden Geschwisterpaars Benny und Joon Pearl und dem, beim Poker in die Familie gewonnenen Sam. Die Besonderheit: Joon hat eine oder mehrere nicht näher definierte psychische Krankheiten, die Sam und Joon aber nicht davon abhält sich ineinander zu verlieben. Benny allerdings ist davon nicht so begeistert, und so müssen die Liebenden ganz klassisch dramatisch um ihre Liebe kämpfen und finden, weil es eben doch eine Komödie ist, am Ende zusammen.Ein Film über… ja worüber eigentlich? Plor?

Vor allem Hoffnung würde ich sagen, Hoffnung, dass Menschen jeder Ausgangslagen den sprichwörtlichen Deckel zum Topf finden können – und ist damit hoffnungslos romantisch. Oder was würdest du sagen, Plor?