Episode 10: Pixars Soul, News of the World
Zur Jubiläumsfolge sprechen wir ausnahmsweise mal über zwei brandneue Filme: Die 2020 veröffentlichten News of the World von Paul Greengrass und Soul, den neuesten Streich der Pixar-Schmiede. In einer Zeit, in der die Kinos dicht sind wollen wir dabei herausfinden, wie viel Kinomagie zu Hause im Wohnzimmer möglich ist: Es geht um cineastischen Jazz, um erwachsene Themen in Kinder- und Familienfilmen, es geht um Oscarbait, um die großartige Nachwuchsdarstellerin Helena Zenge und um den Kontrast von Pathos und Realismus. Auch die Politik der jeweiligen Filme kommt wieder zur Sprache: Wir reden über die Auseinandersetzung von Hollywood mit dem Trumpismus und die neu entdeckte Diversity von Disney.
Auch zwei Toplisten haben es wieder in unser Gespräch geschafft: Wir werfen einen Blick auf unsere liebsten Westernfilme und suchen nach brauchbaren Filmen über das Afterlife. Unzufrieden über unseren Kanon oder unseren Take auf die beiden Filme? Schreibt uns unter florian@mussmansehen.de oder johannes@mussmansehen.de oder kommentiert gleich hier unter dem Artikel.
News of the World [Paul Greengrass]
(USA 2020)
2020 war ein merkwürdiges Kinojahr. Ein nicht vorhandenes Kinojahr für den Großteil des Publikums und für die Produktions- und Distributionsseite ein Kinojahr, das vor allem für eine Menge Kopfschmerzen verantwortlich war. Wohin mit den Filmen, wenn die Lichtspielhäuser leer bleiben? Zumindest im Falle von News of the World von Paul Greengrass war die Antwort klar: So schnell wie möglich in die Wohnzimmer. Schon vor dem US-Kinostart der von Universal produzierten Verfilmung eines Romans von Paulette Jiles erhielt Netflix den Zuschlag für die internationale Verwertung… und fackelte nicht lange. Kinostart, Dezember 2020; Netflix-Veröffentlichung Februar 2021. Dabei ist News of the World durchaus ein Film, der im Kino gut aufgehoben wäre: Ein episches Westerndrama mit Starbesetzung, opulenten Bildern und einer emotionalen Geschichte, die nach den Academy Awards dürstet:
Im Mittelpunkt steht der von Tom Hanks gespielte Bürgerkriegsveteran Captain Jefferson Kyle Kidd, der sich seinen Lebensunterhalt verdient, indem er im Texas des Jahres 1870 von Stadt zu Stadt reist und für die einfache Bevölkerung aus der Zeitung die Nachrichten der Welt vorliest. Während seiner Reise trifft er durch Zufall die 10jährige Johanna, gespielt von der deutschen Nachwuchsschauspielerin Helena Zengel. Diese war nach dem Tod ihrer Familie von Kiowa-Indianern aufgezogen worden, hat aber durch eine brutale Räumung nun auch ihre Ziehfamilie verloren. Die Unionsarmee überträgt Kidd die Verantwortung, Johanna zu ihren letzten noch lebenden Verwandten zu bringen. Und so zieht das ungleiche Paar gemeinsam los durch ein von Bürgerkrieg, Misstrauen und Hass geprägtes Texas.
Traditioneller Western, humanistisches Drama, vielleicht sogar Spiegel unserer Zeit? Was meinst du Johannes.
Soul [Pete Docter]
(USA 2020)
Soul, der neueste Geniestreich und gleichzeitig der erste Film von Pixar, der einem schwarzen Protagonisten folgt. Joe ist Musiklehrer und sein Herz gehört dem Jazz. Endlich bietet sich ihm die Chance in einer Band zu spielen, die er schon lange vergöttert, doch bevor er die Lorbeeren ernten kann, stirbt Joe und ist auf dem Weg ins Leben nach dem Tod. Joe will sich nicht damit abfinden und sucht verzweifelt nach einem Weg zurück ins Leben, um seinen Lebenstraum noch zu verwirklichen. Ein zugleich Pixartypischer, als auch sehr untypischer Ride durch Slapstick und Albernheiten, aber auch düsteren Themen, die ich so aus keinem dieser Filme kenne. Respekt.
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 10: Pixars Soul, News of the World Publishing Date: 2021-03-10T18:20:00+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/03/10/episode-10-pixars-soul-news-of-the-world/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast? Nein, eigentlich nicht, aber ich. Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können. Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee. Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeige dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest.
Florian Bayer: Das heißt so Musicals aus den 50ern?
Johannes Franke: Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme?
Florian Bayer: Mit russischen Untertiteln? Von mir, für dich. Oh Gott, okay. Aber du weißt, dass das für Menge Streit sorgen kann.
Johannes Franke: Äh, definitiv. Das wird lustig.
Florian Bayer: Die Jubiläumsfolge! Muss man sehen, Podcast.
Johannes Franke: Zehn Folgen, voller Emotionen. Zehn Folgen, also 20 Filme. 20 Filme. 21. Beim ersten haben wir drei Filme gehabt. Stimmt. Wir haben 21 Filme und sie haben sich aufs Auge gedrückt. Wir hatten eine Serienepisode. Wir hatten eine Serie.
Florian Bayer: Weil eine Person die Regeln preschen musste. Na toll. Ich möchte jetzt nicht mit dem Finger drauf zeigen. Nein, tu es nicht.
Johannes Franke: Houdini, geh raus. Meine Katze. Okay. Ja, wir, hier willkommen beim Muss man sehen, Podcast, wo wir uns gegenseitig Filme aufs Auge drücken und hoffen, dass sie den Horizont des Anderen erweitern. Ich bin sehr gespannt, was diesmal geklappt hat. Wir haben diesmal für die Jubiläumsfolge uns zwei Filme ausgesucht, die wir beide noch nicht kennen.
Florian Bayer: Genau. Und wir müssen dazu sagen, wir springen sonst immer wild durch die Filmgeschichte. Wir waren schon überall in den 50ern, 60ern, 70ern. Aber in den 2020ern waren wir noch nicht. Ein echtes Novum. Ja.
Johannes Franke: Sehr schön. Ich bin stolz auf uns, Plur, dass wir endlich in den 20ern angekommen sind.
Florian Bayer: In den 2020ern. Stimmt. Eigentlich auch nicht, weil in der ersten Folge hatten wir schon Boraten. Das ist ein 2020er Film. Hm. Hm. Stimmt. Aber ansonsten, genau, sonst springen wir munter durch die Filmgeschichte. Also hört euch die alten Folgen an. Es gibt viel zu entdecken. Hast du gerade gesagt, die alten Folgen. Ja. Es sind zehn Folgen. Die Klassiker.
Johannes Franke: Sie gehen jetzt aber schon in die Geschichte der Klassiker ein. Und ja, ja.
Florian Bayer: Es gibt viel zu entdecken. Skurrilitäten. Filmklassiker. Absonderliche Sachen, über die wir auch sehr ausgiebig streiten. Oh ja.
Johannes Franke: Oh ja. Ich denke nur an, an Klimax.
Florian Bayer: Ja, stimmt. Den mochtest du nicht. Und. Schwierig. Am stärksten in Erinnerung geblieben ist mir unsere Diskussion über Wizard of Gore. Oh. Ja. Den du für puren Trash gehalten hast.
Johannes Franke: Ja, purer Trash. Aber naja, gut. Okay. Hört euch das an. Oder machen wir jetzt eine Best-of-Folge oder was? Nein. Nein. Nein. Dafür ist mein Gedächtnis nicht genug. Nein. Bei der hundertsten Folge machen wir ein Best-of.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Okay, gut.
Florian Bayer: Da schneiden wir wild einfach alles zusammen. Da haben wir eine Aufnahme gespart.
Johannes Franke: Sehr gut.
Florian Bayer: Ja, aber genau, was haben wir heute?
Johannes Franke: Wir haben heute einen hustenden Plor da. Was ist los? Ich weiß nicht.
Florian Bayer: Du rauchst. Ja, ich rauche und ich bin noch nicht ganz fit. Aber ich hoffe, ich komme gleich rein.
Johannes Franke: Eine Frage, die ich dir noch nie gestellt habe, Plor, beim Podcast.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wie geht es dir?
Florian Bayer: Mir geht es sehr gut. Danke.
Johannes Franke: Wie geht es dir? Zu Corona-Zeiten geht es dir sehr gut. Du machst ganz schön viele Leute neidisch mit dieser Ausfrage.
Florian Bayer: Nein. Ich glaube, ich trage wie jeder andere auch ziemlich viel Corona-Stress mit mir rum. Aber es ist okay.
Johannes Franke: Ja, bei dir vor allem wegen Kind und Kegel, ne?
Florian Bayer: Ja, genau. Das ist so. Aufeinandersetzen ist einfach ziemlich hart in diesen Zeiten.
Johannes Franke: Ja, ich habe genau das Gegenteil. Niemand zu Hause, außer mein Kater. Wir schieben zusammen den Blues. Genau. Aber da ist diese Podcast-Aufzeichnung immer ein Highlight. Ah, der Tee vor allem. Der ist immer ein Highlight. Jetzt haben wir gar nicht im On-Tee eingegossen. Ich bin enttäuscht. Darauf warst du ganz wild. Okay. Leute, ich weiß, ihr wartet darauf, dass wir endlich anfangen. Haben wir noch ein anderes Thema, was wir zwischenschieben können, Plor?
Florian Bayer: Über den Sinn des Lebens haben wir, glaube ich, in Folge 7 geredet. Ja, sehr ausführlich.
Johannes Franke: Das war, da haben wir uns stundenlang drin versteht. Aber ich glaube, der ist es verloben gegangen. Das ist ein bisschen was der Technik zum Opfer gefallen. Ja, aber nur so ein kleiner Teil, glaube ich.
Florian Bayer: Also, falls ihr was über den Sinn des Lebens wissen wollt, hört nochmal in Episode 7 rein. Episode 7, du bist sicher? Nein, überhaupt nicht. Ach so, okay. Aber wenn es die nicht ist, dann müsst ihr halt drumherum suchen. Dann ist es 5, 6 oder 8. Clickbait auf ganz anderem Niveau. Wie nennt man Clickbait in der Podcast-Welt? Hm? Ich weiß es nicht. Ich dachte, du hättest den vorgefertigten Witz dabei. Ich dachte, du kommst jetzt mit dem Pan. Du bist der Komiker von uns beiden. Bin ich das? Ja. Ich bin der Slapstick-Komiker von uns beiden. Und das im Podcast? Hör mal. Du kannst ja einen Handstand dabei machen. Wir haben heute News of the World aus dem Jahr 2020.
Johannes Franke: 2020. Sehr schön. Gute Auswahl, Plur. Vielen Dank. Und wir haben von meiner Seite den Film Soul auf Disney+.
Florian Bayer: Auch aus dem Jahr 2020.
Johannes Franke: Auch aus dem Jahr 2020. Womit fangen wir an? Wir fangen, würde ich sagen, weil wir letzte Woche deinen als erstes hatten, will ich jetzt aber auch meinen als erstes. Pixar-Familienunterhaltung. Leg los. Gut. Dann würde ich mal den Film einmal vorstellen. Soul. Der neueste Geniestreich und gleichzeitig der erste Film von Pixar, der einem schwarzen Protagonisten folgt. Joe ist Musiklehrer und sein Herz gehört dem Jazz. Endlich bietet sich ihm die Chance, in einer Band zu spielen, die er schon lange vergöttert. Doch bevor er die Lorbeeren ernten kann, stirbt Joe und ist auf dem Weg ins Leben nach dem Tod. Joe will sich nicht damit abfinden und sucht verzweifelt nach einem Weg zurück ins Leben, um seinen Lebenstraum doch noch zu verwirklichen. Ein zugleich Pixar-typischer als auch sehr untypischer Ride durch Slapstick und Albernheiten, aber auch düstere Themen, die ich so aus keinem dieser Filme kenne. Respekt. Was sagst du dazu, Thor?
Florian Bayer: Respekt. Respekt? Ja, hat mir sehr gut gefallen.
Johannes Franke: Schön.
Florian Bayer: Pixar ist ja, hatte ja so ein Tief in den 2010ern, wo sie auch viele Fortsetzungen gemacht haben und einfach auf die bekannten Franchises gesetzt haben. Und vielleicht mindestens zwei Cars zu viel und ein Toy Story zu viel, darüber kann man wahrscheinlich streiten. Hast du die alle gesehen? Ja. Du musst wegen deines Kindes. Nein, ich liebe Pixar. Tatsächlich. Ich bin totaler Pixar-Fan. Oh, das kommt mir entgegen. Und in den letzten Jahren haben sie aber wieder so zur alten Höhe zurückgefunden, in dem sie sehr stark auf Emotionen gesetzt haben. Und dazu gehört definitiv Inside Out, Alles steht Kopf. Oh ja, der war auch super. Der wahrscheinlich bei mir in der Liste meiner Lieblings-Pixar-Filme ganz oben ist. Ich muss sagen, Soul hat nicht ganz dessen Qualitäten erreicht. Okay. Aber hat mir trotzdem gut gefallen. Es gab ein paar Sachen, wo ich dachte, ach ja, geht vielleicht auch eine Nummer besser. Aber alles in allem, wenn ich das Gesamtpaket betrachte, war das ein wirklich sehr runder Film, sehr schöner Film. Tolle Emotionen. Wie gesagt, Pixar ist in den letzten Jahren immer am stärksten gewesen, wenn sie auf Emotionen gesetzt haben. Und dieser Film setzt nur auf Emotionen.
Johannes Franke: Ja, eigentlich ausschließlich, ja. Aber auch des Themas wegen ... Sie haben ja auch extra gesucht. Sie haben ja vorher ... Also der Typ Joe, um den es geht, dem wir durch seine Eskapaden folgen, der ist Musiklehrer. Ja. Jazz. Er ist schwarz und Musiklehrer. Und am Anfang war er wahrscheinlich weiß und er war Scientist. Also es war eigentlich ursprünglich mal angedacht, dass der ein Wissenschaftler ist. Und da haben sie aber gemerkt, uns fehlt die Emotion. Deswegen komme ich drauf. Ja. Uns fehlt diese Verbindung zum Zuschauer. Und wo ist die kürzeste Verbindung zwischen Menschen? Bei Musik. Und das finde ich eine großartige Entscheidung. Und dann als klar wurde, das ist ... Okay, es wird Musik, es wird Jazz, haben sie halt festgelegt, es wird ein Schwarzer.
Florian Bayer: Und es gelingt ihnen ja tatsächlich total toll, diese Liebe zur Musik zu zeigen. Ja. Jedes Mal, wenn in diesem Film Musik thematisiert wird, vor allem wenn es zu dieser berühmten Zone kommt, wenn man sieht, wie Musiker, wenn sie besonders sich der Musik hingeben, in so eine Art jenseitigen Zustand geraten, wo sie auch tatsächlich mit dem Jenseits kommunizieren können, ist es einfach wunderschön visuell umgesetzt.
Johannes Franke: Ganz, ganz toll. Ich bin ganz, ganz begeistert gewesen.
Florian Bayer: Ja, die musikalischen Szenen sind einfach großartig. Und die Liebe zum Jazz, wie sie vermittelt wird, das hat einfach funktioniert. Selbst wenn man kein Jazz-Fan ist, ich mag Jazz, aber ich bin jetzt wirklich nicht der größte Jazz-Fan und ich höre nicht regelmäßig Jazz. Aber man bekommt einfach ein Gefühl davon, was diese Musik für viele Menschen bedeutet und warum diese Musik für viele Menschen so ein Mittelpunkt im Leben ist.
Johannes Franke: Ja. Warum Jazz? Also die Frage ist natürlich auch noch, wenn man einen solchen Film macht über über das Leben und über die, was passiert vor dem Leben eigentlich und ganz im Gegensatz zu, was passiert nach dem Leben, was ja ständig gefragt wird, finde ich sehr spannend, dass man ausgerechnet Jazz nimmt. Und ich habe festgestellt, dass ich Jazz tatsächlich für die beste aller Möglichkeiten halte, weil Jazz genau das widerspiegelt, was ich glaube, wie Leben funktioniert, gutes Leben funktioniert. Du hast die unterschiedlichen Instrumente und das Klavier sagt nicht zum Saxophon, hey, jetzt bin ich dran, lass mal, lass mal, geh mal weg da, ich mache jetzt meine Line, sondern sagt eher, ah, spannend, was da jetzt von dir kommt. Ich habe nicht so richtig geahnt, wie deine Melodie sich jetzt da hinfügt. Und irgendwie ist es auch gegensätzlich, aber irgendwie passt es am Ende doch zusammen. Ja, diese Mischung aus Kampf und Zusammenspiel.
Florian Bayer: Ja, genau. Aus Komposition und Improvisation. Das ist eine großartige Metapher auf das Leben selbst.
Johannes Franke: Finde ich großartig.
Florian Bayer: Es gibt diesen wunderschönen Moment gleich am Anfang, wenn er zum Vorspielen geht. Ja. Bei dem Orchester, wo er immer rein wollte. Und es ist wirklich, es ist ein bewegender Moment für ihn. Er setzt sich ganz nervös ans Klavier und die legen los zu spielen. Und dann weiß er zuerst nicht, was er machen soll. Man merkt, wie er vorsichtig in die Tasten drückt und guckt und sich versucht zu orientieren. Er ist Musiklehrer, er hat schon lange nicht mehr so richtig was Krasses gespielt. Und das ist bei der Jazzlegende Dorothea Williams. Und er will es einfach nicht verkacken. Er will da aufgenommen werden in diesem Quartett. Und dann fängt er an zu spielen und macht das wirklich vorsichtig, wird kritisch angeguckt. Und dann gibt es den Moment, wo er abdriftet. Ja. Wo er einfach nur anfängt zu spielen und die Finger wandern über das Klavier. Das ist das erste Mal in der Zone auch schon, oder? Genau, da ist er in der Zone und er ist in so einem komplett wegschwebenden Zustand. Und es spielt auch keine Rolle mehr, dass das gerade so ein Audition-Moment ist, sondern er spielt einfach und er verliert sich komplett. Und dann ist es vorbei. Und es gibt von ihm diesen unsicheren Blick Richtung Dorothea. Und sie ist so eine tolle Rolle.
Johannes Franke: Ja, sie ist großartig.
Florian Bayer: Eine Zynikerin, ganz trocken, ziemlich gemein teilweise. Aber sie sagt dann einfach nur, na gut, du bist drin. Komm heute Abend vorbei, dann sehen wir mal, was du noch kannst.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wunderschön.
Johannes Franke: Ganz toll.
Florian Bayer: Und der Film steckt natürlich voll von diesen Momenten, von dieser Improvisationskunst im Leben. Darum geht es letzten Endes. Es ist natürlich wieder so ein Enjoy-Life-Film, wie man oft von Pixar gesehen hat, wie man ihn sowieso oft gesehen hat.
Johannes Franke: Stimmt, ja.
Florian Bayer: Aber ich habe auch einen Soft-Spot für diese Art von Film. Ja, ich... Wenn ich einen Film so bewegen kann und du denkst am Schluss, ach, das Leben ist doch schön.
Johannes Franke: Ja, das ist, glaube ich, auch das große Geheimnis und Erfolgsformel von Pixar einfach. Und von Disney auch irgendwie. Aber Pixar, ich habe die Entstellungsgeschichte von Pixar nicht mehr so genau im Kopf. War das nicht so, dass sie am Anfang unabhängig waren und dann hat Disney sie aufgekauft?
Florian Bayer: Ja, genau. Pixar gehört mittlerweile zu Disney. Und Pixar war vorher ein Animationsstudio, die wirklich klein angefangen haben und dann mehr und mehr gemacht haben. Haben aber schon relativ früh eng mit Disney zusammengearbeitet. Ah, okay. Also Toy Story war, glaube ich, ihr erster Feature-Lang-Film. Und das war eine Disney-Produktion. Echt, ja? Ja. Ah, verstehe. Und mittlerweile sind die irgendwie richtig integriert in den Disney-Konzern. Aber frag mich nicht, wie das genau aussieht. Ja. Aber ihren Filmen hat man von Anfang an auch angemerkt, dass sie sehr stark von der klassischen Disney-Zeichentrickkunst inspiriert sind. Ja, das stimmt. Und wahrscheinlich hatten sie deshalb einfach auch den Erfolg, weil sie es geschafft haben, in dem Neuen das Traditionelle weiter zu führen.
Johannes Franke: Aber wer ist nicht von der traditionellen Disney-Zeichenkunst inspiriert? Das ist auch noch so ein Ding, weil Disney einfach so ein übermächtiger, omnipräsenter Player ist, die das von Anfang an dominiert haben alles. Mit ihrer Methode und mit ihrem Stil und so. Und irgendwie auch zu Recht. Wenn ich nur an die ganzen alten Steamboat-Willi und so diese ganzen alten, alten, alten Disney-Sachen zurückdenke, mir geht's Herz auf. Ist toll.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Auch die Kreativität. Also Disney hat so früh schon angefangen auszuloten, was man mit Zeichentrickkunst alles machen kann. Wie man wirklich neue Horizonte öffnen kann. Und darum geht's ja eigentlich im Trickfilm. Dass er Dinge darstellt, die der Realfilm nicht darstellen kann. Und das macht gerade dieser Film nun wirklich ausgiebig und ganz toll. Wir müssen kurz über den Stil reden, weil das fand ich tatsächlich am Anfang einen total spannenden Kontrast. Wenn die ersten Szenen zu sehen sind, klassische Zeichentrickkunst, der Film wirkt sehr comichaft. Die Figuren wirken sehr überzeichnet. Und gleichzeitig ist aber die Handlung komplett realistisch. Das fand ich einen total spannenden Kontrast, dass die Figuren so sehr ausladend waren. Also dieser Joe ist ja so ein langer Lula mit riesigen Händen, mit viel zu langen Armen, mit einem Bäuchlein. Ja, wie alt soll er sein? 40? Wahrscheinlich, ja. Mit Life Crisis Bäuchlein. Und der wirkt dadurch fast wie eine Slapstick-Figur. Und man sieht das eigentlich so als Einladung, jetzt erstmal ordentlich auf die Slapstick-Kacke zu hauen. Und es gibt auch diese Slapstick-Szenen. Die gibt es. Aber die Animation ist dann, sie missbrauchen diese Art des Stils nicht, um eine Slapstick-Animation durchzuziehen, sondern die Figuren bewegen sich sehr realistisch durch die Welt. Und die Themen, die auch angeworfen werden, sind erstmal keine klassischen kindlichen Cartoon-Themen, sondern es sind ernste, erwachsene Themen. Es geht um einen Menschen, der das Gefühl hat, sein Leben verwirkt zu haben. Joe ist total deprimiert von seinem Leben. Er ist Lehrer, der Musik unterrichtet. Und seine Schüler sind nicht die Besten, wie es wahrscheinlich den meisten Mittelschullehrern so geht. Und er hatte Träume. Er wollte ein großer Musiker werden. Und er ist irgendwie so ein bisschen gefangen in diesem Leben. Und immer wieder, wenn er es versucht hat, ist es schiefgegangen. Und dann ist das seine letzte Chance. Oder für ihn das vom Gefühl her die letzte Chance.
Johannes Franke: Und dann stirbt er. Und dann stirbt er. Das war ein Moment in dem Film, wo ich dachte, was bin ich bei Game of Thrones, wo du nicht sicher sein kannst, dass alle Charaktere, die dir gerade lieb geworden sind, sterben? Was ist denn jetzt los? Weil ich wusste nicht, worum es geht. Ich habe mir das extra nicht angeschaut. Ach, du wusstest gar nichts? Genau. Du hattest sowas Kleines angeteasert und ich habe das aber dann auch wieder vergessen und habe dann irgendwie erst im Gucken einfach festgestellt, okay, es ist ein Afterlife-Theme. Und ich war total überrannt und habe gedacht, oh mein Gott, was passiert hier? Sie lassen die Hauptfigur sterben? Was ist denn los? Und es ist schon krass. Aber die stirbt auch in so einem Slapstick-Moment. Es geht noch. Also es ist nicht zu crazy.
Florian Bayer: Slapstick. Es ist aber traurig, weil der Slapstick-Moment, er stirbt, indem er in einen Gully fällt. Und er weicht vorher allen möglichen Todesarten aus. Offensichtlich ist ein Tag gekommen, es hat sowas Deterministisches. Dieser Mann wird jetzt sterben. Und dann fällt er in den Gully und das ist eigentlich so eine klassische Slapstick-Szene, aber die wird nicht mit dem Slapstick-Ton aufgelöst. Wir hören nicht den Aufprall. Und dann fällt in den Gully, Schnitt und dann sehen wir, wie seine Seele in das schwarze Nichts fällt.
Johannes Franke: Ja. Und selbst als diese Seele auftrifft, hören wir keinen Impact oder so, sondern es ist alles sehr weich aufgefangen und sehr, sehr, weiß ich nicht. Fluffig. Fluffig. Fluffig ist ein gutes Wort, ja.
Florian Bayer: Deswegen ist es auch so ein trauriger Moment, weil obwohl diese Slapstick-Szene angeteasert wird, wird sie nicht befriedigt. Und stattdessen sind wir einfach mal mit dem knallharten Fuck konfrontiert. So, du hast jetzt deinen Körper verloren. Du bist tot. Das war's. Und dann geht's nach oben, Richtung Jenseits, auf einer riesigen Rolltreppe, die durch das Universum, scheinbar durch das Universum zu dem hellen Licht führt.
Johannes Franke: Ein klassisches, klassisches Bild einfach.
Florian Bayer: Ein sehr klassisches Afterlife-Bild. Ja. Und da stehen dann diese ganzen Seelen und das sind natürlich fast alles alte Menschen, die auch irgendwie ganz zufrieden sind, sagen, ja, jetzt geht's nach oben. Und die sich wundern, warum er plötzlich in Panik gerät.
Johannes Franke: Er gerät total in Panik und versucht zurückzurennen. Und es ist auch wirklich, man fiebert voll mit ihm mit. Und man ist irgendwie nicht mehr, jetzt in dem Moment bin ich tatsächlich nicht mehr in so einem lustigen Pixar-Film. Also schon, jetzt verstehe ich sozusagen, was jetzt eigentlich los ist und brauche wirklich eine Weile, um dem Film zu vertrauen darin, dass der jetzt wirklich, die Figur wirklich tot ist quasi. Also, dass du wirklich diesem Erzählstrang folgen willst. Das musst du ja auch erstmal hinkriegen als Zuschauer, der nicht darauf vorbereitet war. Manu, ich fand's wirklich schwierig. Ich hab echt gedacht, oh mein Gott, was ist los?
Florian Bayer: Ich fand, die niedlichen Zeichnungen machen es ein bisschen leichter. Also, die niedlichen Animationen. Diese Seelen sind wirklich putzige Pixar-Figuren. Und wer sich an Inside Out erinnert, der wird, wer Inside Out noch ein Gedächtnis hat, der wird ein Aha-Erlebnis haben. So, ja stimmt, das macht Pixar. Genau. Die Seelen sind nämlich irgendwie so, wie du schon gesagt hast, fluffige, blaue Wesen, die auch aussehen wie ihre menschlichen Persona und sich auch irgendwie niedlich bewegen. Und das ist halt auch lustig, weil die Seelen, die sind keine Körper, denen kann nichts was anhaben. Wir sehen dann, wie Seelen von einem Stein erschlagen werden und da einfach wieder rauskommen und lachen. Das sind halt keine körperlichen Antitapen.
Johannes Franke: Übrigens finde ich sie wirklich auch sehr schön und sehr gut und sehr wohldurchdacht designt. Die haben ja dann am Rand immer noch so eine kleine Regenbogen-Aura, die so ein bisschen rauskommen. Ich fand, man sieht den Figuren einfach an, dass die, habe ich später herausgefunden, drei Jahre lang einfach durch Köpfe gegangen sind. Wow. Ja. Also, die haben da so viel rumprobiert und gemacht, auch was die Musik betrifft, die mir auch hilft, in der Situation nicht kopflos zu denken, oh mein Gott, ich muss ausmachen, es geht nicht, sondern zu sagen, man kann sich in diesem Jenseits erstmal wohlfühlen. Ja, die Musik ist fantastisch. Die ist wahnsinnig gut. Ich war total beeindruckt, weil sie genau das wohlige Gefühl, was ich glaube, was man dann am Ende, wenn man einfach das Leben dann aufgibt, weil man irgendwie, egal wie stark man gekämpft hat gegen Krebs oder sonst irgendwas, übermannte ich irgendwann dieses wohlige, was ich, zumindest wenn ich das lese, was ich so lese über den Tod, wenn man Angst davor hat zu sterben. Ja.
Florian Bayer: Und Sie haben ja auch wirklich das Who is Who der musikalischen Welt. Oh mein Gott.
Johannes Franke: Jean-Baptiste. Ja. Jean-Baptiste ist ein unglaublich, ich kenne ihn von Stephen Colbert. Ich gucke mir halt Stephen Colbert, diesen US-Late-Night-Talker, wahnsinnig viel und gerne an und bin jetzt erst, nicht nachdem ich den Film geguckt habe, aber erst irgendwie so vor ein paar Wochen darauf gestoßen, dass Jean-Baptiste ja irgendwie ganze Alben rausgebracht hat, neben seinem Job, da als Sidekick bei Stephen Colbert. Der hat viel gemacht und tolle Sachen gemacht, ich bin ganz begeistert, ich wusste es nicht, oh mein Gott, eine ganze Welt für mich neu erschlossen quasi, ganz toll. Ja, und er hat es wirklich toll gemacht, es ist auch sein erster Score, den er macht für einen Film und ja, er hatte wohl sehr viel Spaß.
Florian Bayer: Ja, und er ist nicht der Einzige, Sie haben daneben noch Trent Reznor und Atticus Ross, die aus einer komplett anderen Ecke kommen, das ist spannend. Weil John-Baptiste ist halt genau das lebendige, organische des Jazz und dann haben wir diese Elektronik-Künstler Trent Reznor und Atticus Ross, die ja eher für so sehr sterile, kalte Kompositionen stehen. Ich kannte die auf jeden Fall nicht vorher, kanntest du die vorher? Ja, Trent Reznor, Nine Inch Nails. Ach so, ja. Eine der Alternative-Industrial-Rock-Bands der 90er Jahre.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und der auch in die 2000er rein ganz viele verschiedene Musikprojekte gemacht hat, also hat glaube ich bis zum heutigen Tag Alben aufgenommen und hat aber unglaublich viele Scores komponiert. Und Reznor ist halt so ein Typ, alte Schule, Alternative-Rocker irgendwie so aus dem Dunstkreis von Merlin Manson und Deftones und so. Also in die Ecke habe ich den irgendwie mal so gepackt und da gehört er auch irgendwie rein. Der halt sehr kalten Industrial-Rock gemacht hat in der Zeit und diese kalten und sterilen Kompositionen, die sind auch in Soul immer mal wieder, kommen die durch. Es gibt diese Momente, wo sehr unterkühlt wirkt, musikalisch was passiert, auch gerade in den spannenden Momenten und es ist einfach eine tolle Ergänzung dazu, zu diesem lebendigen, warmen Score.
Johannes Franke: Das braucht es auch ganz dringend und ich finde diese, diese einzelnen, allein die einzelnen Töne, die sie für bestimmte Aktionen gefunden haben, dass einfach nur irgendwo, wenn jemand verschwindet, ein bestimmter Sound kommt, so gut, so gut getroffen.
Florian Bayer: Der Film hört sich unglaublich gut an. Ja. Also so ein bisschen wie, manchmal hat man das Gefühl, wie Produktdesigner teilweise an Produkte rangehen, es gibt so die befriedigenden Sounds bei bestimmter Software. Ja, genau sowas. Und der Film hat es auch irgendwie geschafft, mit bestimmten, immer sich wiederholenden Sounds ein Gefühl des Zuhauses zu schaffen. Man weiß sehr schnell, wo man ist, einfach durch die Geräuschkulisse.
Johannes Franke: Ja, und man fühlt sich sofort wohl in dieser Welt, in der er dann landet, nachdem er sich da nämlich versucht, von diesem Ding da runter zu, also nicht in Richtung Licht zu laufen, sondern eben das Gegenteil zu tun, fällt er von dieser Rolltreppe runter und landet. Und wenn er da runterfällt, also hast du das im Kopf, diese Animationen, die sie da machen? Er fällt da in Schwarz-Weiß und Strings und weiß nicht, durch so, Kubistisch ist zu viel gesagt, aber so, weiß nicht, so transzendentales Zeug. Ach, psychedelic, dachte ich vor allem. Ich glaube, ich habe psychedelisch notiert, großartig. Wirklich gut gemacht und jedes Bild wohl überlegt und wunderschön gemacht und nicht zu angsteinflößend, aber auch nicht zu soft.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Irgendwie richtig, genau das Richtige.
Florian Bayer: Und da sitzt übrigens auch der Titel, das fand ich auch total toll, der Film startet ja direkt rein ins Geschehen. Stimmt, ja. Und dann haben wir den Titel, haben wir nach dem Tod. Das habe ich gar nicht mehr Erinnerung, aber du hast recht, ja. Voll gut. Gut, einfach, ich mag das ja, es gibt ja diesen Trend, der langsam wieder so ein bisschen auffällt, habe ich das Gefühl, komplett auf jedes Intro zu verzichten. Keine Titel, kein Vorspann, nichts.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Also das ist in den letzten Jahren, gerade bei den großen Hollywood-Filmen auch, ist es wirklich zum Trend geworden, alles ans Ende zu packen und dann am Schluss den Titel einmal einzublenden. Wirklich, wenn das letzte bisschen vom Abspann gelaufen ist. Und deswegen freue ich mich immer, wenn ich mal so ein kleines Intro habe und wenn es auch nur so eine Ahnung von einem Intro ist. Und das ist ja in dem Fall auch nichts mehr, es ist wirklich nur der Titel, der eingeblendet wird. Aber es ist toll. Wir haben wirklich klassisch einen Epilog, Titel wird eingeblendet und wir kommen zum ersten Akt, in dem wir dann diese Jenseitswelt kennenlernen. Fred Astaire wäre schockiert.
Johannes Franke: Wenn nicht vorher wenigstens alle einmal erwähnt werden. Das ist so, weil das ist auch das, weswegen sich so lange dagegen gewehrt wurde, das ans Ende zu packen, weil es ging immer darum, dass alle gedacht haben, ja aber wenn der Film zu Ende ist, da guckt doch keiner mehr hin. Das interessiert doch einfach keinen, wer da dabei war. Also müssen wir das Schöne am Anfang alles zeigen und alle sind wichtig und alle wollen genannt werden. Und das ist auch richtig so, dass alle genannt werden und alle irgendwie gewürdigt werden. Aber naja, dann muss man das eben anders machen, indem man so After-Credits-Scenes macht.
Florian Bayer: Ja, aber wer liest die Namen, ganz ehrlich, egal ob im Intro oder im Abspann. Also spätestens, wenn es um Star Wars, spätestens wenn es um so wichtige Rollen geht wie Gaffa oder so, merkst du dir die Namen?
Johannes Franke: Ich merke die mir nicht, aber ich habe das Gefühl, ich bin wirklich immer der Letzte im Kino. Ich sitze ewig da und gucke mir das alles an, weil ich einfach denke, die haben alle scheiß viel Arbeit da reingesteckt. Und das ist einfach wichtig und die brauchen alle ihre Würdigung. Das braucht es einfach. Das finde ich so wichtig wie du, wichtig finde ich, dass man keine zwei Minuten später ins Kino geht.
Florian Bayer: Ob ich im Kino sitzen bleibe, es hängt davon ab, wie gut der Film war. Je besser der Film war, umso länger bleibe ich am Ende sitzen. Das stimmt, ja. Und wenn mich ein Film gelangweilt hat, stürme ich eher raus nach dem Abspann. Im Abspann.
Johannes Franke: Das ist so nach dem Motto, ihr in den Credits da, ihr habt einen Scheißjob gemacht, ich hau jetzt ab.
Florian Bayer: Man kann die Credits ja gar nicht lesen, die sind komplett klar eingedruckt. Dazu reicht meine Sehkraft definitiv nicht aus.
Johannes Franke: Okay, okay. Ja, aber mich nervt das immer, wenn alle sofort aufspringen und wegrennen.
Florian Bayer: Wenn mir der Film gefallen hat, nervt es mich auch.
Johannes Franke: Ja, gut. Okay, ja und dann kommt er da in dieser Welt an, in der Welt vor dem Leben, dem Great Before, was ich eine ganz tolle Erfindung finde. Und dann, ja, wird er irgendwie als Mentor missverstanden und kommt mit 22 zusammen.
Florian Bayer: Über diese Welt müssen wir kurz reden. Lass uns darüber reden, ja. Das war der erste Moment, wo ich dachte, ah ja, wo der Film ein bisschen an Qualität eingebüßt hat. Ja, warum? Pixar ist für mich auch deswegen so stark, weil sie es wirklich schaffen, einfache Welten zu erzählen und diese Welten sehr schnell sehr klar zu machen. Die Regeln sehr klar zu machen, ganz klares Ruleset und du kriegst es präsentiert innerhalb von einer Minute und du weißt, wie die Welt funktioniert. Und du kannst dich in dieser Welt orientieren. Und ich fand die Welt, die sie in Soul aufmachen, so ein bisschen konvolut, so ein bisschen zu verschnörkelt, ein bisschen zu kompliziert. Also nicht in dem Sinne, dass ich die Welt nicht verstanden habe, sondern eher, dass ich dachte, na, okay, und wie funktioniert, wie sind normalerweise die Abläufe? Wie kommt jemand aus dem Himmel da normalerweise hin? Gibt es da Rekrutierung? Weil er wird ja für einen Mentor gehalten. Also es gibt diese Mentoren, die früher gelebt haben und die den jungen Seelen, die noch nicht geboren wurden, helfen, ihren Funken zu finden oder ihre Lust zu leben. Das ist der Grundblot, das ist die Welt, die da aufgebaut wird. Es gibt dieses Great Before, da sind die Seelen, die noch nicht geboren wurden und die sollen fürs Leben begeistert werden. Und wenn sie sich fürs Leben begeistern, dann kriegen sie ihr Abzeichen und dann dürfen sie runterspringen auf die Erde und können leben und landen in irgendeinem Körper. Und es gibt diese Mentoren aus dem Afterlife und er wird für einen dieser Mentoren gehalten. Und er denkt sich dann natürlich, ja, das kann ich ja ausnutzen. Ich helfe einfach einer Seele, ihren Funken zu finden und dann klaue ich ihr dieses Erdenticket und dann springe ich einfach runter und dann kann ich wieder in meinem Körper landen. Und ich finde die Idee grundsätzlich nicht schlecht. Ich hatte das Gefühl, man hätte das alles ein bisschen zusammenkürzen können, die Welt ein bisschen komprimierter machen, ein bisschen schlüssiger. Es geht auch nicht darum, dass ich sage, das ist komplett konfus und das macht keine Freude, aber es ist so eine Ecke zu viel gedacht. Ein bisschen Komplexitätsreduktion hätte dem Film in dem Moment gut getan. Ich kann auch nicht mal sagen, an welchem Punkt, was ich rauslassen würde. Aber ich fand, das waren zwei, drei Sprünge in der Narration zu viel in diesem Weltenaufbau.
Johannes Franke: Aber hattest du das Gefühl, dass dir sozusagen zu schnell und zu kurzer Zeit erklärt werden will, wie die Welt funktioniert? Oder ist die Welt an sich wirklich insgesamt zu komplex?
Florian Bayer: Ich fand sie zu überladen, tatsächlich insgesamt. Und mir haben sich einfach Fragen ergeben, die der Film nicht beantwortet und die für mich einfach so im Raum schweben geblieben sind. Also zum Beispiel, wie kommen diese Mentoren in die Welt? Wie funktioniert das, wenn Menschen aus dem Diesseits mit dem Jenseits kommunizieren? Das wird nämlich später auch noch erzählt, dass das möglich ist, wenn man in so einem Trance-Zustand ist, dass man dann mit dem Jenseits kommunizieren kann. Wie funktioniert das, dass diese Seelen, die dann im Jenseits sind, sich an das Diesseits erinnern, während andere Seelen jegliche Erinnerungen an das Jenseits verlieren? Ich fand, es war einfach, es gab so, wenn man drüber nachgedacht hat, hat sich so ein Berg an Fragen ergeben, wo die Antworten teilweise keinen Sinn machen oder wo einfach Paradoxien entstehen. Und bei anderen Pixar-Filmen, wie gesagt, ich kann nur nochmal Inside Out als Leuchtturm nennen, war die Welt viel einfacher gestaltet und es war viel schneller klar. Wir haben hier, so funktioniert das jetzt und das sind die Regeln und ihr braucht euch jetzt eigentlich keine Gedanken mehr zu machen, weil es ist alles klar dabei. Ich glaube, das Hauptproblem dabei ist, dass es keine Stringenz darin gibt, wie das Jenseits mit dem Diesseits verknüpft ist. Es ist konfus miteinander verknüpft, weil es gibt diese Seelen, die in die Körper gehen und die sich dann nicht mehr an ihr Seelenleben erinnern können. Und es gibt die Seelen von den Leuten, die tot sind und offensichtlich vom Jenseits in dieses Great Before gehen können, um als Mentoren zu arbeiten. Und dann gibt es noch die Seelen von den Lebenden, wo die Lebenden sich aber daran erinnern können, was sie als Seele erlebt haben, wenn sie in ihrem Trance-Zustand, in diesem Jenseits gelandet sind. Das war mir einfach zu viel, da fehlte das Kohärente, das das schlüssig macht.
Johannes Franke: Okay, also dir ist es dann innerhalb der Welt selbst ein zu großer Suspension of disbelief, also dass du das Gefühl hast, jetzt kommt hier noch was dazu, was sich nicht gut genug einfügt, dass ich es nicht in Frage stelle.
Florian Bayer: Ja, zu viele potenzielle Logiklöcher, zu viele potenzielle Plotholes und wie gesagt, ich finde den Film gut, er hat mir wirklich gut gefallen, aber das hat mich gestört und das hat auch, dass es dann latent auch die ganze Zeit stehen geblieben, auch später, wenn die Geschichte dann Weiterfahrt aufnimmt, wenn es wieder ins Diesseits geht und immer wieder diese Verknüpfung von Diesseits und Jenseits sind. Und sie sind einfach nicht plausibel, weil sie keine klare Linie fahren. Okay.
Johannes Franke: Okay, ich verstehe das Problem. Das passiert ja auch immer wieder, dass du dann, dann bist du bei den Seelen oder bei den verlorenen Seelen und fragst dich, wie ist die Verbindung jetzt noch gleich, wie funktioniert das tatsächlich? Aber für mich ist wie bei, wie letzte Woche, bei Terry Gilliam. Ja. Der Film nimmt mich einfach an die Hand und rennt los, ich renne halt einfach hinterher. Ja. Ich stelle dann sozusagen nicht zu viele Fragen, worauf der Film wahrscheinlich spekuliert hat.
Florian Bayer: Ja, also es ist ja auch, ich kann das auch teilweise und ich weiß, es ist wahrscheinlich schwer zu sagen, weil man das kann bei einem Film, wann nicht, also wann er die richtigen Sinne kitzelt und wann es ihm nicht ganz gelingt, weil es gibt ja auch Filme, die ich mag, die irgendwie eigentlich komplett unlogisch sind und die ganz viele Plausibilitätsprobleme haben, aber bei denen es mich nicht so stört. Und das ist halt wieder ein Film, wo es mich nicht doll stört, aber zumindest so sehr, dass ich daran denken musste, während ich den Film geguckt habe und das hat natürlich so ein bisschen den Genuss abgeschwächt.
Johannes Franke: Ja, das ist eine steile und sehr unbeliebte These. Ich glaube, es ist tagesformabhängig. Kann ich mir vorstellen, ja. Ja, du kommst in einen Film rein, hast ein bestimmtes Mindset, kommst da rein und wenn dich der Film an bestimmten Stellen nicht aus deinem Mindset mitzieht, was du mitbringst, ne, und das hat ja jeder anders und jeder hat an einer anderen Stelle im Film den Moment, wo er dann nochmal, weiß ich nicht, auf Toilette muss oder sowas, solche ganz banalen Sachen, ne, und dann, wenn dich der Film dann nicht packt, dann fängst du an, drüber nachzudenken und sobald du anfängst, drüber nachzudenken, hast du immer wieder diese Stimme hinter dem Kopf, die sagt, irgendwas stimmt nicht.
Florian Bayer: Ja, kauf ich ja sofort ab. Ich glaube, es spielt auch eine große Rolle, wie viel man vorher schon über den Film weiß. Also ich wusste offensichtlich mehr als du über den Film vorher. Ich wusste, dass es um eine Jenseitsgeschichte geht, ich wusste, dass es irgendwie was mit Seelen zu tun hat, die geboren werden sollen. Also ich wusste so die klassische Rezensionszusammenfassung, die man irgendwo gelesen hat, wo der erste Akt erzählt wird und dann der zweite Akt mit so einem Fragezeichen angeteasert wird. Okay. Und dann wusste ich vielleicht auch schon ein bisschen zu viel Story und wenn man nicht so viel weiß, lässt man sich eher mitreißen, weil man wirklich sich erst orientieren muss und denken muss, wow, wir sind jetzt wirklich im Jenseits. Das hätte ich nicht gedacht, dass der Film im Jenseits spielt, was soll das? Ja, genau. Tatsächlich hat der Film es dann geschafft, mich zu überraschen, dass er im zweiten Akt aus diesem Jenseits rauskommt und tatsächlich zu einer klassischen Bodyswitch-Komödie wird. Da war ich überhaupt nicht drauf vorbereitet. Darauf war ich auch nicht vorbereitet.
Johannes Franke: Ich habe echt, echt zehn Minuten oder so die ganze Zeit gedacht, oh mein Gott, wo will dieser Film hin? Wie schafft er das jetzt? Wo, wo, wo, wo, was? Wo bin ich? Das war echt krass.
Florian Bayer: Ich habe das nicht gedacht. Und da hatte er mich dann auch wieder. Schön. Einfach, weil es eine Überraschung war. Ich dachte, jetzt haben sie die Welt gesetzt und jetzt findet das alles in diesem Jenseits statt und das Jenseits ist groß, da gibt es genug zu erzählen, damit kann man anderthalb Stunden einen Film füllen. Ja. Und dann machen sie das aber nicht, dann unterlaufen sie das. Das war eine gute Entscheidung. Ja.
Johannes Franke: Voll schön. Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet und plötzlich ist die Katze, der ist Joe und in Joe ist 22. Was ich sehr schön fand. Also da kommt dann auch wieder dieses ganze Slapstick und die ganzen Albernheiten zum Tragen und so, die ich wirklich sehr schön finde, die ich an Pixar sehr schätze. Dieses Losrennen und Stolpern und Machen. Ja. Ganz toll.
Florian Bayer: Definitiv.
Johannes Franke: Das macht viel Spaß. Die, die, die auch ganz toll, Pixar bedient sich oft bei so Saturday Night Live Leuten, so Comedians aus der, aus der Ecke und sie, das ist wohl ihr erster Pixar Film. Ah. Und sie war auch ganz aufgeregt und hatte echt viel Spaß anscheinend. Es gibt, ich muss das kurz mal sagen, für die Leute, die es interessiert auf Spotify, gibt es eine ganz tolle Serie von kleinen Interviews mit den Leuten, die das gemacht haben, die diesen Film gemacht haben. Unter anderem eben mit Tina Fey und mit den anderen Schauspielern und mit dem auch wirklich großartigen Jamie Foxx. Jamie Foxx. Ja, fantastisch. Der es unglaublich gut macht. Ja. Und mit dem, mit Jean-Baptiste und den anderen Musikern und einer ganz wunderbaren Frau, die sie immer als Consultant quasi da hatten. Die, ähm, eine ältere schwarze Frau, die einfach immer wieder gesagt hat, das ist ein gutes Thema, da kann man noch ein bisschen mehr rein. Jazz, die hat, die hat zum Beispiel den Satz geprägt, der im Film dann vorkommt, äh, Jazz zu definieren als Black Improvisational Music. Also, um wirklich den Ursprung von Jazz nochmal zu, zu klären, redet sie oft, wenn sie von Jazz redet, von Black Improvisational Music, was ich, was ich sehr schön finde, weil man, weil man damit so ein bisschen Ownership, aber eben auch das nach draußen gibt. Also, irgendwie finde ich diese, diese Kombination, sie redet auch ganz liebevoll von, von dieser ganzen Sache und sagt, das ist so schön, weil, weil Jazz eines der großen Geschenke der schwarzen Community an die Welt ist.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und es ist einfach ein ganz tolles Gefühl und ein toller Gedanke.
Florian Bayer: Das Spannende an Jazz ist ja wirklich, dass es so viele Variationen gibt und dieses, dieses Improvisieren ist ja auch nur eine Variation von Jazz. Also, es gibt ja auch wirklich Jazz-Formen, die sehr durchkomponiert sind und eine sehr klare Linie haben. Und das, das mag ich, eigentlich ist es total dreist, so über Jazz zu reden, weil, das ist so, wie wenn wir sagen würden, Rock. Es gibt so viele Variationen davon, von, von, ähm, Cool-Jazz über Free-Jazz, über Asset-Jazz und Fusion und was weiß ich. Und ich kenne mich viel zu wenig damit aus, deswegen kann ich viel zu wenig darüber sagen. Wir sollten eigentlich eine Top-3-Jazz-Künstler machen. Ach, verdammt. Dann, dann müsste ich wirklich lange überlegen. Ja. Aber um eine Sache zu sagen, eine meiner Jazz-Entdeckungen der letzten Jahre. Was denn? Weil du, weil du, ähm, gesagt hast, dass Jean-Partiste eine deiner Entdeckungen ist. John Larkin. Okay, musst du mir schicken, ich hab keine Ahnung. Bekannt und hierzulande bekannt unter dem Namen Skatman John. Nein. Der, nein. Der Dance-Künstler aus den 90ern, arme Skatman. Oh mein Gott. Dieser Typ. Ja. Er war wirklich ein legit Jazz-Pianist. Oh mein Gott. Der großartigen Jazz gemacht hat. Wow. Und der in Europa halt versucht hat, Erfolg zu finden. Und der war halt Mitte 40, nenne ich sogar schon 50, als er als Skatman John Erfolg hatte. Und seine Plattenfirma hat gesagt, ey, da bei den jungen Leuten ist Dance total angesagt. Lass uns doch mal einfach versuchen, was Neues auszuprobieren. Und der war so, ey, klar, natürlich, warum nicht? Und hat dann halt dieses Dance-Album aufgenommen, was ihn so bekannt gemacht hat, als Skatman John, als stotternder, Skat-singender Freak mit Hut und Anzug. Aber sowohl diesen signifikanten, diesen Skatgesang, als auch diesen Charakter, den hat er eigentlich schon vorher verkörpert. Und er war ein ganz toller Jazz-Pianist. Es gibt super Sachen von ihm. Es lohnt sich, da reinzugucken. Er kann total krass Piano spielen. Wow. Er kann total toll singen. Und das Witzigste ist, er hat Sachen, die er damals als klassischer Jazz-Pianist gemacht hat, hat er teilweise in diesen Skatman John einfließen lassen. Das heißt, man findet, wenn man die Skatman John-Lieder hört, die ja wirklich schon Eurotrash sind, aber wahrscheinlich eher von der besseren Sorte, findet man immer wieder Referenzen auf diesen traditionellen Jazz, den er gemacht hat. John Larkin, hört ihn euch an. Oh, wow.
Johannes Franke: Okay. Ja, da fällt mir Herbie Hancock ein, der ja auch große Inspiration für diesen Film war. Ja. Der wirklich auch die, also die Galleonsfigur im Grunde für die Produktion im Vorfeld war, der auch im Hip-Hop ein ganz großer Name ist anscheinend. Ich weiß aber nicht, warum. Es wurde nur immer wieder in diesen Spotify-Interviews immer wieder erwähnt und ich habe es nie so richtig verstanden, was der alles gemacht hat. Herbie Hancock, der scheint irgendwie im Hip-Hop ein ganz großer Name zu sein. Oh, krass. Okay.
Florian Bayer: Also das muss ich mir unbedingt mal reinziehen, was der noch alles gemacht hat. Notiz für Johannes, Notiz für mich und Notiz für alle Zuhörerinnen. Hört euch mehr Jazz an. Genau. Und beschäftigt euch mehr damit.
Johannes Franke: Und schickt uns eine Mail, was ihr alles so an Entdeckungen habt. Würde mich sehr interessieren.
Florian Bayer: Ja, ich bin genau, ich bin so in die Jazz-Welt und Jazz-Geschichte nie so reingekommen, deswegen kann ich immer nur so einzelne Punkte nennen. Und ich mag Miles Davis, Kind of Blue, aber ich habe es halt auch nur gehört, weil es als Klassiker des Genres gilt. Und dann habe ich es oft genug gehört, dass ich es total toll finde.
Johannes Franke: Tja.
Florian Bayer: Und ich finde so einige Free-Jazz-Sachen ganz spannend, Sunra zum Beispiel, aber ich könnte keine Geschichte des Jazz erzählen. Ich weiß nicht, was auf was folgt, wann Bebop und wann Cool-Jazz. Keine Ahnung. Das und das war, aber ich weiß, dass ich ganz oft, wenn ich Jazz höre, mag ich es einfach.
Johannes Franke: Ich habe eine ganz tolle Jazz-König, das muss ich vielleicht jetzt erzählen. Oh, wir reden schon recht lange, aber ich muss diese Geschichte. Ich war Kind. Und ich musste schon als Kind unbedingt alles anders machen als alle anderen. Und alles andere mögen als alle anderen. Und ich musste Jazz mögen. Ich hatte keine Ahnung, was Jazz ist, aber Jazz klang so, als wäre es. Habe ich das meiner Oma gegenüber erwähnt? Ich weiß nicht, warum ich auf diese Idee gekommen bin. Und meine Oma hat viel am Theater gearbeitet und kannte ganz viele Künstler und hat irgendwie gesagt, ach, dann lass uns doch mal zu diesem Jazz-Konzert gehen. Und es war richtig, also aus meiner Erinnerung war es richtig fieser Free-Jazz. Und ich saß dann mit meiner Oma in diesem Saal, in diesem kleinen Saal von irgendeinem Konzernthalle, so einen Vorraum oder sowas, wo sie das gemacht haben, wo nur so zwei Dutzend Leute saßen, Maximum. Vielleicht auch nur ein Dutzend. Wo war das? In Leipzig? In Rostock war das. Rostock. Und ich als Kind, keine Ahnung von nix, nie wirklich Jazz gehört, aber immer so, ja, Jazz. Und dann kriege ich das zu hören und bin irgendwas zwischen begeistert und verstört. Und danach, ich konnte es gar nicht verarbeiten, was ich da gehört habe, fragt mich meine Oma, und wie war's? Und mir fällt da halt nichts anderes an, als einfach nur zu sagen, ja, ganz großartig, aber ich habe überhaupt nicht verstanden, was ich da gehört habe. Und das ist meine erste Erfahrung mit Jazz und ich werde Jazz allein deswegen immer lieben, weil es mich als Junge verstört hat, auf eine ganz besondere Art und Weise.
Florian Bayer: Ist das schön? Oh Mann. Ich weiß gar nicht, wann ich das erste Mal mit Jazz in Berührung gekommen bin. Wahrscheinlich sehr spät. Wahrscheinlich in meiner Jugend dann. Und auch so nebenbei. Das Problem ist ja, dass tatsächlich Jazz ganz viel kaputt gemacht wurde, dadurch, dass es so als Fahrstuhlmusik neu interpretiert wurde. Ja. Dass es diesen ganzen Lounge-Jazz gibt, der einfach so Kaffee der Marke, der halt einfach so im Hintergrund vor sich hindudelt.
Johannes Franke: Wohl der auch schön ist, aber das ist nicht der Jazz, den ich meine, wenn ich sage, ich liebe Jazz. Also ich liebe auch Jamie Cullum, was mit Medellin Gardot zusammen irgendwie so die Einsteiger-Jazz-Sachen sind, weil die sehr poppig sind, liebe ich sehr. Aber ansonsten, muss ich gestehen, mache ich bei Spotify einfach die irgendeine Liste an und dann wird mir halt irgendwas gegeben und dann kümmere ich mich nicht so richtig darum, wer es eigentlich ist und so. Das ist ein bisschen schade.
Florian Bayer: Ich mag keine Spotify-Listen, weil ich gerne die Alben höre, weil ich immer denke, ah man, ich will das nicht auseinanderhalten, was die Künstler komponiert haben. Du hast vollkommen recht eigentlich, ja, ja, ja, du hast eigentlich recht. Und wenn ich Jazz höre, höre ich ganz schrecklich kanonorientiert, weil ich, wie gesagt, viel zu wenig Ahnung davon habe. Und dann höre ich halt wirklich so die großen, bekannten Sachen, die auf jeder Liste ganz oben stehen. Und das ist dann, das geht dann halt meistens nicht über Miles Davis und Onet Coleman hinaus. Das sind halt so die Sachen, die jeder kennt. Was auch ein bisschen schade ist, weil dadurch geht einem natürlich viel durch die Lappen, logischerweise. Ja.
Johannes Franke: Wollen wir zum Film zurückkehren? Ja. 22 wird jetzt versucht von Joe irgendwie mit dem Spark, also der Spark soll kommen, damit 22 endlich diese letzte Batch bekommt, damit Joe wieder zurück kann. Und 22 ist großartig. Alles, alles, oh, gucken, mäh, alles scheiße.
Florian Bayer: Es gibt diese fantastische Szene, in der gezeigt wird, wie sie mit ihren früheren Mentoren umgegangen ist. Das ist ein Zusammenschnitt. Da gibt es die ganzen Cameos von Mutter Teresa über Sokrates. Ich weiß gar nicht, wer alles dabei ist. Ich weiß es nicht mehr, aber großartig. Die ganzen großen Menschen, die wirklich große Dinge getan haben und viel erlebt haben in ihrem Leben, die sie irgendwie versuchen, für das Leben zu begeistern. Und voll scheitern. Und alle aufgeben. Weil sie einfach, sie hat einfach keinen Bock drauf. Warum auch. Sie will einfach das Leben überspringen. Das ist doch nur nervig. Genau.
Johannes Franke: Und dort, wo sie jetzt ist, kennt sie sich aus und weiß, wie was läuft. Und ist doch okay. Ja, und dann stellen wir aber fest, dass sie natürlich vorher kein Geruch, kein Geschmack, das alles, was so im Leben eigentlich so ein paar Sachen lebenswert macht. Ja, das gibt auch so die ein oder andere Sache. Das gibt es alles nicht. Und wir wissen als Zuschauer also, was sie verpasst. Und das ist, man fiebert dann schon mit.
Florian Bayer: Ja, es ist auch wirklich traurig. Also am Anfang wird sie als komische Figur inszeniert. Aber natürlich bekommt sie ihre tragische Hintergrundgeschichte. Und die ist dann auch wirklich traurig. Es gibt einfach Gründe, warum sie Angst vor dem Leben hat. Oder warum sie keine Lust auf das Leben hat. Und vor allem, warum sie ihren Spark nicht findet. Und das liegt einfach daran, dass sie die ganze Zeit niedergemacht wurde von Leuten, die gedacht haben, der Funke, der dich zum Leben bringt, das muss deine Bestimmung sein. Du musst diese eine Sache finden, die du unbedingt willst.
Johannes Franke: Und dann stellt der Film fest, und das finde ich ganz, ganz, ganz, ganz, ganz toll. Dein Spark kann auch einfach nur sein, das Leben an sich toll zu finden. Und einfach nur mit allen Sinnen zu erleben und da zu sein. Das ist sowieso was, was ja so vielen Menschen Probleme bereitet, wenn sie älter werden. Dass man irgendwann das Gefühl hat, ich bin gar nicht mehr in der Lage, alles zu genießen. Diese ganzen Manager-Retreats und so, die kommen ja zustande, weil du so befordert bist von allem, was du machen musst angeblich. Und kriegst es irgendwie nicht mehr hin, zu alles das, alle die kleinen Sachen, die du eigentlich als Kind so toll fandest, zu genießen.
Florian Bayer: Für den Moment zu leben. Diese eine kleine Sache, die einfach faszinierend ist, die tanzende Plastiktüte bei American Beauty. Genau, ganz genau. Und in diesem Fall ist es eben so ein Ahorn. Ich habe extra die Plastiktüte genannt, weil ich nicht genau weiß, was das ist. Ich weiß nicht die Bezeichnung dafür. Ein Propeller. Hier ein natürlicher Propeller. Ah, wie geil. Okay, Flo, google das mal. Wie heißen diese Dinger? Und ich weiß, Bella findet die auch ganz toll. Oh mein Gott, wir müssen das rausschneiden, das ist so peinlich. Ich heiße, wie heißen diese Samen? Da, gute Frage, Nett. Hast du jetzt, wie heißen diese Samen eingegeben? Nein, nein, das habe ich gefunden. Ahorn, Linde, nein, verdammt, Werbung. Das ist so schrecklich, ich will diese Werbung jetzt nicht gucken, aber ich muss sie gucken, weil gute Frage, Nett, einen harten Blog hat. Geil. Und das Schlimmste ist, ich bin dafür verantwortlich. So, jetzt. Auf geht's. Ahorn, Linde. Ahorn. Ich habe ich Ahorn gesagt. Du hast Ahorn gesagt. Oh mein Gott. Unser Naturexperte. Danke, Johannes. Wie krass ist das denn? Es ist mir immer so peinlich, wenn ich mit meinem Kind unterwegs bin und er sagt, Papa, wie heißt das? Und dann hole ich mein Handy raus und ganz schnell und google. Und es gibt ja dieses tolle Google-Lands, wo man dann ein Foto von einer Blüte machen kann und dann wird einmal die Suchmaschine angeworfen und dann werden die richtigen Bilder gefunden. Toll. Aber es ist ziemlich peinlich, weil ich erinnere mich daran, dass ich mit meinem Vater oder meinem Onkel in der Natur unterwegs war und die halt immer waren, Birke, Ahorn, Linde.
Johannes Franke: Weißt du, was für Bücher die dabei hatten, um dir das erzählen zu können?
Florian Bayer: Ja. Als Kind übersieht man sowas. Einen Rucksack voll wahrscheinlich. Genau, die Ahornsamen, die so wie kleine Propeller aussehen. Genau. Und sie sind wirklich einfach so ein schönes Bild dafür, was so einfach schön ist am Leben. Genau.
Johannes Franke: Und da gibt es eine ganz tolle Stelle, wo 22 aber schon im Körper von Joe ist und dann einfach verzweifelt und nicht weiß, was ihr Spark sein soll. Und dann guckt sie aber in diese Welt, die so ganz toll ist, die sie tatsächlich lieben lernt. Und das ist einfach ein wunderschöner Moment. Und Joe hebt dann dieses Ahorn-Ding auf, was dann später nochmal zum Tragen kommt.
Florian Bayer: Ja. Ja, ist das schön, dieser Bodysuit, das funktioniert so gut. Also, wie gesagt, 22 und Joe schaffen es tatsächlich, mit Leuten Kontakt aufzunehmen, die im Jenseits sind, weil sie sich in so einen Trance-Zustand bringen. Es gibt da so einen Schilddreher.
Johannes Franke: Das ist so eine großartige Erfindung.
Florian Bayer: Eine laufende Werbefigur.
Johannes Franke: Ein Typ, den man, wenn man im Alltag so in Berlin passiert, ist ja genauso wie in New York. Du kommst an Leuten vorbei, langhaarig, zottelig, vielleicht ein bisschen ungewaschen und du denkst, okay, der lebt in einer anderen Welt. Und der lebt in einer anderen Welt tatsächlich, nämlich in der Zwischenwelt zwischen diesem Great Beyond, Great Before und dem Diesseits, was ich sehr, sehr spannend finde.
Florian Bayer: Und der hilft ihnen dann zurück auf die Erde zu kommen, nur geht das leider schief. Sie fallen beide auf die Erde und 22 landet im Körper von Joe und Joe landet im Körper von einer Katze, einer Therapie-Katze, die da sitzt. Eine Therapie-Katze für den Komapatienten. Das war übrigens auch nicht so ganz klar. Also offensichtlich wird er wiederbelebt in diesem Moment, war er doch nicht ganz tot.
Johannes Franke: Ja, naja, er liegt anscheinend im Krankenhaus. Also, ja, das ist wieder so eine Lücke, ne, ist er jetzt tot oder nicht? Also, das Leben hat anscheinend beschlossen, dass er tot ist, weil sonst wäre er ja nicht in Richtung Jenseits gegangen. Aber das Krankenhaus hat noch nicht verstanden, dass er tot ist.
Florian Bayer: Ignorieren wir das. Wir kommen nämlich zum tollen zweiten Akt, wo wir einfach diese Body-Switch-Komödie erleben, wo Joe im Körper der Katze unterwegs ist, 22 im Körper Joes. Und Joe will natürlich so schnell wie möglich das irgendwie rückgängig machen, weil er hat abends diesen Gig, diesen tollen Gig, dass sein Lebenstraum schlechthin, ne? Und 22 will auch so schnell wie möglich raus, zumindest am Anfang, weil sie sich überhaupt nicht wohlfühlten im Körper. Das ist auch voll ungewohnt für sie, so Beine zu bewegen, Arme zu bewegen.
Johannes Franke: Da kommt Pixar voll in seine, also Slapstick schlechthin, ganz großartig.
Florian Bayer: Aber dann fängt 22 auch an, Gefallen zu finden, zum Beispiel an der Pizza, die sie von Joe kriegt, weil die verdammt gut schmeckt.
Johannes Franke: Was übrigens sehr süß ist, weil die Katze, also die Therapie-Katze, also Joe, die Pizza klaut und dann sehen wir, wie die Pizza die Straße entlang zerrt und von der anderen Seite kommt eine Ratte und zieht auch gerade so ein Pizzastück, kurzes Angucken, Schweigen, okay, und dann geht's weiter von ihnen, sehr schöne Situation. Das ist eine typische New Yorker Sache, ne? Das sind irgendwie ein Haufen Ratten überall und irgendwie Zeug klauen. Naja, und was ich auch ganz, ganz wunderschön finde, dann in diesem, wie sich's entwickelt, du hast dieses, diese Schülerin von Joe. Ja. Und ich find's sehr schön, dass sie nicht diese Schülerin als großes Wunderkind inszeniert haben oder sowas, was ja oft irgendwie gemacht wird. Oh, guck mal, und dann hat der Lehrer, der Musiklehrer eine tolle Schülerin oder Schüler, der besonders, die besonders, also eigentlich ein Genie in ihm oder ihr schlummert. Aber nein, sie machen einfach nur dieses, diese Begeisterung für Musik in einem, in einem Kind.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und diese, diese Verzweiflung, dieses Kind, das dann klopft und sagt, ich hör auf, ich will nicht mehr, ich, das ist alles scheiße. Das ist so süß.
Florian Bayer: Sie will eigentlich nur überzeugt werden, dass sie weiter machen soll. Das ist wirklich schön. Und dann 22 im Körper von Joe. Oh, super, gute Entscheidung, du hast das verstanden. Hey, die ist voll cool. Weil sie auf diesen Zynismus des Teenagers natürlich voll abfährt. Ja.
Johannes Franke: Ganz großartig. Und dann feststellt, oh mein Gott, die kann wirklich was und die will wirklich was und die, die hat richtig, da ist richtig Leben drin, wenn die spielt. Und, und es irgendwie, die Szene sich so schön entwickelt und das Kind am Ende sagt, oh
Florian Bayer: danke, ja, natürlich mache ich weiter. Bis nächste Woche. Und zweite tolle Szene, zweite tolle emotionale Szene im Friseursalon. Oh, ja. Muss ich dir haarschneiden? Also 22, die im Körper von Joe ist. Und er versucht das dann als Katze und das geht natürlich schief, wenn eine Katze einfach keinen Rasierer bedienen kann. Und dann müssen sie ganz schnell in den Friseursalon, wo Joe Stammkunde ist, zu einem Meisterfriseur, der das dann auch direkt den Notfall sieht und dann 22 im Körper von Joe direkt auf den Stuhl setzt und anfängt zu rasieren und sie unterhalten sich. Und normalerweise unterhält sich Joe mit diesem Friseur immer nur über Jazz und 22 erzählt vom Jenseits.
Johannes Franke: Und das ist ein großartiger Überbau, so ein philosophisches Gespräch, was sich dadurch entwickelt, von einer Metapher in die nächste, die eigentlich gar keine Metapher war, sondern die eigentlich nur eine Beschreibung des Jenseits ist und alle dann irgendwie an seinen Lippen, also ihren Lippen hängen. Was ist ganz großartig. Ich weiß nicht, es hat sich ganz toll entwickelt, dieses Gespräch.
Florian Bayer: Und ganz fantastisch ist dann natürlich das Ende, wenn der Friseur sagt, dass er eigentlich gar nicht Friseur werden wollte. Und Joe war so fest davon überzeugt, dieser Mann ist geboren, um Friseur zu sein. Das ist das, was er kann. Das ist seine Berufung. Und dann, das ist eigentlich das erste Mal, dass dieser Moment kommt. Naja, das Leben spielt manchmal auch anders, aber das ist auch total okay und es ist auch gut, wo du landest. Und du musst nicht glauben, dass du diese eine Bestimmung hast und diese eine Sache. Und wenn das nichts wird, dann hast du dein Leben vergeigt. Sondern du kannst auch andere Sachen finden. Und das Leben kann auch auf ganz viele verschiedene Weisen schön sein. und dich überraschen und dir auch Neues bieten. Und halt nicht zu sehr an dem Glauben fest, dass du bestimmt bist dazu, diese eine Sache zu machen.
Johannes Franke: Was mich als Künstler natürlich total entspricht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also ich habe nur das Glück, dass ich tatsächlich auch die Sachen machen konnte, die ich immer wollte und mich auch da durchgewurschelt habe. Aber ich habe genug Kollegen, vor allem Kolleginnen, die es als Schauspielerin sehr, sehr, sehr schwer haben, weil es einfach in Deutschland immer noch viel zu wenig Frauenrollen gibt im Vergleich zu Männerrollen. Und es gibt einfach exorbitant mehr Frauen, die Schauspieler werden wollen, als Schauspielerinnen werden wollen, als Männer. Sodass du als Frau eigentlich ganz, ganz große Schwierigkeiten hast, überhaupt das zu machen, zu arbeiten, was du liebst. Und dann nicht zu sagen, ist alles scheiße und ich weiß nicht, was ich machen soll, sondern seinen Spark nicht nur in der Schauspielerei zu suchen, sondern zu gucken, was ist es denn eigentlich, was mich als Schauspielerin begeistert. Und es gibt noch andere Berufe, die das befriedigen, was mich begeistert. Nicht festzuhalten. Und das finde ich eine ganz tolle Botschaft von dem Film.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Sich da irgendwie zu sagen, sei frei, sei offen für das, was kommt. Und nutze einfach alles, was ich so, wie bei Jazz. Ja. Die Trombone bietet was an. Improvisiere. Ich mache mit. Spiel damit. Ja.
Florian Bayer: Nimm es auf. Arbeite mal dagegen.
Johannes Franke: Wunderschön. Wirklich ganz toll.
Florian Bayer: Aber geht bloß nicht verloren. Versuch einfach, das Leben zu genießen. Es ist so simpel und es ist eigentlich so plump und wie gesagt, es machen sehr viele Filme, aber Pixar macht das auf ganz hohem Niveau und es funktioniert einfach. Ja. Man sitzt gerade dann im letzten Akt, nachdem sie wieder im Himmel waren und zu dem großen Finale kommt, sitzt man auch einfach nur ergriffen da, weil dann gezeigt, wie 22 immer gesagt bekommen hat, dass sie einfach zu nichts taugt, weil sie ihre Bestimmung nicht findet. In einer ganz großartigen Szene in 22 wird dann zur verlorenen Seele.
Johannes Franke: Oh Gott.
Florian Bayer: Und Joe versucht sie da rauszukriegen und wird dann damit konfrontiert, wie ihre früheren Mentoren mit ihr geredet haben. Mhm. Wird aber auch damit konfrontiert, wie er mit ihr geredet hat und das war halt auch nicht besser. Alle haben ihr gesagt, du musst deine Bestimmung finden, wenn du keine Bestimmung findest, dann bist du nichts wert. Und das hat sie so fertig gemacht, anstatt einfach zu sehen, was das Leben lebenswert macht. Ja. Es gibt ja auch diesen einen Moment, wo diese jenseitigen Wesen, Jerry, sich über Joe lustig machen, weil er sagt, sie muss ihre Bestimmung finden oder so. Und sie sagen, ach, ihr Menschen, ihr verwechselt immer Bestimmungen mit dem Funken, ihr könnt das gar nicht unterscheiden, darum geht's doch gar nicht. Ja.
Johannes Franke: Und man versteht es auch nicht wirklich in dieser Szene, weil man nicht genau weiß, was meint Jerry eigentlich. Oder Terry, glaube ich.
Florian Bayer: Und Terry war der, der, Terry ist der, der Psycho, oder? Der, der sie verfolgt dann. Ach so. Oh, das ist Terry. Oh Gott. Terry. Ja, Terry und Jerry. Das fand ich auch in dieser Weltenkonstruktion merkwürdig, weil offensichtlich sollen diese Jerrys ja eine Entität sein. Irgendwie schon, ja. Aber sie unterhalten sich da miteinander und dann gibt es eine zweite Entität, Terry. Wie funktioniert das zusammen? Was haben wir, ist das Gott? Ja. Das war vielleicht dann auch ein bisschen zu viel spiritueller Schmut drumherum.
Johannes Franke: Okay. Ich weiß nicht. Aber wir müssen unbedingt mal darüber reden, wie sie das grafisch gelöst haben. Die Jerrys sind doch großartig. Fantastisch. Genau. Und Terry auch. Oh mein Gott. Also diese zweidimensionalen Wesen, ne? Striche. Im Grunde nur so ein Draht einmal in Form gebogen. Das war's. Wundervoll. Das erinnert mich an diesen einen Künstler. Den hat irgendwann mal so eine Kopfschmerzfirma als Werbung benutzt. Es gab damals einen Italiener, der heißt Osvaldo Cavandoli. Völlig falsch ausgesprochen, mit Sicherheit. Und der hat für das italienische Fernsehen damals zwischen 1971 und 86 La Linea gemacht. The Line. Ja. Die Linie. Und das wurde im Grunde nur aus dieser einen Linie immer die Figur geboren und andere zusätzliche handelnde Figuren geboren. Und das fand ich wahnsinnig spannend, weil das alles so wahnsinnig reduziert war auf nur diese eine Linie, die in Form gebracht wurde. Ja. Das ist sehr spannend. Ja, das ist ein schöner Stil, genau. Ja, und das haben die irgendwie auch als Inspiration gehabt anscheinend und haben sich daran orientiert und ich finde es ein ganz toller, weiß ich nicht, ein ganz toller grafischer Kniff.
Florian Bayer: Ja, eine tolle Interpretation von körperlosen Lebewesen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wie stellen wir uns Lebewesen vor, die keinen Körper haben und auch nie einen Körper haben werden und nichts Körperliches an sich haben? Und wie bewegen die sich in der Welt und wie kommunizieren die miteinander und wie sehen sie dabei aus? Und ganz toll umgesetzt. Ja. Sowohl Jerry als auch Terry. Auch dieser Moment dann, wenn Terry in das Diesseits geht, um Joe und 22 zurückzuholen und sich dann über die Straßen bewegt und irgendwie versteckt, damit er nicht gesehen wird, ganz toll animiert.
Johannes Franke: Ja. Also ich war ganz begeistert. Ich war hin und weg und ich bin fast auf so vielen Ebenen eigentlich mundoffen da sitzend. Dann hat man das eine Element wie zum Beispiel Terry und dann hast du aber auf der anderen Seite wieder die Musik und du kannst dich gar nicht entscheiden, wovon du jetzt am meisten begeistert sein lässt. Also streckenweise. Dann bist du zwischendurch an gewöhnt und achtest nicht mehr so drauf, aber es gibt immer wieder Momente, wo man einfach da sitzt und fast schon überfordert davon ist, weil so viele tolle Ideen aufeinandertreffen.
Florian Bayer: Wollen wir versuchen, auf Spoiler zu verzichten? Wir kommen nämlich jetzt langsam zum Ende. Und weil es so ein aktueller Film ist, dachte ich, brechen wir noch mit einer anderen Tradition und Spoiler nicht so viel, wie es endet. Hm.
Johannes Franke: Das Schöne ist auch, es gibt, ich glaube, sie haben sieben verschiedene Versionen animiert. Und es gibt nur das eine veröffentlichte, aber es gibt viele Enden, die sie eigentlich
Florian Bayer: angedacht haben. Das kann ich mir gut vorstellen. Und ich war tatsächlich mit dem Ende nicht 100 Prozent zufrieden. Und ich kann es nur, und es ist wirklich, es ist die letzte Minute. Ja, die letzte Minute. Es ist absolut nicht notwendig. Es gibt nochmal am Schluss nochmal einen kleinen Kniff in der Geschichte und ich sehe, was sie damit machen wollten. Und ich kann es auch nachvollziehen vor dem Pixar-Familienunterhaltungs-Background.
Johannes Franke: Ja, aber trotzdem.
Florian Bayer: Das war überhaupt nicht notwendig.
Johannes Franke: Nee.
Florian Bayer: Weil die Botschaft des Filmes wäre, glaube ich, sogar noch stärker, wenn wir am Schluss auf diesen einen Moment verzichten würden.
Johannes Franke: Okay. Das ist vollkommen recht. Ja, ganz genau so. Ich habe zwar in dem Moment mich dann einfach mittragen lassen, aber ich habe auch gedacht, nee, das musst du jetzt nicht noch machen. Das ist eigentlich nicht. Nein, nein, nein. Ja. Lass das. Das war zu gefällig. Ja, ja, genau. Aber guckt es euch an.
Florian Bayer: Genau, guckt es euch an. Wir haben überhaupt keinen Platz gefunden, unsere Top 3 reinzupacken. Oh mein Gott. Top 3. Oh mein Gott.
Johannes Franke: Das war völlig übersteuert, ne? Aber das lasse ich jetzt drin. Ja. Top 3, meine Damen und Herren, liebe Zuhörer, liebe Zuhörerinnen. Wir haben hier, und ein Sternchen dazwischen. Wir haben eine Top 3 für uns.
Florian Bayer: Wir müssen noch eine Top 3 bringen. Und zwar ist es hier total naheliegend. Top 3 Afterlife. Ja. Im Film. Obwohl mir das ein bisschen schwer gefallen ist. Mir ist das voll schwer gefallen. Es gibt keine guten Afterlife-Filme.
Johannes Franke: Es gibt Ghost-Nachricht von Sam und ich denke mir, nein, das kommt in keine Top-Liste, bitte.
Florian Bayer: Aber Ghost-Nachricht von Sam mag ich tatsächlich schon so ein bisschen. Das ist ein total kitschiger Film. Ja, aber es kommt, nee, es kommt nicht in eine Top-Liste. Ich habe noch mehr, was nicht in eine Top-Liste kommt, die ich aber kurz erwähnt haben wollte. Okay, ich bin gespannt. Es ist keine Honorable Mention. What Dreams May Come, hinter dem Horizont, das Ende ist erst der Anfang von, ähm. Wie lange ist dieser Titel? Was soll denn das? Vincent Ward mit Robin Williams. Aha. Unfassbar kitschiger Film. Ganz schrecklich kitschige Geschichte. Robin Williams landet im Jenseits im Himmel. Seine Frau landet in der Hölle. Er muss sie zurückholen. Okay. Schreckliche Geschichte. So viel Pathos, dass es wehtut. Aber die Bilder sind wundervoll.
Johannes Franke: Okay. Oh, das ist schön. Und also Bilder, ich schaffe es ja oft, mir Filme anzugucken, nur wegen der Bilder. Ja. Auch wenn die Story mich nervt. Ich gucke einfach wahnsinnig gerne schöne Bilder an. Wenn das passt, dann hält er mit.
Florian Bayer: Die Frau, gespielt von Annabella Skiora, war Künstlerin und hat impressionistische Bilder gemalt. Und deswegen sieht der Himmel von Robin Williams aus wie ein impressionistisches Gemälde. Oh. Und der bewegt sich am Anfang da drin. Und das ist wirklich eine wunderschöne Landschaft. Aber es ist alles aus Farbe. Und er greift dann rein und greift in die Wiese und hat dann grüne Farbe an der Hand und wirft auch mit Farbe um sich und rennt dann rum und hinterlässt Abdrücke in der Farbe. Es ist ganz toll gemacht. Okay. Und danach schafft er es, sich davon zu lösen. Und dann sieht der Himmel immer noch impressionistisch aus, aber er hat keine Farben mehr. Es ist kein Gemälde mehr und es sieht immer noch toll aus. Und dann, wenn er in die Hölle wandert, sieht das aus wie Bilder von Jeronimus Bosch. Oh. Wirklich düster und toll inszeniert auf der Bildebene. Aber die Story ist ein Albtraum, weil es einfach nur ein Kitschfeuerwerk ist. Wegen der Bilder kann man mal reinschauen. Es reicht vielleicht auch einfach, einen Trailer zu sehen. Wie gesagt, es ist kein Honorable Mention. Meine zweite, auch kein Honorable Mention, ist ein Film, den ich als Kind ganz gerne gesehen habe. Ist das dann Dishonorable Mention? Nee, es sind keine schlechten Filme. Es sind einfach keine Filme, die auf eine Topliste gehören. Rendezvous im Jenseits, Defending Your Life, den fand ich irgendwie süß als Kind. Das ist eine, naja, es ist eine Rom-Com, die im Jenseits spielt. Okay. Und der ist eigentlich auch kitschig und albern. Der Cast ist ganz cool, Albert Brooks und Meryl Streep, die sich ineinander verlieben im Jenseits. Aber wirklich schön ist vor allem, wie das Jenseits dargestellt ist. Und zwar ist das ein, ist so eine Art, ist kein richtiges Fegefeuer. Es ist eigentlich so ein Seniorenparadies. Sie leben in Hotels und lassen es sich gut gehen, während ihre Gerichtsverhandlungen sind, wo darüber entschieden wird, ob sie in ihrem Leben mutig genug waren. Mut ist das große Thema. Okay. Dass sie es verdient haben, eine Ebene höher zu reisen und sich zu verbessern oder so. Und das ist irgendwie ganz putzig, weil sie sind dann in diesem Paradies, wo alles echt ganz nett ist, aber eher so wie Las Vegas der 50er Jahre und es gibt gute Omelettes und es gibt gute Stand-Up-Comedy. Und es ist aber alles so ein bisschen träge und die Leute sind natürlich alle alt, die da rumlaufen. Und dann gibt es parallel diese Gerichtsverhandlungen, wo dann Szenen aus ihrem Leben gezeigt werden und sie sich irgendwie verteidigen müssen. Das war nicht wirklich ein guter Film. Dafür war er viel zu brav und unlustig. Aber die Vorstellung vom Jenseits war ganz putzig und war fast so eine Satire auf Altersruhestätten. Okay. So ein bisschen wie Senioren in Florida leben. Geil. Okay.
Johannes Franke: Ich habe auch Erwähnungen. Sind deine durch? Das waren meine Erwähnungen, ja. Okay. Ich würde eine Serie, weil wir ja eigentlich bei Filmen sind, habe ich die Serie nicht in die Top-Liste genommen. The Good Place.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Kennst du? Nee. The Good Place handelt davon, dass du nach dem Leben irgendwo, du tauchst da auf, in so einem, weiß ich nicht, es sieht ganz normal aus, wie die normale Welt auch, sehr, sehr kleinstädtisch und dir wird erzählt, ja, du bist jetzt hier im Himmel und der The Good Place halt. Und dann stellt sich am Ende raus, das ist kein Spoiler, weil die Serie einfach sehr schnell klarstellt, dass sie eigentlich in der Hölle sind. Und sie erzählen aber allen, ihr seid at The Good Place und spielen alle gegeneinander aus. Eine neue Serie? Die ist schon sehr lange, deswegen kann ich auch gerade nur das aus meiner Erinnerung kramen, weil ich es länger her ist, dass ich gesehen habe. Aber die letzte Staffel ist jetzt wohl gerade erst rausgekommen. Okay. Und die auch die letzte sein wird wohl. Und dann werde ich nochmal anfangen, es zu gucken und alles nochmal im Verbund. Ja. Und was ist mir noch eingefallen? Nee, ist mir vorhin eingefallen, das ist mir jetzt wieder, hm.
Florian Bayer: Na gut, dein Platz 3. Mein Platz 3 ist eine Serie. Ach so. Na toll. Eine ganz frische Serie. Wie gesagt, es ist mir so schwer gefallen, was zu finden. Die finde ich auch nicht perfekt, aber die hat echt Spaß gemacht. Upload. In dem das jenseits eine Art Virtual Reality ist, in der die Geister hochgeladen werden.
Johannes Franke: Das war das, was ich als zweites noch erzählen wollte.
Florian Bayer: Und der Protagonist landet in diesem Paradies, in diesem virtuellen, digitalen Paradies. Und seine Freundin bezahlt das alles. Und er wollte eigentlich nicht sterben und er wurde offensichtlich umgebracht. Wie gesagt, es gibt erst eine Staffel, zwei Staffeln.
Johannes Franke: Es wird auch nicht mehr gehen, glaube ich.
Florian Bayer: Ja, mal schauen. Hast du sie gesehen? Ja, klar, ich habe alles gesehen. Ich fand es witzig. Ich fand es witzig, weil es wirklich so abgefuckt ist, teilweise. Ja. Das Paradies, wo sie ihn hochladen, ist halt auch so ein Hotel an einem See und wo die ganzen reichen Leute sind und sich eigentlich langweilen. Ja, ja. Und dann reicht das Geld nicht für bestimmte Features und dann sieht das abgerast aus oder
Johannes Franke: da ist der Himmel nicht komplett oder was.
Florian Bayer: Es gibt Werbeeinblendungen, da laufen die Verkäufer um, die nochmal extra Features andrehen wollen und das ist alles so. Und es gibt einige Splatter-Szenen, die man so gar nicht erwartet bei sowas. Wenn was schief geht, dann explodieren auch mal Körper. Also es spritzt auch öfter mal Blut. Es ist eine ziemlich makabere Serie, alles andere als perfekt. Ja. Aber kann man sich angucken.
Johannes Franke: Aber es ist, also, wie ist das Pendant zu B-Movie, B-Serie? B-Serie, ja, es ist eine B-Serie. Es ist eine, man merkt das schon. Aber der Grund, die Gedanke und die Streckenweise, die Umsetzung auch tatsächlich ziemlich gut und sehr süß.
Florian Bayer: Hat mir Spaß gemacht und das ist schon mehr als die meisten anderen Dinger, die im Jenseits spielen. Also wie gesagt, diese Liste ist mir echt schwer gefallen.
Johannes Franke: Na, mein, mein, äh, meine, mein Platz drei ist, ist auch, ähm, ja, nee, stimmt eigentlich. Mein Platz drei ist The Six, das hatten wir schon mal, Sixth Sense. Ja. The Sixth Sense. Ja. Ja. Also braucht man auch nicht viel zu sagen. Kennt wahrscheinlich jeder. Ähm. Am Ende, der Psychologe, der ist tot. Noooon.
Florian Bayer: Okay. Karin hat gestern tatsächlich wieder Split geguckt und ich hab mit den Augen mit geguckt. Das ist doch cool. Die wir beide schon kannten. Ja. Nee.
Johannes Franke: Also ich kann, ich kann alles würdigen, was schon mal dann gemacht hat. Nein. Nein, wirklich? Doch, weil der so viel da reinlegt und so viel Ehrgeiz hat. Ich mag's.
Florian Bayer: Der hat mit, welcher der wirklich der schlechtesten Filme der letzten 20 Jahre produziert. Also diese, diese, diese Avatar-Verfilmung, wow, shit. Legende von Ang. Oh, die hab ich vielleicht gar nicht gesehen. Wow, war das shit. Dann The Happening. Wow.
Johannes Franke: Ich kann, doch, auch The Happening kann ich würdigen.
Florian Bayer: Nein. Wirklich? Mark Wahlberg redet mit einer Pflanze. Du wirst mir jetzt nichts tun. Ich werde jetzt ganz vorsichtig zurückgehen. Und sie haben ein riesiges Beziehungsdrama. Und am Schluss stellt sich heraus, dass das Beziehungsdrama sich darum drehte, dass sie mit irgendeinem anderen Typen Tortellini essen gegangen ist. Nein, echt jetzt.
Johannes Franke: Ich weiß nicht, der Typ hat irgendwie so ein ganz, ich weiß nicht, der hat so viel, der will so viel. Ja, der will so viel, das stimmt. Und das find ich so schön, ich find es so schön, dass er so wahnsinnig viel, also seine Energie ist irgendwie so krass.
Florian Bayer: Weiß nicht. Es sind gute Filme dabei rumgesprungen, aber er hat teilweise echt krassen Bockmist gemacht. Und Split, find ich, tendiert eher so zur Bockmist-Seite. Oh Mann. Na gut, okay. Aber es gibt einen ganz tollen Film, eine Doku, eine Mockumentary über Shyamalan, die er nicht gedreht hat, sondern die andere Leute gedreht haben, die ihn bei einem Dreh begleitet haben. Okay. Zu Science war das, glaube ich. Okay, und da haben sie eine Mockumentary gedreht? Genau, sie drehen am Set und sie interviewen die Leute, die Schauspieler und so weiter, aber sie flechten dann so eine Geschichte ein, dass er offensichtlich irgendwie Kontakt mit dem Jenseits hat und nicht darüber reden will. Und sie inszenieren das Ding aber so, dass es nie zu krass ausbricht. Es gibt nicht diesen krassen Moment, wo dann alle sagen, ah, okay, da geht die Reise hin, sondern es bleibt relativ vage und offen. Okay. Und sie haben das versucht so durchzuziehen. Das heißt, wie wird der Mann ausgesprochen? M. Night? Ich hör mal an. Shyamalan? Ich sag mal Shyamalan. Hat sich nach der Doku in mehreren Interviews über diese Doku unzufrieden geäußert und sich beschwert und dass sie ihn komplett falsch darstellen. Also sie haben das wirklich durchgezogen über den Film hinaus. Und es ist jetzt auch kein Meisterwerk, aber es ist eine sehenswerte Dokumentation, weil es echt ein ganz nettes, naja, es ist schon so ein bisschen so ein narzisstisches Gewichse.
Johannes Franke: Ja, das interessiert mich, das muss ich mir aufschreiben. Okay.
Florian Bayer: Dein Platz zwei. Mein Platz zwei, keine Ahnung warum, von Kritikern, total verkannter Film, für mich ein Klassiker des Mystery-Kinos Flatliners aus dem Jahr 1990. Ich hab den auch auf meiner Liste. Genau, auf Platz zwei. Ich liebe diesen Film. Es ist ein toller Film. Er ist spannend, er ist düster und seine Darstellung des Jenseits, dieses Momentes nach dem Tod, wenn man mit seinen Sünden konfrontiert wird, ist wirklich unheimlich mitreißend und emotional aufwühlend. Und der Film hat mir Angst gemacht als Teenager.
Johannes Franke: Ja, also ich hab ein bisschen später geguckt, aber ich hab auch, ich war wirklich massiv beeindruckt einfach von der Wucht.
Florian Bayer: Ja. Und das ist von Joel Schumacher, der ja auch nicht unbedingt der beliebteste Regisseur ist. Und der Film wurde von den Kritikern ziemlich verrissen und hat auch irgendwie keinen großen Eindruck hinterlassen. Es gab einen Remake 2017 mit Elliot Page, aber ich traue mich nicht den zu gucken, weil ich glaube, der wurde noch mehr verrissen. Okay. Und der ist wohl auch eher so ein Hightech-Thriller geworden dann, aber ja, sonst hat er keinen großen Eindruck hinterlassen und wird, glaube ich, jetzt nicht groß auf Bestenlisten auftauchen. Und ich verstehe es einfach nicht, weil das wirklich ein spannender, mitreißender, düsterer Film war. Ja, ich fand den super.
Johannes Franke: Also ich meine, der ist natürlich sehr, wann war das? 90, oder? Ja, Anfang 90er. Genau. Natürlich sehr in dieser Zeit verhaftet, auch in der Art und Weise, in der Ästhetik und in dem, wie erzählt wird. Aber total gut.
Florian Bayer: Ja, und auch gut besetzt. Also Kiefer Sutherland, Julia Roberts, William Baldwin, Oliver Platt als Comedy-Sidekick und dann auch Kevin Bacon als Star besetzt.
Johannes Franke: Total krass. Ich habe das gar nicht mehr in Erinnerung gehabt, dass die da alle dabei sind. Ich habe den Film damals gesehen, als sie mir die Namen überhaupt noch nichts gesagt haben.
Florian Bayer: Die waren damals ja auch alle noch relativ jung und standen irgendwie noch so vor ihren großen Karriereschritten. Also Julia Roberts sollte, glaube ich, erst ein Jahr später oder so oder zwei Jahre später mit Pretty Woman durchstarten. Pretty Woman ist 93 vielleicht? 92, 93? Ich bin mir gerade nicht sicher. Und Kiefer Sutherland war ja schon ein Name, aber jetzt auch nicht der größte. Nein, 1990. Ah, das ist im gleichen Jahr wie, ah, zeitgleich quasi. Krass. Ja, aber da war auf jeden Fall Julia Roberts noch nicht der Star, der sie dann danach war. Ein guter Film, kann man sich angucken. Hört nicht auf die Kritiker. Kritiker sind Idioten. Nein, Platz 1 bitte.
Johannes Franke: Also, ich als Kritiker muss ja mal sagen. Nein, mein Platz 1 hast du mir beschert vor ein paar Episoden. Yes! A Ghost Story. Ja. Das ist wirklich doch, der ist doch großartig. Also, was für Besseres, weiß ich nicht. Also, wirklich ganz toll Jenseits erzählt. Super. Super Film, ja.
Florian Bayer: Ich habe Ghost Story nicht aufgenommen, weil er für mich mehr Geisterfilm als Jenseitsfilm ist. Man könnte darüber diskutieren, was der Unterschied ist. Sixth Sense würde mich für mich, glaube ich, auch eher in die Richtung Geisterfilm fallen.
Johannes Franke: Ja, das hat es bei mir tatsächlich auch im Kopf und deswegen habe ich erst gezögert, den reinzunehmen. Aber dann halte ich nicht mehr. Ja. Das ist total blöd, dass ich das sage, weil meine Nummer 1 ist halt auch ein Geisterfilm.
Florian Bayer: Ach so. Beetlejuice. Ah, ja, ja. Von Tim Burton. Aber ich, also für mich war so ein Kriterium, dass ich einen Film aufnehme, dass irgendwie ein bisschen die Welt nach dem Leben gezeigt wird, die sich unterscheidet von unserer Welt. Und das ist bei Beetlejuice halt ganz toll, wenn sie dann in dieser Behörde sind, wo sie Anträge stellen können. Und dann zu diesem Beetlejuice gelangen, der halt auch als Dämon verspricht, Leute aus den Häusern zu vertreiben. Und da gibt es einfach ein paar wunderschöne Jenseitsszenen. Stimmt. Und ansonsten ist es halt einer der wirklich klassischen Early-Burton-Filme zu der Zeit, dass ich noch sehr, sehr, sehr gemocht habe. Ja. So die Edward mit den Scherenhänden. Ja, genau. Zeit. Ganz toll. Und er gehört tatsächlich zu meinen liebsten Burton-Filmen. Ich glaube nicht unbedingt auf Platz 1, aber sehr weit oben. Und tolle Mischung aus Humor, bizarren Momenten, ein bisschen Horror, ein bisschen Fantasy. Großartiger Film. Okay, kriegen wir das jetzt hin? Beetlejuice, Beetlejuice, Beetlejuice. Und weg ist er. Das ist überraschend wenig passiert. Aber das ist ja auch der, damit kriegt man, wird man ihn los. Ah ne, und man ruft ihn. Man ruft ihn damit. Stimmt, man ruft ihn auch damit herbei. Ja. Wir müssten wahrscheinlich tot sein, damit das wirkt. Oh. Verdammt.
Johannes Franke: Na gut. Okay. Dann sind wir mit unserer Bestenliste durch.
Florian Bayer: Ja. Oh mein Gott. Möchtest du noch ein Abschlusswort vielleicht zu Soul?
Johannes Franke: Ich möchte noch ein paar Sachen über Soul sagen.
Florian Bayer: Oh, sehr gut.
Johannes Franke: Nummer eins. Ganz, ganz, ganz toll. Alle Klischees, die früher in Trickfilmen mit Schwarzen betrieben wurden, alle umschifft. Ich habe kein einziges zeichnerisches oder erzählerisches Klischee wiedererkannt, was ich früher verwendet habe.
Florian Bayer: Du meinst diese ganz schlimmen Sachen aus den 30ern, wo so dicklippig... Du musst ja nicht so weit zurückgehen, aber genau solche Sachen.
Johannes Franke: Ja. Also, so. Ja. Fand ich super. Also, sehr, sehr realistisch und sehr liebevoll mit der Community umgegangen und mit Jazz und mit der Darstellung von schwarzer Kultur. Die Frau, der Boss, die Frau ist der Boss in diesem Jazz-Quartett. Dorothea, ja. Und die Frau ist keine schlanke, augenklimpernde Jessica Rabbit, sondern, ne, weißt du, was ich meine? Ich weiß, was du meinst, ja. Ich finde, diese Entscheidungen sind so großartig und toll und wichtig für diese Zeit. Es sind so kleine Entscheidungen, die aber trotzdem total viel ausmachen. Ja, und sie setzen sich nicht drauf, sondern sie, das ist halt einfach so. Und es ist ein bisschen traurig, dass das trotzdem so hervorsticht bei solchen Filmen dann auch. Ja, natürlich, aber na gut, wir sind in dieser Zeit und wir, ja, so ist das. Ich habe mich wahnsinnig über The Zone gefreut, über dieses, als du als Künstler ist das halt einfach so, du bist irgendwann, du strebst eigentlich nach diesem Zustand, nicht nur als Musiker, sondern allgemein als Künstler, bist du irgendwie, wenn du das einmal erlebt hast. Und es gibt eine ganz tolle Beschreibung von Walter Mörs in seinem Buch, Die Stadt der träumenden Bücher, wo das auch vorkommt. So dieses, das Ormen ist es in diesem Fall, glaube ich, das Orm, was einen erreicht, wenn man einfach nur durchflutet wird von Kunst, von diesem Zustand, in dem schöpferischen Zustand, in dem man dann ist. Und ich finde es ganz toll, dass es so visualisiert ist und so erzählt ist. Ja, das nur mal um noch ein paar schöne Sachen, die mir einfach wahnsinnig wichtig sind, an diesem Film hervorzuheben.
Florian Bayer: Ja, das ist gut, dass du das nochmal erwähnt hast, weil wir das tatsächlich in der Diskussion über den Film jetzt sehr ausgespart haben. Aber ja, kann ich nur unterschreiben.
Johannes Franke: Ja, und ich mochte den Vergleich, also diese Fisch-Story, die sie ihm erzählt, als er nämlich dann da steht nach dem Konzert und denkt, hm, ja, das war jetzt ein toller Moment, aber war das der Moment, den ich wollte? Hm, schöner Moment, das stimmt. Ganz toller Moment. Und sie sagt dann, naja, der Fisch, der zu den anderen Fischen schwimmt und sagt, Ich suche den Ozean. Wisst ihr, wo der Ozean ist? Du bist im Ozean. Das ist doch nur Wasser. Das ist doch nur Wasser, genau. Also ich mochte diese Geschichte einfach sehr. Ja. Hast du noch irgendwas?
Florian Bayer: Sehr guter Film. Gehört auf jeden Fall zu den besseren Pixar-Filmen, nicht zu den allerbesten, aber relativ weit oben. Und ich kann es immer würdigen, wenn Pixar erwachsener erzählt und mehr auf Emotionen geht und weniger auf Action und Comedy und Abenteuer. Pixar ist erwachsen geworden. Ja, nicht immer. Cars 3 ist noch nicht so alt. Noch nicht alt genug, um das zu vergessen. Ja. Okay. Nee, sie haben, Pixar ist einfach, ich bin gerade, ich scrolle einmal durch und Pixar ist in den letzten Jahren immer so ein bisschen Hit or Miss. Sie haben tolle Filme gemacht, aber sie haben dazwischen auch so ein paar, so ein paar Durchhänger. Und offensichtlich gibt es immer so zwei, drei Durchhänger bis zum tollen Film. Und das ist gerade der tolle Film. Davor gab es ein paar Durchhänger. Ja, na gut.
Johannes Franke: Cool. Dann hoffen wir mal, dass es weiter aufwärts geht und freuen uns auf den nächsten Pixar-Film. Auf jeden Fall.
Florian Bayer: Vielen Dank, dass du den vorgeschlagen hast.
Johannes Franke: Ja, vielen Dank, dass du dich darauf eingelassen hast und dass wir ihn geguckt haben.
Florian Bayer: Cool. Dann machen wir jetzt eine kleine Pause. Ja, und dann geht es zum Konkurrenten, zu Netflix.
Johannes Franke: Mal sehen, ob der dann mithalten wird. Ja. Bis gleich. Bis gleich. Willkommen zum zweiten Teil. Blum, möchtest du noch Tee? Ja, sehr gerne.
Florian Bayer: Jetzt kannst du endlich für das Mikro Tee einschenken.
Johannes Franke: Dafür hättest du aber die Tasse jetzt vor das Mikro halten müssen. Moment, ich mach das schnell.
Florian Bayer: Du kannst das verstärken in der Post.
Johannes Franke: Willkommen zu unserem ASMR-Podcast. Okay. Zucker, willst du zuckern? Ja, sehr gerne. ASMR. Das ist ja auch ein schräger Trend. Kannst du was damit anfangen? Ich krieg das irgendwie nicht so richtig überein mit meinem Gehirn.
Florian Bayer: Es ist für mich, also, ich find sowas immer total spannend. Ja. In der Theorie. Und wenn ich es in der Praxis erfahre, immer total enttäuschend. Das fällt in die lange Reihe von Dingen, die in der Theorie total geil klingen. So wie, oh, das muss man ausprobieren. Das macht dich voll fertig. Entdeckst ganz neue Seiten des Lebens. Theoretisch. Und dann probierst du es aus und denkst so, oh, okay, ja, ja, vielleicht hätte ich das doch nicht durch die Nase ziehen sollen. Oh Gott.
Johannes Franke: Aber für mich war es noch schlimmer. Ich saß davor und dachte, oh mein Gott, ich hab versprochen, dass ich es mir anschaue, aber eigentlich sterbe ich gerade. Ich will es nicht hören, weil mich das wirklich fertig macht. Ich find das zu krass. Ich kann damit nicht, ich komm damit nicht, es sind zu viele Eindrücke auf einmal. Also, zu intensiv.
Florian Bayer: Ach krass, es langweilt mich einfach.
Johannes Franke: Nämlich macht es so wie, wie kratzen mit den Fingern auf der Tafel, weißt du?
Florian Bayer: Das fieseste Geräusch für mich ist, Messer auf Teller, das hasse ich. Oh Gott. Und ich hasse es, wenn Billa das macht. Und der ist vier. Und das heißt, der haut seine Gabel halt auch in was rein. Dann möchtet er mit dem Messer drüber und bewegt gleichzeitig alles. Und dann sitze ich da und sterbe am Tisch.
Johannes Franke: Warum? Aua, du musst das auch so grafisch erzählen, Plur. Okay. Ja, okay. News of the World, ne? News of the World, dann lass uns doch in den zweiten Teil reingehen. Plur, gib doch mal deinen Einstieg.
Florian Bayer: 2020 war ein merkwürdiges Kinojahr. Ein nicht vorhandenes Kinojahr für den Großteil des Publikums. Und für die Produktions- und Distributionsseite ein Kinojahr, das vor allem für eine Menge Kopfschmerzen verantwortlich war. Wohin mit den Filmen, wenn die Lichtspiele heute leer bleiben? Zumindest im Falle von News of the World von Paul Greengrass war die Antwort klar. So schnell wie möglich in die Wohnzimmer. Schon vor dem US-Kinostart der von Universal produzierten Verfilmung eines Romans von Paulette Gilles erhielt Netflix den Zuschlag für die internationale Verwertung. Und fackelte nicht lange. Kinostart Dezember 2020, Netflix-Veröffentlichung Februar 2021. Dabei ist News of the World durchaus ein Film, der im Kino gut aufgehoben wäre. Ein episches Western-Drama mit Starbesetzung, opulenten Bildern und einer emotionalen Geschichte, die nach den Academy Awards dürstet. Im Mittelpunkt steht der von Tom Hanks gespielte Bürgerkriegsveteran Captain Jefferson Kyle Kitt, der sich seinen Lebensunterhalt verdient, indem er in Texas des Jahres 1870 von Stadt zu Stadt reist und für die einfache Bevölkerung aus der Zeitung die Nachrichten der Welt vorliest. Während seiner Reise trifft er durch Zufall die 10-jährige Johanna, gespielt von der deutschen Nachwuchsschauspielerin Helena Zengel. Diese war nach dem Tod ihrer Familie von Kiowa-Indianern aufgezogen worden, hat aber durch eine brutale Räumung nun auch ihre Zielfamilie verloren. Die Unionsarmee überträgt Kitt die Verantwortung, Johanna zu ihren letzten noch lebenden Verwandten zu bringen. Und so zieht das ungleiche Paar gemeinsam los durch ein von Bürgerkrieg, Misstrauen und Hass geprägtes Texas. Traditioneller Western, humanistisches Drama, vielleicht sogar Spiegel unserer Zeit. Was denkst du, Johannes?
Johannes Franke: Oh, Spiegel unserer Zeit ist gut. Ja, für solche Sätze liest man immer mal deinen Blog. Was ich gerne mal an allen anempfehlen möchte, die hier zuhören. Es gibt einen ganz wundervollen Blog, über den wahrscheinlich sowieso stolpert, wenn man, muss man sehen, irgendwie irgendwo, wenn man auf uns gestoßen ist, ist man sich auf diesen Blog gestoßen. Aber es gibt ganz tolle, schöne, also da ein bisschen Bauchpinselei muss sein.
Florian Bayer: Danke dir. Danke dir.
Johannes Franke: Das Pinsel ist sehr schön. Ganz, ganz tolle, spannende Rezensionen und Einsortierungen und so ins Filmgeschehen. Ja, tatsächlich ein überraschender Film für mich. Obwohl, nein, obwohl eigentlich, wenn Tom Hanks dabei ist, ist es ja sowieso damit zu rechnen, dass es ein guter Film wird. Man muss Tom Hanks die ganze Zeit zugucken und zuhören. Das ist unglaublich. Was der an Präsenz auf die Leinwand bringt.
Florian Bayer: Unglaublich. Vor allem diese Kombination aus Altersweisheit, immer wieder durchscheinender Altersmilde, aber dann in den wesentlichen Momenten ein unglaublich kämpferisches.
Johannes Franke: So viel Kraft. Ja. Oh, Wahnsinn. Und das Tolle ist, sie kann das auch.
Florian Bayer: Ja. Oh mein Gott kann sie das. Um Hanks zu bestehen. Wow. Das muss man erst mal schaffen. Und Helena Zenge ist mit ihren gerade mal elf Jahren so eine verflucht gute Schauspielerin. Und das ist nicht ihre beste Rolle. Nein. Sie war ein Systemsprenger.
Johannes Franke: Ein Systemsprenger habe ich sie wahnsinnig. Oh, war das gut. Alter, war das gut. Boah, krass, ja. Das ist so ein bisschen, ich hoffe, ich hoffe, dass sie das sich beibehalten kann, weil als Kind denkst du noch nicht so übernach. Und sobald du anfängst, darüber nachzudenken, kommen die ganzen, ne, Pubertät und so weiter, kommen die ganzen Probleme und auch das Schauspielerische leidet erstmal sehr stark darunter. Wenn du es nicht schaffst, dir das rüber zu helfen, dir das irgendwie zu behalten über diese Jahre, die schwierigen Jahre der Pubertät und eben nicht anzufangen, Schauspiel zu sehr zu verkopfen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich finde es wahnsinnig wichtig, dass man es intellektuell bearbeitet und betrachtet, eine Rolle, aber nicht vor der Kamera, sondern im Vorfeld. Ja. Also so grob, das ist jetzt ganz grob gesagt, aber und das Schöne ist, als Kind denkst du einfach nicht so viel drüber nach. Du stellst nicht ständig die Frage, warum mach ich das jetzt? Wo komm ich her? Wo geh ich hin? Sondern du machst es einfach. Der Regisseur sagt dir, du hast jetzt wahnsinnig Angst vor diesem einen Typen, der da auf euch schießt. Habt ihr Angst? Ja. Oder du willst diese scheiß Kleider nicht anziehen? Das war eine großartige Szene. Ja. Sie hat so viel Kraft.
Florian Bayer: Ja, das wirklich Fantastische an diesem Film fand ich ja, dass sie komplett anders gespielt hat, als in Systemsprenger. Und diese Rolle hätte das eigentlich hergegeben. Sie hätte natürlich auch wieder voll das Programm durchziehen können. Die Wilde, Unzivilisierte, die kämpft die ganze Zeit und schreit und vielleicht auch sogar ein bisschen was Animalisches hat. Und das hat sie überhaupt nicht gemacht. Sie spielt das total introspektiv. Natürlich gibt es die Ausbrüche, aber vor allem ist ihr Spiel sehr von dieser Introspektion geprägt. Dass man merkt, da geht innen drin ganz viel vor, aber sie teilt ganz wenig nur nach außen mit. Und diese innere Spannung, die sie die ganze Zeit trägt, in den einfachen, leisen Dialogen, wenn sie langsam anfängt, mit dem Charakter von Tom Hanks eine Beziehung aufzubauen. Oder auch, wie du gesagt hast, in diesen spannenden Momenten, wenn wirklich Gefahr da ist und wenn sie irgendwie versucht, sich gegen diese Gefahr zu wehren. Aber sie bricht nie zu sehr aus, sondern sie macht es mit ganz subtilen Gesten und gleichzeitig hält sie diese unfassbare innere Spannung, diese Zerrissenheit.
Johannes Franke: Das ist auch das, was sie jedem gegen Tom Hanks anstinken lässt. Diese wahnsinnige Spannung, die sie die ganze Zeit mit sich rumträgt. Was wirklich toll ist, was sie aber in Systemsprenger auch schon hat. Natürlich geht Systemsprenger mehr auf die Wut und auf diese Explosion. Aber auch in Systemsprenger, wenn sie zum Beispiel auf dieser Klippe stehen und nach unten schauen und sie dann in die Weite schreit, da hat sie davor auch so einen Moment, wo es einfach brodelt in ihr.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: So gut, so nachfühlbar und so transparent, wie ich als Schauspieler dann sagen würde, so durchlässig.
Florian Bayer: Ja. Der Unterschied ist wahrscheinlich, dass in Systemsprenger diese lauten, wilden Momente so präsent waren, dass die Subtilen dann immer wieder überrascht haben. Und in dem Film ist es eher, dass die Subtilen Momente sehr präsent sind und dann die lauten überraschend. Aber beides funktioniert, beides macht sie total toll. In Systemsprenger gab es eine Szene, wo sie eine Erzieherin tröstet, die total fertig ist, weil sie wieder von ihrer Mutter ignoriert wurde und ihre Mutter geht halt einfach weg und weil sie nicht mit dem Kind klarkommt. Und das Kind kriegt das nicht mit, aber die Erzieherin versucht das zu verbergen irgendwie und bricht dann in Tränen aus und dann tröstet sie sie. Ja. Das ist so ein starker Moment. Okay, du magst Systemsprenger offensichtlich auch.
Johannes Franke: Unglaublich, unglaublich guter Film.
Florian Bayer: 2019 war der, glaube ich, einer, ja, ist, glaube ich, in meiner Top 3 2019. Da war ich noch im Kino. So lange her.
Johannes Franke: Oh Mann. Eui, eui, eui. Okay, ja, Systemsprenger war großartig und ich mag sie. Sie ist mir irgendwann mal auf dem Fahrrad entgegengekommen und ich hatte plötzlich so ein fettes Grinsen auf dem Gesicht, wie ich das selten habe. Und hat sie es gesehen? Nee, sie war zu schnell weiter. Okay. Aber ich war so, uh, uh, uh, Fanboy. Ja, so ein Fanboy-Moment und das mit einer Elfjährigen, weißt du, das ist so ein bisschen strange. Ein bisschen schräg. Aber es war so toll, so Frankfurter Allee einfach langgefahren und das war einfach so ein, weiß ich nicht. Dann freut man sich einfach nochmal, nochmal mehr, vor allem, weil ich genau wusste, sie ist nach Christoph Walz diejenige, die so ein bisschen die weite Welt der Schauspielerei zu sehen bekommt. Und nicht in Deutschland eingesperrt bleibt. Und das ist einfach wunderschön. Und sie kann wahrscheinlich ihr Glück überhaupt nicht einsortieren. Ja. Sie weiß ja überhaupt nicht, wie müsste es denn sein, wie ist es denn normalerweise. Ich bin mir aber ganz sicher, dass ganz viele Leute ihr das ständig sagen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Aber trotzdem, das ist ein Unterschied, das zu erfahren über ein Gespräch oder es zu erleben, zu wissen, ich bin eigentlich im deutschen Fernsehen und mehr gibt es nicht. Oder von Anfang an irgendwie bis nach Amerika und auf ganz großen Bühnen zu spielen. Das ist einfach wirklich ein ganz anderes, tolles, tolle Spielwiese mit Tom Hanks.
Florian Bayer: Ja. Sie schafft damit den Sprung nach Hollywood. Also, dass es mit diesem Film hat sie sich einfach mal qualifiziert, noch zig andere großartige Filme in Hollywood zu drehen. Ja, es ist unglaublich. Und was für ein Einstand.
Johannes Franke: Haa.
Florian Bayer: Wahnsinn. Ja. Ich freue mich so für sie. Es ist unglaublich. Okay. Dieses Gespräch könnte sich nur darum drehen, wie fantastisch Helene Zenger spielt. Aber es gibt mit Sicherheit noch andere Sachen, über diesen Film zu reden. Zum Beispiel die Musik. Die Musik? Oh, das ist interessant. Was hast du zur Musik zu sagen?
Johannes Franke: Die Musik ist so zart und so einfühlsam und haut so gar nicht im falschen Moment auf die Kacke, wie so ganz viele andere Filme, die irgendwie versuchen, da jetzt ein großes Drama zu machen.
Florian Bayer: Meine Verlegenheit bei der Frage, was hast du zur Musik zu sagen, weil ich gar nichts dazu zu sagen habe, weil die sich so in den Film einbindet, dass sie überhaupt nicht groß auffällt. Perfekt. Genau so muss es sein. Wie Schnitte sein müssen. Die Musik ist eigentlich nicht wirklich vorhanden, sondern es trägt einfach durch den Film, schwebt immer so ein bisschen im Hintergrund und ja, ganz toll.
Johannes Franke: Also sie unterstützt genau im richtigen Moment genau die, also natürlich, da haben sich ganz viele Leute Gedanken drüber gemacht und sich genau überlegt, was sie da tun. Aber das machen sie auch bei anderen Filmen und da gelingt es nicht so gut. Also ich finde, dass er genau immer den richtigen Ton findet, an der richtigen Stelle ein bisschen zu schieben, die Geschichte und an der anderen Stelle ein bisschen zu verlangsamen und ein bisschen anzuhalten. Ich finde es großartig.
Florian Bayer: Ganz tolle Musik. Ich glaube, was keine Frage ist, ist, dass der Film sowohl akustisch als auch visuell einfach mal erste Liga ist. Die Bilder sind großartig. Ich habe mich so geärgert, dass ich ihn nicht auf der großen Leinwand geguckt habe. Ja, es ist ein Kinofilm, ne? Total. Die Bilder. Diese epische Breite, diese Landschaften und dann auch die wunderbaren Wechsel vom Panorama zum ganz Persönlichen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ganz oft ist die Kamera auch ganz nah an unseren Protagonisten oder an unseren Protagonistinnen. Wir sehen teilweise wirklich jede Pore der Haut. Ja. Jeden Dreck und auch das Alter und das, was sie erlebt haben, weil unsere beiden Hauptfiguren sind Personen, die wirklich viel durchgemacht haben, jeder auf seine eigene Weise. Und die Geschichte von ihnen scheint in ihre Gesichter festgeschrieben zu sein. Ja. Und die Kamera scheut sich auch nicht, uns einfach diese Geschichte zu zeigen, indem sie ganz nah rangeht an die Gesichter.
Johannes Franke: Und da haben sie natürlich auch mit Tom Hanks und auf der anderen Seite ihr zwei Leute, die ganz völlig uneitel an die Sache rangehen. Sie, weil sie die Eitelkeit noch nicht hat vielleicht und er, weil sie sie einfach irgendwann aufgegeben hat. Ja, wahrscheinlich. Und diese Eitelkeiten kannst du in so einem dreckigen Film einfach nicht gebrauchen. Ja. Das ist super, dass sie es so hingekriegt haben, wie sie es gemacht haben. Ja. Ganz, ganz toll. Es ist ein Oscar-Beltfilm, oder?
Florian Bayer: Ja, ja. Ja, naja, klar. Diesen Gedanken, dem konnte ich mich nicht erwehren die ganze Zeit über. Es gibt die großen Emotionen. Es gibt das historische Setting.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es gibt ein bisschen Politik. Dazu kommen wir auch gleich noch. Immer auch so Richtung Gegenwart geschielt, aber nicht zu viel, sondern es soll immer der grundsätzliche Humanismus im Mittelpunkt stehen, das emotionale Miteinander der Menschen. Es gibt viel Pathos und es gibt Tom Hanks. Das ist total der Oscar-Film. Es gibt viel Pathos und es gibt Tom Hanks.
Johannes Franke: Es ist ein Oscar-Film. Ja, absolut. Toller Satz. Du kannst halt Tom Hanks, ich weiß nicht, wie der Mann das macht. Du kannst ihn in jeden Film stecken und er ist immer großartig und er ist immer trotzdem auch eine andere Figur. Also er ist nicht immer nur Tom Hanks, aber er ist trotzdem irgendwie immer Tom Hanks, weil er eine ganz bestimmte Kraft und Sensibilität gleichzeitig in so eine Figur reinbringt. Das ist unglaublich.
Florian Bayer: Tom Hanks gehört zu den Schauspielern, die meiner Meinung nach mit dem Alter besser geworden sind, weil er es schafft, weil er es sehr gut schafft, Personen mit einer gewissen Altersweisheit und mit einer gewissen Alterssanftheit zu verkörpern, ohne dass er, also er ist kein Senioren darstellt, aber er kann das Alter einfach gut darstellen. Ja, absolut. Und zwar, er kann sehr gut Personen darstellen, die gelebt haben und die was erlebt haben und die viel durchgemacht haben. Also wenn ich so an die letzten Jahre zurückdenke, in Captain Flips zum Beispiel, wo er diesen Kapitän spielt, der an der afrikanischen Küste von Piraten entführt wird. Hab ich nicht gesehen. Spielt er fantastisch. Einfach dieses, ja er spielt eigentlich einen traumatisierten Mann und er spielt das ganz großartig und man kauft es ihm zu jeder Zeit ab, in Cloud Atlas, was eine ganz andere Rolle. Ja, aber auch großartig, natürlich. Und diese Altersdinger, ich meine, ja, Tom Hanks war halt auch mal der Darsteller der romantischen Komödien. Wenn wir in die 80er und 90er zurückdenken, hat der eine Rom-Com nach der anderen gespielt. Hast du Beispiele für mich? Naja, Schlaflos in Seattle. E-Mail für dich, beide mit McRhyne. Stimmt. Und Forrest Gump.
Johannes Franke: Ja, aber Forrest Gump war schon auch Ausnahme im Film, oder? Also keine klassische Rom-Com.
Florian Bayer: Nee, keine klassische Rom-Com, aber Forrest Gump war, würde ich behaupten, war jetzt nicht die größte Schauspielkunst, was er da gemacht hat.
Johannes Franke: Als damals Forrest Gump rausgekommen ist, war ich ja Kind. Ja. Wann ist der rausgekommen, weißt du das? 90er, 94, 95. Und damals habe ich schon ein paar Mal meinen Eltern gegenüber erwähnt, dass ich vielleicht Schauspieler werden will. Und dann war, um den Film zu promoten, waren irgendwelche Leute in Leipzig auf dem Rathausplatz und haben irgendwie, haben Leute auf eine Bank gesetzt, ihnen eine Schachtel Pralinen in die Hand gegeben und sie zwei, drei Sätze sagen lassen. Und dann irgendwie ein Foto davon gemacht, das konnte man mitnehmen. Und dann haben meine Eltern gesagt, dann wird er Schauspieler werden, ne? Und ich habe es voll vermasselt. Ich habe den Text nicht ordentlich hingekriegt, das war irgendwie alles so echt peinlich. Und dann sagt irgendwie, ich weiß nicht, ob es meine Mama war oder irgendjemand aus der Familie, sagt dann, naja, als Schauspieler musst du schon textsicher sein, ne? Und da war es erst mal so ein bisschen begraben für mich für den Moment. Aber es hat sich natürlich nicht aufhalten lassen. Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen. Genau diese Szene haben sie natürlich, natürlich was sonst. Oh mein Gott.
Florian Bayer: Ja genau, Oscar-Bate-Film, ich fand es wirklich spannend, dass er eigentlich in ganz vielen Momenten sehr traditioneller Western ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Auch in vielen Momenten ein bisschen zu traditionell. Ich bin nicht so der größte Western-Fan. Nee, ich auch nicht.
Johannes Franke: Ich kenne auch nicht so viele.
Florian Bayer: Es gibt sehr viele Western-Momente in dem Film, wo ich so dachte, ja, okay, habe ich auch schon gesehen.
Johannes Franke: Ja. Kennt man einen, kennt man alle? Western. Western. Oh mein Gott.
Florian Bayer: Nein.
Johannes Franke: So früh. So früh. Nein. Sie kommt. Ah, die Top 3. Top 3. Ja. Die Top 3. Top 3 Western. Ja. Auch eine schwere Liste. Auch eine schwere Liste. Auch eine schwere Liste, eben weil ich eben nicht so viele Western kenne und du ja anscheinend auch nicht.
Florian Bayer: Nee, und ich kenne tatsächlich einige Western, aber tatsächlich auch viele von den Klassikern. Ja. Finde ich gut. Würde ich sagen, ja, sind gute Filme, aber jetzt nichts, was mich so total umgehauen hätte. Meine Liste ist auch sehr merkwürdig, habe ich das Gefühl.
Johannes Franke: Okay. Was sind denn so die Klassiker, wo man sagen würde, das müsste eigentlich auf einer Liste landen, aber irgendwie doch nicht? Spiel mir das Lied vom Tod. Ja.
Florian Bayer: Klar. The Bad and the Ugly. Ja. Eine Handvoll Dollar. Mhm. Das glaube ich dasselbe, das weiß ich auch nicht mehr. Keine Ahnung. So wie Clint Eastwood Western, erbarmungslos als Spätwestern. Mhm. Und der mit dem Wolf tanzt, würden wahrscheinlich viele nennen, als 90er Western, der stark war. Blazing Saddles. Blazing Saddles, genau. Ja. Und dann gibt es natürlich diese ganzen, aber da wird ja auch oft bei die Qualität gestritten, die ganzen John Waynes. Ah ja. So Eldorado und die vier Söhne der K4 Elder. Aber hast du die tatsächlich gesehen? Ja. Also die ich jetzt genannt habe, die habe ich gesehen.
Johannes Franke: Und sind das Sachen, wo du sagst, ich habe das jetzt aus der Vollständigkeit halber geguckt oder tatsächlich, weil du gedacht hast, sieht spannend aus?
Florian Bayer: Ich war zu jung, als ich die geguckt habe. Also nee, das ist so gerade so diese John-Wayne-Filme, die habe ich einfach geguckt, weil ich Kind war und gerne Fernsehen geguckt habe und die Dinge halt ständig im Fernsehen liefen und immer mal wieder wiederholt wurden. Und da werfte ich wahrscheinlich auch mal wieder ein paar durcheinander. Ja, nee, ich habe Western nie aus so einem kanonischen Blickwinkel geguckt. Also für muss man sehen, die 80er-Liste gemacht habe, habe ich wieder in Western reingeguckt. Und das werde ich jetzt bei den 70ern auch machen. Ich bin froh, dass die besten Western dieses Jahrzehnts noch nicht dran sind. Aber es wird die Zeit kommen, wo ich sehr viele Western wieder gucke. Ja. Einfach um eine Top-Liste zu machen, hinter der ich stehen kann, wo ich sagen kann, okay, jetzt habe ich genug Filme geguckt, wo ich sagen kann, ich habe 50 Filme geguckt und die 10 sind sehenswert und die anderen muss man nicht sehen.
Johannes Franke: Ja, okay. Das ist so wahnsinnig auffällig, all diese Filme zu gucken. Boah, ja. Aber es ist natürlich trotzdem irgendwie geil, weil man so einen guten Rundumblick bekommt. Es macht so viel Spaß auch.
Florian Bayer: Also wirklich, ich kann nur nicht zu gucken. Es war jetzt total schräg. Ich habe es dir erzählt. Ich glaube, ich habe es dir nicht vom Mikro erzählt. Ich habe die Erotik-Liste als letztes gemacht. Und ich habe sehr viele Erotik- und Sexfilme aus den 70ern geguckt in den letzten. Und irgendwann scrollt man nur noch durch? Teilweise habe ich 16 übersprungen, aber auch wirklich bei den Filmen, wo ich dachte, okay, die schaffen es auch nicht auf die Liste. Okay, okay. Weil es irgendwann auch, die 16 übersprungen habe ich dann vor allem bei den Pornos gemacht, weil das wirklich so anstrengend ist nach einer Zeit.
Johannes Franke: Es ist ja auch immer das Gleiche im Grunde.
Florian Bayer: Genau. Und auch schon in den 70ern. Und bei den Erotik-Filmen habe ich nicht so viel durchgescrollt, weil die, die ich wirklich gut fand, waren auch nicht so, waren Filme, die ich wirklich von Anfang bis Ende gucken wollte, weil sie wirklich gut waren. Und die, die ich nicht gut fand, habe ich teilweise auch einfach ausgemacht. Also dann habe ich auch nach einer halben Stunde oder nach einer Stunde gesagt, okay, Emmanuelle ist kein Film, der in eine Top-Liste gehört. Nein. Weg damit. Nein, nein. Oh Mann. Aber wenn man Erotik-Filme 70er googelt, ist das das Erste, was kommt. Emmanuelle, Frankreich, 1970, Sylvie Christel. Tja. Rassistisch, sexistisch, Stereotyp, Katastrophe. Mhm. Aber wir sind bei Western. Du musst mir deine Nummer 3 sagen oder ein paar Honorable Mentions. Honorable Mentions, die Serie Westworld.
Johannes Franke: Oh ja. Die ich nun wirklich großartig fand. Oh, was für eine tolle Serie. Oh Gott, man könnte sich drin suhlen die ganze Zeit. HBO, oder? Ähm, ähm, produziert von und lief die ganze Zeit auf.
Florian Bayer: Ich glaube, es war eine HBO-Serie, weil HBO macht immer noch die besten Serien. Kann sein. Und ja, Westworld war unfassbar gut. Wahnsinn, oder? Und wirklich auch eine Serie, die mich voll erwischt hat mit dem Plot-Twist in der ersten Staffel. Ja. Boom. So krass. Und dann denkt man, fuck, so hängt das alles zusammen. Ja. Und man weiß ganz lange nicht in der Staffel, wo es hinläuft. Ja. Warum die Geschichten parallel erzählt werden und wenn sie sich dann treffen, ist es so ein Mindfuck.
Johannes Franke: Fantastisch, ich fahre hin und weg. Toll, toll, ganz, ganz, ganz toll. Und wir haben ja, ich weiß nicht, ob die TN ist, aber wir haben zusammen die, die aus den 70erern oder 80ern, ich weiß nicht, diese Originalfilme gesehen. Zwei, drei Stück. Zwei. Zwei sind es nur. Westworld und Futureworld. Auch finde ich mal noch sehenswert. Beide 70er, soweit ich weiß. Ah ja, okay. Aber die hattest du mir irgendwann mal gezeigt. Ja, kann ich mir gut vorstellen. Und ich fand die unglaublich trashig, aber irgendwie auch sehenswert eben, wie du sagst. Ja, es ist halt auch 70er, ne?
Florian Bayer: Also es ist einfach auch ein bisschen andere Sehgewohnheiten, andere Ästhetik. Und ich finde es halt wirklich wahnsinnig beeindruckend, was sie daraus gemacht haben in der Serie. Ja. Sie haben es einfach geschafft, die Themen von dem ersten und von dem zweiten Film miteinander zu kreuzen, im Western-Setting zu bleiben und trotzdem deutlich größer und monumentaler zu wirken. Fantastische Serie.
Johannes Franke: Es ist auch ein bisschen fies, dass es jetzt Unorable Mention ist, aber es ist eine Serie und ich habe gedacht, ich habe ja gedacht, da kommen keine Serien rein. Ähm, Doctor Who? Nein, ich meine in die Top-Listen.
Florian Bayer: In die Top-Listen. Du bist wie ein Pixar-Film, du stellst Regeln auf und bricht sie dann. Also zumindest wie einer, der nicht so ganz kohärent ist. Okay. Okay.
Johannes Franke: Hm, okay. Mein Platz 3. Django Unchained. Aha, Tarantino. Tarantino. Ja. Ja. Man hätte auch The Hateful Eight nehmen können, aber den fand ich tatsächlich gar nicht so richtig, richtig gut. Ich war unterhaltsam, das fand ich unterhaltsam, aber irgendwie, und was fehlt dem? Ich weiß nicht genau, was dem fehlt.
Florian Bayer: Oh, ich fand The Hateful Eight richtig stark. Ich überlege gerade, ob ich sagen könnte, welchen von beiden ich besser finde. Ich mag beide Filme. Ich war bei Django. Ah, Django Unchained ist so ein toller Film, aber eigentlich müsste dieser Film anders heißen, weil dafür, dass Tarantino so viel Wert drauf legt, dass es so wichtig ist, dass er diesen schwarzen Protagonisten hat.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Gibt ja unserem lieben Österreicher Christoph Waltz so viel Raum und Christoph Waltz dominiert den Film auch so krass in dieser Rolle als dieser wunderbare Halunke. Unglaublich toll. Und das ist so ein bisschen schade. Und war das Jamie Foxx auch? Ja, das war Jamie Foxx. So, auch Jamie Foxx. Und Jamie Foxx spielt das toll, aber er kriegt einfach vom Film ein bisschen zu wenig Raum und Christoph Waltz wird von dem Film ein bisschen zu sehr nach oben gehoben. Und Christoph Waltz ist toll in dem Film und es ist halt einfach, jetzt muss ich einmal kurz gucken, wie dieser Charakter heißt, den er spielt.
Johannes Franke: Ich glaube, Tarantino war einfach so begeistert von Christoph Waltz, dass er einfach gedacht hat, boah, ich muss irgendwas, ich muss ihn unbedingt wieder einbauen.
Florian Bayer: Dr. King Schulz, der müsste eigentlich Dr. King Schulz Unchained heißen, weil Christoph Waltz so im Mittelpunkt steht, aber er ist fantastisch in dem Film. Ja, er ist einfach fantastisch. Und genau, natürlich wurde er von Tarantino so nach oben gehoben, weil er davor in Glorious Bastards das so weggerockt hat.
Johannes Franke: Ja, das ist so krass gemacht. Also wirklich ganz, ganz beeindruckend.
Florian Bayer: Und Leonardo DiCaprio, der in dieser berüchtigten Szene das Glas kaputt haut und die Hand blutet und das ist alles real und das war gar nicht geplant.
Johannes Franke: Und er spielt es ganz krass weiter und alle anderen am Tisch denken die ganze Zeit, fuck, fuck, fuck, sagt keiner Cut, sagt keiner Cut, oh mein Gott, okay, wir spielen weiter. Ja, total krass. Cooler Film, auf jeden Fall, toller Score und... Ja, wo ich, es gibt da in diesem Film diese eine Stelle, ich weiß nicht, ob du das auch erinnerst, aber ich erinnere das immer so, dass, ich glaube, Jamie, ich weiß nicht, Jamie Fox, guck's, irgendjemand kommt dann in dieses Haus rein und bis dahin ist es noch gar nicht so richtig krass Tarantino blutig gewesen. Und es gibt die Situation, dass die beiden sich, die Kontrahenten sich irgendwie aussprechen oder doch nicht aussprechen oder so. Jedenfalls verlässt er beinahe die Szene und man könnte denken, okay, da könnte der Film eigentlich zu Ende sein.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Dreht ihm den Rücken zu, dreht sich dann aber kurz vorher nochmal um und sagt, meh, sorry, ich muss jetzt doch losschießen. Ich weiß nicht mehr genau, welchen Wortlaut er hat, aber er sagt quasi, sagt mir Tarantino an der Stelle, äh, sorry, aber ich muss jetzt einfach noch ein Blutblatt anrichten. Es geht nicht ohne, ja.
Florian Bayer: Das ist total krass. Ich find's toll, wie Tarantino es immer wieder schafft, so seine typischen Tropes in jedes Setting zu verpflanzen. Das ist unglaublich. Egal ob Zweiter Weltkrieg oder wie in dem Fall Western und sie funktionieren und betten sich da so ganz organisch ein. Das ist krass. Und es macht einfach Spaß, ja. Ja, Wahnsinn. Super Film, auf jeden Fall. Meine Nummer drei ist, ganz andere Richtung, El Toppo von Alejandro Jodorowsky aus dem Jahr 1970. Ein surrealer Acid-Western. Was? Wo eine Art Revolverheld mit seinem Sohn, mit seinem nackten Sohn umherzieht. What? Und ihn dann, sie erleben ein Abenteuer, könnte man sagen, aber vor allem kommen sie dann an ein Kloster und dann lässt er den Sohn da und zieht dann mit einer Frau los und verfällt dieser Frau und muss dann, muss dann mehrere ihrer, nicht ihrer früheren Geliebten. Und er muss Meister umbringen. Es ist ein Werk des Surrealismus. Es ist ein sehr merkwürdiger Film im Western-Setting. Okay. Der total verdruckt wird, der unglaublich viel mit Symbolen spielt und ganz wild christliche Spiritualität mit fernöstlicher Philosophie und mit Anleihen an den Monumentalfilmen mixt und irgendwie bei sowas rauskommt. Irgendwas zwischen Fantasy und Drogentrip und sehr elegischem, langsam erzählten Western. Oh Gott. Ich kann es nicht richtig beschreiben. Der Dali des Westerns? Ja, Alejandro Jodorowsky ist eigentlich nach Louis Bonoel der große Filmmacher des Surrealismus und der hat einfach mal die 70er und 80er dominiert mit seinen Filmen, kurz bevor das surrealistische Kino dann so ein bisschen untergegangen ist. Und der dreht wirklich sehr klassisch surrealistische Werke. Holy Mountain ist wahrscheinlich sein bekanntester Film. Ein südamerikanischer Filmmacher, der einfach sehr anders erzählt und sehr merkwürdig erzählt, aber dessen Filme total sehenswert sind. Er hätte es fast geschafft, einen Tune zu verfilmen, der dann später David Lynch zugeschlagen wurde. Und das ist auch schön, er ist ein sehr ambitionierter Filmmacher. Seine Filme sind alle übertrieben und alle größenwahnsinnig und gleichzeitig so komplett abgefuckt, dass sie für kein Mainstream-Publikum geeignet sind.
Johannes Franke: Ich finde es immer wieder beeindruckend, was du alles aus dem Hut zauberst. Die machen so viel Freude. Das ist unglaublich. Natürlich, ich habe das alles nicht studiert, so wie du oder so, aber ich habe mich auch einfach wirklich in den entscheidenden Phasen meines Lebens eben nicht hingesetzt. Und habe alles kanonisch einfach durchgeschaut.
Florian Bayer: Das habe ich ja auch noch nicht gemacht. Ich habe so viel Angst davor, jetzt demnächst, wenn ich jetzt mit den 70ern durch bin, über die 60er zu schreiben. Ich muss so viele Filme noch gucken. Oh Mann.
Johannes Franke: Aber es ist so krass, was du alles... Oh mein Gott. Okay. Ich kann mit anderen Sachen punkten. Jawohl. Ich kann über jeden Film sagen, naja, dieser Blick von diesem einen Schauspieler an der Stelle, der war nicht überzeugend. Und jetzt, jetzt, jetzt halte ich mich selbst drunter. Nein, aber ja, genau wegen solcher Empfehlungen macht es sehr viel Spaß mit dir, diesen Podcast zu machen. Ich glaube, ich muss...
Florian Bayer: Aber das kann ich zurückgeben. Ich kriege von dir auch immer was zugeworfen, was ich sonst nie geguckt hätte. Wollen wir kurz das Mikro ausmachen? Ja.
Johannes Franke: Wir streicheln uns die Bäuche. Wir müssen kurz allein sein. Okay. Gut. Mein Platz zwei, oder? Geht los. Oh Gott. Flo hat eine Zigarette in den Mund gesteckt und raucht jetzt eine danach. Entschuldigung, sonst passiert mir das nie. Weißt du, Flo, das ist so... Acht von zehn Männern haben dieses Problem.
Florian Bayer: Danke, Johannes.
Johannes Franke: Danke, dass du mich so aufbaust. So. Und jetzt probier's nochmal. Platz zwei, Johannes. Okay, mein Platz zwei. Und das ist ein bisschen gemein. Ich hab's schon mal gesagt und du hast schon mal widersprochen. Gran Torino. Mhm. Gran Torino ist kein Western eigentlich. Aber er ist ein Western. Ja.
Florian Bayer: Ich glaub, man kann das Western... Man kann Western sehr weit fassen, das John Ross. Es muss nicht im 19. Jahrhundert im wilden Westen, der gerade erschlossen wird, spielen. Ja. Es reicht auch, wenn Clint Eastwood den Film macht. Clint Eastwood macht jeden Film automatisch zum Western. Ja, aber Gran Torino, okay, gute Wahl. Also, kann ich nachvollziehen?
Johannes Franke: Ja. Also, es ist einfach... Schaut den euch an, dann werdet ihr das vielleicht hoffentlich nachvollziehen können. Ich kann jetzt keine gute, richtig gute Begründung geben, weil es... Weil dazu hätte ich mich jetzt nochmal filmphilosophisch und theoretisch einarbeiten müssen in diesem Film. Das hab ich jetzt nicht geschafft.
Florian Bayer: Gran Torino ist für mich ein bisschen ein konservativer Film, dessen Konservatismus ich aber schätzen kann, weil es ist kein... Dieser Film steht ganz klar nicht im selben politischen Lager wie ich. Und trotzdem kann ich das, wie er das erzählt, schätzen, weil er es plausibel macht und weil er geradlinig ist dabei. Ja. Und deswegen stört seinen Konservatismus auch überhaupt nicht in dem Fall.
Johannes Franke: Und ich finde, dass man als Zuschauer, egal aus welchem Lager man ist, man andocken kann einfach. Genau, ja. Und deswegen auch tatsächlich, also zum Beispiel eben diese Hauptfigur von Clint Eastwood gespielt, man kann einfach mit ihm mitgehen die ganze Zeit, mit ihm mitfiebern und man ist nicht mit allem überein, was so gesagt wird, was der Film erzählt und was der Film sagt und was er einem vielleicht nahelegen will. Aber man kommt da voll gut rein und ist voll an ihm dran und will, dass er es schafft quasi.
Florian Bayer: Ich habe schon vorhin gesagt, Tom Hanks ist so ein Schauspieler, der immer besser geworden ist mit dem Alter und Clint Eastwood ist genau dasselbe. Genau dasselbe, ja. Dein Platz? Mein Platz zwei. True Crit von den Coens, von Ethel und Joel Coen. Nicht nur ein Remake von einem 60er Jahre Western, ich müsste gucken. 1968 ist das Original, das ich glaube ich nicht gesehen habe, ein John Wayne Film. Keine Ahnung. Aber dieser Film ist für mich so die Quintessenz des Western Genres, weil er wirklich alles verbindet, was man so in Western an Archetypen und Klischees findet. Und dabei gar nicht so krass drauf aus, das Ganze zu dekonstruieren oder ins Lächerliche zu ziehen, sondern einfach straight durchzieht, aber dabei einfach ein total fantastischer Film ist.
Johannes Franke: Haben die Coen-Brüder einen Hang zum Western? Ja. Definitiv. Schon, oder? Kann man Fargo als Western bezeichnen?
Florian Bayer: Uff, es gibt tatsächlich das Genre, ich weiß nicht, ob es Snow-Western heißt oder Northern-Western, also das, was Hateful Eight auch wäre. Ah, ja, ja, ja. Weil Western spielen ja traditionell eher ein bisschen südlicher, so die Region Texas und Richtung Kalifornien und Nevada und so. Aber ja, Fargo wäre dann wahrscheinlich diese Richtung. Und sonst, ja, haben die, ich meine, All-Broad-Aware-Art-Doh. Ja, ja, genau. Dann auch, ja, früheres Werk Platz Simpel ist auch so sehr Western-like. No Country for Old Men ist so ein ganz klassischer Neo-Western.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Ja, doch. Ja, die sind schon so, ne?
Johannes Franke: Sind Western-Typen. Ja. Und das finde ich halt auch sehr stark an denen, ne? Dass sie es schaffen, dieses typische High Noon, dieses Gefühl, nicht dieses Bild zu zeigen, aber dieses Gefühl zu haben, wo da stehen einfach zwei voreinander, wer zieht als erstes und was, also diese Spannung, die da einfach, ne? Und dieses Luftflimmern und so. Und das in Fargo, wo kein Luftflimmern möglich ist, weißt du?
Florian Bayer: Ja. Echt krass. Die Cones sind halt auch unglaublich amerikanische Filmmacher. Was ich an denen schätze, ist, sie schaffen es unglaublich gut, so amerikanische Kultur und Gesellschaft sehr pointiert darzustellen. Und diese ganzen Western-Mythen und Western-Klischees sind natürlich ein essentieller Bestandteil der amerikanischen Kultur bis zum heutigen Tag. Und sie schaffen das auch die sehr, sehr gut und ohne mit erhobenem Zeigefinger die düsteren Seiten, die düsteren Seiten dieses, dieses Amerikas zu erzählen. Ja.
Johannes Franke: Hm.
Florian Bayer: Ja, wenn mich jemand fragen würde, welche Filme helfen, Amerika zu verstehen, würde ich sagen, guck dir alles von den Cones an.
Johannes Franke: Okay, ja. Hm. Gepaart mit Michael Moore. Okay, ja, mein Platz 1, Dead Man. Oh. Ja. Also, und wird, ist auch mit Abstand auf Platz 1 und ist auch mit Sicherheit in meiner Liste der besten Filme, die ich je gesehen habe.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Dead Man. Der Mann stirbt von der ersten Minute an, die er zu sehen ist. Eine Reise ins Jenseits ist der Film. Das ist unglaublich. Und dieser Score. Jim Jarmusch, ne? Die Musik ist unglaublich, ja. Es ist, uff.
Florian Bayer: Und er einmal ganz trocken und nüchtern erzählt.
Johannes Franke: Du wirst die ganze Zeit da ganz langsam durchgezogen und du musst ihm einfach erbarmungslos dabei zuschauen, wie er einfach hoffnungslos verloren ist und stirbt.
Florian Bayer: Ja, fantastischer Film.
Johannes Franke: Er schleppt sich durch diesen Film und versucht es noch irgendwie, aber wir wissen, es geht einfach.
Florian Bayer: Und es hat die ganze Zeit so was Transzendentales. Es ist quasi so eine Reise ins Jenseits und es ist so ein Wegdriften.
Johannes Franke: Ja, und dann mit dem Ureinwohner, der dann ihn da irgendwo aufgabelt und mit ihm auch, eben auch dieses Transzendentale, was du meinst, kommt halt auch durch ihn, weil er dann natürlich so dieses sehr Spirituelle mit reinbringt und irgendwie einen ganz großen Anteil, finde ich, hat die Musik von Neil Young, der so wunderbar zusammenhält alles. Und es gab eine Phase in meinem Leben, wo ich diesen Score auch rauf und runter gehört habe. Zurecht. Das ist unglaublich. Ja.
Florian Bayer: Ja, ja, ja. Dein Platz 1? Mein Platz 1 ist so klassisch, dass es fast wehtut. Okay. High Noon, 12 Uhr mittags. Was, wirklich? Ja. Oh mein Gott. Es ist tatsächlich ein Film, der mich total bewegt hat, als ich ihn das erste Mal gesehen habe und bis zum heutigen Tage bewegt. Und es ist ein ganz traditioneller Western eigentlich. Aber was mit diesem Protagonisten in diesem Western geschieht, geht so krass über das Genre hinaus, dass er damit teilweise noch locker Spätwestern aus den 90ern und 2000ern schlägt. Wow. Weil er zeigt einfach mal einen geschlagenen Mann. Er zeigt keinen klassischen Westernhänden, sondern er zeigt einen Sheriff, der eigentlich keinen Bock hat zu kämpfen. Und der eigentlich nicht will und der eigentlich am Ende ist, der keine Hilfe erhält und der die ganze Zeit durch diese Stadt stolpert, weil er weiß, da kommen die Banditen, die ihn töten wollen. Und er wollte ja eigentlich nur seine Frau heiraten und sie will ja eigentlich auch nicht, dass er kämpft. Und er versucht irgendwie Hilfe zu kriegen und er hat Angst, dass er stirbt. Und dieser Film hat so manche Momente, wo wir wirklich einfach nur einen Mann, der Angst hat, der traurig ist, der überhaupt nicht diesen archetypischen männlichen Bildern entspricht. Wir sehen einfach nur, wie der von A nach B stolpert, in der Hoffnung, irgendwie das Unaufhaltbare aufhalten zu können oder verzögern zu können. Ja. Und der Film läuft ja auch fast in Echtzeit ab. Und dieser Kontrast, diese eigentlich klassische Western-Geschichte, er ist Sheriff, die Gangster kommen und wollen ihn töten. Aber dann so, ja, teilweise wirklich fernab dieser männlichen Klischees dargestellt und wirklich nicht einfach nur den gebrochenen Anti-Helden, sondern wirklich einen ängstlichen, eingeschüchterten, kaputten Menschen gezeigt, der da am Schluss trotzdem mutig ist und sie besiegt oder so. Aber das ist egal, weil die Hauptlaufzeit dieses Filmes bricht komplett mit den Western-Stereotypen und macht das aber so geschickt, dass es trotzdem als Western-Klassiker gilt. Cool. Ich liebe diesen Film. Okay. 1952, der ist uralt. Ich habe ihn noch nicht gesehen. Oh, wow.
Johannes Franke: Ja. Schau ihn dir an. Weil ich immer gedacht habe, naja, einer dieser Spaghetti-Western, die man... Kein Spaghetti, Amerika. Ach so, okay, auch das noch, ja. Noch viel schlimmer. Noch viel schlimmer. Und Gary Cooper. Und Grace Kelly. Oh, okay. Ja, gut, okay. Ich werde mir diesen Film angucken. Grace Kelly hat mich gerade überzeugt.
Florian Bayer: Ich hatte eigentlich von dir erwartet, dass du diesen Fluss-Film noch bringst mit Mellon Monroe. Den fand ich nämlich auch immer ganz gut als Kind. Aber ich weiß nicht mehr, wie der heißt. Es gibt so einen Film, wo sie mit Mellon Monroe den Fluss runterfahren. Oh. Auch in sehr traditioneller Western. Weißt du, welchen ich meine? Da muss ich jetzt tief graben.
Johannes Franke: Mellon Monroe-Fluss-Western. Ich werde ihn nicht gesehen haben, weil sonst würde ich mich wirklich erinnern.
Florian Bayer: Fluss ohne Wiederkehr aus dem Jahr 1954. Aha. Ich habe fest damit gerechnet, dass der von dir kommt mit Robert Mitchum und Mellon Monroe. Hm.
Johannes Franke: Nee, ich bin immer nur, ich tue immer nur so. Ich bin so pretentious und sage immer, ich gucke nur die alten Filme, die 50er Jahre. Und dann schlägst du mir zehn Dinge, die ich an dir hasse, vor.
Florian Bayer: Ja. Wollen wir in den Film zurückgehen? Ja, zurück zu News of the World. Wir sind relativ am Anfang noch und waren jetzt ganz lange bei den Western.
Johannes Franke: Ich finde diese Erfindung der Figur des News-Vorlesenden so wahnsinnig cool.
Florian Bayer: Ja. Seine Liebeserklärung an die Medien.
Johannes Franke: Es ist unglaublich cool.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: So toll. Und wie die Leute begeistert sind und er der Geschichtenerzähler ist, der eigentlich nur Zeitungsartikel vorliest. Aber er ist der Geschichtenerzähler, der es schafft, diese Delivery, das auch zu bringen und die Leute mitzureißen. Und das ist eine ganz tolle Figur.
Florian Bayer: Und man muss sich ja wirklich vorstellen, also das ist ja tatsächlich, das ist historisch ziemlich korrekt. Also es gab diese Leute. Und das war ja eine Zeit, in der der Westen erschlossen wurde. Ja. Und das heißt, wir haben hier wirklich Dörfer und Städte, die überhaupt nicht angeschlossen sind an die Infrastruktur vom restlichen Amerika. Wo dann die ersten Schienen gebaut wurden und dann geht vielleicht eine Eisenbahnstrecke durch, aber die Leute sind schon so ein bisschen abgeschnitten.
Johannes Franke: Ich habe mal eine Frage an dich. Ja. Jetzt da so ein bisschen andockt. Warum sind in solchen Filmen, ist die Erzählweise immer so hoffnungslos? Alles wird immer, wenn es darum geht, um diesen wilden Westen oder diese Erschließungsphase von Amerika. Und warum ist das immer so hoffnungslos? Weil eigentlich ist es eine Sturm-und-Drang-Zeit. Eigentlich sind es doch Leute, die irgendwo hinwollen. Aber ich habe keinen Film in meinem Kopf, in meinem Schubladen gefunden, der irgendwie auch nur ansatzweise diese Hoffnung und diese Aufbruchsstimmung wirklich dargestellt hätte.
Florian Bayer: Naja, es gibt natürlich einen großen Unterschied zwischen den klassischen Westernen, die ja den ganzen wilden Westen sehr romantisiert darstellen. Aber selbst da geht es ja nicht.
Johannes Franke: Aber geht es da immer darum, dass alle irgendwie go West und wir machen alles und sind ganz toll und Aufbruchsstimmung? Ja, die meisten...
Florian Bayer: Das ist eher so Stellungskrieg, der eine gegen den anderen. Die meisten Western behandeln ja eigentlich nicht diese Expansion Richtung Westen. Davon gibt es tatsächlich, davon gibt es aber auch Filme. Also was mir jetzt als erstes einfallen würde, was so ein richtig klassischer Film der West-Erschließung ist, ist aus dem Anfang der 90er in einem fernen Land mit Tom Cruise und Nicole Kidman. Ich glaube, den habe ich nicht gesehen. Und das ist zum Beispiel ein sehr optimistischer Film. Okay. Ich überlege gerade, ich kenne jetzt diese Geschichten, wo es wirklich um so die Erschließung geht, auch nicht so viel. Die meisten Western spielen ja schon irgendwie so in Dörfern und Städten, wo irgendwie schon so ein bisschen Leben stattfindet und wo auch, wo die Welt irgendwie schon sich so ein bisschen konsolidiert hat. Ja. Und wir haben den Sheriff und wir haben die Ganoven und das sind dann ja so sehr romantisierte Geschichten. Das ist das Pendant zu unseren Mittelalter-Erzählungen, wo alles so ein bisschen, ja, es ist eine raue Zeit und es wird viel gekämpft, aber das sind doch echte Kerle. Die können reiten und die können schießen und sie haben Sporen an ihren Schuhen.
Johannes Franke: Aber weißt du, was ich meine, dass ich das Gefühl habe, dass eigentlich die erzählte Zeit muss doch wenigstens ein bisschen diese Aufbruchsstimmung mittragen, selbst wenn das alles schon so angekommen ist in einem Dorf oder sowas. Aber so eine Zeit trägt doch ein grundsätzliches Gefühl mit. Ja. Und dieses grundsätzliche Gefühl müsste doch eigentlich sein, dass wir alle uns eine neue Welt erschließen und dass wir alle vorwärts gehen und dass es neue Erfindungen gibt und dass es alles aufregend ist.
Florian Bayer: Ich würde sagen, das ist das, wo das Narrativ des Spätwestern ins Spiel kommt, der ganz klar gegen diese Romantisierung des Wilden Westen arbeitet und der vor allem auch erzählt, es war natürlich keine Zeit des Aufbruchs und der Erschließung neuer Welten, sondern es war eine Zeit der Vertreibung, eine Zeit des Genozids, könnte man sogar sagen, eine Zeit der rohen Gewalt, der Unterdrückung. Weil die Leute sind ja nicht, es ist ja nicht so, wenn wir uns diese Westerschließung betrachten, dass die da hingeritten sind und ihre Häuser gebaut haben und gesagt haben, hey, wir bauen hier eine neue Welt auf, sondern da hat jemand schon gelebt und die, mit denen wurde nicht so nett umgegangen. Nein, aber pst, verratet es niemandem. Und dieser düstere Ton ist natürlich auch einfach eine Auseinandersetzung mit den Schattenseiten dieser Welt. Ja.
Johannes Franke: Was ja dieser Film auch mit tut. Total. Was ich sehr schön finde und gut in kleinen wie in großen Momenten. Wenn es, wenn es am Anfang nur ein Blick ist von Tom Hanks, der sieht, wie, wie einem Schwarzen, wie ein Schwarzer nicht besonders gut behandelt wird. Das ist nur, nur ein Blick.
Florian Bayer: Ja. Gut, trotzdem sehr gut erzählt. Was ganz spannend ist, weil Tom Hanks, die Rolle von Tom Hanks, dieser Captain Jefferson Kyle Kidd ist ein Teil dieser Welt. Ja. Er ist kein Außenseiter. Er war Soldat im Bürgerkrieg und zwar auf der Konföderierten Seite. Er ist wie viele der Leute, die da herumirren in dieser Welt, ein Veteran. Also das spielt in 1870, das heißt so fünf Jahre nach dem Bürgerkrieg. Und wie viele Menschen dieser Welt, ist er ein Veteran, der jetzt nicht mehr so genau weiß, wohin und was er machen soll. Und er hat seine Frau verloren und er ist gezeichnet vom Krieg. Es wird nie groß erzählt, was er im Krieg erlebt hat. Aber es wird angedeutet, dass er offensichtlich ziemlich viel Mist gebaut hat, wie alle im Krieg. Ja. Und es ist eigentlich auch so, was hier natürlich auch erzählt wird, ist so eine Geschichte der verlorenen Seelen. Die Konföderierten haben den Bürgerkrieg verloren. Die Südstaatler, nicht nur die Texaner, sondern auch andere Südstaatler fühlen sich irgendwie abgehängt. Mhm. Fühlen sich vom Norden mit Arroganz behandelt. Es gibt einige Momente, wo man diesen Gleich of the Cultures auch direkt zu sehen bekommt, wenn Unionssoldaten da stehen und es brodelt und man weiß nie so genau, was passiert jetzt. Kommt es jetzt zu gewalttätigen Ausbrüchen? Ja. Es wäre tatsächlich ein Moment, den ich dem Film auch ein bisschen vorhalten würde. Es gibt ja dieses, das ist jetzt schon der Bezug auf unsere Zeit, es gibt dieses Narrativ in den südlichen Staaten Amerikas der USA, also vor allem so Texas und Nevada und New Mexico, dass die großen, dass die Leute von der Küste, die arroganten, reichen Küstenbewohner, auch Hollywood, vor allem Hollywood, Kalifornien, auf die Südstaatler herabblicken und die alle als Hinterwäldner, Nazis, Dummköpfe, religiöse Fanatiker und so weiter sehen. Und dieses Klischee, dass die Südstaatler über die Küsten haben, das scheint hier bestätigt, weil genau dieses, das haben wir in diesem Film. Ja. Wir stolpern durch Texas und wir kommen dann allem vorbei, was es an menschlichem Abschaum zu erleben gibt. Wir haben ganz am Anfang, wir haben die Pederasten, die Johanna kaufen wollen, um natürlich eng was Schlimmes zu tun. Wir haben die dummen Rednecks, wir haben die White Supremacists, irgendwann kommen sie einfach mal auf diese fucking Nazi-Siedlung, ach, 70 Jahre bevor es die Nazis gab. Und das ist wirklich ein menschlicher Abgrund nach dem anderen und selbst die sympathischen Figuren, die hin und wieder vorkommen, wie zum Beispiel dieser John Kelly, dieser Junge, der ihnen mal hilft, selbst die werden dargestellt als dumme Hinterwäldler, die irgendwie halt so froh sind, dass ihnen mal ein bisschen Kultur gebracht wird.
Johannes Franke: Was das Spannende ist, ich als Deutscher, der ich eigentlich keine Ahnung habe und nur ab und zu mal so amerikanisches Fernsehen gucke und so Late-Night-Talk, ich habe das erwartet von dem Film. Ich habe darauf gewartet, dass der Pederast kommt, ich habe darauf gewartet, dass die dummen Hinterwäldler gezeigt werden und die rechte Parole nach oben gespült wird. Und das war einfach völlig klar, dass das auftauchen müsste.
Florian Bayer: Und ich finde es ein bisschen, ich sehe, was der Film damit machen will und ich finde es auch, in ganz vielen Momenten ist das total toll, was er damit macht. Aber er schafft es nicht, das aufzubrechen, das Narrativ. Und das finde ich ein bisschen schade, das ist auch ein bisschen verschenkt. Zu einseitig. Zu einseitig. Es ist, man kann diesem Film, wenn ich in Texas leben würde, würde ich diesem Film direkt vorwerfen, ey, was macht denn der hier? Der stellt uns alle dar, als wären wir die letzten Hinterwäldler und als ob es keine vernünftigen Menschen bei uns gäbe. Und diese Wut, die gibt es ja in Amerika und diese Wut ist ja auch mitverantwortlich, dass jemand wie Trump gewählt werden konnte. Und dieser Film sticht da genau rein, der macht genau das, der erfüllt komplett dieses Narrativ. Die Typen aus Hollywood, die arrogante Elite, die guckt nur auf uns herab, die kümmert sich nicht um den kleinen Mann, für die sind wir doch sowieso alle nur so ein Inzest-Pakt. Und das ist ein bisschen schade.
Johannes Franke: Ja, apropos Lichtgestalten, also Gegenbeispiele, da hätten wir die Wirtin, die Sprache, hast du verstanden, warum sie die Sprache kann? Ich habe es nicht so richtig durchschaut. Sie deutet an, warum, aber ich habe es nicht mehr so richtig, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall ist mir da auch aufgefallen, dass es so ein bisschen in Hollywood das ankommt, was so ein großes Thema ist zur Zeit, dass man immer eine 30, 40 Jahre jüngere Schauspielerin gegen einen 60, 70 Jahre alten Mann setzt, die dann irgendwie in eine romantische Verbindung eingeht. Und sie ist, die Schauspielerin ist 51 und Tom Hanks ist 64, ist immer noch ein Unterschied, aber sie erzählen den Unterschied nicht und setzen sich da nicht drauf.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das finde ich ganz toll.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und es wird auch nicht viel erzählt von der Liebesgeschichte oder von irgendwas, was sie da haben, aber sie haben irgendwas.
Florian Bayer: Ja, genau, es wird angedeutet, ist schon fast zu viel gesagt, aber es wird irgendwie, es kommt drüber. Es kommt drüber. Es ist klar. Ja.
Johannes Franke: Und es finde ich schön, also dass der Film sich da auch nicht in die Falle tappt, da irgendwelchen schönen, für die Zeit sowieso viel zu sauberen und schönen Damen hinzustellen und zu sagen, hier ist noch ein bisschen Eye Candy.
Florian Bayer: Ja, genau. Darauf verzichtet der Film komplett. Ja. Er ist auch, er versucht hier nicht, er versucht hier auch nicht strahlende romantisierte Schönheit, eine Insel in den Abgründen darzustellen, sondern sie ist auch einfach ein Teil dieser Welt. Und ja, sie spricht diese Sprache, also vielleicht darauf nochmal kurz zu referieren, Kiova. So heißt der Stamm, bei dem Johanna gelebt hat. Und das ist die Sprache, die sie spricht. Sie kann offensichtlich auch ein paar Brocken Deutsch, aber sie kommuniziert eigentlich, sie ist halt bei denen groß geworden, bei denen Kiova. Aber es gibt übrigens eine unglaublich spannende Szene, die fand ich, das war mit einer der unheimlichsten Szenen in diesem Film, wenn sie bei diesen Nazis sind und dann bürstet sie das Pferd. Und der Film erzählt es gar nicht so krass, aber ich saß da die ganze Zeit, oh fuck, oh fuck, oh fuck. Sie bürstet das Pferd und singt dann ein Kiova-Lied und im Hintergrund laufen die ganzen Leute rum, die kurz davor erzählt haben, ey, und wir haben die Mexikaner vertrieben und die scheiß Indianer haben wir auch ausgerottet. Und dann steht sie da an dem Pferd und singt dieses Lied und Tom Hanks guckt so kurz zu ihr, aber es wird wirklich nicht groß als spannender Moment, der erzählt, die Musik wird auch nicht spannend. Ich fand den Moment unfassbar unheimlich, weil ich dachte die ganze Zeit, krass, das ist total riskant, was sie da macht.
Johannes Franke: Es ist aber auch, insgesamt die Szenerie ist ja sehr riskant und sehr spannend. Das ist das, oder? Wo er dann aufgefordert wird, die Zeitung vorzulesen, die er verlegt hat, der Chef verlegt hat, wo die ganzen tollen...
Florian Bayer: Genau, das ist in einer fiktiven Stadt, Durand in Araf County und da gibt es Siedlungen, wie es sie damals offensichtlich viele gab, die halt gerade irgendwie dabei sind, sich zu gründen, neu zu konsolidieren. Hauptsächlich auch Veteranen, wahrscheinlich auch so ein paar Glücksritter, Goldsucher, Prostituierte, whatever. Und diese Stadt wird zusammengehalten von dem Merit Valley, von diesem Anführer, von den diktatorischen Tendenzen und der Geschäftsmann ist und gleichzeitig Journalist und seine eigene Zeitung verlegt und die Leute beschäftigt und dem eigentlich alles gehört. Er ist der mächtigste Mann des Ortes ohne Frage und er will genau, dass Kitt aus seiner Zeitung vorliest und Kitt sagt, nee, ich hab was anderes für euch, was aus der Welt.
Johannes Franke: Das ist auch wirklich eine tolle, spannende Szene, weil er sich an Demokratie ranrobbt. Ja. Das finde ich ganz toll. Also das ist die Verbindung auch zu heute. Welche Chancen haben wir denn, wenn... Also, wo du sagtest vorhin, Liebeserklärung an die Medien.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Welche Chancen haben wir gegen, na gut, Trump in diesem Falle oder eben andere Leute, die sich übermächtig mit Geld und mit Macht einfach bereichern an Menschen, an der Masse, die diese Macht nicht hat?
Florian Bayer: Ja. Und aus dem Feuer zu entkommen. Aber es geht nicht um einen politischen Kampf, sondern es geht einfach nur um diesen Zusammenhalt. Ja. Und das ist dem Mächtigen schon zu viel, weil er merkt, dass da so ein Aufruhrgedanke plötzlich entsteht, dass die Arbeiter zusammenarbeiten und zusammenhalten und gegen widrigste Umstände kämpfen. Mhm.
Johannes Franke: Und es entsteht ein Tumult. Und das sind die Geschichten, die du sowieso als Volk gerne hörst und gerne und als Aufhänger nimmst, um dir selbst Mut zuzusprechen und dir die Chance zu geben, zu sagen, okay, wir müssen uns nur zusammentun und wir können etwas verändern. Wir können uns die Macht, die wir haben, nutzen.
Florian Bayer: Ja. Und es ist großartig, wie dieser Merritt Farley dann immer wieder in der Szene noch sagt, ach, lass mal noch ein bisschen erzählen, ich will das auch hören, weil er findet es ja auch ganz spannend. Und dann merkt er aber, wie das plötzlich Klick macht bei seinen Leuten und dann sagt er, jetzt liest du aus einer anderen Zeitung und dann sagt Tom Hanks, nee, lass uns drüber abstimmen. Und dann sagen die Leute alle, hey, nee, wir wollen die Geschichte von diesen Bergarbeitern aus Pennsylvania, aus einem ganz anderen Teil Amerikas, wir wollen die Geschichte hören. Und dann sagt er, jetzt beenden wir die Veranstaltung, dann kommen seine Lakaien und dann kommt es wirklich zu einem richtigen Tumult und es ist eine gefährliche Situation. Das ist toll erzählt, ganz toll hergeleitet auch. Mit kämpferisch, das ist so krass wie dieser Captain Kit, der eigentlich die ganze Zeit so sanftmütig ist und wirklich auch vorsichtig und er begibt sich komplett in Gefahr. Und er begibt auch Johanna total in Gefahr, es ist ganz klar, da kann es gleich Tote geben und es kommt dann ja auch wirklich zu einem Moment, wo sie fast sterben. Und wie er plötzlich so kämpferisch ist, weil er darin auch wirklich eine Leidenschaft hat, diese Neuigkeiten der Welt zu erzählen und die Welt zu öffnen für diese Leute, die in diesem kleinen White Supremacist Dorf leben und nichts anderes kennen als Mexikaner und Indianer erschießen.
Johannes Franke: Ja, womit wir im Grunde mal kurz den Schlenker machen können, soweit ist der Schlenker gar nicht, zur Entwicklung der Figur von Tom Hanks. Der macht ja eine Entwicklung durch und ich wage zu behaupten, dass er für sich, auch wenn es im Drehbuch nicht unbedingt ganz deutlich geschrieben steht, dass er für sich beschlossen hat, dass die Figur bestimmte Dinge in dem Moment begreift. Wie zum Beispiel in dieser Szene, er erst dann die Tragweite und die Wichtigkeit der Macht, der Masse und der eigenen Kraft begreift und nutzt und entdeckt. Ja. Weißt du, weil das ist viel stärker, als wenn wir sagen würden, der kennt das schon, der hat eben diese Altersweisheit und der kriegt das alles irgendwie hin und überall, wo er hinkommt, macht er diesen, weiß ich nicht, Empowerment-Vortrag. Aber nein, nein, nein, in dem Moment, es passiert ihm, weil er plötzlich versteht, oh mein Gott, so funktioniert das.
Florian Bayer: Das ist ein guter Gedanke, weil gerade am Anfang, wenn wir ihn zum ersten Mal sehen, wie er Nachrichten vorträgt, ist es einfach nur Gossip.
Johannes Franke: Ja, er ist auch so froh drüber gebeugt und liest mehr vor, als dass er wirklich erzählt. Also er macht schon eine Entwicklung durch, auch in seiner Art und Weise das zu machen und auch durch sie die Begeisterung entwickelt an dieser ganzen Geschichtenerzählerei, obwohl er das meiste davon nicht versteht. Aber sie mag diesen Show-Charakter. Ja, total. und es ist so schön, sie zu sehen, wie sie da sitzt und begeistert guckt. Helena, wenn ihr irgendwann mal schlecht drauf seid, schaut euch einfach nur Helena Zengel an, wie sie begeistert auf etwas schaut. Es ist so schön.
Florian Bayer: Das wirklich Schöne, was immer parallel erzählt wird, sie ist ja auch eine Geschichtenerzählerin. Es gibt diesen ersten Moment, wenn die Pederasten sie kaufen wollen und dann kommt es zu einem Shootout in den Bergen und Tom Hanks schafft es, sie zu besiegen. Und es ist wirklich ein schwieriger Kampf. Er alleine mit Helena, mit Johanna, die dann Gott sei Dank auf die Idee kommt, dass sie mit Münzen schießen können. Auch ein schönes Bild, dass sie die Münzen als Munition benutzen. Und er schafft es dann, diese drei, vier Typen zu erschießen. Und kurz darauf sehen wir, wie sie, ich glaube, wieder das Pferd bürstet. Das macht sie sehr viel. Und dann singt sie ein Lied oder erzählt eine Geschichte, irgendwas dazwischen von den Heldentaten des Käpt'n. Ja, genau. Sie singt dieses Lied, dass der Käpt'n ganz heldenhaft war und sie gerettet hat und so. Sie ist auch eine Geschichtenerzählerin und sie lebt auch durch diese Geschichten die ganze Zeit.
Johannes Franke: Stimmt. Das ist mir so gar nicht aufgefallen, aber du hast vollkommen recht. Natürlich, sie ist auch als Geschichtenerzählerin angelegt. Ah, noch ein Grund mehr, den Film zu mögen. Das ist alles gut, gut, gut geschrieben, zusammengefüllt.
Florian Bayer: Ja. Und es ist halt natürlich auch eine ganz andere Art als seine Geschichtenerzählung, weil sie ist eher so in einer mythischen Welt, die nicht so dieses Faktenbasierte, sondern so in Träumen und mythischen Geschichten. Ja. Und es kommt ja immer mal wieder, dass sie so erzählt oder singt oder irgendwas dazwischen und wirklich nicht viel. Sie redet nicht viel in diesem Film. Ja, ja. Und er beginnt sich dann auch für ihre Welt, für ihre Art des Erzählens zu interessieren. Und es ist ein schöner Moment, wenn er sie zum ersten Mal fragt, was das in Kiowa bedeutet und ihr nicht einfach nur sagen will, was das in Englisch bedeutet.
Johannes Franke: Genau. Ja. Toll. Ja, ganz wunderschön. Und es gibt diese wundervolle erste Szene, wo sie durch seine Sachen durchgeht, fällt mir gerade ein.
Florian Bayer: Mmh.
Johannes Franke: Auch toll. Wie siehst du denn ein Kaffee, der riecht gut, also schmeckt er doch bestimmt auch gut.
Florian Bayer: Ja. Äh. Solche Sachen. Ganz schön. Ja, das sind so diese kleinen, diese kleinen Momente zwischen den beiden. Das wird nie zur krassen Buddy-Geschichte.
Johannes Franke: Ja, nee. Es ist halt immer noch so Vater-Sohn, äh, Vater-Tochter-Gefüge im Grunde, ne? Ja.
Florian Bayer: Aber auch immer so ein bisschen umgedreht, ne? Er lernt durch sie auch eine ganz, ganz neue Welt kennen. Ja. Ja, finde ich spannend, diesen Gedanken, dass er erst, erst begreift in diesem Moment, was für eine Macht er da eigentlich in der Hand hält. Wie stark diese Medien sein können und wie viel Freiheit sie in sich tragen.
Johannes Franke: Ja, ist toll. Ganz, ganz wunderschön. Ähm. Wollen wir in der Geschichte vielleicht mal so ein bisschen vorwärts reiten?
Florian Bayer: Es gibt, ich hab tatsächlich, ich hab so drei große Ereignisse notiert, die ich spannend fand. Und eigentlich haben wir über zwei schon geredet. Also der Anfang mit den Banditen, wenn sie in den Shootout haben und mit dem Geld schießen. Mhm. Was man einfach so als schönes Symbol auch stehen lassen kann. Ja. Und dann das Zweite ist eigentlich da die zentrale Geschichte, als sie in dem Dorf mit diesen White Supremacists sind. Ja. Und das Dritte wäre, wenn sie dann weiterreisen und dann plötzlich da in der Einöle verloren gehen und auch noch dieser Sandsturm ist. Ja. Das ist so eine Traumsequenz fast. Ja, ne? Es ist so ein bisschen Verlorenheit und der Tod liegt auch irgendwie in der Luft. Sie haben ihre Kutsche verloren und dann kommen die Kiova.
Johannes Franke: Ja. Und man denkt, jetzt holen die die Kleine ab. Ja, genau. Und dann sitzt er da alleine. Ja. Aber nein. Sie bekommt ein Pferd in die Hand und geht zurück zu Tom Hanks und die gehen halt weiter. Und es wird kein großes Aufhebensturm gemacht.
Florian Bayer: Überhaupt nicht. Wir wissen auch überhaupt nicht, was passiert ist, was sie mit denen besprochen hat. Was sie ihnen gesagt hat. Sie hat es offensichtlich geschafft, nicht nur, dass sie sie in Ruhe lassen, sondern auch einfach, dass sie ihnen ein Pferd geben.
Johannes Franke: Das ist Wahnsinn. Und es ist ganz toll, weil es nicht auserzählt wird. Ja. Man sieht dann nur noch den Blick von der Chefin der ganzen Geschichte anscheinend, die einfach auf die Szenerie blickt und ihn so ein bisschen zwischen mürrisch und wohlwollend. Das ist ein sehr seltsamer Blick, aber sehr gut gespielt und anschaut. Und das war es im Grunde. Das ist der einzige Kommentar, den es diese Szene gibt. Ja. Und dann haben sie dieses Pferd.
Florian Bayer: Die Auslassung in dieser Szene ist so stark und ist so viel wert. Vor allem, wenn ich das vergleiche mit den Filmen, die das ja auch versucht haben, gerade Anfang der 90er. Also der mit dem Wolf Tanz ist ja irgendwie so der Leuchtturm davon. Der Klassiker, wo sie versucht haben, Western zu erzählen, in dem der weiße Mann mit den Indianern in Kontakt kommt und eine neue Welt kennenlernt. Und da wird das alles erzählt. Da geht es zack, zack, zack und man sieht diese Momente, wie er irgendwie versteht, diese Indianer-Welt kennenzulernen. Es wird nichts ausgelassen. Und das Spannende hier ist, dass wir diese Welt nicht sehen, dass diese Welt trotzdem irgendwie so ein bisschen das Fremde im Hintergrund bleibt, weil das einfach auch die Realität war. Aber dadurch wird sie uns, ironischerweise wird sie uns durch Johanna viel näher, weil wir uns emotional damit verbunden fühlen. Stimmt, ja. Wie sie denkt und wie sie die Welt sieht und wie sie Angst hat und wie sie Freude empfindet. Und vor allem auch, dass sie ganz oft die ist mit dem ethnologischen Blick auf das andere, auf das Fremde. Wo das Fremde ist, dann sind nicht diese Indianer. Und das Fremde sind diese komischen Typen, die sich in einer Siedlung zusammengerottet haben, einfach nur um alle zu erschießen, die ihnen nicht in den Kram passen. Und das Fremde sind die religiösen Fanatiker, die als erstes sagen, ey, sie wird sich, wenn sie bei uns leben will, dann muss sie sich unseren Sitten und Gebräuchen anpassen. Und die sie dann wie ein Hund an einen Pfahl binden.
Johannes Franke: Womit wir uns übers Ende reden, obwohl wir eigentlich gedacht haben, wir versuchen das Ende nicht zu spoilern. Ja, wir sollten auch nicht zu viel spoilern. Du findest, dass der Film pessimistisch ist? Ich finde, dass der Film pessimistisch ist.
Florian Bayer: Du hast gefragt, warum die immer so einen düsteren Blick haben.
Johannes Franke: Achso, ja, ich finde, dass die Trostlosigkeit immer nach vorne gestellt wird von dieser Welt.
Florian Bayer: Trostlosigkeit? Ich fand den Film, der Film hatte was unglaublich Optimistisches. Das natürlich immer mit diesem Blick Richtung Gegenwart, dass die Nachrichten, dass die Öffnung der Welt durch Informationen, dass die eine ungeheure Macht mit sich bringt und vieles zum Besseren lenken kann.
Johannes Franke: Aber natürlich funktioniert das nur, wenn du vorher die Welt trostlos erzählst. Ja, natürlich, klar. Ja, ich weiß nicht. Ich mag den Film natürlich dafür auch und ich mag auch die Kraft, die er dadurch entwickelt. Aber ich habe mich halt gefragt, wie das mit dem übereingeht, was diese Zeit eigentlich war für die Menschen. Was ja, war ja immer Hoffnungsträger eigentlich.
Florian Bayer: Ja, ich glaube auch viel Hoffnung, viel Desillusionierung auch. Ich glaube, viele sind losgezogen mit der Hoffnung auf ein besseres Leben und sind dann irgendwo als Schienenarbeiter, Goldgräber, Minenarbeiter, Prostituierte versumpft. Ja, ja, ja. Richtig. Das wird natürlich auch erzählt, dass es diese Hoffnung, die sich nicht erfüllt hat, auch im Hintergrund vor dem verlorenen Bürgerkrieg, es ist halt auch eine Nachkriegsgeschichte. Stimmt, ja. Das ist eine Welt, die so ein bisschen im Wiederaufbau ist und wo sich keiner gefunden hat. Das ist auch eine Welt, die vor dem klassischen Wilden Westen spielt. Das ist 1870. Ich glaube, die meisten Western werden eher so zehn Jahre später verortet von der Zeit. Ja, okay. Ja. Es steht ganz spannend dazwischen, zwischen dieser Bürgerkriegsgeschichte und dem Wilden Westen. Auch weil es immer wieder diese Referenz auf den Bürgerkrieg gibt, immer wieder diese Konflikt Unionsarmee gegen Ex-Konföderierten. Ja. Ja, lassen wir das Ende aus? Wir lassen das Ende aus. Okay. Das ist schwierig, was zu sagen, weil das Gesamtbild wird natürlich sehr stark von dem Ende geprägt. Ja. Aber vielleicht lassen wir es einfach aus und also der Film ist sehenswert. Schaut ihn euch an. Ja. Ich war mit dem Ende sehr glücklich, kann ich nur sagen. Ich bin auch sehr glücklich mit dem Ende tatsächlich, ja. Es war das Ende, was der Film verdient hat, meiner Meinung nach. Es war und das sowohl im Negativen als auch im Positiven, weil es ist, das habe ich am Anfang gesagt und da klang es vielleicht ein bisschen zu sehr wie Lob. Es ist ein Oscar-Bate-Film und er ist dabei auch ein bisschen formelhaft und ein bisschen traditionell, auch teilweise mit erhobenem Zeigefinger. Wie gesagt, ich finde den Blick auf den Süden und auf dieses Texas finde ich ein bisschen eindimensional, aber ich verstehe auch, es gibt eine total nachvollziehbare Wut gegen diese Welt. Und deswegen kann ich total gut nachvollziehen, dass sie so dargestellt wird, weil diese ganzen Schattenseiten, die gezeigt werden, die gibt es natürlich da. Und dieser Bezug zu heute dabei, wir leben in einer Zeit, in der man vielleicht auch mal einfach ein bisschen wütend sein darf auf die White Supremises, auf die Neonazis, die sich halt genau in den Regionen der USA aufhalten. Auf die Waffennarren und auf die Fanatiker und die Fundamentalisten.
Johannes Franke: Und es ist ja so, dass der andere Seite, ja, wir, schlecht zu sagen, sehr schwer zu sagen, wir, nein, aber die andere Seite sich nicht sehr viel äußert. Das hat sie jetzt jahrelang nicht viel getan. Die immer laut geschrien haben, waren die White Premises. Ja. Die haben immer die Nase vorn, was hier, ich melde mich und ich beschwere mich und ich mache darauf Aufmerksamkeit, lenke darauf Aufmerksamkeit, wie es uns geht und was unsere Meinung angeht. Aber das andere Lager hat sehr lange ignoriert, was da passiert.
Florian Bayer: Es macht auch tatsächlich letzten Endes keinen Unterschied, weil Hollywood wird sowieso vorgeworfen, Propaganda zu machen. Ja. Wenn du einen Hollywood-Film produzierst, reicht es schon, dass du eine weibliche Superheldin hast oder einen schwarzen Stormtrooper, der zum Helden wird. Und das reicht schon, oder weibliche Ghostbusters, das reicht ja offensichtlich schon, um in bestimmten gesellschaftlichen Schichten als Propagandamaschine wahrgenommen zu werden. Dann ist es vielleicht auch egal und dann kann auch mal ein Film rauskommen, der tatsächlich deutlich mehr Propaganda-Züge trägt. Ja. Und das tut dieser Film. Und das tut dieser Film. Der schießt ganz schön ordentlich gegen diese Wild-West-Attitüde und gegen den damit zusammenhängenden Konservatismus und gegen den damit zusammenhängenden Rassismus etc. Das macht der Film. Ja.
Johannes Franke: Und bei mir rette natürlich offene Türen ein. Na klar. Und ich freue mich da dann drüber, dass das gemacht wird. Und, ähm, aber wie immer bei solchen Filmen, der Film erreicht genau die Leute, die es schon, die, also, ne, Preaching to the Choir. Ja. Im Grunde. Ja, definitiv. Aber das ist halt immer das Problem mit sowas. Ja.
Florian Bayer: Guter Film. Traditioneller Film, guter Film, aber ein Film, ich bin froh, ihn gesehen zu haben. Ich finde es schön, dass heutzutage immer noch solche Filme gemacht werden. Ja. Und manchmal muss auch ein bisschen Oscar-Wade sein. Das hast du mal schön gesagt.
Johannes Franke: Danke. Das ist aber ein gutes Schlusswort. Ja. Würde ich sagen. Ich wünsche Helena Zengel die, die wundervollsten Rollen über die nächsten Jahrhunderte hinweg am besten. Das ist ein noch besseres Schlusswort. Ich will ganz viel von ihr sehen. Und, äh, ich danke Tom Hanks für jede Rolle, die er mit diesem wundervollen Leben füllt, die er tut. Okay. Und ich danke dir, Plur, für diese wundervolle Jubiläums-Folge.
Florian Bayer: Ja, vielen Dank, Johannes, dass wir zehn Folgen geschafft haben. Juhu. Auf die nächsten zehn. Auf die nächsten hundert.
Johannes Franke: Für immer. Und immer. Okay. Und euch noch einen schönen Tag und eine schöne Woche. Bis nächste Woche. Genau. Und bleibt dran, wenn ihr wissen wollt, was nächste Woche drankommt.
Florian Bayer: Sehr schön.
Johannes Franke: Bis dann. Ciao. Ciao.
Florian Bayer: Manche Männer kommen halt immer zu früh. Plur. Das war ich in dem Fall. Ich hab ganz laut Johannes geschrien. Und das Ding, das Ding lief noch nicht. Ja, jetzt läuft's. Jetzt bin ich komplett raus. Aber wir wollten eigentlich nochmal drüber reden, was wir nächste Woche machen, ne? Nächste Woche. Achso, nächste Woche. Hast du schon was nächste Woche? Ja, ich hab was für nächste Woche. Sehr schön. Und zwar haben wir so viel Witze drüber gemacht, dass ich immer die koreanischen Filme mit russischen Untertiteln habe. Und. Aber es war gar nicht so bis jetzt, oder? Nee, aber jetzt kommen wir, glaube ich, dieser Kategorie von Filmen sehr nah. Oh Gott. The big one. Ja, erzähl. Wir hatten so viele aktuelle Filme. Ich muss wieder ein bisschen zurück in die Vergangenheit. 1975. André Tarkowski. Russisches Avantgarde-Kino. Tarkowski. Und zwar würde ich dir gerne Serkalo den Spiegel zeigen, der einfach mal mein liebster Tarkowski-Film ist. Und ich glaube, diese Meinung teilen nicht sehr viele. Oh, okay. Auch das noch. Also für Tarkowski auch noch der schlimme Tarkowski. Genau. Und den wirst du wahrscheinlich nur auf Russisch finden. Und ich tippe mal auch, dass deutsche Untertitel wahrscheinlich Mangelware sind. Aber englische Untertitel solltest du finden.
Johannes Franke: Okay. Was hast du denn für mich? Ich gucke sie mir einfach auf koreanische Untertitel an und sage dann, ich habe alles verstanden, kein Problem. Das ist vollkommen egal. Du könntest ihn auch mit deutschen Untertiteln gucken. Tarkowski habe ich in Erinnerung, weil ich glaube, ich habe nichts von ihm komplett gesehen. Ich habe irgendwie Bilder davon im Kopf, wie überlang jemand auf einem Stuhl sitzt und nichts passiert. Das ist wahrscheinlich Stalker. Du weißt auch noch, wovon ich rede.
Florian Bayer: Das ist wahrscheinlich der beliebteste Tarkowski-Film. Oh Gott. Und wahrscheinlich, nee, nicht sein leichtester. Sein leichtester ist wahrscheinlich am ehesten André Rubeljev. Ich hoffe, ich habe das richtig ausgesprochen. Mein Russisch ist übrigens komplett weg. Ich weiß ja nicht, wie es bei dir aussieht, aber ich kann kein Russisch. Ich habe nie Russisch gelernt. Bei Nastrowi hört es auf.
Johannes Franke: Nastrowi. Ja, ich hatte Russisch in der Schule, aber die Geschichte erzähle ich das nächste Mal. Sehr gut. Was hast du denn für mich, Pop, als Ausgleich? Ich habe für dich als Ausgleich, weil wir drüber geredet hatten und ich dachte, ja, Western und so und du gesagt hattest, das gibt bestimmt diese Kategorie von so Schnee-Western oder so. Und dann dachte ich eben, wir müssen einfach die Hateful Eight mal gucken. Oh ja. Weil ich ja auch ein bisschen Probleme damit habe, weil ich nicht genau weiß, was mich an diesem Film stört. Das ist nicht der liebste Film von Tarantino. Genau. Aber ich weiß nicht genau, warum. Ich habe es nicht verstanden, weil eigentlich ist der Film sehr gut, glaube ich. Aber irgendwas stört mich. Und ich würde gerne herausfinden, was. Vielleicht haben wir eine Chance. Finden wir es zusammen raus.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Bis zum nächsten Mal. Bis zum nächsten Mal. Ciao.
