Episode 21: James Bond 007 – Moonraker – Streng geheim, Wie im Himmel
Pathos, Spaß, Action und Kitsch stehen im Fokus unserer 21. Episode. Mit Moonraker aus dem Jahr 1979 haben wir den wohl am meisten überzeichneten, schrägsten James Bond Film überhaupt vor uns. Wie im Himmel aus dem Jahr 2004 auf der anderen Seite ist eine pathetische Ode auf das dörfliche Leben und die Macht der Musik. Wird Johannes an der trashigen – bei Bond-Fans allgemein unbeliebten – Bond-Variante ähnlich diebische Freude haben wie Plor? Und wie kommt Plor mit der transzendentalen Sentimentalität des schwedischen Publikumshits zurecht? Dem werden wir in unserer aktuellen Diskussion auf den Grund gehen.
Natürlich gibt es auch wieder ein paar redaktionelle Filmempfehlungen. In den Bestenlisten dieser Episode schauen wir auf die Meisterwerke des Agentenfilms und Spionagethriller-Genres und auf die schönsten filmischen Liebeserklärungen an die Musik.
James Bond 007 – Moonraker – Streng geheim [Lewis Gilbert]
(Großbritannien 1979)
Sein Name ist Bond, James Bond. Und er ist wahrscheinlich der beliebteste Geheimagent der Filmgeschichte. Obwohl oder gerade weil seine Filme immer der gleichen Formel folgen, extrem schematisch sind, begeistern sie seit 1962 eine treue Fangemeinde. Sein Name ist Moore, Roger Moore. Und obwohl er in insgesamt sieben Filmen als 007 seinem Vorgänger Sean Connery quantitativ ebenbürtig ist, stand er als Bond Nummer zwei (oder Nummer 3 wenn man es genau nehmen will, oder Nummer 4 bzw. Nummer 5 wenn man es richtig genau nehmen will) immer in dessen Schatten.
In Moonraker (mit dem deutschen Zusatztitel “Streng geheim”) aus dem Jahr 1979 durfte er in dem für eine lange Zeit teuersten Bond-Film die Hauptrolle übernehmen. Wie üblich hat die Story nichts mit der gleichnamigen Vorlage von Ian Flemming gemein: Das Space Shuttle Moonraker wird entführt, und James Bond wird vom MI6 damit beauftragt, die teure Raumfähre wiederzufinden. Dafür reist er von deren Herstellungsfabrik in Kalifornien über Venedig bis nach Brasilien, kämpft mit einem alten Widersacher und muss sich im großen Finale gar im Weltraum gegenüber einem Superschurken behaupten, der … naja … was sonst, die ganze Menschheit ausrotten könnte.
Moonraker gilt gemeinhin als schwacher oder gar schwächster 007-Film, insbesondere bei eingefleischten Bond-Fans. Kein Wunder: Mit seiner übertriebenen, trashigen Art hält er der gesamten Serie den Spiegel vor. Er ist praktisch die Quintessenz der Franchise, mit allem, was dazu gehört: Verschwenderische Reisen, Easy Sex, unrealistische Actionsequenzen, übermenschliche Gegenspieler und ein Roger Moore, dessen Blick jederzeit zu fragen scheint “Wo zur Hölle bin ich da reingeraten?”. Aber genau deswegen ist er vermutlich auch der unterhaltsamste Film der Reihe, wunderbar pulpig, absurd und Over the Top. Für mich mehr als nur ein Guilty Pleasure.
Für dich vielleicht auch Johannes? Oder nicht einmal das?
Wie im Himmel [Kay Pollak]
(Schweden 2004)
Das Musikfilm-Drama Wie im Himmel aus dem Jahre 2004 von Kay Pollak ist eine Liebeserklärung an die Musik, an die Menschen und an das Leben. Der Versuch eines Weckrufes an die kommerzialisierte Musikindustrie und ein Appell an Solidarität.
Stardirigent Daniel Dareus erleidet einen Herzinfarkt, mitten in einem seiner kräftezehrenden Konzerte. Er kommt zur Einsicht, dass er sein vielbeschäftigtes Leben ändern muss. So gelangt er in das Dorf seiner Kindheit und wird hier erstmal nicht als Heimkehrer, sondern nur als Stardirigent erkannt. Er übernimmt die offene Kantorenstelle und lernt die Dorfbewohner zu lieben. Besonders Lena…
Schwedens karge Landschaft entfaltet hier ihre Schönheit, es entsteht ein Panorama menschlicher Leidenschaften und Schwächen, aber auch liebenswürdiger Skurrilitäten. Der Film reizt nur wenige seiner Erzählungen aus, gleitet nur selten in großen Pathos ab… nur einmal aber dann heftig. Am Ende. Aber das hat er sich wirklich verdient – oder was meinst du Plor?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 21: James Bond 007 – Moonraker – Streng geheim, Wie im Himmel Publishing Date: 2021-05-26T08:18:06+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/05/26/episode-21-james-bond-007-moonraker-streng-geheim-wie-im-himmel/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast? Nein, eigentlich nicht, aber ich. Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können. Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee. Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeige dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest.
Florian Bayer: Das heißt so Musicals aus den 50ern?
Johannes Franke: Von mir, für dich, genau.
Florian Bayer: Und koreanische Filme? Mit russischen Untertiteln, von mir, für dich. Oh Gott, okay. Aber du weißt, dass das für Menge Streit sorgen kann. Äh, definitiv, das wird lustig.
Johannes Franke: Hallo! Herzlich willkommen zum James-Bond-lastigen Podcast heute hier. Plor, wie war deine James-Bond-Woche? Ich hoffe, sie war voller Action und Explosionen und Laser.
Florian Bayer: Du wirst es nicht glauben, ich habe tatsächlich diese Woche und eigentlich davor schon viele James-Bonds aus den 70ern geguckt. Ich habe nämlich einen Text geschrieben über alle Bonds, die in dieser Zeit produziert wurden. Okay. Und habe zu allen nochmal geschrieben, ob sie sehenswert sind oder nicht. Das heißt, ich bin voll im Bond-Rausch.
Johannes Franke: Aber wie viele James-Bonds wurden in den 70ern gedreht? Ich meine, das ist doch immer nur so alle paar Jahre was. Es ist tatsächlich überschaubar. Es sind fünf insgesamt. Okay.
Florian Bayer: Das ist überschaubar.
Johannes Franke: Das ist schon viel.
Florian Bayer: Einer mit Connery, der quasi letzte Connery und dann vier mit Roger Moore. Okay. Und es sind weniger als in den 60ern, aber auch nicht so viele. In den 60ern waren es insgesamt sechs Bond-Filme. Ja, sechs, nee sieben, wenn man den mit George Lazenby mitrechnet gerne übergangen wird. Wollen wir unsere Zuschauer erstmal herzlich willkommen heißen.
Johannes Franke: Herzliche Willkommen zum Muss-man-sehen-Podcast, wo wir über Filme reden, die wir uns gegenseitig aufs Auge gedrückt haben. Genau. Und von denen wir hoffen, dass der andere den mag, aber vielleicht auch eher nicht. Vor allem in dem Sinne, dass ich versuche, deinen Horizont-Plore zu erweitern. Hast du das diese Woche auch versucht oder wolltest du nur trollen?
Florian Bayer: Ich wollte deinen Horizont sowas von erweitern. Das war kein Getrolle. Aber ich kann total gut verstehen, dass man das als Getrolle auffassen könnte. Es ist nämlich ein besonderer Bond, den ich ausgewählt habe. Und zwar keiner der großen Klassiker mit Sean Connery, sondern ein Film mit dem oft verkannten Bond-Darsteller Roger Moore. Und zwar einer der unbeliebtesten mit ihm, Moonraker, streng geheim aus dem Jahr 1979.
Johannes Franke: Und du hast letzte Woche gesagt, dass der das einer deiner Lieblings-James-Bondse ist? Definitiv. Bist du einfach nur James-Bond-Hasser und der ist nur am wenigsten schlimm, weil er besonders viel Trash zu bieten hat oder was?
Florian Bayer: Ich bin überhaupt kein Bond-Fan. Ich auch nicht. Ich bin aber auch kein Bond-Hasser. Ich finde, das sind so Filme, die so vorbeirauschen. Und das macht Moonraker irgendwie nicht, weil er zu sehr drüber ist, als dass er einfach vorbeirauschen könnte. Stimmt, er kann nicht vorbeirauschen. Dafür ist er zu laut und zu aufmerksam heischend. Bevor wir zu James Bond kommen, du hast auch was für mich, ne?
Johannes Franke: Ich hab auch was für dich, lieber Plor. Ich habe für dich Wie im Himmel aus Schweden aus dem Jahr 2004. Und ich bin sehr gespannt, wie du den fandest, ob er deinen Horizont erweitert hat.
Florian Bayer: Das heißt, wir haben einmal Agenten, Action-Komödie, Thriller, whatever aus den 70ern.
Johannes Franke: Und einmal Musical, naja, nicht Musical, aber so Musik, Drama, Kunst. Liebesbrief an die Musik. Liebesbrief an die Musik. Habe ich in meinem Einleitungstext auch stehen. Das bietet sich einfach so an. Und dann legen wir los mit James Bond. Ich würde sagen, wir legen los mit James Bond. Ich fahre jetzt das Konzept wie Maja das letzte Mal. Oh, ich muss erst mal meinen Frust loswerden, bevor wir in die richtigen Sachen reingehen können. Möchtest du ein Martini? Oh, oh ja, gerne. Bitte gieß mir Martini ein. Geschüttelt, nicht gerührt. Damit hast du ja schon so ein bisschen James-Bond-Kenntnis bewiesen. Ja, danke, danke. Das ist das Einzige, was ich kenne, glaube ich.
Florian Bayer: Ich sehe gerade nicht, wo ich hingieße. Das heißt, du musst es schon sagen.
Johannes Franke: Danke, es hat überhaupt nicht funktioniert. Aber vielen Dank.
Florian Bayer: Ich müsste aufstehen, um das vernünftig zu machen, weil wir halten ja einen vernünftigen Sicherheitsabstand.
Johannes Franke: Von 20 Zentimetern. In Covid-Zeiten. So viel sind 20 Zentimeter, ich sag's dir. None|Okay. Verdammt, der musste echt sein. Warum habe ich den jetzt rausgeholt? Autsch.
Florian Bayer: Und der funktioniert auch eigentlich nur visuell. Ja, aber ich glaube, es kann sich jeder vorstellen. Aber es ist gut, so ein bisschen Penishumor kann man ja durchaus anbringen, wenn gleich über James Bond geredet wird.
Johannes Franke: Genau, wenn es jetzt um diesen Film geht speziell. Also wirklich, ich würde dich erst mal bitten, einen einzuführen in den Film und dann ... Dann renntest du los.
Florian Bayer: Hast du dich von Maya letzte Woche inspirieren lassen. Wenn ihr übrigens einen wirklich guten Rant über einen Film hören wollt, den wir ausgesucht haben, den wir beide mögen, dann müsst ihr die Folge von letzter Woche hören. Und da hatten wir Maya als Gast und haben ihr Melancholia gezeigt. Und Spoiler, sie mochte den Film nicht so sehr.
Johannes Franke: Sie hat ganz schön vom Leder gezogen. Oh ja. Muss man mal sagen. Also es hat sehr viel Spaß gemacht, aber es tat mir ein bisschen leid um den armen Film.
Florian Bayer: Ja, das stimmt auch. Das war kein Podcast, das war eine Hinrichtung.
Johannes Franke: Ja. Um Lars von Trier tut's mir nicht wirklich leid. Der darf einiges aushalten müssen. Das finde ich.
Florian Bayer: Ich glaube, der kann es auch verkraften, wenn bei einem kleinen Podcast in Deutschland
Johannes Franke: über seinen Film gelästert wird. Okay, aber diesmal lästern wir über James Bond Moonwrecker. Was hast du dir dabei gedacht? Meine Güte. Alles andere, was du mir zeigst, was ich für gut befinde, sind es nur Finten, um mir eigentlich Trash vorzusetzen. Fuck, du hast mich voll erwischt.
Florian Bayer: Ich fühle mich so enttarnt. Aber lass uns doch mal einsteigen, dann schauen wir mal, wie viel Trash das tatsächlich ist. Sehr schön. Dann lies doch mal deine Einleitung vor. Sein Name ist Bond. James Bond. Tut mir leid. Und er ist wahrscheinlich der beliebteste Geheimagent der Filmgeschichte. Obwohl oder gerade weil seine Filme immer der gleichen Formel folgen, extrem schematisch sind, begeistern sie seit 1962 eine treue Fangemeinde. Sein Name ist Moore. Roger Moore. Und obwohl er in insgesamt sieben Filmen als 007 seinem Vorgänger Sean Connery quantitativ ebenbürtig ist, stand er als Bond Nummer zwei oder Nummer drei, wenn man es genau nehmen will, oder Nummer vier, beziehungsweise Nummer fünf, wenn man es richtig genau nehmen will, immer in dessen Schatten. In Moonraker, mit dem deutschen Zusatztitel Streng Geheim aus dem Jahr 1979, durfte er in dem für eine lange Zeit teuersten Bond-Film die Hauptrolle übernehmen. Wie üblich hat die Story nichts mit der gleichnamigen Vorlage von Ian Fleming gemein. Das Space Shuttle Moonraker wird entführt und James Bond wird vom MI6 damit beauftragt, die teure Raumfähre wiederzufinden. Dafür reist er von deren Herstellungsfabrik in Kalifornien über Venedig bis nach Brasilien, kämpft mit einem alten Widersacher und muss sich im großen Finale gar im Weltraum gegenüber einem Superschurken behaupten, der, naja, was sonst, die ganze Menschheit ausrotten will. Moonraker gilt gemeinhin als schwacher oder gar schwächster 007-Film, insbesondere bei eingefleischten Bond-Fans. Kein Wunder. Mit seiner übertriebenen, trashigen Art hält er der gesamten Serie den Spiegel vor. Er ist praktisch die Quintessenz der Franchise mit allem, was dazu gehört. Verschwenderische Reisen, Easy Sex, unrealistische Action-Sequenzen, übermenschliche Gegenspieler und ein Roger Moore, dessen Blick jederzeit zu Fragen scheint, wo zur Hölle bin ich da reingeraten? Aber genau deswegen ist er vermutlich auch der unterhaltsamste Film der Reihe. Wunderbar palpig, absurd und over the top. Für mich tatsächlich mehr als nur ein Guilty Pleasure. Für dich vielleicht auch, Johannes? Oder nicht einmal das? Nicht einmal das? Nicht einmal das?
Johannes Franke: Hopploa. Hau raus. Was hast du mir da angetan? Ich werde passend zum Film nicht darauf verzichten, auch die billigsten Gags einzubringen. So viele werden mir nicht einfallen, aber ich glaube, ich werde mich einfach nicht zurückhalten, diesmal mit irgendwelchen Scheiß-Kommentaren. Auf jeden Fall. Ich finde, der Film fasst sich sehr gut selbst zusammen. Gleich am Anfang, wenn sie fragen, wo Bond ist und einer von denen, die im Gespräch sind, sagt, he's on his last leg, sir. Und wir sehen einen Schnitt, wie seine Hand über die, das Bein einer Frau streicht. und dann hoch. Ich weiß nicht, dieser Film hat es irgendwie, hat nichts von dem, was ich dachte, was James Bond wäre, ernst genommen, glaube ich. Oder? Oder hat er irgendwie wirklich ernsthaft versucht, einen James Bond zu machen?
Florian Bayer: Nein, ich glaube nicht. Ich glaube tatsächlich, und das ist das Tolle an dem Film, dass er das alles so satirisch überzeichnet. Weil im Grunde genommen ist das, was er macht, ist alles das, was James Bond macht. Zum Beispiel dieser Schnitt von MI6 debattiert darüber, wo ist denn unser Superagent? Und ein Q muss dann so sagen, ja, wissen wir nicht genau, aber er macht vielleicht das und das gerade. Schnitt, und wir sehen Bond, wie er irgendeine Frau verführt. Und das ist ja wirklich ein Hauptmotiv der Bond-Reihe. James Bond hat Sex. In diesem Film mit drei Frauen, ne? Sind es nur drei? Ja, es sind nur drei Frauen. Ich bin irgendwann nicht mehr mitgekommen. Es gibt drei Bond-Girls, ein Haupt-Bond-Girl und zwei Neben-Bond-Girls. Und James Bond hat in diesem Film immer Sex mit allen Geheimagentinnen, mit allen Schurkinnen, denen er über den Weg läuft. Und er hat auch immer diesen Easy-Sex. Er trifft eine Frau und dann, hey, wir haben noch eine halbe Stunde Zeit. Es ist doch klar, was wir machen müssen. Natürlich ist klar, was wir machen müssen. Und fertig. Aber sie reden auch nicht drüber. Nein, es gibt keine Verführung, sondern es ist wirklich
Johannes Franke: überhaupt keine Verführung. Ich finde es so absurd. Jedes Mal, wenn es anfängt, wenn es einen Kuss gibt, denke ich, hä? Moment, Moment. Wie sind wir jetzt dahin gekommen? Was?
Florian Bayer: Und das ist, aber das ist James Bonds Sexleben in a Nutshell. Das ist in jedem Bonds-Film so. Nein, in den letzten Bond-Filmen nicht mehr. Okay, ja, das sind keine Bond-Filme. Lassen wir mal Daniel Craig raus. Wir reden über die klassischen Bond-Filme aus den 60er Jahren, also Sean Connery Bonds und aus den 70ern Roger Moore Bonds. Es ist immer so, er trifft eine Agentin oder eine Schurkin oder eine femme fatale, ist eigentlich vollkommen egal, er trifft eine Frau. Und es ist so klar, er wird mit dieser Frau Sex haben. Und es gibt keinen großen Weg dahin. Also es ist nicht so, dass die ein Date haben oder miteinander flirten würden. Nicht mal das, nicht mal Anfugung flirten. Und es hat auch nichts
Johannes Franke: mit der Story zu tun. Nein, überhaupt nicht. Das heißt, man kann es rausschneiden problemlos und es würde genau die gleiche Story bei rauskommen. Du hast nur, jetzt plötzlich küssen sie sich, plötzlich sind sie im Bett und plötzlich geht die Story weiter. Genau. Warum?
Florian Bayer: Absolut kleine Jungfantasie und nichts anderes. Und das ist Bond ja durch und durch. Das sind ja nicht nur die Sexszenen. Du hast bei Bond die Gadgets. Weißt du, so jeder kleine Junge träumt von einem Auto, das über eine Klippe springt, im Wasser landet und dann die Reifen einfährt und zum U-Boot wird. Gibt es in diesem Film nicht. Aber in diesem Film gibt es natürlich viele Autos.
Johannes Franke: Eine Gondel, die plötzlich in ein Motorboot ist und dann auf der Straße fährt. Was ist denn da los? Was soll denn das? Das sind Träume von kleinen Jungs, die da erfüllt werden. Ich habe gedacht, man könnte aus diesem Film ein Trinkspiel machen. Jedes Mal, wenn irgendwie irgendein sexistischer Kommentar kommt oder wenn zu viel nackte Haut drin ist oder wenn irgendein sinnloses Gadget dabei ist.
Florian Bayer: Aber nackte Haut immer wunderbar in dieser verklemmten 60er, 70er Jahre Ästhetik. Wir sehen nämlich keine Nippel und wir sehen auch nicht mal den Anflug von Schambehaarung. Und wenn irgendetwas ist, wenn eine nackte Frau aufstehen muss, hat sie auf jeden Fall immer irgendwas, was sie sich überwerfen kann, was perfekt die Brüste abdeckt.
Johannes Franke: Und zwar auch perfekt den Rest des Körpers in ein Licht bringt, das sehr erotisch würde ich nicht sagen. Das hat der Film nicht geschafft.
Florian Bayer: Du hast beim letzten Mal gesagt, du bist kein Bond-Fan. Und du hast gesagt, Goldfinger kennst du wahrscheinlich, der auch gemeint, dass einer der besten Bonds gilt.
Johannes Franke: Genau, und ich glaube, ich habe den mit Christoph Walz gesehen. Christoph Walz hat doch mal einen Bösewicht. Ja, den Bruder von Bond, ne? Das kann sein.
Florian Bayer: Das sind die neuen Daniel-Craig-Filme, wo ich mich tatsächlich nicht so gut auskenne, weil ich Daniel Craig nie so geil fand, weil er mir einfach keinen Spaß gemacht hat. Du meinst, er ist zu ernsthaft James Bond? Nicht zu ernsthaft James Bond. James Bond ist nicht ernsthaft. Also, vielleicht in den Romanen, vielleicht in den Ian-Flemming-Vorlagen. Aber die James Bond-Filme aus den 60er-Jahren, die großen, die Meisterwerke, die von allen abgefeiert werden, sind genau das. Es gibt genau das. Es gibt diesen einfachen Sex, an den James Bond einfach rankommt, wenn er will. Es gibt die albernen Gadgets, die irgendwas abfeuern und irgendwie nochmal so ein Zusatzfeature haben, das genau zur richtigen Stelle auch zum Einsatz kommt. Es gibt immer die richtigen Gadgets und immer die richtigen Zusatzfeature in diesen Filmen. Es gibt so, sagen wir mal, jeder Film hat ungefähr so fünf bis zehn Gadgets und er braucht die auch wirklich alle. Und man stellt sich immer die Frage, was wäre, wenn jetzt eine Situation käme, wo ihm ein Gadget aus einem vorherigen Film helfen würde? Dann ist er einfach mal gefickt. Im Massen des Wortes an anderer Stelle im Film, aber gut. Und das ist halt einfach, das sind diese James Bond-Filme, das sind die Filme, mit denen ich groß geworden bin. Und das war auch James Bond. Das war der James Bond der 60er-Jahre. Das sind die Connery-Bonds.
Johannes Franke: Das heißt, die anderen James, weil wirklich ich die alle nicht gesehen habe. Das heißt, die anderen James Bonds sind auch, nun hat das wirklich auf die Spitze getrieben, aber gibt es dann auch in jedem Film solche One-Liner wie Wo warst du? Ich bin aus dem Flugzeug gefallen, ohne Fallschirm. So longchalant einfach zu sagen, boah, das, das ...
Florian Bayer: Diese, auf jeden Fall diese entspannte Art, mit Krisensituationen umzugehen. Okay. Die hat, also die haben vor allem Sean Connery und dann auch Roger Moore, der teilweise sehr versucht hat, Sean Connery zu reproduzieren. Mhm. Und dann ganz, ganz doll Pierce Brosnan, der so in den 90ern den James Bond gespielt hat. Und die wirklichen Filme, die James Bond ernst genommen haben, was meiner Meinung nach nicht funktioniert, weil, ey, ich meine, es ist ein Geheimagent, der die ganze Zeit rumreißt, Sex hat und Action erlebt. Und das hat nichts mit Agentenarbeit zu tun. Die einzigen, die das gemacht haben, die das ernst genommen haben, waren die Filme mit Timothy Dalton, der bezeichnenderweise nur in zwei Bond-Filmen mitspielen durfte. Der war dem Publikum nämlich einfach zu düster und zu ernst. Ach so, okay. Und jetzt neuerdings Daniel Craig, der mittlerweile ja immerhin schon fünf Filme auf dem Puckel hat. Der hat tatsächlich auch eine interessante Neuinterpretation von Bond anbietet, die aber wenig mit den klassischen Bond-Filmen gemein hat tatsächlich. Das sind einfach, das sind rohe Agenten-Action-Thriller, würde ich behaupten. Aber dieser Comedy-Anteil, den hat auch der 60er Bond. Und ja, Moonraker treibt es definitiv auf die Spitze. Die One-Liner sind mehr, die albernen, die wirklich, wirklich albernen Karlauer sind mehr, die albernen Figuren sind mehr, aber das findet man alles auch bei Jean Connery. Und ich glaube, deswegen mögen Bond-Fans diesen Film nicht, weil sie sagen, hey, nein, Goldfinger und From Russia With Love, das sind doch Meisterwerke. Das sind große, komplexe Agentengeschichten. Und dann wird uns so was Kindliches hingeworfen. Und da kann ich nur sagen, ey, Leute, James Bond ist so kindig und James Bond ist immer so sexistisch und James Bond ist immer so Bedienung von Kinderfantasien und halt Herrenfantasien, dass es vielleicht genau so was braucht,
Johannes Franke: dass das nochmal auf die Spitze treibt. Naja, aber wo ist denn denn der Unterschied zu, sagen wir, jetzt greife ich mal meiner besten Listen voraus, wo ist der Unterschied zu Johnny English? Weißt du, was ich meine? Es gibt in diesem Film, Johnny English ist eindeutig der bessere Agentenfilm, nicht der bessere Comedyfilm, sondern eindeutig der bessere Agentenfilm. Reden wir über Agentenfilme. Okay, Moment. Jingle! Jingle! Liste.
Florian Bayer: Es macht tatsächlich Sinn, einmal kurz über das Genre zu reden, weil James Bond sitzt natürlich voll in diesem Genre drin, wenn du dir anguckst, was sind denn Agentenfilme aus den 60er Jahren? Ja, okay. Dann findest du eine Liste mit zehn James Bond Filmen, obwohl es nur sieben gab. Es gab mehr als sieben, ich muss einmal zählen, eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht gab's. Obwohl es acht gab, findest du zehn James Bond Filme aus der Zeit. Und ja, das ist ein total spannendes Genre, deswegen hab ich auch gesagt, hey, lass uns mal besten Listen Agentenfilme machen. Und ich hab mich schwer getan mit der Liste. Es gibt wenig gute Agentenfilme. Die Frage ist einfach, was braucht ein guter Agentenfilm oder ein guter Spionage-Thriller, um das vielleicht noch mal weiterzufassen, das Genre. Weil natürlich ist immer die Wahl, willst du total over the top irgendwie eine Satire sein oder eine Überzeichnung von dem Business sein? Willst du ein unterhaltsamer Actionfilm sein, in dem ein Agent Abenteuer erlebt? Dann hat das nichts mit realer Agentenarbeit zu tun. Oder willst du versuchen, wirklich Konflikte des Kalten Kriegs oder in der Terrorbekämpfung die Alltagsarbeit des Agenten zu zeigen? Dann läufst du natürlich Gefahren, extrem trögen, langweiligen Film zu machen.
Johannes Franke: Großes Spannungsfeld. Ja, das Problem, was ich bei dem Moonraker sehe, ist halt, dass du eigentlich nicht beides sein kannst. Du kannst nicht gleichzeitig die Komödie, die sich über das Genre lustig macht, sein und das Genre überhaupt gebende Element. Also, weißt du, was ich meine? Du kannst nicht deine eigene Verarschung sein in einem Film. Ich glaube, es funktioniert an Moonraker,
Florian Bayer: aber Moonraker hat ja auch, also und James Bond hat ja auch nichts mit realistischem Agentenfilm zu tun. Es gibt ja durchaus realistische Agentenfilme. Ich habe auch sogar welche in der Liste drin. Okay. Aber es ist schwer, sie zu finden, weil die meisten Filme setzen natürlich auf Unterhaltung.
Johannes Franke: Dann willst du loslegen? Ja, dann würde ich gleich mal anfangen mit Imitation Game. Auf Platz drei bei mir. The Imitation Game ist kein James Bond mit Explosionen und so, sondern einfach Google Cs gerade. Genau. Ich kenne den Film nicht, aber es geht um Alan Turing, ne? Genau, Alan Turing, der den Code-End-Schlüssel hat. Und das sind im Grunde Agenten, die ich ernst nehmen kann. Ja, weißt du? Natürlich, das ist die eine Seite des Agentenfilms. Dann sind wir auf der ernsthaften Seite. Und der war sehr gut, der Film.
Florian Bayer: Habe ich nicht gesehen. Deswegen kann ich gar nicht dazu sagen. Ich glaube, es gibt auch viele Agentenfilme, die sagen, sie zeigen die ernsthafte Seite. Mhm. Die aber in Wirklichkeit auch nichts anderes sind als diese Fantasie, Beflügelung, Bestätigung. Und das wäre einer, den ich in meinen Honorable Mentions nennen würde, um einmal noch mal die unterhaltsame Seite etwas weiter zu fassen. Mission Impossible mit Tom Cruise. Das ist ein Film, der sich selbst todernst nimmt, der wirklich einfach als spannender Action-Thriller sich ernst nimmt, aber der natürlich auch nicht darstellt, was realistische Agentenarbeit ist. Das ist ja dieses ganze Abenteuer erleben und so. Das ist wie wenn du sagst, ein Tatort ist keine realistische Darstellung von der Arbeit eines Kriminalkommissars oder einer Kriminalkommissarin. Es hat nichts mit der Realität gemeint, aber es verkauft sich als Realität. Okay. Und das halte ich den James-Bond-Filmen zugute, dass sie sich nicht als Realität verkaufen, sondern dafür sind sie einfach zu over the top. Und zwar alle. Und Moonraker noch ein bisschen mehr als andere.
Johannes Franke: Ja. Hast du irgendeine Ahnung, was Ian Fleming damit wollte? Weil das ist ja nun wirklich, es scheint ja wirklich alles, alle Verfilmungen scheinen anders zu sein als der ursprüngliche.
Florian Bayer: Ian Fleming, Ian Flemings Bücher nehmen sich ernster. Ja. Aber sind eigentlich genau dieselben Abenteuer-Action-Geschichten.
Johannes Franke: Ich hab selbst keins gelesen. Hat er das nicht mitbekommen auch ordentlich? Er hatte doch das Buch geschrieben schon für die Verfilmung von Moonraker, dachte ich, soweit ich das gelesen hatte.
Florian Bayer: Was meinst du, was hat er nicht mitbekommen? Na, die Verfilmungen. Das war einfach, er hat ihn mitbekommen. Ich glaub, er hat sich gar nicht groß dazu geäußert. Das war einfach was, was parallel dazu lief. Also ich hab jetzt nicht groß recherchiert, was Ian Fleming zu den Filmen gesagt hat, was aber auch einfach daran liegt, dass Ian Fleming's Romane und die Filme, dass es einfach zwei unterschiedliche Welten sind. Ja. Und die Filme nehmen sich den Titel und nehmen sich so ein paar Charaktereigenschaften von Bond. Und so ein generelles Setup, Reiselust und Action-Abenteuer mit Sex. Action-Abenteuer mit Sex, ja. Aber ansonsten sind's halt einfach ... Und tatsächlich hatten die Filme ja auch kulturell den viel höheren Impact. Also in den 60ern war es vielleicht noch so, dass Ian Fleming's Romane tendenziell bekannter waren, aber ab einem gewissen Punkt haben die Filme auch einfach die Vorlagen überholt. Und dementsprechend spielen die Vorlagen keine große Rolle in der Bond-Filmografie. Mein Gegenentwurf bei den Honorable Mentions sind wir immer noch zu diesen Action-Filmen, die einfach nur, die aus dem Grund-Setup Agentenleben Unterhaltung machen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Wäre der Film eine französisch-britische Koproduktion, auch aus den 70er-Jahren. Es gab tatsächlich gute Agentenfilme in den 70er-Jahren. Der Chakal. Day of the Jackal. Und zwar ... Ja, ich glaub gar nicht ... Also kein besonders bekannter Film. Es geht um einen Attentat, das eine rechtsextreme Terrororganisation auf Charles de Gaulle ausüben will. Oh. Der ja tatsächlich öfter Ziel von Attentätern war, weil er einfach nicht unbedingt der beliebteste Präsident Frankreichs war. Ja. Und es wird sehr akribisch und sehr dokumentarisch gezeigt, wie der Killer, der Chakal unterwegs ist, um ihn zu morden. Mhm. Und sich darauf vorzubereiten. Und wie die Geheimdienste hinter ihm herforschen. Und es wird immer so parallel geschnitten, Killer, der unterwegs ist, und Geheimdienste. Ist auch ein bisschen überzeichnend, vor allem in den Killer-Szenen gibt's einfach dieses Thriller-Moment. Er tötet halt auf seinem Weg, Mitwisser und Leute, die ihn enttarnen. Aber die Geheimdienstarbeit wird sehr trocken und sehr nüchtern gezeigt. Ja. Und das ist ein Film, den ich in diesem Spannungsfeld Realismus versus Unterhaltung auf der anderen Seite einsortieren würde, der einfach dokumentarischer ist und trockener und dadurch vielleicht auch ein bisschen langatmiger als die Bond-Filme. Mhm. Okay. Meine Nummer drei. Ja, jetzt. Um jetzt endlich zu ... Meine Nummer drei ist einer von diesen Agentenfilmen, die sich nicht ernst nehmen. Mhm. Ich hab tatsächlich zwei, die sich nicht ernst nehmen und einen, der sich ernst nimmt. Und es ist wirklich auch, es ist ein Film, der over the top ist und du wirst jetzt wahrscheinlich lachen oder pusten, keine Ahnung. Aus den 90ern, 1994, True Lie mit Arnold Schwarzenegger. Arnold Schwarzenegger spielt einen Geheimagenten. What the fuck? Der zu Hause vorgibt, ein einfacher Angestellter zu sein und dann allerdings durch eine Verkettung unglücklicher Umstände seine Frau Jamie Lee Curtis mit hineinzieht in seine Agentenabenteuer und dann retten sie gemeinsam die Welt. Total übertrieben, spielt total viel mit Agentenklischees, Agentenfilmklischees. Ist deutlich mehr Parodie als ernst gemeinter Agentenfilm. Mhm. Eine wunderbare Actionkomödie, die einfach Spaß macht. Hat nichts mit realer Spionagearbeit zu tun.
Johannes Franke: Aber ist toll. Okay. Ja, dann komm ich mal zu meinem Platz zwei, dem, den ich schon vorausgegriffen habe, nämlich Johnny English. Meiner Meinung nach fast, ich weiß es nicht ganz genau, aber fast die bessere Figur für Ron Atkinson als Mr. Bean. Weil er mehr Potenzial hat, Sachen zu tun. Und Mr. Bean ist sehr festgelegt auf bestimmte Verhaltensweisen. Und Johnny English kann in allen möglichen Situationen und auf eine bestimmte Art und Weise gesellschaftliche Situationen hops nehmen. Finde ich eine sehr, sehr spannende und lustige Figur. Habe ich nicht gesehen.
Florian Bayer: Ist das eine Parodie?
Johannes Franke: Es ist eine Parodie, eine Agentenfilmparodie. Er ist halt einfach der seriöse Agent, der alles sehr ernsthaft durchziehen will. Aber natürlich passiert ihm der Scheiß. Also, wie das halt bei Ron Atkinson dann ist. Also auch so diese klassischen, tollpatschigen Aktionen. Ja, genau. Und trotzdem der Versuch, der Womanizer zu sein. Und weißt du, solche Sachen. Ist er erfolgreich? Oh, wie erfolgreich ist er eigentlich? Das weiß ich gar nicht mehr. Ich muss ihn noch mal sehen. Es gibt ja eine Agentenfilmparodie, wo es auch diesen ...
Florian Bayer: Ich hoffe, du hast den nicht auf der Liste. Welchen? Austin Powers? Ach so, nee, den habe ich nicht auf der Liste.
Johannes Franke: Der ist mir zu durchgeknallt.
Florian Bayer: Der ja komplett drüber ist auch und so absurd albern. Und da ist es ja so, dass der tollpatschige, idiotische Agent trotzdem total viel Erfolg bei sämtlichen Frauen hat. Gespielt von Mike Myers. Und auch tatsächlich ein witziger Film. Ich mochte Austin Powers. Ja. Der war auch ziemlich kaputt und ziemlich albern. Aber der hat das Genre auch ganz gut eingefangen. Hat ganz gut ... Das stimmt, ja. Verstanden, was an James Bond so albern und absurd ist. Dein Platz zwei. Mein Platz zwei behandelt einen unfreiwilligen Geheimagenten. Der ... Ein Normalo, der einfach reingestoßen wird in ein Agentenabenteuer. Der unsichtbare Dritte aus dem Jahr 1959 von Mr. Sir Alfred Hitchcock. Großartiger Film. Wirklich ein Normalo geht ans falsche Telefon in einem Hotel zur falschen Zeit und wird dann für einen Agenten gehalten und wird dann von einer Verbrecherorganisation erbarmungslos gejagt. Weil die glauben, er wäre dieser Agent, den sie schon ewig suchen. Und die Geheimdienste haben kein Interesse dran, ihm zu helfen, weil, was sich dann herausstellt, dieser Geheimagent, für den er gehalten wird, existiert gar nicht. Der ist quasi einfach nur so ein Decoy-Agent, damit die anderen Agenten geschützt sind. Und dann sagen die Geheimdiensten, na ja, ist doch super, wenn der jetzt gejagt wird. Dann haben unsere Agenten Ruhe. Und er muss einfach nur ums Überleben kämpfen. Und dieser Film ist ein einziges Actionabenteuer, wo ein Typ auf der Flucht vor Verfolgern ist und keine Ahnung hat, wie er da reingeraten konnte und einfach nur überleben will. Krass, ich hab den gar nicht mehr in Erinnerung. Ich weiß, ich hab ihn gesehen, aber ... Kein ernster Agentenfilm fällt auch definitiv in die Ecke. So sieht Agenten-Spionagearbeit nicht aus. Aber durch das Thema und durch die Story hat er natürlich einen sehr kritischen Blick auf die Arbeit, die im Hintergrund des Staates stattfindet. Weil er wirft halt auch einen kritischen Blick auf die Geheimdienste. Wie wenig die den normalen Bürger schützen, wenn er plötzlich in Gefahr geraten ist. Und gleichzeitig ist es einfach ein verdammt unterhaltsamer Film. Spannend, witzig, actionreich, top. Hitchcock in höchste Form.
Johannes Franke: Schön. Mein Platz eins. Mein Platz eins ist The Kingsman. Hab ich auch nicht gesehen. Du hast drei Filme in dieser Liste, die ich nicht gesehen habe. Krass, das The Kingsman nicht gesehen. Weil das ist ein sehr guter, klassischer Vertreter dieses Genres im Grunde. Gibt's inzwischen drei Filme, glaub ich, wenn ich das richtig weiß. Und den ersten find ich aber immer noch am besten. Der einfach jemandem neuen Rekruten quasi folgt, der da irgendwie reinkommt. Der Frontstore ist, glaub ich, ein Klamottenladen. Und dann im Hintergrund ist da so ein Agentengeheim-Agenten-Büro dahinter. Und dann gibt's ne Ausbildung und Zeug. Und der ist halt alles das, was ich von James Bond gerne hätte. Tatsächlich lustig, völlig unrealistisch, was die Agenten-Story betrifft. Und nicht zu ernst, aber auch ernst genug, um die Action irgendwie ernst nehmen zu können. Fand ich super.
Florian Bayer: Es ist auch ne Altersfrage, weil der Film jünger ist, dass diese unterhaltsamen Sachen besser funktionieren. Das kann sein, ja. Dass so diese Action und der Humor, den wir aus den 60ern und 70ern kennen, heute oft ein bisschen bieder wirkt. Ich hab das Gefühl, Action-Komödien altern generell schlechter als andere Genres. Ja, das kann vielleicht sein. Weil wir einfach andere Standards haben mittlerweile, was Action betrifft. Also heute würde niemand mehr bei einem Actionfilm über so eine Szene jubeln, wie bei Moonray kam am Anfang, wo James Bond aus dem Flugzeug fällt und um den Fallschirm kämpft. Das war damals ein Riesending.
Johannes Franke: Das war ein krasser Stunt. Also das fand ich schon auch krass. Und da haben sie ja auch tatsächlich, der Dreh war wirklich im freien Fall, wenn ich das richtig sehe. Das ist schon beeindruckend. Und die fand ich wirklich beeindruckend. Aber das war halt der Höhepunkt gleich am Anfang und danach ging's bergab. Mach mal du noch deinen Platz eins. Mein Platz eins ist jetzt ein Film,
Florian Bayer: der nicht 100% realistisch ist, aber der sich tatsächlich kritisch und mit düsterer Note, mit Geheimdienstarbeit auseinandersetzt. Die drei Tage des Condor von Sidney Pollack aus dem Jahr 1975. Okay, den Titel kenn ich, aber weiß nicht. Robert Redford spielt einen Geheimagenten, der aber Büroarbeit macht. Die sitzen einfach in einem riesigen Büro und durchforsten sowjetische Zeitungen nach, ob's da irgendwo Propaganda gibt, ob's da irgendwo geheime Botschaften gibt und so weiter. Und das macht er. Er ist einfach wirklich, er ist ein Schreibtisch-Typ. Okay. Und dann wird allerdings seine Abteilung umgebracht. Und er weiß nicht wieso. Aber er wird gejagt als der einzige Überlebende. Und er versucht, sich irgendwie durchzuschlagen. Er ist kein Superheld, er ist kein toller Geheimagent. Er ist quasi die normale Variante des Agenten. Er ist halt ein einfacher Büromitarbeiter, die es im Geheimdienst zu Tausenden gibt. Und er kommt einem Komplott auf die Spur, in den auch die Geheimdienste verwickelt sind. Und versucht irgendwie zum einen herauszufinden, was da überhaupt passiert. Versucht zu überleben. Und versucht dann mit den Erkenntnissen, die er hat, irgendwas zu machen, zurückzuschlagen. Und Spoiler, so jemand wie er kann halt nicht zurückschlagen, indem er irgendeine geheime Untergrundbasis stürmt und mit dem Maschinengewehr alle umbringt. Er geht zur Presse. Okay. Ein Superfilm, der sich extrem kritisch mit Geheimdienstarbeit auseinandersetzt. Mhm. Und auch wirklich einen skeptischen Blick auf diese paranoide Situation, in der er die Geheimdienste in den 70ern waren, wirft. Und gleichzeitig ein superspannender Thriller mit einem großartigen Robert Redford und einer ebenso großartigen Faye Dunaway, auf die er eher durch Zufall stößt und die ihm dann ein bisschen hilft und ihn unterstützt. Toller Film und tatsächlich einer der wenigen Spionagefilme, die wirklich ernst und wirklich düster sind und nicht glorifizieren, was da geschieht an Auftragsmorden und an Spaß und Action.
Johannes Franke: Mhm. Jetzt haben wir völlig übergangen, ich hab's auf der Liste als zusätzliches Ding. Äh, der einzige Film, der mir einfällt, der einigermaßen realistischen Blick auf Agenten hat, ist Snowden. Ah, ja. Über Edward Snowden. Ja. Na ja, ja. True. Ja. Wie sonst. Ähm, und der ist schon abgefahren genug. Also, wenn man einen realistischen Blick auf die Welt legt, dann kann man anscheinend auch da sehr spannende und sehr abgefahrene Sachen erzählen. Und dadurch, dass der Film wirklich auf Wahrheit beruht, macht er mir tatsächlich so ein bisschen Angst. Ja. Ich weiß nicht, wann du den gesehen hast. Ah, du hast ihn gesehen. Ja, ich hab ihn gesehen. Das ist ...
Florian Bayer: Als er rausgekommen ist wahrscheinlich, ne? Ja, ich auch. Das ist ja schon fast zehn Jahre her, ne? Ach du Scheiße. Nee, nee, ist es nicht. Nein, nein, okay. 2016. 2016. Mhm.
Johannes Franke: Okay. Ähm. Aber es ist krass, weil du so viel ... Und ich glaub, der Film hat sich noch zurückgenommen. Das ist ja ein amerikanischer Film.
Florian Bayer: Das war Oliver Stone. Der nimmt sich nicht zurück. Okay, gut. Also, der hat ... Der hat schon öfter sich mit den amerikanischen Behörden angelegt. Mhm. Und tatsächlich, Oliver ... Jetzt muss ich ja einmal ganz kurz Oliver Stone gucken. Weil Oliver Stone hat ja auch viel sich in dem Bereich so auseinandergesetzt und hat auch einige Filme gemacht, die ... Also, JFK war so der Erste, an den ich denken musste. Der ja irgendwie so ein bisschen diese Verschwörungsmythologie um den Mord an JFK und John F. Kennedy zu einem Film gemacht hat. Mhm. Aber sonst tatsächlich, find ich, von ihm keine Spionage-Thriller. Irgendwie wäre Oliver Stone so durch das Jahr, wo ich sagen würde, der hat doch bestimmt zehn Spionage-Thriller getreten. Hat der anscheinend nicht. Okay, also kein Abo. Aber wenn's um Überwachung geht, kann ich noch einen Film empfehlen, der so ein bisschen rausgerutscht ist in dem Fall, weil's nicht um eine Geheimdienstarbeit geht. Der Dialog mit Gene Hackman, auch aus den 70ern. Okay. Da spielt Gene Hackman einen Überwachungsexperten, der privat überwacht für Unternehmen und selbst nicht genau weiß, warum er das macht und für wen. Ja. Und es geht darum, dass er ein Pärchen überwacht für irgendeinen Auftraggeber und dann aber irgendwie rauskriegt, dass das Pärchen offensichtlich in Gefahr ist und dass der Auftraggeber sie umbringen will. Und der Film arbeitet mit diesem Spannungsfeld des einsamen Überwachers, der irgendwie anfängt, an seinem Job zu zweifeln und der versucht, ein bisschen Verantwortung zu übernehmen und spielt ganz viel mit den Themen Paranoia, Angst vor Überwachung, weil der Überwacher selbst ist total paranoid und hasst es, wenn in seine Privatsphäre eingedrungen wird. Und gleichzeitig hat er Sex mit einer Frau und hört währenddessen seine Überwachungsbänder. Großartiger, extrem düsterer Film, der grundsätzlich das Thema Überwachung behandelt und einen tollen Plot-Twist am Ende, etwas mysteriös, etwas merkwürdig. Ich glaube, Francis Ford Coppola, wenn ich mich richtig erinnere.
Johannes Franke: Super Film, sehenswert. Ja, was Überwachung betrifft, muss ich dann ja auch noch einen Film reinwerfen. Gibt es hier eins, das andere. Und zwar unseren Film, Flor. Ja, das ist zehn Jahre her. Das ist über zehn Jahre her, oder? 2009? 2011. 2011 ist der fertig geworden. Aber ich glaube, wir haben angefangen 2009 oder 2010. Ich glaube, 2009 war der Dreh. Ja, das kann sein. Magst du kurz erzählen, worum es geht? Wir haben einen Kurzfilm gedreht, der nur mit Standbildern funktioniert. So ein bisschen nach dem Vorbild von Chris Markers La Jetée. Wobei ich das damals gar nicht wusste, als ich an dich reingetreten bin, mit der Idee, einfach einen Film nur mit Fotos zu erzählen. Und dann hast du gesagt, ah, da gibt es doch diesen Chris Marker. Und da bin ich dann auf La Jetée von dir gestoßen worden. Und dann haben wir diesen Film in diesem Format gemacht. Magst du dich doch mal ganz kurz zusammenfassen?
Florian Bayer: Es ist ein Kurzfilm. Er geht 25 Minuten, roundabout.
Johannes Franke: Ist auch online, wenn ihr ihn gucken wollt.
Florian Bayer: Ja, hau ich in die Show Notes auf jeden Fall. Ein Kurzfilm über eine Gesellschaft, in der jeder Mensch Überwacher ist und gleichzeitig überwacht wird. Und zwar eine Dystopie. Es hat sich eine Gesellschaftsform entwickelt, in der jeder Mensch genau ein Beobachtungssubjekt hat. Dass er den ganzen Tag, nicht den ganzen Tag, aber dass er oft beobachten soll. Jeder Mensch muss irgendwie so Überwachungsarbeit leisten, zwei, drei Stunden am Tag. Und weiß gleichzeitig, dass sein Überwacher auch jederzeit zugucken könnte. Deswegen hat sich eine Gesellschaft entwickelt, in der tatsächlich kaum Verbrechen stattfinden. Und unser Protagonist ist ein Reporter, der sich viel mit diesem Überwachungssystem auseinandergesetzt hat. Und der bekommt von seinem Überwacher eine geheime Botschaft, dass er ihn treffen will. Was ziemlich verboten ist, weil der Überwacher mit dem Subjekt nicht in Kontakt treten kann. Genau, das darf man auf keinen Fall tun. Aber sein Überwacher macht das. Und er ist halt Reporter. Er ist zu neugierig. Deswegen sagt er, okay, ich gehe da mal hin und triff mich mit ihm. Und sein Überwacher sagt ihm dann, ich weiß, was mit den Aufzeichnungen passiert. Die Überwachung werden per so Röhrenpost irgendwo hingeschickt. Und niemand weiß genau, was da gemacht wird, wie die gesammelt werden, wie die verarbeitet werden. Und er sagt, hey, ich kenne mich aus und ich habe da gearbeitet. Und ich weiß, wie die Überwachungsverarbeitung läuft. Und ich werde dich jetzt da hinführen. Und dann wird er damit konfrontiert, was die Wahrheit hinter diesem großen Überwachungsapparat ist. Ich werde nicht spoilern. Nicht spoilern.
Johannes Franke: Auch wenn der Film über zehn Jahre alt ist. Der Film heißt EWE, E-W-E. Und ist unter www.ewe-der-film.de zu erreichen. Also auf Wemeo eigentlich. Aber wir haben ihn dort eingebettet. Und dann kann man ihn angucken. Genau.
Florian Bayer: Wemeo, YouTube, man findet ihn ... Also wenn der EWE, der Film sucht über Google, dann findet ihr ihn. Und es ist sehenswert. Ja. Es ist immer blöd, seinen eigenen Film zu beurteilen. Aber ich bin sehr glücklich mit dem, was wir da gemacht haben.
Johannes Franke: Ja, ich auch. Es ist ein guter Film geworden. Ja. Ich freu mich immer mal wieder. Ich guck immer mal wieder, weil ich immer mal wieder Leuten das zeigen muss. Ähm, und alle stöhnen dann immer, ach, der ist schon wieder ... Ne, aber, ähm, ja, lohnt sich. Lohnt sich. Und es sind nur 25 Minuten, also was soll's. Ja. Kommen wir zurück zu James Bond. Ja, kommen wir zurück zu ... Und du sagst, du fandst die Action-Sequenz am Anfang ... Toll. Die fand ich noch so, dass ich gedacht habe, der Film, der könnte doch ... Da könnte doch ... Der ist vielleicht ... Also schon der Trailer sagt, das wird Trash werden. Ist klar. Ähm, die Frage bei Trash ist halt, ist es unterhaltsamer Trash oder ist es nerviger Trash? Und das war, na ja, teils so, teils so, ne? Du bist dazwischen irgendwie. Manchmal denke ich, ach, nee, nicht nö. Und manchmal denke ich, ja, hier ...
Florian Bayer: Es gibt definitiv einige Elemente, die nervig sind. Aber wenn wir zu den großen Elementen kommen, eine ganz tolle Sache, und die sieht man schon in der Öffnungssequenz, es gibt die Rückkehr eines Handlangers. Und zwar Jaws, im Englischen, der Beißer. Ja, Igor. Der im letzten James-Bond-Film davor ... ... eine Rolle als Handlanger hatte. Es ist ja immer so, die Superschurken haben irgendwie einen übermächtigen, starken Handlanger oder einen besonders gerissenen Handlanger, der Bon hinterherjagt. Und in der Spion, der mich liebte, aus dem Jahr 1977, war Beißer, dieser Handlanger. Ein übergroßer, übermenschlicher Typ. So irgendwas zwischen Wrestler und, wie du sagst, Igor. Mit Stahlzähnen.
Johannes Franke: Das Lächeln ist ... Mit einem fantastischen Lächeln. Es ist unglaublich. So draufgedrückt. Du guckst dir den an und weißt sofort, ah ja, okay, das ist Igor. Gespielt von Richard Kiel.
Florian Bayer: Der diese Rolle wirklich toll gespielt hat. Und der Spion, der mich liebte, da hat der keinen großen Auftritt. Da war er halt der Handlanger, der ihn ab und zu gejagt hat. Aber es gab eine ganz besonders erinnerungswürdige Szene, in der er am Schluss von Bond in ein Becken geworfen wird. Und dann kommt ein Hai an und greift ihn an. Und dann besiegt er den Hai, indem er ihn tot beißt. Nein. Und dieser Beißer war so beliebt beim Publikum, dass sie gesagt haben, den brauchen wir wieder. Und auch vollkommen zu Recht, der ist so ein geiler Bösewicht-Handlanger. Ich kann gar nicht genug Liebe bekunden für diese Figur. Und was noch besser ist, sie haben gemerkt, dass er beim Publikum gut ankommt. Und deswegen geben sie diesem Beißer eine richtige Story. Es gibt ein Beißer-Girl, auf das er trifft eine wunderschöne kleine Blondine mit Zöpfen. Oh Gott. Nachdem er gegen Bond verloren hat, in einem Kampf stürzt er von einer Gondel Action Haus einsturz. Und dann ist sie da in den Trümmern und sie begegnen sich. Und es ist Liebe auf den ersten Blick. Und es wird nicht geredet. Sie gucken nur einander an und es ist klar. Beißer redet nicht. Im Film davor hat Beißer auch kein einziges Wort gesagt. Und noch mehr als das, sie geben Beißer eine richtige Story-Arc. Er darf sich entwickeln. Im Finale schlägt er sich auf die Seite von James Bond, weil er es nicht ertragen kann, dass der Oberschurke zwischen lebenswertem und unwertem Leben unterscheidet.
Johannes Franke: Aber ich muss mal dazwischengrätschen. Story-Arc ist ein bisschen zu arg formuliert. Das ist eher so ein kleiner Schlenker ganz am Ende noch. Da ist er die ganze Zeit eigentlich gleichbleibend. Und am Ende macht er so einen kleinen Schlenker irgendwie noch. Das ist ja keine Entwicklung. Nein, das ist keine Entwicklung.
Florian Bayer: Aber ist er nicht ein geiler Typ? Also diese Präsenz und dieses total Absurde, überstarke. Und gleichzeitig, er sieht ja auch so, er sieht schon ein bisschen beängstigend aus, weil er so ein echt monströses Gesicht hat.
Johannes Franke: Ich glaube, der Schauspieler Richard Kiel, seine Jaw, also seine Jawline, also sein Kiefer ist ja total, der dominiert das ganze Gesicht und eigentlich auch die ganze Umgebung, in der er gerade ist.
Florian Bayer: Ja, der hat, es ist tatsächlich, es ist, die Geschichte des Schauspielers Richard Kiel ist, es ist tatsächlich eine Krankheit, die dazu führt, dass er zum einen so groß ist, also der hat über zwei Meter, zwei Meter achtzehn groß war er. Okay. Und dass er auch so ein leicht deformiertes Gesicht hat, und zwar hat er eine Hormonstörung, die heißt Acromegalie. Aha, okay. Und das ist ein Überschuss an Wachstumshormonen, die vorkommen kann. Und die hatte er. Und dementsprechend sah er so aus. Und bei solchen Leuten war es damals, glaube ich, wirklich so, dass die Frage war entweder Freakshow, wahrscheinlich in den 70ern nicht mehr so viel, da war es wahrscheinlich eher entweder Wrestling-Karriere. Ja, okay. Oder halt in Filmen solche Rollen übernehmen.
Johannes Franke: Aber dann eben das Pendant zu Freakshow im Grunde, ne? Schon so ein bisschen. Also sie haben ihn da schon sehr, Typ besetzt will ich gar nicht sagen, sondern also benutzt.
Florian Bayer: Ja, das kann man schon so sagen. Ein anderer berühmter Mann, der das hatte, war Andre the Giant, den du wahrscheinlich kennst. Ja. Du kennst ihn wahrscheinlich nicht als Wrestler, sondern vor allem aus dem Film The Princess Bride, wo er den törpelhaften Riesen spielt, der zusammen mit, wie heißt der nochmal, Montoya die Prinzessin entführt und der starke Kämpfer ist. Und der hatte das auch. Ah, okay. Also tatsächlich, ein Fetisch ist zu viel gesagt, aber Hollywood hat natürlich auch nach solchen Typen gesucht, um Bösewichter zu besetzen, um Handlanger und Schläger zu besetzen.
Johannes Franke: Wo man sofort sieht, wo man nicht erklären muss, das ist der Bösewicht. Genau. Und da sie es nicht erklären müssen, erklären sie es doch trotzdem noch fünfmal. None|Ja. Also es ist wirklich so draufgedrückt. Jedes Mal, wenn du irgendwie einen neuen Bösewicht hast, du kriegst es A sofort mit und B wird es dir noch 30.000 Mal erzählt. Es ist schon ein bisschen, ja.
Florian Bayer: Es ist total übertrieben. Man muss dazu sagen, die Handlanger und Bösewichte bei James Bond sind immer übertrieben. Und James Bond hat leider auch eine traurige Geschichte insgesamt, was so betrifft mit, wir besetzen Handlanger mal mit Leuten, die irgendwie aus dem Normalbild rausfallen. Es gibt zum Beispiel in ... Jetzt muss ich wirklich in meinem Kopf kramen, was James Bond betrifft. Ich glaube, es ist Diamantenfieber. Da ist der Handlanger des Bösewichts ein Kleinwüchsiger. Okay, ja. Und in ... In Leben und Sterben lassen, der erste Film mit Roger Moore, da sind die Bösewichter alle schwarz. Nein. Der spielt nämlich da ganz stark und betreiben Voodoo und sind in der Karibik zu Hause. Oh Gott. Der Handlanger des Bösewichts ist entsprechend ein großer schwarzer Mann mit einer metallenen Armprothese. So ein bisschen fast so ein Prototyp für das, was später der Beißer wurde. Also in James Bond gibt's eine lange Tradition, einer, ich setz sehr bewusst die Anführungszeichen jetzt mit meinen Fingern, einer Freakshow an Handlangern. Da irgendwie Leute zu nehmen, die irgendwas Monströses haben oder irgendwie aus der Norm herausfallen. Und es steht jedem frei, das Apleistisch zu nennen. Und ich kann nur sagen, es ist Apleistisch. Es ist einfach so.
Johannes Franke: Aber wenn man das aus der Zeit betrachtet, ist es natürlich irgendwie auch ein bisschen fortschrittlich, zu sagen, wir nehmen mal außerhalb der Normbesetzungen. Ja, nein. Okay. Das ist so, wie wenn man sagt, ja. Ich versuche es zu rechtfertigen, Plur. Ich versuche denen irgendwas Gutes abzugewinnen. Weil, also, wenn es niemand angefangen hätte, hätten wir jetzt natürlich immer noch so eine pure, weiße ... Ja, aber das ist genauso, wie wenn man sagt,
Florian Bayer: hey, Hollywood, 70er Jahre, voll progressiv, wie oft die Transsexualität als Thema hatten. Und dann guckt man sich's an, Norman Bates im Psycho.
Johannes Franke: Oh, okay. Dann guckt man sich den Killer in das Schweigen der Lämmer an,
Florian Bayer: der Frauenkleider trägt. Dann sagt man, ah, ja, ja, ja, okay. Nein, nein, nein. Aber umso cooler, dass sie tatsächlich den Beißer zum Sympathieträger machen. Er wurde es auch einfach, weil das Publikum ihn geil fand. Ja, okay. Aber der Beißer ist ja am Schluss wirklich eine Figur, mit der wir mitfiebern. Und wir freuen uns, dass er seine Freundin gefunden hat. Und wir freuen uns, wenn er sich auf James Bond Seite schlägt. Und wir freuen uns wirklich, wirklich, wirklich. Also, ich hab mich wirklich gefreut beim ersten Mal, als ich ein Kind war, als ich das gesehen habe. Ja. Wenn am Schluss kurz vorm MI6 gesagt wird, irgendwas ist gelandet. Wir sehen da einen großen Mann mit Stahlzähnen und eine junge Blondine. Und wir wissen, ja, sie haben überlebt. Sie haben den Absturz aus dem Weltraum überlebt. Go, Jaws, go. Großartig. Ich mochte die Figur als Kind total. Ich fand sie total cool. Und ich kann so gut nachvollziehen, dass sie noch mal eingesetzt wurde. Ja, okay. Leider nur zum zweiten und letzten Mal in diesem Film. Ich hätte Beißer in jedem Bond-Film gerne wiedergesehen. Und er ist wahrscheinlich auch der berühmteste Handlanger, obwohl er nur in zwei Filmen vorkommt. Also, was heißt nur? Und normalerweise kommen die Handlanger in einem Film vor und werden am Ende von Bond umgebracht. Ja. Er ist ein cooler Typ. Und Richard Kiel spielt das auch echt witzig. Und er spielt es auch ein bisschen ironisch, wenn er zum Beispiel am Flughafen durch den Metalldetektor geht. Und dann piept es natürlich. Und dann guckt der Wachmann ihn an. Und er grinst ihn an mit seinen Stahlzähnen. Ich finde die Figur wirklich witzig. Und er macht das cool.
Johannes Franke: Aber er ist schon die Frankenstein-Version der 70er. Der ist so ein Stummfilm-Charakter, habe ich das Gefühl. Aber nicht nur, weil er nicht spricht, sondern einfach auch, wie die Inszenierung ist von diesem Typen. Der ist halt irgendwie einfach groß und mächtig da, schlurft da in der Gegend rum, guckt immer mal bedrohlich und das war's. Ja. Aber er grinst so sympathisch dann immer.
Florian Bayer: Und er freut sich. Und das ist auch total absurd. Das ist eigentlich so ein schlechter Handlanger. Er versucht, Leute umzubringen, indem er sie beißt. Hätte er eine fucking Pistole, dann hätte er James Bond dreimal besiegt. Ohnehin können wir einmal kurz dazu kommen, warum? Und das ist auch was, was wir in allen Bond-Filmen haben. Warum sind sowohl Handlanger als auch Superschurken zu blöd, einfach eine Waffe zu ziehen und diesen Typen einen Kopfschuss zu geben? What the fuck? Es ist leider so einfach.
Johannes Franke: Aber das betrifft alle diese Actionfilme.
Florian Bayer: Ja, das ist so dumm.
Johannes Franke: Es ist ja, außer dass das einmal bei Indiana Jones auf dem Markt gemacht wird, wird es immer umgangen.
Florian Bayer: Und das ist wirklich so, ich erkläre dir meinen komplizierten Plot und vor allem die Bösewichte sind ja so davor, machen sie ja das ja tatsächlich mit anderen Leuten so, dass sie sie mit Kopfschuss ermorden, was total sinnvoll ist. Wenn ich jemanden aus dem Weg räumen will, dann mach ich das schnell schmerzlos. Aber nein, James Bond und die andere Agenten werden gefesselt und werden unter einer Rakete gelegt, damit sie vom Raketenfeuer verbrannt werden,
Johannes Franke: während die Rakete langsam startet. Gibt es eine psychologische Besonderheit, die man da, also irgendwas, was man diagnostizieren könnte, dass Leute solchen Aufwand betreiben wollen, um jemanden umzubringen? What could possibly go wrong? Ja, genau.
Florian Bayer: Das ist ja auch der erste Mordanschlag schon auf Bond. Bevor wir den Beißer haben, haben wir diesen anderen Handlanger Cheng, der tatsächlich relativ uninteressant ist.
Johannes Franke: Das ist so ein bescheuerter Mordversuch.
Florian Bayer: In der Zentrifuge? In der Humanzentrifuge, ja. Was ist das denn? Tod durch Kotzen oder was? Ich glaube, du kannst ja tatsächlich jemanden so umbringen, aber es ist so dumm und so langsam. Halt das Ding an, er sitzt da, er ist angeschnallt, gib ihm einen Kopfschuss.
Johannes Franke: Es ist so bescheuert. Und dann, dass er das Ding anhalten kann, durch sein, was er da ranschießt. Durch das perfekte Gadget zur richtigen Zeit. Aber das Problem ist, das Ding wird von außen gesteuert. Nicht von dem Teil, wo er drin sitzt. Der kann ja gar keine Steuerung anhalten. Es geht nicht.
Florian Bayer: Es ist so bescheuert. In dieser Humanzentrifuge findet der Anschlag auf ihn statt, als er zum ersten Mal mit dem Hersteller der Moonraker spricht, Hugo Trucks. Wir sehen Hugo Trucks, wir hören drei Sätze von ihm und wir wissen, das ist unser Top-Bösewicht. Keine Frage. Es ist überhaupt keine Diskussion. Der Wertige war es. James Bond weiß es auch. Auch wie er sich verhält von Anfang an total suspekt. Bond ist eigentlich nur da, um zu fragen, ich will mich mal umgucken. Ich soll diese entführte Moonraker-Rakete finden? Gehen wir doch mal zum Hersteller. Und dann kommt dieser Hersteller als düsterer Mann und sagt, ich hab sie im Auge, Bond. Und du weißt genau, okay, wir haben hier unseren Schurken.
Johannes Franke: Es ist so bescheuert. Das Problem ist, wenn du jetzt gerade sagst, er hat geschlussvoll, also gehe ich mal zum Hersteller dieser Raketen. Ich hab keine Ahnung, dass er deswegen da hingeht. Das wird mir nicht erzählt. Nee, das wird dir nicht erzählt. Es wird mir bei keinem der Wechsel der Szenerien erzählt, warum der jetzt da hingeht. Ich hab das Gefühl, der geht spazieren und ist zufällig am richtigen Ort gelandet. Weil Kalifornien ein geiler Drehort ist.
Florian Bayer: Ich glaube, 90 Prozent der Drehorte in James Bond werden ausgewählt, weil sie geile Drehorte sind. Es ist so doof. Aber bei diesen Tracks lernt er dann auch eine vermeintliche Wissenschaftlerin von Tracks kennen. Und zwar das Main-Bond-Girl des Films, Holly Goodhead, die tatsächlich für einen Bond-Girl erstaunlich kampfbewusst ist. Und progressiv. Erstaunlich intelligent. Und tatsächlich auf Augenhöhe mit Bond. Also ich meine, es gibt natürlich mit ihr auch Sex und sie wird auch irgendwann entführt. Aber wenn man sich anschaut, wie die Bond-Girls in den Filmen vorher aussahen, ist es einfach mal eine tatsächliche starke Frauenrolle. Es wird viel zu weit gehen, zu sagen, dass es die feministische Version eines Bond-Girls ist. Nein. Dafür ist sie zu sehr Bond-Girl. Aber für einen Bond-Girl ist sie tatsächlich ziemlich tough.
Johannes Franke: Das stimmt. Das muss ich auch sagen. Ich glaube, das habe ich auch aufgeschrieben. Wow, die Frau ist Wissenschaftlerin. Wie kann das denn sein? Irgendwas haben sie im Drehbuch falsch. Aber dafür haben sie alles richtig gemacht für ihre Zeit bei der Besetzung der anderen Frauen. Sie sind nicht zu unterscheiden voneinander. Es ist eine Frau wie aus wie die andere. Alle haben die gleichen Frisuren, alle haben die gleiche Haarfarbe. Mit allen hat er Sex.
Florian Bayer: Das ist die eine, die von den Hunden gejagt wird. Das ist die andere, die vom Beißer gebissen wird.
Johannes Franke: Ja, dass das Abspann steht sechsmal Drags Woman oder Drags Girlfriend oder sowas. Es ist so bescheuert alles.
Florian Bayer: Aber die Frauen, die er bei Drags sieht, die haben ja eine bestimmte Funktion. Die sollen ja zeigen, wie diese übermenschlichen Klone aussehen, die Drags heranzüchtet. Das ist nämlich unser Mainplot. Hugo Drags hat seine eigene Moonraker gestohlen, weil er hat noch fünf andere gebaut und eine davon ist kaputt gegangen. Er braucht diese Moonraker aber, um zu seiner gigantischen Weltraumstation zu fliegen, die kein Satellit sehen kann, weil er will diese Weltraumstation mit übermenschlichen Klonen bevölkern, um die Menschheit neu aufzubauen. Und um das zu machen, also er braucht so 50 Leute, Inzest, um das zu machen, muss er natürlich den Rest der Menschheit, also alles Lebensunwerte, ausrotten. Und deswegen will er von dieser Moonraker, während da oben die ganzen Supermenschen sind, Giftkapseln auf die Erde werfen. Giftgas. Ja. Die die Menschheit ausrotten, damit sie dann zu 50 zurückfliegen und den Planeten bevölkern könnten.
Johannes Franke: Und good luck with that. Und sämtliche anderen Tiere, die auf Sauerstoffbasis leben, werden natürlich auch irgendwie dahin gerafft. Nee, die werden verschont. Wie sollen die denn verschont werden? Die Ratten überleben doch. Oh, du hast ein Man-Plot-Element verpasst.
Florian Bayer: Hey, der Mann ist Tierfreund. Aber wie sollen die das denn überleben? Keine Ahnung, weil sie keine Menschen sind. Was? Er hat ein spezielles Giftgas für Menschen entwickelt. Was?
Johannes Franke: Das habe ich nicht mitbekommen.
Florian Bayer: James Bond bricht doch in Venedig in diese Glasmanufaktur ein, wo das geheime Forschungslabor ist. Und dann geht diese Viole kaputt und die Wissenschaftler verrecken elend. Genau. Aber dann sieht man doch die Ratten rumlaufen. Die Ratten sind glücklich. Die Ratten überleben. Nein, nein, er will nur die Menschheit ausrotten. Er ist Tierfreund. Also, er sagt es nicht genau. Aber bei diesem Plan hat er daran gedacht, dass man für den Aufbau einer großen Gesellschaft Leute braucht, die Atomkraftwerke bedienen. Vielleicht auch einfach so ein bisschen Fußvolk.
Johannes Franke: Nein, nein, nein. Die müssen alle gut aussehen und das war's. Ja, das reicht.
Florian Bayer: Die so eine blonde Superklonarmee. Also, der Plan und die ganze Hintergrundgeschichte ist komplett gaga. Das ist völlig abstrus. Und spielt auch keine große Rolle. Wir haben halt einen Bösewicht und das Schicksal der Menschheit steht auf dem Spiel. Und deswegen ist Bond zuerst in Kalifornien. Und siehste? Ah ja, genau. Er hat dann Sex mit einem Bond-Girl, die nicht lange überleben wird. Corinne heißt sie. Falls man den Namen vergisst. Das kann passieren. Ja, das kann passieren. Und sie hilft ihm dann bei Trucks einzubrechen. Und da findet er den Hinweis auf eine Glasmanufaktur in Venedig und reist dann nach Venedig. Nächster cooler Drehort. Ich hab keine Ahnung, wie er da hinkommt.
Johannes Franke: Plötzlich ist er dort. Ja. Es fliegt wahrscheinlich. Aber es passiert ständig. Und ich frag mich jedes Mal, hä, warum jetzt dahin? Wie bist du jetzt darauf gekommen? Und was soll das? Aber plötzlich ist er halt in dieser Glasmanufaktur und sieht sich da auch einfach nur um. Und keiner fragt sich, was will der hier? Der sieht sich halt um. Und hat ein Glas in der Hand und guckt sich das an und denkt sich, oh, jetzt weiß ich, wo es weitergeht. Ja, genau.
Florian Bayer: Warum? Hinweis A. James Bond, und das ist James Bond, das ist nicht Moonraker, das ist klassisch James Bond. James Bond funktioniert immer nach dem Prinzip, Bond findet was heraus. Reist zu dem Ort, über den er was herausgefunden hat. Irgendein exotischer Schauplatz oder weniger exotischer Schauplatz. er findet da den nächsten Hinweis, hat Sex mit einem Bond-Girl, wird vom Handlanger angegriffen, reist weiter. Und das ist in jedem Bond-Film so. Und jeder Bond-Film besteht aus vier Drehorten, wo genau das passiert. Also tatsächlich ist Moonraker hier komplett auf der Formel. Das ist nichts, das ist nichts, was anders wäre als bei anderen Bond-Filmen. Das Budget ist höher, die Drehorte sind ein bisschen mehr, kann man sagen. Also es ist ein bisschen weiter gefasst, weil es wirklich einmal USA, Europa, Südamerika ... Und der Weltraum? Und der Weltraum. An Originalschauplätzen gedreht, ne? Ja. Der Weltraum wird tatsächlich gerne, wird gerne so nach vorne geholt. Tatsächlich ist ja die Weltraum-Szene, das sind die letzten 20 Minuten. Ja. Es ist kein Science-Fiction-Bond. Am Ende wird er zu Star Wars. Ja. Und der Hintergrund ist ja auch tatsächlich, eigentlich sollte als Nachfolger von Der Spion, der mich liebte, For Your Eyes Only kommen. Und dann war 1977 aber Star Wars so ein massiver Erfolg, dass sie gesagt haben, okay, wie viele andere Studios, das haben damals alle gesagt, wir müssen unseren Star Wars drehen. Disney hat damals seinen Star Wars gedreht mit Das Schwarze Loch, der übrigens ein guter Film geworden ist. Okay. Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen, aus die Star Wars kopiert haben. Aber genau, dann haben sie gesagt, wir müssen unseren Star Wars drehen. Und dann haben sie in James Bond Star Wars gemacht. Aber dieser James Bond ist kein Science-Fiction-Film. Dieser Bond ist eigentlich ein klassischer Bond, der over the top ist. Aber der Weltraum spielt am Schluss eine Rolle. In den letzten 20 Minuten gibt es einen total bescheuerten Kampf im Weltraum, der super unterhaltsam ist, weil sie dann alle in der Schwerelosigkeit gegeneinander schießen mit Lasern. Das ist toll. Weil auf einmal hast du diese ganzen Leute, Geheimagenten und Bösewichte, die da rumfliegen und
Johannes Franke: Piu, Piu, Piu, Piu. Und du denkst so, das ist scheuer. Das ist wirklich. Das macht so viel Spaß. Dann ist er doch, aber ist das vorher oder nachher? Ich weiß es schon nicht mehr. Bei diesem, beim Bösewicht, beim Fasanenschießen. Ja, ein Mordanschlag auf ihn, aus dem Neuen. Oh Gott. Nimmt er dieses Ding, schießt in die Luft und der Typ glaubt, er hätte verpasst, den Fasan nicht gekriegt oder die Ente oder was auch immer sie da schießen. Vorbeigeschossen. Did I? Did I? Und dann fällt aus dem Baum dieser Typ runter. Das ist auch geil, diese Entspanntheit, mit der das gelöst wird und dann der Bösewicht sagt dann auch nichts mehr dazu. Nein, es sagt keiner was dazu. Und ich frage, Plor, wofür haben sie die 30 Millionen, 30 Millionen haben sie ausgegeben, wenn ich das richtig erinnere. 30 Millionen, wofür sind die raufgegangen? Wenn das Geld komplett für Schauplätze und für Schauspieler und so weiter draufgegangen ist, haben sie den Drehbuchautoren vielleicht für Dialogzeilen bezahlt und hatten nicht mehr genug Geld? Es gibt nicht genug Dialogzeilen, um irgendwas zu erklären. Es gibt, es werden Allgemeinplätzchen hin und her geworfen und One-Liner. Und das war's. Und kein bisschen erklärt, was da eigentlich wirklich passieren soll. Tatsächlich ist James Bond ja durchaus immer ziemlich wortkarg. Ja, aber da kann die Figur wortkarg sein, aber der Rest der Personalie doch nicht.
Florian Bayer: Nein, die Filme sind auch wortkarg. Oh Gott. Also auch dieses Reisen, wenn du bei James Bond nicht aufpasst, ist es genau, wie du gerade gesagt hast, du weißt nicht, warum er plötzlich da ist. Und das liegt nicht daran, dass du zu dumm bist, die Story zu verstehen. Es wird dir einfach nicht gesagt. Es gibt einfach so ganz kleine Hinweise, die Bond sieht. Und dann ist okay. Und dann ist klar, es ist auch teilweise total albern, weil er ist, er ist dann in Venedig. Da gibt's wirklich eine fantastische Action-Sequenz
Johannes Franke: mit dieser Gondeljagd. Die ist wirklich fantastisch, muss ich mal sagen. Also natürlich völlig over the top und ich frage mich, hä, was jetzt das noch? Aber das war ein sehr schöner Einstieg. Wollen wir dazu mal einfach, weil der fährt da mit der Gondel durch die Gegend und dann kommt eine andere Gondel entgegen, der gerade eine Beerdigung, wo gerade eine Beerdigung stattfindet anscheinend. Und dann fährt das Boot so an ihm vorbei und dann geht plötzlich der Sarg auf und ich denke schon, wow, cool, jetzt kommt noch das Crossover zu Dracula oder was. Und dann kommt dieser Typ raus, nimmt sein Maschinengewehr und schießt auf Bond. Völlig dilettantisch. Hat keinerlei Ausbildung genossen offenbar, weil Bond in der Lage ist, sich wegzuducken und noch sehr viel Zeit braucht, um sein Messer zu holen, was er dann auf ihn wirft. Dann verwandelt sich diese Gondel plötzlich in ein Motorboot und er fährt davon. Und der Rest der Personale auf dem Beerdigungsboot versucht ihn noch irgendwie hinterher zu schießen, glaube ich. Ja, die sind alles feindliche Killer. Jeder könnte ein feindlicher Killer sein. Es ist so absurd und ich weiß nicht, wie er in diese Situation geraten ist, warum er da überhaupt auf der Gondel ist, was da überhaupt sein sollte. Und dann fährt er plötzlich mit dem Motorboot los und als er auf Land kommt, wird es auch noch zum Gefährt. Natürlich, er muss ja irgendwie entkommen. Er hätte noch einen Propeller haben können. Das wäre noch das Bessere gewesen. Ja. Es ist... Natürlich, es ist eine kleine, junge Fantasie und ich finde es witzig, aber... Es macht keinen Sinn. Aber es macht weder Sinn noch... Ich weiß nicht, der Film... Vielleicht hätte er mich damals gekriegt, heute habe ich so viele Hürden, um da reinzukommen, weil diese kleinen, jungen Fantasie nicht ordentlich mit einem Disclaimer kommt vorher. Ja. Weißt du, man steigt nicht in den Film ein, mit dieser Erwartung, eine kleinen, jungen Fantasie zu sehen, sondern man hat irgendwie... Man kriegt nicht schnell genug die Erlaubnis, über Trash zu lachen. Weißt du, was ich meine? Ich glaube, ich weiß, was du meinst.
Florian Bayer: Du müsstest noch mal... Also, es ist auf jeden Fall spannend, im Kontext von diesem Film noch mal die Bond-Klassiker zu gucken. Weil man findet das alles auch in den Bond-Klassikern. Und es ist immer so... Ja, man denkt dann, okay, diese Filme werden teilweise von Leuten ernst genommen. Ach, aber... Und zwar... Also, nichts gegen James-Bond-Fans. Ich glaube, die meisten James-Bond-Fans wissen, dass das Spaß ist und dass das Unterhaltung ist. Aber ich glaube, ein paar sagen wirklich, hey, das sind gute Action-Thriller. Und das sind sie halt nicht. Das sind halt Bedienungen von kleinen Jungs-Fantasien. Und Moonraker toppt das alles. Du hast gefragt nach dem Budget. Die Action-Sequenzen haben Mordsbudget gefressen. Das sieht man auch, wenn man den vergleicht mit den anderen James-Bond-Filmen, die ein Fünftel von den Kosten hatten normalerweise. Ja, okay. Wenn überhaupt. Also, in den 70ern haben sie dann langsam angefangen, so ein bisschen das Budget hochzuschrauben. Aber selbst der Film davor, der schon der teuerste Bond-Film war bis dato, hat die Hälfte gekostet von dem hier. Also, so sieben Millionen Dollar, sechs Millionen Dollar waren damals irgendwie die UBJs für die Bond-Filme. Und man sieht es total. Weil die Action-Sequenzen sind einfach krasser. Und trotzdem hat er teilweise noch dieses... Auch dieses Trashige drin. Also, was ich zum Beispiel sauwitzig finde, und das findet man bei Bond-Filmen immer mal wieder, dass sie Geschwindigkeit darstellen, indem sie ganz offensichtlich einfach das Filmmaterial beschleunigen. Wenn ein Auto schnell fahren soll, dann wird der Film einfach schneller abgespult. Und man sieht es. Ja. Und es sieht so albern aus,
Johannes Franke: weil es wirkt so unecht und es wirkt so falsch. Das ist nicht der einzige Film, der das macht. Aber es gibt... Das war als legitimes Mittel tatsächlich viel benutzt. Aber es wurde halt auch schon mal besser gemacht. Ja. Weil dann musst du bestimmte andere Sachen beachten, die dazu führen, dass du es nicht so doll siehst, dass das so beschleunigt ist. Sondern dann musst du halt irgendwie alle anderen Sachen drumherum zum Beispiel langsamer machen lassen und so. Und der Schwenk muss entsprechend gefahren werden, damit man dem Schwenk nicht schon ansieht, dass es alles beschleunigt ist. Solche Sachen. Aber das hat er halt nicht gemacht.
Florian Bayer: Nee, nee, nee. Das hat er nicht gemacht. Das sieht man vor allem in den Szenen dann in Rio. Also, wieder so total absurd. In Venedig findet er eine Kiste, wo Rio draufsteht, während er gegen Chang kämpft und dann Chang aus dem Fenster stürzt. Und Chang landet auf einem Klavier und dann darf er einen coolen One-Liner raushauen. Play it again, Sam. Yay. Den fand ich fast witzig. Ja, es ist alles so ein bisschen fast. Ja, genau. Aber in Rio gibt es dann zwei wirklich tolle Action-Sequenzen. Eine, weil sie wirklich gut ist und weil sie wirklich spannend ist. Das ist die auf der Seilbahn. Ah, ja, stimmt. Wenn er von Weiß auf der Seilbahn angegriffen wird. Das stimmt, ja. Und da wäre fast der Stuntman draufgegangen. Der hing dann nämlich ohne Sicherung mal eine Zeit lang am Seil. Fuck. Sollte man übrigens auch sagen, zu den Bond-Filmen, die ein höheres Budget haben. Ja. In diesem Film sehen wir vielleicht zu 60 Prozent Roger Moore. Weil ich meine, sobald die Action-Sequenzen sind, das ist ein Stuntman. Ja, stimmt. Und dieser Stuntman trägt den Film total, weil es sind einfach lange Action-Sequenzen. Ja. Und Roger Moore sitzt mal vorm Greenscreen dann im Boot. Und ansonsten haben wir halt einfach einen Stuntman. Und der wäre bei dieser Gondel-Aktion fast abgestürzt. Krass, Mann. Eine tolle, spannende Action-Sequenz. Ja, ja, auf jeden Fall. Und das ist dann auch, wo der Beißer sein Beißer-Girl, sein Jaws-Girl kennenlernt. Aber noch viel besser danach die Action-Sequenz. ist mit dem Krankenwagen, wo sie einmal eine Verfolgungsjagd gemacht haben mit Product Placement. Oh Gott. Die es krasser nicht sein könnte. Und das wirkt fast wie eine Selbstparodie. Weil James Bond sind Product Placement-Filme. Das machen die immer. Die haben das immer drin. Die Autos werden gesponsert. Die Gadgets werden teilweise gesponsert. Und es gibt auch Plakate zu sehen. Aber in dieser Szene kulminiert das so krass, weil der Krankenwagen, in dem sie gefangen halten wird ... Genau, Holly Goodhead, auf die trifft er wieder in Rio, ist ja eigentlich gar nicht so wichtig. Auf jeden Fall fährt der Krankenwagen eine Serpentine runter. Flucht, Groß, Action-Sequenz. Und fährt an Werbeplakaten vorbei. Und zwar an massiven Werbeplakaten. Einmal ganz kurz, ich hab mir aufnotiert, es gibt sehr viele Werbepartner in diesem Film. Air France, British Airways, Seven Up ist zu sehen. Psycho, Ken, Christian Dion. In diesen Werbeplakaten fällt er vorbei. Und diese Szene endet damit, dass sie in dieses Plakat reinfahren. Genau, dass sie in das Rauch, in das Malbüro-Plakat war's, glaub ich, reinfahren.
Johannes Franke: War's Malbüro? Ich weiß es schon gar nicht mehr. Aber es waren so 50er-Jahre grinsende Gesichter, so gemalte.
Florian Bayer: Aber diese Szene, das ist ... Ich kann's mir nur so denken, das kann keiner ernst genommen haben. Und das ist einfach eine Parodie auf diesen Product Placement-Wahn von Bond. Und wenn sie's nicht gewusst haben, dann ist es eine unbewusste Parodie. Aber es ist so geil zu sehen, dieser Krankenwagen. Und das ist so offensichtlich, weil in jeder Sequenz, wenn er um die Kurve fährt, sieht man ein neues Werbeplakat. Als ob sie noch mal ganz schnell alle Partner da hätten reinklatschen wollen. Wie Credits ist das fast. Geil. Das ist eine tolle Szene. Und dann dieser Höhepunkt, dass sie dann das letzte Plakat auch noch zertrümmern und zum Teil der Sequenz machen. Den fand ich wirklich nicht schlecht, ich hab gelacht. Es ist so witzig. Und das ist auch diese Action-Sequenz, in der das am krassesten auffällt, dass sie einfach alles beschleunigt haben. Dass die ganze Zeit der Film mit doppelter Geschwindigkeit abläuft, damit dieser Krankenwagen auf seiner Flucht schneller wirkt. Wunderbar. Ja, es gab viele Werbepartner. Wie gesagt, ich hab schon aufgezählt. Air France, British Airways, Varric, was auch immer das ist, Seven Up, Marlboro, Psycho, Canon, Christian Dior und Bollinger. Bollinger? Bollinger. Frag mich nicht. Okay. Und AMC und Jeep natürlich für die Fahrzeuge. Weil die müssen ja auch gestellt werden von jemandem. Das war tatsächlich ... In späteren Bond-Filmen finde ich es teilweise noch ein bisschen dreister, wenn sie gerade so die Autos so sehr krass präsentieren. Das macht dieser Bond-Film nicht so. Die Bond-Filme haben meistens Autos. Ja, stimmt. Die dann von einem Hersteller sind. Und die werden dann sehr prominent platziert. Aber das kenne ich aus den 90ern eher. Ja, es sind eher die späteren Bond-Filme. Aber Autos gehören eigentlich zum Standardrepertoire auch von den älteren Bond-Filmen. Okay. Es gibt meistens mindestens eine Autoverfolgungsjagd. Dieser Film hat keine klassische Autoverfolgungsjagd, wie man sie von Bond kennt.
Johannes Franke: Sag mal, ich hab hier einmal aufgeschrieben, die Stelle, wo ihm gesagt wird, so, jetzt machst du mal zwei Wochen Pause. Ja. Weil er ... Und ich dachte an der Stelle im Film ... M sagt das, oder wer sagt das? Ja, ja, M sagt das zu ihm. Und ich dachte an der Stelle, du hast mir jetzt eine Stunde lang nix erzählt und jetzt soll er zwei Wochen Pause machen?
Florian Bayer: Was? Was? Ja, es ist natürlich eine sehr witzige Szene, die dazu hinführt. Also, Bond ist in Venedig in dieses Labor eingebrochen. Ja. Und hat da die Kisten gesehen, die auf Rio hinweisen. Und dann sagt er natürlich, hey, ich muss ganz schnell, hier Secret Service, CIA, ihr müsst euch das angucken, was in dem Labor ist. Und führt sie dann da rein. Und sie gehen dann mit Gasmasken voll ummantelt hinein. Und dann ist das alles leergeräumt. Und der Bösewicht sitzt da auf seinem Stuhl, wie so auf einem Thron, und sagt, hey, was machen Sie denn hier? Hier gibt es nichts zu sehen. Gehen Sie weiter. Und große Flamage für Bond. Und deswegen wird er beurlaubt eigentlich. Aber er darf ja weiter forschen. Also, das ist ja tatsächlich, es spielt keine große Rolle, weil er forscht einfach weiter.
Johannes Franke: Das ist halt das Ding, ne? Es hat keine Auswirkungen. Und die Szene hätte man auch rausschmeißen können. Es hätte nichts verändert. Ich weiß nicht.
Florian Bayer: Ich fand die Sau witzig, die Szene, wenn Sie mit diesen Gasmasken da reinkommen.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, das stimmt. Und dann sitzt er da und so, nützt nix. Das stimmt schon. Ich meine, die Beurlaubung danach, die brauchst du nicht. Und das sagt mir bloß an der Stelle, Hä, ist jetzt sowieso schon nix passiert? Und jetzt auch noch Pause? Nee. Also, die ganzen Filme über ... Aber dieses Gefühl von, es ist nix passiert, kommt bei mir nur deswegen zustande, weil niemand was erzählt. Ja, es hat sich erzählt. Niemand erzählt, was der Plan ist. Oder weil es gibt keine Dialoge, die auf irgendwas hinweisen. Und deswegen hast du das Gefühl, einem losen irgendwas, einem Patchwork-Teppich dabei zuzusehen, wie er irgendwie von einer Farbe in die nächste wechselt, aber nichts Wesentliches tut.
Florian Bayer: Ein Film ist ein visuelles Medium. Wir sehen ganz klar das Logo dieser Klaas-Manufaktur. Wir sehen ganz klar das Logo von Rio de Janeiro. Wir wissen, wo wir hin müssen.
Johannes Franke: Also, ich gebe zu, Filme können ganz schnell in die Falle des Overexplaining gehen. Also, man kann auch übertreiben. Aber man kann es halt auch untertreiben. Gerade bei Agentenfilmen ist es ja oft so,
Florian Bayer: dass sehr viel erzählt wird. Weil die Storys meistens so konnotet sind, dass du irgendwie dem Zuschauer erklären musst, wer hat was geplant, welcher Geheimdienst arbeitet hier mit wem zusammen.
Johannes Franke: Genau, wegen Moonraker denken jetzt alle, wir müssen es auch erklären.
Florian Bayer: Weil da ist es mal schiefgegangen, es nicht zu erklären. Wahrscheinlich. Ich glaube, man muss sich da einfach mitreißen lassen. Das ist auch total albern. Er findet dann ja heraus, dass diese Pflanze im Amazonasgebiet verantwortlich ist. Man hat eigentlich das Gefühl, ich meine, das Amazonasgebiet ist groß. Und Rio de Janeiro ist auch groß. Wie schaffst du es, wenn du so ein Bild von der Stadt siehst, wie schaffst du es so schnell, an dem Ort genau diesen Punkt zu finden?
Johannes Franke: Ja, und er ist da im Amazonas kurz unterwegs und schon wird auf ihn geschossen.
Florian Bayer: Ja, tolle Actionsequenz. Aber wie ist er an den richtigen Ort gekommen? Wie haben sie ihn gefunden? Und dann flieht er ja mit diesem Hängekleiter und landet auch praktischerweise direkt im großen Geheimlabor von unserem Superschurken. Das ist so geil. Ich meine, es ist groß. Es sind Kilometer. Er muss da eigentlich irgendwo im Dschungel landen. Aber nein, er schafft es tatsächlich, genau da zu landen, wo er hin muss. Nämlich in diesem Geheimlabor, wo die ganzen Moonrakers gebaut werden, die dann in den Weltraum fliegen. Und wir kommen zum großen Space-Finale.
Johannes Franke: Und es ist wirklich so ein harter Cut für mich von einem Bond-Film zu Star Wars, wo ich denke, hä? Wie hat er diese Kurve gekriegt?
Florian Bayer: Oh, das ist nicht schön, wenn sie dann ... Das ist einfach noch mal so einen draufgesetzt. Weißt du, ihr kriegt jetzt diese riesige Torte und wir machen noch ein bisschen Glitzer drauf. Und hier explodiert noch was und hier explodiert noch was. Und ah ja. Und jetzt kommt die Sahne. Und dann sind sie mitten im Weltraum. Bond erfährt zum ersten Mal den totalen Gaga-Plan von dem Superschurken.
Johannes Franke: Und er steht auch schon so da, als wenn er sagen würde, hä? Genau.
Florian Bayer: Sein Gesichtsausdruck ist schon auch so, muss ich sagen. Definitiv. Roger Moore sowieso. Roger Moore ... Ich stehe total auf Roger Moore als James Bond. Und ich weiß, viele finden Roger Moore als Bond so meh. Das Tolle an Roger Moore ist, dass er im Gegensatz zu Sean Connery immer so eine gewisse Ratlosigkeit mit sich trägt. Und zwar ganz oft, wenn irgendwas passiert, wenn der Beißer ihn angreift, ist sein Blick eher so ... Hä? Wie jetzt? Wirklich? Passiert das gerade? Manchmal hat man fast das Gefühl, als ob sie einen echten Agenten genommen hätten und dahingestellt hätten. Und der würde sich denken, nee, nee, das ist nicht meine Arbeit.
Johannes Franke: Aber wirklich. Und ich weiß nicht genau, ob Roger Moore das wirklich spielt oder ob das einfach seine Grundhaltung zu James Bond ist. Also seine private Grundhaltung.
Florian Bayer: Es kann sein. Ich glaub, Roger Moore hat tatsächlich ... Der hat total gekämpft mit seinem Bond-Image. Okay. Und jeder Bond-Film von ihm zeigt einen komplett anderen Bond. Echt, wirklich? Das ist total merkwürdig. Und zwar eher so in so kleinen Nuancen. Mhm. Aber wir haben zum Beispiel den ersten Bond-Film von ihm, das war Leben und Sterben lassen. Und da hat er total dieses Palpige rausgekehrt. Und da war er irgendwie so ... Naja, so ein bisschen albern, so ein bisschen trashig. Leben und Sterben lassen ist ein ganz merkwürdiger Bond-Film, weil er eher so ein Exploitation-Film ist. Mehr als Moonraker. Moonraker ist ein Big-Budget-Film. Mhm. Aber Leben und Sterben lassen war irgendwie so ein Exploitation. Das ist der, wo ich gesagt habe, der die ganzen schwarzen Bösewichte hatte. Ah ja. Der bedient sich auch ganz krass beim Plagsploitation. Und den fanden alle Bond-Fans kacke. War der erste Auftritt von Roger Moore. Und alle haben gesagt, äh, da, Connery. Äh, äh, äh, ja. Und George Lassenberry hat dann so im Hintergrund gesagt, ah, was ist mit mir? Der hat einmal in Bond gespielt. Und dann hat Roger Moore im nachfolgenden Film, der Mann mit dem goldenen Colt, hat er versucht, Sean Connery zu imitieren. Und da sehen wir Roger Moore, wie er Sean Connery spielt, wie er James Bond spielt. Nein. Und zwar so, dass es wirklich unangenehm ist. Weil er ist einfach nicht Sean Connery. Und er gibt sich wirklich reichlich Mühe. Und das ist ein Totaldesaster. Shit. Also es ist auch tatsächlich der schwächste Bond-Film mit Roger Moore, meiner Meinung nach. Die Meinungen gehen übrigens total auseinander. Du fragst zehn Bond-Fans, was die besten Bond-Filme sind. Meistens hörst du sowas wie Goldfinger und From Russia With Love hörst du auf Platz eins und zwei. Und dann geht's drunter und drüber. Okay. Und jeder nennt was anderes. Naja, auf jeden Fall hat er versucht, Sean Connery zu imitieren. Das hat gar nicht geklappt. Und dann im darauffolgenden Film hat er zum ersten Mal sein eigenes Ding gemacht. Und das war der Spion, der mich liebte. Und das ist ein ... Also wenn du einen ernsthaften Bond-Film ... Ernsthaft, in Anführungszeichen. Einen ernsthaften Bond-Film mit Roger Moore sehen willst, das ist wahrscheinlich der beste. Das ist so ein sehr traditioneller Bond mit erhöhtem Budget. Wo Roger Moore sein eigenes Ding macht und wirklich einfach Spaß hat als Bond.
Johannes Franke: Okay. Ja, dann muss ich das mal gucken. Weil, also, das find ich spannend, dass ein Schauspieler ... Weil das ist ja die große Herausforderung an Serien, ne? Beziehungsweise an Reihen. Wenn du die gleiche Rolle noch mal spielst, aber irgendwie ist ein Jahr dazwischen, du hast die Dreharbeiten ... Oh Gott, wie hab ich das noch mal gespielt? Was war da das ... Das noch mal hinzukriegen, genau so, mit einem anderen Drehbuch genau die gleiche Figur noch mal zum Leben zu erwecken, ist natürlich so ein Ding. Und wenn du dann aber einen Schauspieler hast, der in jedem Film eine andere Version davon spielt, ist schon irgendwie ... Geil.
Florian Bayer: Ich glaub, bei Moonrake hat Roger Moore dann so ein gewisses Phlegma entwickelt. Und das trägt er auch durch die anderen Bond-Filme. Er hat so was, ja, so ein bisschen, manchmal ein bisschen ratlos, manchmal ein bisschen phlegmatisch. Und dann gibt's aber immer diese Verführungsszenen, wo er halt doch noch mal kurz der ist, der die Kontrolle hat über das jeweilige Bond-Girl. Und sie verführt, indem er einmal über ihre Schulter streichelt und sagt, du weißt, was jetzt kommt. Und sie sagt, na klar weiß ich, was jetzt kommt. Ich warte schon die ganze Zeit drauf. Ich mein, Constant ist den Bond-Filmen ja sehr wichtig, ne? Also, es ist schon immer so, hey, jetzt werden wir Sex haben. Ja, natürlich, wenn wir jetzt Sex haben.
Johannes Franke: Aber das ist halt das, was Roger Moore, was ich wirklich schwierig finde an dem Film, warum ich Schwierigkeiten habe, da wirklich immer mitzugehen, ist, weil ich das Gefühl habe, selbst Roger Moore hat keine Lust darauf. None|Ja. Das wirkt manchmal wirklich so. Warum sollte ich Lust darauf haben?
Florian Bayer: Weil der Film Lust drauf hat. Ich finde, Roger Moore setzt dem Ganzen tatsächlich, vor allem in Moonraker, die Krone auf. Durch seine Verwirrung auch so dieses, okay, jetzt sind wir im Weltraum. Okay, jetzt wurde ein Knopf gedrückt. Jetzt sind wir alle schwerelos. Okay, jetzt ballern die aufeinander. Ja, ich hab mein eigenes Ding. Ich muss die Menschheit retten. Warte mal, kämpft ihr mal? Ich mach da mal was. Komm hier los mit Holly Goodhead und rette mal zusammen mit der CIA Agentin die Welt. Ich find's toll. Ich mag Roger Moore als Bond und ich kann jeden verstehen, der ihn nicht mag. Und ich glaube, es ist wirklich so eine Geschmacksfrage. Mag man die albernen, absurden und trashigen Seiten von Bond? Okay, ja. Ich finde halt, die albernen, absurden und trashigen Seiten gibt's überall. Und manchmal werden sie so ein bisschen versteckt. Manchmal werden sie von Budget erschlagen. Das ist das, was in den 90ern passiert ist. Und manchmal versuchen auch, was auch lobenswert ist, als Regisseure komplett dagegen zu arbeiten, bei den Daniel-Craig-Bonds. Aber sie haben das trotzdem alles. Ich mein, ey, komm, es ist ein Geheimagent, der ja die ganze Zeit von Bösewichtern verfolgt wird, der Action-Sequenzen durchläuft. Und der Sex mit diversen Frauen hat und immer ein lustiges Gadget dabei hat. Egal, wie ernst du das inszenierst, es ist eigentlich trash. Und es ist einfach, es sind Kinderfilme für Erwachsene.
Johannes Franke: Er hat ja nun leider nicht Sex mit diversen Frauen. Er hat ja mal Sex mit den gleichen Frauen im Grunde. Also, der gleichen Abziehfigur von einer Frau. Bond war tatsächlich, gehörte tatsächlich zu den Figuren,
Florian Bayer: die relativ früh Interracial Relationships hatten. Also, es gibt in den, ich glaube, in den 60ern schon. Ich glaube, Ende der 60er hatten wir das erste schwarze Bond-Girl. Okay. Und in den, in Leben und Sterben lassen zum Beispiel, gibt's fast nur schwarze Bond-Girls, wenn ich mich richtig erinnere. Und dann hat er auch mit denen Sex. Okay. Ja, ich würde jetzt auch, Bond ist kein, kein Musterbeispiel für diverses, progressives Filmemachen. Aber zumindest, das muss man ihm geben, dass die Bond-Girls,
Johannes Franke: ja, die Bond-Girls in diesem Film sehen alle gleich aus. Ja, ja. Darf ich, darf ich einmal so ein ganz absurdes Beispiel aus diesem Film? Der, der kommt da an, ich glaube, er kommt in Rio an, ich weiß nicht, irgendein, irgendeinem. Er kommt wo an. Er kommt irgendwo an, in einem Hotel. Und dann ist da eine Frau, die ihm sagt, ja, ähm, wollen Sie was trinken? Er fragt, ähm, ist das, kommen Sie mit, ähm, mit dem Zimmer, sind Sie im Zimmer inbegriffen? Und sie sagt, kommt drauf an, wer das Zimmer, ähm, in Anspruch nimmt? Und dann setzt sie sich aufs Sofa, er setzt sich daneben und greift ganz nonchalant an ihren, einfach so an ihren seitenen Gürtel, den sie da um das, äh, wenige, was sie anhat, um, um, und zieht den einfach so, mitten im Gespräch, einfach so den Gürtel weg.
Florian Bayer: Das ist Manuela, das ist eine Kontaktfrau in, in, in, in Rio. Das ist eine ganz wichtige Rolle. Das ist die Agentin, die in Rio ist und alles, alles zusammenhält. Und, und, und,
Johannes Franke: dann geht man einfach so zwischendurch im Gespräch, ohne ein Wort darüber zu verlieren, an den Gürtel und zieht ihn einfach weg und das war's? Ja, und dann haben sie Sex.
Florian Bayer: Und dann haben sie Sex, was soll das? Und dann ist sie auf dem Karneval, sie wird vom Beißer angegriffen und überlebt es und bedankt sich bei Bond und sagt, dass sie lieber mit ihm getanzt hätte, als mit dem Beißer. Und dann ist sie vorbei. Das war, ähm, das sind die klassischen, nennen wir sie Beta-Bond-Girls. Es gibt in jedem Bond-Film einen Alpha-Bond-Girl, das immer wieder vorkommt und die ganzen Beta-Bond-Girls und sie, sie darf überleben. Ja, sie darf überleben. Die andere wird von Hunden gejagt und zerfleischt.
Johannes Franke: Also, das finde ich wirklich, wirklich schwierig, dass darüber überhaupt gar kein Wort verloren wird. Also, er greift wirklich einfach nur hin und das war's. Ja. Und das finde ich halt irgendwie echt, auch für die 70er, nicht geil.
Florian Bayer: Das sind die Sex-Szenen bei Bond immer, ne? Also, Bond lernt eine Frau kennen und innerhalb von Sekunden schafft er es, sie zu verführen. Und zwar eben genauso streicheln über die Schulter, Gürtel wegziehen. Ähm, ja, definitiv. Man kann maximal, kann man es ihnen zugute halten, dass sie nicht irgendwie ein Wehren zeigen, dass sie es nicht so, nein, nein, nein, ja, ja, ja machen. Ja. Sondern, dass die Frauen dargestellt werden als, ja, die wollen es auch. Und zwar von Anfang an, dass es keinen Widerstand gibt. Weil das haben viele, viele, viele, viele Filme in dieser Zeit ganz schrecklich gemacht, dass sie dieses, sie wird überwältigt und findet das dann geil machen. Ja. Und wenigstens das machen die Bond-Filme nicht. Aber ja, das, das sind die Frauenrollen in diesen Filmen. In Der Spion, der mich liebte, der davor war, haben sie tatsächlich eine, die Widerstand leistet. Oh. Also, ähm, positiv, nicht, nicht so, sie wird überwältigt, sondern er sagt, hey, und jetzt, Baby? Und sie sagt, nö. Das ist die russische Agentin. Ah, okay. Aber das macht sie auch nur in einer Szene und danach vögeln sie munterum. Mhm. Und in der Abschlussszene vögeln sie dann im U-Boot, während Russen und Briten runtergucken und sagen, oh, ah ja, okay. Das ist auch immer Völkerverständigung, ne? Bond-Stich für Völkerverständigung. Haben wir in diesem Film ja auch. Ja. Und am Schluss die Amerikaner und die Briten sagen so, ah, gute Geheimdienstarbeit zusammen, wollen wir mal schauen, was unsere Superagenten machen. Und dann sehen wir Bond und, äh, Goodhead in dieser, in dieser, in dieser Raumkapsel. Mhm, und sie haben Sex. Natürlich in der Schwerelosigkeit.
Johannes Franke: Wie hast du Sex in der Schwerelosigkeit? Hallo? Du hast ja nichts, woran du dich gegen, also du brauchst ja gegen, du hast keinen Widerstand. Du hast keinen Widerstand. Das geht doch überhaupt nicht. Das ist eine große Herausforderung.
Florian Bayer: Blödsinn. Das funktioniert einfach nicht. Ich glaube, das könnte Bond so in die Vita eintragen. Talente, Sex in der Schwerelosigkeit. Dass der alles schon
Johannes Franke: in seiner Vita stehen hat.
Florian Bayer: Ja. Aber ja, das sind halt alles auch wirklich Bond-Trademarks, ne? Es ist nicht so, dass Moonraker hier aus der Reihe tanzt. Moonraker setzt halt eher nochmal einen drauf mit seinen Action-Sequenzen und seinem Humor. Aber tatsächlich, wie mit Frauen umgegangen wird, das ist einfach klassisch Bond. Plus, dass das Haupt-Bond-Girl, Holly Goodhead sogar, für Bond-Verhältnisse eine ziemlich starke Frau ist.
Johannes Franke: Ja. Du fragst dich den ganzen Film über, wann kommt endlich die Rakete? Weil du den Trailer gesehen hast. Und wenn du den Trailer gesehen hast, denkst du dir, ah, ein Film über Raketen und Zeug und eigentlich hast du nur das im Kopf. Und dann sitzt du aber ganz schön lange. Achso, du meinst, die Weltraumszene? Oder was meinst du? Also, ich weiß nicht mehr ganz genau, wie der Trailer abläuft, aber ich hatte die ganze Zeit im Kopf, ah ja, okay, es geht um Raketen. Okay.
Florian Bayer: Tatsächlich geht's in der Original, in der Romanvorlage geht's um Raketen, allerdings nicht um Weltraumraketen, sondern um Raketen, die irgendwo hingeschossen werden sollen, um einen dritten Weltkrieg auszulösen. Aber typisch für James Bond, die Verfilmung hat nichts mit der Vorlage gemeinsam außer dem Titel. Und die haben halt geguckt, okay, welcher Roman heißt, hat irgendwas mit Weltraum zu tun wahrscheinlich. Und dann haben sie Moonraker gefunden. Okay. Tatsächlich sollte das Buch mal verfilmt werden, ganz spannend, die Moonraker-Vorlage. Und zwar in der Verfilmung, die näher dran ist am Buch, in den 50ern, 1955, von Orson Welles. Oh, das wär ja auch spannend geworden. Darüber wurde lange, da gab's dann Hoax, nicht Hoax, es gab Gerüchte, dass das Ding, dass das Ding gedreht wurde. Und dann wurde danach gesucht. Und irgendwann sind sie wohl auf eine 40-Minuten-Version gestoßen, die allerdings nur aus Raw-Footage, aus Rohmaterial besteht. Aha. Und, aber es gab offensichtlich einen Moonraker von Orson Welles. Und in den 50ern, lange bevor, bevor Bond populär war als Film. Der erste Bond-Film, der wirklich populär war, war ja 1962 mit Sean Connery, Jagd Dr. No. Okay. Ja, genau, aber offensichtlich gab's das und das wäre wahrscheinlich ein ganz anderer Moonraker geworden. Das Intro, die Schwerelosigkeit, wurde übrigens mit Trampolinen gemacht, finde ich ganz witzig. Echt? Noch kurz reinzuwerfen, am Anfang ein klassisches Bond-Intro mit Musik und Frauen, die rumspringen und diese Frauen schweben in der Schwerelosigkeit vor einem Mond.
Johannes Franke: Sie haben Superwoman. Sie haben Superwoman? Sie hat die Pose von Superman eingenommen. Wirklich? Ja, und die fliegt da in der Gegend rum. Als Superwoman? Was soll das? Als Silhouette von Superwoman? Schön, das hab ich gar nicht so interpretiert, aber okay, cool. Wurde mit Trampolins gemacht. Okay. Wenn wir bei den Raketen schon sind, lass uns da noch mal ein bisschen drüber reden, was die da eigentlich machen. Im Weltraum? Ja. Sie kämpfen. Ja, im Grunde. Es wird einmal so vom Bösewicht so ein paar Mal angeteasert, was er eigentlich vorhat. Ja. Naja, Rekolonialisierung, toller Plan. Genau, und dann gibt's diese tolle Rede von ihm, wenn sie dann wirklich im Weltraum sind. Also, wenn, er hat, er kann, hat nicht viel drauf, aber er hat's geschafft, eine Weltraumstation zu bauen, die eine exzellente Akustik hat. Er steht da, mitten in diesem riesigen Raum und redet ganz normal, aber der ganze Raum wird beschallt. Das ist ganz beeindruckend. Woher doch Besseres zu tun hätte, zum Beispiel James Bond mit einem Kopfschuss auszuschalten. Mann! Aber in dem Moment weiß er noch gar nicht, dass James Bond da ist, oder? Ich krieg die, ich versuch gerade, die Chronologie hinzukriegen, aber ich weiß es auch nicht mehr genau. Ähm, so, und, äh, sie sprechen auch nix ab, ne, die beiden. Also, gerade, gerade ab dem Moment, wo sie da ankommen, bei dem Hauptquartier von dem Bösewicht, müssten sie eigentlich miteinander reden und sagen, du gehst jetzt dahin, du gehst jetzt dahin, wir machen jetzt das, du machst das und ich mach das. Nix, es wird nix abgesprochen und sie machen einfach Synchronen, was sie machen wollen. Was soll das? Telepathie? Oh ja, natürlich. Gehört auch auf die Bondfähigkeitenliste. Und dass sie auch überhaupt nicht, sie laufen da in diesem, dieser Verkleidung von den Astronauten, dann rum, um da in die Rakete reinzukommen und niemand erkennt, dass das nicht die Astronauten sind, weil Astronauten natürlich, da sind tausende von Astronauten wahrscheinlich, ne, die haben alle irgendwie, die sehen alle gleich aus. Was? Nein. Na gut, okay, also, sie haben eine Arche gebaut da oben.
Florian Bayer: Was für eine Arche, ich meine, es ist echt, es ist ein Wunder der Technik, eine riesige Raumstation, inklusive Schwerelosigkeit wird aufgehoben. Und keiner hat's mitbekommen auf der Erde. Keiner hat's gesehen, kein Zanderlid hat's wahrgenommen. Und ja, und in dieser Raumstation laufen die Supermenschen rum, die er sich gezüchtet hat oder mit denen er sich die neue Menschheit züchten will, besser gesagt. Mhm. Die tatsächlich auch ein bisschen divers sind, ne? Ja, ein bisschen, also zumindest eine schwarze haben sie dabei. Sie haben so ein bisschen, sie haben tatsächlich so ein bisschen Quotendiversität, was echt hart ist. Ja. Weil er hat ganz viel diese, diese Nazi-Supermenschen irgendwie so blond, blauäugig irgendwie. Und eigentlich hätten sie sich draufsetzen können. Eigentlich wäre es viel cooler gewesen, wenn sie tatsächlich so ein Rassismus-Thema da reingepackt hätten.
Johannes Franke: Das wäre natürlich geil gewesen.
Florian Bayer: Er ist ein Ex-Nazi und er will ja wirklich eine Herrenrasse schaffen. Das wäre tatsächlich spannend gewesen. Aber gut, er hat halt seine Supermenschen, er ist wirklich viel zu weniger, um die Erde wieder zu bevölkern. Keine Ahnung, was er sich da vorstellt. Und, ähm, dann ist der, die große, die große Wandlung von Beißer, nachdem Bond dann gefangen genommen wurde und Bond sagt, hey, Moment, wir wollen alle Menschen ausrotten, die nicht in ihr Menschenbild passen. und dann blickt zu Beißer, Beißer, oh, guckt zu seiner Freundin, seine Freundin so, oh, und dann merkt Beißer, dass er das doof findet, dass er ausgerottet werden soll. Beißer hat seinen großen,
Johannes Franke: heroischen Moment und Hilfbund. Aber es ist so, out of the box, plötzlich so, weißt du, so Deus Ex Machina, dann kommt er plötzlich auf diese, diesen Gedanken, den er schon seit, anderthalb Stunden hätte haben können. Beißer ist, glaube ich, nicht der Klügste. Nein, er guckt auch nicht so. Er guckt auch, das irgendwie, ich glaube, anderthalb Stunden hat dieser Gedanke gereift in seinem Kopf und plötzlich so, oh, ach so,
Florian Bayer: das ist der Plan. Aber er ist auch ein Handlanger, ne, Handlanger, Handlanger dürfen nicht klug sein. Ja.
Johannes Franke: Und ich meine, hey, er versteht's und er hilft Bond und er hilft ihm zwar richtig cool.
Florian Bayer: Ja. Er lehnt sich gegen den Superschurken auf und dann bricht das Chaos aus, weil dann der Schwerelosigkeitsbutton gedrückt wird, den jedes Raumschiff haben sollte und die Schwerelosigkeit, wird, äh, genau, und die Schwerelosigkeit wird hergestellt. Ja. Die Schwerkraft wird aufgehoben und dann gibt's einen munteren Kampf in der Schwerelosigkeit und wenn dann diese Agenten noch reinkommen und rumballern mit den, was übrigens ganz interessant ist, da waren ja auch einige Frauen dabei, kämpfen die dann auch im Weltraum, in diesen Astronauten-Kostümen. Die gehen alle drauf, ne? Die gehen alle drauf. Ja. Das ist der Bond mit dem höchsten Bodycount. Oh. Weil die einfach, also ohne dass es groß gezeigt wird, aber einfach so implizit, da werden verdammt viele Menschen umgebracht. Also vor allem Frauen, in Bond-Filmen sterben immer Menschen, aber vor allem Männer halt. Ja. Aber da sind offensichtlich Frauen an Kampfhandlungen beteiligt und werden von Geheimagenten abgemetzelt dann. Piu, piu, piu, piu, piu.
Johannes Franke: Diese Action-Signalz ist so schön. Das ist so bescheuert. Die alle, wie sie mit ihren, da rauskommen aus diesem ... Und was sind die anderen gewesen? Das waren irgendwelche von der Erde, irgendwelche Leute, Ja, die wurden geschickt, genau. Und dann wirklich einzeln, nicht mal mehr mit so kleinen, wie bei Star Wars, mit so kleinen Fahrbahnenuntersätzen, die dann im Raum, also so kleine Schiffe, weißt du, so Raumschiffe, die dann in der Gegend rumgefahren werden, geflogen werden. Nein, jeder einzeln nur mit seinem Raumanzug. Und das war's. Und damit fliegen die in der Gegend rum. Damit fliegen die in der Gegend rum und schließen aufeinander. Wo ist die Steuereinheit?
Florian Bayer: Du, die menschliche Steuereinheit. Wenn jetzt der Punkt ist, wo du anfängst, über Realismus nachzudenken, dann hast du was verpasst, dann hast du den falschen Film geguckt.
Johannes Franke: Okay. Gut, also wir haben alle ein bisschen Spaß, wir haben gelacht. Und Oscar für die besten Special Effects. Nicht wirklich. Doch. Dein Ernst? Natürlich. Die haben den Oscar gewonnen? Ja. Die haben auch nur irgendwas gewonnen? Nee, er war nominiert. Die haben auch nur irgendwas gewonnen? Er war nominiert. Okay, gut.
Florian Bayer: Nominiert für die besten Special Effects.
Johannes Franke: Aber er war trotzdem nominiert. Okay. Wow. Crazy.
Florian Bayer: Damals hat er tatsächlich auch relativ gute Kritiken gekriegt. Also einige haben wirklich gesagt, hey, super unterhaltsamer Bond-Film. Die, die es verstanden haben, die haben gesagt, hey, das ist so wunderbar überzeichnend, das, was im Bond-Universum passiert. Und er hat dann aber im Laufe der Zeit, hat er wirklich einen miserablen Ruf entwickelt. Und gerade Bond-Fans, wenn sie gefragt werden, was sind die schlechtesten Bonds, wird Moonraker meistens ziemlich schnell neben den 90er-Filmen vorne genannt. Und das tut mir in der Seele weh. Weil er wirklich, weil Moonraker wirklich die Quintessenz dessen ist, was Bond ausmacht. Und wenn man das nicht mag, dann mag man vielleicht auch keine Bond-Filme. Oder man nimmt Bond-Filme zu ernst, die genau dasselbe haben. Und man kommt nicht damit klar, wenn man es übersteigert präsentiert bekommt.
Johannes Franke: Also ich habe bis jetzt James Bond eben so betrachtet, dass er sich, dass er sich zu ernst nimmt. Mhm. Weswegen ich mit den Bond-Filmen nichts anfangen konnte. Wenn ich jetzt eine völlig andere Sichtweise darauf habe und mit anderen Voraussetzungen in so einen Film reingehe, dann könnte ich mir die Bond-Filme auch als Unterhaltungsprogramm anschauen. Aber die 90er-Bond-Filme, die ich gesehen habe, waren halt alle zu ernst. Mhm. Um das zu bedienen, was du gerade nach vorne stellst für James Bond. Aber wenn die 60er-Jahre-Versionen davon weniger ernsthaft sind und sich selbst nicht so ernst nehmen und dann ein bisschen, dann könnte ich es mir vorstellen, dass ich sogar James Bond gucken kann. Wahrscheinlich würdest du
Florian Bayer: an den 60er-Jahren Bonds am meisten Spaß haben. Weil, ähm, die haben ... Also, das Frauenbild ist dasselbe, ne? Ja, okay. Und das ist in den 60ern teilweise eher noch schlimmer. Aber die James Bond-Filme mit Sean Connery, das sind einfach mal die 60er-Jahre-Bond-Filme, die haben alle so diese ... Ja, das, was du hier auch findest, diese Mischung aus Humor und Action und auch so ein bisschen so ein Augenzwinkern immer. Sean Connery ist halt auch so ein Typ, der immer so ein leichtes Augenzwinkern mitträgt. Mhm. Und ich glaube, ich glaube allein schon vom Stil her, im wahrsten Sinne des Wortes Stil, was Kleidung betrifft und was was Settings betrifft, mhm. Wärst du wahrscheinlich mit den 60ern Bonds am glücklichsten werden. Okay. Aber es ist halt eine Geschmacksfrage, wenn du sagst, du findest es doof, dass jemand von A nach B reist, ohne dass dir genau erklärt wird, warum er das macht. Wenn du sagst, du findest es total doof, dass da immer dasselbe passiert, Handlanger greift ihn an, er hat Sex mit einer Bond-Girl. Und wenn du es doof findest, dass Frauenbild und es wenig geredet wird und das wenig erklärt wird, dann ist Bond einfach nicht das Richtige für dich. Weil das ist Bond.
Johannes Franke: Okay. Wollen wir ganz kurz noch darüber reden, wie in jedem Bond anscheinend der Bösewicht ultra kultiviert ist. Mhm. Und klassische Musik hört, Klavier spielt, seine Hunde dann mit einer Zange, also der hat so ein extra, wie so eine Zuckerdose, bloß eben in größer und da sind dann so Steaks drin. Und die holt er mit der Zange raus, sehr kultiviert, wirft die dann den Hunden vor und also was. Und er stellt sogar seinen Harem, der dann nichts sagen darf, vor. Also so, weißt du so. In Szenen, wo das fast gar nicht nötig gewesen wäre, macht er das aber dann noch. Weiß ich nicht. Irgendwie, ist das auch in jedem James Bond so? Oder?
Florian Bayer: Plofeld fällt so ein bisschen aus, glaube ich, weil Plofeld, Plofeld ist weniger kultiviert und kälter und Plofeld ist ja eigentlich so der beliebteste James Bond-Bösewicht. Okay. Und, ähm, aber ansonsten ja, die Bond-Superschurken sind ja oft reiche Leute, die aus Geldgier irgendwas machen, um, und die Erde, das schickst, und die Erde bedrohen mit Atomraketen oder so, aber eigentlich aus Geldgier. Bei Moonraker ist es tatsächlich anders, da hat jemand wirklich eine politische Vision. Kann man ihm auch zugutehalten. Ich meine, das ist so ein bisschen Thanos, ne, aus Avengers. Ja, okay, ja. Ähm, aber normalerweise sind die immer geldgierig und du fragst dich natürlich immer, ey Leute,
Johannes Franke: ihr habt so scheiß viel Geld. Ja, genau. Ihr habt so viel Geld
Florian Bayer: in dieses super geheime Labor investiert und in diesen, in diesen riesigen Unterschlupf mit Raketen, um noch mehr Geld zu erpressen. Ich verstehe nicht so ganz, wie ihr ökonomisch tickt. Ja. Sagt ihr euch so, okay, wir bauen diese Atomraketen auf, wir bauen dieses Labor auf, wir haben diesen Unterschlupf im Vulkan, wir werden die ersten paar Jahre rote Zahlen schreiben, aber dann, dann, wenn wir es erstmal geschafft haben, die USA zu erpressen, dann kommen wir ganz schnell auf eine schwarze Null. Es ist, es ist, ja, das sind die Bond-Bösewichte,
Johannes Franke: ne? Allein das Personal. None|Ja. Hast du, hast du noch irgendwas oder wollen wir mal Faziten? Wir können gerne zum Fazit kommen. Leg los. Okay, also, ich hätte mir gewünscht, von Anfang an gesagt zu bekommen, du hast jetzt einfach nur, Spaß und da gibt's keinen ernsthaften, also, die Erlaubnis, über Trash zu lachen, die hätte ich gerne früher bekommen. Irgendwann ist einem das klar, aber eigentlich hätte ich's gerne früher gewusst.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: So. Weil dafür war der, der, der Kampf in Parachute, also im, im freien Fall, dann war der noch zu gut. Weißt du? Und solche Sachen. Ähm, und, ähm, und wenn man das dann irgendwann geschnallt hat, kann man schon auch einfach über die Überspitzung lachen und über die, äh, bekloppten Ideen, die da drin stecken. Aber darum, äh, dazu hat er dann wieder zu wenig Lust, diese bekloppten Ideen auch als bekloppte Ideen umzusetzen. Irgendwie schwebt er mir so dazwischen. Ich weiß nicht. Bei, bei Johnny English, um den Vergleich nochmal vom Anfang zu holen, der versteht sich halt von Anfang an als Parodie. Und dieser Film macht auch eine Parodie auf, aber keine, die als solche sich, also das wirklich durchzieht und, und, und sich kenntlich macht. Ja. Und das ist halt so ein bisschen mein Problem damit. Ja, verstehe ich. Ja. Ansonsten ist es unterhaltsam und cool. Also, muss man schon sagen. Und die, die, das ist, macht Spaß einer Gondel zuzusehen, wie sie denn aus dem Wasser noch auf und zu Land und dann irgendwie hätte noch Luft gefehlt.
Florian Bayer: Mein liebster Bond-Film aus den 70ern. Ganz, ganz klar, mein liebster Bond-Film aus den 70ern, sag ich aber als dezidierter nicht Bond-Fan. Mhm. Um nochmal ganz kurz was Persönliches anzuwerfen. Ich hab die ersten Bond-Filme als Kind gesehen. Mhm. Als ich so wahrscheinlich zehn oder so war. Und das waren zum einen die Sean Connery-Filme, aber der war auch so im ersten Batch der frühen Bond-Filme, die ich gesehen habe. Da waren zwei, drei Connerys dabei und zwei, drei Roger Moores und Moonraker, weiß ich auch noch. Moonraker war der, der mir damals am meisten Spaß gemacht hat. Und Moonraker ist vielleicht nicht der beste Bond-Film, macht mir aber heute auch immer noch am meisten Spaß. Einfach, weil er so komplett drüber ist. Okay. Aber ich kann jeden Bond-Fan verstehen, der das doof findet, was Moonraker damit macht. Will aber anmerken, Leute, wenn ihr das doof findet, dass das alles so drüber ist, Bond ist immer ein bisschen drüber und Moonraker ist halt ein bisschen mehr drüber. Aber diese ganzen komischen Sachen, das ist einfach, sind einfach Bond-Trademarks. Okay.
Johannes Franke: Schaut ihn euch gerne an, schreibt uns Mails mit Beschwerden. Oh mein Gott, warum habt ihr uns nicht abgeraten?
Florian Bayer: Ich will Hass-Mails von Bond-Fans sehen und Hass-Mails von Leuten, die noch keinen einzigen Bond-Film gesehen haben und sich den als ersten aussuchen.
Johannes Franke: Schön. Ja, ihr wisst, was ihr zu erwarten habt. Viel Spaß und wir machen jetzt eine kleine Pause, würde ich sagen und danach gehen wir in eine völlig andere Richtung. Brace yourself und ja, kurze Pause. Bis gleich. Willkommen zurück aus der Pause. Wir wollen beide mal Pipi machen und wir gehen in den zweiten Film. Unser zweiter Film für heute. Wie im Himmel aus dem Jahr 2004. Ich hoffe, ihr habt ihn alle gesehen. Hausaufgaben gemacht. Hausaufgaben gemacht und dann können wir da reingehen. Soll ich erst mal vorstellen einfach, Pro? Leg los. Okay. Das Musikfilm-Drama aus dem Jahre 2004 von Kai Pollack ist eine Liebeserklärung an die Musik, an die Menschen und an das Leben. Ein Versuch eines Weckrufes an die kommerzialisierte Musikindustrie und ein Appell an Solidarität. Star-Dirigent Daniel Darius erleidet einen Herzinfarkt mitten in einem seiner kräftezehrenden Konzerte. Er muss einsehen, er muss sein vielbeschäftigtes Leben ändern. So kommt er in das Dorf seiner Kindheit zurück und wird hier erst mal nicht als Heimkehrer, sondern nur als Star-Dirigent erkannt. Er übernimmt die offene Kantorenstelle und lernt die Dorfbewohner zu lieben. Besonders Lena. Schwedens karge Landschaft entfaltet hier ihre Schönheit. Es entsteht ein Panorama menschlicher Leidenschaft und Schwächen, aber auch liebenswürdiger Skurrilitäten. Der Film reizt nur wenige seiner Erzählungen aus, gleitet nur selten in großen Pathos ab. Nur einmal aber dann richtig heftig am Ende. Aber das hat er sich wirklich verdient. Oder was meinst du, Plur?
Florian Bayer: Ja, das Ende. Ich hasse das Ende. Oh, wow. Ich mochte den Film total. Ich fand, das war ein wirklich schöner Film mit ein paar kleineren Schwächen, auf die wir bestimmt nachher so nach und nach zu sprechen kommen. Aber mit sehr vielen schönen Szenen, mit tollen Momenten, wirklich großen Sachen und ich finde, das Ende macht den Film nicht kaputt, dafür ist er einfach zu gut. Aber ich mochte das Ende überhaupt nicht. Okay. Und vor allem, weil er mich davor emotional ganz oft bewegt hat und ganz oft getroffen hat und gerade mit so kleineren Geschichten und kleineren Schwenks wirklich toll emotional Nerv getroffen hat. Ja. Und dann am Ende haut er aber zu viel auf die Kacke und das brauche eigentlich nicht. Ich hätte ihn bewegender gefunden und er wäre mir mehr im Herzen geblieben, wenn er auf den großen Pathos, wie du gesagt hast, den hat er am Schluss definitiv, wenn er auf den verzichtet hätte.
Johannes Franke: Okay, dann lass uns mal den großen Bogen schlagen und dann am Ende nochmal eben aufs Ende eingehen. Mal gucken, ob er sich das vielleicht doch verdient hat. Okay. Gehen wir mal rein. Nein, wir lernen den Dirigenten kennen, indem wir A, seine Kindheit einmal kurz in der Rückblende haben, wie er als Kind schon verprügelt wird im Feld, in seinem Dorf und wahrscheinlich eben für seine Musikbegeisterung, die die anderen wohl nicht teilen und seine Verschobenheit überhaupt als Mensch und auf der anderen Seite in der Gegenwart, wie seine Konzerte ihn mehr und mehr fordern und er dann einen Schlaganfall bekommt. Und dann entscheidet er sich ins sein Dorf
Florian Bayer: zurückzugehen. Ganz tolle Montage am Anfang, wenn er dirigiert und wir sehen ihn dann dirigieren mit diesem Nasenbluten und diesem Eifer und dann wird parallel geschnitten, wie die Kinder auf ihn einprügeln und es gibt dann ja noch so ein paar Sachen, die uns entgegengeworfen werden, auch wirklich so fragmentarisch, wie er mit seiner Mutter redet, wie seine Mutter stirbt, also ganz, ganz einfache Episoden, die aber für sein Leben großen Einfluss haben, ganz toll montiert, das hat mir richtig gut gefallen, also es war, ich hab den Film so die, so nachdem die ersten zwei Minuten gelaufen bin, hab ich mich rumgedreht zu Karin mitgekuckt und hab gemeint, oh ich glaube ich mag diesen Film, der funktioniert total gut, der hat irgendwie, der hat eine wirklich schöne Art zu erzählen und das ist auch was, was der Film wirklich durchhält, dass er es schafft mit Montage, mit Schnitt und mit Kamera sehr emotional zu erzählen, es ist wirklich nicht viel, was wir von ihm sehen am Anfang, aber es reicht total, um zu verstehen, wie dieser Mensch tickt, wie er auch dahin gekommen ist, wo er jetzt steht und wie ihn das auch fertig macht und wie er offensichtlich auch so einen Zwiespalt in sich trägt, so zum einen dieses immer weiter und höher und größer und zum anderen aber auch so diese Sehnsucht nach dem Einfachen, einfach so wahrscheinlich die schönste Erinnerung in seiner Kindheit, wenn er im Bett liegt und seine Mutter zu ihm sagt, das wird besser werden und was so ein ganz intimer Moment ist und der dann zusammengeschnitten mit diesem großen Konzert und er auf der Weltbühne und alle betrachten ihn und er verausgabt sich total, super Schnitt, fand ich ganz toll.
Johannes Franke: Kannst du das genauer eingrenzen, was dieser Ton ist, weil ich fand, dass dieser Film so einen typischen schwedischen Ton hat, aber ich kann dir nicht genau auseinander nehmen, was die Schweden mit ihren Filmen machen. Weißt du, was ich meine? Es ist eine Mischung aus dieser kargen Trostlosigkeit, die teilweise in den Dörfern, in dieser verschneiten schwedischen Landschaft erzählt wird, diese Wortkargheit, die nicht wie bei James Bond, wo einfach nichts erzählt wird, sondern die aus gutem Grund von der Auslassung lebt.
Florian Bayer: Ja, ich bin jetzt nicht der größte Experte, was schwedisches Kino betrifft. Mein Gefühl war tatsächlich am Anfang, dass er gar nicht so schwedisch wirkte. Also die schwedischen Landschaften haben diese Einsamkeit und für mich sind schwedische Filme auch immer verbunden mit dieser Einsamkeit, mit dieser Schwere, auch mit diesem Weitlandschaften, die irgendwie, wo man in der Weite verloren geht oder eben so in der Enge sich so klaustrophobisch fühlt. Meine schwedischen Referenzen wären halt tatsächlich am ehesten Ingmar Bergmann und dafür war der Film dann doch zu konkret. Okay, aber Bergmann ist ja auch ein anderes Jahrzehnt.
Johannes Franke: Jahrzehnt.
Florian Bayer: Und dann natürlich die Dogma-Filme sind halt schwedisch und das ist auch irgendwie anders, das ist auch karger und trostloser, weil der Film war nie, Trostlosigkeit hatte dieser Film nicht. Für mich war seine Stärke in der Montage und vor allem auch in der Kameraarbeit die Lebendigkeit. Zeit. Da muss muss ich auch kurz schon mal so ein Stück vorgreifen, wenn wir ihn später erleben bei den Chorproben und bei den Feiern mit der Gemeinde. Die Kamera ist unglaublich lebendig in diesem Film. Wir haben ganz viele Szenen, die mit wenigen Schnitten auskommen, wo die Kamera mitten im Raum ist, zwischen den Menschen steht und zwischen den Menschen hin und her kreist und fast sich in einem Tanz mit den Menschen befindet. Das ist von Anfang an, ja, es ist so eine Lebendigkeit, so ein lebendiger Rhythmus und der hat auch so was Melodisches natürlich. Es ist ein Film, der von Musik handelt, von der Schönheit von Musik. Ich finde, das hat die Kamera ganz gut eingefangen, weil die Kamera sich ständig in einer Art Tanz befindet. Es gibt wenige stille Momente, wo die Kamera einfach nur still hält und wenn, dann sind es ernste Momente und dann passt es auch. Oft ist es so, gerade wenn es um Freude geht, um Leben, dass die Kamera sich einfach mit allen mitbewegt. Ja, das erzeugt eine Lebendigkeit, die unglaublich sympathisch und
Johannes Franke: warmherzig ist. Du hast eine ganz tolle Formulierung, das ist das, was man Kameramännern beibringt. Deine Arbeit als Kameramann liegt in der Choreografie mit den Schauspielern. Du musst mit den Schauspielern tanzen, im Grunde, als Kameramann und zwar als unsichtbarer Tanzpartner und das nimmt dieser Film tatsächlich eben sehr ernst und das finde ich toll, weil, na klar, du kannst ein schönes Bild finden, die Kamera aufstellen einmal und auf Reck drücken und sagen, okay, der Rest passiert jetzt einfach. Du kannst es aber eben auch ernst nehmen, dass du dich wirklich in die Szene begibst und mit den Schauspielern spielst, also als unsichtbarer Schauspieler agierst quasi. Und das finde ich ganz toll gemacht in diesem Film und nicht wie bei Lars von Trier, dass es eine Wackelkamera ist, die ich nicht mehr aushalten kann, sondern eben wirklich ein gutes, sehr, sehr sinnvoll und sehr gut, mit gutem Gefühl fürs Timing gemachte durch die Szenerie durchführen.
Florian Bayer: Das sind sehr fließende Bewegungen auch, also gerade in diesen großen Feier-Szenen, es gibt so zwei größere Feier-Szenen, hat man einfach das Gefühl, die Kamera ist auch oft kurz dann der Blick von einer Person, die sich im Bild befindet du bist drin und du nimmst verschiedene Perspektiven an und du wirst da durch eine sehr fließende Bewegung durchgeführt, es ist keine Wackelkamera, es ist nie hektisch, obwohl sie sich sehr viel bewegt, in anderen Filmen würde man so was wahrscheinlich schwindelerregend nennen und es gibt auch Filme, die das einsetzen, um Schwindel zu erzeugen, aber hier schafft es die Kamera tatsächlich, ohne Bewegung zu haben, ohne Schwindel zu erzeugen und lebendig zu sein, ohne dass man das Gefühl hat, oh Gott, zu viel, wo bin ich gerade,
Johannes Franke: er ist halt wie der Rest des Films sehr bedächtig und sensibel für das, was er tut, für seine Umgebung und für seine Erzählweise, das finde ich ganz toll, es unterstützt alles, was dieser Film auf allen anderen Ebenen eben auch braucht und hat ganz tolle Kameraarbeit, muss ich dir auf jeden Fall beiflichten.
Florian Bayer: Harald Gunnar Palgard ist der Kameramann, der hat sehr viele Filme, ah, Engel des Universums hat er Kamera geführt, das ist glaube ich der einzige, den ich gerade kenne von ihm. Ja, wunderschöne Kamera und der Schnitt auch ganz toll, es ist tatsächlich natürlich in der Eröffnungssequenz, ist es natürlich einfach am stärksten, weil das wirklich, wirklich spannend und experimentell ist zu viel gesagt, aber neugierig montiert ist und mehr als bloßes, lineares Erzählen, aber auch danach findet der Schnitt immer ganz gut diesen Wechsel zwischen den eher etwas traurigeren Momenten und den lebendigeren Momenten und führt uns da sehr gut rein und das ist natürlich wichtig bei so einem Film, der zwar eine zentrale Figur hat, aber gleichzeitig ein ganzes Panorama an Figuren aufwirft, wir sehen, wir lernen sehr viele Menschen kennen, wir lernen sehr viele Probleme von Menschen kennen und da die Orientierung drin zu behalten, ist immer eine Herausforderung bei so einem Film und das schafft er.
Johannes Franke: Ja, das finde ich auch sehr beeindruckend, weil eine Personalie im Film zu haben, die eigentlich über so, also der zeigt ein ganzes Dorf im Grunde und da den Überblick zu behalten und die Figuren so einzuführen, dass du bei jeder Figur Interesse hast und nicht sagst, wer ist das jetzt noch? Das ist wirklich toll, gut gelungen. Der Film ist ja
Florian Bayer: tatsächlich mit 120, über 120, 130 Minuten ist der Film ja tatsächlich ziemlich lang. Ja. Aber das Gefühl, das hat man eben auch nicht. Das liegt auch an dieser Lebendigkeit und auch an diesen Schnitten. Es ist sogar so, dass man zwischenzeitlich oder eher so gegen Ende des Films, wenn man merkt, jetzt sind wir so sehr in der Geschichte, dass wir nicht mehr ausfransen, dass man sich wünscht, ach, bei der einen oder anderen Figur hätte ich gerne ein bisschen mehr gesehen. Also vor allem die Figur des Arnes, des Chorleiters, fand ich total interessant. Ja. Auch weil der so eine sehr ambivalente Figur war irgendwie so, man wechselt ständig zwischen Sympathie für ihn und totaler Antipathie. Ja, ja. Das wäre eine Figur, von der ich gerne mehr erfahren hätte, von der wir wirklich leider nur während der Proben erfahren, wie sie tickt. Mhm. Und ja, genau, ansonsten ist es bei keiner Figur das Gefühl, dass zu viel gezeigt wird, sondern man freut sich, wenn nochmal auf die Figuren referiert wird. Ja. Und gerade, wenn es dann auch Momente gibt, wo die Figuren wohl eindimensionale, vielleicht ein bisschen eindimensionale Bilder, die von den Figuren gezeichnet wurden, was auch vorkommt, ein wenig gebrochen werden. Vor allem mit den zwei großen Antagonisten, die im Film stattfinden. Die werden am Anfang recht eindimensional gezeichnet und das wird dann am Schluss, leider vielleicht ein bisschen zu spät, wird es doch nochmal ganz angenehm gebrochen.
Johannes Franke: Du redest vor allem vom Pastor, nehme ich an. Ja. Und von dem, von dem, der seine Frau verprägt. Genau, Conny,
Florian Bayer: der Schläger und Stick, der Pastor. Und beide werden so sehr klar als Antagonisten gezeichnet und kriegen wenig Sympathie ab. Und sie kriegen aber eher so in ihren finalen Szenen, kriegen beide nochmal ein bisschen mehr Menschlichkeit, wo man ein bisschen mehr sie lernt zu verstehen. Das hätte der Film vielleicht vorher schon machen können, dass es weniger eindimensional ist.
Johannes Franke: Da war ich dem Film aber auch sehr, sehr dankbar. Weil die Verlockung ist groß, das einfach eindimensional durchlaufen zu lassen. Ja. Das wäre kein Problem gewesen. Gabriela zum Beispiel kommt jetzt dann zu ihrem Mann, der dann doch im Gefängnis sitzt, weil er sie geschlagen hat. Und es hätte eine eindimensionale Szene sein können. Im Sinne von, du Arschloch hast mich nie irgendwie ich selbst sein lassen. Verrecke in der Hölle. Ja. Schluss aus. Und er, du kannst mich mal. So was gibt es. Es gibt ganz viele Negativbeispiele in der Freundschaft, die genau so machen. Und nein, wir sehen am Ende einen zusammen, also einen emotionalen Conny, also im Sinne von Reue vielleicht oder er verbalisiert es nicht, aber man merkt es einfach. Er weint und es ist am Ende. Ja. Und sie kommt und bringt ihm Fotos von den Kindern. Ja. Und das ist einfach, das ist die Menschlichkeit, die ich sehen will. Ja. Das ist ganz toll.
Florian Bayer: Noch stärker fand ich die tatsächlich in der Figur des Dorfpastors, der mit Abstand, also zusammen mit Inga beide die spannendsten Figuren eigentlich des Films und des Dorfes darstellen. Ja. Weil ihre Beziehung von einer unglaublichen Enge, die für Inga dann ja auch offensichtlich irgendwann zu viel wird, geprägt ist, aber auch gleichzeitig von einer sehr tiefen Zuneigung, die selbst die krassen Konflikte und Krisen, die sie haben, obwohl er sich wirklich ja wie das letzte Arschloch verhält zwischendurch, ja, trotzdem nicht ganz kaputt gemacht werden kann.
Johannes Franke: Sie ist unglaublich stark, diese Frau. Inga, ja. Es ist unglaublich, was die alles, also der Pastor ist sehr gottbezogen und auf diese, wir müssen alle unsere Sünden und sie wirft ihm irgendwann vor, dass die Religion die Sünde einmal erfindet, um sie dann wieder Sündenablass handelnäßig wieder zu vergeben, um Macht zu erhalten. Und illustriert das Ganze im Grunde diese Scheinheiligkeit, indem sie seine Schmuddelheftchen rausholt und ihm vor die Füße wirft und sagt, erzähl du mir nichts von Sünde und Vergebung und diesem ganzen Scheiß. Und dann hingeht und sagt, aber es ist okay. Es ist okay, dass du sie hast. Ich weiß, dass du sie anguckst, kurz bevor wir miteinander schlafen, einfach, weil du das irgendwie brauchst, um da irgendwie um das wieder hochzuholen, was wir im Bett dann haben. Aber ich bin okay damit. Mach das. Was soll das? Das ist doch in Ordnung. Und das finde ich so wahnsinnig stark von ihr.
Florian Bayer: Ganz großartig auch, dass diese Szene dann tatsächlich mit Sex endet. Ja. Sie haben diesen, wirklich diesen Streit und sie legt alles auf den Tisch und sagt so, hey, ich weiß, wie du tickst. Und ich weiß, was du von mir verbirgst. Ich kenne deine Geheimnisse. Du brauchst mir nichts vorzumachen. Du brauchst dir nicht rumzuheucheln. Mhm. Und dann dieses, sie wirft dann ja tatsächlich so einen philosophischen Diskurs auf. Man hat auch das Gefühl, die ganze Zeit, sie ist die, die ihm die ganze Zeit zuhören musste. Ganz am Anfang sagt sie ja zu ihm, oh, du wirst so theatralisch, wenn du predigen hältst. Sie ist eigentlich immer die, die zuhören musste. Er ist ja der, der predigt, er ist der, der erzählt. Und dann wirft sie diesen philosophischen Diskurs auf und dann fängt sie an zu predigen. Und wirklich mal ihre eigenen Gedanken rauszuwerfen, dass sie dann auch sagt, die Sünde existiert gar nicht und das ist alles, genau, das ist alles Bullshit. Und dann, ja, sie übermannt ihn quasi und dann haben sie Sex zusammen. Und, äh, das ist der Wahnsinn. Das ist so eine Selbstbefreiung von ihr.
Johannes Franke: Ja, und eigentlich von ihm auch, potenziell. Potenziell. Aber dann am nächsten Morgen sitzt er da und bittet Gott um Vergebung für seine, für seine Sünden und sagt ihr, du, was gestern passiert, das ist nicht passiert, das kann, das darf nicht passiert sein. Und das ist, das, oh, das ist so ein wahnsinnig emotionaler Moment für mich, weil ich, weil ich so Hoffnung hatte. Ja. Als Zuschauer, weißt du, ich hab so Hoffnung, dass dieser Mensch aus seiner, seiner engen Welt, die er sich geschaffen hat, da rauskommt. Nicht, weil, weil, weil ich sowieso ein schwieriges Verhältnis zu, zu Religion habe, sondern weil er einfach diese Religion missbraucht hat, sich ein sehr enges Gerüst für sein Leben zu bauen und das, und sie ihm das einmal vor die Füße wirft und er die Chance verstreichen lässt, das zu nutzen.
Florian Bayer: Ja. Das ist schon krass. Das ist so traurig. Spannend ist ja auch wirklich ihre Rolle, die so an seiner Enge auch verzweifelt und die da einfach, die da einfach nur ausbrechen will, die einfach, und die tatsächlich versucht, ihn mitzureißen. Das ist es ja auch. Sie kämpft wirklich um ihn, sie kämpft lange um ihn, sie bleibt lange bei ihm und sie haben immer wieder diese Konflikte, die dann hochkochen und sie versucht, diese Enge von ihm auch zu lösen, weil sie ihn liebt und das sagt sie mehrmals. Mehrmals. Sie findet es schrecklich, wie er sich verhält, sie findet es schrecklich, wie konservativ er ist und wie verbrämt er ist, aber jedes Mal sagt sie, aber ich liebe dich und ich will dich da auch raushaben und ja, es ist so ein bisschen, ganz lange wirkt das wie ein hoffnungsloser Kampf und dann gibt es auch irgendwann den Moment, wo man denkt, okay, sie bricht jetzt ohne ihn aus, sie hat keine andere Wahl mehr und zieht dann ja kurzfristig bei Daniel ein und ist dann wirklich komplett befreit, das ist dann ja auch fast so ein hippieskes Utopia, was da entworfen wird, wenn sie alle zusammen feiern. Ja. Aber er kriegt auch so eine kleine Redemption-Arc, wenn er am Schluss, wenn sie zu dem Gesangswettbewerb fahren, wenn er dann nochmal kommt zu ihr und sie sich nochmal unterhalten und er sieht auch ein bisschen anders aus und man sieht, er hat irgendwie, das hat ihn fertig gemacht, was da passiert ist. Völlig fertig. Und es war irgendwie so, ich glaube ja, also es ist irgendwas an ihm kaputt gegangen und das musste kaputt gehen und das finde ich ein spannender Moment und dann haben sie ja tatsächlich wieder so einen ganz zärtlichen Moment zusammen, kurz, wenn sie sich dann unterhalten.
Johannes Franke: Er hat ihr Sachen gepackt und hat ihr noch was dazu gepackt, was sie gar nicht wollte, sondern wusste, du brauchst das doch und ich weiß, das ist wichtig und hat ihr noch was dazu getan und fragt sie dann gar nicht ausführlich, sondern fragt nur, meinst du, wir können, beendet ihr den Satz gar nicht und sie sagt dann, ich weiß es nicht. Ja. Und in dem Moment habe ich den Eindruck, dass sie schon zu weit weg ist von ihm, aber am Ende des Films, wenn ich das Review passieren lasse, habe ich die leise Hoffnung, dass es doch noch mal was wird. Weil er wirklich was durchgemacht hat.
Florian Bayer: Und es war tatsächlich, es war der Punkt, wo ich dachte, oh, diese beiden Charaktere, Conny und Sticks, sind beide so eindimensional gezeichnet und es ist ein bisschen zu viel, gibt ihnen ein bisschen mehr Ambivalenz und dann gibt es halt diese eine Szene, die kommt. Ich hätte sie mir ein bisschen früher gewünscht, aber ich bin auch total dankbar, dass sie da ist. Ja. Weil beide hatten davor halt auch eine Szene, wo es zu viel war. Die Szene, in der Conny Daniel im Fluss verprügelt, das war einfach eine Szene, wo ich dachte, jetzt wird er zu sehr zum brutalen Bösewicht. Oder zu sehr zum Antagonisten. Brutaler Böse, brutal war er schon vorher. Ja. Aber jetzt wird er zu sehr, zu sehr zur klaren Bedrohung für unseren Protagonisten. Und Stick im Prinzip quasi gespiegelt dazu, auch so eine Szene, wo er zu sehr zur Bedrohung wird, wenn er in der Wohnung von Daniel plötzlich sitzt mit dem Gewehr und sagt, verzweifelt sagt, ich habe hier zwei Kugeln drin und ich kann nicht mehr. Und es steht einfach so ein Moment im Raum, wo man denkt, jetzt geht es wirklich, jetzt trachtet er unseren Protagonisten nach dem Leben. Und das waren zwei Szenen, wo ich dachte, jetzt haben sie denen zu viel gegeben, jetzt sind sie zu sehr im Dunklen. Und dann war ich doch sehr dankbar, dass es am Schluss dann nochmal diesen Aufbruch gab.
Johannes Franke: Ich finde nicht, dass sie zu sehr im Dunklen waren. Vor allem aber auch, weil die Szenen gar nicht so dunkel ausges... Die wurden nicht ausgeschlachtet, die Szenen. Das Potenzial dieser Szenen im Hollywood-Kino hättest du da viel schlimmere, viel krassere Szenen draus gemacht. Und hier, der sitzt mit seinen beiden Kugeln im Gewehr da und sagt, ich habe eine für dich und eine für mich. Und dann endet das Ganze sehr schnell damit, dass er einfach nur, heulend zusammenbricht und Daniel kommt und ihn in den Arm nimmt. Ja. Das finde ich großartig. Es ist viel besser als das, was, weiß ich nicht, Christopher Nolan draus gemacht hätte. Keine Frage. Also, ich finde, dass die Szenen sozusagen so ablaufen, dass man einfach nicht... Er geht den Schritt nicht zu weit, finde ich. Okay.
Florian Bayer: Ich fand, so ein Zentimeter zu weit. Vielleicht auch, weil die Szenen hätte wahrscheinlich besser für mich funktioniert, wenn es davor schon ein bisschen mehr Ambivalenz gegeben hätte, wenn sie davor schon die Charaktere aufgebrochen hätten. Okay. Und zwar einfach nur so eine ähnliche Szene, wo sie ein bisschen Zärtlichkeit, so ein bisschen Menschlichkeit erkennen lassen. Wie gesagt, es ist toll, dass er ihnen am Schluss diese Szene gegeben hätte und das ist schon mehr als die meisten großen Hollywood-Dramen hinkriegen, um das so zu machen, dass man die Figuren für plausibel hält. Er hätte das davor schon machen können. Ist ein Nitpicking-Argument. Ist nichts, was mir den Film kaputt macht oder so, oder was mir den Film mal nicht machen würde. Ist nur aufgefallen, dass ich bei diesen zwei Figuren dachte, ah, jetzt sind sie ein bisschen zu sehr Antagonisten. Jetzt könnte, hätte es eine Szene noch gebraucht, eine Szene davor, fünf Minuten früher, zehn Minuten früher. Das hätte gereicht und keine lange Szene, was Kurzes. Einen kurzen Moment der Menschlichkeit für die beiden Hauptantagonisten.
Johannes Franke: Ich finde, dass der Pastor ja durchaus am Anfang so eingeführt wird, dass man erst mal ihn nicht gleich als Antagonisten erkennt. Man hat erst mal das Gefühl, oh, da ist jemand begeistert, dass der große Daniel, wie er auch immer heißt, kommt, der Star-Kirigent und jetzt könnte ja richtig was passieren hier im Dorf. Und das ist eine sehr menschliche Sache, finde ich, und eine sehr, sehr spannende Figur von Anfang an. Der macht natürlich dann ziemlich schnell die Kurve zum Antagonisten. Und natürlich ist Conny von Anfang an der Frauenschläger.
Florian Bayer: Conny ist einfach der Bösewichter am Anfang. Conny kriegt auch, genau, also Stick ist definitiv, ist eine ambivalentere Figur als Conny. Ja. Conny ist, Conny ist eigentlich auch so ein bisschen ein Tool, um Gabriella spannend zu machen.
Johannes Franke: Und die ist ja wirklich eine spannende Rolle.
Florian Bayer: Für die spannend. Wow. Und ich liebe ihre Szene, wenn sie singt, die ja ganz zentral ist nach einer Stunde. Und das ist auch so was, was ich so viel, auf so viele Arten klicheehaft ausschlachten ließe. So dieses klassische Hollywood-Momentum-Sisters-Act, die immer ganz schüchtern war und immer geflüstert hat, plötzlich singt und dann selbst ganz erstaunt nach links und rechts guckt, wie toll ihre Stimme klingt. Aber das macht der Film nicht, sondern er gibt dir einfach nur eine Szene, wo er sie zeigt, wie sie singt. Und es ist eine unfassbar gute Szene.
Johannes Franke: Lass uns dazu, lass uns dazu hinführen, weil ich finde, also es wird natürlich von Anfang erzählt, dass Gabriella diejenige ist, die eben mit dem Schläger zusammen ist und es nicht schafft, sich aus dieser Beziehung zu trennen. Und das Dorf wird mit, mit zum Mittäter, indem sie sich nicht einmischen. Aber man versteht auch, dass es schwierig ist, da einzugreifen. Und ich finde, dass die ganze Story, also dieses Ganze, deswegen finde ich, dass der Film ganz, ganz massiv auf das Solidaritätsding geht. Was auch Lena später nach anspricht, wenn sie von ihrem, ihrer schlechten Erfahrung mit einem Typen erzählt, der, der sie, mit dem sie zusammen war, wo sie herausgefunden hat, dass er verheiratet ist und zwei Kinder hat. Und das ganze Dorf wusste das und ihr zwei Jahre lang nicht erzählt hat, dass das eigentlich gar nicht geht. Und, und dieses Thema von Solidarität und wann, wann mische ich mich ein und wann mische ich mich nicht ein, das ist ein ganz heikles und heikles und schwieriges Thema. Und ich finde, das behandelt der Film wahnsinnig gut. Und Gabriella wird halt geschlagen und irgendwann fängt Daniel an, das sieht man halt, diesen Song zu schreiben für Gabriella. Und ganz tolle, menschliche, ähm, Regung, die Daniel da zeigt. Und weil er ja auch am Anfang so gezeigt wird, cholerisch und, und schreit seine Musiker an, dass er, dass das alles überhaupt nicht geht und so. Und einfach, weil er unzufrieden ist mit dem, was er eigentlich mal wollte und das, was daraus geworden ist aus der Musik, ne. ähm, und er, das, was er eigentlich gesucht hat, auch wenn es relativ platt formuliert wird mit, äh, ich will jeden bewegen mit Musik, naja gut, okay, ja, ist kein, kein, kein guter Satz. Aber, aber das, was dahinter steckt, finde ich richtig und wichtig und dass er das dann in den Song für Gabriella steckt.
Florian Bayer: Ja. Ich glaube, man hat tatsächlich auch nicht, nicht vergessen, dass er Gabriella den Song auch schreibt, weil sie wirklich gut singen kann. Sie wurde ja auch von einer, von einer Sängerin gespielt. Ja,
Johannes Franke: der Musicalstar in Schweden gewesen, also, oder ist es immer noch, ich weiß es nicht genau, aber das, äh, die scheint ja sowieso sehr, ja, sehr bekannt gewesen zu sein, vorher schon. Und dann führt es darauf hin und sie machen kein großes Hollywood-Ding draus, dass sie sich bis, bis, äh, kurz vorm Auftritt ziert oder dass sie, sondern, es gibt eine ganz tolle Szene, wo sie ihm sagt, ich hab diesen Song für dich geschrieben und sie sagt, das geht nicht, kann ich nicht machen, und ich hab zu viel Angst, das funktioniert, um Gottes Willen, auf gar keinen Fall. Und dann Arne fängt wieder an, den, den Dicken irgendwie Fetti zu nennen oder was auch immer, er da irgendwie Speckdingens irgendwas sagt da zu ihm und dann rastet der vollkommen aus und sagt, seit 30 Jahren muss ich mir anhören, dass ich fett bin von dir und, und, und, und, bricht halt weinend zusammen und, und ich find das so gut hergeleitet, dass Gabriella darauf hin, das wirklich macht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also es ist,
Florian Bayer: es ist wirklich schön, so diese kleine Fokusverschiebung. Ja. Und dann, was du schon gesagt hast, das Solidaritätsprinzip, dass diese Gemeinschaft durch diese kleinen Fokusverschiebung und durch diesen, durch diesen Ausbruch, der auch super ist. Ja. Ähm, quasi wieder zusammenfindet, dass die dann auch sagt, okay, ja, nee, ich, ich mach das jetzt.
Johannes Franke: Ja. Und dann, ich hab den ganzen Song, ich flanne den ganzen Song durch, das ist unglaublich. Wenn die da diesen, dieses Lied singt und ich in die Untertitel anmache, um zu verstehen, was klingt. Und auch ohne Untertitel, aber, aber es ist unglaublich und ich hab jetzt schon wieder Tränen in den Augen, einfach nur weil, weil dieser Befreiungsschlag und diese Kraft, die in diesem Song, das ist unglaublich.
Florian Bayer: Das ist so eine starke Szene und sie macht's mit so einfachen, mit so wenigen und einfachen Mitteln und mit ein paar Blicken, die sie auch, also sie, sie blickt auch tatsächlich, sie hat eine unglaubliche Stärke plötzlich in ihrem Blick, wenn sie das singt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ansonsten passiert da ja nicht viel. Wir sehen einfach diesen Song und wir sehen diesen Song, wie lange dauert die Szene? Die Szene ist relativ lang, ne? Wir sehen. Ja, aber es sind zweieinhalb Minuten, wie so ein Song halt ist. Ja, wir sehen diesen Song komplett und, ähm, ja, es ist unfassbar, eine fantastische Szene und eine bewegende Szene und genau die Szene, die auch zentral stehen muss, weil die Szene natürlich auch sagt, es geht hier nicht um unseren Protagonisten, es geht auch nicht um die, um seinen Love Interest. Das wäre so billig gewesen, wenn, wenn sie sein Love Interest gewesen wäre, das wäre auch wahrscheinlich so was, was einen Hollywood-Film gemacht hätte. Ja, genau, genau. Es geht hier wirklich um all die Menschen, die in diesem Dorf sind und mit all ihren Schwächen und mit all ihren Problemen und Ängsten und dass es trotzdem so was gibt, was irgendwie so ein Stück Hoffnung transportiert und so ein Stück Menschlichkeit und, ja, hey, wir haben ja Menschen vor uns und diese Menschen sind wichtig und das ist einer von ihnen und dieser Mensch wurde vielleicht bis jetzt wahrgenommen, als die Frau, die halt nichts sagt und die von ihrem Mann verprügelt wird und, aber wir haben ja einen Menschen vor uns, der auch eine Stimme hat und, der was mitzuteilen hat und jetzt schafft sie, das ist toll. Also, unfassbar gute Szene. Kann ich nur noch mal wiederholen. Schön.
Johannes Franke: Ja, ich glaube auch, wer davon nicht bewegt ist, der ist einfach Stück Holz. Ich weiß nicht, wirklich, das ist so, so gut hergeleitet und so gut gespielt und, und man, man will so dringend, dass diese Frau es schafft, da rauszukommen. Einfach wundervoll. Ja. Und damit hätte der Film quasi auch, also, das hätte schon für den ganzen Film gereicht, da hinzukommen. Der Hollywood-Film hätte das vielleicht wirklich ausgeschlachtet bis zum, überhaupt, bis zum Höhepunkt, dass sie es dann schafft, aber nein, ähm, es geht dann weiter, wie sich dieser Chor entwickelt, ähm, wie die Liebe zum Chor von Daniel sich entwickelt und wie der Chor Daniel ja eigentlich von Anfang an irgendwie so, bis auf ein paar Figuren, ne, die diese Antagonisten vorantreiben, irgendwie anhimmelt. Der kommt als erstes, Daniel kommt das erste Mal dahin und alle stehen da, als hätten sie den Messias vor sich. Weißt du, das ist so süß. Und Daniel, weiß ich überhaupt nicht, wie er damit umgehen soll,
Florian Bayer: rennt erst mal weg, aber. Das ist so schön, wenn er beim Chor zum ersten Mal zuhört und sie sind ja, genau, sie himmeln ihn irgendwie an, sind so total dankbar, dass er wenigstens mal draufhört und er ist eher so widerwillig, ne, er muss ja fast geprügelt werden, um da hinzugehen. Ja, genau. Und hat er auch eigentlich keinen Bock drauf und dann hört er das und sie singen ja nicht besonders gut.
Johannes Franke: Nee.
Florian Bayer: Sie singen halt wie so ein, wie so ein, wie so ein Dorfchor singt. Und dann hört er das und sagt einfach nur, ey, es ist so geil, wie er reagiert, weil er gibt uns, durch seine Reaktion gibt er uns natürlich auch unsere Reaktion mit. Wir haben zuerst das Gefühl, wir hören ja einfach einen Chor, der halt irgendwie so ein bisschen amateurhaft singt und sich aber bemüht und dann hat er diesen, ja, so einen ratlosen Ausdruck in seinem Gesicht und sagt dann, das, was ich gehört habe, was sagt er, es hatte ganz viel Schönes. Ja, er hatte sehr viel Schönes. Aber er sagt es ohne Sarkasmus, ohne jeden Zynismus und er meint es total ernst. Ja. Und sein Gesichtsausdruck ist so, als ob er das Schönste gehört hätte, was er seit Jahrzehnten an Musik gehört hat. Ja. Und obwohl wir davor dasselbe gehört haben wie er und obwohl wir das gehört, obwohl wir nur einen normalen Chor gehört haben, denken wir in dem Moment, okay, ich glaube, ich habe verstanden, was das Besondere ist oder was er auch sucht darin. Finde ich einen starken Moment, weil tatsächlich durch seine Reaktion, eigentlich von so einem Musikkritiker, bei dem man sagen würde, der würde sagen, oh Gott, der müsste alles umstellen. Sopran, Bass, ziehe hin. Sehen wir einfach nur dieses ganz schlichte Urteil, ohne irgendwelche Kritik, ohne irgendwelche Analyse. Ja. Das war schön. Ja. Das hat mich bewegt und ich will damit arbeiten, weil es mich bewegt hat. Ja. Das finde ich sind total süßen, naiven, im besten Sinne des Wortes, Zugang zur Musik, weil es einfach ist, hey, ich höre hier was Besonderes in dem Einfachen und da will ich Teil davon sein.
Johannes Franke: Und genau das ist es ja eben. Er sucht das, was alle bewegt und er hat ja im Grunde, seine Karriere war ja im Grunde dann schon, wurde er immer elitärer. Und dann ist kein Wunder, dass er in einem einfachen Dorfchor, wo einfach Menschen miteinander Musik machen, das wiederfindet, was er irgendwann mal auf den Blick verloren hat. Ja. Das finde ich einen ganz tollen, das ist sehr erzählenswert einfach.
Florian Bayer: Ja. Das ist ja auch total spannend, wie er dann versucht, das aufzugreifen und wirklich so mit, die Liebe zur Musik so zum Thema macht von seiner Chorarbeit. Also er wäre dann ja bereit, den Chor zu leiten. Und eine super witzige Szene, wenn er am Anfang, sie versucht, in diesen spirituellen Rahmen zu kriegen, das Musik. Und ich erzähle euch jetzt was von der Musik. Was ist das Wichtigste? Es fängt an mit dem Zuhören,
Johannes Franke: mit dem Hören.
Florian Bayer: Na, Handy klingeln, Kaffee kochen. Ja. Kommt ihm im Hund rein, wuff, wuff, wuff, und unterbricht ihn ständig. Es ist toll, weil es ist so schön, wie er auf so ganz natürlichen, menschlichen Widerstand sitzt. Der halt einfach, ich meine, es ist halt kein professioneller Chor. Natürlich treffen die sich dann doch eben, um einfach ein bisschen Zeit miteinander zu verbringen. Und ja, Arne hat wahrscheinlich große Ambitionen. Das wird relativ schnell, klar, dass dieser Arne immer der ist, der vorbricht und der auch, der den professionellsten Chor überhaupt will und ganz klare Vorstellungen hat. Und diese Szene ist total lustig. Sie wird richtig stark, dadurch, dass sie dann kontrastiert wird durch das Hereinbrechen von Tore, der von Arne als Störung des Chors wahrgenommen wird. Und zudem, Tore ist der behinderte Neffe von Arne, eine geistige Behinderung, die nicht näher erläutert wird. Und der will eigentlich immer mitmachen beim Chor und kommt dann manchmal rein. Und Arne ist immer total genervt davon. Und jetzt könnte man ja davon ausgehen, dass es wieder so eine Störung, die Daniel auch störend findet. Aber ganz im Gegenteil, Tore wird Mitglied des Chores. Und Daniel sagt, wir müssen ihn drin haben, weil der hat eine tolle Stimme. Ja, das ist super. Tore zeigt so ein paar Mal, dass er mitsingen will und macht dann halt seine Geräusche und stimmt dann einfach einen Ton an. Und Daniel ist total begeistert und sagt direkt, ja, der ist dabei. Der gehört jetzt zu unserem Chor. Und es ist toll, dieser Kontrast, weil davor war das eine lustige Szene, wo wirklich so diese Alltagsstörungen sind. Und dann kommt noch mal eine Störung. Aber nein, das ist was anderes. Das ist keine Störung. Und das ist das, was von Arne und von vielen anderen im Chor vielleicht vorher auch als Störung wahrgenommen wurde. Und in Wirklichkeit ist dieser Tore eine ganz wichtige Ergänzung zu dem Chor.
Johannes Franke: Ja, ich finde allerdings, dass die Szene schon vorher ein bisschen einen guten Spin bekommt, als Daniel einmal ausrastet und sagt, das geht so nicht, Leute. Wir brauchen Konzentration. Wir können das doch nicht so angehen, dass man irgendwie, gehe ich ans Handy, mache ich das, mache ich das. Und dann kommt Lena, beurte sich zu ihm vor und sagt, wir haben von sowas alles keine Ahnung. Kaffeepausen sind auch wichtig. Und Daniel nimmt das aber auch irgendwie dann an. Ja. Es irgendwie, man sieht die ganze Zeit, dass er so in dem Spannungsfeld ist von diesem Professionellen. Ich kann, ich will eigentlich alle anschreien, damit wir ordentlich vorangehen, wie er das früher mit seinen Musikern gemacht hat. Aber er weiß, das geht hier nicht. Es funktioniert hier einfach nicht. Und er rastet so ein bisschen aus zwischendurch, aber er versteht auch sofort, wenn sie sagt, Kaffeepausen sind auch wichtig.
Florian Bayer: Ja, er ist dabei, so seine Rolle zu finden. Und er braucht da ja auch ganz viel Hilfe von außen. Das ist ja natürlich, natürlich wird er so ein bisschen als Messias eingeführt. Diese Rolle verliert er auch nie ganz, weil er hilft ja auch irgendwie allen mit seiner Co-Arbeit. Ja. Aber gleichzeitig wird klar, dass er auch ganz viel, dass sich in seinem Leben ganz viel ändert. Also wir haben zu Lena noch kein Wort gesagt, aber dank Lena lernt, er schafft er es.
Johannes Franke: Fahrradfahren.
Florian Bayer: Fahrradfahren, genau. Ich wollte eigentlich, ich wollte mit den großen Gefühlen anfangen. Aber genau, Lena bringt ihm Fahrradfahren bei. Und Lena bringt ihm bei, vor allem irgendwie zu seinen Gefühlen zu stehen, weil er wird als unglaublich verklemmt und hilflos gezeigt. Und diese Lena, die fantastisch gespielt. Ja, wundervoll. Ist so direkt und so laut und schafft es ihn damit, einfach aus seiner Reserve zu locken. Ja. Und so eine ganz alberne Szene, wenn er zu ihr sagt, er macht sie wirklich wütend damit, dass er es nicht schafft, zu seinen Gefühlen zu stehen. Und dann fragt er sie, wie weiß man, ob man einen Menschen nicht mag?
Johannes Franke: Und dann ist sie so voll wütend und sagt so, ey, du hättest die Frage einfach nur anders formulieren müssen. Warum fragst du mich nicht, wie schafft man, wie merkt man, ob man einen Menschen mag? Was stimmt nicht mit dir, Alter?
Florian Bayer: Und schafft es damit, ihn aber auch wirklich aus der Reserve zu locken.
Johannes Franke: Ja. Ganz tolle Szene. Ich find's großartig. Es ist, manchmal haut mir ein bisschen die Synchro rein, finde ich. Manchmal, finde ich, in der Synchronisation ahnt man nur, was der ursprüngliche Inszenierungsgedanke war. Und es ist ein kleines bisschen nach hinten losgegangen, in der Synchronisation. In der Synchronisation. Aber es ist, es scheint immer durch und deswegen kann ich es auch verzeihen. Aber es ist ganz toll, wie er sich dann entwickelt und was er dann versucht, wie er das versucht, wirklich sein Leben zu ändern und wirklich das zu suchen und zu finden, was er da eigentlich mal wollte.
Florian Bayer: Ja. Und er ist es tatsächlich dann ein Geben und Nehmen. Also er ist, die vom Chor, die lieben ihn. Er liebt die vom Chor auch alle. Ja. Er liebt auch die, mit denen er seine Konflikte hat. Also Siv ist jedem Chor, die am stärksten zum einen zum Pfarrers Dick hält. Aber es wird so ein bisschen angedeutet, dass sie offensichtlich auch in ihn verliebt ist vielleicht.
Johannes Franke: Oder so. Ja. Also sie guckt so eifersüchtig auf seine Beziehung zu Lena. Es werden aber irgendwie alle so, sie himmeln ihn einfach alle an. Weißt du? Das sagt ja Gabriela auch irgendwann. Er unterhält sich mal sehr detailliert mit Gabriela darüber, was er will, was sie will. Und sie sagt ihm, die lieben dich. Alle lieben dich.
Florian Bayer: Und er schafft es damit, mit diesem Geben und Nehmen halt wirklich so eine Art Utopie aufzubauen in diesem dörflichen Rahmen. Und die hält dann ja auch tatsächlich das aus, dass der Pfarrer, Stick, sich irgendwann komplett gegen ihn stellt und sagt,
Johannes Franke: du fliegst jetzt raus aus der Kirche. Ja, weil also, das fängt damit an, dass er ja gar nicht mit denen singt am Anfang. Was sehr, sehr schön ist, weil sie wirklich, sie haben, das Dorf hat natürlich überhaupt gar keine Erfahrung damit, wie moderne, oder gar nicht mal so moderne, aber Gesangstechnik. Wie einfach Ruhrarbeit aussieht. Und erst mal so ein bisschen Körperarbeit und dieses ganze Zeug, was einfach, wovon die noch nie gehört haben.
Florian Bayer: Er macht ja tatsächlich das. Er macht ja keine absurden Sachen. Er macht Sachen, die man in jeder Schauspielschule, in jeder Kursschule überall findet. Das ist nicht so, also es wird von ganz vielen als progressiv und merkwürdig wahrgenommen, aber es ist es ja nicht. Eigentlich nicht. Jeder, der irgendwas mal gemacht hat, was so körperlich ist, selbst beim Sport, weiß, dass es sowas gibt. Das ist Warmmachen. Und ja, so ein bisschen spiritueller Überbau, aber nicht groß, sondern total im Rahmen.
Johannes Franke: Ja. Und das ist süß, weil alle dann irgendwie sitzen, liegen alle auf dem Boden und fangen erst mal an zu kichern, weil sie das erste Mal irgendwie übereinander irgendwo liegen und nichts damit anfangen können. Und er versucht, das irgendwie anzuleiten. Das ist eine sehr süße Szene. Gruppenbildende Maßnahmen. Ja, genau.
Florian Bayer: Man sieht auch so ein bisschen seine Verzweiflung bei diesen Tätigkeiten, wo er halt doch kollidiert mit diesen einfachen Dorfleuten, die sowas witzig und albern finden.
Johannes Franke: Und daraufhin ist halt irgendwie, dass Werzweif dem Pastor sagt, wir singen nicht. Und er dann langsam nach und nach das Gefühl hat, dass Daniel das ganze Dorf umkrempelt. Und mit Methoden, mit denen er nichts anfangen kann, die irgendwie völlig neu sind für ihn und die irgendwie sein Leben in Gefahr bringen, mehr oder weniger. Ja. Also auch gut hergeleitet, finde ich, dass er sozusagen sagt, von, oh, der Stardirigent kommt, finde ich toll, zu, ach du Scheiße. Ja. Das finde ich gut hergeleitet.
Florian Bayer: Naja, es gibt ja so diese, also diesen einen Punkt, dass er ihn rauswirft. Ja. Das ist sowas, was so einen ganz krassen Cut macht. Ja. Und dann genau, dass dieses Siv ganz stark auf den Pfarrer einwirkt. Und dann glaube ich ist es natürlich auch tatsächlich, dass er merkt, dass seine Frau, dass Inga sich verändert durch diese Koarbeit, dass sie lebendiger wird und dass sie ihm widerspricht. Also das ist es glaube ich auch ganz stark, dass seine heile Welt, die er sich sehr gut zurechtgelegt hat, die vor allem davon gelebt hat, dass seine Frau still ist, dass alle ihn anhimmeln, ihm zuhören, dass die auf einmal aufgebrochen wird. Ja.
Johannes Franke: Ja, aber auch eine Botschaft des Films zu sagen, wenn du, wenn du Leidenschaft für etwas entwickelst und wenn du diese Leidenschaft anderen vermittelst und förderst und die Leidenschaft aus anderen rausholst, dann hast du jetzt im Falle eben von Inga, dass sie, dass sie, dass sie merkt, ich habe hier, ich habe hier was ich will, ich will mehr als das, was ich bis jetzt hatte. Das ist so ein, so ein, überhaupt das Leben einmal, einmal zu öffnen und zu sagen, was gibt es alles, was kann ich hier alles und nicht zurückzufallen in diese alten Muster, die man eigentlich schon seit Jahren nicht leiden kann.
Florian Bayer: Ja. Und das ist, das ist ein ganz toller Teil des Films, das ist dieser Mittelteil, wenn sich diese Verbindung aufbaut zwischen Daniel und dem Chor. Also wir haben die Chorproben, die gezeigt werden, wir haben mehrere Feierzähnen und in denen schon die, was ich am Anfang gesagt habe, dieses Kameraprinzip ist, dass die Kamera sehr dicht drin ist, wir tanzen mit den Menschen, wir sind direkt zwischen ihnen, es wird immer mal wieder so ergänzt durch kleine Nebenhandlungen, wo eben die Leute aus dem Chor gezeigt werden, also Gabriella mit ihrem Mann und Inga mit Stick und das kulminiert dann so ein bisschen auch in dieser fantastischen Szene, wenn Gabriella singt, das ist so quasi der Höhepunkt von diesem Zusammenwachsen und dann gibt es diese zwei Dinge, die quasi die Geschichte vorantreiben und zwar zum einen, dass Arne den Chor für den Gesangswettbewerb in Österreich anmeldet und das zweite, dass der Pfarrer den Kirchenvorstand nutzt, um Daniel rauszuwerfen aus fadenscheinigen Gründen und der Chor aber sich direkt entschließt, in Daniels Wohnung einfach weiterzumachen und sie brauchen die Kirche einfach gar nicht mehr, sie sind dann halt bei ihm in der Wohnung, aber das sind so zwei Dinge, die die Story dann tatsächlich vorantreiben, davor hatten wir vor allem so eine Art Zusammenwachsen, wir lernen die Menschen kennen, wir lernen sie darüber kennen, wie sie miteinander interagieren und wie sie zueinander finden und dann haben wir, jetzt passiert Geschichte, jetzt wird was vorangetrieben.
Johannes Franke: Ja, ich finde den Gedanken übrigens ganz toll, diesen Typen zu zeigen, Daniel, wie er selbst von der Karriere korrumpiert, seine Musik nicht mehr so dort findet, wo er sie eigentlich mal haben wollte, dann durch den Schlaganfall zurückgeworfen wird und da in dieses Dorf zurückkehrt und dann das Ganze wieder von vorne losgeht, der Weg über die Leidenschaft zu, jetzt will man aber auch einen Wettbewerb gewinnen und er findet es voll doof und er findet es sowas von doof, weil er natürlich weiß, wo es hinführt, er will nicht dort wieder zurück, wo er eigentlich mal, wo er ja den Schlaganfall und dann das ganze Leben ihm ruiniert hat, sondern er will eigentlich im Einfachen bleiben. Aber natürlich ist es total menschlich. Ja, absolut. Dass dann dieser Typ kommt und sagt, ich habe uns angemeldet für einen Wettbewerb, jetzt geht es richtig. Und dieser Arne, der immer zu viel will
Florian Bayer: und immer so ein Stück zu sehr nach vorne präscht und andere Leute vor den Kopf stößt, ohne es zu bemerken.
Johannes Franke: Ja, aber es ist schön, weil das eben diese Menschlichkeit, die Natur des Menschen einfach einmal zeigt und sagt, naja, so ist das halt. Ja. Finde ich sehr schön. Und dann machen die das halt irgendwie, Proben für den, haben denn auch dieses Konzert, wo Gabriella singt? Das ist vorher. Das ist davor. Genau. Und dann gibt es diesen einen Moment, wo der eine von der Euphorie getrieben der anderen älteren Frau seine Liebe gesteht. Was für eine tolle Szene, so banal und simpel. Ganz simpel. Er stammelt da ein bisschen vor sich hin, sagt ihr, dass sie sie eigentlich schon seit 60 Jahren liebt und sie sagt nichts weiter und steht auf und geht. Ja. Und es wird nicht weiter behandelt. Nee, es ist aber so süß. Aber irgendwann später, wenn sie bei Daniel einreiten alle, sehen wir, wie er sie küsst und wie sie offensichtlich dann doch irgendwie zueinander gefunden haben. Das ist ein ganz liebstes kleines Nebending.
Florian Bayer: Das ist so eine Utopie irgendwie in diesem Rahmen, wo sich alle selbst befreien können und alle irgendwie aus ihren alten Rollen ausbrechen. Ja, das schafft die Musik. Das schafft die Musik. Musik.
Johannes Franke: Wir lieben Musik. Der Film liebt Musik. Der Film ist eine Liebeserklärung an die Musik. Oh mein Gott. Wollen wir zu dem Top 3 kommen? Jingle. Jingle. Liste. Ta-da-da. Die Top 3 ähm Filme mit Liebeserklärungen an die Musik.
Florian Bayer: Habe ich das so richtig? Oh Gott, meine Liste ist voll ungeordnet und voller Honorable Mentions und ich habe das Gefühl, ich habe trotzdem ganz viel vergessen. Lass mich mal gucken, dass ich meine Top 3 hinkriege. Ja, ich muss das auch noch mal kurz sortieren. Also, um gleich eins bei den Honorable Mention rauszuhauen, was wahrscheinlich eigentlich auf Platz 1 gehört und wir haben einfach in Hülle und Fülle drüber geredet. Ähm. I'm Not There. Ja. Ein Film der Musik. Es ist einfach. Bob Dylans perfekt. Wahnsinn. Erzählt. Toller Film. In kleinen Episoden. Und Johannes hat ihn schon in der Top-Liste. Wir haben eine ganze Sendung drüber gemacht. Hört euch die Sendung an, in der wir über I'm Not There reden. Es geht um die Musik Bob Dylans, um die verschiedenen Facetten Bob Dylans. Toller Film. Wäre wahrscheinlich mein Platz 1, ist jetzt einfach bei den Honorable Mentions, weil wir schon so viel drüber geredet haben.
Johannes Franke: Okay. Ähm. Ich habe Honorable Mentions und zwar School of Rock. Der tatsächlich ganz geil ist. Der ist wirklich cool. Ich mag den auch. Ich bin total begeistert in diesem Film. Man erwartet nichts, aber er ist großartig. Und Jack Black ist einfach eine coole Sau und ein super Film. Ich finde ihn auch sauwitzig. Ganz toll. Ganz toll. Ähm. Das ist eine Honorable Mention. Ähm. Was es nicht in die Liste geschafft hat, ist, ähm, ähm, Whiplash.
Florian Bayer: Ah, aber das ist keine Liebeserklärung an die Musik,
Johannes Franke: weil Musik echt nicht gut wegkommt bei dem Film. Ja, aber irgendwie doch. Irgendwie doch. Ich weiß, es ist nur schmerzhaft eigentlich, den Film zu gucken. Aber er ist trotzdem irgendwie eine Liebeserklärung an die Musik, obwohl es wirklich Aua ist die ganze Zeit.
Florian Bayer: Darüber können wir diskutieren.
Johannes Franke: Ja, vielleicht müssen wir diesen Film gucken.
Florian Bayer: Whiplash ist ein Sportfilm. Ja, das stimmt. Wenn er da sitzt bei diesen Proben und dann einen richtigen Rhythmus schlagen soll. Und es hat nichts mehr mit Liebe zur Musik zu tun, sondern einfach nur mit Mathematik trifft den richtigen Ton. Wenn nicht, kriegst du deine Finger abgehackt.
Johannes Franke: Ja. Aber super Film. Ja. Deswegen auch in den Honorable Mentions, weil er nicht 100% Liebeserklärung ist, vor allem keine romantische. Ja.
Florian Bayer: Ich hab noch in den Honorable Mentions das Piano. Ah ja, ja, ja. Klavier lernen und über Musik, romantische Beziehungen und Oscar prämiert. Total sehenswert. Ja. Und meine letzte Honorable Mention, und ich glaub, wie gesagt, ich hab ganz viel vergessen, ist Anvil, die Geschichte einer Freundschaft. Ein Film, ein Dokumentarfilm über die Metalband Anvil, die irgendwann mal als die großen Ikonen des Genres galten und seitdem aber irgendwie nur noch so ganz kleine Konzerte machen, die halt irgendwie so ein bisschen in den 80ern hängen geblieben sind.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und die werden begleitet auf Tour, wo sie dann in Osteuropa vor zehn Leuten spielen und sich drüber ärgern, dass sie kein Publikum mehr anziehen und ständig Ärger haben mit dem Booking und ständig Ärger haben mit dem Management und so weiter, aber trotzdem das durchziehen, weil sie einfach für diese Metalmusik brennen. So ein bisschen eine Tragikomödie. Okay. Getarnt als Dokumentarfilm. Also es ist ein wirklicher Dokumentarfilm. Okay. Die Band gibt es wirklich, die Leute gibt es wirklich und die kämpfen auch wirklich und die schaffen es einfach, haben es nie geschafft, richtig den Durchbruch zu machen wie andere Metalbands. Aber sie sind so sympathisch und sie kämpfen, sie machen es einfach weiter, weil sie die Musik so lieben. Schön. Okay.
Johannes Franke: Ja. Das war jetzt eine Honorable Mention. Honorable Mention. Okay. Dann du musst aber anfangen jetzt.
Florian Bayer: Ich muss anfangen. Tatsächlich habe ich nur Filme aus dem letzten Jahrzehnt, wenn ich das richtig sehe, nur aktuelle Filme. Mein Platz drei, ganz junger Film. Yesterday aus dem Jahr 2019.
Johannes Franke: Ich wusste, dass du ihn in der Liste hast. Ich wusste es. Ich habe ihn nicht in die Liste genommen, weil ich ihn nicht gesehen habe. Aber ich weiß, dass ich ihn unbedingt gucken muss und dass ich ihn lieben werde.
Florian Bayer: Es ist von dem Regisseur von Fjordzeiten ein Todesfall. Manche Kritiker, was ich überhaupt nicht verstehen kann, haben gesagt, er ist zu viel romantische Komödie. Okay. Ich finde, er schafft es total gut, das Großartige an der Beatles-Musik auf die Leinwand zu bringen. Es geht ja um einen Musiker, der in einer Paralleldimension wach wird, wo die Beatles nie existiert haben. Aber er kennt all die Beatles-Songs, schreibt die alle wieder auf aus seinem Gedächtnis, teilweise ein bisschen falsch von Melodie und von Text und Arrangement und wird damit zum großen Weltstar. Und es ist so ein schöner Film, voll mit tollen Beatles-Songs. Er hat zwei Beatles-Cover, die, Achtung, besser sind als die originalen.
Johannes Franke: Nein! Okay, du musst mir diesen Film aufgeben, damit wir darüber diskutieren können. Okay, ich merke mir das mal. Wunderbarer Film. Okay, cool. Mein Platz drei, ich habe ihn nur aus langer, langer, langer entfernter Erinnerung. Ich habe ihn in meiner Kindheit gesehen und ich weiß nicht mehr genau, wie der Anteil an Liebeserklärung an Musik eigentlich ist. Aber für mich hat er das immer noch Amadeus. Ja, also das fand ich sehr eindrucksvoll, wie dieser Schauspieler es geschafft hat. Amadeus, also Mozart, einfach so krass. Als Punk. None|Ja. Als kindischer, verspielter Punk. Wahnsinn. Ja.
Florian Bayer: Ganz, ganz toller Film. Großes, großes Epos. Ja, super.
Johannes Franke: Und die Tragik von, wie heißt er? Salieri. Salieri? Salieri. Salieri. Genau. Ja. Ah, Wahnsinn.
Florian Bayer: Ja. Ja, ja, ja. Aber der Film wurde ganz viel kritisiert dafür, dass die Beziehung von Salieri zu Mozart komplett falsch dargestellt wird, ne?
Johannes Franke: Ja, die ist ja auch gar nicht so ausführlich gewesen, als es gab, oder? Ja. Also soweit ich das weiß, gab es das fast gar nicht so.
Florian Bayer: Salieri stand nie so groß im Schatten von Mozart, sondern war einfach ein gefeierter Star. Und ich glaube nicht, dass der Probleme damit hatte, dass es nebenbei noch das Wunderkind Mozart gab. Also, naja. Okay. Dein Platz zwei. Mein Platz zwei ist eine Liebeserklärung an die experimentelle Musik. Und zwar Frank aus dem Jahr 2014. Eine, ähm, britische, beziehungsweise irische Komödie, in der Michael Fassbender den Sänger einer, ähm, einer, einer experimentellen Rockband spielt, der die ganze Zeit mit einer riesigen Maske auf dem Kopf rumläuft. Niemand weiß, wie sein Gesicht aussieht, er will die Maske auch nicht ausziehen, aber er hat eine große Vision, er will perfekte experimentelle Musik machen und lädt dazu, äh, hat, fährt dann mit seiner Band raus aufs Land. Das Ganze wird erzählt aus der Sicht des neuen Mitmusikers, äh, der wird von Dom Hal Cleason gespielt, den man aus Harry Potter kennt, glaube ich, vor allem. Okay. Der einer von den Weasleys ist in Harry Potter. Okay. Und die sind dann auf dem Land und machen so, versuchen halt experimentelle Musik zu machen, aber machen im Prinzip gar nichts, weil sie die ganze Zeit rumexperimentieren mit Instrumenten und sich streiten und dann haben sie dieses exzentrische Bandmitglied, diesen exzentrischen Frontmann, der die ganze Zeit mit dieser Maske auf dem Kopf rum philosophiert und stümpern dann teilweise was zusammen und es ist so ein liebenswerter Film. Also es ist, es geht um experimentelle Musik, aber es ist kein experimenteller Film, sondern es ist einfach eine wunderschöne Tragikomödie über die Probleme, die überambitionierte Musiker haben. Die dann trotzdem irgendwie sowas machen, die total faszinierende Kunst, gerade wegen ihrer merkwürdigen Art.
Johannes Franke: Okay. Ist nicht der Satz, den du eingangs gesagt hast, perfekte, experimentelle Musik, ist das nicht ein Oxymoron? Naja, ist es.
Florian Bayer: Es ist genau, sie machen, sie machen unperfekte Musik im besten Sinne des Wortes.
Johannes Franke: Okay, cool. Schön. Mein Platz zwei wäre dann, ich weiß, den finden ganz viele ganz furchtbar kitschig und ich würde ihn vielleicht auch ganz furchtbar kitschig finden, wenn ich ihn heute gucke. Ich zehre auch aus Erinnerung und zwar August Rush im deutschen Klang des Herzens. Der Klang des Herzens, ganz furchtbar schlichter Titel.
Florian Bayer: Habe ich glaube ich nicht gesehen.
Johannes Franke: Es geht um ein Kind, das in einem Heim groß wird und irgendwie immer den Flitz hatte, dass er seine Eltern wiederfindet über die Musik und spielt Gitarre auf sehr andere Weise als, also er hat so Percussion Gitarrenspiel und unglaublich tolle Musik da drin und er findet tatsächlich seinen Vater wieder durch diese Musik und es ist sehr kitschig, aber es ist wahnsinnig toll. Es klingt unglaublich kitschig, ich kipps zu. Aber es ist wirklich ein ganz, ganz, ganz toller Film. Ich muss ihn einfach nochmal sehen. Er hat so ein paar, ich weiß nicht, ist sogar Robin Williams dabei? Ich weiß es nicht genau. Klang des Herzens. Der Klang des Herzens.
Florian Bayer: Klang des Herzens 2007.
Johannes Franke: Und das Kind, was das spielt, ist auch ganz toll.
Florian Bayer: Robin Williams ist dabei, Tatsache.
Johannes Franke: Ja, und er hat so irgendwie dieses, die landen dann irgendwie im Untergrund, weil der Junge aus dem Heim entwischt und da irgendwie sich einfach auf die Suche begibt mit seiner Gitarre. Und dann Robin Williams ist, glaube ich, sogar ein Bösewicht, der ihm die Gitarre irgendwie wegnimmt. Also, so ein bisschen. Okay. Genau. Klingt auf jeden Fall interessant. Ich weiß nicht, aber es ist wirklich toll. August Rush. August Rush.
Florian Bayer: Okay. Mein Platz 1 ist auch ein ganz junger Film. Wahrscheinlich hast du nicht davon gehört. Ich glaube, den gibt es auf Netflix zu sehen. Petty Cakes, Queen of Rap. Hat mich total bewegt. Es geht um eine etwas fülligere 19-Jährige, die versucht, sich im Rappen Namen zu machen und die verflucht gut rappen kann, aber die als weiße, übergewichtige Frau ziemlich Probleme hat, in dieser Szene akzeptiert zu werden. Sie kommt auch aus einem White Trash-Milieu, aber es ist kein Eight Mile mit weiblicher Besetzung, sondern es ist wirklich ein eigenständiger Film. Okay. Und er erzählt ganz toll, wie sie sich dann so eine Art Band zusammenstellt, wo sie noch so einen Black-Metal-Gitarristen dann mit reinnimmt. Okay. Und sie machen dann so eine ganz schräge Crossover-Musik und parallel wird ihre Beziehung zu ihrer Mutter erzählt und die früher auch Sängerin war und deswegen das aber kritisch sieht, was ihre Tochter da macht. Und die Musik wird dann schließlich letztendlich in einer unfassbar schönen pathetischen Szene zum Kit von den beiden, der sie wieder zusammenführt. Ganz toller, ganz bewegender Film mit einer großartigen Hauptdarstellerin, Daniel MacDonald, die ich davor auch nicht kannte. wirklich bewegend und ich bin nicht der große Hip-Hop- und Rap-Fan. Und umso krasser, dass der Film schafft mir, ja so ein bisschen mitzugeben, wie diese Musik auch emotional sein kann, wie dieses Genre auch Kraft geben kann und beim Überleben helfen kann.
Johannes Franke: Ja, das wird dem Genre ja sowieso ganz viel nachgesagt von Leuten, die das mögen. Ich kriege das immer nicht so richtig hin, das zu sehen. Aber mein Platz 1 habe ich schon mal in der Liste gehabt in irgendeiner A Star Is Born mit die Version mit Lady Gaga. Ah, die ich nicht gesehen habe. Die du immer noch nicht gesehen hast. Die ich aber sehen muss. Die ich unbedingt sehen muss. Plur. Das war ein Test, ob du sie inzwischen gesehen hast.
Florian Bayer: Aber ist das nicht auch so ein Aufsteiger-Absteiger-Film? Also Liebe zur Musik spielt da auch eine wesentliche Rolle.
Johannes Franke: Wesentliche, wesentliche Rolle. Also das ist der große Aufhänger für Lady Gaga, also für die Figur von Lady Gaga. Und von ihm natürlich auch, aber ich bin da mehr bei ihr dran. Weil sie auch Musik schreibt und das aber sich nicht traut so richtig. Und das ist auch so ein bisschen eine Verarbeitung von Lady Gagas Werdegang. Die hat ja vorher geschrieben für andere und sich nicht getraut, selbst das zu performen. Und dann hat sie sich irgendwann mal durchgerungen.
Florian Bayer: Krass, wenn man sie sieht, kann man sich das überhaupt nicht vorstellen, dass sie Lampenfieber haben könnte, weil sie so eine krasse Bühnenpräsenz ist.
Johannes Franke: Wahnsinn, ne?
Florian Bayer: Und so eine krass extrovertierte Figur auch. Also diese Kunstfigur Lady Gaga ist einfach so extrovertiert und so expressiv.
Johannes Franke: Aber in dem Sinne kann man sich dann vorstellen, dass das vielleicht diese Expressivität brauchte, um das zu überwinden, was sie an der Hellschwelle hatte. Weiß ich nicht genau. Aber vielleicht liegt es damit irgendwie daran.
Florian Bayer: Und sie ist ja auch eine radikale Kunstfigur. Also die Lady Gaga, die man, ich habe ihren Werdegang nicht so verfolgt, aber ich weiß, dass sie eigentlich immer die war mit den schrillsten Kostümen. Mit den merkwürdigsten Verhaltensweisen halt auch, wo man gemerkt hat, da ist auch viel Rolle, die da auftritt. Ich meine, sie heißt Lady Gaga. Keine Ahnung, wie sie wirklich heißt. Weiß man es?
Johannes Franke: Ja, doch, man weiß es. Aber ich habe es nicht im Kopf. Ja, das war mein Platz eins. Okay, cool. Und mit dem gucken. Ja, ich muss den gucken.
Florian Bayer: Ich weiß es. Ich weiß es. Ich weiß es. Er steht auf der Liste. Er ist bei Netflix mit einem Plus markiert.
Johannes Franke: Sehr gut. Und wir wissen, wenn du bei Netflix was mit einem Plus markierst, dann guckst du das nie.
Florian Bayer: Das ist ja eigentlich so eine eigene Kategorie Top 3 Filme, die ich bei irgendeinem Streaming-Service als für später Ansehen markiert habe.
Johannes Franke: Leider kann man nicht festlegen, ob die jetzt gut sind oder nicht, weil man sie ja nicht gesehen hat.
Florian Bayer: Aber man kann sie ordnen nach der Intensität, mit der ich ihn sehen sollte.
Johannes Franke: Oder mit nach der Wahrscheinlichkeit, dass ich ihn nie sehen werde. Okay, wir brauchen eine Liste von Filmen, die man gesehen haben muss, die man nicht gesehen hat, von denen man glaubt. Wie hoch ist der soziale Druck, diesen Film zu sehen?
Florian Bayer: Ja, das ist auch gut.
Johannes Franke: Auf jeden Fall. Okay, das machen wir mal. So, wie kommen wir jetzt in unseren Filmen zurück?
Florian Bayer: Also ich stehe jetzt an dem Punkt, Sie sind für den Gesangswertbewerb angemeldet und sie proben in Daniels Haus und gleichzeitig feiern sie da wirklich ausgelassen ihre neue Freiheit. Also zum Beispiel Gabriella kommt dann halt auch zu ihm, hat ihre beiden Kinder dabei und sagt, meine Beziehung zu Conny ist zu Ende. Ja.
Johannes Franke: Nachdem sie ja letztes Mal verprügelt wurde. Und es ist auch eine ganz tolle Szene, wie Conny dann kommt, um sie zu holen und sich alle davorstehen und sagen, mh, mh, mh.
Florian Bayer: Und es ist so stark. Ja. Weil es passiert nichts, es ist kein Ausbruch. Also ich meine, Conny fährt da mit seinem LKW das Auto von Danielsbruch, aber dieser Moment, wo er einfach merkt, ich stehe hier in der Übermacht entgegen und von denen wird keiner weichen.
Johannes Franke: Mhm. Super, großartige Szene. Ja. Und es ist keine Szene wie bei Club der Toten Dichter, einer steht auf und alle anderen stellen sich dann auf und schreibt durch, sondern es sind einfach, die stehen einfach, einfach nur da und er merkt, okay, da ist was vorbei. Ganz ruhige Szene, es muss auch keiner was sagen oder drohen oder so, sie müssen nur da
Florian Bayer: stehen. Ja. Man sieht diese Verbundenheit und das reicht, das ist genug Gegenwehr für ihn. Ja.
Johannes Franke: Und es ist schön, dass er nochmal das Auto von Daniel einfach nochmal ein paar Mal rammt mit seinem Truck oder was er da hat und dann, äh, ja. Aber ist danach nicht nochmal was, er kommt doch ins Gefängnis, warum kommt er denn dann, wenn du ins Gefängnis bist? Weil er Daniel verprügelt im Fluss. Ach ja, stimmt, er verprügelt ja da Daniel.
Florian Bayer: Wir haben dann diese beiden Szenen, einmal wo Stick nachts in seiner Wohnung sitzt mit dem Gewehr und dann direkt darauf am nächsten Tag, glaube ich, Daniel wartet im Fluss, der LKW hält an der Straße und du denkst schon so, oh shit und dann steigt halt Conny aus und verprügelt ihn wirklich ordentlich und lässt ihn auch im Fluss liegen.
Johannes Franke: Man könnte in dem Moment echt denken, dass er da in dem Fluss stirbt, weil es wirklich ausgehalten wird. Er liegt da einfach und es ist nicht zu sehen, was, wie die Lösung sein soll. Und dann zerren sie ihn halt, die Frauen zerren ihn dann halt da raus und kümmern sich und dann geht es, glaube ich, direkt über in die nächste Szene, wo er dann die Beichte hält. Ich komme ja eigentlich aus diesem Dorf. Meinen Namen haben wir uns sofort geändert, nachdem wir weggezogen sind und klar, dass ihr nicht wisst, wer ich bin, aber ich bin der da aus unserer aller Kindheit quasi. Ja. Und dann geht es schon rasant in Richtung Wettbewerb, oder? Genau, und dann fahren sie nach, äh, war es Zürich?
Florian Bayer: Ne, Österreich war es, ne? Es war Österreich, ja, Österreich, glaube ich. Und ja, genau, dann fahren sie dahin. Es gibt diesen wirklich schönen Redemption-Moment von Stick, als er seiner Frau, als er Inga noch mal die Sachen bringt. Ja, genau. Und man sieht, man erlebt auch irgendwie einen anderen Stick in diesem Moment, der wirklich geschlagen ist und der wirklich gebrochen ist. Ja. Nach Innsbruck fahren sie. Ach, okay. Und dann fahren sie los und voller Euphorie alle.
Johannes Franke: Was, wo es mir dann wirklich leid tut, ist, dass ich dann sehe einfach, was ich eigentlich schon ahnen kann, was ich aber inzwischen wieder vergessen habe, dass Daniel ja eigentlich gesagt hat, um Gottes Willen, das können wir nicht machen. Ich wollte da weg. Und jetzt kommt er da hin mit dem Chor und alle stürzen sich auf ihn. Und das tut mir schon so weh, weil die ganzen Frauen drumherum und er sich da irgendwie sofort wieder auf Italienisch mit allen irgendwie Everyone's Darling unterhält und er seinen alten Agenten oder was das war, wer das ist, da begrüßt und sich auch tatsächlich freut. Und er hustet auch schon wieder ganz lange schon während des Films wieder auf eine ungute Art und Weise und man weiß schon, das endet nicht gut.
Florian Bayer: Weiß ich nicht unbedingt. Wir müssen gleich zum Ende kommen. Ja, genau. Ich bin gespannt, was du sagst. Also ich habe diesen Konflikt auch wahrgenommen, aber tatsächlich als nicht so starken Konflikt. Ich finde es dann auch toll, dass er dann erstmal da ausbricht und einfach mit dem Fahrrad wild rumfährt. Ja. Du hast dich wirklich total verausgabt, das ist eine super Szene. Super. Und dann kommen wir zum Finale.
Johannes Franke: Also kurz vorher sind Lena und er nochmal in einem Gespräch, wo er dann sagt, wenn man weiß, dass man jemanden mag, woher weiß man, dass jemanden liebt und ihr gesteht, was ja eigentlich beide schon längst wissen. Das ist so ein geilen aufgeschobenes Geständnis.
Florian Bayer: Ich meine, sie haben die ganze Zeit eine Romanze. Ja, genau.
Johannes Franke: Und dann haben sie halt auch Sex und so. Und er hustet aber auch schon vor sich hin wieder und man wird gut darauf vorbereitet, dass er dann irgendwann einfach, ja, dass sein Körper nicht mehr mitmacht. Und dann ist halt der Moment, wo der Chor auf die Bühne soll zum Wettbewerb. Und Daniel ist nicht da. Und Daniel fährt noch mit dem Fahrrad in der Gegend rum, eilt sich dann schon noch zu kommen, aber auf der Treppe zum Auftrittsort verliert er immer mehr die Kraft, kriegt Nasenbluten, landet auf dem Klo irgendwo und versucht sich dann noch zu Kraft zu sammeln. Und über die Lautsprecher des Klos, wo man dann die Geschehnisse auf der Bühne mitbekommt, kriegt er dann halt mit, was da passiert, während er eigentlich da sein müsste und der Chor singen müsste. Und der Chor wird halt gedrängelt, ja, wir müssen anfangen, wir können nicht mehr warten, es muss losgehen. Und was ich schön finde, ist, dass Tore ausgerechnet, der eben mit der geistigen Behinderung, dass der einfach durch den Druck, der da auch herrscht, den er schwer aushalten kann, anfängt, den Ton anzustimmen, was sie auch früher schon gemacht haben, was sie in den Proben schon gemacht haben. Und dann fängt er einfach an und die anderen steigen da irgendwie mit ein und dann tönt das ganze Haus irgendwann und das nimmt mich da schon, kriegt der Film mich volle Kanne und dann kriegt das auch noch Daniel über die Lautsprecher zu hören und bricht er einfach zusammen und hat am Ende seinen Ton, der ihm sagt, dass er seine, dass er das gefunden hat und erreicht hat, was er eigentlich, wo er eigentlich mal losgelaufen ist in Richtung Kunst. Das ist für mich das perfekte Ende. Und für dich nicht. Warum?
Florian Bayer: Alles. Also, ich fand es zum einen eine total überflüssige, aufgestülpte Tragik, die für mich in dem Moment emotional überhaupt nicht funktioniert hat. Es war für mich einfach, ich sehe, was der Film damit machen will, aber er macht es einfach zu viel, meiner Meinung nach. Und zwar wirklich so, dass er mich emotional komplett verliert in diesem Moment. Und er hat es die ganze Zeit über eigentlich geschafft, das in dem Kleinen, so im Kleinen zu erzählen, das, was Daniel sucht, das, was sie erreichen wollen. Und dann kommt, und dann wird er auf einmal groß. Zum einen, indem er, indem es einfach um den Tod geht. Daniel stirbt. Das ist eine, dass er diese Tragik drauf drückt. Aber auch zum anderen diese total krasse, unpassende spirituelle Erhöhung. Das ist ja, das ist ja kein realistisches Bild, was da gezeichnet wird, dass die im Publikum plötzlich auch aufstehen und diesen Ton mitgehen. Das habe ich absichtlich weggelassen in der Beschreibung. Er zieht den ganzen Film auf so eine merkwürdige spirituelle Ebene, wo dieser, wirklich dieser Ton, diese Tonalität, die Musik zu dem wird, was alle verbindet. Was quasi, er macht einmal hier Totalitarismus mit Musik. Und das ist so, ich habe es, also ich, für mich hat sich das Ende angefühlt wie so ein kleiner Kobold, der anfängt an deiner Haut zu kratzen und zu sagen, jetzt krieg ich schon eine Gänsehaut, jetzt krieg ich schon eine Gänsehaut. Und dann klopft er auf dein Herz und sagt, los, sei bewegt, sei bewegt, sei bewegt. Das hat einfach nicht funktioniert. Das war einfach viel zu groß und wirklich unpassend, auch gerade im Verhältnis zu dem ruhigen und angenehmen Ton, den er davor hatte. Der Film war, der Film hat es nie zu groß gemacht, war es immer subtil. Zum Beispiel, wenn Gabriella nach ihrem Gesang von ihrem Mann verprügelt wird, wird die Gewaltszene einfach ausgelassen. Fantastisch. Und wenn am Anfang erzählt wird, wie Daniel überfordert ist mit diesem ganzen Business, das wird so kurz in Zeitraffer abgehakt, aber dann wird vor allem gezeigt, wie er halt einfach rausfährt und wie er da ist und wie er sich dazu zurückzieht. Und in seiner Schlussszene wirft dieser Film diese Zurückhaltung komplett über Bord und schmeißt mir so ein, ja, so ein wirklich kitschiges, spirituelles Hollywoodende entgegen. Ich hab's nicht verstanden, warum er glaubt, das nötig zu haben. Ich finde, er hat es einfach nicht nötig. Er hätte den Film ruhig ein bisschen lakonischer ausgehen lassen können. Er hätte weder Daniel töten müssen, noch hätte er diesen überhöhten, pathetischen Chormoment machen müssen. Es wäre einfach kleiner gegangen und es hätte bei mir ein besseres Gefühl hinterlassen. Wie gesagt, der Film war davor stark genug, dass mir das Ende den Film nicht kaputt macht. Ich finde das immer schwierig zu sagen, das Ende verdirbt mir den ganzen Film. Das macht es nicht. Ich sieh's fast als Fremdkörper an im Film, das draufgestülpt wurde, um Emotionen zu erzeugen, die er davor viel besser erzeugt hat.
Johannes Franke: Aber es ist schon sehr folgerichtig, oder? Also ich finde diese, naja, ich meine, das ist natürlich eine romantische Verklärung. Du hast etwas gesucht dein Leben lang und im Tod kriegst du das dann noch serviert. Das ist eine typische, pathetische, romantisierte Vorstellung. Aber ich finde es gut und es hat mich volle Kaner erwischt und ich habe zehn Minuten lang geflennt. Ach, krass. Ja, aber wirklich zehn Minuten lang geflennt. Also ich habe dann alles nochmal rausgeholt, was ich verarbeitet, was Corona mir angetan hat und so künstlerisch. Ich weiß nicht, du bist Künstler, du bist Schriftsteller, du weißt, mir bedeutet das wahnsinnig viel. Ich weiß nicht, wie das den Film Menschen sehen, die mit Kunst an sich nicht so viel am Hut haben. Aber der künstlerische Prozess und das, was man will und dieses Drängen nach, dieses Wollen nach Ausdrucksmittel und nach Menschen erreichen. Das geht mir immer so durch und durch, durch den ganzen Körper irgendwie. Also diese romantische Verklärung von Kunst hat der Film ja die ganze Zeit.
Florian Bayer: Ja, naja, klar. Aber er schafft es, ich finde, da ist einfach weniger mehr. Er schafft das in anderen Szenen, wo er nicht so viel macht, schafft er das deutlich stärker rüberzubringen. Und zum Beispiel Gabrielas Auftritt, wenn sie singt. Ja. Oder auch, wenn Tore im Chor anfängt und sie begeistert sind. Daniel vor allem begeistert ist von seiner Stimme und wir sehen, wie Tore Mitglied des Chores wird. Und hier, das Problem ist, genau, das ist alles so geerdet. Das ist so ganz klar, Kunst ist was Besonderes. Kunst kann ganz viel bewirken. Wir zeigen das. Und hier wird es aber fast so transzendentalisiert. Ja, das stimmt. Als plötzlich so eine Metaphysik aufgemacht wird. Ja, sowas, was irreal ist. Und das passt für mich einfach nicht zum anderen Ton des Films. Es ist mir einfach zu viel Kitsch, zu viel Pathos.
Johannes Franke: Und zu viel spiritueller Pathos vor allem. Ich finde, selbst diesem Pathos schafft er irgendwie geerdet zu erzählen. Du hast, du hast, es wird nichts gesagt. Ganz lange, die letzten paar Minuten im ganzen Film wird kein einziges Wort geredet. Du hast nur diesen Ton dann irgendwann und er eben, wie er da liegt. Und nur diesen Ton dann noch hört. Du hast keine dramatischen Nullen. Irgendjemand, der auf ihn zustürzt und sagt, du es nicht, du es nicht. Und dann die Faust gegen den Himmel reckt.
Florian Bayer: Ja, aber so hat es sich für mich auch angefühlt. So hat es sich für mich diese Szene auch angefühlt. So trübe einfach und zu viel Pathos, zu viel Kitsch. Ich hatte es mir einfach ein Stück leiser gewünscht. Ein Stück subtiler. Subtiler, obwohl der Film, der Film ist ja auch sonst nicht immer subtiler. Er arbeitet ja auch ganz viel mit Symbolen, er arbeitet mit ganz vielen Bildern. Dass er so was Messiashaftes an sich hat. Dass Lena so eine Art, wie eine Art Engel rüberkommt. Sie hat sogar irgendwann ein Engelkostüm.
Johannes Franke: Sie redet von Flügeln, die sie an, Engelsflügeln, die an Menschen sieht und so.
Florian Bayer: Ja, aber das war einfach, da hat er mich verloren. Das war mir zu religiös fast schon. Ja, zu religiös. Echt, ich habe da gar keine Religiösität drin gesehen. So gar nicht. So dieses Extreme zusammenkommen und dieses plötzlich werden alle mitgerissen.
Johannes Franke: Also ich gebe zu, dass das Publikum aufsteht, ist völlig, nein, das hätte man wirklich weglassen sollen. Ähm, da fehlt es ihm an Realismus, den er den ganzen Film über hat. Ähm, aber das reicht ja wahrscheinlich nicht, ne? Nee, reicht nicht. Wenn das Publikum nicht aufgestanden wäre, dann wäre der Film nicht besser gegangen.
Florian Bayer: Allein schon dieses Bild des blutüberströmten Daniels, der dann auf dem Klo liegt und so mit diesem zufriedenen Lächeln stirbt. Und ach ja, nee, es war zu viel. Es war einfach, es wäre einfach eine Nummer kleiner. Ich fand das ganze Ende, das war einfach, das passt für mich nicht zum Film. Und es war für mich einfach verfehlt, zu viel Pathos an der falschen Stelle. Tut mir leid. Ja, okay. Obwohl ich den Film sonst wirklich mochte. Hm. Und ich hätte ihm ein anderes Ende gewünscht. Ich glaube, es hätte ihm ein anderes Ende auch besser gestanden und hätte ihn auch irgendwie hochwertiger wirken lassen. Ich fand es ein bisschen cheap. Das ist halt auch so ein bisschen cheap.
Johannes Franke: Also, aber du stimmst mir zu, dass man so ein bisschen ein kathartisches Ende braucht. Irgendwas muss ich auflösen. Irgendwas musst du, oder? Oder nicht? Nee.
Florian Bayer: Der Film ist eine Katharsis an und für sich. Der Film braucht kein kathartisches Ende. Weil der Film baut ja keine tragische Spannung auf, die dann am Schluss unbedingt entladen werden muss.
Johannes Franke: Aber was willst du machen? Willst du es einfach auslaufen lassen?
Florian Bayer: Ja. Ich glaube schon. Ich, ähm, also es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man den Film hätte enden lassen können. Eine Möglichkeit wäre gewesen, dass sie sich dann doch gegen den Wettbewerb entscheiden. Und zum Beispiel einen großen Moment draußen in der Natur haben, wo sie singen. Also, großen Moment ist viel gesagt. Aber dass sie dann doch für sich singen. Man hätte sie auch einfach bei diesem Gesangswettbewerb mitmachen können. Und sie freuen sich einfach tatsächlich, ohne groß was zu gewinnen. Ohne, dass groß was passiert. Ich hätte, glaube ich, tatsächlich, ich war, ich finde dieses, dass Daniel umgebracht wird. Ich, äh, das, das, das muss nicht sein. Der muss nicht so in die, in diese Richtung Tragik kippen.
Johannes Franke: Aber, aber eigentlich ist doch von Anfang an angelegt, dass er sterben wird.
Florian Bayer: Ja, das ist halt auch so ein Ding, ne? Das ist so, so angelegt und das ist, das kann man auch unterlaufen. Das ist eigentlich ganz sympathisch, wenn man das dann unterläuft. Man muss den, der am Anfang seinen Herzinfarkt hatte und der die ganze Zeit kränklich und geschwächt ist, man muss den nicht am Ende umbringen.
Johannes Franke: Weiß nicht. Das ist kein zufriedenstellendes Ende. Der muss sterben. Okay. Vielleicht ist da wieder der Unterschied zwischen, zwischen Bergmann und Nolan. Naja, um unsere beiden Lager mal einmal nochmal zu extremen, äh, hochzubringen. Obwohl ich nicht Nolan sagen würde.
Florian Bayer: Er Bergmann und Rosamunde Pilcher.
Johannes Franke: Ich bin, ich, ich, ich stehe nicht auf der Seite von Rosamunde Pilcher, Flor. Oh, willst du rausgehen? Nicht prügeln. Na los, komm, komm, komm, komm. Hey. Okay. So, die Bud Spencer-Szene auch noch gemacht. Oh, wir müssen mal ein Bud Spencer-Untertitel gucken. Oh mein Gott. Oh mein Gott. Okay, ähm, also, ich liebe diesen Film, ich liebe dieses Ende, ähm, ich bin froh, dass du 50 Prozent von den beiden Sätzen bestätigen kannst. Und 50 Prozent sind schon gut, ähm, vielleicht eher 70 Prozent, weil du bist ja wirklich nur am Ende des Films irgendwie dann so ein bisschen, ähm, Overkill. Ähm, und ich würde wirklich jedem empfehlen, der auch nur, ähm, ein kleines bisschen mit Kunst zu tun hat, diesen Film zu gucken und auch alle anderen, ähm, weil der einfach auf ganz wunderbar geerdete Art und Weise eine Geschichte erzielt, die wahnsinnig bewegend ist. Hast du die Fortsetzung gesehen? Nee, ähm, es gab 2015, glaube ich, kam der ins Kino, ähm, Wie auf Erden, glaube ich, hieß der dann in der deutschen Version und ich habe ihn nicht gesehen. Weißt du, worum es geht?
Florian Bayer: Ich habe kurz einmal bei Wikipedia so die ersten zwei Sätze gelesen und es spielt im selben Dorf. Okay. Und es schließt irgendwie an, an die, an die Handlung dieses Films und es geht da, wir, wir sehen wohl auch dieselben Figuren. Okay. Minus Daniel logischerweise. Ja. Und, ähm, es geht wohl wieder ähnlich um die Musik, wenn ich es richtig verstanden habe, steht da aber eher der Tanz im Mittelpunkt. Okay. Aber Lena ist offensichtlich die Protagonistin. Ah, okay. Und das finde ich, das finde ich erst mal schön und wenn man sich die Besetzungsliste durchschließt, dann sieht man die ganzen alten Namen wieder. Stick, Arne, Tore, Siff, Erik. Wow. Gabriella fehlt in der Liste. Das finde ich schade. Mhm. Ähm, aber es scheint irgendwie, ähm, es scheint anzuschließen. Er hat nicht, nicht sonderlich gut abgeschnitten bei der Kritik. Ihm wurde vorgeworfen, dass er so ein bisschen den Erfolg des ersten Films ausgeschlachtet hätte und versucht hätte, das zu reproduzieren. Der erste Film ist ja unglaublich beliebt in Schweden.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Das ist krass, dass ich davon noch nie gehört habe. Er war nominiert für bester Oscar, ausländischer Film, 2004 oder 2005. Und er zählt wohl zu dem beliebtesten Film in Schweden, ist der letzten 20 Jahre.
Johannes Franke: Er wurde auch, ähm, dort, ich weiß nicht genau wie die hießen, es gab, äh, auch dort einen, ähm, Wettbewerb, wo er irgendwie für sieben oder so Preise, äh, nominiert wurde, aber leider keinen davon gewonnen hat. Ähm, insofern, ähm, schade eigentlich. Ja, der, der, der Regisseur hat auch irgendwie 18 Jahre vorher nichts gemacht. Er hatte ja irgendwie Filme gemacht und er hatte 18 Jahre lang keinen Film gemacht. Und dann den. Das ist krass, dass du, als würde er seine eigene Karriere verfilmen.
Florian Bayer: Ja. Nochmal so einen Rückgriff.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Krass, ne? Ja. Ich kenne, ich kenne nichts von dem Regisseur. Ich auch nicht. Und seine Filmografie ist auch tatsächlich sehr übersichtlich. Ich sehe hier fünf Filme, wovon die letzten beiden wie im Himmel und wie auf Erden sind, zwischen denen auch fucking elf Jahre liegen.
Johannes Franke: Ach so. Stimmt. Ich hab gar nicht nah mitgerechnet. Äh, natürlich, wenn der 2004 rausgekommen ist und der andere 2015, dann ist das lange her.
Florian Bayer: Wirklich ein schöner Film. Er hat ein paar kleine Schwächen. Also, ich hab schon erwähnt, dass ich die, ähm, mir ein bisschen mehr Ambivalenz bei manchen Charakteren gewünscht hätte. Oder die Ambivalenz ein bisschen früher einsetzend. Ich fand das, die Off-Wert-Zählung am Anfang nicht zwingend notwendig. Da hätten die Bilder gereicht. Ja. Aber ein, über weite Strecken ein ganz toller Film, ganz schöner, unglaublich menschender Film, menschlicher Film mit einigen herausragenden emotionalen Szenen. Ja. Es gibt zwei, drei, vier Szenen, die wirklich emotional wirklich stark sind. Ich glaub, wir haben sie ganz gut abgedeckt jetzt in unserem Gespräch. Ja. Ja. Und eine tolle Liebeserklärung an die Musik und das Ende hat mir nicht geschmeckt.
Johannes Franke: Ich will, ich will nochmal herausstellen, dass ich wahnsinnig spannend finde, wie sie über Religion reden. Mhm. Und was Religion macht, ohne, dass sie die Religion an sich verteufeln. Also es ist nicht so, dass der Film sagt, Religion ist scheiße oder Gott ist scheiße oder Gott ist tot. Nee. Aber, aber was Religion, ähm, was Menschen teilweise draus machen, ist halt ein echtes Problem. Und es ist schön, diesen Take von diesem Film auf dieses Thema zu sehen. Und einfach die Liebeserklärung an die Musik. Wundervoll. Ganz wundervoll. Weit ab von Charts, CD-Verkäufen, ähm, wir wollen alle Geld machen, sondern einfach wirklich das Menschliche in der Musik. Ja. Wundervoll.
Florian Bayer: Das Vollkommene in der Unvollkommenen Musik auch.
Johannes Franke: Auch das, ja. Okay.
Florian Bayer: Cool. Schön. Vielen, vielen Dank, Flor, dass du diesen Film geguckt hast. Ja, danke, dass du ihn mir gezeigt hast. Also, ähm, ja, das war tatsächlich so eine filmische Bildungslücke und es ist schön, vor allem, weil es ein schwedischer Film war. Und, ja, danke an Maya, dass sie den in ihrer Bestenliste hatte. Ja, stimmt. Eigentlich haben wir Maya zu danken, dass der Film nochmal aufgetaucht ist. So zumindest 50 Prozent davon, von dem Dankgebühren ihr. Und dir danke, Johannes, dass du dich durch Moonraker gequält hast. Danke für diese Filmempfehlung. Ich fand's streckenweise sehr witzig. Wenn ihr wissen wollt, wie es weitergeht, was nächste Woche rankommt, dann bleibt noch dran. Ja, und ansonsten schreibt uns gerne johannes-at-mussmann-sehen.de, florian-at-mussmann-sehen.de, abonniert uns, lasst uns ein Like da, was auch immer. Lass uns ein Like da, geht das irgendwo? Ja, wir haben unsere Audios tatsächlich auch auf YouTube. Da kann man ein Like da lassen, da kann man uns abonnieren und da kann man was in die Comments schreiben, damit der Algorithmus uns nach vorne treibt.
Johannes Franke: Uh.
Florian Bayer: Wir sehen uns nächste Woche. Achso, wir hören uns nächste Woche und bleibt dran, weil wir sagen gleich noch, was wir nächste Woche machen werden. Gut, bis dann. Ciao. Ciao.
Johannes Franke: Plor. Ja. Wir müssen noch darüber reden, was wir denn nächste Woche machen. Ja.
Florian Bayer: Ich hatte es jetzt so oft erwähnt und jetzt sogar auf einer Top-Liste und es wird Zeit, dass es mal dran kommt. Und der meiner Meinung nach am meisten unterschätzte Film des Jahres 2019, Yesterday von Richard Curtis mit und ohne die Beatles.
Johannes Franke: Wurde der wirklich so unterschätzt? Ich hab den so als Hype wahrgenommen. Ich hab ihn nicht gesehen, aber ...
Florian Bayer: Nee, wurde nicht ... Also, der war, glaub ich, schon ein Publikumsrenner, aber die Kritik darauf war eher so, boah, nette Rom-Com. Und da wurde er auch, glaub ich, eingeordnet und so ein bisschen vergessen, was hart ist bei einem Film von 2019 und wahrscheinlich auch viel zu viel gesagt. Aber ich glaub, der Film verdient ein bisschen mehr Würdigung und ein bisschen mehr Respekt, als er erhalten hat. Vor allem vom Feuilleton.
Johannes Franke: Okay. Ja, dann bin ich mal gespannt, ob ich ihn entsprechend würdigen kann. Ja, ich auch. Was gibt's denn von dir? Von mir, naja, ich hatte jetzt auch schon ein paar Mal in der Bestenliste und einfach eine unglaubliche Schauspiel-Performance, die ich einfach nochmal gucken muss. Ich muss sie nochmal sehen und muss sie einfach mitgucken. Komm ich wie so in the room? Genau. Äh, nein, wir haben, äh, Heath Ledger. Oh, ja. Ich bin ein großer Heath Ledger-Fan und, ähm, wahrscheinlich eins ist schon, äh, der Joker von ihm. Ja. Äh, wir haben noch keinen Superhelden-Film besprochen, oder?
Florian Bayer: Tatsache. Es sei denn, James Bond fällt irgendwie in die Superhelden-Kategorie, aber nicht so wirklich. Nein. Okay, großartig. Du hast für mich also The Dark Knight. Ich hab für dich The Dark Knight, ja. Den ich liebe, geliebt habe und schon sehr, sehr lange nicht mehr geguckt habe.
Johannes Franke: Uh, schön. Okay, cool. Ich wusste nicht mehr, ob du ihn wirklich, äh, so geliebt hast. Ich glaube, ich ahnte, dass du ihn gesehen hast, aber ich wusste nicht mehr, wie du dazu stehst.
Florian Bayer: Also, ohne ihn jetzt gesehen zu haben, zum, keine Ahnung wievielten Mal, ihn schon lange nicht mehr gesehen zu haben, würde ich nach wie vor behaupten, er zählt für mich ganz klar zu den besten Actionfilmen des 21. Jahrhunderts, des jungen 21. Jahrhunderts, wenn nicht sogar der letzte, der beste Actionfilm der letzten 20 Jahre. Okay, wow.
Johannes Franke: Ja, okay, also für mich ist es nur diese Szene, aber ich, ich bin gespannt, Tüte. Ich hab den Rest des Films gar nicht mehr so richtig in Erinnerung, ehrlich gesagt. Mal gucken, mal gucken. Ich wollte einfach diesen Heath Ledger nochmal gucken. Es wird spannend und wir sehen uns dann beim nächsten Mal. Ja, sehr schön. Bis nächste Woche. Bis dann. Bis dann, ciao. Bis dann, ciao. Bis dann, ciao. None|Bis dann, ciao. None|Bis dann, ciao. None|Bis dann, ciao. None|Bis dann, ciao. None|Bis dann, ciao.
