Episode 3: Monsieur Verdoux, Climax
Wir reden über Charles Chaplins Killermärchen Monsieur Verdoux aus dem Jahr 1947 und den Tanz-Horror-Streifen Climax von Gaspar Noé aus dem Jahr 2018. Und damit stehen auch schon zwei sehr unterschiedliche Filme auf dem Programm: Monsieur Verdoux ist der Versuch Chaplins sich von seiner Rolle des Tramps zu lösen. Johannes sieht in ihm ein ebenso charmantes wie ambivalentes Thrillerdrama, das seiner Zeit in vielerlei Dingen weit voraus ist. Florian ist überrascht, wie viele Momente des klassischen Chaplins und auch der Tramp-Figur Einzug in den Film erhalten haben. Climax ist vor allem ein radikaler Film, irgendwo zwischen Tanzfilm, Psychodrama und Horrorthriller. Während Florian geneigt ist, sich für diese Wahl zu entschuldigen, findet Johannes den Film deutlich weniger zermürbend als erwartet. Seiner Meinung nach versagt Climax in seinem Vorhaben mit maximalem Shock Value eine düstere Geschichte zu erzählen. Und auch die Tanzchoreografien können Johannes nicht von den Socken hauen. Es gibt also einiges, über das wir diskutieren müssen…
Climax [Gaspar Noé]
(USA 2018)
Climax aus dem Jahr 2018 stammt von Gaspar Noe, einem der großen Filmemacher der New French Extremity und handelt von der eskalierenden Party einer französischen Tanzgruppe, die sich peu à peu vom hedonistischen Rausch in blanken Horror entwickelt…. Und eigentlich meint er es gut mit dem Publikum. Nach wenigen Minuten gibt dieser ungewöhnliche Tanzfilm bereits die Möglichkeit zur Flucht. Kaum haben wir gesehen, wie eine junge Frau, halb lachend halb weinend halb blutend in den Schnee gefallen ist, rollen auch schon die Endcredits. Wir könnten jetzt aufstehen, den Kinosaal verlassen, beziehungsweise Netflix schließen, und alles wäre gut. Diese Möglichkeit zur Flucht wird es nach ungefähr einer Dreiviertelstunde noch einmal geben. Wieder die Liste der Beteiligten, eine Verbeugung vor dem Soundtrack, Endcredits, Black. Wer danach immer noch sitzen bleibt, hat es wohl nicht anders verdient….
Monsieur Verdoux [Charles Spencer Chaplin]
(USA 1947)

Monsieur Verdoux, 1947 in Amerika erschienen, ist Charles Spencer Chaplins erster eher dramatischer Langfilm, ohne seine ikonografische kommödiantische Figur des Tramp, die ihn so berühmt gemacht hatte. Ich sage auch nicht Charlie Chaplin sondern Charles Spencer Chaplin, weil ich glaube dass es sein bis dato erwachsenstes Werk ist, auch wenn „Der Große Diktator“ vorher schon ein ernstes und konkretes Thema behandelte. In „Monsieur Verdoux“ spielt er einen Heiratsschwindler der nach der Hochzeit seine Opfer beizeiten dem Tode überführt, um seine eigene Familie durchzubringen. In seinem bisherigen Job habe man nach der Wirtschaftskrise keine Verwendung mehr gehabt.
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 3: Monsieur Verdoux, Climax Publishing Date: 2021-01-21T07:30:51+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/01/21/episode-3-monsieur-verdoux-climax/ Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast? Nein, eigentlich nicht, aber ich. Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können. Wie wär's mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee. Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme. Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeig dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest. Das heißt so Musicals aus den 50ern? Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme? Mit russischen Untertiteln, von mir, für dich. Oh Gott, okay. Aber du weißt, dass das für eine Menge Streit sorgen kann. Äh, definitiv, das wird lustig. Ja, herzlich willkommen zum Muss-Man-Sehen-Podcast. Hallo. Folge 3, wenn ich mich... Wenn ich mich richtig erinnere. Folge 3, ja. Folge 3. Der Podcast, bei dem Johannes, der mir gegenüber sitzt gerade, und ich, Florian, über Filme reden. Und zwar nach dem Konzept, ich geb Johannes einen Film, den er im besten Fall noch nicht kennt, den ich sehenswert finde oder beachtenswert, aus welchen Gründen auch immer. Und Johannes gibt mir einen Film. Und da wir teilweise einen sehr unterschiedlichen Filmgeschmack haben, entstehen daraus hoffentlich interessante Gespräche. Und heute sind die beiden... Die beiden Filme, zum einen Monsieur Verdoux von Charlie Chaplin, den Johannes vorgeschlagen hat, und Climax von Gaspar Noé, der von mir kommt. Und damit viel Spaß. Okay, dann starten wir gleich mit Monsieur Verdoux, oder? Monsieur Verdoux. Wir haben vorher Schnick, Schnack, Schnuck gespielt. Deswegen verzögert sich die Aufnahme um eine Stunde. So, dann stelle ich den Film mal kurz vor. Monsieur Verdoux, 1947 in Amerika erschienen, ist Charles Spencer Chaplins erster eher dramatischer Langfilm, ohne seiner ikonografischen, komödiantischen Figur des Tramp, die ihn so berühmt gemacht hatte. Ich sage auch nicht Charlie Chaplin, sondern Charles Spencer Chaplin, weil ich glaube, dass es sein bis dato erwachsenstes Werk ist, auch wenn der große Diktator vorher schon ein sehr ernstes und konkretes Thema behandelte. In Monsieur Verdoux spielt er einen Heiratsschwindler, der seine... ...Opfer nach der Hochzeit bei Zeiten dem Tode überführt und das Geld nutzt, um seine eigene Familie durchzubringen. In seinem vorherigen Job habe man nach seiner eigenen Aussage nach der Wirtschaftskrise keine Verwendung mehr gehabt. Und damit gehe ich mich an. Plor, na, wie hat dir der Film gefallen? Es ist schön, dass ich jetzt gleich mit meinem Einstieg so ein bisschen deinen Einstieg konterkariere. Ich bin an den Film gegangen mit einer Erwartung, einen Film zu sehen, in dem sich Charles Spencer Chaplin freispielt, sich befreit von seinem Erbe. Und ich war doch sehr überrascht, wie viel Charlie Chaplin und wie viel der Tramp in diesem Film steckt. Also zum einen Charlie Chaplin, was Inszenierungsmuster betrifft, was Humor betrifft und zum zweiten auch, wie viel von dem Tramp, der klassischen Chaplin, in diesem Monsieur Verdoux steckt. Also gerade dieses Naive, dieses Unbedarfte, auch dieses Liebenswerte und Sympathische. Ich hatte das Gefühl, ich war die ganze Zeit erstaunt, dass doch so viel klassischer Chaplin, wie ich ihn kenne und auch sehr schätze, in diesem Film steckt. Er hat mir gut gefallen. Also es war ein sehr interessanter Film, ein sehr schöner Film. Ich habe was Düstereres, was Schwarzhumorigeres, was Böseres erwartet. Hat aber, dass diese Erwartung untergraben wurde, hat aber eher dazu geführt, dass ich sogar noch mehr Spaß an dem Film hatte. Das freut mich sehr. Es gab einige großartige Momente, bei denen ich auch wirklich viel lachen musste. Und auch, also vor allem in der zweiten Hälfte des Films, wenn er versucht, eigentlich sein schwierigstes Opfer umzubringen. Ja. Und es ist dann ja eine Slapstick-Nummer nach der anderen und ein Kalauer. Ja. Nach dem anderen, wenn er als dieser, in der Rolle dieses Kapitäns, den er spielt, versucht diese Frau, die auch wirklich die nervigste und anstrengendste und auch garstigste Frau ist, die er hat, umzubringen. Und es geht halt jedes Mal schief und mehrmals stirbt er dabei fast. Das war unfassbar komisch und das war total lustig. Und der Film hat es geschafft und ich glaube, das wollte der Film auch, dass man die ganze Zeit mit seinem Protagonisten mitfiebert und hofft, dass er endlich erfolgreich ist. Und eigentlich bis zum Ende auf seiner Seite steht. Es ist schon bemerkenswert, wie viel Chaplin dafür tut, dass dieser Massenmörder so sympathisch wie eine Irgendmöglichkeit rüberkommt. Ja. Und ich finde es beeindruckend, dass er das so gut geschafft hat und das ist auch das, was in der Rezeption damals ihm das Genick gebrochen hat. Das war nicht, also es war neu. Man hat einen Massenmörder nicht so sympathisch dargestellt. Ja. Und auch der Satz am Ende. Oh Gott, jetzt bringen wir alles durcheinander. Vielleicht gehen wir von Anfang an durch. Es ist, fangen wir doch mit der ersten Szene an, in der Monsieur Verdoux zu sehen ist. Wir sehen keinen Mord von ihm. Wir sehen, das ist was, was sich durch den gesamten Film zieht. Wir sehen nicht, wie Monsieur Verdoux tatsächlich jemanden umbringt. Das, was einem Mord am nächsten kommt, ist, wenn wir sehen, wie er gemeinsam mit dem Polizisten, der gegen ihn ermittelt, Tee trinkt. Und wir wissen, der Polizist trinkt jetzt das Gift. Das ist das, was am ehesten eine Mordszene ist. Die erste Szene, in der wir Verdoux sehen, ist genau das Gegenteil. Wir sehen, wie er ein armes, hilfloses Lebewesen, nämlich eine Raupe, verschont und rettet. Also er ist im Garten. Wir sehen im Hintergrund den Ofen qualmen. Wir wissen, da ist eines seiner Opfer drin. Aber das ist nicht das Entscheidende. Wir sehen, wie dieser nette, elegante Mann durch den Garten schlendert und fast auf eine Raupe trifft. Und er sagt, hey, oh, sorry, little fellow. Du musst aber aufpassen, das ist gefährlich, sonst tritt noch jemand auf dich drauf. Und er nimmt dann diese Raupe ganz zärtlich und setzt sie ins Gras. Ja, toll, oder? Man hat sofort, man weiß sofort, mit wem man es zu tun hat und mit wem man mitfiebern soll. Ja. Und das Schöne ist, er hat einem kurz vorher schon erzählt, und zwar sieht man als erstes sein Grab, Monsieur Verdoux, 1880 bis 1936 oder sowas. Und es fängt mit seinem Tod an und er erzählt uns quasi aus seinem Grab, dass er Heiratsschwindler war. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Und erzählt einem aber auch gleichzeitig mit, dass es aus Not geschah und dass er es eigentlich bedauert, ausgerechnet dieses Business anfangen zu müssen, angefangen zu haben. Und dadurch soll man den ganzen Film über irgendwie gleich Mitleid mit ihm haben, was wirklich ein Novum ist für die Zeit, vor allem weil du, es gab damals tatsächlich einen Ansprung, das habe ich nochmal recherchiert, einen Anstieg an Filmen über Massenmörder. Also über Serienmörder, sagen wir es so. Aber die waren alle entweder sehr düster und der böse Mann, wie kann er das tun? Oder eben Komödien, die wirklich so drüber waren. So der tollpatschige Mörder, der irgendwie nichts auf die Reihe kriegt. Das ist so ein bisschen Anklang von Marx Brothers, die dann später irgendwie so... Aber so richtig psychologisch ernsthaft und trotzdem mit so komödiantischen Elementen, das gab es einfach nicht. Er nimmt sich tatsächlich viel Zeit, also er nimmt seinen Protagonisten auch ernst, auch er macht ihn zwischenzeitlich schon zur Witzfigur, aber er nimmt ihn trotzdem ernst und er zeigt, er nimmt sich auch viel Zeit, seine Verzweiflung zu zeigen und viel Zeit auch seine Menschlichkeit zu zeigen. Ich fand, das war eine unglaublich schöne Szene. Nachdem er nach dem ersten Mord und nach den ersten beiden Morden sehen wir ihn zum ersten Mal zu Hause bei seiner Familie und es ist vorher schon eine klare Rolle, in der er drin ist. Er ist elegant, er ist ein Charmeur, wir sehen, wie er auch noch nebenbei bei einem Hausverkauf eine Witwe umgarnt und klar ist, da ist sein nächstes Opfer auserkoren. Er tötet eine andere Frau ziemlich eiskalt, man sieht den Mord nicht. Wie gesagt, das ist das Thema. Das ist das Thema. Aber man sieht, wie er nachts in das Zimmer geht und auch mit düsterer Musik und er kommt morgens raus und er stellt das Frühstücks-Service hin und räumt dann einen Teller weg. Also das ist schon tatsächlich das Maximum an Düsternis, was der Film da rausbringt. Aber dann passiert etwas ganz Außergewöhnliches, er geht zu seiner Familie und er ist ein komplett anderer Mensch. Ich finde es so schön, wenn er plötzlich mit seiner tatsächlichen Frau interagiert und mit seinen Kindern und er ist einfach nur der liebenswerte Familienvater. Und ich hatte das Gefühl, das war ein Moment, wo Chaplin versucht hat, diese Rolle komplett nackt zu machen und zu sagen, okay, und das ist aber eigentlich der Mensch. Und davor hat er die ganze Zeit gespielt und er ist auch manchmal kalt und er ist manchmal genervt und oft charmant. Aber in diesem Moment ist er nichts von dem. Er ist auch nicht charmant, er ist auch gar nicht so melancholisch, sondern er ist irgendwie, er wirkt echt und glaubhaft. Das war eine großartige Szene, genau im richtigen Moment. Ja, und vor allem. Finde ich, dass man nicht in die Verlegenheit kommt, was man auch hätte machen können als Chaplin, zu sagen, wir lassen den Zuschauer im Unklaren, ob das jetzt sein nächstes Opfer ist, die Familie, in der er jetzt reingeht. Oder ob es seine eigene ist. Also er hätte das auch unklar lassen können länger. Aber es war von der ersten Sekunde an klar, okay, das ist jetzt der ehrliche Familienvater, der sich wirklich einfach Sorgen um seine Frau und sein Kind macht. Ja, auch mit dieser Musik. Und der Kamera, du kommst da rein, du wirst in ein ganz anderes Szenario geworfen. Es öffnet sich auch, die Räume sind größer, seine Frau sitzt im Garten und wartet auf ihn, sein Kind kommt ihm entgegengelaufen und du hast plötzlich so einen großen Raum. Und davor gibt es oft diese Kammerspielmomente, diese herrschaftlichen Häuser, die relativ eng sind, die auch so ein bisschen beklemmend sind, trotz ihrer Opulenz. Und allein das Setting. Von seiner tatsächlichen Familie ist viel wärmer und viel herzlicher und dann kommt er in den Garten, dann sitzt seine Frau noch im Rollstuhl, seine Frau ist krank. Das wird natürlich ganz stark in die Richtung gedrückt, er macht das ja auch, um seine Familie zu schützen. Das war ein starker Moment, es war vielleicht ein bisschen kitschig. Ja, das habe ich auch gedacht, ich habe den Film jetzt lange nicht gesehen. Ich muss dazu sagen, es ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme, seit ich Jugendlicher war. Also wirklich, ich habe ihn mit 15, 14, 15. 15 das erste Mal gesehen und war seitdem, weiß nicht, ich habe ihn immer wieder geguckt und fand es großartig. Und jetzt, nachdem ich ihn lange nicht gesehen habe, habe ich gemerkt, oh, da drückt aber ganz schön jemand drauf. Hast du ihn damals als Chaplin-Fan gesehen? Ich habe ihn damals, ja, ich habe ihn tatsächlich als Chaplin-Fan gesehen, weil ich vorher diese ganzen Shorts gesehen habe von ihm, die ganzen komödiantischen Sachen. Und es kam alles von meinem Vater, der hat mir das alles gezeigt und hat mich, glaube ich, auch entsprechend vorbereitet. Das ist jetzt ein Film, der ist ein bisschen ein ernsteres Thema, aber das ist dann, dieses Thema kommt auch einfach ran als Jugendlicher. Insofern war das genau der richtige Zeitpunkt, auch sich mit diesem Thema auseinandersetzen und das ist ausgerechnet der Typ, der mir rüberbringt das Thema, mit dem ich vorher so wahnsinnig viel gelacht habe. Das war ein besonderer Moment. Ja, und wie war das für dich vom Gefühl her? Hast du Chaplin gesehen in der Rolle? Weil er sieht natürlich, er sieht ja schon anders aus. Was ist die klassische Tramp-Rolle, die man von ihm kennt? Also mein Eindruck ist ein bisschen getrübt von dem, was ich darüber weiß. Chaplin hat mit dem Einstieg in den Tonfilm, den er ja mit Der große Diktator, das ist der Film direkt davor, gemacht hat. Und der Film direkt davor, Der große Diktator ist halt so halb-halb. Er hat sich gedacht, der Tramp kann eigentlich nicht reden. Aber er hat sich dann doch durchgerungen. Tramp ähnliche Figur in den großen Diktator einzuführen, der dann auch geredet hat. Aber viele Sequenzen sind so Stummfilm-artig, einfach Slapstick-Sequenzen mit Musik dann irgendwie unterlegt. Und er hat sich vorgenommen anscheinend in jedem seiner Filme irgendwie so ein kleines Kopfnicken unterzubringen in Richtung Tramp. Das ist ihm gelungen. Ja, und hat dann halt wirklich auch in Monsieur Verdoux, glaube ich, sehr, sehr bewusst und sehr klar eingebaut. Okay, das sind so meine eigene, meine selbstreferenzielle Ader. Weil der Tramp einfach den größten Teil seines Lebens bis dato irgendwie bestritten hat und bestimmt hat. Den kann man nicht einfach so loswerden. Und er führt ihn ja am Ende quasi zum Schafott. Man muss das schon auch sagen. Dass er mit dem Film seine Figur des Tramp ein bisschen zum Schafott führt am Ende. Weil, kurze Begründung, grafisch gesehen passiert genau das, was in jedem, fast jedem Chaplin-Film vorher passiert ist. Eine statische Kamera sieht, wie der Tramp in den Sonnenuntergang geht. Ja. Und Monsieur Verdoux wird am Ende auch in dieses Licht, in diese hellen, diesen Torboden. In diesen Torboden geführt, wo wir dann nicht sehen, wie er, also im Tod ist er allein. Wir begleiten ihn bis dahin, aber dann ist Schluss. Und wir sehen nur, wie er da hineinläuft. Und das ist ein klassischer Tramp, ein klassisches Tramp-Motiv. Und der führt ihn dann quasi zum Schafott. Aber auch in den späteren Filmen hat er immer noch solche Momente. Ja, es ist ganz witzig, weil also der große Diktator, wo du sagst, das ist so, der versucht sich vom Tramp zu lösen. Und der Tramp ist eigentlich als stumme Rolle angelegt. Für mich war die Figur im großen Diktator war der Tramp. Ja. Ich habe da tatsächlich wenig Unterschied gesehen zu seinen Shorts. Wobei ich die Shorts auch jetzt nicht so groß verfolgt habe. Wenn ich drüber nachdenke, was für klassische Chaplin-Komödienstücke ich gesehen habe, könnte ich nicht sagen, was was war. Und von Chaplin kenne ich, also im Gedächtnis geblieben sind mir von Chaplin vor allem die Langfilme. Hm, ja. Naja, das Problem ist natürlich in der Perspektive von heute. Du hast diese Rezeption nicht mehr so, wie du sie früher hattest. Du hast ja, ähm, wer guckt heutzutage solche Kurzfilme? Und wer kann noch nachvollziehen, wie der Humor funktioniert hat von damals? Es ist halt sehr in der Zeit verhaftet. Ich finde es übrigens schade, dass es so etwas nicht mehr gibt. Auch wenn ich überlege, was Disney und die großen Konkurrenten Warner Brothers damals gemacht haben. Diese Mary Melodies und Silly Silly. Ja, ganz toll. Tolle Filmstücke. Und auch so toll diese Kombination aus Humor und Musik und Fantastik. Und Education, muss man sagen. Und Education teilweise. Aber das würde ich tatsächlich erstmal zur Seite kehren. Aber diese Form von kurzer Unterhaltung, im Prinzip das Äquivalent des Songs im Film. Und das ist schade, dass es das heute nicht mehr gibt. Pixar hat das ein bisschen geschafft mit ihren Kurzfilmen. Aber ich würde mir sowas viel mehr wünschen. Auch das Konzept des Vorfilms, finde ich, ist eigentlich ein ganz tolles Konzept im Kino. Und wenn ich drüber nachdenke, was so schöne Kinobesuche waren, die mich begeistert haben, unabhängig vom Hauptfilm, waren das Kinobesuche, wo ganz überraschend dann doch nochmal ein Vorfilm gezeigt wurde. Ich finde, das ist was ganz Tolles. Und es ist so ein bisschen schade, dass das gestorben ist. Und dass es mittlerweile einfach diesen Fokus auf den Langfilm gibt. Ja, Vorfilm habt ihr wirklich nur nach Pixar gemacht, oder? Ich habe das irgendwann mal vor ein paar Jahren erlebt bei, ich glaube, The Incredibles. Wie heißen die? The Incredibles. Die Superheldenfamilie? Genau. Ich glaube, da lief ein Kurzfilm vorher. Pixar hat das sehr konsequent gemacht. Also bei Pixar gab es, glaube ich, zumindest so in ihrer großen Zeit, sie sind eigentlich immer noch in ihrer großen Zeit, gab es vor jedem Hauptfilm einen kleinen Vorfilm. Deswegen gibt es auch so viele Pixar-Shorts. Ich war tatsächlich, ich muss sagen, ich habe schon lange keinen Pixar-Film mehr im Kino gesehen. Aber ich meine mich zu erinnern, die Filme, die ich im Kino gesehen habe von Pixar, die waren immer mit einem Vorfilm. Und teilweise waren die Vorfilme besser als der Hauptfilm. Das kommt ja noch dazu. Ja, in der Kürze. Viele Sachen funktionieren tatsächlich im Kurzen und haben so einen Impact plötzlich, den man im Langfilm, irgendwie verwischten Langfilm oftmals so Themen, die vielleicht im Kurzfilm besser aufgehoben sind. Was ich gesehen habe, Netflix fängt an, Kurzfilme zu machen. Auf Netflix bloppen bei den Empfehlungen immer mal wieder Filme auf, wo man sich sieht, ah, zehn Minuten, okay. Oh mein Gott, wie cool ist das denn? Also es ist so, ich hatte jetzt, und das ist total schrecklich eigentlich, zweimal habe ich einen Film angeklickt und habe gedacht, oh, der klingt aber gut. Und dann habe ich gesehen, zehn Minuten, und dann dachte ich, nee, ich will jetzt einen langen Film gucken. Und dann habe ich den nicht geguckt, was total schade ist. Aber ich setze da so ein bisschen Hoffnung in die Streaming-Services, dass sich einfach das Konzept Film auch wieder etwas weiterdenken lässt. Dass es nicht nur um den großen zweistündigen Blockbuster geht, sondern dass auch ein Film von fünf Minuten, zehn Minuten, auch vielleicht, auch so ein Hybrid vielleicht, so 45 Minuten möglich ist. Ja, 45 Minuten sind ja so klassische Dokumentationen, Kurzdokumentationen. Ja. Aber dann bräuchte Netflix vielleicht einfach so eine Playlist-Funktion für Kurzfilme. Ja, das wäre toll. Genau, das wäre super. Also Netflix, wenn ihr uns zuhört, was ich mir sicher bin, wir sind in unserer Reichweite, hui. Ja. Dann auf in die Playlist-Entwicklung, ne, Netflix? Ja, natürlich. Ja, gerne, sehr, sehr gerne. Es gibt einen zentralen Moment im Film, über den ich unglaublich gerne sprechen würde. Und zwar ist der tatsächlich zentral, für mich zentral in der Geschichte und auch zentral im Film, so nach der Hälfte der Laufzeit, wenn dieser Monsieur Verdoux ein neues Gift von einem Freund bekommt und das ausprobieren will. Ja. Und sein potenzielles Opfer ist eine junge Frau, die ja durch Zufall auf der Straße aufgabelt. Ja. Es gibt keine Verbindung zwischen ihnen, es geht auch nicht um großen Betrug, es geht wirklich nur darum, dass er dieses Gift ausprobieren will. Und er entscheidet sich allerdings dagegen, dann dieses Gift auszuprobieren, weil diese Frau ihn bewegt mit ihrer Geschichte. Und dieser Frau begegt er auch noch zweimal in dem Film. Mhm. Und es ist jedes Mal so ein bisschen am Scheideweg. Mhm. Also am Ende ganz konkret wird er verhaftet, nachdem er sie getroffen hat zum letzten Mal. Und dazwischen begegnet er ihr nochmal kurz, nachdem er den Polizisten umgebracht hat. Und ich fand, das waren sehr starke Szenen. Ich muss jetzt auf Wikipedia gucken, um zu schauen, von wem die gespielt wurde. Oh, das weiß ich auch nicht auswendig, leider. Es war eine sehr starke Rolle, sie hat das fantastisch gespielt und vor allem ihre Interaktion mit Chaplin war unglaublich bewegend. Weil es war natürlich auch so ein Moment, der die Menschlichkeit von ihm hervorheben sollte. Aber es war auch ein spannender Moment, weil es sein La Moyance... ...die ja den ganzen Film über andauert, etwas relativiert hat, weil er wurde mit einem Schicksal konfrontiert, das deutlich schwerer war als sein Schicksal. Ja. Natürlich will Charles Spencer Chaplin an der Stelle was sagen. Und zwar relativ plump eigentlich, weil er auf ihr Stichwort der Liebe reagiert. Ja. Und er fragt spöttisch, ach Liebe? Und sie sagt, ja, ja, sowas geht. Und dann reden sie darüber und das ist der Moment, wo er sich dagegen entscheidet. Noch nicht einmal, dass sie aus dem Gefängnis kommt oder dass sie irgendwie noch andere tragische Elemente hinzufügen, sondern wirklich das Moment, diese Frau hat, liebt jemanden, der sogar gestorben ist und ist irgendwie... Er war auf sie angewiesen. Er war... Er saß im Rollstuhl wie Verdouxs Frau oder so. Irgendwie... Oh Gott, das weiß ich gar nicht mehr. Es geht darum, dass das auf jeden Fall... Es geht auf jeden Fall... Also in dem Gespräch geht es auf jeden Fall auch darum, dass sie ihn noch mehr geliebt hat, weil er auch... Weil er so schwach war. Das ist auch so ein bisschen der Frist. Ja, vielleicht ist es das, ja. Auf jeden Fall steckt in ihr eine Liebe, die er sowieso... Die ihn einfach rührt und die ihn davon überzeugt, sie gehen zu lassen und ihr sogar noch absurd viel Geld in die Hand zu tun. Ja, genau, genau. Und das ist der Moment, wo ich immer... Ich komme nicht drum rum zu weinen. Das ist unglaublich. Das ist einfach ein Moment, der, auch wenn man ihn als kitschig begreifen kann, er verfehlt seine Wirkung bei mir nie. Und auch nach dem 200. Mal sehen nicht. Also ich fand das vor allem so bewegend, wie er dann den Wein wegnimmt. Es gibt einfach diese Stelle, sie hat... Es ist eigentlich alles schon hingestellt, um sie zu töten. Und sie hat den vergifteten Wein vor sich stehen. Und dann reden sie und sie reden und sie erzählen und sie erzählen. Man sieht, wie Verdu bewegt wird von ihrer Geschichte. Und dann sagt er schließlich, da ist Kork im Wein oder so und stellt das Glas weg. Und so ein sehr schneller Moment. Es passiert dann so sehr schnell. Ich gebe ihm ein anderes Glas. Aber es ist so, gerade nach dieser sehr langen, emotionalen Szene, dann diese schnelle Entscheidung. Ich werde diese Frau nicht umbringen. Ich fand es auch großartig. Eine wunderschöne Szene. Sie ist genau nach einer Stunde Laufzeit. Ich habe nochmal geguckt heute Morgen. Sie steht wirklich direkt im Zentrum des Films. Toll. Und sie ist auch für mich so ein bisschen der Moment von Stimmungswechsel. Danach kommt nämlich eine sehr lange, sehr komische Frage. Also komisch im Sinne von lustig. Wo ich das Gefühl hatte am Anfang, in der ersten Stunde geht es wirklich darum, diesen Monsieur Verdu kennenzulernen und auch zu sehen, wie er erfolgreich ist mit mehreren Morden. Ich glaube, drei Frauen sind es letzten Endes, die er in der ersten Hälfte des Filmes umbringt. Und dann kommt nach diesem emotionalen Moment, tötet er den Polizisten, der ihm auf der Spur ist. Und dann versucht er als Kapitän seine ganz gruselige Annabelle umzubringen. Die Annabelle. Auch fantastisch gespielt. Ganz fantastisch gespielt. Von Maya Ray, glaube ich, heißt sie. Oder wie heißt sie? Moment. Marilyn Nash heißt übrigens die Schauspielerin, die das Mädchen spielt. Die keinen Namen hat. Einfach nur The Girl, wenn ich das richtig sehe bei Wikipedia. Okay. Genau, aber Annabelle. Fantastisch. Annabelle, Martha Ray spielt sie. Und die ist, glaube ich, auch Komikerin gewesen in der Zeit. Natürlich dann perfekt besetzt. Es gibt ein paar ganz tolle Behind-the-Scenes-Fotos und auch zwei, drei abgebrochene Szenen, wo man sie so ein bisschen menschlich sieht und man sich total freut, dass diese Frau einfach das so großartig hinkriegt. Sie ist wirklich toll. Ganz, ganz tolle Frau anscheinend. Und dann geht es ja wirklich Schlag auf Schlag. Er versucht, sie umzubringen und er scheitert jedes Mal. Er versucht, sie zu vergiften. Er versucht, sie zu ertränken. Es funktioniert alles nicht. Und er ist mehr und mehr genäht. Er ist mehr und mehr genervt von ihr. Und es ist so ein fantastisches Zusammenspiel. Seine Genervtheit, ihre Garstigkeit und diese misslungenen Morde. Und diese Slapstick-Szene, wie sie und er zusammen Wein trinken. Er hat sich seinen gesunden Wein, damit er nicht ihren vergifteten trinken muss, hingestellt. Und es steht auf so einem Tablett. Und sie trinkt und trinkt den Wein und es passiert nichts. Und das liegt halt daran, dass die Haushälterin vorher das Glas mit dem Gift, was er im Bad hat stehen lassen, was halt getarnt war als Wasserstoffperoxid, womit sie ihre Haare färbt. Das hat sie aus Versehen runterfallen lassen. Das Gift war weg. Und dann hat sie es schnell ersetzt durch dieses Wasserstoffperoxid-Zeug. Und naja, Wasserstoffperoxid ist vielleicht jetzt nicht so geil für den Magen, aber hat sie jetzt nicht umgebracht. Und er sitzt da, trinkt seins, sie trinkt ihrs und sie stirbt und stirbt nicht. Und sie guckt. Und er guckt sie an, versteinert und sie wundert sich, was ist denn los? Was müsste denn so missmutig drauf? Und dann, als sie sich zu ihm umdreht, dreht sie das Tablett mit um und dann steht ihr Wein bei ihm und er trinkt davon und sagt, ach, das ist doch ganz lecker eigentlich, auch wenn es so Gesundheitszeug ist. Und stellt dann fest, aber dass es ihr Wein war und denkt, dass er vergiftet ist. Und das war eine so großartige Szene. Da kommt der Chaplin durch. Total. Und dann auch nachher, dann gibt es noch diese Szene, wo sie zusammen aufhören. Auf dem Boot sind, wo sie rausfahren. Wo sie dann irgendwie am Ende, sie fallen beide ins Wasser, er fällt ins Wasser. Er fällt am Ende ins Wasser. Und er kann nicht wirklich schwimmen. Als Käpt'n, den er spielt. Genau, als Käpt'n. In dieser Rolle ist er sowieso so schön. Ich finde auch, er ist da ein bisschen, also er versucht, er versucht tatsächlich mehr den Käpt'n zu spielen. Er ist strenger, er ist nicht so charmant wie in den anderen Rollen, die er spielt. Er ist genau strenger und er kommandiert seine Frau auch ein bisschen rum. Und äh. Dadurch kommt es auch zu schönen, zu schönen Kämpfen zwischen den beiden, weil beide irgendwie so ihren Status ausspielen wollen. Und beide eigentlich so sich ihres Status sehr bewusst sind und miteinander dadurch ständig so ein bisschen im Klinsch sind. Ja, das Schöne ist, er erzählt ja seinem anderen Opfer vorher, dass er tatsächlich umbringt, dass die Banken krachen gehen werden und so. Und dann holen sie ganz hektisch das Geld von der Bank. Genau, genau. Und dann hat er es halt und kann sie umbringen. Das war Lydia, das Zweifelsopfer. Lydia, genau, ja. Die so ernst, äh, daher, äh, kommt. Lydia ist auch die, die ihm nicht so wirklich vertraut, ne? Genau. Das ist auch ganz spannend, diese Szene, wo sie drüber reden. Und sie sagt ihm sogar einmal so ganz offensiv, naja, ich, ähm, trau dir nicht so ganz. Aha. Und dann, ähm, hat er auch nie geschrieben. Äh, sie öffnet die Tür mit, ich dachte, du wärst in Indochina. Ja, ja. Und warum hast du denn keine einzige Zeile? Und er sagt, ich hab dir jeden Tag geschrieben, es sind meine Briefe nicht angekommen. Ähm, und dann, ähm, holen sie das Geld von der Bank. Und später eben, Annabelle sagt ihm dann halt später, und du wolltest mir erzählen, dass die Banken krachen gehen. Nichts ist passiert. Und man merkt, dass er das immer wieder versucht auf diese Art und Weise. Es ist groß, also fantastisch. Und das Ganze mündet, diese Annabelle-Geschichte mündet dann ja in wirklich eine großartige Slapstick-Nummer, als er, äh, es endlich geschafft hat, diese Witwe von ganz am Anfang zu überzeugen, ihn zu heiraten. Und dann ist diese Hochzeit. Und dann, äh, taucht da diese Annabelle auf. Ähm, großartig. Und er ist, und er muss sich natürlich verstecken, weil es ist jetzt so, plötzlich ist er in diesem Rollenkonflikt. Er heiratet gerade eine andere Frau. Und dann, und dann steht diese Annabelle und auch so sehr, ähm, exponiert und sie redet laut und, und, und lacht laut. Genau, das Lachen. Das Lachen ist das, was ihn am Ende irgendwie auch aufmerksam macht darauf, dass sie da ist. Und er prostet erst mal das, was er gerade trinkt, in den Nacken des Vorgestehenden. Und, und das ist wirklich, und das fand ich war Chaplin in Reinkultur. Und das war, das zieht sich durch die Zeit. Die zweite Hälfte des Films, wirklich permanent. Der zweite, die zweite Hälfte des Films ist sehr lange eine reine Comedy-Nummer. Eine Abfolge von tollen, großartigen Comedy-Stücken. Der Comedy of Murders, nicht umsonst. Genau. Ist das Untertitel des Films. Ja. Aber, äh, fantastisch. Also ich hatte, ich hatte, ich, die zweite Hälfte des Films vor allem, es war dann auch, es kam dann auch tatsächlich unerwartet, weil ich dachte, in dieser, in diesem zentralen Moment, wo er sich dagegen entscheidet, das Mädchen umzubringen. Oh, jetzt ist es aber so sehr schwer. Sehr, auch sehr melancholisch, sehr sentimental, bis zum Kitsch. Und dann kommt einfach nur diese Abfolge von humoristischen Szenen. Und dann gibt es diesen harten Cut. Ich würde gerne nochmal, ähm, kurz zurückgehen, weil du vorhin sagtest, ähm, dass man nicht sieht, wie die, ähm, Leute umgebracht, die Frauen umgebracht werden und so. Gerade bei dieser Lydia, finde ich, hat Chaplin es geschafft, fast schon. Hitchcock, ähm, Niveau zu erreichen. Weil er hat diese eine Einstellung, wo sie gemeinsam langsam die Treppe hinaufgehen. Er ganz ruhig sagt, wir schaffen das, kein Problem, geh ins Bett. Und dann geht sie schon ins Zimmer, er steht noch an dem Fenster, wo der Mond scheint und macht einen, einen lyrischen Monolog, den er da hält. Ähm, und die Musik dreut und, und baut sich auf. Und dann geht er halt auch ganz... Ruhig zu ihr rüber, man weiß, okay, jetzt wird er sie umbringen. Und dann kommt diese Transition, die vielleicht auch nicht, ähm, ich weiß nicht, wie oft die damals schon gemacht wurde, aber eine ganz tolle Transition von Nacht zu Tag. Und er kommt dann raus, äh, die Musik beschleunigt sich, er ist wieder im Geschäftsmodus, hat diese, ähm, dieses Geld in der Hand, setzt sich unten hin und zählt das Geld. Was er den ganzen Film über immer wieder macht, er zählt Geld auf eine absurd schnelle Weise, total ernstes. Ähm, äh, Gesicht und, und so geschäftsmäßig, das, äh, ist eigentlich so ein, so ein Kernstück seines Charakters irgendwie, dass er, dass er dieses Geschäftsmäßige dann durchzieht. Er ist auch so kalt in diesem Moment, das ist auch, ich finde, das war auch für mich vor allem eine kalte Szene, wenn er, also wie gesagt, das ist das, was dem Mord am nächsten kommt und das war auch wirklich eine grausame Szene und ich finde es gut, dass du Hitchcock sagst, weil das war natürlich total Suspense, wir wissen, sie ist das Opfer, wir wissen viel mehr als sie weiß, wir sehen, es wird jetzt ein Mord geschehen, wir können nichts dagegen tun. Mhm, also wirklich eine sehr dramatische und sehr, sehr, ähm, ja, gruselige ist vielleicht das falsche Wort, aber eine wirklich dramatische Szene. Ich glaube auch dramatisch, wenn man, wenn man, ähm, in dem Moment verliert natürlich der Charakter zu seiner Unschuld, obwohl er auch vorher schon umgebracht hat, ist das der Moment, wo der Charakter, Monsieur Verdoux, wirklich seine Unschuld verliert, weil wir sehen ihn eiskalt. Ja. Wir sehen ihn nicht morden, aber wir sehen, wie kalt er und wie präzise er vorgeht und es ist klar, was er da macht und warum er es macht. Mhm. Und das wird einfach innerhalb von fünf Minuten mit einer kalten Strenge erzählt. Ja. Und das ist was, was man, glaube ich, damals auch Chaplin kaum zugetraut hat, obwohl der große Diktator ja auch schon viel gebracht hat in der Richtung, aber ich glaube, das ist etwas, ähm, wenn man seine ganzen alten Shorties kennt und denkt, äh, was für ein lustiger Typ und dann kommt sowas um die Ecke, ist schon, huhu, beeindruckend. Ja, ja, definitiv. Ja. Okay. Okay, ich habe auch noch Notizen. Ja, ich wollte auch gerade kurz was nachgucken, weil du gesagt hast, er erreicht fast Hitchcock-Dimensionen, das ist ganz witzig, weil es ist, also Hitchcock war damals schon ein großer Filmmacher. Ja. Ähm, aber wenn ich mich richtig erinnere, wenn ich, müssen wir das unbedingt rausschneiden, dann sind das nämlich falsche Informationen, wenn ich mich richtig erinnere, war das in der Zeit, bevor Hitchcock diesen unheimlichen Thriller für sich entdeckt hat. Du meinst, Hitchcock hat vorher schon auch dramatisch... Hat auch dramatische und auch spannende Filme gemacht, aber, ähm, ähm, diese, diese Art der Suspense, würde ich behaupten, ist eher im Hitchcock-Film zehn Jahre später zu finden. Also, Psycho ist von 1960. Ja. Jetzt mal ganz kurz schauen. 1947. Das ist Monsieur Verdoux, ne? Ja, aber rausgekommen, er hat zwei Jahre daran gearbeitet, also schon angefangen zu drehen, 45 nehme ich an. Ähm. Ja, Cocktail für eine Leiche war 1948. Oh. Ja, ne? Also, Cocktail für eine Leiche ist Hitchcocks Entwurf einer, einer Mörder-Comedy. Hm. Der Fremde im Zug war 1951. Das sind für mich die Filme, die dieses Suspense-Motiv haben. Bei Anruf Mord war 1954. Okay. Das Fenster... Das Fenster zum Hof, 1954. Mhm. Also, Verdoux hat das durchaus gepredated. Bäh. Schreckliches Wort. Schön. Ja. Ist großartig, oder? Also, ich, das ist wirklich eine der Szenen, die mich nachhaltig beeindruckt haben, was seine Inszenierungsfähigkeiten betrifft. Definitiv. Ja. Da bin ich ganz bei dir. Okay, äh, wir müssen übers Ende reden. Wir müssen übers Ende reden. Es, ähm, ich hatte nach, nach dem, nach der Freude über den Slapstick gesagt, dann kommt ein sehr harter Cut. Ja. Und dann, dann kommen wir ja auch ganz schnell zum Ende. Ja. Und zwar tatsächlich, wo ich fand, wo die Stimmung wieder komplett aufgebrochen wurde, weil es dann im Zeitraffer einmal gezeigt wird, ähm, jetzt kommt der Faschismus, jetzt kommen die Krisen. Mhm. Und jetzt geht's bergab. Mhm. Und, genau, und dann gibt's dieses Wiedersehen mit der jungen Frau. Die inzwischen einen Munitionsfabrikanten geheiratet hat. Genau. Puh. Ja. Ja. Ja. Ja. Wo dann die große Kriegskritik und das Ganze drumherum... Drumherum kommt, was auch einer der großen, äh, ähm, Pluspunkte bei Chaplin ist, finde ich. Der hat eine Haltung. Ja. Und der hat die Haltung ja auch schon als Tramp, aber da hat er die Haltung sehr naiv. Da geht's, also natürlich geht's immer bei Chaplin darum, den kleinen Mann nach vorne zu stellen und zu sagen, ähm, ähm, hier, so geht's der Unterschicht und die, über die Oberschicht machen wir uns tendenziös eher lustig. Ähm, und, und... Daher kommt auch so ein bisschen die Tendenz, warum J. Edgar Hoover damals dann, als das FBI gegründet wurde, den Kommunismusvorwurf gegeben hat und Chaplin so stark in Bedrängnis gekommen ist und dann ja auch ausgewiesen wurde aus Amerika. Ähm, übrigens auch zu der Zeit, als Monsieur Verdoux erschien. Das war für mich eine ganz interessante Frage, die ich dir stellen wollte. Ja? Der Ärger, den, den, den Chaplin hatte mit den USA, mit der US-Regierung, mit Hoover, mit dem FBI, war der Film... Die Ursache dafür, die Hauptursache dafür, einfach ein Mitgrund oder eine Reaktion da drauf? Weil er erschießt dann ja auch ganz doll gegen die USA in seinem Schlussmonolog vor Gericht. Das tut er. Und das, ähm, ich glaube, das ist ein, das ist ein Parallelding. Ähm, das hat früher angefangen, das Problem. Das hat damit angefangen, als Chaplin, ähm, Chaplin wurde irgendwann gebeten, ähm, einzuspringen für jemanden anders, für einen Politiker, der, äh, eine Rede halten sollte. Und das sollte in New York pro Kriegseintritt von Amerika. Amerika sollte in den Krieg eintreten, um ihn schneller zu beenden, damit, ähm, äh, das mit Hitler endlich ein, ein, ein Ende hat. Ähm, und Chaplin hat sich dann dafür eingesetzt. Und zwar aber, dass sie sich der Sowjetunion anschließen. Hm. Und dass sie eine neue Front aufmachen, mit, zusammen mit der Sowjetunion, um dort, ähm, ähm, ne, den, den Krieg zu beenden irgendwie endlich doch mal. Und seitdem hat Chaplin das immer wieder gemacht auch und sich dafür, und dafür Spenden gesammelt und so, dass das gemacht wird und dass es die, die Truppen unterstützt werden können und so. Ähm, und alles mit der Maßgabe, dass, dass wir endlich den Krieg beenden. Ja. Und eben aber auch eben zum, Sympathie zur Sowjetunion. Und dann, ähm, hieß die damals überhaupt Sowjetunion schon? Ja. Okay. Nicht, dass ich hier scheiße bin. Nicht, dass ich hier scheiße bin. Mhm. Ähm, und das war der Anfang dafür, dass J. Edgar Hoover das genommen hat, um sich profilieren zu, also ich unterstelle ihm das mal ein kleines bisschen, aber es ist auch, äh, einigermaßen Konsens unter den meisten, soweit ich das hier sehen kann, dass J. Edgar Hoover für sich einen Erfolgs, äh, einen Erfolg brauchte, um zu rechtfertigen, was er überhaupt tut mit dem FBI und so. Und da braucht, hatte er eine, eine, eine Blacklist quasi. Ja. Und Chaplin war da ganz oben drauf. Mhm. Und dann hat er sich halt Chaplin genommen, um ein Exempel zu statuieren, zu sagen, das ist ein Kommunist und den müssen wir loswerden. Hat, äh, sehr viel mit der Presse, ähm, so, äh, krumme oder nicht krumme Dinge gemacht. Die Presse hatte irgendwie auch, da gab's, ist auch Geld geflossen, ne? Und dann gab's so ein paar Filmfirmen, die ihre eigenen Schauspieler von der Liste nehmen lassen konnten quasi, mehr oder weniger. Und, naja. Und, naja. Chaplin hat halt immer. Äh, integer geantwortet, ne? Er hat sich nicht hingestellt und hat gesagt, nö, ich, ich bin, ähm, überhaupt nicht, sympathisiere überhaupt nicht mit irgendwie, ähm, kommunistischen Idealen. Ähm, war aber tatsächlich anscheinend nie Mitglied in einer Partei oder so. Ja. Es haben, es hat ja damals viele erwischt. Also viele, viele Leute aus der kulturellen Hollywood-Elite. Ja. Also, ähm, wenn mir mal als, als, als größtes Beispiel einfällt, ist Dalton Trump. Rambo, der, ähm, dem auch böse mitgespielt wurde von, von Hoover und vom FBI. Das ist ganz spannend, dass es, ja, dass, dass es ausgerechnet Chaplin erwischt hat. Ja, naja, Chaplin, ich glaube, bei Chaplin ist das Problem, der war ein gutes Opfer, weil er A, nicht Amerikaner war, sondern Brite und B, weil er sich halt nie hat aufweichen lassen in seinen Aussagen. Ja. Weil er immer, immer für das eingestanden hat, was er gesagt hat und er hat auch, auch oft, muss man sagen, schnippisch reagiert. Also er hat schon auch immer dann so leicht überhöhte, ähm, ironische Antworten gegeben. Das ist, der, der, der große Diktator, das war ja auch nicht, das war ja auch nicht frei von Kontroversen. Das war ja noch in der Zeit, als er den Film veröffentlicht hat, als die USA wirklich kein großes Interesse hatten, in den Krieg zu ziehen und vor allem in dem, im Zeitalter, in dem die USA die Sowjetunion als die größere Bedrohung angesehen hat, als Hitler. Ja. Und in der mal, in dem man, in der Sowjetunion war. Und sogar teilweise drüber geredet wurde, dass Hitler ein potenzieller Verbündeter sein könnte gegen, gegen den Kommunismus. Und, äh, der große Diktator wurde ja in vielen Kinos nicht gezeigt, einfach auch, weil die Kinos gesagt haben, hey, bei uns leben zu viele Deutsche und, äh, wollen wir nicht machen. Ja. Ja, Chaplin hatte, äh, damals sehr, ähm, es hat angefangen auf einer Party, ich hab seine Autobiografie gelesen, ähm, und das beschreibt er sehr eindrücklich, dass er auf einer Party, ähm, plötzlich so ein paar Nazis, äh. Hat rumlaufen sehen, was vorher nicht denkbar gewesen wäre. Was dann plötzlich salonfähig wurde und dann Parolen auch in Amerika irgendwie auf Partys so ganz salonfähig gesprungen wurden und sich Chaplin einfach gedacht, das geht so nicht. Dass wir, wir können das auch nicht, also es ist schon schlimm genug, dass es dort drüben so massiv ist und was dort an Idealen, äh, rumgereicht wird. Und wenn wir hier anfangen, nicht irgendwie was dagegen zu tun, dann haben wir auch bald ein Problem. Ja. Ja. Wer wär du, der Schlussmonolog, auch ein bisschen ein Vehikel, um das, was er im großen Diktator sehr spezifisch auf Deutschland und den europäischen Faschismus bezogen hat, zu universalisieren? Das Gefühl hatte ich nämlich, dass es, dass, ähm. Also die gleiche Botschaft, bloß nochmal in, in größeren Zusammenhängen. Genau, ihr Westmächte, ihr seid auch verantwortlich, ihr seid auch nicht unschuldig. Hm, definitiv. Also, aber ich glaube, das ist eine grundsätzliche Sache, die, ähm, die ja auf die ein oder andere Art und Weise, andere Art und Weise ja immer versucht unterzubringen. Einfach, einfach dieses, äh, bitte lasst uns alle friedlich zusammenleben und nicht irgendwelchen Scheiß bauen. Und, und, und er sagt ja nur ganz konkret, ein Mord macht, äh, macht dich zum, zum, ähm, was sagt er, zum, ich such das mal grad raus und schneide diese unsägliche Pause raus. Du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du-du Er ist dann vor Gericht wegen seiner Morde und er hält ein Schlussblätterje und in diesem Schlussblätterje sagt er nochmal, hey, guckt mal, was ich gemacht habe und guckt mal, was der industrielle Komplex, würde man heute wahrscheinlich sagen, der rüstungsindustrielle Komplex alles getan hat. Und ich fand es krass, weil es zum einen natürlich fast wie eine Wiederholung des Schlussmonologs aus Der große Diktator um die Ecke kommt. Du hast das Gefühl, wow, machst du das gerade wirklich nochmal? Nach einer Mördergeschichte machst du nochmal so einen Schlussmonolog, so einen pazifistischen? Also ich war auch irritiert zuerst. Okay, aber er ist nicht so ausgeufert wie beim großen Diktator. Er ist nicht so ausgeufert, aber er hat denselben Pathos, dieselbe Dringlichkeit. Ja. Und dann fand ich es wirklich krass, dass er tatsächlich, dass es eben, dass sein Ziel ganz eindeutig Amerika ist. Es geht einfach um die Rüstung, um die Kriegspolitik Amerikas und das war schon so, wow, okay, das ist mutig, Guts brauchst du dafür, um das so zu machen. Also zum einen so in der Zeit und es geht ja noch weiter, er ist ja dann später in seinem... Er ist ja dann später in seiner Zelle und ein Priester kommt. Und allein, dass ein Priester mit einem Serienkiller in einem Raum dort ist, dass der Priester da reingeschickt wird, das ist gar nicht, das war ein Affront damals. Ah. Das ging eigentlich nicht. Und die unterhalten sich ja und Chaplin gewinnt den Dialog quasi. Ja. Also die reden ja darüber hier... Gott und willst du nicht Frieden mit Gott machen? Und er sagt, mein Konflikt ist nicht mit Gott, mein Konflikt ist mit den Menschen hier. Ja. Und, ja. Bevor er sagt, one murder makes a villain, millions a hero, sagt er, war's conflict, it's all business. Also es ist schon krass, tatsächlich eine krasse politische Aussage. Es ist im Prinzip den Pazifismus der Nachkriegszeit eigentlich antizipiert, das was später in den 50er, in den späten 50ern... In den 50er Jahren, in den frühen 60er Jahren sich langsam entwickelt hat als Hippie-Bewegung. Das antizipiert er damit ja schon fast. Also auch so diese ganz klare Stoßrichtung gegen die industrielle und wirtschaftliche Seite des Krieges. Also ich würde sagen, dass der Spruch, er ist seiner Zeit voraus, mit diesem Film erfunden wurde. Das ist vielleicht ein bisschen viel gesagt, aber ja. Es ist auf jeden Fall... Aber es stimmt, dieser Film ist wirklich seiner Zeit voraus, in ganz vielen Dingen, finde ich. Ja. Und das ist halt schön. Schön. Weil Chaplin es geschafft hat, sich nochmal neu irgendwie aufzustellen. Und nachdem er eine Riesenkarriere gemacht hat und eigentlich hätte nicht nochmal irgendwas machen müssen. Aber er musste. Also einfach das innere Bedürfnis, wie auch beim großen Diktator, das hätte er auch schon nicht mehr machen müssen. Er hatte das tiefe Bedürfnis, sich mitzuteilen. Das ist toll. Ich glaube, ich muss nochmal was Kontroverses sagen. Ich weiß nicht, ob für mich der Schlussmonolog funktioniert. Ich glaube, dieses Bläddoyer ist... Nein! Fehlernplatze. Zumindest aus dem... Und des Protagonisten. Ich finde es ein bisschen forciert, also grundsätzlich diese politische Botschaft am Schluss noch da mit reinzupacken, weil die wirklich so für mich auf den letzten Drücker gekommen ist. So in letzter Minute nochmal so, zack, jetzt kommt nochmal meine politische Botschaft, vergleicht meine Mordserie mit der Mordserie des Militärs. Und ich hätte es spannender gefunden, wenn sie den Verdu-Charakter am Ende... ...geschlagen hätten lassen. Wenn Chaplin gesagt hätte, okay, der Verdu-Charakter hat jetzt alles verloren, er ist jetzt irgendwie am Ende, er ist jetzt irgendwie geschlagen und er geht ohne große Rede geht er jetzt in den Tod. Ich fand es auch, es gibt dann ja noch diese Szene, die für mich ähnlich problematisch ist, dass er dann sagt, dass noch einmal so seine Unschuld betont werden muss, wenn ihm eine Zigarette und ein Rum angeboten werden. Und dann sagt er, ich trinke nicht. Ich rauche nicht. Nee, lass das mal alles weg. Und dann sagt er, Moment, wisst ihr was, ich habe noch nie in meinem Leben Rum getrunken. Ich trinke noch ein Glas Rum. Und dann ist, da wird noch einmal so voll drauf gehauen. Hey, guckt mal, wie naiv, wie unschuldig und wie liebenswert dieser Typ ist. Ja. Ich hätte es spannender gefunden, wenn dieses Ende getragener und tragischer geblieben wäre. Nicht nochmal so, nicht nochmal durch die politische Botschaft aufgebrochen und nicht nochmal durch diese letzte Betonung. Der Naivität des Protagonisten aufgebrochen. Ich glaube, dass das auch seiner Zeit zu schulden ist. Ich glaube, das war die Zeit der großen Reden und der großen Plädoyers. Und wenn man, ich glaube fast, dass das Publikum das vermisst hätte, wenn es nicht getan hätte. Vielleicht. Aber er auch. Also ich meine, er ist auch einfach ein Typ für große Ideale und große Reden. Nein, das war glaube ich nicht fürs Publikum. Das war für Chaplin. Das hatte Chaplin. Für sich und für seinen Seelenfrieden gemacht. Ja, okay. Und er hat damit auch ein bisschen den Schluss vom großen Diktator wiederholt. Na gut. Ja. Das Spannende ist, dass die amerikanische Zensur schon beim Drehbuch, man musste ja damals die Drehbücher schon einschicken, bevor man überhaupt anfängt zu produzieren. Die haben damals schon ganz viele Sachen, die eigentlich hätten anders sein sollen im Drehbuch moniert. Und ich habe dann mussten... Da musst du umschreiben, viele Sachen. Es wäre noch kontroverser geworden eigentlich. Können wir einmal ganz kurz nochmal auf das Drehbuch zurück zu sprechen kommen? Ja, ja. Vielleicht hast du da noch mehr Hintergrundinformationen, weil ich habe dann plötzlich den Namen Orson Welles gelesen. Ja, genau. Und dachte so, wow, es sieht so ein bisschen aus, als hätte Orson Welles eine wirklich makabere, schöne, düstere, Welles-klassische Thriller-Geschichte im Kopf gehabt. Und dann hat Chaplin das Boot geändert. Hat Welles von Bord gestoßen und hat daraus eine... Merkwürdige Mixtur aus schwarzer Komödie, Tramp, Tragikomödie und charmantem Serienklafffilm gemacht. Aber vielleicht irre ich mich auch. Ja, ich weiß nicht, ob ich den vielleicht lieber totgeschwiegen hätte, dieses Problem, aber es existiert ja. Also es ist so, bevor der Film überhaupt rausgekommen ist, beziehungsweise überhaupt in Chaplains Kopf war, war er im Kopf von Orson Welles. Weil es gab einen Typen... Van Langeau, den es tatsächlich gab in Frankreich, der dieses Konzept seines Lebens fuhr, der machte das so. Und Orson Welles dachte sich, das ist doch großartig, lass uns eine Reihe von Dokumentarfilmen machen, unter anderem eben über diesen Typen. Und wollte Chaplin als Hauptfigur besetzen. Aber eben unter seiner Regie. Und Chaplin wollte nicht... Also nach einigem Hin und Her wollte Chaplin dann nicht... Also unter anderer Regie als seiner eigenen Arbeiten. Und hat Orson Welles dann diese Idee und das Drehbuch, wie es bis dahin stand, abgekauft. Und dann hat er aber eben im Drehbuch sehr viel geändert, sodass es am Ende nur noch heißt, nach einer Idee von Orson Welles. Und nicht mehr Drehbuch Orson Welles. So. Und Chaplin sagte sogar später, wenn er gewusst hätte, wie sehr sich Orson Welles... Wenn er sich schon darüber aufregt, hätte er ihm gar keinen Credit gegeben. Weil also das... Die waren... Die sind wirklich aneinandergeraten und Orson Welles hat Chaplin dann als dummen Dieb bezeichnet. Und das war kein schönes Verhältnis dann mehr. Das kann ich mir vorstellen. Ja. Ich bin nicht der größte Orson Welles Kenner, aber ich habe... Das, was ich von Orson Welles gesehen habe... Ich habe nicht... Nein, in diesem Film ist nicht mehr viel von Orson Welles übrig. Nein. Ich habe nichts in diesem Film an Orson Welles erinnert. Es gab keine Szene, wo ich dachte, ah, das ist doch die Handschrift von Welles. Zumindest narrativ, wenn... Der Anfang ist ja ähnlich dem, was Orson Welles geschrieben hat. Der Anfang. Danach wird es sehr Chaplin. Ja. Ja. Nun gut, der Film wurde damals eher schwierig aufgenommen. Seine Hardcore-Fans sind natürlich ins Kino gerannt. Das heißt, die ersten zwei, drei Wochen liefen gut für Chaplin. Danach wurde es mau und war nur eigentlich in Europa richtig erfolgreich. Und zwar in Frankreich. In Deutschland, glaube ich, gab es, wie auch beim großen Diktator und auch bei LimeLight später, große Verzögerungen mit der Veröffentlichung. Ich möchte gerne die Synchronisation einmal vorheben, die ich wirklich sehr gelungen finde von diesem Film. Im Deutschen funktioniert dieser Film sehr gut. Die deutsche Synchronisation? Ja. Wird inhaltlich was geändert? Inhaltlich habe ich das Gefühl, dass sie ein, zwei Sätze so schreiben, dass sie... Dem Deutschen besser verständlich machen, was Chaplin meint. Und auch emotionaler werden. Der Schlussmonolog ist ein kleines bisschen anders. Und ich habe das Gefühl, fast ein bisschen mehr auf den Punkt. Das ist jetzt meine Erinnerung an das, was vor ein paar Jahren war. Ich weiß es nicht mehr, weil ich jetzt gerade erst den Film auf Englisch gesehen habe und nicht mehr auf Deutsch. Aber als Kind habe ich ihn natürlich auf Deutsch gesehen und habe Erinnerungen daran, dass manche Dialogfetzen... ...tatsächlich anders waren und irgendwie auch ganz gut auf den Punkt. Ah, interessant. Es gibt viele Wortspiele in diesem Film. Ich kann mir vorstellen, dass es einige Stellen gibt, die schwierig sind zu übersetzen. Zum Beispiel, wenn er sich als der Kapitän... In seiner Rolle als Kapitän trifft er eine Frau, die er... Ah, ich glaube, die Witwe sogar. Die er vorher als jemand anderes das Haus verkauft hat und stellt sich dann vor als Bonheur. Und dann sagt die... Also sie... Ja, genau. Und dann korrigiert er sich, um ihr zu sagen, dass sie eigentlich nur einen guten Tag wünschen wollte, weil der Kapitän heißt Bonheur. Und es gab einige von diesen Wortspielen. Ich kann mir vorstellen, dass es das schwierig macht, den Film ins Deutsche zu übertragen. Aber ja, interessant. Hast du eine DVD auf Deutsch? Nee, leider nicht. Okay. Sonst könnte man da nochmal reingucken. Würde mich interessieren. Also gerade bei diesen alten Filmen. Finde ich es immer ganz spannend, weil mittlerweile gibt es so bei der Synchronisation ins Deutsche mehr Bemühen, näher am Original zu sein. Und damals wurde noch viel freier übersetzt und synchronisiert und auch teilweise wirklich Inhalt verstellt und Dialoge wurden komplett abgeändert. Teilweise aus künstlerischen Motiven, teilweise aus politischen Motiven. Ich glaube, teilweise einfach aus Laziness. Nein, nicht aus Laziness. Auf gar keinen Fall aus Laziness, denn aus Laziness passieren heute die Fuck-Ups. Die haben sich damals sehr viel Mühe gegeben mit der Synchronisation und Deutschland war ja auch immer Vorreiter, was die Synchronisation betrifft, weil die schon ganz früh angefangen haben, alles einfach ins Deutsche zu übertragen. Deswegen können wir sowieso so schlecht Englisch. Ja, das ist wirklich traurig. Unsere Synchronisationen sind einfach zu gut. Heute ist es halt so, dass wir immer weniger Zeit haben für immer mehr Filme. Netflix-Produktionen. Teilweise sind unterirdisch schlecht synchronisiert, weil Netflix so viel auf die Firmen ablädt und sagt, hier macht man, macht man, macht man. Dann haben die plötzlich ein riesiges Volumen an Arbeit und nicht genug Personal dafür und nicht genug Leute, die das wirklich gut übersetzen können. Und also, ja, es ist wahnsinnig schwierig. Und deswegen finde ich, möchte ich immer wieder eine Lanze brechen für die alten Synchronisationen. Die haben viel mehr Zeit gehabt und viel mehr Gedanken reingesteckt. Wenn ich an alte Synchronisationen denke, dann denke ich an sowas wie die Bud Spencer und Terrence Hill-Filme, wo sie teilweise aus düsteren Spaghetti-Western lustige Komödien gemacht haben. Oh ja, das können wir dem Publikum nicht zutrauen. Das muss irgendwie lustiger sein. Obwohl auf der visuellen Ebene schon sehr viel Witziges passiert bei Bud Spencer und Terrence Hill. Also der Kontrast kann gar nicht so krass gewesen sein, aber inhaltlich haben sie tatsächlich das eine oder andere. Und es ist übrigens immer wieder ein Erlebnis. Ich finde es toll, dass Filme, die man als Kind oder Jugendlicher in Deutsch geguckt hat, jetzt im englischen O-Ton zu gucken. Zum Beispiel sowas wie Bill & Ted's Excellent Adventure, Bill & Ted's Verrückte Reise in die Vergangenheit oder Verrückte Reise durch die Zeit. Wo so Sachen wie Rock on, Dude übersetzt wurde in volle Kanahoshi. Oh nein. Und es ist toll zu sehen, wie kreativ damals bei den Synchronisationen vorgegangen wurde, um Begriffe zu finden, die irgendwie das ausdrücken, was das englische Original ausgedrückt hat. Das berühmteste Beispiel für mich ist Humphrey Bogart in Casablanca. He's looking at you, kid. He is looking at you, kid. Ja. Und ich habe lange gebraucht herauszufinden, was das eigentlich wirklich heißt. Ich habe gedacht, eigentlich ursprünglich habe ich gedacht, er sagt, he is looking at you, kid. Und dachte, er bezieht sich auf Gott. Ja, könnte man meinen. Er sagt aber, here is looking. Ah, er sagt hier. Und das heißt eigentlich eher, Prost auf dich. Yeah, here is looking at you, kid. Ist aber auch schwer zu übersetzen. Ja, und er sagt im Deutschen halt, ich schaue dir in die Augen, Kleines. Was? Ja. Was? Hä? Aber es ist auch in Deutschland so eine Ikone geworden quasi durch diesen Satz. Ja. Und dieses here is looking at you, kid ist ja auch genauso ikonisch im englischen Raum. Ja, genau. Ich finde es schön, dass sie es wenigstens geschafft haben, so dass dieses nette, erniedrigende, unterwerfende, das Frauen damals entgegengebracht wurde, mit dem Kid in das Kleines zu übersetzen. Das ist eine gelungene Übersetzung. Ach ja, die 50er Jahre. Tja. Casablanca, wann ist die 50er? 42. 42? Casablanca? Ja, Casablanca wurde noch während des Krieges getreten. Wow. Über den müssen wir auch mal reden. Wir müssen, ich habe nämlich auch schon gedacht, wir müssen über Casablanca reden. Tatsächlich einer meiner liebsten Filme der Epoche. Ja. Und nicht wegen der Liebesgeschichte. Nein, um Gottes Willen. Alles drumherum ist fantastisch, die Liebesgeschichte ist nett. Ja, aber die Liebesgeschichte gehört schon rein. Gehört rein, definitiv. Die gehört auf jeden Fall rein. Klar, das ist die Story. Ja. Aber wenn die, wenn in dieser französischen Bar die Franzosen, die unter Besatzung leben, dann die französische Nationalhymne anstimmen, um die Deutschen zu übersehen und alle feiern mit und alle jubeln, ist es, oh, Gänsehaut. Das ist einfach großartig. Oh mein Gott. Den habe ich auch mehrmals gesehen. Also wirklich oft, weil das ist so ein großartiger, ja, und es ist Bogart. Ja, Bogart ist immer cool. Ja. Schön, okay, dann reden wir darüber dann mal demnächst. Ja. Sehr gut. Dann machen wir jetzt eine kurze Pause und danach geht es weiter mit einem Film, der deutlich jünger ist. Ja, deutlich jünger. Und doch etwas anders als Monsieur Verdoux. Klimax von Gaspar Noé. Bis gleich. Bis gleich. So, läuft wieder. Wir sind wieder da. Herzlich willkommen zum zweiten Teil, diesmal zum Film Klimax, den Plor vorgeschlagen hat. Ja. Dann mach doch mal deine Einführung, Plor. Ich glaube, ich muss mit einer Entschuldigung starten. Danke. Tut mir leid, Johannes, dass ich dir schon wieder einen solchen Film zugemutet habe. Ich bin sehr stolz auf dich, dass du das durchgestanden hast. Das weißt du gar nicht. Vielleicht habe ich abgebrochen nach einer Stunde. Ja, das kommt auch jetzt gleich in meiner Einleitung schon zu Wort, dass man den Film hier durchaus abbrechen kann. Okay. Aber fangen wir an. Klimax aus dem Jahr 2018 ist der jüngste Film von Gaspar Noé. Einem der großen Filmmacher der New French Extremity. Ein Begriff, auf den wir bestimmt auch nochmal zu sprechen kommen. Und er handelt grob gesagt von der eskalierenden Party einer französischen Tanzgruppe, die sich peu à peu vom hedonistischen Rausch in Plankenhorror entwickelt. Und wie schon gesagt, eigentlich meint es der Film gut mit dem Publikum. Er gibt nämlich schon nach wenigen Minuten die Möglichkeit zur Flucht. Kaum haben wir beigewohnt, wie eine junge Frau halb lachend, halb weinend in den Schnee gefallen ist, rollen auch schon die Endcredits. Inklusive Hinweis darauf, dass diese Geschichte auf realen Ereignissen basiert. Wir können jetzt aufstehen, den Kinosaal verlassen, beziehungsweise Netflix schließen und alles wäre gut. Diese Möglichkeit zur Flucht wird es nach ungefähr einer Dreiviertelstunde noch einmal geben. Wieder die Liste der Beteiligten, eine Verbeugung vor dem Soundtrack, Endcredits, Black. Wer danach immer noch sitzen bleibt, der hat es wohl nicht anders verdient. Und damit zu dir, Johannes. Ich musste ja weitergucken. Ich glaube, es gab von Kishon mal eine Geschichte darüber, wie man über ein Buch redet, das man nicht gelesen hat. Da hat ihm mein Freund ein Buch gegeben und gesagt, das musst du unbedingt lesen. Und das nächste Mal, als er ihn getroffen hat, ich habe es noch nicht gelesen. Und irgendwann war es aber so peinlich, dass er angefangen hat, mit ihm über dieses Buch zu reden, ohne es gelesen zu haben. Das ist ja so. Eine tolle Liste von Filmen, von denen Leute behaupten, sie gesehen zu haben, ohne sie gesehen zu haben. Und es gibt wirklich so eine Top Ten. Also es gab wohl so eine Studie, eine Umfrage und dann wurde das geguckt. Und dann haben dann bei der Umfrage Gott sei Dank erstaunlich viele Leute zugegeben, dass sie Film XY nicht gesehen haben, aber ständig behaupten, das getan zu haben. Auf Platz 1 war Der Pate. Oh, aber der ist wirklich sehenswert. Ich finde ihn auch sehenswert. Ich habe ihn gesehen, wirklich. Habe ich ihn gesehen? Ja, ja, ich habe es auch gesehen. Aber das war so ungefähr die Art von Filme. Also diese großen Klassiker, wo die Leute behaupten, ihn gesehen zu haben. Okay. Einfach, weil es zu peinlich ist, dass man ihn nicht gesehen hat. Bei Climax, Climax ist nicht so ein Film. Climax ist ja jetzt kein großer Film. Der hat auch, glaube ich, keinen großen Eindruck hinterlassen. Und auf jeden Fall nicht so einen großen Eindruck wie frühere Filme von Gaspar Noé. Und er ist tatsächlich, auch wenn man ihn mit anderen Filmen dieses Filmemachers vergleicht, harmloser. Allerdings ist er alles andere als harmlos. Er hat ja auch wirklich gute Kritiken. Er scheint ja wirklich gut aufgenommen worden zu sein. Bis auf ein paar Stimmen, die so ein bisschen was moniert haben. Ich muss leider gleich am Anfang sagen, dass ich zu oft gedacht habe, was will der Künstler uns damit sagen? Und nicht reingekommen bin. Gar nicht? Ich bin nicht reingekommen in den Film. Das heißt, alles das, was der Film eigentlich mit mir machen möchte, an emotionalen Hochwertigkeit, auch in Tiefs, das ist alles an mir vorbeigegangen. Das ist spannend, weil ich fand den Film jetzt auch beim zweiten Schauen, fand ich war der Film wieder wie beim ersten Mal schon eine ziemliche Qual. Ich habe in meiner Rezension, die ich damals zu dem Film geschrieben habe, als ich geschaut habe zum ersten Mal, das war vor einem halben Jahr. Nee, vor anderthalb Jahren. Im Sommer 2019 habe ich geschrieben als Schlusswort, um das einmal vorzulesen. Was bleibt, ist die Erinnerung an hypnotische Beats, wilde, zuckende Körper, unfassbares Leid und einen wieder einmal wahnsinnig starken Film von Gaspar Noé, dem man für jede Sekunde dankbar ist, den man nun aber wirklich nicht ein zweites Mal sehen will. Und jetzt, als ich ihn zum zweiten Mal geguckt habe, in Vorbereitung von unserem Gespräch, konnte ich das auch nur wieder unterschreiben, weil der Film ist unfassbar. Es war anstrengend, gerade so im letzten Drittel. Und innervierend und auch wirklich brutal, nicht nur zu seinen Protagonisten und Protagonistinnen, sondern auch brutal zu seinem Publikum. Ich finde es ganz spannend, dass du jetzt sagst, du bist nicht reingekommen und er hat bei dir emotional auch nicht so ein Gefühl von Beklemmung oder Angst oder Leid ausgelöst. Ich war irgendwann einfach genervt. Du warst genervt? Okay, weil er immer wieder an mir gerüttelt hat, der Film. Ja. Aber den Schlüssel verloren hat, wie die Frau. Der hat den Schlüssel zu meiner Emotion irgendwo auf der Strecke verloren. Weißt du? Und hat die Tür nicht aufgekriegt zu mir, zum Zugang. Das ging nicht. Das hat nicht funktioniert. Und irgendwann war ich halt einfach genervt davon, dass er ständig an mir rüttelt. Ich wusste sozusagen, ich sehe sozusagen, was er will, aber er erreicht mich damit nicht. Und das ist schon wirklich hart, dem in Zeitlupe zuzuschauen, dass er an mir vorbeirennt, ist nicht schön. Ja, das kann ich mir vorstellen. Interessant. Das war traurig und frustrierend. Ja. Naja. Steigen wir mal mit der Struktur ein, weil die fand ich tatsächlich spannend. Das ist auch etwas, was ich gerne nach vorne stellen möchte, was ich als wirklich gut und toll, also mich hat sehr gefreut, dass er gleich am Anfang die Credits gebracht hat, dass er das immer wieder auch aufgebrochen hat und immer wieder einen neuen Film sozusagen angefangen hat, obwohl er keinen neuen Film anfängt. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Finde ich schön. Fand ich wirklich ein tolles Mittel und eine gute Art und Weise, mir so Abschnitte aufzuzeigen oder mir irgendwie aufzuzeigen, das ist jetzt ein Film, der nach einem Filmmuster funktioniert, aber das gleichzeitig aufbrechen will. Finde ich toll. Er ist ja sehr streng strukturiert und gleichzeitig sehr ungewöhnlich, weil er hat am Anfang diese Schlussszene, was durchaus öfter vorkommt im Horrorfilm, im Storyline, in ganz vielen Genres, diese Antizipation des tragischen Endes. Mhm. Und dann ist er aber auch einfach wirklich knallhart und sagt, oh, okay, der Film ist jetzt fertig, Endcredits. Und dann kommt dieser relativ kurze Part, der eben einfach doch ziemlich lang vorkommt, wo die Clips gezeigt werden von den einzelnen Tänzern und Tänzerinnen, wie die befragt werden. Am Anfang. Was sie sich vorstellen, was für eine Karriere sie machen wollen. Und es ist etwas sehr, sehr Dokumentarisches. Man sieht diesen klassischen 4 zu 3 Fernseher und man sieht die Protagonistinnen. Wie sie reden und wie sie interviewt werden. Und zwar geht es um ein Engagement in einer Tanzgruppe, die versuchen will, auch international erfolgreich zu sein. Und sie werden gefragt, ob sie sich das vorstellen können und ob sie das auf sich nehmen wollen, ob sie das schaffen mit langen Trainingseinheiten. Und es ist sehr dokumentarisch. Diese Dialoge wirken teilweise improvisiert. Die sind improvisiert, soweit ich das dann rausgefunden habe später. Und ich finde, das merkt man ihnen leider an. Man merkt es ihnen leider an. Es sind tatsächlich Tänzerinnen und Tänzer. Also Gaspar Noé hat sehr bewusst nicht Schauspieler, keine klassischen Schauspieler gecastet, sondern er hat Leute von der Straße aufgelesen. Klingt jetzt ein bisschen krass. Wahrscheinlich hat er das nicht so gemacht. Also er wird schon geguckt haben, wer auch gut spielen kann. Ich fand, die Schauspielleistung gehört nicht zu den großen Stärken des Films. Für mich gehört die Schauspielleistung zum Hinkefuß der ganzen Zeit. Oh, okay. Das ist halt das Problem. Ich glaube, daran scheitert der Zugang zu mir. Ah, ich fand, ja. Es gibt diese Momente, gerade wo man merkt, jetzt soll die Geschichte erzählt werden und jetzt soll tatsächlich was auf einer narrativen Ebene geschehen. Zum Beispiel, wenn die Beziehung zwischen den Geschwistern ausgelotet wird, wenn sie miteinander und übereinander reden. Da merkt man es. Aber gerade in diesen Improvisationen, wo die Leute einfach nur so aus dem Stehgreif reden, fand ich, hat das sehr gut funktioniert. Und für mich hat das komplementarische Moment am Anfang, voll eingeschlagen und hat mir wirklich geholfen, die einzelnen Charaktere zu verstehen und auch Sympathie oder auch Antipathie zu empfinden. Ja, ich fand das Konzept an sich ganz cool. Diese Interviews am Anfang, die haben mich nicht getragen. Das Band ist irgendwann abgerissen. Ich konnte mich nicht weiter darauf einlassen, dass jetzt noch ein Interview kommt. Und es sagt ja niemand was Neues. Ja, also ab und zu mal kommt was, wo ich denke, ah, da verspricht mir der Film einen späteren Verlauf, der aber leider nicht eingelöst wird. Also es werden immer wieder Sachen geteasert, die überhaupt nichts dann mit dem Film zu tun haben. Das ist halt der Nachteil bei Improvisationen. Du wirfst, also jeder wirft irgendwie Sachen rein, die er gerade so toll findet. Aber ein vorher erdachter Dialog oder Monolog will ja auf etwas hinaus. Und man merkt, dass diese Schauspieler auf nichts hinaus wollen. Weil sie wissen nicht, was später passiert. Es ist auch ein Teil davon, definitiv. Es ist auch ein Teil von dem Konzept, dass es diese Redundanz gibt. Und dass es auch diese narrative Trägheit gibt. So könnte man es vielleicht nennen. Was ich ganz spannend finde, ist in dieser Szene, was am Rande passiert. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Das Ganze ist nämlich schön kadriert in einem tatsächlichen TV-Screen. Und rechts und links hat Gaspar Noé links Bücher und rechts Filme gestapelt. Und rechts und links hat Gaspar Noé Bücher. Als wolle er uns sagen, hey, passt auf, Leute. Und guckt schon mal so ein bisschen auf die Einflüsse. Als wollte er schon mal so ein bisschen warnen, was in dem Film auf uns zukommt. Aber wenn ich jetzt schon abschweife und mir den Buchtitel durchlese, weiß ich nicht, ob das für den Film spricht. Hast du es getan? Nein, ich habe es tatsächlich nicht getan. Ich kann mal einmal kurz auflisten. Also wie gesagt, wir haben links Bücher stehen. Und zwar erstaunlich viel zum Thema Filmgeschichte. Also unter anderem eine Biografie von Fritz Lang und eine Biografie von Murnau. Und ein Buch über Taxi Driver, offensichtlich. Aber dann daneben auch zum Beispiel Friedrich Nietzsche. Freuds Psychopathologie des Alltagslebens. Was so eine weitere Auskundschaftung des Unterbewussten von Freud war. Ein Buch von oder über Louis Buñuel. Kafka ist die Verwandlung. Eine Biografie von Patty Hears. Das muss ich auch googeln. Die wurde damals in Amerika von einer linksradikalen Gruppe entführt. Und wurde dann aber Teil dieser Gruppe. Und wurde später als Terroristin verurteilt. Und hat vor Gericht angegeben, dass sie unter Drogen gesetzt worden wäre. Um diese Taten zu begehen. Ein Buch von Bakunin, dem berühmten Anarchisten. Und ein Buch über einen Künstler für erotische Fotografie Anfang des 20. Jahrhunderts. Es ist eine wilde Mischung. Man guckt da drauf. Ich habe jetzt einmal auch pausiert, um nochmal genau zu gucken. Und das sind die französischen Titel. Ich musste dann auch jedes Mal googeln. Okay, was ist das überhaupt für ein Buch? Und dann, ah, okay, wir haben das hier. Mit dem und dem zu tun. Es ist eine wilde Mischung. Aber sie zeigt, ich finde, sie gibt schon einen ganz guten Einblick darin, wie Noé tickt. Und wie auch der Film tickt. Es ist eklektisch. Es ist wild. Und es ist so eine Mischung aus Psychopathologie, Horror und Anarchie, Drogen. Und die Filme, die er rechts auffährt, die sind auch primär aus dem Horrorbereich tatsächlich. Also er hat das Suspiria-Liegen. Den Giallo-Klassiker von Dario Acento. Dann Zombie, der zweite Film aus der Living-Dead-Reihe von George R.R. Murrow. Und unter anderem dann noch Possession, so einen großartigen, surrealistischen Mystery-Film Anfang der 90er oder Ende der 80er. Also was er hinkriegt damit, ist Set the Mood. Auf jeden Fall. Ich finde auch, selbst wenn ich sozusagen nicht lesen kann, welche Titel da liegen, worauf er sich so bezieht und so, bekomme ich im ersten Teil auf jeden Fall ein Gefühl für eine Stimmung, was dem Film auf jeden Fall zugute gehalten werden muss. Weil es ist nicht leicht, mit einfach nur Interviews eine bestimmte Stimmung herzustellen. Also es ist schon cool. Ja, definitiv. Ich mochte diesen Kontrast zwischen den relativ harmlosen Interviews, wo es wirklich einfach auch um Tänzerinnen und Tänzer geht und ihre Leidenschaften. Und das, was sie sich vorstellen und was sie sich wünschen. Und diesem fast schon apokalyptischen Reigen links und rechts. Weil natürlich, wenn man dann liest, Nietzsche, Bonoel und Kafka, dann fliegen natürlich auch Bilder durch den eigenen Kopf. Es gibt so eine apokalyptische Erwartungshaltung auch irgendwie. Und das ist auf jeden Fall offensichtlich die Moderne, die es Noé da angetan hat. Es ist ganz stark Kunst, und Wissenschaft und Philosophie der Moderne. Eines Zeitalters, das vor 100 Jahren war, das eigentlich vorbei ist. Die ja hier in diesem Film, der von zeitgenössischem Tanz unserer Zeit handelt. Und dann sind die Interviews vorbei und wir sehen die Tanzprobe und das anschließende Feiern. Da war meine erste Irritation, was ich nicht wusste, was ich ja vorher nicht gelesen habe. Der Film spielt, 1992. Ja. Ich habe nicht erkannt, dass es die 90er sind. Ich habe sofort an die 80er gedacht, als die Interviews in diesem Fernseher waren. Habe ich gedacht, aha, 80er-Ästhetik und so weiter. Dann war aber in den Szenen an sich von den 80ern nicht mehr viel zu merken. Sowohl musikalisch als auch kleidungstechnisch nicht unbedingt. Vielleicht so ein oder anderen Anschlag, der aber auch einfach den... dem geschuldet werden könnte, dass es eben in den 90ern spielt, was mir aber nicht vermittelt wurde im Film, sodass ich gleich vielleicht zu Unrecht eben dieses Spannungsfeld hatte von Okay, da hat jetzt dieses Stilmittel von den 80ern mit dem mit den Interviews in diesem Fernseher, die auch so ein bisschen diese Streifen, diese Streifen und so weiter haben. Und jetzt wird es aber nicht eingelöst. Irgendwie. Ich weiß nicht. Irgendwie bin ich plötzlich wieder wo ganz anders. Und dann machen die da irgendwie modernen Tanz und äh, dieser typische Deathdrop, den ich aus von RuPaul kenne, den sie da alle paar Sekunden in einem Tanz in der Choreografie machen. Ich weiß nicht. Keine Ahnung. Irgendwie war da schon für mich das Erste, was nicht ganz stimmte. Ich hatte tatsächlich, ich hatte überhaupt nicht das Bedürfnis, mich zeitig verorten zu lassen während dieses Films. Also natürlich war da diese 80er Reminiscenz mit dem Fernseher. Aber spätestens, als dann die eigentliche Handlung begonnen hat, die ja mit diesem, mit dieser choreografierten Performance anfängt, fand ich, war der Film ziemlich zeitlos. Es war auch dieser Tanz, dafür bin ich vielleicht auch zu wenig, bin ich zu wenig drin in der Tanzgeschichte. Für mich hatte der Tanz jetzt nicht so, ah, das ist 90er, das ist Anfang 90er. Für mich hat er nicht das Gefühl erweckt, so, oh, ich würde mir eigentlich einen Tanz wünschen, der mehr in den 80ern stattfindet oder der mehr heute stattfindet. Es war einfach, es hatte so eine Zeitlosigkeit, einfach weil dann die Energie im Vordergrund stand. Es war einfach, es ging, das, was dann plötzlich im Zentrum des Films stand, war einfach die Bewegung. Und dafür war mir der Anfang zu stark ästhetisiert auf die 80er oder den Anfang der 90er. Und natürlich, der Film spielt in den 90er, Anfang der 90er, was dann im Nachhinein sozusagen durch die Recherche, habe ich gedacht, ah, okay, jetzt verstehe ich auch ungefähr, was er da wollte, weil der Fernseher natürlich auch in den 90ern so da war und so präsent. Es wird ja auch auf Berlin referiert, Anfang der 90er, ganz klar, diese Berlin-Referenz. Ich habe es sozusagen nicht verstanden und mir war der Kontrast dann sozusagen zu stark. Auch weil die Tanzszenen ich tatsächlich eben auch nicht in den 90ern, sondern eben noch moderner verortet habe in meinem Kopf, was vielleicht eben auch falsch ist, aber irgendwie entweder er erwartet von mir als Zuschauer, dass ich das einsortieren kann, dann hat er das Falsche erwartet. Oder er erwartet von mir, dass ich wirklich, wie du sage, alles zeitlos, aber dafür wäre das Anfangsbild mir dann doch zu festgelegt. Zu festgelegt auf die 80er, verstehe ich. Deswegen kam für mich diese Schere im Kopf, die ich nicht zusammenbekommen habe, zwischen der Ästhetik am Anfang und dem, was dann eingelöst wurde an Einsortierung. Du hast dir dann auch gewünscht, irgendwie eine klare Zeit zu haben, einen klaren Rahmen zu haben. Ja, wenn er schon so anfängt, dann wäre das gut gewesen. Das hat sich bei mir komplett aufgelöst. Also ich hatte den Tanz und die Atmosphäre auch tendenziell eher Ende der 90er verortet. Ja, 2000er irgendwie ein bisschen später, ich weiß nicht genau, so ein paar Sachen kamen mir halt irgendwie so modern vor, was aber auch sein kann, dass das einfach viel früher, als ich das im Kopf habe, so getanzt wurde und heute so wieder hochkocht. Ja. Da kommt mein Unwissen dann vielleicht wieder zum Tragen. Aber so ein bisschen Tanzgeschichte habe ich ja auch im Kopf. Weiß nicht, naja. Jedenfalls gab das schon die erste Schere und das hat dem Film im Genuss dann am Ende nicht gut getan, weil ich schon dort angefangen habe zu zweifeln. Und dann wird erstmal gefeiert, ne? Dann wird erstmal gefeiert und dann kommt das, was mich sehr beeindruckt hat, ewig lange Kamerafahrten ohne Schnitt. Ja, großartig. Was schon geil ist. Ja, definitiv. Also der Kameramann, der wurde dann anscheinend auch hervorgehoben in der Kritik später. Benoit Bibi. Supermann hat er sehr, sehr gut gemacht. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es improvisiert ist. Ja. Und er dann einfach hinterherhächeln musste, was jetzt, ah, passiert das, ja, passiert das. Obwohl das mit der Improvisation ja auch so eine Sache ist. Man merkt trotzdem der Kameraführung und der Geschichte an, dass der zwanzigste Take dann ja trotzdem, da wussten dann doch alle, was passieren würde. Es gibt ja auch einfach viele klare Handlungsmomente. Es gibt ja auch Charaktere, die klar definiert sind. Wir haben zum Beispiel diesen nymphomanischen Typen, den fand ich total spannend, der die ganze Zeit rumläuft und das ist eigentlich klar, er will irgendwas flachlegen, egal ob Frau oder Mann, egal ob jung oder alt, ist es vollkommen egal. Und er baggert sich ja quasi durch diese Umgebung. Und die Kamera folgt ihm auch ziemlich lange. Er ist eigentlich sogar der Erste, der so stark im Fokus steht, wie er da rumläuft. Und versucht irgendwo einen Stich zu landen. Und dann gibt es, wie schon gesagt, das Geschwisterpaar, wo es ganz offensichtlich eine sehr dominante Beziehung zwischen Bruder und Schwester gibt. Und die Schwester sich versucht, davon irgendwie zu befreien. Also es wurden, man könnte jetzt, wenn man böse wäre, könnte man sagen, Stereotypen, ich würde sagen, fast schon Archetypen wurden da einfach entworfen von Leuten, die in Beziehungen zueinander stehen. Und da wurden die Charaktere stark genug herausgearbeitet, und natürlich, klar, das waren wahrscheinlich viele Takes und wahrscheinlich hast du unglaublich viel Material von diesem Film, das nicht verwendet wurde, nicht verwendet werden konnte. Und dann irgendwann wurde auch alles ein bisschen mechanischer. Aber ich habe mich aus dieser Bewegung nie rausgerissen gefühlt. Und das liegt eben auch daran, dass wirklich alles in Bewegung ist. Die Kamera ist in Bewegung, die Leute sind in Bewegung. Die Kamera ehrt, wie die Person ehrt, die Kamera durch die Räume versucht, Eindrücke aufzufangen. Das ist langweilig auch manchmal. Verschwindet einfach, lauscht kurz in Gesprächen. Man merkt so, die Kamera denkt, ach, das ist es überhaupt nicht wert. Lass uns weitergehen. Und das ist eine Form der Kamera, die wir bei dem Kameramann Benoit Deby sehr oft sehen. Und der hat auch schon öfter mit Gaspar Noé zusammengearbeitet. Und das ist auch so ein markantes Merkmal von dessen Filmen, dass alles in Bewegung ist, alles pulsiert und die Kamera in Bewegung ist. Und das funktioniert natürlich unglaublich gut bei einem Tanzfilm, der von Bewegung handelt. In dem Film geht es vor allem um Bewegung. Die Kamera tanzt ja mit dem Schauspieler im Grunde. Die Kamera tanzt mit den Schauspielern oder bewegt sich mit den Schauspielern, weil irgendwann ist ja auch der Moment, wo von Tanz nicht mehr viel übrig ist, wo du das Gefühl hast, dass es sich nur noch um zuckende, sich merkwürdig bewegende Körper handelt. Kannst du mir sagen, warum man das ausgerechnet mit einer Tanztruppe inszenieren muss, diese Geschichte? Weil mir hat es sich nicht erklärt. Ich habe gedacht, ah, jetzt geht es um Tanz, ah, interessant, das ist mein Thema auch. Für mich ist es wirklich ein großes Thema. Tanz ist für mich wirklich wichtig. Und dann nutzt er das Thema nicht. Er hat halt eine Tanztruppe. Okay, es könnten aber auch die anonymen Alkoholiker sein. Es ist nicht das Thema Tanz. Es ist das Thema Bewegung. Tanz eignet sich natürlich, um das Thema Bewegung, menschliche Bewegung auszudrücken. Das Gegeneinander, das Miteinander. Hat er nicht gut genug genutzt, finde ich. Also dann hat man nicht, man hat diese Parallele nicht zusammenbekommen. Gerade am Schluss, wenn die Party eskaliert, die Gewalt, die ausbricht, sowohl die sexuelle Gewalt, die physische Gewalt, finde ich sehr viel von einem Tanz auch. Es gibt immer diese Tanzmomente, wenn sie sich gegenseitig anzünden und wenn sie sich gegenseitig rumschubsen und versuchen herauszufinden, wer die Drogen in das, in die Sankria gemischt hat. Aber weißt du was? Mein Gedanke war bei der ganzen Geschichte, dass ich Tänzern dabei zusehe, wie sie versuchen, körperliches Schauspiel zu betreiben und deswegen das Ganze tänzerisch wird. Nicht, weil es inszeniert ist, nicht, weil das Thema das braucht, sondern weil die Tänzer einfach so funktionieren. Ich kenne ja nun einen Haufen Tänzer. Ich war ja auf der Ballettschule. Und ich habe nun auch gesehen, wie inszeniert wird unter Tänzern. Wenn es mal um Schauspiel innerhalb eines, eines Tanzstückes geht. Das ist alles sehr körperlich und sehr, sehr tänzerisch bleibt das alles. Was ich sehr ästhetisch und sehr schön finde. Aber für mich hat es das nicht, das Thema nicht hergegeben. Aber genau dazu passt es doch. Es war doch ein unglaublich körperlicher Film. Es geht doch um Körper. Es geht um Körper, die berauscht werden, um Körper, die zerstört werden, um Körper, die umherirren und sich bewegen. Und tatsächlich verlieren die Charaktere in dem Film ja auch ab einem gewissen Punkt, der Eskalation, verlieren sie ja ihre Individualität und sind wirklich einfach nur noch Körper, die sich durch ein albtraumhaftes Geschehen bewegen. Davor schon. Davor sind sie Körper, die sich durch ein rauschhaftes, traumhaftes Geschehen bewegen. Also dieser dritte Teil des Films quasi, nach den Tapes, ist ja erst mal Leute feiern, Leute tanzen und Leute bewegen sich von einem Raum zum anderen, unterhalten sich manchmal ein bisschen. Aber irgendwie verlieren sie ihre, verlieren sie ihre persönlichen, persönlichen Charaktermerkmale und werden einfach auch zu reinen Körpern, die sich irgendwie von A nach B bewegen, deren Motivationen auch so sich auflösen. Und es geht eigentlich nur noch um Rausch und nur noch um Genuss. Und das kulminiert dann ja in dieser krassen Tanzszene, wo die Kamera von oben drauf fällt. Ganz tolle Perspektive. Das Problem ist, sie haben es nicht entsprechend choreografiert. Ich sehe mir das Ganze, ich gucke mir das Ganze von oben an, ewig lange, was ich cool finde, wenn man das auch länger durchhält. Aber das funktioniert nur, wenn es entsprechend choreografiert ist. Und das sind so viele Sachen, da hast du nichts davon, wenn du von oben kommst, die sie da reingechoreografiert haben. Warum lässt es dich nicht auf die Perspektive ein und choreografierst entsprechend? Aber welche Choreografie hast du erwartet? Was wäre eine passende Choreografie gewesen? Also was ganz viel, was ganz viel dabei ist, sind Beinarbeit, die vom Körper verdeckt wird, weil es die Perspektive von oben ist, wo du einfach nichts hast dann. Du hast einen Ausdruck, den ich erahne, weil der Tanz so gelagert ist, weil ich ihn ja auch vorher schon mal gesehen habe in der großen Choreografie. Aber auch den Ausdruck kannst du sozusagen nicht ablesen, in der Art und Weise, wie es gemacht wurde. Spannend wurde es, wenn Leute eher auf dem Boden waren, sodass ich von oben den ganzen Körper sehen konnte und dort entsprechende Sachen passiert sind. Das funktioniert choreografisch für mich. Natürlich muss man nicht die ganze Choreografie auf dem Boden liegend machen, aber es gibt viele Möglichkeiten dafür, für so einen Topshot. Aber die haben sie alle nicht genutzt. Ich glaube, du hast, ich sehe, was du erwartet hast. Du hast eine Choreografie, einen Tanz erwartet, der als ästhetisches Stilmittel für das Publikum umgesetzt wird. Aber sie tanzen ja, in diesem Setup tanzen sie ja nicht mehr für ein Publikum, sondern sie tanzen ja für sich. Ist schon richtig. Und es ist ja wirklich diese persönliche Bewegung innerhalb dieser Gruppe, dass sie einfach nur noch da zusammenstehen und komplett frei von jeder Choreografie sich bewegen wollen. Natürlich benutzen sie ihre Elemente, die sie kennen und sie benutzen das, was sie gelernt haben. Aber sie tanzen ja nicht mehr für einen außerhalb, sondern sie tanzen in diesem Innerhalb, für sich. Und die Kamera ist eher der Voyeur, der drauf blickt von oben. Auch mit diesem auktorialen, fast schon göttlichen Blick, so was passiert da, wie bewegt sich diese Gruppe. Und ohne dass viel passiert, es ist ja quasi das große Finale. Kurz darauf sehen wir einmal die Einblendung, was für Musik gespielt wurde. Die ist sich einmal verbeugt vor der gesamten Musik und dann kommen nochmal Credits und dann ist der Film vorbei. Quasi. Naja, dann kommt der nächste Teil. Dann kommt der nächste Teil. Aber ich habe das als so finalen, ekstatischen Moment gelesen. Der letzte Moment, bevor die Kacke so richtig am Dampfen ist. Bevor das Höllenfeuer losbricht. Ich glaube, ich bin zu sehr Ästhet dafür. Zu sehr Ästhetiker. Mir muss das dann auch wirklich ästhetisch passen. Wenn er schon diese Perspektive einnimmt, die ich ganz großartig finde, die ich wirklich mag. Vor allem, wenn er auch anfängt, sich zu drehen. Und dann die, also quasi mitzubewegen. Ganz tolle Perspektive, aber nicht genutzt. Da ist viel verloren gegangen. Und ich glaube auch, ich meine, das ist alles Absicht, aber dafür funktioniert dieses Konzept von Gaspar Noé nicht. Dass der sich die Leute nimmt, mit denen vorher nichts probt. Er hat auch die Choreografien nicht geprobt vorher. Er hat von der ganz, ganz am Anfang Choreografie hat er 16 Tags gemacht. Und der 15. war es. Und ganz am Anfang, die ersten Tags waren noch wild durcheinander, weil sie noch nicht genau alles klar hatten, wer es wie, wo, wann passiert. Und dann wurde es irgendwann. Wenn du das alles aber am Set erst einführst und machst, dann hast du nicht genug Zeit, dich darum zu kümmern, zu, zu, ähm, das alles zusammenzubringen, was Film nun mal ist. Kamera, Schauspieler, Licht und das alles in einen intellektuell zusammengebrachten Rahmen zu packen. Das hat nicht, ich weiß nicht, dann hast du nur 16 Drehtage und dann, dann, nee, irgendwie nicht. Das ist mir geschummelt. Du lenkst gerade den Fokus so sehr auf das Choreografierte und das Arrangierte. Ja. Ich sehe da so sehr den Rausch im Mittelpunkt. Und das ist ihm gelungen. Diese Bewegung, dieses Rauschhafte, dieses, dieses, ähm, extatische und auch eskapistische. Und wie das schließlich pervertiert wird und wie das schließlich eskaliert. Und das hat funktioniert. Gerade in dieser Holprigkeit, gerade dadurch, dass es nicht ein ästhetischer Tanz war, der auf ein Publikum ausgerichtet war, der irgendwie uns jetzt nochmal befeuern soll, sondern dass es so, ja, auch was Intimes hatte. Ich glaube nicht, dass es verloren hätte, wenn man es choreografiert hätte. Ich glaube nicht, dass es verloren hätte. Ich glaube, man kann all das, was du willst, noch verstärkt und gut in einer noch mehr auf die Kamera ausgerichteten Choreografie machen. Gerade dieses freie, arschliche, dieses Rauschhafte. Das geht. Dieses, dieses wirklich so über alle Ufer schlagende. Natürlich ist das sein Konzept und das ist auch adäquat, aber es hat halt leider diesmal nicht funktioniert. Und es tat mir auch wirklich leid, dass es nicht funktioniert hat, weil ich sehr zu schätzen weiß, dass man das versucht. Aber für mich, m-m. Ja. Let's agree to disagree. Ja, genau. Irgendwie. Ja, was folgt, kommt, ist der Master-Shot, der 40-minütige. Oh mein Gott. 40, 42 Minuten lang dadurch zu gehen. Und da kommt das, also ich, es tut mir ganz furchtbar leid, aber da kommt das nächste Problem auf. Ich liebe diese Shots, die ganz lang sind. Lass uns ganz kurz zur Geschichte kommen. Aber wenn dann die Leute improvisieren, hast du ein Problem. Ganz, ganz kurz zur Geschichte, damit die Zuhörer sich einmal orientiert fühlen. Nachdem dieser Tanz war, nachdem dieses Feiern zu Ende ist, nachdem zum zweiten Mal die Credits gelaufen sind, eskaliert die Situation. Irgendjemand hat offensichtlich Drogen in die Getränke gemixt und alle fangen an, am Rad zu drehen. Manche sind einfach nur erschöpft, andere werden paranoid, aggressiv, wild. Und die Kamera begleitet die Protagonistin dabei, wie sie nach und nach austicken. Und fährt dann durch diese Hallen, wo die Leute unterwegs sind, wo die Leute teilweise immer noch auf der Tanzfläche sind, sich teilweise gegenseitig jagen, sich teilweise prügeln. Mhm. Und die Kamera fährt durch diese Räume und wir betrachten eigentlich ein Fegefeuer. Wir betrachten, wie alles eskaliert. Und es kommt zu Gewalt, Schmerz, Leid, Tod. Alles, was dazu gehört. Mhm. Okay. Also. There's a lot to unpack here. Also, ich liebe die langen Shots. Das ist ganz toll. Und ich finde, auch der Kameramann hat einen ganz großartigen Job gemacht. Und das Licht funktioniert. Und die dunklen Momente funktionieren genauso gut wie die hellen Momente. Ich finde es ganz toll ästhetisch. Na ja, der Ästhetiker. Der sagt dann halt, das ist cool, gut gemacht. Das Problem ist jetzt, ich folge dieser einen Figur. Die landet bei einem Gespräch, was gerade am Laufen ist. Eine andere Figur aus diesem Gespräch löst sich aus diesem Gespräch. Wir verfolgen diese wieder. Dann habe ich das Gefühl, an manchen Stellen, was eben der Improvisation zu schulden ist, ist, dass so Lücken entstehen, wo alle denken, wie geht es jetzt noch gleich weiter? Ist das nicht großartig? Ist das nicht fantastisch? Und ich bin als Zuschauer so, ich hänge mich in der Luft und denke, Ja, genau. Mach doch mal bitte weiter. Und ich weiß nicht, ich hätte es vielleicht sogar genießen können, wenn ich nicht vorher schon so Probleme gehabt hätte. Dann hätte ich das vielleicht sogar genießen können, aber so hat mir das einen Stich weitergegeben, der mich irgendwie noch weiter in Richtung, nee, ist nicht gut. Und das ist wahrscheinlich die entscheidende Frage, was das mit einem auslöst. Weil bei mir löst das definitiv ganz viele von den Gefühlen aus, die auch bei den Protagonistinnen und Protagonisten da sind. Angst, Paranoia, Desorientierung, auch Schmerz und Leid. Und in diesen letzten 40 Minuten, ist dieser Film so unglaublich immersiv. Wenn es darum geht, dich langsam in die Abgründe zu begleiten. Du bist gefesselt an diese Kamera. Du kannst dir nicht entkommen. Du siehst links und rechts was. Du willst links und rechts was mitnehmen. Du willst wissen, was da jetzt passiert. Du willst wissen, was weitergeht. Wird es dieser Person gut gehen? Wird sie das überleben? Was machen die jetzt? Oh Gott, da hat gerade jemand gebrannt. Was passiert da hinten? Oh mein Gott, wird da hier gerade jemand vergewaltigt? Und es war wie ein Höllenschlund. Also das finde ich auch toll. Der einen mitreißt. Der geht tatsächlich. Der geht tatsächlich da durch. Dann brennt plötzlich diese eine Frau, hat die Haare. Und die Kamera geht aber weg. Genau. Oh mein Gott, was ist mit dieser Frau? Kannst du mir bitte zeigen, was mit dieser Frau ist? Aber sie geht weg. Und das ist toll. Das ist eine gute Entscheidung. Es löst so viel Angst und Anspannung aus. Und dieses Gefühl, das hält sich dann auch. Auch egal, wo die Kamera hinfährt. Sie fährt dann wieder zur Tanzfläche. Und dann sind wir ein, der wirklich konsequent bis zum Ende tanzt. Und immer weiter seinen Körper verrenkt. Dieser Kontestionist, super Typ. Ja, ja, ja. Und es gibt irgendwann den Punkt, was halt auch zu diesem Tanz einfach dazugehört, wo du dich einfach noch fragst, ist das überhaupt noch ein menschliches Wesen? Wie verrenkt der sich gerade? Wie kann der das machen? Was passiert da? Es hat fast was von dämonischen Zuckungen an sich. Und das passt so gut zu dieser Gesamtatmosphäre. Weil wir fahren wirklich in ein Höllenfeuer hinein. Der Film verliert ja auch jeglichen Realismus. Ja. Das ist ja kein eskalierter Drogenrausch, was wir da sehen. Sondern das sind die tiefsten menschlichen Abgründe. Und das ist das, was Nietzsche, Kafka, das sind die Referenzen, auf die wir stoßen. Der Mensch wird zum Tier. Der Mensch wird zum Monster. Und da hat bei mir dadurch, dass ich leider, ich ahne, dass ich reingekommen wäre, wenn ich nicht von vornherein schon da und dort und dort einen Stolperstein gehabt hätte, über den ich gestolpert bin. Und ich dann auch hätte akzeptieren können, dass im Drogenrausch nicht einer der Sachen passiert, die im Drogenrausch passieren können, sondern so viele, die das Kind electrocuted wird, irgendwie sich am Stromdingens ... Das fand ich übrigens als junger Vater eine ganz schreckliche Szene. Oh Gott. Nicht mal mit dem Strom, sondern als die Mutter zu ihrem Kind sagt, ich werde dich jetzt beschützen. Und dann irgendwie verzweifelt, sie ist natürlich auch voll auf Drogen, und sie sucht dann irgendeinen Raum und dann findet sie diesen Raum, wo einmal die komplette Elektrizität drin ist und sagt, da rein und du fass das da nicht an, das ist nämlich tödlich. Und ich komme und hole dich wieder und schlägt dann die Tür zu. Man hört noch, wie das Kind drinnen schreit, Mama, ich habe Angst, lass mich nicht alleine. Und die Mutter läuft halt weg und die Kamera geht natürlich auch woanders hin. Und ab und zu fährt die Kamera an diesem Raum vorbei und wir hören das Kind schreien und toben und gegen die Wand schlagen. Und das ist so ein Schlag in den Magen, wenn man selbst ein Kind hat und dieses Gefühl von einem Kind, das sich verlassen fühlt und das einfach nur Angst hat. Aber wenn sie noch in der Lage ist zu sagen, fass das da nicht an, dann hat sie ja noch genug Bewusstsein, zu sagen, eigentlich sollte ich dieses Kind nicht in diesen Raum stecken, sondern vielleicht woanders hin. Und es gibt genug Räume in diesem Ding. Ja, natürlich, aber sie sind ja alle komplett drüber. Also was sie macht, ist ja komplett irrational. Dann verliert sie den Schlüssel. Und dann sitzt sie vor dem Raum und will ihr Kind rausholen und sie hat einen Schlüssel verloren und sie wird von jemand anderem angepöbelt. Ey, dann such den verdammten Schlüssel. Ich fand das so enervierend und so spannend. Und das war die Stärke von dem Film. Also es ist ein Feuerwerk. Es passiert da und dort und dort und dort noch was. Und wahrscheinlich hätte es mich mitgenommen, wenn ich eben diese Stolpersteine nicht gehabt hätte. Aber dadurch, dass es eben nicht so war, hat mein realistisches Ich die ganze Zeit gesagt, what the fuck, das auch noch? Alter, bitte, nicht, nee. Und dann schlitzt sie sich da den Arm auf und die bringt sich dann an der Tür noch um und die fängt Feuer und boah, nee, zu viel, alles zu viel. Ich fand, er hat ein gutes Tempo dabei. Er hat diese Eskalation halt langsam, das beginnt damit, dass sie den Einzigen, der keinen Alkohol trinkt, weil er ein Moslem ist, dass sie den als erstes rausschmeißen. Und erfrieren lassen. Der erfriert dann draußen, weil sie denken, der war's. Und das ist irgendwie noch so einigermaßen irgendwie nachvollziehbare Handlung so ein bisschen. Auch nicht, auch nicht. Du weißt doch, draußen sind Minusgrade und es schneit und du wirfst dann niemanden raus. Aber das ist was, was man sich vorstellen kann, was im Rausch unter sehr viel Alkohol, unter sehr viel Drogen passieren kann. Eigentlich nicht. Und das ist, okay, Alkohol und LSD zusammen. Und dann auch diese Mob-Mentalität dabei. Und dieses, so, jetzt haben wir es geschafft. Ich hab gerade in die Hände geschlagen. Was man nicht sehen kann. Und dann eskaliert es immer weiter. Und es gibt keinen richtigen Fahrplan in dieser Eskalation. Aber es ist definitiv eine Eskalationsspirale. Es ist nicht von 0 auf 100. Sondern es wird schlimmer und es wird schlimmer. Es fängt an mit Paranoia. Und es endet damit, dass Leute sich gegenseitig oder sich selbst verletzen und umbringen. Und diese Spirale war so mitreißend. Weil sie die ganze Zeit an diese Kamera, an diesen Shot geknüpft war. Weil sie die ganze Zeit durch den Raum geirrt ist. Und ich hab mich da einmal komplett runterziehen lassen davon. Krass. Ich fand, es war eine Höllenfahrt. Und man schnallt sich an, man setzt sich hin. Und man fährt einmal mit runter in die tiefsten Abgründe der Hölle. Und ist am Ende total zermatert. Und das war ich. Und ich find's krass, ich find's total spannend. Dass das bei dir überhaupt nichts ausgelöst hat. Offensichtlich das ... Also ich kann mir ... Ich hätte erwartet, dass du sagst, boah, ja, das hat funktioniert. Der hat halt wehgetan. Aber so was will ich nicht gucken. Das war einfach nur schrecklich. Aber dass du sagst, okay, er hat mich kalt gelassen. Das find ich eine spannende Reaktion. Weil ich glaube, das ist eine seltene Reaktion bei dem Film. Ja. Ja, es hat was damit zu tun, dass ich mich irgendwann ... Vielleicht hab ich mich auch nicht ernst genommen gefühlt. Weil's zu viel ... Zu viel? Zu viel war. Und man muss auch dazu sagen, du bist ja jemand, der sehr gerne lange Einstellungen ... Lange, langsame Erzählweise mag. Ja. Ich auch, wenn man an Magnolia denkt. Aber bei dem hat mich das ... Ich hab mich oft dabei erwischt, draufzutippen und zu gucken, wie lang geht der Film denn noch? Wo sind denn jetzt die ... Und dann, das fängt bei den Interviews am Anfang an. Die sind für mich viel zu lang, weil nichts Neues kommt. Und dann die Tanzchoreografie war cool. Die hat mir gefallen. Dann die Sequenz, wo sie ... Wo sie ganz viele Gespräche immer wieder im Schnitt, Gegenschnitt, hier, dann gehen wir mal zu den beiden, die gerade Alkohol saufen und sich nur über Sex unterhalten. Dann gehen wir zu den beiden Frauen, die da hinten noch stehen. Und dann zu den anderen. Das war auch viel zu lang am Ende. Weil ja auch keine Infos rüberkommen. Das ist halt das Ding. Und das ist natürlich das Konzept. Aber das Konzept hat mir nicht gut getan. Ja, es gibt keine Geschichte. Es ist meandert so vor sich hin irgendwie. Ich fand es am Anfang mit der Langsamkeit, ich fand es in den Tape-Aufnahmen, das war auch zu viel. Da gab es auch den Punkt, wo ich dachte, jetzt könnte aber der Umbruch stattfinden. Und vor allem, wenn du danach noch mal drauf schaust, wie lange die dauern, das sind 10 Minuten, glaube ich, oder 15 Minuten. Das ist deutlich kürzer, als es einem vorkommt. Aber beim Rest des Films war es so, dass die Bewegung einfach zu prägnant und zu mitreißend, als dass ich langweilig gewesen wäre. Und gerade in den letzten 40 Minuten war es sogar jetzt beim zweiten Mal schauen, eher so, dass ich dachte, oh krass, das ist schon vorbei. Stimmt, ich erinnere mich, da kommt jetzt der Höhepunkt, das ist zu Ende, krass, das kam einem dann doch relativ kurz vor, auch wenn es wehgetan hat. Okay. Naja, mich hat das jedenfalls immer wieder rausgerissen, dass ich gedacht habe, ja, okay, nichts kommt, nichts Neues. Ich würde gerne weiter. Ich würde gerne weiter wissen, was mir der Film noch zu erzählen hat. In diesen ganzen Einstellungen von den Gesprächen, die ja wirklich sehr frontal bühnenartig aufgebaut sind, vor einem klar definierten Abschlusshintergrund, vor einem Vorhang oder so. Keines dieser Bilder hat Tiefe. Die sind alle ein enger für sich genommener Raum. Was ich als Kameramann immer vermeiden will. Ich will ja eigentlich immer einen Raum, der nach hinten aufgeht, um eine Weite und eine Großzügigkeit zu entwickeln. Aber er macht das ja absichtlich, genau, um dieses Kammerspiel zu haben und um diese bedrückende Situation zu haben. Das schafft er damit auch. Aber dadurch, dass es so lang ist und ich zu jedem dieser Gesprächspartner irgendwie fünf oder sechs Mal gehe und die auch nach dem zweiten Mal nichts Neues über ihre Beziehung zur Gruppe zu erzählen haben. Beim ersten Mal ist klar, okay, das erzählt mir, was die verhandeln für den Abend. Aber beim zweiten, dritten Mal, wo ich hinschneide oder am vierten oder fünften Mal, kommt nichts Neues. Es ist auch ein bisschen eine Vorbereitung für die Eskalation. Man fühlt sich mit den Leuten gefangen. Man ist mit diesen Leuten eingesperrt. Man ist, wie diese Leute, die jetzt seit mehreren Wochen trainieren, wie die zusammen gezwungen sind, irgendwie zusammen zu funktionieren, ist man jetzt auch gezwungen, mit ihnen zusammen zu funktionieren. Ist ein adäquates Mittel. Muss bloß nicht jedes Mal passieren, in jedem dieser Abschnitte. Weil jeder Abschnitt sehr lang ist. Ja. Ich habe teilweise, was ich dem Film auch nur zugutehalten kann, man spürt auch die Langeweile der Leute, wenn einer redet und man dem anderen quasi ansieht, oh nee, was redet der jetzt schon wieder? Stimmt. Oder die Themen immer um sich selbst kreisen. Zum Beispiel die beiden, die über Sex reden, die die ganze Zeit immer sagen, guck mal da der Arsch und guck mal da. So genervt. Ich war so genervt. Dieses Ausgeliefertsein dieser Gruppe und der einzelnen Personen ist natürlich auch eine Vorbereitung auf die Eskalation nachher. Man ist mitgefangen. Ja, das stimmt. Und ich finde es auch, wie gesagt, es ist ein adäquates Mittel. Aber das ist ein bisschen ausgereizt, dass es wirklich jeder Einstellung so ultralang war. Naja. Kommen wir zur Frage, was wollte uns der Autor sagen? Und damit zum Genre, glaube ich, in dem das Ganze stattfindet. Oder zum filmhistorischen Rahmen. Gaspar Noé ist ein Regisseur der New French Extremity. Eigentlich müsste man Old French Extremity sagen, weil Gaspar Noé ist eigentlich einer der wenigen, die das wirklich überlebt haben. Das war eher so Anfang der 2000er Jahre, Anfang des Jahrtausendwechsels. Es gab sehr viele Regisseurinnen und Regisseure, die Extreme ausgelotet haben im französischen Kino. Und zwar in verschiedenen Genres. Der Horrorfilm war definitiv der, der am prominentesten dabei war. Aber drumherum ist eine Menge passiert, gerade was das Spiel mit Sex und Gewalt betrifft. Und es sind interessante Filme in dieser Zeit entstanden. Und alle Filme ... Die sagen im Kern allerdings schon mit sich, dass sie vor allem ausloten wollen, wie viel kann ein Film zeigen. Und wie schafft es ein Film beim Publikum, maximales Unwohlsein auszulösen. Und zwar egal ob Thriller, ob Horror- oder Erotikstreifen, alle Filme der damaligen Zeit haben daran gearbeitet. Und ich habe am Anfang gesagt, Climax ist nicht der schlimmste Film von Gaspar Noé. Er hat mit Irreversibel und Enter the Void zwei Filme gemacht. Die noch mal deutlich radikaler sind, wenn es darum geht, Unwohlsein auszulösen. Ich habe, glaube ich, beide Filme gesehen. Und fand sie wirklich gut. Du fandest Enter the Void gut? Ich glaube, ja. Das ist mein Lieblingsfilm von ihm. Ich glaube, aber ich bin nicht dazu gekommen. Ich wollte nämlich eigentlich noch mal recherchieren, noch mal reingucken, ob das wirklich die beiden Filme sind, die ich gesehen habe. Weil bevor ich den Film gesehen habe, Climax, wusste ich nicht, dass das von Gaspar Noé ist. Und im Nachhinein tat es mir dann richtig dolle Leid. Dass du ihn nicht mochtest? Dass ich ihn nicht mochte. Weil ich gedacht habe, ach nee, verdammt, das ist doch Gaspar Noé. Das muss man doch irgendwie ... Weil der hat das eben dieses, wenn ich mich richtig erinnere, es schafft es in den anderen Filmen, einen reinzuziehen und einen so richtig fertig zu machen. Also, weißt du, diese extreme Gefühlswelt zu erzeugen im Zuschauer. Und das hat halt ... Das war so schade, dass das in dem nicht funktioniert hat. Also, Irreversibel ist ein berüchtigster Film. Da erzählt er die Geschichte einer Vergewaltigung und dem anschließenden Rache-Mord. Und zwar erzählt er sie rückwärts von diesem Rache-Mord bis hin zu der unschuldigen, harmonischen Zeit, bevor die Vergewaltigung stattfindet. Und der Film hat vor allem für Aufsehen gesorgt, weil in seinem Zentrum die Vergewaltigung steht, die äußerst realistisch und äußerst brutal ausgedehnt wurde und erzählt wurde. Und Enter the Void ist eigentlich auch schon ein Film, den er gemacht hat, als dieser Trend des New French Extremity vorbei war. Das ist mein liebster Film von ihm. Das ist ein ... Ich glaub, der dauert drei Stunden oder so. Das ist die POV einer Seele, nachdem jemand gestorben ist. Und man sieht die POV der Seele, wie sie durch die Zeit und durch die Dimensionen reißt. Und einfach ... Das ist eigentlich so diese Sekunde des Todes, der gezeigt wird. Und der Höhepunkt von ... Enter the Void, der eigentlich ein spiritueller Porno ist, ist die POV einer Vulva, wie sie von einem Penis penetriert wird. Und zwar genauso, wie ich es jetzt sage, grafisch, pornografisch. Man sieht wirklich, wie der Penis in die Vulva eindringt und zustößt. Ich weiß es nicht. Es ist ein total grotesker Film, ein total überladener Film. Da gibt es auch diese langen Kamerafahrten. Und aber das sind halt so ... so transzendentale Kamerafahrten, weil sie von Szene zu Szene, von Kindheit zu irgendwelchen Schreckensvisionen fahren. Und das ist so ein ... Also, das ist ein total krasser Film. Von wann sind denn die, weißt du das? Weil ich versuche gerade rauszufinden, ob ich die, wann ich die gesehen haben könnte. Und weil deine Beschreibungen mir nicht so sehr viel sagen. Also, Irreversibel ist von Anfang 2000, wenn ich mich rechtlich erinnere. Ja, 2002, das war kurz nachdem, so im Memento-Zeitraum, und es wurde auch verglichen, weil die Erzählweise natürlich dieselbe ist, weil er auch von vorne nach hinten erzählt. Und Enter the Void war 2009, und es war eigentlich, wie gesagt, in der Zeit, als dieses New French Extremity-Ding schon so zumindest nicht mehr so in der Öffentlichkeit stattgefunden hat. Okay. Ich glaube, ich muss einfach noch mal reinschauen und mal gucken. Aber mein Gefühl sagte mir, ach Mann, Gaspar Noé war doch eigentlich ganz gut. Ja, es ist halt ... Sehr extreme Revision. In seinen Filmen geht es immer darum, er hat immer die Extreme ausgelotet, und er hat immer versucht, maximale Emotionen, und zwar negative Emotionen zu erzeugen. Keiner von seinen Filmen ist angenehm zu schauen. Ja, was vollkommen in Ordnung ist. Ich habe damit gar kein Problem. Ganz im Gegenteil, ich bin froh, wenn es mal jemand schafft, das wirklich gut hinzukriegen. So. None|Ach. Naja, darum tut es mir halt auch leid. Ja, schade. Und deswegen habe ich dann auch noch mal, ich habe auch noch mal recherchiert, wie er das gemacht hat. Und ich glaube, was mir das so ein bisschen erklärt hat, warum ich Probleme damit hatte, war, dass ich auch noch gelesen habe, dass er sich die Leute zusammengecastet hat, die Tänzer. Ja. Und dann hat er sich mit denen hingestellt am Drehtag, am ersten, und hat ihnen gesagt, denkt euch aus, wie ihr schockieren wollt, wie ihr extrem seid wollt, wie ihr ... Weißt du? Und allein diese Regieanweisung zu sagen, ach, überlegt euch mal. Und dann, junge Menschen neigen sowieso dazu, ah, und dann mache ich was ganz Abgefahrenes, weißt du? Und dann kommen natürlich nur solche Sachen bei raus. Und ich finde nicht, dass man den Schauspielern und vor allem noch so jungen Schauspielern, die noch nicht mal Schauspieler sind, sondern Tänzer, überlassen sollte, die Geschichte zu schreiben. Es funktioniert in der Form, in dem Zusammenhang leider nicht. Genau in diesem Film funktioniert das. Das ist wahrscheinlich die entscheidende Frage, ob es funktioniert. Bei mir hat der Film sehr viele Emotionen ausgelöst. Und ja, es gibt diesen Moment, wo er auch over the top ist. Aber selbst dieses groteske, bizarre, dieses over the top, hat funktioniert einfach, weil es klar war, wir verlassen hier jede reale Ebene und wir bewegen uns einfach in einem merkwürdigen Fegefeuer zwischen zuckenden Körpern, zwischen Gewalt und Wahnsinn. Und ja, auch ein bisschen unfreiwilliger Komik. Das hat Enter the Void auch. Wenn die spätestens als, den habe ich im Kino gesehen, und ich weiß noch, als dann diese POV kam, ich weiß nicht, ich komme über diese Szene nicht hinweg, diese Vulva-POV. Und das ganze Publikum hat aufgelacht. Aber es war ein befreites Auflachen. Und Gaspar Noé ist in meinen Augen einer der wenigen Regisseure unserer Zeit, der das Konzept Katharsis noch mal weitergedacht hat. Und das haben einige andere Autoren der New French Extremity haben das auch geschafft. Und dafür schätze ich diese Art des Filmemachens total. Auch wenn das Ergebnis schmerzhafte, groteske, übersteigerte Filme sind, sind es Filme, die einen sehr reinigenden Effekt haben. Lass uns kurz über das Ende reden. Ja. Da war ich befriedet. Aber befriedet. Weil ich dann, also die Kamera dreht sich irgendwann um. Ja. Und ich dachte erst, noch so ein Effekt. Und dann hat er aber das konsequent durchgezogen. Und ab einer bestimmten Länge, dass dieser Effekt durchgezogen wurde, dass die Kamera einfach immer Kopf steht die ganze Zeit. Und hat das eine ganz eigene, tolle Ästhetik. Und eben auch diese Auflösung auf irgendeine Art und Weise. Ich weiß nicht genau, warum er das schafft. Aber irgendwie löst er für mich das Ganze ein bisschen auf. Und ich kann wieder ein bisschen atmen. Komischerweise, weil eigentlich so eine verkehrte Kameraperspektive immer bedeuten müsste, dass ich beunruhigt bin. Aber es ist Zermatterung einfach auch. Ja, ja, ja. Ja, ja, ja. Und das fand ich ein sehr gutes Mittel. Es hat funktioniert. Also ein einfaches, aber sehr wirksames Mittel. Und das hat mich auch von der Kameraarbeit ein bisschen mit überzeugt dann auch. Es hat ja auch, also der Film ist ja auch so, es ist Katastrophentourismus, ne? Oh Gott, ja. Es ist, äh, Katastrophentourismus ist irgendwie eine merkwürdige Mischung aus Tanzfilm und Horrorfilm irgendwie unentschlossen. Ob Kammerspiel oder ob großes, opulentes, rotes Höllenfeuer. Aber am Schluss gibt's dann ja fast diesen erlösenden Aspekt, wenn die Party vorbei ist. Und dann sieht man ja auch noch mal, wie Polizisten reinkommen und sich einmal den Schauplatz angucken. Und die Kamera fährt dann noch mal drüber oder drunter, wie auch immer man es sagen will. Und es ist irgendwie so, man ist erschlagen, man ist zermattert. Aber irgendwie ist das noch mal so ein, jetzt durchatmen und jetzt irgendwie so wegsinken. Und ich finde, für mich war die Kamera am Schluss vor allem nicht lieb, genauso wie der Film. Ich hab den Film erschöpft am Boden. Das war jetzt so, okay, das reicht jetzt. Jetzt einmal ordentlich durchgerüttelt worden. Und jetzt liege ich da unten und es ist okay. Aber dann liegt diese Frau da, hat sich erstochen, die ihren Sohn verloren hat in diesem Stromkastenraum da. Und der Polizist sagt völlig unnötigerweise, sie ist tot. Ja, das ist ... Was? Ja, natürlich ist sie tot. Das sehen wir. Das ist die unfreiwillige Komik, die bei Gasper nur immer mal wieder rauskommt. Was sich wahrscheinlich auch nicht vermeiden lässt, wenn man so viel will, wenn man so viel schockieren will. Das ist auch ein Ding, was Lars von Trier hat. Ich liebe Lars von Trier. Ich liebe Lars von Trier, aber auch in ganz vielen Sachen. Ich lasse mich immer wieder von ihm mitreißen, von seinem Pathos, von seinen Emotionen und so weiter. Aber niemand kann mir erzählen, dass Lars von Trier nicht zahllose, unfreiwillig komische Momente hat, einfach weil er zu viel schockieren und zu viel aufreiben und auflösen will. Jeder Film hat das von ihm. Ah, bei Lars von Trier musste ich wirklich Pause machen, immer mal zwischendurch. Ja. Ich habe wirklich, mir war so schlecht, dass ich mich hätte übergeben wollen. Bei welchem Film bist du gerade? Mir fällt der Titel gerade nicht ein. Antichrist? Ja, genau. Doch, ich glaube, Antichrist war es. Ja, ja. Wo sie im Wald, ja, genau. Und ich musste wirklich, habe mit einem Freund zusammen gesehen, habe gesagt, kannst du mir so kurz ausmachen? Ich lege mich mal kurz hin, mache mal fünf Minuten Pause und dann können wir zu Ende gucken. Und ich war wirklich wie, als wenn ich gerade irgendwie live bei einem Unfall dabei gewesen wäre. Und kein Blut gesehen kann. So. Und das, das finde ich in Gaspar Nuys Filmen und auch im Climax auch. Und zwar dieses, es ist teilweise albern, es ist teilweise trübe, es ist teilweise unfreiwillig komisch. Aber es funktioniert trotzdem an den entscheidenden Stellen und macht einfach fertig. Und dieses Fertigmachen hat so was sehr kathartisch. Das, was du offensichtlich ja auch schätzt. Nur bei Gaspar Nuys hat es nicht, also in diesem Fall hat es nicht funktioniert. In diesem Fall hat es nicht funktioniert, ja. Also du weißt solche Filme durchaus zu schätzen, wenn du sagst, du magst Lars von Trier. Ja, definitiv, ja. Also ich fand, Lars von Trier hat das halt irgendwie wirklich in einer extremen, in einer Erbarmungslosigkeit, die, puh. Er hat halt irgendwie, ich glaube, Lars von Trier hat irgendwie einfach einen anderen Ansatz, in die Filme reinzugehen, als jetzt Gaspar Nuys in diesem Film. Irgendwie, weiß ich nicht, der Zugang. Du bist so, hast einen anderen, weiß ich nicht. Obwohl dann eben tatsächlich, wenn du das so sagst, mir fällt das jetzt auch so ein bisschen auf, nachdem ich im Kopf krame, was du meinen könntest, mit Unfreiwilligkeit. Unfreiwillig komischen Momenten, aber das stimmt schon. Wenn in Antichrist der Fuchs sagt, Chaos reigns, das ist so albern. Ja, das stimmt. Oder auch bestimmte Motivationen von bestimmten Figuren, die nicht so wirklich, ja. Und bei Lars von Trier gibt es halt am Anfang auch, ich meine, das ist eine wunderschöne Szene. Aber wir sehen halt trotzdem den Koitus in der Dusche, in Zeitlupe, während im Hintergrund, was läuft im Hintergrund, Tristan? Ich weiß nicht mehr. Irgendwann kann es sein, ja. Und dann sehen wir das Kind zum Fenster in Zeitlupe. Und das ist einfach eigentlich, und das haben ganz viele Regisseure der New French Extremity und Lars von Trier das auch, das ist teilweise einfach zu viel, aber es ist so reinigend und es tut so gut. Ich komme mit dieser Zeitlupe von Lars von Trier, bin ich sehr gut klargekommen. Aus irgendwelchen komischen Gründen, weil eigentlich könnte man schon echt, also gefühlt stundenlang guckt man denen ja in Zeitlupe zu, wie das passiert. Und du denkst dir, ja, ich habe verstanden, worum es geht. Ich weiß jetzt, was passiert. Was passiert und was passieren wird. Ich weiß auch schon, was in zehn Minuten passieren wird. Aber es funktioniert irgendwie super, richtig gut. Also für mich ganz toll. Was ich Gaspar Noé zur Gute halten würde, ist, dass er ein bisschen impulsiver und ein bisschen, wenn man böse wäre, könnte man sagen, weniger pseudo-intellektuell ist als Lars von Trier. Lars von Trier gibt sich immer eine sehr große Meta-Ebene und Lars von Trier versucht immer, sehr viel Politik zu vermitteln. Politik, Philosophie und Weltgeist in seine Filme zu packen. Während Gaspar Noé deutlich impulsiver, deutlich körperlicher und deutlich weniger akademisch rangeht an diese Themen. Das stimmt, ja. Ja, dadurch könnte man natürlich eine Unmittelbarkeit herstellen, die vielleicht bei Lars von Trier nicht gegeben ist. Ja, wenn er mich denn unmittelbar erreicht hätte. Gut. Na gut. Gut, dann möchtest du noch ein Schlusswort sagen zum Film oder war es das? Klimax, großartiger Film, ich kann ihn nur empfehlen. Aber ein Film, der offensichtlich nicht bei jedem, aber bei vielen Schmerzen hinterlassen wird. Viel Spaß. Und bis zum nächsten Mal. Tschüss. Tschüss. Tschüss. Tschüss. Tschüss. Tschüss. Tschüss. Tschüss. Tschüss. Tschüss. Tschüss. Tschüss. Tschüss. Tschüss. Tschüss. Tschüss. Tschüss. Tschüss. Tschüss. Tschüss. Tschüss. Tschüss. Tschüss. Tschüss. Tschüss. Tschüss. Und ich muss dazu sagen, bevor du Einspruch erhebst, die Serie, diese Folge funktioniert, ohne dass man den ganzen anderen Kram drumrum kennt. Also es ist eine Standalone-Folge, finde ich. Vielleicht widersprichst du mir dann auch noch. Und zwar von Doctor Who, Vincent and the Doctor. Okay. Du weißt, ich bin überhaupt kein Doctor Who-Fan. Ja, ich weiß das. Ich gebe mich da ein bisschen in Risiko. Okay, neue Doctor Who-Serie oder alte 70er, 60er, 50er? Nee, das ist die neue. Das ist der elfte Doctor. Das ist auch mein Lieblings-Doctor, Matt Smith. Okay, ich bin sehr gespannt. Was hast du denn für mich? Ich mache eine kleine Zeitreise. Und zwar habe ich für dich einen Film aus den 70ern. Okay. The Wizard of Gore. Nein. Hast du gerade Gore gesagt? Ich habe Gore gesagt. Ich glaube, er wird dir sehr gut gefallen. Nein, glaube ich nicht. Ich glaube, wir werden sehr viel Spaß haben, wenn wir darüber reden. Von Herschel Gordon-Lewis aus dem Jahr 1970. Ein absoluter Klassiker des Splatter. Exploitation-Films. Toll. Na gut, dann bis nächste Woche. Bis nächste Woche. Tschüss. Ciao.
