Episode 3: Monsieur Verdoux, Climax
Wir reden über Charles Chaplins Killermärchen Monsieur Verdoux aus dem Jahr 1947 und den Tanz-Horror-Streifen Climax von Gaspar Noé aus dem Jahr 2018. Und damit stehen auch schon zwei sehr unterschiedliche Filme auf dem Programm: Monsieur Verdoux ist der Versuch Chaplins sich von seiner Rolle des Tramps zu lösen. Johannes sieht in ihm ein ebenso charmantes wie ambivalentes Thrillerdrama, das seiner Zeit in vielerlei Dingen weit voraus ist. Florian ist überrascht, wie viele Momente des klassischen Chaplins und auch der Tramp-Figur Einzug in den Film erhalten haben. Climax ist vor allem ein radikaler Film, irgendwo zwischen Tanzfilm, Psychodrama und Horrorthriller. Während Florian geneigt ist, sich für diese Wahl zu entschuldigen, findet Johannes den Film deutlich weniger zermürbend als erwartet. Seiner Meinung nach versagt Climax in seinem Vorhaben mit maximalem Shock Value eine düstere Geschichte zu erzählen. Und auch die Tanzchoreografien können Johannes nicht von den Socken hauen. Es gibt also einiges, über das wir diskutieren müssen…
Climax [Gaspar Noé]
(USA 2018)
Climax aus dem Jahr 2018 stammt von Gaspar Noe, einem der großen Filmemacher der New French Extremity und handelt von der eskalierenden Party einer französischen Tanzgruppe, die sich peu à peu vom hedonistischen Rausch in blanken Horror entwickelt…. Und eigentlich meint er es gut mit dem Publikum. Nach wenigen Minuten gibt dieser ungewöhnliche Tanzfilm bereits die Möglichkeit zur Flucht. Kaum haben wir gesehen, wie eine junge Frau, halb lachend halb weinend halb blutend in den Schnee gefallen ist, rollen auch schon die Endcredits. Wir könnten jetzt aufstehen, den Kinosaal verlassen, beziehungsweise Netflix schließen, und alles wäre gut. Diese Möglichkeit zur Flucht wird es nach ungefähr einer Dreiviertelstunde noch einmal geben. Wieder die Liste der Beteiligten, eine Verbeugung vor dem Soundtrack, Endcredits, Black. Wer danach immer noch sitzen bleibt, hat es wohl nicht anders verdient….
Monsieur Verdoux [Charles Spencer Chaplin]
(USA 1947)

Monsieur Verdoux, 1947 in Amerika erschienen, ist Charles Spencer Chaplins erster eher dramatischer Langfilm, ohne seine ikonografische kommödiantische Figur des Tramp, die ihn so berühmt gemacht hatte. Ich sage auch nicht Charlie Chaplin sondern Charles Spencer Chaplin, weil ich glaube dass es sein bis dato erwachsenstes Werk ist, auch wenn „Der Große Diktator“ vorher schon ein ernstes und konkretes Thema behandelte. In „Monsieur Verdoux“ spielt er einen Heiratsschwindler der nach der Hochzeit seine Opfer beizeiten dem Tode überführt, um seine eigene Familie durchzubringen. In seinem bisherigen Job habe man nach der Wirtschaftskrise keine Verwendung mehr gehabt.
Transkript
Um den Zugang für Menschen mit Behinderungen zu erleichtern und um eine Volltextsuche nach Themen zu ermöglichen, haben wir beschlossen unsere Gespräche auch als Transkription zur Verfügung zu stellen.
Allerdings muss man dazu sagen, dass die heutigen Techniken automatisiert Transkriptionen herzustellen, doch immer wieder an ihre Grenzen stoßen und streckenweise unlesbare Texte hervorbringen. Eine händische Korrektur der Texte, ist ein Aufwand, der die Möglichkeiten dieses Podcasts bei weitem übersteigt. Trotz dieser Nachteile, überwiegen für uns die Vorteile einer (wenn auch fehlerhaften) Verschriftlichung.

Sie können das Transkript aktivieren und mitlesen, indem sie oben im Player auf dieses Symbol klicken.
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 3: Monsieur Verdoux, Climax Publishing Date: 2021-01-21T07:30:51+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/01/21/episode-3-monsieur-verdoux-climax/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast? Nein, eigentlich nicht, aber ich. Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können. Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme. Aber du weißt, dass das für eine Menge Streit sorgen kann. Ja, herzlich willkommen zum Muss-Man-Sehen-Podcast. Hallo. Folge 3, wenn ich mich... Wenn ich mich richtig erinnere. Folge 3, ja. Folge 3. Der Podcast, bei dem Johannes, der mir gegenüber sitzt gerade, und ich, Florian, über Filme reden. Und zwar nach dem Konzept, ich geb Johannes einen Film, den er im besten Fall noch nicht kennt, den ich sehenswert finde oder beachtenswert, aus welchen Gründen auch immer. Und Johannes gibt mir einen Film. Und da wir teilweise einen sehr unterschiedlichen Filmgeschmack haben, entstehen daraus hoffentlich interessante Gespräche. Und heute sind die beiden... Die beiden Filme, zum einen Monsieur Verdoux von Charlie Chaplin, den Johannes vorgeschlagen hat, und Climax von Gaspar Noé, der von mir kommt. Und damit viel Spaß. Es ist schön, dass ich jetzt gleich mit meinem Einstieg so ein bisschen deinen Einstieg konterkariere. Ich bin an den Film gegangen mit einer Erwartung, einen Film zu sehen, in dem sich Charles Spencer Chaplin freispielt, sich befreit von seinem Erbe. Und ich war doch sehr überrascht, wie viel Charlie Chaplin und wie viel der Tramp in diesem Film steckt. Also zum einen Charlie Chaplin, was Inszenierungsmuster betrifft, was Humor betrifft und zum zweiten auch, wie viel von dem Tramp, der klassischen Chaplin, in diesem Monsieur Verdoux steckt. Also gerade dieses Naive, dieses Unbedarfte, auch dieses Liebenswerte und Sympathische. Ich hatte das Gefühl, ich war die ganze Zeit erstaunt, dass doch so viel klassischer Chaplin, wie ich ihn kenne und auch sehr schätze, in diesem Film steckt. Er hat mir gut gefallen. Also es war ein sehr interessanter Film, ein sehr schöner Film. Ich habe was Düstereres, was Schwarzhumorigeres, was Böseres erwartet. Hat aber, dass diese Erwartung untergraben wurde, hat aber eher dazu geführt, dass ich sogar noch mehr Spaß an dem Film hatte. Es gab einige großartige Momente, bei denen ich auch wirklich viel lachen musste. Und auch, also vor allem in der zweiten Hälfte des Films, wenn er versucht, eigentlich sein schwierigstes Opfer umzubringen. Ja. Und es ist dann ja eine Slapstick-Nummer nach der anderen und ein Kalauer. Ja. Nach dem anderen, wenn er als dieser, in der Rolle dieses Kapitäns, den er spielt, versucht diese Frau, die auch wirklich die nervigste und anstrengendste und auch garstigste Frau ist, die er hat, umzubringen. Und es geht halt jedes Mal schief und mehrmals stirbt er dabei fast. Das war unfassbar komisch und das war total lustig. Und der Film hat es geschafft und ich glaube, das wollte der Film auch, dass man die ganze Zeit mit seinem Protagonisten mitfiebert und hofft, dass er endlich erfolgreich ist. Und eigentlich bis zum Ende auf seiner Seite steht. Es ist, fangen wir doch mit der ersten Szene an, in der Monsieur Verdoux zu sehen ist. Wir sehen keinen Mord von ihm. Wir sehen, das ist was, was sich durch den gesamten Film zieht. Wir sehen nicht, wie Monsieur Verdoux tatsächlich jemanden umbringt. Das, was einem Mord am nächsten kommt, ist, wenn wir sehen, wie er gemeinsam mit dem Polizisten, der gegen ihn ermittelt, Tee trinkt. Und wir wissen, der Polizist trinkt jetzt das Gift. Das ist das, was am ehesten eine Mordszene ist. Die erste Szene, in der wir Verdoux sehen, ist genau das Gegenteil. Wir sehen, wie er ein armes, hilfloses Lebewesen, nämlich eine Raupe, verschont und rettet. Also er ist im Garten. Wir sehen im Hintergrund den Ofen qualmen. Wir wissen, da ist eines seiner Opfer drin. Aber das ist nicht das Entscheidende. Wir sehen, wie dieser nette, elegante Mann durch den Garten schlendert und fast auf eine Raupe trifft. Und er sagt, hey, oh, sorry, little fellow. Du musst aber aufpassen, das ist gefährlich, sonst tritt noch jemand auf dich drauf. Und er nimmt dann diese Raupe ganz zärtlich und setzt sie ins Gras. Ja. Er nimmt sich tatsächlich viel Zeit, also er nimmt seinen Protagonisten auch ernst, auch er macht ihn zwischenzeitlich schon zur Witzfigur, aber er nimmt ihn trotzdem ernst und er zeigt, er nimmt sich auch viel Zeit, seine Verzweiflung zu zeigen und viel Zeit auch seine Menschlichkeit zu zeigen. Ich fand, das war eine unglaublich schöne Szene. Nachdem er nach dem ersten Mord und nach den ersten beiden Morden sehen wir ihn zum ersten Mal zu Hause bei seiner Familie und es ist vorher schon eine klare Rolle, in der er drin ist. Er ist elegant, er ist ein Charmeur, wir sehen, wie er auch noch nebenbei bei einem Hausverkauf eine Witwe umgarnt und klar ist, da ist sein nächstes Opfer auserkoren. Er tötet eine andere Frau ziemlich eiskalt, man sieht den Mord nicht. Wie gesagt, das ist das Thema. Das ist das Thema. Aber man sieht, wie er nachts in das Zimmer geht und auch mit düsterer Musik und er kommt morgens raus und er stellt das Frühstücks-Service hin und räumt dann einen Teller weg. Also das ist schon tatsächlich das Maximum an Düsternis, was der Film da rausbringt. Aber dann passiert etwas ganz Außergewöhnliches, er geht zu seiner Familie und er ist ein komplett anderer Mensch. Ich finde es so schön, wenn er plötzlich mit seiner tatsächlichen Frau interagiert und mit seinen Kindern und er ist einfach nur der liebenswerte Familienvater. Und ich hatte das Gefühl, das war ein Moment, wo Chaplin versucht hat, diese Rolle komplett nackt zu machen und zu sagen, okay, und das ist aber eigentlich der Mensch. Und davor hat er die ganze Zeit gespielt und er ist auch manchmal kalt und er ist manchmal genervt und oft charmant. Aber in diesem Moment ist er nichts von dem. Er ist auch nicht charmant, er ist auch gar nicht so melancholisch, sondern er ist irgendwie, er wirkt echt und glaubhaft. Das war eine großartige Szene, genau im richtigen Moment. Ja, auch mit dieser Musik. Und der Kamera, du kommst da rein, du wirst in ein ganz anderes Szenario geworfen. Es öffnet sich auch, die Räume sind größer, seine Frau sitzt im Garten und wartet auf ihn, sein Kind kommt ihm entgegengelaufen und du hast plötzlich so einen großen Raum. Und davor gibt es oft diese Kammerspielmomente, diese herrschaftlichen Häuser, die relativ eng sind, die auch so ein bisschen beklemmend sind, trotz ihrer Opulenz. Und allein das Setting. Von seiner tatsächlichen Familie ist viel wärmer und viel herzlicher und dann kommt er in den Garten, dann sitzt seine Frau noch im Rollstuhl, seine Frau ist krank. Das wird natürlich ganz stark in die Richtung gedrückt, er macht das ja auch, um seine Familie zu schützen. Das war ein starker Moment, es war vielleicht ein bisschen kitschig. Ja, und wie war das für dich vom Gefühl her? Hast du Chaplin gesehen in der Rolle? Weil er sieht natürlich, er sieht ja schon anders aus. Was ist die klassische Tramp-Rolle, die man von ihm kennt? Ja, es ist ganz witzig, weil also der große Diktator, wo du sagst, das ist so, der versucht sich vom Tramp zu lösen. Und der Tramp ist eigentlich als stumme Rolle angelegt. Für mich war die Figur im großen Diktator war der Tramp. Ja. Ich habe da tatsächlich wenig Unterschied gesehen zu seinen Shorts. Wobei ich die Shorts auch jetzt nicht so groß verfolgt habe. Wenn ich drüber nachdenke, was für klassische Chaplin-Komödienstücke ich gesehen habe, könnte ich nicht sagen, was was war. Und von Chaplin kenne ich, also im Gedächtnis geblieben sind mir von Chaplin vor allem die Langfilme. Ich finde es übrigens schade, dass es so etwas nicht mehr gibt. Auch wenn ich überlege, was Disney und die großen Konkurrenten Warner Brothers damals gemacht haben. Diese Mary Melodies und Silly Silly. Ja, ganz toll. Tolle Filmstücke. Und auch so toll diese Kombination aus Humor und Musik und Fantastik. Und Education, muss man sagen. Und Education teilweise. Aber das würde ich tatsächlich erstmal zur Seite kehren. Aber diese Form von kurzer Unterhaltung, im Prinzip das Äquivalent des Songs im Film. Und das ist schade, dass es das heute nicht mehr gibt. Pixar hat das ein bisschen geschafft mit ihren Kurzfilmen. Aber ich würde mir sowas viel mehr wünschen. Auch das Konzept des Vorfilms, finde ich, ist eigentlich ein ganz tolles Konzept im Kino. Und wenn ich drüber nachdenke, was so schöne Kinobesuche waren, die mich begeistert haben, unabhängig vom Hauptfilm, waren das Kinobesuche, wo ganz überraschend dann doch nochmal ein Vorfilm gezeigt wurde. Ich finde, das ist was ganz Tolles. Und es ist so ein bisschen schade, dass das gestorben ist. Und dass es mittlerweile einfach diesen Fokus auf den Langfilm gibt. Pixar hat das sehr konsequent gemacht. Also bei Pixar gab es, glaube ich, zumindest so in ihrer großen Zeit, sie sind eigentlich immer noch in ihrer großen Zeit, gab es vor jedem Hauptfilm einen kleinen Vorfilm. Deswegen gibt es auch so viele Pixar-Shorts. Ich war tatsächlich, ich muss sagen, ich habe schon lange keinen Pixar-Film mehr im Kino gesehen. Aber ich meine mich zu erinnern, die Filme, die ich im Kino gesehen habe von Pixar, die waren immer mit einem Vorfilm. Und teilweise waren die Vorfilme besser als der Hauptfilm. Das kommt ja noch dazu. Was ich gesehen habe, Netflix fängt an, Kurzfilme zu machen. Auf Netflix bloppen bei den Empfehlungen immer mal wieder Filme auf, wo man sich sieht, ah, zehn Minuten, okay. Oh mein Gott, wie cool ist das denn? Also es ist so, ich hatte jetzt, und das ist total schrecklich eigentlich, zweimal habe ich einen Film angeklickt und habe gedacht, oh, der klingt aber gut. Und dann habe ich gesehen, zehn Minuten, und dann dachte ich, nee, ich will jetzt einen langen Film gucken. Und dann habe ich den nicht geguckt, was total schade ist. Aber ich setze da so ein bisschen Hoffnung in die Streaming-Services, dass sich einfach das Konzept Film auch wieder etwas weiterdenken lässt. Dass es nicht nur um den großen zweistündigen Blockbuster geht, sondern dass auch ein Film von fünf Minuten, zehn Minuten, auch vielleicht, auch so ein Hybrid vielleicht, so 45 Minuten möglich ist. Ja, das wäre toll. Ja, natürlich. Ja, gerne, sehr, sehr gerne. Es gibt einen zentralen Moment im Film, über den ich unglaublich gerne sprechen würde. Und zwar ist der tatsächlich zentral, für mich zentral in der Geschichte und auch zentral im Film, so nach der Hälfte der Laufzeit, wenn dieser Monsieur Verdoux ein neues Gift von einem Freund bekommt und das ausprobieren will. Ja. Und sein potenzielles Opfer ist eine junge Frau, die ja durch Zufall auf der Straße aufgabelt. Ja. Es gibt keine Verbindung zwischen ihnen, es geht auch nicht um großen Betrug, es geht wirklich nur darum, dass er dieses Gift ausprobieren will. Und er entscheidet sich allerdings dagegen, dann dieses Gift auszuprobieren, weil diese Frau ihn bewegt mit ihrer Geschichte. Und dieser Frau begegt er auch noch zweimal in dem Film. Mhm. Und es ist jedes Mal so ein bisschen am Scheideweg. Also am Ende ganz konkret wird er verhaftet, nachdem er sie getroffen hat zum letzten Mal. Und dazwischen begegnet er ihr nochmal kurz, nachdem er den Polizisten umgebracht hat. Und ich fand, das waren sehr starke Szenen. Ich muss jetzt auf Wikipedia gucken, um zu schauen, von wem die gespielt wurde. Oh, das weiß ich auch nicht auswendig, leider. Es war eine sehr starke Rolle, sie hat das fantastisch gespielt und vor allem ihre Interaktion mit Chaplin war unglaublich bewegend. Weil es war natürlich auch so ein Moment, der die Menschlichkeit von ihm hervorheben sollte. Aber es war auch ein spannender Moment, weil es sein La Moyance... ...die ja den ganzen Film über andauert, etwas relativiert hat, weil er wurde mit einem Schicksal konfrontiert, das deutlich schwerer war als sein Schicksal. Ja. Er war auf sie angewiesen. Er war... Er saß im Rollstuhl wie Verdouxs Frau oder so. Irgendwie... Oh Gott, das weiß ich gar nicht mehr. Es geht darum, dass das auf jeden Fall... Es geht auf jeden Fall... Also in dem Gespräch geht es auf jeden Fall auch darum, dass sie ihn noch mehr geliebt hat, weil er auch... Weil er so schwach war. Das ist auch so ein bisschen der Frist. Also ich fand das vor allem so bewegend, wie er dann den Wein wegnimmt. Es gibt einfach diese Stelle, sie hat... Es ist eigentlich alles schon hingestellt, um sie zu töten. Und sie hat den vergifteten Wein vor sich stehen. Und dann reden sie und sie reden und sie erzählen und sie erzählen. Man sieht, wie Verdu bewegt wird von ihrer Geschichte. Und dann sagt er schließlich, da ist Kork im Wein oder so und stellt das Glas weg. Und so ein sehr schneller Moment. Es passiert dann so sehr schnell. Ich gebe ihm ein anderes Glas. Aber es ist so, gerade nach dieser sehr langen, emotionalen Szene, dann diese schnelle Entscheidung. Ich werde diese Frau nicht umbringen. Ich fand es auch großartig. Eine wunderschöne Szene. Sie ist genau nach einer Stunde Laufzeit. Ich habe nochmal geguckt heute Morgen. Sie steht wirklich direkt im Zentrum des Films. Toll. Und sie ist auch für mich so ein bisschen der Moment von Stimmungswechsel. Danach kommt nämlich eine sehr lange, sehr komische Frage. Also komisch im Sinne von lustig. Wo ich das Gefühl hatte am Anfang, in der ersten Stunde geht es wirklich darum, diesen Monsieur Verdu kennenzulernen und auch zu sehen, wie er erfolgreich ist mit mehreren Morden. Ich glaube, drei Frauen sind es letzten Endes, die er in der ersten Hälfte des Filmes umbringt. Und dann kommt nach diesem emotionalen Moment, tötet er den Polizisten, der ihm auf der Spur ist. Marilyn Nash heißt übrigens die Schauspielerin, die das Mädchen spielt. Die keinen Namen hat. Einfach nur The Girl, wenn ich das richtig sehe bei Wikipedia. Okay. Genau, aber Annabelle. Fantastisch. Ganz, ganz tolle Frau anscheinend. Und dann geht es ja wirklich Schlag auf Schlag. Er versucht, sie umzubringen und er scheitert jedes Mal. Er versucht, sie zu vergiften. Er versucht, sie zu ertränken. Es funktioniert alles nicht. Und er ist mehr und mehr genäht. Er ist mehr und mehr genervt von ihr. Und es ist so ein fantastisches Zusammenspiel. Seine Genervtheit, ihre Garstigkeit und diese misslungenen Morde. Total. Und dann auch nachher, dann gibt es noch diese Szene, wo sie zusammen aufhören. Auf dem Boot sind, wo sie rausfahren. Wo sie dann irgendwie am Ende, sie fallen beide ins Wasser, er fällt ins Wasser. Er fällt am Ende ins Wasser. In dieser Rolle ist er sowieso so schön. Ich finde auch, er ist da ein bisschen, also er versucht, er versucht tatsächlich mehr den Käpt'n zu spielen. Er ist strenger, er ist nicht so charmant wie in den anderen Rollen, die er spielt. Er ist genau strenger und er kommandiert seine Frau auch ein bisschen rum. Und äh. Dadurch kommt es auch zu schönen, zu schönen Kämpfen zwischen den beiden, weil beide irgendwie so ihren Status ausspielen wollen. Und beide eigentlich so sich ihres Status sehr bewusst sind und miteinander dadurch ständig so ein bisschen im Klinsch sind. Lydia ist auch die, die ihm nicht so wirklich vertraut, ne? Genau. Das ist auch ganz spannend, diese Szene, wo sie drüber reden. Und sie sagt ihm sogar einmal so ganz offensiv, naja, ich, ähm, trau dir nicht so ganz. Aha. Es ist groß, also fantastisch. Und das Ganze mündet, diese Annabelle-Geschichte mündet dann ja in wirklich eine großartige Slapstick-Nummer, als er, äh, es endlich geschafft hat, diese Witwe von ganz am Anfang zu überzeugen, ihn zu heiraten. Und dann ist diese Hochzeit. Und dann, äh, taucht da diese Annabelle auf. Ähm, großartig. Und er ist, und er muss sich natürlich verstecken, weil es ist jetzt so, plötzlich ist er in diesem Rollenkonflikt. Er heiratet gerade eine andere Frau. Und dann, und dann steht diese Annabelle und auch so sehr, ähm, exponiert und sie redet laut und, und, und lacht laut. Genau, das Lachen. Und, und das ist wirklich, und das fand ich war Chaplin in Reinkultur. Und das war, das zieht sich durch die Zeit. Die zweite Hälfte des Films, wirklich permanent. Der zweite, die zweite Hälfte des Films ist sehr lange eine reine Comedy-Nummer. Eine Abfolge von tollen, großartigen Comedy-Stücken. Der Comedy of Murders, nicht umsonst. Genau. Ist das Untertitel des Films. Ja. Aber, äh, fantastisch. Also ich hatte, ich hatte, ich, die zweite Hälfte des Films vor allem, es war dann auch, es kam dann auch tatsächlich unerwartet, weil ich dachte, in dieser, in diesem zentralen Moment, wo er sich dagegen entscheidet, das Mädchen umzubringen. Oh, jetzt ist es aber so sehr schwer. Sehr, auch sehr melancholisch, sehr sentimental, bis zum Kitsch. Und dann kommt einfach nur diese Abfolge von humoristischen Szenen. Und dann gibt es diesen harten Cut. Er ist auch so kalt in diesem Moment, das ist auch, ich finde, das war auch für mich vor allem eine kalte Szene, wenn er, also wie gesagt, das ist das, was dem Mord am nächsten kommt und das war auch wirklich eine grausame Szene und ich finde es gut, dass du Hitchcock sagst, weil das war natürlich total Suspense, wir wissen, sie ist das Opfer, wir wissen viel mehr als sie weiß, wir sehen, es wird jetzt ein Mord geschehen, wir können nichts dagegen tun. Ich glaube auch dramatisch, wenn man, wenn man, ähm, in dem Moment verliert natürlich der Charakter zu seiner Unschuld, obwohl er auch vorher schon umgebracht hat, ist das der Moment, wo der Charakter, Monsieur Verdoux, wirklich seine Unschuld verliert, weil wir sehen ihn eiskalt. Ja. Wir sehen ihn nicht morden, aber wir sehen, wie kalt er und wie präzise er vorgeht und es ist klar, was er da macht und warum er es macht. Mhm. Und das wird einfach innerhalb von fünf Minuten mit einer kalten Strenge erzählt. Okay. Okay, ich habe auch noch Notizen. Ja, ich wollte auch gerade kurz was nachgucken, weil du gesagt hast, er erreicht fast Hitchcock-Dimensionen, das ist ganz witzig, weil es ist, also Hitchcock war damals schon ein großer Filmmacher. Ja. Ähm, aber wenn ich mich richtig erinnere, wenn ich, müssen wir das unbedingt rausschneiden, dann sind das nämlich falsche Informationen, wenn ich mich richtig erinnere, war das in der Zeit, bevor Hitchcock diesen unheimlichen Thriller für sich entdeckt hat. Hat auch dramatische und auch spannende Filme gemacht, aber, ähm, ähm, diese, diese Art der Suspense, würde ich behaupten, ist eher im Hitchcock-Film zehn Jahre später zu finden. Also, Psycho ist von 1960. Ja. Jetzt mal ganz kurz schauen. 1947. Ja, Cocktail für eine Leiche war 1948. Oh. Ja, ne? Also, Cocktail für eine Leiche ist Hitchcocks Entwurf einer, einer Mörder-Comedy. Hm. Der Fremde im Zug war 1951. Das sind für mich die Filme, die dieses Suspense-Motiv haben. Bei Anruf Mord war 1954. Okay. Das Fenster... Das Fenster zum Hof, 1954. Mhm. Also, Verdoux hat das durchaus gepredated. Bäh. Schreckliches Wort. Okay, äh, wir müssen übers Ende reden. Wir müssen übers Ende reden. Es, ähm, ich hatte nach, nach dem, nach der Freude über den Slapstick gesagt, dann kommt ein sehr harter Cut. Ja. Und dann, dann kommen wir ja auch ganz schnell zum Ende. Ja. Und zwar tatsächlich, wo ich fand, wo die Stimmung wieder komplett aufgebrochen wurde, weil es dann im Zeitraffer einmal gezeigt wird, ähm, jetzt kommt der Faschismus, jetzt kommen die Krisen. Mhm. Und jetzt geht's bergab. Und, genau, und dann gibt's dieses Wiedersehen mit der jungen Frau. Das war für mich eine ganz interessante Frage, die ich dir stellen wollte. Ja? Der Ärger, den, den, den Chaplin hatte mit den USA, mit der US-Regierung, mit Hoover, mit dem FBI, war der Film... Die Ursache dafür, die Hauptursache dafür, einfach ein Mitgrund oder eine Reaktion da drauf? Weil er erschießt dann ja auch ganz doll gegen die USA in seinem Schlussmonolog vor Gericht. Das tut er. Es haben, es hat ja damals viele erwischt. Also viele, viele Leute aus der kulturellen Hollywood-Elite. Ja. Also, ähm, wenn mir mal als, als, als größtes Beispiel einfällt, ist Dalton Trump. Rambo, der, ähm, dem auch böse mitgespielt wurde von, von Hoover und vom FBI. Das ist ganz spannend, dass es, ja, dass, dass es ausgerechnet Chaplin erwischt hat. Das ist, der, der, der große Diktator, das war ja auch nicht, das war ja auch nicht frei von Kontroversen. Das war ja noch in der Zeit, als er den Film veröffentlicht hat, als die USA wirklich kein großes Interesse hatten, in den Krieg zu ziehen und vor allem in dem, im Zeitalter, in dem die USA die Sowjetunion als die größere Bedrohung angesehen hat, als Hitler. Ja. Und in der mal, in dem man, in der Sowjetunion war. Und sogar teilweise drüber geredet wurde, dass Hitler ein potenzieller Verbündeter sein könnte gegen, gegen den Kommunismus. Und, äh, der große Diktator wurde ja in vielen Kinos nicht gezeigt, einfach auch, weil die Kinos gesagt haben, hey, bei uns leben zu viele Deutsche und, äh, wollen wir Wer wär du, der Schlussmonolog, auch ein bisschen ein Vehikel, um das, was er im großen Diktator sehr spezifisch auf Deutschland und den europäischen Faschismus bezogen hat, zu universalisieren? Das Gefühl hatte ich nämlich, dass es, dass, ähm. Er ist dann vor Gericht wegen seiner Morde und er hält ein Schlussblätterje und in diesem Schlussblätterje sagt er nochmal, hey, guckt mal, was ich gemacht habe und guckt mal, was der industrielle Komplex, würde man heute wahrscheinlich sagen, der rüstungsindustrielle Komplex alles getan hat. Und ich fand es krass, weil es zum einen natürlich fast wie eine Wiederholung des Schlussmonologs aus Der große Diktator um die Ecke kommt. Du hast das Gefühl, wow, machst du das gerade wirklich nochmal? Nach einer Mördergeschichte machst du nochmal so einen Schlussmonolog, so einen pazifistischen? Also ich war auch irritiert zuerst. Okay, aber er ist nicht so ausgeufert wie beim großen Diktator. Er ist nicht so ausgeufert, aber er hat denselben Pathos, dieselbe Dringlichkeit. Ja. Und dann fand ich es wirklich krass, dass er tatsächlich, dass es eben, dass sein Ziel ganz eindeutig Amerika ist. Es geht einfach um die Rüstung, um die Kriegspolitik Amerikas und das war schon so, wow, okay, das ist mutig, Guts brauchst du dafür, um das so zu machen. Bevor er sagt, one murder makes a villain, millions a hero, sagt er, war's conflict, it's all business. Also es ist schon krass, tatsächlich eine krasse politische Aussage. Es ist im Prinzip den Pazifismus der Nachkriegszeit eigentlich antizipiert, das was später in den 50er, in den späten 50ern... In den 50er Jahren, in den frühen 60er Jahren sich langsam entwickelt hat als Hippie-Bewegung. Das antizipiert er damit ja schon fast. Also auch so diese ganz klare Stoßrichtung gegen die industrielle und wirtschaftliche Seite des Krieges. Das ist vielleicht ein bisschen viel gesagt, aber ja. Es ist auf jeden Fall... Ich glaube, ich muss nochmal was Kontroverses sagen. Ich weiß nicht, ob für mich der Schlussmonolog funktioniert. Ich glaube, dieses Bläddoyer ist... Nein! Fehlernplatze. Zumindest aus dem... Und des Protagonisten. Ich finde es ein bisschen forciert, also grundsätzlich diese politische Botschaft am Schluss noch da mit reinzupacken, weil die wirklich so für mich auf den letzten Drücker gekommen ist. So in letzter Minute nochmal so, zack, jetzt kommt nochmal meine politische Botschaft, vergleicht meine Mordserie mit der Mordserie des Militärs. Und ich hätte es spannender gefunden, wenn sie den Verdu-Charakter am Ende... ...geschlagen hätten lassen. Wenn Chaplin gesagt hätte, okay, der Verdu-Charakter hat jetzt alles verloren, er ist jetzt irgendwie am Ende, er ist jetzt irgendwie geschlagen und er geht ohne große Rede geht er jetzt in den Tod. Ich fand es auch, es gibt dann ja noch diese Szene, die für mich ähnlich problematisch ist, dass er dann sagt, dass noch einmal so seine Unschuld betont werden muss, wenn ihm eine Zigarette und ein Rum angeboten werden. Und dann sagt er, ich trinke nicht. Ich rauche nicht. Nee, lass das mal alles weg. Und dann sagt er, Moment, wisst ihr was, ich habe noch nie in meinem Leben Rum getrunken. Ich trinke noch ein Glas Rum. Und dann ist, da wird noch einmal so voll drauf gehauen. Hey, guckt mal, wie naiv, wie unschuldig und wie liebenswert dieser Typ ist. Ja. Ich hätte es spannender gefunden, wenn dieses Ende getragener und tragischer geblieben wäre. Nicht nochmal so, nicht nochmal durch die politische Botschaft aufgebrochen und nicht nochmal durch diese letzte Betonung. Der Naivität des Protagonisten aufgebrochen. Nein, das war glaube ich nicht fürs Publikum. Das war für Chaplin. Das hatte Chaplin. Für sich und für seinen Seelenfrieden gemacht. Ja, okay. Und er hat damit auch ein bisschen den Schluss vom großen Diktator wiederholt. Na gut. Können wir einmal ganz kurz nochmal auf das Drehbuch zurück zu sprechen kommen? Ja, ja. Vielleicht hast du da noch mehr Hintergrundinformationen, weil ich habe dann plötzlich den Namen Orson Welles gelesen. Ja, genau. Und dachte so, wow, es sieht so ein bisschen aus, als hätte Orson Welles eine wirklich makabere, schöne, düstere, Welles-klassische Thriller-Geschichte im Kopf gehabt. Und dann hat Chaplin das Boot geändert. Hat Welles von Bord gestoßen und hat daraus eine... Merkwürdige Mixtur aus schwarzer Komödie, Tramp, Tragikomödie und charmantem Serienklafffilm gemacht. Aber vielleicht irre ich mich auch. Ich bin nicht der größte Orson Welles Kenner, aber ich habe... Das, was ich von Orson Welles gesehen habe... Ich habe nicht... Nein, in diesem Film ist nicht mehr viel von Orson Welles übrig. Nein. Ich habe nichts in diesem Film an Orson Welles erinnert. Es gab keine Szene, wo ich dachte, ah, das ist doch die Handschrift von Welles. Zumindest narrativ, wenn... Ah, interessant. Es gibt viele Wortspiele in diesem Film. Ich kann mir vorstellen, dass es einige Stellen gibt, die schwierig sind zu übersetzen. Zum Beispiel, wenn er sich als der Kapitän... In seiner Rolle als Kapitän trifft er eine Frau, die er... Ah, ich glaube, die Witwe sogar. Die er vorher als jemand anderes das Haus verkauft hat und stellt sich dann vor als Bonheur. Und dann sagt die... Also sie... Ja, genau. Und dann korrigiert er sich, um ihr zu sagen, dass sie eigentlich nur einen guten Tag wünschen wollte, weil der Kapitän heißt Bonheur. Und es gab einige von diesen Wortspielen. Ich kann mir vorstellen, dass es das schwierig macht, den Film ins Deutsche zu übertragen. Aber ja, interessant. Hast du eine DVD auf Deutsch? Nee, leider nicht. Würde mich interessieren. Also gerade bei diesen alten Filmen. Finde ich es immer ganz spannend, weil mittlerweile gibt es so bei der Synchronisation ins Deutsche mehr Bemühen, näher am Original zu sein. Und damals wurde noch viel freier übersetzt und synchronisiert und auch teilweise wirklich Inhalt verstellt und Dialoge wurden komplett abgeändert. Teilweise aus künstlerischen Motiven, teilweise aus politischen Motiven. Ich glaube, teilweise einfach aus Laziness. Nein, nicht aus Laziness. Wenn ich an alte Synchronisationen denke, dann denke ich an sowas wie die Bud Spencer und Terrence Hill-Filme, wo sie teilweise aus düsteren Spaghetti-Western lustige Komödien gemacht haben. Und es ist übrigens immer wieder ein Erlebnis. Ich finde es toll, dass Filme, die man als Kind oder Jugendlicher in Deutsch geguckt hat, jetzt im englischen O-Ton zu gucken. Zum Beispiel sowas wie Bill & Ted's Excellent Adventure, Bill & Ted's Verrückte Reise in die Vergangenheit oder Verrückte Reise durch die Zeit. Wo so Sachen wie Rock on, Dude übersetzt wurde in volle Kanahoshi. Und es ist toll zu sehen, wie kreativ damals bei den Synchronisationen vorgegangen wurde, um Begriffe zu finden, die irgendwie das ausdrücken, was das englische Original ausgedrückt hat. Ja. Und dieses here is looking at you, kid ist ja auch genauso ikonisch im englischen Raum. Ja, genau. Ich finde es schön, dass sie es wenigstens geschafft haben, so dass dieses nette, erniedrigende, unterwerfende, das Frauen damals entgegengebracht wurde, mit dem Kid in das Kleines zu übersetzen. Das ist eine gelungene Übersetzung. Ach ja, die 50er Jahre. Tja. Casablanca, wann ist die 50er? 42. 42? Casablanca? Ja, Casablanca wurde noch während des Krieges getreten. Wow. Tatsächlich einer meiner liebsten Filme der Epoche. Ja. Und nicht wegen der Liebesgeschichte. Nein, um Gottes Willen. Alles drumherum ist fantastisch, die Liebesgeschichte ist nett. Ja, aber die Liebesgeschichte gehört schon rein. Gehört rein, definitiv. Die gehört auf jeden Fall rein. Klar, das ist die Story. Ja. Aber wenn die, wenn in dieser französischen Bar die Franzosen, die unter Besatzung leben, dann die französische Nationalhymne anstimmen, um die Deutschen zu übersehen und alle feiern mit und alle jubeln, ist es, oh, Gänsehaut. Das ist einfach großartig. Ja. Sehr gut. Dann machen wir jetzt eine kurze Pause und danach geht es weiter mit einem Film, der deutlich jünger ist. Ja, deutlich jünger. Und doch etwas anders als Monsieur Verdoux. Klimax von Gaspar Noé. Bis gleich. Bis gleich. Ich glaube, ich muss mit einer Entschuldigung starten. Danke. Tut mir leid, Johannes, dass ich dir schon wieder einen solchen Film zugemutet habe. Ich bin sehr stolz auf dich, dass du das durchgestanden hast. Das weißt du gar nicht. Vielleicht habe ich abgebrochen nach einer Stunde. Ja, das kommt auch jetzt gleich in meiner Einleitung schon zu Wort, dass man den Film hier durchaus abbrechen kann. Okay. Aber fangen wir an. Klimax aus dem Jahr 2018 ist der jüngste Film von Gaspar Noé. Einem der großen Filmmacher der New French Extremity. Ein Begriff, auf den wir bestimmt auch nochmal zu sprechen kommen. Und er handelt grob gesagt von der eskalierenden Party einer französischen Tanzgruppe, die sich peu à peu vom hedonistischen Rausch in Plankenhorror entwickelt. Und wie schon gesagt, eigentlich meint es der Film gut mit dem Publikum. Er gibt nämlich schon nach wenigen Minuten die Möglichkeit zur Flucht. Kaum haben wir beigewohnt, wie eine junge Frau halb lachend, halb weinend in den Schnee gefallen ist, rollen auch schon die Endcredits. Inklusive Hinweis darauf, dass diese Geschichte auf realen Ereignissen basiert. Wir können jetzt aufstehen, den Kinosaal verlassen, beziehungsweise Netflix schließen und alles wäre gut. Diese Möglichkeit zur Flucht wird es nach ungefähr einer Dreiviertelstunde noch einmal geben. Wieder die Liste der Beteiligten, eine Verbeugung vor dem Soundtrack, Endcredits, Black. Wer danach immer noch sitzen bleibt, der hat es wohl nicht anders verdient. Und damit zu dir, Johannes. Das ist ja so. Eine tolle Liste von Filmen, von denen Leute behaupten, sie gesehen zu haben, ohne sie gesehen zu haben. Und es gibt wirklich so eine Top Ten. Also es gab wohl so eine Studie, eine Umfrage und dann wurde das geguckt. Und dann haben dann bei der Umfrage Gott sei Dank erstaunlich viele Leute zugegeben, dass sie Film XY nicht gesehen haben, aber ständig behaupten, das getan zu haben. Auf Platz 1 war Der Pate. Ich finde ihn auch sehenswert. Ich habe ihn gesehen, wirklich. Habe ich ihn gesehen? Ja, ja, ich habe es auch gesehen. Aber das war so ungefähr die Art von Filme. Also diese großen Klassiker, wo die Leute behaupten, ihn gesehen zu haben. Okay. Einfach, weil es zu peinlich ist, dass man ihn nicht gesehen hat. Bei Climax, Climax ist nicht so ein Film. Climax ist ja jetzt kein großer Film. Der hat auch, glaube ich, keinen großen Eindruck hinterlassen. Und auf jeden Fall nicht so einen großen Eindruck wie frühere Filme von Gaspar Noé. Und er ist tatsächlich, auch wenn man ihn mit anderen Filmen dieses Filmemachers vergleicht, harmloser. Allerdings ist er alles andere als harmlos. Das ist spannend, weil ich fand den Film jetzt auch beim zweiten Schauen, fand ich war der Film wieder wie beim ersten Mal schon eine ziemliche Qual. Ich habe in meiner Rezension, die ich damals zu dem Film geschrieben habe, als ich geschaut habe zum ersten Mal, das war vor einem halben Jahr. Nee, vor anderthalb Jahren. Im Sommer 2019 habe ich geschrieben als Schlusswort, um das einmal vorzulesen. Was bleibt, ist die Erinnerung an hypnotische Beats, wilde, zuckende Körper, unfassbares Leid und einen wieder einmal wahnsinnig starken Film von Gaspar Noé, dem man für jede Sekunde dankbar ist, den man nun aber wirklich nicht ein zweites Mal sehen will. Und jetzt, als ich ihn zum zweiten Mal geguckt habe, in Vorbereitung von unserem Gespräch, konnte ich das auch nur wieder unterschreiben, weil der Film ist unfassbar. Es war anstrengend, gerade so im letzten Drittel. Und innervierend und auch wirklich brutal, nicht nur zu seinen Protagonisten und Protagonistinnen, sondern auch brutal zu seinem Publikum. Ich finde es ganz spannend, dass du jetzt sagst, du bist nicht reingekommen und er hat bei dir emotional auch nicht so ein Gefühl von Beklemmung oder Angst oder Leid ausgelöst. Ich war irgendwann einfach genervt. Finde ich toll. Er ist ja sehr streng strukturiert und gleichzeitig sehr ungewöhnlich, weil er hat am Anfang diese Schlussszene, was durchaus öfter vorkommt im Horrorfilm, im Storyline, in ganz vielen Genres, diese Antizipation des tragischen Endes. Und dann ist er aber auch einfach wirklich knallhart und sagt, oh, okay, der Film ist jetzt fertig, Endcredits. Und dann kommt dieser relativ kurze Part, der eben einfach doch ziemlich lang vorkommt, wo die Clips gezeigt werden von den einzelnen Tänzern und Tänzerinnen, wie die befragt werden. Am Anfang. Was sie sich vorstellen, was für eine Karriere sie machen wollen. Und es ist etwas sehr, sehr Dokumentarisches. Man sieht diesen klassischen 4 zu 3 Fernseher und man sieht die Protagonistinnen. Wie sie reden und wie sie interviewt werden. Und zwar geht es um ein Engagement in einer Tanzgruppe, die versuchen will, auch international erfolgreich zu sein. Und sie werden gefragt, ob sie sich das vorstellen können und ob sie das auf sich nehmen wollen, ob sie das schaffen mit langen Trainingseinheiten. Und es ist sehr dokumentarisch. Diese Dialoge wirken teilweise improvisiert. Man merkt es ihnen leider an. Es sind tatsächlich Tänzerinnen und Tänzer. Also Gaspar Noé hat sehr bewusst nicht Schauspieler, keine klassischen Schauspieler gecastet, sondern er hat Leute von der Straße aufgelesen. Klingt jetzt ein bisschen krass. Wahrscheinlich hat er das nicht so gemacht. Also er wird schon geguckt haben, wer auch gut spielen kann. Ich fand, die Schauspielleistung gehört nicht zu den großen Stärken des Films. Für mich gehört die Schauspielleistung zum Hinkefuß der ganzen Zeit. Oh, okay. Das ist halt das Problem. Ah, ich fand, ja. Es gibt diese Momente, gerade wo man merkt, jetzt soll die Geschichte erzählt werden und jetzt soll tatsächlich was auf einer narrativen Ebene geschehen. Zum Beispiel, wenn die Beziehung zwischen den Geschwistern ausgelotet wird, wenn sie miteinander und übereinander reden. Da merkt man es. Aber gerade in diesen Improvisationen, wo die Leute einfach nur so aus dem Stehgreif reden, fand ich, hat das sehr gut funktioniert. Und für mich hat das komplementarische Moment am Anfang, voll eingeschlagen und hat mir wirklich geholfen, die einzelnen Charaktere zu verstehen und auch Sympathie oder auch Antipathie zu empfinden. Weil sie wissen nicht, was später passiert. Es ist auch ein Teil davon, definitiv. Es ist auch ein Teil von dem Konzept, dass es diese Redundanz gibt. Und dass es auch diese narrative Trägheit gibt. So könnte man es vielleicht nennen. Was ich ganz spannend finde, ist in dieser Szene, was am Rande passiert. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Das Ganze ist nämlich schön kadriert in einem tatsächlichen TV-Screen. Und rechts und links hat Gaspar Noé links Bücher und rechts Filme gestapelt. Und rechts und links hat Gaspar Noé Bücher. Als wolle er uns sagen, hey, passt auf, Leute. Und guckt schon mal so ein bisschen auf die Einflüsse. Als wollte er schon mal so ein bisschen warnen, was in dem Film auf uns zukommt. Aber wenn ich jetzt schon abschweife Ich kann mal einmal kurz auflisten. Also wie gesagt, wir haben links Bücher stehen. Und zwar erstaunlich viel zum Thema Filmgeschichte. Also unter anderem eine Biografie von Fritz Lang und eine Biografie von Murnau. Und ein Buch über Taxi Driver, offensichtlich. Aber dann daneben auch zum Beispiel Friedrich Nietzsche. Freuds Psychopathologie des Alltagslebens. Was so eine weitere Auskundschaftung des Unterbewussten von Freud war. Ein Buch von oder über Louis Buñuel. Kafka ist die Verwandlung. Eine Biografie von Patty Hears. Das muss ich auch googeln. Die wurde damals in Amerika von einer linksradikalen Gruppe entführt. Und wurde dann aber Teil dieser Gruppe. Und wurde später als Terroristin verurteilt. Und hat vor Gericht angegeben, dass sie unter Drogen gesetzt worden wäre. Um diese Taten zu begehen. Ein Buch von Bakunin, dem berühmten Anarchisten. Und ein Buch über einen Künstler für erotische Fotografie Anfang des 20. Jahrhunderts. Es ist eine wilde Mischung. Man guckt da drauf. Ich habe jetzt einmal auch pausiert, um nochmal genau zu gucken. Und das sind die französischen Titel. Ich musste dann auch jedes Mal googeln. Okay, was ist das überhaupt für ein Buch? Und dann, ah, okay, wir haben das hier. Mit dem und dem zu tun. Es ist eine wilde Mischung. Aber sie zeigt, ich finde, sie gibt schon einen ganz guten Einblick darin, wie Noé tickt. Und wie auch der Film tickt. Es ist eklektisch. Es ist wild. Und es ist so eine Mischung aus Psychopathologie, Horror und Anarchie, Drogen. Und die Filme, die er rechts auffährt, die sind auch primär aus dem Horrorbereich tatsächlich. Also er hat das Suspiria-Liegen. Den Giallo-Klassiker von Dario Acento. Dann Zombie, der zweite Film aus der Living-Dead-Reihe von George R.R. Murrow. Und unter anderem dann noch Possession, so einen großartigen, surrealistischen Mystery-Film Anfang der 90er oder Ende der 80er. Also was er hinkriegt damit, Ja, definitiv. Ich mochte diesen Kontrast zwischen den relativ harmlosen Interviews, wo es wirklich einfach auch um Tänzerinnen und Tänzer geht und ihre Leidenschaften. Und das, was sie sich vorstellen und was sie sich wünschen. Und diesem fast schon apokalyptischen Reigen links und rechts. Weil natürlich, wenn man dann liest, Nietzsche, Bonoel und Kafka, dann fliegen natürlich auch Bilder durch den eigenen Kopf. Es gibt so eine apokalyptische Erwartungshaltung auch irgendwie. Und das ist auf jeden Fall offensichtlich die Moderne, die es Noé da angetan hat. Es ist ganz stark Kunst, und Wissenschaft und Philosophie der Moderne. Eines Zeitalters, das vor 100 Jahren war, das eigentlich vorbei ist. Die ja hier in diesem Film, der von zeitgenössischem Tanz unserer Zeit handelt. Und dann sind die Interviews vorbei und wir sehen die Tanzprobe und das anschließende Feiern. Ja. ich hatte überhaupt nicht das Bedürfnis, mich zeitig verorten zu lassen während dieses Films. Also natürlich war da diese 80er Reminiscenz mit dem Fernseher. Aber spätestens, als dann die eigentliche Handlung begonnen hat, die ja mit diesem, mit dieser choreografierten Performance anfängt, fand ich, war der Film ziemlich zeitlos. Es war auch dieser Tanz, dafür bin ich vielleicht auch zu wenig, bin ich zu wenig drin in der Tanzgeschichte. Für mich hatte der Tanz jetzt nicht so, ah, das ist 90er, das ist Anfang 90er. Für mich hat er nicht das Gefühl erweckt, so, oh, ich würde mir eigentlich einen Tanz wünschen, der mehr in den 80ern stattfindet oder der mehr heute stattfindet. Es war einfach, es hatte so eine Zeitlosigkeit, einfach weil dann die Energie im Vordergrund stand. Es war einfach, es ging, das, was dann plötzlich im Zentrum des Films stand, war einfach die Bewegung. Und dafür war mir der Anfang zu referiert, Anfang der 90er, ganz klar, Zu festgelegt auf die 80er, verstehe ich. Du hast dir dann auch gewünscht, irgendwie eine klare Zeit zu haben, einen klaren Rahmen zu haben. Ja, wenn er schon so anfängt, dann wäre das gut gewesen. Das hat sich bei mir komplett aufgelöst. Also ich hatte den Tanz und die Atmosphäre auch tendenziell eher Ende der 90er verortet. Ja. Benoit Bibi. Ja. Es gibt ja auch einfach viele klare Handlungsmomente. Es gibt ja auch Charaktere, die klar definiert sind. Wir haben zum Beispiel diesen nymphomanischen Typen, den fand ich total spannend, der die ganze Zeit rumläuft und das ist eigentlich klar, er will irgendwas flachlegen, egal ob Frau oder Mann, egal ob jung oder alt, ist es vollkommen egal. Und er baggert sich ja quasi durch diese Umgebung. Und die Kamera folgt ihm auch ziemlich lange. Er ist eigentlich sogar der Erste, der so stark im Fokus steht, wie er da rumläuft. Und versucht irgendwo einen Stich zu landen. Und dann gibt es, wie schon gesagt, das Geschwisterpaar, wo es ganz offensichtlich eine sehr dominante Beziehung zwischen Bruder und Schwester gibt. Und die Schwester sich versucht, davon irgendwie zu befreien. Also es wurden, man könnte jetzt, wenn man böse wäre, könnte man sagen, Stereotypen, ich würde sagen, fast schon Archetypen wurden da einfach entworfen von Leuten, die in Beziehungen zueinander stehen. Und da wurden die Charaktere stark genug herausgearbeitet, und natürlich, klar, das waren wahrscheinlich viele Takes und wahrscheinlich hast du unglaublich viel Material von diesem Film, das nicht verwendet wurde, nicht verwendet werden konnte. Und dann irgendwann wurde auch alles ein bisschen mechanischer. Aber ich habe mich aus dieser Bewegung nie rausgerissen gefühlt. Und das liegt eben auch daran, dass wirklich alles in Bewegung ist. Die Kamera ist in Bewegung, die Leute sind in Bewegung. Die Kamera ehrt, wie die Person ehrt, die Kamera durch die Räume versucht, Eindrücke aufzufangen. Das ist langweilig auch manchmal. Verschwindet einfach, lauscht kurz in Gesprächen. Man merkt so, die Kamera denkt, ach, das ist es überhaupt nicht wert. Lass uns weitergehen. Und das ist eine Form der Kamera, die wir bei dem Kameramann Benoit Deby sehr oft sehen. Und der hat auch schon öfter mit Gaspar Noé zusammengearbeitet. Und das ist auch so ein markantes Merkmal von dessen Filmen, dass alles in Bewegung ist, alles pulsiert und die Kamera in Bewegung ist. Und das funktioniert natürlich unglaublich gut bei einem Tanzfilm, der von Bewegung handelt. In dem Film geht es vor allem um Bewegung. Die Kamera tanzt ja mit dem Schauspieler im Grunde. Die Kamera tanzt mit den Schauspielern oder bewegt sich mit den Schauspielern, weil irgendwann ist ja auch der Moment, wo von Tanz nicht mehr viel übrig ist, wo du das Gefühl hast, dass es sich nur noch um zuckende, sich merkwürdig bewegende Körper handelt. Es ist nicht das Thema Tanz. Es ist das Thema Bewegung. Tanz eignet sich natürlich, um das Thema Bewegung, menschliche Bewegung auszudrücken. Das Gegeneinander, das Miteinander. Gerade am Schluss, wenn die Party eskaliert, die Gewalt, die ausbricht, sowohl die sexuelle Gewalt, die physische Gewalt, finde ich sehr viel von einem Tanz auch. Es gibt immer diese Tanzmomente, wenn sie sich gegenseitig anzünden und wenn sie sich gegenseitig rumschubsen und versuchen herauszufinden, wer die Drogen in das, in die Sankria gemischt hat. Aber genau dazu passt es doch. Es war doch ein unglaublich körperlicher Film. Es geht doch um Körper. Es geht um Körper, die berauscht werden, um Körper, die zerstört werden, um Körper, die umherirren und sich bewegen. Und tatsächlich verlieren die Charaktere in dem Film ja auch ab einem gewissen Punkt, der Eskalation, verlieren sie ja ihre Individualität und sind wirklich einfach nur noch Körper, die sich durch ein albtraumhaftes Geschehen bewegen. Davor schon. Davor sind sie Körper, die sich durch ein rauschhaftes, traumhaftes Geschehen bewegen. Also dieser dritte Teil des Films quasi, nach den Tapes, ist ja erst mal Leute feiern, Leute tanzen und Leute bewegen sich von einem Raum zum anderen, unterhalten sich manchmal ein bisschen. Aber irgendwie verlieren sie ihre, verlieren sie ihre persönlichen, persönlichen Charaktermerkmale und werden einfach auch zu reinen Körpern, die sich irgendwie von A nach B bewegen, deren Motivationen auch so sich auflösen. Und es geht eigentlich nur noch um Rausch und nur noch um Genuss. Und das kulminiert dann ja in dieser krassen Tanzszene, wo die Kamera von oben drauf fällt. Was wäre eine passende Choreografie gewesen? Also was ganz viel, Ich glaube, du hast, ich sehe, was du erwartet hast. Du hast eine Choreografie, einen Tanz erwartet, der als ästhetisches Stilmittel für das Publikum umgesetzt wird. Aber sie tanzen ja, in diesem Setup tanzen sie ja nicht mehr für ein Publikum, sondern sie tanzen ja für sich. Ist schon richtig. Und es ist ja wirklich diese persönliche Bewegung innerhalb dieser Gruppe, dass sie einfach nur noch da zusammenstehen und komplett frei von jeder Choreografie sich bewegen wollen. Natürlich benutzen sie ihre Elemente, die sie kennen und sie benutzen das, was sie gelernt haben. Aber sie tanzen ja nicht mehr für einen außerhalb, sondern sie tanzen in diesem Innerhalb, für sich. Und die Kamera ist eher der Voyeur, der drauf blickt von oben. Auch mit diesem auktorialen, fast schon göttlichen Blick, so was passiert da, wie bewegt sich diese Gruppe. Und ohne dass viel passiert, es ist ja quasi das große Finale. Kurz darauf sehen wir einmal die Einblendung, was für Musik gespielt wurde. Die ist sich einmal verbeugt vor der gesamten Musik und dann kommen nochmal Credits und dann ist der Film vorbei. Quasi. Naja, dann kommt der nächste Teil. Dann kommt der nächste Teil. Aber ich habe das als so finalen, ekstatischen Moment gelesen. Der letzte Moment, bevor die Kacke so richtig am Dampfen ist. Bevor das Höllenfeuer losbricht. Ich glaube, ich bin zu sehr Ästhet dafür. Du lenkst gerade den Fokus so sehr auf das Choreografierte und das Arrangierte. Ja. Ich sehe da so sehr den Rausch im Mittelpunkt. Und das ist ihm gelungen. Diese Bewegung, dieses Rauschhafte, dieses, dieses, ähm, extatische und auch eskapistische. Und wie das schließlich pervertiert wird und wie das schließlich eskaliert. Und das hat funktioniert. Gerade in dieser Holprigkeit, gerade dadurch, dass es nicht ein ästhetischer Tanz war, der auf ein Publikum ausgerichtet war, der irgendwie uns jetzt nochmal befeuern soll, sondern dass es so, ja, auch was Intimes hatte. Gerade dieses freie, arschliche, dieses Rauschhafte. Aber wenn dann die Leute improvisieren, hast du ein Problem. Ganz, ganz kurz zur Geschichte, damit die Zuhörer sich einmal orientiert fühlen. Nachdem dieser Tanz war, nachdem dieses Feiern zu Ende ist, nachdem zum zweiten Mal die Credits gelaufen sind, eskaliert die Situation. Irgendjemand hat offensichtlich Drogen in die Getränke gemixt und alle fangen an, am Rad zu drehen. Manche sind einfach nur erschöpft, andere werden paranoid, aggressiv, wild. Und die Kamera begleitet die Protagonistin dabei, wie sie nach und nach austicken. Und fährt dann durch diese Hallen, wo die Leute unterwegs sind, wo die Leute teilweise immer noch auf der Tanzfläche sind, sich teilweise gegenseitig jagen, sich teilweise prügeln. Mhm. Und die Kamera fährt durch diese Räume und wir betrachten eigentlich ein Fegefeuer. Wir betrachten, wie alles eskaliert. Und es kommt zu Gewalt, Schmerz, Leid, Tod. Alles, was dazu gehört. Mhm. Okay. Und das ist wahrscheinlich die entscheidende Frage, was das mit einem auslöst. Weil bei mir löst das definitiv ganz viele von den Gefühlen aus, die auch bei den Protagonistinnen und Protagonisten da sind. Angst, Paranoia, Desorientierung, auch Schmerz und Leid. Und in diesen letzten 40 Minuten, ist dieser Film so unglaublich immersiv. Wenn es darum geht, dich langsam in die Abgründe zu begleiten. Du bist gefesselt an diese Kamera. Du kannst dir nicht entkommen. Du siehst links und rechts was. Du willst links und rechts was mitnehmen. Du willst wissen, was da jetzt passiert. Du willst wissen, was weitergeht. Wird es dieser Person gut gehen? Wird sie das überleben? Was machen die jetzt? Oh Gott, da hat gerade jemand gebrannt. Was passiert da hinten? Oh mein Gott, wird da hier gerade jemand vergewaltigt? Und es war wie ein Höllenschlund. Also das finde ich auch toll. Es löst so viel Angst und Anspannung aus. Und dieses Gefühl, das hält sich dann auch. Auch egal, wo die Kamera hinfährt. Sie fährt dann wieder zur Tanzfläche. Und dann sind wir ein, der wirklich konsequent bis zum Ende tanzt. Und immer weiter seinen Körper verrenkt. Und es gibt irgendwann den Punkt, was halt auch zu diesem Tanz einfach dazugehört, wo du dich einfach noch fragst, ist das überhaupt noch ein menschliches Wesen? Wie verrenkt der sich gerade? Wie kann der das machen? Was passiert da? Es hat fast was von dämonischen Zuckungen an sich. Und das passt so gut zu dieser Gesamtatmosphäre. Weil wir fahren wirklich in ein Höllenfeuer hinein. Der Film verliert ja auch jeglichen Realismus. Ja. Das ist ja kein eskalierter Drogenrausch, was wir da sehen. Sondern das sind die tiefsten menschlichen Abgründe. Und das ist das, was Nietzsche, Kafka, das sind die Referenzen, auf die wir stoßen. Der Mensch wird zum Tier. Der Mensch wird zum Monster. Das fand ich übrigens als junger Vater eine ganz schreckliche Szene. Oh Gott. Nicht mal mit dem Strom, sondern als die Mutter zu ihrem Kind sagt, ich werde dich jetzt beschützen. Und dann irgendwie verzweifelt, sie ist natürlich auch voll auf Drogen, und sie sucht dann irgendeinen Raum und dann findet sie diesen Raum, wo einmal die komplette Elektrizität drin ist und sagt, da rein und du fass das da nicht an, das ist nämlich tödlich. Und ich komme und hole dich wieder und schlägt dann die Tür zu. Man hört noch, wie das Kind drinnen schreit, Mama, ich habe Angst, lass mich nicht alleine. Und die Mutter läuft halt weg und die Kamera geht natürlich auch woanders hin. Und ab und zu fährt die Kamera an diesem Raum vorbei und wir hören das Kind schreien und toben und gegen die Wand schlagen. Und das ist so ein Schlag in den Magen, wenn man selbst ein Kind hat und dieses Gefühl von einem Kind, das sich verlassen fühlt und das einfach nur Angst hat. Ja, natürlich, aber sie sind ja alle komplett drüber. Also was sie macht, ist ja komplett irrational. Dann verliert sie den Schlüssel. Und dann sitzt sie vor dem Raum und will ihr Kind rausholen und sie hat einen Schlüssel verloren und sie wird von jemand anderem angepöbelt. Ey, dann such den verdammten Schlüssel. Ich fand das so enervierend und so spannend. Und das war die Stärke von dem Film. Ich fand, er hat ein gutes Tempo dabei. Er hat diese Eskalation halt langsam, das beginnt damit, dass sie den Einzigen, der keinen Alkohol trinkt, weil er ein Moslem ist, dass sie den als erstes rausschmeißen. Und erfrieren lassen. Der erfriert dann draußen, weil sie denken, der war's. Und das ist irgendwie noch so einigermaßen irgendwie nachvollziehbare Handlung so ein bisschen. Auch nicht, auch nicht. Du weißt doch, draußen sind Minusgrade und es schneit und du wirfst dann niemanden raus. Aber das ist was, was man sich vorstellen kann, was im Rausch unter sehr viel Alkohol, unter sehr viel Drogen passieren kann. Eigentlich nicht. Und das ist, okay, Alkohol und LSD zusammen. Und dann auch diese Mob-Mentalität dabei. Und dieses, so, jetzt haben wir es geschafft. Ich hab gerade in die Hände geschlagen. Was man nicht sehen kann. Und dann eskaliert es immer weiter. Und es gibt keinen richtigen Fahrplan in dieser Eskalation. Aber es ist definitiv eine Eskalationsspirale. Es ist nicht von 0 auf 100. Sondern es wird schlimmer und es wird schlimmer. Es fängt an mit Paranoia. Und es endet damit, dass Leute sich gegenseitig oder sich selbst verletzen und umbringen. Und diese Spirale war so mitreißend. Weil sie die ganze Zeit an diese Kamera, an diesen Shot geknüpft war. Weil sie die ganze Zeit durch den Raum geirrt ist. Und ich hab mich da einmal komplett runterziehen lassen davon. Krass. Ich fand, es war eine Höllenfahrt. Und man schnallt sich an, man setzt sich hin. Und man fährt einmal mit runter in die tiefsten Abgründe der Hölle. Und ist am Ende total zermatert. Und das war ich. Und ich find's krass, ich find's total spannend. Dass das bei dir überhaupt nichts ausgelöst hat. Offensichtlich das ... Also ich kann mir ... Ich hätte erwartet, dass du sagst, boah, ja, das hat funktioniert. Der hat halt wehgetan. Aber so was will ich nicht gucken. Das war einfach nur schrecklich. Aber dass du sagst, okay, er hat mich kalt gelassen. Das find ich eine spannende Reaktion. Weil ich glaube, das ist eine seltene Reaktion bei dem Film. Ja. Ja, es gibt keine Geschichte. Es ist meandert so vor sich hin irgendwie. Ich fand es am Anfang mit der Langsamkeit, ich fand es in den Tape-Aufnahmen, das war auch zu viel. Da gab es auch den Punkt, wo ich dachte, jetzt könnte aber der Umbruch stattfinden. Und vor allem, wenn du danach noch mal drauf schaust, wie lange die dauern, das sind 10 Minuten, glaube ich, oder 15 Minuten. Das ist deutlich kürzer, als es einem vorkommt. Aber beim Rest des Films war es so, dass die Bewegung einfach zu prägnant und zu mitreißend, als dass ich langweilig gewesen wäre. Und gerade in den letzten 40 Minuten war es sogar jetzt beim zweiten Mal schauen, eher so, dass ich dachte, oh krass, das ist schon vorbei. Stimmt, ich erinnere mich, da kommt jetzt der Höhepunkt, das ist zu Ende, krass, das kam einem dann doch relativ kurz vor, auch wenn es wehgetan hat. Es ist auch ein bisschen eine Vorbereitung für die Eskalation. Man fühlt sich mit den Leuten gefangen. Man ist mit diesen Leuten eingesperrt. Man ist, wie diese Leute, die jetzt seit mehreren Wochen trainieren, wie die zusammen gezwungen sind, irgendwie zusammen zu funktionieren, ist man jetzt auch gezwungen, mit ihnen zusammen zu funktionieren. Ja. Ich habe teilweise, was ich dem Film auch nur zugutehalten kann, man spürt auch die Langeweile der Leute, wenn einer redet und man dem anderen quasi ansieht, oh nee, was redet der jetzt schon wieder? Stimmt. Oder die Themen immer um sich selbst kreisen. Zum Beispiel die beiden, die über Sex reden, die die ganze Zeit immer sagen, guck mal da der Arsch und guck mal da. So genervt. Ich war so genervt. Dieses Ausgeliefertsein dieser Gruppe und der einzelnen Personen ist natürlich auch eine Vorbereitung auf die Eskalation nachher. Man ist mitgefangen. Ja, das stimmt. Naja. Kommen wir zur Frage, was wollte uns der Autor sagen? Und damit zum Genre, glaube ich, in dem das Ganze stattfindet. Oder zum filmhistorischen Rahmen. Gaspar Noé ist ein Regisseur der New French Extremity. Eigentlich müsste man Old French Extremity sagen, weil Gaspar Noé ist eigentlich einer der wenigen, die das wirklich überlebt haben. Das war eher so Anfang der 2000er Jahre, Anfang des Jahrtausendwechsels. Es gab sehr viele Regisseurinnen und Regisseure, die Extreme ausgelotet haben im französischen Kino. Und zwar in verschiedenen Genres. Der Horrorfilm war definitiv der, der am prominentesten dabei war. Aber drumherum ist eine Menge passiert, gerade was das Spiel mit Sex und Gewalt betrifft. Und es sind interessante Filme in dieser Zeit entstanden. Und alle Filme ... Die sagen im Kern allerdings schon mit sich, dass sie vor allem ausloten wollen, wie viel kann ein Film zeigen. Und wie schafft es ein Film beim Publikum, maximales Unwohlsein auszulösen. Und zwar egal ob Thriller, ob Horror- oder Erotikstreifen, alle Filme der damaligen Zeit haben daran gearbeitet. Und ich habe am Anfang gesagt, Climax ist nicht der schlimmste Film von Gaspar Noé. Er hat mit Irreversibel und Enter the Void zwei Filme gemacht. Die noch mal deutlich radikaler sind, wenn es darum geht, Unwohlsein auszulösen. Ich habe, glaube ich, beide Filme gesehen. Also, Irreversibel ist ein berüchtigster Film. Da erzählt er die Geschichte einer Vergewaltigung und dem anschließenden Rache-Mord. Und zwar erzählt er sie rückwärts von diesem Rache-Mord bis hin zu der unschuldigen, harmonischen Zeit, bevor die Vergewaltigung stattfindet. Und der Film hat vor allem für Aufsehen gesorgt, weil in seinem Zentrum die Vergewaltigung steht, die äußerst realistisch und äußerst brutal ausgedehnt wurde und erzählt wurde. Und Enter the Void ist eigentlich auch schon ein Film, den er gemacht hat, als dieser Trend des New French Extremity vorbei war. Das ist mein liebster Film von ihm. Das ist ein ... Ich glaub, der dauert drei Stunden oder so. Das ist die POV einer Seele, nachdem jemand gestorben ist. Und man sieht die POV der Seele, wie sie durch die Zeit und durch die Dimensionen reißt. Und einfach ... Das ist eigentlich so diese Sekunde des Todes, der gezeigt wird. Und der Höhepunkt von ... Enter the Void, der eigentlich ein spiritueller Porno ist, ist die POV einer Vulva, wie sie von einem Penis penetriert wird. Und zwar genauso, wie ich es jetzt sage, grafisch, pornografisch. Man sieht wirklich, wie der Penis in die Vulva eindringt und zustößt. Ich weiß es nicht. Es ist ein total grotesker Film, ein total überladener Film. Da gibt es auch diese langen Kamerafahrten. Und aber das sind halt so ... so transzendentale Kamerafahrten, weil sie von Szene zu Szene, von Kindheit zu irgendwelchen Schreckensvisionen fahren. Und das ist so ein ... Also, das ist ein total krasser Film. Von wann sind denn die, weißt du das? Also, Irreversibel ist von Anfang 2000, wenn ich mich rechtlich erinnere. Ja, 2002, das war kurz nachdem, so im Memento-Zeitraum, und es wurde auch verglichen, weil die Erzählweise natürlich dieselbe ist, weil er auch von vorne nach hinten erzählt. Und Enter the Void war 2009, und es war eigentlich, wie gesagt, in der Zeit, als dieses New French Extremity-Ding schon so zumindest nicht mehr so in der Öffentlichkeit stattgefunden hat. Okay. Ja, es ist halt ... Sehr extreme Revision. In seinen Filmen geht es immer darum, er hat immer die Extreme ausgelotet, und er hat immer versucht, maximale Emotionen, und zwar negative Emotionen zu erzeugen. Keiner von seinen Filmen ist angenehm zu schauen. Das ist wahrscheinlich die entscheidende Frage, ob es funktioniert. Bei mir hat der Film sehr viele Emotionen ausgelöst. Und ja, es gibt diesen Moment, wo er auch over the top ist. Aber selbst dieses groteske, bizarre, dieses over the top, hat funktioniert einfach, weil es klar war, wir verlassen hier jede reale Ebene und wir bewegen uns einfach in einem merkwürdigen Fegefeuer zwischen zuckenden Körpern, zwischen Gewalt und Wahnsinn. Und ja, auch ein bisschen unfreiwilliger Komik. Das hat Enter the Void auch. Wenn die spätestens als, den habe ich im Kino gesehen, und ich weiß noch, als dann diese POV kam, ich weiß nicht, ich komme über diese Szene nicht hinweg, diese Vulva-POV. Und das ganze Publikum hat aufgelacht. Aber es war ein befreites Auflachen. Und Gaspar Noé ist in meinen Augen einer der wenigen Regisseure unserer Zeit, der das Konzept Katharsis noch mal weitergedacht hat. Und das haben einige andere Autoren der New French Extremity haben das auch geschafft. Und dafür schätze ich diese Art des Filmemachens total. Auch wenn das Ergebnis schmerzhafte, groteske, übersteigerte Filme sind, sind es Filme, die einen sehr reinigenden Effekt haben. Lass uns kurz über das Ende reden. es ist Katastrophentourismus, ne? Oh Gott, ja. Es ist, äh, Katastrophentourismus ist irgendwie eine merkwürdige Mischung aus Tanzfilm und Horrorfilm irgendwie unentschlossen. Ob Kammerspiel oder ob großes, opulentes, rotes Höllenfeuer. Aber am Schluss gibt's dann ja fast diesen erlösenden Aspekt, wenn die Party vorbei ist. Und dann sieht man ja auch noch mal, wie Polizisten reinkommen und sich einmal den Schauplatz angucken. Und die Kamera fährt dann noch mal drüber oder drunter, wie auch immer man es sagen will. Und es ist irgendwie so, man ist erschlagen, man ist zermattert. Aber irgendwie ist das noch mal so ein, jetzt durchatmen und jetzt irgendwie so wegsinken. Und ich finde, für mich war die Kamera am Schluss vor allem nicht lieb, genauso wie der Film. Ich hab den Film erschöpft am Boden. Das war jetzt so, okay, das reicht jetzt. Jetzt einmal ordentlich durchgerüttelt worden. Und jetzt liege ich da unten und es ist okay. Das ist die unfreiwillige Komik, die bei Gasper nur immer mal wieder rauskommt. Was sich wahrscheinlich auch nicht vermeiden lässt, wenn man so viel will, wenn man so viel schockieren will. Das ist auch ein Ding, was Lars von Trier hat. Ich liebe Lars von Trier. Ich lasse mich immer wieder von ihm mitreißen, von seinem Pathos, von seinen Emotionen und so weiter. Aber niemand kann mir erzählen, dass Lars von Trier nicht zahllose, unfreiwillig komische Momente hat, einfach weil er zu viel schockieren und zu viel aufreiben und auflösen will. Jeder Film hat das von ihm. Ja. So. Und das, das finde ich in Gaspar Nuys Filmen und auch im Climax auch. Und zwar dieses, es ist teilweise albern, es ist teilweise trübe, es ist teilweise unfreiwillig komisch. Aber es funktioniert trotzdem an den entscheidenden Stellen und macht einfach fertig. Und dieses Fertigmachen hat so was sehr kathartisch. Das, was du offensichtlich ja auch schätzt. Nur bei Gaspar Nuys hat es nicht, also in diesem Fall hat es nicht funktioniert. In diesem Fall hat es nicht funktioniert, ja. Also du weißt solche Filme durchaus zu schätzen, Chaos reigns, das ist so albern. Und bei Lars von Trier gibt es halt am Anfang auch, ich meine, das ist eine wunderschöne Szene. Aber wir sehen halt trotzdem den Koitus in der Dusche, in Zeitlupe, während im Hintergrund, was läuft im Hintergrund, Tristan? Ich weiß nicht mehr. Irgendwann kann es sein, ja. Und dann sehen wir das Kind zum Fenster in Zeitlupe. Und das ist einfach eigentlich, und das haben ganz viele Regisseure der New French Extremity und Lars von Trier das auch, das ist teilweise einfach zu viel, aber es ist so reinigend und es tut so gut. Also für mich ganz toll. Was ich Gaspar Noé zur Gute halten würde, ist, dass er ein bisschen impulsiver und ein bisschen, wenn man böse wäre, könnte man sagen, weniger pseudo-intellektuell ist als Lars von Trier. Lars von Trier gibt sich immer eine sehr große Meta-Ebene und Lars von Trier versucht immer, sehr viel Politik zu vermitteln. Politik, Philosophie und Weltgeist in seine Filme zu packen. Während Gaspar Noé deutlich impulsiver, deutlich körperlicher und deutlich weniger akademisch rangeht an diese Themen. Das stimmt, ja. Klimax, großartiger Film, ich kann ihn nur empfehlen. Aber ein Film, der offensichtlich nicht bei jedem, aber bei vielen Schmerzen hinterlassen wird. Viel Spaß. Und bis zum nächsten Mal. Tschüss. Ich gebe mich da ein bisschen in Risiko. Okay, neue Doctor Who-Serie oder alte 70er, 60er, 50er? Okay, ich bin sehr gespannt. Was hast du denn für mich? Ich mache eine kleine Zeitreise. Und zwar habe ich für dich einen Film aus den 70ern. Okay. The Wizard of Gore. Nein. Hast du gerade Gore gesagt? Ich habe Gore gesagt. Ich glaube, er wird dir sehr gut gefallen. Nein, glaube ich nicht. Ich glaube, wir werden sehr viel Spaß haben, wenn wir darüber reden. Von Herschel Gordon-Lewis aus dem Jahr 1970. Ein absoluter Klassiker des Splatter. Exploitation-Films. Toll.
