Episode 62: 101 Dalmatiner und das Silver Age des Disney Zeichentrickfilms
Endlich ein Disney-Classic! Oder gehört 101 Dalmatiner aus dem Jahr 1961 überhaupt zu den Disney-Klassikern? Damals läutete dieser Film eine neue Ära ein, heute wird er oft in einem Atemzug mit Dumbo, Pinocchio und Peter Pan genannt.
Doch bevor wir uns um die Umstände seiner Entstehung und seiner Einordnung kümmern ein kurzer Abriss der Story: Der Dalmatiner Pongo lebt bei seinem Haustier Roger, einem Menschen, in einem Dachgeschoss Apartment London. Pongo schaut mitleidvoll auf Roger der noch keine Lebensgefährtin hat und beschließt kurzerhand sich darum zu kümmern. Vielleicht auch weil er sich hals über Kopf in eine Dalmatinerdame verliebt hat. Man könnte meinen der Film kreise um die Eroberung der Herzensdame, aber die Annäherung geht recht schnell und wir springen in der Zeit nach vorn.
Pongo und Perdita erwarten Welpen, wovon Cruella DeVille, eine alte Schulfreundin von Anita, Wind bekommt und die kleinen kaufen will. Als ihr der Kauf versagt bleibt, beschließt sie, sie einfach zu stehlen, sobald sie ihre Punkte im Fell entwickelt haben, um einen Fellmantel daraus machen zu lassen. Natürlich lassen sich die beiden Eltern es nicht bieten und eilen ihren Welpen zur Rettung. Schlussendlich retten sie allerdings nicht nur ihre eigenen Kinder, sondern insgesamt 99 Dalmatinerwelpen, die alle dem kruden Modegeschmack unserer Schurkin zum Opfer fallen sollten.
Plor, gehört der Film zu den Disney-Classics oder ist er der Beginn des Abstiegs Disneys in die mageren Jahre?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 62: 101 Dalmatiner und das Silver Age des Disney Zeichentrickfilms Publishing Date: 2022-03-09T20:00:02+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/03/09/episode-62-101-dalmatiner-und-das-silver-age-des-disney-zeichentrickfilms/
Florian Bayer: Es gibt diese tolle Szene, wo sie sich dann alle Labrador-Facing verpassen. Ist das politisch problematisch, Johannes? Ich frage dich.
Johannes Franke: Ich weiß es nicht. Ich glaube, es ist okay.
Florian Bayer: Tada! Herzlich willkommen zu einer neuen Episode vom Muss-Man-Sehen-Podcast. Hallo, Johannes. Der Muss-Man-Sehen-Podcast mit Florian Bayer und Johannes Komioko-Franke. Oh Gott. Heute mit klassischem und weniger klassischem Disney-Programm. Wir reden über, Johannes, du hast den Film vorgeschlagen.
Johannes Franke: Ja, wir reden über 101 Dalmatiner, nicht 101 Dalmatiner, wie ich gelernt habe. Ganz wichtig, wie man oft so mit Fächtigem-Weinem sagt.
Florian Bayer: Du hustest heute viel, was ist los? Ich erhole mich immer noch von meiner Corona-Infektion wahrscheinlich. Oh Mann. Man kann ja einfach den Original-Titel nennen. 101 Dalmatians, dann kommt man gar nicht in die Versuchung, da so ein Z reinzubauen. Das würde ich nämlich auch immer machen, wenn ich sage 101 Dalmatiner. Und wir werden über Disney-Filme reden. Wir haben unseren ersten wirklich klassischen Disney-Zeichentrick-Film. Stimmt. Und wir werden uns mit Sicherheit über die Disney-Zeichentrick-Kunst unterhalten. Über alte und neue Verfahren, die mittlerweile auch alte Verfahren sind. Auch sehr alte Verfahren und noch neuere und noch ältere. Wir werden bestimmt über Disney-Ähren reden. Über Golden Age und Silver Age und Bronze Age. Was ist die Bronze Age im Disney? Das werden wir alles klären. Das werden wir alles klären. Und wenn ihr was wissen wollt über die Geschichte der Disney-Studios und über diesen speziellen Film, der tatsächlich auch ein besonderer Film ist, weil er eben den Anfang einer neuen Ära markiert für Disney im Jahr 1961. Dann bleibt dran.
Johannes Franke: Es geht los. Es geht los. Bloß soll ich einfach mal unseren Einleitungstext, meinen Einleitungstext, den ich extra geschrieben habe, damit du weißt, worum es geht. Ja, Johannes, hau raus. Okay. Endlich ein Disney-Klassik. Oder gehört 101 Dalmatiner überhaupt zu den Disney-Klassikern? Damals läutete dieser Film eine neue Ära ein. Heute wird er oft in einem Atemzug mit Dumbo, Pinocchio und Peter Pan genannt. Doch bevor wir uns um die Umstände seiner Entstehung und seiner Einordnung kümmern, ein kurzer Abriss der Story. Der Dalmatiner Pongo lebt bei seinem Haustier Roger, einem Menschen, in einem Dachgeschoss-Apartment in London. Pongo schaut mitleidvoll auf Roger, der noch keine Lebensgefährtin hat und beschließt kurzerhand, sich darum zu kümmern. Vielleicht auch, weil er sich Hals über Kopf in einer Dalmatiner-Dame verliebt hat. Man könnte meinen, der Film kreise um die Eroberung der Herzensdame, aber die Annäherung geht recht schnell und wir springen in der Zeit nach vorn. Pongo und Perdita erwarten Welpen, wovon Cruella de Vil, eine alte Schulfreundin von Anita, Wind bekommt und die Kleinen kaufen will. Als ihr der Kauf versagt bleibt, beschließt sie sie einfach zu stehlen, sobald sie ihre Punkte im Fell entwickelt haben, um einen Fellmantel daraus machen zu lassen. Natürlich lassen sich die beiden Eltern es nicht bieten und eilen ihren Welpen zur Rettung. Schlussendlich retten sie allerdings nicht nur ihre eigenen Kinder, sondern insgesamt 99 Dalmatiner-Welpen, die alle dem kruden Modegeschmack unserer Schurken zum Opfer fallen sollten. Plor, gehört der Film zu den Disney-Klassics oder ist er der Beginn des Abstiegs Disney in die mageren Jahre?
Florian Bayer: Also wir steigen gleich ein mit den Disney-Epochen. Ja, ich finde schon. Ja, okay. Also meine These ist, die Filme der mageren Disney-Jahre sind prinzipiell grundsätzlich total unterschätzt. Absolut. Es wird von Bronze Age oder manchmal sogar von Dark Age von Disney-Zeichentrickfilmen geredet. Ja. Und tatsächlich wird 101 Dalmatiner gar nicht so sehr an den Anfang davongesetzt. Der ist ja aus dem Jahr 1961. Und meistens wird das Bronze-Zeitalter eher so im Jahr oder das Dark Age eher so im Jahr 1970 verortet. Aber viele sagen, es fängt damit an, weil es eben bei 101 Dalmatiner dieses neue Verfahren gab, dieses neue Zeichenverfahren. Und vielleicht ist es ganz gut, dass wir erstmal so kurz in die Geschichte einsteigen, was Disney-Trickfilmkunst betrifft. Weil alles, was wir hier haben, es hängt ja auch mit den technischen Umständen zusammen. Und der Film hat einen sehr speziellen Stil. Vor allem im Vergleich zu den älteren Filmen. Ein Stil, der dann in späteren Filmen, in den späten 60ern und 70er Jahren noch oft auftauchen sollte. Ja. Und dieser spezielle Stil ist aber tatsächlich aus der Not geboren.
Johannes Franke: Hast du einen kleinen Abriss darüber, was vorher war? Oder sollen wir gleich in die Änderung reinsteigen?
Florian Bayer: Wir sollten kurz sagen, was vorher war, damit Leute überhaupt so eine Vorstellung davon haben, was da passiert ist. Weil es ist wirklich krass. Also Zeichentrickproduktion ist seit jeher unglaublich zeitaufwendig.
Johannes Franke: Wahnsinnig viel. Du hast einen Zeichner, der am Anfang so ein bisschen vorzeichnet. Also nicht ein bisschen vorzeichnet, sondern die Vision überhaupt entwickelt auf Papier. Einfach schwarz-weiß eine Zeichnung. Mickey Mouse steht da am Steuerrad und fährt das Boot. Und das in zwölf Frames in der Sekunde. Und das muss alles gezeichnet werden.
Florian Bayer: Jeder Frame braucht eine Zeichnung. Das heißt, wenn du zehn Sekunden hast, dann hast du 120 Bilder, die gezeichnet werden. Schnell gerechnet, Flo. 120 Animationen. Und das Verfahren war vor allem auch deswegen so aufwendig, weil wie Johannes schon gesagt hat, wir hatten zuerst die Animatoren, die die Vorzeichnung gemacht haben. Und dann wurden die Bilder von den sogenannten Inkern per Hand auf Folie übertragen. Das heißt, es gab quasi eine ganze Delegation von KünstlerInnen bei Disney, die deutlich weniger verdient haben als die Animatoren, die nichts anderes gemacht haben als die Bilder abgepaust und mit feinen Linien die Tinte auf die Folien übertragen haben. Und zwar die transparenten Folien. Weil grundsätzlich sieht ein Zeichentrickfilm so aus. Du hast deinen Hintergrund und der Hintergrund wird natürlich mehrmals verwendet. Das heißt, der wird nicht immer neu gezeichnet. Darauf werden dann die einzelnen sogenannten Cells gelegt. Das sind die transparenten Folien, auf denen die unterschiedlichen Animationen, eine Cell per Frame, abgebildet sind. Und das heißt, es war unglaublich aufwendig, weil es gab einfach diese drei Schritte. Das Zeichnen von den Animatoren, das Übertragen von den Inkern und dann das Abfotografieren.
Johannes Franke: Und das Kolorieren. Also gab es ja auch nochmal unterschiedliche Stufen. Dann hast du jemanden gehabt, der erstmal mit der Farbe grundsätzlich die Figur eingefärbt hat, koloriert hat. Und dann gab es noch Leute, die entsprechend farbige Linien drumherum gezeichnet haben, die entweder sichtbarer oder weniger sichtbar waren, je nachdem, was für einen Stil das Ding haben sollte. Aber es hat den Stil von Disney sehr geprägt, dass diese Linien, die Outline von den Figuren nicht allzu krass war. Die waren richtig fein gezeichnet. Die waren richtig feine Linien. Da hast du bei der Prinzessin in den Haaren ganz tolle farbige Linien gehabt. Das war deren ganzer Stolz. Zumindest in der kurz bevor eben die Dynamatoren kamen.
Florian Bayer: Genau, so wurden die Filme in der klassischen Disney-Ära gemacht. In der klassischen Zeichentrick-Ära, die oft als Golden Age bezeichnet wird. Das heißt, eigentlich von 1937 mit dem ersten großen Disneyland-Film Snow White, also Schneewittchen, bis hin dann in die 40er Jahre, unterbrochen von den Wartime-Movies und dann nochmal in die 50er hinein. Das Besondere war tatsächlich, dass diese Inker, die hatten eher den Ruf, glaube ich, so ein bisschen Arbeitsaffen zu sein. Das ist total krass, wenn man sich anguckt, wie die gearbeitet haben. Da gab es dann wirklich diese Kästen, da gab es Großraumbüros und da waren diese Kästen und da saßen die Inker und das waren tatsächlich viele Frauen. Sehr, sehr viele Frauen. Das waren fast nur Frauen und deren Aufgabe war so ein bisschen, das waren nicht die Künstler. Die galten nicht als die Künstler, sondern das waren die, die nichts anderes gemacht haben, als die Ideen der Animatoren, so gut es ging, auf die Folie zu übertragen. Dass die Ideen für den Film lebendig werden konnten.
Johannes Franke: Und das sind die, auf die immer geschimpft wurde, wenn irgendwas nicht genauso aussah, wie der Animator sich das vorgestellt hat.
Florian Bayer: Schnitt. Wir haben das Jahr 1961 und es gibt technische Neuerungen. Fotokopierer kommen langsam auf.
Johannes Franke: Was wir heute für völlig selbstverständlich halten, jedes Büro hat einen Kopierer. Und damals war das eben so ein Verfahren, was wirklich aufwendig riesige Apparaturen und riesige Räume beanspruchte. Du hast eine Linse gehabt, die das Ganze abfotografiert hat, dann auf eine Platte gebracht. Diese Platte wurde entwickelt und so weiter und so fort. Du musstest also sehr viel Aufwand betreiben damit. Allerdings weniger Aufwand, als alles einmal von den Inkern nachzeichnen zu lassen auf Folie. Also sie konnten kopieren auf Folie.
Florian Bayer: Sie konnten direkt die Zeichnung der Animatoren auf das Gerät legen und sagen, das ist jetzt unsere Kopie und damit arbeiten wir weiter. Sprich, dieser Inka-Vorgang wurde radikal gekürzt, weil dieses Abhausen einfach nicht mehr notwendig war. Und das ist tatsächlich aus einer wirtschaftlichen Notwendigkeit geboren worden.
Johannes Franke: Sleeping Beauty war so schlecht an der Box-Office. Also die haben so wenig Geld verdient damit, dass die echt nachgedacht haben, ob sie die ganze Animation-Sache einstampfen müssen und nur noch ihren Freizeitpark und Live-Action-Filme machen.
Florian Bayer: 1959, Dornröschen, Sleeping Beauty, eigentlich ein ganz traditioneller, klassischer, wunderschöner Disney-Film. Hat damals sechs Millionen Dollar gekostet und hat im Box-Office, was erstmal nach einem Erfolg klingt, ungefähr 50, 60 Millionen eingespielt. Aber das war kein Erfolg, weil davon ist halt auch nur ein gewisser Teil an Disney hängen geblieben. Und wie gesagt, da gab es ja für den Film, gab es ja eine Menge Leute, die bezahlt werden mussten, einfach weil er diese Inka-Brigaden hatte, die da saßen und den ganzen Tag halt gezeichnet haben. Also folgerichtig, neue Technik. Hey, Moment, diese riesige Apparatur, wenn wir die einmal aufgestellt kriegen, dann ersetzt die uns die Inka und das ist dann noch passiert. Und über Nacht wurden 300 Leute entlassen oder so.
Johannes Franke: Ich muss mal dazu sagen, dass ich die letzten Stunden damit verbracht habe, zu verstehen, was genau dieses Verfahren kann. Ich habe echt lange gebraucht, mich da durchzufitzeln, weil irgendwie ein Haufen Videos, da ein Video, da ein Video und dann hat der eine das so angedeutet, der andere hat das so angedeutet und ich habe echt lange gebraucht, um zu verstehen, was eingespart wurde und was nun eigentlich diese Apparatur konnte.
Florian Bayer: Das ist witzig, dass du das sagst, bei mir ging es genauso. Du findest unfassbar viele schlechte Beschreibungen von einem so simplen Verfahren. Es ging einfach nur darum, dass die Übertragung auf transparente Folien, die Übertragung der Animationszeichnungen auf transparente Folien, dass die ausgespart werden konnte. Und guess what? Die Animatoren fanden es total geil. Natürlich fanden die es total geil. Ihre Bilder wurden direkt kopiert, eins zu eins. Die wurden nicht mehr abgezeichnet, da war nicht plötzlich irgendwie so eine Frau dazwischen, die gesagt hat, ach, hier machen wir noch ein bisschen schöner und hier machen wir noch einen schönen Pinselstrich. Nein, das, was sie skizziert haben, ihre Bewegung, ihre Vorstellung von Dynamik, die wurde eins zu eins übertragen. Und weißt du, was für ein schönes, lustiges Problem damit einherging?
Johannes Franke: Die hatten ein Ego. Das heißt, es wurden Herrscharen von Assistenten dazu beauftragt, die Zeichnungen zu cleanen. Also von so Vorzeichnungen und Konstruktionszeichnungen, die drunter sind, die bei sowas einfach passieren, die irgendwie loszuwerden und rauszuradieren oder rauszuretuschieren. Und da waren ein paar Leute sehr beleidigt.
Florian Bayer: Ja, die wollten das nicht. Die wollten, dass ihre Ideen enthalten bleiben. Und jeder, der mal gezeichnet hat, kennt das. Also wenn du einen Menschen zeichnest, fängst du an mit einer Skizzierung. Das heißt, du machst hier sogenannte Hilfslinien. Du machst ein Oval für den Kopf und dann setzt du einmal eine Linie für die Augen und einmal eine Linie für die Mitte des Kopfes, damit du weißt, wie du alles anordnen musst. Und dann nochmal eine Linie für die Mundpartie, damit du so eine ungefähre Vorstellung davon hast. Also so quasi diese skizzierten Puppen, die man in Kunsthochschulen sieht. Ja, genau. Wenn ihr mit einer Kunststudentin oder einem Kunststudenten zu tun habt, dann hat diese Person mit Sicherheit ein Skizzenbuch, das voll ist mit diesen Skizzierungen, wo wirklich einfach nur diese Bewegungen und diese Haltungen der Körper abgezeichnet sind, weil das unglaublich schwierig ist. Und das war natürlich in diesen Animationszeichnungen von den Zeichnern waren die vorhanden. Und dann hieß es so ein bisschen, ey Leute, wir kopieren das jetzt. Das heißt, versuch das ein bisschen einzuschränken. Zusätzlich macht die Linien dicker, das ganz wichtig. Das ist auch ein ganz wesentliches Merkmal von diesen Filmen dann, dass die Linien überall dicker sind, weil die Fotokopierer mussten die Linien auch wirklich erkennen. Das heißt, du konntest nicht mit feiner Linie zeichnen, wie das früher war. Bei Snow White und Schneewittchen sieht man die Konturen der Personen und Konturen von allem, was draufgelegt wird, ist viel feiner und viel dünner. Und hier musste einfach dicker gezeichnet werden. Und es gab eben diese Hilfslinien und diese dynamischen Striche. Und die sieht man auch im fertigen Film, auch wenn das ausgebessert wurde. Wie Johannes schon gesagt hat, einige Egos haben darauf bestanden, dass das ihre Vision erhalten bleibt, dass nichts ausgebessert wird. Und das sieht man in einigen Zeichnungen ganz schön doll. Und die Assistenten haben irgendwie versucht,
Johannes Franke: oft um den dicken Strich, den sie sowieso machen sollten, haben sie oft ein bisschen übertrieben, um diese Hilfslinien mit abzudecken. Das heißt, man hat fast schon eine ikonische, wirklich sehr starke Outline in den Filmen einfach. Und ich finde, also Walt Disney ist nochmal ein ganz anderes Thema, wie zufrieden oder unzufrieden er damit war, mit dieser Technik und mit dieser Zeichenart. Der war nämlich überhaupt nicht zufrieden und hat auch bis zum Lebensende diesem Typen nicht verziehen.
Florian Bayer: Disney war richtig unglücklich. Er war richtig sauer auf den, war es Ken Anderson? Verdammt, jetzt habe ich den Namen. Ich glaube, es war Ken Anderson, mit dem Disney wirklich unzufrieden war und er hat ihn nicht verziehen. Genau, er war sauer bis zum Ende seines Lebens.
Johannes Franke: Und dann hat er ihn irgendwann, so echt ein paar Wochen bevor er gestorben ist, nochmal bei sich empfangen. Und er erzählt, der Typ erzählt, wie er bei ihm ist. Und Walt Disney dann doch nochmal sagt, und du, das, was du damals mit den Dermatinen gemacht hast, und beende den Satz aber nicht, aber macht einen Gesichtsausdruck, der ein bisschen gnädiger ist. Also der auch sagt, okay, es war vielleicht gar keine so schlechte Idee.
Florian Bayer: Und also, um das nochmal zeitlich anzuordnen, wir sind im Jahr 1961, als das gemacht wird, 101 Dermatiner war der erste Film, wo das sehr viel gemacht wurde. Es gab vorher schon so ein paar kleine Filme, wo das gemacht wurde. Aber ganz wenig. Und das war damals wirklich was Neues. Aber das hat die Disney-Ära geprägt, bis zum Computerzeitalter. Ja, bis die Schöne und das Biest im Grunde. Ja, König der Löwen. Und da hat sich dann die Technik schon verbessert und es war nicht mehr so krass. Aber ja, es hat sich bis zur sogenannten Disney-Renaissance, Ende der 80er Jahre. Das heißt, wenn wir von klassischen Disney-Filmen reden und dabei die Periode von 1960 bis 1989 im Grunde meinen, dann sind das alle Filme, die mit dem Verfahren entstanden sind. Mit Sicherheit ein bisschen weniger rough in späteren Filmen. Aber doch so grundsätzliche grafische Eigenschaften, die sich durch das gesamte Disney-Oeuvre der damaligen Zeit ziehen. Egal ob Dschungelbuch oder Aristocats, Robin Hood. Die, wie heißen sie, die ... Mary Melendys? Nee. The Rescuers. Rescuers? Bernhard und Bianca. Ach so, ja. Und dieses Verfahren sieht man bei all diesen Filmen. Aber damals war es wirklich was Neues und was Besonderes. Und es ist ein ... Also man kann sich vorstellen, die Leute, die groß geworden sind mit Schneewittchen, mit Pinocchio und Phantasia, für die war das erst mal ein sehr rougher Look. Ja. Jetzt, Johannes, was denkst du denn? Wie vergleichst du die Golden Age? Also diese Zeit, der Zeichenstil von Schneewittchen und Phantasia mit dem Zeichenstil von 101 Dalmatiner und seinen Nachfolgern. Emotional oder erst mal objektiv? Beides.
Johannes Franke: Ich glaube, man kann es bei Disney nicht trennen. Also man muss schon sagen, und ich bin sehr begeistert davon, dass dieser Stil, der bei 101 Dalmatiner jetzt durchgesetzt wurde, sehr viel moderner war und auch zu der Zeit passte, die sich da entwickelte. Auch der Jazz-Score, den sie in dem Film haben, der viel mehr so den ... Also Disney setzte schon ein bisschen Mief an, habe ich das Gefühl, mit dem Stil, den sie hatten. Und ich finde ganz, ganz toll, dass sie es geschafft haben, weil Walt Disney sich auch in dem Projekt gar nicht so sehr involviert hat und gar nicht überall auf die Schulter geschaut hat, über die Schulter geschaut hat. Dadurch konnten die halt wirklich ein bisschen Freiheit genießen und haben die auch exzessiv genutzt. Und Walt Disney war eben beleidigt dann auch teilweise. Aber ich bin so glücklich darüber. Ich liebe diesen Stil. Ich finde es ganz toll, dass man diese Roughness sieht, dass man streckenweise sieht, wie die Tiere angelegt sind. Man sieht es ganz, ganz viel, finde ich, im Hintergrund. Weil das auch, die hätten den Hintergrund nicht, weil sie eben den nicht so oft zeichnen müssen wie den Rest, hätten sie das nicht über dieses Verfahren machen müssen. Aber um den Stil anzupassen, haben sie einfach auch den Hintergrund mit diesem neuen Fotokopierverfahren gemacht. Und da sieht man noch viel mehr, wie bestimmte Sachen, Double Lines und irgendwelche Sachen, die so rough hingemacht sind und wie die Kolorierung dann auch nicht an der Linie endet, sondern teilweise über die Linie drüber weggeht oder ein Stückchen früher aufhört. Das gehörte alles zu dem Stil, den sie dann mit implementiert haben. Und ich liebe diesen Stil.
Florian Bayer: Ich finde ihn ganz, ganz, ganz toll. Ja, also bei mir spielt ganz krass auch eine emotionale Komponente damit, weil dieser raffe Stil ist der Stil, mit dem ich groß geworden bin. Ich bin 1982 geboren. Die ersten Disney-Filme, die ich gesehen habe, waren Filme aus dem Silver, Dark und Bronze Age, der Disney-Filme. Das heißt, das war für mich der klassische Disney-Stil. Viel mehr als Dornröschen und Schneewittchen, die ich dann später gesehen habe, die halt irgendwie so auch so ein bisschen olle Kamellen waren. Und ich muss sagen, deswegen fühle ich mich unglaublich emotional zu diesem Stil hingezogen. Was du eigentlich gesagt hast, kann ich nur wiederholen. Ich liebe das Raffe. Ich liebe es, wenn man die Hilfslinien sieht. Ich finde es total schön. Unglaublich. Man hat das Gefühl, man sieht die Entstehung. Und es wirkt nicht technisch. Man hat nicht das Gefühl, man sieht die ganze Zeit einen Künstler oder eine Künstlerin im Hintergrund, sondern die haben eine ganz eigene Lebendigkeit, die Figuren dadurch.
Johannes Franke: Und ich habe direkt nochmal in das, was du vorhin sagtest, als die Computer wieder dazu kamen, und deswegen kam ich auch auf Beauty and the Beast, das ist so der erste Film, wo das wirklich exzessiv am Computer mitgemacht wurde. Dagegen wirkt Beauty and the Beast so fast schon seelenlos. Doch, wirklich, weil das so, also natürlich ist Beauty and the Beast ein ganz toller Film und auch total schön und so, aber so clean und so klare Linien, ganz klare Farben, nichts ist irgendwie mal ein bisschen verrutscht auf der einen oder anderen Seite. Und das ist fast schon gruselig, wenn man das neben 101 Dermatiner sieht. Weil 101 Dermatiner einfach so viel Leben hat dadurch.
Florian Bayer: Ja, ich würde es nicht gegeneinander aufrechnen wollen. Ja, ich schon. Tatsächlich, weil ich, wenn ich sagen würde, was ist das beste Disney-Zeit, die besten Filme, würde ich immer sagen, das Renaissance-Edge, das heißt die Ende 80er bis in die späten 90er hinein, mit König der Löwen, der meiner Meinung nach der beste Disney-Film ist.
Johannes Franke: Ja, du bist ja der große Fan von König der Löwen.
Florian Bayer: Mit Aladdin aber auch und Tino und das Biest, ein ganz großartiger Film. Und dann auch spätere Sachen, wo man fast ein bisschen das Gefühl hat, sie versöhnen dieses Renaissance-Edge so ein wenig mit dem davor. Ein Königreich für Enlama, The Emperor's New Groove, ist so ein Film, wo ich das Gefühl habe, dass sie versucht haben, diese Lebendigkeit aus diesem Dark Age noch mal mit reinzuziehen. Aber es stimmt schon, ich stimme dir vollkommen zu. Es wirkt um einiges lebendiger, es hat eine gewisse Stärke, es hat eine gewisse Kraft und auch eine gewisse Eleganz. Es wirkt nicht wie was, was aus der technischen Not geboren wurde.
Johannes Franke: Genau, und das finde ich ganz toll. Es verrät viel mit, was die Gedanken des Animatoren waren. Es hat irgendwie so eine ganz eigene Atmosphäre.
Florian Bayer: Es hat auf jeden Fall einen eigenen Charme und ich würde ihn auch nicht missen wollen. Und um da noch mal zurückzukommen, auf die Zeitalter, also wenn man sagt, das ist das Bronze Age, das Dark Age, da kann ich nicht mitgehen. Nee, überhaupt nicht. Da sind so tolle Filme auch entstanden. Und um das gleich dazu zu sagen, ich finde, 101 der Martina ist nicht der Film, der am besten aussieht aus dieser Zeit. Und auch nicht mein Lieblingsfilm aus dieser Zeit. Okay. Was, glaube ich, zum einen damit zusammenhängt, dass die Technik tatsächlich ganz am Anfang stand, als sie den gemacht haben. Ja. Und man merkt noch so ein paar Sachen, die eben doch so nicht wie technische Patze aussehen, aber wo man merkt, dass es schöner geht. Jetzt will ich es wissen. Also zum Beispiel, gerade was so die Outlines betrifft. Ja. Es gibt ja dieses Phänomen des magnetischen Staubs, der an den Outlines vor allem entstanden ist, wo das teilweise einfach zu fett ist, wo das zu dick ist, wo du merkst, wie gesagt, die Kopierer sind ganz neu. Ja, die wissen noch nicht so richtig, wie sie damit umgehen sollen, was man da alles machen kann. Dementsprechend gibt es halt doch so ein paar hässliche, dicke Stellen im Film. Ja. Und das Zweite ist, da haben sie natürlich total mit der neuen Technik geprotzt. Einfach, wir haben einen Film, der 101 Dalmatiner heißt. Wir wollen viele Dalmatiner zeigen. Das sehen wir schon in den Eröffnungs-Credits. Ja. Da wird total damit geprotzt. Und jetzt kopieren wir ganz viele Hunde auf ein Bild. Und es gibt einfach so diese Szenen, wo man merkt, sie haben es ein bisschen zu doll getan. Und es wirkt ein bisschen out of date, weil du einfach merkst, dass sich Hunde nebeneinander kopiert haben. Quasi guck dir ein Bild aus dem Film an, wo viele Tiere sind, und dann finde die Fotokopien. Und die findest du. Du siehst, du kannst quasi einkreisen, wo wir ein Bild haben mit vielen Hunden.
Johannes Franke: Ah, da ist er, da ist er, da ist er. Das Ding ist, dass sie das aber nicht nur wegen der Technik gemacht haben, sondern dass das Disney das ganze Oeuvre über immer wieder gemacht hat. Die eigenen Tiere, die schon mal aufgetaucht sind, in kompletten Sequenzen nochmal wieder verwendet. Ja. In verschiedenen Sachen. Auch in diesem Film. Aus Susi und Strolch sind Sachen drin.
Florian Bayer: Ja, wir haben den ganz, ganz prominent, einen ganz prominenten Hund aus Susi und Strolch, der bei diesem Twilight-Bark vorkommt. Genau. Und dann haben wir auch Susi, die ganz kurz in so einer Szene einmal so über die Straße geht. Sie spielt keine Rolle, aber sie ist da, sie ist reingesetzt. Und Susi und Strolch ist ja auch ein Film, der vor dem war. Susi und Strolch ist ja noch einer von den klassischen Disney-Zeichentrickfilmen aus dem Jahr 1955. Und ja, genau, Disney kopiert das. Was in dem Film halt krass ist, es gibt einfach diese Momente, wo klar ist, hier wurde technisch kopiert, auch um Geld zu sparen. Ja, na klar. Wir wollen viele Hunde zeigen, wir wollen viele Hunde kopieren. Ja. Und es hat ja auch funktioniert. Ich meine, sie hatten das Budget von Don Röschen fast halbiert. 3,6 Millionen Inflationsbereinigt haben sie es wahrscheinlich halbiert. Ja, genau. Und dann Box Office. Richtig gut. Ich weiß nicht mehr, die Zahl habe ich nicht mehr. 303 Millionen. Also sie haben das Sechsfache von dem eingespielt, was Sleeping Beauty eingespielt hat. Wow.
Johannes Franke: Ja, das ist schon crazy. Und dann kannst du natürlich auch viel beruhigter in die nächsten Animationen gehen und sagen, okay, wir machen noch einen und wir machen noch einen.
Florian Bayer: Ganz unabhängig von der Qualität dieses Films, er hat die Disney Studios gerettet. Absolut. Als Animationsschmiede. Ja. Ohne diesen Film hätten sie noch mal so was gemacht wie Sleeping Beauty und hätten wir noch mal so auf die Nase geflogen, dann wäre es vorbei gewesen. Dann hätten wir keine Disney-Zeichentrickfilme mehr. Ja. Weil es war auch die Stimmung der damaligen Zeit, ey, Walt, was machst du denn noch? Was willst du denn noch diese Zeichentrickfilme machen? Du hast einen Realfilm, du hast einen Realfilmpendant dazu. Ja. Und Disney hat viele Realfilme gemacht in der Zeit. Das haben wir ja auch was, was sich dann durch das Bronze-Edge zieht, dass neben den Zeichentrickfilmen immer mehr Realfilme gedreht wurden, wie zum Beispiel das Star Wars Rip-Off, das Schwarze Loch. Das Schwarze Loch? Ja. Übrigens ist ein ganz guter Film. Okay. Ende der 70er Jahre haben sie festgestellt, oh, Star Wars ist ziemlich erfolgreich, wir müssen einen Science-Fiction-Film drehen. Das haben wir alle gemacht. Dann haben sie halt das Schwarze Loch gedreht. Okay. Mit Robotern, mit Weltraum, mit einem niedlichen Roboter, der so ein bisschen R2-D2-haft ist. Okay. Und Realfilme waren einfach das Ding damals dann auch. Und es war so ein bisschen Zeichentrickfilm, hätte sterben können. Also zumindest in der klassischen, der klassische Disney-Zeichentrickfilm. Und dank des Erfolgs von 101 Star Martina hat sich der Disney-Zeichentrickfilm hervorragend durch die nächsten Jahrzehnte gerettet, bis es dann zum Dark Age kam und es wieder hieß, naja, jetzt wird es langsam etwas schwächer. Aber wir haben hier eine tolle Zeit. Wir haben die Hexe und der Zauberer. Ja, auch so schön.
Johannes Franke: Und auch dort sieht man die Zeichnungen
Florian Bayer: so wunderschön durch, finde ich. Das ist zum Beispiel ein Film, wo ich sage, der sieht besser aus als 101 Star Martina. Okay. Wo das Verfahren schon ein bisschen verfeinert ist. Aber da ist auch der Stil ein bisschen anders. Da ist der Stil auch ein bisschen anders. Das muss man sagen. Aber der Film zeigt sehr schön, dass dieser neue Stil auch mit den alten, klassischen Geschichten funktionieren. Ja gut, das stimmt. Weil wenn wir jetzt reingehen in 101 Star Martina, es ist nicht nur der Zeichenstil, mit dem er sich unterscheidet. Ja, ja, genau.
Johannes Franke: Also zum einen der Jazz-Score. Jazz-Score auf jeden Fall. Den sie da reingehauen haben.
Florian Bayer: Und dass sie sich... Der komplette Verzicht auf Musical. Ja. Der Film ist im Gegensatz zu den klassischen Disney-Filmen kein Musical. Es gibt eigentlich nur einen wirklich prominent platzierten Song.
Johannes Franke: Und dann fragt man sich, warum haben sie denn überhaupt die Änderung gemacht? Weil im Originalbuch...
Florian Bayer: Übrigens, mal um das auch auszuholen. Lass uns ganz kurz das hier fertig machen, bevor wir uns zu sehr verrennen. Aber ja, wir müssen zur Vorlage.
Johannes Franke: Aber sie haben ja die Hauptfigur zum Komponisten gemacht.
Florian Bayer: Sie haben die Hauptfigur zum Komponisten gemacht. Dann hätte man noch super ein Musical draus machen können. Ja, auf jeden Fall. Aber sie haben darauf verzichtet. Und tatsächlich, der einzige Song, der gespielt wird, wird auch als Komposition des Komponisten reingebracht. Das heißt, die Musical-Nummer, die gezeigt wird, ist nicht so, plötzlich fängt jemand an zu singen und wir sind raus aus der Realität und im Surrealen. Sondern dieser Typ singt einfach sein Cruella de Villi, das er komponiert hat, das sogar später im Radio läuft. Es ist essentieller Teil der Geschichte. Und nicht wie bei Dornröschen, wo man sich fragen könnte, warum singt sie jetzt? Macht das irgendwie Sinn, wenn da große Gefahr am Laufen ist, dass sie plötzlich singt? Hier passt es. Und dieser Film ist eigentlich kein Musical. Großer Unterschied zu einer Disney-Film. Er ist der erste Disney-Film, der wirklich in der damaligen Zeit verortet ist, in der er gedreht wurde. Also Lady and the Tramp, also Susi und Strolch, ist so ein bisschen so ein Problemfall, wo man sagen kann, ja, aber der hat auch eher so Anfang des 20. Jahrhunderts gespielt. Aber 101 Damatina ist der erste Film, der in der Zeit, in der er gedreht wurde, spielt. Also in den 60er-Jahren. Und auch viele moderne Elemente hat. Zum Beispiel Fernseher.
Johannes Franke: Ja, die sitzen ja die ganze Zeit davor. Und das Geile ist, ursprünglich wollte jemand, dass diese ganzen Hunde und so, die davor sitzen, alle so viel Juhu und mitgehen und cheeren und so. Und dann sagte irgendwann einer der Typen, ich weiß nicht mehr genau wer, Chef-Animator vielleicht auch.
Florian Bayer: Walt Disney war es selbst. Ach, Walt Disney. Walt Disney persönlich hat gesagt, Moment, das ist nicht das Verhalten, das ich kenne von meinen Enkelkindern, vom Fernseher. Die sitzen sehr still und gebannt davor und starren.
Johannes Franke: Und es ist schön und es stimmt total. Und es ist total gut, dass sie das so gemacht haben.
Florian Bayer: Und es markiert tatsächlich auch ein bisschen eine Besonderheit für Hollywood. Oder in der Zeit fällt es mit anderen Filmen zusammen. Aber es gab in Hollywood sehr lange die absolute Abwehrhaltung gegenüber Fernsehen. Weil Fernsehen hat das Filmbusiness, das klassische Kinobusiness kaputt gemacht. Das war die Haltung. Das heißt, wir hassen Fernseher. Und es gab in dieser Zeit, vor allem in den 50er-Jahren, haben sich Produzenten und Regisseure dagegen gesträubt, Fernseher zu zeigen. Selbst Filme, die in der Zeit verortet waren, wo Fernseher überall stand, jedes Haus hatte einen Fernseher Anfang der 60er-Jahre, haben die keine Fernseher gezeigt. Die Wohnzimmer waren fernsehfrei. Ich verstehe das total. Fernseher sollte nicht gezeigt werden. Die Leute sollten nicht heiß drauf gemacht werden auf die Fernsehgeräte. Und da ist 101. Martina tatsächlich auch so ein Weg Richtung Moderne. Hey, wir zeigen unsere Zeit und wir zeigen auch einen Fernseher. Das ist das, womit sich die Menschen gerade beschäftigen. Warum sollten wir das ignorieren, wenn wir einen Film in unserer Zeit verorten? Und sie nutzen die Chance, das auch noch zu veralbern,
Johannes Franke: indem sie Whose Crime Is It? oder What Crime Was It? oder sowas. Als Verarschung von Whose Line Is It? Oder What's the Line? Wie heißt das Ding? Ich weiß es nicht mehr, verdammt. Aber es gab eine Fernsehshow, wo man einfach raten sollte, was der Gast für ein Verbrechen begangen hat. Das haben die irgendwie da in diesen Fernseher reingepackt, was eine Verarschung von einer tatsächlichen TV-Show war damals. Und es ist geil. Ich finde es super.
Florian Bayer: Also in vielerlei Hinsicht ästhetisch ein moderner Disney-Film, der ein neues Disney-Zeitalter auch einläutet. Und dann kommen wir doch mal zur Vorlage, weil er bezieht sich ja auf einen literarischen Stoff, keinen klassischen literarischen Stoff, das ist nur fünf Jahre älter als der Film. 101. Martina von Doty Smith. 101. Martina. Ich wusste, dass mir das passieren würde.
Johannes Franke: Diese Frau hat dieses Buch geschrieben, schon im Gedanken und in der Hoffnung, dass Walt Disney das irgendwann mal verfilmen wird. Das ist so süß.
Florian Bayer: Das ist so süß. Vor allem im Gegensatz zu so vielen anderen Autoren, die Disney ausgeschlachtet hat. Ja, genau. Die klassischen Märchenautoren konnten sich nicht wehren. Aber wenn wir zum Beispiel die Autorin von Mary Poppins nehmen. Ja, genau. Die waren nicht so zufrieden damit. Die war nicht so zufrieden. Die wollte ihr Buch nicht verfilmt haben und sie war auch nicht glücklich mit dem, was Disney draus gemacht hat. Ja. Und zweites großes, prominentes Beispiel ist natürlich Winnie Pooh, ne? Ach so, ja, klar. Wo Disney hausieren gegangen ist, um diesen Film machen zu können.
Johannes Franke: Das weiß ich alles nicht, wie das zustande gekommen ist.
Florian Bayer: Ja, es ist leider, es gehört auch nicht zu meinem großen Wissen und vor allem gehört es nicht zu dem Wissen, worauf ich mich jetzt vorbereitet habe für die Episode. Aber es gibt auf jeden Fall genug Beispiele von Disney, der in Literatur wütet. Und die Literaten, die dafür verantwortlich sind, sind nicht so glücklich damit oder müssen überzeugt werden, dass es überhaupt umgesetzt werden kann. Ja, aber genau, Doty Smith wollte, dass ihr Buch ein Disney-Film wird. Sie hat davon geträumt.
Johannes Franke: Das ist total süß, dass Disney dann wirklich da sitzt, dass sich das Ding anschaut und direkt sagt, okay, das brauche ich, das muss ich verfilmen. Das ist total schön. Ja. Und dann gibt er das seinem Chef-Dramaturgen da oder wer das war und der macht dann auch noch ein richtig gutes Screenplay draus. Und dann sagt Disney auch noch, ach, ich muss mich da nicht groß einmischen, macht ihr mal. Ja. Und das ist auch toll. Also der war natürlich bei Meetings dabei und so. Der war immer dabei, aber er hat sich rausgehalten. Er hat sich größtenteils rausgehalten.
Florian Bayer: Und Doty Smith wurde auch mit einbezogen in die Umsetzung. Der wurde auch immer mal wieder gesagt, wir ändern hier was. Und es wurde einiges geändert.
Johannes Franke: Ja. Und sie haben ja auch immer wieder Layouts geschickt. Und dann sagt ihr auch noch, oh nein, wie schön, ihr habt das voll verbessert. Also nicht irgendwie wie viele Autoren dann, um Gottes Willen, das dürft ihr nicht machen, das ist mein Baby. Sondern wirklich zu sagen, wow, das Layout sieht besser aus als im Kinderbuch. Die Geschichte habt ihr noch mal ein Stückchen verbessert.
Florian Bayer: Ich bin voll zufrieden. Das Buch ist ja auch tatsächlich, es ist kein klassisches Bilderbuch. Es sind 200 Seiten. Es ist ein Roman. Und es gibt diese Illustrationen darin. Und die sind tatsächlich, wenn man sie sich ansieht, die sind anders als das, was im Disney-Film zu sehen ist. Sie sind viel realistischer, viel spröder. Also klassische Tusch-Schwarz-Weiß-Zeichnungen, wie man sie kennt aus der damaligen Zeit, aus Büchern. Und ja, natürlich, wenn Disney einen Film draus macht, dann muss das alles aufgehübscht und aufgesüßt werden. Ja. Und die Geschichte muss auch vereinfacht werden. Die Originalgeschichte ist doch ein bisschen komplexer. Da gibt es nämlich nicht zwei Dalmatiner-Eltern, sondern es gibt drei.
Johannes Franke: Eine Adoptivmutter dann auch noch. Also die Adoptierende Mutter. Die die 15 Kinder adoptiert, oder?
Florian Bayer: Also die Perdita, die Frau von Pongo, ist im Film. Die kommt im Buch auch vor. Aber die ist nicht die Mutter von den 15 Welten. Sondern im Buch ist es so, dass Pongo mit seiner Partnerin Mrs. in einem Haus lebt von einem, wie du schon gesagt hast, nicht ein Komponist, sondern ein Financial Wizard. Jemand, der sich richtig gut auskennt in der Finanzwelt und der einfach stinkreich ist.
Johannes Franke: Ja, einer, der irgendwann mal Großbritannien vor dem Ruin gerettet hat, heißt das wohl.
Florian Bayer: Ja, er muss keine Steuern bezahlen, weil er so toll ist. Und sie sind reich. Das ist ein großer Unterschied tatsächlich, weil die Welt im Film ist die Welt von einem semi-erfolgreichen Komponisten, der halt irgendwie versucht, über die Runden zu kommen. Über den sich Cruella de Vilna noch lustig macht. Genau. Und im Buch ist es aber keine Frage, die heißen auch anders, und zwar Mr. und Mrs. Dearly. Und es wird auch nicht gezeigt, wie sie sich kennenlernen, sondern es geht damit los, dass Pongo und Mrs., nicht Perdita, die 15 Welpen kriegen. Sie gehören zu Mr. Dearly. Und dann wird von diesem Mr. Dearly wird Perdita gefunden und aufgenommen in das Haus. Und deren Welpen wurden verkauft an Cruella. Das ist so ein bisschen der Plot, wie Perdita da reinkommt. Perdita ist auch Spanisch und heißt die Verlorene. Ja, genau. Und dann ziehen Mrs. und Pongo los, um die Welpen zu retten, nachdem die von Cruella entführt wurden. Und Perdita spielt eigentlich eher so eine Nebenrolle. Das ist die, die dann zu Hause auf die Besitzer aufpasst. Ja. Das ist was, was im Buch noch ein bisschen präsenter ist, aber im Film auch immer schön angedeutet wird, dass die Hunde eigentlich sich als die Besitzer der Menschen sehen, aber sie lassen die Menschen im Glauben, sie wären ihr Besitz. Damit es ist sehr süß. Sie gut versorgt werden. Und das ist wirklich schön. Und das ist im Buch, im Film nicht ganz so pointiert, aber es wird auch immer wieder angedeutet, wenn zum Beispiel Pongo ganz am Anfang auf Brautschau geht für seinen Besitzer und sich dann anguckt, na ja, nee, die will ich nicht, die will ich nicht, die will ich nicht. Und dann auch ganz gezielt seinen Besitzer Roger auf die Anita loslässt und auf die Perdita.
Johannes Franke: Was übrigens auch ein sehr schöner, moderner, für damals moderner Moment ist, er wirklich durch die verschiedenen Menschentypen durchschaut. Wie der Hund, so der Besitzer, irgendwie in Unity durchs Bild laufen und er sagt, hm, diesen Typ, nein, diesen Typ, nein. Das ist sehr schön. Das gab es vorher nicht in der Form, habe ich das Gefühl.
Florian Bayer: Ja, es ist auf jeden Fall, es ist ja dieser klassische Witz, dass Besitzer, Besitzerinnen und Hunde sich annähern und immer ähnlicher werden mit der Zeit. Und da wird das sehr, sehr karikaturhaft auf den Punkt gebracht, in dem dann so eine Typ Künstlerin vorbeiläuft mit ihrer Hündin und Pongo guckt und sagt so, nee, nicht so wirklich. Und dann so eine sehr elegante Dame. Mit Pudel, glaube ich. Mit Pudel. Und er sagt so, ach nee, die sehen aus, als ob sie einen Stock verschluckt hätten. Ich weiß nicht, so irgendwas in der Richtung. Und dann kommt aber Anita mit Perdita, natürlich perfekt passend, eine hübsche, moderne Frau, mit einem Dalmatiner auch noch. Na, sowas. It's not racism.
Johannes Franke: Sie haben tatsächlich diese Frau, die Anita dann ist, die Schauspielerin, die sie gewoiced hat, die wurde nach ihr gemodelt, so ein bisschen von der Zeichnung her. Sie haben tatsächlich, also sie hatten ursprünglich eine andere Figur gezeichnet und dann sagt Walt Disney in einem der Meetings, ah, irgendwie stimmt die nicht, irgendwie muss die anders aussehen. Und geben das einem anderen Zeichner in die Hand und sagen, probier du mal. Und der hat sich ein bisschen orientiert an der Schauspielerin, die das gewoiced hat. Das ist schön. Hat ihr diese Brille gegeben, die sie bei den Recordings aufhatte und hat ihr sogar so ein paar Bewegungen mitgegeben, die er kannte von ihr.
Florian Bayer: Was tatsächlich ja ganz süß ist, weil die menschlichen Figuren eine sehr kleine Rolle spielen in diesem Film. Wir haben im Mittelpunkt die Dalmatiner-Szene und die Dalmatiner stehen. Und das wird auch ganz deutlich in dieser einen Szene, die auch zusätzlich noch erfunden wurde, die nicht im Buch stattfindet, weil, wie gesagt, im Buch sind sie ja von Anfang an zusammen. Und zwar die Hochzeitsszene, die allerdings fast für ein bisschen Ärger gesorgt hätte. Da wurde gesagt, das könnt ihr so nicht machen, weil das könnte einige etwas religiösere Menschen im Publikum erzürnen. Wenn ihr hier zeigt, wie die Tiere im Vordergrund ihre eigene Hochzeitszeremonie feiern, weil der Bund zwischen zwei Menschen, das ist ein heiliger Bund, das ist ein göttlicher Bund, der kann nicht von zwei Tieren imitiert werden. Das gibt es ja nicht. Die entsprechende Szene ist, wir haben die Trauzeremonie zwischen Roger und Anita ganz, ganz, ganz verschwommen im Hintergrund. Und im Vordergrund sind Pongo und Perdita, die dabei ihre eigene Trauzeremonie abhalten.
Johannes Franke: Aber es ist auch nicht so weit ausgebreitet, dass man da irgendwie auf die Barrikaden gehen muss.
Florian Bayer: Ja, willkommen in den 60ern, würde ich sagen. Oh mein Gott.
Johannes Franke: Was ja viel schlimmer noch ein Problem war, war, dass die Hunde irgendwann mal von den Kühen gesorgt werden. Ja, das war ein Problem.
Florian Bayer: Das war auch ein Problem. In dieser Szene haben sie tatsächlich entschärft. Sie haben, in der ursprünglichen Szene war es so, dass die Tiere, dass die Wörter aus der Hochzeitszeremonie exakt wiederholt haben. Ach so. Und dann haben sie gesagt, okay, das machen wir raus. Und dann haben sie auch angefangen, religiöse Symbole aus der Szene zu entfernen, um das alles zu säkularisieren, dass es nicht ganz so anstößig wirkt, wenn die Tiere in einer religiösen Zeremonie den göttlichen Bund eingehen. Das war offensichtlich zu viel für die damalige Zeit. Und deswegen haben Roger und Anita, wenn man sich die Szene anguckt, tragen auch nicht so klassische Hochzeitskleidung, sondern eher so ein bisschen was Förmlicheres. Es wurde wirklich, es wurde entschärft, die Szene. Verstehe. Religiöse Symbole wurden weggenommen. Okay. Die Hunde haben das christliche Sakrament nicht wiederholt. Ja. Und die beiden Protagonisten, die in der Kirche geheiratet haben, hatten keine traditionelle Hochzeitskleidung an. Aber es könnte so eine süße Szene sein. Ja. Oh nein. Traurig. Willkommen in den 60ern. In den USA der 60er. Aber ich glaube, in Deutschland wäre es auch nicht viel besser.
Johannes Franke: Ja. Was ich auch sehr süß finde, wenn wir schon bei den Hunden und den Menschen so im Vergleich sind, sie haben absichtlich den Hunden immer die tieferen Stimmen gegeben, damit sie mehr powerful sind. Also, dass man mehr das Gefühl hat, die sind diejenigen, die die Fäden in der Hand haben.
Florian Bayer: Und die Hunde sind es ja auch, die den Durchblick haben. Weil wenn dann zum ersten Mal Cruella kommt und nach den Pappis fragt, die sie gerne kaufen würde, sind eigentlich alle anarmiert. Auch Roger und Anita. Es besteht von Anfang an kein Zweifel daran, dass Cruella unser Bösewicht ist. Die kommen auch aus Straight to the Point.
Johannes Franke: Ja. Das ist schon so, dass sie überhaupt nicht groß vorrede. Oder woher kommt Cruella? Was hat die für eine Verbindung zu Anita?
Florian Bayer: Nix. Sie ist eine alte Freundin, das muss reichen. Sie will die Hunde haben, sie will die Welpen haben und sie trägt dann auch dieses übertriebene Fell und es ist so eindeutig, okay, jeder, der diesen Film zum ersten Mal sieht, weiß, was sie mit den Hunden vorhat. Sofort. Und diese Cheekbones, die sie hat und diese ganze Physikonomie
Johannes Franke: und dieses, ich finde, dass der Stil des Films auch so sehr zu Cruella passt und so großartig, also muss man schon sagen, in der Geschichte der Disney-Filme eine der most entertaining Villains.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Auf jeden Fall. Und Cruella, genau, ist super unterhaltsam, ist super cool und die wurde ja tatsächlich von nur einem Menschen gezeichnet. Ja, klassisch ist eigentlich so tausend, tausend. Nicht tausend. Es gibt diese neun großen Animatoren, die im Film arbeiten. Das waren so die Old Men, die das in der Hand hatten und die haben sich aber die Aufgaben geteilt. Jeder hat an jeder Figur gezeichnet. Aber Cruella ist tatsächlich die Vision von einem Menschen und eine Person hat an dieser Cruella gearbeitet. Das ist unglaublich. Ich habe den Namen auch hier irgendwo,
Johannes Franke: aber ich habe so viel aufgeschrieben, ich kriege das da jetzt nicht raus. Aber das finde ich auch beeindruckend. Und dann so eine Vision durchzuziehen und das so großartig zu machen. Und Mark Davis. Mark Davis. Vielen Dank, Posthum wahrscheinlich. Der wird wahrscheinlich schon, naja, nicht mehr unter uns fallen. Aber wenn du den Podcast hörst, vielen Dank, Mark Davis.
Florian Bayer: Mark Davis ist vor ungefähr 20 Jahren gestorben. Ah, okay. Im Jahr 2000. Aber ganz toll. Ja, der, ich glaube, es war auch einer seiner letzten Jobs. Es war sein letzter Job als Animator. Aber er hat danach weiter für Disney gearbeitet und er hat wohl ganz viel für Disneyland und Disney World gemacht. Er hat die Zeichnungen gemacht für die Attraktionen und für die verschiedenen Puppen und Animatronics und so weiter, die in den Freizeitparks rumlaufen.
Johannes Franke: Cool. Sehr schön.
Florian Bayer: Und er war tatsächlich, er war so ein bisschen Disneys Ladies Man. Er hat die Frauen gezeichnet. Okay. Also Snow White ist seine Schöpfung, Cinderella. Alice in Alice im Wunderland 1951, Tinkerbell bei Peter Pan. Toll. Und dann als letzte große Arbeit Cruella Delville. Ja. Und da hat er sich selbst übertroffen.
Johannes Franke: Und schau dir Cruellas Bewegungen an, wie sie Hüftschwung hat und wie sie das in der Gegend rum, also ihren Fur da behandelt und so. Das ist so, es ist so toll gemacht. Du musst, so ist der ganze Film, Physiognomie von Hunden, wie du die zeichnest, wie du so Bewegungen, es gibt eine Sequenz, wo Roger seine Pfeife verliert und in der Luft fängt wieder. Das ist auch so ein Meisterstück der Animation. Auch wenn man das gerne übergeht und das nur ein kurzer Moment ist, aber wenn man sich das anschaut, es ist wirklich einfach toll gemacht.
Florian Bayer: Und gerade bei Cruella Delville ist es auch wirklich so, dass dieses Rough sehr stark durchkommt in ihrem Gesicht. Sie ist ja fast so einen Totenkopf. Ja, genau. Sie ist so ganz dünn und abgemagert. Und dann ist sie aber so lebendig, weil sie sich so wild bewegt und weil alles an ihr wild ist und alles an ihr ist exzentrisch und expressiv. Das ist einfach cool. Das ist wirklich toll. Wahrscheinlich Mark Davis' Meisterwerk. Was für eine tolle Abschlussarbeit für einen Animator für seinen letzten großen Zeichentrickfilm, das der Welt zu hinterlassen. Ja, großartig. Ach man.
Johannes Franke: Ja, das gehört natürlich zu den Gründen, warum das einer meiner liebsten Filme aus der Zeit ist, also Disney-Filme aus der Zeit ist, weil es einfach wirklich, Cruella Delville ist der Hammer. Cruella Delville ist auf jeden Fall, ja. Und dann muss man aber auch noch gleich, wenn wir nochmal kurz bei der Animation sind, wie die da mit dem Auto in der Gegend rumpäst. Die Autos haben ja sowieso eigenen Charakter. Das finde ich auch geil, dass die beiden Jasper und Horace, wie heißt der? Jasper und Horace. Horace. Dass die in so einem tuckernden Auto tuckernden in der Gegend rum und Cruella Delville diesen riesigen, dieses lange, luxuriöse Auto, was irgendwie in der Gegend rum schleudert. Das ist der Hammer. Das haben die in Cardboard einmal nachgebaut, um das dann zu filmen und haben da irgendwie so Outlines, wie als wenn sie gezeichnet hätten, damit, also das ist quasi eine Vermischung aus gezeichneter Animation und gefilmter Animation. Und das finde ich auch spannend. Das ist eigentlich für mich fast die interessantere Ausbeutung dieses neuen Scan-Verfahrens. Weil auf die Idee musst du erst mal kommen, Film, Live-Action-Film für zwölf Frames per Second dann in Zeichentrick umzuwandeln. Ich finde das wahnsinnig gut. Das ist total krass. Wenn das euch interessiert, müsst ihr das mal googeln. Es gibt dieses Auto, man kann das in der Dokumentation anschauen, wie sie dieses Auto gebaut und gefilmt haben und das alles mit so Outlines versehen haben, damit man dann daran die Zeichnung machen kann.
Florian Bayer: Es gibt online ein 30-minütiges Making-of. Tatsächlich wirklich Szenen aus der damaligen Zeit und mit Kommentaren von einigen der Beteiligten und auch von einigen HistorikerInnen, die sich mit Disney-Geschichte auseinandergesetzt haben. Und da sieht man auch Bilder, es gibt, man findet da auch Bilder von diesem riesigen Kopierer, diesem Xerox-Kopierer, den sie benutzt haben. Man sieht Bilder von den InkaInnen, wie sie sitzen in diesen kleinen Kästen und abzeichnen. Man sieht Bilder von den Animatoren und dann eben auch so ein paar Skizzen und so was. Es ist ein kleines, es ist wirklich ein Fundstück. Also es lohnt sich, den nochmal zu gucken, wenn man sich für Zeichentrick-Filmgeschichte interessiert. Und dies mit den Autos und dieses Lebendige kommt natürlich der Struktur des Films, ist natürlich in der Struktur des Films verwurzelt. Weil der Film hat eigentlich, eigentlich hat er ganz traditionell drei Teile. Wir haben irgendwie so die Präposition, wenn gezeigt wird, wie Roger und Anita beziehungsweise Pongo und Perdita sich kennenlernen und die Hunde kriegen. Dann haben wir die Entführung und wirklich so einen ruhigen Mittelteil, wo dann vor allem dieses Twilight-Bark mit dem Perdita und Pongo die anderen Hunde darauf aufmerksam machen, dass sie doch bitte helfen sollen, ihre Welpen zu suchen. Kennst du noch die Telefonlawine von Justus Jonas
Johannes Franke: und wie heißen die anderen? Die drei Fragezeichen? Ich habe die drei Fragezeichen nie viel gehört.
Florian Bayer: Tut mir leid.
Johannes Franke: Es ist die Telefonlawine.
Florian Bayer: Es ist eins zu eins die Telefonlawine. Wie funktioniert die Telefonlawine?
Johannes Franke: Die Telefonlawine ist einfach nur, dass die in Santa Barbara oder wo die da sind, keine Ahnung, ich habe, der Ort, verdammt, ich habe das alles gesuchtet als Kind, dass die da einfach, die kennen einen Haufen Leute und der kennt den und der kennt den und der kennt den und dann rufst du einmal an, der stößt die Lawine los, der andere ruft zwei Leute an, der nächste drei oder was, keine Ahnung, jeder wie er halt kann und dann am Ende hast du wie so ein Pyramiden-Scheme ganz viele Leute, die Bescheid wissen und dir dann Rückmeldung geben.
Florian Bayer: Genau, das ist das Twilight Bug. Die Hunde bellen einmal und informieren andere Hunde und dann wird weiter gebellt und es wird halt rumgefragt, habt ihr diese Welpen irgendwo gesehen? Die Welpen wurden gestohlen. Was ist da passiert? Und das ist eigentlich so ein bisschen tragischer Mittelteil, der aber sehr kurz ist und dann haben wir das letzte Drittel des Films, was eigentlich nur noch Verfolgungsjagd ist. Ja. Sie retten ihre Welpen, also beziehungsweise Sergeant Tibbs, die tapfere Katze rettet die Welpen und mittlerweile sind es dann mehr. Mittlerweile sind es 99, weil Cruella offensichtlich von allen Ecken der Welt diese Welpen gekauft hat und das ist auch so absurd. Die einzigen, die geklaut wurden, sind die Welpen von Pertita und Pongo und hätte Cruella darauf verzichtet, dann hätte sie ihr fucking Pelz machen können. Sie hat einen einzigen Fehler gemacht, einen Fehler zu klauen. Sie hätte sich nicht strafbar machen müssen. Ja, genau. Sie hatte doch genug Welpen. Ich meine, 99 minus 15, 84, das reicht auch. Ja, absolut. Damit kriegst du einen Pelz hin. Vielleicht wollte sie irgendwie noch eine Tasche dazu. Und dann haben wir einfach nur noch Perdita, oh, der Name ist schwer für mich auszusprechen. So ein D und ein T, die aufeinander folgen, schrecklich. Perdita und Pongo, die mit den 99 Welpen vor Cruella und ihren beiden Lakaien, Jasper und Horace, fliehen. Was ganz großartige Verfolgungsjagden mit sich bringt. Haben eine einzige Verfolgungsjagd. Es ist großartig. Es ist eine tolle Action-Szene dabei und es ist eine einzige Action-Szene. Ich komme nachher dazu, warum ich das alles ein bisschen dünn finde. Narrativ.
Johannes Franke: Ja, Narrativ kannst du es eigentlich vergessen.
Florian Bayer: Aber es macht erst mal voll viel Spaß. Es gibt dann auch wirklich lustige Sachen. Es gibt lustige Kämpfe mit den Dieben. Es gibt lustige Versteckaktionen. Es gibt diese tolle Szene, wo sie sich dann alle Labrador-Facing verpassen. Ist das politisch problematisch, Johannes? Ich frage dich.
Johannes Franke: Ich weiß es nicht. Ich glaube, es ist okay. Ich habe noch keinen Labrador gesehen,
Florian Bayer: der sich beschwert hätte. Sie tarnen sich, indem sie sich als in einer, sie sind in so einem Lagerhaus, wo ganz viel Kohle ist. Und dann kommen sie auf die Idee, dass sie an die Kohle springen können, um ihr weiß-schwarz-fleckiges Feld zu tarnen. Und dann einfach als Labradors, also komplett in schwarz, mit dem Labrador, der ihnen hilft, fliehen zu können. Und die Gangster werden auch erst mal nicht misstrauisch, dass da plötzlich 20 Labradors über die Straße gehen. Das ist total absurd.
Johannes Franke: Das ist so dämlich eigentlich. Wir suchen 99 Darmatiner.
Florian Bayer: Ah, da sind 99 Labradore. Die lassen wir in Ruhe. Aber das Krasse ist, so absurd diese Prämisse in der Szene ist, das ist eine verdammt spannende Szene. Das ist wirklich sehr gut. Dann ist auch diese dramatische Musik. Du hast auch echt Angst, dass ein Hund zurückbleibt. Ja, es gibt immer wieder diese Szene,
Johannes Franke: wo du Angst hast, dass Hunde zurückbleiben. Das ist auch dramaturgisch einfach genial gemacht, weil du hast 99 Darmatiner, die alle nach und nach darüber geschafft werden müssen. Und dann hast du natürlich Angst um die letzten Szenen,
Florian Bayer: die es vielleicht dann nicht schaffen. Und die Musik ist so ein bisschen düster. Und es gibt noch dieses Schneetreiben. Das haben wir ja auch davor schon, wenn sie durch den Schnee fliehen und dann Lucky irgendwie immer so ein bisschen zurückbleibt. Lucky ist der Traurige. Also es gibt nicht viele Charaktere in diesem Film. Die Welpen kann man eigentlich nicht auseinanderhalten. Es gibt ein paar Namen, die genannt werden. Und es gibt einen, der immer Hunger hat. Und dessen Namen habe ich schon vergessen. Aber es gibt Lucky. Und Lucky ist der einzige wirklich niedliche Welpe, den man in Erinnerung behält, weil er ist die ganze Zeit vorm Fernseher. Ja. Und er ist immer der Traurige Hund, der so ein bisschen zurückhängt. Ja. Und das ist wahrscheinlich der,
Johannes Franke: den Roger am Anfang gerettet hat. Alter, was für eine krasse Szene. Was für eine krasse Szene. Und ich war so, was?
Florian Bayer: Willst du dir jetzt gerade in Welpen sterben oder was? Ja, genau. Man denkt am Anfang, wir haben 15 Welpen gekriegt. Oh, 14. Und dann wird der tote Welpe, also eingewickelt, ein kleines Handtuch zu Roger gebracht. Ja. Und Roger sagt, ach, naja, das gehört zum Leben dazu. Und du denkst dir, what the fuck is going on? Nee, Disney hat eine lange Tradition, Tiere sterben zu lassen. Ich meine, der Tod von Bambis Mutter ist noch nicht so lange her. Das stimmt, ja. Und man denkt wirklich, der ist tot. Und dann sagt Roger, naja, vielleicht, ich könnte ja mal versuchen und reibt dann das Handtuch. Und es war tatsächlich Dodie Smiths Idee. Ja, genau.
Johannes Franke: Die hat das erlebt anscheinend. Die haben das tatsächlich erlebt. Die hatten keine 15 Hunde, aber die hatten irgendwie einen Haufen Hunde, die sie dann aber verkauft haben.
Florian Bayer: Sie haben sie alle an Gruella verkauft. Ja, sie haben sie alle verkauft. Also Dodie Smith hat definitiv ein Kindheitstrauma verarbeitet. Ich stelle mir vor, wie die kleine Dodie da sitzt und sagt, oh nein, und jetzt wird aus diesen kleinen Welpen wird ein Mantel gemacht. Oh nein. Naja, auf jeden Fall hat sie erlebt, wie ihre Mutter ein Welpen gerettet hat, indem sie das gemacht hat. Also ich wusste nicht, dass das geht. Ich dachte auch, dass das geht. Wiederbelebungsmaßnahme für tote Welpen, dass sie dann einmal ein bisschen gerieben werden, was wahrscheinlich so eine Mischung aus Wärmen und Herzmassage. Herzmassage, keine Ahnung. Wahrscheinlich, irgendwie sowas. Aber Lucky, ja genau. Also wenn es Lucky ist, ich gehe auch davon aus, dass es Lucky ist.
Johannes Franke: Ja, wahrscheinlich.
Florian Bayer: Überlebt dann auch. Und Lucky kriegt immer so ein bisschen die traurigen Zähne. Zum Beispiel, wenn er im Schnee zurückhängt und sagt, Papa, ich kann nicht mehr. Meine Nase ist eingefroren, meine Zähne sind eingefroren, meine Ohren sind eingefroren. Er hört überhaupt nicht wieder auf, aufzuzählen. Er hat sie eingefroren. Und das ist wirklich, diese Zähne Verfolgungsjagd, das ist eigentlich so absurd, weil hier rennen 101 Dalmatiner vor zwei Verbrechern und einer irren Heldslady weg. Aber es ist dramatisch. Es ist wirklich spannend. Ja, es ist wirklich gut. Und du sitzt dann ab einem gewissen Punkt da vom Fernseher und denkst, oh, die schaffen sie es. Bitte, bitte. Obwohl du weißt, dass sie es schaffen. Disney wird keinen von diesen Welpen töten. Wir wissen es alle. Und trotzdem sitzt du da und denkst, bitte. Oh Mann.
Johannes Franke: Ja, ist krass. Auch am Ende denkt man sich dann, aber muss man schon sagen, ich stelle mir das jetzt in meiner Wohnung mal vor. Und die Londoner Wohnung bei dem Typen soll ja nicht sehr groß gewesen sein. Theoretisch. Also, die haben zwei Etagen. Sie haben zwei Etagen und die eine Etage ist nur ein Wohnzimmer. Aber sie wollen erzählen, dass sie in ärmlichen Verhältnissen leben. Wenn ich das in meiner Wohnung überlege.
Florian Bayer: 99 Dalmatiner. Ich glaube nicht. Aber sie erzählen ja auch, dass sie dann umziehen werden. Ja, dann ziehen sie. Und dass sie aufs Land ziehen werden. Und er hat ja auch seinen großen Radio-Hit mit dem Cruella Devil-Song. Also, das wird schon erzählt, dass es auch so eine Aufstiegsgeschichte ist. Sie können sich jetzt die 101 Hunde leisten.
Johannes Franke: Aber das ist jetzt mal der Punkt, an dem ich fragen muss, über welchen Zeitraum will dieser Film uns das erzählen? Das wird nicht genauer definiert, oder? Ein kurzer Zeitraum. Ja, aber wann zur Hölle hat er diesen Song ordentlich recordet, verkauft, an eine Firma gebracht, die das irgendwie vertrieben hat? Wann hat er die Radiostationen davon überzeugt, das zu senden? Und wann hat er noch das Geld eingesammelt?
Florian Bayer: Er hatte Zeit dafür, weil die ganze Hunde weg waren. Und jetzt bricht seine ganze Karriere ein, wo er sich um 101 Dalmatiner kümmern muss. Das ist das Ende seiner Karriere. Ja, das war das bestimmt. Wir erleben hier ein One-Hit-Wonder. Nach Cruella de Vil wird dieser Mann keinen Song mehr aufnehmen. Und sie werden auf dem Land wohnen, total verarmt sein. Oh nein. Und die Hunde werden anfangen, sich gegenseitig zu fressen. Oh Gott.
Johannes Franke: Ja, und dann kommt Cruella und fragt, na, wie wär's? Und er sagt, ja, kein Problem. So 50 können wir ja abgeben. Ja, genau.
Florian Bayer: Dieser Lucky, der ist sowieso schwach. Papi, werde ich jetzt zu einem Pelz verarbeiten? Wer von euch hat denn die meisten Punkte? Oh Gott. Also, wo wir gerade so am Lästern sind. Ich hab ja schon gesagt, dass ich die Zeichnung toll finde. Sehr schön. Großartig. Der Stil, ich mag den Stil total. Auch in dieser etwas rougheren Version eines Erstlings. Tatsächlich finde ich, es fehlt so ein bisschen der Zauber von alten Disney-Filmen und darauf folgenden Disney-Filmen. Woran liegt das? Woran liegt das? Das ist eine gute Frage. Ich glaube, es liegt daran, dass sich die Story ein bisschen zu krass kondensiert. Zu krass. Es ist so alles so reingedrückt und sehr schnell. Man hat das Gefühl, dieser Film rast so an einem vorbei. Und es gibt definitiv die Momente des emotionalen Innerhaltens. Es gibt ein paar schöne emotionale Momente. Aber die gehen so ein bisschen verloren in dieser Bewegung. Und der Zauber von den besten Disney-Filmen, egal aus welcher Zeit, ist es, dass das Pacing zwischen Humor, Emotion und Action und Fantastischem wunderbar klappt. Und insbesondere das Fantastische, aber auch das Emotionale fällt bei diesem Film immer so ein bisschen runter. Das kippt immer so ein bisschen. Das Fantastische ist eigentlich gar nicht vorhanden, was natürlich auch am Setting liegt und an der Art, wie die Geschichte erzählt wird. Aber auch da, zum Beispiel Susi und Strolch, der auch in realen Verhältnissen verortet ist, hat deutlich mehr Fantastereien. Oder auch neuere Filme. So was wie, tatsächlich, die Filme, die von den Leuten meistens gehasst werden. So was wie Basil, der Maus-Detektiv oder Aristocats. Die waren toll. Filme, in denen Tieren eine Rolle spielen und die in unserer Zeit verhaftet sind. Die nicht so aufs Klassische spielen. Die haben auch mehr fantastische Elemente, mehr Spinnereien, mehr Fantastereien. Die fehlen mir in diesem Film manchmal so ein bisschen. Das ist kein schlechter Film, auf keinen Fall. Ich mag den Film. Aber ich würde ihn jetzt tatsächlich nicht in eine Top Ten der besten Disney-Filme packen. Der besten Disney-Zeichentrick-Filme.
Johannes Franke: Ich verstehe, was du meinst. Ich würde fast die Konkurrenz gar nicht aufmachen. Aber ich meine, es ist Disney, klar. Disney ist sich selbst auf jeden Fall Konkurrenz. Aber der hat irgendwie dadurch, dass er eben nicht in dieses Fantastische rübergeht, obwohl die Hunde sprechen können und so, hat der eine ganz andere, auf Realität und auf eine bestimmte Welt bezogene Geschichte. Ich finde zwar diese Figuren wieder von Susi und Strolch, aber irgendwie habe ich trotzdem das Gefühl, es ist in einer anderen Welt. Es ist in einer anderen Universum. Und viele Filme, Disney-Filme sind im selben Universum irgendwie vom Gefühl her. Weil die das gleiche, die gleiche Atmosphäre, das gleiche Gefühl und die gleiche Emotionalität und so weiter haben. Aber der Film ist irgendwie außen vor und anders. Und deswegen würde ich den Vergleich gar nicht aufmachen und finde, dass er in seiner Art und Weise, in seinem, was er will, was der Film will und was der Film erzählt, dass er einfach ganz hervorragend ist in dem, was er tut. Er braucht das nicht unbedingt. Ich brauche da keine Fee, die in der Gegend rumwind.
Florian Bayer: Ja, nee, eine Fee muss nicht sein. Ich glaube, also tatsächlich haben ja auch spätere Filme von Disney, gerade in diesem sogenannten Dark Age, auf das sehr fantastisch, märchenhaft Verspielte verzichtet. Die haben das aber so ein bisschen auch kompensiert dadurch, dass sie komplexer waren von der Geschichte. Ja. Und wenn ich an Disney denke, denke ich halt entweder an eine sehr einfache Geschichte, unterlegt mit Musical-Einlagen, ein bisschen spinnend, fantastisch, so ein bisschen was Märchenhaftes. Ja. Oder eben irgendwie diese etwas komplexeren Geschichten, wo du das Gefühl hast, da werden so Story-Konstrukte wie Sherlock Holmes oder sogar Hamlet irgendwie in einen Film reingepackt und für Kinder aufbereitet, so dass es Spaß macht.
Johannes Franke: Aber wann war denn das so? Das hat doch erst viel Frischbäder angefangen, oder? Oder fällt dir, lass uns mal durch die Liste von den Filmen gehen von Disney. Sind komplexere Filme früher in den 50er, 60er Jahren?
Florian Bayer: Also, ich finde zum Beispiel, Pinocchio ist so ein Beispiel. Pinocchio ist ein Film, der nicht so ein klassisches Disney-Musical ist. Ja, okay. Aber der hat, was natürlich auch mit der Vorlage zusammenhängt, eine sehr schöne Coming-of-Age-Geschichte.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Die auch so ein gewisses Station-Drama ist.
Johannes Franke: Das ist halt das Ding. Dadurch kommt die Komplexität zustande,
Florian Bayer: durch diese Stationen. Und Pinocchio hat auch diese Fantastereien, eben, wenn er sich dann in einen Esel verwandelt, wenn sie in dem Wal sind. Und dann haben wir so was, das sind natürlich die fantastischen Filme, die, wenn wir vom Golden Age und Silver Age reden, haben wir vor allem die Filme, die dadurch punkten, dass sie fantasievoll sind. Und dass sie diese Musical-Einlagen haben, dieses Märchenhafte. Also sowas wie Schneewittchen, hat ja auch eine dünne Geschichte. Ja. Aber das lebt natürlich von der Musik, von den Märchenhaften, von den niedlichen Zwergen. Wir haben beim Schneewittchen sieben Zwerge, wo jeder seine eigene Persönlichkeit hat. Ja. Das fehlt in dem Film so ein bisschen, ne? Also, ja, es sind 15 Dalmatiner, aber ein bisschen mehr, als dass der eine gerne vorm Fernseher sitzt und der andere immer zu viel isst und deswegen nicht durch das Loch in der Wand passt bei der Flucht. Könnte man schon erwarten.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Wir haben sowas wie Dumbo, der die tanzende Elefantenszene hat, wo plötzlich voll der Drogentrip abgefahren wird. Ja, stimmt.
Johannes Franke: Krass, ja.
Florian Bayer: Und wir haben Bambi, der so sehr verortet ist im Wald, der aber die ganze Zeit so eine märschenhafte Atmosphäre hat, einfach dadurch, dass sich sehr viel Zeit genommen wird für diese schönen Waldbilder. Ja. Und das sind alles Sachen, die bei Lady and the Tramp so ein bisschen fehlen. Ach, Quat'i, Lady and the Tramp. Bei 101 Dalmatiner. Und dann Filme, die ähnlich sind wie 101 Dalmatiner, die eher später gekommen sind. Lady and the Tramp zum Beispiel ist ein bisschen früher, aber ist ja auch eher so eine geerdete Geschichte mit Hunden. Gehört auch nicht zu meinen Lieblings-Disney-Filmen.
Johannes Franke: Übrigens, Lady and the Tramp, wer es nicht gleich verbinden kann,
Florian Bayer: Susi und Strolsch. Susi und Strolsch. Den würde ich wahrscheinlich auch so, das ist ein Film, der, wenn ich drüber nachdenke, wahrscheinlich genau dieselben Probleme hat für mich wie 101 Dalmatiner.
Johannes Franke: Hm, okay.
Florian Bayer: Aber dann haben wir sowas wie Aristocats und Basil, die beide nicht so besonders beliebt sind bei Disney-Freunden. Oder auch Fox and the Hound, Cup und Kappa. Ah. Die eben im Dark Age sind, die danach sind. Die es aber eben schaffen, diese fehlende Märchenhafte damit zu kompensieren, dass ihre Geschichten etwas komplexer sind, sich ein bisschen erwachsener auch anfühlen. Und da steht 101 Dalmatiner dazwischen irgendwie. Ja. Und um das nochmal stark zu machen, das ist Meckern auf sehr hohem Niveau. Weil 101 Dalmatiner ist ein großartiger Film, ohne jeden Zweifel. Ja, ja.
Johannes Franke: Ja, also man muss schon sagen, dass man während des Films, während man ihn schaut, immer mal wieder denkt, hm, die Story ist ein bisschen dünn, oder? Also das ist schon so. Aber ich komme da sehr schnell drüber hinweg. Durch die Zeichnung, durch die Erzählweise, durch verschiedene, auch für Tempo. Sie haben ja auch immer wieder Tempo drin, dass das durchaus einen immer weiterzieht. Es gibt ja nicht diese Momente, wo man dann hängt und denkt, ah, passiert mal endlich wieder was. Sondern man hat immer wieder neue Ideen und neue Sachen, die einen weiterziehen. Das ist nicht das Ding.
Florian Bayer: Es passiert immer was, ja. Der Film, der zieht. Und der Film ist ja auch mit 80 Minuten eigentlich eine traditionelle Disney-Länge. Und die Disney-Filme, deswegen funktionieren die auch so gut, sind einfach vollgestopft. Es passiert ständig was. Du hast nicht die Momente, wo du denkst, oh, jetzt wird es aber langweilig oder so.
Johannes Franke: Genau. Hm. Also insofern macht mir das gar keine Probleme. Und insofern kann ich den auch losgelöst sehen von anderen Filmen, die vielleicht komplexer, auch emotional komplexer sind, weil der Film einfach Spaß macht zu gucken. Und ich glaube, einer der großen Pluspunkte für mich ist einfach wirklich der Visual-Style. Ich glaube, wenn ich jetzt so recht überlege, wenn der jetzt aussehen würde wie Peter Pan. Das würde nicht funktionieren. Würde ich gar nicht so mögen, den Film.
Florian Bayer: Ich finde auch, der Visual-Style ist auf jeden Fall das Highlight dieses Films. Ja. Und ich kann verstehen, dass Disney-Puritaner von damals dann eher sagen, ach, da fehlt so ein bisschen die Schönheit von Dornröschen, von Schneewittchen. Aber er hat dafür eine ganz eigene visuelle Energie. Und die ist wirklich stark. Da ist halt so ein bisschen einfach das Problem, dass er ein Erstling ist. Ich finde, dieser Visual-Style, den er hat, der wurde perfektioniert in späteren Filmen. Und deswegen fallen mir halt fünf Filme ein, die denselben Stil haben, aber besser aussehen. Mir besser gefallen. Nee, nee, nee.
Johannes Franke: Vielleicht, also bei mir hat es ja nicht nur was damit zu tun, dass dieses System der Fotokopie irgendwie drin war, sondern es hat was für mich damit zu tun, dass diese, die haben sich ja orientiert an so einem Cartoonisten. Wie hieß der jetzt? Ja, ich habe mir den Namen auch aufgeschrieben, aber ich habe viel zu viele Notizen, um das zu finden. Aber dieser Cartoonist, nachdem sie sich ein bisschen orientiert haben, der hatte halt auch einen bestimmten Stil. Der dann gut zusammen ging mit dieser Fotokopierengeschichte. Aber ich glaube, ich glaube, das hängt sich mehr daran auf, meine Idee davon. Dieses leicht schiefe Surreale, was sie drin haben, aber auch nur so ganz leicht. Und diese leicht verschobenen Linien und so. Da hast du immer so ein kleines bisschen, selbst wenn du in die Stadt guckst, hast du das Gefühl, du hast mit Hexenhäuschen zu tun. Ja. Das finde ich einfach großartig. Und diese klaren Kanten, die dieser Typ, dieser Roger hat im Gesicht. Ich finde das ganz, ganz, ganz, ganz, ganz einen tollen Stil.
Florian Bayer: Finde ich auch ganz toll. Ich finde tatsächlich die Kanten bei Merlin sind geiler. Aber um nochmal zumindest dich in einen Punkt zu unterstützen, die Hintergründe und die Fördergründe passen besser zusammen, als bei vielen Filmen, die danach folgten. Weil irgendwann sind sie die anderen wieder übergegangen, sehr traditionell die Hintergründe zu zeichnen. Ja, genau. Und diese gesketchten Figuren draufzulegen. Ja. Und hier bildet das Ganze mehr eine visuelle Einheit, weil sie das eben diesen skizzenhaften Stil, diesen roughen Stil auch auf die Hintergründe übertragen haben. Weil du viele Linien hast, die sich durch die Stadt ziehen und über die Straßen. Ja, genau. Tatsächlich ist er definitiv visuell einheitlicher als spätere Disney-Filme, wo sie versucht haben, diese fotokopierten Figuren auf klassisch traditionell handgemalte Hintergründe zu legen.
Johannes Franke: Ja. Ja, ich glaube, ich mag es eher, ich mag diese Ecken und Kanten, die dieser Film hat, lieber als die runden Formen, die sie später nochmal aufgegriffen haben. Obwohl ich eigentlich ja ein großer Fan von so runden Formen und so Art Deco und so bin, aber eben auch gerne mal.
Florian Bayer: Naja, es ist halt schon so 60er-Jessig, wie du schon gesagt hast. Zum Sound passt es total gut. Es hat diese wilde, jessige Verruchtheit. Es wird auch ständig geraucht in dem Film. Ja. Es hat so eine eigene Eleganz und auch, dass unser männlicher Protagonist, auch wenn es nicht so stark gemacht wird, er ist halt so ein Typ Junggeselle auch so ein bisschen. Ja, ja, genau. Am Anfang, wenn man ihn sieht, wie er mit seinem Komponisten zusammen da liegt und sie genießen das Junggesellenleben, dann sagt er, boah, es ist langweilig, wir brauchen eine Frau. Das ist schon cool. Es hat so diesen Bohème-Stil der 60er-Jahre. Ja, genau.
Johannes Franke: Ach, ich glaube, es ist auch das, was es mitatmest, was mich diesen Film so lieben lässt.
Florian Bayer: Johannes, die Zahl des Films, die wichtigste Zahl des Films, 6.400.000 irgendwas. Moment. Ich hatte kurz die Hoffnung, dass du es auswendig kannst, aber du hast es fast getroffen. 6.469.952. Punkte. Punkte auf Dalmatinan. Es ist unglaublich. Irgendjemand hat sich wirklich die Mühe gemacht, das Ding zu zählen, Frame-by-Frame zu gucken, wie viele Punkte sehen wir in diesem Film. Warum macht man das? Wer hatte 10 Jahre zu viel Zeit und hat das gemacht? 72 Punkte sind auf Pongo, 68 auf Petter und 32 auf jedem Einzelnen der kleinen Welpen. Es ist unglaublich. Und das sind ziemlich, ziemlich, ziemlich merkwürdige Strukturen,
Johannes Franke: die wir da sehen, oder? Das sind strange Patterns, wenn man das so sagen möchte. Oh mein Gott. Jingle.
Florian Bayer: Unsere Top 3.
Johannes Franke: So kommen wir zu unserer Top 3. Ich habe aus irgendwelchen idiotischen Gründen, ich habe nicht mehr verstanden, warum ich das gemacht habe, nachdem ich angefangen habe zu recherchieren dazu. Da habe ich gedacht, warum zur Hölle habe ich mir sowas ausgedacht? Die Kategorie heißt Strange Patterns.
Florian Bayer: Tolle Kategorie. Und ich habe, als du gesagt hast, das sind meine Top, das sind die Top 3, die ich will, habe ich gefragt, okay, das kann hier echt alles heißen, weil Strange Patterns in Geschichten, in Ideen, in Texten, aber auch natürlich ganz, ganz literal, wie hier in diesem Film, einfach komische Strukturen. Lustigerweise habe ich tatsächlich das Letztere. Ich habe drei Filme, in dem komische, merkwürdige, strange Strukturen vorkommen. Also wirklich visuell. Ja, visuell mit Einschränkung. Das eine ist nicht direkt visuell, aber es ist definitiv auch eher die, im wahrsten Sinne des Wortes, Interpretation als, oh, diese Geschichte hat aber eine merkwürdige, merkwürdige Struktur.
Johannes Franke: Ah, okay. Sehr schön. Ja, ich habe wie immer traditionell keine Nummern vergeben. Ich habe einfach viele Filme aufgeschrieben und entscheide jetzt spontan,
Florian Bayer: was denn auf welchem Platz ist. Ich habe keine Honorable Mentions. Ich habe wirklich nur drei Stück. Oh, okay. Willst du ein paar Honorable Mentions nennen oder soll ich einfach mal mit meiner Nummer drei anfangen?
Johannes Franke: Ich würde die Honorable Mentions einfach an den Schluss packen, damit wir das andere abgegrast haben und dann nenne ich noch ein paar Sachen.
Florian Bayer: Okay, cool. Du mit deinem Platz drei. Mein Platz drei ist aus dem Jahr 2000 Utsumaki, ein japanischer Horrorfilm, Verfilmung eines Mangas und es geht darum, es ist ein Horrorfilm, in dem die Menschen einer Kleinstadt in den Wahnsinn getrieben werden und die merkwürdige Struktur, die dafür verantwortlich ist, sind Spiralen beziehungsweise Wirbel, die wie Spiralen angeordnet sind und die plötzlich auftauchen und für die auch einer der Protagonisten eine Obsession entwickelt und die irgendwie mit dem Wahnsinn zusammenhängen, der langsam über das Dorf kriegt. Ein sehr apokalyptischer Film, ein sehr düsterer Film mit eben diesen schrägen Perlenans, die irgendwann überall auftauchen, auch auf den Menschen, die davon befallen sind. Also wir haben dann auch wirklich ziemlich eklige Body-Horror-Momente, wo eine Frau zum Beispiel tierische Angst vor diesen Spiralen entwickelt und dann ihre spiralförmigen Körperteile versucht loszuwerden. Okay, okay. Spannender Film aus der großen, aus dem Golden Age des japanischen Horrorfilms Ende der 90er, Mitte, Ende der 90er bis in die späten 2000er-Reihen. So mit The Ring hat das ganze Jahr angefangen, dass japanische Horrorfilme plötzlich auch für ein westliches Publikum spannend wurden und es dann auch so Filme rübergeschwappt sind und er gehört eigentlich zu den ganz traditionellen aus diesem Genre. Wer japanische Horrorfilme mag, wer The Ring mochte oder The Crutch, Sehempfehlung. Blo, ich muss dir ein Geständnis machen.
Johannes Franke: Ich wollte mir eigentlich spontan für die Top 3 einen chinesischen Titel ausdenken, um dich zu beeindrucken aus dem Jahr 1937 oder so und mir irgendwelchen Scheiß ausdenken. Aber das habe ich jetzt über Bord geworfen.
Florian Bayer: Nachdem du einen japanischen Film reingeworfen hast, wo ich gedacht habe, ja typisch, Bloor. Ach Mensch, das hätte ich gerne gehört. Okay, na gut. Wir müssen unbedingt mal eine Top 3 machen. Filme, die wir gerne hätten, dass sie existieren würden. Oh ja. Oh, das musst du dir aufschreiben. Merkt du das mal? Das machen wir mal für das nächste Mal einfach so außerhalb der Reihe
Johannes Franke: oder für das übernächste Mal. Filme, die wir gerne hätten, dass sie existieren. Ja, dann blasen wir irgendwelche Filmideen raus und irgendjemand setzt sie um.
Florian Bayer: Nein. Aber das ist doch gut. Stimmt. Wir haben das Budget nicht, wir haben die Kontakte nicht. Ich bin froh, wenn die Filme existieren. None|Okay. Aber stell dir mal vor, du bringst eine total geile Idee und dann wird die von Michael Bay inszeniert.
Johannes Franke: Ach du Scheiße. Genau. Wir sollten das nicht machen.
Florian Bayer: Oder Wolfgang Petersen. Nee, Moment. Wolfgang Petersen gehört zu den guten Roland Emmerich.
Johannes Franke: Roland Emmerich, oh Gott, naja, kommt drauf an. Naja. Ich hätte gleich am Anfang, um das mit dem Patterns-Ding ein bisschen zu brechen, um das nicht nur visuell zu machen, ich hatte irgendwann das Gefühl, dass ich gerade im MCU und in diesem ganzen, die haben das halt auf die Spitze getrieben, aber eben auch an alle anderen Filme, die so actionlastig sind, wo dann gekämpft wird, irgendjemand sich in letzter Sekunde aus irgendjemandem irgendwas rauswindet oder kurz bevor jemand ermordet wird, dass in einer sehr ernsten Situation nochmal ein cooler Spruch kommen muss. Das hat sich zu einem Pattern entwickelt. Dass man als Drehbuchautor quasi wie eine Schablone dann nochmal drüberlegt, cooler Spruch vor Mord. Oder weißt du, solche Sachen. Ja. Das ist so ein strange Pattern, das sich irgendwie als Filmkonzept entwickelt hat.
Florian Bayer: Ja. Das ist genauso wie das bei Beerdigungs-Szenen immer regnen muss. Ja, ja, genau, genau, sowas. Und dann klappen alle gleichzeitig ihre Schirme auf und die sind alle schwarz. Der hat einen Schirm dabei. Ja, genau. Und das ist auch so von 0 auf 100.
Johannes Franke: Ja. Das ist krass. Also so, um mal auf dieser Ebene von Strange Patterns zu gehen. Ich bin noch nicht sicher, ob ich es gut finde oder nicht, aber das ist mir aufgefallen und ich dachte, okay, das ist aber, es seems to be a thing. Ja. Witzige One-Liner
Florian Bayer: in ernsten Situationen. Ja, ja. Kurz bevor Blut fließt. Ja, ja. Beziehungsweise nicht so viel Blut, weil es Marvel-Filme sind. Ja, gut, okay. Da auf Blut eher verzichtet wird. Hm. Ja. Das heißt, du hast gerade das gesamte Marvel-Universe da reingezogen. Ja, quasi. Okay. Ähm, mein Platz zwei. Mein Platz zwei. Aus dem Jahr 1969. Eine Verfilmung von einem Ray Bradbury-Roman. Ray Bradbury kennen die meisten wahrscheinlich wegen Fahrenheit 451. Ja, ja. Genau. Großer Science-Fiction-Autor, der hat viele Dystopien geschrieben. Fahrenheit 450 ist der Film, in dem die Bücher verbrannt werden.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und der hat ein Buch geschrieben, das heißt Der Tätowierte, beziehungsweise The Illustrated Man im Original. Und das wurde 1969 verfilmt. Und zwar ist das ein Science-Fiction-Film, in dem ein Wanderer auf der Straße auf einen komplett tätowierten Mann trifft. Wir sind 1969, also Tätowierungen sind jetzt noch nicht so gesellschaftlicher Konsens. Also heute trifft man komplett tätowierte Männer überall am Mögelsee. Warum der Mögelsee? Aber wirklich, die Tattoo-Dichte am Mögelsee ist sehr hoch. None|Oh Gott. Genau, und er trifft den und er ist total fasziniert und auch ein bisschen abgestoßen und gleichzeitig angezogen von diesen Tattoos. Und dieser tätowierte Mann sagt dann, ja, aber diese Tattoos haben mich verflucht und ich bin eigentlich auf der Flucht vor der Gesellschaft, weil diese Tattoos ein Eigenleben haben. Und unser Wanderer, unser Protagonist schaut sich dann die Tattoos an auf dem Körper von diesem Mann und die scheinen sich wirklich zu bewegen. Und dann bekommt er Visionen von Science-Fiction-Geschichten. Also eigentlich ist es ein Anthology-Film. Das heißt, es sind drei Science-Fiction-Geschichten, die erzählt werden, die unser Protagonist erlebt. Dadurch, dass er die Tattoos betrachtet, der tätowierte Mann ist auch immer Protagonist in diesen Science-Fiction-Geschichten. Und das sind so düster, dramatische, merkwürdige Geschichten. Und ja, es ist ein sehr, sehr, sehr merkwürdiger Film. Und er hat so was Traumhaftes und Unheimliches, ein bisschen albern, auch so ein bisschen 1969 cheesy Science-Fiction. Aber er ist wirklich ein gutes Science-Fiction-Drama und ganz merkwürdig, ich weiß noch, als ich jung war und den Film geguckt habe, haben mir diese Tätowierungen wirklich Angst gemacht, weil die halt dieses Eigenleben haben und weil die unseren Protagonisten so rauswerfen aus der Realität in diese Geschichten hinein und er kann sich dem nicht entziehen. Stranger-Film, großartiger Film. Wow, cool. Das klingt sehr gut.
Johannes Franke: Warum klingen die Ideen zu solchen Filmen, die so aus Japan und so weiter, woher kommt der Film? Amerika. Amerika, achso. Rod Steiger als Tätowierter. Bei mir ist nämlich aufgefallen, jetzt komme ich durch diesen Film drauf, aber mir ist aufgefallen, schon vor einer Weile, dass die Filme, die mir alle nichts sagen, aus Fernost, dass die in deiner Beschreibung immer total großartig klingen. Ja, und dann guckst du sie und dann bist du vorhin getäuscht. Ja, genau. Und dann gucke ich sie mir an und denke, ich komme überhaupt nicht klar. Was ist das denn für eine Scheiße? Weiß ich nicht.
Florian Bayer: Warum ist das so? Ja, ich glaube, auch bei diesem Film ist es so, man muss die Grundidee und die Ideen, die reingeworfen werden, genug schätzen, um es über einiges eher Schwächeres hinwegsehen zu können. Okay. Weil das sind halt auch oft Filme, gerade so spezielle Filme und so absurde Filme, sind Filme, die nicht so ein großes Budget haben. Das sind so Liebhaberprojekte und dann ist vielleicht wenig Drehzeit vorhanden. Dann ist das Drehbuch so ein bisschen mit Ecken und Kanten, weil es eben nicht von einem großen Studio noch zehnmal überarbeitet wurde. Dann sind die SchauspielerInnen vielleicht Freunde vom Regisseur und spielen entsprechend nicht so gut. Und das sind halt alles so Sachen, über die man dann so ein bisschen hinweggucken muss, um den Kern des Films zu schätzen. Für mich fallen ganz viele Filme in diese Kategorie. Sowas wie Evil Dead oder wie Wizard of Gore. Hätte ich dir von Wizard of Gore erzählt, bevor du den geguckt hast, und hätte ihn in so eine Top-3-Liste gepackt, dann hättest du auch gesagt, oh, das klingt eklig, aber auch irgendwie interessant. Und dann siehst du ihn und siehst natürlich irgendwie so einen trashigen Horrorfilm. Ja, genau. Aber wenn man das Trashige so ein bisschen außen vor lässt, sieht man halt auch, dass da so viele geniale Ideen drinstecken. Und ich liebe für solche Filme. Wo wirklich die einfach nicht perfekt sind, die nicht rund sind, aber die so Rohdiamanten.
Johannes Franke: Ja, okay. Wo der Diamantenteil doch sehr in den Hintergrund geraten ist. Okay. Kommt halt darauf an, wie man draufguckt. Nein, aber ich verstehe schon, dass große Firmen sind ja eher abgeschreckt von guten Ideen, habe ich das Gefühl, oft. Ja. Weil die das Gefühl haben, ah, das ist zu nischig, das will keiner im großen Kino sehen, das ist zwar vielleicht eine geile Idee, aber am Ende erreicht es irgendwie nur so einen Bruchteil der Leute, die wir brauchen, um das finanzieren zu können. Und dann machen das natürlich irgendwelche Leute aus eigenen Mitteln. Und dann hast du halt Pech gehabt. Das ist eine gute Idee, aber schlecht umgesetzt. Ja.
Florian Bayer: Ich habe das Gefühl, das Streaming-Zeitalter funktioniert ein bisschen anders. Ja, ich hoffe, dass das ein bisschen besser funktioniert. Netflix bewirft nämlich anscheinend die Leute, die diese strange Ideen haben mit Geld. Ja. Weil irgendwie so jeden Monat kommen gefühlt zwei, drei Filme auf Netflix raus, wo du denkst, oh, das klingt aber sehr exzentrisch. Ja. Aber bedeutet das, dass sie besser sind? Nein, das ist das Komische. Netflix schafft es, diese Filme zu produzieren und die sehen alle so nach Netflix aus. Und dann ist nämlich das Phänomen tatsächlich, dass ich auf Netflix gucke, ah, der Film klingt spannend, der klingt spannend. Und ich bin so oft enttäuscht davon, weil es doch sich so ein bisschen glatt gebügelt anfühlt. Ja. Es gibt die Ausnahmen, aber man muss fünf Netflix-Filme gucken, um einen guten dabei zu haben. Ja, die Ratio ist ja noch ganz okay. Bei fünf zu eins geht. Ja, das ist ganz schön anstrengend. Ich meine, du hast halt auch zehn Stunden deines Lebens verschwendet. Ja, aber deswegen gibt es ja dieses, diesem Podcast,
Johannes Franke: dass Filmempfehlungen rausgehen. Wir gucken die Filme, damit ihr das nicht tun müsst. Dein Platz zwei. Mein Platz zwei ist, du erinnerst dich an Tatis herrliche Zeiten, Playtime. Da guckt er auf diese riesige Büroszene runter. Ja. Wo diese ganzen Würfel, Bürowürfel da sind. Und dann läuft er ja auch da durch und alles sieht gleich aus und er weiß nicht mehr, wo bin ich denn jetzt eigentlich zwischen diesen ganzen Bürowürfeln. Und dann ist da irgendwie in der Mitte eine Sekretärin, die einem sagen könnte, wo es lang geht. Aber sobald er dran vorbeigeht, dreht sie sich um und als er wieder zurückkommt, denkt er, okay, sie war also so rumgedreht, also muss ich jetzt da lang. Aber sie hat sich zwischendurch umgedreht, was er nicht gesehen hat. Cool. Es ist ein unglaublich strange Pattern, einfach durch dieses ganze Büro, was so ganz entmenschlich nichts bestimmt mehr. Man kann sich überhaupt nicht zurechtfinden, weil alles aus Glas ist und nichts mehr wirklich irgendwas Anhaltspunkte bietet. Das finde ich super.
Florian Bayer: Cool. Also wenn ihr mehr wissen wollt zu Tatis herrliche Zeiten, beziehungsweise Playtime, wie er im Original heißt, wir haben eine Episode dazu. Aus dem Jahr 1967, also nicht unsere Episode, sondern der Film, voller strange Patterns eigentlich. Ja, es ist eine Zukunftsvision als Slapstick-Komödie, die zwei Stunden geht und in der Menschen durch eine dystopische Science-Fiction-Welt stolpern. Aber es ist nicht unheimlich oder traurig, sondern es ist vor allem saulustig. Es ist unglaublich lustig
Johannes Franke: und sehr, sehr absurd. Und es ist so, ich finde, es ist tatsächlich absolutes Meisterwerk, aber es ist nicht für jeden was, weil der doch sehr lange und sehr langsam erzählt ist. Na, ich habe damals schon
Florian Bayer: ein bisschen vom Leder gezogen über den Film, weil ich gesagt habe, es gab keine einzige Szene, bei der ich so richtig lachen musste, sondern es war nur so ein Dauerschmunzeln.
Johannes Franke: Ja, aber ich finde dieses Dauerschmunzeln so großartig. Und dann fragt sich ganz, ganz oft, ganz, ganz lange, was passiert da? Was soll das?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und es ist aber großartig, es ist ganz toll.
Florian Bayer: Bitte guckt euch das an. Ja, auf jeden Fall. Also es ist auf jeden Fall wirklich ein einzigartiger Film. Es gibt, ich habe noch keinen Film gesehen, der so war. Ja. Schön. Dein Platz zwei. Mein Platz eins. Ein Regie-Debüt. Und zwar das Regie-Debüt von Darren Aronofsky. Pi. Die Zahl. Pi. So ist der Titel. Okay. Pi. Es ist wirklich ein Ruffer-Film wieder. Und zwar schwarz-weiß und ziemlich grobkörnig. Und es geht um einen Mathematiker, der versucht, eine Formel zu finden, mit der man die Welt erklären kann. Weil er glaubt, das alles sich in Zahlen ausdrücken lässt und der sich aber komplett in dieser Suche nach der mathematischen Lösung für alles verliert und dann auch paranoid wird, aber auch von Interessensgruppen angegriffen wird. Und der aber kurz davor ist, dann tatsächlich so eine Art Gott-Code zu finden und Gott in Zahlen zu entdecken und der dadurch nach und nach wahnsinnig wird. Und die Strange-Patterns in diesem Film sind nicht die visuellen Patterns, sondern eben diese Zahlen-Patterns, diese Zahlenmuster, mit denen er arbeitet. Wo er versucht, irgendwie eine Struktur zu finden in dem Zahlen-Chaos. Es ist so ein sehr düsterer Film. Darren Aronofsky, kurz, um das noch zu sagen, Regisseur von Black Swan, von The Wrestler und er hat tatsächlich einen Noir-Film gemacht und Marder war einer seiner letzten Filme. Und Requiem for Dream ist ziemlich bekannt von ihm. Stimmt. Spannender Regisseur, der auch manchmal daneben haut. Dieser Film ist tatsächlich so wirklich ein Erstlingswerk. Er ist schmutzig, er ist, wie ich sagen, ein ungeschliffener Rohdiamann. Aber total spannend und quasi die dreckige, die dreckige kleine Schwester von Beautiful Mind. Oh, okay.
Johannes Franke: Okay. Ich kann mich gerade nicht so richtig entscheiden, aber ich glaube, ich werde einfach noch mal was anderes nehmen, was für das Konzept her, was die Auslegung von Patterns betrifft. Und zwar I'm Thinking of Ending Things. Oh. Weil ich sehe keinen Pattern. Der Film normalerweise, also normalerweise, du machst einen Film, du machst ein Drehbuch und denkst dir, okay, wir haben eine Drei-Akt-Struktur oder wir machen eine Fünf-Akt-Struktur und da überlegen uns, wie wir den Zuschauer möglichst elegant von A nach B durch den Film geleiten. Dieser Film wirft alles über Bord und sagt sich, mir egal. Komm zurecht, komm klar, Zuschauer, das schaffst du schon. Interpretier das. Also es gibt einfach kein wirklich erkennbares Pattern, nachdem bestimmte Dinge passieren. Weder auf der Geschichtenebene, weil plötzlich die Leute andere Namen haben oder anders aussehen oder, ne? Oder du hast auch keine eben Struktur, von der Drei-Akt-Struktur kannst du nichts erkennen, du kannst keine Fünf-Akt-Struktur erkennen. Also es ist einfach nicht, es ist nichts, woran du dich festhalten kannst.
Florian Bayer: Das ist ein toller Film. Von Charlie Kaufman, großer Drehbuchautor, großer Regisseur, sehr speziell.
Johannes Franke: Ein Film, der erst für mich erst großartig wird, nachdem ich danach lese, was er wollte oder nicht wollte. Oder, ne? Also Informationen sind vital. Man sollte vorher wissen, dass man keine Chance hat. Wenn ihr den Film guckt, ihr wisst jetzt, ihr habt keine Chance, ihn ausreichend zu interpretieren. Versucht's gar nicht erst oder versucht irgendwelchen Schwachsinn und freut euch einfach daran. Aber ihr müsst danach nachlesen.
Florian Bayer: Aber du hast ihn in einer Top-Liste drin, das macht mich so glücklich. Ja, ich... I'm Thinking of Ending Finks ist mein Lieblingsfilm aus dem Jahr 2020. Gehört's auch zu den Filmen, die du mir besser gequatscht hast. Aber danach dann erst, oder? Ja. Ich hab dir den Film aufgegeben, hab dir diesen Brocken hingeworfen gesagt, mach mal was damit. Ja. Und dann saßt du da total Verzweifelt und verstört. Und dann hab ich ganz viel gequatscht und gelabert. Und dann warst du auf einmal so, okay, ja. Das ist ein Film, ich packe ihn mal in die nächste Top-3-Liste.
Johannes Franke: Also vielleicht kann man ihn auch nochmal gucken und nochmal ganz neu gucken und dann hat er vielleicht auch nochmal eine Qualität. Ich glaube, das habe ich auch damals gesagt, als wir darüber geredet haben, dass man einfach mehrmals gucken muss. Oder wenigstens mit dem Wissen, dass man einfach keine Chance hat. Also, naja. Okay. Ich würde noch ein, zwei Sachen sagen. Ja. Unable Mansions-mäßig. Der Teppich im Overlook-Hotel hat einen Strange-Pattern, der einfach, das ist so ikonisch geworden. Ja. Auf jeden Fall, stimmt.
Florian Bayer: Da darf nicht unerwähnt bleiben. Ja. Wenn ich, wenn ich, ist Gott sei Dank noch nie passiert, aber wenn ich irgendwie im Urlaub wäre und wäre in ein Motel und würde durch die Gänge gehen und es wäre ein Teppich, der auch nur im Entferntesten so aussieht. Ja. Ich würde nach Hause fahren. Ich würde so auf der Stelle abreisen.
Johannes Franke: Ich habe echt eine Zeit lang überlegt, wenn ich irgendwann mein Hotel aufmachen würde, würde ich auf jeden Fall so einen Teppich reinlegen. Ich finde es so großartig. Ein Gast weniger. Und vielleicht stelle ich noch irgendwo so einen Dreirad hin.
Florian Bayer: Danny, spiel mit uns für immer und immer und immer und immer.
Johannes Franke: Ansonsten Strange Patterns Memento, der einfach andersrum erzählt wird, rückwärts erzählt wird, was ein spannendes Pattern ist einfach für einen Film von der Struktur her. Und jeder Wes Anderson Film. Auf jeden Fall. Die haben unglaublich, der hat so ein Gefühl dafür oder so eine Obsession, in einer bestimmten Richtung bestimmte Sachen anzuordnen.
Florian Bayer: Das ist unglaublich. Und der hat ja auch die ganze Zeit tatsächlich im wahrsten Sinne des Wortes Strange Patterns, weil in einem Wes Anderson Film mindestens einmal so eine ganz merkwürdige Tapete oder so ein komischer Teppich auftaucht. Oder der Protagonist trägt einen Jogginganzug, wo du dich fragst, why?
Johannes Franke: Und der hat Farben auf eine bestimmte Art und Weise eingesetzt, dass die auch irgendwie Patterns ergeben. Es ist einfach großartig. Also ich liebe Wes Anderson dafür. Ich verstehe, dass man irgendwann davon ein bisschen genervt ist, weil es zu viel ist. Flor, ich gucke dich an. Aber, ach Wes, ich liebe Wes Anderson dafür sehr.
Florian Bayer: Dann fällt mir jetzt zumindest noch eine Honorable Mention ein, um das abzuschließen. Vier und Laufigen Las Vegas, wo sie nach Las Vegas fahren und Johnny Depp und Benicio del Toro unter der Regie von Terry Gilliam. Und dann nehmen sie die ganze Zeit Drogen und dann fängt alles an sich zu bewegen. Und dann ist Johnny Depp in der Hotellobby und will ein Zimmer bestellen und will auf keinen Fall so wirken, als würde er unter Drogen stehen. Und dann guckt er auf den Boden und da bewegt sich alles. Und wir haben eben diese Strange Patterns, die man sieht, wenn man die falschen Pilze gegessen hat. Und er weiß genau, dass das seine Drogenvisionen sind, aber er kriegt sich nicht zusammengerissen.
Johannes Franke: Okay. Wollen wir zurück in den Film? Zurück in den Film.
Florian Bayer: Das war unsere
Johannes Franke: Top 3. Möchtest du ein Fazit anbringen, Plur?
Florian Bayer: Ich finde den Film total spannend als historisches Zeugnis für eine Art von Zeichentrickkunst, die zu der damaligen Zeit als Verschlechterung wahrgenommen wurde und auch aus einer technischen Notwendigkeit entstanden ist und für mich aber tatsächlich eine Revitalisierung ist des gesamten Mediums Zeichentrickfilms, was ich ganz großartig finde. Ich mag den Film, aber es gibt aus dieser Zeit, aus dem silbernen Zeitalter von 1950 bis ungefähr Ende der 60er Jahre gibt es meiner Meinung nach bessere Filme, auch bessere Filme, die dieses Verfahren angewendet haben. Ich fand es toll, nochmal so eine Zeitreise zu machen durch die Disney-Zeitalter und allein dafür hat es sich schon gelohnt, einfach nochmal durchzugehen. Ah, mit welchen Disney-Filmen bin ich denn groß geworden? Ach ja, das waren ja eigentlich alles Filme aus der Zeit, die mit diesem Verfahren gemacht wurden. Das war ganz cool, das nochmal zu sehen und 101. Martina ist tatsächlich ein sehr wichtiger Film, weil ja, der erste Film ist, in dem Stil benutzt wird, der die, der 30 Jahre Disney geprägt hat.
Johannes Franke: Ich finde es immer spannend, Filme zu sehen, die neue Technik verwenden. Beziehungsweise es gibt eine Ausnahme Avatar, da war ich, habe ich Angst gehabt vor Langeweile zu sterben. Das ist auch keine Technik, sondern ein Gimmick. Das ist nämlich der große Unterschied unter Umständen, obwohl natürlich Technik dahinter steckt, hinter dem Gimmick, aber es ist irgendwie, ich weiß nicht, aber den Unterschied kann man manchmal nur schwer machen.
Florian Bayer: Ich möchte diese Episode mit einem Bold Statement abschließen. Oh. Es gibt keine guten 3D-Filme. Jeder Film, der in 3D produziert wurde, ist Mist. Okay, das müssen wir mal genauer exploren. Ich weiß, ich liege auch vollkommen daneben wahrscheinlich, aber es gibt einen Film, bei dem ich die 3D-Technik irgendwie funktionierend fand. Und das ist der Scrooge-Film. Nee. War der auch 3D? Bestimmt. Nee, war zu früh, ne? War zu früh, okay. Nee, das war Gravity, weil da der Hintergrund komplett schwarz ist die ganze Zeit und Sandra Bullock im Vordergrund von Ohren rumfliegt und das funktioniert einfach. Da hatte 3D-Effekt sowas wie einen Mehrwert. Während ich sonst, also in den 50ern und 60ern waren die 3D-Filme Trash und Gimmicks und das hat sich auch in den 2000ern nicht geändert. Und ich bin froh, dass sie keine 3D-Fernseher mehr produzieren und dass dieser ganze Trend wieder so ein bisschen zurückgefahren wurde. Ja. Ich glaube, es ist kein guter Abschluss für diese Episode.
Johannes Franke: Nein. Weil es nichts mit dem Film zu tun hat. Ich liebe Jazz. Fotokopierte Disney-Filme sehen cool aus. Genau. Sehr schön. Okay. Das sind die zwei Sachen, die wir auf irgendwelche Plakate drucken können. Ich liebe Jazz und fotokopierte Filme
Florian Bayer: sind großartig. Gut. Wenn ihr wissen wollt, was nächste Woche dran kommt, bleibt dran. Vielen Dank, Johannes, für den Film. Total cool, dass ich ihn mal wieder sehen konnte. Weil das ist lange her.
Johannes Franke: Vielen Dank, Plur, dass du das angenommen hast und dass wir uns auch mit Disney auseinandersetzen. Weil das wirklich ein großer Teil der Popkultur ist. Ja, ein ganz wichtiger Teil. Schön, vielen Dank. Und wenn ihr wollt, dass wir mal was ganz Bestimmtes besprechen, weil ihr einen Film habt, den ihr, wo ihr sagt, das ist mein absoluter Lieblingsfilm oder den fand ich besonders schrottig. Mal sehen, ob ihr den auch schrottig fandet. Keine Ahnung. Schreibt uns einfach. Ja, florian-at-mus-mann-sehen.de oder johannes-at-mus-mann-sehen.de Genau. Und Lob oder Kritik respektive an Plur, die Kritik und das Lob an mich. Und dann bleibt noch dran, um zu hören, was nächste Woche dran ist. Bis dahin. Eine schöne Woche. Wünsche ich euch auch und dir auch, Johannes. Bis dann.
Florian Bayer: Ciao. Ciao.
Johannes Franke: Plur, bevor du mir sagst, was du dir überlegt hast, ich habe, ich habe, ich möchte was von dir. Ich will, dass du mir nicht irgendwas gibst, Plur. Ich will, dass du dir spontan was überlegst. Ja, also spontan. Wir können auch noch eine kurze Pause machen, wenn dir nichts einfällt. Und zwar, ich möchte mal, ich habe mal ein Request an dich, dass du mir einen Film gibst, der mir wirklich gefällt. Und zwar, nicht irgendeinen Film, weil da fällt dir was ein, ein Horrorfilm, der mir wirklich gefällt. Weil ich glaube, dass es schwierig ist, mir Horrorfilme zu geben. Das hast du schon versucht und das ist sehr schwer. Aber ich will, dass du mal wirklich kramst in deinem Kopf, ob du einen Film findest, der mir wirklich, einen Horrorfilm findest, der mir wirklich gefallen wird.
Florian Bayer: Okay, du musst in dem Moment, wo du sagst, einen Horrorfilm, der mir gefällt, brauchen wir diese Horrormusik, die ist Spannung. Und jetzt brauchen wir, jetzt müssen wir kurz einen Cut machen, damit ich drüber nachdenken kann. Ja, okay. Okay, Plur. Hey, ich bin total schnell auf eine Idee gekommen. Wir haben drei Stunden gediskutiert. Also ich, es ist so ein bisschen gecheatet, befürchte ich, weil du hast schon mal einen Film von dem Regisseur gesehen, der ansatzweise Horrorfilm war. Ja. Und der hat dir gefallen, das weiß ich, weil wir haben über den Film geredet. Du hast ja den Leuchtturm gesehen von dem Film, von dem Regisseur Roger Eggers und dessen Regie-Debüt. The Witch aus dem Jahr 2015 ist ein Horrorfilm. Ja. Kind of. Also es wurde durchaus drüber diskutiert, ob das noch zu den Horrorfilmen zählt. Ja. Aber ich würde sagen, auf jeden Fall. Okay. Ich würde sagen, das ist ein ganz klassischer Post-Horrorfilm. Darüber können wir vielleicht das nächste Mal ein bisschen reden, aber den würde ich dir gerne aufgeben. The Witch von Roger Eggers, ein historischer Horrorfilm. Ein Post-Horrorfilm, aber historisch.
Johannes Franke: Aber historisch. Wenn der Postmann dreimal klingelt.
Florian Bayer: Wenn die Post-Hexe dreimal klingelt. Ah, okay. Aber ich hoffe sehr. Und wenn der dir nicht gefällt, dann gebe ich auf. Echt wirklich? Dann werde ich dir nur noch Horrorfilme geben, bei denen ich weiß, dass sie dir nicht gefallen und werde ich mit Horrorfilmen quälen. Das Problem ist, dass ich jetzt so tun muss, als er mir gefallen hat, damit du mir nicht wieder solchen Scheiß kämpfst.
Johannes Franke: Okay. So oder so, du kannst nur verlieren. The Witch. The Witch. Okay, von wann ist der? 2015. 2015. Also, ja, auch in der Zeit, wo man so Post-Horror, weil mir hat ja auch Bubba Dog gefallen, das ist ja auch eher so Post-Horror. Definitiv. Aber Ass fandst du nicht so geil, aber Ass war auch Post-Horror aus einer anderen Ecke. Ja, Ass war irgendwie nicht Post genug für, na egal. Also du weißt schon.
Florian Bayer: Nein, das war halt eher der satirische Ansatz. Und The Witch ist alles andere als der satirische Ansatz, sondern vielmehr der Ansatz, der versucht, mit dem Genre Horror mehr zu erzählen über das Genre hinaus, wenn das Sinn macht. Vielleicht mehr Drama als Horrorfilm in den meisten Momenten. Aber lass dich überraschen. Aber du weißt, du hast lang genug darüber nachgedacht, dass du einen Horrorfilm geben sollst. Also ich finde, das ist definitiv ein Horrorfilm.
Johannes Franke: Okay. Sonst reiße ich den Kopf ab. None|Okay. None|Gut. Dann, ich bin gespannt. Bis nächste Woche, Flor. Bis nächste Woche. Habt eine schöne Woche. Bis dann. Ciao.
