Episode 73: The French Dispatch – Ein Wes Anderson Kondensat
The French Dispatch aus dem Jahr 2021 ist Wes Andersons zehnter Film und – Ooooh Boy! – hat er seinen Stil perfektioniert über die Jahre, die er Filme machen durfte.
Wer einmal einen Wes Anderson Film gesehen hat, dürfte jeden Folgenden schnell erkennen. Sein visueller und auch narrativer Stil ist unverkennbar. Seine Art mit Symmetrien zu spielen, Farben einzusetzen, Szenen rhythmisch aufzubauen sowie Dialoge zu schreiben und zu inszenieren, dürfte in der Kombination einmalig sein.
The French Dispatch ist eine Liebeserklärung an den Journalismus und an eine Blütezeit des Selbigen, die es eigentlich so nie gab. Unterstelle ich mal. Und doch sind seine Referenzen zu tatsächlich existierenden Autoren sehr konkret. Der Film ist anthologisch und unterteilt sich in eine Rahmenhandlung, und vier oft sehr absurd erzählte Stories der Journalisten für das titelgebende Magazin. Vier Stories, die nicht viel miteinander zu tun haben, außer der Liebe zum Geschichtenerzählen.
Plor, der Film hat bei seiner Premiere in Cannes neun Minuten Standing Ovations erhalten. Zurecht? Was meinst du?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 73: The French Dispatch – Ein Wes Anderson Kondensat Publishing Date: 2022-05-25T08:41:06+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/05/25/episode-73-the-french-dispatch-ein-wes-anderson-kondensat/
Johannes Franke: in dem Spannungsfeld bewege ich mich als Schauspieler, zu sagen, ich will alles Mögliche behaupten können auf der Bühne, Kann aber nicht, weil der Film mir diese Möglichkeiten nimmt, weil wir immer alle sagen, es muss alles naturalistisch sein. Und Wes Anderson verheiratet diese Dinge einfach so und es funktioniert. Es ist großartig.
Florian Bayer: Beim Theater ist dieser Stil ja oft auch aus Not geboren. Wenn ihr jetzt mal die ganze postmoderne Stoßrichtung außen vor lasst, die dann gesagt hat, okay, wir machen aus der Not eine Tugend, Johannes will unbedingt einsteigen mit einem Dialog.
Johannes Franke: Das darfst du nicht vorher sagen. Wir müssen das einfach machen, Plur.
Florian Bayer: Modern Art.
Johannes Franke: Modern Art, our specialty is starting now.
Florian Bayer: I don't get it. Of course you don't.
Johannes Franke: Am I too old? Of course you are.
Florian Bayer: Warum ist das gut?
Johannes Franke: Das ist nicht gut. Wrong idea.
Florian Bayer: Das ist keine Antwort.
Johannes Franke: Mein Punkt. Du siehst die Frau in es? Nein. Vertraue mir, sie ist da.
Florian Bayer: Herzlich willkommen, liebe ZuhörerInnen.
Johannes Franke: Hier beim Muss man sehen Podcast, wo wir uns Dialoge um die Ohren hauen.
Florian Bayer: Und wo wir uns gegenseitig Filme zuwerfen. Und diese Woche hat Johannes mir einen Film zugeworfen.
Johannes Franke: Jawohl. Und zwar einen, von dem ich schon ahne, dass Plur in... streckenweise zerfetzen wird. Oh Gott, Flor, guck schon so.
Florian Bayer: French Dispatch von meinem Lieblingsregisseur Wes Anderson.
Johannes Franke: Willst du ganz kurz nochmal reviewen, warum Wes Anderson für dich so ein bisschen ein rotes Tuch geworden ist?
Florian Bayer: Also ich mochte Wes Anderson sehr, sehr lange. Und ich sehe natürlich sein künstlerisches Genie. Wahrscheinlich tut das mir besonders weh, dass er wirklich ein unglaublich begabter Regisseur ist. Aber er macht seit Jahren immer dasselbe. Und er hat sich so in seinem Stil verloren, dass er keine Filme mehr außerhalb dieses Stils machen kann.
Johannes Franke: Ich möchte Wes Anderson gerne mit einer Rockband verlieren. Es gibt Rockbands, die machen immer die gleiche Musik, aber die kann man auch zehn Alben lang anhören. Das geht. Hast du nicht sowas? Hast du nicht Musiker, wo du sagst, okay, ich habe zehn gleiche Alben von denen, aber ich höre sie einfach alle gern?
Florian Bayer: Nenn mir ein Beispiel. Fuck. Moment. Ich kenne keine einzige Band oder keine einzige Künstlerin, wo ich sagen würde, wow, die hat zehn Alben lang dasselbe gemacht. Finde ich voll geil. Ich will das 11. Album. Mountain Goats vielleicht so ein bisschen. Mountain Goats, genau.
Johannes Franke: The Eels.
Florian Bayer: Ja, aber da ist tatsächlich auch genau dasselbe Problem. Genau, diese ganzen Indie-Rock-Bands, so Anfang der 90er, wie Dinosaur Junior, The Eels und so weiter, genau dasselbe Problem. Wenn ich da ein neues Album sehe, obwohl ich die in den 90ern total geil fand, denke ich so, okay, vielleicht mal irgendwann reinhören.
Johannes Franke: Wenn man sich mit den Stones nicht auskennt, würde man da auch immer wieder sagen, das ist alles das Gleiche. Und findet es vielleicht trotzdem gut.
Florian Bayer: Die Stones mag ich nicht.
Johannes Franke: Verdammt.
Florian Bayer: Und wenn ich jetzt drüber gucke, Leute, deren Kunst ich sehr schätze, sind es meistens welche, die sich... Vielleicht nicht von Album zu Album oder von Film zu Film, aber zumindest so stetig. Ja. Und mal Sprünge gemacht haben, mal Neues ausprobiert haben. Und das habe ich bei Wes Anderson ab einem gewissen Punkt nicht mehr gesehen. Aber wir können ja gleich darüber diskutieren, ob das vielleicht bei diesem Film der Fall ist. aus dem Jahr 2021. Johannes, du hast bestimmt einen kleinen Text vorbereitet.
Johannes Franke: Ich hab einen Text vorbereitet, ja. Den werde ich mal ganz kurz raussuchen. Wo habe ich es denn hier? Ich muss über die ganzen Notizen drüber, die ich hier gemacht habe. Ich habe sehr viele Notizen bei diesem Film. Und wir müssen das alles besprechen. Ich hoffe, ihr habt Zeit mitgebracht. The French Dispatch ist Wes Andersons 10. Film. Und oh boy, hat er seinen Stil perfektioniert über die Jahre, die er Filme machen durfte. Wer einmal einen Wes Anderson-Film gesehen hat, dürfte jeden folgenden schnell erkennen. Sein visueller und auch erzählerischer Stil ist unverkennbar, seine Art mit Symmetrien zu spielen, Farben einzusetzen, Szenen rhythmisch aufzubauen und Dialoge zu schreiben und zu inszenieren, dürfte in der Kombination einmalig sein. The French Dispatch ist eine Liebeserklärung an Journalismus und eine Blütezeit derselbigen, die es eigentlich so nicht gab, unterstelle ich mal. Und doch sind seine Referenzen zu tatsächlich existierenden Autoren sehr konkret. Der Film ist anthologisch und unterteilt sich in eine Rahmenhandlung und vier, oft sehr absurd erzählte Storys der Journalisten für das Rahmen handlungsgebende Magazin, die nicht viel miteinander zu tun haben, außer der Liebe zum Geschichten erzählen. Plur. Der Film hat bei seiner Premiere in Cannes 9 Minuten Standing Ovation erhalten. Zurecht. Und beachte, dass die Antwort ja ist. Natürlich nicht zurecht. Wie kannst du das sagen?
Florian Bayer: Also, ich glaube, wir müssen das in verschiedene Aspekte unterteilen. Zum einen die Ästhetik von Wes Anderson. Ich habe das Gefühl, wir haben in French Dispatch extrem kondensierte Wes Anderson Ästhetik. Absolut. Und es ist natürlich mal wieder ein Augenschmaus. Das kann man nicht anders sagen. Egal, was man von Wes Anderson als Geschichtenerzähler hält und egal, was man von Wes Andersons Konservatismus hält, den ich auch hier wieder spüre ...
Johannes Franke: Oh, da müssen wir drüber reden.
Florian Bayer: Bin ich mal spannend. Hat er einfach ein unglaubliches Gespür für unfassbar gute Bilder. Und davon lebt natürlich dieser Film.
Johannes Franke: Und das Krasse ist, es ist nicht so, dass er sich einen Kameramann sucht, mit dem er immer zusammenarbeitet, der genau das liefert... was er irgendwie cool findet, sondern er geht selbst an die Kamera. Es gibt von ihm Aufnahmen, wie er sich die Kamera aufschultert und damit in der Gegend rumläuft. Und wahrscheinlich seinem Kameramann gesagt habe, und so, genau so machst du das jetzt bitte. Das ist einfach wirklich, und der Kameramann hat das auch gesagt in einem Interview, das bringt Wes Anderson mit.
Florian Bayer: Ja, man sieht es auch. Die Bilder sind natürlich wieder typischer Wes Anderson Style. Das heißt zum einen eine unglaubliche Verspieltheit, was die Kartrasch des Films ist. Der Film ist größtenteils tatsächlich im, wie heißt es? Academy Relationship? Academy Ratio, also was wir als 4 zu 3 bezeichnen würden, gefilmt. Und der Film ... nutzt seine Cartrage zum einen, indem er mit der Cartrage spielt. Es gibt Szenen, die teilweise auf 35 mm Anamorph gezogen werden. Es gibt viele Bilder, wo wir Splitscreens haben, wo wir zwei Bilder nebeneinander haben, wo parallel erzählt wird, wir haben Subtitles, die durchs Bild springen, die nicht einfach nur von oben nach unten sind, sondern die zwischendurch springen und so weiter. Wir haben Vignetten von Häusern, die von Querschnitt von Gebäuden, Querschnitt von Flugzeugen, Wir haben so viele Miniaturen, Puppenhäuser. Wir haben Theaterstilisierungen, wo plötzlich das Geschehen in einer... zwischen Soldaten auf einer Theaterbühne stattfindet.
Johannes Franke: Wir haben eine Comic-Verfilmung.
Florian Bayer: Wir hatten ein Zehn-Minuten-Segment, wo quasi einmal vor Hergé und dem französischen, belgischen Zeichen Stil, der der 60er Jahre sich verbeugt wird. Wir haben diese ganz klassischen strengen Bilder von von die man von Miles Anderson kennt, wo das wesentliche Objekt ganz zentral im Bild ist und wo man das Gefühl hat, Scheiß auf den goldenen Schnitt. Ich will eine radikale Symmetrie haben.
Johannes Franke: Das ist so Wes Anderson, es ist unglaublich.
Florian Bayer: Und ich finde, das ist auch schon eine Schwäche des Films, weil dieser Film zerfällt nämlich nicht nur in die Episoden, die er hat. Es ist ein Episodenfilm, das werfe ich ihm gar nicht vor, sondern diese Episoden an und für sich zerfallen auch noch in diese Anderson-Vinetten. Man hat das Gefühl, der Film springt. Von wunderschönem Bild zu wunderschönem Bild. Vom skurrilen Bild zu lustigem Bild zu abstraktem Bild. Es ist ein Augenschmaus, ohne jeden Zweifel. Aber es ist zum einen total überwältigend, weil man hat das eine, man sieht die Bilder auch wirklich nur für ein paar Sekunden. Das sind krasse Bilder und man denkt so, ey, da gibt es so viel rauszuholen. Warum zeigst du dieses Bild uns nur fünf Sekunden? Und dann ist es aber auch, der Film hetzt von Bild zu Bild. Man hat das Gefühl, er macht das, um alle diese ganzen Bildideen, die er hat, nachzudenken. Nach und nach unterzubringen. Und tut mir leid, aber da sehe ich vor allem wirklich so einen ganz krassen Style over Substance.
Johannes Franke: Es ist halt eklektisch ein bisschen dann dadurch, weil du wirklich denkst, was, was, wie da, dort noch und das noch und dort noch. Und ich habe halt wirklich... Ich habe für einen Film, der 107 Minuten oder sowas dauert, weiß ich nicht genau, 108 Minuten, habe ich mehrere Stunden gebraucht. Ich habe wirklich immer wieder Stopp gemacht, habe mir Sachen aufgeschrieben, habe das Bild genossen und habe dann weitergemacht. Das ist unglaublich.
Florian Bayer: Aber ich finde tatsächlich, dadurch macht er sich seinen eigenen Fluss kaputt, weil er es sich nicht gönnt, auf Bildern zu bleiben. Wir haben zum Beispiel diese tolle Szene. Wenn die Kunsthändler im Flugzeug sitzen, oh Gott, jetzt muss ich aufpassen, dass ich nichts durcheinander werde. Diese Flugzeugszene, wo wir den Querschnitt von einem Flugzeug ziehen. Und dann haben wir wirklich so ein Diorama. Wir haben einmal das Flugzeug aufgeschnitten und dann haben wir verschiedene Kabinen, in denen verschiedene Dinge passieren. Und dieses Bild hält Anderson aber mal gerade für, keine Ahnung, paar Sekunden.
Johannes Franke: Und da passiert so viel.
Florian Bayer: Man möchte was sehen, man möchte auch da eintauchen, man möchte sich da reinfühlen. Und Wes Anderson nimmt es einem so ein bisschen, weil er sagt, ey Moment, ich habe hier noch ein anderes geiles Podcast. Guckt euch mal das an. Und hier noch, hey, guckt mal diesen Freeze-Frame, den ich aufgebaut habe. Ich mache keinen richtigen Freeze-Frame. Nein, nein, ich lasse meine SchauspielerInnen alle still. stehen und einen bewegen. Und man sieht, dass sie so ein bisschen zittern. Ist das nicht ein geiles Bild? Ja, es ist ein geiles Bild. Es ist ein geiles Bild. Aber hey, guck mal hier, ich habe hier noch ein Fresko. Wir müssen nochmal diese Gemälde sehen. Moment, Moment, Moment. Da, seht ihr die Autorin auf der Bühne? Und jetzt zeigt sie ein Nacktfoto von sich. Es ist so, ja, okay, ich hab's verstanden, du hast schöne Bilder. Aber dann mach doch meinetwegen einen 4-Stunden-Film draus. damit ich auch ein bisschen Zeit habe, mit den Bildern zu arbeiten und die Bilder mir eine Geschichte zu erzählen. Sonst ist es einfach nur eine Diashow.
Johannes Franke: Okay, folgendes. Ich glaube, dieser Film ist ein Gedicht. Gedichter sollte man nicht in der Erwartung lesen, beim ersten Mal durchlesen, alles erfasst zu haben. Gedichte sind dazu da, wie Lieder, Refrainartig teilweise oder wieder und wieder gehört oder gelesen zu werden, um nach und nach das zu entfalten, was drin steckt. Dieser Film will nicht beim ersten Mal verstanden werden.
Florian Bayer: Okay, anderer Ansatz. Dieser Film ist ein Magazin.
Johannes Franke: Richtig.
Florian Bayer: Wir haben hier den New Yorker vor uns. Und wir sind quasi der Leser oder die Leserin, die durch den New Yorker blättert. Deswegen ist übrigens, das Ding hat ja eigentlich... Wenn man sich zurückerinnert an den Film, denkt man, drei Episoden, aber das hat ja eigentlich vier Episoden. Die erste Episode ist Owen Wilson, der auf dem Fahrrad durch eine französische Stadt fährt und die ist vier Minuten lang. Weil man gelangweilt ist, weil der Leser schnell weiterblättert. Weil okay, jetzt hast du genug über Huren und Obdachlose geschrieben und du hast keinen Blumenladen eingebaut. Dann blättert man schnell weiter.
Johannes Franke: Aber ist das nicht geil? Weil das ist ja der Kommentar auf den eigenen Film wieder. Und er macht das ja absichtlich.
Florian Bayer: Nein, nein, er macht das. Aber dafür, um es dann mehrmals zu lesen, dafür ist es mir zu flach. Dafür fehlt mir die Substanz dahinter. Wenn ich ein Gedicht lese, wo ich merke, dass es eine Tiefe gibt und eine Substanz gibt, dann lese ich das gerne ein zweites Mal. Aber ich habe das Gefühl, The French Dispatch findet die ganze Zeit an der Oberfläche dieser schönen Bilder statt und es gibt nicht viel... Es gibt nicht viel dahinter.
Johannes Franke: Es gibt zwei Ebenen. Das eine ist halt die visuelle und das andere ist die inhaltliche. Und bei allen vier Storys finde ich etwas... Was ich auch nochmal haben möchte, bei Owen Wilson ist es nicht der Inhalt.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Da sind es die Bilder. Da ist es vor allem das Timing des Bilds. Du hast am Anfang dieses Bild von der einen Straße, die am Anfang leer ist und dann die Leute nach und nach rauskommen. Ich finde es total geil. Ich liebe es, in welchem Tempo jeder Einzelne seine Bühne betritt und das Ganze ins Leben kommt. Das ist großartig.
Florian Bayer: Ich glaube, das, was du in der ersten Episode siehst, dass diese Bilder sind, das sehe ich in allen Episoden. Ich sehe überall dieses von Bild zu Bild gespielt. Und mir fehlt halt tatsächlich so ein bisschen die Tiefe dahinter und ich sehe auch total, dass das ein Ansatz ist des Films, weil der Film hat ja diese Referenz zum New Yorker. Er ist ja eine Liebeserklärung an den New Yorker. Und der Film ist natürlich so gedreht, wie der New Yorker auch geschrieben ist. Das heißt so ein bisschen ... So, sehr ausgeschmückt. Man könnte sagen, auch ein bisschen blasiert, ein bisschen versnob. Genau. So, wir feiern das hohe Leben. Wir haben keinen krassen Sex, keine krasse Gewalt da drin, sondern es findet alles auf so einer blumigen Oberfläche statt. und das ist mir einfach ein bisschen zu dünn. Mir fehlen die Abgründe. Und... Die Momente sind da, um die Abgründe reinzubringen. Aber der Film macht das irgendwie nicht.
Johannes Franke: Gibt es Filme von Wes Anderson, die besonders abgründig sind? Ja, total.
Florian Bayer: Total, Alter. Also gerade so zum Beispiel Royal Tenenbaums. Da gibt es irgendwann wirklich ziemlich krasses Selbstmordszene. Und jetzt fange ich wieder an, die alten Filme zu zitieren. Vielleicht ist das auch mein Problem, das ich mit Wes Anderson habe. Vielleicht war er früher ein bisschen abgründiger. Und ist mit der Zeit immer stilverliebter geworden. Lass mich einmal ganz kurz auf die Filmografie von Wes Anderson schauen. Also Royal Tenenbaums ist, glaube ich, mein Lieblingsfilm von Ross Anderson. Das war sein dritter Film aus dem Jahr 2001. Der hat auf jeden Fall diese Abgründe. Aber ja, Wes Anderson hat sie nicht so oft. Das stimmt tatsächlich. Also zum Beispiel die Tiefseetaucher aus dem Jahr 2004.
Johannes Franke: Es ist einfach eine putzige Arme, schön zu sehen. Da gibt es keine großen... Tragödien?
Florian Bayer: Ja. The Cheeling Limited ist eigentlich auch ein netter Reisefilm.
Johannes Franke: Das ist quasi ein Action-Buddy-Movie.
Florian Bayer: Fantastic Mr. Fox ist halt... Ein Kinderbuch so ein bisschen düsterer erzählt, aber letzten Endes.
Johannes Franke: Über Fantastic Mr. Fox haben wir auch lange geredet, also wenn euch das interessiert, den haben wir schon besprochen.
Florian Bayer: Also tatsächlich ist Wes Anderson niemand, der große, tiefe... politische oder gesellschaftspolitische Themen anspricht.
Johannes Franke: Was noch andere Probleme aufwirft, sein Stil einfach. Ich weiß nicht, ob du mit irgendeiner Figur emotional mitgelitten hast. Nein.
Florian Bayer: Nein, aber das erwarte ich von dem Film auch nicht. Das ist total okay. Diese emotionalen Distanz, die ihm oft vorgeworfen wird, die sehe ich in dem Film auch. Absolut. Es gibt keine Figuren, die ich mich reinversetzen kann. Außer am ehesten noch die Frances McDormand-Journalistin. Weil die auch tatsächlich... Weil die den Film auf einer Metaebene hebt, weil sie reflektiert eben das Gewerbe des Journalisten. Davon hätte ich mir viel mehr gewünscht.
Johannes Franke: Und da ist halt die Substance, die du vorhin gesagt hast, die fehlt. Da sehe ich die Substance. Da bin ich viel mehr drin als im Visuellen. Obwohl auch da visuell einfach wahnsinnig viel los ist.
Florian Bayer: Aber Lucinda Cremens, so heißt sie ... ist dann halt in dem Film doch zu sehr im Hintergrund. Wir konzentrieren uns auf Zeffirelli und bevor wir irgendwie tief reingehen können, tatsächlich in diesen Konflikt, Journalismus versus Aktivismus, Bericht über Politik und gleichzeitig Politik machen und so weiter, springen wir auch schon zu der Szene, wo... Wo dieser Zeffirelli mit seiner Freundin Juliette auf dem Motorrad sitzt und dann haben wir einfach mal fünf Minuten Fahrbrausch auf dem Motorrad. Und wir wissen von Wes Anderson, wir kriegen von Wes Anderson quasi hingeschmissen, mir ist dieses ganze politische Zeug, diese Revolution ist mir vollkommen egal.
Johannes Franke: Nein, so schlimm ist es nicht. Aber Ihnen interessiert mehr die menschliche Ebene dahinter. Ich glaube, wir bewegen uns auf dem Spannungsfeld zwischen der Journalistin, die sagt, die Arroganz der Jugend, die hier in der Revolution sich einmal widerspiegelt, wo der philosophische Überbau ankommt. angedeutet wird von ihr in ein paar Sätzen und auf der anderen Seite dem jungen Typen, der nackt in der Badewanne sitzt und sagt, I'm shy about my new muscles. Das ist so großartig.
Florian Bayer: Ja, aber genau, darauf konzentriert er sich dann, ne?
Johannes Franke: Ja, natürlich. Ist schon richtig.
Florian Bayer: Ihre Rolle ist, dafür, dass sie so eine spannende Rolle ist, ist ihre Rolle extrem unterrepräsentiert. Und dafür, dass dieser... Ich meine, Timothy Chalamet ist ein großartiger Toller Schauspieler. Aber dafür, dass diese Rolle dann doch so ziemlich plass ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Also natürlich spielt das großartig, aber es ist jetzt keine Rolle, wo man denkt, wow, die hat aber Tiefe.
Johannes Franke: Ja, die macht halt keine große Entwicklung durch und so. Also es ist schon...
Florian Bayer: Dafür fahren wir dann halt viel zu lange bei ihm und viel zu wenig bei ihr.
Johannes Franke: Ich finde, Wes Anderson ist halt für Momentaufnahmen gut.
Florian Bayer: Ja, genau. Wes Anderson, perfekt. Du bringst es auf den Punkt. Wes Anderson ist für Momentaufnahmen gut. Und dieser Film ist schon so ein bisschen kondensiertes Wes Anderson. das in Kino, weil er ganz krass diese Momentaufnahmen nimmt und aneinander reiht. Und nochmal, diese Momentaufnahmen für sich sind fantastisch. Also ich glaube, wir könnten uns stundenlang drüber unterhalten. Man könnte jedes einzelne Bild einmal einrahmen und an die Wand hängen und könnte sich stundenlang drüber unterhalten. ist es dann halt sehr viel in der Masse. Also du hast sehr viele Bilder, die aufeinander folgen. Ich kann diesem Film vieles verzeihen, zum Beispiel seine, ich mag grundsätzlich den Ansatz, einen Film zu machen wie ein Magazin, so ein bisschen die zerfahrene Struktur, der hat einen gewissen Groove dabei. Der hat ein schönes Tempo.
Johannes Franke: Auch, dass er die Kartrierung immer wieder ändert. Dieses 4 zu 3 gegen das Breitbild und 16 zu 9 usw. Das hat ja auch was von Magazinen. Du blätterst durch und jedes Bild hat seine eigene Kartrage im Text eingebettet. Und das finde ich halt großartig. Das aber auch wieder Style over Subside.
Florian Bayer: Und dann auch dieses Springen von Schwarz-Weiß zu Farben. Ja, genau. Spezifische Szenen, die herausgestellt werden, wo wir dann wirklich so diesen Farbrausch haben nach einem... in der Schwarz-Weiß-Szene und dann wieder zurück zum Schwarz-Weiß. Und auch dieses, okay, ich packe am Schluss noch mal 10 Minuten Zeichentrick rein. Wes Anderson komponiert das alles so, dass es einen Groove hat. Man guckt sich durch den Film durch und man spürt das Tempo des Films und das macht Spaß, auf jeden Fall, ohne Zweifel.
Johannes Franke: Was ich auch toll finde, ist eben auch, dass man spürt, dass Wes Anderson das nicht nur macht, weil er... Kann. Also es gibt ja so viele Filme, die dann anfangen rumzuspielen mit irgendwelchen, mit Kadrasch unterschiedlich und schwarz-weiß und Farbe und so weiter. Ohne Sinn und Verstand.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Sondern sich nur einen darauf runterholen, dass sie das können. Und da irgendwie man kein Konzept sieht. Aber in diesem Film ist alles folgerichtig.
Florian Bayer: Absolut. Und das finde ich ganz beeindruckend. Der hat eine total geschlossene Ästhetik. Und das, obwohl er so verspielt ist. Seine Ästhetik ist natürlich, ich bin verspielt. ich habe total viel spaß an meinen referenzen wir haben in einer sehr frühen episode haben wir uns über tati unterhalten ja über modern Und mit Tatia habe ich ja tatsächlich auch so meine Schwierigkeiten. Man sieht zum Beispiel, dass Wes Anderson sehr von Tati inspiriert ist. Er baut diese Querschnitte auf. wo wir aus einer Distanz etwas sehen und dann passiert sehr viel in dem Bild und du weißt gar nicht, worauf du dich konzentrieren musst. Diese Verspieltheit passt total gut rein. Man hat nicht das Gefühl, dass es einfach nur so ein Zitat reingeworfen ist und man denkt, oh Gott, das ist jetzt aber echt ... so krass narzisstisch, irgendwie, ich kenne mich aus mit Filmgeschichte, das Gefühl hat man bei Wes Anderson nicht. Die Bilder folgen aufeinander und Und ergeben ein großes Ganzes. Der Film hat einen wirklich guten Rhythmus.
Johannes Franke: Nicht nur
Florian Bayer: Nicht nur durch die Episoden, sondern auch innerhalb der Episoden. Aber um das nochmal stark zu machen, er besteht halt vor allem aus diesem Rhythmus. Und das ist halt Bild, Bild, Bild, Bild. Und dann Bild und Bild. Aber tatsächlich, als wir letzte Woche drüber gereden haben, hast du so ein bisschen gesagt, oh, das ist ein Film, der sich lang anfühlt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Fand ich gar nicht.
Johannes Franke: Fandst du gar nicht?
Florian Bayer: Sehr gut. Weil er halt so durchrast, aber danach hat man Kopfschmerzen.
Johannes Franke: Ich habe halt im ersten Mal, als ich beim ersten Mal im Kino gesessen habe, war ich halt, ich habe irgendwann aufgegeben und deswegen hat sich da irgendwann... lang angefühlt, weil ich tatsächlich in der vierten Story irgendwann gedacht habe, okay, ich kann nicht mehr, ich bin fertig mit den Nerven, ich habe zu viel Input bekommen. Kannst du bitte letzte Pause machen. Intermission, Intermission. Und das war halt so ein bisschen das Problem. Aber jetzt beim zweiten Mal gucken, ich konnte mich besser darauf konzentrieren, weil ich einfach schon ein bisschen mehr wusste und ein bisschen mehr reinkam.
Florian Bayer: Ich glaube tatsächlich, Wes Anderson hasst unter anderem Filmkritik. Weil dieser Film ist für jeden, der drüber schreiben will, ein Albtraum. Weil normalerweise machst du es ja so, dass du dich hinsetzt und du hast einen Blog oder ein Tablet. oder einen Laptop auf dem Schoß und machst Notizen während des Films. Du kannst ja keine Sekunde runtergucken, um eine Notiz zu machen, weil du da zehn Bilder verpasst hast.
Johannes Franke: Absolut. Es ist auch großartig. Deswegen habe ich ja auch so lange gebraucht, um diesen Film zu gucken am zweiten Mal, weil ich echt immer wieder Pause gemacht habe.
Florian Bayer: ständig pausiert und manche Bilder huschen halt wirklich weg und dann verlierst du mal kurz die Aufmerksamkeit, denkst über ein anderes Bild nach, was gerade passiert ist und dann merkst du, wow, ich hab gerade irgendwas verpasst und dann spürst du zurück und stellst fest, Okay, da ist gerade ein nackter Bär durchs Bild getanzt oder so. Oder so. Es ist wirklich, also der Film ist krass überladen mit wirklich, wirklich guten Bildern. Und es sind nicht nur die großen Sachen wie diese Querschnitt oder diese echt geilen Standbilder, diese Pseudo-Freeze-Frames, sondern auch so kleine Sachen, wenn man die Vogelperspektive auf eine Schreibmaschine hat.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Wenn man einfach mal ein Gebäude sieht mit einer Tür und das ist alles schön platziert, wo es Anderson weiß, wie er Sets... platzieren musst. Klar, jedes einzelne Bild ein Traum. Also wenn man einfach nur Spaß, Freude an tollen Bildern haben will, ist dieser Film ein Hochgenuss.
Johannes Franke: Wahnsinn, oder? Und was mich halt dann zusätzlich packt, ist die Leidenschaft fürs Geschichtenerzählen, was so dolle zu mir überschwappt, dass ich sofort 20 Filmideen habe. Das ist unglaublich. Kaum ein Film. Ich wage zu behaupten, dass dieser Film mein neuer Lieblingsfilm ist.
Florian Bayer: Wow, okay.
Johannes Franke: Wirklich, es geht so weit.
Florian Bayer: Oh, tut mir leid, dann werde ich jetzt meine heilige Kuh ein bisschen schlachten.
Johannes Franke: Ja, ich habe aber damit gerechnet. Ähm, weil, weil diese Leidenschaft zum Geschichten erzählen, er macht das jetzt über den New Yorker und so, ne? Also es ist jetzt, ähm, Ich bin kein großer Schriftsteller, aber ich habe das Gefühl, dass ich eine große Leidenschaft zum Geschichten erzählen an sich über Film oder über das Schauspiel habe. Und das trifft mich einfach. Also im positivsten Sinne, was er mir da an Leidenschaft entgegenbringt.
Florian Bayer: Reden wir kurz über den New Yorker. Siehst du den New Yorker?
Johannes Franke: Nein. Keine Ahnung, was ist der New Yorker? Ich habe nur diesen Schriftzug vor meinen Augen und dieses Cover. was die einfach immer hatten und ich habe noch nie einen New Yorker aufgeschlagen und gelesen.
Florian Bayer: Ich bin kein großer New Yorker Leser. Mein Take auf den New Yorker ist, wenn du in einem gehobeneren Spa bist, mit Sauna, Und mit internationalem Publikum. Und in Berlin gibt es sowas. Und dann bist du im Ruheraum und schnappst dir ein kleinformatiges Magazin zum Lesen, während du dich ausrüst. Dann ist das in 90 Prozent der Felder New Yorker. Das ist mein Take auf den New Yorker. Das ist tatsächlich das Setup, in dem ich New Yorker lese oder gelesen habe. Sprich, ich habe nicht viel New Yorker. locker gelesen, weil ich nicht so oft in diesen Etablissements bin.
Johannes Franke: Das schramt ja schon fast an Clue-Literatur vorbei, deine Beschreibung.
Florian Bayer: Naja, nee, es ist halt so ein bisschen zum drin versinken. Und das war ja auch das Ziel von New Yorker. um ganz kurz auf die New Yorker Geschichte einzugehen, 1925 gegründet von Harold Ross. Und der wollte ja irgendwie so ... ein Magazin haben, was so ein bisschen Journalismus und Narration verbindet. Also, dass das quasi Kurzgeschichten gleichberechtigt neben Essays, neben Lyrik, neben Cartoons, die auch eine große Rolle spielen. Das heißt, dass dieser Journalismus eingebettet ist in so einen gewissen künstlerischen Anspruch. Dazu passt ja auch, dass die Titelbilder nur Illustrationen sind. Auf dem Cover gibt es keine Fotos, sondern wir haben immer diese sehr spezifischen Cartoons, die gezeichneten. Und die Texte, die ich im New Yorker gelesen habe, die haben auch alle so ein bisschen diesen Ton. Nochmal, das ist so das, was Anderson auch in dem Film hat. Man könnte es fast noppt nennen. So ein bisschen feingeistig, verblümt. Genau, auch heile Welt. Und trotzdem halt... mit einem gewissen journalistischen Anspruch. Es ist tatsächlich, und das macht es dem Film nicht so leicht, dass ich meine Probleme mit dieser Art von Journalismus habe.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und ich glaube, gerade in unserer Zeit ist diese Art von Journalismus auch zu Recht ein bisschen in Verruf geraten. Weil was wir hier vor uns haben, ist natürlich das, was man Relotius-Journalismus nennen könnte. Kurz nochmal an diese... Glas Relotius Geschichte zu erinnern, der beim Spiegel war. Gefeierter Autor, der wurde Und dann ist vor einigen Jahren rausgekommen, dieser Mann hat seine Reportagen teilweise komplett erfunden. Und wenn ein Journalismus das Narrativ über die Authentizität stellt ... über das ehrliche Darstellen, was ist, dann kann sowas passieren. Und dieses stilverliebte Schreiben, das führt natürlich genau zu so einem Journalismus. Also zum einen ist das natürlich in unserer heutigen Zeit schwierig, weil gerade der Journalismus ja auch irgendwie in einer Sinnkrise steckt.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Ich habe so ein bisschen Gefühl, Wes Anderson macht in diesem Film eine Liebeserklärung an den Journalismus und seiner Art auf die Krise des Journalismus einzugehen. ist einfach Nostalgie. Nostalgie in Richtung dieses New Journalism, dieses wir sind alle Storyteller. Und was mit der Wahrheit ist, ist ja gar nicht so wichtig. Wichtig ist, dass es eine schöne Geschichte ist. Schreib es so, als hättest du alles geplant. Also der Satz des Chefredakteurs. Ja. Das ist die Form von Journalismus, die der Film feiert. Dieser nostalgische Storyteller, Reportagen, New Journalism.
Johannes Franke: Es ist auch... Ich habe das viel auch gedacht beim Gucken und habe auch viel mich an andere Filme erinnert. Mir fallen die gerade nicht so richtig ein. Es gibt doch so viele Filme in letzter Zeit, wo man sagt... Ja, also jetzt zum Beispiel Once Upon a Time in Hollywood, der ja auch so in eine nostalgische Variante einer Institution geht, die so gar nicht existiert hat.
Florian Bayer: Ja, absolut. Und tatsächlich ändern sich die beiden Filme da enorm. Das sind beide Märchen aus einer Welt, die so... nicht so stattgefunden hat.
Johannes Franke: Und ich finde Once Upon a Time in Hollywood trotzdem einen sehr guten Film.
Florian Bayer: Das stimmt, das stimmt.
Johannes Franke: Also, aber ich muss natürlich trotzdem als Zuschauer die Transferleistung bringen, zu sagen, okay, ich habe da ein Märchen vor mir. Ich weiß... Das hat so nicht existiert, aber da hat jemand eine Vorstellung davon, wie das gewesen sein könnte oder wie er das gerne gehabt hätte, dass es gewesen ist.
Florian Bayer: Ja, es ist ja tatsächlich so, Wes Anderson ist ja ein totaler New Yorker Fan. Der hat ja offensichtlich das Archiv gekauft. Ja, ja. Der hat richtig Geld in die Hand genommen, weil er diese Dinger haben wollte.
Johannes Franke: Aber er gibt auch so viel Geld für so krasse Sachen aus. Wenn man den Ausstattern von Wes Anderson Filmen zuhört, dann weiß man auch, auch, oh mein Gott, was da alles... Was ich unbedingt, das muss ich jetzt anbringen. Wes Anderson gibt allen Leuten... die in seinem Film irgendeine Form von Rolle spielen, ob das Beleuchter ist oder ob das der dritte Statist von hinten ist. Nein, die vielleicht nicht abonniert. gibt denen Filme zum Gucken.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Immer. Jedes Mal, wenn er was anfängt, sagt er, okay, und das ist die Liste der Filme, die ihr jetzt guckt. als Vorbereitung für meinen Film. Und das finde ich eine ganz geile Sache eigentlich, weil man hat so ein bisschen, man kriegt ein Gefühl dafür. Einer der Ausstatter hat zum Beispiel den Film The Red Balloon einmal angesprochen aus dem Jahr 1956. Es ist einfach nur ein Kurzfilm. der sehr grau und fast schwarz-weiß daherkommt. Und da gibt es einen roten Luftballon.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und der geht halt durch den Film durch und das ist so ein, auf diese Art und Weise sollte dann die Farbigkeit des Films sein und dann hat er immer, holt er einfach immer... Beispiele hervor. Und da gehörte in die Liste gehörten halt auch Jacques Dati, also in diesem Fall Mononkel von ihm. Und dann Orson Welles' The Trial. Godard war dabei.
Florian Bayer: Ja, den Nouvelle-Vague-Einfluss. Das finde ich tatsächlich ganz schön an den Bildern, dass dieser Nouvelle-Vague-Einfluss ganz stark zu spüren ist. Vor allem In der dritten Episode, beziehungsweise in der vierten, also The Private Dining of the Police Commissioner, haben wir ganz viel diese Anleihen an den französischen Kriminalfilmen der Nouvelle Vague. Genau. Genau, Godard und Melville habe ich da auch teilweise ganz stark drin gesehen. Klar, super. Und es ist toll natürlich von Wes Anderson, dass er auch so für einen Film, der in Frankreich spielt. Das ist witzig, dass er sich... vor einem New Yorker Magazin verbeugt, in dem er ein fiktives französisches Magazin erfindet, das ein Ableger eines fiktiven amerikanischen Magazins ist. Wo war ich stehen geblieben? Es ist toll, dass ich für einen Film, der in Frankreich spielt, und sich so auf französische Kultur kümmert, viele französische Filmmacher als Vorbild nimmt.
Johannes Franke: Das ist wirklich schön und man merkt es dem Film an, dass da so viel Substanz dahinter steckt.
Florian Bayer: eine Referenz ist für mich keine ausreichende Substanz. Das ist erstmal nur eine Referenz. Es ist eine Hommage, aber eine Hommage, das ist halt Nee. Es fehlt halt die Tiefe dafür. Und du hast Tarantino erwähnt. Und ich überlege gerade, warum ich das Tarantino in seinen Filmen verzeihe. Vielleicht, weil Tarantino nicht mit dieser gehobenen Attitüde eines Intellektuellen daherkommt. Anderson ist zu versnobbt. Ja, Anderson-Filme atmen so einen intellektuellen Grundgehalt. Und das macht Tarantino nicht. Tarantino erzählt so rau und dreckig. Und Anderson, hast du das Gefühl, der sitzt halt immer so mit einer Zigaretten. die in einem Filter ist.
Johannes Franke: Aber Tarantino macht es genau auf der anderen Seite. Tarantino ist so verliebt in diese, ich bin ja voller Straße und so. Das ist genau der gleiche Scheiß von der anderen Seite.
Florian Bayer: Ja, aber da erwartet man dann keine Tiefe. Weißt du, der Scheiß von der Straße, da brauche ich keine Tiefe, sondern da ist es genau das, was ich will. Aber wenn... Also wenn ich jetzt böse wäre, würde ich sagen, Anderson versucht immer so ein bisschen das Publikum auszutricksen, indem er seine fehlende Tiefe eben kompensiert, dadurch, dass er ganz viele Bilder hat, die vorgeben, dass hinter ihnen nochmal eine tiefere Ebene ist. Aber sie ist nicht da.
Johannes Franke: Okay. Also. Ich glaube, dass die Tiefe da ist. Aber die ist natürlich anders erzählt und anders drin als in einem klassischen erzählten Film. Ich glaube, dass nämlich Anderson einfach ganz viele Sachen in komischen Dialogen einfach anpiekst. Und dann muss, entweder macht der Zuschauer sich Gedanken dazu oder nicht.
Florian Bayer: Wollen wir mal in die einzelnen Episoden reingehen? Ich würde auch sagen.
Johannes Franke: Der erste wäre The Cycling Reporter. Beziehungsweise vorher gibt es so einen Prolog, das kurz vorgestellt, das Magazin. wie der Chef da sitzt und sich um seine Leute kümmert und erzählt, dass... mit ihm das Magazin untergehen soll, wenn er stirbt. Und dass er nicht will, dass dann andere weiterführen.
Florian Bayer: Und in seinem Büro wird nicht geweint.
Johannes Franke: Ganz wichtig. No crying in my office.
Florian Bayer: Genau, dann haben wir eben diese vier Episoden in Cycling Reporter, Concrete Masterpiece, Revision to Manifesto und Private Dining beim Police Commissioner. Am Cycling Reporter, da passiert ja nicht viel. Wollen wir einfach sagen, ja, das ist ein Bilderrausch, der toll ist?
Johannes Franke: Ja, auf jeden Fall.
Florian Bayer: Wir genießen diese Stadt, die übrigens, den Namen finde ich tatsächlich sehr witzig, Ennui. Moment.
Johannes Franke: Ich habe es auch aufgeschrieben.
Florian Bayer: Es ist ein sehr deprimierender Name, so viel sei schon mal gesagt.
Johannes Franke: Surblase, oder wie das? Surblase. Würde heißen Boredom upon Apathy. Also Langeweile auf Apathie. Ja, genau. Aber wie auch französische Orte ja oft heißen, auf dem Berg, so und so auf dem Berg oder so. Oder ein schöner Ausblick auf Tal.
Florian Bayer: Und dann haben wir diesen Erbsazrak. von Owen Wilson gespielt, der mit dem Fahrrad durch das Städtchen fährt und ... Und in der Metro verschwindet. Genau, und er erzählt halt so ein bisschen aus der Stadt und präsentiert dann so, wie sie früher aussah und wie sie heute aussah. Und natürlich sehen wir, es hat sich nicht viel verändert. Also, wir sehen diese Bilder nebeneinander, auch in Splitscreens teilweise. Da wird schon sehr viel mit der Cartrage gespielt. Und am Schluss ärgert sich dann Haubitzer darüber, dass nichts Schönes drin ist in seiner Erzählung und er könnte doch mal was, er könnte doch mal einen Blumenladen reinpacken. Warum die ganze Zeit Prostituierte und Kriminelle.
Johannes Franke: Das ist immer sehr schön. Und auch das Bild, wie sie dann da im Office sitzen und er an seinem... Fahrrad arbeitet und das irgendwie nebenher dann irgendwie noch so.
Florian Bayer: Ich hätte mir tatsächlich mehr dieser Szenen gewünscht und ich war dann so ein bisschen enttäuscht, dass nach in weiteren Episoden dieser Religiervorgang, dass der überhaupt nicht mehr thematisiert wurde.
Johannes Franke: Nicht überhaupt nicht, aber nicht mehr so viel.
Florian Bayer: Also wir haben, wir haben, hier haben wir halt wirklich so eine Art Lektorat dann und und sie diskutieren drüber und und Horwitzer macht nochmal Vorschläge, was in den Artikeln kann und sie streiten auch ein bisschen drüber. Und davon hätte ich gerne zum Beispiel mehr gesehen. dass einfach die Episoden nochmal abgerundet werden dadurch, dass wir, es ist vielleicht der falsche Ansatz, weil das Magazin, wenn es eine Verfilmung des Magazins ist, muss es nicht die ganze Zeit seinen eigenen Entstehungsprozess
Johannes Franke: kommentieren.
Florian Bayer: Aber ich hätte es schön gefunden, so ein bisschen mehr da einzutauchen in die Arbeit dieser Redaktion. Weil die wird am Anfang so wunderbar skurril dargestellt und vorgestellt und wir erfahren nicht viel über sie, aber wir wissen, das ist ein total witziger Ort, weil jeder hat so seine Macken und Neurologen. Rosen und pflegt die und der Chefredakteur hält seine Hand über alle drüber und er ist da für seine Reporter und er gibt ihnen das Geld und die Möglichkeiten, wirklich coole Sachen zu machen. Und das klingt alles total spannend, aber dann wird halt nicht viel davon erzählt, außer dass er sich mal drüber beschwert, dass die eine Reporterin so teuer übernachtet hat für diese Geschichte. Ja.
Johannes Franke: Ja, sie wollte sich erinnern, weil sie mal was mit jemandem hatte in diesem Hotelzimmer. Das ist so schön. Ich finde es ganz toll. Aber du hast recht. Ich hätte tatsächlich... auch gerne mehr davon vertragen können, von diesem Prozess, dann darüber zu reden, was ist gut und was ist nicht gut. Da passiert auch eine der wenigen Schwächen, finde ich, des Films in einer solchen Situation. Aber da kommen wir gleich zu, wenn wir in der Geschichte sind. Gehen wir mal weiter zu der nächsten Geschichte, oder?
Florian Bayer: Concrete Masterpiece, die tatsächlich meine liebste Episode war. Absolut. Meine auch. Sowohl erzählerisch als auch ästhetisch. Nee, ästhetisch kann ich nicht sagen, weil ästhetisch passiert in allen Episoden so viel. Aber erzählerisch fand ich tatsächlich die spannendste.
Johannes Franke: Ja, und auch die am witzigsten eingeführte Geschichte, finde ich. Weil du hast diesen Typen, der malt, der malt diese Frau, der geht so mit ernster Miene an sie ran, malt da irgendwie auf ihrem Körper, mischt der irgendwie Farbe zusammen und... Und sie lässt das erst geschehen und so. Und man denkt so, okay, da wird ein Verhältnis zwischen einem großen Künstler und seinem Modell aufgebaut. Und dann haut sie ihm auf die Finger. Und er geht wie so getretener Hund zurück zu seiner Leinwand. Und dann stellen wir fest, er ist im Knast. als Gefangener. Und sie passt eigentlich auf ihn auf. Und es ist so großartig.
Florian Bayer: Ja, wir haben noch diese wirklich schöne Offenbarung des Gemäldes. Wir sehen halt, wie er malt. Und sie steht Modell und er achtet wirklich sehr genau auf sie. Und dann sehen wir, es ist ein abstraktes Bild, was er malt. Es ist nichts von ihrem Körper darauf zu erkennen.
Johannes Franke: Es ist so toll. Und aus dieser Episode stammt auch das Zitat, was wir ganz am Anfang einmal gelesen haben, weil er natürlich als moderner Künstler... Und Wes Anderson führt das schön ein. Kunst macht, die den Kunsthandelnden eigentlich nicht so viel sagt.
Florian Bayer: Moses Rosenthaler, der wegen Doppelmordes im Gefängnis sitzt. Das eine war offensichtlich, aber er gehörte eigentlich gar nicht hin, weil das eine war Notwehr. Und das andere, er redet irgendwann vor so einem Bewährungsausschuss und dann sagt er, wie war das, das eine war ein Unfall, das andere war Notwehr und er hat beide geköpft. Mit einer Säge? Mit einer Säge. Man stelle sich diese Notwehrsituation vor.
Johannes Franke: Vor allem, weil er kurz vorher noch sagt, es war beides ein Unfall. Und dann sagt der Richter mit einer Säge zwei nacheinander und er so... Okay, das erste war ein Unfall und das andere war eine Notwehr. Und dann bespricht er sich auch noch mit seinem Anwalt zwischendurch und so. Das ist wirklich sehr, sehr süß.
Florian Bayer: Und dieser Moses Rosenthaler, ganz toll gespielt von Benicio del Toro. Und seine Muse, die Aufseherin, die er malt die ganze Zeit, die auch seine Geliebte ist. Ganz toll gespielt von Lea Sedou.
Johannes Franke: Ja, wundervoll, wundervoll gespielt. Ich finde diese Beziehung zwischen den beiden ist wirklich, die schwappt voll über. Ich weiß sofort, was mit denen los ist.
Florian Bayer: Und dann, um nochmal zu betonen, wie krass Anderson so diversifiziert erzählt ... Das Ganze hat noch mal einen Rahmen, und zwar von der Kunstkritikerin J.K.L. Berenson. die das Ganze vorträgt, die das erzählt vor einem großen Publikum von Tilda Swinton gespielt.
Johannes Franke: Unglaublich, man erkennt sie nicht.
Florian Bayer: Und das ist tatsächlich so der Rahmen davon. Und zu diesem Rahmen springen wir auch immer zurück. Und die ist angelehnt an Rosamund Bernier. die das Magazin Lowell gegründet hat. Man findet Online-Aufnahmen von ihr, wie sie genau das macht, was Tilda Swinton in dem Film macht, wie sie vor einem Publikum steht und Dia-Shows hält und dabei redet. Und es ist verdammt gut getroffen.
Johannes Franke: Aber wirklich, ja. Obwohl die Bilder, die ich gesehen habe, die Aufnahmen... Redet sie nicht so vor riesigen Auditorien? Das ist dann eher so ein, wir stehen hier vor ein paar Gemälden und hier stehen so 20 Stühle und wir reden über Kunst.
Florian Bayer: Aber offensichtlich eine Autorin, die sich sehr darin versteht, dir Vorträge wirklich spannend und interessant zu erzählen. Und insofern ist diese ganze Geschichte auch ein kleiner DIA-Vortrag. Und es geht eben darum, wie dieser... Wie durch einen Zufall ein Kunsthändler, der auch im Gefängnis sitzt wegen einem kleinen Delikt. auf das Bild von diesem Moses Rosenthaler stößt und dann sagt, wow, das ist Wahnsinn, dieses Gemälde und ich muss das, wir brauchen mehr davon und ich will das verkaufen und ich will mir das abkaufen und aus dir machen wir einen Star. Und der dann Rosenthaler quasi freie Hand gibt und sagt, mal uns was.
Johannes Franke: Und es ist auch so schön erzählt, wie Moses als junger Mensch in dieser Kneipe sitzt und da dann so typische Evers Anderson mäßig die Fahrt rüber zu ihm und dann das Licht, das auf sein Gesicht fällt und er dann anfängt zu knurren, weil er Weil er das, was dort gerade passiert am anderen Ende der Kneipe nicht akzeptieren kann und wir wissen, okay, jetzt kommt gleich der Doppelmord. Ja. Und dieser junge Schauspieler, der die junge Version von Moses spielt, wird dann einfach irgendwann im Bild live vom alten Darsteller ausgetaucht. Die schlagen einmal ein oder sowas. Also nicht wirklich, aber der kommt einfach ins Bild. Der andere steht ruhig auf. Gucken sich einmal an, nicken sich so quasi zu und dann sitzt sich der Alte hin und ist dann halt ab dem Moment der alte Schauspieler.
Florian Bayer: Diese Theaterinspiration von Ross Anderson. Ich find's so großartig. Man hat die auch in früheren Filmen, aber ich finde in dem Film kommt sie so stark durch wie noch nie vorher. Und da sagst du was. Dass er sich unglaublich stark an der Theaterästhetik orientiert hat.
Johannes Franke: Da sagst du was, was ich die ganze Zeit des Films beim Gucken gedacht habe, was auch später bei der Revolution und so ganz doll zum Tragen kommt, was ich wahnsinnig toll finde. Das, was Filme sich oft nicht erlauben, diesen Einfallsreichtum, den Theater hat. Den sehe ich hier so sehr und den sehe ich so leidenschaftlich bedient und so voller... Spielverliebtheit und Lust und so. Und das habe ich beim Film oft nicht. Und das ist so, dass in dem Spannungsfeld bewege ich mich als Schauspieler, zu sagen, ich will... Alles mögliche behaupten können auf der Bühne, kann aber nicht, weil der Film mir diese Möglichkeiten nimmt, weil wir immer alle sagen, es muss alles naturalistisch sein. Und Wes Anderson verheiratet diese Dinge einfach so. Und es funktioniert. Es ist großartig.
Florian Bayer: Beim Theater ist dieser Stil ja oft auch aus Not geboren. Also wenn ihr jetzt mal die ganze postmoderne Stoßrichtung außen vor lasst, die dann gesagt hat, okay, wir machen aus der Not eine Tugend. Und ... Es ist natürlich so ein bisschen manieristisch, sowas dann beim Film einzubauen, weil der Film braucht es natürlich nicht.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Also es wird quasi eine Notsituation erzeugt, die gar nicht da wäre.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und es ist natürlich auch vor allem ein Referenzspiel. Ich mache hier ein bisschen postmodernes Theater noch mit rein. Passt aber. aber in jedem Fall auch gut zu der Handlung, weil es dreht sich natürlich auch um moderne Kunst, also diese Abstände. Abstraktheit seiner Gemälde und vor allem diese Unverkäuflichkeit, die er provoziert, indem er dann daraus ein Fresskommand
Johannes Franke: Es ist so geil.
Florian Bayer: Die ist natürlich ein großes Thema. Er ist der geschlagene, leidende Künstler. Ja. der eigentlich in diese Wärterin Simon total verliebt ist, die seine Liebe nicht nur nicht erwidert, sondern auch richtig kalt abweist. Ja. Ich will das gar nicht hören. Rede gar nicht erst weiter. Ich weiß, was du sagen willst. Ich liebe dich nicht. Punkt. Lass uns was anderes machen.
Johannes Franke: Und er sagt, wow, boah, weißt du das? Jetzt schon? Das tut weh. Jetzt schon. Es ist wirklich so schön erzählt, finde ich. Und ich verstehe, wenn man sagt, ich komme an die Figuren nicht ran, weil ich keine emotionale Bindung dazu habe, weil Wes Anderson immer... eine kleine Distanz da drin hat. Aber ich finde, dass die Distanz sich irgendwie überbrücken lässt. durch kleine liebevolle Momente, die einem die Figur dann doch näher bringen.
Florian Bayer: Ich find's tatsächlich cool, weil in dem Fall ist es auch einfach so ein nettes, skurriles Piece, das ich mir vorstellen könnte, im New Yorker zu lesen. Es ist einfach eine nette Geschichte. Man glaubt auch nicht alles, was man da liest, was da erzählt wird. Man merkt, dass sie deutlich übertreibt die Augen. Die Autorin bzw. Vortragende ist ja auch so sehr exzentrisch und liebt es ja auch, alles etwas größer zu machen und baut ... die ganze Zeit diese Übertreibungen ein. Aber es ist trotzdem eine schöne, logische Handlung dann auch, wenn sie zurückkommen und sagen, so, jetzt zeig uns endlich dein Werk. Und dann sehen sie das Werk und das ist fantastisch. Sie sind alle überwältigt. Und dann sagt eine Kritikerin, das ist ja ein Fresco, toll. Und er sagt, ja, ein Fresco. Was? Ein Fresco?
Johannes Franke: Weil er es nicht verkauft. Er kann es niemandem ins Wohnzimmer hängen.
Florian Bayer: Die Gefängniswende. Einmal komplett mit einer Reihe ab. Abstrakter Gemälde, die übrigens tatsächlich, also ich bin kein großer Kunstkenner, aber das sind wunderschöne Gemälde.
Johannes Franke: Und da hat sich auch jemand sehr, sehr lange mit beschäftigt. Ich habe auch darüber ein bisschen was gelesen. Ich habe den Namen jetzt wieder leider nicht.
Florian Bayer: Genau, die Bilder wurden tatsächlich... Die wurden von einem deutsch-neuseeländischen Künstler gemalt und zwar Sandro Copp, der lustigerweise mit Tilta Swinton zusammen ist.
Johannes Franke: Ach so.
Florian Bayer: Das ist der Partner von Til. Ach, das habe ich nicht mitbekommen. Das ist geil. Also die Filme von Wes Anderson, was nochmal zu sagen, sind eigentlich so vollen Nepotism, weil der seine ganzen Freunde und so da reinbringt. die er alle schon mal drin hat und die bringen dann offensichtlich nochmal ihre Partner mit. Also Central Cop heißt der und er bezieht sich wohl auf einen Künstler namens Frank Auerbach, von dem ich allerdings... Aber da steckt ganz viel drin.
Johannes Franke: Der hat dann noch ganz viele andere Inspirationen von irgendwelchen Künstlern, die ich mir jetzt auch nicht...
Florian Bayer: Er hat gesagt, er wollte auch tatsächlich, dass die Bilder einzigartig sind. Er wollte tatsächlich Bilder erschaffen, die irgendwie ... die man so in der Kunstgeschichte nicht findet, um eben zu betonen, dass dieser Künstler, der da dargestellt wird, wirklich ein einmaliges Genie ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und die Bilder sind wirklich geil. Ich habe die Bilder gesehen und dachte, wow, es ist kein Witz, der da gemacht wird. Man könnte so leicht einen Witz damit machen, mit diesem Absatz. Er malt seine Mousse Simon und dann ist es nur gekleckst auf dem Papier. Man sieht das erste Gemälde und denkt... Das ist gut.
Johannes Franke: Und trotzdem ist der Film nicht ironiefrei damit.
Florian Bayer: Nein, überhaupt nicht. Er spielt total mit dem... Er spielt natürlich nicht in unserer Zeit, sondern in der Vergangenheit. Wes Anderson, Nostalgie.
Johannes Franke: Ja, natürlich.
Florian Bayer: Und dann diskutieren sie natürlich über moderne Kunst. Sie kennen das Konzept und Aber offensichtlich sind die Kunsthändler, die dieser Julian Castasio, übrigens von Adrian Brody gespielt, um nochmal einen berühmten einen Schauspieler reinzuwerfen.
Johannes Franke: Boah, dieser Stab ist unglaublich. Es gibt so wahnsinnig viele tolle Schauspieler drin.
Florian Bayer: Er kommt aus einer großen Kunsthändlerfamilie und er hat seine Onkel dabei und die gucken sich das an und verstehen es natürlich nicht. Aber sie glauben ihm, dass sich das Zeug wie blöd verkaufen lässt. Womit er ja auch recht hat. Also, wenn es nicht in der Gefängniswand drin wäre, die sich nicht abreißen lässt. Und dann haben wir wirklich diese, die wir schon erwähnt haben, diese fantastische Freeze-Frame-Szene. die einfach super ist. Es gibt einen Gefängnisaufstand. Sie haben vorher die Werther geschmiert. Auch eine schöne Szene. Wir sehen, wie das Geld reingelegt wird in die Hände. Wenn ich jetzt nochmal durchgehe, stelle ich fest, ja, und diese Geschichte wird erzählt in Millionen einzelnen Bildern. Wir haben diese wirklich nette Szene, wo wir sehen, wie die Gefängniswärter geschmiert werden und nach und nach so franc in ihre Hand gelegt werden. Und es gibt einen Counter, der langsam hochgeht. Und dann wollen die Gefangenen aber auch geschmiert werden und als die Kunsthändler das nicht machen, gibt es einen auf die Ausstellung. Dann gibt's diesen tollen Freeze-Frame und es wird nur gesagt, es gab so viele Tote und so viele Verletzte. Aber unser Moses Rosenthaler wurde freigelassen, weil er sich besonders heldenhaft verhalten hat, als er die beschützt hat.
Johannes Franke: Gerade dieser Teil, finde ich, lebt von Wes Andersons Metrik. Ich habe das Gefühl, ich könnte einen Metronom mitlaufen lassen und... Und das funktioniert immer im Schnitt. Er hat einen unglaublichen Rhythmus im Schnitt. Und nicht nur im Schnitt, man hat fast das Gefühl, dass er am Set... auch ein Metronom oder Musik oder so hat laufen lassen, sodass Leute auf Cue bestimmte Sachen machen können.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist der Hammer.
Florian Bayer: Ja. Es ist schon krass. Es ist wirklich beeindruckend. Das ist bei jedem Wes Anderson-Film so. Bei diesem Film ist es noch mal ein bisschen konzentrierter, weil er halt aus so vielen Szenen besteht ... Dieser Mann hat ein unglaubliches Talent dafür, 10 zu arrangieren, Personen sich bewegen zu lassen. Wir haben ganz viele, das ist halt auch so was, wir haben... Wes Anderson arbeitet mit einer sehr statischen Kamera. Wir haben oft statische Kamera. Die Kamera von Wes Anderson bewegt sich nicht viel. Und seine Kunst besteht darin, eine statische Kamera zu haben und dann das Bild in Bewegung zu versetzen. Und dann bewegt sich aber alles nach einem sehr einheitlichen Rhythmus. Die Bewegung im Bild... ergeben alle einen Sinn, auch aufeinander bezogen. Das ist so ein bisschen, wenn man halt so, wenn man ein klassisches Gemälde nach goldenem Schnitt sieht, wo sehr viele Details sind, denkt man, oh, das passt da gut hin und das links oben in der Ecke, das muss auch so sein, sonst würde das Bild in sich zusammenfallen. Und das macht Wes Anderson mit Bewegung. Die eine Hand von dem da oben rechts muss sich bewegen, genauso wie sich der Fuß von dem unten links bewegt, damit alles in einer flüssigen Bewegung ist.
Johannes Franke: Ja, absolut. Das ist unglaublich. Und das mit Farben genauso und wo was verteilt wird. Unglaublich. Und das bezieht sich natürlich auch auf die Inszenierung. Du hast kaum einen Satz, der sehr naturalistisch gespielt ist. Die sind alle auf einem bestimmten... Auf einen bestimmten Ton getrimmt.
Florian Bayer: Das ist alles artifiziell, alles stilisiert, verblumt. In dieser Episode haben wir die meisten Untertitel. Da wird am meisten französisch gesprochen von allen.
Johannes Franke: Nee, in der Revolution, oder?
Florian Bayer: In der Revolution wird auch viel Französisch gesprochen, das stimmt. Vielleicht ist es mir da am stärksten aufgefallen, weil es da zum ersten Mal vorkommt, dass er mit diesen Untertiteln spielt. Und er macht das wirklich schön, weil die Untertitel werden... ins Bild reingeworfen und die werden nicht natürlich... Also man muss aufpassen, dass man... dass man die richtige Zeile erwischt, weil es werden mal Zeilen drüber geschrieben, mal Zeilen drunter geschrieben und sie sind einfach Teil des Builds und bei Wes Anderson habe ich das Gefühl, er ist so ein fast schon ein Diktator der Kartrasch. Da wird alles der Kartrasch geopfert. Und das heißt, diese Untertitel können nicht schnöde unten drunter stehen und fortlaufend sein, sondern nein, die müssen ins Bild rein und die müssen auch leben. Die müssen auch ihren eigenen Rhythmus, ihre eigene Bewegung, ihren eigenen Stil haben.
Johannes Franke: Dann kommen wir zum nächsten, oder?
Florian Bayer: Ja. Revisions Tour Manifesto.
Johannes Franke: Genau. Was auch ein gigantisches Teil ist, finde ich. Ja.
Florian Bayer: Ja, die Schachbrettrevolution. Wir haben Studentenproteste. Wir haben den Kampf gegen die Obrigkeit und gegen festgefahrene Strukturen und eine Journalistin mittendrin.
Johannes Franke: Wo sich natürlich Anderson auch auf irgendwelche Sachen bezieht, die tatsächlich passiert sind.
Florian Bayer: Wo sind der Kramen? ist unsere...
Johannes Franke: Genau, und auf Leute, die tatsächlich diese Geschichten geschrieben haben und es gibt tatsächlich Satz... Versatzstücke aus Originalartikeln, die im Film dann vorkommen.
Florian Bayer: Mervis Galland hat ziemlich ausführliche Tagebücher aus der Revolution in Paris geschrieben, aus den 60er-Jahren, Studentenrevolte. Und das wird hier teilweise eins zu eins zitiert. Also ich weiß gar nicht, wie die Figur... ob die Figur an sie so konkret angelehnt ist, aber zumindest die Stilistik, die Art, über Politik zu schreiben. Und die Art darüber zu schreiben, involviert zu sein und gleichzeitig zu versuchen, eine journalistische Distanz zu bewahren, was ihr komplett misslingt, was aber eben die Spannung von dieser Episode ausmacht. dass diese Lucinda Crammons zum einen eine Affäre anfängt mit einem Studentenführer und zum zweiten sich dann irgendwann auch in die in die Politik einmischt, zu den Studenten spricht und dann sogar eine Kontrahentin unter den Studenten hat, nämlich Juliette, die Geliebte ist, mit dem sie eine Affäre hat.
Johannes Franke: Ich finde das sehr süß und liebevoll gegenüber der Jugend, finde ich, diese Folge.
Florian Bayer: Und ein bisschen herablassend? Durch den Blick der weißen Journalistin, die alle wie Kinder urteilt?
Johannes Franke: Ja, ist richtig, aber trotzdem nicht ohne Liebe. Und das finde ich schön. Es hätte auch abgleiten können in die dummen Jugendlichen, die keine Ahnung haben, wie es läuft. Nein, die haben ein eigenes berechtigtes Interesse und vielleicht noch nicht die Erfahrung, das alles so durchzuziehen, wie sie es müssten.
Florian Bayer: Wir haben natürlich sehr starke ihre Perspektive. Ja. Und sie scheint so ein bisschen immer drauf zu gucken, wie auf kleine Kinder, die irgendwie spielen wollen. und die nicht begriffen haben, worauf es ankommt. Und das führt dann ja auch dazu, dass sie sich irgendwann einmischt, Und dass dann diese Juliette sagt, du kannst dich ja nicht einigen. Hallo, journalistische Integrität, was machst du hier überhaupt? Du wirst keine Aktivistin.
Johannes Franke: Und das sind die Situationen, die mir sagen, dass der Film seine eigene übergeordnete ironische Brechung der ganzen Sache gegenüber hat. Also nicht nur, dass sie so, wie sie gucken, nicht nur durch die journalistischen Augen, sondern wir gucken auch nochmal durch Wes Andersons Augen auf diesen journalistischen Augen.
Florian Bayer: Ja, aber dafür bleibt es dann ja doch relativ dünn, die Kritik an ihr. Es ist so ein bisschen Selbstkritik, um quasi die Kritik, um der Kritik quasi zu entgehen. Sie... Sie thematisiert das einfach, um für sich selbst so ein Schutzschild aufzubauen, dass man ihr das nachher nicht vorwerfen kann. Am stärksten fand ich in der Episode tatsächlich die Geschichte um den jungen Soldaten, dem Verrat vorgeworfen wird. von den Studenten, der dann zurückkommt und dann diese Kasernenszene erzählt mit dem Selbstmord, die einfach wie so eine Theaterszene aufgebaut ist. Aber da war es halt auch vor allem der visuelle Reiz, dass wir einmal so spot on, wir sehen diese Kaserne, die jungen Soldaten, die sich unterhalten und Der eine Soldat, der irgendwie nichts mehr da drin sieht und dann aus dem Fenster springt und dann treten die alle nach vorne zur Bühne und gucken, lebt er noch, bewegt er sich? Und dann haben wir tatsächlich die Bühnenlichter unter ihnen. Das war einfach wieder eine sehr schöne Vignette.
Johannes Franke: Ja, ja, absolut, absolut. Ach, und ich habe mich so gefreut über jede kleine Idee, die dazukam.
Florian Bayer: Und dann fahren sie mit dem Motorrad in die 80er oder was ist da auf einmal los?
Johannes Franke: Nein, die haben Sex.
Florian Bayer: Achso. Aber dann haben wir plötzlich, also ich finde, dann sind wir plötzlich in so einem Musikvideo aus... Ja, natürlich. haben. Wir kommen aus Schwarz-Weiß und dann sitzt Zeffirelli mit Juliette auf dem Motorrad. Und das ist ganz romantisch. Und wir sehen hier, die Romantik wird betont. Dann haben wir diese krasse Perspektive von unten nach oben zu ihnen. Und dann ist es rot, blau, rot. Blau, rot, blau. Und plötzlich haben wir wirklich diesen Farbenrausch, der so ein bisschen... Eigentlich wirkt er wie so ein... Musikvideo von heute, das versucht die Musikvideos der 80er so ein bisschen zu imitieren.
Johannes Franke: Weiß ich nicht genau, aber sie sagt ja ein paar Minuten vorher, go make love. Und natürlich ist das...
Florian Bayer: Der Zug, der in den Tunnel fährt. Wahrscheinlich ist es so banal. Ein weiterer Punkt gegen Wes Anderson.
Johannes Franke: Nein! Es ist wirklich schön. Und dann haben sie irgendwie ihre Revolution hat nicht funktioniert, weil sie zu lange diskutiert haben. Ja.
Florian Bayer: Weil sie auch überhaupt nicht wissen, wo sie hinwollen und weil sie sich in diesen Flügelkämpfen auch selbst aufreiben. Weil letzten Endes diskutieren sie eigentlich nur darüber, wer der richtige Revolutionär ist und wer von ihnen der beste Revolutionär ist.
Johannes Franke: Und das ist schön, das ist so wahr, aber trotzdem liebevoll, finde ich. Ich finde es trotzdem sehr liebevoll erzählt.
Florian Bayer: An der Episode mag ich auch vor allem, dass er so mit der Katra spielt, weil das ist die Episode, die sehr oft die Academy Ratio aufbricht und Für große Cinemascope.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Und dann auch nochmal das... rausfährt, zusammenfährt, dann gibt's nochmal ein Splitscreen, dann gibt's nochmal Text links, Bild rechts und das Spiel mit der Kartrage in dieser Episode ist einfach stark.
Johannes Franke: Dann gehen wir weiter.
Florian Bayer: The Private Dining Room of the Police Commissioner von Roebuck White, der angelehnt ist an... Den Autoren James Baldwin.
Johannes Franke: Der offensichtlich in meiner Recherche, ich habe von James Baldwin beschämenderweise nicht viel gelesen, Der ja vor allem diese Einsamkeit des Künstlers nach vorne stellt, streckenweise. Ich weiß nicht genau.
Florian Bayer: Ja, und vor allem... Aus der Perspektive eines Menschen erzählt, der sowohl wegen seiner Sexualität als auch wegen seiner Hautfarbe ausgegrenzt ist. Also James Baldwin war auch... 1929 ist er geboren und hat lange in Frankreich gelebt, weil er den Rassismus in den USA nicht mehr ertragen konnte. Und ist dann allerdings auch wieder in die USA zurück und hat sich sehr stark in der Bürgerrechtsbewegung engagiert. Und der wurde, ich muss zu meiner Schande gestehen, ich kenne ihn auch nicht, der wurde wiederentdeckt im Zuge der Black Lives Matter Bewegung in unserer Zeit jetzt.
Johannes Franke: Okay, weil der Name, den habe ich halt schon ein paar Mal gehört und ich dachte, das ist so eine ganz normale geschichtliche Popkultur, die kennt halt jeder, nur ich wieder nicht.
Florian Bayer: Nee, ich kann das auch nicht. Also was ich gelesen habe, ganz spannend, weil... Offensichtlich war er tendenziell eher ein politischer Autor, der sich sehr stark mit politischen Ungerechtigkeiten auseinandergesetzt hat. Ja. Und die Geschichte, die wir hier hören, ist ja so komplett überhaupt nicht politisch. Also ich habe so ein Gefühl, hier ging es Anderson darum, die Manierismen von dieser Person zu übernehmen. So dieses Verhalten. Das Ganze wird wieder gerahmt durch eine Talkshow in dem Fall, wo dieser Robo-Kride von einem Talkshow-Host befragt wird. Robert Wright, gespielt von Jeffrey Wright, der Talkshow-Host, gespielt von Leif Schreiber. Und in der Episode tauchen dann auch noch Willem Dafoe und ... Edward Norton und so was Ronan auch. Nur um nochmal kurz zu sagen, hier sind lauter Stars.
Johannes Franke: Und die haben echt alle gesagt, wir haben nochmal einen Film geguckt dazu, gesagt, selbst wenn ich keinen Text gehabt hätte, ich wäre für Wes Anderson gekommen. Es ist unglaublich.
Florian Bayer: Sie haben ja auch teilweise praktisch keinen Text. Ich meine, wie viel Sprechrolle hat Edward Norton in diesem Film?
Johannes Franke: Und wie viel hat Christoph Walz zu sagen? Auch nichts.
Florian Bayer: Fuck, wo war Christoph Walz nochmal?
Johannes Franke: Der war in der Szene, wo sie, also in der Revolution war das und... sie geht mit ihm dann mit dieser Gasmaske raus. Und da ist gerade der Freund der Familie zu Besuch und das ist Christoph Walz.
Florian Bayer: Genau, hallo, hier bin ich auch noch.
Johannes Franke: Ja, genau. Ich winke mal kurz ins Bild, dann bin ich wieder weg. So in der Art.
Florian Bayer: Auf jeden Fall unterhalten die sich in dieser Talkshow darüber, dass das Robo-Kride irgendwann mal Eingeladen war zu essen bei einem berühmten Koch, der gleichzeitig Polizist ist, Nescafier. Und der für seine Kochkunst total berühmt ist. Er will eigentlich über Essen schreiben. Er will über dieses besondere Essen schreiben, was dieser Nescafé zu bieten hat.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und während dieses Essens wird allerdings der Sohn des Police Commissioners namens Gigi entführt. Und dann wird halt diese Geschichte erzählt und wir haben plötzlich einen Krimi Plot. Also quasi.
Johannes Franke: Worüber sich der Editor des Magazins auch später beschwert.
Florian Bayer: Wir erfahren immer am Anfang der Episoden, für welche Kategorie hier geschrieben wird. Es geht einfach mal um Essen und er schreibt hier diesen Krimi. Von dem entführten Chichi und von dem Nescafé, der dann das Essen vergiftet, um die Entführer alle zu vergiften.
Johannes Franke: Und es ist diese Episode gewesen, wo ich beim ersten Mal gucken im Kino... echt abgedriftet bin und einfach mein Kopf war einfach zu voll. Ich habe es nicht mehr geschafft. Und jetzt beim zweiten Gucken konnte ich viel mehr genießen, fand es auch ganz cool, aber ich finde, irgendwie kommt man da nicht so richtig gut durch wie bei den anderen Geschichten. Man hat irgendwie so viele Abschweifungen, die mir irgendwie Schwierigkeiten bereiten, dieser Geschichte zu folgen. Das knirscht ein bisschen.
Florian Bayer: Ja, ich glaube, er springt da so ein bisschen zu sehr zwischen den Zeiten und zwischen den Themen. Aber vielleicht will er auch ... Also um mal Wes Anderson zu retten. Ja, okay. Vielleicht will er tatsächlich auf die Problematik des Textes hinweisen, weil unser... Der Herausgeber ist ja offensichtlich auch nicht so wirklich glücklich mit diesem Text. Der sagt ja auch so, ich habe eigentlich was anderes erwartet und du hast wirklich den besten Teil willst du tragen.
Johannes Franke: Was für mich die Schwäche des Films ist, an der Stelle. An der Stelle denke ich nämlich, du hast uns erzählt, dass dieser Editor... richtig gute Autoren da hat. Und dann passiert dem Autoren, dass er das Wichtigste rauslässt? Ich glaub's ja nicht.
Florian Bayer: Naja, es ist halt so eine Haltungsfrage, ob man das als das Wichtigste ansieht.
Johannes Franke: Nein, das ist doch das, das ist ganz eindeutig das Beste. Es ist ja auch so geschrieben, dass es eindeutig das Beste ist.
Florian Bayer: Es ist die Frage, wo man herkommt. Also was die Geschichte erzählen will. Und diese Geschichte schlingert ja total, weil er will eigentlich... Er will eigentlich von gutem Essen schreiben, ne? Es geht ihm eigentlich um gutes Essen. Und dann haben wir ja dieses, die Entführer werden vergiftet und dann wird gezeigt, wird dieses Essen gezeigt, womit sie vergiftet werden. Und dieser Krimi-Plot ist eigentlich total unwichtig, weil wir sollen erst mal sehen, was da alles Leckeres aufgetischt wird.
Johannes Franke: Aber natürlich ist doch gerade, wenn man über Essen schreibt, das Wichtigste, dass der Koch einen Geschmack hatte, den er vorher nie geschmeckt hat.
Florian Bayer: Zu tragisch. Ganz eindeutig zu tragisch.
Johannes Franke: Ja, keine Ahnung. Aber das ist die Pointe des ganzen Dings. Und die wegzuschmeißen, das würde einfach keinem passieren. Das glaube ich einfach nicht.
Florian Bayer: Um die ZuhörerInnen kurz abzuholen, der Koch wird dann beauftragt, die Entführer zu vergiften, also er bringt ihnen Essen und das ist vergiftet und die Entführer sagen dann zu ihm, Wir essen das nicht, das ist doch bestimmt vergiftet und dann nimmt der Koch das und ist das Stück für Stück, weil er hat einen sehr robusten Magen und überlegt, deswegen... Die tragische Pointe ist, dass er am Schluss nochmal mit unserem Autoren redet und ihm dann sagt, das war ein einzigartiger Geschmack, das war das... Beste. Ich habe sowas noch nie schmecken können.
Johannes Franke: Und das ist doch großartig. Das ist doch toll. So ein toller Quarant.
Florian Bayer: Ja, bin ich ganz bei dir auf jeden Fall. Ich glaube, je nachdem, wo man herkommt, kann man sagen, es ist einfach nicht so wesentlich, weil hier keine tragische Geschichte erzählt werden soll, sondern einfach eine nette Verquickung von... Kulinarischen mit Thriller-Handlung.
Johannes Franke: Mit einem Comic-Einspringsel.
Florian Bayer: Ja, genau. Sag mal was dazu. Zeichentrickszene. Wir haben hier eine Zeichentrickszene.
Johannes Franke: Ich finde es ganz großartig. Rin Tintin. Oder wie heißt es? Tintin. Tintin. Tintin nur.
Florian Bayer: Tim und Struppi, beziehungsweise dieser ganze schematische Zeichenstil aus Frankreich und Belgien aus der Zeit, aus den 60er Jahren wird hier zitiert. Ich hoffe, ich spreche es richtig aus. Linie Claire ist dieser belgische Stil, den man hierzulande vor allem aus Tim und Struppi kennt. Herr G. ist der bekannteste Künstler, der das gemacht hat. Aber es gibt offensichtlich ... In Belgien eine ganze Reihe von Comics und auch Zeichentrickfilmen, die in diesem Stil gezeichnet wurden. Und zwar ... Sehr reduziert, sehr klare Linien, sehr einfache Zeichnungen und viel Bewegung und ganz wichtig, ein... kurz angeheuerten Gewichtheber, der aufs Auto springt und die ganze Zeit auf dem Auto hängt, wenn die Verfolgungsjagd ist.
Johannes Franke: Und dann machen die irgendwo Halt, er fällt da in so ein Loch in die Wand, weil er dagegen fällt. Und dann machen die irgendeinen Umweg, kommen aber da wieder an und dann springt dieser Typ da einfach wieder aufs Auto, auf die Motorhaube und es geht weiter. Das ist so bizarr.
Florian Bayer: Diese Figur ist vollkommen überflüssig für den Film. Sie wird einfach dann gezeigt. Und der war übrigens auch noch da. Ja, genau. Mann, der uns helfen soll, die Entführer aufzuhalten. Und dann sind alle vergiftet. Edward Norton als einziger nicht, weil ihm das Essen nicht geschmeckt hat. Er flieht dann mit dem Kind und dann haben wir diese Diese wilde Verfolgungsjagd mit dem Auto, wo dieser Typ die ganze Zeit an der Frontscheibe klebt. Dieser stämmige Typ, der sich an der Frontscheibe festhält, weil es deine Aufgabe ist.
Johannes Franke: Der hat 15 Leute, die das Ganze animiert haben und so engagiert, die sieben Monate gebraucht haben, das hinzukriegen alles. Sieben Monate für diese Sequenz. Das ist unglaublich.
Florian Bayer: Es ist eine wunderschöne Sequenz. Aber tatsächlich das erste Mal, wo ich das Gefühl habe, der Film verliert so ein bisschen seinen Rhythmus, das jetzt auch noch reingestopft werden muss.
Johannes Franke: Ja, weiß nicht.
Florian Bayer: Ich kann es ein bisschen verzeihen, weil es wirklich toll ist.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Aber... Dafür, dass davor überhaupt nicht mit sowas gespielt wurde, wirkt so ein bisschen noch, oh, da haben wir noch Platz, das müssen wir jetzt auch noch reinfropfen.
Johannes Franke: Was vielleicht auch im Magazin-Gedanken sehr... logisch ist. Vielleicht. Aber das ist so die einzige Schwäche, finde ich, dass dieser vierte Teil ein bisschen wonky zusammengebastelt ist. Und das irgendwie, weiß ich nicht, dem... dem Schriftsteller da irgendwie das passiert, das hat die wichtigste, die Pointe der Story. Nee, das würde eben nicht passieren, glaube ich. Auch wenn du das vielleicht anders siehst, aber naja.
Florian Bayer: Dann haben wir noch unseren Epilog.
Johannes Franke: Unseren Epilog, der Editor des Magazins stirbt. Die haben alle noch ein paar nette Worte zu sagen. Kein Wein. Es darf nicht geweint werden. Und dann wird er davongetragen.
Florian Bayer: Sie schreiben wirklich schön zusammen diesen Nachruf. Da wird nochmal gezeigt, was diese Redaktion für einen Zusammenhalt hat. Weil sie dann wirklich, jemand setzt sich an die Schreibmaschine, um sie anzutippen. Und die anderen werfen nach und nach Sätze ein. Und zwar wirklich so einer nach dem anderen. Das ist ein gemeinsamer Nachruf. Und dann sind sie alle arbeitslos. der Arsch von Herausgeber gesagt hat, wenn ich sterbe, dann stirbt das Magazin.
Johannes Franke: An der Stelle dachte ich auch, vielleicht ... habe ich die Hoffnung, dass Plur der Film doch gefällt, weil das so an dieses Schriftsteller-Ding, an diesen Ethos, der vielleicht auch ein bisschen in Pathos endet, gefallen könnte.
Florian Bayer: Also, ich finde, dieser Schriftsteller, der in dem Film aufgebaut wird, ist ein unglaublich konservativer Pathos. Und ich möchte einmal was zitieren noch. Und zwar Thomas Assheuer. der sich zur Zeit dieser Relotius-Affäre des Spiegels mit einem Text für die Zeit damit auseinandergesetzt hat. Und der hat gesagt, naja, Glas Relotius hat so ein bisschen was Postmodernes an sich. Aber er hat auch was ganz krass Konservatives an sich. Und ich glaube, das ist was, was man grundsätzlich in diesem verblümten Reportagen-Stil findet. Und Thomas Astreuer schreibt dazu. Indem man ihre Modernisierungsschäden durch tröstende Erzählungen kompensiere. Und ich glaube, um das Postmoderne noch mit reinzubringen, die Postmoderne Denkschule behauptet, die Realität existiere gar nicht, sie sei ein Konstrukt. Und Konstrukte soll man besser nicht anrühren, denn am Ende machen man sie noch kaputt. Ich glaube... Dieser Konservatismus, der trägt sich durch den ganzen Film. Dass es diese tröstende Erzählung gibt? Diese knallharte Nostalgie und dieses Romantisieren einer bestimmten Art Journalismus zu betreiben. Und ich glaube, in unserer Zeit, wenn man in unserer Zeit sich filmig mit Journalismus aussetzt, ist das wirklich schwierig. Weil das ist ein Teil, eine Krisenerscheinung des Journalismus, genau diese Nostalgie und genau diese Art zu erzählen. hat den Journalismus mit in diese Krise geritten.
Johannes Franke: Aber kann man das nicht einfach als Nachruf begreifen? Wie wenn du, also ich meine natürlich, ich beerdige meinen Opa meinetwegen. Und er lebte nicht mehr in unserer Zeit so richtig. Aber man hat ihn doch gern gehabt.
Florian Bayer: Aber dafür wird es zu sehr als Gegenkonzept zum Heute entworfen.
Johannes Franke: Ich glaube nicht, dass Wes Anderson sagen will, so und das ist jetzt das, wie wir unsere Nachrichten stricken sollten.
Florian Bayer: Ich glaube, Wes Anderson sagt in diesem Film... Alle fünf Minuten früher war alles besser.
Johannes Franke: Nein. Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein. Nein, das glaube ich nicht. Wirklich nicht. Dafür ist es einfach so, so entrückt es auch Wes Anderson mich. Entschuldigung.
Florian Bayer: Ich glaube, es ist ein visuell, auch für bei das Andersons Verhältnis, weil er wirklich nochmal einen draufsetzt, was so das Verspielte betrifft. Visuell ist es ein sehr progressiver Film, aber inhaltlich ist es ein sehr konservativer Film.
Johannes Franke: Ja, vielleicht. Aber es stört mich null. Ach, aber ist das nicht vielleicht auch einfach, wo man sagt, okay, es gibt verschiedene Ansätze und man kann an jedem... Alles braucht auch seine eigenen Darreichungsformen?
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Ich würde dem Film auch nicht sein Existenzrecht absprechen. Aber das macht es zumindest für mich persönlich schwierig, diesen Film einfach so schauen zu können, weil ich weil ich sehe in ihm dafür einfach zu viel naive Nostalgie und zu wenig... zu wenig kritische Haltung und zu wenig hinter das Ganze blicken. Ich sehe in diesem Film eine große Fassade. Das, was Wes Anderson macht, er baut ein wunderschönes Haus auf. Aber hinter der Fassade ist halt nichts. Und wir können das natürlich 100 Minuten lang betrachten und finden es total schön und so weiter. Aber sobald wir reingehen, stellen wir fest, oh, das ist ziemlich leer.
Johannes Franke: Ach, mich stört das nicht. Das ist ein Märchen.
Florian Bayer: Es ist ein Märchen, ja. Und ich glaube auch als Märchen kann man das genießen. Wie gesagt, der Film, der überrennt einen ja damit. Es ist ja wirklich so, du ... Und das kann man so negativ ausdeuten, dass man erschlagen wird, aber dafür bin ich dann eben doch zu bildverliebt und zu... Dafür habe ich dann doch zu sehr eine Schwäche für starke visuelle Erzählung und für originelle Ideen. Und davon ist dieser Film übervoll. Und das kann einen auch nerven. Ich kann mir total gut vorstellen, dass es viele Menschen gibt, die das nervt, dass die sagen, ey, das ist einfach zu viel. Das erschlägt mich. Ich kann mich ja gar nicht konzentrieren, wenn da nochmal ein schönes Bild kommt. Aber das nehme ich dem Film alles ab. Und dafür hatte ich halt auch wirklich 108 Minuten lang total viel Freude daran, einfach diese Bilder zu genießen. Aber es ist halt flach.
Johannes Franke: Den letzten Satz schneide ich raus.
Florian Bayer: Wollen wir mal zu unserer Top 3 springen?
Johannes Franke: Ja, springen wir mal zu unserer Top 3. Schnell. So, was haben wir denn? Ja, ich hab gedacht, weil ich beim ersten Mal aus dem Kino kam und gedacht habe... What the fuck did I just see? Weil ich es einfach nicht, ich hatte nicht genug Kapazität mehr im Kopf, um das wirklich zu überblicken. Und deswegen dachte ich, wir machen mal eine Top 3, wo man den Film sieht und denkt, what the fuck did I just see? Kannst du in beide Richtungen deuten? Also positiv wie negativ? Also honorable wie dishonorable?
Florian Bayer: Ich habe beides drin.
Johannes Franke: Ich auch. Ich habe sogar zwei Listen.
Florian Bayer: Insgesamt zwei Listen. Eine negative und eine positive Liste? Großartig. Dann kann ich mal eine Honorable Mention reinschmeißen.
Johannes Franke: Mach mal, mach mal.
Florian Bayer: Ich glaube, den haben wir zusammen gesehen, aber ich weiß es nicht mehr und ich glaube... Also ich habe ihn auf jeden Fall mit Leuten aus dem WG-Umfeld gesehen. Ich weiß, Maya war dabei.
Johannes Franke: Ah, okay.
Florian Bayer: Deswegen kann ich mir gut vorstellen, dass du auch dabei warst.
Johannes Franke: Den war ich bestimmt dabei.
Florian Bayer: aus dem Jahr 2004 von Takashi, Mieke, Iso. Und alle saßen da und haben danach ... also außer mir, ich hab gesagt geil, haben genauso reagiert, what the fuck, ähm,
Johannes Franke: Ich war nicht dabei, glaube ich.
Florian Bayer: Iso ist ein Film über einen untoten Samurai, der durch die Jahrhunderte reist. Und dabei Menschen abschlachtet, begleitet von Kazuki Tomokawa, einem der besten Liedermacher aller Zeiten, japanischer Liedermacher. Also, wenn ihr mal wirklich geilen, abgefahrenen Folkshit aus Japan hören wollt, hört euch Kasuki Tomokawa an. der auch der schreiende Philosoph genannt wird. Und zwar brüllt er da in der Gegend rum? Der brüllt, der macht Gitarre? und er singt und er singt auch sanft und fragil und dann fängt er plötzlich an zu schreien und es ist einfach Großartig. Also du kannst mal Conny fragen, die mit mir eine Zeit lang zusammen in einer WG gewohnt hat. Die war ziemlich genervt, dass ich mal so eine Phase hatte, wo ich ein halbes Jahr lang... jeden Tag Kasuki Tomokawa gespielt habe. ISO ist ein total schräger Film, weil es geht um diesen untoten Söldnergeist. der durch die Zeiten reist und dann immer irgendwie philosophische Fragen gestellt kriegt. Und er reagiert damit, dass er die Leute auch umbringt. Und das ist so ein Film, der sich auf japanische Folklore und Mystik und Philosophie bezieht, von der man als westlicher Zuschauer 10% versteht, wenn überhaupt. Und es ist einfach nur total schräg abgefahren. Ich habe den auch nicht verstanden. Keine Ahnung, worauf der sich bezogen hat. Ich kenne mich einfach viel zu wenig aus mit diesem ganzen Symbolismus. Aber es war einfach ein Erlebnis. Und für What-the-Fuck-Filme ist Takashi Mieke immer gut. Der macht schon seit ... 40 Jahren macht der Filme und bringt mehrere pro Jahr raus und alles querbeet. Auch tatsächlich mal einfache Geschichten, aber halt auch sowas wie ein Zombie-Musical. Und einen kaputten Superheldenfilm oder einen Yakuza-Film, in dem der Protagonist in der Hälfte des Films zu einer Frau wird. Okay. Er macht fantastische Filme, die wirklich sehr komisch sind. Und ich glaube, ich muss dir mal einen Takashi-Mike-Film geben.
Johannes Franke: Okay. Okay. Soll ich einfach mal meine Dishonorables raushauen und dann... Hau sie raus. Genau. Ich habe tatsächlich beide Listen vor allem aus dem zusammengestellt, was wir schon geguckt haben.
Florian Bayer: Oh, interessant. Dann sind ganz viele Filme dabei, die ich dir vorgeworfen habe.
Johannes Franke: Ganz genau.
Florian Bayer: Das ist honorable. Ich bin voll gespannt.
Johannes Franke: Weil ich dachte, ich will dir mal... Einmal zeigen, was sie mir alles für Scheiße vorsetzt. Also, Dishonorable, die schlimmsten Filme, die wir zusammen geguckt haben. Wo man danach sagt, what the fuck ist das? Und zwar auf Platz 3. Nicht ganz oben, Gott sei Dank. Hausu! Weil man wirklich danach davor sitzt und denkt, oh mein... Und deswegen auf Platz 3, nicht Platz 1, weil man noch denken kann, ja, okay, ein paar... Also es gibt schon Vergnügen in bestimmten Dingen. Wir haben darüber geredet, ihr könnt euch das gerne anhören. Ich bin nicht... gänzlich zerstörerisch.
Florian Bayer: Ein surreales Spukhausmärchen aus dem Jahr 1977, auch aus Japan. Ganz tolle Mischung aus Teenager-Romantik. Und Horrorfilm.
Johannes Franke: Und Blut, in dem man dann schwimmt am Ende. Und irgendwie ist es... Nein.
Florian Bayer: Und viele lustige Momente und es wird auch ein bisschen gesungen dazwischen und alle haben Spaß gehabt. Mit einem Lächeln und vielleicht auch einer Träne.
Johannes Franke: Danach kommt sehr nah an dem Platz 1. Auf Platz 2 kommt... Holy Mountain von Jodorowsky.
Florian Bayer: Ja, ja, Alejandro Jodorowsky. 1973, warum tust du mir das an?
Johannes Franke: Es ist so, aber das habe ich dir schon anderthalb Stunden lang um die Ohren gehauen. Es ist unglaublich. Du weißt überhaupt nicht, was das soll. Du denkst dir die ganze Zeit, boah, hör auf, ich will nicht mehr eigentlich, also ich hätte ihn ausgemacht, wenn wir nicht hätten drüber reden müssen.
Florian Bayer: Was für ein großartiger, surrealer Mystizismus.
Johannes Franke: Es ist halt Surrealismus. Man kann Surrealismus... akzeptieren, wenn man vorher das weiß, dass es kommt, dass es so real wird. Ich wusste es und konnte es trotzdem nicht akzeptieren. Weil Jodorowsky einfach so viel Scheiße gebaut hat, so viel auf einen Haufen geworfen hat und so viel... Zu viel, guck mich an, guck mich an, ich bin bedeutungsvoll dabei hatte.
Florian Bayer: Zu viele schöne Bilder, zu wenig zusammenhängende Geschichte. Sind wir etwa bei Wes Anderson?
Johannes Franke: Nein, nein, nein. Ich habe noch nicht immer gesagt, dass er schöne Bilder hat.
Florian Bayer: Oh, aber der Film war doch voll mit schönen Bildern.
Johannes Franke: Ja, es gab ein paar schöne Bilder. Aber nicht bei weitem nicht so viele, wie du jetzt andeutest. Nein. Und auf Platz 1 der schlimmsten What the Fuck, was habe ich da gerade gesehen, Filme, ist Inland Empire.
Florian Bayer: Oh, David Lynch, 2006. Surrealismus, noch mehr Surrealismus.
Johannes Franke: Wo mir Laura Dern so wehtut, aber ich mag sie eigentlich, aber dass sie... Dass sie auch immer wieder solche Sachen mit ihm machen will, finde ich verstörend.
Florian Bayer: 180 Minuten, Laura Dern stolpert durch ein von David Lynch aufgebautes Set, spricht ein bisschen Polnisch und am Schluss ... Und zwischendurch wird der Locomotion getanzt.
Johannes Franke: Ah ja, ja, ja, ganz toll. Und Hasen kommen.
Florian Bayer: Und Hasen kommen vor in einer Sitcom. Eine Freude für die ganze Familie.
Johannes Franke: Unglaublich, ganz toll. Mit einer wirklich professionellen Kamera. Wo alles ein Film, wo alles stimmt. Wenn man sich daran erinnert, wird darüber geredet.
Florian Bayer: Einer der Pioniere des digitalen Videos.
Johannes Franke: Das sieht aus wie ein Hochzeitsvideo von einem, der überhaupt noch nie eine Kamera in der Hand hatte.
Florian Bayer: Aber was für ein Hochzeitsvideo. Wenn ich heirate, soll mein Hochzeitsvideo genau so aussehen.
Johannes Franke: Ich werde David Lynch anrufen. Und fragen, ob er dann Hochzeit filmen kann.
Florian Bayer: Okay, jetzt muss ich meinen Platz 3 von meinen... durcheinander geworfen, honorable und dishonorable reinwerfen. Mein Platz 3 ist tatsächlich, also auf jeden Fall honorable... Aber ein Film ... Ich weiß, es ist ein Klassiker. Ich bin ... Ich ... Ich habe es mehrmals versucht und ich habe es nie so ganz verstanden, warum es ist. Auch Surrealismus und zwar einer der surrealen Filme schlechthin. Letztes Jahr ein Marienbad von Alain René. Ein Film, der wie ein Gottesdienst gebaut ist. Du hast die ganze Zeit diesen Orgelsaun und die Kamera schwebt durch ein Hotel und ein Mann und eine Frau unterhalten sich darüber, was letztes Jahr ein Marienbad vorgefallen ist oder nicht vorgefallen ist. Und dann sehen wir Menschen da stehen wie so Puppen, die sich nicht bewegen. Die Kamera ist die ganze Zeit eben durch diesen Raum und durch dieses Gebäude am Schweben und wir sehen keine Handlung, sondern wir hören sie eigentlich nur und ich verstehe ihn nicht. Ich verstehe ihn einfach nicht. Ist das gut oder ist das schlecht? Also ich habe... Ich glaube, er fällt nie in die Richtung, ich habe versucht, diesen Film zu mögen, aber ich schaffe es nicht, ihn zu mögen.
Johannes Franke: Oh nein.
Florian Bayer: Das gelingt mir einfach nicht.
Johannes Franke: Ich höre immer mal wieder, dass er sehenswert ist und dass er gut sei.
Florian Bayer: Man muss diesen Film gesehen haben, aber ich weiß nicht, ob ich ihn als gut bezeichnen würde. Es ist einfach mal, es ist wirklich ein krasser Film. Es ist ein Film, der diesen Pathos und diese Gewalt von einem Gottesdienst die ganze Zeit vor sich her Und der dabei aber nirgendwo hinläuft und der Realität nicht sonderlich ernst nimmt. Man weiß wirklich nicht, was real und was irreal ist. was ausgedacht ist, was Geschichte ist, was stattfindet. Man weiß nicht mal, wo man ist in der Zeit, in welchem Jahr man sich gerade befindet. Oder in welchem Jahr man sich befunden hat, wie lange die reden.
Johannes Franke: Das hat dich doch bei anderen Filmen nicht gestört, dass du nicht weißt, wo man ist.
Florian Bayer: Ja, aber bei dem Film macht es nicht so viel Spaß.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Vielleicht müssen wir den irgendwann mal gucken.
Johannes Franke: Ja, wahrscheinlich. Ich fände es spannend, weil ich habe das jetzt schon von ein paar Seiten gehört. Okay, mein Platz 3 der Honorable-Version wäre Eraserhead.
Florian Bayer: Oh ja, nochmal David Lynch.
Johannes Franke: Den ist tatsächlich gut. Was mir bei Inland Empire schwer gefallen ist, ist mir bei Razorhead tatsächlich einigermaßen leicht gefallen. Auch wenn man natürlich da sitzt. sitzt und denkt, hä? Nein, zeig mir das nicht. Und solche Sachen. Auch ekelhafte Sachen dabei, wo man echt denkt, aber Im Großen und Ganzen, wenn man danach davor sitzt, denkt man sich schon, ja, gut, irgendwie. Aber es ist auch lange halt, dass ich den gesehen habe. Vielleicht würde ich es heute anders sehen. Weiß ich nicht genau. Eraserhead.
Florian Bayer: Mein Platz zwei?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ist... Vielleicht muss ich dir den auch mal geben. Vielleicht müssen wir den mal gucken. Ein relativ aktueller Film. Fateful Findings von Neil Preen. Neil Preen ist einer von den Regisseuren, die alles machen, also Hauptdarsteller schreiben, produzieren.
Johannes Franke: Oh, okay.
Florian Bayer: So ein Tommy Vison. Oh, wow. Und in Faithful Findings geht es darum, dass...
Johannes Franke: Du weißt nicht, worum es geht, weil der Film nicht bereit, worum es geht.
Florian Bayer: Ein von Selbstzweifeln geplagter Schriftsteller. Wird angefahren?
Johannes Franke: Du musst das ablesen, Flo.
Florian Bayer: Und hat seitdem merkwürdige Träume? Und trifft dann eine Psychologin, die er schon aus Kindertagen kannte, eine Ärztin, die war zufällig im Krankenhaus, die kannte er schon aus Kindertagen. Und sein Freund wird von seiner Frau umgebracht. Und dann kann er Krebs heilen? Nee, Krebs heilt er in einem anderen Film. Aber er kann sich teleportieren. Und dann gibt es diese mystischen Steine und irgendjemand jagt ihn und schießt auf ihn.
Johannes Franke: Okay, ich glaube, wir müssen diesen Film nicht gucken.
Florian Bayer: Es ist ein total absurder Film. Er ist wirklich schlecht. Es ist ein totaler Trash-Film. Neil Preen ist so ein bisschen der David Lynch des Trash-Films. Also man weiß nie so genau, ob seine Handlungen inkohärent sind, weil er das will, weil er surreal sein will oder einfach, weil er es nicht kann. Und es ist wirklich auf eine absurde Art unterhaltsam, weil es gibt so viel komisches Zeug, was da passiert.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und das ist total schräg. Er entscheidet sich dann irgendwann, dass er sich in die Regierungsdateien einhacken will. um deren böse Geheimnisse aufzudecken. Wir erfahren nicht genau, was es ist. Also Neil Preen hat immer so ein bisschen diesen libertären Schlag, dass die Regierung korrupt ist und er will das herausfinden. Okay. Und dann sitzt er da mit seinen Laptops. Der Film ist aus dem Jahr 2012. Und er sitzt da mit Laptops aus dem Jahr 2000. Man sieht halt einfach, dass das so Props sind, die er günstig gekriegt hat. Okay. tippt dann einfach wild auf den rum und schmeißt sie durch die Gegend. Und am Schluss begehen die Politiker alle Selbstmord, weil er ihre dunkelsten Geheimnisse aus dem Bad hat. Nein, okay. Fantastischer Film, unbedingt gucken. Faithful Findings, Neil Preen, großartiges Werk.
Johannes Franke: Okay, mein Platz zwei ist in diesem Fall I'm Thinking of Ending Things.
Florian Bayer: Oh, toller Film.
Johannes Franke: Der erst in der Nachbesprechung gut wird.
Florian Bayer: Und ist er dann noch ein What-the-Fuck-Film, wenn man die Nachbesprechung hinter sich hat?
Johannes Franke: Ja, immer noch. Natürlich.
Florian Bayer: Gut.
Johannes Franke: Also es ist nur so, dass man so ein paar Brocken dann rausfindet und sich denkt, ah ja okay, es gibt so ein paar Hinweise für bestimmte Dinge und man kann den Film auf eine bestimmte Art und Weise lesen. Und dann denkt man, oh, voll cool, so irgendwie. Aber ... Während man ihn guckt, ohne Vorwissen, ohne zu wissen, dass man jetzt ein surreales Werk vor sich hat, denkt man die ganze Zeit... Ich komme nicht mehr mit. Ich weiß nicht mehr, welches Verhältnis hat er zu ihr, welches Verhältnis hat sie zu ihm, um wen geht es hier eigentlich? Hat sie jetzt dieses Gesicht oder hat sie doch das andere Gesicht, was da plötzlich irgendwo zwischendurch ist? Wie sind die Eltern drauf? Wie alt sind die Eltern eigentlich? Weil so viel gesprungen wird in verschiedenen Varianten dieser Geschehnisse, dass du einfach nichts mehr weißt.
Florian Bayer: Ich muss jetzt was sehr Radikales machen auf einer Podcast-Meta-Ebene. Und zwar muss ich posthum die Top 3 aus der letzten Episode ein bisschen abändern. In der letzten Episode hatten wir Top 3 ohne Ausweg. Und ich finde, dieser I'm Thinking of Ending Things passt. passt perfekt in diese Top-3-Liste auch rein. Weil sie ist ja in seinem Kopf gefangen, wie wir später erfahren. Und ist so eine Wunschvorstellung von ihm, die eigentlich in seinem ... in seiner Fantasie umherirrt.
Johannes Franke: Das erfahren wir aber nicht später. Der Film erzählt uns das nicht. Das ist etwas in der Recherche.
Florian Bayer: Ich finde, das kann man durchaus in den Filmen schon reinlesen, während man die ganze Zeit WTF gegen den Bildschirm schreit. Äh, ja.
Johannes Franke: Na gut. Ja, ohne Ausweg. Auf jeden Fall. Denkt man während des Films. Das stimmt.
Florian Bayer: Zurück zu What the Fuck. Mein Platz 1 ist von Gaspar Noé, Enter the Void. Weil es ist ... extrem mutig, einen Film aus der Ego-Perspektive von einer Person zu erzählen. Noch mutiger ist es diese... diesen Film aus der Ego-Perspektive nicht nur vor dem Tod zu erzählen, sondern auch nach dem Tod. Und dieser Film ist radikal die Ego-Perspektive eines Sterbenden, dessen Geist seinen Körper verlässt und irgendwo in einer Leere umhermeandert, wo er dann so Spuren aus seinem Leben aufgreift, Spuren aus der Gegenwart, aus der Vergangenheit. Und dieser Film ist einfach radikales... Motivkino, wo man nie genau weiß, wo man gerade ist, weil man einfach von Bildern zerdrückt wird und dann irgendwann wird es auch albern und absurd und dann schließlich gibt es die POV eines Penis, der in eine Vagina eindringt Und man weiß, man sieht etwas ganz Besonderes und fühlt sich auch irgendwie ein bisschen erleuchtet.
Johannes Franke: Ähm ... Hast du diesen Satz gerade nachdem eine Kamera in eine Vagina eindringt, gesagt, du fühlst dich erleuchtet und du... Egal.
Florian Bayer: Sie haben tatsächlich ... Dieser Film ist ... Total bizarr und laut und wild und dreckig und dauert 160 Minuten und ist wie gesagt eine POV von einer Seele, die ihr den Körper verlässt. Ein ziemlich, ziemlich, ziemlich abgefuckter Film. Einer der abgefucktesten Filme, die ich je gesehen habe und jede Sekunde wert.
Johannes Franke: Okay. Na gut. Na gut. Dein Platz 1. Mein Platz 1 ist The Lighthouse.
Florian Bayer: Ja, okay. Ja, bei dem kann man das auch hin und wieder denken.
Johannes Franke: Hin und wieder? Hallo? Also am Anfang ist es schon noch einigermaßen stringent, muss man sagen. Also man hat schon noch das Gefühl, okay, hier wird eine Situation etabliert. Ist ein bisschen seltsam alles, aber okay. Aber es wird dann schon echt mit der Zeit sehr abgefuckt und seltsam und weird und what?
Florian Bayer: Ich finde, dieser Film ist so ein aufs Zelluloid gepresstes Seemannsgarn. Wenn dir ein besoffener Matrose in einer Bar eine wirklich gruselige Geschichte erzählen. will. Und dann zwischendurch denkst du, Moment, ist das noch gruselig? Muss ich drüber lachen? Ich weiß es nicht. Moment, warst du da nicht schon? Was erzählst du da? Okay, du hast eine Sexfantasie mit einer Meerjungfrau mit eingebaut. Alles klar, alles klar, mach weiter.
Johannes Franke: Und es ist aber auch tatsächlich, wenn man richtig einsteigt in den Film, wenn man es schafft, sich einsaugen zu lassen. dann ist das ja nicht nur die Geschichte eines Betrunkenen in einer Bar, wo man eine Distanz aufbauen kann, sondern dann wird es wirklich... und das würde ich jedem empfehlen, zu versuchen, sich auf den Film einzulassen, dann wirkt es wirklich wie der Albtraum, den sich früher die Seemänner wirklich ernsthaft... erzählt haben.
Florian Bayer: Der ist krass immersiv, der Film.
Johannes Franke: Unglaublich.
Florian Bayer: Und das, obwohl er auch so Hardcore 4 zu 3 Schwarz-Weiß Bild... Wirkt so ein bisschen wie eine historische Aufnahme, also eine pseudohistorische Aufnahme, die irgendwo gefunden wurde aus dem 19. Jahrhundert. Und trotzdem zieht er dich krass mit rein. Von Robert Eggers aus dem Jahr 2019.
Johannes Franke: Der auch The Witch gemacht hat, den wir auch besprochen haben.
Florian Bayer: Und der jetzt einen neuen Film rausbringt, The North Man, auf den ich wirklich sehr gespannt bin.
Johannes Franke: Da ist Dingens dabei auch wieder.
Florian Bayer: Enya Tellerjoy.
Johannes Franke: Enya Tellerjoy, genau. Und Nicole Kidman.
Florian Bayer: Das ist eine Hamlet-Geschichte und der Protagonist ist sogar in einer Krampf von Hamlet. Tatsächlich habe ich heute den Trailer dazu gesehen und dachte, oh, das sieht gar nicht so gut aus.
Johannes Franke: Oh, echt?
Florian Bayer: Ja, aber es kann auch sein, dass der Trailer einfach kacke geschnitten war.
Johannes Franke: Oh, ich hoffe es.
Florian Bayer: Aber es wirkte so ein bisschen plump. Ich weiß nicht, wie gesagt, der Trailer, ich finde gerade bei den Filmen von Robert Eggers kann der Trailer auch echt in die Irre führen.
Johannes Franke: Ich bin gespannt. Okay, ja, das waren unsere Top 3. Das war unsere Top 3. Wir sind wieder bei anderthalb Stunden. Wollen wir noch schnell faziten und dann rub it up? Ja. Okay, also, The French Dispatch, eine absolute Sehempfehlung. Vielleicht muss man ihn mehrmals gucken, vielleicht muss man ihn auch in Abschnitten gucken. Das könnte man vielleicht tun, indem man einfach sagt, okay, ich habe so viele Bilder gesehen, ich muss erstmal verarbeiten, was da passiert ist und mache einfach mal Stopp nach der ersten Geschichte und guck mir den zweiten an. Aber auf jeden Fall gucken ... Und Wes Anderson in seiner Reinform einmal genießen.
Florian Bayer: Wenn du Wes Anderson magst, wirst du diesen Film lieben. Wenn du Wes Anderson liebst, wirst du diesen Film wahrscheinlich vergöttern. Wenn du Wes Anderson okay findest, wirst du diesen Film auch sehr viel abgewinnen können. wenn du von Wes Anderson so ein bisschen genervt bist, dann kann es sein, dass du mit diesem Film Probleme hast.
Johannes Franke: Auf diesem Spektrum bist du eher weiter unten, oder was?
Florian Bayer: Das Fiese ist ja, dass er einfach audiovisuell zu gut ist. Es ist Fies, dass da gut ist.
Johannes Franke: Das ist wirklich ungemein bösartig.
Florian Bayer: Ich kann nicht sagen, dass ich während dieses Films irgendwie genervt war oder so. Also ein bisschen erdrückt, ein bisschen erschlagen, aber... Er hat mir 108 Minuten einfach mal verdammt viel Spaß gemacht.
Johannes Franke: Yes!
Florian Bayer: Aber ... Und sobald ich von den Bildern nicht mehr erschlagen werde und anfangen kann, über die Handlung nachzudenken, dann denke ich, okay, so viel wird davon jetzt nicht bleiben für mich.
Johannes Franke: Ist bei vielen Magazinen so, die man durchblättert.
Florian Bayer: Ja, das stimmt tatsächlich auch. Und gerade bei so Reportagen, wie sie vom New Yorker geschrieben werden teilweise, man nimmt dann letzten Endes doch nicht so viel mit. Man hat vielleicht eine nette Anekdote, die man erzählen kann. Ja. Aber dass man wirklich was tiefgreifend dazugelernt hat oder tiefgreifend in Frage gestellt wurde in seinen eigenen Ansichten Das findet da eher nicht statt.
Johannes Franke: Ein Hoch auf die Zerstreuung auf dem bürgerlichen Sessel mit Pfeife in der Hand und einer Leselampe.
Florian Bayer: Das kann ich voll und ganz unterstreichen, in diesem Sinne.
Johannes Franke: Sehr schön. Vielen Dank. fürs Zuhören und vielen Dank dir, Plur, dass du diesen Film angeschaut hast.
Florian Bayer: Vielen Dank, dass du mir mal wieder einen Wes Anderson vorgesetzt hast, sonst würde ich den ja nicht gucken. Ja, genau. Ich warte auf den Nächsten, den ich dann ignorieren kann.
Johannes Franke: Oh Mann, ist wieder einer in der Wache übrigens und
Florian Bayer: Ich bin sehr gespannt, was kommt. Ich bin froh, dass ich den gesehen habe, weil er tatsächlich, er hat mir mehr Freude gemacht, als die letzten Mois Anderson-Filme, die ich gesehen habe. Einfach weil er so krass kondensiert war, hat er mir mehr Freude gemacht.
Johannes Franke: Das dachte ich nämlich auch und hatte es ein bisschen gehofft. Ich hatte ein bisschen mehr erhofft noch, aber ich glaube, ich kann zufrieden sein mit dem, was ich erreicht habe bei dir, Flor. Deinen Horizont vielleicht nochmal wieder ein bisschen... Aufgemacht in die Richtung... Audiovisuell auf jeden Fall.
Florian Bayer: Also ich habe so viel neue... Oh, das kann man auch machen, filmig Bilder gesehen. Ja. Das reicht auf jeden Fall für die nächsten Wochen.
Johannes Franke: Sehr schön. Jetzt bist du erst mal wieder satt.
Florian Bayer: Ja, definitiv. Okay, also.
Johannes Franke: Wenn ihr wissen wollt, was als nächstes passiert, also nächste Woche, dann bleibt noch dran und wir werden euch nach dem Jingle nochmal erzählen, was wir nächste Woche machen.
Florian Bayer: Nächste Woche kann ich machen. mich an Johannes für diesen Film rächen.
Johannes Franke: Oh nein! Wir haben noch nicht mal das Fenster wieder zugemacht, Chlor. Wir müssen jetzt einfach mal reden.
Florian Bayer: Mit offenem Fenster.
Johannes Franke: Mit offenem Fenster.
Florian Bayer: Scheiß auf den Sound. Also ich habe dich gerade oft, Mike, gefragt und du hast mir was gesagt und ich habe gesagt, du musst das wiederholen, wenn ich dir den vernetze. Mit offenem Mikro Vorschlage.
Johannes Franke: Man kann mit dir nichts inszenieren, Flo. Alles immer transparent.
Florian Bayer: Johannes, was assoziierst du mit Rambo?
Johannes Franke: Rambo ist für mich immer Hau drauf, Actionbar.
Florian Bayer: Sehr gut, hervorragend. Dann habe ich eine gute Horizonterweiterung. für nächste Woche. Und zwar den ersten Rambo-Film. First Blood aus dem Jahr 1982. Der nur in Deutschland Rambo hieß. Heißt der schon...
Johannes Franke: Als da rauskommt First Blood, haben die da schon gesagt, oh, das ist ein Konzept, das trägt 20 Filme lang.
Florian Bayer: Er ist natürlich fast glatt wegen dem ersten Blut, das vergossen wird.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ich kann mir vorstellen, was du mit Rambo assoziierst und das tun glaube ich viele, die in den ersten Rambo-Filmen nicht so richtig gesehen haben oder nicht in Erinnerung haben. Ja. Weil sie vor allem die Fortsetzungen kennen. Ich bin sehr gespannt, was du davon hältst.
Johannes Franke: Okay. Ich auch. Na gut, dann habe ich halt mal ein bisschen Haut drauf Spaß. Was soll's. Genau mein Genre-Plur.
Florian Bayer: Perfekt. Wir sehen uns nächste Woche.
Johannes Franke: Bis dann.
Florian Bayer: Ciao.
Johannes Franke: Ciao.
