Episode 10: Pixars Soul, News of the World

Zur Jubiläumsfolge sprechen wir ausnahmsweise mal über zwei brandneue Filme: Die 2020 veröffentlichten News of the World von Paul Greengrass und Soul, den neuesten Streich der Pixar-Schmiede. In einer Zeit, in der die Kinos dicht sind wollen wir dabei herausfinden, wie viel Kinomagie zu Hause im Wohnzimmer möglich ist: Es geht um cineastischen Jazz, um erwachsene Themen in Kinder- und Familienfilmen, es geht um Oscarbait, um die großartige Nachwuchsdarstellerin Helena Zenge und um den Kontrast von Pathos und Realismus. Auch die Politik der jeweiligen Filme kommt wieder zur Sprache: Wir reden über die Auseinandersetzung von Hollywood mit dem Trumpismus und die neu entdeckte Diversity von Disney.

Auch zwei Toplisten haben es wieder in unser Gespräch geschafft: Wir werfen einen Blick auf unsere liebsten Westernfilme und suchen nach brauchbaren Filmen über das Afterlife. Unzufrieden über unseren Kanon oder unseren Take auf die beiden Filme? Schreibt uns unter florian@mussmansehen.de oder johannes@mussmansehen.de oder kommentiert gleich hier unter dem Artikel.

News of the World [Paul Greengrass]

(USA 2020)

2020 war ein merkwürdiges Kinojahr. Ein nicht vorhandenes Kinojahr für den Großteil des Publikums und für die Produktions- und Distributionsseite ein Kinojahr, das vor allem für eine Menge Kopfschmerzen verantwortlich war. Wohin mit den Filmen, wenn die Lichtspielhäuser leer bleiben? Zumindest im Falle von News of the World von Paul Greengrass war die Antwort klar: So schnell wie möglich in die Wohnzimmer. Schon vor dem US-Kinostart der von Universal produzierten Verfilmung eines Romans von Paulette Jiles erhielt Netflix den Zuschlag für die internationale Verwertung… und fackelte nicht lange. Kinostart, Dezember 2020; Netflix-Veröffentlichung Februar 2021. Dabei ist News of the World durchaus ein Film, der im Kino gut aufgehoben wäre: Ein episches Westerndrama mit Starbesetzung, opulenten Bildern und einer emotionalen Geschichte, die nach den Academy Awards dürstet:

Im Mittelpunkt steht der von Tom Hanks gespielte Bürgerkriegsveteran Captain Jefferson Kyle Kidd, der sich seinen Lebensunterhalt verdient, indem er im Texas des Jahres 1870 von Stadt zu Stadt reist und für die einfache Bevölkerung aus der Zeitung die Nachrichten der Welt vorliest. Während seiner Reise trifft er durch Zufall die 10jährige Johanna, gespielt von der deutschen Nachwuchsschauspielerin Helena Zengel. Diese war nach dem Tod ihrer Familie von Kiowa-Indianern aufgezogen worden, hat aber durch eine brutale Räumung nun auch ihre Ziehfamilie verloren. Die Unionsarmee überträgt Kidd die Verantwortung, Johanna zu ihren letzten noch lebenden Verwandten zu bringen. Und so zieht das ungleiche Paar gemeinsam los durch ein von Bürgerkrieg, Misstrauen und Hass geprägtes Texas.

Traditioneller Western, humanistisches Drama, vielleicht sogar Spiegel unserer Zeit? Was meinst du Johannes.

Soul [Pete Docter]

(USA 2020)

Soul, der neueste Geniestreich  und gleichzeitig der erste Film von Pixar, der einem schwarzen Protagonisten folgt. Joe ist Musiklehrer und sein Herz gehört dem Jazz. Endlich bietet sich ihm die Chance in einer Band zu spielen, die er schon lange vergöttert, doch bevor er die Lorbeeren ernten kann, stirbt Joe und ist auf dem Weg ins Leben nach dem Tod. Joe will sich nicht damit abfinden und sucht verzweifelt nach einem Weg zurück ins Leben, um seinen Lebenstraum noch zu verwirklichen. Ein zugleich Pixartypischer, als auch sehr untypischer Ride durch Slapstick und Albernheiten, aber auch düsteren Themen, die ich so aus keinem dieser Filme kenne. Respekt.