Episode 21: James Bond 007 – Moonraker – Streng geheim, Wie im Himmel
Pathos, Spaß, Action und Kitsch stehen im Fokus unserer 21. Episode. Mit Moonraker aus dem Jahr 1979 haben wir den wohl am meisten überzeichneten, schrägsten James Bond Film überhaupt vor uns. Wie im Himmel aus dem Jahr 2004 auf der anderen Seite ist eine pathetische Ode auf das dörfliche Leben und die Macht der Musik. Wird Johannes an der trashigen – bei Bond-Fans allgemein unbeliebten – Bond-Variante ähnlich diebische Freude haben wie Plor? Und wie kommt Plor mit der transzendentalen Sentimentalität des schwedischen Publikumshits zurecht? Dem werden wir in unserer aktuellen Diskussion auf den Grund gehen.
Natürlich gibt es auch wieder ein paar redaktionelle Filmempfehlungen. In den Bestenlisten dieser Episode schauen wir auf die Meisterwerke des Agentenfilms und Spionagethriller-Genres und auf die schönsten filmischen Liebeserklärungen an die Musik.
James Bond 007 – Moonraker – Streng geheim [Lewis Gilbert]
(Großbritannien 1979)
Sein Name ist Bond, James Bond. Und er ist wahrscheinlich der beliebteste Geheimagent der Filmgeschichte. Obwohl oder gerade weil seine Filme immer der gleichen Formel folgen, extrem schematisch sind, begeistern sie seit 1962 eine treue Fangemeinde. Sein Name ist Moore, Roger Moore. Und obwohl er in insgesamt sieben Filmen als 007 seinem Vorgänger Sean Connery quantitativ ebenbürtig ist, stand er als Bond Nummer zwei (oder Nummer 3 wenn man es genau nehmen will, oder Nummer 4 bzw. Nummer 5 wenn man es richtig genau nehmen will) immer in dessen Schatten.
In Moonraker (mit dem deutschen Zusatztitel “Streng geheim”) aus dem Jahr 1979 durfte er in dem für eine lange Zeit teuersten Bond-Film die Hauptrolle übernehmen. Wie üblich hat die Story nichts mit der gleichnamigen Vorlage von Ian Flemming gemein: Das Space Shuttle Moonraker wird entführt, und James Bond wird vom MI6 damit beauftragt, die teure Raumfähre wiederzufinden. Dafür reist er von deren Herstellungsfabrik in Kalifornien über Venedig bis nach Brasilien, kämpft mit einem alten Widersacher und muss sich im großen Finale gar im Weltraum gegenüber einem Superschurken behaupten, der … naja … was sonst, die ganze Menschheit ausrotten könnte.
Moonraker gilt gemeinhin als schwacher oder gar schwächster 007-Film, insbesondere bei eingefleischten Bond-Fans. Kein Wunder: Mit seiner übertriebenen, trashigen Art hält er der gesamten Serie den Spiegel vor. Er ist praktisch die Quintessenz der Franchise, mit allem, was dazu gehört: Verschwenderische Reisen, Easy Sex, unrealistische Actionsequenzen, übermenschliche Gegenspieler und ein Roger Moore, dessen Blick jederzeit zu fragen scheint “Wo zur Hölle bin ich da reingeraten?”. Aber genau deswegen ist er vermutlich auch der unterhaltsamste Film der Reihe, wunderbar pulpig, absurd und Over the Top. Für mich mehr als nur ein Guilty Pleasure.
Für dich vielleicht auch Johannes? Oder nicht einmal das?
Wie im Himmel [Kay Pollak]
(Schweden 2004)
Das Musikfilm-Drama Wie im Himmel aus dem Jahre 2004 von Kay Pollak ist eine Liebeserklärung an die Musik, an die Menschen und an das Leben. Der Versuch eines Weckrufes an die kommerzialisierte Musikindustrie und ein Appell an Solidarität.
Stardirigent Daniel Dareus erleidet einen Herzinfarkt, mitten in einem seiner kräftezehrenden Konzerte. Er kommt zur Einsicht, dass er sein vielbeschäftigtes Leben ändern muss. So gelangt er in das Dorf seiner Kindheit und wird hier erstmal nicht als Heimkehrer, sondern nur als Stardirigent erkannt. Er übernimmt die offene Kantorenstelle und lernt die Dorfbewohner zu lieben. Besonders Lena…
Schwedens karge Landschaft entfaltet hier ihre Schönheit, es entsteht ein Panorama menschlicher Leidenschaften und Schwächen, aber auch liebenswürdiger Skurrilitäten. Der Film reizt nur wenige seiner Erzählungen aus, gleitet nur selten in großen Pathos ab… nur einmal aber dann heftig. Am Ende. Aber das hat er sich wirklich verdient – oder was meinst du Plor?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 21: James Bond 007 – Moonraker – Streng geheim, Wie im Himmel Publishing Date: 2021-05-26T08:18:06+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/05/26/episode-21-james-bond-007-moonraker-streng-geheim-wie-im-himmel/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast?
Johannes Franke: Nein, eigentlich nicht, aber ich.
Florian Bayer: Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können.
Johannes Franke: Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee.
Florian Bayer: Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeige dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest.
Florian Bayer: Das heißt so Musicals aus den 50ern?
Johannes Franke: Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme?
Florian Bayer: Mit russischen Untertiteln. Von mir, für dich.
Johannes Franke: Oh Gott, okay.
Florian Bayer: Aber du weißt, dass das für eine Menge Streit sorgen kann.
Johannes Franke: Definitiv. Das wird lustig. Hallo! Herzlich willkommen zum James-Bond-lastigen Podcast heute hier. Plor, wie war deine James-Bond-Woche? Ich hoffe, sie war voller Action und Explosionen und Laser.
Florian Bayer: Du wirst es nicht glauben. Ich habe tatsächlich diese Woche und eigentlich davor schon viele Chattels. James Bonds aus den 70ern geguckt. Ich hab nämlich einen Text geschrieben über alle Bonds, die in dieser Zeit produziert wurden.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und hab zu allen noch mal geschrieben, ob sie sehenswert sind oder nicht. Das heißt, ich bin voll im Bond-Rausch.
Johannes Franke: Aber wie viele James Bond wurden in den 70ern gedreht? Ich mein, das ist doch immer nur so alle paar Jahre was.
Florian Bayer: Es ist tatsächlich überschaubar, es sind fünf insgesamt. Das ist überschaubar. Einer mit Connery, der quasi letzte Connery. Und dann vier mit Roger Moore. Und es sind weniger als in den 60ern, aber auch nicht so viele. In den 60ern waren es insgesamt sechs Bond-Filme. Ja, sechs, nee sieben, wenn man den mit George Lazenby mitrechnet, der gerne übergangen wird.
Johannes Franke: Wollen wir unsere Zuschauer erstmal herzlich willkommen heißen?
Florian Bayer: Herzlich willkommen zum Muss-man-sehen-Podcast, wo wir über Filme reden, die wir uns gegenseitig aufs Auge gedrückt haben.
Johannes Franke: Genau, und von denen wir hoffen, dass der andere den mag, aber vielleicht auch eher nicht. Vor allem in dem Sinne, dass ich versuche, deinen Horizont Plur zu erweitern. Hast du das diese Woche auch versucht oder wolltest du nur trollen?
Florian Bayer: Ich wollte deinen Horizont sowas von erweitern. Das war kein Getrolle. Aber ich kann total gut verstehen, dass man das als Getrolle auffassen könnte. Es ist nämlich ein besonderer Bond, den ich ausgewählt habe. Und zwar keiner der großen Klassiker mit Sean Connery. sondern ein Film mit dem oft verkannten Frontdarsteller Roger Moore. Und zwar einer der unbeliebtesten mit ihm. Moonraker, streng geheim aus dem Jahr 1979.
Johannes Franke: Und du hast letzte Woche gesagt, dass das einer deiner Lieblings-James-Bond Definitiv. Bist du einfach nur James-Bond-Hasser und der ist nur am wenigsten schlimm, weil er besonders... viel Trash zu bieten hat, oder was?
Florian Bayer: Ich bin überhaupt kein Bond-Fan. Ich auch nicht. Ich bin aber auch kein Bond-Hasser. Ich find, das sind so Filme, die so vorbeirauschen. Und das macht Moonraker irgendwie nicht, weil er zu sehr drüber ist, als dass er einfach vorbeirauschen könnte.
Johannes Franke: Stimmt, er kann nicht vorbeirauschen. Dafür ist er zu laut und zu aufmerksam heischend.
Florian Bayer: Bevor wir zu Chaps Bond kommen, du hast auch was für mich, ne?
Johannes Franke: Ich hab auch was für dich, lieber Plur. Ich habe für dich wie im Himmel aus Schweden aus dem Jahr 2004. Und ich bin sehr gespannt, wie du den fandest, ob er deinen Horizont erweitert hat.
Florian Bayer: Das heißt, wir haben einmal Agenten, Action-Komödie, Thriller, whatever aus den 70ern. Und einmal Musik.
Johannes Franke: ähm, naja, nicht Musical, aber so Musik, Drama, ähm ... Kunst... Liebesbrief an die Musik. Liebesbrief an die Musik. Habe ich in meinem Einleitungstext auch stehen.
Florian Bayer: Das bietet sich einfach so an. Und dann legen wir los mit James Bond.
Johannes Franke: Ich würde sagen, wir legen los mit James Bond. Ich fahre jetzt das Konzept wie Maja das letzte Mal. Oh, ich muss erst mal meinen Frust loswerden, bevor wir... in die richtigen Sachen reingehen können.
Florian Bayer: Möchtest du ein Martini?
Johannes Franke: Oh ja, gerne. Bitte gieß mir Martini ein. Geschüttelt, nicht gerührt.
Florian Bayer: Damit hast du ja schon so ein bisschen James Bond-Kenntnis bewiesen.
Johannes Franke: Ja, danke, danke. Das ist das Einzige, was ich kenne, glaube ich.
Florian Bayer: Ich sehe gerade nicht, wo ich hingieße.
Johannes Franke: Kein Problem. Danke. Es hat überhaupt nicht funktioniert. Aber vielen Dank.
Florian Bayer: Ich müsste aufstehen, um das vernünftig zu machen, weil wir halten ja einen vernünftigen Sicherheitsabstand.
Johannes Franke: Von 20 Zentimetern.
Florian Bayer: In Covid-Zeiten.
Johannes Franke: So viel sind 20 Zentimeter, ich sag's dir. Der musste echt sein. Warum hab ich den jetzt rausgeholt? Autsch.
Florian Bayer: Und der funktioniert auch eigentlich nur visuell.
Johannes Franke: Aber ich glaube, es kann sich jeder vorstellen.
Florian Bayer: Aber es ist gut, so ein bisschen Penishumor kann man ja durchaus anbringen, wenn gleich über James Bond geredet wird.
Johannes Franke: Genau, wenn es jetzt um diesen Film geht speziell. Also wirklich, ich würde dich erstmal bitten einzuführen in den Film und dann renntest du los.
Florian Bayer: Hast du dich von Maya letzte Woche inspirieren lassen? Wenn ihr übrigens einen wirklich guten Rent über einen Film hören wollt, den wir ausgesucht haben, den wir beide mögen ... Dann müsst ihr die Folge von letzter Woche hören. Da hatten wir Maya als Gast und haben ihr Melancholia gezeigt. Und Spoiler, sie mochte den Film nicht so sehr.
Johannes Franke: Ganz schön vom Leder gezogen. Oh ja. Muss man mal sagen. Also es hat sehr viel Spaß gemacht, aber es tat mir ein bisschen leid um den Abend, Phil.
Florian Bayer: Ja, das stimmt auch. Das war kein Podcast, das war eine Hinrichtung. Ja.
Johannes Franke: Um Lars von Trier tut es mir nicht wirklich leid. Der darf einiges aushalten müssen. Das finde ich.
Florian Bayer: Ich glaube, der kann es auch verkraften, wenn bei einem kleinen Podcast in Deutschland über seinen Film gelästert wird.
Johannes Franke: Okay, aber diesmal lästern wir über James Bond Moonwrecker. Was hast du dir dabei gedacht? Meine Güte. Alles andere, was du mir zeigst, was ich für gut befinde, sind es nur Finten, um mir eigentlich Trash vorzusetzen.
Florian Bayer: Fuck, du hast mich voll erwischt. Ich fühle mich so enttarnt. Aber lass uns doch mal einsteigen, dann schauen wir mal, wie viel Trash das tatsächlich ist.
Johannes Franke: Sehr schön, dann lies doch mal deine Einleitung vor.
Florian Bayer: Sein Name ist Bond. James Bond. Tut mir leid. Und er ist wahrscheinlich der beliebteste Geheimagent der Filmgeschichte. Obwohl oder gerade weil seine Filme immer der gleichen Formel folgen, extrem schematisch sind, begeistern sie seit 1962 eine treue Fangemeinde. Sein Name ist Moore. Roger Moore. Und obwohl er in insgesamt sieben Filmen als 007 seinem Vorgänger Sean Connery quantitativ ebenbürtig ist, stand er als Bond Nummer zwei ... Oder Nummer drei, wenn man es genau nehmen will. Oder Nummer vier, beziehungsweise Nummer fünf, wenn man es richtig genau nehmen will. Immer in dessen Schatten. In Moonraker mit dem deutschen Zusatztitel streng geheim aus dem Jahr 1979 durfte er in dem für eine lange Zeit teuersten Bond-Film die Hauptrolle übernehmen. Wie üblich hat die Story nichts mit der gleichnamigen Vorlage von Ian Fleming gemein. Das Space Shuttle Moonraker wird entführt und James Bond wird vom MI6 damit beauftragt, die teure Raumfähre wiederzufinden. Dafür reist er von deren Herstellungsfabrik in Kalifornien über Venedig bis nach Brasilien. kämpft mit einem alten Widersacher und muss sich im großen Finale gar im Weltraum gegenüber einem Superschurken behaupten, der, naja, was sonst, die ganze Menschheit ausrotten will. Moonraker gilt gemeinhin als schwacher oder gar schwächster 007-Film. Insbesondere bei eingefleischten Bond-Fans. Kein Wunder. Mit seiner übertriebenen, trashigen Art hält er der gesamten Serie den Spiegel vor. Er ist praktisch die Quintessenz der Franchise, mit allem was dazu gehört. verschwenderische Reisen, Easy Sex, unrealistische Actionsequenzen, übermenschliche Gegenspieler und ein Roger Moore, dessen Blick jederzeit zu fragen scheint, Wo zur Hölle bin ich da reingeraten? Aber genau deswegen ist er vermutlich auch der unterhaltsamste Film der Reihe. Wunderbar palpig, absurd und over the top. Für mich tatsächlich mehr als nur ein Guilty Pleasure. Für dich vielleicht auch, Johannes? Oder nicht einmal das?
Johannes Franke: Nicht einmal das.
Florian Bayer: Nicht einmal das.
Johannes Franke: Oh, Floor. Hau raus. Was hast du mir da angetan? Ich werde... passend zum Film nicht darauf verzichten, auch die billigsten Gags einzubringen. So viele werden mir nicht einfallen, aber ich glaube, ich werde mich einfach nicht zurückhalten diesmal mit irgendwelchen Scheiß-
Florian Bayer: Auf jeden Fall.
Johannes Franke: Ich finde, der Film fasst sich sehr gut selbst zusammen. Gleich am Anfang, wenn sie fragen, wo Bond ist und... Einer von denen, die im Gespräch sind, sagt, he's on his last leg, Sir, und wir sehen einen Schnitt, wie seine Hand über das Bein einer Frau streicht. und dann hoch. Ich weiß nicht, dieser Film hat es irgendwie, hat nichts von dem, was ich dachte, was James Bond wäre, ernst genommen, glaube ich. Oder? Oder hat er irgendwie wirklich ernsthaft versucht, einen James Bond zu machen?
Florian Bayer: Nein, ich glaube nicht. Ich glaube tatsächlich, und das ist das Tolle an dem Film, dass er das alles so satirisch überzeichnet. Weil im Grunde genommen ist das, was er macht, ist alles das, was James Bond macht. Zum Beispiel dieser Schnitt von MI6, debattiert darüber, wo ist denn unser Superagent? Und ein Kyo muss dann so sagen, ja, wissen wir nicht genau, aber er macht vielleicht das und das gerade. und wir sehen Bond, wie er irgendeine Frau verführt. Und das ist ja wirklich ein Hauptmotiv der Bond-Reihe. James Bond hat Sex in diesem Film mit drei Frauen. Sind es nur drei? Ja, es sind nur drei Frauen.
Johannes Franke: Ich bin irgendwann nicht mehr mitgekommen.
Florian Bayer: Es gibt drei Bond-Girls, ein Haupt-Bond-Girl und zwei Neben-Bond-Girls. Und James Bond hat in diesen Filmen immer Sex gemacht. mit allen Geheimagentinnen, mit allen Schurkinen, denen er über den Weg läuft. Und er hat auch immer diesen Easy-Sex-Event. Er trifft eine Frau und dann, hey, wir haben noch eine halbe Stunde Zeit. Es ist doch klar, was wir machen müssen. Natürlich ist klar, was wir machen müssen. Und fertig.
Johannes Franke: Aber sie reden doch nicht drüber.
Florian Bayer: Nein, es gibt keine Verführung. Überhaupt keine. Minimalste Verführung.
Johannes Franke: Ich finde es so absurd, jedes Mal, wenn es anfängt, wenn es einen Kuss gibt, denke ich dir, hä? Moment, wie sind wir jetzt dahin gekommen?
Florian Bayer: Was? Aber das ist James Ponds Sexleben in a nutshell. Das ist in jedem Bonds-Film so. Nein, in den letzten Bonds-Filmen. Das sind keine Bond-Filme. Lassen wir mal Daniel Craig raus. Wir reden über die klassischen Bond-Filme aus den 60er Jahren, also Sean Connery-Bonds. Und aus den 70ern Roger Moore Bonds. Es ist immer so, er trifft eine Agentin oder eine Schurkin oder eine femme fatale. Ist eigentlich vollkommen egal, er trifft eine Frau. Und es ist so klar, er wird mit dieser Frau Sex haben. Und es gibt keinen großen Weg dahin. Also es ist nicht so, dass die ein Date haben oder miteinander flirten würden. Nicht mal das, nicht mal das. Und es hat auch nichts mit der Story zu tun. Nein, überhaupt nicht.
Johannes Franke: Das heißt, man kann es rausschneiden problemlos und es würde genau die gleiche Story bei rauskommen. Du hast nur, jetzt plötzlich küssen sie sich, plötzlich sind sie im Bett und plötzlich geht die Story weiter.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Warum?
Florian Bayer: Absolut kleine Jungfantasie und nichts anderes. Und das ist Bond ja durch und durch. Das sind ja nicht nur die Sexszenen. Du hast bei Bond die Gadgets. Weißt du, so jeder kleine Junge träumt von einem Auto, das über eine Klippe springt, im Wasser landet und dann die Reifen einfährt und zum U-Boot wird. Gibt's in diesem Film nicht.
Johannes Franke: Nein, andersrum. Eine Gondel, die plötzlich ein Motorboot ist und dann auf der Straße fährt. Ja. Was ist denn da los?
Florian Bayer: Was soll denn das? Das sind Träume von kleinen Jungs, die da erfüllt werden.
Johannes Franke: Ich hab gedacht, man könnte aus diesem Film ein Trinkspiel machen. Jedes Mal, wenn irgendwie ein sexistischer Kommentar kommt oder wenn zu viel nackte Haut drin ist oder wenn irgendein sinnloses Gadget dabei ist.
Florian Bayer: Aber nackte Haut immer wunderbar in dieser verklemmten 60er, 70er Jahre Ästhetik. Wir sehen nämlich keine Nippel. Und wir sehen auch nicht mal den Anflug von Schambehaarung. Und wenn irgendetwas ist, wenn eine nackte Frau aufstehen muss, hat sie auf jeden Fall immer irgendwas, was sie sich überwerfen kann, was perfekt die Prüste abdeckt.
Johannes Franke: Und zwar auch perfekt den Rest des Körpers in ein Licht bringt das sehr... Ja, erotisch würde ich nicht sagen. Das hat der Film nicht geschafft.
Florian Bayer: Du hast beim letzten Mal gesagt, du bist kein Bond-Fan. Und du hast gesagt, Goldfinger kennst du wahrscheinlich. Der ist einer der besten Bonds gilt.
Johannes Franke: Genau. Und ich glaube ... Ich habe den mit Christoph Walz gesehen. Christoph Walz hat doch mal einen Bösewicht.
Florian Bayer: Ja, den Bruder von Bond, ne?
Johannes Franke: Das kann sein.
Florian Bayer: Das sind die neuen Daniel-Craig-Filme, wo ich mich tatsächlich nicht so gut auskenne, weil ich Daniel Craig nie so geil fand, weil mir einfach ... Weil er mir einfach keinen Spaß gemacht hat.
Johannes Franke: Du meinst, er ist zu ernsthaft James Bond?
Florian Bayer: Nicht zu ernsthaft James Bond. James Bond ist nicht ernsthaft. Also vielleicht in den Romanen, vielleicht in den Ian-Flemming-Vorlagen. Aber die James-Bond-Filme aus den 60er-Jahren. Die großen, die Meisterwerke, die von allen abgefeiert werden, sind genau das. Es gibt genau das. Es gibt diesen... einfachen Sex, an den James Bond einfach rankommt, wenn er will.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Es gibt die albernen Gadgets, die irgendwas abfeuern und irgendwie noch mal so ein Zusatzfeature haben, das genau zur richtigen Stelle ... auch zum Einsatz kommt. Es gibt immer die richtigen Gadgets und immer die richtigen Zusatzfeaturen in diesem Film. Es gibt so, sagen wir mal ... Jeder Film hat ungefähr so fünf bis zehn Gadgets. Und er braucht die auch wirklich alle. Und man stellt sich immer die Frage ... Was wäre, wenn jetzt eine Situation käme, wo Ihnen ein Gadget aus einem vorherigen Film helfen würde? Dann ist er einfach mal gefickt.
Johannes Franke: Im Massen des Wortes an anderer Stelle im Film, aber gut.
Florian Bayer: Und das ist halt einfach, das sind diese James-Bond-Filme. Das sind die Filme, mit denen ich groß geworden bin. Und das war auch James-Bond. Das war der James-Bond der 60er-Jahre. Das sind die Connery-Bonds.
Johannes Franke: Das heißt, die anderen James ... Wirklich, ich die alle nicht gesehen habe. Das heißt, die anderen James-Bonds sind ... hat das wirklich auf die Spitze getrieben, aber ... Gibt es dann auch in jedem Film solche One-Liner wie Wo warst du? Ich bin aus dem Flugzeug gefallen ohne Fallschirm.
Florian Bayer: einfach zu sagen, das ... Auf jeden Fall diese entspannte Art, mit Krisensituationen umzugehen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Die haben vor allem Sean Connery und dann auch Roger Moore, der teilweise sehr versucht hat, Sean Connery zu reproduzieren.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dann ganz, ganz doll Pierce Brosnan, der so in den 90ern in James Bond gespielt hat. Und die wirklichen Filme, die James Bond ernst genommen haben, was meiner Meinung nach nicht funktioniert, weil ich meine, es ist ein Geheimagent, der die ganze Zeit rumreißt, Sex hat und Action erlebt. Und das hat nichts mit Agentenarbeit zu tun. Die einzigen, die das gemacht haben, die das ernst genommen haben, waren die Filme mit Timothy Dalton. der bezeichnenderweise nur in zwei Bond-Filmen mitspielen durfte. Der war dem Publikum nämlich einfach zu düster und zu ernst.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und jetzt neuerdings Daniel Craig, der mittlerweile ja immerhin schon fünf Filme auf dem Puckel hat, der tatsächlich auch eine interessante Neuinterpretation von Bond anbietet.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: die aber wenig mit den klassischen Bond-Filmen gemeint hat tatsächlich. Das sind einfach, das sind rohe Agenten-Action-Thriller, würde ich behaupten. Aber dieser Comedy-Anteil, den hat auch der 60er-Bond. Und ja, Moonraker treibt es definitiv auf die Spitze. Die One-Liner sind mehr, die ... albernen, die wirklich albernen Karlauer sind mehr, die albernen Figuren sind mehr, aber das findet man alles auch bei Jean Connery Und ich glaube, deswegen mögen Bond-Fans diesen Film nicht, weil sie sagen, hey, nein, Goldfinger und From Russia With Love, das sind doch Meisterwerke. Das sind große ... komplexe Agentengeschichten und dann wird uns so was Kindliches hingeworfen und Und da kann ich nur sagen, ey Leute, James Bond ist so kindig. Und James Bond ist immer so sexistisch. Und James Bond ist immer so ... Bedienung von Kinderfantasien und halt Herrenfantasien, dass es vielleicht genau so was braucht, dass das nochmal auf die Spitze treibt.
Johannes Franke: Naja, aber wo ist denn der Unterschied zu, sagen wir, jetzt greife ich mal meiner besten Listen voraus, Wo ist der Unterschied zu Johnny English? Weißt du, was ich meine? Es gibt in diesem Film ... Johnny English ist ... Eindeutig der bessere Agentenfilm. Nicht der bessere Comedyfilm, sondern eindeutig der bessere Agentenfilm.
Florian Bayer: Reden wir über Agentenfilme.
Johannes Franke: Okay, Moment.
Florian Bayer: Jingle.
Johannes Franke: Jingle.
Florian Bayer: Es macht tatsächlich Sinn, einmal kurz über das Genre zu reden, weil James Bond sitzt natürlich voll in diesem Genre drin. Wenn du dir anguckst, was sind denn Agentenfilme aus den 60er Jahren, dann findest du eine Liste mit zehn James-Bond-Filmen. Obwohl es nur sieben gab. Es gab mehr als sieben. Ich muss einmal zählen. Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht gab's. Obwohl es acht gab, findest du zehn James-Bond-Filme aus der Zeit. Und ja, das ist ein total spannendes Genre. Deswegen hab ich auch gesagt, hey, lass uns mal besten Listen Agentenfilme machen. Und ich hab mich schwergetan mit der Liste. Es gibt wenig gute Agentenfilme. Die Frage ist einfach, was braucht ein guter Agentenfilm oder ein guter Spionage-Thriller, um das vielleicht noch mal weiterzufassen, das Genre. Weil natürlich ist immer die Wahl, willst du total over the top irgendwie eine Satire sein oder eine Überzeichnung von dem Business? Willst du ein unterhaltsamer Actionfilm sein, in dem ein Agent Abenteuer erlebt? Hat das nichts mit realer Agentenarbeit zu tun? Oder willst du versuchen, wirklich Konflikte des Kalten Kriegs oder in der Terrorbekämpfung die Alltagsarbeit des Agenten zu zeigen? dann läufst du natürlich Gefahr, einen extrem trögen, langweiligen Film zu machen. Großes Spannungsfeld.
Johannes Franke: Ja, das Problem, was ich bei dem Moonraker sehe, ist halt, dass du eigentlich nicht beides sein kannst. Du kannst nicht gleichzeitig die Komödie, die sich über das Genre lustig macht, sein und das Genre überhaupt gebende Element. Also, weißt du, was ich meine? Du kannst nicht deine eigene Verarschung sein in einem Film.
Florian Bayer: Ich glaube, es funktioniert an Moonraker, aber Moonraker hat ja auch, also und James Bond hat ja auch nichts mit realistischem Agentenfilm zu tun. Es gibt ja doch Ich hab auch sogar welche in der Liste drin. Aber es ist schwer, sie zu finden, weil die meisten Filme setzen natürlich auf Unterhaltung. Dann ... Willst du loslegen?
Johannes Franke: Ja, dann würde ich gleich mal anfangen mit Imitation Game. Auf Platz drei bei mir. The Imitation Game ist kein James Bond mit Explosionen und so, sondern einfach ... Geht's um den Nygma? Genau.
Florian Bayer: Ich kenn den Film nicht. Aber es geht um Alan Turing, ne?
Johannes Franke: Genau, Alan Turing, der den Code-Schlüssel hat ... Und das sind im Grunde Agenten, die ich ernst nehmen kann.
Florian Bayer: Ja, natürlich, das ist die eine Seite des Agenten.
Johannes Franke: Dann sind wir auf der ernsthaften Seite. Und der war sehr gut, der Film.
Florian Bayer: Habe ich nicht gesehen. Deswegen kann ich gar nicht dazu sagen. Ich glaube, es gibt auch viele Agentenfilme, die sagen, sie zeigen die ernsthafte Seite. die aber in Wirklichkeit auch nichts anderes sind als diese Fantasie, Beflügelung, Bestätigung. Und das wäre einer, den ich in meinen Honorable Mentions nennen würde, um einmal noch mal die unterhaltsame Seite etwas weiter zu fassen. Mission Impossible. mit Tom Cruise. Das ist ein Film, der sich selbst todernst nimmt, der wirklich einfach als spannender Action-Thriller sich ernst nimmt aber der natürlich auch nicht darstellt, was realistische Agentenarbeit ist. Mhm. Das ist ja dieses ganze Abenteuer erleben und so, das ist wie wenn du sagst, ein Tatort ist keine realistische, keine realistische Darstellung von der Arbeit eines Kriminalkommissars oder einer Kirche. Es hat nichts mit der Realität gemeint, aber es verkauft sich als Realität. Und das halte ich dem James-Bond-Film zugute. dass sie sich nicht als Realität verkaufen, sondern dafür sind sie einfach zu over the top. Und zwar alle. Und Moonraker noch ein bisschen mehr als andere.
Johannes Franke: Ja. Hast du irgendeine Ahnung, was Ian Fleming damit wollte? Weil das ist ja nun wirklich, scheint ja wirklich alles, alle Verfilmungen scheinen anders zu sein als der ursprüngliche ...
Florian Bayer: Ian Flemmings Bücher nehmen sich ernster.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber sind eigentlich genau dieselben Abenteuer-Action-Geschichten. Aber hat er das nicht gesehen?
Johannes Franke: Hat er das nicht mitbekommen auch? Er hatte doch das Buch geschrieben schon für die Verfilmung von Munraker, dachte ich. Soweit ich das gelesen hatte.
Florian Bayer: Was meinst du, was hat er nicht mitbekommen?
Johannes Franke: Na, die Verfilmungen.
Florian Bayer: Er hat ihn mitbekommen. Ich glaub, er hat sich gar nicht groß dazu geäußert. was parallel dazu lief. Also ich habe jetzt nicht groß recherchiert, was Ian Fleming zu den Filmen gesagt hat, was aber auch einfach daran liegt, dass Ian Flemmings Romane und die Filme, dass es einfach zwei unterschiedliche Welten sind. Und die Filme nehmen sich den Titel und nehmen sich so ein paar Charaktereigenschaften von Bond. Und so ein generelles Setup, Reiselust und Action-Abenteuer mit Sex.
Johannes Franke: Action-Abenteuer mit Sex, ja.
Florian Bayer: Aber ansonsten sind es halt einfach ... Und sie hatten für mich auch kulturell den viel höheren Impact. In den 60ern war es vielleicht noch so, dass Ian Flemings Romane tendenziell bekannter waren, gewissen Punkt haben die Filme auch einfach die Vorlagen überholt. Und dementsprechend spielen die Vorlagen keine große Rolle in der Bond-Filmografie. Mein Gegenentwurf bei den Honorable Mentions sind wir immer noch zu diesen Actionfilmen, die einfach nur die aus dem Grundsetup Agentenleben Unterhaltung machen. Mhm. wäre der Film eine französisch-britische Koproduktion, auch aus den 70er Jahren. Es gab tatsächlich gute Agentenfilme in den 70er Jahren. Der Schakal, Day of the Jackal. Und zwar ... Ja, ich glaub gar nicht ... Also, kein besonders bekannter Film. Es geht um einen Attentat, das eine rechtsextreme Terrororganisation auf Charles de Gaulle ausüben will.
Johannes Franke: Ja ...
Florian Bayer: der ja tatsächlich öfter Ziel von Attentätern war, weil er einfach nicht unbedingt der beliebteste Präsident Frankreichs war.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und es wird sehr akribisch und sehr dokumentarisch gezeigt, wie der Killer, der Schakal unterwegs ist, um ihn zu morden und sich darauf vorzubereiten. und wie die Geheimdienste hinter ihm herforschen. Es wird immer so parallel geschnitten, Killer, der unterwegs ist, und Geheimdienste. Ist auch ein bisschen überzeichnend, vor allem in den Killer-Szenen gibt's einfach dieses Thriller-Moment. Er tötet halt auf seinem Weg Mitwisser und Leute, die ihn enttarnen. Aber die Geheimdienstarbeit wird sehr trocken und sehr nüchtern gezeigt. Ja. das ist ein Film, den ich in diesem Spannungsfeld Realismus versus Unterhaltung auf der anderen Seite einsortieren würde, der einfach dokumentarischer ist und trockener und dadurch vielleicht auch langatmiger als die Bond-Filme.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Meine Nummer drei. Meine Nummer drei ist einer von diesen Agentenfilmen, die sich nicht ernst nehmen. Ich hab tatsächlich zwei, die sich nicht ernst nehmen und einen, der sich ernst nimmt. Und es ist wirklich auch, es ist ein Film, der over the top ist und du wirst jetzt wahrscheinlich lachen oder pusten, keine Ahnung. Aus den 90ern, 1994. True Lie. Mit Arnold Schwarzenegger. Arnold Schwarzenegger spielt einen Geheimagenten, der zu Hause vorgibt, ein einfacher Angestellter zu sein. Und dann allerdings durch eine Verkettung unglücklicher Umstände seine Frau Jamie Lee Curtis. mit hineinzieht in seine Agenten-Abenteuer und dann retten sie gemeinsam die Welt. Total übertrieben, spielt total viel mit Agenten-Klischees, Agenten-Film-Klischees ist deutlich mehr Parodie als ernst gemeinter Agentenfilm. Mhm. Eine wunderbare Actionkomödie, die einfach Spaß macht. Hat nichts mit realer Spionagearbeit zu tun, aber ist toll.
Johannes Franke: Okay. Ja, dann komme ich mal zu meinem Platz zwei, dem, den ich schon vorausgegriffen habe, nämlich Johnny English. meiner Meinung nach fast, ich weiß es nicht ganz genau, aber fast die bessere Figur für Ron Atkinson als Mr. Bean. weil er mehr Potenzial hat, Sachen zu tun. Mr. Bean ist sehr festgelegt auf bestimmte Verhaltensweisen. Und Johnny English kann in allen möglichen Situationen und auf eine bestimmte Art und Weise gesellschaftliche Situationen hops nehmen. Finde ich eine sehr, sehr spannende und lustige Figur.
Florian Bayer: Habe ich nicht gesehen. Ist das eine Parodie?
Johannes Franke: Es ist eine Parodie, eine Agentenfilmparodie. Er ist halt einfach der ... seriöse Agent, der alles sehr ernsthaft durchziehen will, aber natürlich passiert ihm der Scheiß. wie das halt bei Ron Atkinson dann ist.
Florian Bayer: Also auch so diese klassischen, tollpatschigen Aktionen.
Johannes Franke: Ja, genau. Und trotzdem der Versuch, der Womanizer zu sein und solche Sachen.
Florian Bayer: Ist er erfolgreich?
Johannes Franke: Oh, wie erfolgreich ist er eigentlich? Das weiß ich gar nicht mehr. Ich muss ihn noch mal sehen.
Florian Bayer: Es gibt ja eine Agentenfilmparodie, wo es auch diesen ... Ich hoffe, du hast den nicht auf der Liste. Welchen? Austin Powers?
Johannes Franke: Achso, nee, den hab ich nicht. Okay. Der ist mir zu durchgeknallt.
Florian Bayer: Der komplett drüber ist auch und so absurd albern. Und da ist es ja so, dass der tollpatschige, idiotische Agent trotzdem total viel Erfolg bei sämtlichen Frauen hat. Gespielt von Mike Myers. Und auch tatsächlich ein witziger Film. Ich mochte Austin Powers. Der war auch ziemlich kaputt und ziemlich albern. Aber der hat das Genre auch ganz gut eingefangen. Hat ganz gut Verstanden, was an James Bond so albern und absurd ist.
Johannes Franke: Dein Platz zwei.
Florian Bayer: Mein Platz zwei behandelt einen unfreiwilligen Geheimagenten, der ... Ein Normalo, der einfach reingestoßen wird in ein Agentenabenteuer, der unsichtbare Dritte aus dem Jahr 1959 von Mr. Sir Alfred Hitchcock. Großartiger Film. Wirklich ein Normalo geht ans falsche Telefon in einem Hotel. zur falschen Zeit und wird dann für einen Agenten gehalten und wird dann von einer Verbrecherorganisation Erbarmungslos gejagt. Weil die glauben, er wäre dieser Agent, den sie schon ewig suchen. Und die ... Die Geheimdienste haben kein Interesse dran, ihm zu helfen, weil, was sich dann herausstellt, dieser Geheimagent, für den er gehalten wird, der existiert gar nicht. Der ist quasi einfach nur so ein Decoy-Agent, damit die anderen Agenten geschützt sind. Und dann sagen die Geheimdiensten, naja, ist doch super, wenn der jetzt gejagt wird, dann haben unsere Agenten Ruhe. Und er muss einfach nur ums Überleben kämpfen. Und dieser Film ist ein einziges Action-Abenteuer, wo ein Typ auf der Flucht vor Verfolgern ist und keine Ahnung hat, wie er da reingeraten konnte und einfach nur überleben will.
Johannes Franke: Krass, ich habe ihn gar nicht mehr in Erinnerung. Ich weiß, ich habe ihn gesehen, aber ...
Florian Bayer: Kein ernster Agentenfilm fällt auch definitiv in die Ecke. So sieht Agentenspionagearbeit nicht aus. Aber ... Durch das Thema und durch die Story hat er natürlich einen sehr kritischen Blick auf die ... auf die Arbeit, die im Hintergrund des Staates stattfindet. Weil er wirft halt auch einen kritischen Blick auf die ... Auf die Geheimdienste. Wie wenig die den normalen Bürger schützen, wenn er plötzlich in Gefahr geraten ist und Und gleichzeitig ist es einfach ein verdammt unterhaltsamer Film. Spannend, witzig, actionreich, top. Hitchcock in höchst Form.
Johannes Franke: Schön. Mein Platz 1. Mein Platz 1 ist The Kingsman. Hab ich auch nicht gesehen. Du hast drei Filme in dieser Liste, die ich nicht gesehen habe. Krass. Hast du Kingsman nicht gesehen? Weil das ist ein sehr guter klassischer Vertreter dieses Genres im Grunde. Äh, gibt's inzwischen drei Filme, glaub ich, wenn ich das richtig weiß. Und, äh, den ersten find ich aber immer noch am besten. Ähm ... der einfach jemandem neuen Rekruten quasi folgt, der da irgendwie reinkommt. Der Frontstore ist, glaube ich, ein ... Ein Klamottenladen und dann im Hintergrund ist da so ein Geheimagenten-Büro dahinter. Und dann gibt's eine Ausbildung und Zeug. Und der ist halt alles das, was ich von James Bond gerne hätte. Tatsächlich lustig, völlig unrealistisch, was die Agenten-Story betrifft. Nicht zu ernst, aber auch ernst genug, um die Action irgendwie ... Finde ich super.
Florian Bayer: eine Altersfrage, weil der Film jünger ist, dass diese unterhaltsamen Sachen besser funktionieren.
Johannes Franke: Das kann sein, ja.
Florian Bayer: dass so diese Action und der Humor, den wir aus den 60ern und 70ern kennen, heute oft ein bisschen bieder wirkt. Ich hab das Gefühl, Actionkomödien altern generell schlechter als andere Genres.
Johannes Franke: Ja, das kann vielleicht sein.
Florian Bayer: Hm. Weil wir einfach andere Standards haben mittlerweile, was Action betrifft. Also heute ... Würde niemand mehr bei einem Actionfilm über so eine Szene jubeln wie bei Moonrake am Anfang, wo James Bond aus dem Flugzeug fällt und um den Fallschirm kämpft. Das war damals ein Riesending, das war ein krasser Stunt.
Johannes Franke: Also das fand ich schon auch krass. Und da haben sie ja auch tatsächlich, der Dreh war wirklich im freien Fall, wenn ich das richtig sehe. Das ist schon beeindruckend. Die fand ich wirklich beeindruckend. Aber das war halt der Höhepunkt gleich am Anfang und danach ging es bergab. Mach mal du noch deinen Platz ein.
Florian Bayer: Mein Platz 1 ist jetzt ein Film, der nicht 100% realistisch ist, aber ... der sich tatsächlich kritisch und mit düsterer Note, mit Geheimdienstarbeit auseinandersetzt, die drei Tage des Condor von Sidney Pollack aus dem Jahr 1975 aufbauen.
Johannes Franke: Okay, den Titel kenn ich, aber weiß nicht.
Florian Bayer: Robert Redford spielt einen Geheimagenten? Der aber Büroarbeit macht. Die sitzen einfach in einem riesigen Büro und durchforsten ... sowjetische Zeitung nach, ob's da irgendwo Propaganda gibt, ob's da irgendwo geheime Botschaften gibt und so weiter ... Und das macht er. Er ist ein Schreibtisch-Typ.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und dann wird allerdings seine Abteilung umgebracht. Und er weiß nicht, wieso. Aber er wird gejagt als der einzige Überlebende. Und er versucht, sich irgendwie durchzuschlagen. Er ist kein Superheld, er ist kein toller Geheimagent. Er ist quasi ... die normale Variante des Agenten. Er ist halt ein einfacher Bürometarbeiter, die es im Geheimdienst zu Tausenden gibt. Und er kommt einem Komplott auf die Spur. in denen auch die Geheimdienste verwickelt sind. Und versucht irgendwie zum einen herauszufinden, was da überhaupt passiert, versucht zu überleben. Und versucht dann mit den Erkenntnissen, die er hat, irgendwas zu machen, zurückzuschlagen. Und, Spoiler ... So jemand wie er kann halt nicht zurückschlagen, indem er irgendeine geheime Untergrundbasis stürmt und Maschinengewehr alle umbringt. Er geht zur Presse.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Super Film, der sich extrem kritisch mit Geheimdienstarbeit auseinandersetzt. Und auch wirklich einen skeptischen Blick auf diese paranoide Situation, in der die Geheimdienst in den 70ern waren, wirft. Und gleichzeitig ein superspannender Thriller mit einem großartigen Robert Redford und einer ebenso großartigen Faye Dunaway, auf die er durch Zufall stößt und ihm dann ein bisschen hilft und ihn unterstützt. Film und tatsächlich einer der wenigen Spionagefilme, die wirklich ernst und wirklich düster sind. und nicht glorifizieren, was da geschieht an Auftragsmorden und an Spaß und Action.
Johannes Franke: Jetzt haben wir völlig übergangen. Ich habe es auf der Liste als zusätzliches Ding. Der einzige Film, der mir einfällt, der einigermaßen realistischen Blick auf Agenten hat, ist Snowden. Über Edward Snowden. Ja. True. Wie sonst. Und der ist schon abgefahren genug. Also wenn man einen realistischen Blick auf die Welt legt, dann kann man anscheinend auch da sehr spannende und sehr abgefahrene Sachen erzählen. Dadurch, dass der Film wirklich auf Wahrheit beruht, macht er mir tatsächlich so ein bisschen Angst.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich weiß nicht, wann du den gesehen hast. Du hast ihn gesehen.
Florian Bayer: Ja, ich hab ihn gesehen. Als es rausgekommen ist wahrscheinlich. Ja, ich auch. Das ist ja schon fast zehn Jahre her, ne?
Johannes Franke: Ach du Scheiße, was?
Florian Bayer: Nee, nee ist es nicht. Nein, nein, okay. 2016. 2016. Okay.
Johannes Franke: Aber es ist krass, weil du so viel und ich glaube, der Film hat sich noch zurückgenommen. Das ist ja ein amerikanischer Film.
Florian Bayer: Das war Oliver Stone. Der nimmt sich nicht zurück. Okay, gut. Also der hat schon öfter sich mit den amerikanischen Behörden angelegt. Jetzt muss ich einmal ganz kurz Oliver Stone gucken, weil Oliver Stone hat ja auch viel sich in dem Bereich so auseinandergesetzt und hat auch einige Filme gemacht, die Also, JFK war so der Erste, an den ich denken musste. Der irgendwie so ein bisschen diese Verschwörungsmythologie um den Mord an JFK und John F. Kennedy zu einem Film gemacht hat.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Ah, aber sonst tatsächlich find ich von ihm keine Spionage-Thriller. Irgendwie wär Oliver Stone so, wo ich sagen würde, der hat bestimmt zehn Spionage-Thriller getreten. Hat er anscheinend nicht.
Johannes Franke: Okay, also kein Abo.
Florian Bayer: Aber wenn es um Überwachung geht, kann ich noch einen Film empfehlen, der ... so ein bisschen rausgerutscht ist in dem Fall, weil es nicht um eine Geheimdienstarbeit geht. Der Dialog mit Gene Hackman, auch aus den 70ern. Da spielt Gene Hackman einen Überwachungsexperten, der für ... der privat überwacht für Unternehmen und selbst nicht genau weiß, warum er das macht und für wen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es geht darum, dass er ein Pärchen überwacht für irgendeinen Auftraggeber. Und ... dann aber irgendwie rauskriegt, dass das Pärchen offensichtlich in Gefahr ist und dass der Auftraggeber sie umbringen will. Und der Film arbeitet mit diesem Spannungsfeld des einsamen Überwachers. Mhm. der irgendwie anfängt, an seinem Job zu zweifeln. Und der versucht, ein bisschen Verantwortung zu übernehmen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und spielt ganz viel mit den Themen Paranoia, Angst vor Überwachung, weil der Überwacher selbst ist total paranoid. Ja. Und hasst es, wenn in seine Privatsphäre eingedrungen wird. Und gleichzeitig hat er Sex mit einer Frau und hört währenddessen seine Überwachungsbänder.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: großartiger, extrem düsterer Film, der grundsätzlich das Thema Überwachung behandelt und einen tollen Plot-Twist am Ende, etwas mysteriös, etwas Merkwürdig, ich glaube Francis Ford Coppola, wenn ich mich richtig erinnere.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Super Film, sehenswert.
Johannes Franke: Ja, was Überwachung betrifft, muss ich dann ja auch noch einen Film reinwerfen. gibt es hier eins, das andere. Und zwar unseren Film, Flor.
Florian Bayer: 10 Jahre her.
Johannes Franke: Das ist über 10 Jahre her, oder?
Florian Bayer: 2009? 11.
Johannes Franke: 2011 ist der fertig geworden. Aber ich glaube, wir haben angefangen 2009 oder 2010. 2009 war der Dreh.
Florian Bayer: Ja, das kann sein. Ähm ...
Johannes Franke: Magst du kurz erzählen, worum es geht? Wir haben einen Kurzfilm gedreht, der nur mit ... Standbildern funktioniert. So ein bisschen nach dem Vorbild von Chris Markers La Jetée. wobei ich das damals gar nicht wusste, als ich an dich reingetreten bin, mit der Idee, einfach einen Film nur mit Fotos zu erzählen. Dann hast du gesagt, ah, da gibt es doch diesen Chris Marker und da ... Bin ich dann auf Legité von dir gestoßen worden? Und dann haben wir diesen Film in diesem Format gemacht. Magst du dich doch mal ganz kurz zusammenfassen?
Florian Bayer: Es ist ein Kurzfilm. Er geht 25 Minuten roundabout.
Johannes Franke: Ist auch online, wenn ihr den gucken wollt?
Florian Bayer: Ja, hau ich in die Shownotes auf jeden Fall. Ein Kurzfilm über eine Gesellschaft, in der ... jeder Mensch Überwacher ist und gleichzeitig überwacht wird. Und zwar eine Dystopie. Es hat sich eine Gesellschaftsform entwickelt, in der jeder Mensch genau ein Beobachtungssubjekt hat. dass er den ganzen Tag, nicht den ganzen Tag, aber dass er oft beobachten soll. Jeder Mensch muss irgendwie so Überwachungsarbeit leisten, zwei, drei Stunden am Tag. Mhm. und weiß gleichzeitig, dass sein Überwacher jederzeit zugucken könnte. Deswegen hat sich eine Gesellschaft entwickelt, in der kaum Verbrechen stattfinden. Unser Protagonist ist ein Reporter. der sich viel mit diesem Überwachungssystem auseinandergesetzt hat. Und der bekommt von seinem Überwacher eine geheime Botschaft, dass er ihn treffen will.
Johannes Franke: Was ziemlich verboten ist, weil der Überwacher mit dem Subjekt nicht in Kontakt treten darf.
Florian Bayer: Genau, das darf man auf keinen Fall tun, aber sein Überwacher macht das und er ist halt Reporter, er ist zu neugierig, deswegen... sagt er, okay, ich geh da mal hin und triff mich mit ihm. Und sein Überwacher sagt ihm dann, ich weiß ... Was mit den Aufzeichnungen passiert, die Überwachung, wenn Person Röhrenpost ... irgendwo hingeschickt und niemand weiß genau, was da gemacht wird, wie die gesammelt werden, wie die verarbeitet werden. Und er sagt, hey, ich ... Ich kenn mich aus und hab da gearbeitet. Ich weiß, wie die Überwachungsverarbeitung läuft. und ich werd dich jetzt dahin führen." Dann wird er damit konfrontiert, was die Wahrheit hinter diesem großen Überwachungsapparat ist. Ich werd nicht spoilern. Der Film heißt Eve, E-W-E.
Johannes Franke: unter www.ewe-der-film.de zu erreichen. Also auf Vimeo eigentlich, aber wir haben dort eingebettet. und dann kann man ihn dann angucken.
Florian Bayer: Genau, wie mehr Junge YouTube, man findet ihn, also wenn der Ewe, der Film sucht, über Google, dann findet ihr ihn ohne S. Sehenswert. Es ist immer blöd, seinen eigenen Film zu beurteilen, aber ich bin sehr glücklich mit dem, was wir da gemacht haben. Ja, ich auch.
Johannes Franke: Ich freue mich immer mal wieder, ich gucke immer mal wieder, weil ich immer mal wieder Leuten das zeigen muss. Und alle stöhnen dann immer, ach, der schon wieder. Nee, aber ja, lohnt sich. Und es sind nur 25 Minuten, also was soll's.
Florian Bayer: Kommen wir zurück zu James Bond.
Johannes Franke: Ja, kommen wir zurück zu James Bond.
Florian Bayer: Du fandst die Action-Sequenz am Anfang
Johannes Franke: Toll. Die fand ich noch so, dass ich gedacht habe, der Film, der könnte doch ... Also schon der Trailer sagt, das würde Trash werden, ist klar. Die Frage bei Trash ist halt, ist es unterhaltsamer Trash oder ist es nerviger Trash? Und das war, na ja, teils so, teils so. Du bist dazwischen irgendwie. Manchmal denke ich, oh, nee, nicht nö. Und manchmal denke ich ja.
Florian Bayer: Es gibt definitiv einige Elemente, die nervig sind. Aber wenn wir ... zu den großen Elementen kommen. Eine ganz tolle Sache, und die sieht man schon in der Öffnungssequenz, es gibt die Rückkehr eines Handlangers. Es war Jaws im Englischen, der Beißer. Ja, Igor. Der im letzten James-Bond-Film davor ... eine Rolle als Handlanger hatte. Es ist ja immer so, die Superschurken haben irgendwie einen übermächtigen, starken Handlanger oder einen besonders gerissenen Handlanger, der Bond ... hinterherjagt. Und in der Spion, der mich liebte aus dem Jahr 1977, war Beißer dieser Handlanger. Ein übergroßer übermenschlicher Typ, so irgendwas zwischen Wrestler und wie du sagst, Igor, mit Stahlzähnen.
Johannes Franke: Das Lächeln ist mit einem fantastischen Lächeln. Es ist unglaublich. So draufgedrückt. Du guckst ihn an und weißt sofort, ah ja, okay, das ist Igor.
Florian Bayer: Gespielt von Richard Kiel. der diese Rolle wirklich toll gespielt hat. Und der Spion, der mich liebte, einen großen Auftritt. Da war er halt der Handlanger, der ihn ab und zu gejagt hat. Aber es gab eine ganz besonders erinnerungswürdige Szene, in der er ... am Schluss von Bond in ein Becken geworfen wird und dann kommt ein Hai an und greift ihn an. Und dann besiegt er den Hai, indem er ihn tot beißt.
Johannes Franke: Nein!
Florian Bayer: Und dieser Beißer war so beliebt beim Publikum, dass sie gesagt haben, den brauchen wir wieder. Und auch vollkommen zu Recht, der ist so ein geiler Bösewicht-Handlanger. Ich kann gar nicht genug Liebe bekunden für diese Figur. Und was noch besser ist, sie haben gemerkt, dass er beim Publikum gut ankommt und deswegen geben sie diesem Beißer eine richtige Story. Es gibt ein Beißer-Girl, auf das er trifft. Eine wunderschöne kleine Blondine mit Zöpfen.
Johannes Franke: Oh Gott.
Florian Bayer: Nachdem er gegen Bond verloren hat, in einem Kampf stürzt er von einer Gondel Action ab. Hauseinsturz und dann ist sie da in den Trümmern und sie begegnen sich und es ist Liebe auf den ersten Blick. Und es wird nicht geredet.
Johannes Franke: Sie gucken nur einander an und es ist klar.
Florian Bayer: Beißer redet nicht. Im Film davor hat Beißer auch kein einziges Wort gesagt. Und noch mehr als das, sie geben Beißer eine richtige Story-Arc. Er darf sich entwickeln. Ja. Im Finale schlägt er sich auf die Seite von James Bond, weil er es nicht ertragen kann, dass der Oberschurke... zwischen lebenswertem und unwertem Leben unterscheidet.
Johannes Franke: Aber ich muss mal dazwischengrätschen. Story Arc ist ein bisschen ... zu arg formuliert. Das ist eher so ein kleiner Schwenk, Schlenker ganz am Ende noch. Da ist ja die ganze Zeit eigentlich gleichbleibend und am Ende macht er so einen kleinen Schlenker irgendwie noch. Das ist ja keine Entwicklung. Nein.
Florian Bayer: Nein, das ist keine Entwicklung. Aber ist er nicht ein geiler Typ? Also diese Präsenz und dieses total absurde ... Überstark und gleichzeitig, er sieht ja auch so, er sieht schon ein bisschen beängstigend aus, weil er so ein echt monströses Gesicht hat. Ich glaube, der Schauspieler Richard Kiel ...
Johannes Franke: Seine Jawline, also sein Kiefer ist ja total, der dominiert das ganze Gesicht und eigentlich auch die ganze Umgebung. in der er grad ist.
Florian Bayer: Ja, der hat ... Es ist tatsächlich ... Die Geschichte des Schauspielers Richard Kiel ist ... Es ist tatsächlich eine Krankheit, die dazu führt, dass er zum einen so groß ist, also über 2 Meter, 2,18 Meter groß war er.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und dass er auch so ein leicht deformiertes Gesicht hat. Und zwar hat er eine Hormonstörung, die heißt ... Acromegalie.
Johannes Franke: Aha, okay.
Florian Bayer: Und das ist ein Überschuss an Wachstumshormonen. die vorkommen kann. Und die hatte er. Und dementsprechend sah er so aus. Und bei solchen Leuten ... War es damals, glaube ich, wirklich so, dass die Frage war, entweder Freakshow, wahrscheinlich in den 70ern nicht mehr so viel, da war es wahrscheinlich eher entweder Wrestling-Karriere.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Oder halt in Filmen solche Rollen übernehmen.
Johannes Franke: Aber dann eben das Pendant zu Freakshow im Grunde, ne?
Florian Bayer: Schon so ein bisschen.
Johannes Franke: Also sie haben ihn da schon sehr ... Typ besetzt, will ich gar nicht sagen, sondern benutzt.
Florian Bayer: Ja, das kann man schon so sagen. Ein anderer berühmter Mann, der das hatte, war Andre the Giant. den du wahrscheinlich kennst. Du kennst ihn wahrscheinlich nicht als Wrestler, sondern vor allem aus dem Film The Princess Bride. wo er den törpelhaften Riesen spielt, der zusammen mit Montoya die Prinzessin entführt und der starke Kämpfer ist. Und der hatte das auch.
Johannes Franke: Ah, okay.
Florian Bayer: Also tatsächlich, ein Fetisch ist zu viel gesagt, aber Hollywood hat natürlich auch nach ... solchen Typen gesucht, um Bösewichter zu besetzen, um Handlanger und Schläger zu besetzen.
Johannes Franke: Hm. Wo man sofort sieht, wo man nicht erklären muss, das ist der Bösewicht.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Und da sie es nicht erklären müssen, erklären sie es doch trotzdem noch fünfmal. Also es ist wirklich so draufgedrückt. Jedes Mal, wenn du irgendwie einen neuen Bösewicht hast, du kriegst es A sofort mit und B wird es dir noch 30.000 Mal erzählt. Das ist schon ein bisschen...
Florian Bayer: Es ist total übertrieben. Man muss dazu sagen, die Handlanger und Bösewichte bei James Bond sind immer übertrieben. Und James Bond hat leider auch eine traurige Geschichte insgesamt, was so betrifft mit ... Wir besetzen Handlanger mal mit Leuten, die irgendwie aus dem Normalbild rausfallen. Es gibt zum Beispiel in ... Jetzt muss ich wirklich in meinem Kopf kramen, was James Bond betrifft. Ich glaube, es ist Diamantenfieber. Da ist der Handlanger des Bösewichts ein Kleinwüchsiger.
Johannes Franke: Okay, ja.
Florian Bayer: Und in ... In ... Leben und Sterben lassen, der erste Film mit Roger Moore. Da sind die Bösewichter alle schwarz. Nein. Der spielt nämlich da ganz stark ... Und betreiben Voodoo und sind in der Karibik zu Hause. Der Handlanger des Bösewichts ist entsprechend ein großer schwarzer Mann mit einer metallenen Armprothese. So ein bisschen fast so ein So ein Prototyp für das, was später der Beißer wurde. Also in James Bond gibt's eine lange Tradition, Einer, ich setze sehr bewusst die Anführungszeichen jetzt mit meinen Fingern, einer Freakshow an Handlangern. um da irgendwie Leute zu nehmen, die irgendwas Monströses haben oder irgendwie aus der Norm herausfallen. Und ... Es steht jedem frei, das Apleistisch zu nennen. Und ich kann nur sagen, es ist Apleistisch. Es ist einfach so.
Johannes Franke: Aber ... wenn man das aus der Zeit betrachtet, ist es natürlich irgendwie... Auch ein bisschen fortschrittlich zu sagen, wir nehmen mal außerhalb der Normbesetzungen.
Florian Bayer: Ja, nein.
Johannes Franke: Okay. Das ist so, wie wenn man sagt, ja... Ich versuche es zu rechtfertigen, Plur. Ich versuche denen irgendwas Gutes abzugewinnen, weil, also... Wenn es niemand angefangen hätte, hätten wir jetzt natürlich immer noch so eine pure weiße...
Florian Bayer: Ja, aber das ist genauso, wie wenn man sagt, hey, Hollywood, 70er-Jahre, voll progressiv, wie oft die Transsexualität als Thema hatten. Und dann guckt man sich's an, Norman Bates im Psycho.
Johannes Franke: Oh Gott.
Florian Bayer: Dann guckt man sich den Killer in das schweigende Lämmer an, der Frauenkleider trägt und sagt, ah ja, ja, ja, okay.
Johannes Franke: Nein, nein, nein.
Florian Bayer: Aber umso cooler, dass sie tatsächlich den Beißer zum Sympathieträger machen. Er wurde es auch einfach, weil das Publikum ihn geil fand.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Aber der Beißer ist ja am Schluss wirklich eine Figur, mit der wir mitfiebern. Und wir freuen uns, dass er seine Freundin gefunden hat. Und wir freuen uns, wenn er sich auf James Bond Seite schlägt. Und wir freuen uns wirklich, wirklich, wirklich. Also ich habe mich wirklich gefreut beim ersten Mal, als ich ein Kind war, als ich das gesehen habe. Wenn am Schluss kurz vorm MI6 gesagt wird, irgendwas ist gelandet, wir sehen da einen großen Mann mit Stahlzähnen und eine junge Blondine und wir wissen, ja, sie haben überlebt. Sie haben den Absturz aus dem Weltraum überlebt. Go Jaws, go. Großartig. Ich mochte die Figur als Kind total. Ich fand sie total cool. Und ich kann so gut nachvollziehen, dass sie noch mal eingesetzt wurde.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Leider nur zum zweiten und letzten Mal in diesem Film. Ich hätte Beißer in jedem Bond-Film gerne wiedergesehen. Und er ist wahrscheinlich auch der berühmteste Handlanger, obwohl er nur in zwei Filmen vorkommt. Also was heißt nur? Normalerweise kommen die Handlanger in einem Film vor und werden am Ende von Bond umgebracht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Er ist ein cooler Typ. Und Richard Kiel spielt das auch echt witzig. Und er spielt es auch ironisch, wenn er zum Beispiel am Flughafen durch den Metalldetektor geht. Und dann piept's natürlich und dann guckt der Wachmann ihn an und er grinst ihn an mit seinen Stahlzähnen. Ich finde die Figur wirklich witzig und er macht das cool.
Johannes Franke: Aber er ist schon die Frankenstein-Version der 70er, der ist Das ist so ein Stummfilmcharakter, hab ich das Gefühl. Aber nicht nur, weil er nicht spricht. sondern einfach auch, wie die Inszenierung ist von diesem Typen. Der ist halt irgendwie einfach groß und mächtig da. schläft da in der Gegend rum, ist so ein bisschen, guckt immer mal bedrohlich und das war's. Ja, das ist schon...
Florian Bayer: Aber er grinst so sympathisch. Und er freut sich. Und das ist auch total absurd. Das ist eigentlich so ein schlechter Handlanger. Er versucht, Leute umzubringen, indem er sie beißt. Hätte er eine fucking Pistole, dann hätte er James Bond dreimal besiegt. Ohnehin können wir einmal kurz dazu kommen, warum? Und das ist auch was, was wir in allen Bond-Filmen haben. Warum... sind sowohl Handlanger als auch Superschurken zu blöd, einfach eine Waffe zu ziehen und diesen Typen einen Kopfschuss zu geben.
Johannes Franke: Aber das betrifft alle diese Actionfilme. Ja, das ist so dumm. Es ist ja ... Außer, dass das einmal bei Indiana Jones auf dem Markt gemacht wird, wird das immer umgangen.
Florian Bayer: Das ist wirklich so, ich erkläre dir meinen komplizierten Plot. Und vor allem die Bösewichte sind ja so davor ... Machen sie ja das ja tatsächlich mit anderen Leuten so, dass sie sie mit Kopfschuss ermorden, was total sinnvoll ist, wenn ich jemanden aus dem Weg räumen will.
Johannes Franke: Dann mach ich das.
Florian Bayer: Mach ich das schnell schmerzlos. Aber nein, James Bond und die andere Agentin ... werden gefesselt und werden unter einer Rakete gelegt, damit sie vom Raketenfeuer ... vom Raketenfeuer verbrannt werden, während die Rakete langsam startet.
Johannes Franke: Gibt es eine psychologische Besonderheit, die man da, also irgendwas, was von dir diagnostizieren könnte, dass Leute solchen Aufwand betreiben wollen, um jemanden umzubringen.
Florian Bayer: What could possibly go wrong?
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Das ist ja auch der erste Mordanschlag schon auf Bond. Bevor wir den Beißer haben, haben wir diesen anderen Handlanger Chang, der tatsächlich relativ ...
Johannes Franke: Das ist so ein bescheuerter Mordversuch. In der Zentrifuge?
Florian Bayer: In der Humanzentrifuge, ja.
Johannes Franke: Was ist das denn? Tod durch Kotzen oder was?
Florian Bayer: Ich glaube, du kannst ja tatsächlich jemanden so umbringen, aber es ist so dumm und so langsam. Halt das Ding an. Er sitzt da, er ist angeschnallt. Gib ihm einen Kopfschuss. Ende.
Johannes Franke: Das ist so bescheuert. Und dann, dass er das Ding anhalten kann, durch sein, was er da ranschießt.
Florian Bayer: Durch das perfekte Gadget zur richtigen Zeit.
Johannes Franke: Aber das Problem ist, das Ding wird von außen gesteuert. Nicht von dem Teil, wo er drin sitzt. Der kann ja gar keine Steuerung anhalten. Das geht nicht. Das ist so bescheuert.
Florian Bayer: In dieser Humanzentrifuge findet der Anschlag auf ihn statt, als er zum ersten Mal mit dem Hersteller der Moonraker spricht, Hugo Trucks. Wir sehen Hugo Trucks, wir hören drei Sätze von ihm und wir wissen, das ist unser Top-Bösewicht. Keine Frage. Es ist überhaupt keine Diskussion. Der Wertige war es. James Bond weiß es auch. Auch wie er sich verhält von Anfang an total suspekt. Bond ist eigentlich nur da, um zu fragen ... Ich will mal gucken. Ich soll diese entführte Moonraker-Rakete finden? Gehen wir doch mal zum Hersteller. Und dann kommt dieser Hersteller als düsterer Mann und sagt ... Ich hab sie im Auge bornt. Und du weißt genau, okay, wir haben hier unseren Schurken.
Johannes Franke: Es ist so bescheuert. Das Problem ist, wenn du jetzt gerade sagst, er hat geschlussfolgert, also gehe ich mal zum Hersteller dieser Raketen. Ich habe Keine Ahnung, dass er deswegen dahin geht. Das wird mir nicht erzählt.
Florian Bayer: Es wird mir bei keinem...
Johannes Franke: der Wechsel der Szenerien erzählt, warum der jetzt dahin geht. Ich hab das Gefühl, der geht spazieren und ist zufällig am richtigen Ort gelandet.
Florian Bayer: Weil Kalifornien ein geiler Drehort ist. Ich glaube, 90% der Drehorte in James Bond werden ausgewählt, weil sie geile Drehorte sind. Es ist so doof. Aber bei diesem Trax lernt er dann auch eine vermeintliche Wissenschaftlerin von Trax kennen. Und zwar das Main-Bond-Girl des Films. Holly Goodhead, die tatsächlich für ein Bond-Girl erstaunlich kampfbewusst ist.
Johannes Franke: Und progressiv.
Florian Bayer: Erstaunlich intelligent und tatsächlich... Auf Augenhöhe mit Bond. Also ich meine, es gibt natürlich mit ihr auch Sex und sie wird auch irgendwann entführt. Aber wenn man sich anschaut, wie die Bond-Girls in den Filmen vorher aussahen, Es ist einfach mal eine tatsächliche starke Frauenrolle. Es wird viel zu weit gehen, zu sagen, das ist die feministische Version eines Bond-Girls. Dafür ist sie zu sehr Bond-Girls. Aber für ein Bond-Girl ist sie tatsächlich ziemlich tough.
Johannes Franke: Das stimmt. Das muss ich auch sagen. Ich glaube, das habe ich auch aufgeschrieben. Wow, die Frau ist Wissenschaftlerin. Wie kann das denn sein? Irgendwas haben sie im Drehbuch falsch. Aber dafür haben sie alles richtig gemacht für ihre Zeit bei der Besetzung der anderen Frauen. Sie sind nicht zu unterscheiden voneinander. Eine Frau will aus wie die andere, alle haben die gleichen Frisuren, alle haben die gleiche Haarfarbe.
Florian Bayer: Mit allen hat er Sex. Das ist die eine, die von den Hunden gejagt wird. Das ist die andere, die vom Beißer gebissen wird.
Johannes Franke: Ja, dass das Abspann steht, sechsmal Drags Woman oder Drags Girlfriend oder sowas. Es ist so ... Bescheuert alles.
Florian Bayer: Aber die Frauen, die er bei Drag sieht, die haben ja ... Die sollen zeigen, wie diese übermenschlichen Klone aussehen, die Drax heranzüchtet. Das ist unser Mainplot. Hugo Trax hat seine eigene Moonraker gestohlen, weil er hat noch fünf andere gebaut. Und eine davon ist kaputt gegangen. Er braucht diesen Moonraker, aber ... um zu seiner gigantischen Weltraumstation zu fliegen, die kein Satellit sehen kann. Weil er will diese Weltraumstation mit übermenschlichen Klonenbevölkern um die Menschheit neu aufzubauen. Und um das zu machen, also er braucht so 50 Leute, Inzest, Um das zu machen, muss er natürlich den Rest der Menschheit, also alles Lebensunwerte ausrotten und deswegen will er von dieser Moonraker, während da oben die ganzen Supermenschen sind, Gifts. Kapseln auf die Erde werfen.
Johannes Franke: Giftgas.
Florian Bayer: Ja, die die Menschheit ausrotten, damit sie dann zu 50 zurückfliegen und den Planeten bevölkern könnten. Und good luck with that.
Johannes Franke: Und sämtliche anderen Tiere, die auf Sauerstoffbasis leben, werden natürlich auch irgendwie dahin gerafft.
Florian Bayer: Nee, die werden verschont.
Johannes Franke: Wie sollen die denn verschont werden?
Florian Bayer: Die Ratten überleben doch. Oh, du hast ein Man-Plot-Element verpasst. Hey, der Mann ist Tierfreund.
Johannes Franke: Aber wie sollen die das denn überleben?
Florian Bayer: Keine Ahnung, weil sie keine Menschen sind. Er hat ein spezielles Giftgas für Menschen entwickelt.
Johannes Franke: Was? Das habe ich nicht mitbekommen.
Florian Bayer: James Bond bricht doch in Venedig in diese Glasmanufaktur ein, wo das geheime Forschungslabor ist. geht diese Fiole kaputt und die Wissenschaftler verrecken elend. Aber dann sieht man doch die Ratten rumlaufen. Die Ratten sind glücklich. Die Ratten überleben. Nein, er will nur die Menschheit ausrotten. Er ist Tierfreund. Er sagt es nicht genau. Aber bei diesem Plan ... Hat er daran gedacht, dass man für den Aufbau einer großen Gesellschaft Leute braucht, die... Turmkraftwerke bedienen. Vielleicht auch einfach so ein bisschen Fußvolk.
Johannes Franke: Nein, nein, nein. Die müssen alle gut aussehen und das war's. Ja, das reicht. Diese super Klonarmee.
Florian Bayer: Also der Plan und die ganze Hintergrundgeschichte ist komplett gaga.
Johannes Franke: Völlig abstrus.
Florian Bayer: Und spielt auch keine große Rolle. Wir haben halt einen Bösewicht und das Schicksal der Menschheit steht auf dem Spiel. Und deswegen ist Bonn zuerst in Kalifornien. Und siehste, er hat dann Sex mit einem Bond-Girl, die nicht lange überleben wird. Corinne heißt sie. Falls man den Namen vergisst, das kann passieren.
Johannes Franke: Ja, das kann passieren.
Florian Bayer: Und sie hilft ihm dann bei Trucks. einzubrechen und da findet er den Hinweis auf eine Glasmanufaktur in Venedig und reist dann nach Venedig, nächster cooler Drehort.
Johannes Franke: Ich hab keine Ahnung, wie er da hinkommt. Plötzlich ist er dort. Ja. Es liegt wahrscheinlich. Aber es passiert ständig. Und ich frage mich jedes Mal, hä, warum jetzt dahin? Wie bist du jetzt darauf gekommen? Und was soll das? Aber plötzlich ist er halt in dieser Belastmanufaktur und sieht sich da auch einfach nur um und keiner fragt sich, was will der hier? Der sieht sich halt um und hat ein Glas in der Hand und guckt sich das an und denkt sich ... Oh, jetzt weiß ich, wo es weitergeht. Genau. Warum?
Florian Bayer: Hinweis A, James Bond, und das ist James Bond, das ist nicht Moonraker, das ist klassisch James Bond. James Bond funktioniert immer nach dem Prinzip, Bond findet was heraus, reist zu dem Ort, über den er was herausgefunden hat, irgendein exotischer Schauplatz oder weniger exotischer Schauplatz. Er findet da den nächsten Hinweis. Hat Sex mit einem Bond-Girl. Wird vom Handlanger angegriffen, reist weiter. Und das ist in jedem Bondfilm so und Jeder Bond-Film besteht aus vier Drehorten, wo genau das passiert. Also tatsächlich ist Moonraker hier komplett auf der Formel. Das ist nichts, was anders wäre als bei anderen Bond-Filmen. Das Budget ist höher, die Drehorte sind ein bisschen mehr ... Kann man sagen, also es ist ein bisschen weiter gefasst, weil es wirklich einmal USA, Europa, Südamerika
Johannes Franke: Und der Weltraum.
Florian Bayer: Und der Weltraum.
Johannes Franke: An Originalschauplätzen gedreht, ne?
Florian Bayer: Ja, der Weltraum wird tatsächlich gerne so ... nach vorne geholt. Tatsächlich ist ja die Weltraum-Szene die letzten 20 Minuten. Es ist kein Science-Fiction-Bond.
Johannes Franke: Am Ende wird er zu Star Wars.
Florian Bayer: Ja, und der Hintergrund ist ja auch tatsächlich, eigentlich sollte als Nachfolger von Der Spion, der mich liebte, For Your Eyes Only kommen. Und dann war 1977 aber Star Wars so ein massiver Erfolg, dass sie gesagt haben ... Okay, wie viele andere Studios, das haben damals alle gesagt, wir müssen unseren Star Wars drehen. Disney hat damals seinen Star Wars gedreht mit das Schwarze Loch. Der übrigens ein guter Film geworden ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen, die Star Wars kopiert haben. Aber genau, dann haben sie gesagt, wir müssen unseren Star Wars drehen und dann haben sie einen James Bond Star Wars gemacht. Aber dieser James Bond ist kein Science-Fiction-Film. Dieser Bond ist eigentlich ein klassischer Bond, der over the top ist. Ja. Aber der Weltraum spielt am Schluss eine Rolle. In den letzten 20 Minuten gibt es einen total bescheuerten Kampf im Weltraum, der super unterhaltsam ist, weil sie dann alle in der Schwerelosigkeit gegeneinander schießen mit Lasern. Also das ist toll, weil auf einmal hast du diese ganzen Leute, Geheimagenten und Bösewichte, die da rumfliegen und piu, piu, piu, piu. Und du denkst so, was? Das ist wirklich...
Johannes Franke: Das macht so viel Spaß. Dann ist er doch, aber ist das vorher oder nachher? Ich weiß es schon nicht mehr. Beim Bösewicht... Beim Fasanenschießen.
Florian Bayer: Ja, ein Mordanschlag auf ihn aus den Bäumen.
Johannes Franke: Oh Gott. Nimmt er dieses Ding, schießt in die Luft und der Typ glaubt, er hätte den Fasan nicht gekriegt oder die Ente oder was auch immer.
Florian Bayer: Vorbeigeschossen. Did I?
Johannes Franke: Did I? Und dann fällt aus dem Baum dieser Typ runter. Äh,
Florian Bayer: Das ist auch geil, diese Entspanntheit, mit der das gelöst wird. Und dann der Bösewicht sagt dann auch nichts mehr dazu. Nein, es sagt keiner was dazu.
Johannes Franke: Und ich frage, Flor, wofür haben sie die 30 Millionen, 30 Millionen haben sie ausgegeben, wenn ich das richtig erinnere. 30 Millionen, wofür sind die raufgegangen? wenn das Geld komplett für Schauplätze und Schauspieler draufgegangen ist, Haben sie den Drehbuchautoren vielleicht für Dialogzeilen bezahlt und hatten nicht mehr genug Geld? Es gibt nicht genug Dialogzahlen, um irgendwas zu erklären. Es werden Allgemeinplätzchen hin und her geworden. Ja, definitiv. Und das war's. Und kein bisschen erklärt, was da eigentlich wirklich passieren soll.
Florian Bayer: Tatsächlich ist James Bond ja durchaus immer ziemlich wortkarg.
Johannes Franke: Ja, aber da kann die Figur Wortkark sein, aber der Rest der Personalie doch nicht.
Florian Bayer: Auch dieses Reisen, wenn du bei James Bond nicht aufpasst, ist es genau, wie du gerade gesagt hast, du weißt nicht, warum er plötzlich da ist. Und das liegt nicht daran, dass du zu dumm bist, die Story zu verstehen. Es wird dir einfach nicht gesagt. Es gibt einfach so ganz kleine Hinweise, die Bond sieht. Und dann ist okay. Und dann ist klar, es ist auch teilweise total albern, weil er ist ... Er ist dann in Venedig. Da gibt's wirklich eine fantastische Action-Sequenz mit dieser Gondeljagd.
Johannes Franke: Die ist wirklich fantastisch, muss ich mal sagen. Also, natürlich völlig over the top. Und ich frag mich ... Hä? Was jetzt das noch? Aber das war ein sehr schöner Einstieg. Wollen wir dazu mal einfach, weil der fährt da mit der Gondel durch die Gegend. Ähm ... Und dann kommt eine andere Gondel entgegen, wo gerade eine Beerdigung stattfindet anscheinend. Und dann fährt das Boot so an ihnen vorbei und dann geht plötzlich der Sarg an. auf und ich denke schon, wow, cool, jetzt kommt noch das Crossover zu Dracula oder was? Und dann kommt dieser Typ raus, nimmt sein Maschinengewehr und schießt auf Bond. Völlig dilettantisch. Hat keinerlei Ausbildung genossen offenbar. Weil Bond in der Lage ist, sich wegzuducken und noch sehr viel Zeit braucht, um sein Messer zu holen, was er dann auf ihn wirft. Dann verwandelt sich diese Gondel plötzlich in ein Motorboot und fährt davon. Der Rest der Personal hier auf dem Beerdigungsboot versucht, ihn noch irgendwie hinterherzuschießen, glaube ich.
Florian Bayer: Ja, die sind alles feindliche Killer. Jeder könnte ein feindlicher Killer sein.
Johannes Franke: Ah ... Es ist so absurd und ich weiß nicht, wie er in diese Situation geraten ist, warum er da überhaupt auf der Gondel ist, was da überhaupt sein sollte und dann fährt er plötzlich mit dem Motorboot los und Und als er auf Land kommt, wird es auch noch zum Gefährt.
Florian Bayer: Natürlich, er muss ja irgendwie entkommen.
Johannes Franke: Er hätte noch einen Propeller haben können. Das wäre noch das Bessere gewesen. Ja. Es ist ... Natürlich, es ist eine kleine Jungenfantasie und ich finde es witzig, aber ...
Florian Bayer: Es macht keinen Sinn.
Johannes Franke: Aber es macht weder Sinn noch, ich weiß nicht, der Film, vielleicht hätte er mich damals gekriegt, Heute hab ich so viele Hürden, um da reinzukommen, weil diese kleinen jungen Fantasien nicht ordentlich mit einem Disclaimer kommt vorher. Ja, weißt du, man steigt nicht in den Film ein, mit dieser Erwartung, eine kleine Jungenfantasie zu sehen, sondern man hat irgendwie ... Man kriegt nicht schnell genug die Erlaubnis, über Trash zu lachen. Weißt du, was ich meine?
Florian Bayer: Ich glaube, ich weiß, was du meinst. Du müsstest noch mal ... Also es ist auf jeden Fall spannend, im Kontext von diesem Film noch mal die Bond-Klassiker zu gucken. Weil man findet das alles auch in den Bond-Klassikern. Und es ist immer so ... Ja, man denkt dann, okay, diese Filme werden teilweise von Leuten ernst genommen. Und zwar, also nichts gegen James-Bond-Fans. Ich glaube, die meisten James-Bond-Fans wissen, dass das Spaß ist und dass das Unterhaltung ist. Aber ich glaube, ein paar sagen wirklich, hey, das sind gute Action-Thriller. Und das sind sie halt nicht. Das sind halt Bedienungen von kleinen Jungsfantasien. Und Moonraker ... Top, das alles. Du hast gefragt nach dem Budget. Die Action-Sequenzen haben Mordsbudget gefressen. Das sieht man auch, wenn man den vergleicht mit den anderen James-Bond-Filmen, die in ... ein Fünftel von den Kosten hatten normalerweise. Wenn überhaupt. Also in den 70ern haben sie dann langsam angefangen, so ein bisschen das Budget hochzuschrauben. Aber selbst der Film davor, der schon der teuerste Bond-Film war bis dato, hat die Hälfte gekostet von dem hier. Also so sieben Millionen Dollar, sechs Millionen Dollar waren damals irgendwie die GBGs für die Bond-Filme. Und man sieht es total, weil die Action-Sequenzen sind einfach krasser. Und trotzdem hat er teilweise noch dieses ... Auch dieses Trashige drin, was ich zum Beispiel sauwitzig finde. Und das findet man bei Bonn immer mal wieder. dass sie Geschwindigkeit darstellen, indem sie ganz offensichtlich einfach das Filmmaterial beschleunigen. Wenn ein Auto schnell fahren soll, dann wird der Film einfach schneller abgespult und man sieht es. Ja. Und es sieht so albern aus, weil es wirkt so unecht und es wirkt so falsch.
Johannes Franke: Das ist nicht der einzige Film, der das macht, aber es gibt Filme, Das war als legitimes Mittel tatsächlich viel benutzt, aber es wurde halt auch schon mal besser gemacht. Weil dann musst du bestimmte andere Sachen beachten, die dazu führen, dass du es nicht so doll siehst, dass das so beschleunigt ist. Sondern dann musst du halt irgendwie an alle anderen Sachen drumherum... Zum Beispiel langsamer machen lassen und so. Und der Schwenk muss entsprechend gefahren werden, damit man dem Schwenk nicht schon ansieht, dass es alles beschleunigt ist. Solche Sachen.
Florian Bayer: Aber das hat er halt nicht gemacht. Nee, nee, nee, das hat er nicht gemacht. Das sieht man vor allem in den Szenen dann in Rio. Wieder so total absurd, in Venedig findet er eine Kiste, wo Ryo draufsteht, während er gegen Chang kämpft und Chang aus dem Fenster stürzt. Chang landet auf einem Klavier und darf einen coolen One-Liner raushauen. Play it again, Sam. Yay. Den fand ich fast witzig. Ja, es ist alles so ein bisschen fast. Ja, genau. Aber in Rio gibt es dann zwei ... wirklich tolle Actionsequenzen. Eine, weil sie wirklich gut ist und weil sie wirklich spannend ist, das ist die auf der Seilbahn. Wenn er von Weiß auf der Seilbahn angegriffen wird.
Johannes Franke: Das stimmt, ja.
Florian Bayer: Und da wär fast der Stuntman draufgegangen. Der hing dann nämlich ohne Sicherung mal eine Zeit lang am Seil.
Johannes Franke: Fuck.
Florian Bayer: Sollte man übrigens auch sagen, zu den Bond-Filmen, die ein höheres Budget haben, in diesem Film sehen wir vielleicht zu ... 60 Prozent Roger Moore? Weil ich meine, sobald die Action-Sequenzen sind, das ist ein Stuntman.
Johannes Franke: Ja, stimmt.
Florian Bayer: Und dieser Stuntman ... Trägt den Film total, weil es sind einfach lange Actionsequenzen. Und Roger Moore sitzt mal vorm Greenscreen dann im Boot. Und ansonsten haben wir halt einfach einen Stuntman. Und der wäre bei dieser Gondel-Aktion fast abgestürzt.
Johannes Franke: Krass, Mann.
Florian Bayer: Tolle, spannende Action-Sequenz.
Johannes Franke: Ja, auf jeden Fall.
Florian Bayer: Das ist dann auch, wo der Beißer sein Beißer-Girl, sein Jaws-Girl kennenlernt. Aber noch viel besser danach die Action-Sequenz. mit dem Krankenwagen, wo sie einmal eine Verfolgungsjagd gemacht haben mit Product Placement. Oh! wie es krasser nicht sein könnte. Und das wirkt fast wie eine Selbstparodie, weil James Bond ... Das sind Product-Placement-Filme, das machen die immer. Die haben das immer drin, die Autos werden gesponsert, die Gadgets werden teilweise gesponsert, es gibt auch Plakate zu sehen. Aber in dieser Szene kulminiert das so krass, weil der Krankenwagen, in dem sie gefangen erhalten wird, Genau, Holly Gutthedorf, die trifft er wieder. In Rio ist eigentlich gar nicht so wichtig. Auf jeden Fall fährt der Krankenwagen eine Serpentine runter. Flucht, Groß, Action-Sequenz und fährt an Werbeplakaten vorbei. Und zwar an massiven Werbeplakaten. Einmal ganz kurz. Es gibt sehr viele Werbepartner in diesem Film. Air France, British Airways ... Seven Up ist zu sehen. Saiko kennen Christian Dion. In diesen Wärmflakaten fällt er vorbei. Und diese Szene endet damit.
Johannes Franke: Dass sie in dieses Plakat reinfahren.
Florian Bayer: Genau, dass sie in das Marlboro-Plakat was, glaube ich, reinfahren.
Johannes Franke: War es Malbüro? Ich weiß es schon gar nicht mehr. Aber es waren so 50er-Jahre grinsende Gesichter, so gemalte.
Florian Bayer: Aber diese Szene, ich kann es mir nur so denken, das kann keiner ernst genommen haben. Und das ist einfach eine Parodie auf diesen Product-Placement-Wahn von Bond. Und wenn sie es nicht gewusst haben, dann ist es eine unbewusste Parodie. Aber es ist so geil zu sehen, dieser Krankenwagen. Und es ist so offensichtlich, weil in jeder Sequenz, wenn er um die Kurve fährt, sieht man ein neues Werbeplakat. Als ob sie noch mal ganz schnell alle Partner da hätten reinklatschen wollen. Wie Credits ist das fast. Das ist eine tolle Szene. Und dann dieser Höhepunkt, dass sie dann das letzte Plakat auch noch zertrümmern und zum Teil der Sequenz machen.
Johannes Franke: Den fand ich wirklich nicht schlecht. Ich hab gelacht.
Florian Bayer: Es ist so witzig. Und das ist auch diese Actionsequenz, in der das am krassesten auffällt, dass sie einfach alles beschleunigt haben. Dass die ganze Zeit der Film mit doppelter Geschwindigkeit abläuft, damit dieser Krankenwagen auf seiner Flucht ... Schneller wirkt. Wunderbar. Ja, es gab viele Werbepartner. Wie gesagt, ich hab schon aufgezählt. Air France, British Airways, Eric, was auch immer das ist, Seven Up. Marlboro, Seiko, Cannon, Christian Dion und Bollinger.
Johannes Franke: Bollinger?
Florian Bayer: Bollinger. Frag mich nicht. Und AMC und Jeep natürlich für die Fahrzeuge. Weil die müssen ja auch gestellt werden von jemandem.
Johannes Franke: Das war tatsächlich ein späteren Podcast.
Florian Bayer: Bond-Filmen finde ich es teilweise noch ein bisschen dreister, wenn sie gerade die Autos so sehr krass präsentieren. Das macht dieser Bond-Film nicht so. Die Bonn-Filme haben meistens Autos, die dann von einem Hersteller sind und die werden dann sehr prominent platziert.
Johannes Franke: Aber das kenne ich aus den 90ern eher.
Florian Bayer: Ja, es sind eher die späteren Bond-Filme. Aber Autos gehören eigentlich zum Standardrepertoire von den älteren Bond-Filmen. Es gibt meistens mindestens eine Autoverfolgungsjagd. Dieser Film hat keine klassische Autoverfolgungsjagd, wie man sie von Bond kennt.
Johannes Franke: Sag mal, ich hab hier einmal aufgeschrieben ... die Stelle, wo ihm gesagt wird, jetzt machst du mal zwei Wochen Pause, weil er... Und ich dachte an der Stelle im Film, Em sagt das, oder wer sagt das?
Florian Bayer: Ja, Em sagt das zu ihm.
Johannes Franke: Und ich dachte an der Stelle, du hast mir jetzt ... eine Stunde lang nix erzählt und jetzt soll er zwei Wochen Pause machen? Was? Was?
Florian Bayer: Es ist natürlich eine sehr witzige Szene, die dazu hinführt. Also, Bond ist in Venedig in dieses Labor eingebrochen und hat da die Kisten gesehen, die auf Rio hinweisen. Und dann sagt er natürlich, hey, ich muss ganz schnell, hier Secret Service, CIA, ihr müsst euch das angucken, was in dem Labor ist. Und führt sie dann da rein und sie gehen dann mit Gasmasken ... Voll ummantelt hinein. Und dann ist das alles leergeräumt. Und der Bösewicht sitzt da auf seinem Stuhl wie so auf einem Thron und sagt, hey, was machen Sie denn hier? Hier gibt es nichts zu sehen. Gehen Sie weiter. Und große Blamage für Bond. Und deswegen wird er beurlaubt eigentlich. Aber er darf ja weiter forschen. Also das ist ja tatsächlich, es spielt keine große Rolle, weil er forscht einfach weiter.
Johannes Franke: Das ist halt das Ding, es hat keine Auswirkungen und die Szene hätte man auch rausschmeißen können. Es hätte nichts verändert. Ich weiß nicht.
Florian Bayer: Ich fand die Sau witzig, die Szene, wenn sie mit diesen Gasmasken da reinkommen und dann sitzt der da und so, ist nix.
Johannes Franke: Das stimmt schon. Ich meine, die Beurlaubung danach, die brauchst du nicht. Und das sagt mir bloß an der Stelle, hä, ist jetzt sowieso schon nix passiert und jetzt auch noch Pause? Nee, also die ganzen Filme über ... Aber dieses Gefühl von, es ist nichts passiert, kommt bei mir nur deswegen zustande, weil niemand was erzählt. Ja, es erzählt niemand was. was der Plan ist. Es gibt keine Dialoge, die auf irgendwas hinweisen. hast du das Gefühl, einem losen Patchwork-Teppich dabei zuzusehen, wie er von einer Farbe in die nächste wechselt, aber nichts Wesentliches tut.
Florian Bayer: Film ist ein visuelles Medium. Wir sehen ganz klar das Logo dieser Klaas-Manufaktur. Wir sehen ganz klar das Logo von Rio de Janeiro. Wir wissen, wo wir hin müssen.
Johannes Franke: Also ich gebe zu, Filme können ganz schnell in die Falle des Overexplaining gehen. Also man kann auch übertreiben, aber man kann es halt auch untertreiben.
Florian Bayer: Gerade bei Agentenfilmen ist es ja oft so, dass sehr viel erzählt wird. Weil die Storys meistens so konnotet sind, dass du irgendwie dem Zuschauer erklären musst ... Wer hat was geplant? Welcher Geheimdienst arbeitet hier mit wem zusammen?
Johannes Franke: Genau wegen Moonraker denken jetzt alle, wir müssen es auch erklären. Da ist es mal schiefgegangen, es nicht zu erklären.
Florian Bayer: Wahrscheinlich. Ich glaube, man muss sich da einfach mitteilen. reißen lassen. Das ist auch total albern. Er findet dann ja heraus, dass diese Pflanze im Amazonasgebiet verantwortlich ist. Man hat eigentlich das Gefühl ... Ich meine, das Amazonas-Gebiet ist groß und Rio de Janeiro ist auch groß. Wie schaffst du es, wenn du so ein Bild von der Stadt siehst, wie schaffst du es so schnell an dem Ort genau ... diesen Punkt zu finden.
Johannes Franke: Ja, und er ist da im Amazonas da kurz unterwegs und schon wird auf ihn geschossen.
Florian Bayer: Ja. Tolle Action-Sequenz, aber wie? Wie ist er in den richtigen Ort gekommen? Wie haben sie ihn gefunden? Und dann flieht er ja mit diesem Hängekleiter und landet auch ... Praktischerweise direkt im großen Geheimlabor von unserem Superschurken.
Johannes Franke: Das ist so geil.
Florian Bayer: Wie... Ich meine, es ist groß. Es sind Kilometer. Er musste eigentlich irgendwo im Dschungel landen. Aber nein, er schafft es tatsächlich nicht. Genau da zu landen, wo er hin muss, nämlich in diesem Geheimlabor, wo die ganzen Moonrakers gebaut werden, die dann in den Weltraum fliegen. Und wir kommen zum großen Space-Finale. ist wirklich so ein harter Cut für mich von einem Bond-Film zu Star Wars, wo ich denke, hä? Wie hat er diese Kurve gekriegt? Das ist einfach noch mal so einen draufgesetzt, weißt du. Ihr kriegt jetzt diese riesige Torte und wir machen noch ein bisschen Glitzer drauf. Und hier explodiert noch was und hier explodiert noch was. Und jetzt kommt die Sahne. Und dann sind sie mitten im Weltraum. Bond erfährt zum ersten Mal den totalen Gaga-Plan von dem Superschurken.
Johannes Franke: Und er steht auch schon so da, als wenn er sagen würde ... Hä? Genau. Sein Gesichtsausdruck ist schon auch so, muss ich sagen. Definitiv.
Florian Bayer: Roger Moore sowieso. Roger Moore, ich stehe total auf Roger Moore als James Bond. Und ich weiß, viele finden Roger Moore als Bond so meh. Das Tolle an Roger Moore ist, dass er im Gegensatz zu Sean Connery immer so eine gewisse Ratlosigkeit mit sich trägt. Und zwar ganz oft, wenn irgendwas passiert, wenn der Beißer ihn angreift, ist sein Blick eher so, hä, wie jetzt? Wirklich passiert das gerade? Manchmal hat man fast das Gefühl ... als ob sie einen echten Agenten genommen hätten und dahingestellt hätten. Und der würde sich denken, nee, nee, das ist nicht meine Arbeit.
Johannes Franke: Aber wirklich. Und ich weiß nicht genau, ob Roger Moore das wirklich spielt oder ob das einfach seine Grundhaltung zu James Bond ist. Also seine private Grundhaltung.
Florian Bayer: Es kann sein. Ich glaube, Roger Moore hat tatsächlich ... Der hat total gekämpft mit seinem Bond-Image. Und jeder Bond-Film von ihm zeigt einen komplett anderen Bond.
Johannes Franke: Echt, wirklich?
Florian Bayer: Das ist total merkwürdig. Und zwar eher so in so kleinen Nuancen. Aber wir haben zum Beispiel den ersten Bond-Film von ihm, das war Leben und Sterben lassen. Da hat er total dieses Palpige rausgekehrt. Und da war er irgendwie so ... Naja, so ein bisschen albern, so ein bisschen trashig. Leben und Sterben lassen ist ein ganz merkwürdiger Bond-Film, weil er ... eher so ein Exploitation-Film ist. Mehr als Moonraker. Moonraker ist ein Big-Budget-Film. Aber Leben und Sterben lassen war irgendwie so ein Exploitation-Film. Das ist der, wo ich gesagt habe, der die ganzen schwarzen Bösewichte hatte. Der bedient sich auch ganz krass beim Plaxploitation. Und den fanden alle Bond-Fans kacke. War der erste Auftritt von Notre Dame. Und alle haben gesagt, da, Connery. Und George Lessenberry hat dann so im Hintergrund gesagt, was ist mit mir? Der hat einmal einen Bond gespielt. Und dann hat Roger Moore im nachfolgenden Film, Der Mann mit dem goldenen Colt, hat er versucht, Sean Connery zu imitieren. Und da sehen wir Roger Moore, wie er Sean Connery spielt, wie er James Bond spielt.
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Und zwar ... so, dass es wirklich unangenehm ist. Weil er ist einfach nicht Sean Connery. Und er gibt sich wirklich reichlich Mühe und das ist ein total Desaster. Shit. Auch tatsächlich der ... schwächste Bond-Film mit Roger Moore, meiner Meinung nach. Die Meinungen gehen übrigens total auseinander. Du fragst zehn Bond-Fans, was die besten Bond-Filme sind. Du hörst Meistens hörst du so was wie Goldfinger und From Russia With Love auf Platz eins und zwei. Und dann geht's drunter und drüber. Und jeder nennt was anderes. Naja, auf jeden Fall hat er versucht, Sean Connery zu imitieren. Das hat gar nicht geklappt. Und dann im darauffolgenden Film hat er zum ersten Mal sein eigenes Ding gemacht. Und das war der Spion, der mich liebte. Und das ist ein ... Also wenn du einen ernsthaften Bond-Film, ernsthaft, in Anführungszeichen, einen ernsthaften ernsthaften Bond-Film mit Roger Moore sehen willst, das ist wahrscheinlich der beste. Das ist so ein sehr traditioneller Bond mit erhöhtem Budget, wo Roger Moore sein eigenes Ding macht und wirklich einfach Spaß hat als Bond.
Johannes Franke: Okay. Ja, dann muss ich das mal gucken. Das find ich spannend, dass ein Schauspieler ... Weil das ist ja die große Herausforderung an Serien, beziehungsweise an Reihen. Wenn du die gleiche Rolle nochmal spielst, aber irgendwie ist ein Jahr dazwischen, du hast die Dreharbeiten, oh Gott ... Wie hab ich das noch mal gespielt? Was war da das ... Das noch mal hinzukriegen, mit einem anderen Drehbuch genau die gleiche Figur zum Leben zu erwecken. Ist natürlich so ein Ding. Und wenn du dann aber einen Schauspieler hast, der in jedem Film eine andere Version davon spielt, ist schon irgendwie ... Geil.
Florian Bayer: Ich glaube, bei Moonrake hat Roger Moore dann so ein gewisses Phlegma entwickelt und das trägt er auch durch die anderen Bond-Filme. Er hat so was, ja, manchmal ein bisschen ratlos, manchmal ein bisschen phlegmatisch. Führungsszenen, wo er halt doch noch mal kurz der ist, der die Kontrolle hat über das jeweilige Bond-Girl und sie verführt, indem er einmal über ihre Schulter streichelt und sagt, du weißt, was jetzt kommt. Wo sie sagt, na klar weiß ich, was jetzt kommt. Ich warte schon die ganze Zeit drauf. Ich mein, Constant ist den Bond-Filmen ja sehr wichtig, ne? Also, es ist schon immer so, hey, jetzt werden wir Sex haben. Ja, natürlich werden wir jetzt Sex haben.
Johannes Franke: Aber das ist halt das, was Roger Moore, was ich wirklich schwierig finde an dem Film, warum ich Schwierigkeiten habe, da wirklich... immer mitzugeben ist, weil ich das Gefühl habe, selbst Roger Moore hat keine Lust darauf. Warum sollte ich Lust darauf haben?
Florian Bayer: Weil der Film Lust drauf hat. Ich finde, Roger Moore setzt dem Ganzen tatsächlich vor allem in Moonraker die Krone auf. Durch seine Verwirrung auch so dieses ... Okay, jetzt sind wir im Weltraum. Okay, jetzt wurde ein Knopf gedrückt. Jetzt sind wir alle schwerelos. Okay, jetzt ballern die aufeinander. Ja, ich hab mein eigenes Ding. Ich muss die Menschheit retten. Warte mal, kämpft ihr mal? Ich mach da mal was. Hier los mit Holly Goodhead und rette mal zusammen mit der Sierra Agentin die Welt. Ich find's toll. Ich mag Roger Moore als Bond und ich kann jeden verstehen, der ihn nicht mag. Und ich glaube, es ist wirklich so eine Geschmacksfrage. Mag man die albernen, absurden und trashigen Seiten von Bond?
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ich finde halt, die albernen, absurden und trashigen Seiten gibt's überall. Und manchmal werden sie so ein bisschen versteckt. Manchmal werden sie von Budget erschlagen. Das ist das, was in den 90ern passiert ist.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Und manchmal versuchen auch, was auch lobenswert ist, Regisseure komplett dagegen zu arbeiten, bei den Daniel-Craig-Bonds.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Aber sie haben das trotzdem alles. Ich meine, ey, komm, es ist ein Geheimagent, der ja die ganze Zeit von Bösewicht dann verfolgt wird, der Actionsequenzen ... Ja. durchläuft und der Sex mit diversen Frauen hat und immer ein lustiges Gadget dabei hat, egal wie ernst du das inszenierst, es ist eigentlich Trash. Und es ist einfach, es sind Kinderfilme für Erwachsene.
Johannes Franke: Er hat ja nun leider nicht Sex mit diversen Frauen. Er hat ja mal Sex mit den gleichen Frauen im Grunde. Also der gleichen Abziehfigur von einer Frau.
Florian Bayer: Bond gehört tatsächlich zu den Figuren, die relativ früh interracial relationships hatten. Echt, ja? Ich glaube in den 60ern schon. Ich glaube Ende der 60er hatten wir das erste schwarze Bond-Girl.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und in den in Leben und Sterben lassen zum Beispiel gibt es Fast nur schwarze Bond-Girls, wenn ich mich richtig erinnere. Und dann hat er auch mit denen Sex. Okay. Ja, ich würd jetzt auch ... Bond ist kein ... Kein Musterbeispiel für diverses, progressives Filmemachen. Aber zumindest, das muss man ihm geben, dass die Bond-Girls Ja, die Bond-Girls in diesem Film sind alle gleich.
Johannes Franke: Darf ich einmal so ein ganz absurdes Beispiel aus diesem Film erzählen? Der kommt da an, ich glaube, er kommt in Rio an, ich weiß nicht. Er kommt wo an. Er kommt irgendwo an, in einem Hotel, und dann ist da eine Frau, die eben sagt, ja, ähm ... Wollen Sie was trinken? Er fragt, kommen Sie mit dem Zimmer, sind Sie im Zimmer inbegriffen? Und sie sagt, kommt drauf an, wer das Zimmer in Anspruch nimmt. Und dann setzt sie sich aufs Sofa. Er setzt sich daneben. Und greift ganz nonchalant einfach so an ihren seidenen Gürtel, den sie da um das Wenige, was sie anhat, um und zieht den einfach so. mitten im Gespräch einfach so den Gürtel weg.
Florian Bayer: Das ist Manuela, das ist eine Kontaktfrau in Rio. Das ist eine ganz wichtige Rolle. Das ist die Agentin, die in Rio ist und alles zusammenhält.
Johannes Franke: Und dann ... Geht man einfach so zwischendurch im Gespräch, ohne ein Wort darüber zu verlieren, an den Gürtel und zieht ihn einfach weg und das war's?
Florian Bayer: Ja, und dann haben sie Sex.
Johannes Franke: Und dann haben sie Sex, was soll das?
Florian Bayer: Und dann sitzt sie auf dem Karneval, sie wird vom Beißer angegriffen und überlebt es und bedankt sich bei Bond und sagt, dass sie lieber mit ihm getanzt hätte als mit dem Beißer. Und dann ist sie vorbei. Das sind die klassischen, nennen wir sie Beta-Bond-Girls. Es gibt in jedem Bond-Film ein Alpha-Bond-Girl, das immer wieder vorkommt und die ganzen Beta-Bond-Girls und sie darf überleben. Die andere wird von Hunden gejagt und zerfleischt.
Johannes Franke: Also das finde ich wirklich, wirklich schwierig, dass darüber überhaupt gar kein Wort verloren wird. Also er greift wirklich einfach nur hin und das war's. Und das find ich halt irgendwie echt auch für die 70er nicht geil.
Florian Bayer: Das sind die Sex-Szenen bei Bond immer, ne? Also Bond lernt eine Frau kennen und innerhalb von Sekunden schafft er es, sie zu verführen. Und zwar eben genauso streicheln über die Schulter, Gürtel wegziehen, Ja, definitiv. Man kann maximal, kann man es ihnen zugute halten, dass sie nicht irgendwie einen Wehren zeigen, dass sie es nicht so, nein, nein, nein, ja, ja, ja machen. sondern dass die Frauen dargestellt werden als, ja, die wollen das auch. Und zwar von Anfang an, dass es keinen Widerstand gibt. Weil das haben viele, viele, viele Filme dieser Zeit ganz schrecklich gemacht, dass sie ... dieses, sie wird überwältigt und findet das dann geil machen. Und wenigstens das machen die Bond-Filme nicht. Aber ja, das sind die Frauenrollen in diesen Filmen. In Der Spion, der mich liebte, der davor war, haben sie tatsächlich eine, die Widerstand leistet.
Johannes Franke: Oh.
Florian Bayer: Also positiv, nicht so, sie wird überwältigt, sondern er sagt, hey, und jetzt, Baby, und sie sagt, nö. Das ist die russische Agentin. Aber das macht sie auch nur in einer Szene. Und danach vögeln sie im Mund rum.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und in der Abschlussszene vögeln sie dann im U-Boot, während Russen und Briten runtergucken und sagen, oh, ah ja, okay ... Das ist auch immer Völkerverständigung. Ja, ja, ja. Wenn am Schluss die Amerikaner und die Briten sagen, gute Geheimdienstarbeit zusammen, wollen wir mal schauen, was unsere Superagenten machen. Und dann sehen wir Bond und Goodhead in dieser Raumkapsel.
Johannes Franke: Und sie haben Sex. Natürlich in der Schwerelosigkeit. Wie hast du Sex in der Schwerelosigkeit? Hallo? Du hast ja nichts, woran du dich gegenseitigst.
Florian Bayer: Du hast keinen Widerstand.
Johannes Franke: Du hast keinen Widerstand. Das geht doch überhaupt nicht.
Florian Bayer: Das ist eine große Herausforderung.
Johannes Franke: Blödsinn. Das funktioniert einfach nicht.
Florian Bayer: Ich glaube, das könnte Bonzo in die Vita eintragen. Talente, Sex in der Schwerelosigkeit.
Johannes Franke: Dass der alles schon in seinem Widerstehen hat.
Florian Bayer: Aber ja, das sind halt alles auch wirklich Bond-Trademarks. Es ist nicht so, dass man Moonraker hier aus der Reihe tanzt. Moonraker setzt halt eher noch mal einen drauf mit seinen Action-Sequenzen und seinem Humor. Aber tatsächlich, wie mit Frauen umgegangen wird, Das ist einfach klassisch Bond. Plus, dass das Haupt-Bond-Girl, Holly Goodhead, sogar für Bond-Verhältnisse eine ziemlich starke Frau ist.
Johannes Franke: Ja. Du fragst dich den ganzen Film über, wann kommt endlich die Rakete? Weil du den Trailer gesehen hast. Und wenn du den Trailer gesehen hast, denkst du dir, ah, ein Film über Raketen und Zeug und eigentlich hast du nur das im Kopf. Im Trailer sieht man eine Rakete.
Florian Bayer: Ach so, du meinst die Weltraumszene?
Johannes Franke: Ich glaube ja. Ich weiß nicht mehr ganz genau, wie der Trailer abläuft, aber ich hatte die ganze Zeit im Kopf, ah ja, okay, es geht um ... Raketen.
Florian Bayer: Okay. Tatsächlich geht's in der Original, in der Romanvorlage geht's um Raketen, allerdings nicht um Weltraumraketen, sondern um Raketen, die ... irgendwo hingeschossen werden sollen, um einen dritten Weltkrieg auszulösen. Aber typisch für James Bond, die ... Verfilmung hat nichts mit der Vorlage gemeinsam außer dem Titel. Und die haben halt geguckt, okay, welcher Roman heißt, hat irgendwas mit Weltraum zu tun wahrscheinlich. Und dann haben sie Moonraker gefunden.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Tatsächlich sollte das Buch mal verfilmt werden. Ganz spannend, die Moonraker-Vorlage. Und zwar eine Verfilmung, die näher dran ist am Buch. In den 50ern, 1955 ... Von Orson Welles.
Johannes Franke: Oh, das wär ja spannend geworden.
Florian Bayer: Darüber wurde lange, da gab's dann Hoax. Es gab Gerüchte. dass das Ding gedreht wurde. Und dann wurde danach gesucht. Und irgendwann sind sie wohl auf eine 40-Minuten-Version gestoßen. die allerdings nur aus Raw-Footage, aus Rohmaterial besteht. Aber es gab offensichtlich einen Moonraker von Orson Welles und ... In den 50ern, lange bevor Bond populär war als Film. Der erste Bond-Film, der wirklich populär war, war ja 1962 mit Sean Connery, Jack Dr. No. Okay. Ja, genau, aber offensichtlich gab's das. Und das wäre wahrscheinlich ein ganz anderer Moonraker geworden. Das Intro, die Schwerelosigkeit, wurde übrigens mit Trampolinen gemacht. Finde ich ganz witzig. Echt? Noch kurz reinzuwerfen am Anfang. Klassisches Bond-Intro. Ja. Musik und Frauen, die rumspringen und diese Frauen schweben in der Schwerelosigkeit vor einem Mond.
Johannes Franke: Sie haben Superwoman.
Florian Bayer: Sie haben Superwoman.
Johannes Franke: Sie hat die Pose von Superman eingenommen. Ja, und die fliegt da in der Gegend rum. Was soll das? Als Silhouette von Superwoman?
Florian Bayer: Schön, das hab ich gar nicht so interpretiert, aber okay, cool. Wurde mit Trampolins gemacht.
Johannes Franke: Okay, wenn wir bei den Raketen schon sind, lass uns da noch mal ein bisschen drüber reden, was die da eigentlich machen.
Florian Bayer: Im Weltraum?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Sie kämpfen.
Johannes Franke: Ja, im Grunde. Es wird einmal so vom Bösewicht so ein paar Mal angeteasert, was er eigentlich vorhat.
Florian Bayer: Ja. Naja, Rekolonialisierung, toller Plan.
Johannes Franke: Genau, und dann gibt es diese tolle Rede von ihm, wenn sie dann wirklich im Weltraum sind. Er hat nicht viel drauf, aber er hat es geschafft, eine Weltraumstation zu bauen, die eine exzellente Akustik hat. Er steht da, mitten in diesem riesigen Raum und redet ganz normal, aber der ganze Raum wird beschallt. Das ist ganz beeindruckend.
Florian Bayer: Wo er doch Besseres zu tun hätte, zum Beispiel James Bond mit einem Kopfschuss auszuschalten. Mann!
Johannes Franke: Aber in dem Moment weiß er noch gar nicht, dass James Bond da ist, oder?
Florian Bayer: Ich versuch gerade, die Chronologie hinzukriegen, aber ich weiß auch nicht mehr genau.
Johannes Franke: Ähm, so. Und sie sprechen auch nix ab, ne, die beiden? Also gerade ab dem Moment, wo sie da ankommen bei dem Hauptquartier von dem Bösewicht. müssten sie eigentlich miteinander reden und sagen, du gehst jetzt dahin, du gehst jetzt dahin, wir machen jetzt das, du machst das und ich mach das. Nix, es wird nix abgesprochen und sie machen einfach synchron, was sie machen wollen. Ja. Was soll das? Telepathie? Oh ja, natürlich.
Florian Bayer: Gehört auch auf die Bond-Fähigkeiten-Liste.
Johannes Franke: Und dass sie auch überhaupt nicht, sie laufen da in dieser Verkleidung von den Astronauten raus. um da in die Rakete reinzukommen. Und niemand erkennt, dass das nicht die Astronauten sind. Weil Astronauten natürlich ... Da sind tausende von Astronauten wahrscheinlich. Die haben alle irgendwie, die sehen alle gleich aus. Was? Nein. Na gut, okay. Also, Sie haben eine Arche gebaut da oben.
Florian Bayer: Und was für eine Arte. Ich meine, es ist echt ein Wunder der Technik. Eine riesige Raumstation inklusive Schwerelosigkeit wird aufgehoben.
Johannes Franke: Und keiner hat es mitbekommen auf der Erde.
Florian Bayer: Keiner hat es gesehen. Und in dieser Raumstation laufen die Supermenschen rum, die er sich gezüchtet hat. Oder mit denen er sich die neue Menschheit züchten will, besser gesagt. Mhm. tatsächlich auch ein bisschen divers sind, ne?
Johannes Franke: Ja. Zumindest eine schwarze haben sie dabei.
Florian Bayer: Sie haben tatsächlich so ein bisschen Quotendiversität, was echt hart ist. Weil er hat ganz viel diese ... Diese Nazi-Supermenschen irgendwie so blond, blauäugig, irgendwie ... Und eigentlich hätten sie sich draufsetzen können. Eigentlich wäre es viel cooler gewesen, wenn sie tatsächlich so ein Rassismus-Thema da reingepackt hätten. Das wäre natürlich geil gewesen. Ex-Nazi und der will ja wirklich eine Herrenrasse schaffen. Das wäre tatsächlich spannend gewesen. Aber gut, er hat halt seine Supermenschen. Er ist wirklich viel zu weniger, um die Erde wieder zu bevölkern. Keine Ahnung, was er sich da vorstellt. Und dann ist die große Wandlung von Beißer. Wenn nachdem Bond dann gefangen genommen wurde und Bond sagt, hey Moment, wir wollen alle Menschen ausrotten, die nicht in ihr Menschenbild passen und dann blickt zu Beißer, weiß er, oh, guckt zu seiner Freundin, seine Freundin so ... Und dann merkt Beißer, dass er das doof findet, dass er ausgerottet werden soll. Ein Weißer hat seinen großen Heroischen Moment und hilft Bond.
Johannes Franke: Aber es ist so ... Plötzlich so, weißt du, so Deus Ex Machina. Dann kommt er plötzlich auf diesen ... Gedanken, den er schon seit anderthalb Stunden hätte haben können. Beißer ist, glaube ich, nicht der Klügste. Nein, er guckt auch nicht so. Ich glaube, eineinhalb Stunden hat dieser Gedanke gereift. in seinem Kopf und plötzlich so, oh, ach so, das ist der Plan.
Florian Bayer: Aber er ist auch ein Handlanger, ne? Handlanger dürfen nicht klug sein.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ich mein, hey, er versteht's. Und er hilft Bond. Und er hilft ihm zwar richtig cool.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Er lehnt sich gegen den Superschurken auf und dann bricht das Chaos aus, weil dann der Schwerelosigkeitsbutton gedrückt wird, den jedes Raumschiff haben sollte. Und die Schwerelosigkeit ... Genau, die Schwerelosigkeit wird hergestellt. Die Schwerkraft wird aufgehoben und dann ... gibt es einen munteren Kampf in der Schwerelosigkeit. Und wenn dann diese Agenten noch reinkommen und rumballern mit den ... Was übrigens ganz interessant ist, da waren ja auch einige Frauen dabei, kämpfen die dann auch im Weltraum? In diesen Astronautenkostümen? Die gehen alle drauf. Das ist der Bond mit dem höchsten Bodycount. Oh. Ohne, dass es groß gezeigt wird, aber einfach so implizit. Da werden verdammt viele Menschen umgebracht. Also vor allem Frauen. In Bond-Filmen sterben immer Menschen, aber vor allem Männer halt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber da sind offensichtlich Frauen an Kampfhandlungen beteiligt und werden von Geheimagenten abgemetzelt. Dann piu, piu, piu, piu, piu. Diese Action-Signal ist so schön.
Johannes Franke: Es ist so bescheuert, alle, wie sie da rauskommen aus diesem ... Und was sind die anderen gewesen? Das waren irgendwelche von der Erde.
Florian Bayer: Ja, die wurden geschickt, genau.
Johannes Franke: Ähm, und dann wirklich einzeln, nicht mal mehr mit so kleinen, wie bei Star Wars, mit so kleinen, äh, Fahrbahnen untersetzen, die dann im Raum, also so kleine Schiffe, weißt du, so Raumschiffe, die dann in der Gegend rumgefahren werden, geflogen werden. Nein, Jeder einzeln nur mit seinem Raumanzug. Und das war's. Und damit fliegen die in der Gegend rum.
Florian Bayer: Damit fliegen die in der Gegend rum und schießen aufeinander.
Johannes Franke: Wo ist die Steuereinheit?
Florian Bayer: Du, die menschliche Steuereinheit. wenn jetzt der Punkt ist, wo du anfängst, über Realismus nachzudenken, dann hast du was verpasst, dann hast du den falschen Film geguckt.
Johannes Franke: Okay. Gut, also wir haben alle ein bisschen Spaß, wir haben gelacht.
Florian Bayer: Oscar für die besten Special Effects.
Johannes Franke: Nicht wirklich.
Florian Bayer: Doch.
Johannes Franke: Dein Ernst?
Florian Bayer: Natürlich.
Johannes Franke: Die haben den Oscar gewonnen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Die haben auch nur irgendwas gewonnen. Okay, gut. Aber er war trotzdem nominiert, okay. Wow, crazy.
Florian Bayer: Damals hat er tatsächlich auch relativ gute Kritiken gekriegt. Also einige haben wirklich gesagt, hey, super unterhaltsamer Bond-Film. Die, die es verstanden haben, die haben gesagt, hey, das ist so wunderbar überzeichnend, das, was im Bond-Universum passiert ... Und er hat dann aber im Laufe der Zeit hat er wirklich einen miserablen Ruf entwickelt. Und gerade Bond-Fans, wenn sie gefragt werden, was sind die schlechtesten Bonds, wird Moonraker meistens ziemlich schnell neben den 90er-Filmen vorne genannt. Und das tut mir in der Seele weh. Weil er wirklich beim Moonraker wirklich ... die Quintessenz dessen ist, was Bond ausmacht. Und wenn man das nicht mag, dann mag man vielleicht auch keine Bond-Filme. Oder man nimmt Bond-Filme zu ernst, die genau dasselbe haben. Man kommt nicht damit klar, wenn man es übersteigert präsentiert bekommt.
Johannes Franke: Also ich habe bis jetzt James Bond eben so betrachtet, dass er sich zu ernst nimmt.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Weswegen ich mit den Bond-Filmen nichts anfangen konnte. Wenn ich jetzt... eine völlig andere Sichtweise darauf habe und mit anderen Voraussetzungen in so einen Film reingehe. dann könnte ich mir die Bond-Filme auch als Unterhaltungsprogramm anschauen. Aber die 90er-Bond-Filme, die ich gesehen habe, waren halt alle zu ernst. Um das zu bedienen, was du gerade nach vorne stellst für James Bond. Aber wenn die 60er-Jahre-Versionen davon weniger ernsthaft sind und sich selbst nicht so ernst nehmen, dann könnte ich mir vorstellen, dass ich sogar James Bond gucken kann.
Florian Bayer: Wahrscheinlich würdest du an den 60er-Jahren Monster am meisten Spaß haben. Weil ... Die haben, also das Frauenbild ist dasselbe. Und das ist in den 60ern teilweise eher noch schlimmer. Aber die James-Bond-Filme mit Sean Connery, das sind einfach mal die 60er-Jahre-Bond-Filme, die haben alle so diese ... Ja, das, was du hier auch findest, diese Mischung aus Humor und Action und auch so ein bisschen so ein Augenzwinkern immer. John Connery ist halt auch so ein Typ, der immer so ein leichtes Augenzwinkern Swinkern mitträgt. Und ich glaube, allein schon vom Stil her, im wahrsten Sinne des Wortes Stil, was Kleidung betrifft und was Settings betrifft, wirst du wahrscheinlich mit den 60ern-Bonds am glücklichsten werden.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Aber es ist halt eine Geschmacksfrage, wenn du sagst, du findest es doof, dass jemand von A nach B reist, ohne dass dir genau erklärt wird, warum er das macht. Wenn du sagst, du findest es total doof, dass da immer dasselbe passiert. Handlanger greift ihn an, er hat Sex mit einem Bond-Girl. Und wenn du es doof findest, dass ... Frauenbild und das wenig geredet wird und das wenig erklärt wird, dann ist Bond einfach nicht das Richtige für dich, weil das ist Bond.
Johannes Franke: Okay, wollen wir ganz kurz noch darüber reden, wie in jedem Bond anscheinend der Bösewicht ultra kultiviert ist und klassische Musik hört, Klavier spielt, seine Hunde da mit einer Zange ... Also, er hat so ein extra ... Wie so eine Zuckerdose, bloß eben in größer. Und da sind dann so Steaks drin. Und die holt er mit der Zange raus, sehr kultiviert, wirft die dann den Hunden vor und ... Also, und er stellt sogar seinen Harem, der dann nichts sagen darf, vor. Also so, weißt du? Ja. In Szenen, wo das fast gar nicht nötig gewesen wäre, macht er das aber dann noch. Weiß ich nicht. Irgendwie Ist das auch in jedem James Bond so?
Florian Bayer: Oder ... Plofeld fällt so ein bisschen aus, glaube ich. Weil Plofeld ... Plofeld ist weniger kultiviert und kälter. Und Plofeld ist ja eigentlich so der beliebteste James Bond-Bösewicht. Okay. Aber ansonsten ja. Die Bond Superschurken sind ja oft reiche Leute, die aus Geldgier irgendwas machen und die Erde bedrohen. Mit Atomraketen oder so. Aber eigentlich aus Geldgärten. Bei Moonraker ist es tatsächlich anders. Da hat jemand wirklich eine politische Vision. Kann man ihm auch zugutehalten. Ich meine, das ist so ein bisschen Thanos aus Avengers.
Johannes Franke: Ja, okay, ja.
Florian Bayer: Aber normalerweise sind die immer geldgierig. Und du fragst dich immer, Leute, ihr habt so scheiß viel Geld. Ihr habt so viel Geld in dieses super geheime Labor investiert und in diesen riesigen Unterschlupf mit Raketen. Um noch mehr Geld zu erpressen? Ich verstehe nicht so ganz, wie ihr ökonomisch tickt. Ja. Sagt ihr euch so, okay, wir bauen diese Atomraketen auf, wir bauen dieses Labor auf, wir haben diesen Unterschlupf im Vulkan, wir werden die ersten paar Jahre rote Zahlen schreiben, aber dann... Dann, wenn wir es erst mal geschafft haben, die USA zu erpressen, dann kommen wir ganz schnell auf eine schwarze Null. Das sind die Bond-Bösewichte, ne?
Johannes Franke: Allein das Personal ... Hast du noch irgendwas oder wollen wir mal Faziten?
Florian Bayer: Wir können gerne zum Fazit kommen. Leg los.
Johannes Franke: Okay, also ich hätte mir gewünscht, von Anfang an gesagt, zu bekommen, du hast jetzt einfach nur Spaß und da gibt's keinen ernsthaften, also die Erlaubnis, über Trash zu lachen. die hätte ich gerne früher bekommen. Irgendwann ist einem das klar. Aber eigentlich hätte ich es gerne früher gewusst.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: So. Weil dafür war der Kampf in Parachute, also im freien Fall, dann war der noch zu gut. Weißt du? Und solche Sachen. Und... Und wenn man das dann irgendwann geschnallt hat, kann man schon auch einfach ... über die Überspitzung lachen und über die bekloppten Ideen, die da drin stecken. Aber dazu hat er dann wieder zu wenig Lust, diese bekloppten Ideen auch als bekloppte Ideen umzusetzen irgendwie. schwebt er mir so dazwischen. Ich weiß nicht. Bei Johnny English, um den Vergleich noch mal vom Anfang zu holen, der versteht sich halt von Anfang an als Parodie. Und dieser Film macht auch eine Parodie auf, aber keine, die als solche... sich das wirklich durchzieht und sich kenntlich macht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das ist halt so ein bisschen mein Problem damit.
Florian Bayer: Ja, verstehe ich. Ja.
Johannes Franke: Ansonsten ist es unterhaltsam und cool. Also, muss man schon sagen. Und es macht Spaß, einer Gondel zuzusehen, wie sie denn aus dem Wasser noch... auf und zu Land und dann irgendwie hätte noch Luft gefehlt.
Florian Bayer: Mein liebster Bond-Film aus den 70ern. Ganz klar, mein liebster Bond-Film aus den 70ern, sag ich aber als dezidierter Nicht-Bond-Fan. Um noch mal ganz kurz was Persönliches anzuwerfen. Ich hab die ersten Bond-Filme als Kind gesehen, als ich so wahrscheinlich zehn oder so war. Und das waren zum einen die Sean Connery-Filme, aber der war auch so im ersten Badge der frühen Bond-Filme, die ich gesehen habe. Da waren zwei, drei Connerys dabei. 2, 3 Roger Moores und Moonraker weiß ich auch noch. Moonraker war der, der mir damals am meisten Spaß gemacht hat. Und Moonraker ist vielleicht nicht der beste Bond-Film, macht mir aber heute auch immer noch am meisten Spaß. Einfach, weil er so komplett drüber ist.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Aber ich kann jeden Bond-Fan verstehen, der das doof findet, was Moonraker damit macht. Will aber anmerken, Leute, wenn ihr das doof findet, dass das alles so drüber ist, Bond ist immer ein bisschen drüber. Und Moonraker ist halt ein bisschen mehr drüber. Aber diese ganzen komischen Sachen, das sind einfach Bond-Trademarks.
Johannes Franke: Okay. Schaut ihn euch gerne an. Schreibt uns Mails mit Beschwerden. Oh mein Gott, warum habt ihr uns nicht abgeraten?
Florian Bayer: Ich will Hass-Mails von von Bond-Fans sehen. Und Hass-Mails von Leuten, die noch keinen einzigen Bond-Film gesehen haben und sich den als ersten aussuchen.
Johannes Franke: Schön. Ja, ihr wisst, was ihr zu erwarten habt. Viel Spaß. Und wir machen jetzt eine kleine Pause, würde ich sagen. Und danach gehen wir in eine völlig andere Richtung. Brace yourself und ja, kurze Pause. Bis gleich. Willkommen zurück aus der Pause. Wir wollen beide mal Pipi machen. Und wir gehen in den zweiten Film. Unser zweiter Film für heute. Wie im Himmel aus dem Jahr 2004. Ich hoffe, ihr habt ihn alle gesehen.
Florian Bayer: Hausaufgaben gemacht.
Johannes Franke: Hausaufgaben gemacht. Und dann können wir da reingehen. Soll ich erst mal vorstellen einfach, Pro? Leg los. Okay. Das Musikfilm-Drama aus dem Jahre 2004 von Kai Pollack ist eine... Liebeserklärung an die Musik, an die Menschen und an das Leben. eines Weckrufes an die kommerzialisierte Musikindustrie und ein Appell an Solidarität. Stardirigent Daniel Darius erleidet einen Herzinfarkt mitten in einem seiner kräftezehrenden Konzerte. Er muss einsehen, er muss sein vielbeschäftigtes Leben ändern. kommt er in das Dorf seiner Kindheit zurück und wird hier erstmal nicht als Heimkehrer, sondern nur als Stardirigent erkannt. Er übernimmt die offene Kantorenstelle und lernt, die Dorfbewohner zu lieben. Besonders Lena. Schwedens karge Landschaft entfaltet hier ihre Schönheit. Es entsteht ein Panorama menschlicher Leidenschaft und Schwächen, aber auch liebenswürdiger Skurrilitäten. Der Film reizt nur wenige seiner Erzählungen aus, gleitet nur selten in großen Pathos ab. Nur einmal, aber dann richtig heftig am Ende. Aber das hat er sich wirklich verdient. Oder was meinst du, Plur?
Florian Bayer: Ja, das Ende. Ich hasse das Ende. Oh, wow. Ich mochte den Film total. Ich fand, das war ein wirklich schöner Film. mit ein paar kleineren Schwächen, auf die wir bestimmt nachher zu sprechen kommen ... Aber mit sehr vielen schönen Szenen, mit tollen Momenten, wirklich großen Sachen. Und ich finde, das Ende macht den Film nicht kaputt. Dafür ist er einfach zu gut. Aber ich mochte das Ende überhaupt nicht.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und vor allem, weil er mich davor emotional ganz oft bewegt hat ... Und ganz oft getroffen hat und gerade so mit so kleineren Geschichten und kleineren Schwenks wirklich toll emotionalen Nerv getroffen hat.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann am Ende haut er aber zu viel auf die Kacke und das braucht er eigentlich nicht. Ich hätte ihn bewegender gefunden und er wäre mir ... mehr im Herzen geblieben, wenn er auf den großen Pathos, wie du gesagt hast, den hatte er am Schluss, definitiv, wenn er auf den verzichtet hätte.
Johannes Franke: Okay, dann lass uns mal den großen Bogen schlagen und dann am Ende noch mal eben aufs Ende eingehen. Mal gucken, ob er sich das ... Vielleicht doch verdient hat, Flo? Okay. Gehen wir mal rein. Wir lernen den Dirigenten kennen, indem wir a. seine Kindheit einmal kurz im Rückblende haben, wie er als Kind schon verprügelt wird im Feld. in seinem Dorf. Und wahrscheinlich eben für seine Musikbegeisterung, die andere wohl nicht teilen. und seine Verschobenheit überhaupt als Mensch. Und auf der anderen Seite in der Gegenwart, wie seine ... Konzerte ihn mehr und mehr fordern und er dann einen Schlaganfall bekommt. Und dann entscheidet er sich, in sein Dorf zurückzugehen.
Florian Bayer: Ganz tolle Montage am Anfang. Anfang, wenn er dirigiert und wir sehen ihn dann dirigieren mit diesem Nasenbluten und diesem Eifer und dann wird parallel geschnitten, wie die Kinder auf ihn einprügeln. Und es gibt dann ja noch so ein paar Sachen, die uns entgegengeworfen werden, auch wirklich so fragmentarisch, wie er mit seiner Mutter redet, wie seine Mutter stirbt. Also ganz einfache Episoden, die aber für sein Leben großen Einfluss haben. Ganz toll montiert, das hat mir richtig gut gefallen. Also es war ... Ich hab den Film so die ... Nachdem die ersten zwei Minuten gelaufen sind ... hab ich mich rumgedreht zu Karin, die mitgeguckt hat und hab gemeint, oh, ich glaub, ich mag diesen Film. Der funktioniert total gut. Der hat irgendwie ... Der hat eine wirklich schöne Art zu erzählen.
Johannes Franke: Und das...
Florian Bayer: Das ist auch was, was der Film wirklich durchhält, dass er es schafft mit Montage, mit Schnitt. Und mit Kamera sehr emotional zu erzählen. Es ist wirklich nicht viel, was wir von ihm sehen am Anfang. Aber es reicht total, um zu verstehen, wie dieser Mensch tickt, wie er auch dahin gekommen ist, wo er jetzt steht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und wie ihn das auch fertig macht und wie er offensichtlich auch so einen Zwiespalt in sich trägt. Zum einen dieses ... Immer weiter und höher und größer. Und zum anderen aber auch diese Sehnsucht nach dem Einfachen. Wahrscheinlich die schönste Erinnerung in seinem ... in seiner Kindheit, wenn er im Bett liegt und seine Mutter zu ihm sagt, das wird... besser werden.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und was so ein ganz intimer Moment ist und der dann zusammengeschnitten mit diesem großen Konzert und er auf der Weltbühne und alle betrachten ihn und er verausgabt sich total. Superschnitt. Fand ich ganz toll.
Johannes Franke: Kannst du das genauer eingrenzen, was dieser Ton ist? Weil ich fand, dass dieser Film so einen typischen schwedischen Ton hat. aber ich kann dir nicht genau auseinandernehmen, was Die Schweden mit ihren Filmen machen. Weißt du, was ich meine? Es ist eine Mischung aus dieser kargen... Trostlosigkeit, die teilweise in den Dörfern in dieser verschneitenden schwedischen Landschaft erzählt wird, Diese Wortkargheit, die nicht wie bei James Bond wurde. wo einfach nichts erzählt wird, sondern die aus gutem Grund von der Auslassung lebt.
Florian Bayer: Ja. Ich bin jetzt nicht der größte Experte, was schwedisches Kino betrifft. Mein Gefühl war tatsächlich am Anfang, dass er gar nicht so schwedig wirkt. Also die schwedischen Landschaften haben diese Einsamkeit.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und für mich sind schwedische Filme auch immer verbunden mit dieser Einsamkeit, mit dieser Schwere, auch mit diesem ... weite Landschaften, die irgendwie, wo man in der Weite verloren geht oder eben so in der Enge sich so klaustrophobisch fühlt, Meine schwedischen Referenzen wären halt tatsächlich am ehesten Ingmar Bergmann. Und dafür war der Film dann doch zu konkret. Ja.
Johannes Franke: Aber Bergmann ist ja auch ein anderes Jahr. Ja, genau.
Florian Bayer: Und dann natürlich die ... Dogma-Filme sind halt schwedisch. Und das ist auch irgendwie anders. Das ist auch karger und trostloser, weil der Film war nie ... Trostlosigkeit hatte dieser Film nicht. Für mich war seine Stärke in der Montage und vor allem auch in der Kameraarbeit Die Lebendigkeit. Muss ich auch kurz schon mal so ein Stück vorgreifen, wenn wir ihn später erleben bei den Chorproben und bei den Feiern mit der Gemeinde. Die Kamera ist unglaublich lebendig in diesem Film. Wir haben ganz viele Szenen, die mit wenigen Schnitten auskommen, wo die Kamera mitten im Raum ist, zwischen den Menschen steht. Und zwischen den Menschen hin und her kreist und fast sich so in einem Tanz mit den Menschen befindet. Ja, das... Und das ist von Anfang an, ja, es ist so eine Lebendigkeit, so ein lebendiger Rhythmus. Und der hat auch so was Melodisches natürlich. Es ist ein Film, der von Musik handelt, von der Schönheit von Musik. Ich finde, das hat die Kamera ganz gut eingefangen, weil die Kamera sich ständig in einer Art, Es gibt wenige stille Momente, wo die Kamera einfach nur still hält. Und wenn, dann sind es ernste Momente und dann passt es auch. Oft ist es so, gerade wenn es um Freude geht, um Leben, dass die Kamera sich einfach mit allen mitbewegt. Ja. Ja, das erzeugt eine Lebendigkeit, die unglaublich sympathisch und warmherzig ist.
Johannes Franke: Du hast eine ganz tolle Formulierung. Das ist das, was man Kameramännern ... Hoffe ich. Also, was man Kameramännern beibringt, deine Arbeit als Kameramann ... liegt in der Choreografie mit den Schauspielern. Du musst... mit den Schauspielern tanzen im Grunde als Kameramann. Und zwar als unsichtbarer Tanzpartner. Und das nimmt dieser Film tatsächlich eben sehr ernst. Und das finde ich toll, weil, na klar, du kannst ein schönes Bild finden, die Kamera aufstellen einmal und auf Rec drücken und sagen, okay, da rennt man. Das passiert jetzt einfach. Du kannst es aber auch ernst nehmen, dass du dich wirklich in die Szene begibst Und mit den Schauspielern spiel, also als unsichtbarer Schauspieler agierst quasi. Und das find ich ganz toll gemacht in diesem Film. Und nicht wie bei Lars von Trier, dass es eine Wackelkamera ist, die ich nicht mehr aushalten kann, sondern eben wirklich ... sehr, sehr sinnvoll und sehr gut, mit gutem Gefühl fürs Timing gemachte.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: durch die Szenerie durchführen.
Florian Bayer: Das sind sehr fließende Bewegungen auch. Also gerade in diesen großen Feier-Szenen, es gibt so zwei größere Feier-Szenen, hat man einfach das Gefühl, die Kamera ist auch oft kurz dann der Blick von einer Person, die sich im Bild befindet. Und wechselt dann auch wieder zu einer anderen Person. Du bist halt wirklich ... Du bist drin und du nimmst verschiedene Perspektiven an und du wirst da ... ja, durch eine sehr fließende Bewegung durchgeführt. Genau, es ist keine Wackelkamera. Es ist nie hektisch, obwohl sie sich sehr viel bewegt, obwohl es wirklich ... Also in anderen Filmen würde man so was wahrscheinlich schwindelerregend nennen. Und es gibt auch Filme, die das einsetzen, um Schwindel zu erzeugen. Aber hier schafft es die Kamera tatsächlich, ohne Bewegung zu haben, ohne Schwindel zu erzeugen. Und lebendig zu sein, ohne dass man das Gefühl hat ... oh Gott, zu viel, wo bin ich gerade?
Johannes Franke: Er ist halt wie der Rest des Films sehr bedächtig und sensibel für das, was er tut für seine Umgebung und für seine Erzählweise. Das finde ich ganz toll. Es unterstützt alles, was dieser Film auf allen anderen Ebenen eben auch braucht und hat ganz tolle Kameraarbeit.
Florian Bayer: Harald Gunnar Palgaard ist der Kameramann. Der hat sehr viele Filme. Ah, Engel des Universums hat er Kamera geführt. Das ist, glaube ich, der Einzige, den ich gerade kenne von ihm. Ja, wunderschöne Kamera und der Schnitt. Auch ganz toll. Es ist tatsächlich eine Eröffnungssequenz. Es ist natürlich einfach am stärksten.
Johannes Franke: Stimmt, ja.
Florian Bayer: Weil das wirklich, wirklich spannend und experimentell ist zu viel gesagt. aber neugierig montiert ist und mehr als bloßes lineares Erzählen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber auch danach findet der Schnitt immer ganz gut diesen Wechsel zwischen den eher traurigeren Momenten lebendigeren Momenten und führt uns da sehr gut rein. Und das ist natürlich wichtig, bei so einem Film, der zwar eine zentrale Figur hat, aber gleichzeitig ein ganzes Panorama an Figuren aufwirft. Wir lernen sehr viele Menschen kennen Wir lernen sehr viele Probleme von Menschen kennen. Und da die Orientierung drin zu behalten, ist immer eine Herausforderung bei so einem Film. Und das schafft er.
Johannes Franke: Ja, das find ich auch sehr beeindruckend. Weil eine Personalie im Film zu haben, die eigentlich ... über so, also da zeigten Fans ein ganzes Dorf im Grunde. Und da den Überblick zu behalten und die Figuren so einzuführen, dass du bei jeder Figur Interesse hast und nicht sagst, wer ist das jetzt noch? Das ist wirklich toll, gut gelungen.
Florian Bayer: Der Film ist ja tatsächlich mit 120, über 120, ne? 130 Minuten, ist der Film ja tatsächlich ziemlich lang.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber das Gefühl, das hat man eben auch nicht. Das liegt auch an dieser Lebendigkeit und auch an diesen Schnitten. Es ist sogar so, dass man zwischenzeitlich oder eher so gegen Ende des Films, wenn man merkt jetzt ... Jetzt sind wir so sehr in der Geschichte, dass wir nicht mehr ausfransen, dass man sich wünscht, ach, bei der einen oder anderen Figur hätte ich gern ein bisschen mehr gesehen. Also vor allem die Figur des Arnes, des ...
Johannes Franke: Chor Leiters.
Florian Bayer: Fand ich total interessant. Auch weil der so eine sehr ambivalente Figur war. Irgendwie so, man wechselt ständig zwischen Sympathie für ihn und totaler Antipathie.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Das wäre eine Figur, von der ich gerne mehr erfahren hätte, von der wir wirklich leider nur während der Proben erfahren, wie sie tickt. Und ja, genau, ansonsten ist es bei keiner Figur das Gefühl, dass zu viel gezeigt wird, sondern man freut sich, wenn noch mal auf die Figuren referiert wird. Ja. Und gerade wenn's dann auch Momente gibt, wo die Figuren wohl ... eindimensionale Bilder, die von den Figuren gezeichnet wurden, was auch vorkommt, ein wenig gebrochen werden. Vor allem mit den zwei großen Antagonisten, die im Film stattfinden. Die werden am Anfang recht eindimensional gezeichnet. Und das wird dann am Schluss ... Leider vielleicht ein bisschen zu spät. Wird es doch noch mal ganz angenehm gebrochen.
Johannes Franke: Du redest vor allem vom Pastor, nehme ich an. Und von dem, der seine Frau verprobiert hat.
Florian Bayer: Genau, Conny, der Schläger. und Stick der Pastor. Und beide werden so sehr klar als Antagonisten gezeichnet und kriegen wenig Sympathie ab. Und sie kriegen aber eher so in ihren finalen Szenen, kriegen beide noch mal ein bisschen mehr Menschlichkeit, wo man ein bisschen mehr sie lernt zu verstehen, Das hätte der Film vielleicht vorher schon machen können, dass es weniger eindimensional ist.
Johannes Franke: Da war ich dem Film aber auch sehr, sehr dankbar. Weil die Verlockung ist groß, das ist einfach ... einfach eindimensional durchlaufen zu lassen. Das wäre kein Problem gewesen. Gabriela zum Beispiel kommt jetzt dann zu ihrem Mann, der dann doch im Gefängnis sitzt, weil er sie geschlagen hat. Und es hätte eine eindimensionale Szene sein können im Sinne von, du Arschloch hast mich nie irgendwie ich selbst sein lassen. Verrecker in der Hölle. Und er... Du kannst mich mal... So was gibt es. Es gibt ganz viele Negativbeispiele in der Freundschaft, die das genau so machen.
Florian Bayer: Ja, definitiv.
Johannes Franke: Und nein, wir sehen am Ende einen emotionalen Conny, also im Sinne von ... Reue vielleicht, oder er verbalisiert es nicht, aber man merkt es einfach. Er weint und ist am Ende.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und sie kommt und bringt ihm Fotos von den Kindern. Ja. Und das ist einfach, das ist die Menschlichkeit, die ich sehen will.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist ganz toll.
Florian Bayer: Noch stärker fand ich die tatsächlich in der Figur des Dorfpastors. Ja. Der, ähm ... Mit Abstand, die zusammen mit Inga beide die spannendsten Figuren eigentlich des Films und des Dorfes darstellen. Weil ihre Beziehung ... von einer unglaublichen Enge, die für Inga dann ja auch offensichtlich irgendwann zu viel Wert geprägt ist, Aber auch gleichzeitig von einer sehr tiefen Zuneigung, die selbst die krassen Konflikte und Krisen, die sie haben, obwohl er sich wirklich ja wie das letzte Arschloch verhält zwischendurch, trotzdem nicht ganz kaputt gemacht werden kann.
Johannes Franke: Sie ist unglaublich stark, diese Frau.
Florian Bayer: Inga, ja.
Johannes Franke: Es ist unglaublich, was die alles ... Also der Pastor ist sehr gottbezogen und auf diese, wir müssen alle unsere Sünden und... Sie wirft ihm irgendwann vor, dass die Religion die Sünde einmal erfindet, um sie dann wieder Sündenablasshandel mäßig wieder zu vergeben, um Macht zu erhalten. Und illustriert das Ganze im Grunde diese Scheinheiligkeit, indem sie seine Schmuddelheftchen rausholt und ihm vor die Füße wirft. und sagt, erzähl du mir nichts von Sünde und Vergebung und diesem ganzen Scheiß. Und dann hingeht und sagt, aber es ist okay. Es ist okay, dass du sie hast. Ich weiß, dass du sie anguckst, kurz bevor wir miteinander schlafen. Einfach... weil du das irgendwie brauchst, um das wieder hochzuholen, was wir im Bett dann haben. Aber ich bin okay damit. Mach das. Was soll das? Das ist doch in Ordnung. Und das finde ich so wahnsinnig stark von ihr.
Florian Bayer: Ganz großartig auch, dass diese Szene dann tatsächlich mit Sex endet. Sie haben wirklich diesen Streit und sie legt alles auf den Tisch und sagt so, hey, ich weiß, wie du tickst. Und ich weiß, was du von mir verbirgst. Ich kenne deine Geheimnisse. Du brauchst mir nichts vorzumachen. Du brauchst dir nicht rumzuheucheln.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dann dieses ... Sie wirft dann ja tatsächlich so einen philosophischen Diskurs auf. Man hat auch das Gefühl die ganze Zeit, sie ist die, die ihm die ganze Zeit zuhören musste. Ganz am Anfang sagt sie ja zu ihm, du wirst so theatralisch, wenn du... Wenn du Predigen hältst, sie ist eigentlich immer die, die zuhören musste. Er ist der, der predigt, er ist der, der erzählt. Und dann wirft sie diesen philosophischen Diskurs auf und dann fängt sie an zu predigen. Und wirklich mal ihre eigenen Gedanken rauszuwerfen, dass sie dann auch sagt, die Sünde existiert gar nicht und das ist alles Bullshit. Und dann, ja, sie übermannt ihn quasi und dann haben sie Sex zusammen.
Johannes Franke: Das ist der Wahnsinn.
Florian Bayer: Das ist so eine Selbstbefreiung von ihr.
Johannes Franke: Ja, und eigentlich von ihm auch potenziell.
Florian Bayer: Potenziell.
Johannes Franke: Aber dann am nächsten Morgen sitzt er da und... bittet Gott um Vergebung für seine Sünden und sagt ihr, du, was gestern passiert, das ist nicht passiert, das darf nicht passiert sein. Und das ist Das ist so ein wahnsinnig emotionaler Moment für mich. Weil ich so Hoffnung hatte als Zuschauer. Ich habe so Hoffnung, dass dieser Mensch aus seiner engen Welt, die er sich geschaffen hat, da rauskommt. Nicht, weil ich ein sowieso ein schwieriges Verhältnis zu Religion habe, sondern weil er einfach diese Religion... missbraucht hat, sich ein sehr enges Gerüst für sein Leben zu bauen und sie ihm das einmal vor die Füße wirft und er die Chance verstreichen lässt, das zu nutzen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist schon krass. Das ist so traurig.
Florian Bayer: Spannend ist ja auch wirklich ihre Rolle, die so an seiner Enge auch verzweifelt und die da einfach ... die da einfach nur ausbrechen will. Und die tatsächlich versucht, ihn mitzureißen. Das ist es ja auch. Sie kämpft wirklich um ihn. Sie kämpft lange um ihn. Sie bleibt lange bei ihm. Und sie haben immer wieder diese Konflikte, die dann hochkochen und sie versucht, diese Enge von ihm auch zu lösen, weil sie ihn liebt. Und das sagt sie mehrmals. Mehrmals. es schrecklich, wie er sich verhält. Sie findet es schrecklich, wie konservativ er ist und wie verbrämt er ist. Aber jedes Mal sagt sie, aber ich liebe dich und ich will dich da auch raushaben. Und ... Ja, es ist so ein bisschen ... Ganz lange wirkt das wie ein hoffnungsloser Kampf. Und dann gibt es auch irgendwann einen Moment, wo man denkt, okay, sie bricht jetzt ohne ihn aus, sie hat keine andere Wahl mehr.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Und zieht dann ja kurzfristig bei Daniel ein. und ist dann wirklich komplett befreit. Das ist dann fast so ein hippieskes Utopia, was da entworfen wird, wenn sie alle zusammen feiern. Aber er kriegt auch so eine kleine Redemption-Arc, wenn er am Schluss, wenn sie zu dem Gesangswettbewerb fahren ... wenn er dann noch mal kommt zu ihr und sie sich noch mal unterhalten und er sieht auch ein bisschen anders aus und man sieht, er hat irgendwie, das hat ihn fertig gemacht, was da passiert ist.
Johannes Franke: Völlig fertig.
Florian Bayer: Und es war irgendwie so, ich glaube, es ist irgendwas an ihm kaputt gegangen und das musste kaputt gehen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und das finde ich ein spannender Moment. Und dann haben sie ja tatsächlich wieder so einen ganz zärtlichen Moment zusammen kurz, wenn sie sich dann unterhalten.
Johannes Franke: Er hat ihr Sachen gepackt und hat ihr noch was dazu gepackt, was sie gar nicht wollte, sondern wusste, du brauchst es doch und ich weiß, das ist wichtig. Und hat ihr noch was dazu getan. Und fragt sie dann gar nicht ausführlich, sondern fragt nur, meinst du, wir können... beendete sie jetzt gar nicht. Und sie sagte, ich weiß es nicht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und in dem Moment habe ich den Eindruck, dass sie schon zu weit weg ist von ihm. Aber am Ende des Films, wenn ich das Revue passieren lasse, hab ich die leise Hoffnung, dass es doch noch mal was wird. Weil er wirklich was durchgemacht hat.
Florian Bayer: Ja. Und es war tatsächlich, es war der Punkt, wo ich dachte, ach, diese beiden Charaktere, Conny und Sticks, sind beide so eindimensional gezeichnet. Und es ist ein bisschen zu viel. Gebt ihnen ein bisschen mehr Ambivalenz. Und dann gibt's halt diese eine Szene, die kommt. Ich hätte es mir ein bisschen früher gewünscht, aber ich bin auch total ... Dankbar, dass sie da ist. Weil beide hatten davor halt auch eine Szene, wo es zu viel war. die Szene, in der Conny Daniel im Fluss verprügelt. Das war einfach eine Szene, wo ich dachte, jetzt ... Jetzt wird er zu sehr zum brutalen Bösewicht. Oder zu sehr zum Antagonisten. Brutaler Böse, brutal war ja schon vorher. Aber jetzt wieder zu sehr... zu sehr zur klaren Bedrohung für unseren Protagonisten.
Johannes Franke: Und Stick ...
Florian Bayer: im Prinzip quasi gespiegelt dazu, auch so eine Szene, wo er zu sehr zu bedrungen wird, wenn er in der Wohnung von Daniel plötzlich sitzt mit dem Gewehr und sagt, verzweifelt sagt, ich hab hier zwei Kugeln drin und ich kann nicht mehr. Und es steht einfach so ein Moment im Raum, wo man denkt, jetzt jetzt geht's wirklich, jetzt trachtet er unseren Protagonisten nach dem Leben. Und das waren zwei Szenen, wo ich dachte, jetzt haben sie denen zu viel gegeben. Jetzt sind sie zu sehr im Dunklen. Und dann war ich doch sehr dankbar, dass es am Schluss dann nochmal diesen Aufbruch gab.
Johannes Franke: Ich finde nicht, dass sie zu sehr im Dunklen waren. Vor allem aber auch, weil die Szenen ... gar nicht so dunkel ausge ... Die wurden nicht ausgeschlachtet, die Szenen. Das Potenzial dieser Szenen im Hollywood-Kino, hättest du da viel ... schlimmere, viel krassere Szenen draus gemacht. Und hier, der sitzt mit seinen beiden Kugeln im Gewehr da und sagt, ich hab eine für dich und eine für mich. Und dann endet das Ganze sehr schnell damit, dass er einfach nur heulend zusammenbricht und Daniel kommt und ihn in den Armen nimmt.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das finde ich großartig. Es ist viel besser als das, was, weiß ich nicht, Christopher Nolan draus gemacht hätte. Keine Frage. Also, ich finde, dass die Szenen sozusagen so ablaufen, dass man einfach nicht Er geht den Schritt nicht zu weit, finde ich.
Florian Bayer: Okay. Ich fand... Ja, so ein Zentimeter zu weit. Vielleicht auch, weil ... Die 10 hätte wahrscheinlich besser für mich funktioniert, wenn's davor schon ... ein bisschen mehr Ambivalenz gegeben hätte, wenn sie davor schon die Charaktere aufgebrochen hätten. Und zwar einfach nur so eine ähnliche Szene, Sie ein bisschen Zärtlichkeit, so ein bisschen Menschlichkeit erkennen lassen. Wie gesagt, es ist toll, dass er ihnen am Schluss diese Szene gegeben hat und das ist schon mehr als die meisten großen Hollywood-Dramen hinkriegen. Um das so zu machen, dass man die Figuren für plausibel hält ... Er hätte das davor schon machen können. Ist ein Nitpicking-Argument. Ist nichts, was mir den Film kaputt macht oder so. Oder was mir den Film malig machen würde. Ähm ... Es ist nur aufgefallen, dass ich bei diesen zwei Figuren dachte, ah, jetzt sind sie ein bisschen zu sehr Antagonisten. hätte es eine Szene noch gebraucht, eine Szene davor, fünf Minuten früher, zehn Minuten früher. Das hätte gereicht. Keine lange Szene, was Kurzes. Einen kurzen Moment der Menschlichkeit für die beiden Hauptantagonisten.
Johannes Franke: Ich finde, dass der Pastor ... äh, ja, durchaus am Anfang so eingeführt wird, dass man erst mal, äh, ihn nicht gleich als Anteil günstig erkennt. Man hat erst mal das Gefühl, oh, da ist jemand begeistert, dass der große Daniel, wie er auch immer heißt, kommt Der Starkey-Dirigent. Und jetzt könnte ja richtig was passieren hier im Dorf. Also, ne ... Und das ist eine sehr menschliche Sache, find ich, und eine sehr spannende Figur von Anfang an. Der macht natürlich dann ziemlich schnell die Kurve zum Antagonisten. Und natürlich ist Conny von Anfang an der Frauenschläger.
Florian Bayer: Conny ist einfach der Böserwichter am Anfang. Conny kriegt auch ... Genau, also Stick ist definitiv eine ambivalentere Figur als Conny.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Conny ist ... Conny ist eigentlich auch so ein bisschen ein Tool, um Gabriella spannend zu machen. Und die ist ja wirklich eine spannende Rolle.
Johannes Franke: Für die spannend. Wow.
Florian Bayer: Und ich liebe ihre Szene, wenn sie singt, die ja ganz zentral ist nach einer Stunde. Und das ist auch so was, was ich auf so viele Arten klischeehaft ausschlachten ließe. So dieses klassische Hollywood-Momentum-Sisters-Act. Wenn die, die immer ganz schüchtern war und immer geflüstert hat, plötzlich singt und dann selbst ganz erstaunt nach links und rechts guckt, wie toll ihre Stimme klingt. Aber das macht der Film nicht, sondern er gibt dir einfach nur eine Szene, wo er sie zeigt, wie sie singt. Und es ist eine... Unfassbar gute Zähne.
Johannes Franke: Lass uns dazu hinführen, weil ich finde ... Also es wird natürlich von Anfang erzählt, dass Gabriela diejenige ist, die eben mit dem Schläger zusammen ist und es nicht schafft, sich aus dieser Beziehung zu trennen. Und das Dorf wird mit zum Mittäter, in dem sie sich nicht einmischen. Aber man versteht auch, dass es schwierig ist, da einzugreifen. Und ... Ich finde, dass die ganze Story, also dieses Ganze, deswegen finde ich, dass der Film ganz massiv auf das Solidaritätsding geht. Was auch Lena später nach anspricht, wenn sie von ihrer schlechten Erfahrung mit einem Typen erzählt, der sie... mit dem sie zusammen war, wo sie herausgefunden hat, dass er verheiratet ist und zwei Kinder hat. Und das ganze Dorf wusste das und ihr zwei Jahre lang nicht erzählt hat, dass das eigentlich gar nicht geht. Und ... Und dieses Thema von Solidarität und wann mische ich mich ein und wann mische ich mich nicht ein, das ist ein ganz heikles und schwieriges Thema. Und ich finde das behandelt der Film wahnsinnig gut. Und Gabriella wird halt geschlagen und irgendwann fängt Daniel an, das sieht man dann halt, diesen Song zu schreiben für Gabriella. ganz tolle menschliche Regung, die Daniel da zeigt. Und weil er ja auch am Anfang so gezeigt wird, cholerisch, und schreit seine Musiker an, dass das alles überhaupt nicht geht und so. Einfach, weil er unzufrieden ist mit dem, was er eigentlich mal wollte und das, was daraus geworden ist aus der Musik, ne? Und er das, was er eigentlich gesucht hat ... auch wenn es relativ platt formuliert wird mit, ich will jeden bewegen mit Musik. Naja, gut, okay, ja, ist kein guter Satz. Aber das, was dahinter steckt, finde ich richtig und wichtig. Und dass er das dann in den Song für Gabriela steckt.
Florian Bayer: Ja. Ich glaube, man hat tatsächlich auch nicht vergessen, dass Herr Gabriella den Song auch schreibt, weil sie wirklich gut singen kann. Sie wurde ja auch von einer Sängerin gespielt.
Johannes Franke: Ja, die singt. Der Musical-Star in Schweden gewesen. Oder ist es immer noch, ich weiß es nicht genau, aber die scheint ja sowieso sehr bekannt gewesen zu sein vorher schon. Und dann führt es darauf hin, und sie machen kein großes Hollywood-Ding draus, dass sie sich bis kurz vorm Auftritt ziert, sondern ... Es gibt eine ganz tolle Szene, wo sie ihm sagt, ich habe diesen Song für dich geschrieben. Und sie sagt, das geht nicht, kann ich nicht machen. Ich habe zu viel Angst, das funktioniert. Um Gottes Willen, auf gar keinen Fall. Und dann Arne fängt wieder an, den Dicken irgendwie Fetty zu nennen oder was auch immer. Er da irgendwie Speckdingens irgendwas sagt da zu ihm. Und dann rastet der vollkommen aus und sagt, seit 30 Jahren muss ich mir anhören, dass ich fett bin von dir. Und bricht halt weinend zusammen. Und ich find das so gut hergeleitet, dass Gabriella daraufhin das wirklich macht.
Florian Bayer: Ja. Es ist wirklich schön, so diese kleine Fokusverschiebung. Und dann, was du schon gesagt hast, das Solidaritätsprinzip, dass diese Gemeinschaft durch diese kleinen Fokusverschiebungen und durch diesen Ausbruch, der auch super ist, quasi wieder zusammenfinden, dass die dann auch sagt, okay, ja, nee, ich mach das dir.
Johannes Franke: Ja, und dann, ich hab den ganzen Song, ich flende den ganzen Song durch, das ist unglaublich. Wenn die da dieses Lied singt und ich die Untertitel anmache, um zu verstehen, was das singt. Und auch ohne Untertitel. Aber es ist unglaublich. Und ich hab jetzt schon wieder Tränen in den Augen. Einfach nur, weil dieser Befreiungsschlag und diese Kraft, die in diesem Song ist. Unglaublich.
Florian Bayer: Das ist so eine starke Szene. Und sie macht es mit so wenigen und einfachen Mitteln.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und mit ein paar Blicken, die sie auch ... Sie blickt auch tatsächlich, sie hat eine unglaubliche Stärke plötzlich in ihrem Blick, wenn sie das singt. Und ansonsten passiert da ja nicht viel. Wir sehen einfach diesen Song und wir sehen diesen Song. Wie lange dauert die Szene? Die Szene ist relativ lang.
Johannes Franke: Ja, wir sind zweieinhalb Minuten, wie so ein Song halt ist.
Florian Bayer: Ja. sehen diesen Song komplett und ja, es ist eine fantastische Szene, eine bewegende Szene und genau die Szene, die auch zentral stehen muss, Weil die Szene natürlich auch sagt, es geht hier nicht um unseren Protagonisten. Es geht auch nicht um ... um seinen Love-Interest. Das wäre so billig gewesen. Wenn sie sein Love-Interest gewesen wäre, das wäre auch wahrscheinlich so was, was einen Hollywood-Film gemacht hätte.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Es geht hier wirklich um all die Menschen, die in diesem Dorf sind. Und mit all ihren Schwächen und mit all ihren Problemen und Ängsten ... Und dass es trotzdem so was gibt, was irgendwie so ein Stück Hoffnung transportiert und so ein Stück Menschlichkeit ... Und ja, hey, wir haben ja Menschen vor uns und diese Menschen sind wichtig und das ist einer von ihnen. Und dieser Mensch wurde vielleicht bis jetzt wahrgenommen als die Frau, die halt nichts sagt und die von ihrem Mann verprügelt wird und Aber wir haben hier einen Menschen vor uns, der auch eine Stimme hat und der was mitzuteilen hat. Und jetzt schafft sie. Das ist toll. Also ... Unfassbar gute Szene. Kann ich nur noch mal wiederholen.
Johannes Franke: Schön. Ja, ich glaube auch, wer davon nicht bewegt ist, der ist einfach Stück Holz. Ich weiß nicht, wirklich. Das ist so gut hergeleitet und so gut gespielt. Und man will so dringend, dass diese Frau es schafft, da rauszukommen. Einfach wundervoll. Ja. Und damit hätte der Film quasi auch, also das hätte schon für den ganzen Film gereicht, da hinzukommen. Der Hollywood-Film hätte das vielleicht wirklich ausgeführt. schlachtet bis zum, überhaupt bis zum Höhepunkt, dass sie es dann schafft, aber nein, äh, Es geht dann weiter, wie sich dieser Chor entwickelt, wie die Liebe zum Chor von Daniel sich entwickelt und wie der Chor... Daniel ja eigentlich von Anfang an irgendwie so, bis auf ein paar Figuren, die diese Antagonisten vorantreiben. irgendwie anhimmelt. Daniel kommt das erste Mal dahin und alle stehen da, als hätten sie den Messias vor sich. Weißt du, das ist so süß. Und Daniel weiß überhaupt nicht, wie er damit umgehen soll. Er rennt erst mal weg.
Florian Bayer: Das ist so schön, wenn er beim Chor zum ersten Mal zuhört. Und sie sind ja ... Genau, sie himmeln ihn irgendwie an, sind so total dankbar, dass er wenigstens mal draufhört. Und er ist eher so widerwillig. Er muss ja fast geprügelt werden, um da hinzugehen.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und hat auch eigentlich keinen Bock drauf. Und dann hört er das. Und sie singen ja nicht besonders gut.
Johannes Franke: Sie singen halt wie so ein Dorfchor.
Florian Bayer: Wie so ein Dorfchor singt. Und dann hört er das und sagt einfach nur, ey, es ist so geil, wie er reagiert, weil er gibt uns, durch seine Reaktion gibt er uns natürlich auch unsere Reaktionen mit. Wir haben zuerst das Gefühl, wir hören ja einfach einen Chor, der halt irgendwie so ein bisschen, amateurhaft singt und sich aber bemüht. Und dann hat er diesen ... so einen ratlosen Ausdruck in seinem Gesicht und sagt dann, das, was ich gehört habe, Was sagt er? Es hatte ganz viel Schönes.
Johannes Franke: Ja, er hatte sehr viel Schönes.
Florian Bayer: Aber er sagt es ohne Sakai. Ohne ihren Zynismus. Und er meint es total ernst. Und sein Gesichtsausdruck ist so ... als ob er das Schönste gehört hätte, was er seit Jahrzehnten an Musik gehört hat.
Johannes Franke: Und ...
Florian Bayer: obwohl wir davor dasselbe gehört haben wie er und obwohl wir nur einen normalen Chor gehört haben, denken wir in dem Moment, okay, ich glaub, ich hab verstanden, was das Besondere ist oder was er auch sucht darin. Finde ich einen starken Moment, weil tatsächlich durch seine Reaktion ... Eigentlich von so einem Musikkritiker, bei dem man sagen würde, der würde sagen, oh Gott, ihr müsst alles umstellen. Sopran, Bass, hierhin. Sehen wir einfach nur dieses ganz schlichte Urteil, ohne irgendwelche Kritik, ohne irgendwelche Analyse. Das war schön. Das hat mich bewegt. Und ich will damit arbeiten, weil es mich bewegt hat. Das finde ich total ... süßen, naiven, im besten Sinne des Wortes, Zugang zur Musik, weil es einfach ist, hey, ich höre hier was Besonderes in dem Einfachen und Da will ich Teil davon sein.
Johannes Franke: Und genau das ist es ja eben. Er sucht das, was... Alle bewegt und er hatte im Grunde, seine Karriere war ja im Grunde dann schon, wurde er immer elitärer. Und dann ist kein Wunder, dass er in einem einfachen Dorfchor, wo einfach Menschen miteinander Musik machen, das wiederfindet, was er irgendwann mal auf den Blick verloren hat. Das finde ich einen ganz tollen, sehr erzählenswert einfach.
Florian Bayer: Das ist ja auch total spannend, wie er dann versucht, das aufzugreifen und wirklich die Liebe zur Musik zum Thema macht von seiner Chorarbeit. Also er wird dann ja bereit, den Chor zu leiten. Und ... eine super witzige Szene, wenn er am Anfang, sie versucht in diesen spirituellen Rahmen zu kriegen, das Musik. Und ich erzähle euch jetzt was von der Musik. Was ist das wichtig?
Johannes Franke: Es fängt an mit dem Zuhören, mit dem Hören.
Florian Bayer: Mit dem Handy klingeln, Kaffee kochen.
Johannes Franke: Kommt ihr mit dem Hund rein, wuff, wuff, wuff. Und unterbricht ihn ständig.
Florian Bayer: Es ist toll, weil es ist so schön, wie sein ... wie auf so ganz natürlichen, menschlichen Widerstand spürst. Der halt einfach ... Es ist halt kein professioneller Chor. Natürlich treffen die sich dann doch eben, um einfach ein bisschen Zeit miteinander zu verbringen und Ja, Arne hat wahrscheinlich große Ambitionen. Das wird relativ schnell klar, dass dieser Arne immer der ist, der vorbricht und der auch ... der den professionellsten Chor überhaupt will und ganz klare Vorstellungen hat. Und diese Szene ist total lustig. Sie wird richtig stark dadurch, dass sie dann kontrastiert wird durch das Hereinbrechen von Tore. der von Arne als Störung des Chors wahrgenommen wird. Und zudem Tore ist der behinderte Neffe von Arne. Er hat eine geistige Behinderung, die nicht näher erläutert wird. Und der will eigentlich immer mitmachen beim Chor und kommt dann manchmal rein. Und Arne ist immer total genervt davon. Und jetzt könnte man ja davon ausgehen, dass es wieder so eine Störung, die ... die Daniel auch störend findet. Aber ganz im Gegenteil, Tore wird Mitglied des Chores. Und Daniel sagt, wir müssen ihn drin haben, weil der hat eine tolle Stimme. Und Tore zeigt so ein paar Mal, dass er mitsingen will und macht dann halt seine Geräusche und stimmt dann einfach einen Ton an. Und Daniel ist total begeistert und sagt direkt, ja, der ist dabei, der gehört jetzt zu unserem Chor. Und es ist toll, dieser Kontrast, weil davor war das eine lustige Szene, wo wirklich so diese Alltagsstörungen sind. Und dann kommt noch mal eine Störung, aber nein, das ist was anderes. Das ist keine Störung. Und das ist das, was von Arne und von vielen anderen im Chor vorher auch als Störung wahrgenommen wurde. Und in Wirklichkeit ist dieser Tor eine ganz wichtige Ergänzung zu dem Chor.
Johannes Franke: Ich finde allerdings, dass die Szene schon vorher einen guten Spin bekommt. als Daniel einmal ausrastet und sagt, das Geht so nicht, Leute. Wir brauchen Konzentration. Man kann das doch nicht so angehen, dass man irgendwie, gehe ich ans Handy, mache ich das, mache ich das. Und dann kommt Lena, beugt sich zu ihm vor und sagt ... Wir haben von sowas alles keine Ahnung. Kaffeepausen sind auch wichtig.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Und Daniel nimmt das aber auch irgendwie dann an.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Man sieht die ganze Zeit, dass er so in dem Spannungsfeld ist von diesem Professionellen. Ich will eigentlich alle anschreien, damit wir ordentlich vorangehen, wie er das früher mit seinen Musikern gemacht hat. Aber er weiß, das geht hier nicht. Es funktioniert hier einfach nicht. Und er rastet so ein bisschen aus zwischendurch, aber er versteht auch sofort, wenn sie sagt, Kaffeepausen sind auch wichtig.
Florian Bayer: Ja, er ist dabei, so seine Rolle zu finden. Er braucht ja auch ganz viel Hilfe von außen. Das ist ja natürlich ... Natürlich wird er so ein bisschen als Messias eingeführt. Diese Rolle verliert er auch nie ganz, weil er hilft ja auch irgendwie allen mit seiner Co-Arbeit.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber gleichzeitig wird klar, dass er auch ganz viel ... Dass sich in seinem Leben ganz viel ändert. Wir haben zu Lena noch kein Wort gesagt, aber ... Dank Lena lernt, er schafft es. Fahrradfahren. Fahrradfahren, genau. Ich wollte mit den großen Gefühlen anfangen. Aber genau, Lena bringt dem Fahrradfahren bei. Und Lena bringt ihm bei, vor allem irgendwie zu seinen Gefühlen zu stehen, weil er wird ... als unglaublich verklemmt und hilflos gezeigt. Und die Selena, die hat fantastisch gespielt ...
Johannes Franke: Ja, wundervoll.
Florian Bayer: Ist so direkt und so laut und schafft es ihn damit einfach aus seiner Reserve zu locken.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und so eine ganz alberne Szene, wenn er zu ihr sagt ... Er macht sie wirklich wütend damit, dass er es nicht schafft, zu seinen Gefühlen zu stehen. Und dann fragt er sie, wie weiß man, ob man einen Menschen nicht mag? Und dann ist sie so voll wütend und sagt so, ey, du hättest die Frage einfach nur anders formulieren müssen. Warum fragst du mich nicht, wie merkt man, ob man einen Menschen mag? Was stimmt nicht mit dir, Alter? Und schafft es damit, ihn aber auch wirklich aus der Reserve zu locken.
Johannes Franke: Ganz tolle Szene. Ich find's großartig. Manchmal haut mir ein bisschen die Synchro rein, finde ich. Manchmal finde ich in der Synchronisation ... Ahnt man nur, was der ursprüngliche Inszenierungsgedanke war und es ist ein kleines bisschen nach hinten losgegangen in der Synchronisation. in der Synchronisation, aber es scheint immer durch und deswegen kann ich das auch verzeihen. Aber es ist ganz toll, wie er sich dann entwickelt und was er dann versucht, wie er das versucht, wirklich sein Leben zu ändern und wirklich das zu... zu suchen und zu finden, was er da eigentlich mal wollte. Ja.
Florian Bayer: Und er ist tatsächlich dann ein Geben und Nehmen. Also er ist, die vom Chor, die lieben ihn.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Er liebt die vom Chor auch alle.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Er liebt auch die, mit denen er seine Konflikte hat. Also Siv ist jedem Chor die am stärksten ... zum einen zum Pfarrers Dickheld, aber es wird so ein bisschen angedeutet, dass sie offensichtlich auch in ihn verliebt ist vielleicht? Ja. Sie guckt so eifersüchtig auf seine Beziehung zu Lena.
Johannes Franke: Es werden aber irgendwie alle so, sie himmeln ihn einfach an. Ja. Das sagt ja Gabriella auch irgendwann. Er unterhält sich mal sehr detailliert mit Gabriella darüber, was er will, was sie will. Und sie sagt ihm ... Die lieben dich.
Florian Bayer: Alle lieben dich. Und er schafft es damit mit diesem Geben und Nehmen halt wirklich so eine Art Utopie aufzubauen in diesem dörflichen Rahmen. Und die hält dann ja auch tatsächlich das aus, dass der ... Pfarrer, Stick, sich irgendwann komplett gegen ihn stellt und sagt, du fliegst jetzt raus aus der Kirche.
Johannes Franke: Ja, weil, also, das fängt damit an, dass er ... die ja gar nicht mit denen singt am Anfang. Was sehr, sehr schön ist, weil sie wirklich ... Das Dorf hat natürlich überhaupt ... gar keine Erfahrung damit, wie moderne Oder gar nicht mal so moderne, aber Gesangstechnik und erstmal ein bisschen Körperarbeit und dieses ganze Zeug, wovon die noch nie gehört haben.
Florian Bayer: Er macht ja tatsächlich das. Er macht ja keine absurden Sachen. Er macht Sachen, die man in jeder Schauspielschule, in jeder Chorschule überall findet. Das ist nicht so ... Also es wird von ganz vielen als progressiv und merkwürdig wahrgenommen, aber es ist es ja nicht.
Johannes Franke: Eigentlich nicht.
Florian Bayer: Jeder, der irgendwas mal gemacht hat, was so körperlich ist, selbst beim Sport, weiß, dass es sowas gibt. Es ist Warmachen. Und ja, so ein bisschen spiritueller Überbau, aber nicht groß, sondern total im Rahmen.
Johannes Franke: Weil alle dann irgendwie liegen alle auf dem Boden und ... fangen erst mal an zu kichern, weil sie das erste Mal irgendwie übereinander irgendwo liegen und nichts damit anfangen können und eher Er versucht das irgendwie anzuleiten. Gruppenbildende Maßnahmen.
Florian Bayer: Man sieht auch so ein bisschen seine Verzweiflung bei diesen Tätigkeiten. Halt doch kollidiert mit diesen einfachen Dorfleuten, die sowas witzig und albern finden.
Johannes Franke: Und daraufhin ist halt irgendwie das, wie heißt es, Sif, dem Pastor sagt ein, äh, Wir singen nicht und er dann langsam nach und nach das Gefühl hat, dass Daniel das ganze Dorf umkrempelt. Und mit Methoden, mit denen er nichts anfangen kann, die irgendwie völlig neu sind für ihn und die irgendwie sein Leben in Gefahr bringen, mehr oder weniger. Ja. Also auch gut hergeleitet, finde ich. Dass er sozusagen sagt, von... Oh, der Stardirigent kommt, find ich toll, zu Ach du Scheiße. Das find ich gut hergeleitet.
Florian Bayer: Naja, es gibt ja so diesen einen Punkt, dass er ihn rauswirft. Das ist so was, was so einen ganz krassen Cut macht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann genau, dass dieses Siv ganz stark auf den Pfarrer einwirkt. Und dann glaube ich, ist es natürlich auch tatsächlich, dass er merkt, dass seiner... dass Inga sich verändert durch diese Co-Arbeit, dass sie lebendiger wird und sie widerspricht. Also das ist, glaube ich, auch ganz stark, dass seine heile Welt, die er sich sehr gut zurechtgelegt hat, die vor allem davon gelebt hat, dass seine Frau still ist, dass alle ihn anhimmeln, ihm zuhören, dass die auf einmal aufgebrochen wird.
Johannes Franke: Ja. Ja, aber auch eine Botschaft des Films zu sagen, wenn du Leidenschaft für etwas entwickelst und wenn du diese Leidenschaft anderen vermittelst und förderst und die Leidenschaft aus anderen rausholst, dann hast du jetzt im Falle eben von Inga, dass sie merkt, ich hab hier was, ich will mehr als das, was ich bis jetzt hatte. Das ist so ein überhaupt das Leben einmal zu öffnen und zu sagen, was gibt es alles, was kann ich hier alles? Und nicht zurückzufallen in diese alten Muster, die man eigentlich schon seit Jahren nicht leiden kann.
Florian Bayer: Ja. Und das ist ein ganz toller Teil des Films, das ist dieser Mittelteil, wenn ... sich diese Verbindung aufbaut zwischen Daniel und dem Chor. Also ... Wir haben die Chorproben, die gezeigt werden. Wir haben mehrere Feier-Szenen. Und in den ... Was ich am Anfang gesagt habe, dieses Kameraprinzip ist, dass die Kamera sehr dicht drin ist. Wir tanzen mit den Menschen, wir sind direkt zwischen ihnen. Es wird immer mal wieder so ergänzt durch ... Kleine Nebenhandlungen, wo eben die Leute aus dem Chor gezeigt werden. Also Gabriella mit ihrem Mann und Inga mit Stick. Und das kulminiert dann so ein bisschen auch in dieser fantastischen Szene, wenn Gabriella singt. Das ist so quasi der Höhepunkt von diesem Zusammenwachsen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dann gibt's diese zwei Dinge, die quasi die Geschichte vorantreiben. Und zwar zum einen, dass Ahnen den Chor für das für den Gesangswettbewerb in Österreich anmeldet. Und das Zweite, das Pfarrer... dass der Pfarrer den Kirchenvorstand nutzt, um Daniel rauszuwerfen aus fadenscheinigen Gründen. Und Der Chor aber sich direkt entschließt, in Daniels Wohnung einfach weiterzumachen. Und sie brauchen die Kirche einfach gar nicht mehr. Sie sind dann halt... Sie sind dann halt bei ihm in der Wohnung. Aber das sind so zwei Dinge, die die Story dann tatsächlich vorantreiben. Davor hatten wir vor allem so eine Art ... zusammenwachsen, wir lernen die Menschen kennen, wir lernen sie darüber kennen, wie sie miteinander interagieren und wie sie zueinander finden und dann haben wir Jetzt passiert Geschichte, jetzt wird was vorangetrieben.
Johannes Franke: Ich find den Gedanken übrigens ganz toll ... Diesen Typen zu zeigen, Daniel, wie er selbst von der Karriere korrumpiert, seine Musik nicht mehr so dort findet, wo er sie eigentlich mal haben wollte. dann durch den Schlaganfall zurückgeworfen wird und da in dieses Dorf zurückkehrt und dann das Ganze wieder ... Von vorne losgeht der Weg über die Leidenschaft zu, jetzt will man aber auch einen Wettbewerb gewinnen. Und er findet es voll doof. Und er findet es so was von doof, weil er natürlich weiß, wo es hinführt. Er will nicht dort wieder zurück, wo er eigentlich mal, wo er ja ... den Schlaganfall und dann das ganze Leben ihm ruiniert hat. Sondern er will eigentlich im Einfachen bleiben. Aber natürlich, es ist total menschlich, dass dann dieser Typ kommt und sagt... Ich hab uns angemeldet für einen Wettbewerb.
Florian Bayer: Dieser Arne, der immer zu viel will. Immer so ein Stück nach vorne. zu sehr nach vorne präscht und andere Leute vor den Kopf stößt, ohne es zu bemerken.
Johannes Franke: Ja. Aber es ist schön, weil das eben diese Menschlichkeit, die Natur des Menschen einfach einmal zeigt und sagt, naja, so ist das halt. Ja. Finde ich sehr schön. Und dann machen die das halt irgendwie, Proben für den, haben denn auch dieses Konzert, wo Gabriela singt? Das ist davor. Genau. Und dann gibt es diesen einen Moment, wo der eine von der Euphorie getrieben der anderen älteren Frau seine Liebe gesteht hat.
Florian Bayer: Was für eine tolle Szene, so banal und simpel.
Johannes Franke: Ganz simpel. Er stammelt da ein bisschen vor sich hin, sagt ihr, dass er sie eigentlich schon seit 60 Jahren liebt. Und sie sagt nichts weiter und steht auf und geht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und es wird nicht weiter behandelt. Nee, es ist aber so süß. Aber irgendwann später, wenn sie bei Daniel einreiten alle, sehen wir, wie er sie küsst und wie sie offensichtlich dann doch ... irgendwie zueinander gefunden haben. Das ist ein ganz süßes kleines Nebending.
Florian Bayer: Das ist so eine Utopie irgendwie in diesem Rahmen, wo sich alle selbst befreien können und alle irgendwie aus ihren alten Rollen ausbrechen.
Johannes Franke: Ja. Ja, das schafft die Musik. Musik.
Florian Bayer: Wir lieben Musik. Der Film liebt Musik. Der Film ist eine Liebeserklärung an die Musik.
Johannes Franke: Oh mein Gott. Wollen wir zu dem Top 3 kommen? Jingle. Jingle. Die Top 3 Filme mit Liebeserklärungen an die Musik.
Florian Bayer: hab ich das so richtig ... Oh Gott, meine Liste ist voll ungeordnet und voller honorable mentions und ich hab das Gefühl, ich hab trotzdem ganz viel vergessen. Lass mich mal gucken, dass ich meine Top 3 hinkriege.
Johannes Franke: Ja, ich muss das auch noch mal kurz sortieren.
Florian Bayer: Also, um gleich eins bei den Honorable Mentionen rauszuhauen, was wahrscheinlich eigentlich auf Platz 1 gehört. Und wir haben einfach in Hülle und Fülle drüber geredet.
Johannes Franke: Äh.
Florian Bayer: I'm Not There. Ja, ein Film der Musik.
Johannes Franke: Es ist einfach.
Florian Bayer: Bob Dylan's Perfekt-
Johannes Franke: Wahnsinn.
Florian Bayer: Erzählt. Toller Film. In kleinen Episoden. Johannes hat ihn schon in der Top-Liste. Wir haben eine ganze Sendung drüber gemacht. Hört euch die Sendung an, in der wir über I'm Not There reden. Es geht um die Musik Bob Dillans, um die verschiedenen Facetten Bob Dillans. Toller Film. Wahrscheinlich mein Platz eins ist jetzt einfach bei den Honorable Mentions, weil wir schon so viel drüber geredet haben.
Johannes Franke: Ich hab Honorable Mentions, und zwar School of Rock.
Florian Bayer: tatsächlich ganz geil ist. Der ist wirklich gut. Ich mag den auch.
Johannes Franke: Ich bin total begeistert in diesem Film und man erwartet nichts. Aber er ist großartig.
Florian Bayer: Und Jack Black ist einfach eine coole Sau und super Superfilm, ich find den auch sauwitzig, ja.
Johannes Franke: Ganz toll, ganz toll. Ähm, das ist eine honorable mention, ähm, was es nicht in die Liste geschafft hat, ist, ähm, äh, Whiplash.
Florian Bayer: Ah, aber das ist keine Liebeserklärung an die Musik, weil Musik echt nicht gut wegkommt bei dem Film.
Johannes Franke: Ja, aber irgendwie doch. Irgendwie doch. Ich weiß, es ist nur schmerzhaft eigentlich, den Film zu gucken, aber er ist trotzdem irgendwie eine Liebeserklärung an die Musik, obwohl es wirklich Aua ist die ganze Zeit.
Florian Bayer: Darüber können wir diskutieren.
Johannes Franke: Vielleicht müssen wir diesen Film gucken.
Florian Bayer: Will Plech ist ein Sportfilm.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Wenn er da sitzt bei diesen Proben und dann einen richtigen Rhythmus schlagen soll. Und es hat nichts mehr mit Liebe zur Musik zu tun, sondern einfach nur mit Mathematik trifft den richtigen Ton. Wenn nicht, kriegst du deine Finger abgehackt. Aber super Film.
Johannes Franke: Ja. Deswegen auch in den Honorable Mentions. Es war ja nicht ... nicht 100% Liebeserklärung ist, vor allem keine romantische.
Florian Bayer: Ich hab noch in den Honorable Mentions das Piano. Klavier lernen und über Musik, romantische Beziehungen und Oscar prämiert. Total sehenswert.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und meine letzte Honorable Mention, und ich glaub, wie gesagt, ich hab ganz viel vergessen, ist Anvil. Die Geschichte einer Freundschaft, ein Film, ein Dokumentarfilm über die Metalband-Endel, die irgendwann mal als die großen Ikonen des Genres galten. und seitdem nur noch kleine Konzerte machen, die in den 80ern hängen geblieben sind. Und die werden begleitet auf Tour, wo sie dann in Osteuropa vor zehn Leuten spielen und sich drüber ärgern, dass sie kein Publikum mehr anziehen. Und ständig Ärger haben mit dem Booking und ständig Ärger haben mit dem Management und so weiter, aber trotzdem das durchziehen, weil sie einfach für diese Metal-Musik brennen. So ein bisschen eine Tragikomödie.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Getarnt als Dokumentarfilm. Also es ist ein wirklicher Dokumentarfilm. Okay. Die Band gibt es wirklich, die Leute gibt es wirklich und die kämpfen auch wirklich und die schaffen es einfach, haben es nie geschafft, richtig den Durchbruch zu machen wie andere Metal-Bands. Aber sie sind so sympathisch und sie kämpfen, sie machen es einfach weiter, weil sie die Musik so lieben.
Johannes Franke: Schön, okay.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das war jetzt eine Honorable Mention.
Florian Bayer: Honorable Mention.
Johannes Franke: Du musst aber anfangen.
Florian Bayer: Ich muss anfangen. Tatsächlich habe ich nur Filme aus dem letzten Jahrzehnt, wenn ich das richtig sehe, nur aktuelle Filme. Mein Platz 3, ganz junger Film, Yesterday aus dem Jahr 2019.
Johannes Franke: Ich wusste, dass du ihn in der Liste hast. Ich wusste es. Ich habe ihn nicht in die Liste genommen, weil ich ihn nicht gesehen habe. dass ich ihn unbedingt gucken muss und dass ich ihn lieben werde.
Florian Bayer: Das ist von dem Regisseur von 4 Hochzeiten ein Todesfall. Manche Kritiker, was ich überhaupt nicht verstehen kann, haben gesagt, er ist zu viel romantische Komödie.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ich finde, er schafft es total gut, das großartig. großartige an der Beatles-Musik auf die Leinwand zu bringen. Das geht ja um einen Musiker, der in einer Paralleldimension wach wird, wo die Beatles nie existiert haben. Aber er kennt all die Beatles-Songs. schreibt die alle wieder auf, aus seinem Gedächtnis, teilweise ein bisschen falsch, von Melodie und von Text und Arrangement. Und wird damit zum großen Weltstar. Und es ist so ein schöner Film. Voll mit tollen Beatles-Songs. Er hat Zwei Beatles-Cover, die, Achtung, besser sind als die originalen.
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Okay, du musst mir diesen Film aufgeben, damit wir darüber diskutieren können.
Florian Bayer: Okay, ich merke mir das mal. Wunderbarer Film.
Johannes Franke: Okay, cool. Mein Platz drei, ich hab ihn ... Nur aus langer, langer, langer entfernter Erinnerung. Ich habe ihn in meiner Kindheit gesehen und ich weiß nicht mehr genau, wie der Anteil an ... Liebeserklärung an Musik eigentlich ist, aber für mich hat er das immer noch Amadeus. Oh! Also das fand ich sehr eindrucksvoll, wie dieser Schauspieler es geschafft hat, Amadeus. Also Mozart einfach so krass. Als Punk. Ja, als kindischer, verspielter Punk. Wahnsinn. Ganz, ganz toller Film.
Florian Bayer: Großes, großes Epos. Super.
Johannes Franke: Und die Tragik von, wie heißt er?
Florian Bayer: Salieri.
Johannes Franke: Salieri? Salieri. Salieri, genau.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ah, Wahnsinn.
Florian Bayer: Ja, ja, ja. Aber der Film wurde ganz viel kritisiert dafür, dass die Beziehung von Salieri zu Mozart komplett falsch dargestellt wird.
Johannes Franke: Ja, die ist ja auch gar nicht so ausführlich gewesen. Also es gab Oder? Ja. Also soweit ich das weiß, gab es das fast gar nicht so.
Florian Bayer: Salierich dann nie so groß im Schatten von Mozart, sondern war einfach ein Gefühl. feiert das da. Und ich glaub nicht, dass der Probleme damit hatte, dass es nebenbei noch das Wunderkind Mozart gab.
Johannes Franke: Naja.
Florian Bayer: Okay, dein Platz zwei. Mein Platz zwei ist eine Liebeserklärung an die experimentelle Musik. und zwar Frank aus dem Jahr 2014, eine britische beziehungsweise irische Komödie, in der Michael Fassbender den Sänger einer experimentellen Rockband spielt, der die ganze Zeit mit einer riesigen Maske auf dem Kopf kriegt. rumläuft. Niemand weiß, wie sein Gesicht aussieht. Er will die Maske auch nicht ausziehen. Aber er hat eine große Vision. Er will perfekte experimentale Musik machen und lädt dazu... fährt da mit seiner Band raus aufs Land. Das Ganze wird erzählt aus der Sicht des neuen Mitmusikers. Der wird von ... Don Hell Cleason gespielt, den man aus Harry Potter kennt, glaube ich, vor allem. Okay. Einer von den Weasleys ist in Harry Potter.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und die sind dann auf dem Land und versuchen experimentelle Musik zu machen, aber machen im Prinzip gar nichts, weil sie die ganze Zeit rum experimentieren mit Instrumenten und sie streiten. Und dann haben sie dieses exzentrische Bandmitglied, diesen exzentrischen Frontmann, der die ganze Zeit mit dieser Maske auf dem Kopf rumphilosophiert und stümpern dann teilweise was zusammen und ... Es ist so ein liebenswerter Film. Es geht um experimentelle Musik, aber es ist kein experimenteller Film, sondern es ist einfach eine wunderschöne Tragikomödie, über die Probleme, die überambitionierte Musiker haben, die dann trotzdem irgendwie sowas machen wie total faszinierende Kunst, gerade wegen ... Wegen ihrer merkwürdigen Art.
Johannes Franke: Okay. Ist nicht der Satz, den du eingangs gesagt hast, perfekte ... Experimentelle Musik?
Florian Bayer: Ist das nicht ein Oxymoron? Naja, ist es. Sie machen ... Unperfekte Musik im besten Sinne des Wortes.
Johannes Franke: Okay, cool. Schön. Mein Platz zwei wäre dann, ich weiß, den finden ganz viele ganz furchtbar kitschig und ich würde ihn vielleicht auch ganz furchtbar kitschig finden. Wenn ich ihn heute gucke, ich zehre auch aus Erinnerung und zwar August Rush im deutschen Klang des Herzens. Der Klang des Herzens, ganz furchtbar schlechter Titel.
Florian Bayer: Habe ich, glaube ich, nicht gesehen.
Johannes Franke: Es geht um ein Kind, das in einem Heim groß wird und irgendwie immer den Flitz hatte, dass er seine Eltern wiederfindet über die Musik. Und spielt Gitarre auf sehr andere Weise als, also er hat so Percussion-Gitarrenspiel. Und ... unglaublich tolle Musik da drin und er findet tatsächlich seinen Vater wieder durch diese Musik. Und es ist sehr kitschig, aber es ist wahnsinnig toll. Es klingt so kitschig. Es klingt unglaublich kitzelisch, gibst du. Aber es ist wirklich ein ganz, ganz, ganz toller Film. Ich muss ihn einfach nochmal sehen. Er hat so ein paar... Ich weiß nicht, ist sogar Robin Williams dabei? Ich weiß es nicht genau.
Florian Bayer: Klang des Herzens.
Johannes Franke: Klang des Herzens.
Florian Bayer: Klang des Herzens 2007.
Johannes Franke: Und das Kind, was das spielt, ist auch ganz toll.
Florian Bayer: Robin Williams ist dabei, Tatsache.
Johannes Franke: Ja, und der hat so irgendwie dieses ... die landen dann irgendwie im Untergrund, weil der Junge aus dem... heimentwischt und sich einfach auf die Suche begibt mit seiner Gitarre. Und dann Robin Williams ist, glaube ich, sogar ein Bösewicht, der ihm die Gitarre irgendwie wegnimmt. Also so ein bisschen ...
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Klingt auf jeden Fall interessant. Ich weiß nicht, aber es ist wirklich toll. August Rush.
Florian Bayer: Okay. Mein Platz 1 ist auch ein ganz junger Film. Wahrscheinlich hast du nicht davon gehört. Ich glaube, den gibt es auf Netflix zu sehen. Patty Cakes, Queen of Rap, hat mich total bewegt. Es geht um eine ... etwas fülligere 19-Jährige, die sich versucht im ... die versucht, sich im Rap einen Namen zu machen und die verflucht gut rappen kann, aber die als ... weiße, übergewichtige Frau ziemlich Probleme hat, in dieser Szene akzeptiert zu werden.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Sie kommt auch aus dem White-Trash-Milieu, aber es ist kein Eight Mile mit weiblicher Besetzung, sondern es ist wirklich ein eigenständiger Film.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und er erzählt ganz toll, wie sie sich dann so eine Art Band zusammenstellt, wo sie noch so einen Black-Metal-Gitarristen dann mit rein nimmt.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und sie machen dann so eine ganz schräge Crossover-Musik und parallel wird ihre Beziehung zu ihrer Mutter erzählt ... Und die früher auch Sängerin war und deswegen das aber kritisch sieht, was ihre Tochter da macht. Und die Musik wird dann schließlich letztendlich in einer unfassbar schönen pathetischen Szene zum Kit von den beiden, der sie wieder zusammenführt. Ganz toller, ganz bewegender Film mit einer großartigen Hauptdarstellerin, Danielle MacDonald, die ich davor auch nicht kannte. wirklich bewegend und ich bin nicht der große Hip-Hop- und Rap-Fan. Und umso krasser, dass der Film schafft mir ... Ja, so ein bisschen mitzugeben, wie diese Musik auch emotional sein kann, wie diese Genre auch ... Kraft geben kann und beim Überleben helfen kann.
Johannes Franke: Ja, das ... wird dem Genre ja sowieso ganz viel nachgesagt von Leuten, die das mögen. Ich kriege das immer nicht so richtig hin, das zu sehen, aber ... Mein Platz 1 hab ich schon mal in der Liste gehabt in irgendeiner A Star is Born. Mit die Version mit Lady Gaga.
Florian Bayer: Ah, die ich nicht gesehen habe. Die du immer noch nicht gesehen hast. Die ich aber sehen muss.
Johannes Franke: Die du unbedingt sehen musst. Floor. Das war ein Test, ob du sie inzwischen gesehen hast.
Florian Bayer: Aber ist das nicht auch so ein Aufsteiger-Absteiger-Film? Liebe zur Musik spielt da ... Auch eine wesentliche Rolle?
Johannes Franke: Wesentliche, wesentliche Rolle. Also das ist der große Aufhänger für Lady Gaga, also für die Figur von Lady Gaga. Und von ihm natürlich auch, aber ich bin da mehr bei ihr dran. Weil sie auch Musik schreibt und das aber sich nicht traut so richtig. Und das ist auch so ein bisschen eine Verarbeitung von Lady Gagas ... die hat ja vorher geschrieben für andere und sich nicht getraut, selbst es zu performen. Und dann hat sie sich irgendwann mal ... durchgerungen.
Florian Bayer: Krass, wenn man sie sieht, kann man sich das überhaupt nicht vorstellen, dass sie Lampenfieber haben könnte, weil sie so eine krasse Bühnenpräsenz ist.
Johannes Franke: Wahnsinn, ne?
Florian Bayer: Und so eine krass extrovertierte Figur auch. Also diese Kunstfigur Lady Gaga ist einfach so extrovertiert und so expressiv.
Johannes Franke: Mhm. Aber in dem Sinne kann man sich dann vorstellen, dass das vielleicht diese Expressivität brauchte, um das zu überwinden, was sie an Höchschwelle hatte. Weiß ich nicht genau. Aber vielleicht liegt es damit irgendwie daran.
Florian Bayer: Und sie ist ja auch eine radikale Kunstfigur. Also die Lady Gaga, die man ... Ich hab ihren Werdegang nicht so verfolgt, aber ich weiß, dass sie eigentlich immer die war mit den schrillsten Kostümen, mit den merkwürdigsten Verhaltensweisen, halt auch wo man gemerkt hat, da ist auch viel Rolle, die da auftritt. Ich meine, sie heißt Lady Gaga. Keine Ahnung, wie sie wirklich heißt. Mhm. Weiß man's? Ja doch, man weiß.
Johannes Franke: Aber ich hab's nicht im Kopf. Ja, das war mein Platz 1.
Florian Bayer: Ja, ich muss den gucken, ich weiß es. Er steht auf der Liste. Er ist bei Netflix mit einem Plus markiert.
Johannes Franke: Sehr gut. Und wir wissen, wenn du bei Netflix was mit einem Plus markierst, dann guckst du das nie.
Florian Bayer: Das ist ja eigentlich so eine eigene Kategorie Top 3 Filme, die ich bei irgendeinem Streaming-Service als für später Ansehen markiert habe.
Johannes Franke: Leider kann man nicht festlegen, ob die jetzt gut sind oder nicht, weil man sie ja nicht gesehen hat.
Florian Bayer: Aber man kann sie ordnen nach ... der Intensität, mit der ich ihn sehen sollte. Oder nach der Wahrscheinlichkeit, dass ich ihn nie sehen werde.
Johannes Franke: Okay, wir brauchen eine Liste von Filmen, die man gesehen haben muss, die man nicht gesehen hat, von denen man glaubt, wie hoch ist der soziale Druck, diesen Film zu sehen?
Florian Bayer: Ja, das ist auch gut, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Okay, das machen wir mal. So, wie kommen wir jetzt in unseren Filmen zurück?
Florian Bayer: Also ich stehe jetzt an dem Punkt, Sie sind für den Gesangswettbewerb angemeldet.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und sie proben in Daniels Haus. Und gleichzeitig ... Feiern sie da wirklich ausgelassen ihre neue Freiheit? Also zum Beispiel Gabriella ... Kommt dann halt auch zu ihm, hat ihre beiden Kinder dabei und sagt, meine Beziehung zu Conny ist zu Ende. Nachdem sie ja letztes Mal verprügelt wurde.
Johannes Franke: Und es ist auch eine ganz tolle Szene, wie Conny dann kommt, um sie zu holen und sich alle ... davorstehen und sagen ... Und es ist so stark.
Florian Bayer: Es passiert nichts, es ist kein Ausbruch. Ich mein, Conny fährt da mit seinem LKW das Auto von Danielsbruch, aber ... Dieser Moment, wo er einfach merkt, ich stehe hier einer Übermacht entgegen und von denen wird keiner weichen. Super.
Johannes Franke: Großartige Szene. Und es ist keine Szene wie bei Club der Toten Dichter, einer steht auf und alle anderen stellen sich dann auf und schreibt durch, sondern es sind einfach, die stehen einfach Einfach nur da und er merkt, okay, da ist was vorbei.
Florian Bayer: Ganz ruhige Szenen, es muss auch keiner was sagen. Sie müssen nur da stehen. Man sieht diese Verbundenheit und das reicht, das ist genug Gegenwehr für ihn.
Johannes Franke: Ja. Und es ist schön, dass er nochmal das Auto von Daniel einfach nochmal ein paar Mal rammt mit seinem Truck oder was er da hat. Und dann, ja... Aber ist danach nicht nochmal was? Er kommt doch ins Gefängnis. Warum kommt er denn dann, wenn du ins Gefängnis bist?
Florian Bayer: Weil er Daniel verprügelt im Fluss.
Johannes Franke: Ach ja, stimmt. Er verprügelt ja Daniel im Fluss.
Florian Bayer: Wir haben dann diese beiden Szenen. Einmal, wo Stick nachts in seiner Wohnung sitzt mit dem Gewehr. Und dann direkt darauf, am nächsten Tag, glaube ich, Daniel badet im Fluss. Der LKW hält an der Straße. Und du denkst schon so, oh shit. Und dann steigt halt Conny aus und verprügelt ihn wirklich ordentlich und lässt ihn auch im Fluss liegen.
Johannes Franke: Mhm. Man könnte in dem Moment echt denken, dass er da in dem Fluss stirbt, weil es wirklich ausgehalten wird. Er liegt da einfach und es ist nicht zu sehen, wie die Lösung sein soll. Und dann zerren sie ihn halt, die Frauen zerren ihn dann halt da raus und kümmern sich Und dann geht es glaube ich direkt über in die nächste Szene, wo er dann ... die Beichte hält. Ich komme ja eigentlich aus diesem Dorf. Mein Name haben wir uns sofort geändert, nachdem wir weggezogen sind und Klar, dass ihr nicht wisst, wer ich bin, aber ich bin derderhalb aus unserer aller Kindheit quasi. Und dann geht es schon rasant in Richtung Wettbewerb, oder?
Florian Bayer: Genau, dann fahren sie nach ... War es Zürich? Nee, Österreich war es, ne?
Johannes Franke: Es war Österreich, glaube ich.
Florian Bayer: Und ja, genau, dann fahren sie dahin. Es gibt diesen wirklich schönen Redemption-Moment von Stick, als er seiner ... Frau, als er Inga noch mal die Sachen bringt. Und man erlebt auch irgendwie einen anderen Stick in diesem Moment. der wirklich geschlagen ist und der wirklich gebrochen ist, nach Innsbruck fahren sie.
Johannes Franke: Ach. Okay.
Florian Bayer: Und dann fahren sie los und voller Euphorie alle.
Johannes Franke: Was mir dann wirklich leid tut, ist, dass ich dann sehe, einfach ... was ich eigentlich schon ahnen kann, was ich aber inzwischen wieder vergessen habe, dass Daniel ja eigentlich gesagt hat, um Gottes Willen, das können wir nicht machen. Ich wollte da weg, Und jetzt kommt er da hin mit dem Chor und alle stürzen sich auf ihn. Und das tut mir schon so weh. Weil die ganzen Frauen drumrum und er sich da irgendwie sofort wieder ... auf Italienisch mit allen irgendwie everyone's darling unterhält. unter seinen alten Agenten oder was das war, wer das ist, da begrüßt und sich auch tatsächlich freut. Aber ... Ich will ihn dort nicht haben. Ich denke jetzt schon, um Gottes Willen, das wird endet doch nicht gut. Bitte nicht. Und er hustet auch schon wieder ganz lange schon während des Films wieder auf eine ungute Art und Weise. Und man weiß schon, das endet nicht gut.
Florian Bayer: Weiß ich nicht unbedingt. Wir müssen gleich zum Ende kommen.
Johannes Franke: Ja, genau. Ich bin gespannt, was du sagst.
Florian Bayer: Also, ich hab diesen Konflikt auch wahrgenommen, aber tatsächlich als nicht so starken Konflikt. Ich finde es dann auch toll, dass er dann erst mal da ausbricht und einfach mit dem Fahrrad wild rumfährt. Ja. Das ist eine super Szene. Super. Und dann kommen wir zum Finale. Also kurz vorher sind...
Johannes Franke: Lena und er nochmal in einem Gespräch, wo er dann sagt, wenn man weiß, dass man jemanden mag, woher weiß man, dass jemanden liebt? Und ihr gesteht, was ja eigentlich beide schon längst wissen. Das ist so ein geiles aufgeschobenes Geständnis. Ich meine, sie haben die ganze Zeit eine Romanze. Ja, genau. Und dann haben sie halt auch Sex und so, ne? Und er hustet aber auch schon vor sich hin wieder und man wird gut darauf vorbereitet, dass er dann irgendwann einfach, ja, dass sein Körper nicht mehr mitmacht. Und dann ist halt der Moment, wo der Chor auf die Bühne soll zum Wettbewerb. Und Daniel ist nicht da. Und Daniel fährt noch mit dem Fahrrad in der Gegend rum. Es eilt sich dann schon noch zu kommen. Aber auf der Treppe zum Auftrittsort verliert er immer mehr die Kraft. kriegt Nasenbluten, landet auf dem Klo irgendwo und versucht sich dann noch zu... um es um Kraft zu sammeln. Und über die Lautsprecher des Klos, wo man dann die Geschehnisse auf der Bühne mitbekommt, kriegt er dann halt mit, was da passiert, während er eigentlich da sein müsste und der Chor singen müsste. Und der Chor wird halt gedrängelt, ja, wir müssen anfangen. wir können nicht mehr warten, es muss losgehen. Und was ich schön finde, ist, dass Tore ausgerechnet, der eben mit der geistigen Behinderung, dass der einfach durch durch den Druck, der da auch herrscht, den er schwer aushalten kann, anfängt ein Ton anzustimmen, was sie ja früher schon gemacht haben. was sie in den Proben schon gemacht haben und dann fängt er einfach an und die anderen steigen da irgendwie mit ein und dann tönt das ganze Haus irgendwann und das nimmt mich Da schon kriegt der Film mich volle Kanne. Und dann kriegt das auch noch Daniel über die ... die Lautsprecher zu hören und bricht da einfach zusammen und hat am Ende ... seinen Ton, der ihm sagt, dass er seine dass er das gefunden hat und erreicht hat, was er eigentlich, wo er eigentlich mal losgelaufen ist in Richtung Kunst. Das ist für mich das perfekte Ende. Und für dich nicht. Warum?
Florian Bayer: Und alles. Also ich fand das zum einen eine total überflüssige, aufgestülpte Tragik. die für mich in dem Moment emotional überhaupt nicht funktioniert hat. Es war für mich einfach ... Ich sehe, was der Film damit machen will, aber er macht es einfach zu viel meiner Meinung nach und zwar wirklich so, dass er mich emotional komplett verliert in diesem Moment. er hat es die ganze Zeit über eigentlich geschafft, Das im Kleinen zu erzählen, das, was Daniel sucht, das, was sie erreichen wollen. Und dann wird er auf einmal groß. Zum einen, indem es einfach um den Tod geht. Daniel stirbt. Mhm. Das ist eine, dass er diese Tragik drauf drückt. Aber auch zum anderen diese total krasse, unpassende spirituelle Erhöhung. Das ist ja... Das ist ja kein realistisches Bild, was da gezeichnet wird, dass die im Publikum plötzlich auch aufstehen und diesen Ton mitgehen.
Johannes Franke: Das habe ich absichtlich weggelassen in der Beschreibung.
Florian Bayer: Er zieht den ganzen Film auf so eine merkwürdige spirituelle Ebene, wo dieser Ton, diese Tonalität, die Musik ... zu dem wird, was alle verbindet. Quasi einfach einmal hier Totalitarismus mit Musik. Und das ist so ... Für mich hat sich das Ende angefühlt wie so ein kleiner Kobold, der anfängt an deiner Haut zu kratzen und zu sagen, Und dann klopft er auf dein Herz und sagt, los, sei bewegt, sei bewegt, sei bewegt. Es hat einfach nicht funktioniert. Es war einfach viel zu groß und wirklich unpassend, auch gerade im Verhältnis zu dem ruhigen und angenehmen Ton, den er davor hatte. Der Film hat es nie zu groß gemacht, war es immer subtil. Zum Beispiel, wenn ... Gabriella nach ihrem Gesang von ihrem Mann verprügelt wird, wird die Gewaltszene einfach ausgelassen. Fantastisch.
Johannes Franke: Und
Florian Bayer: Und wenn am Anfang erzählt wird, wie Daniel überfordert ist mit diesem ganzen Business, das wird so kurz in Zeitraffer abgehakt. Aber dann wird vor allem gezeigt, wie er halt einfach rausfährt und wie er da ist und wie er sich dazu zurückzieht. Und in seiner Schlussszene wirft dieser Film diese Zurückhaltung komplett über Bord. Und schmeißt mir so ein, ja, so ein wirklich kitschiges, spirituelles Hollywood-Ende entgegen. Ich hab's nicht verstanden. Warum er glaubt, das nötig zu haben? Ich finde, er hat es einfach nicht nötig. Er hat den Film... ruhig ein bisschen lakonischer ausgehen lassen können. Er hätte weder Daniel töten müssen, noch hätte er diesen überhöhten, pathetischen Chormoment machen müssen. Es wäre einfach ... Es wäre einfach kleiner gegangen und es hätte bei mir ein besseres Gefühl hinterlassen. Wie gesagt, der Film war davor stark genug, dass mir das Ende den Film nicht kaputt macht. Ich finde das immer schwierig zu sagen. Das Ende verdirbt mir den ganzen Film. Das macht es nicht. Ich sehe es fast als Fremdkörper an im Film, das draufgestückt wurde, um Emotionen zu erzeugen. die er davor viel besser erzeugt hat.
Johannes Franke: Aber es ist schon sehr folgerichtig, oder? Also ich finde, diese ... Naja, ich meine, das ist natürlich eine romantische Verklärung. Du hast etwas gesucht dein Leben lang und im Tod kriegst du das dann noch serviert. Das ist eine typische pathetische, romantisierte Vorstellung. Aber Aber ich finde es gut und es hat mich volle keiner erwischt und ich habe zehn Minuten lang geflampt.
Florian Bayer: Krass.
Johannes Franke: Ja, aber wirklich zehn Minuten lang geflampt. Also ich habe dann alles nochmal rausgeholt, was ich verarbeitet, was Corona mir angetan hat und so künstlerisch. Ich weiß nicht, du bist Künstler. Du bist Schriftsteller. Du weißt, was ... Also, mir bedeutet das wahnsinnig viel. Ich weiß nicht, wie das ... Wie den Film Menschen sehen, die mit Kunst an sich nicht so viel am Hut haben. Aber der künstlerische Prozess und das, was man will und dieses Drängen nach... dieses Wollen nach Ausdrucksmittel und nach Menschen erreichen, Das geht mir immer so durch und durch, durch den ganzen Körper irgendwie.
Florian Bayer: Also diese romantische Verklärung von Kunst hat der Film ja die ganze Zeit.
Johannes Franke: Ja, klar.
Florian Bayer: Aber er schafft es das in ... Ich finde, da ist einfach weniger mehr ... Er schafft das in anderen Szenen, wo er nicht so viel macht, schafft er das deutlich stärker rüberzubringen. Zum Beispiel Gabrielas Auftritt, wenn sie singt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Oder auch wenn Tore im Chor anfängt und sie begeistert sind. Daniel vor allem begeistert ist von seiner Stimme. Und wir sehen, wie Tore Mitglied des Chores wird. Und hier, das Problem ist genau, das ist alles so geerdet. Das ist so ganz klar. Kunst ist was Besonderes. Kunst kann ganz viel bewirken. Wir zeigen das. Und hier wird es aber fast so transzendentalisiert.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: ja, sowas, was irreal ist und das passt für mich einfach nicht zum anderen Ton des Films. Es ist mir einfach zu viel Kitsch, zu viel Pathos. Und zu viel spiritueller Pathos vor allem.
Johannes Franke: Ich finde selbst diesen Pathos schafft er irgendwie geerdet zu erzählen. Du hast, du hast, du weißt, es wird nichts gesagt. Ganz lange, die letzten paar Minuten im ganzen Film wird kein einziges Wort geredet. Du hast nur diesen Ton dann irgendwann und er eben, wie er da liegt. und nur diesen Ton dann noch hört. Du hast keine... dramatischen Nullen. Irgendjemand, der auf ihn zustürzt und sagt, tu's nicht, stirb nicht. Und dann die Faust gen Himmel reckt.
Florian Bayer: Ja, aber so hat es sich für mich auch angefühlt. So hat sich für mich diese Szene auch angefühlt. So trüber einfach und zu viel Pathos, zu viel Kitsch. Ähm ... Ich hätt's mir einfach ein Stück leiser gewünscht, ein Stück ... Obwohl der Film ist ja auch sonst nicht immer subtil. Er arbeitet ja auch ganz viel mit Symbolen, arbeitet mit ganz vielen Bildern. dass er so was Messiashaftes an sich hat, dass Lena so wie eine Art Engel rüberkommt. Mhm. Sie hat doch sogar irgendwann ein Engelkostüm.
Johannes Franke: Sie redet von Flügeln, die sie an Menschen sieht und so.
Florian Bayer: Ja, aber das war einfach, da hat er mich verloren. Das war mir zu religiös fast schon. Ja, zu religiös.
Johannes Franke: Echt, ich habe da gar keine religiöse Idee drin gesehen. So gar nicht.
Florian Bayer: So dieses extreme Zusammenkommen und dieses plötzlich werden alle mitgerissen. Ich meine, gründen sie danach eine Sekte?
Johannes Franke: Ja, genau. Ich gebe zu, dass das Publikum aufsteht ... ist völlig, nein, das hätte man wirklich weglassen sollen. Da fehlt es ihm an Realismus, den er den ganzen Film über hat. Aber das reicht dir ja wahrscheinlich nicht, ne? Nee, reicht nicht. Wenn das Publikum nicht aufgestanden wäre, dann wäre der Film nicht besser gewesen.
Florian Bayer: Allein schon dieses Bild des blutüberströmten Daniels, der dann auf dem Klo liegt und so mit diesem zufriedenen Lächeln stirbt und ach ja, nee, es war zu viel. Es war einfach ... Es wäre einfach eine Nummer kleiner ... Ich fand das ganze Ende, das war einfach ... Das passt für mich nicht zum Film. Und das war für mich einfach ... Verfehlt zu viel Pathos an der falschen Stelle. Tut mir leid.
Johannes Franke: Obwohl ich den Film sonst wirklich mochte.
Florian Bayer: Und ... Ich hätte ihm ein anderes Ende gewünscht. Ich glaube, es hätte ihm ein anderes Ende auch besser gestanden und hätte ihn auch irgendwie hochwertiger wirken lassen. Ich fand's ein bisschen cheap. Das ist halt auch so ein bisschen cheap.
Johannes Franke: Aber du stimmst mir zu, dass man so ein bisschen ein kathartisches Ende braucht. Irgendwas muss ich auflösen. Irgendwas musst du... Oder? Oder nicht?
Florian Bayer: Nee. Der Film ist eine Katharsis an und für sich. Der Film braucht kein kathartisches Ende. Weil der Film baut ja keine tragische Spannung auf, die dann am Schluss unbedingt entladen werden muss. Aber was willst du machen?
Johannes Franke: Willst du es einfach auslaufen lassen?
Florian Bayer: Ja. Ich glaub schon. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man den Film hätte enden lassen können. Eine Möglichkeit wäre gewesen, dass sie sich dann doch gegen den Wettbewerb entscheiden und zum Beispiel einen großen Moment draußen in der Natur haben, wo sie singen. Also großen Moment ist viel gesagt, aber dass sie dann doch für sich singen. Man hätte sie auch einfach bei diesem Gesangswettbewerb mitmachen können und sie freuen sich einfach teilweise. Tatsächlich, ohne groß was zu gewinnen, ohne dass groß was passiert. Ich hätte, glaube ich, tatsächlich ... Ich finde, dass Daniel umgebracht wird, das muss nicht sein. Der muss nicht so in diese Richtung tragik kippen.
Johannes Franke: Aber eigentlich ist doch von Anfang an angelegt, dass er sterben wird.
Florian Bayer: Ja, das ist halt auch so ein Ding. Es ist so angelegt und das kann man auch unterlaufen. Das ist eigentlich ganz sympathisch, wenn man das dann unterläuft. Man muss den, der am Anfang seinen Herzinfarkt hatte und der die ganze Zeit kränklich und geschwächt ist, man muss den nicht am Ende umbringen.
Johannes Franke: Weiß nicht. Das ist kein zufriedenstellendes Ende. Der muss starben. Okay. Vielleicht ist da wieder der Unterschied zwischen Bergmann und Nolan... Naja, um unsere beiden Lager mal einmal noch mal zu extremen hochzubringen. Obwohl ich nicht Nolan sagen würde.
Florian Bayer: Eher Bergmann, Rosamonte, Pilscher.
Johannes Franke: Ich bin, ich steh nicht auf der Seite von Rosamunde Pilcher, Flor. Willst du rausgehen? Nicht prügeln.
Florian Bayer: Na los, komm, komm, komm.
Johannes Franke: Ähm, okay. So, die Bud Spencer-Selena auch noch gemacht.
Florian Bayer: Oh, wir müssen mal einen Bud Spencer unter uns helfen gucken.
Johannes Franke: Oh mein Gott. Oh mein Gott. Okay, also ich liebe diesen Film. Ich liebe dieses Ende. Ich bin froh, dass du 50 Prozent von den beiden Sätzen... bestätigen kannst. Und 50% sind schon... Gut, vielleicht eher 70 Prozent, weil du bist ja wirklich nur am Ende des Films irgendwie dann so ein bisschen Overkill. Und ich würde wirklich jedem empfehlen, der auch nur ein kleines bisschen mit Kunst zu tun hat, diesen Film zu gucken und auch alle anderen ... weil der einfach auf ganz wunderbar geerdete Art und Weise eine Geschichte erzählt, die wahnsinnig bewegend ist.
Florian Bayer: Hast du die Fortsetzung gesehen?
Johannes Franke: Nee. Es gab 2015, glaub ich, kam der ins Kino. Wie auf Erden, glaube ich, hieß der dann in der deutschen Version. Und ich habe ihn nicht gesehen. Weißt du, worum es geht?
Florian Bayer: Ich hab kurz einmal bei Wikipedia so die ersten zwei Sätze gelesen und Es spielt im selben Dorf.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und es schließt irgendwie an, an die Handlung dieses Films. Und es geht da ... Wir sehen wohl auch ... dieselben Figuren.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Minus Daniel logischerweise.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und es geht wohl wieder ähnlich um die Zur Musik, wenn ich es richtig verstanden habe, steht da aber eher der Tanz im Mittelpunkt. Aber Lena ist offensichtlich die Protagonistin.
Johannes Franke: Hä?
Florian Bayer: Okay. Und das finde ich erst mal schön. Und wenn man sich die Besetzungsliste durchliest, dann sieht man die ganzen alten Namen wieder. Stick, Arne, Tore, Sif, Erik. Wow, Gabriella fehlt in der Liste. Das finde ich schade.
Johannes Franke: Ähm ...
Florian Bayer: Aber es scheint irgendwie ... Es scheint anzuschließen, er hat nicht sonderlich gut abgeschnitten bei der Kritik. Ihm wurde vorgeworfen, den Erfolg des ersten Films ausgeschlachtet hätte und versucht hätte, das zu reproduzieren. Der erste Film ist ja unglaublich beliebt in Schweden. Das ist krass, dass ich davon noch nie gehört habe. Er war nominiert für ... bester oscar ausländischer film 2004 oder 2005 und Zählt wohl zu dem beliebtesten Film Schweden ist der letzten 20 Jahre.
Johannes Franke: Er wurde auch dort, ich weiß nicht genau wie die hießen, es gab auch dort einen Wettbewerb, wo er irgendwie für sieben Preise nominiert wurde, aber leider keinen davon gewonnen hat. Insofern schade eigentlich. Ja, der Regisseur hat auch irgendwie 18 Jahre vorher nichts gemacht. Er hat ja irgendwie Filme gemacht und er hatte 18 Jahre lang ... Keinen Film gemacht. Und dann den.
Florian Bayer: Das ist krass, als würde er seine eigene Karriere verfilmen. Nochmal so einen Rückgriff.
Johannes Franke: Krass, ne?
Florian Bayer: Ja. Ich kannte nichts von dem Regisseur.
Johannes Franke: Ich auch nicht.
Florian Bayer: Und seine Filmografie ist auch tatsächlich sehr übersichtlich. Ich sehe hier fünf Filme. wovon die letzten beiden wie im Himmel und wie auf Erden sind, zwischen denen auch fucking elf Jahre liegen.
Johannes Franke: Ach so. Stimmt. Ich hab gar nicht mitgerechnet. Natürlich, wenn der 2004 rausgekommen ist und der andere 2015, dann ist das lange her.
Florian Bayer: Wirklich ein schöner Film. Er hat ein paar kleine Schwächen. Ich hab schon erwähnt, dass ich die ... mir ein bisschen mehr Ambivalenz bei manchen Charakteren gewünscht hätte oder die Ambivalenz ein bisschen früher einsetzend. Ich fand die Offerzählung am Anfang nicht zwingend notwendig. Da hätten die Bilder gereicht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber ein ... Über weite Strecken ein ganz toller Film. Ganz schöner, unglaublich menschlicher Film. Mit einigen herausragenden emotionalen Szenen. Es gibt zwei, drei, vier Szenen, die wirklich emotional wirklich stark sind. Ich glaube, wir haben sie ganz gut abgedeckt jetzt in unserem Gespräch.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Und eine tolle Liebeserklärung an die Musik und das Ende hat mir nicht geschmeckt.
Johannes Franke: Ich will noch mal herausstellen, dass ich wahnsinnig spannend finde, wie sie über Religion reden und was Religion macht. ohne dass sie die Religion an sich verteufeln. Also es ist nicht so, dass der Film sagt, Religion ist scheiße oder Gott ist scheiße oder was auch, Gott ist tot. Nee, Aber was Religion, was Menschen teilweise daraus machen, ist halt ein echtes Problem. Und es ist schön, diesen Take von diesem Film auf dieses Thema zu sehen. Und einfach die Liebeserklärung an die Musik. Wundervoll. Ganz wundervoll. Weit ab von Charts... CD verkäufen, wir wollen alle Geld machen, sondern einfach wirklich das Menschliche in der Musik. Wundervoll.
Florian Bayer: Das Vollkommene und der Unvollkommene Musik auch.
Johannes Franke: Auch das, ja. Okay, cool. Schön, vielen, vielen Dank, Flor, dass du diesen Film geguckt hast.
Florian Bayer: Ja, danke, dass du ihn mir gezeigt hast. Also ... Ja ... Das war tatsächlich so eine filmische Bildungslücke und es ist schön vor allem, weil es ein schwedischer Film war. Ja.
Johannes Franke: Danke an Maya, dass sie ihre Bestenliste hatte.
Florian Bayer: Ja, stimmt. Eigentlich haben wir Maya zu danken, dass der Film noch mal aufgetaucht ist. So zumindest 50 Prozent von den Dankgebühren. Und dir danke, Johannes, dass du dich durch Moonraker gequält hast.
Johannes Franke: Danke für diese Filmempfehlung. Ich fand's streckenweise sehr witzig.
Florian Bayer: Wenn ihr wissen wollt, wie es weitergeht, was nächste Woche rankommt.
Johannes Franke: Dann bleibt noch dran.
Florian Bayer: Und ansonsten schreibt uns gerne johannes-at-musmann-sehen.de, florian-at-musmann-sehen.de. Abonniert uns, lasst uns ein Like da. Was auch immer. Ja, wir haben unsere Audios tatsächlich auch auf YouTube. Da kann man ein Like da lassen, da kann man uns abonnieren und da kann man was in die Comments schreiben, damit der Algorithmus uns nach vorne treibt.
Johannes Franke: Ooh.
Florian Bayer: Wir sehen uns nächste Woche. Wir hören uns nächste Woche und bleibt dran, weil wir sagen gleich noch, was wir nächste Woche machen werden.
Johannes Franke: Bis dann.
Florian Bayer: Ciao.
Johannes Franke: Floor, wir müssen noch darüber reden, was wir nächste Woche machen.
Florian Bayer: Ich hatte es jetzt so oft erwähnt und jetzt sogar auf einer Top-Liste. Es wird Zeit, dass es mal drankommt. Der ... meiner Meinung nach am meisten unterschätzte Film des Jahres 2019. Yesterday von Richard Curtis mit und ohne die Beatles.
Johannes Franke: Wurde der wirklich so unterschätzt? Ich hab den so als Hype wahrgenommen.
Florian Bayer: Ich hab ihn nicht gesehen, aber ... Nee, wurde nicht ... Also ... Der war, glaub ich, schon ein Publikumsrenner, aber die Kritik darauf war eher so, boah, nette Rom-Com. Und da wurde er auch, glaub ich, eingeordnet und ...
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: So ein bisschen vergessen, was hart ist bei einem 25-Neunsten und wahrscheinlich auch viel zu viel gesagt. Aber ich glaube, der Film verdient ein bisschen mehr Würdigung und ein bisschen mehr Respekt, als er erhalten hat. Vor allem vom Feuilleton.
Johannes Franke: Okay, ja dann bin ich mal gespannt, ob ich ihn entsprechend würdigen kann.
Florian Bayer: Ja, ich auch. Was gibt es denn?
Johannes Franke: von dir? Von mir, naja, ich hatte jetzt auch schon ein paar Mal in der besten Liste und einfach eine unglaubliche Schauspiel-Performance, die ich einfach nochmal gucken muss. Ich muss sie nochmal sehen und muss sie einfach mitgucken.
Florian Bayer: Komm ich wieso in the room?
Johannes Franke: Genau. Nein, wir haben Heath Ledger. Großer Heath Ledger-Fan. Und wahrscheinlich einst du es schon, der Joker von ihm. Ja. Wir haben noch keinen Superheldenfilm besprochen, oder?
Florian Bayer: Tatsache. Es sei denn, James Bond fällt irgendwie in die Superheldenkategorie, aber nicht so wirklich.
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Okay, großartig. Du hast für mich also The Dark Knight.
Johannes Franke: Ich habe für dich The Dark Knight, ja.
Florian Bayer: Den ich liebe, geliebt habe und schon sehr, sehr lange nicht mehr geguckt habe.
Johannes Franke: Das wäre spannend. Okay, cool. Ich wusste nicht mehr, ob du ihn wirklich so geliebt hast. Ich glaube, ich ahnte, dass du ihn gesehen hast, aber ich wusste nicht mehr, wie du dazu stehst.
Florian Bayer: Also, ohne ihn jetzt gesehen zu haben, zum keine Ahnung wievielten Male ... Ihn schon lange nicht mehr gesehen zu haben, würde ich nach wie vor behaupten, er zählt für mich ganz klar zu den besten Actionfilmen des 21. Jahrhunderts, des jungen 21. Jahrhunderts. wenn nicht sogar der beste Actionfilm der letzten 20 Jahre.
Johannes Franke: Okay, wow. Ja, okay, also für mich ist es nur diese Szene, aber ich ... Ich bin gespannt, ich habe den Rest des Films gar nicht mehr so richtig in Erinnerung, ehrlich gesagt. Mal gucken, mal gucken. Ich wollte einfach diesen Heath Ledger nochmal gucken.
Florian Bayer: Es wird spannend und wir sehen uns dann beim nächsten Mal.
Johannes Franke: Ja, sehr schön. Bis nächste Woche. Bis dann. Ciao. Bis dann. Ciao.
