Episode 1: Borat Subsequent Moviefilm, Jojo Rabbit, 100 Jahre Adolf Hitler

Unsere erste Episode. Wir reden über Borat 2, 100 Jahre Adolf Hitler und JoJo Rabbit.

Borat Subsequent Moviefilm [Sacha Baron Cohen]

(USA 2020)

Rudy Giuliani, republikanischer Politiker, ehemaliger Bürgermeister von New York, Anwalt und Rechtsberater von Donald Trump liegt auf dem Bett eines Hotelzimmers. Über ihn gebeugt ist eine junge Frau, die ihm anscheinend dabei hilft, ein Ansteckmikrofon abzulegen. Und dann passiert es. Entspannt lehnt sich Giuliani zurück und greift tief in seine Hose mit anscheinend ziemlich eindeutiger Absicht. Bevor diese irritierende Szene weitergehen kann, wird sie auch schon gestört. Ein in Reizwäsche gekleideter Borat (Sacha Baron Cohen) stürmt in das Zimmer und schreit Giuliani an, die Frau sei 15, sie sei zu alt für Rudy. Er Borat würde sich an ihrer statt dem mächtigen, alten Mann hingeben. Giuliani ist verwirrt, ruft seine Security-Leute, und Borat und seine Filmtochter fliehen. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Diese kurze Episode ist nicht nur der neue Film Sacha Baron Cohens in a Nutshell, er ist auch sein zentraler Moment, sein größter Aufreger, seine Berechtigung und vermutlich auch sein stärkstes Erbe.


Jojo Rabbit [Taika Waititi]

(USA 2019)

Jojo Rabbit ist eine 2019 bzw. 2020 in D erschienene Satire und Drama von Taika Waititi. Die Adaption von Christine Leunens’ Roman Caging Skies erzählt von einem 10-jährigen Hitlerjungen, der in seinem anerzogenen Fanatismus und Begeisterung zum Faschismus Hitler als seinen imaginären Freund und Berater wählt. 

Als er eines Tages eine Jüdin, also das Monster schlechthin in seinem Elternhaus versteckt entdeckt, wird sein Glaube an die Idiologie auf eine harte Probe gestellt. 
 


100 Jahre Adolf Hitler – Die letzte Stunde im Führerbunker [Christoph Schlingensief]

(Deutschland 1989)

Hitler sieht abgewirtschaftet aus, lethargisch, lebensmüde. Er zieht seine Hose runter, taucht seinen Hintern in braune Farbe und drückt ihn, einen dicken Abdruck hinterlassend, gegen die Wand des Führerbunkers. Keine andere Szene von Christoph Schlingensiefs “100 Jahre Adolf Hitler” fasst besser zusammen, was in diesen wilden 60 Minuten geschieht: Wir sehen Menschen am Rande des Wahnsinns: Goebbels sitzt die ganze Zeit auf der Toilette, Göring wittert überall Verrat und Fegelein läuft mit manischem Blick durch die Bunkergänge, immer mit einem “Ficken!” auf den Lippen. Dazwischen werden Weihnachtslieder gesungen, Nazis werden in den April geschickt, und alles verwandelt sich in einen einzigen Rausch aus Paranoia, Sex, Schmutz und Stumpsinn. Am Ende klebt sich Eva Hermann Hitlers Schnurrbart an und wird damit automatisch selbst zum Führer. Sie heiratet Magda Goebbels, die einen neuen Moses gebärt und dieser wird im Morgengrauen in der Spree ausgesetzt, während wir einer hoffnungsvollen Zukunft entgegenblicken. 100 Jahre Adolf Hitler ist komprimierter Wahnsinn, in dreckigem Schwarzweiß, zwischen Avantgarde und Trash, Improtheater und Slapstick. Ein Film, den man weder schnell wegkonsumiert noch schnell vergisst…