Episode 9: The Man Who Killed Don Quixote, Annie Hall
Wir reden über Terry Gilliams epochales Mammutprojekt The Man Who Killed Don Quixote aus dem Jahr 2018, sowie über den New Hollywood Woody Allen Klassiker Annie Hall von 1977. Bei Zweiterem diskutieren wir auch über die Frage, inwieweit sich Kunstwerk und Künstler voneinander trennen lassen, und inwieweit Woody Allen zu den Künstlern gehört, die man heute noch guten Gewissens unterstützen kann. Ziemlich einig sind wir allerdings dann bezüglich der Qualität seines berühmtesten Stadtneurotiker-Films. Uneinig sind wir uns dagegen, was die Qualität von Terry Gilliams schwerer Geburt, der Auseinandersetzung mit dem berühmten Ritter von trauriger Gestalt betrifft: Meisterwerk, dass Gott sei Dank endlich das Licht der Welt erblickt, oder doch nur ein sehr durchschnittlicher Film, der all die Mühe und all den Hype nicht wert war?
Wie immer gibt es auch wieder Bestenlisten: Dieses Mal werfen wir einen Blick auf die eindrucksvollsten gescheiterten Beziehungen im Film, sowie die spannendsten ambitionierten, überambitionierten Projekte der Filmgeschichte.
Wenn ihr anderer Meinung seid als wir, schreibt uns unter florian@mussmansehen.de oder johannes@mussmansehen.de.
Annie Hall [Woody Allen]
(USA 1977)
Annie Hall. DER Film den man Menschen zeigt, die Woody Allen nicht kennen. Nicht nur als Filmemacher, sondern man bekommt fast den Eindruck, dass man Woody Allen als Privatperson mit diesem Film stereotypisieren kann. Es geht im Grunde um eine gescheitere Beziehung, die Alvy Singer, unser Protagonist, zu verstehen versucht und dabei in Rückblenden reflektiert. Das wars schon. Mehr Geschichte gibt es nicht, obwohl natürlich einiges passiert. Aber eigentlich einigermaßen austauschbar werden Episoden gezeigt, in denen man die Beziehung unserer beiden Hauptfiguren kennenlernt. Für mich war Diane Keaton, seit ich den Film als Jugendlicher gesehen habe, der Inbegriff der verträumten Intellektuellen, die ich sicherlich in vielen meiner Beziehungen gesucht habe. Für die Gesellschaft damals, wurde sie zum Fashion Icon und Ralph Lauren nahm für sich in Anspruch, eine ganze Generation damit geprägt zu haben, obwohl er nur zwei Kleidungsstücke beisteuerte. Ein einflussreicher Film. Damals wie heute.
The Man Who Killed Don Quixote [Terry Gilliams]
(Spanien 2018)
Es dürfte sich um eine der schwierigsten Geburten der Filmgeschichte handeln. Und folgerichtig ist die Erleichterung erst einmal groß, dass der Film, der so lange Zeit im kreativen Fruchtwasser verbracht hat, endlich das Licht der Welt erblickt. 1989 las Monty-Python-Mitglied und Kultregisseur Terry Gilliam den Romanklassiker Don Quixote von Miguel de Cervantes, und seitdem spukte in seinem Kopf die Idee, den Stoff zu verfilmen. Es sollte insgesamt fast 30 Jahre dauern, bis das finale Werk The Man Who Killed Don Quixote einem Publikum auf der großen Leinwand präsentiert werden sollte.
Zwischen der Idee und der finalen Umsetzung steht ein langer, mal quälender, mal absurd komischer, mal einfach nur tragischer Schaffensprozess, bei dem das Projekt gleich mehrmals abgebrochen werden musste: Probleme, Geldgeber zu finden, Streit mit Produktionsfirmen, eine epische Katastrophe beim ersten großen Drehversuch, ein endlos scheinender Rechtsstreit mit einem Produzenten… die Geschichte von der Entstehung dieses Films hat mehr von einer opulenten Tortur, als die Geschichte im Film selbst es jemals haben könnte.
In diesem steht der Filmemacher Toby im Mittelpunkt, der für einen Werbedreh in Spanien ist, wo er zehn Jahre zuvor den Don Quixote mit ortsansässigen Laien verfilmte. Durch Zufall trifft er wieder auf seinen damaligen Hauptdarsteller, den alten Schuhmacher Javier, der sich seit den Dreharbeiten für Don Quixote höchstpersönlich hält. Durch eine Verkettung bizarrer Umstände sieht sich Toby gezwungen, zusammen mit Javier durch das spanische Hinterland zu reisen: Eine Reise, bei der Gegenwart und Vergangenheit, Traum und Wirklichkeit, Realität und Imagination immer weiter verschwimmen.
Ein Meta-Film also, ein übergroßes, überambitioniertes Projekt, dass sich und seine Entstehung irgendwie selbst thematisiert. Das kann ja eigentlich nur ein absolutes Meisterwerk oder ein monumentales Desaster werden… Oder?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 9: The Man Who Killed Don Quixote, Annie Hall Publishing Date: 2021-03-03T09:15:13+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/03/03/episode-9-the-man-who-killed-don-quixote-annie-hall/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast?
Johannes Franke: Nein, eigentlich nicht, aber ich...
Florian Bayer: Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können.
Johannes Franke: Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee.
Florian Bayer: Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeige dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest.
Florian Bayer: Das heißt so Musicals aus den 50ern?
Johannes Franke: Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme?
Florian Bayer: Mit russischen Untertiteln. Von mir, für dich.
Johannes Franke: Oh Gott, okay.
Florian Bayer: Aber du weißt, dass das für eine Menge Streit sorgen kann.
Johannes Franke: Definitiv. Das wird lustig. Ja, da sind wir wieder.
Florian Bayer: Da sind wir wieder.
Johannes Franke: Es läuft, Flor.
Florian Bayer: Ja, es läuft. Läuft bei dem Podcast? Episode 9.
Johannes Franke: Oh mein Gott, oh mein Gott, die neunte Episode.
Florian Bayer: Eine Folge für Jubiläum.
Johannes Franke: Wir halten echt durch.
Florian Bayer: Ja, jede Woche eine Episode. Wir sind gut on track.
Johannes Franke: beeindruckend. Ja, was machen wir heute? Was machen wir überhaupt? Was wollen wir mit diesem Podcast?
Florian Bayer: Nochmal für alle neuen Zuhörer, wir und natürlich auch Zuhörerinnen. Wir reden über Filme. Wir lieben beide Filme, aber wir haben einen sehr unterschiedlichen Filmgeschmack. Wir stellen uns gegenseitig Filme vor. Geben die quasi als Hausaufgabe dem anderen auf und dann reden wir darüber.
Johannes Franke: Und mal gelingt es, mal gelingt es nicht.
Florian Bayer: Mal sind wir einer Meinung, mal streiten wir, mal fließt Blut.
Johannes Franke: Gott sei Dank kann man dieses Blut über Podcast nicht sehen.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Ja, dann würde ich sagen, was hast du denn diesmal für mich?
Florian Bayer: Heute habe ich für dich The Man Who Killed Don Quixote von Terry Gilliam aus dem Jahr 2018.
Johannes Franke: Ich freue mich drauf. Und ich habe für dich der Stadtneurotiker von Woody Allen, Annie Hall.
Florian Bayer: Genau, zwei Filme und wir werden mit einem starten, da machen wir eine kurze Pause und dann gibt es den zweiten Film und dazwischen werden wir auch nochmal Zeit für eine kleine Top-Liste für jeden Film finden. Was diese Toplisten sind, werden wir jetzt noch nicht verraten. Wenn ihr aber über unseren Webplayer hört und die einzelnen Kapitel seht ... Dann werden die jetzt schon ein bisschen gespoilert.
Johannes Franke: Ja. Oder es steht in den Shownotes.
Florian Bayer: Ah, Shownotes. Ja.
Johannes Franke: Okay, ja, dann würde ich doch sagen, fangen wir schnick, schnack, schnuck mit deinem an.
Florian Bayer: Genau, weil wir letzte Woche mit deinem gestartet haben. Was war letzte Woche eigentlich dran? Ich kann mich gar nicht mehr erinnern.
Johannes Franke: Oh mein Gott, it is a blur.
Florian Bayer: Paper House.
Johannes Franke: Paper House und...
Florian Bayer: Was? Da Dings Teenager, 10 Things I Hate About You.
Johannes Franke: 10 Things I Hate About You war das.
Florian Bayer: War eine schöne Episode.
Johannes Franke: Schön. Gut, ja, hört auch da rein. Wir fangen jetzt an, Plor. Dann gib doch mal deine kleine Einleitung.
Florian Bayer: Terry Gilliam – The Man Who Killed Don Quixote Es dürfte sich um eine der schwierigsten Geburten der Filmgeschichte handeln. Und folgerichtig ist die Erleichterung erst einmal ziemlich groß, dass der Film, der so lange Zeit im kreativen Fruchtwasser verbracht hat, endlich das Licht der Welt erblickt. 1989 las Monty Python Mitglied und Kultregisseur Terry Gilliam den Romanklassiker Don Quirote von Miguel de Cervantes Und seitdem spukte in seinem Kopf die Idee, den Stoff zu verfilmen. Es sollte insgesamt fast 30 Jahre dauern, bis das finale Werk »The Man Who Killed Don Quixote« einem Publikum auf der großen Leinwand präsentiert werden sollte.« Zwischen der Idee und der finalen Umsetzung steht ein langer, mal quälender, mal absurd komischer, mal einfach nur tragischer Schaffensprozess, bei dem das Projekt gleich mehrmals abgebrochen werden musste. Probleme Geldgeber zu finden, Streit mit Produktionsfirmen, eine epische Katastrophe beim ersten großen Drehversuch, Ein endlos scheinender Rechtsstreit mit einem Produzenten. Die Geschichte von der Entstehung dieses Films hat mehr von einer opulenten Tortur, als die Geschichte im Film selbst es jemals haben könnte. In diesem ... steht der Filmemacher Tobi im Mittelpunkt, der für einen Werbedreh in Spanien ist, wo er zehn Jahre zuvor den Don Quixote mit ortsansässigen Laien verfilmte. Durch Zufall trifft er wieder auf seinen damaligen Hauptdarsteller, den alten Schuhmacher Javier, der sich seit den Dreharbeiten für Don Quixote höchstpersönlich hält. Durch eine Verkettung bizarrer Umstände sieht sich Tobi gezwungen, zusammen mit Javier durch das spanische Hinterland zu reisen. Eine Reise, bei der Gegenwart und Vergangenheit, Traum und Wirklichkeit, Realität und Imagination immer weiter verschwimmen. Ein Metafilm also. Ein übergroßes, überambitioniertes Projekt, das sich und seine Entstehung irgendwie auch selbst thematisiert. Das kann ja eigentlich nur ein absolutes Meisterwerk oder ein monumentales Desaster werden. Oder Johannes?
Johannes Franke: Oder was dazwischen. Oh.
Florian Bayer: Wir nähern uns der Wahrheit.
Johannes Franke: So, Plo, jetzt gucken wir mal kurz in die Augen. Ohne zu schummeln, kannst du Donkey Rote buchstabieren?
Florian Bayer: Mit CH oder mit X?
Johannes Franke: Wie wird das auf dem Plakat geschrieben?
Florian Bayer: Jetzt guckst du doch. Ja, ich gucke. Mein Blick wandert zu Wikipedia, aber ich würde es mit X schreiben.
Johannes Franke: Ja, es ist auch mit X geschrieben.
Florian Bayer: Ich habe es auch bei den Notizen so oft mit X geschrieben, dass ich das, glaube ich, nicht mehr vergesse. Aber die Frage hat mich trotzdem eiskalt erwischt.
Johannes Franke: Ja, als ich aufgeschrieben habe, ich habe immer... Ich habe mir Don Quirote in die Zwischenablage gelegt, damit ich immer, wenn ich schreiben will, der und der macht das und das, Don Quirote macht das und das, dass ich nur die Zwischenablage bemühen muss.
Florian Bayer: Aber tatsächlich ist Don Quixote, zumindest im Spanischen, wo es herkommt, wird es mit... J geschrieben. Das sollten wir zumindest einmal kurz erwähnt haben. Ich glaube, im Deutschen ist die CH-Schreibweise auch durchaus gebräuchlich.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und das X kommt offensichtlich aus dem amerikanischen oder englischen.
Johannes Franke: Wow.
Florian Bayer: Also Don Quixote de la Mancha. wird Q-U-I-J-O-T-E geschrieben.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und ich habe ihn konsequent in allen meinen Texten über den Film, auch in meiner Rezension, die ich vor kurzem geschrieben habe, Konsequent mit X geschrieben wie im Film.
Johannes Franke: Okay. Aber es gibt keine Begründung dafür, warum es so viele Möglichkeiten gibt, das zu schreiben.
Florian Bayer: Nee, das ist wahrscheinlich so ein Übersetzungsding. Es passiert ja immer bei Übersetzungen, dass ... Buchstaben getauscht werden. Ich kann mir vorstellen, dass das X ... dass das wahrscheinlich in vielen anderen Begriffen im englischsprachigen Raum vorkommt, dieser laut aus dem Spanischen und dass der konsequent mit X geschrieben wird.
Johannes Franke: Okay. Ja, da kommt das Germanistikstudium bei dir durch. Mit den ganzen Linguisten hast du wahrscheinlich auch viel zu tun gehabt.
Florian Bayer: Ja, so, ich habe mich versucht von den Fans zu halten.
Johannes Franke: Was?
Florian Bayer: Nein, tatsächlich hat mir Linguistik relativ viel Spaß gemacht, aber ich bin dann doch... sehr früh zur Literatur rübergeschwenkt und habe gedacht, okay, ich lasse die Sprachwissenschaft ein bisschen links liegen.
Johannes Franke: Bevor wir in den Film hineingehen, möchte ich dir gerne Tee anbieten. Möchtest du Tee trinken?
Florian Bayer: Oh ja, sehr gerne, bitte.
Johannes Franke: Okay. Kannst du es bitte vor das Mikro halten, damit man es ordentlich hört? Ganz wichtig.
Florian Bayer: Es könnte aber auch klingen, als würde jemand auf dem Klo sitzen.
Johannes Franke: So schön. Ja, vor allem hätte ich gerne eigentlich Milch, aber ich weiß gar nicht, ob ich noch Milch da habe. Vielen Dank.
Florian Bayer: Falls übrigens irgendwelche Teeproduzenten hier sind, wir trinken jede Woche Tee. Und falls ihr das Ding sponsern wollt, wir freuen uns über... Zusendungen von schwarzem Tee.
Johannes Franke: Jetzt gerade trinken wir Bünding-Tee, der übrigens sehr gut ist. Nur zu empfehlen. Es gibt auch den von Ikea, den finde ich auch sehr gut. Aber es ist ein bisschen seltsam, den IKEA-Tee jetzt nach vorne zu stellen. Ja.
Florian Bayer: Ich trinke besonders gerne Ikea-Tee.
Johannes Franke: Aber ich muss sagen, die haben das irgendwie drauf. Die haben so einen Flavor mit drin, der wirklich gut ist.
Florian Bayer: Das ist so ein bisschen wie wenn du sagst, ich bin Pizza-Liebhaber. Oh, welche Trattoria kannst du denn empfehlen, Pizza hat?
Johannes Franke: Gemein. Okay, Don Quixote de la Mancha. Ja.
Florian Bayer: Aber wir müssen jetzt aber nicht über den Roman reden, oder? Wir reden über den Film.
Johannes Franke: Nun ja, die Frage des Romans wird wahrscheinlich irgendwann auftauchen, aber vielleicht nicht am Anfang. Ich muss ganz voranstellen, dass ich den ganzen Film über das tiefe Bedürfnis habe, Terry Gilliam ganz fest zu umarmen.
Florian Bayer: Ja, das kann ich total gut nachvollziehen.
Johannes Franke: Mit der Vorgeschichte, wo alles schief geht eigentlich. Ja. Seit 25 Jahren arbeitet er an diesem Film und nun hat er es geschafft. Und eine Freundin von mir sagt ganz gemeinerweise zu mir, dafür, dass er so krass viel... Aufwand getrieben hat, das endlich zu schaffen, ist der Film ganz schön mittelmäßig. Was ich nicht teilen kann.
Florian Bayer: Was ich absolut teilen kann.
Johannes Franke: Du findest den Film eher mittemlässig? Ja.
Florian Bayer: Ich war schwer enttäuscht von dem Film.
Johannes Franke: Oh nein.
Florian Bayer: Und zwar wirklich, weil, wie ich in der Einleitung gerade gesagt habe, ich dachte, also ... Er hat eine so bewegte und bewegende Geschichte. Und es muss jetzt was Großes sein. Egal, ob es ein riesengroßer Flop ist. Oder ein Meisterwerk, aber es muss irgendwie Größe haben. Es muss die Größe haben, die zu diesem Schaffensprozess passt. Und ich wollte diesen Film entweder wirklich abgöttlich lieben oder total hassen. Und es hat beides nicht funktioniert. Und ich fand ihn einfach nur ziemlich plass. Und ziemlich lahm und tatsächlich einer der schwächsten Gilliam-Filme, die ich bisher gesehen habe.
Johannes Franke: Puh, okay. Okay, tasten wir uns da langsam ran. Du hast mir diesen Film aufgegeben und ich finde ihn besser als du. Ich finde es sehr spannend gerade. Also, erste Lichtgestalt Adam Driver.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wahnsinn.
Florian Bayer: Adam Driver ist ein fantastischer Schauspieler.
Johannes Franke: Ich hätte, ich hab überhaupt nicht, ich hab ihn nur bei Star Wars, glaub ich, gesehen, äh, Ich habe Marriage Story nicht gesehen und den ganzen anderen Kram nicht. Und ich habe nichts von ihm erwartet. Bis ich das von John Oliver, dieses Bit gesehen habe, wo das ganze Jahr über John Oliver, ich weiß nicht, ob du dir das anschaust. John Oliver ist ein Comedian, der einmal in der Woche Last Week Tonight macht und darüber redet, wie die Woche war und was da alles passiert ist. Ist sehr satirisch und teilweise nicht mehr wirklich zum Lachen, sondern einfach nur traurig. Aber er macht das sehr gut. Und er hat irgendwie seine, nachher daran gefressen, Adam Driver. immer wieder auftauchen zu lassen und verbal an ihm zu lecken. Wie leckt man denn verbal an jemanden? Hat immer wieder sehr sexuelle Anspielungen Adam Driver gegenübergebracht. Was sehr lustig war und was aber sehr viele Leute sehr irritiert hat, inklusive auch Adam Driver wahrscheinlich. Und dann hat er es geschafft, Adam Driver zu bekommen, ganz am Ende bei der letzten Sendung mit ihm zusammen quasi per Videocall anzurufen und ihn richtig rund zu machen. Adam Driver hat John Oliver gesagt... Du weirder, weirder Mann, was zur Hölle soll das? Und sie haben da irgendwie einen richtig tollen Text für den Elton Driver geschrieben. Man hätte auch einfach nur so, das ist ein Comedy-Bit, man hätte es auch einfach so runterspielen können, aber Adam Driver hat sich so reingeworfen. Das war Oscar verdächtig für sich irgendwie. Der hat das richtig gut gemacht. Und da habe ich das erste Mal gedacht, wow, Adam Driver hat richtig was drauf.
Florian Bayer: Ich finde, Adam Driver ist immer so ein bisschen Hit or Miss. Er wird zu oft so in dieser Emo-Rolle besetzt. Also Star Wars ... Ich fand ihn nicht gut. Die Figur des Kylo Ren ist halt auch einfach irgendwie so eine verschenkte Figur und er macht da auch nichts draus. Aber in Marriage Story war er ganz fantastisch. In Francis H. war er ganz fantastisch. Eigentlich immer, wenn er zusammen mit Noah Baumbach gedreht hat. Black Lanceman, was auch relativ frisch ist.
Johannes Franke: Was ich auch nicht gesehen habe, ja.
Florian Bayer: Toller Film.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Kann ich nur empfehlen. Aber ja, es kommt drauf an, ich glaube, er braucht den richtigen Regisseur, um glänzen zu können. Und sonst ist er manchmal ein bisschen zu oft in dieser Emo-Attitüde gefangen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Was vielleicht auch einfach an seiner Optik liegt, dass er so besetzt wird.
Johannes Franke: Ja, aber der ist doch so ein Tier.
Florian Bayer: Findest du? Ich finde, der hat sowas von einem traurigen Hund.
Johannes Franke: Ja, aber das kommt drauf an, wie man ihn inszeniert. Aber er ist groß, er ist muskulös, er ist schon, er hat so was, sagt Sehr kerniges, schon auch.
Florian Bayer: Lange schwarze Haare, große Nase. Er hat schon so ein bisschen so ein Milchbubi-Gesicht. Habe ich ihn mal mit Bart gesehen?
Johannes Franke: In diesem Film?
Florian Bayer: Ja, aber habe ich ihn sonst mal mit Bart gesehen?
Johannes Franke: Weiß nicht, keine Ahnung.
Florian Bayer: Ich google einmal Adam Driver in der Bildersuche und schaue, wie oft der Mann einen Bart trägt. Ach doch, er trägt, ja, okay, aber so. Naja, so ein Pflaumen. So Teenager-Behaarung.
Johannes Franke: Okay. Fans von Adam Driver, bitte die Hassmails an Plur.
Florian Bayer: Adam Driver ist so ein bisschen der Keanu Reeves des 21. Jahrhunderts, wenn ich mir jetzt die Bilder angucke.
Johannes Franke: Okay. Ja gut, ist vielleicht gar nicht so der verkehrteste...
Florian Bayer: Was traurig ist für Keanu Reeves, der im 21. Jahrhundert ja immer noch existiert und gute Filme dreht.
Johannes Franke: Und gute Sachen macht. John Wick ist doch so ein großes, großes, großes Ding.
Florian Bayer: Hast du John Ricks gesehen?
Johannes Franke: Nee.
Florian Bayer: Solltest du?
Johannes Franke: Immer noch nicht, nee.
Florian Bayer: Also einer der besten Actionfilme der letzten 20 Jahre.
Johannes Franke: Wow.
Florian Bayer: Alle drei Filme sind sehenswert und... Es ist mehr, als man erwartet, wenn man das Filmplakat sieht oder einen Trailer gesehen hat. Weil es ist einfach mal ... Klar, dieses klassische Action-Setup, Einzelkämpfer, der Rache übt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber ... Er hat so eine unfassbar schöne Märchenkomponente. Weil die Welt, in der sich John Wick bewegt, ist eine Welt der Serienkiller und ähm ... Nicht Serienkiller, der Auftragsmörder. Und die ihren Geschäften nachgehen und einem ganz engen Kodex folgen. Und es gibt eine Geheimgesellschaft. die die Aufträge verteilt, bei der dann Auftraggeber und Auftragnehmer aufeinandertreffen. Es gibt Orte, die quasi heiliges Territorium sind, wo niemand jemand anderen töten darf.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und das Ganze wird, ja, märchenhaft überzeichnet inszeniert. Ein ganz toller Film.
Johannes Franke: Okay. Cool.
Florian Bayer: Gefällt einem auch, wenn man kein Action-Liebhaber ist. Ich bin kein Action-Liebhaber, aber John Wick ist wirklich ein großartiger Film.
Johannes Franke: Mhm. Ich nehme an, wir werden einen Begriff prägen und zwar die Muss-man-sehen-Abschweifungen.
Florian Bayer: Das hoffe ich doch.
Johannes Franke: Kommen wir zum Film.
Florian Bayer: Episch in der Öffnungssequenz. Donkey Rote, ganz klassisch, Windmühle.
Johannes Franke: Großartig. Ich find's toll.
Florian Bayer: Ja, das Problem ist, dass der Film noch fünfmal diese Windmühlen-Szene zeigt. Als ob ihm nichts anderes aus Don Quixote in Erinnerung geblieben wäre.
Johannes Franke: Ja, und er wäre auch nicht zu kurz gewesen, wenn er sie noch weggelassen hätte. Weil der Film ist ja an sich durchaus... Ja. Also, aber trotzdem, ich kann sie mir jedes Mal anschauen. Das funktioniert schon, das mit dem Wind. Müllen kommt mir, also... Man haut immer wieder aufs gleiche Bild drauf im Grunde, auf die gleiche Erzählung fast, aber irgendwie, weiß ich nicht, mich hat es nicht gestört.
Florian Bayer: Es ist halt... Das archetypische Don Quixote-Bild. Der arme Ritter, der verwirrt ist und verzweifelt und gegen diese Windmühlen kämpft. Und dass der Film damit startet, finde ich total okay. Das ist auch, glaube ich, so ein bisschen Publikumsbefriedigung, dass man sagt, wir zeigen euch erst mal das, was ihr kennt, so wie wir spielen unsere größten Hits. Aber dass er dann später, wenn wir in die Fantasiewelt Don Quixotes eintauchen ... Dass es wirklich dieses Bild, das ist, was er primär erzählt, dass es wirklich noch ein paar Mal bringt, das finde ich ziemlich lahm. Das finde ich tatsächlich ziemlich wach. Weil eigentlich gibt Donkey Rote meiner Meinung nach deutlich mehr her und müsste nicht so reduziert werden auf dieses Meme, was es eigentlich ist.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Aber okay, am Anfang kann ich damit leben. Ich finde es vor allem schön, dass es dann aufgebrochen wird und wir diesem versponnenen Dreh beiwohnen und unseren Protagonisten kennenlernen.
Johannes Franke: Und den Protagonisten, also ich finde es sehr schön, wie wir einen eher unsympathischen, schwierigen Regisseur kennenlernen. Der aber auch nicht zu comichaft übertrieben irgendwie bösartig oder so ist.
Florian Bayer: Nee, er ist einfach ein Zyniker. Dieser Tobi ist, man merkt das ziemlich schnell und das wird ja auch zum Thema des Films. Er hat irgendwie so ein bisschen resigniert. Man merkt, er hatte mal künstlerische Ambitionen und jetzt macht er halt so seine Auftragsarbeit nett, macht halt seine Werbedrehs. Das ist es nämlich, was am Anfang gezeigt wird. Er ist in Spanien, um Don Quixote zu trainen. Aber er dreht natürlich keinen großen Don Quixote, sondern irgendeinen dummen Werbespot. Für einen ziemlich schmierigen Boss, der auch einfach nur Boss heißt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Mit dessen Frau er auch noch eine Affäre hat. Also es kommen schon so sehr viele Klischees zusammen, aber es sind niedliche Klischees. Es ist so witzig. Der zynische, resignierte Regisseur. der Talent hat, der irgendwann mal Ambitionen hatte und der jetzt halt in so einem Räderwerk gefangen ist, wo er Auftragsarbeiten macht, auf die er eigentlich überhaupt keinen Bock hat.
Johannes Franke: Genau. Und ich finde auch, dass das Set sehr schön erzählt ist und dass die, auch wenn es Klischees sind, finde ich, dass sie die sehr schön zusammengeworfen hat und sehr schön genutzt hat. Und ich gucke auch wirklich jede Minute gerne zu. Also zumindest jetzt am Anfang. Mir geht es später auch noch so, aber dir wahrscheinlich nicht mehr. wenn du das schon so sagst.
Florian Bayer: Also was gerne zugucken betrifft, was Gilliam drauf hat und was sich in dem Film wieder zeigt, Gilliam ist unglaublich gut darin, Sets zu finden. Mhm. die eine Atmosphäre versprühen.
Johannes Franke: Was ihm ja das Genick gebrochen hat beim ersten Dreh.
Florian Bayer: Lebendig wirken, ja. Zur Entstehungsgeschichte, ich weiß nicht, wie wir die einflechten wollen, weil die Entstehungsgeschichte, ich habe sie schon ein bisschen angeteasert, die ist ja wirklich monumental, dieses ganze Desaster. Und sie hatten so ein tolles Set. Und kennst du den Film? Kennst du Lost in La Mancha?
Johannes Franke: Natürlich, ich habe gestern nochmal geguckt.
Florian Bayer: Sehr schön. Ich finde, Lost in La Mancha ist der bessere Film von den beiden. Nein, ohne Zweifel.
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Lost in La Mancha ist ein großartiger Dokumentarfilm, der die ersten Dreharbeiten... aus dem Jahr 2002, 2001, 2000, 2000 war es, glaube ich, genau.
Johannes Franke: Kann sein.
Florian Bayer: Dokumentiert. bei denen alles schief ging, was schief gehen konnte. Und tatsächlich, Gilliam konnte nicht viel dafür. Gilliam hat ein schönes Set ausgesucht in Spanien.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Und es ist so Wüste an der Küste. Und es ... hat eine tolle Atmosphäre und er fährt mit der Crew dann dahin. Wie gesagt, wir sind im Jahr 2000 gerade. Und am ersten Drehtag, sie haben gerade angefangen zu drehen, dann fliegen die F-16 Jets über das Gelände.
Johannes Franke: Es wurde später zugegeben, dass die da lang geflogen sind, weil Johnny Depp dort dreht. Doch, die haben gesagt, die sind öfter gestartet, weil Johnny Depp dort gedreht hat. Weil sie gehört haben, Johnny Depp dreht da, sind die da lang geflogen.
Florian Bayer: Aber was bringt Ihnen das? Ich weiß es nicht genau. Kannst du noch nicht Johnny Depp zuwinken?
Johannes Franke: Ich hab keine Ahnung, ich weiß nicht. Vielleicht mochten sie ihn auch nicht. Ich weiß es nicht, aber das habe ich gelesen.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Vielleicht ist es auch irgendwo, ich weiß nicht, aber ich habe es gelesen.
Florian Bayer: Sie drehen den Shit dann auf jeden Fall runter, irgendwie. und sagen schon, okay, wir können den Ton nicht gebrauchen, wir machen danach Synchronisierung, kriegen wir schon irgendwie einen Terry Gilliam, das muss man dazu sagen. Terry Gilliam ist jemand, der eigentlich ... Wenn der was angefangen hat, der will das umsetzen. Und der geht auch mit Widrigkeiten um. Das merkt man auch in dieser Doku dann. Ja.
Johannes Franke: Der sagt auch, komm lass uns einfach, ich bin noch jemand, der einfach dann Material, Hauptsache wir haben was auf solche Leute gebannt.
Florian Bayer: Ja, und so sehen auch seine Filme aus. Ich liebe Terry Graham. Gleich dazu gesagt, ich liebe alle seine Filme, auch die, die bei der Kritik eher schlecht abgeschnitten haben. Drehtag Nummer zwei. Es fängt an zu regnen. Und es gibt diese wirklich traurige Szene, wo wir als Publikum schon wissen, wie das Filmprojekt enden wird, aber William weiß es noch nicht und er steht im Regen und ruft und reckt die Arme in die Höhe und findet das total geil.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann sehen wir, wie der Regen halt mehr wird und mehr und mehr. Dann werden irgendwelche Props weggespült.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und das ist klar, die können jetzt erstmal nicht weiterdrehen.
Johannes Franke: Das ist wirklich traurig. Ja.
Florian Bayer: Oh Mann. Ja, äh...
Johannes Franke: Aber es ist schon auch Terry Gilliam, der einfach sehr ambitioniert ist. Vielleicht für manche Projekte dann, also für dieses... Spanische für dieses Set und für die Leute und für alles, was er so organisiert hat, vielleicht überambitioniert.
Florian Bayer: Ich würde das komplett als einfach Pech verbuchen. Und das ist ja auch das, was der Kameramann Nicola Pecorini gesagt hat. Als sie dann am Schluss, nachdem alles gescheitert ist, sitzen, sie da zusammen überlegen, wie sie weitermachen wollen. Und er sagt ... Ich habe noch nie in den 20 Jahren, in denen ich hier im Business war, in denen ich Filme gedreht habe, habe ich so eine Summe von schlechtem Glück gesehen. Jetzt habe ich es wörtlich übersetzt. So viel Pech habe ich noch nie in meiner Karriere erlebt. Weil es geht dann ja noch weiter. Also der Regen sorgt dafür, dass das Set nicht mehr benutzbar ist, weil es sieht komplett anders aus. Also entweder sie müssen die Szenen noch mal neu drehen, die sie an Tag 1 gedreht haben. Oder... Sie haben einen kompletten Continuity.
Johannes Franke: Ja, fuck up.
Florian Bayer: Fuck up, genau.
Johannes Franke: Und sie können nicht mal nochmal neu drehen, was sie vorher hatten, weil der Schauspieler dann auch noch krank wird.
Florian Bayer: Genau. Das ist... Übrigens, der wäre so ein fantastischer... Der wäre fantastisch gewesen.
Johannes Franke: Aber ich finde... Jonathan Price. Wie heißt er? Jonathan Price. Wie heißt er?
Florian Bayer: Jonathan Price, ja.
Johannes Franke: Genau. Ein unglaublich toller Schauspieler. Ich mochte ihn ja in Brasil schon, wo er wirklich noch sehr, sehr jung war im Vergleich jetzt. Und ich mochte ihn in Two Popes wahnsinnig gerne. Ich weiß nicht, ob du das gesehen hast.
Florian Bayer: Nee, den habe ich nicht gesehen. Von dem hast du mir schon mal erzählt. Das ist dieses Netflix-Ding, ne?
Johannes Franke: Genau. Zwei Päpste. wo einfach diese Machtübergabe quasi fiktionalisiert nochmal erzählt wird zwischen den beiden Pepsten. Ja. Weil ja der eine abgedankt hat, was Päpste ja nicht machen dürfen eigentlich. Die sind es ja bis zum Ende. Normalerweise sagt ja kein Papst so, und jetzt gebe ich aber mal ab an der nächsten Bühne frei für ... Sondern der stirbt und dann ist gut und dann ist der Nächste dran.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und dieses Gespräch zwischen den beiden, das so wahrscheinlich nicht stattgefunden hat und diese Annäherung der beiden sehr unterschiedlichen Gespräche. Päpste. Ist wahnsinnig gut erzählt. Wirklich toll.
Florian Bayer: Den sollte ich mal schauen.
Johannes Franke: Müsstest du mal gucken, ja.
Florian Bayer: Jonathan Pryce ist ja tatsächlich so ein bisschen nicht Dauergast, aber er kommt öfter vor einen Gilliams-Film. Er ist immer fantastisch.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Ja, er ist auch ein guter Don Quixote. Also mit dem Cast habe ich überhaupt keine Probleme bei dem Film. Und wie gesagt, auch mit dem Gespür von Gilliam für Atmosphäre auch nicht. Er schafft es... egal ob mit vielen Mitteln oder mit wenigen Mitteln oder irgendwas dazwischen, was jetzt dieser Film war, schafft er es, echt tolle Sets, tolle Kostüme, auch wirklich eine Atmosphäre aufzubauen, die irgendwie ... historisch ist und gleichzeitig immer so ein bisschen surreal. Ich finde es krass, wenn man seine ältesten Filme anschaut. Wo er wirklich noch mit Low-Budget gearbeitet hat, also so was wie Time-Bandits oder Jabberwookie, der noch mehr Low-Budget war. Und selbst in diesen Filmen spürt man dieses Talent schon. Selbst in den Monty Python Filmen spürt man dieses Talent.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: irgendwie Erdfarben zu erzählen, mittelalterliche Sets, in denen alles so ein bisschen dreckig ist, in denen alles glaubhaft wirkt, realistisch. Und gleichzeitig trotzdem so was leicht Verträumtes und Verspultes hat.
Johannes Franke: Ja, das ist toll. Also ich finde diese Kombination bei ihm einfach so großartig. Weil es nicht wie bei fabelhafter Wetter Amelie so... Also richtig abgehoben verträumt ist, wo man wirklich so gänzlich ins Träumen kommt und sich eigentlich ganz eine neue Welt macht, ist eher so... Seine Wurzeln sind immer noch... In der Realität und immer noch bodenständig, von meinem Gefühl her.
Florian Bayer: Aber dafür dreht er dann umso mehr ab.
Johannes Franke: Ja, aber das kann er dann auch. weil die Wurzeln eben wirklich woanders sind. Weil es Hand und Fuß hat dadurch.
Florian Bayer: Ja, weil Weil wenn du jetzt so was wie fabelhafte Welt der Amelie als Vergleich heranziehst, das ist ja so ein Märchensetup, wo das Dispension of Disbelief nicht besonders schwer ist, weil alles sich in so einem gewissen märchenhaften Rahmen ... bewegt, indem es okay ist. Und Gilliam schafft es immer, und das liebe ich an ihm, diese Spots zu finden, in denen der Film komplett frei dreht Und man hat schon eine Stunde von dem Film gesehen und hat das Gefühl, man hat sich in dieser Welt jetzt eingelebt. Und dann passiert etwas und man denkt, what the fuck?
Johannes Franke: Was passiert?
Florian Bayer: Was ist hier gerade los? Wie wird hier die Realität aufgerissen?
Johannes Franke: Und dann ist er plötzlich aber auch wieder zurück.
Florian Bayer: Genau. Ich muss immer an diese Szene aus Brasil denken, ohne zu spoilern jetzt in dem Fall. Die Abschlussszene aus Brasil, wo das passiert, wo plötzlich... alles in sich zusammenbricht und diese ganze Welt einmal von Gilliam auf den Kopf gestellt wird und aufgerissen wird. Und in diesem Don Quixote gibt es auch eine solche Szene, die auch tatsächlich meine Liebsten... Nur eine? Eine besonders krasse, die meine liebste Szene des Films ist. Und die einzige Szene, tatsächlich sage ich eine Szene, weil das die einzige Szene ist, in der ich den Gilliam, den ich liebe, gespürt habe.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und das ist diese Szene, wenn sie bei den ... wenn sie bei den illegalen Migranten sind in dieser Stadt und dann Angst haben. Und Tobi hat dann Angst... Dass das Terroristen sein könnten. Und dann legen sie sich schlafen und plötzlich wachen sie in einem Mittelalter-Setting auf. Und reisen tatsächlich einmal durch diese mittelalterliche Welt. Was übrigens ganz interessant ist, weil offensichtlich war das das ursprüngliche Skript, dass tatsächlich Tobi eine Zeitreise macht. The Man Who Killed Don Quixote erzählt hat tatsächlich, dass Tobi mit dem Javier, der sich für Don Quixote hält, dann rumzieht im Spanien unserer Zeit. Und es verschwimmt auch so ein bisschen... Gegenwart und Vergangenheit, aber es ist klar, dass hier einfach Leute Traum und Realität nicht auseinanderhalten können. Und das Originalskript, das, wo es auch einige Szenen von Lost in La Mancha gibt, war wohl ... dass dieser Tobi in die Vergangenheit reist und da auf den richtigen Don Quirote trifft. Oder zumindest ... Oder zumindest mit dem anderen, der sich für den richtigen Donkey Rote hält, in die Vergangenheit reißt. Aber sie bewegen sich dann tatsächlich in der Vergangenheit.
Johannes Franke: Aha, verstehe.
Florian Bayer: Und es gab diese Zeitreisethematik, die dann geknickt wurde. Und ich denke auch, weil Gilliam ein bisschen mehr den Schaffensprozess... und diese Tragik des Schaffensprozesses thematisieren wollte.
Johannes Franke: Was er ganz wunderbar macht. Ich finde, diesen einen Satz, wir können ja hin und her springen, ist ja egal. Wir haben springen hin und her. Ganz am Ende, wenn sie auf dieser riesigen Party sind, dieser Dekadent erzählt wird, fängt es plötzlich an zu regnen. Und er sagt, einer der... Figuren, denen lässt er sagen, Mensch, Regen ist sowas, verdammt, das prägt den ganzen Dreh durcheinander. Ich weiß nicht mehr genau, was er sagt, was das genau war, aber ein großartiges Kopfnicken in Richtung nach Scheiße früher war.
Florian Bayer: Man sieht tatsächlich, dass Gilliam sich mit dieser tragischen Geschichte des Films auseinandergesetzt hat. Das ist ja so ein bisschen der zentrale Punkt, dass Tobi dreht diesen Werbefilm ... Und er trifft auf diesen Ravier, mit dem er vor zehn Jahren versucht hat, einen Don Quirote-Film zu drehen. Mhm. Damals noch, als eben dieser junge, aufstrebende Regisseur, damals, als er noch diese Leidenschaft für das Medium hatte, das er jetzt nicht mehr hat.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und davon werden dann ja auch 10 gezeigt. Das ist ganz merkwürdig ein Gypsy. gibt ihm diese DVD und er weiß nicht, woher kommt die DVD und es ist so irritierend, dieser Person wird er immer mal wieder begegnen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Übrigens, das ist auch so ein geringer Moment, den ich zu schätzen weiß, dass diese eine Figur immer mal wieder auftaucht.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und eigentlich nicht viel macht.
Johannes Franke: Und immer mal so um die Ecke lunst, weißt du, einmal so guckt und grinst.
Florian Bayer: Aber faszinierend. ist und auch immer an wesentlichen Plotmomenten da ist und auch die Geschichte so ein bisschen vorantreibt. Er findet dann diesen alten Film, erinnert sich an seinen alten Film und Und beschließt dann mehr oder weniger, weil er ... Die Kacke ist am Dampfen. Er hat total Probleme ... Er hat mit der Frau seines Chefs geschlafen und er weiß nicht, ob der hinter ihm her ist und er erinnert sich an seinen alten Film. Er fährt dann zurück in dieses Dorf, wo er den Film damals gedreht hat. Er hat damals mit Laiendarstellern gedreht, weil er das Ganze authentisch machen wollte. Er hatte diesen Javier als Donkey Rote besetzt. Der Javier war eigentlich, das war kein Schauspieler, das war ein Schuhmacher. Und der hat auch am Anfang, der hat das einfach nicht gut gespielt. Und dann haben sie halt versucht, ihn davon zu überzeugen, gut den Kirote zu spielen, was er machen muss. Und das haben sie ein bisschen zu gut gemacht. Seitdem hält sich Javier für Donkey Roto und lebt in einer Art Ausstellung...
Johannes Franke: Das ist so krass. Der kommt da hin in diesen Planwagen oder was sie da aufgebaut haben. Also so eine alte Dame, die dann irgendwie... so ein bisschen wirr mit ihm redet und ihm ein Geld abknüpft. Er weiß noch gar nicht, wofür eigentlich. Macht das halt so mit. Ja, es gibt so ein Schild und er weiß nicht, okay, Don Quirot, was zeigen die da? Und dann wird erstmal so, Ausschnitte aus seinem Film werden da gezeigt und dann hinter der in den notdürftig aufgehängten Laken. Steht dann tatsächlich dieser alte Mann zehn Jahre später und ist immer noch Donkey Rote? Und das ist schon eine sehr tragische Situation. Ich fand das sehr gut inszeniert.
Florian Bayer: Ich muss dazu sagen, ich war in diesem Film emotional nie besonders stark involviert. Was zum einen daran liegt, dass der Protagonist mir zu unsympathisch war.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und der Rest zu abgehoben. Und das ist auch gar nicht so schlimm bei Gilliam. Also bei Gilliam muss ich nicht unbedingt emotional involviert sein. Bei Brasil war ich das, aber bei vielen anderen Filmen von ihm auch eher nicht. Nicht so stark.
Johannes Franke: Da ist es eher das Spektakel.
Florian Bayer: Genau, das Spektakel, das verzaubernde. Gilliam kann einfach krasse Zaubertricks vorführen, die mal wieder mitreißen.
Johannes Franke: Verstehe.
Florian Bayer: Die fehlen in diesem Film ein bisschen. Aber ich mag diese Szene ästhetisch auch total. Wunderschön, wenn wir den zum ersten Mal sehen als Don Quixote, als alten Don Quixote, weil er natürlich auch die perfekte pointierte Umsetzung dieser Figur ist. Weil genau das ist Don Quixote, der Ritter der traurigen Gestalt, der sich für etwas Größeres hält. Und der Abenteuer erleben will, aber der eigentlich ein total armer alter Mann ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann ist es natürlich noch tragischer hier, weil er offensichtlich ausgebeutet wird. Weil Tobi muss Geld bezahlen, um den echten Don Kirote zu sehen, weil die ihn halt da so ausstellen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Mit ihm Asche machen. Und Raffier sieht Tobi und sagt, Sancho Panzer.
Johannes Franke: Sancho Panzer. Du bist zurück. Endlich. Meine Rettung. Ja. Und dann hauen die halt ab und setzen alles in Brand irgendwie aus Versehen. Ja, genau.
Florian Bayer: Und... Genau, und Tobi haut einfach ab. Es kommt zu einem ... Konflikt zwischen ihm dieser Touristenausstellerin Und Travier und am Schluss brennt dieser Trailerpark oder was auch immer das ist, wo sie leben.
Johannes Franke: Ich finde das Chaos aber immer sehr gut hergeleitet, muss ich sagen. Es tut einem wirklich leid, dass Adam Driver von einer Sache in die andere stolpert.
Florian Bayer: ganz schön rum.
Johannes Franke: Und echt überhaupt nicht, was, wie jetzt, aber ich hab doch hier eigentlich, ich hab gar nichts damit zu tun, bitte lasst mich alle in Ruhe.
Florian Bayer: Die Geschichte schlägt auch ganz schöne Kapriolen, um ihn von A nach B zu bringen. Also, dieser Brand ist das eine, aber diese bizarre, brutale Slapstick-Szene ... die danach folgt, wenn er mit den Polizisten zusammen auf die Wache fährt, weil sie irgendwie ... ihn verdächtigen, damit was zu tun zu haben mit diesem Brand. Und dann werden sie von Ravier wieder gestört, der seinen Sancho-Panzer befreien will. Das ist so eine absurde Szene, in der so viele Zufälle zusammenkommen und es ist total albern. erzählt und am Schluss haben wir zwei tote Polizisten. Tobi und Javier sind auf der Flucht.
Johannes Franke: Aber ich finde es so gut gespielt auch von Adam Driver, weil er einfach immer nur von einer Seite zur nächsten guckt und denkt, was?
Florian Bayer: Wo bin ich hier gelandet?
Johannes Franke: Kann jemand mal bitte die Realität zurückholen? Finde ich aber sehr gut. Wirklich toll inszeniert. Irgendwie bin ich sehr gerne in diesem Spektakel drin.
Florian Bayer: Tatsächlich war das noch, bis zu dem Punkt hatte mich der Film auch noch. Okay. im Spektakel.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es war ein bisschen mit angezogener Handbremse, das hatte ich die ganze Zeit eigentlich das Gefühl, dass das alles so ein bisschen lascher ist. Es hat mich ein wenig an Brothers Grimm erinnert. Die von 2005, seine Verfilmung der Gebrüder Krim.
Johannes Franke: Ja, ich habe das gesehen, ich erinnere mich aber nicht mehr.
Florian Bayer: Mit Matt Damon und, frag mich nicht. Und damals hatte er aber die Ausrede, dass er endlich mal wieder ein bisschen Produktionsgeld hatte. Und es war eine Auftragsarbeit. Und er hat für ein großes Studio gedreht, für ein amerikanisches Publikum. Und der ist kein schlechter Film, aber der führt Gelegenverhältnisse auch eher durchschnittlich. Aber in dem Film hat man permanent gemerkt, dass Gilliam die Handbremse angezogen hat. Einfach, weil klar ist, er muss hier Hollywood zufriedenstellen. Hollywood, die er zutiefst verachtet. Aber er war damals wirklich am Boden und zwar auch ... Vor allem wegen diesem gescheiterten Non-Kirote-Film. Es gibt dieses tolle Bild von ihm, wie er auf der Bühne steht und sagt, für was zu essen drehe ich jeden Film. Ich glaube, das war so eine Protestaktion. Er hatte wirklich Probleme nach diesem gescheiterten Don Quixote. Hatte ja zum zweiten Mal in seiner Karriere extrem. extreme Probleme Geldgeber zu kriegen. Das erste Mal hat er Probleme nach dem Münchhausen-Film. den er Anfang der 90er gedreht hat, der ein komplett kommerzieller Flop war. Und das war auch so ein ambitionierter Film, ein toller Film. der von der Kritik auch verrissen wurde.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und vom Publikum ignoriert und der ein massives Verlustgeschäft war, weil damals durfte er mit viel Geld drehen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und er hat es in den Augen des Studios verbockt, weil er hat einfach kein Publikum angezogen. Und danach hat er immer Probleme, Geldgeber heranzuziehen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Naja, auf jeden Fall hat mich das ... Und das hat mich ein bisschen geärgert, weil er hatte ja ... John Kirota hatte er komplette Kontrolle über das Projekt. Er hat sich freigekämpft. Er durfte machen, was er wollte. Er durfte spielen. Das Budget war okay, jetzt nicht ganz so, wie er am Anfang wollte. Aber Gilliam kann auch mit wenig Budget arbeiten. Und deswegen macht es mich so traurig, dass ich ständig das Gefühl habe, diese angezogene Handbremse zu sehen. Selbst in diesen bizarren schrägen Gilliam-Momenten, die ich will, die ich sehen will. Selbst in diesen... Es ist immer so, dass man das Gefühl hat, es könnte ein bisschen mehr drin sein.
Johannes Franke: Echt?
Florian Bayer: Ja, guck dir an, was der Mann bei Time Bandits gemacht hat. Ja, ich weiß.
Johannes Franke: Ich weiß, aber irgendwie ... Ich fand das sehr befriedigend, diese ganzen chaotischen Momente, die wirklich gut gemacht wurden. Ich weiß nicht. Ich habe die deinen Bremsen nicht so gesehen. Vielleicht... Ich weiß nicht.
Florian Bayer: Ich fand, das war alles...
Johannes Franke: Vielleicht bist du abenteuerlustig als ich.
Florian Bayer: Es war alles okay, aber es war halt nicht mehr als okay. Und vom Gilliam-Film her erwarte ich irgendwie, dass er mich umhaut. Dass er mich total... fertig macht, dass ich danach das Gefühl habe, ich wurde einmal durch eine Waschmaschine geschleudert oder so.
Johannes Franke: Das ist aber auch gemein, von jemandem immer wieder zu erwarten, dass er auf so einem Tempo, auf so einem krassen Niveau immer alles abliefert. Was ich sehr schön finde, was so ein ganz toller Gilliam-Moment ist, auf eine andere Art und Weise als sonst. wo Adam Driver das erste Mal wieder zurück im Dorf ist und mit dem Wirt spricht. Und zwar erstmal auch Spanisch und dann gibt es englische Untertitel. Und er schiebt vehement diese englischen Untertitel weg und sagt, wir kommen doch ohne klar.
Florian Bayer: Schöner Moment, finde ich auch.
Johannes Franke: Ganz toll.
Florian Bayer: Hervorragend gelöst, weil sie wussten, sie müssen sehr viel Spanisch reden. Wie machen wir das jetzt? Sollen wir die ganze Zeit untertiteln? Nein. Wir schieben die Untertitel weg und ab sofort unterhalten wir uns einfach in Englisch.
Johannes Franke: Das ist großartig.
Florian Bayer: Und das wird dann auch durchgezogen, ne?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es wird eigentlich nicht mehr in Spanisch geredet danach groß.
Johannes Franke: Nee. Also es gibt so ein paar Einsprengselworte, die nicht mehr untertitelt sind. Die nicht mehr untertitelt sind, genau. Aber ansonsten...
Florian Bayer: Das fand ich übrigens auch nochmal, um darauf zurückzukommen, dass Gilliam wirklich ein gutes Gespür für Seths hat in dieser Szene, in der er in der Bar ist. Mhm. Bevor er den Ravi kennenlernt, ist er einmal in dieser Bar, wo sie gedreht haben, und trifft da auch den Vater seiner damaligen Hauptdarstellerin. die die Dolce Nea spielen sollte. Und dann ist er in diesem wunderschönen alten Gasthof von damals, wo alles so urig wirkt und dann steht an der Wand steht ein Glücksspielautomat, der blinkt. Und Pieps. Und das ist das, was ich an Gilliam schätze. Dieses Gespür für Details.
Johannes Franke: Das ist großartig.
Florian Bayer: Wir bauen da einfach nochmal so als... diesen Automaten rein und es macht ja auch irgendwie Sinn. Wir sind halt im Jahr 2005. 18.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das macht total Sinn. Und das ist total toll. Also dieses Sets, ich kann es nur nochmal sagen. Die Sets funktionieren einfach, die Kostüme funktionieren einfach. Das ist nicht das Problem des Films.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Er zieht dann mit Ravier los, nachdem die beiden Polizisten tot sind.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und es ist auch so ein bisschen ... Ja, Hilflosigkeit. Er wird von seinem Boss gejagt. Er wird von der Polizei gesucht. Er ist für zwei tote Polizisten verantwortlich. Er weiß nicht genau, wie er damit umgehen soll. Und dann wird er halt so Sancho Panza für eine Zeit lang für sein... Ravier und sie laufen durchs spanische Hinterland.
Johannes Franke: Ravier gibt ihm sogar so sein Kostüm sozusagen. Ja. Hier, das heißt, du brauchst dich nicht mehr zu verkleiden. hier hörst du deine alte Kleidung wieder nach.
Florian Bayer: Und obwohl er nicht dick ist, er passt perfekt in die Rolle des Sancho-Panzers. Ja, das ist total super. Dieser Unterwürfige, also er... begehrt zwar immer wieder auf gegen Raviers Großherren, Gutesherrenart, aber er ist auch irgendwie in dieser Rolle. Und dann kommt es zu der ersten Szene, die mir den Film kaputt gemacht hat, nämlich die erste Windmühlen-Szene.
Johannes Franke: Aha.
Florian Bayer: Wo ich dachte, was ist denn das? Jetzt hast du das ganze Set aufgebaut. Und jetzt hast du den Donkey Roto. Und wir hatten schon eine kleine Windmühm-Szene am Anfang. Jeder kennt dieses Bild. Und jetzt bringst du mir die noch mal. Und das ist so ... unimaginativ. Es ist so tröge. Es ist einfach, die Windmühlen stehen da, Donkey Rode kämpft gegen sie und wird K.O. geschlagen. Es gibt keinen fantastischen Moment, keine Farben, keine Action, kein Spektakel, nichts. Es ist fast so, als würde der Film diese Szene noch einmal platzieren wollen, um das Publikum daran zu erinnern, hey, wir haben hier Don Quixote, um weitergehen zu können.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und das war wirklich so ein Moment, wo ich dachte, oh, jetzt geht's los, jetzt sind sie unterwegs. Oh, okay, ja, na gut. Ich war schwer enttäuscht. Nicht wütend enttäuscht.
Johannes Franke: Willst du das bitte, Terry Gallium, schreiben? Ich war enttäuscht. Nicht wütend. Enttäuscht. Aber natürlich braucht er dieses Vehikel, um zu diesem Flüchtlingslager zu kommen.
Florian Bayer: Die beste Szene des Films. Die einzige wirklich für mich überzeugende Szene des Films, was den Rest betrifft.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ja, genau, sie kommen in dieses Flüchtlingslager und es gibt diese wirklich, also zum einen diesen wirklich guten sozialpolitischen Kommentar. Weil Tobi denkt die ganze Zeit, er sitzt in der Kacke.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dann treffen wir auf diese Menschen. Wir sind an der spanischen Küste. Wir treffen einfach mal auf diese Menschen, die nicht wissen, wo sie hin sollen. Ja. Und die dann in dieser Stadt leben. Und Tobis erster Gedanke ist, fuck, das sind Terroristen.
Johannes Franke: Ja, weil es ist alles so runtergekommen und alle so bärtig.
Florian Bayer: Das sind Moslems, die sagen es auch, glaube ich, zu ihm. Ja, genau. Er sieht den einen auch beim Beten.
Johannes Franke: Und er sieht auch die verhüllten Frauen und so. Also ich finde auch, dass er das sehr gut erzählt, weil ich auch als Zuschauer die ganze Zeit unsicher bin, was jetzt eigentlich... Phase ist und sind das jetzt Terroristen? Ah, okay, nee, doch nicht. Und was, wie, wo?
Florian Bayer: Aber gab es diesen Moment, wo du tatsächlich dich auf Tobis Wahrnehmung eingelassen hast und wirklich dachtest, oh, es könnten Terroristen sein? Weil das Gefühl hatte ich nicht. Also ich hatte nicht das Gefühl, dass der Film uns diese ... diese Realitätsebene anbietet, weil es einfach zu klar war, dass wir hier ein Gefälle haben, dass das wirklich arme Leute sind, zu denen sie gerade kommen.
Johannes Franke: Also ich habe nicht, als er das erste Mal das formuliert, das sind Terroristen, er formuliert das ja richtig, habe ich nicht sofort gesagt... nee, du bist ja doof. Das sind keine Terroristen. Sondern ich habe gedacht, aha, okay, vielleicht... Will er mir das erzählen? Weiß ich noch nicht. Und habe mich erst mal darauf eingelassen zu gucken, was noch passiert. Also ich war nicht sofort... überzeugt, dass es einfach nur arme Menschen sind.
Florian Bayer: Und dann macht der Film das, was ich von einem Gilliam-Film erwarte. Er macht diese Zeitreise einfach mal. Sie sind plötzlich im Mittelalter.
Johannes Franke: Es ist großartig.
Florian Bayer: Und es gibt auch erstmal keinen Hinweis darauf, dass es sich hierbei um einen Traum handelt, weil sie wirklich ein Abenteuer erleben in dieser Stadt. Und eine relativ lange Sequenz auch. Also es gibt einfach, es fehlt jede Option, dass das nur ein Traum oder nur ein Hirngespinst sein könnte. Sie sind plötzlich. in einem mittelalterlichen Setting.
Johannes Franke: Ja, und ich habe auch aufgeschrieben, ist es jetzt endgültig ein Period Piece? Ja, genau.
Florian Bayer: Das denkt man in dem Moment. Man würde es dem Film abkaufen, man könnte es erwarten, dass sie jetzt einfach da bleiben. Ohne große Erklärung, sie sind jetzt halt plötzlich... Sie sind jetzt da. Sie sind jetzt in dieser Zeit gefangen.
Johannes Franke: Sag mal, sind die Reiter, die da kommen, die beiden toten Polizisten?
Florian Bayer: Ja, das habe ich mich auch gefragt. Ich weiß es nicht, ich kann es dir nicht genau sagen.
Johannes Franke: Der eine macht auch eine Bemerkung, die so klingt. Ja, ich glaube, es ist... Es ist so gemeint.
Florian Bayer: Es bietet sich natürlich an, dass das erzählt wird, weil nachher, wenn sie dann wieder in ihrer Zeit sind und aus der Stadt rausreisen ... sehen wir ja, wie die Stadt von Polizisten gestürmt wird. Was wirklich ein trauriger Moment auch ist. Noch mal dieser sozialpolitische Kommentar. Diese netten Leute, die ihnen wirklich geholfen haben, die ihnen ein Nachtlager gegeben haben, die ihnen was zu essen gegeben haben, die werden jetzt von der Polizei gefangen und die werden wahrscheinlich abgeschoben. Es gibt keine große Alternative dazu. Es ist irgendwie klar, was hier erzählt wird.
Johannes Franke: Ja, ja. Und die anderen reiten halt davon.
Florian Bayer: Genau, sie reiten davon und das kümmert sie auch nicht mehr. Sie drehen dem Ganzen den Rücken zu. Es gibt irgendwie nicht... Also Tobi ist schon ein sehr unsympathischer Protagonist. Es gibt da nicht diesen großen Moment, wo er irgendwie sich schuldig fühlt oder irgendwie Zweifel hat an dem, was da passiert. Und dann reiten sie halt rum und das ist so, ja, das ist halt wirklich, wo der Film mich dann endgültig verloren hat, wo er diese Goldsäcke findet und er will die Namine verstecken und natürlich trifft er dann auf Seine damalige Dulcinea, die damalige Darstellerin Angelika, die mittlerweile ein Escort-Mädchen ist und für einen... absoluten Klischee, Bösewicht arbeitet, der so ziemlich das Abziehbild eines James-Bond-Willen ist.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und das war jetzt von... Aus meiner Sicht war das dann nur noch von... Situation zu Situation stolpern, hin zum großen Finale dieser Burg, wo der Bösewicht seine Party feiert.
Johannes Franke: Aber das stimmt. Ab jetzt stolpert er tatsächlich von Situation zu Situation, weil er einfach nur noch eine Absurdität nach der anderen nach oben bringt.
Florian Bayer: Ja, aber dafür ist es nicht absurd genug. Das stimmt. Das ist dieses ... fehlt in all diesen Momenten, durch die sie jetzt fallen, wenn sie dann mit diesem düsteren Ritter, den Night of Mirrors, konfrontiert werden, der sich als der Vater von Angelika entpuppt, eigentlich Javier irgendwie rausreißen will aus seiner Fantasie, indem er den bösen Ritter mimt mit den anderen Leuten aus dem Dorf. Das war alles nicht bizarr genug. Ich kann nur noch mal, wenn ich überlege, in Gilliams Filmen stolpern die Protagonisten immer durch bizarre Situationen. Das war bei Time Bandits so. Das war bei ... Und das war auch bei seinen neueren Filmen so. Aber es gibt eine gewisse ... Kurve, das wird bizarrer und das wird extremer und das wird immer absurder und so bei Time Bandits zum Beispiel, dass sie wirklich vom Robin Hood über die Titanic plötzlich in so einer Fantasiewelt landen, wo sie auf dem Kopf eines Riesen sitzen und dann in die Hölle reisen, man merkte einfach, er packt immer noch mal was drauf, er packt immer noch mal was drauf. Und bei diesem Film habe ich das Gefühl, er nimmt immer noch mal ein Stückchen weg, er nimmt immer noch mal ein Stückchen weg. Und dann bleiben halt einfach nur noch Episoden.
Johannes Franke: Ja, also ich denke jetzt vor allem an die dekadente Party, die da jetzt dann noch passiert. Was ja das eigentliche, also das ist ein riesiger Erzählkomplex. Ich finde nicht, dass es so episodisch ist, sondern es ist ja eigentlich ein riesiger...
Florian Bayer: Das ist das große Finale. Ja. Da hatten sie übrigens ziemlich Ärger nochmal wegen diesem Dreh. Hast du das gelesen?
Johannes Franke: Nee.
Florian Bayer: Die, ähm... Ich muss es einmal kurz suchen, weil das ist jetzt schon die Nachgeschichte von diesem Film. Und zwar haben sie das Ganze gedreht ... in den Convento de Cristo in Toma, Portugal. Eine alte... Burg, die Klosteranlage, eher von Tempelrittern. Und offensichtlich wurde ihnen danach... vorgeworfen, dass die wie Schlampen am Set gewesen wären und dass die Sachen zerstört hätten und den Ort praktisch entweit hätten, der übrigens ein UNESCO-Weltkulturerbe ist.
Johannes Franke: Okay, wow.
Florian Bayer: Und Grimm hat gesagt, das wird Staller Blödsinn und so weiter. Das hat da auch, glaube ich, keine größeren Folgen mehr. Aber sie hatten Ärger. Sie hatten auch Ärger mit den portugiesischen Behörden, weil sie offensichtlich sich wie Sau aufgeführt haben an diesem Drehort. Und wenn man den Film sieht, kann man sich das durchaus auch vorstellen. Ja, na ja. Sie will dann durch diesen Ort und sie nutzen alles, was sie finden können ... an dieser Burg, um dieses dekadente Fest zu erzählen.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Aber trotzdem, das kann man ja so oder so drehen. Man kann das... Naja, rücksichtsvoll drehen oder eben nicht.
Florian Bayer: Ja, das ist auch schwer zu sagen, wenn man einen Film sieht, weil natürlich ist es erstmal der Film und man weiß nicht, was da Props sind, was... was zur Umgebung gehörte. Weil natürlich, sie sich meißen mit Sachen um sich, sie machen Sachen kaputt, sie setzen Sachen in Brand. Und alles zur Unterhaltung des Publikums und unseres russischen Oligarchen.
Johannes Franke: Ja. Also das ist ja immer so, mal aus der Warte des Filmemachers gesprochen. Ich würde meine Wohnung nicht für einen großen Dreh zur Verfügung stellen, weil ich weiß, was da passiert. Ja. Und wenn du als Burgbesitzer nicht weißt, wie ein Dreh funktioniert, dann bist du erstmal schockiert. Also es kann auch das sein, dass du erstmal einfach gar keine Ahnung hattest, was da auf dich zukommt. Naja.
Florian Bayer: Aber diese Party, ja, ich sehe, was er machen will. Ich sehe, dass er da wirklich, dass er Realität und Fiktion... mischen will und das gelingt ihm, ich weiß es nicht, es gelingt ihm nicht so, wie ich es mir wünschen würde. Es ist vielleicht ein Erwartungsproblem.
Johannes Franke: Ja, ich glaube, es ist ein Erwartungsproblem. Das denke ich die ganze Zeit. Du hast halt diese ganzen, diese Vorgeschichte von Terry Gilliam und diese Vorgeschichte dieses Films und seiner anderen. anderen Filme. Und wenn du gedacht hättest, na gut, jetzt kommt ein neuer Film von Buffy Autoren.
Florian Bayer: ganz gut. Das Ding ist tatsächlich, dass das auch... Und das wurde davor schon in diesem Episodischen vorbereitet. Es wird dann auch einfach ein bisschen zäh. Und er macht so einen Kardinalsfehler. Für so einen Film, dass er einfach anfängt, auch so ein bisschen zu langweilen.
Johannes Franke: Finster.
Florian Bayer: Ich wurde nicht mehr mitgerissen. Und weder emotional noch... noch mein Spektakel sind. Es war einfach so, ja, mach mal, komm mal zum Ende.
Johannes Franke: Okay. Na, also ich sehe auch, dass das Ende sehr, sehr ausgewalzt ist, sehr lang. Aber ich habe immer noch zugucken wollen. Also ich wollte immer noch wissen, was passiert als nächstes und welche Auflösung findet das Ganze dann am Ende. Und natürlich war diese Tragik von Don Quixote, der dann irgendwie einmal durch den Kakao gezogen wird von der Gesellschaft dort, wenn man wie du nicht emotional im Film ist, dann tut einem das auch vielleicht nicht so leid.
Florian Bayer: Das fand ich tatsächlich auch traurig, dass Dass sie Don Quixote, dass sie den Javier so demütigen. Das, fand ich, war ein Moment, den ich gekauft habe und der mich auch... ein bisschen bewegt hat, ja.
Johannes Franke: Und dann eben, man will auch nicht, dass dann der arme Don Quixote, der am Ende stirbt, dass der dann sagt... Ich bin bloß ein alter Schuhmacher. Man will eigentlich, nein, nein, nein, nein, glaub dran, glaub dran, bitte halt dran fest.
Florian Bayer: Aber dass sie dann Tobi quasi zum Nachfolger machen, ist toll. Dafür war mir das davor nicht bizarr genug. Ich habe ihn nicht in dieser Rolle gesehen.
Johannes Franke: Also du hast es nicht hergeleitet gesehen, dass er tatsächlich am Ende dann das übernimmt.
Florian Bayer: Es war zu drangekleistert. Ich sehe diesen Moment, wenn er denkt, dass sie jetzt Dulcinea beziehungsweise Angelica, übrigens Hattest du das Gefühl, dass da eine Chemie zwischen den beiden ist?
Johannes Franke: In den Rückblenden war eine da.
Florian Bayer: In den Rückblenden vielleicht ein bisschen.
Johannes Franke: Aber in der Gegenwart nicht so, das stimmt.
Florian Bayer: Weil sie wird ja doch eine relativ wichtige Rolle im Film.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil Tobi, sie ist... das Escortmädchen, dieses russischen Oligarchen und Tobi will sie von dem befreien, weil der einfach mal ein Arsch ist. Und dann sind sie auf dieser Party und Offensichtlich gehört zum Programm unter anderem, dass Ravier gedömt wird und dass Angelika bei lebendigem Leibe verbrannt wird auf einem Scheiterhaufen. Und um das gleich vorwegzunehmen, es stellt sich dann natürlich heraus, dass das nur in Tobis Fantasie stattfindet und dass sie einfach nur auf so einem Holzbarren steht und um sie herum ein bisschen Papier durch die Luft flattert. Aber dieser Moment, dass Tobi kippt und Tobi... in der Traumwelt komplett gefangen ist. Darauf hat der Film nicht genug hingearbeitet. Ich mag den Moment, wenn er sagt, oh Gott, jetzt sehe ich auch ... mittelalterliche Leute, wenn sie zu dieser Party gehen. Er begegnet dann nämlich seiner Affäre mit noch anderen Leuten, die zu dieser Party reisen. Das ist eine Kostümparty, das heißt, sie sind mittelalterlich gekleidet. Und er denkt, oh nein, ich verliere den Verstand. Aber das wird dann natürlich direkt aufgelöst, weil sie ihn reden. Und er redet mit ihnen, sie sagen, hey, auf zur Kostümparty. Und da ist dann noch ein Bodyguard dabei in klassischem Anzug. Und es gab einfach nichts, was so richtig drauf hingearbeitet hat, dass er komplett in dieser Rolle aufgeht. Und deshalb kann ich ihm auch einfach nicht diesen Ritter der traurigen Gestalt sehen. Auch weil er viel zu passiv war während der ganzen Zeit, während des Films. Ihm fehlt der heldenhafte Moment.
Johannes Franke: Na, aber er rennt doch schon nochmal zurück, um sie, also er könnte jetzt mit Angelika abhauen und reitet er zurück, um den alten Mann abzuholen. Also um Don Quixote zu holen. Das ist ein heldenhafter Moment.
Florian Bayer: Das ist ein heldenhafter Moment, aber das war genau, das ist der heldenhafte Moment des Films. Dass er sie hat und sie jetzt mit ihr abhauen könnte und sie retten könnte aus den Klauen. Dieses, oh Gott, dieser Oligarcher, so ein Klischee.
Johannes Franke: Oh, das ist furchtbar, ja, der Typ ist furchtbar.
Florian Bayer: Aber wenn ich ein Russe wäre, würde ich mich wirklich offended fühlen durch dieses.
Johannes Franke: Durch diese Figur. Ja, naja, für mich hat diese Party natürlich auch was von dieser, ein kleines bisschen Verarbeitung dieser ganzen Harvey Weinstein, Jeffrey Epstein, diese dekadenten Partys, die eigentlich dafür da sind, um ein patriarchisches Oppressive System zu feiern.
Florian Bayer: Das ist auf jeden Fall eine interessante Interpretationsebene. Wenn du mir die jetzt erstmal so hinwerfst, kann ich nur sagen, okay...
Johannes Franke: Das ist mein Gedanke gewesen auf der Sache.
Florian Bayer: Gibt ihm auf jeden Fall nochmal eine neue Note. Aber müssen die Figuren so, nee, nicht archetypisch, so Stereotyp sein? Es ist ja schon am Anfang, sein Boss ist ja auch so eine stereotype Figur. Es fehlen einfach die Nuancen, die Ambivalenzen.
Johannes Franke: Aber ist Terry Gilliam der Typ für diese Nuancen? Macht Terry Gilliam das nicht irgendwie sowieso nie? Also er macht auch sehr viel mit so Archetypen. Oder? Hast du irgendwie eine Figur? Fällt dir eine Figur ein, die sehr...
Florian Bayer: Mit Arschtypen, aber nicht so mit Stereotypen. Zum Beispiel... Ein Film, der ja eigentlich total ähnlich ist. Und das war auch so, glaube ich, eine Auftragsarbeit, eine amerikanische Auftragsarbeit, ich weiß, König der Fischer. Das ist ja auch diese, wo Robin Williams diesen Obdachlosen spielt, der in seiner Fantasiewelt gefangen ist und glaubt, er wäre ein Ritter und gegen Drachen kämpft und... Einer von den beiden Chefs, die ich überverwechsel, ich glaube Jeff Pritches, spielt den zynischen Radiomacher.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: der ihm dann irgendwie hilft, weil er ein schlechtes Gewissen hat. Das ist so ganz ähnlich. Und da habe ich das Gefühl, waren die Figuren einfach mal ambivalenter. Und es gab nicht so diese einfachen Bösewichte. Und es wurde alles so ein bisschen immer mal wieder aufgelöst.
Johannes Franke: Aber in diesem Fall hat Jeff, ist es Jeff Bridges?
Florian Bayer: Ja, es ist Jeff Bridges.
Johannes Franke: eine größere Rolle, während unser Bösewicht hier viel kleiner. Also ich meine, da ist ja nichts...
Florian Bayer: Jeff Bridges in König der Fischer ist eher das, was Tobi in dem Film ist. Und ich überlege gerade, bei König der Fischer, klar, bei Brazil gab es die krassen Bösewichte.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber ich glaube, die waren nicht so Stereotyp auf das Hollywood. Hollywood-System ausgerichtet. Dieser Oligarch ist halt auch so, wirklich, das könnte ein James-Bond-Bösewicht sein.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Und dann ist er auch noch Russe. Boah, ich weiß nicht. Ich will gar nicht sagen, dass es rassistisch ist oder so. Es ist einfach so plump und so ... überholt und so billig. Und ich verstehe nicht, warum diese Figur so inszeniert wird.
Johannes Franke: Ich habe noch nicht immer in Erinnerung, dass er Russe war. Du bist mir vorbeigegangen. Der war so russlich. Ich habe halt andere Dinge gesehen, ne?
Florian Bayer: Den einzigen guten Moment kriegt er tatsächlich, die einzige ambivalente Note kriegt er, wenn Javier dann wirklich gestorben ist und er guckt dann und sagt, okay, die Party ist vorbei und man merkt, dass er kurz tatsächlich merkt, dass alles ein bisschen zu weit gegangen ist und dann einfach keinen Bock mehr hat. Das ist so die einzige ambivalente Note, die dieser Bösewicht kriegt. Hat der überhaupt einen Namen? Ja, der hat einen Namen. Sein Chef hat keinen Namen. Sein Chef heißt einfach Boss. Alexej Miskin heißt der Russe. Ja, ich weiß nicht. Und dann halt diese Liebesgeschichte zwischen ihm und Angelika, die einfach keine Chemie hatte und die so ein bisschen draufgeschlüpft war. Ich war glücklich, dass sie das... dass sie dem ganzen Ding am Schluss noch mal eine andere Stoßrichtung geben, indem sie sagen, so, Angelica ist jetzt Sancho Panza und Tobi ist jetzt Don Quixote. Das mag ich, das gefällt mir. Sie hätten die Liebesgeschichte einfach weglassen sollen. Was soll das?
Johannes Franke: Vielleicht. Das stimmt, die könnte man auch rauswerfen. Das braucht es für den Film nicht.
Florian Bayer: Es ist halt auch so eine alberne Liebesgeschichte, weil als er vor zehn Jahren diesen Film gedreht hat, war sie 15. Und er war, keine Ahnung, Mitte 20 oder so. Und jetzt ist sie Anfang 20. Und es hat so diese ganzen klassischen Tropes von ... Das kleine Mädchen, das damals von ihm so ein bisschen Stoß Richtung Welt gekriegt hat und das hat sie verdorben. Und jetzt ist sie irgendwie in die falsche Gesellschaft gekommen und da muss er sie rausziehen. Und es ist als Liedesgeschichte extrem plump und auch Stereotyp.
Johannes Franke: Ja. Ja, ich sehe diese ganzen Stereotypen nicht, weil ich von dem ganzen Spektakel so abgelenkt bin. Weißt du, was ich meine? Ich habe halt irgendwie dieses ganze Chaos und dieses von einem ins nächste geworfen werden und die Art der Inszenierung. Die ist für mich viel gewichtiger als diese ganzen Plot-zu-Plot-Sachen. Irgendwie weiß ich nicht.
Florian Bayer: Ich glaube, die einzelnen Momente haben für mich nicht funktioniert, weil ich das Gefühl hatte, dass die Story drumherum so zugekleistert war, weil sie versucht haben, irgendwie alles zusammenzuhalten. Weil es gab ja natürlich, es gibt auch noch schöne Momente zwischen ... Tobi und Angelika, zum Beispiel dieser Tanz, wo sie Ohrfeigen gibt. Ja. Das ist eine schöne Szene.
Johannes Franke: Wirklich schöne Szene.
Florian Bayer: Aber das alles ist in diesem verkleisterten Gewulst von einer Geschichte gefangen. Und kann sich irgendwie nicht freispielen und deswegen funktionieren die einzelnen Momente nicht für mich. Und bei anderen Gilliam-Filmen haben die Momente mehr Raum zum Atmen.
Johannes Franke: Ja, okay. Also wollte er zu viel? Nein, ich glaube es ist nicht.
Florian Bayer: Hätte er zu viel gewollt, dann hätte man das gesehen. Dann hätte er mehr auf die Kacke gehauen. Zu viel wollte er bei Panassos. und der Film wurde auch von der Kritik vernichtet und ich liebe diesen Film und da will er viel zu viel und da springt er von Welt zu Welt und wechselt die Figuren und die Rollen und die Bilder und es ist mal so bunt übertrieben und mal grau und trist. Und es ist von allem zu viel. Du guckst diesen Film, du hast das Gefühl, der wirft alles auf dich drauf, was er an Fantasie hat. Und es ist großartig. Und das macht dieser Film ja gerade nicht.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Es tröpfelt halt so vor sich hin und es ist irgendwie so gefangen in dieser Geschichte. Es wird alles irgendwie so halb... mehr schlecht als recht zusammengehalten. Und dann gibt es diese Momente, aber diese Momente können nicht atmen und es gibt zwei, drei tolle Gilly-Momente und das war es irgendwie. Ah. Mann, Terry!
Johannes Franke: Okay, also, das heißt, für diese 25 Jahre, die dieser Film gebraucht hat, Ist das Endprodukt nicht ambitioniert genug?
Florian Bayer: Ja. Das ist das Problem. Er ist nicht ambitioniert genug. Und ambitionierte Filme sind was Tolles. Macht Spaß über... Oh mein Gott. Oh nein, ich spüre es. Es kommt, es kommt. Ah, da ist die Top 3.
Johannes Franke: Unsere Liste. Okay, die Top 3 sind da. Oh mein Gott.
Florian Bayer: Ja, wir reden über ambitionierte Filme, ne?
Johannes Franke: Das ist ein spannendes, schwieriges Ding gewesen.
Florian Bayer: Fand ich auch. Also auch die Frage, was ist ein ambitionierter Film? Ambitioniert in der Entstehung, ambitioniert in der Geschichte, in der Länge? Ich bin sehr gespannt was du hier zu bieten hast.
Johannes Franke: Ich auch. Also mich interessiert überhaupt nicht, was du zu bieten hast, aber was ich zu bieten.
Florian Bayer: Willst du einfach mal anfangen mit deiner Nummer drei?
Johannes Franke: Ja, und zwar ... Mit einem anderen Terry Gilliam Film.
Florian Bayer: Oh, ja.
Johannes Franke: Brasil. Natürlich. Also ich habe ihn jetzt nicht auf Platz 1 gepackt, weil ich gedacht habe, wir müssen mit anderen Sachen irgendwie arbeiten, aber ich konnte nicht um Brasil drum rum, weil ich finde... Dieses Sets und diese Erzählung und dieses von allem zu viel teilweise und von allem so, ah, Wahnsinn. Ich war ja nachhaltig beeindruckt. Ich glaube, das habe ich schon ein paar Mal gesagt hier im Podcast.
Florian Bayer: Ich glaube, ich habe dir zugestimmt. Das ist ein Film, der viel zu viel will und das Überraschende ist, dass er trotzdem mit all dem erfolgreich ist.
Johannes Franke: Ja, es ist unglaublich.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ja, Terry Gilliam halt. Also der ist halt für ihn ist so dieses ambitionierter Film, so dieses, dieser Begriff, wie schaffen für Terry Gilliam.
Florian Bayer: ein Film, der nicht ganz so lange gebraucht hat wie Don Quixote, aber der seine Zeit auch genutzt hat. Boyhood von Richard Linklater. Der 2002 begonnen wurde und 2013 abgeschlossen. Und zwar einfach aus dem Grund, weil sie jedes Jahr sich eine gewisse Zeit genommen haben, Um zu drehen.
Johannes Franke: Wahnsinn.
Florian Bayer: Und sie drehen einfach mal die Geschichte eines Jungen, der vom Kind zum Erwachsenen wird. Jedes Jahr so eine Woche. Es ist ein typischer Linklater-Film eigentlich. Es wird viel geredet, viele Dialoge.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und man spürt diesem Film an, dass er sich die Zeit genommen hat. Und es macht tatsächlich einen Unterschied. Sie hätten das niemals geschafft, wenn sie, keine Ahnung, mit vier Darstellern gearbeitet hätten für die unterschiedlichen Lebensabschnitte. Es ist einfach nochmal eine größere Stärke, wenn man sieht, was ein Jahr mit einem Menschen gemacht hat. Mal ist es ein bisschen weniger, also gerade so In der Kindheit? Mal ist es gewaltig. Man sieht, wie sich jemand vom 12. zum 13. Lebensjahr oder vom 14. zum 15. Lebensjahr entwickelt. und verändert rein optisch. Und es funktioniert. Es ist ein ganz großartiger Film.
Johannes Franke: Dass das Kind auch nicht abgesprungen ist irgendwann. Ja. Das ist schon krass. Ich meine, du musst ja erst mal jemanden finden, der so committed ist dann auch über die Zeit.
Florian Bayer: Ella Coltrane heißt der Schauspieler. Und hat er danach viel gespielt? Tatsächlich gar nicht so viel.
Johannes Franke: ja also ja ich habe den Film noch nicht gesehen. Ich habe nur davon gehört. Der ist auf jeden Fall ganz oben mit auf meiner Liste der Sachen, die ich noch unbedingt sehen muss. Gut, das war dein Platz drei. Ja. Mein Platz zwei wäre der große Diktator. Oh. Der Film ist ja entstanden und rausgekommen, als Hitler aktiv war. Und sehr aktuell und nicht nur kritisch gesehen wurde, sondern es gab genug Stimmen, auch in Amerika, die gesagt haben, ja, endlich mal jemand, der, ne, so. Das war... Sehr ambitioniert, das irgendwie zu machen mit riesigen Sets, mit Leuten, Leute zu überzeugen, da ranzugehen und das Thema mit zu bearbeiten und so. Das war echt krass.
Florian Bayer: Das ist eine total interessante Interpretation des Begriffes ambitioniert. Wäre ich nie drauf gekommen, finde ich total toll, dass du den aufgenommen hast. Weil natürlich ist es ambitioniert ein... In einer solch aufgewühlten Zeit, in der auch alle Angst haben, dass Amerika in den Krieg mit reingezogen werden kann. Weil damals war ja eigentlich die Politik von Amerika noch, ey, wir halten uns da raus, lass das mal die Briten, Deutschen, Franzosen und Japaner und Russen unter sich ausmachen.
Johannes Franke: Ja, was sich dann ja auch geändert hat. Aber auch durch Chaplin.
Florian Bayer: Ich glaube, man sollte das nicht überschätzen, aber es hat sich auf jeden Fall geändert. Aber in der Zeit, in der es noch anders aussah, so einen Film zu machen, ist auf jeden Fall ambitioniert. Es lag Krieg in der Luft und es war klar, dass hier auch jeder diplomatische Zwischenfall noch mal zur Eskalation führen kann. Ja, coole Wahl. Gefällt mir. Mein Platz zwei ist von Wim Wenders bis ans Ende der Welt aus dem Jahr 1991. Ich glaube einer der weniger bekannten Wim Wenders Filme.
Johannes Franke: Also mir zumindest unbekannt, ja.
Florian Bayer: den es in zahllosen Varianten gibt. Der Directors Cut dauert 279 Minuten. Es spielt im Jahre 1999 in einer relativ damals... naheliegenden Zukunft, das heißt nicht zu abgespaced und es ist eine Mischung aus Neonor, Detektivgeschichte, Science Fiction und Und man kann es nicht anders sagen, Reisefilm. Und zwar nicht einfach nur Roadtrip, sondern es geht einmal quer durch alle Länder und alle Kontinente. Und am Schluss landen sie in der australischen Wüste, wo sie mit einer Maschine in Träume reisen wollen. Sehr faszinierender Film. Ich glaube, viele würden ihn als langweilig bezeichnen. weil er einfach so sehr lange ausgedehnte Reisen durch Länder zeigt und einfach alles einfängt. Das ist wirklich wie ein Reisevideo teilweise.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber ein total faszinierendes Großprojekt und auch einer der spannendsten Filme von Wim Wenders, weil er ... wie es sonst nicht so seiner Art ist, in dem Film total auf die Kacke haut.
Johannes Franke: Okay. Ja, von Will Mendes kann ich halt sehr gediegene Filme.
Florian Bayer: Trockene Filme. Ja.
Johannes Franke: Und ich mag ihn aber eigentlich ganz gerne.
Florian Bayer: Manchmal mag ich ihn, manchmal nervt er mich. Ich finde, er ist manchmal zu trocken. Ich bin nicht der größte Wim-Wenders-Fan.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Himmel über Berlin ist toll.
Johannes Franke: Wirklich toll, ja. Okay, Platz 1, wa?
Florian Bayer: Ja, Platz 1.
Johannes Franke: Platz 1 wäre bei mir Metropolis.
Florian Bayer: Oh, ja, auch eine schöne Wahl.
Johannes Franke: Ja, Metropolis, also ... Das musste erst mal bringen. In der Zeit, wann ist Metropolis erschienen? Zwanzigern? Ende der Zwanziger, glaube ich. Kannst du das mal ganz kurz? Du bist ja mit Vicky.
Florian Bayer: Metropolis, 1927. Ja.
Johannes Franke: in der Zeit diese riesigen Sets aufzubauen, das alles zu machen, das war der teuerste Film bis dahin. Und der hat einfach so dermaßen auf die Kacke gehauen und hat das irgendwie... geschafft, da was auf die Beine zu stellen, was schon echt wahnsinnig beeindruckend ist. Und ich weiß nicht, wen er alles zur Seite räumen musste, um ... Also welchen Stein er alles zur Seite rollen musste, um das Projekt wirklich umsetzen zu dürfen.
Florian Bayer: Metropolis. total faszinierender für man sieht ihm einfach auch diese größe an und auch dieser monumentale geist der dahinter steht ja ja Ja, das war wirklich die deutsche Filmkunst eigentlich an ihrem Höhepunkt, traurigerweise. Zumindest die große Studio-Filmkunst.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Also in den 60ern, die jungen Wilden und der neue deutsche Film. Die haben noch mal Ideen reingebracht, aber das war was anderes. Das war die Zeit, als der Film sowohl populär war, als auch avantgardistisch und experimentell und gleichzeitig gefällig für das Publikum. Und das hat man danach in Deutschland nicht mehr so gefunden. Damals war Deutschland eigentlich das bessere Hollywood. Tja. Jetzt...
Johannes Franke: Könnte man darüber diskutieren, inwiefern die Nazis wirklich alles in diesem Land kaputt gemacht haben, inklusive der Filmlandschaft?
Florian Bayer: Ja. Wir Deutschen haben gut mitgeholfen. Es waren nicht die Nazis, es waren die Deutschen. Ja, scheiße.
Johannes Franke: Ja. Gut, dein Platz 1.
Florian Bayer: Mein Platz 1. Ich habe neuer deutscher Film gesagt. Ich muss schon wieder eine Top-3-Liste mit Alexander Klug schließen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Nachrichten aus der ideologischen Antike, aus dem Jahr 2008 von Alexander Kluge.
Johannes Franke: Jaja, wer hat das nicht gesehen?
Florian Bayer: 9 Stunden, 30 Minuten. Geh zurück auf die Idee von Sergej Eisenstein, dem bekannten russischen Regisseur. Der hatte die Idee, das Kapital von Karl Marx zu verfilmen. Das ist allein schon die Idee, also wenn Sergei Eisenstein das Kapital verfilmen will. Das hat schon so einen kompletten Größenwahn.
Johannes Franke: Alexander Eisenstein ist der mit Panzerkreuzer Potemkin.
Florian Bayer: Genau, das ist der große russische Richtigste. Panzerkreuzer Potemkin ist, glaube ich, sein berühmtester Film. Und Oktober ist noch so... einer von seinen bekannteren Filmen und der natürlich im Dienste der russischen Propaganda auch gedreht hat, der wollte das Kapital verfilmen.
Johannes Franke: Das klingt wie eine Idee, die wir hatten, um YouTube Kanal aufzumachen, weißt du?
Florian Bayer: Und 2008 schnappt sich Alexander Kluge die Notizen von Eisenstein und sagt sich, lass uns mal gucken, was wir damit machen können. Und sucht sich dann Leute zusammen, mit denen er früher schon Sachen gedreht hat. Helge Schneider und Sophie Reuss und ... Hannelore Hooger und wenn er halt alles findet und lässt die teilweise Marx-Texte lesen, lässt sie teilweise darüber philosophieren, was das bedeutet. Es gibt Eine Sequenz von ... Tom Tück war, in dem dieser erzählt, wie Menschen und Dinge aufeinander wirken. Also auch viel mit Bildsprache und es wird philosophiert, es wird diskutiert, es werden Bilder gezeigt. Es gibt dann auch einfach diese Musikmagazine, wo mal so 10 Minuten nur Musik läuft und wir Bilder sehen von Revolutionsgeschehen kombiniert mit McDonalds. Ich muss zugeben, ich habe ihn nie komplett am Stück gesehen. Es gibt mehrere kürzte Varianten. Es gibt einen Kinofilm, der zwei Stunden geht, glaube ich. Es gibt eine DVD, die drei Stunden ist. Es ist total überwältigend. Und dementsprechend musste es auf Platz 1 stehen. Aber allein, nicht nur die Idee, nein, es ist auch die Umsetzung. Es ist ... Also jeder sollte zumindest mal so ein paar Sequenzen aus diesem Film gesehen haben. Allein wegen dieser schieren Größe und wegen dem ambitionierten.
Johannes Franke: Okay. Gut, aber er hatte, hat jetzt nicht irgendwie große Sets oder sowas geöffnet, sondern er hat wirklich einfach die Leute hingesetzt in einen, äh, Ins Licht quasi. Einfach hier, guck mal, hier ist Licht. Und da hinten, was da hinten ist, ist egal.
Florian Bayer: Kluger hat ja so sein Münchner Studio. das aufgebaut ist, wo er immer seine Interviewpartner drin hat, wo er dann teilweise mit Greenscreen arbeitet und Bilder in den Hintergrund projiziert.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber es ist noch ein bisschen mehr. Also sie sind auch unterwegs und es gibt dann auch eine Reise zu einer ... Karl Marx Statue, die zerfällt und die gerade restauriert wird und dann gibt's Sequenzen von der Baustelle. Er unterhält sich mit seiner Tochter, die beim Grab von Karl Marx war und die dann erzählt... wie sie da waren und mit wem sie sich unterhalten haben. Und dazu werden dann auch Bilder gezeigt, wie es da aussieht an dieser Grabstelle. Es ist eine Mischung, aber es ist kluge, typisch sehr viel Studio, sehr viele Leute sitzen vor der Kamera und reden und Helge Schneider spielt mal den Karl Marx. Oder ein Schauspieler, der den Karl Marx spielt. und wird von Kluge mit Fragen in die Ecke gedrängt und muss sich dann improvisiert irgendwie rausreden.
Johannes Franke: Helge Schneider spielt den Schauspieler, der Karl Marx spielt. Viel mehr kann man Kluge gar nicht zusammen... Also ich meine... Alexander Klug in a nutshell.
Florian Bayer: Ja, definitiv. Sehr schön.
Johannes Franke: Wow. Ja, zurück zu unserem Film mit einem kleinen Fazit. Ich weiß nicht, oder hast du noch irgendwas ... Willst du noch große Themen aufmachen für diesen Film?
Florian Bayer: Ich habe das Gefühl, ich habe schon so viel gejammert. Deswegen darfst du einmal noch mal kurz dein abschließendes Fazit sagen. Vielleicht auch, wo du ihn einordnen würdest in ...
Johannes Franke: Der Gilliam-Filmografie? Nein, nein, nein. Dieser Film lässt sich nicht in Terry Gilliams Filmografie einsortieren. Dafür ist er einfach mit seiner Geschichte zu besonders. Der steht einfach einmal über allem irgendwie. Oder neben allem oder unter allem. Aber er steht irgendwo außerhalb seiner ganzen Filmografie, weil ich glaube, dass... dass alles, was da passiert, zu viel davon beeinflusst ist, wie die Entstehungsgeschichte ist. Deswegen weiß ich nicht. Ich finde ihn sehr unterhaltsam. Er hat mir Adam Driver sehr schmackhaft gemacht. Er hat mich unterhalten von vorne bis hinten. Er hat mich am Ende sehr verwirrt, weil diese Partyszene dann doch ein bisschen... Wirrwarr und ich nicht genau wusste, wohin will er denn jetzt eigentlich. Aber das hat mich alles nicht gestört, weil ich irgendwie die ganze Zeit gedacht habe, okay, ja gut, komm, wir sind gerade dran. Mach einfach. Ich laufe dir einfach hinterher. Und fand es entsprechend schön und unterhaltsam und auch das Ende sehr gut und sehr traurig, wie Don Quirote dann stirbt und sehr passend, wie er dann zu Don Quirote wird.
Florian Bayer: Ja. Ich war traurig am Ende, weil ich den Film gerne gemocht hätte oder gehasst. Aber wenigstens eins von beiden Also einfach auch wegen dieser bewegenden Entstehungsgeschichte. Und ich hätte einfach gehofft, dass der Film mich irgendwie bewegt, egal ob in positiver oder negativer Hinsicht. Und das ist ihm einfach nicht gelungen. Dafür war er zu plass. zu tröge, zu sehr mit angezogener Handbremse. Und am Schluss war es dann auch wirklich einfach nur so, dass ich dachte, ach, okay, fertig, geschafft, kann ich jetzt abhaken. Tatsächlich so, wie sich wahrscheinlich Gilliam auch gefühlt hat, nachdem er das Ding gedreht hat. Lost in La Mancha, der Dokumentarfilm über die misslungene Entstehung des ersten Films. ist deutlich besser. Den kann ich jedem wärmstens ans Herz legen. Und ich freue mich auf die Fortsetzung von Lost in La Mancha, weil die soll tatsächlich gedreht werden. Weil nach dem Chaos von Lost in La Mancha ging es ja noch weiter. Es gibt, wie gesagt, der Film ist erst 2018 ins Kino gekommen. Zwischen Lost in La Mancha, dem kaputten Set und so weiter und diesem endgültigen Film steht eine mindestens genauso tragische Geschichte mit Streitereien, mit Produktionsgesellschaften, mit dem einen Produzenten. mit dem er sich total überworfen hat, der bis zum Schluss gekämpft hat, dass der Film nicht veröffentlicht wird und sogar noch mal kann, angeschrieben hat und gesagt hat, ich fahre Verklage euch, wenn ihr diesen Film zeigt. Und Gott sei Dank waren die von Cannes cool und haben gesagt, wir treffen keine monetären und juristischen Entscheidungen. Wir haben einen Film gekriegt, von dem klar ist, dass Terry Gilliam der Regisseur ist. Wir zeigen diesen Film im Programm. Es stand eine Zeit lang auf der Kippe, ob der Film überhaupt gezeigt werden kann. Und Gilliam war auch bis zum Ende, bis heute noch in Klagen verstrickt mit diesem Regisseur. Ich glaube, mittlerweile haben sie irgendwie das Ganze außergerichtlich geklärt. Und Gilliam hat ihm irgendwas gezahlt. Es wird einen Lost in La Mancha 2 wahrscheinlich geben und auf den freue ich mich auch. Lost in La Mancha 1, toller Film. Kann ich beide nur empfehlen. Seinen zweiten kann ich natürlich noch nicht empfehlen. Lostenermanscher kann ich nur empfehlen, weil er ein tolles Dokument des Scheiterns ist. The Man Who Killed Don Quixote muss man wahrscheinlich gesehen haben, weil es irgendwie so ein krasses Projekt ist, aber es ist kein guter Film. Und es ist auch kein schlechter Film, es ist einfach nur Durchschnitt und das ist das Traurigste an der ganzen Sache.
Johannes Franke: Ich möchte vielleicht zugeben, dass Lost in La Mancha der bessere Don Quixote ist.
Florian Bayer: Ja, da bin ich ganz bei dir. Und das, finde ich, ist auch ein schönes Schlusswort.
Johannes Franke: Okay. Gut. Dann lass uns doch jetzt eine Pause machen und dann in den zweiten Film einsteigen.
Florian Bayer: Wir sehen uns gleich wieder mit Woody Allen und Annie Hall.
Johannes Franke: Bis gleich. Flor scrollt das Skript durch.
Florian Bayer: Ich wollte tatsächlich noch mal genau gucken, wie der Wortlaut des ersten Witzes ist.
Johannes Franke: Der Erste wird es. Vielleicht habe ich ihn sogar aufgeschrieben. Ich bin gerade nicht sicher. Willkommen zurück. Im zweiten Teil von dieser wundervollen neunten Folge. Einem etwas schwierigen Teil, weil ich jetzt auch gerade gelesen habe, dass... Also wir reden über Woody Allen. Dass HBO Max demnächst eine Dokumentation über das große Problemthema mit Woody Allen rausbringt. womit wir bei einem schwierigen Thema wären, was mit dem Film erstmal noch nichts zu tun hat, wo wir aber nicht drum rum kommen, Floor.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Was machen wir mit Woody Allen?
Florian Bayer: Willst du loslegen? Was machst du mit Woody Allen?
Johannes Franke: Ich weiß es nicht. Es ist wirklich schwierig. Also um mal grob den Rahmen zu reißen. Woody Allen wurde immer wieder vorgeworfen, Er hätte seine Ziehtochter sexuell belästigt. Ja. Also, er war mit Mia Farrow verheiratet. Mhm.
Florian Bayer: Und Mia Farrow hat aus ihrer ersten Ehe die Adoptiv-Tochter Sun Yip Revin. Moment, genau.
Johannes Franke: Schwieriger Name, setzte richtige Formulierung ein, setzte richtige Ausführungen.
Florian Bayer: Sun Yi Previn. Und die war also nicht direkt, wo die Alice Adoptivtochter war. Woody Allen hat auch während der Ehe mit Mia Farrow angeblich nie bei ihnen im Haus gewohnt. Also ... Es ist immer so schwierig bei so einem Thema, weil man rutscht natürlich immer in Gossip ab und in Sachen, die verschiedene Leute behaupten. Auf jeden Fall ist es so, dass sie, wenn es nach Woody Allen geht, wollte Mia Farrow, dass er zu ihr eine bessere Beziehung aufbaut, zu dieser Ziehtochter.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und das haben sie dann wohl auch versucht. Und das war dann wohl ein bisschen mehr. Und als diese 21 war, hat Mia Farrow Nacktfotos von ihr gefunden. die offensichtlich schon ein bisschen älter waren, aber jetzt nicht zu viel älter. Und dann war auch ziemlich schnell klar, dass Woody Allen mit ihr eine Affäre hat. Und hat sie auch geheiratet und im Folge dessen sich von Mia Farrow getrennt. Die eigentliche krasse Geschichte ist allerdings das, Was gar nicht sie betrifft, sondern seine andere Tochter Dylan Farrow. Und zwar war Dylan Farrow auch eine Adoptivtochter von ihm. Und im Zuge dieses Sorgerechtsstreites wurde dann von ihr der Vorwurf erhoben, dass Woody Allen sie sexuell belästigt hätte, als sie ein Kind war. Also es geht ganz klar um Kindesmissbrauch.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und wir haben einmal die Version von Vodiel. Und das ist die Version, dass das von Mia Farrow ... in die Welt gesetzt ist, um im Sorgerechtsstreit die Oberhand zu gewinnen und ihn aus dem Leben ihrer Kinder rauszuhalten. Und dann haben wir die Geschichte von Mia Farrow und Dylan Farrow. Also von ... seiner Ex-Frau und von dem Opfer, dass er sie missbraucht hätte. Und die Geschichte war während der Sorgerechtsstreitereien, als sie noch ein Kind war. war die permanent präsent und die wurde dann aber wieder aufgewärmt vor nicht ganz zehn Jahren, 2013. Als Dylan Farrow zum ersten Mal an die Öffentlichkeit gegangen ist mit ihrer Version der Geschichte ... Und die dann auch in Interviews drüber geredet hat. Und schließlich in ... der New York Times einen offenen Brief geschrieben hat, in dem sie ganz klar bekräftigt hat, ich lag da auf dem Boden, ich habe mit meiner Eisenbahn gespielt und Und Woody Allen, mein damaliger Adoptivvater, hat mich sexuell missbraucht. Er hat mich so angefasst, wie ein Vater sein Kind nicht anfassen sollte. Und es wurde totgeschwiegen, es wurde nichts dagegen getan. Mia Farrow, die mich verteidigt hat, der wurde vorgeworfen, sie würde das nur benutzen, um im Sorgerechtsschrei die Oberhand zu haben. Also es lohnt sich, diesen offenen Brief zu lesen. Das ist wirklich... harter Tobak, weil sie schreibt dann auch so ganz konkret an die Leute in Hollywood, die ihn umgeahnt haben. Und sie schreibt dann halt auch so, ja, und jedes Mal, wenn ich sehe, wie er irgendwie wieder irgendeinen Preis gewinnt, sehe ich ... den Täter, der mir das angetan hat. Und das triggert mich, das macht mich total fertig. Und sie schreibt dann sogar, hey, und Diane Keaton ... die ja eine gute Freundin von Woody Allen war und in Annie Hall auch die Hauptrolle spielt. Und Diane Keaton, du kennst mich, seit ich mein Kind war. Du hast mit mir gespielt. Wir waren total befreundet. Wie kannst du jetzt ... Wie kannst du, wenn ich erzähle, dass Woody Allen mich sexuell missbraucht hat, wie kannst du ihn so abfeiern? Wie kannst du diese Freundschaft aufrechterhalten? Wie kannst du ... Wie kannst du nicht für mich einstehen? Es ist auf jeden Fall ein offener Brief, den man lesen sollte. Und bis zum heutigen Tag ist das eigentlich ... der Stand der Geschichte, dass es diese zwei Versionen gibt.
Johannes Franke: Nun ist der heutige Tag, allerdings muss man dazu sagen, wir nehmen immer sehr viel früher auf, als tatsächlich veröffentlicht wird. Heute ist der 9. Februar und Ende des Monats, Ende Februar, wird bei HBO Max eben eine sehr ausführliche Dokumentation, ganz im Sinne der Dokumentation, die auch Michael Jackson schon beleuchtet hat, etwas rauskommen, von dem wir jetzt noch nicht wissen, was aber, wenn diese... diese Folge rauskommt, unter Umständen gerade voll... in der Presse sein wird. Unter Umständen wissen wir jetzt sozusagen bestimmte Dinge noch nicht, die dann rauskommen.
Florian Bayer: Ich kann mir nicht vorstellen, dass viel Neues erzählt wird, weil die Beteiligten ... Nicht nur Mia Farrow und Dylan Farrow, sondern auch zum Beispiel ... Der Adaptivsohn Ronan Farrow, glaube ich. Die haben sich alle schon sehr ausgiebig geäußert. Also es gibt, das Ding wurde in der Öffentlichkeit wirklich sehr breit getreten und es wurde sehr viel drüber geredet und sehr viel drüber diskutiert. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Dokumentation... mehr liefert als das, was vorher schon in der Öffentlichkeit diskutiert wurde. Und es gab ja auch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Und die Staatsanwaltschaft hat auch einen hinreichenden Verdacht festgestellt, dass Missbrauch stattgefunden hat. Und letzten Endes hat die Staatsanwaltschaft aber in den 90ern auf das Verfahren verzichtet. Und der Staatsanwalt hat gesagt, dass das Kind zu schützen einfach oberste Priorität hat, also Dylan Farrow.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dass das sowieso alles schon so total messed up ist und jetzt sie nochmal mit einer Gerichtsverhandlung zu belästigen wäre, Wahrscheinlich nicht der richtige Weg.
Johannes Franke: Das heißt, wir haben es mit einem Fall zu tun, der keinen Abschluss findet.
Florian Bayer: Nee, und der wird auch keinen Abschluss finden. Die einzige Möglichkeit, dass der, glaube ich, wirklich einen Abschluss findet, ist, wenn sich noch mehr melden und die wahrscheinlich, das halte ich auch nicht für eine Geringe Wahrscheinlichkeit, das könnte ich mir gut vorstellen. Und es ist ein total schwieriges Feld, gerade wenn das so... ineinander geht mit Sorgerechtsstreitereien. Und ich finde es auch unglaublich schwierig, was dazu zu sagen. Ich finde es wirklich schwer. Ich bin kein Jurist. Und ich bin kein Kinderpsychologe, ich bin mit dem Fall überhaupt nicht vertraut. Und selbst wenn ich alle Akten dieses Falles lesen würde, ich bin kein Experte.
Johannes Franke: Ja, das ist das Problem. Wir können uns nicht einmischen, wir können nichts Sinnvolles dazu sagen und wir können auch kein Urteil bilden uns.
Florian Bayer: Das ist halt das Ding, wenn man es als gesamtgesellschaftliches Phänomen betrachtet. Und rein von der Wahrscheinlichkeit ausgeht, es ist immer viel wahrscheinlicher, dass ein Missbrauchsopfer oder Vergewaltigungsopfer nicht geglaubt wird. Und das unter den Teppich gekehrt wird, als dass jemand zu Unrecht wegen Missbrauchs oder Vergewaltigung angeklagt wird. Das heißt rein statistisch gesehen, wirklich nur rein statistisch gesehen, müsste man sich eigentlich auf die Seite von Dylan Farrow schlagen. Aber es ist natürlich schwer, einfach die Statistik auf einen individuellen Fall draufzudrücken.
Johannes Franke: Ja, und es heißt ja auch immer noch im Zweifel für den Angeklagten, was ein Grundsatz ist, der ja trotzdem auch noch sinnvoll ist an sich, obwohl ich auf gar keinen Fall, also wirklich unter überhaupt gar keinen Umständen dazu übergehen würde, ein potenzielles Opfer oder ein Opfer zur Seite zu wischen und zu sagen, Nee.
Florian Bayer: Ich glaube, man muss sich auch unterscheiden zwischen dem ... Juristischen, zwischen der juristischen Ebene und der sozialen Ebene. Im Juristischen gibt es definitiv dieses im Zweifel für den Angeklagten. Ich glaube, auf einer sozialen Ebene funktioniert es nochmal ein bisschen anders und ich glaube, es ist auch richtig, dass das nochmal ein bisschen anders funktioniert, weil Du hast ja nicht einfach nur diesen Topic, wo die Ellen ist angeklagt und im Zweifel müssen wir uns auf seine Seite schlagen. Sondern du hast ja den zweiten Topic. Hier lügt jemand und behauptet, er wäre sexuell missbraucht worden. obwohl es nicht passiert ist. Und sobald du sagst, ich schlage mich auch vor die Ellens-Seite, weil ich sage, im Zweifel für den Angeklagten nimmst du die Position ein ohne dass du es willst, ohne dass du es explizit aussprichst. Implizit nimmst du die Position ein, Diese Frau lügt. Die wurde nicht missbraucht. Die hat sich das ausgedacht.
Johannes Franke: Richtig. Und das geht einfach nicht.
Florian Bayer: Deswegen kannst du im Diskurs... ist dieses juristische Prinzip nicht so leicht anwendbar. Ja, das stimmt.
Johannes Franke: Was uns eben in ein Dilemma bringt, weil es sich um einen Künstler handelt, dessen Rezeption... in Frage gestellt werden müsste dadurch. Will ich jemanden unterstützen? von dem auszugehen ist, dass er etwas getan hat, was einfach nicht unverzeihbar ist.
Florian Bayer: Es ist die Frage, was bedeutet Unterstützung? Ist es Unterstützung für ihn, wenn du seinen Film guckst und über seinen Film redest?
Johannes Franke: Ja, solange er lebt ist, ist das, weil er davon lebt.
Florian Bayer: Aber wenn du kein Geld für den Film ausgibst? Es ist ganz klar, wenn du für seinen Film Geld ausgibst. dann hast du ihn unterstützt. Einfach ganz banal finanziell.
Johannes Franke: Wenn ich darüber rede, bringe ich andere Leute dazu, einen Film zu kaufen.
Florian Bayer: Du machst Werbung für den Film, das stimmt. Zumindest, wenn du wohlwollend über ihn redest. Redet man dann wohlwollend über einen Film, den man gut findet, und gibt den Disclaimer raus, aber gibt kein Geld dafür aus, wegen dieser Geschichte? Unterstützt das nicht, weil ... der wahrscheinlich mehr als genug Unterstützung erhalten hat und wirklich keine Unterstützung mehr braucht und weil einfach mal im Raum steht, dass er ein sexueller Gewalttäter sein könnte.
Johannes Franke: Es ist einfach schwer.
Florian Bayer: Es ist schwer. Ich glaube halt, es hat diese zwei Ebenen. Einmal hast du, finde ich es wichtig, auch das Kunstwerk von dem Künstler oder der Künstlerin zu trennen?
Johannes Franke: Weißt du, bei Michael Jackson ist es einfacher. Der ist tot, der hat nichts mehr davon. Ich kann sagen, okay, ich höre mal seine Musik an, ich versuche das im Kopf zu trennen. Ja, kurz nachdem die Doku rausgekommen ist, hatte ich Schwierigkeiten damit und dann nach und nach habe ich mal seine Platte wieder aufgelegt. Und es war okay, weil ich weiß, okay, der hat sowieso nichts mehr davon.
Florian Bayer: Genau. Und es ist dasselbe bei allen toten Künstlern, die Dreck am Stecken haben. Und das sind 90 Prozent, egal ob Picasso oder Wagner.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und es ist immer gut, wenn... Wenn der Künstler als Person thematisiert wird, dass darauf hingewiesen wird. Das finde ich auch wichtig. Auch in der Auseinandersetzung mit der Biografie des Künstlers finde ich es wichtig. über diese Sachen zu reden und die nicht unter den Teppich zu kehren. Aber die Kunst selbst, sofern sie nicht irgendwie was transportiert, was damit zusammenhängt, mit der Einstellung oder mit den Verbrechen des Künstlers. sind sie einfach auch Werke, die für sich stehen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und es wird schwieriger, je näher der Künstler ... an unserer Zeit ist. Und am schwierigsten natürlich, wenn der Künstler noch lebt und ganz klar ist, er profitiert davon, wenn seine Kunst konsumiert wird.
Johannes Franke: Und vor allem, wenn der Künstler so gut ist wie Woody Allen in seinen Filmen. Diese Schere in meinem Kopf ist wahnsinnig schwer zu ertragen. Ja.
Florian Bayer: Ja, natürlich. Ja, sonst, das ist ja das Problem bei schlechten Künstlern und Gott sei Dank sind viele böse Menschen schlechte Künstler. Es steht einfach nicht im Raum. Es ist einfach keine Frage. Aber wenn es dann einen Künstler wie Woody Allen trifft, dessen Filmografie jetzt mittlerweile... 50 Jahre mehr sogar, wir sind über 50 Jahre, wir sind bei fast 60 Jahren umfasst
Johannes Franke: Und der macht jedes Jahr einen Film?
Florian Bayer: Jedes Jahr einen Film. Und zahllose gute Filme ist das einfach nochmal was anderes. Dann... Es ist halt tatsächlich eine Abwägung und dann ist es auch die Frage, bringt man dann ein Opfer? Aber in welcher Form bringt man dieses Opfer? Man redet nicht mehr über ihn. Ist es das?
Johannes Franke: Ich weiß nicht, vielleicht ist es das wirklich. Ich weiß es nicht.
Florian Bayer: Weil das ist ja eigentlich das Einzige, was man sich vorstellen kann als Sanktion einer Person, die in der Öffentlichkeit steht. dass man sie als Individuum aus der Öffentlichkeit ausgrenzt und sagt, okay, Ich kann meinen kleinen Teil leisten. Und den leiste ich jetzt auch. Und der besteht darin, dass ich boykottiere. Das ändert nichts daran, dass dieser Mensch weiter erfolgreich ist. Und das ändert nichts daran, dass dieser Mensch... mehr als erfolgreich war, erfolgreich genug war und so weiter. Aber ich habe zumindest, kann das für mich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, an diesem Erfolg zu partizipieren oder den sogar zu befeuern.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Egal, wie klein mein Beitrag ist, weil es ist natürlich lächerlich, wenn du sagst, ich verzichte jetzt darauf, die DVD für 10 Euro zu verkaufen. Das ist natürlich absurd. Ja, natürlich. Geldbörse nicht merken. Und auch wenn eine Million Leute drauf verzichten, wird er das auch nicht groß merken.
Johannes Franke: Aber ist es wie mit Vegetarismus? Wenn ich jetzt weniger Fleisch esse, aber wenn... Ich glaube, das hat ja mehr eine größere Komponente als das, was ich tatsächlich tue.
Florian Bayer: Die Verantwortung fängt beim Einzelnen an, natürlich. Das ist genau wie das demokratische Dilemma. deine einzelne Stimme hat bei einer Wahl eigentlich keinen großen Einfluss auf das Wahlergebnis. In welchem Fall ist es mal so, dass eine einzelne Stimme wirklich entscheidet, wie die Wahl ausgeht? Aber natürlich gehst du wählen, weil es gibt eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung, in der die einzelne Stimme mit anderen Stimmen zu einer Mächtigkeit entwickelt.
Johannes Franke: So, wie kommen wir aus diesem Dilemma jetzt raus? Jetzt haben wir uns ganz schön reingequasselt.
Florian Bayer: Du wolltest mit dem Dilemma anfangen. Ich hätte ja gesagt, fang mal an, was wie der Film ist. Fang mal überhaupt an, über welchen Film wir überhaupt reden wollen. Ich meine, Woody Allen-Filme gibt es sehr viele.
Johannes Franke: Es gibt viele Woody Allen-Filme. Und ich bin tatsächlich immer Fan gewesen von seinen alten Sachen. Und es gibt für mich ein Vor- Annie Hall und ein Nach-Annie Hall. Vor Annie Hall ist Bananas und ich glaube auch... Casablanca ist auch vorher... Casablanca? Du meinst Play It Against Them? Nicht Casablanca, sondern... Und tatsächlich...
Florian Bayer: Ich hab auch noch mal auf die Filmografie geguckt. Das ist mehr für Andy Holler, als ich gedacht hätte. Everything you always want to know about sex ist auch.
Johannes Franke: Ja, davor.
Florian Bayer: Sleeper ist davor.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Love and Death, also die letzte Nacht des Boris Kroschenko. Das ist alles davor. Das hat mich total überrascht.
Johannes Franke: Und das sind die Filme, die ich ... am Anfang geguckt habe, weil die so wahnsinnig Slapstick-lastig auch sind und so völlig gaga und so der intellektuelle Überbau unterstützt vor allem eben diese Absurdität und dieses Slapstick-Zeugs. Während bei Annie Hall ... es anfängt ernsthaft zu werden.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und ab da hat er auch eine andere Kameraarbeit. und einen stärkeren, ernsthaften Überbau.
Florian Bayer: Das ist total witzig, weil meine Wahrnehmung ist immer, dass Annie Hall sich anfühlt wie ein Regie-Debüt.
Johannes Franke: Ja, aber vielleicht ist es das.
Florian Bayer: Für mich fühlt sich Annie Hall an wie das Regiedebüt eines Komikers, der jetzt mal einen Film drehen will über sich.
Johannes Franke: Ja. Spannend. Ich habe noch meinen Text noch gar nicht vorgelesen. Oh mein Gott. Okay, also einigen wir darauf, wir reden über Woody Allen.
Florian Bayer: Sonst ist die Episode jetzt sehr schnell vorbei.
Johannes Franke: Und geben dem Zuhörer an die Hand, gebt kein Geld aus.
Florian Bayer: Gibt es eigentlich noch für Filme viel Geld aus?
Johannes Franke: Ja, das ist sowieso die Frage. Aber na ja, wenn der Film irgendwo in einem Abo drin ist, hast du auch Geld dafür ausgegeben.
Florian Bayer: Das stimmt. stimmt. Ich gebe tatsächlich für Firmen Geld aus.
Johannes Franke: Ja, du hast jemanden, der die DVDs gerne hat oder die Blu-Rays, ne? Ja. Okay. Annie Hall, der Film, den man Menschen zeigen möchte, wenn sie Woody Allen noch nicht kennen. Nicht nur als Filmemacher, sondern man bekommt fast den Eindruck, dass man Woody Allen als Privatperson mit diesem Film stereotypisieren kann. Es geht im Grunde um eine gescheiterte Beziehung, die Elvis Singer, unser Protagonist, zu verstehen versucht und in Rückblenden reflektiert. Das war's schon. Mehr Geschichte gibt es nicht. Obwohl natürlich einiges passiert, aber eigentlich einigermaßen austauschbar werden Episoden gezeigt, an denen man die Beziehung unserer beiden Hauptfiguren kennenlernt. Für mich war Diane Keaton, seit ich den Film als Jugendlicher gesehen habe, der Inbegriff der verträumten Intellektuellen, die ich sicherlich in meinen Beziehungen später gesucht habe. Für die Gesellschaft damals wurde sie zum Fashion-Icon und Ralph Lauren nahm es für sich in Anspruch, eine ganze Generation damit geprägt zu haben, obwohl er nur zwei Kleidungsstücke beisteuerte. Ein einflussreicher Film. Damals wie heute. Plor.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wie einflussreich ist er denn bei dir?
Florian Bayer: Ich wiederhole das, was du gesagt hast. Es ist für mich einfach der definitive Woody Allen-Film.
Johannes Franke: Ja, oder?
Florian Bayer: Es ist einfach, das ist der, wo die Ellenfemme schlechthin ... Ich hatte jetzt beim erneuten Gucken wieder sehr viel Freude daran.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und das, obwohl ich die Szenen alle schon kannte. Das ist total witzig. Und ich hab ja gesagt, als wir uns die Filme als Hausaufgaben gegeben haben, hab ich ja gesagt ... Mir fällt es immer so ein bisschen schwer, bei Woody Allen auseinanderzuhalten, was in welchem Film passiert, weil das alles so ein bisschen verschwimmt. Aber es war bei diesem Film jetzt wirklich so, die Szene hat angefangen und ich wusste direkt, ach ja, genau diese Szene. Ich weiß genau, wo sie hinläuft, ich weiß genau, was passieren wird. Und ich habe trotzdem große Freude daran, weil er einfach, jede Szene ist ein kleines Kunstwerk.
Johannes Franke: Das ist Leinboden für sich. Wirklich toll.
Florian Bayer: Jeder Moment.
Johannes Franke: Unglaublich.
Florian Bayer: Es startet und du weißt genau, es passieren jetzt lustige Sachen. Und das ist so kompakt, so komprimiert. jede einzelne Szene könnte einfach so als Goldstück, als Sketch in einem Comedy-Programm stehen und würde Spaß machen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und die Stärke von Annie Hall ist, dass er die 10... wirklich sehr vage zusammenhält. Um uns mal vorsichtig auszudrücken ... Und dass er trotzdem einen Gesamttrive hat, weil die Szenen wunderbar ineinander überfließen und sich wunderbar ergänzen und kommentieren. Große Filmkunst, ohne Frage.
Johannes Franke: Und das Episodische kommt aber auch dadurch. Also dadurch hast du dieses Episodische, dass du das Gefühl hast, Jede Sequenz könnte für sich stehen und du hast im Grunde, wo die Ellen hatte... Wahnsinnig viele Ideen, so wie kann ich diese Beziehung erklären oder was für absurde Geschichten passieren oder was mache ich, wenn ich mich getrennt habe und spreche einfach Passanten an oder so? Und das sind einzelne Ideen, die aneinandergereizt sind. Der Film ist eine Perlenkette.
Florian Bayer: Ja, eine Perlenkette, das trifft es ziemlich gut. Möchtest du noch Tee, Johannes?
Johannes Franke: Oh, sehr gerne. Danke, danke. Sehr gerne.
Florian Bayer: Aber du sagst es schon, er versucht die Beziehung zu analysieren. Ich denke ja trotzdem immer noch während dem Film, der sollte eigentlich nicht unbedingt Annie Hall heißen. Der hieß auch anders. Er müsste eigentlich Elvie Singer heißen. Auch wenn die Beziehung zwischen Annie und Elvie klar im Zentrum steht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: erfahren wir mehr über ihn als über sie. Sie bleibt keine blasse Figur, auf keinen Fall. Nein. Annie Hall ist eine fantastische Figur.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Eine total sympathische Protagonistin.
Johannes Franke: Klingelzucker? Vielen Dank.
Florian Bayer: Und eine spannende Protagonistin. Aber natürlich ist das Zentrum des Films das Stichwort. Stets der von Woody Allen verkörperte Elvie mit all seinen Neurosen, mit all seinen Macken, mit all seinen Schwächen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und das Witzige ist ja tatsächlich ... In einem ersten Schnitt stand diese Beziehung gar nicht so im Mittelpunkt.
Johannes Franke: Nee, da war so ein Mörder-Missary-Ding. Und ich frage mich, was wäre der Film gewesen, wenn dieses Murder Mystery Element nicht rausgeflogen wäre?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist voll spannend.
Florian Bayer: Ja, er wollte eigentlich so ein Manhattan-Mörder-Mystery drehen. Was er später gemacht hat. Was er oft gemacht hat, wo die Ellen offensichtlich großer Murder Mystery Fan, weil viele seiner folgenden Filme haben diese Plottkomponente Scoop ja auch Wimbledon zumindest im Ansatz. Und dann auch die älteren Filme genommen. Manhattan Murder Mystery und noch ein, zwei. Oh.
Johannes Franke: Ich habe gerade den Löffel abgeleckt und ich wollte in einem Flur weitergeben, aber wir haben Corona.
Florian Bayer: Aber genau, es gibt diese Murder-Mystery-Sache. Und dann gibt es aber noch einen Entwurf. Ich glaube, das war sogar schon ein erster finaler Schnitt. Und da war es auch seinem Co-Autoren zu konfus. Okay. Der hat gesagt, hey, lass es uns nochmal zurecht schneiden. Lass uns ein bisschen mehr Fokus auf die Beziehung zwischen Annie und Elvie legen. Weil davor war die gar nicht... War die nicht so zentral, die Beziehung? Sondern es ging um die Beziehungsprobleme von Elvie im Allgemeinen? Und Annie war auch nur ein Part davon.
Johannes Franke: Naja, und Woody Allen war ja auch nicht so zufrieden damit.
Florian Bayer: Genau, Woody Allen war dann am Schluss auch nicht so zufrieden, weil es zu viel... Beziehungsdrama war und zu wenig neurotischer Typ, der neurotische Sachen sagt.
Johannes Franke: Sie haben dann die Testscreenings gemacht, auch unterschiedliche Titel genutzt für die Testscreenings und sind dann halt bei Annie Hall gelandet am Ende. Was ich aber wirklich eine gute Entscheidung finde und wirklich den Fokus dort legt, wo ich ihn als Zuschauer tatsächlich gesehen habe.
Florian Bayer: Darf ich trotzdem einmal die wunderschönen Alternativtitel nennen?
Johannes Franke: Ja, bitte, gerne.
Florian Bayer: It had to be a Jew. Bitchu. Finde ich doof. Rollercoaster named Desire. Finde ich auch fantastisch. Das wäre, glaube ich, mein Lieblingstitel gewesen. Natürlich als Anspielung auf Streetcar Named Desire. In Deutschland, glaube ich, eher unter dem Titel Bekannte Endstation Sehnsucht. Von Tennessee Williams mit Marlon Brando verfilmen.
Johannes Franke: Ich kannte den englischen Titel nicht.
Florian Bayer: Rollercoaster Named Desire ist toll. Und dann Me and my Goy finde ich auch klasse. Goy ist die Bezeichnung von Juden für Nichtjuden.
Johannes Franke: Ah, okay. Okay.
Florian Bayer: Und ich glaube, in dieser Version wäre wahrscheinlich die Beziehung zwischen ... Elvie, alias Max und Rob im Zentrum gewesen, die ich auch ganz toll finde und wo ich mir eigentlich noch viel mehr Momente davon wünsche.
Johannes Franke: Stimmt, das haben sie ziemlich zusammengekürzt. Ja, das gab ja viel mehr da.
Florian Bayer: Und die haben eine tolle Chemie. Immer wenn die zusammen zu sehen sind und Elvie philosophiert und Rob dann sagt, oh, Max. Dann nennt die ihn konsequent Max. Ja, ja. Zieh nach Kalifornien. Und der Elby sagt, ich will nicht nach Kalifornien.
Johannes Franke: Weißt du, warum er ihn Max nennt? Das war ein Spitzname, den die privat untereinander hatten. Einmal hat dieser Schauspieler, die waren unterwegs zusammen, die beiden Schauspieler, Woody Allen und Tony, hast du? Wie heißt er denn?
Florian Bayer: Ja, er heißt nämlich Rob, also mit Nachnamen. Tony Roberts.
Johannes Franke: Genau, und dann hat er ihn gerufen. Und die Leute, also mit seinem richtigen Namen. Und die Leute, das hat ein riesiges Chaos gegeben. Woody! Und dann haben sie beschlossen, sie haben Spitznamen füreinander. Und die haben aber denselben Spitznamen füreinander, nämlich Max. Schön.
Florian Bayer: Das ist total süß.
Johannes Franke: Sehr witzig, sehr süß. Und dann nennt er ihn im Film einfach konsequent Max. Das ist die einzige Figur, die ihn einfach Max nennt.
Florian Bayer: Und Andy fragt ihn sogar irgendwann mal, warum nennst du mich eigentlich Max oder so? Und dann sagt er, ja, Max ist ein Name, der gut zu dir passt. Du bist einfach ein Max. Ganz am Anfang, glaube ich, in dem Anfang-Dialog, wo die Ellen sich über den Antisemitismus aufregt, mit dem er täglich konfrontiert ist, mit diesem tollen Did you ... Ich habe es gehört, er hat gesagt, did you? Ich höre sowas, ich kriege sowas mit.
Johannes Franke: Diese Paranoia, ich finde das so eine geile Erfindung für ihn, für diese neurotische Figur. Es macht sofort klar im ersten Dialog, was mit ihm los ist. Das ist super. Ganz toll. Naja, ähm... Wie steigen wir in diese Geschichte ein?
Florian Bayer: Das ist schwierig. Von Sequenz zu Sequenz springen. Ich meine, es fängt ja gar nicht an mit diesem Dialog. Es fängt ja wirklich an mit diesem ersten Witz, den ich gleich gerade nochmal gegoogelt habe.
Johannes Franke: Ja, genau. Hast du ihn gefunden?
Florian Bayer: Ja, das ist ganz am Anfang vom Drehbuch. Das ist großartig. Einfach toll und es fasst so gut zusammen, wie Elvis Sicht auf das Leben ist. Naja, es gibt diesen Witz von den zwei Frauen. von den älteren Frauen, die unterwegs sind und dann irgendwo essen. Und dann sagt die eine Frau, das Essen hier ist so schlecht. Und die andere sagt, ja, ich weiß. Und dann auch noch so kleine Portionen. Was ein ganz toller Witz ist. Eigentlich so ein klassischer Dad-Joke. Das Tolle ist, wo die Ellen das dann kommentiert, weil er sagt, naja, das ist so, wie ich das Leben sehe. Es ist schrecklich und zermürbend. Es ist horrible and miserable. Und es ist viel zu kurz. Ja.
Johannes Franke: Woody Allen hat ja irgendwann auch mal in einem Interview beschlossen, dass er einfach nicht sterben wird. Er hat einfach Angst vorm Tod oder will nicht sterben und er ist einfach, er hat irgendwie dieses Thema auch in diesem Film so wahnsinnig stark drin. Er Seine Figur kauft nur Bücher mit Tod im Titel.
Florian Bayer: Das ist auch das erste Buch, das er Annie schenkt.
Johannes Franke: Ja, genau. Und es macht so Spaß, die ganzen Neurosen zu betrachten und kennenzulernen und nach und nach ein Bild von ihm zu haben.
Florian Bayer: Es ist ja ein Dauerfeuer der Neurosen. Also wir fangen halt mit diesem Witz an, wo er seinen pessimistischen Blick auf das Leben erzählt. Und dann springen wir zu seinen Eltern, die sich streiten, und dann springen wir zu ihm in der Schule. Ich glaube, das ist das Erste, was wirklich... Er macht seine ersten romantischen Entdeckungen, die ziemlich übergriffig sind.
Johannes Franke: Ja, er steht einfach auf und geht zur Tischnachbarin und küsst sie einfach.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Und diese Auseinandersetzung danach ist so großartig, weil die Lehrerin sagt dann... Das geht ja mal gar nicht. Und dann sitzt Woody Allen im Erwachsenenalter in dieser viel zu kleinen Kinderschulbank und rechtfertigt sich.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Toll.
Florian Bayer: Es ist auch ein ästhetisches Stilmittel, das sich durch den ganzen Film zieht, dass er damit spielt mit den verschiedenen Zeitebenen. und mit den verschiedenen Erzählebenen und die auch immer wieder ineinanderbringt. Er bricht ganz oft mit der vierten Wand.
Johannes Franke: Ich finde diese vierte Wand, also wir haben das öfter mal gehabt schon in unseren Gesprächen, dass wir diese vierte Wand... dieses Durchbrechen so großartig finden. Das muss man aber auch wirklich können. Es gibt auch Filme, wo das nicht funktioniert. Und wo die Endschaft ist aber auch wieder großartig. Zum Beispiel diese Szene, wo sie in der Schlange stehen zum Kino. Und hinter ihm dieser Typ so ganz furchtbar schwafelt und völlig falsch über diesen Typen sich so philosophiert. und er dann eigentlich sich umdrehen will und ihn einmal niederstrecken mit einem Kinnhaken Und ihn dann aber auch anspricht und dann den Künstler, über den er da spricht, einmal ins Bild zerrt.
Florian Bayer: Marshall McLuhan in einem tollen Cameo-Auftrag.
Johannes Franke: Großartig.
Florian Bayer: Und er ihm dann einfach mal sagt, wie konnten sie Film unterrichten? Und der Typ mit der Schlange hat sich natürlich gerechtfertigt. Und gesagt, ich habe Film studiert, ich habe Ahnung von sowas. Und dann kommt Marshall McLuhan und sein Studienobjekt und sagt, ey, du hast keine Ahnung von Filmen. Wie kann das überhaupt sein? Und wo die Ellen guckt, einfach einmal zum Publikum und sagt, ey Leute, wäre das nicht geil, wenn man das immer so machen könnte.
Johannes Franke: Ja, ganz schön. Wundervoll.
Florian Bayer: Und Annie ist natürlich so das Yin zu seinem Yang. Ja. Mindestens genauso neurotisch wie er.
Johannes Franke: Aber eben auf der anderen Seite. Auf der anderen Seite. Das ist schön. Und sie kommt zu spät zum Kino, zwei Minuten und sie können nicht mehr in den Film gehen. Das geht nicht. Elvis Finger kann einfach nicht mehr ins Kino gehen, wenn der Film schon zwei Minuten läuft.
Florian Bayer: So geht es mir auch.
Johannes Franke: So geht es dir auch?
Florian Bayer: So geht es mir auch.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ich hatte exakt diese Szene hatte ich mit meiner Freundin schon. Oh, wirklich?
Johannes Franke: Ja. Und, was hat sie gesagt? Hat sie gesagt, komm, jetzt ist es nicht so schlimm.
Florian Bayer: Natürlich hat sie das gesagt. Und es ist doch Werbung davor und im schlimmsten Verlauf ein bisschen die Credits. Also es war kein schwedischer Film. Das ist nämlich der Dialog, dass dann Annie sagt, ey, das ist ein schwedischer Film. Du verstehst sowieso kein Wort.
Johannes Franke: Stimmt. Das Bergmann gucken die dann, ne?
Florian Bayer: Genau, Bergmann. Face-to-Face, von Angesicht zu Angesicht.
Johannes Franke: Der übrigens auch genau in der Zeit irgendwie gelaufen ist, ne? Das ist der... Der hätte da in der Zeit... Also ich glaube, die haben... tatsächlich einen aktuellen Film.
Florian Bayer: Und ich glaube, also bei uns, ich weiß definitiv, dass bei uns das auch so geendet hat, dass wir in einen anderen Film gegangen sind. Ja, 1976 tatsächlich. Weil ich mich geweigert habe, in den Film zu gehen. Und gesagt habe, wir müssen was anderes gucken. Das geht überhaupt nicht. Und dann sind wir in einer ... Also es war wahrscheinlich 20.15 Uhr, dann sind wir eine 20.30 Uhr Vorstellung gegangen. Oh Gott. Da kann ich ihn wirklich gut verstehen. Sonst glaube ich, dass ich... nicht so viele Neurosen von ihm teilen. Aber das kann ich total gut verstehen.
Johannes Franke: Okay, möchtest du das kurz versuchen zu erklären, was das Problem ist, zwei Minuten verpasst zu haben?
Florian Bayer: Natürlich, du willst den Film als Ganzes sehen. Was ist das überhaupt für eine Frage? Wir machen hier einen Filmpodcast. Stell dir mal vor, stell dir mal vor, du hättest die ersten zwei Minuten von Andy Hall verpasst. Du hast diesen Witz verpasst. Du hast diesen Anfangswitz verpasst.
Johannes Franke: Ich hätte den ganzen Film nicht verstanden.
Florian Bayer: Genau. Nein, aber jetzt mal ohne Witze.
Johannes Franke: Ja, ist okay.
Florian Bayer: Ich versuche gerade nur... Würdest du dir ein Gemälde angucken, wenn die Hälfte verdeckt ist?
Johannes Franke: Die Hälfte? Das waren die ersten zwei Minuten von einem 90-Minüter. Ja, also die obere Ecke von einem Gemälde verdeckt ist ein ganz schlechter Vergleich. Kommt drauf an, was in der oberen Ecke ist.
Florian Bayer: Kommt drauf an, was da zu sehen ist. Und du weißt es ja nicht. Wenn du in einen neuen Film gehst, hast du ja keine Ahnung, was da zu sehen sein könnte. Vielleicht wird wirklich was vorweggenommen, was total wichtig ist. Vielleicht wird irgendwie, es gibt oft Filme, die mit einem entscheidenden Handlungsmoment starten oder mit einer wichtigen Charakterisierung. Andy Hall zum Beispiel.
Johannes Franke: Also allein ich als Schauspieler wäre todesbeleidigt, wenn ich... einen ganz großen, wichtigen Auftritt habe, gleich am Anfang des Films und der Hälfte ist es egal, ob sie die ersten zwei Minuten verpassen oder nicht.
Florian Bayer: Das geht gar nicht. Ich weiß schon, ja.
Johannes Franke: Ich wollte bloß ein bisschen aus dir was rauskitzeln.
Florian Bayer: Wusstest du, dass Netflix drüber nachdenkt, eine Option anzubieten, dass man Filme in anderthalbfacher oder sogar zweifacher Geschwindigkeit abspielen kann?
Johannes Franke: Oh mein Gott.
Florian Bayer: Das ist ein Verbrechen.
Johannes Franke: Ist das hart? Oh mein Gott, ist das hart. Puh. Ja, dann mal tief durchatmen und ja, Hate-Kommentare im Internet.
Florian Bayer: Nein, ich gehe davon aus, dass jeder, der Filme mag, da auch ganz auf unserer Seite ist. Wenn du sagst, es ist total okay, die ersten fünf Minuten von einem Film zu verpassen ... Oder ist es okay, einen Film in doppelter Geschwindigkeit abzuspielen, um mehr Filme gucken zu können? Dann magst du keine Filme. Alter.
Johannes Franke: Ach, ist das schön. Danke für diese leicht künstliche Erregung, die du dir noch an den Tag gelingt hast. Okay, ja, es gibt einfach ganz tolle, wundervolle neurotische Momente. So, oder?
Florian Bayer: Ein Bestoff der Neurosen. Wie gesagt, definitiv wo die Ellen flimmen. Und er gibt die Neurosen ja auch anderen Charakteren. Also wie gesagt, Annie ist total durch und Annie ist großartig. Wenn sie zusammen beim ersten Date mit dem Auto fahren ... Nachdem sie sich kennengelernt haben. Und sie fährt komplett suizidal. Und er wäre total nervös. Es ist unglaublich, sein Gesicht ist großartig. Und auch zu Recht, sie fährt ja wirklich schrecklich. In dem Moment ist er nicht der Empfindliche. der sich viel zu sehr darüber aufregt, sondern sie fährt einfach mal Rambo-mäßig in der Straße. Und redet dann mit ihm und greift noch nach was und sagt, hey, soll ich dir noch was zeigen? Also nein, nein, konzentrier dich auf die Straße.
Johannes Franke: Großartig. Was dann mit dem Bruder von ihr auch nochmal aufgegriffen wird, die ganze Familie scheint irgendwie ein Autoproblem zu haben.
Florian Bayer: Das ist eine der witzigsten Szenen der Filmgeschichte, wenn der Bruder ihm erzählt, du bist doch Künstler, du verstehst das doch. Nachts, wenn ich unterwegs bin im Auto. Dann wünsche ich mir manchmal, wenn ich die Scheinwerfer auf der Gegenseite sehe, einfach das Lenkrad rumzureißen und reinzubrettern.
Johannes Franke: Ich habe dann noch eine Verabredung mit der Realität. Ich bin dann mal wieder drüben. Dann stellt sich aber raus, dass der Bruder die beiden nach Hause fahren muss. Und dann sitzt er auch wieder schwitzend im Auto und denkt sich, oh mein Gott, nein. Jetzt reißt er gleich das Ruder um.
Florian Bayer: Übrigens, der Bruder Christopher Walken.
Johannes Franke: Christopher Walken, wie krass ist das denn?
Florian Bayer: Ganz toll. Und das, was Christopher Walken immer gespielt hat, düster und ruhig.
Johannes Franke: Krass, Mann.
Florian Bayer: Es ist eigentlich schon die perfekte Christopher Walken-Rolle.
Johannes Franke: Wahnsinn. Und Jeff Goldblum kommt auch im Film vor. Das sind so Cameos von Leuten, die natürlich damals überhaupt keine Cameos waren, weil du nicht wusstest, wer das ist. Aber das sind so, wow, what the
Florian Bayer: Aber wenn wir bei Cameos sind, dann müssen wir einmal einen Namen erwähnen.
Johannes Franke: Truman Capote.
Florian Bayer: Oh mein Gott, wie krass ist das denn? Annie und Elvie, die Beziehung ist gerade ganz frisch, sitzen auf der Straße, ganz süße Zähne. wo auch wirklich einfach mal ihre Beziehung ohne großen Ärger gezeigt wird, ohne große Streitereien. Sie sitzen da und unterhalten sich über Leute.
Johannes Franke: Und dann sagt, das ist ja der Anfang, die haben ja gerade erst irgendwie angefangen und dann... erfinden die so Geschichten, was ich auch wahnsinnig gerne tue. Einfach da sitzen und die Leute beobachten und Geschichten erfinden. Was machen die gerade? Wo kommen die her? Wo gehen die hin? kommt jemand im Anzug vorbei, der so ganz nach Geschäftsmann oder nach Mafia aussieht für Woody Allen und dann Kommt halt jemand vorbei, wo die Ellen sagt, ach und der ist der Gewinner des Truman Capote Lookalike Contest.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Und es ist fucking Truman Capote.
Florian Bayer: Toll.
Johannes Franke: Wie krass ist das denn bitte?
Florian Bayer: Er wollte übrigens für diese Kino-Szene wollte er eigentlich ursprünglich Fellini haben.
Johannes Franke: Ach so.
Florian Bayer: Federico Fellini und der hat aber abgesagt.
Johannes Franke: Schade. Oh Mann.
Florian Bayer: Und ich glaube, er wollte dann auch noch jemand anderes haben, der auch abgesagt hat, aber ich weiß nicht mehr wen. Also er hat auch sehr gezielt von Anfang an nach diesen Cameos gesucht. Er war auch... Ja, schon populär genug, um sich das erlauben zu können. Aber tolle Szene, ja. Ganz tolle. Truman Capote, Hut ab, dass er... Und er geht einfach nur durchs Bild. Genau, und man sieht ihn nicht mal richtig.
Johannes Franke: Es gibt keine Nahaufnahme oder sowas. Er läuft da halt irgendwo im Hintergrund lang und man denkt sich, ja, das sieht wirklich so ein bisschen aus wie Schumann-Kaporti, wenn du das jetzt schon so... sagst. Aber eigentlich, ja, also großartig. Wie du das ansprichst, wie die sich kennenlernen, die beiden, gehört für mich zu einer der großen Highlights der Filmgeschichte.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Die gehen Tennis spielen zusammen und danach unterhalten die sich dann halt, ja, do you need a ride und ... Und sie sagt, ach, ja, hast du ein Auto? Und er so, nee, ich hätte jetzt ein Taxi genommen. Und sie sagt so, ach nee, Nee, nee, ich hab ja auch ein Auto. Wie jetzt, du hast ein Auto, wieso brauchst du dann, hä? Was? Nichts in Verwirrung. Ja, ich habe da ein BMW draußen stehen.
Florian Bayer: Das ist so schön, weil sie beide so awkward sind. Ja, das ist so toll, weil diese Unsicherheiten und dieses beim Kennenlernen und dieses zum ersten Date führen und es wird wirklich ... Cringe-worthy, wirklich lange ausgedehnt. Das ist unglaublich. Auch wie sie dann das erste Date ausmachen und sie dann sagt, ach nee, da kann ich ja nicht... Er schlägt ihr Daten vor und sie sagt, ja, ich kann dann und ich kann dann und ich kann dann. Und er sagt irgendwann, hast du kein Sozialleben? Und jetzt ist das schon unangenehm, man sagt, ach nee, da kann ich ja doch nicht, da muss ich ja singen. Und dann sagt er, oh super, dann komme ich. Ja, genau. Nein, ich singe zum ersten Mal, es geht nicht.
Johannes Franke: Das ist wirklich toll, weil das so schön inszeniert ist und Diane Keaton spielt das so wahnsinnig schön. Das ist eine tolle Frau.
Florian Bayer: Ja, wirklich. Sie spielt das fantastisch. Und diese Annie Hall ist ein großartiger Charakter. Ich bin so dankbar dafür, dass sie sie dann doch ein bisschen mehr ins Zentrum gerückt haben und ihre Beziehung ein bisschen mehr thematisiert haben. Weil sie ist einfach toll. Weil sie auch wirklich, wie gesagt, sie geben ihr so viele Ticks und kleine Neurosen auch mit auf den Weg, die so wunderbar eine Ergänzung sind zu den Ticks von Elvie.
Johannes Franke: Da fällt mir ein, die beiden sitzen ja das erste Mal, wir sehen relativ früh die beiden in einer unglücklichen Beziehung. sie haben keinen Sex mehr, sitzen im Bett.
Florian Bayer: Ja, sie haben kaum Sex dreimal die Woche.
Johannes Franke: Die Szene ist großartig später. Nein, jetzt sitzen die im Bett. Und die beste Ausrede überhaupt, die mir je über den Weg gelaufen ist, warum sie keinen Sex haben, sie sagt, ich muss meine Stimme schon. Was ist das für eine geile Ausrede? Bitteschön.
Florian Bayer: Und ich glaube sie in diesem Moment. Dass das wirklich ihr Gedankengang ist. Es gibt auch in dieser Sequenz, in dieser, oh, es ist so eine Abfolge von Episoden und Szenen, Aber in dieser Sequenz findet ja auch diese Sexszene statt, wo er sie sieht, wie sie aus ihrem Körper rausgeht. Oh Gott, die ist auch so großartig. Sie haben Sex miteinander und er guckt dann und sieht, wie ihr Geist, ihre geisterhafte Gestalt, leicht transparent, aus ihrem Körper rausgeht und sich nebendran sitzt. So die klassische Angst eigentlich eines jeden Mannes, dass die Frau beim Sex abwesend ist.
Johannes Franke: Und der spricht es an.
Florian Bayer: Und er spricht das an und sagt, du denkst doch gerade an was anderes. Und sie sagt, nein.
Johannes Franke: Nein, mach ruhig. Und sie sagt dann tatsächlich, du kannst doch meinen Körper haben. Und er sagt, nein, ich will da alles, ich will das Gesamtpaket, was soll denn das? Ja. Und überhaupt diese Meta-Ebene von Gedanken und dem, was man sagt, ist halt auch in der ersten Kennenlernszene, wie sie auf dem Balkon stehen und Wein trinken, auch so großartig. Weil da gibt es diese Untertitel von dem, was sie denken, über dem, was sie eigentlich sagen. Und das hat für mich damals, als ich es erst mal gesehen habe ... Mich davon überzeugt, warum Film so wahnsinnig viel kann.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Du schaffst es über die Untertitel. Diese ganze Angst, die sie beiden haben. Ach, ich bin bestimmt, ich bin eben nicht intellektuell genug. Und er irgendwie auch so seine Zweifel hat um Gott Hilfe. Und dabei, da drüber liegt dieser Schlagabtausch von Intellektuellen eigentlich, weißt du, so Hirnwix. sie einfach nur.
Florian Bayer: Sie versuchen sich beide zu präsentieren und gut dazustehen.
Johannes Franke: Das ist so krass. Das ist ganz toll. Ich fand das so, es war so eine Revelation für mich. als Jugendliche. Ja, schöne Szene.
Florian Bayer: Und der Film ist, wie gesagt, voll mit diesen Szenen. Es gibt ständig diese Brüche und dieses Spiel mit dem Medium. Es ist auch ganz toll, wenn er beim Essen sitzt bei Annys Familie. Oh Gott. Dann packt er parallel genau seine Familie. Dann haben wir auf der einen Seite so die gut bürgerliche, ruhige, gediegene Familie von Annie.
Johannes Franke: Die auch überhaupt keinen Witz versteht, von denen er so
Florian Bayer: Er scheitert total, vor allem an der antisemitischen Großmutter. Und dann zieht man seine Familie beim Essen, die einfach alle so wild sind und derb und sich laut unterhalten und ganz simpel umgesetzt, indem die Mutter einfach steht und Essen schaufelt, während die anderen sitzen und sie schimpfen und streiten, aber irgendwie haben sie sich auch lieb. Es ist Toll, ich meine, es gibt zwei große Splitscreens.
Johannes Franke: Die eine war kein wirkliches Splitscreen.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Wahnsinn. Na gut, dann gehen wir doch in den anderen Splitscreen.
Florian Bayer: Ja, der ist ein bisschen später, also eigentlich relativ... Gegen Ende ihrer Beziehung, aber es ist ja eigentlich egal in diesem Film, weil er sowieso ständig in und her springt. Ja, es ist kein Splitscreen.
Johannes Franke: Das ist großartig. Er hat tatsächlich zwei Sets nebeneinander gebaut, in der Mitte so einen schwarzen Balken, wie man einen Splitscreen machen würde, wenn man den... im Nachhinein im Schnitt macht. Und dann haben die sich halt irgendwie diese Szene so gebaut, sodass sie auch einander an der richtigen Stelle ins Wort fallen. Und das sieht aus, als wenn das... überhaupt nicht zusammenpassen könnte. Die Kamera macht das wunderbar und das Set-Design ist so toll.
Florian Bayer: Elvie und Annie jeweils bei ihrem Therapeuten und sie reden über ihre Beziehung und was schief läuft. Da reicht damit los, dass sie über Sex reden.
Johannes Franke: Und das Denkwürdige, dass sie fragen, wie oft haben sie denn Sex? Und er sagt ... Kaum noch. Nur vielleicht dreimal die Woche. Und sie sagt ständig. Dreimal die Woche. Das ist so großartig. Ja, tolle Szene.
Florian Bayer: Es ist tatsächlich so seine anderen Beziehungen, die dann auch... immer mal wieder so reingeworfen werden. Also mit Alison vor allem. Seine erste Ehe. Die relativ... nicht breit getreten wird, aber die auch erzählt wird, bleibt dagegen plass. Also es gibt diese anderen Frauen. Frauen in seinem Leben, die auch mal gezeigt werden. Er wird bei komischen Dates gezeigt und er wird mit Frauen gezeigt, wo es halt auch irgendwie nicht funktioniert und auch nicht besonders anders als bei Annie. Es wird jetzt nicht so hochgehoben, diese Beziehung mit Annie, dass man denkt, das ist die Beziehung seines Lebens. Sondern sie ist ein Part davon. Ah, du schüttelst den Kopf. Kommen wir gleich dazu. Und diese anderen Beziehungen bleiben aber natürlich irgendwie dann doch flach. Also ich hab zum Beispiel diese Alison, die kriegt ja relativ viel Raum, gerade am Anfang, aber irgendwie ist mir davon nicht so groß denkwürdig in Erinnerung geblieben. Man wünscht sich eigentlich wieder zurück in diese ... in diesen Schlagabtausch zwischen ihm und Annie.
Johannes Franke: Ja, genau. Ist ja auch viel weggeschnitten worden, die haben ja viel mehr gedreht anscheinend von diesen Szenen. Wie gesagt, eine gute Entscheidung zu sagen, nee, wir konzentrieren uns auf Ernie Hall, weil eben auch... Und ich finde eben nicht, dass sie dann ... Ich finde, dass diese Beziehung durchaus ... nach vorne gestellt wird, als dass es die Liebe seines Lebens oder zumindest die Liebe seines... Naja, bisherigen Lebens in die Zukunft können wir ja nicht schauen und der Film sagt jetzt nicht unbedingt, du wirst jetzt dein Leben lang dieser einen Beziehung nachtrauern, aber setzt das schon so ein bisschen an.
Florian Bayer: Das finde ich tatsächlich ganz entscheidend, dass ich das nicht drin sehe. Ja, es war eine schöne Beziehung und tatsächlich ... Hat der eine Frau, mit der irgendwie auf ihre verquere Art gut klarkommt? Auf ihre beide verquere Art? Aber es ist dann auch okay, wenn es zu Ende ist. Es ist kein Leiden, kein großer Leidensdruck oder so. Sie begegnen sich dann ja auch am Ende wieder. reden nochmal und ja, er thematisiert das im Film und sagt, Annie hat mich verlassen und das ist hart, aber... Ich hatte nicht das Gefühl, dass hier erzählt wird, wie eine Beziehung scheitert und Menschen daran zerbrechen, sondern das Leben geht irgendwie weiter. Deswegen weiß ich auch nicht, ob das Scheitern dieser Beziehung tatsächlich so unglücklich ist. Also es gibt einfach Beispiele, wo ... Scheitern von Beziehungen deutlich drastischer erzählt wird im Film.
Johannes Franke: Dein Grinsen sagt mir, dass du auf etwas hinaus willst. Die Top 3! Oh! Unsere Liste. Da sind sie.
Florian Bayer: unsere Top 3. Bescheiderte Beziehungen im Film.
Johannes Franke: Oh, ich bin gespannt.
Florian Bayer: Ich muss anfangen, ne?
Johannes Franke: Ja, fang mal an.
Florian Bayer: Ich habe so viele Honorable Mentions, aber die lasse ich vielleicht mal außen vor und komme einfach erst mal zu der Punkt rein. Meine Nummer 3 ist der Tintenfisch und der Wal von Noah Baumbach aus dem Jahr 2005. Ein wunderschönes Ehe-Drama, der bessere Kramer gegen Kramer. erzählt die Geschichte von einem Paar, gespielt von Laura Linney und Jeff Daniels, das sich trennt. Besonders spannend daran ist, dass im Mittelpunkt die Wahrnehmung der Kinder steht. Ein sehr junger Jesse Eisenberg als älterer Sohn und ein offensichtlich... nicht groß sonst bekannter Owen Klein als jüngerer Sohn. Und der Film nimmt eigentlich sehr, sehr lange deren Perspektive ein. und zeigt, wie sie die Streitereien der Eltern wahrnehmen und dann die Trennung wahrnehmen. Und es gibt ein getrenntes gemeinsames Sorgerecht, Dass die Kinder mal beim Vater und mal bei der Mutter sind. Und die Kinder werden natürlich in den Konflikt der Eltern hineingezogen. ganz großartig erzählt, irgendwie zwischen Tragik und Komik. Sehr ausgewogen, auch wenn es meiner Meinung nach dann doch so einen kleinen Sympathieschub in eine Richtung geht. Und der hat ganz tolle, bewegende Momente. Man lacht, man weint, man ist glücklich. Noah Baumbach hat mit diesem Film eines der besten ... Beziehungstramen, Ehetramen, gescheiterte Beziehungstramen aller Zeiten gedreht.
Johannes Franke: Okay. Ist das ein eigenes Genre oder was? Ja, offensichtlich.
Florian Bayer: Sonst würden wir nicht diese Liste machen, oder?
Johannes Franke: Ich fand uns so wahnsinnig kreativ mit dieser, aber gut, okay. Meine Nummer drei ist La La Land. Oh, hast du den gesehen?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Sehr schön, wie fandest du?
Florian Bayer: Stimmt, wir hatten uns mal vor einem halben Jahr unterhalten und da habe ich gesagt, dass ich ihn nicht gesehen habe. Ich habe ihn mittlerweile gesehen. Okay. Nee, wir haben danach auch nochmal drüber geredet. Ich fand ihn nämlich gar nicht so gut. Ich fand ihn jetzt nicht schlecht, aber ich war ein bisschen enttäuscht davon.
Johannes Franke: Wovon warst du enttäuscht?
Florian Bayer: Ich hatte mir ein bisschen mehr Dekonstruktion des Hollywood-Traums gewünscht.
Johannes Franke: Ah, jetzt erinnere ich mich, wir haben ja darüber geredet. Wir haben darüber geredet, ne? Stimmt.
Florian Bayer: Ja. Ich fand, das war kein schlechter Film. Ich finde, es gibt tolle Momente. Also auch, wie sie mit dem Musical-Genre gespielt wird und wie das auch... gebrochen wird, aber... Ich wollte dich auch damals schon verkloppen. Sag was zu Lalalent. Ich will nicht schlechtreden. Das ist deine Nummer 3.
Johannes Franke: Also du hast recht, er könnte diese Dekonstruktion des Hollywood noch weiter treiben und noch mehr machen. Insofern bleibt er natürlich irgendwie in diesem Hollywood-Kontext drin. Er ist halt noch Hollywood-Film auch. Ja, das ist ein Oscar-Bate-Film. Das war ja gemein. Ja, okay. Und ich finde eben an diesem Film genau das eben so großartig, was wir jetzt haben. Es ist eine gescheiterte Beziehung und sie wird nicht am Ende... Ne, das ist nicht so, wir erzählen die Entwicklung einer Beziehung, dann streiten sie sich und trennen sie sich im Drittel des Films, im Zweidrittel des Films und dann kommen sie wieder zusammen. Nee, sie kommen nicht wieder zusammen. Das Leben ist nicht so.
Florian Bayer: Ja, das ist tatsächlich auch stark. Das kann ich total honorieren, dass er das stark erzählt. Ende in dieser Tragik, aber auch gleichzeitig in dieser alltäglichen Tragik, weil es passiert halt ständig. Beziehungen entstehen, Beziehungen scheitern und das Leben geht weiter.
Johannes Franke: Und auch eben solche besonderen Beziehungen, wie eben auch bei Woody Allen jetzt oder eben auch bei La La Land, eine sehr, sehr besondere Beziehung. Und das ist traurig, aber das Leben ist nicht gerecht. Naja, nee, das Leben ist halt so.
Florian Bayer: Ich habe Oscar Bates gesagt, weil das ist für mich am stärksten Erinnerung geblieben von La La Land.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Oscar-Moment, wo La La Land als bester Film aufgerufen wurde und dann den Oscar aber doch nicht gewonnen hat. Ach ja, stimmt. Großes Skandal bei der Oscar-Verleihung. Ich muss kurz gucken, welches Jahr es war. Es war, glaube ich...
Johannes Franke: Das war hart. Oh Gott, war das hart.
Florian Bayer: War es 2018 auch? 2017? Ich weiß es nicht genau. Die haben sich total gefreut und gefeiert. Oh verdammt, wir haben nie einen Fehler gemacht. Ja, es war Moonlight. Moonlight, wiederum, meiner Meinung nach tatsächlich vollkommen verdient. bessere Filme und ironischerweise auch der bessere Film über eine gescheiterte Beziehung, die allerdings schon im Ansatz scheitert und die Beziehung ist auch nicht das, was komplett im Mittelpunkt steht. Aber in Moonlight geht es ja auch darum, dass der Junge, der im Zentrum steht, sich in einen anderen Jungen verliebt und sie... fangen dann auch eine Beziehung an, aber keine richtige Beziehung, eher eine Affäre. Und das scheitert dann aber wiederum dran, dass ... er so ein Außenseiter ist und verprügelt und gemobbt wird und der andere mitmacht, weil er sich da irgendwie reinreißen lässt. Ich will gar nicht zu viel davon verraten, aber tatsächlich ... Unglaublich starker Film. Und gescheiterte Beziehung ist nicht so zentral, aber ist ein tolles Element da drin.
Johannes Franke: Okay. Deine Nummer zwei.
Florian Bayer: Entschuldigung, jetzt habe ich La La Land so schlecht geredet. Und hier habe ich übrigens den besseren Film aus dem Jahr. Und La La Land wurde sogar der Oscar abgenommen.
Johannes Franke: Ja, wir gehen nachher noch raus und prüfen.
Florian Bayer: Ja, machen wir. Sollten wir heute auf jeden Fall machen. Nachdem wir schon bei Terry Gilliam so unterschiedlicher Meinung waren... Heute wird gestritten. Nummer zwei. Was macht man, wenn man eines der besten beziehungs-, scheiternden Beziehungs- und Ehetramen aller Zeiten produziert hat, wie Noah Baumbach das gemacht hat. Man wartet einfach 14 Jahre und dreht dann einen Film, der noch besser ist. Marriage Story von Noah Baumbach. Jahr 2019.
Johannes Franke: Ich wollte gerade Marriage Story sagen, weil ich habe die noch nicht gesehen, aber ich habe irgendwie in deinen Augen gesehen. Das ist jetzt, ja, ja, wir hatten schon mal drüber geredet, deswegen glaube ich kam es drauf.
Florian Bayer: Der hat mich zum Heulen gebracht.
Johannes Franke: Ich habe ihn noch nicht gesehen, ansonsten wäre er aber bestimmt auf meiner Liste, weil wenn du schon davon erzählst, du hast das letzte Mal schon davon erzählt und ich glaube, es ist genau der Film, den ich auch großartig finden würde. Und jetzt mit Adam Driver natürlich muss ich den eigentlich auch sehen. Okay. Ja, ja, Marriage Story. Ich gucke mir den mal an. Vielleicht musst du ihn mehr aufgeben. Ja. Okay, meine Nummer zwei. Her. Oh. Ja. Ja. Du erinnerst dich? Es ist ein großartiger Film.
Florian Bayer: Fantastischer Film.
Johannes Franke: Das ist Wahnsinn. Und es ist noch dazu eine wirklich sehr... Sehr, sehr ungewöhnliche Beziehungen, weil es ist ja keine Beziehung. Also es ist eine Beziehung.
Florian Bayer: Ja, es ist total eine Beziehung.
Johannes Franke: Aber was ist das? Also für die, die Hör nicht kennen, es geht um einen Menschen, der in einer Zukunft, einer nahen Zukunft, ich weiß nicht wie weit fern die ist. oder ob sie überhaupt das thematisieren. Er verliebt sich in sein Betriebssystem. Ja. Das ist ein ganz toller Plot.
Florian Bayer: Das ist eine fantastische Liebesgeschichte und das Tolle ist vor allem, dass diese Beziehung dann aber auch nicht als abnormal erzählt wird, sondern als total in Ordnung. Er hat diesen Kumpel auf der Arbeit, mit dem er redet, und sagt dann so, ich möchte meine Freundin mal mitbringen. Und er sagt, klar, mach doch. Und er sagt, sie ist eine KI. Und er sagt, na klar, kein Problem, bring sie mit. Und dann sitzen sie da zu viert mit ihren Freundinnen und sie ist halt als KI dabei und sie unterhalten sich und sie macht Witze.
Johannes Franke: Ja, das ist total krass.
Florian Bayer: Eine wunderschöne Sexszene gibt es.
Johannes Franke: Ja!
Florian Bayer: Im Schwarz, im Pleck, im richtig langen Pleck.
Johannes Franke: Wahnsinn! Ich habe mit meiner Mutter in diesem Film gesessen.
Florian Bayer: Entschuldigung. Will man in einem Solchespiel mit seiner Mutter sitzen? In einer Solches-Szene?
Johannes Franke: Also diese eine Szene war dann schon ein bisschen... Aber trotzdem war es wirklich gut. Wir haben uns sehr gut unterhalten.
Florian Bayer: Und wir haben schon wieder Scarlett Johansson. Die spielt nämlich die Stimme der KI. Und die spielt ja auch in Marriage Story die Protagonistin.
Johannes Franke: Den weiblichen Part, ja.
Florian Bayer: Genau. Ah, Herr ist ein wirklich schöner Film. Wunderschöner Film. Ich habe den total genossen. Und ich fand es so toll, weil sie so eine ungewöhnliche Beziehung so nochmal dargestellt haben. Sogar bis zur Trennung, wo sie dann sich...
Johannes Franke: Ja, und ich finde auch dieses Kennenlernen so schön vorsichtig erzählt. Ich liebe es, wenn so Kennenlernen so... so sensitiv, so sensual, dass du wirklich das ganz langsam erfüllen kannst, wie es entwickelt sich. Und man sich quasi mit ihm verliebt.
Florian Bayer: Und es knistert so die ganze Zeit. Wahnsinn. Schöner Film.
Johannes Franke: Ganz toll. Deine Nummer 1?
Florian Bayer: Meine Nummer 1. Wer hat Angst vor Virginia Woolf? Von Mike Nichols. Eine Verfilmung von dem gleichnamigen Theaterstück von Edward Albee. Und eine Beziehung, die scheitert, in der aber keine Trennung stattfindet. Und das ist das Problem. brutaler an diesem Film, weil er erzählt von einem Ehepaar, das irgendwie in einer Ehe gefangen ist. in der sie sich hassen und zugleich lieben, nicht voneinander loslassen können. Und gemeinsam so eine total absurde Geschichte entwickelt haben von ihrem Kind. Und in dem Film selbst geht es dann darum, dass sie sich mit einem anderen Paar treffen und diese Geschichte ausgebreitet wird und nach und nach so herauskommt, was in ihrer Ehe nicht funktioniert und die Ehe ist einfach komplett gescheitert, aber sie existiert weiterhin und Der große Scheitermoment ist, dass diese Ehe auch ewig bestehen bleiben wird. Es gibt ein Lied von den Mountain Goats, das ich sehr schön finde. Das heißt No Children. wo es auch um so eine Art von Beziehung geht, dass sie so eine verquere Romantik des gegenseitigen Hasses und Moment, ich überlege gerade eine Textzeile, die so signifikant ist in diesem Lied, wo er singt. I am drowning, there is no sign of land. You are coming down with me, hand in unlovable hand. Und I hope you die, I hope we both die. Da geht es auch darum, um diese gescheiterte und zugleich festgefahrene Beziehung. Und Hass und Liebe ... Es ist auch tatsächlich so, dass es gar nicht darum geht, dass der Protagonist oder die Protagonistin raus will aus dieser Beziehung. Sondern es ist tatsächlich auch auf eine sehr merkwürdige Art und Weise, macht es sie glücklich, in dieser gescheiterten, kaputten Beziehung zu sein und sich gegenseitig dich zu hassen und so am Leben zu halten.
Johannes Franke: Eine Frage hätte ich noch. Wer hat denn Angst vor Virginia Woolf?
Florian Bayer: Das wird in dem Stück, das Stück heißt einfach so. Das ist tatsächlich, ich glaube, Virginia Woolf. Wird in diesem Stück nicht einmal erwähnt? Ah. Nee. Nee.
Johannes Franke: Jetzt hast du mir voll die Hoffnung gemacht.
Florian Bayer: Es ist natürlich eine Verbeihornung des Kinderlieds. Wer hat Angst vorm bösen Wolf? Wer hat Angst vor Virginia Woolf? Und Virginia Woolf ist natürlich eine großartige Autorin der Moderne und auch eine großartige, proto-feministische Autoren, wenn man so sagen kann, die irgendwie... die wahrnehmung der frau sehr stark ins zentrum gerückt hat so ein bisschen auch das weibliche pendant zu Ja, überlege ich gerade, wen man nennen könnte zu welchen... großen Autoren mal nennen könnte, der irgendwie weiblich ist. Vielleicht James Joyce am ehesten, weil sie hat auch sehr viel mit inneren Monologen und so gearbeitet und ... Liest Virginia Woolf. Wenn ihr gute Modellliteratur lesen wollt, lest Virginia Woolf. Ich glaube, in dem Stück wird das überhaupt nicht erwähnt. Es ist einfach der Titel. Und keine Ahnung.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Wörtchen Jawohl spielt in dem Theaterstück selbst keine Rolle.
Johannes Franke: Na gut.
Florian Bayer: Übrigens ein Theaterstück, was man auch sehr gut lesen kann.
Johannes Franke: Oh, sehr schön. Okay, dann sollte ich das vielleicht... Das ist eine Wissenslücke eigentlich. Also genau solche Sachen habe ich irgendwie immer noch nicht geschafft. Nummer 1, meine Nummer 1 Trommelwirbel Casablanca
Florian Bayer: Ja, natürlich.
Johannes Franke: Also die gescheiterte Beziehung der Filmgeschichte schlechthin, finde ich, weil ... Wie viel tragischer kannst du es erzählen?
Florian Bayer: Aber am Schluss schließen noch Humphrey Bogart und dieser Polizist Freundschaft. Das ist doch die eigentliche Beziehung, die dieses Filmes steht. Ich glaube, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Das ist die Beziehung. Ich weiß total, was du meinst. Casablanca, toll.
Johannes Franke: Ganz toller Film. Und eigentlich geht es natürlich gar nicht darum. Eigentlich ist die Liebesgeschichte gar nicht der starke Part des Films. Das stimmt ja eigentlich nicht. Aber trotzdem ist das irgendwie ... Der Film hangelt sich ... über diese gescheiterte Beziehung an die Sachen ran, die er erzählen will. Und das finde ich, das ist ein legitimes Vehikel und das macht den Film großartig insgesamt.
Florian Bayer: Es spiegelt sich ja auch ganz viel die Charakterentwicklung von der Person, die Humphrey Bogart spielte. spiegelt sich ja darin, wie er mit dieser Beziehung umgeht. Und am Schluss opfert er ja auch die Beziehung. Um sie zu retten. Also ich habe das nicht mehr so genau in Änderung. Aber am Schluss ist es ja so, dass er sie aufgibt, rettet sie und ihren neuen Freund, Ehemann. Er rettet sie damit und er macht eigentlich was total Selbstloses damit. Und er war eigentlich die ganze Zeit davor im Film der egoistische Arsch, dem eigentlich vollkommen egal ist, was drumherum passiert.
Johannes Franke: Die Bogartrolle.
Florian Bayer: Ja. Ja, Casablanca natürlich. Prototypischer Trennungsfilm. Toller Trennungsfilm. aus allen, wie war das, von allen Orten auf der ganzen Welt muss ich ausgerechnet hier landen.
Johannes Franke: Ja, genau. Du wirst es bereuen. Maybe not today, maybe not tomorrow, but one day.
Florian Bayer: Wir müssen an unseren englischen Zitat-Filmquote-Skills arbeiten. Eigentlich müsste man ja in diesem Moment so zack direkt was rauswerfen. Ich sollte nicht ins Mikro schnipsen, oder?
Johannes Franke: Alles okay, was soll's. Das sind nicht unsere Ohren, die wegfliegen. Wollen wir zurück in unseren Film? Es war kein Problem, diesen Film zu unterbrechen, weil man kann jederzeit wieder reingehen, weil die Episoden einfach immer...
Florian Bayer: Wir waren bei coolen Quotes. Masturbation, Sex with someone I love.
Johannes Franke: Ich liebe dieses Zitat. Das kommt gleich nach dem anderen Zitat von Woody Allen aus Love and Death. Wo sie ihn, sie hatten gerade Sex und sie sagt ganz beeindruckt, du warst gut und er sagt, ja ich übe auch viel allein. Ich liebe dieses Zitat. Es ist unglaublich. Okay. Ja, irgendwie hat Woody Allen immer... Ja, dieses neurotische, sexuelle, was natürlich dann im Zusammenhang... methoduellen, schwierigen Kontext macht, aber wenn man das mal... Sex with you is a Kafkaesque experience.
Florian Bayer: Ja, auch wunderschön.
Johannes Franke: I mean that as a compliment. Ja, mhm, ja. Klar.
Florian Bayer: Tatsächlich versucht er das ja so ein bisschen, so ein Gegengewicht zu entwerfen, indem ja Annie auch versucht, irgendwie eine sexuelle Neurose zu geben, indem sie einfach kiffen muss, bevor sie Sex hat. Was ihn auch furchtbar nervt. Das spielt tatsächlich eine ziemlich große Rolle. Dieses Marihuana-Ding ist permanent im Raum zwischen ihnen und immer wenn es um Sex geht, geht es auch um dieses Marihuana-Ding, dass sie einfach... irgendwas braucht, um in Fahrt zu kommen.
Johannes Franke: Und er ist furchtbar frustriert. Er sagt dann, ich sehe den Vergleich zu seinem Beruf als Komiker. Es zählt nicht. Wenn jemand, der kifft, lacht über meine Witze. Das zählt nicht. Die lachen ja immer. Also was soll das?
Florian Bayer: Wo wir schon bei Drogen sind, müssen wir natürlich diese tolle Kokain-Szene erwähnen.
Johannes Franke: Die war ein Unfall.
Florian Bayer: Am Set?
Johannes Franke: Nein. Die Szene, wie sie drin ist, ist nachgespielt, aber der Unfall an sich ist passiert und dann hat das mit reingenommen.
Florian Bayer: Es gab diesen Gag vorher nicht. Es gab diesen Gag vorher nicht. Nein, aber der ist so perfekt.
Johannes Franke: Er ist perfekt.
Florian Bayer: Du hast die beste Art, diese Szene zu beenden. Ja. Sie schniefen Kokain und Elvie sagt, er will keinen Kokain schniefen, weil er irgendwie Angst davor hat oder so.
Johannes Franke: Und dann erwähnen sie noch, dass sie 200 Dollar für eine Unze bezahlen.
Florian Bayer: Das ist so teuer. Und dann nimmt der ein bisschen, wirklich nur so ein... So ein Stäubchen in die Nase. Und dann muss er niesen. Und niest direkt in diese Dose, wo das Zeug drin ist.
Johannes Franke: Und alles raus. Alles raus. 200.000 Dollar Gone with the Wind. Schön. Und wir müssen unbedingt darüber reden, wie wir eben, und deswegen finde ich, dass diese Beziehung eben doch... ein bisschen auf den Podest gestellt wird. Die Lobster-Szene, wie sie diese... diese Tiere, diese Lobster, Lobster auf Deutsch.
Florian Bayer: Hummer.
Johannes Franke: Hummer. Entschuldigung. Boah. Das ist ganz schön pretentious, wenn man kein Deutsch mehr kann. Es tut mir leid. diese Hummer-Szene, wie Annie Hall und er zusammen die da in den Topf hineinwerfen und er irgendwelche Witze macht und sie Fotos und sie sich gegenseitig mit diesen Hummern ärgern und so. Ganz toll. Und nach der Trennung macht er dieses Hummerding noch mit einer anderen Frau. Und die steht völlig fassungslos und rauchend da und sagt ... Du wirst doch wohl es schaffen, diese Hummer da in den Topf rein zu befördern. Und er macht richtig gute Witze, wo ich wirklich... Und sie steht da und sagt ... Wie meinst du das jetzt? Soll das jetzt witzig sein oder was? Er macht halt diesen Vergleich auf. Das ist Annie Hall. Mit ihr funktioniert das super und sie hat genau den Humor und die klicken, weißt du, und mit anderen Frauen eben nicht?
Florian Bayer: Ich weiß nicht. Ich fand die Zähne voll witzig, wie alle anderen Zähne auch. Ich weiß gar nicht, ob ich dir so ein großes Gewicht geben würde. Natürlich ist das ja auch einfach was, was man macht. Ich glaube, davon kann sich keiner freisprechen. Man fängt immer an zu vergleichen.
Johannes Franke: Ja, natürlich.
Florian Bayer: Man fängt immer an, irgendwie Beziehungen... in Beziehungen miteinander zu vergleichen. Und man neigt, glaube ich, dann auch dazu, solche Momente hervorzuheben.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ich weiß nicht, ob das... Ich sah es tatsächlich als nicht so einen dramatischen Moment an. Es war natürlich diese lustige Wiederholung, die nicht ganz so gut funktioniert.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber man muss ja auch dazu sagen, dass die Frau, mit der er das macht, ist ja auch einfach eins von zahllosen Dates, die er dann hat noch, die er vor und nach Annie hatte. Er hat ja ständig irgendwie ... nicht funktionierende Dates mit Frauen. Er hat ja auch offensichtlich eine Ehe, zweigescheiterte Ehen.
Johannes Franke: Aber für mich hat das was sehr, sehr melancholisches und sehr, sehr nachtauerndes.
Florian Bayer: Hat es. Auf jeden Fall. Es ist ja auch diese Melancholie der gescheiterten Beziehung, die schwingt mit. Ich fand tatsächlich den stärksten Moment darin. Wenn sie am Schluss, wenn sie sich trennen und das sehr freundschaftlich und ihre Sachen aufteilen und dann stehen sie da und haben fast dieselben Sachen an.
Johannes Franke: Das ist mir nicht aufgefallen.
Florian Bayer: Sie haben so Christmas-Zeug an, glaube ich, also irgendwie so kariert. Weiß und rot-schwarz kariert und das sieht fast aus, als hätten sie bewusst einen Partnerlook gewählt, aber sie treffen sich in der Wohnung, um ihre Bücher aufzuteilen und diskutieren darüber.
Johannes Franke: Alle Bücher mit dem Wort Tod im Titel sind deine.
Florian Bayer: Und alle Gedichte sind meine oder so? Und in welche Kategorie fällt das da? Und es ist eine schöne Trennung, also es ist nicht so kaputt. Das ist für mich so ein Zeichen dafür, dass... dass sie nicht auf so ein Podest gehoben wird, weil diese Trennung an für sich keine krasse Tragik hat, weil sie zieht dann halt nach Kalifornien.
Johannes Franke: Aber es geht dann weiter. Das ist nicht so, dass sie, also die Trennung an sich, ja, also ich meine, ich hatte auch eine Trennung, die war an dem Tag selbst, war die super. Weißt du, was ich meine?
Florian Bayer: Ich weiß, was du meinst. Ich glaube... Findest du danach, gibt es so eine Dramatik der Trauer des Beziehungsnachtrauerns?
Johannes Franke: Also es gibt die Szene, er kommt dann irgendwann aus dem Kino und irgendein Off-Monolog darüber... dass ihm das schon Schwierigkeiten bereitet. Und dann redet er mit Passanten wieder, was er am Anfang des Films schon mal gemacht hat. Ja. Und fragt dann ein Pärchen, das entgegenkommt. Wie macht ihr denn das? Wie macht ihr das, dass eure Beziehung funktioniert? Tja. Und sie sagt, ich interessiere mich für nichts und ich habe keine eigene Meinung. Und er sagt, ich auch. Ah ja, okay, na gut.
Florian Bayer: Ich glaube, was für mich diese Tragik rausnimmt, also vor allem dieses Gefühl, dass sie füreinander geschaffen sind, ist, wenn sie sich dann im Café wieder begegnen. Und sie lebt in Kalifornien und ist offensichtlich in einer Beziehung mit diesem ... Tony, mit diesem Produzenten.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dann treffen sie sich und unterhalten sich, weil er nach Kalifornien kommt, um sie zurückzugewinnen. Und er sagt, hey, und und komm zu mir zurück und so weiter. Und sie sagt, ja, warum bist du denn so wütend? Und er sagt, natürlich bin ich wütend, weil ich weiß, dass du mich liebst. Und dann sagt sie, nee, Ich kann das gerade wirklich nicht sagen. Es ist einfach nicht so. Und das finde ich ist so dieser Moment, wo klar ist, Weil wenn du das erzählen willst, dass sie wirklich füreinander geschaffen sind, dann machst du das anders. Und Alvi macht es auch anders, weil er natürlich dem noch ein bisschen hinterherhängt, aber er macht es dann halt im Theaterstück, wo die ... Wo diese Geschichte anders ausgeht. Aber ich finde, in diesem Moment erzählt der Film ganz klar ... Es ist nicht die Liebe seines Lebens und sie sind nicht füreinander geschaffen, sondern sie hatten eine sehr schöne Beziehung. Sie waren glücklich zusammen und das Leben geht aber weiter. Und Woody Ellens Charakter ist ein bisschen neurotischer und hat deswegen ein bisschen mehr Probleme, das zu verarbeiten. Und knabbert daran noch ein bisschen, aber auch sein Leben geht weiter.
Johannes Franke: Ja, ich bin da vielleicht ein bisschen fatalistischer. Ja, ich weiß nicht. Es gab eine Zeit in meinem Leben, wo ich gedacht habe, na ja. Meine große Liebe war schon. Das war keine schöne Zeit, wo ich das gedacht habe. Das war sehr fatalistisch. Das ist nicht mehr so, aber es gibt so Phasen. Und dann, weiß ich nicht, keine Ahnung, man kann den Film so oder so.
Florian Bayer: Ich glaube, mir fehlt so ein Bezug zu dieser romantischen Metaphysik, die sagt, es gibt diese eine Liebe im Leben.
Johannes Franke: Ja, vielleicht hast du recht. Ja. Ist dir das so aufgefallen? Ich habe das Gefühl gehabt, Woody Allen ist New York. Und sie ist L.A.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Auch für Lebensgefühl, ne? Ja. New York als neurotische Stadt, weißt du? Ja. Und L.A. so als freies Lebensgefühl von alles über alles Sonnenschein. Und wir sind alle ein bisschen...
Florian Bayer: Es wird ja auch ganz stark erzählt, dass es für sie total gut ist, da rauszukommen. Also im Prinzip das... Wie sie zurück in New York haben will, ist ja auch so ein sehr egomanischer Zug.
Johannes Franke: Sie zieht nach New York zurück.
Florian Bayer: Sie zieht nach New York zurück. Ja, aber sie ist ein anderer Mensch auch. Sie ist in Kalifornien und sagt so, hey, ich hab... Ich habe mich wirklich weiterentwickelt hier. Ich bin offener geworden. Ich habe nicht mehr so viele Probleme, mit Leuten klarzukommen. Ich kann viel besser in der Öffentlichkeit agieren, mich besser unterhalten und so weiter. Und das ist was total Gutes. Und Elvie ist halt sowieso, also Elvie ist ein total egozentrischer Mensch. Wenn sie ganz am Anfang sagt, ey, ich hab verschlafen, weil ich einen Wecker nicht gestellt habe oder so. Und das Erste, was er sagt, ist, weißt du, was für ein feindseliger Akt das ist, den du mir hier gerade entgegenbringst? Und sie sagt so, ey, musst du alles auf dich beziehen. Ich hab einfach nur verschlafen, verdammt noch mal. Und das ist dieser Elby-Charakter.
Johannes Franke: Das stimmt.
Florian Bayer: Also ich habe mich auch für Annie gefreut, dass sie es, also es ist natürlich traurig, aber ich habe mich auch für Annie gefreut, dass sie es nach Kalifornien schafft. dass sie ihre Gesangskarriere weitergeht, dass sie neue Menschen kennenlernt, dass sie offener wird. Weil im Gegensatz zu Elvie, das ist vielleicht ein bisschen das Traurige. Annie entwickelt sich mehr weiter als Elvie.
Johannes Franke: Ja, definitiv. Wie autobiografisch ist das Ganze?
Florian Bayer: Aber Elvie entwickelt sich auch weiter. Vielleicht das noch dazu sagen, weil Elvie erzählt dann ja auch nochmal einen Witz. Und das ist ja eigentlich das Ende des Films, wenn er diesen Witz erzählt. Und dieser Witz gibt zumindest so einen Hinweis darauf, dass er ein bisschen ... Ich weiß gar nicht, in welche Richtung, aber er ist ... Er hat sich schon ein bisschen verändert.
Johannes Franke: Ich weiß auch nicht, in welche Richtung. Echt, das ist grad schwer. Ich finde es wahnsinnig schwer, weil der Witz eigentlich austauschbar mit dem Witz am Anfang ist. Fast.
Florian Bayer: Ach.
Johannes Franke: Also natürlich nicht ganz gänzlich austauschbar, weil natürlich das eine besser ans Ende passt und das andere am Anfang, aber irgendwie ist die Qualität des Witzes das gleiche.
Florian Bayer: Die Qualität des Witzes ist das gleiche. Also, um den jetzt einmal zu rekapitulieren.
Johannes Franke: Ich habe das Zitat da. Dann soll ich es mal sagen. Leg los. Vorlesen. And I thought of an old joke. This guy goes to a psychiatrist and says, Doc, my brother is crazy. He thinks he's a chicken. The doctor says, what? Why don't you turn him in? The guy says, I would, but I need the eggs. Well, I guess that's now how I feel about relationships. They're totally irrational, crazy and absurd. Genau, und das ist das Entscheidende.
Florian Bayer: Es geht weiter, weißt du.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ich hatte viele Beziehungen und das habe ich irgendwie daraus mitgenommen. Und wahrscheinlich am meisten aus der Beziehung mit Annie ... Und deswegen war diese Beziehung auch so wichtig. Aber es geht halt weiter. Und ich brauche irgendwie ... Es ist nervig und stressig und anstrengend und blöd auch oft, aber es ist halt irgendwie ... Ja, das ist halt so. Ich finde, das ist durchaus auch ein bisschen optimistisch am Ende. Wie gesagt, um noch mal darauf zurückzukommen, es ist nicht dieses gescheiterte Beziehungsdrama wie ... Bei den Filmen, die wir genannt haben. Das ist kein Marriage Story und es ist kein Kramer gegen Kramer.
Johannes Franke: Also ich sehe da auch nicht das negative Ende im Sinne von, um Gottes Willen, ich werde nie über diese Trennung hinauskommen oder so. Das nicht. Also er sagt schon auch, das Leben geht weiter. Aber es ist halt wirklich so ein ... So ein krasses Highlight im Leben eines Menschen, ein lebensbestimmendes. Also es gibt ja Momente im Leben, da wirst du von einem Moment auf den anderen plötzlich... ich sag mal älter, aber älter stimmt nicht. Also du weißt schon, man hat plötzlich so einen Schub. Du lernst so viel. Du hast so viel... Du erfährst so viel in so kurzer Zeit. Du hast so ein rauschhaftes Ding, von dem du einfach ein Leben lang zehren wirst. Und das ist schon krass.
Florian Bayer: Seems like old times. Yep. Oh ja.
Johannes Franke: Okay, ja, das bedeutet der Film so ein bisschen für mich. Dieses Rauschhafte, was man eben in Phasen seines Lebens hat, von dem man einfach ein Leben lang mitzehrt. was einen so stark voranbringt und so bestimmt im Leben.
Florian Bayer: Es ist interessant, gerade weil der Film so verspielt ist und auch so experimentell ist in seiner Erzählweise, in diesem Springen durch die Zeiten.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: ist er darin unglaublich realistisch. Weil er macht das, was ja auch das Leben mit einem macht. Dass er einen hin und her wirft. Und es immer mal wieder diese Referenz auf Vergangenes gibt. Und immer wieder die Suche nach vergangenem Glück. Oder die Hoffnung auf zukünftiges Glück. Und dass das immer wieder durchbrochen wird von Erlebnissen, die einen geprägt haben. Und das bringt der Film ... Ganz toll auf die Leinwand. Einfach, weil er dieses Episodische hat.
Johannes Franke: Ja, genau. Ganz toll. Okay, das wäre schon unser Schlusswort gewesen, oder?
Florian Bayer: Ich glaube auch. Mein Schlusswort wäre, für mich ist das der definitive Woody Allen-Film. Das wird ja auch immer bleiben. Und es ist auch ... Ich befürchte einfach ganz banal und tröge meinen Lieblingsfilm von Woody Allen.
Johannes Franke: Das Problem ist für mich, dass ich nicht weiß, wo die Ellen nach 2000 ist. Ist jemand anders? Wo die Ellen nach 2000 in den Filmen zum Beispiel, wo er gar nicht mitspielt? Ja. Midnight in Paris zum Beispiel. Das ist... Unglaublich großartig. Einer meiner Lieblingsfilme. Aber ich kann nicht sagen, dass er meiner Lieblingsfilme von Woody Allen ist. Sondern einer meiner Lieblingsfilme von Woody Allen 2.0. Aber 2.0 würde sagen, dass es eine Weiterentwicklung ist. Aber das stimmt auch nicht. Es ist einfach... Irgendwie, weiß ich nicht.
Florian Bayer: Also für mich ist der krasseste Film aus der Reihe Matchpoint. Okay, ja. Der für mich... überhaupt nichts mehr von Woody Allen hat. Also wenn du diesen Film siehst, hast du nicht das Gefühl, einen Woody Allen-Film zu sehen.
Johannes Franke: Hat nicht Matchpoint auch diese Woody Allen-Figur? So ein
Florian Bayer: So einen Typen, der so viel redet und so viel... Woody Allen spielt in diesem Film nicht mit.
Johannes Franke: Nee, nee, aber es gibt ja in allen Woody Allen Filmen im Grunde diese Figur, die im Grunde Woody Allen spielt.
Florian Bayer: Müsste ich nochmal drüber nachdenken, aber... Eigentlich habe ich gar nicht das Gefühl. Es fehlt auch dieser humoristische Einschlag fast komplett. Es ist natürlich schon auch so ein bisschen eine Satire. Also es hat satirische Momente. Aber dann eher eine Polizsatire und keine klassische Woody Allen Sozialsatire oder Beziehungssatire.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Also Matchpoint ist für mich, und der ist 2005, das ist für mich so der krasseste Anti-Woody-Allen-Woody-Allen-Film. Aber das Jahr davor, Melinda und Melinda, spielt bei mir auch weit oben bei Filmen, wo ich denke, da sieht man nicht so viel Woody Allen drin. Weil ... Da gibt es ja diese zwei Geschichten. Einmal die tragische Version, einmal die komische Version. Und die tragische Version ist auch einfach wirklich tragisch. Das ist wirklich ein fucking Drama.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das finde ich auch so, wo die Ellen untypisch, dass er es schafft, ohne große Ironie dieses Drama zu erzählen. Es findet nebendran die Komödie statt. Aber wenn Drama ist, dann ist Drama.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Nee, ist gut, ist super. Würdest du den Matchpoint... Trotzdem als, also wenn es jetzt sozusagen kein Woody Allen Film ist, aber trotzdem als wirklich guten Film?
Florian Bayer: Das war ein guter Film.
Johannes Franke: Okay. Gut, ja.
Florian Bayer: Das war ein spannender Film und das war ein dramatischer Film und der Film hatte... coole satirische Spitzen. Es war kein Comedy-Knöller, aber das wollte er auch nicht sein.
Johannes Franke: Okay. Nun gut, Floor, ich danke dir, dass du diesen Film nochmal angeschaut hast, obwohl du ihn sicher schon ein paar Mal gesehen hast. dass wir darüber geredet haben und ich bin sehr gespannt auf die Dokumentation, wenn wir sie irgendwann zu Gesicht bekommen und dann werden wir vielleicht nochmal drüber reden.
Florian Bayer: Denke ich auch.
Johannes Franke: Ich bin gespannt. Bis dahin werden wir Werk von Künstlern trennen müssen. Ja.
Florian Bayer: Und wo die Ellen kein Geld geben.
Johannes Franke: Und wo die Ellen erstmal kein Geld geben. Ja. Gut. Klarer Auftrag, Arbeitsauftrag an den Zuschauer. Film gucken, ohne Geld auszugeben.
Florian Bayer: Verleiten wir gerade zur Piraterie.
Johannes Franke: Verdammt.
Florian Bayer: Mist. Ist Piraterie noch ein großes Thema? Schreibt es uns in die Comments. Wäre das jetzt ein YouTube-Video, würdet ihr meinen Finger sehen, der nach unten zeigt.
Johannes Franke: Haben wir irgendwo Comments?
Florian Bayer: Wir sollten Comments auf der Seite mal abonnieren.
Johannes Franke: Auf unserer Webseite ist das, muss man sehen, podcast.mussmansehen.de gibt es eine Kommentarfunktion.
Florian Bayer: Und schreibt uns auch... Falls ihr eine andere Meinung habt zu unserem Klick auf Woody Allen und natürlich auch Falls ihr eine andere Meinung habt zu unserer Ansicht, zu den beiden Filmen, die wir heute besprochen haben. Wir freuen uns über jeden Kommentar. Zur Not könnt ihr uns auch einfach eine E-Mail schreiben.
Johannes Franke: Nicht mal nur zur Not, weil es gibt ja auch immer wieder so Gesprächsanstöße.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und dann könnte man vielleicht darüber reden. Wenn ihr viele Vorschläge habt.
Florian Bayer: Auf jeden Fall nehmen wir auch gerne an.
Johannes Franke: Okay, sehr schön. Dann vielen Dank fürs Zuhören. Vielen Dank, Plur, dass du dabei warst.
Florian Bayer: Vielen Dank, Johannes, dass du mitgemacht hast. Und bleibt noch kurz dran, dann erfahrt ihr, worum es nächste Woche gehen wird. Sehr schön.
Johannes Franke: Bis dann.
Florian Bayer: Ciao.
Johannes Franke: Ciao.
Florian Bayer: Johannes, wir haben auf Mikro geredet.
Johannes Franke: Wir müssen ja noch die Empfehlung machen.
Florian Bayer: Genau. Und wir haben... Eigentlich hast du erst gesagt, hey, wie wär's denn mit was Neuem? Wie wär's denn mit Soul?
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und dann hab ich noch so ein bisschen gekämpft.
Johannes Franke: Was ist die Hölle los?
Florian Bayer: Mir ist nichts eingefallen.
Johannes Franke: Mein Handy hat gepiept, mein Kater dazwischen gemauzt. Was ist denn los heute?
Florian Bayer: Vor allem der Kater klang auch wie ein Handy. Der klang wie der Vibrationsalarm von einem Handy.
Johannes Franke: Houdini, hast du irgendwas? Ja, okay.
Florian Bayer: Genau, ich habe ein bisschen überlegt und dann dachte ich, hey, warum nicht auch einen aktuellen Film? Weil wir haben ja nächste Woche Jubiläum.
Johannes Franke: Wir haben Jubiläum.
Florian Bayer: Zehnte Folge.
Johannes Franke: Zehnte Folge, oh mein Gott. Ja, ich weiß, im Podcast-Leben ist das nicht viel, aber für uns ist es toll.
Florian Bayer: Für uns ist das was Großes. Ja. Mindestens genauso groß, wie als wir das erste Mal unseren Podcast bei Spotify gesehen haben. Und als ich bei Spotify, wer du eingegeben habe, bei Spotify googeln, als ich, wer du, gespotifyt habe und gesehen habe, dass wir als erstes Suchergebnis auftauchen.
Johannes Franke: Ja, bis Monsieur Verdou hat uns das geholfen. Genau. Aber wenn man muss man sehen eingibt, noch sind wir nicht sehr weit.
Florian Bayer: Sind wir immer noch nicht?
Johannes Franke: Nein, ich glaube nicht.
Florian Bayer: Na ja, mal schauen.
Johannes Franke: Mal gucken.
Florian Bayer: Wir rutschen langsam nach oben. Wir arbeiten uns vor.
Johannes Franke: Ja, wir verlassen uns auf die ganzen Empfehlungen der Zuhörerinnen und Zuhörer, die uns alle, die ganze Welt, egal, ihr kriegt das schon hin.
Florian Bayer: Wo waren wir nächste Woche genau? Zwei aktuelle Filme.
Johannes Franke: Ja, fürs Jubiläum machen wir zwei aktuelle Filme. Plur, was hast du denn für mich?
Florian Bayer: Ich hab für dich News of the World. Netflix. Kein Netflix Original, aber so ziemlich schnell in die Netflix-Verwertungskette gerutscht.
Johannes Franke: Ja, sehr schön. Mit der tollen Helena Zengel. Genau, oder?
Florian Bayer: Mit dem ebenso tollen Tom Hanks.
Johannes Franke: Ja, ich habe ihn auch noch nicht gesehen und du hast ihn auch noch nicht gesehen. Sehr gut, okay. Und ich habe für dich vom Konkurrenten bei Disney Plus, habe ich Soul.
Florian Bayer: Oh, auch noch nicht gesehen.
Johannes Franke: Auch noch nicht gesehen. Ich habe ihn auch noch nicht gesehen. Wir haben wahrscheinlich viel zu reden. Ich habe das Gefühl, es wird eine sehr große Episode.
Florian Bayer: Oh, da bin ich gespannt. Mal schauen.
Johannes Franke: Okay, gut, dann bis nächste Woche.
Florian Bayer: Bis nächste Woche.
Johannes Franke: Tschüss.
Florian Bayer: Ciao.
