Episode 3: Monsieur Verdoux, Climax

Wir reden über Charles Chaplins Killermärchen Monsieur Verdoux aus dem Jahr 1947 und den Tanz-Horror-Streifen Climax von Gaspar Noé aus dem Jahr 2018. Und damit stehen auch schon zwei sehr unterschiedliche Filme auf dem Programm: Monsieur Verdoux ist der Versuch Chaplins sich von seiner Rolle des Tramps zu lösen. Johannes sieht in ihm ein ebenso charmantes wie ambivalentes Thrillerdrama, das seiner Zeit in vielerlei Dingen weit voraus ist. Florian ist überrascht, wie viele Momente des klassischen Chaplins und auch der Tramp-Figur Einzug in den Film erhalten haben. Climax ist vor allem ein radikaler Film, irgendwo zwischen Tanzfilm, Psychodrama und Horrorthriller. Während Florian geneigt ist, sich für diese Wahl zu entschuldigen, findet Johannes den Film deutlich weniger zermürbend als erwartet. Seiner Meinung nach versagt Climax in seinem Vorhaben mit maximalem Shock Value eine düstere Geschichte zu erzählen. Und auch die Tanzchoreografien können Johannes nicht von den Socken hauen. Es gibt also einiges, über das wir diskutieren müssen…


Climax [Gaspar Noé]

(USA 2018)

Climax aus dem Jahr 2018 stammt von Gaspar Noe, einem der großen Filmemacher der New French Extremity und handelt von der eskalierenden Party einer französischen Tanzgruppe, die sich peu à peu vom hedonistischen Rausch in blanken Horror entwickelt…. Und eigentlich meint er es gut mit dem Publikum. Nach wenigen Minuten gibt dieser ungewöhnliche Tanzfilm bereits die Möglichkeit zur Flucht. Kaum haben wir gesehen, wie eine junge Frau, halb lachend halb weinend halb blutend in den Schnee gefallen ist, rollen auch schon die Endcredits. Wir könnten jetzt aufstehen, den Kinosaal verlassen, beziehungsweise Netflix schließen, und alles wäre gut. Diese Möglichkeit zur Flucht wird es nach ungefähr einer Dreiviertelstunde noch einmal geben. Wieder die Liste der Beteiligten, eine Verbeugung vor dem Soundtrack, Endcredits, Black. Wer danach immer noch sitzen bleibt, hat es wohl nicht anders verdient….


Monsieur Verdoux [Charles Spencer Chaplin]

(USA 1947)

Monsieur Verdoux, 1947 in Amerika erschienen, ist Charles Spencer Chaplins erster eher dramatischer Langfilm, ohne seine ikonografische kommödiantische Figur des Tramp, die ihn so berühmt gemacht hatte. Ich sage auch nicht Charlie Chaplin sondern Charles Spencer Chaplin, weil ich glaube dass es sein bis dato erwachsenstes Werk ist, auch wenn „Der Große Diktator“ vorher schon ein ernstes und konkretes Thema behandelte. In „Monsieur Verdoux“ spielt er einen Heiratsschwindler der nach der Hochzeit seine Opfer beizeiten dem Tode überführt, um seine eigene Familie durchzubringen. In seinem bisherigen Job habe man nach der Wirtschaftskrise keine Verwendung mehr gehabt.