Episode 8: Manche mögens heiß, Paperhouse
Wir reden über die Crossdressing-Komödie „Manche mögens heiß“ aus dem Jahr 1959 und den Gruselfilm „Paperhouse“ aus dem Jahre 1988. Damit haben wir mal wieder zwei Filme vor uns, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Auf der einen Seite ein Komödienklassiker, der in zahllosen Filmkanons ganz oben steht: Mit den Megastars Tony Curtis und Marilyn Monroe und in seiner kurzweiligen Inszenierung komplett darauf ausgelegt, das Publikum mit einem Dauerfeuer an Gags und Action zu unterhalten. Ob dies auch noch über 60 Jahre nach seinem Entstehen funktioniert, ist eines der großen Themen dieser Episode. Auf der anderen Seite steht ein kleiner versteckter Filmjuwel, der nie große Aufmerksamkeit erhielt und dessen Darsteller*Innen nach dem Projekt in der Vergessenheit verschwunden sind. Aber es ist auch ein Film, mit dem Florian viele persönliche Erinnerungen verbindet, vielleicht sogar DER Horrorfilm, der ihn am meisten geprägt hat. Gelingt es, Johannes davon zu überzeugen, dass das hier mehr ist als ein Düstermärchen, das seine besten Jahre hinter sich hat?
Natürlich gibt es auch wieder passende Top 3 Listen: Dieses Mal geht es um die besten Filme, die mit Cross Dressing spielen, sowie das Thema Traum im Film. Nicht einverstanden mit unseren Listen oder unserer Ansicht zu den rezensierten Filmen? Schreibt uns unter florian@mussmansehen.de
Manche mögens heiß [Billy Wilder]
(USA 1959)
DIE Komödie der guten alten Zeit. Naja, sofern man die Zeiten in denen eine Marilyn Monroe sich genötigt sieht das Image der dummen Blondine als Karriereweg für sich in Anspruch zu nehmen, als gute alte Zeiten bezeichnen möchte. Wenn man wie bei so vielen 50er Jahre Filme über das Frauen und Männer Bild dieser Zeit hinweg sieht, kommt man in den Genuss der besten Komödie aller Zeiten wie eine großangelegte Umfrage 2017 in über 50 Ländern ergab. Und ich bin geneigt ihm zuzustimmen. „Some like it hot“ handelt von zwei Musikern, die sich als Frauen verkleiden müssen, um Geld zu verdienen und vor einer Gaunerbande zu fliehen, die ihnen auf den Fersen ist, nachdem sie Zeugen einer Hinrichtung unter Rivalen wurden. Als Damen verkleidet, schließen sie sich einer Frauenkapelle an, die für reiche Hotelgäste spielt. Und es kommt wie es kommen muss, einer der Beiden verliebt sich in die Sängerin der Truppe. Und damit zu dir Plor. Ebenso verliebt in Marilyn Monroe wie Toni Curtis und die ganze Welt damals?
Paperhouse [ Bernard Rose]
(GB 1988)
Paperhouse mit dem deutschen Untertitel “Alpträume werden wahr” ist das Regiedebüt des britischen Regisseurs Bernard Rose aus dem Jahr 1988. Im Mittelpunkt steht die 11jährige Anna, die geplagt von einer schweren Krankheit für längere Zeit zu Hause das Bett hüten muss. Um sich die Zeit zu vertreiben zeichnet sie ein etwas schiefes, etwas krakeliges, aber nichtsdestotrotz schönes Haus in ihr Schulheft. Das aus ihrer Krankheit resultierende Fieber und immer wiederkehrende Ohnmachtsfälle sorgen dafür, dass sie in wiederkehrenden Träumen zu dem Ort reist, den sie zuvor gemalt hat. Um diesen wohnhafter zu machen, ergänzt sie das Bild im Wachzustand nach und nach um weitere Facetten: Treppen, verspielte Räume und den Jungen Marc, der ihr in ihrem Haus Gesellschaft leisten soll. Dabei verschwimmen die Grenzen von Traum und Realität immer weiter. Als sie schließlich ihren ständig abwesenden, alkoholabhängigen Vater in das Bild malt, entwickelt sich das idyllische Traumszenario zu einem schrecklichen Alptraum.
Paperhouse ist ein ungewöhnlicher Hybrid aus Düstermärchen, nostalgischem Fantasyfilm und psychoanalytischem Horror. Ein Film, der sich so sehr zwischen Kindheit und Erwachsensein platziert, dass es schwer ist, das richtige Publikum für ihn auszumachen. Mir hat der Film als Kind eine Heidenangst eingejagt, mich geradezu verstört zurückgelassen. Aber kann er auch ein erwachsenes Publikum in seinen Bann ziehen?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 8: Manche mögens heiß, Paperhouse Publishing Date: 2021-02-24T15:37:53+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/02/24/episode-8-manche-moegens-heiss-paperhouse/
Johannes Franke: I wanna be loved by you, just you, nobody else but you, I wanna be loved by you alone. Ach, Johannes, ich hab mich gerade wieder neu in dich verliebt. Ah, danke. Happy birthday. Okay, jetzt reicht's. Okay. I'm a boy, I'm a boy, I'm a boy. Oh boy, am I a boy. Ja, wir kommen zum Muss-Man-Sehen-Podcast. Folge sieben? Okay. Nein, stimmt nicht. Es muss Folge acht sein. Es ist sogar schon Folge acht. Ich glaube, ja. Ja, bald Jubiläum. Oh mein Gott. Wir müssen uns was für die zehnte Folge ausdenken. Oh, okay. Ich bin gespannt, Plur. Mal schauen. Aber das Intro hat schon ein bisschen verraten, worum es heute unter anderem gehen wird. Ja. Ich habe einen Film für dich aus den 50er Jahren. Manche mögen es heiß. Was hast du denn für mich? Ich habe für dich Paper House aus den 80ern. Sehr schön. Das heißt, wir haben einmal Slapstick-Humor Billy Wilder, 50er Jahre, Screwball-Comedy. Mhm. Und einmal Grusel-Fantasy aus den 80ern. Grusel-Fantasy, ja. Wollen wir schnick-schnack-knucken machen, womit wir anfangen? Nein.
Florian Bayer: Nein.
Johannes Franke: Nach diesem Lied können wir nur mit Sun Like Your Thought anfangen. Na gut, okay. Dann würde ich mal sagen, leg einfach los. Ich lege mal los. Ich lese mal mein Intro vor. Manche mögen es heiß. Die Komödie der guten alten Zeit. Naja, sofern man die Zeiten, in denen eine Marilyn Monroe sich genötigt gesehen hat, das Image der dummen Blondine als Karriereweg für sich in Anspruch zu nehmen, als gute alte Zeit bezeichnen möchte. Wenn man, wie bei so vielen 50er-Jahre-Filmen über das Frauen- und Männerbild dieser Zeit etwas hinweg sieht, kommt man in den Genuss der besten Komödie aller Zeiten, wie eine groß angelegte Umfrage 2017 in über 50 Ländern ergab. Und ich bin geneigt, ihm zuzustimmen. Sun Like Your Thought handelt von zwei Musikern, die sich als Frauen verkleiden müssen, um Geld zu verdienen und vor einer Gaunerbande zu fliehen, die ihnen auf den Fersen ist, nachdem sie Zeugen einer Hinrichtung unter Rivalen wurden. Als Damen verkleidet schließen sie sich einer Frauenkapelle an, die für reiche Hotelgäste spielt. Und es kommt, wie es kommen muss. Einer der beiden verliebt sich in die Sängerin der Truppe. Und damit zu Dirplor. Ebenso verliebt in Marilyn Monroe wie Tony Curtis und die ganze andere Rest der Welt damals? Nein. Tatsächlich überhaupt nicht. Oh, jetzt bin ich enttäuscht. Marilyn Monroe ist weder optisch noch charakterlich. Besonders in diesem Film überhaupt nicht mein Frauentyp. Sie war doch das Sexsymbol in dieser Zeit. Und du springst nicht auf diesen schon fahrenden Zug auf? Ich kann auf diesen Zug nicht aufspringen. Und ich finde auch nicht, dass Marilyn Monroe das Highlight des Films ist. Okay, was ist denn das Highlight? Aber ein Film, Billy Wilders Regie. Billy's Wilders, okay. Ganz eindeutig. Ich habe wieder festgestellt, was so großartig an Billy Wilder ist. Und ich muss dazu sagen, ich kenne nicht alle seine Filme. Aber die, die ich kenne, haben doch eine Gemeinsamkeit. Und das ist es, dieser Mannschaft unglaublich kurzweilig zu erzählen. Egal ob in melodramatischer Form oder in lustiger Form. Der Film geht zwei Stunden und es ist keine Minute verschwendet. Das ist der Wahnsinn. Da passiert immer etwas. Du hast das Gefühl, jeder Dialog steckt voll mit so viel Wortwitz, so vielen Schlüpfrigkeiten, so vielen Anspielungen und Andeutungen. Und neben dem Wortwitz gibt es dann natürlich auch die Slapstick-Einlagen, die passieren, wie sich die Schauspieler bewegen, was mit Gesten und mit Mimik ausgedrückt wird. Und es ist einfach ständig Bewegung drin. Das ist großartig. Das ist das, was Billy Wilder kann und was ich an Billy Wilder immer schätze und auch immer schätzen werde. Zwei Stunden. Zwei Stunden ist schon wirklich krass, oder? Krass, das muss man erstmal schaffen. Und das Studio hat damals gesagt, um Gottes Willen, du musst da mindestens eine halbe Stunde rausnehmen. Und dann ist er nochmal in den Schnitt gegangen und hat genau 16 Sekunden rausgenommen. 60, 16, ich weiß nicht genau, wie war das? Aber dieser Film hat auch keinen Kram zu viel. Es ist unglaublich. Es passiert einfach so viel. Und in jeder Szene ist was los und es ist einfach kurzweilig. Es geht nicht darum, dass das besonders anspruchsvoll und tiefgründig wäre. Aber es ist einfach von Anfang bis Ende ist es ein einziger Rausch Spaß. Es ist schön. Ich freue mich, dass dir das gefällt. Ja, wollen wir einfach mal so ein bisschen durchgehen. Es fängt ja schon an mit der Musik, so ein bisschen wie so eine Varieté-Show, so eine alte. Ja. Es sagt schon, in welche Richtung es gehen soll. Und Comicschrift als, ne? Es sagt von Anfang an, wir machen hier jetzt, wir haben jetzt einfach ein bisschen Spaß. Ja. Was sehr verwunderlich ist, dass die erste, das erste Screening dieses Films völlig durchfiel. Es hat keiner gelacht. Das Problem ist, dass damals natürlich die Screenings, auch wie heute oft, völlig ohne Vorab-Infos laufen und gelaufen sind. Das heißt, keiner von denen, die haben mehr oder weniger so ein Melodrama erwartet. Und keiner wusste so richtig einzusortieren, was da jetzt passiert. Es ist ja auch wirklich fies. Männer in Frauenkreisung, was ist los? Es ist ja auch wirklich fies, dass man im Intro, wenn man die ironischen Untertöne nicht versteht, von einer, naja, klassischen Gangsterballade ausgehen könnte. Wir sehen am Anfang Prohibition. Ja. Wir sehen Ganoven, wie sie ihren Geschäften nachgehen. Wie sie Alkohol schmuggeln. Und die ersten drei Minuten wird kein Wort gesagt. Ja. Wir haben eine Verfolgungsjagd am Anfang. Und Alkohol wird geschmuggelt zu einer Bar. Und da laufen halt auch wirklich diese klassischen Gangster aus den Norr-Filmen herum. Es ist schwarz-weiß, das kommt noch dazu. Es ist ein schwarz-weiß-Film, obwohl er von 1959 ist. Ja, und er hätte überhaupt nicht schwarz-weiß sein müssen. Marilyn Monroe hatte sogar in ihren Verträgen stehen, dass sie jetzt nur noch Farbfilme macht. Ja. Für ihr Image und so. Und dann haben sie ihr das irgendwie aufgedrückt und haben gesagt, das muss aber sein. Ein Grund mit dafür, dass sie schwarz-weiß gewählt haben, war, dass Billy Wilder dachte, oje, Tony Curtis und Jack Lemmon sehen in diesen Frauenkleidern, wenn das in Farbe ist, so bizarr aus, dass das einfach nicht funktioniert. Ja, das ist krass. Und dann hat er sich natürlich künstlerisch auch nochmal daraus geredet und gesagt, nein, es ist ein Period-Piece, das muss schwarz-weiß sein, weil es ja in der Zeit hat. 1929. 1929, genau. Es gibt Farbfotos. Es sieht wirklich bizarr aus. Ich fand es gar nicht so bizarr. Ganz interessant, dass du es bizarr findest. Ich dachte so, ja, die Schminke ist ein bisschen zu viel. Genau. Und sie haben die Beine nicht rasiert, aber das war jetzt auch nicht so das große Ding damals, glaube ich. Sie sagen im Film, dass sie sich die Beine rasieren müssen. Ja, aber die Beine sehen ziemlich unrasiert aus auf den Fotos. Und ich finde, ich könnte mir vorstellen, dass der Film auch in Farbe funktioniert hätte. Zumal es so ein bunter Film ist. Das ist eigentlich albern, das bei einem Schwarz-Weiß-Film zu sagen. Aber es ist ein unglaublich bunter Film. Er schreit geradezu nach Farben. Es gibt so tolle Sets. Die Bar am Anfang. Das ist toll. Also es ist wirklich, es stimmt, ich glaube, die Opulenz der Ausstattung und so weiter hätte schon das Schwarz-Weiße disqualifizieren müssen. Aber ich finde, im Gegensatz zu dir, dass die Fotos schon sehr danach, sie haben, es gibt einen seltsamen Übergang der Hautfarbe im Gesicht, die sie wirklich geschminkt haben. Sie haben extra nochmal so eine eigene Layer für die Hautfarbe genommen, die anders war als der Rest. Also man sieht den Übergang sehr stark und im Schwarz-Weiß sieht man den einfach nicht. Irgendwie haben die benutzt, irgendeine Technik, um das Gesicht zu schminken. Aber das Schwarz-Weiß trägt auf jeden Fall dazu bei, dass die Camouflage, die sie betreiben in den Frauenkleidern, dass die glaubwürdiger wirkt. Ja. Es ist realistischer als viele Filme, die später gekommen sind. Richtig. In denen Männer sich Frauenkleider anziehen, um sich irgendwo einzuschleichen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also der Klassiker ist natürlich jetzt Tutsi. Wäre so der erste Film, an den ich denke, wenn es um Cross-Dressing geht, um irgendwie was zu erreichen oder um sich zu verstecken. Und dann natürlich Miss Doubtfire. Jetzt fängst du schon an. Wir haben eigentlich eine Top 3.
Florian Bayer: Ja, ja.
Johannes Franke: Lass uns die Top 3 doch gleich am Anfang durchziehen. Oh nein, die Top 3 am Anfang. Oh mein Gott, sie kommt. Mein Gott.
Florian Bayer: Unsere Liste.
Johannes Franke: Cross-Dressing. Cross-Dressing. Ach, Flor, komm. Top 3. Dann muss ich auch kurz meine Datei öffnen. Ja. Cross-Dressing im Film. Und wir haben, als wir letzte Woche gesagt haben, das machen wir als unsere Liste, sind wir kurz so ein bisschen ins Trudeln gekommen und wir wollen das ganz klar trennen, weil das sind natürlich zwei Bereiche, die gehören. Cross-Dressing auf der einen Seite und Transsexualität auf der anderen. Es geht nicht um Transsexualität, sondern es geht um Cross-Dressing. Es geht nicht darum, dass jemand als eigentlich eine Frau ist, obwohl er als Mann geboren wurde oder als Mann definiert wurde von der Gesellschaft, sondern es geht wirklich darum, dass diese Rollenklischees über die Kleidung transportiert werden. Und es geht auch um Firmen, die viel mit diesen Rollenklischees spielen. Und die haben mich sehr schwer getan mit dieser Liste, weil es mich wirklich geärgert hat, dass das alles, es gibt eigentlich nur Komödien oder fast nur Komödien. Es gibt fast nur Komödien, ja. Und selbst die ernsteren Filme sind meistens jetzt nicht unbedingt Meisterwerke ihrer Zunft. Mir ist es wirklich schwer gefallen, so eine Top 3 zusammenzustellen, weil ich das Gefühl hatte, es ist oft so, dass diese Filme, dass bei diesen Filmen zumindest es mitschwingt, dass sich über Transsexualität lustig gemacht wird, obwohl die Filme auch oft aus Zeiten sind, in denen Transsexualität noch kein großes Thema war. Ja, das auch mit einer Unbeschwertheit, die man heute nicht mehr hätte, die auch relativ verwerflich ist, weil man irgendwie diese Transidentität in eine Ecke geschoben hat, die durch die Komödie eben eher ins Lächerliche, Lachhafte geschoben wurde. Weswegen eben auch so wichtig ist, dass wir nicht über Transsexualität reden, sondern über Crossdressing, was ein ganz anderes Feld eigentlich ist.
Florian Bayer: Genau, das glaube ich auch, dass der Film das auch nicht mischt.
Johannes Franke: Genau, das sind zwei Felder, die nebeneinander existiert haben und immer noch nebeneinander existieren und das sind beide kulturell total interessante Themen und es gibt natürlich auch Überlappungen, gerade weil dieses Crossdressing natürlich in der queeren Szene so in den 80ern und 90ern sehr populär war und das behakelt sich natürlich auch mit Transgender-Aktivismus teilweise. Ja, natürlich. Ich muss an einen relativ aktuellen Fall denken, ich glaube, das war 2019 oder so, an und da gab es, ich weiß nicht mehr, ob es Amerika oder England war, es gab auf jeden Fall eine Art Transgender-Love-Parade und die wurde auch mehrmals wiederholt, soweit ich weiß. Und die Veranstalterinnen haben beim zweiten oder dritten Mal gebeten, dass keine Trackqueens mitlaufen sollen, weil die... Ja, weil nichts scheint zu ändern. Genau. Gerade Transfrauen sich dadurch irgendwie veralbert fühlen, weil natürlich Trackqueens was ganz anderes machen als Transfrauen, ganz anders arbeiten und für die die Kleidung und das Auftreten als Frau etwas ganz anderes bedeutet. Und das ist ein Spannungsfeld, was uns, glaube ich, noch lange begleiten wird, weil es auch sehr neu ist, ein sehr neues Spannungsfeld. Ja. Und weil es natürlich auch für Streit innerhalb der queeren Subkultur sorgt. Ja, aber ich hoffe auch, dass uns das noch eine Weile begleiten wird, das Thema, weil das ein... und nicht irgendwo runtergespült wird von anderen Themen, weil das eben wirklich eine wichtige... und ich glaube, zur Zeit, wo wir sowieso mit Identitäten zu kämpfen haben, also abseits von, ob jetzt Transgender oder ob irgendwelche anderen Identitätsfragen eine Rolle spielen. Ich glaube, das ist unsere Aufgabe in diesem Jahrhundert so ein bisschen mit. Ja, da bin ich ganz bei dir. Ich war ein bisschen traurig, dass ich nicht genug Verfilmungen von Shakespeare-Stücken im Kopf habe, weil eigentlich jedes verdammte Shakespeare-Stück hat Cross-Dressing. Ich habe keinen einzigen Shakespeare drin, um das gleich zu sagen. Ja, ich auch nicht, weil ich einfach nicht genug Verfilmungen kenne, wo das wirklich toll gemacht ist. Aber in den Stücken ist es einfach, weißt du, und auch, wo es auch ständig passiert, Monty Python. Ja, können wir ganz kurz das... da muss ich nochmal einlenken. Wir haben gesagt, wir halten... Transgender halten wir hier raus. Die Frage ist, halten wir es raus, wenn das Cross-Dressing nicht im Film thematisiert wird? Sprich, wenn ein Schauspieler eine Frau spielt oder wenn eine Schauspielerin einen Mann spielt? Gehört das auch in diese Liste? Weil das ist ja... also es gibt ja die Filme, die Cross-Dressing klimatisieren. Und es gibt die Filme, in denen das einfach gemacht wird. Zum Beispiel bei Monty Python. In dieser absurden Szene bei Das Leben des Brian, wo... Ja, ja, genau. Wo Männer Frauen spielen, die vorgeben, Männer zu sein. Total absurde, geile Szene. Weil ich habe tatsächlich eine Honorable Mention, bei der ich nicht weiß, ob ich sie in die Liste packe, weil es genau darum geht. Ich glaube, es gehört nicht in die Liste. Es gehört nicht in die Liste. Es tut mir leid, aber ich glaube, es gehört nicht in die Liste, weil es im Grunde ja, weil es darum nicht geht. Also weil wir keinen, weil es gibt ja keine... Obwohl, nein, eigentlich... Das Thema war Cross-Dressing im Film. Welchen Sinn das Ganze verfolgt, das Cross-Dressing ist ja nicht näher definiert. Doch, dann gehört es schon in die Liste. Jetzt bin ich alle verwirrt und jetzt geht's los. Moment, ich muss ganz kurz einmal... Dann fang du doch einmal an mit deiner Nummer drei. Und dann kann ich kurz gucken, wie ich meine Liste neu händle. Und diesen einen Film als Honorable Mention einfach aufführe. Meine... Nein, meine Nummer drei wäre dann... Wir stößen dieses Horn. Der Lumberjack-Song, ohne dass es Cross-Dressing ist, wird über Cross-Dressing gesungen. Ja, schön. Finde ich großartig. Ja. Also ganz toller Monty Python-Moment für mich. Auf jeden Fall. Und auch ein tolles Spiel mit den Klischees eines typisch männlichen Holzfällers. Genau. Der so ein richtig maskuliner Mann ist. Und dann singt, dass er gerne ein Kleid tragen würde. Ja. Und zwar mit voller Inbrunst und voller Freude und... Und ja, sehr schöner Kontrast zu den Mitsingenden mit dem Chor quasi. So Honorable Mention verdammt, verbannt, wurde... Das wäre eigentlich meine Nummer eins. The Wild Boys aus dem Jahr 2017. Ein großartiger Experimentalfilm, Avantgarde-Film.
Florian Bayer: Aha.
Johannes Franke: Der, in dem Frauen eine Gruppe von wilden Jungs spielen, die an merkwürdigen Ritualen teilnehmen und dabei ihre Lehrerin töten und deswegen verbannt werden von der Gesellschaft. Es hat so ein bisschen Clockwork Orange Feeling. Okay. Und sie fahren dann mit einem rauen Seebären raus auf See und landen auf einer geheimnisvollen Insel, auf der sie dann sich wiederum in Frauen verwandeln, weil diese Insel ihnen die Männlichkeit nimmt. Das ist ein großartiger Film. Ich glaube, ich werde ihn auch irgendwann mal. Okay. In einer der kommenden Podcasts werde ich dir den vorschlagen. Eine ganz merkwürdige Mischung aus Experimentalfilm und Surrealismus. Und gerade am Anfang ist dieses Cross-Dressing total spannend, weil du hast die weiblichen Darstellerinnen in den Männerkostümen, die wirklich so alle Klischees der Testosteron-Schwangeren wilden Raufbolde verkörpern. Ja. Wunderschöner Film. Aber Cross-Dressing wird nicht direkt thematisiert und der Film spielt generell sehr viel mit Gender-Identitäten und Auflösung von diesen. Meine Nummer drei. Moment, ganz kurz, nur dass ich das nochmal verstehe. Der Film verkauft sozusagen die weiblichen Schauspieler erst mal als Männer. Als Jungs, genau. Und zwar nicht mit Augenzwinkern oder mit, guck mal, hier sind Frauen in Männerkleidung, sondern sie sagen, das sind Männer. Genau. Aber offensichtlich mit einem Augenzwinkern Richtung vierte Wand, weil es schon sehr offensichtlich ist, dass hier Frauen in Männerkostümen sind. Okay, Graustufe. Graustufe. Meine drei ist auch Monty Python. Ach schön. Das Leben des Brian. Die genannte Szene finde ich einfach so schön, weil Männer spielen Frauen, die vorgeben, Männer zu sein. Wundervoll. Und dann haben wir die Monty Pythons, die ihre Stimmen verstellen, damit sie klingen wie weibliche Stimmen, die versuchen, männliche Stimmen zu imitieren. Ein Höhepunkt des Cross-Dressings. Ja, sehr, sehr gut. Ja. Wundervoll. Okay, dann meine Nummer zwei. Victor Victoria. Das ist eine, ich muss gerade nochmal mit Julia Andrews. Ich habe das gesehen vor ein paar Jahren, als ich selber eine Rolle gespielt habe, wo es auch darum ging, hieß auch Victor bzw. Victoria, weil sie sich auf diesen Film bezogen haben, mehr oder weniger. Das war sehr spannend. Ich erinnere diesen Film nicht mehr, nicht mehr 100 Prozent, aber ich weiß, dass ich eben so wahnsinnig begeistert war und beeindruckt war von diesem Film. Julie Andrews spielt jemanden, die kriegt keine Jobs, glaube ich, und verkleidet sich dann als Mann und hat dann eine Haufe Jobs auf der Bühne. Ah. Und ja, mehr kann ich leider gerade gar nicht dazu sagen, weil ich nicht mehr alles im Kopf habe, aber ich verinnere mich, dass ich nachhaltig beeindruckt war von diesem Film. Ein Remake offensichtlich. Ja, genau, von einem Film, der 1933 auch schon mal Victor Victoria hieß, aus Deutschland. Ja, und der Regisseur ist Blake Edwards. Blake kenne ich nicht. Vielleicht musst du dir den einfach mal angucken. Ja. Klingt nach einem Film, den ich sehen sollte. Ja, auf jeden Fall. Meine Nummer zwei ist Birdcage. Ach, schön. Das amerikanische Remake. Aha. Ja, tatsächlich. Und für den Grund, warum ich das amerikanische Remake nehme, gibt es einfach, der Grund ist einfach ganz simpel. Es ist einfach Nathan Lane, der in diesem Film in die Frauengleider schlüpft und der so fantastisch diese Rolle mimt. Und Robin Williams ist natürlich auch toll. Gene Hackman ist großartig als Konservativer, der dann auch am Schluss in Frauengleider gezogen wird, um inkognito aus dem Club fliehen zu können. Ja. Großartiger Film. Einen Plot kurz zusammenzufassen. Es geht um ein schwules Paar, dessen Sohn eine Tochter von einem konservativen Politiker heiraten will. Und der Politiker will mit seiner Frau zusammen dann zu Gast sein natürlich bei den zukünftigen, wie nennt man das? Schwagereltern? Der Schwiegereltern. Den Schwiegereltern seiner Tochter. Okay. Und er weiß aber dann nicht, dass sie schwul sind. Und deswegen muss einer aus dem Paar die Frau mimen, damit sie wie eine normale, konservative Familie wirken. Mann, Frau, Kind. Ja. Und tolle Komödie. Es gibt ein, es ist ein Remake. Ich glaube, das französische Original, Ein Käfig voller Narren, ist allgemein beliebter und wird allgemein erst in der besten Film angesehen. Es fällt bei mir in die Richtung, ich mag das Remake lieber als das Original. Okay. Vielleicht auch, weil ich das Remake zuerst gesehen habe. Ach. Okay. Verstehe. Und weil er mich irgendwie, weil er einfach meinen Humor getroffen hat. Und danach habe ich das französische Original gesehen, fand das auch toll. Aber ich werde einfach immer einen Spot in meinem Herzen für das Remake haben. Okay. Schön. Ja, dann werde ich das nochmal, ich habe nämlich das amerikanische Remake nicht gesehen. Das sollte ich vielleicht mal tun. Okay. Mein Platz eins. Ich könnte mir vorstellen, dass wir fast den gleichen haben. Das glaube ich auch. Rocky Horror Picture Show? Natürlich. Ja, natürlich. Ach, schön. Es geht nichts über Frank and Father. Ja, es ist großartig. Ja. Ich hätte auch noch einen kleinen Honorable Mention und einen Hinweis. Charlie Chaplin hat einmal einen Film gemacht, einen Kurzfilm. A Woman heißt das Ding. Und da verkleidet er sich als Frau, um mit seiner Geliebten noch mehr Zeit verbringen zu können. Okay. Was ein schöner Kurzfilm ist einfach. Stummfilm. Stummfilm. Aus seiner Stummfilmzeit. Ah, schön. Ja. Und er ist wirklich sensationell als Frau. Oh, das will ich sehen. Da bin ich sehr gespannt darauf. Ich habe ihn nicht nochmal geschaut. Ich ist aus der Erinnerung und dann habe ich ihn in der Recherche als Hinweis irgendwo mal auf einer Webseite gesehen und habe gedacht, ah, stimmt, da war ja was. Großartig. Ja. Ich muss ihn mir nochmal angucken. Ich habe ihn jetzt noch nicht dazu gekommen. Danke für die Empfehlung. Gerne. Wir kommen zurück zu unserem Film. Oh ja, unser Film. Wir wollten ja einen Film besprechen. Jetzt haben wir den ganzen theoretischen Ballast einmal hinter uns gelassen. Haben wir einmal weggeräumt. Jetzt können wir uns einfach nur über diesen tollen Film amüsieren. Großartig. Um auch, na gut, kurz über die Theorie nochmal reinzukommen in den Film. Für wie schwierig hältst du den Film über dieses Frauen- und Männerbild? Kommst du da schnell drüber weg oder ist das oder tut es dir gar nicht so oft weh oder hast du irgendwie das Gefühl, ach was, das sind die Zeiten und Gutes? Der Film hat es mir leicht gemacht. Schön. Viele Filme aus den letzten 30, 40, 50 Jahren, die es einem viel schwerer machen und das halte ich dem Film auch sehr zugute, weil die meisten Filme, die dieses Cross-Dressing haben, Mann als Frau, inkognito, leben davon, ihr Humor lebt davon, dass der Mann irgendwie als Frau dann besonders stark ist und halt doch diese männlichen Eigenschaften hat und irgendwie auch was damit erreicht und andere Frauen bewundern ihn. Tutsi ist zum Beispiel so ein Fall, in dem Dustin Hoffman in den Frauenkleidern so richtig auf die Kacke haut und er ist einfach die starke Frau und er schafft tatsächlich was für die Frauen zu erreichen. Und das ist natürlich irgendwie problematisch, weil du hast dann plötzlich diesen White Knight, der sich einfach nur Frauenkleider anziehen muss und dann löst er 2000 Jahre weibliche Unterdrückung in der Menschheitsgeschichte. Das macht dieser Film nicht und das halte ich ihm sehr zugute. Es gibt diese eine Szene, um schon mal ein bisschen vorwegzugreifen, als Jack Lemmon im Aufzug als Daphne von den Millionären angetatscht wird und dann kommt er ins Hotelzimmer und regt sich einfach drüber auf. Und dann gibt es einen kurzen Dialog zwischen Tony Curtis und Jack Lemmon und wo einfach die Konklusion ist, shit, so fühlen sich Frauen also. Da siehst du mal, wie es der anderen Hälfte der Menschheit so geht, sagt er, glaube ich, in der Richtung. Genau, das ist so ziemlich eins zu eins, das Zitat. Und davon hat der Film viel und er verzichtet komplett auf diese Momente, dass die Männer, wenn sie in Frauenkleidern schlüpfen, die besseren Frauen sind. Und das finde ich toll, das ist wirklich viel wert, weil so viele Filme machen das anders. Miss Doubtfire, der irgendwie auch so fast schon so ein Klassiker ist aus den 90ern mit Robin Williams in Frauenkleidern, ist übrigens ein schrecklicher Film. Ich habe noch mal ein, zwei Szenen daraus geguckt, weil ich mich einfach daran erinnern wollte und dachte, oh, was für ein schlimmer Film. Okay. Da ist es zum Beispiel so, dass Robin Williams als Miss Doubtfire dann so richtig schön autoritär auftritt und den Kindern ordentlich in den Hintern tritt. Ja. Und er macht das natürlich, weil er als Mann die bessere Frau ist. Und das ist... Cringe. Cringe. Und wie gesagt, Tutsi habe ich schon erwähnt, macht das genauso. Und es gibt wahrscheinlich noch zig andere Filme, die das auch so machen. Und es ist genau cringe, jedes Mal. Und das macht dieser Film überhaupt nicht. Sehr schön. In keiner einzigen Szene. Deswegen hat er es mir sehr leicht gemacht. Ja. Wo ich Schwierigkeiten dann hatte eben, was aber auch Billy Wilder, glaube ich, öfter hat, war dieses Frauen, die sich einen reichen Mann angeln müssen. Ja. Das war halt für mich dann doch schwer. Wenn wir über problematische Frauenbilder reden, dann müssen wir über die Rolle von Marilyn Monroe reden.
Florian Bayer: Ja, ja.
Johannes Franke: Marilyn Monroe als das naive, dumme Plonschen, das sich unbedingt einen Millionär wünscht. Das ist schon hart. Ja. Und die dann auch mit Tricks dazu gebracht wird, einem vermeintlichen Millionär zu verfallen. Das ist nämlich dann Tony Curtis. Ich muss einmal kurz auf den Rollennamen gucken. Ich sag jetzt die ganze Zeit Tony Curtis. Joe. Joe tritt ja als Josephine auf und verliebt sich in Marilyn Monroe, die Shuka Kane spielt. Und erfährt durch intime Gespräche mit ihr, was sie sich wünscht von einem Mann, was sie sich erträumt. Und das ist natürlich ein Millionär, der groß ist, der reich ist, der ihr alles geben kann, was sie möchte, der eine Brille trägt. Das ist eigentlich noch ganz süß. Oh, ich will ins Mikro kurzen. Das erfährt er alles von ihr und dann spielt er diesen Millionär und gibt diesen Millionären einen kleinen Tick. Er sagt nämlich, er ist ein frigier Millionär und er kann keine Romantik und keine Sexualität entwickeln, weil er ein Trauma mit sich trägt. Über dieses Trauma müssen wir gleich noch sprechen. Und bringt sie so dazu, dass sie versucht, ihn zu verführen und alles auffährt, was sie auffahren kann. Und er spielt dabei cool und sie verfällt ihm dadurch umso mehr. Dieser ganze Charakter von Marilyn Monroe, diese Shuka Kane, ist ein katastrophales Frauenbild, was da vermittelt wird. Von vorne bis hinten. Und weißt du, Marilyn Monroe hat zu dieser Zeit schon wirklich verzweifelt versucht, ernsthafte Rollen spielen zu dürfen. Und sie durfte es wieder nicht. Ich muss ihr das sehr zugutehalten, dass sie es geschafft hat. Da muss viel Hirnschmalz reingefallen sein von ihr in diese Rolle, um das nochmal zu schaffen, obwohl sie eigentlich die ganze Zeit, sie hat angefangen mit Lee Strasberg zu arbeiten damals und mit Paula Strasberg, die beiden, die so berühmt geworden sind für ihre Schauspieltechnik. Also vor allem Lee Strasberg, ich weiß nicht, von ihr höre ich immer so wenig. Schade eigentlich. Und sie war die ganze Zeit am Set mit. Und dann hat Marilyn Monroe nach jedem Take erstmal zu Paula Strasberg geguckt. War das okay? War das gut? Weißt du, und das sagt so viel aus. Es gibt diesen Gossip vom Set, dass Marilyn Monroe damals echt durch war. Ja, war sie auch. Auf Tabletten abhängig und keine Konzentration und dass sie teilweise unfassbar viele Takes brauchte, um ihre Szenen aufzunehmen. Und das ging dann so weit, dass offensichtlich Tony Curtis und Jack Lemmon gewettet haben, wie viele Takes sie braucht und wie sie es beim nächsten Mal vergeigen wird. Ja. Was total eine echt traurige Nebengeschichte ist. Ja, es ist wahnsinnig traurig. Weil sie spielt schon dieses dumme Plonschen. Und dann ist sie offensichtlich drogenabhängig, hat offensichtlich, schleppt offensichtlich einen ganzen Sack voll Probleme mit, die es ihr schwer machen. Ja. Es gibt diese eine Szene, wo sie einfach nur an der Tür klopfen soll und sagen soll, it's me, sugar. Ja, genau. Und dann hat sie 83 Mal gedreht, weil sie es nicht hingekriegt hat. Sie hat die Worte durcheinander geworfen. Sie hat diesen einfachen Satz, der aus vier Worten besteht, drei Worten, hat sie einfach nicht vernünftig hingekriegt und hat immer mal wieder die Worte durcheinander gewürfelt. Es ist traurig auch irgendwie. Also ich meine, es klingt so, wenn man es liest, klingt es auch wie lustiger Gossip und so. Hey, das dumme Plonschen am Set. Aber es ist eigentlich total traurig. Es ist unglaublich traurig, weil sie auch nicht... ...drogenabhängige Frau haben, die eigentlich gerne was Ernsteres spielen wollen würde. Und sie ist nicht dieses dumme Plonschen gewesen, für das sie sich... Sie hat sich so bewusst dafür entschieden. Sie hat ja wirklich... Es gibt ein paar Zitate von Leuten, die sie gut kannten, die gesagt haben, sie hat genau gewusst, welchen Pfad beschreite ich da und was muss ich machen, um bestimmte Sachen machen zu können, um bestimmte Sachen drehen zu können. Und dann hat sie sich dieses Image einfach ausgesucht und hat auch Vorbilder genannt, nach denen sie agiert und so. Und die... Man merkt an ihrem Spiel, dass sie nicht so doof sein kann, weil du kriegst es nicht gespielt. Ja. Du kriegst es nicht gespielt, wenn du diese Reflexionsebene nicht hast in deinem Kopf. Das funktioniert halt einfach nicht. Und es ist spannend und deswegen habe ich, finde ich, Marilyn Monroe so eine wahnsinnig tragische Figur, weil sie sich nur drei Jahre später, drei Jahre nach diesem Film, hat sie sich umgebracht. Ja. Mein Lieblingsfoto von Marilyn Monroe ist, wie sie am Strand sitzt, glaube ich. Und Ulysses liest von James Monroe. Einer der komplexsten Romane, der moderne, wahrscheinlich einer der schwierigsten Romane, die je geschrieben wurden. Ja. Und das ist so ein unglaublich schönes Bild, weil es eben genau mit diesem Klischee bricht, dass sie immer mit sich rumgetragen hat. Sie ist irgendwie das naive Plonschen, das sich auch intelligente Männer schnappt. Ja, sie hat mit Arthur Miller zu sein. Genau, mit Arthur Miller. Und aber das ist halt auch, das passt auch irgendwie zum Klischee, dass man sagt, naja, sie ist das naive Plonschen, das sich einen reichen, hoch angesehenen Autoren schnappt, um irgendwie das ein bisschen von seiner Intelligenz auf sie abfärbt. Es gibt einfach dieses Klischee und das ist so schön, wenn das gebrochen wird. Und ich liebe dieses Bild von ihr, weil das auch kein, nicht wie ein gestelltes Foto aussieht, sondern sie ist über das Buch gebeugt. Ja. Und sie liest wirklich konzentriert. Ja, sie ist wirklich. Und Arthur Miller hatte ja dann auch noch dieses Drehbuch geschrieben für sie, dieses tragische, was dann, also dieses dramatischere, haben wir vergessen, zwei Filme später hat sie das dann gedreht und es gab ganz große Probleme damit. Und ich glaube, es ist nicht fertig geworden. Ja. Ich glaube, es ist der Film, wo sie dann am Ende sie einmal umsetzen wollten, das hat aber nicht geklappt oder was. Und dann ist der Film nie, ist er eingestampft worden. Also es ist sozusagen, also die ganze Geschichte ist tragisch, aber ich finde, bei manchen mögen es heiß, hat sie es wirklich geschafft, da nochmal alles voll reinzulegen und das alles nochmal, also diese Figur, die von ihr verlangt wurde, wirklich 100 Prozent und richtig gut und überzeugend zu spielen. Auch wenn die Figur nicht schön ist, die sie erzählen, aber sie hat es geschafft, das zu machen. Und das finde ich schon beeindruckend. Ich finde halt, diese ganze Rolle, diese ganze Figur ist so daneben. Ich erkenne da auch, ich erkenne da einfach keine große Kunst. Ich weiß nicht, ob man vielleicht, kann man da Nuancen erkennen von Marilyn Monroe's Spiel? Doch, schon auch. Aber ich sehe letzten Endes einfach nur diese, diese wirklich merkwürdige Rolle, die als Eye Candy dient, die als Love Interest dient und die sonst aber nicht besonders spannend ist und die dann auch nicht besonders spannend gespielt ist, sondern genau das macht, was sie sollen. Das macht sie, du hast recht. Das macht sie natürlich perfekt in dieser Rolle. Sie spielt das naive, dumme Plonschen. Ja, genau. Und sie setzt da auch alles rein, aber das ist mir dann auch irgendwie zu wenig. Ja, natürlich. Also überhaupt als Figur, für jede Figur wäre das viel zu wenig. Das ist schon klar. Du hast in deinem Intro gesagt, dass sich beide in sie verlieben. Dass sich nur Tony Curtis, Joe in sie verliebt. Aber das Spannende an dem Film ist ja, und was ich wirklich gut fand, nicht nur Joe verliebt sich in sie, sondern auch Gerald, Jerry, der von Jack Lemmon gespielt wird und der im Film dann in die Rolle der Daphne schlüpft, den ich übrigens auch die ganze Zeit besser fand als Tony Curtis. Ich liebe Jack Lemmon und Jack Lemmon spielt diese Rolle so toll. Man kann einfach Jack Lemmon immer, immer angucken. Also der ist einfach großartig. Vor allem seinen Kampf mit seiner Männlichkeit. Jack Lemmon, die Rolle Jack Lemmons gibt diesem Film eine Tiefe, die man so nicht unbedingt erwarten würde, weil er spielt wirklich mit den Rollenklischees und er kämpft vor allem mit den Rollenklischees. Ihm fällt es am Anfang am schwersten, sich in diese Frauenrolle reinzudenken. Es gibt dieses berühmte, dass Joe zu ihm sagt, so jetzt musst du ganz oft sagen, I'm a girl, I'm a girl, I'm a girl, weil sie sind zusammen im Zug mit diesen ganzen hübschen Frauen und er ist so total rollig, man kann es nicht anders sagen. Und Joe sagt ihm dann die ganze Zeit, nein, du bist ein Mensch, du bist ein Mensch, du bist ein Mensch. Und dann gibt es diese Umkehrung später, wenn er von dem Millionär angegraben wird und diesen Millionär auch einfach mal verfällt. Und einfach das toll findet, dass er umworben wird, das toll findet, dass er Geschenke kriegt. Und es wird auch tatsächlich, es wird nicht so inszeniert, dass er den einfach ausnutzen will, sondern er findet das klasse. Er geht da voll auf in dieser Rolle als Frau. Und dann muss er sich sagen, I'm a boy, I'm a boy, I'm a boy. Oh boy, I'm a boy. Es ist unglaublich. Und das gibt eine schöne Anekdote. Er hat ja diese Rasseln die ganze Zeit in der Hand während dieser Szene. Er hat halt den Abend zuvor, hat er zusammen mit dem Millionär, der sie ihn umworben hat, ist tanzen gewesen, Tango tanzen. Damit sein Partner in Crime mit Marilyn Monroe auf eben jener Nachtjacht von diesem Millionär abhängen kann und da ihre Sachen machen kann. Das ist für ein seltsamer Plan. Aber gut. Vor allem, dass dieser Plan funktioniert. Aber okay. Also wir haben das Setup Tony Curtis. Joe ist jetzt nicht mehr in der Rolle von Josephine, sondern in der Rolle von dem Millionären Shell Junior, von dem wir vorhin erzählt haben. Der Frigide ist, weil er ein großes Trauma hatte und er will Sugar Cane, in die er verliebt ist, auf diese Yacht kriegen. Und das schafft er eben, weil Daphne mitspielt und sagt, okay, dann habe ich den Millionär eben an Land und die Yacht vom Millionär ist dabei leer, sodass so Tony Curtis, Marilyn Monroe dort verführen kann. Und diese Szene, dieses Sehen und Her ist sehr geil. Es ist schon wirklich toll. Ein toller Schwenk von der Yacht ab zur Party, wo sie dann Tango tanzen. Was für eine fantastische Montage. Großartig. Und dann wieder zurück zu Marilyn Monroe, die versucht, komm, willst du vielleicht nicht doch mal, guck mal hier. Und wie fühlt sich denn das an? Wie fühlt sich denn das an? Und dann wieder zurück. Und das ist auch so für die Yda, diese Szene. Du willst bei beiden Szene dranbleiben. Ja. Du bist traurig, wenn die eine Szene aufhört. Ja, genau. Und freust dich aber direkt, dass ins nächste Szenario gesprungen wird. Weil du willst wissen, wie sich jetzt Daphne beziehungsweise Jerry irgendwie gegen diesen Millionären Oskar wehren kann. Wie er es schafft, dem zu entkommen oder ob er ihm verfällt. Und gleichzeitig willst du wissen, ob es Joe schafft, Sugar Cane zu verführen in der Rolle des frigiden Millionärs. Und das ist ein tolles Hin und Her, ja. Es ist großartig inszeniert. Jede Sekunde des Films willst du weitergucken. Es ist wirklich, wirklich schön. Und dann liegt also am Ende des Abends beziehungsweise morgens, frühmorgens um, was weiß ich, es ist schon wieder hell draußen, liegt Daphne mit diesen Rasseln total beseelt von diesem Abend und rasselt vor sich hin. Und Jack Lemmon kam zur Probe ans Set und hatte sich was richtig dramatisch überlegt für diese Szene. Und es stand nicht im Drehbuch, dass er mit den Rasseln da rumrasselt und dass es so lustig und so sein würde. Sondern er hatte sich halt wirklich was überlegt, wie er es schafft. Der Dialog ist schon lustig gemeint. Aber er hat es sich anders vorgestellt. Und dann Billy Wilder mit diesen Rasseln am Set gefunden. Und Billy Wilder so, hier, nimm die mal in die Hand. Und nach jedem Satz rasselst du damit rum? Und Jack Lemmon dachte, oh Gott, jetzt hat er den Verstand verloren. Und es hat sich herausgestellt, dass es wirklich wahnsinnig gut ist. Genial. Geniale Idee und tolles Timing dadurch und tolle, es war großartig. Und er die ganze Zeit sagt, ach, und wir werden, wir dachten dort heiraten. Und ich war aber nicht ganz sicher, wo jetzt. Und er sagt die ganze Zeit, du kannst ihn nicht heiraten. Wieso, meinst du, er ist zu alt für mich? Das ist so schön. Eine ganz, ganz, ganz tolle Szene. Weil er ist einfach, er ist, also verliebt ist vielleicht das falsche Wort, aber er gibt sich voll in diese Rolle des Sugar Vapes. Ja. Und er ist einfach glücklich. Er wird umworben. Er wird beschenkt. Unglaublich gut. Und er sagt, du kannst ihn nicht heiraten. Warum heiratet ein Mann einen anderen Mann? Und die Antwort ist einfach nur, vielleicht, weil er Sicherheit braucht. Und das ist so, es spielt mit diesen, auch mit diesem Heiratsklischee, warum man heiratet und warum man zu dieser Zeit geheiratet hat. Und ich, ganz, ganz großartig gut geschriebene Szene. Der Film wurde ja damals durchaus kritisch gesehen von den Sittenwächtern, weil er eben diese homosexuellen Untertöner hatte. Und es ist auch nachvollziehbar, dass er zumindest teilweise in der queeren Kultur einen Kultstatus erreicht hat. Ja. Weil er hat die ganze Zeit diese, diese Untertöner. Und die sind toll eingeflochten und die sind ganz vorsichtig eingeflochten. Ohnehin ist der Film voll mit Frivolitäten, die so ganz subtil in die Dialoge eingeflochten sind. Also man könnte eigentlich jeden, jeden einzelnen Satz könnte man rausziehen, könnte den einmal hinlegen und stellt fest, okay, da ist eine Anspielung, da ist eine Anspielung, da ist eine Anspielung. Der ist eigentlich voll mit Sex, der Film, obwohl es überhaupt keinen Sex zu sehen gibt. Der war ab 18, ne? Der war ab 18? Der war ab 18, ganz am Anfang, als er rauskam. Zum einen wurde, also es wurde argumentiert mit der Gewaltszene am Anfang. Das ist ja tatsächlich, es gibt, es beginnt ja mit diesem, mit dieser Hinrichtung, wo natürlich kein Blut fließt, aber wo man doch schon mal sieht, wie von, wie Gangster von anderen Gangster niedergeballert werden und zwar eiskalt exekutiert. Was sich übrigens auch für ein echtes Ereignis aus dem 1929 bezieht. Ja. Ja. Valentines Massaker, ähm, ja. Und, aber auch wegen den Frivolitäten und wegen den sexuellen Untertönen, nicht nur die homoerotischen Untertöne, sondern auch grundsätzlich alle sexuellen Untertöne, weil es geht die ganze Zeit darum, dass sie rollig sind und dass sie auf die Frauen scharf sind. Am Anfang im Zug diese wunderbare Szene, wenn Jerry als Daphne im Bett liegt und dann Merlin Monroe zu ihm kommt. I'm a girl, I'm a girl, I'm a girl. Sie kuscheln ein bisschen so und unterhalten sich und er versucht sich wirklich zurückzuhalten. Aber das wirklich Tolle ist, er genießt es auch, diese Intimität zu zweit. Das ist nämlich der Anfang, in dem Jerry ist auch in Sugarcane verliebt. Ja. Das ist auch ein bisschen tragisch, dass Jerry dann irgendwann den Kürzeren zieht und dann komplett Joe das Feld überlässt. Und dieser Joe ist übrigens ein ganz schöner Arsch teilweise. Ja, muss man schon sagen. Das ist echt ein unsympathischer Charakter. Und dass die beiden irgendwie so enge Freunde sind, ist schon ein bisschen seltsam. Ja, das ist so, also es ist keine gleichberechtigte Freundschaft. Er ist echt aggressiv seinem Kumpel gegenüber. Wirklich nicht nett. Er benutzt ihn, er nutzt ihn aus, er ist hinterhältig. Klassische toxische Beziehung, würde ich sagen. Ja, es ist eine toxische Freundschaft, würde ich auch sagen. Aber es gibt diese Bettszene im Zug und dann macht Merlin Monroe, macht Sugar daraus eine Party und ruft ihre anderen Freundinnen und dann ist es total voll und Jerry ist total
Florian Bayer: genervt.
Johannes Franke: Dieses Bankbett oben hin, also 20 Frauen in so einem schmalen Ding. Das ist unglaublich. Und da gibt es den schönen Moment, wo Jerry einfach nur noch genervt ist und einfach nur seine Ruhe haben will und versucht zu fliehen in diesem Gewusel aus Frauen, die einfach nur ihren Spaß haben. Oh Mann. Tolle Szene. Er ist die anstandste Arme plötzlich. Ja, genau. Und das mag ich an dieser Rolle, er passt sich immer so diesen Umständen an und er kann sich total schnell dafür begeistern, wo er da gelandet ist. Er begeistert sich dann eben auch für diese Frauenrolle von dieser Frau, die vom Millionären umworben wird. Das ist so schön gespielt und Jack Lemmon macht das ganz fantastisch. Und diese Gesichtsakrobatik, die Jack Lemmon drauf hat teilweise, ist unglaublich. Ja, total. Gott. Ja, und dann dieses, wie er dann, also da kam es mir dann ein bisschen cringig vor, weil er dann irgendwann sagt, als sie noch zu zweit sind, naja, wer weiß, vielleicht entwickelt sich die Party ja so, ich habe doch eine Überraschung für dich. Vielleicht wird es eine Überraschungsparty, na? Und das so ein bisschen, da deutet sich so ein bisschen eine, weiß ich nicht, so eine seltsame Ich fall gleich über dich her und so unfreiwillig irgendwie, ich weiß nicht. Es gibt diese Ring-Könche-Momente.
Florian Bayer: Nicht schön, ja.
Johannes Franke: Also das im Aufzug haben wir ja schon erwähnt.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wenn Osgott, diese eigentlich total witzige Figur, die auch sehr sympathisch ist, aber einfach mal zum fucking Predator wird und Daphne einfach mal angrapscht. Ja, ja. Und das wird als humoristisch, als lustiger Moment auch verkauft, weil dieser Osgott, der ist für uns die ganze Zeit eigentlich ein Sympathieträger. Ja, ja, schon. Aber also am Anfang nicht und das, aber ich glaube, es braucht es auch, weil dadurch ja auch den beiden gezeigt wird, wie mit Frauen umgegangen wird. Also er ist natürlich derjenige, der initiieren soll, dass die beiden feststellen, oh, ist nicht so geil als Frau. Der Moment danach ist auch total stark.
Florian Bayer: Ja, genau.
Johannes Franke: Deswegen ist diese Szene so ein bisschen vergeben. Und dieser Osgott, können wir nochmal kurz auf den kommen?
Florian Bayer: Ja, gerne.
Johannes Franke: Der ist so fantastisch. Eigentlich ist das meine liebste Rolle in dem Film. Wirklich? Ja, ich finde ihn so großartig. Gespielt von Joseph Evans-Brown und er macht das einfach so toll. Er verliebt sich in Daphne, also in Cherry. Cherry als Daphne unterwegs und dieser klassische Millionär auf freier Füßen verliebt sich in Daphne und will sie umwerben und will sie für sich gewinnen. Und wie schon gesagt, Cherry alias Daphne verfällt ihm dabei auch. Und es ist wirklich, es ist klar, sie verloben sich, ne? Sie werden heiraten. Das ist ganz klar. Es bahnt sich da eine großartige Beziehung an.
Florian Bayer: Oh Gott.
Johannes Franke: Und das Ende greifen wir noch nicht vorweg. Eine der schönsten Schlussszenen der Filmgeschichte. Wundervoll. Aber genau, das ist toll und er spielt das so witzig. Er ist einfach, er ist, es ist eine saukomische Rolle. Und Joey Brown, den ich gar nicht kenne. Der Schauspieler. Ja, der Schauspieler, der spielt das mit so viel Hingabe und mit so viel Leidenschaft für sich und für die Frau, die er umwirbt und mit so viel Pathos und Gefühl und ist dabei trotzdem saukomisch. Nicht nur, weil wir wissen, dass Daphne in Wirklichkeit Cherry ist, sondern auch einfach, weil er so ein bisschen tollpatschig ist und so ein bisschen daneben. Wie gesagt, es gibt diese wirklich unangenehme Aufzugsszene, aber ansonsten ist er einfach nur tollpatschig und daneben und verliebt. Und erzählt ganz offen, dass er schon irgendwie neun Frauen verschlissen hat oder sowas. Ja, ich weiß nicht. Er ist eigentlich, er besitzt eigentlich alles von einem unsympathischen Charakter, aber man verliebt sich in diesen Charakter.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Weil er so witzig ist und so nett und so tollpatschig. Und man fragt sich auch die ganze Zeit, wie kann so ein Mensch zu so viel, zu einem solchen Vermögen kommen? Ja. Weil er ist einfach, er ist ein Trottel. Und er muss auch immer seine Mutter fragen, die nämlich auch dafür sorgt. Die letzte Ehe ist zu Bruch gegangen, weil Mama es nicht gut fand, dass sie raucht. Genau. Großartig. Oh Mann. Ja, genau. Und übrigens in diesem Film, ich weiß nicht, ob dir das so, dann an der Stelle, freue ich mich immer, Männer, diese schrecklichen haarigen Biester, die mal alles antatschen müssen. Ich weiß nicht, das wird von den Ärzten irgendwann in einem Lied verwurstet. Deswegen ist das so ein berühmtes Zitat geworden. Aber das ist aus, manche mögen es heiß. Ah, okay. Ich weiß, was du meinst. Das ist, Männer sind Schweine, oder?
Florian Bayer: Ja, genau.
Johannes Franke: Dann wird man dazwischen irgendwann mal so eine Frauenstimme reden. Genau. Ist mir nicht aufgefallen. Okay, also es ist einfach zu lange her, zu weit auseinander. Ja, aber das ist genau das. Das ist das Zitat aus der Szene, als sie das erste Mal im Zug sind und das erste Mal proben. Ja. Und die Frau dann in großer Rede hält, hier wird nicht getrunken und Männer sind sowieso verboten. Ja. Und Daphne dann halt sagt, ach Männer, diese schrecklichen haarigen Biester, die mal alles dann tatschen müssen. Um Gottes Willen, nein, niemals. Es gibt übrigens ganz viele Szenen, in denen es unglaublich gutes humoristisches Timing gibt. Ich liebe diese Szene am Anfang, wenn sie in dem Nachtclub sind und sie machen Musik und dann kommt die Polizei rein mit der Razzia und sie gucken sich einfach an und verziehen sich so leise. Es ist so perfekt getimt. Also Joe und Jerry im Nachtclub als Musiker, die sehen, jetzt fängt eine Razzia an und wir müssen jetzt abhauen. Und während die Polizei den Laden hochholt, gucken sie sich kurz an und gehen dann so ganz entspannt und gleichzeitig zielstrebig raus, um abzuhauen. Man kann es nicht erklären, man kann es nicht beschreiben, es ist einfach super gut getimt. Und es gibt viele von diesen Momenten, wo die Dynamik zwischen den beiden einfach so ohne große Worte ist. Und so liebevoll. Ja. Ich finde das so liebevoll. Also gerade so stummes Verständnis und ah, okay, wir wissen jetzt, vielleicht gehen wir mal da hinten zu dem Ausgang. Das ist dann natürlich auch nachher, wenn sie als Frauen verkleidet durch das Hotel fliehen. Ja, genau. Sie sind dann mit dieser Kapelle in dem Hotel und dann kommen die Gangster rein, weil die ein Bankett abhalten. Fans of the Italian Opera. Genau. Und da ist natürlich auch der dabei, der sie sowieso schon die ganze Zeit jagt, die saß. Bats? Ja, äh, Gamasche heißt der.
Florian Bayer: Ja, genau.
Johannes Franke: Columbo. Columbo. Und die entdecken sie dann auch und erkennen sie auch direkt. Na, direkt bin ich. Nicht direkt, aber relativ schnell tatsächlich. Also es wird kurz diese, diese amüsante Szene, wo sie im Aufzug sind. Genau, wo sie noch nicht erkannt werden, aber schon so ein bisschen, kenne ich euch vielleicht. Ja. Liebe Damen, haben wir uns schon mal gesehen. Und dann später fällt ihnen dann auf, ah, das sind doch die gleichen Instrumente, das sind doch die gleichen Gesichter. Sie erkennen, genau, sie erkennen, äh. Sie haben die Löcher im. Die Löcher, ja. Genau. Löcher im Cello. Cello? Bass. Ja, Bass. Im Bass. Und dann müssen sie, dann müssen sie durch das Hotel fliehen, verfolgt von den, äh, von den Gangstern. Und da gibt's ganz, ganz oft diese Momente, wo sie irgendwie miteinander wortlos kommunizieren und hinter die nächste Ecke und dann dahin und dann unter den Tisch, wo sie schließlich landen. Oh Gott. Das ist unter dem Tisch so quälend. Ich fand die Szene sehr quälend. Oh mein Gott. Oh nein, die sitzen da drunter und dann werden die da erschossen, die anderen. Und, ähm, ja, ja. Genau, dieser, dieser Spatz wird dann nämlich erschossen von, äh. Das sind auch, diese, diese Gangster sind auch so wundervolle Klischeefiguren. Es ist auch so bescheuert, weil du eigentlich, also, so, so, ich hab ja vorhin in einer Einleitung Gaunerbande gesagt, das, das harmloseste, was mir einfallen konnte. Weil im Grunde hast du, die haben zwar, die schießen zwar rum, aber es sind irgendwie auch Trottel, weißt du? Toothpick Charlie. Was soll das? Der, der am Anfang erschossen wird, der ist so, so das, irgendwie, so das komplett das Klischee eines Ganoven aus dem klassischen Film. Und das macht der Film auch wirklich gut, die so darzustellen und eigentlich an einer Tour zu parodieren. Ja. Es ist eine Persiflage auf einen Gangsterfilm aus den 20ern oder 30ern. Und die Schauspieler übrigens, hab ich mal gelesen, äh, sind berühmte Schauspieler aus ernsthaften Gangsterfilmen von früher. Ja, ja.
Florian Bayer: Das ist auch sehr schön.
Johannes Franke: Ich find's total geil. Wundervoll, liebevolles Detail. Ja. Und genau, die Gangster, die sie gejagt haben, die werden dann allerdings auch hingerichtet bei diesem, bei diesem Ganoven-Bankett vom Oberganoven. Och, und jetzt sind die beiden schon wieder Zeugen von so einem Mord und müssen schon wieder fliehen. Und die Polizei kommt dann auch drauf. Was ja dann zum großen Finale führt, dass sie, dass sie dann abhauen und, ähm, er sich nochmal unbedingt von, von Sugarcane verabschieden muss und seine, seine Tarnung aufgibt und sozusagen zu ihr in Frauenkleider, aber dann ohne verstellte Stimme und sie dann küsst und, und sagt, äh, du verdienst was Besseres. Das ist übrigens eine tolle Szene. Ja. Das ist wirklich eine romantische Szene. Ich muss ja nochmal sagen, ich find diesen Joe-Charakter wirklich unsympathisch. Ich find's auch so ein bisschen tragisch, dass Jerry einfach so schnell außen vor war und dass einfach nur noch die Romanze zwischen Joe und Sugar im Mittelpunkt stand. Aber diese Szene ist sehr schön, wenn er dann auf die Bühne geht, nachdem sie gesungen hat. Ja. Und sie einfach küsst. Was übrigens auch ein toller Song ist. Ja. Kannst du mit den Songs was anfangen? Ich fand die alle durchweg großartig. Das ist, also es sind einfach, es sind halt einfach so Klassiker, ne? Also es gibt, es gibt zwei große Gesangsauftritte von Mel Manor und das eine ist I Wanna Be Loved By You.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Was wirklich ein schöner Moment ist, weil sie sehr gediegen ist und sehr entspannt und relaxed von der Atmosphäre. Und du musst mir jetzt auf die Sprünge helfen, wie der zweite Song heißt, den sie singt, bevor ihr sie küsst. Moment, ich hab's gleich, ich hab's mal aufgeschrieben. Ähm, ähm, I'm through with love. Ähm, es gibt auch zwischendurch noch einen. Es gibt noch eine andere Gesangsnummer, aber die hab ich jetzt auch grad nicht im Kopf, was das war. Aber I'm through with love ist, und das ist so tragisch und der Text passt natürlich zu der Situation und so, ne? Wie das eben so ist. Und, ähm. Wirklich gut. Es ist vielleicht so ein schöner Moment, weil Joe, so die Beziehung zwischen Joe und Sugar ist eigentlich die ganze Zeit so schwierig und man weiß nicht genau, will er sie einfach nur verführen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Gerade dieser Moment auf der Yacht, Sexuelle wird komplett ausgespart, aber es wird angedeutet. Mhm. Sie hatten wahrscheinlich Sex. Ja. Also ziemlich sicher sogar. Und er ist immer so ein bisschen auch der Verführer, aber da ist der Moment, wo einfach klar ist, er ist in sie verliebt. Und das ist ein schöner Moment, weil er dann auf die Bühne geht und dann küsst er sie und dann gibt's so diesen Schock-Moment, wo er sie als Frau küsst, wo er von ihr erkannt wird. Mhm. Aber es ist einfach ein schöner Moment zwischen den beiden. Ja. Den man ihnen auch dann doch irgendwie gönnt, obwohl ihre Beziehung alles andere als unproblematisch war, obwohl man irgendwie insgeheim wie ich sich wünscht, dass Cherry bei ihr landet, weil Cherry der sympathischere Charakter ist. Aber Cherry bekommt auch seine Liebe. Und das ist das Schöne an diesem Film, weil letzten Endes das, was Cherry kriegt, ist viel besser. Ist das viel besser? Ich weiß noch nicht so genau, aber. Well, nobody is perfect. Oh, ist das schön. Okay, um mal das Ende zu erzählen. Die kommen ja, die rennen da raus, weil sie vor den Gangstern flüchten und er hat nochmal Marilyn Monroe geküsst und die rennt dann auch hinterher, weil sie feststellt, oh mein Gott, oh, und er ist der Bassspieler, den ich immer auf die, nee, Saxophonspieler, auf die ich immer abfahre und jetzt bin ich halt doch wieder so doof und rennt hinterher. Das ist eigentlich auch total schrecklich. Ja. Der Beziehung hat auch kein langes Haltbarkeitsdatum, oder? Wenn wir mal kurz überlegen, wie es nach dem Film weitergehen könnte. Na ja, kommen wir gleich zu, sie rennen dann irgendwie zu diesem Boot, was Jerry organisiert hat, von Osgood. Osgert. Osgert. Und da deutet er so ein bisschen an, nein, du müsstest doch eigentlich hierbleiben, ich bin doch auch nur wieder so ein doofer Saxophonspieler, ich bin doch auch nicht besser als die anderen und so. Und man merkt, da kommt schon ein Umdenken bei ihm. Also man könnte es als Happy End deuten im Sinne von, da ist Aussicht auf Besserung. Der Film will uns das natürlich erzählen. Er verliebt sich ja auch wirklich in sie. Es ist auch, es ist insofern logisch, dass letzten Endes Joe, der ist der mit Merlin, mit Sugar zusammenkommt, weil es bei ihnen einfach funkt. Weil bei ihnen, weil er sich wirklich verliebt. Weil Jerry und Joe sind am Anfang beide einfach nur spitz auf sie, wollen sie eigentlich nur flachlegen. Ja. Aber natürlich erzählt der Film, dass sich dann zwischen Joe und Sugar mehr entwickelt.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Es ist okay. Ja. Und dann eben der Schwenke nach vorne und das Ende im Grunde und wirklich ganz großartig.
Florian Bayer: Jerry und Osgott.
Johannes Franke: Also Daphne und Osgott. Und Osgott ist immer noch total verliebt und schwärmt von der Hochzeit, die sie haben werden. Daphne versucht ihm auszureden und sagt, sorry, ich bin nicht immer naturblond. Ja, macht nicht. Ich kann keine Kinder kriegen. Nicht so schlimm. Wir können welche adoptieren. Ich rauche. Ich bin ein Mann. Und dann der perfekte Satz. Nobody is perfect. Großartig. Es ist so schön. Es ist vor allem so schön, es ist ein Humor, der eigentlich nicht in diese Zeit gehört. Ja. Weil der Film bereitet eigentlich vor, dass natürlich jetzt dieser Schockmoment kommt. Er stellt fest, dass er ein Mann ist.
Florian Bayer: Ah, Hilfe.
Johannes Franke: Das ist der Witz, auf den wir warten. Ja. Und der Film macht was, was eher Filme und Serien in den 90ern gemacht haben. Ich muss immer an Simpsons denken. Simpsons macht ganz auf diesen Humor.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Man wartet auf den Pay-Off. Humor Simpsons steht am Grill und kippt ganz viel Benzin rein. Immer mehr, immer mehr, immer mehr. Nimmt ein Streichholz und wirft es rein. Und wir erwarten natürlich alle, dass eine riesige Stichflamme hochgeht. Aber es passiert nichts. Der grillet einfach an. So dieser zurückgezogene Humor.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das ist hier genauso.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wir erwarten eigentlich, dass Osgott schreit. Das wäre ein toller Witz. Er würde panisch schreien, vielleicht vom Boot fallen und so. Haha, alle haben gelacht. Aber er macht es nicht. Osgott kriegt es mit.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Und er verzieht eigentlich keine Meme. Er bleibt genauso wie vorher. Ja. Er lächelt und sagt, okay, ist so. Niemand ist perfekt. Ja. Ich will dich immer noch. Es ist großartig. Großartiger Witz. Und sie haben da gesessen. Es war schon spät. Die beiden Autoren, also Billy Walder und dessen Name mir wieder entfällt. Oh Mann, das tut mir immer so leid. Und, ähm, aber mit seinem Kompagnon, mit dem er das Skit zusammengeschrieben hat. Genau, Diamond. Und der, ähm, es war schon spät in der Nacht und sie versuchten noch einen letzten, so ein Pointe, einen guten Satz zu finden. Und er meinte, lass uns jetzt einfach diesen Satz da einmal reinschreiben. Und wir ändern das später wieder. Weil sie nicht überzeugt waren, dass der Satz der richtige ist. Und dann hat ihn auch später nochmal eine Freundin oder so gelesen, die da auch in der Produktion mit dabei war. Ich weiß nicht genau wer. Und die meinte auch, nee, es ist nicht so. Also, ah, die tolle Szene, aber der Satz am Ende weiß ich noch nicht genau. Und dann haben sie es aber einfach drin gelassen, weil sie gemerkt haben, nee, eigentlich stimmt es. Eigentlich passt es genau richtig. Das ist die perfekte Pointe. Es ist wahrscheinlich eine der besten Pointen zum Abschluss eines Films. Ja. Weil es wirklich diese Erwartungen untergräbt.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Weil es gibt einfach so einen obvious Witz, den man machen könnte. Es ist witzig, wenn jemand schreit, erschrocken schreit, weil er feststellt, dass das in Wirklichkeit keine Frau ist. Ja. Und das machen alle diese Filme. Tutsi hat diesen Moment. Tutsi hat diesen Moment. Tutsi hat diesen Moment. Ja. Dieser komische Film, wo die beiden Typen, war das John Candy in Nonnenkleidern? Nonnen auf der Flucht? Keine Ahnung. Nonnen auf der Flucht, genau. Auch so ein Film aus den 90ern. Oh Gott, die 80er und 90er sind voll mit diesen Filmen. Ach nee, das war Robbie Coltrane und Eric Idle sogar. Ah, okay. Der hat diesen Moment, diese Komödien mit dem Cross-Dressing haben immer diesen Moment, wo jemand sich enttarnt als Mann oder als Frau und es gibt den großen Schrei.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Hat dieser Film ja auch. Wenn Tony Curtis Melton Monroe küsst, gibt es diesen Moment, wo die ... Wo die Band alle machen. Genau. Und die Anstandsdame, die dabei ist, schreit einmal laut auf, weil für sie ist das natürlich der größte Schock. Ja. Und in diesem Moment ist es so toll, dass er auf diesen Witz verzichtet, der einfach so naheliegend wäre und stattdessen uns was viel Besseres präsentiert. Ich liebe diese Szene und ich kann total verstehen, dass sie diesen Klassiker-Status hat. Die wird so oft zitiert, so oft genannt. Sie hat es absolut verdient. Ja. Schön. Wunderschön. Ja. Wow. Dann sind wir schon fast wieder am Ende. Sind wir am Ende? Ja.
Florian Bayer: Hast du noch was?
Johannes Franke: Möchtest du noch was sagen? Wir können noch kurz was sagen zur Rezeption des Films. Du hast es eigentlich schon in deinem Intro gesagt. Der Film hat einen unglaublich guten Ruf. Wahnsinn. Der Citizen Kane der Komödien, könnte man sagen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wenn über die besten Komödien berichtet wird, landet er immer weit vorne. Und er war auch von Anfang an bis auf die erste Testvorführung, wo ihn keiner verstanden hat. Danach, ab da war er absolut Kult. Also er hat auch gleich sofort Box Office richtig gut und so, wenn ich das richtig verstanden habe, der muss richtig gut gewesen sein. Er gilt einfach als Meisterwerk und auch in der Retrospektive, er wird eigentlich immer in den Listen genannt. Wenn du sagst, die besten Filme aller Zeiten, egal wo, taucht er relativ weit oben auf. Ich weiß gar nicht, und das ist so ein grundsätzlicher Punkt, was diese Klassiker betrifft, was auch Citizen Kane betrifft, ob ich ihm diesen Status wirklich geben würde. Ich finde das immer schwierig, wenn ein Film auf so ein Podest gehoben wird und dann gesagt wird, das ist die ultimative Komödie. Wenn du eine Komödie in deinem Leben sehen willst, dann musst du den Film sehen. Es gibt mit Sicherheit viele Filme, die ich witziger finde und auch Filme, die ich kurzweiliger finde, aber ich kann es total nachvollziehen. Und das liegt halt einfach daran, dass er so verdammt kurzweilig ist und dass Billy Wilder so ein tolles Gespür hat für Inszenierung. Ja, ja. Und er macht einfach Spaß von Anfang bis Ende. Er hat tolle, lustige Szenen. Er hat ein großartiges Ende. Ja, einfach dieses Nobody's, well, nobody's perfect. Es ist ein toller Schlussmoment, passt perfekt zu diesem Film. Ja. Ich mag die ganzen Schlüpfrigkeiten, die ganzen Anspielungen, die drin sind. Ich mag, dass immer auch so ein bisschen latent diese Untergrabung der Rollenklischees stattfindet. Mhm, genau. Gerade wenn Jack Lemons Rolle, wenn Daphne bzw. Jerry sich so mit dieser Frauenrolle identifiziert und so in dieser Frauenrolle aufgeht, macht unglaublich viel Spaß, das zu sehen. Weißt du, was Schöne ist? Das war tatsächlich auch so, dass Jack Lemmon, als er das erste Mal bei den Tests in Frauenkleider gegangen ist und mit Tony Curtis dann zusammen irgendwie da stand in Frauenkleidern. Tony Curtis war total, ich weiß nicht, das ist irgendwie nicht so geil. Und Jack Lemmon ist voll aufgegangen, hat voll rumgefangen, hat angefangen rumzuposen und zu machen und zu tun und hier, Foto da und das ist, was wir mal machen. Und dann sind die zusammen auf Toilette, in eine Damentoilette gegangen, um zu testen. Naja. Und dann haben die versucht, haben sich da geschminkt und dann nochmal einen Lippenstift drauf gemacht, auf den schon existierenden Lippenstift und dann kamen Frauen raus, haben gegrüßt, war nix. Niemand hat irgendwie doof geguckt oder sowas. Das war für die der ultimative Test, gehen wir durch als Frauen oder nicht? Ja. Ich finde auch die, ich finde die Kostüme wirklich gut. Ich finde es, also zumindest im Schwarz-Weiß-Format, es wirkt nicht bizarr und nicht zu sehr gestellt. Man kauft es ihnen einfach ab.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Sie spielen, sie spielen das toll. Sie spielen auch nicht nur Männer, die Frauen spielen, sondern die spielen Männer, die verdammt gut Frauen spielen. Ja, wirklich schon. Und ich glaube, das Schwarz-Weiße braucht es schon. Ich glaube, ich bin da ganz bei Billy Wilder. Vielleicht. Dass es das Schwarz-Weiße braucht irgendwie. Der Film ist halt so bunt. Und das ist auch dann okay, weil selbst im Schwarz-Weißen kommt diese Farbenpracht des Films einfach rüber, weil die Sets so liebevoll sind, weil alles so schön gestaltet ist. Opulent hast du gesagt, das trifft meiner Meinung nach ziemlich. Ja, ne? Sie haben tolle Sets. Also angefangen bei der Gangster-Bar am Anfang bis zu dem Hotel, in dem sie sind, bis zur Yacht. Es ist immer genug für die Augen dabei. Ja, schöner Film. Toller Film. Schön, das freut mich. Ich bin total froh. Ich gucke grundlegend meine Notizen durch. Ich habe eigentlich auch nicht mehr viel zu ergänzen. Außer übrigens, dass wir gar nicht erwähnt haben, dass dieser Film ein Remake ist. Oh, das habe ich nicht auf meiner Liste stehen. Ja, es gibt nämlich eigentlich einen deutschen Film, Fanfaren der Liebe, der ungefähr das gleiche Thema, also zwei Musiker brauchen Jobs und verkleiden sich als Frauen und kommen dann in eine Damenkapelle unter, die für reiche Leute spielt. Ah, faszinierend. 1951 von Kurt Hoffmann. Oh, von Kurt Hoffmann. Nee, es gibt sogar noch eine frühere Version, glaube ich, wenn ich das richtig verstehe. Obwohl, nee, stimmt. Kurt Hoffmann ist natürlich ein großer Name, ne? Also der hat die ganzen deutschen Klamotten in den 50ern gemacht. Also das fliegende Klassenzimmer und... Ach, jetzt muss ich das nochmal gucken. Ich glaube, es gibt von... Der Bruchpilot ist von ihm. Von 1933 gibt es da noch eine Version? Ich bin mir gerade nicht mehr so sicher. Das habe ich mir nämlich nicht aufgeschrieben. Der Bruch... Basiert auf der gleichen Geschichte von Robert... Robert... Robert Tören, österreichischer Schriftsteller, auf dessen Geschichte basiert der Film Fanfaren der Liebe. Ah, ja, okay. Ah, Moment. Die Vorlage zu dem Film stammt von Robert Tören und Michael Logan, die diese 1935 für einen Film in Frankreich unter dem Titel Fanfare d'Amour verfilmten. Ja, das war's, genau. Und dann vielleicht noch ganz kurz einen Fakt nachzuliefern. Gucken wir uns einmal noch kurz Fanfare d'Amour an von 1935 von Richard Poitier. 1935, französische Komödie. Interessant. Schön. Und das liegt alles relativ dicht beieinander. Okay, dass ein Film aus den 30ern nochmal Ende der 50er neu verfilmt wurde, ist jetzt nichts Besonderes. Das haben tatsächlich viel gemacht. Ja. Aber dass 1951 schon mal ein Remake gemacht wurde. Ja. Und wenn ich das richtig sehe, ist die Gangsterhandlung draufgepackt, oder? Wahrscheinlich. Ja, ja, die ist, wenn ich das richtig verstehe, draufgepackt, weil der sich auch einfach auf dieses Valentine's Day Massacre bezieht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und die passt da total gut drauf. Ja, das ist super. Das ist die richtige Mischung aus Sex and Crime, die noch so reingepackt in diese Komödie. Ja. Und wie gesagt, er war eine Zeit lang ab 18, er war dann eine Zeit lang ab 16 und es ist eigentlich total absurd, weil ich habe den als Kind mit meinem Vater gesehen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und es ist natürlich ein Film, den man einem Kind zeigen kann. Ja, total. Er wirkt heute deutlich harmloser als damals. Ja. Super. Ach, ich freue mich. Schön. Das ist also wirklich auch sehr, sehr früh einer meiner Lieblingsfilme gewesen und wird es wohl immer sein. Schönes Schlusswort. Nobody is perfect. Well, nobody is perfect. Dann machen wir jetzt eine kleine Pause. Und dann geht es weiter mit einem Film, der eine etwas andere Stimmung hat. Oh ja, eine kurze Pause. Paper House. Paper House. Nach der Pause. Bis gleich. Bis gleich. Pläume ich das noch ein bisschen Tee. Sehr gerne. Sehr schön. Ich bin noch am überlegen, was wir mit diesem Interludium jetzt machen, wie wir es in den Podcast packen. Wahrscheinlich klatschen wir es einfach ans Ende des ersten Teils. Um das kurz zu sagen, wir haben gerade relativ lange über Mel Monro geredet. Und Johannes wollte unbedingt noch was zu Mel Monro loswerden, weil er das Gefühl hatte, dass das ein bisschen zu kurz gekommen ist. Und zwar was seine Faszination an Mel Monro als Schauspielerin, als Künstlerin betrifft. Und auch ihre Tragik. Und in diesem Gespräch sind wir dann so ein bisschen abgeschweift. Ein generelles Gespräch über Skandale in Hollywood und über den Umgang der Presse und der Öffentlichkeit mit Prominenten. Und sind dann irgendwann in Deutschland gelandet bei Stefan Raab. Und bei Wulff. Wulff und bei der Bild-Zeitung. Ich glaube, das ist aber ein sehr schönes Segment und ich hoffe, dass wir das irgendwie hier unterbringen. Wenn nicht, ist diese Rede jetzt vollkommen überflüssig. Und das Besondere bei Marilyn Monroe war ja, dass sie aus dem Volk kam. Also es war das Wichtige, überhaupt das Verkaufsargument für Marilyn Monroe, dass sie dieses typische vom Tellerwäscher zum Millionär-Konzept zu sagen, also sie war weise irgendwie, glaube ich. und hatte nichts als Kind und kam da irgendwie hoch und hat angefangen, Pin-Up-Fotos zu machen und so. Aus ihrem eigentlichen Job heraus, den sie irgendwo hatte, gefunden hatte, was ich aber nicht mehr weiß, was das war. Und diesen Beigeschmack, den das Publikum so mochte, von eben, das ist einer von uns. Das hatten viele andere Schauspielerinnen nicht. Es gab noch andere so sehr attraktive und sehr so dieses Sex-Appeal- und Pin-Up-Ding. Die kamen aber eher so aus, die hatten so dieses Elegante und so dieses sehr, also dieses Upper-Class-Ding. Und das war, glaube ich, das Ding von Marilyn. Aber sie war immer, sie war schon immer so ein Männertraum, ne? Also sie war ja, sie war ja nicht Identifikationsfigur, sondern eher so Projektionsfigur.
Florian Bayer: Ja, ja.
Johannes Franke: Und ihre sexuellen Fantasien auf sie projiziert. Und das ist ja auch in dem Film so, dass sie in ganz vielen Dingen, die sie sagt und die sie tut, dass immer so dieses Sexuelle mitschwingt. Ja, auf jeden Fall. Dieses Verführerische, auch durch die Naivität so dieses Ungewollt-Verführerische. Wobei in dem Film natürlich auch dieses absichtlich Verführerische. Wenn sie in der Szene auf der Yacht versucht, Joe zu verführen, und dann setzt sie da ja alles rein, was sie an Sexappeal finden kann. Ja, ja, ja, klar. Naja, aber nur um es nochmal zu sagen, welche Optionen hat man denn zu der Zeit sonst so gehabt, ne? Welche Chancen hast du als Schauspielerin, wenn du bestimmte, wenn du was willst, wenn du wohin willst, ne? Ja. Und natürlich hat sie sich damit ein Ei gelegt, weil zu dieser Zeit, wo dieser Film gedreht wurde, hat sie ja schon so Depressionen deswegen gehabt, weil sie eben einfach die Grenze gespürt hat, dieses Möglichen. Aber das ist das, was sie nach oben gebracht hat, was sie nach oben gespült hat und was wahrscheinlich in dieser Zeit so traurig das ist, die Chance war, überhaupt irgendwo hinzukommen. Aus ihrer Position heraus. Ja, vielleicht. Sie hat halt von Anfang an, also ich meine, sie hat sich mit ihrem Sexe vermarktet, sie hat im Playboy posiert, also nicht für den Playboy, aber sie war im Playboy, im ersten Playboy war sie drauf, war sie zu sehen und sie hat diese Aktfotos gemacht. Die hat sie aber vor der Filmkarriere erst gemacht. Also sie hatte diese Fotos vor der Filmkarriere gemacht, dann hatte sie damit angefangen, dann hat sie das gelassen und dann kam das, irgendwann ist das hochgespült und dann haben sie ein altes Foto von ihr als Centerfold genutzt für einen Playboy und dann hat sie später tatsächlich aber auch nochmal absichtlich Fotos machen lassen, aber eben eher um diese Zeit jetzt, also so Ende der 50er. Da hatte sie einen Film, wo sie im Pool irgendwas machen sollte, so einem Swimmingpool und da hat sie tatsächlich auch nochmal Fotografen dazu geholt, zu diesem Dreh, glaube ich. Und da sind dann nochmal so Aktfotos von ihr entstanden. Aber zwischendurch nicht. Ihr letzter vollende Film war Misfits von John Huston von 1961. Ja, und der war ein bisschen dramatischer. Genau, das war so der Versuch wirklich ins Charakterfach zu wechseln. Ja, und wurde viel leider verrissen. Also, der hat dann später irgendwann mal in der Rezeption, in der Retrospektive quasi, eine Ehrenrettung bekommen durch Rezensenten, aber eigentlich wurde er damals, glaube ich, nicht so gut aufgenommen. Das wäre ein interessanter Film. Den habe ich nicht gesehen. Der würde mich auch interessieren. Mit Clark Gable zusammen und wie du schon gesagt hast, das Drehbuchstamm von Arthur Miller. Ja, aber da ist dann doch der Zustandstunde gekommen, dann war das nicht das, was ich vorhin gedacht habe, dass der eingestampft wurde. Der ist zustande gekommen.
Florian Bayer: Ah, okay.
Johannes Franke: Und Arthur Miller hat ihr die Rolle auf den Leib geschrieben. Ja, genau. Und sie war ein bisschen beleidigt, weil er zu sehr ihr Leben auch ein bisschen mitgenommen hat und auch ihr so ein bisschen zu sehr, ja, also so nach dem Motto, kannst du nichts anderes spielen. 36 Jahre alt war sie, als sie gestorben ist. Das hat mich total erwischt, als ich das jetzt nochmal gestern gelesen habe. 36. Krass, ne? Wahnsinn. Ich bin 37. Also. Something's Got to Give gibt es noch, ein unvollendeter Film. Ah, das war aber wieder eine Screwball-Comedy. Ah ja, okay. Und offensichtlich sind davon irgendwie nur 37 Minuten. Aber existieren die irgendwo, weißt du das? Es gibt eine rekonstruierte Fassung des Films. Okay. Es sind in Deutschland veröffentlicht worden unter dem Titel Merlin, ihr letzter Film. Okay. Und Ausschnitte des Films in einer Länge von insgesamt 37 Minuten wurden in der Fernsehdokumentation Merlin Monroe The Final Days von 2001 gezeigt.
Florian Bayer: Hm.
Johannes Franke: Ja, das muss ich, glaube ich, mal gucken. Den findet man bestimmt online. Ja, gehe ich auch von aus. Aber leider wieder Screwball, ne? Also offensichtlich ist sie dann doch ... Aber sie konnte das halt auch, ne? Also das muss man schon sagen, weil wir, also wo wir vorhin drüber geredet haben, Billy Wilder war halt wirklich begeistert von ihrem Timing. Ja. Wie sie wirklich wusste, wo ist der komische Moment in der Situation und wie muss ich das bedienen? Wenn sie nicht gerade 83 Takes gebraucht hat. Ich glaube, was sie wirklich gut konnte, ist tatsächlich diese Rolle mit Ironie füllen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Sie spielt das dumme, naive Blondchen, das verführerisch ist, aber sie spielt es immer mit einem gewissen Augenzwinkern. Es reicht halt in dem Film nicht, und das liegt wahrscheinlich auch einfach daran, wie die Figur geschrieben ist, um ihr Tiefe zu geben. Weil es ist nicht so, dass man an der Figur der Sugarcane sonderlich interessiert wäre, weil sie doch zu sehr Stereotyp ist.
Florian Bayer: Hm.
Johannes Franke: Sie kriegt Träume und sie kriegt Sehnsüchte, aber das sind halt doch sehr, sehr einfache und sehr simple Träume und Sehnsüchte. Vor allem keine, die man in der heutigen Zeit einmal irgendwie wirklich nachvollziehen kann, oder so, ne? Also, wer will heute? Und dann gibt's natürlich diesen I Wanna Be Loved By You Auftritt. Ja, genau. Naja. Ja, ich bin, also ich war gestern wirklich von der Tragik von Marilyn Monroe nochmal richtig ergriffen. Wie ich das auch war, als ich mit Anfang 20 mich darüber mal ein bisschen informiert habe und auseinandergesetzt habe damit. Ja, auch ein Opfer dieser ganzen Hollywood-Hype-Geschichte, ne? Die ja damals, also ich meine, es hat angefangen mit Charlie Chaplin, der war der erste große Hollywood-Star, den es gab, der auch ziemlich drunter leiden musste, weil sie eben dann irgendwie angefangen haben, irgendwelche Sachen anzudichten und einfach gute Schlagzeilen war. Und bei ihr war das eben dann auch so. Und sie hat's halt nicht überlebt. Also ich nehme an, also meine Interpretation ihres Selbstmordes ist, dass sie's nicht mehr ausgehalten hat. Und man sagt ihr auch nach, dass sie Borderline hatte, aber, ne, Diagnose Borderline gab's damals in der Form nicht. Das heißt, man kann eigentlich nicht wirklich sagen, was dahinter steckt bei ihr, aber sie hatte Mood Swings. Also von wirklich Himmel hoch, ja auch so zu Tode betrübt, ne? Also dieses Typische, was Borderline so ausmacht. Naja, und was, aber was daran dran war und was davon, ne psychische Krankheit und was davon tatsächlich einfach Druck von Gesellschaft, weil eben als Hollywood-Star du einem enormen Druck ausgesetzt bist. Ist sicher, dass sie Selbstmord begangen hat? Naja, es gab ganz viele Gerüchte, ne? Es gab ja diese Verschwörungstheorien. Es war eine Überdosis, genau. Und dann haben sie genauer geguckt, was, wie viel und so. Und das war, es ist ziemlich sicher, dass es nicht aus Versehen gewesen sein kann, weil es dafür dann doch viel zu viel ist. Aber es gab natürlich Verschwörungstheorien, dass, ne, so mit Präsidentschaft und sie hat ja kurz vorher noch Happy Birthday gesungen und mit mafiösen oder nicht-mafiösen Strukturen oder mit irgendwelchen, ne, solche Sachen. Es gab ja auch kurz noch irgendwie ein Intermezzo mit Frank Sinatra, wenn ich das richtig verstehe. Aber ihre Affäre mit Kennedy war Gossip, oder? Also es gibt keine, keine, keine zwingenden Beweise dafür, dass sowas, dass sie eine Affäre mit Kennedy hatte. Da würde ich mich zu weit aus dem Fenster lehnen, wenn ich das jetzt irgendwie kommentieren würde. Keine Ahnung, das weiß ich nicht. Offensichtlich mochte Hollywood, mochte die Industrie damals schon ihre, ihre Geschichten und ihren Klatsch und Tratsch.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und daraus resultieren ihre Verschwörungstheorien. Mhm. Ja. Es ist schade, weil ich glaube, dass Marilyn Monroe, wenn sie es, wenn sie die Chance gehabt hätte, es gab ja ein paar Stars, die so, ne, dass sie dann irgendwann zurückgezogt haben, weil sie es nicht mehr konnten und nicht mehr wollten. Aber ich glaube, Marilyn Monroe hätte es geschafft, ins ernste Fach zu kommen. Ich glaube schon.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Das wäre echt eine spannende Frage. Was, was wäre aus ihr geworden? Ja. Und wenn wir überlegen, sie ist 1926 geboren. Ja, sie hätte wirklich noch lange bis in die 90er hinein spielen können, auch als Charakterschauspielerin dann natürlich.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Die Kulturindustrie ist ein hartes Pflaster auch bis heute, wenn man sich anschaut, wie die Presse und die Öffentlichkeit zum Beispiel mit Britney Spears umgegangen ist um die Jahrtausendwende.
Florian Bayer: Ja, das stimmt.
Johannes Franke: Nur ein Beispiel zu nennen. Ja. Also es ist einfach, es ist einfach krass für die, die in der Öffentlichkeit stehen. Ich glaube, besonders für Frauen. Ja. Ja. Und besonders für Frauen, die sich teilweise über ihren Sexappeal verkauft haben und da raus wollen. Ja. Das wird ihnen von der Industrie nicht leicht gemacht und von der Gesellschaft auch nicht. Ja. Und nicht nur Filmindustrie, sondern auch Musik. Das ist, glaube ich, genau dasselbe. Und wahrscheinlich findest du in jedem Jahrzehnt findest du irgendwie deine tragischen Geschichten von Schauspielerinnen und auch Schauspielern, von Musikerinnen oder Musikern, die auf die eine oder andere Art von diesem Ruhm zermalmt wurden und die einfach die Kontrolle über ihr Leben verloren haben. Auch, weil ihnen die Kontrolle genommen wurde von einer sensationsgeilen Öffentlichkeit, Presse. Gibt es natürlich auch Beispiele in die andere Richtung. Es gibt Leute, die es schaffen, ihr Privatleben komplett aus der Öffentlichkeit rauszuhalten. Ja. Die es irgendwie schaffen, irgendein stillschweigendes Agreement mit der Presse zu haben, dass die sich nicht bei ihnen einmischen und dass er sich nicht bei ihnen einmischt. Oder die wirklich kämpfen. Ja, weiß man immer nicht. Ich kenne die Kämpfen vor allem. Also ich kenne nicht so viele Fälle. In Deutschland würde mir als erster Stefan Raab einfallen. Ja. Und der hat massiv gegen den Axel Springer Verlag, insbesondere gegen die Bild-Zeitung, gekämpft einfach mal. Ja. Und zwar wirklich hat alles aufgefahren, was er hatte an juristischer Power.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und immer wenn die Bild-Zeitung irgendwie versucht hat, Gossip aus seinem Privatleben zu veröffentlichen, hat er voll zugeschlagen und sie gezwungen, Gegendarstellungen zu drucken. Das ist beeindruckend. Also diese Kraft musst du auch erstmal haben, gegen Springer vorzugehen. Und Günther Jauch hat auch gekämpft. Ich glaube, Günther Jauch hat teilweise eher verloren in diesem Kampf. Aber ich meine, das sind jetzt keine großen Opfer. Die haben es irgendwie geschafft, sich zu arrangieren mit ihrem Status in der Öffentlichkeit und mit ihren Kämpfen mit der Presse und ihrem Privatleben und so weiter. Ich habe den Eindruck, dass zum Beispiel Jan Böhmermann das total mühelos schafft, obwohl es wahrscheinlich alles andere als mühelos ist. Weil was weiß ich über den Privat? Ja, aber an seinem Privatleben gibt es vielleicht auch nicht so ein großes Interesse, weil er ist jetzt nicht so ein Star wie Stefan Rapp zum Beispiel. Das ist in unserer Nische, könnte man das meinen, aber das ist er nicht. Ja, okay, wir sind vielleicht auch in unserer Bubble. Er hat nicht diese Erfindlichkeit, ja. Nee. Ja. Okay. Na gut. Und dann gibt es natürlich viele, die sich tatsächlich mit der Presse arrangiert haben. Gerade in Deutschland ist es ja wirklich so, wenn du populär bist, dann redest du mit der Bild-Zeitung oder sie schreiben, was du geredet hättest, ohne dass du es gesagt hast. Genau, ja. Und das ist einfach, das ist einfach der Deal, der Park, den du mit denen schließt. Entweder du machst dich nackig oder sie machen dich nackig. Ja. Aber ist das aktuell noch so? Hat die Bild-Zeitung die Bedeutung noch? Weißt du das? Weil ich habe immer den Eindruck, die verlieren einfach an Bedeutung und zappeln jetzt noch so ein bisschen, aber eigentlich. Ja, es gibt definitiv einen Bedeutungsverlust von der Bild, aber die Bild ist noch eine sehr mächtige Instanz, was Öffentlichkeit betrifft. Und die Bild-Zeitung hat nach wie vor viele Mittel und viele Möglichkeiten, um Leute klein oder groß zu machen. Und das haben sie in den letzten Jahren oder in den letzten Jahrzehnten auch immer noch genutzt. Also ein Fall, der mir jetzt einfallen würde, so spontan wäre, Bundespräsident, welcher Bundespräsident war das nochmal? Der dann bei der Bild-Zeitung, Wolf, der dann bei der Bild-Zeitung auch angerufen hat und zwischen denen hat sich eine große Feindschaft entwickelt. Und die Bild-Zeitung war nie ein Wolf-Fan und die Bild-Zeitung hat es einfach mal geschafft, Wolf zum Schluss zu bringen. Er hat mitgeholfen, definitiv. Aber die Bild-Zeitung hat einen großen Anteil daran.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und ein Grund war, ich will mich jetzt nicht so weit aus dem Fenster lehnen, aber ein Grund war vor allem seine Haltung zum Thema multikulturelles Deutschland. Weil Wolf ist für mich vor allem im Gedächtnis geblieben, bei allem, was er Dummes gemacht hat, als der Bundespräsident, der gesagt hat, der Islam ist ein Teil von Deutschland. Und das war was, was der konservativen, rechtskonservativen Bild-Zeitung nicht gefallen hat. Und das war natürlich, man kann es nicht auf den Satz verkürzen, sondern das war so ein generelles Gesellschaftsbild, gegen das die Bild-Zeitung opponiert hat und bis heute opponiert.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und sie hat es geschafft, ihn zum Fall zu bringen. Wolf ist wegen der Bild-Zeitung, hat er sein Amt verloren. Ja, ich habe Wolf nicht sehr positiv im Kopf, muss ich sagen. Und ich lese nicht die Bild-Zeitung, es kann also nicht daherkommen. Aber ich weiß es auch nicht mehr genau, was da eigentlich... Ja, der war halt ein konservativer Bundespräsident, aber ich finde, es gab schlimmere, es gibt schlimmere konservative Politiker als ihn. Ja gut. Schlimmer geht immer. So, Stammtisch Bierherr. Okay. Und das hat die Bild-Zeitung auch mit anderen Leuten gemacht. Die Bild-Zeitung hat ja ihre berühmte Rubrik Verlierer und Gewinner der Woche. Und an dieser Rubrik kannst du immer sehen, welche privaten Fäden sie gerade ausführen. Oh Gott, ist das bescheuert. Oh Mann. Ja, da ist so ein bisschen, da könnte man einen ganzen eigenen Podcast machen drüber, über die Freiheit der Presse und die Pflicht der Presse und die Verantwortung. Die man einfach wahrnehmen muss. Ja. Tja, na gut. Okay, wollen wir dann mal in den zweiten Teil rein?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und aufhören. Sollen wir jetzt einfach schwingen zum zweiten Teil? Wollen wir schwingen zum zweiten Teil? Ich muss aber erst mal meine Notizen öffnen. Nach diesem Mellon Monroe slash Öffentlichkeit slash Presse Interludium kommen wir irgendwie zum Fantastischen. Wir müssen jetzt komplett weg von dem Gesellschaftlichen. Oh Gott. Eher zum Psychologischen oder Psychoanalytischen. Zum Fantastischen. Paper House. Mit dem deutschen Untertitel Albträume werden wahr ist das Regie-Debüt des britischen Regisseurs Bernard Rose aus dem Jahr 1988. Im Mittelpunkt steht die elfjährige Anna, die geplagt von einer schweren Krankheit für längere Zeit zu Hause das Bett hüten muss. Um sich die Zeit zu vertreiben, zeichnet sie ein etwas schiefes, etwas krakeliges, aber nichtsdestotrotz schönes Haus in ihr Schulheft. Das aus ihrer Krankheit resultierende Fieber und immer wiederkehrende Ohnmachtsfälle sorgen dafür, dass sie in wiederkehrenden Träumen zu dem Ort reist, den sie zuvor gemalt hat. Um diesen wohnhafter zu machen, ergänzt sie das Bild im Wachzustand nach und nach um weitere Facetten. Treppen, verspielte Räume und den jungen Mark, der ihr in ihrem Haus Gesellschaft leisten soll. Dabei verschwimmen die Grenzen von Traum und Realität immer weiter. Als sie schließlich ihren ständig abwesenden, alkoholabhängigen Vater in das Bild malt, entwickelt sich das idyllische Traumszenario zu einem schrecklichen Albtraum. Paper House ist ein ungewöhnlicher Hybrid aus düster Märchen, nostalgischem Fantasy-Film und psychoanalytischem Horror. Ein Film, der sich so sehr zwischen Kindheit und Erwachsensein platziert, dass es schwer ist, das richtige Publikum für ihn auszumachen. Mir hat der Film als Kind einer Heidenangst eingejagt. Er hat mich geradezu verstört, zurückgelassen. Aber kann er auch ein erwachsenes Publikum in seinen Bann ziehen? Johannes? Also verstören vielleicht nicht, obwohl doch, nein, eigentlich, ja, natürlich. Ja, er kann es. Gut, danke. Nein, ich habe kurz überlegt, ob er mich auch so verängstigt und verstört hat, also Angst gemacht hat er mir nicht, aber verstört hat er mich schon. Ja. Was hat dich denn besonders verstört? Nein, er schafft es, diese Stimmung aufzubauen, die dann irgendwie immer krasser wird und stärker wird. Und wenn sie dann den Vater da versucht, aus diesem Bild wieder rauszureißen, wird es ja auch sehr dramatisch. Und ich glaube, dass mich einiges von diesen düsteren Bildern dann durchaus irgendwie, ja, das verstört einen doch ein bisschen. Ja. Weil es einfach gut aufgebaut ist und man am Ende doch sehr drin steckt. Willst du ganz kurz einen Abriss, weil die Geschichte ist schnell erzählt. Ja, die ist schnell erzählt, ich habe sie im Prinzip schon erzählt. Du hast sie im Grunde schon erzählt. Anna ist unsere Protagonistin und sie malt dieses Haus und dann reist sie in ihren Träumen dahin. Und das Erste, was sie macht, tatsächlich hat mir der Film, um das gleich zu sagen, als Kind von Anfang an Angst gemacht. Kann ich den Zucker mal haben? Ja. Einen Augenblick, bitte. Für meinen schwarzen Tee. Es gibt diese. Vielen Dank. Es gibt diese Traumszene ganz am Anfang, wo sie einfach nur auf dem Feld steht und dann zu diesem Haus malt, zu diesem Haus läuft, das sie gemalt hat. Und ich fand das schon irgendwie beängstigend. Und zwar einfach, ich glaube, das ist sowas, was mich kriegt, diese Verbindung von Traum und Realität und diese Ungewissheit, was ist Traum und was ist Realität. Und dann gibt es in ihrem zweiten Traum, sie hat noch nichts dazu gemalt, gibt es diese Szene, wo sie in das Fenster reinguckt von dem Haus und sie guckt einfach nur in ein schwarzes Nichts, weil sie natürlich noch nichts weiteres gemalt hat. Und sie fragt, ist da jemand und klopft an die Tür. Das Ganze auch in so einer gedämpften, merkwürdig traumartigen Atmosphäre, die trotzdem so sehr gritty Bilder hat. Also es ist nicht weich gezeichnet. Und das hat mir schon Angst gemacht. Und diese Stimmung hat sich in dem Film bei mir als Kind permanent gehalten. Ich hatte den ganzen Film über Angst. Selbst als das noch relativ romantisiert ist, fand ich das einfach krass unheimlich. Ich kann mir das als Kind wahnsinnig, wahnsinnig gruselig vorstellen. Er zieht es ja auch einfach mit der wirklich fantastisch eingesetzten Musik einfach durch. Ja, von einem damals noch relativ jungen Unbekannten.
Florian Bayer: Hans Zimmer, oder?
Johannes Franke: Genau, Hans Zimmer. Ja. Also er hat davor schon was gemacht, aber es war so eines seiner ersten größeren Filmprojekte. Ja. Vor allem außerhalb von Deutschland. Und man hört Hans Zimmer raus. Der Score ist nicht immer überzeugend. Es gibt so einige cheesy 80er Momente. Stimmt, ja. Also wenn der Vater am Schluss kommt, gibt es mal so kreischende E-Gitarren, die komplett deplatziert wirken. Aber meistens ist es eine tolle Mischung aus diesen klassischen, mittlerweile kann man sagen klassischen, damals war es noch nicht, Hans Zimmer trönen. Ja, ja, ja. Wirklich so einmal die Bläser. Und dann eröffnet sich aus diesen trönenden Bläsern so ein bisschen verträumter Score. Der aber immer bedrohlich bleibt. Der immer bedrohlich bleibt, genau. Und Hans Zimmers Musik trägt ganz viel zur Stimmung von dem Film bei.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Hans Zimmer erkennt man übrigens deswegen immer wieder, weil er angefangen hat, seine Art Baukastensystem für sich zu entwickeln.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wonach ganz viele andere Musiker angefangen haben zu arbeiten, weswegen Hollywood im Grunde nur noch in einem einzigen Brei von Hans Zimmer Musik läuft. Vor allem in Trailern. Das ist unglaublich. Jeder Trailer braucht Hans Zimmer. Und zwar, jeder Trailer braucht nicht nur Hans Zimmer, sondern Inception trönen. Seit Inception gibt es keine originellen Trailer mehr. Es ist wirklich gruselig. Als Zimmer angefangen hat, mit Christopher Nolan zusammenzuarbeiten, hat er sich auch wirklich so viel selbst kopiert, dass es anfängt zu nerven. Und selbst wenn dann Christopher Nolan mal auf einen anderen Komponisten zurückgreift, kopiert der andere Komponist einfach Hans Zimmer. Und du hast permanent dieses Trönen. Und das ist so ein bisschen so, oh, kann es mal wieder was anderes sein? Ja. Das ist so ein bisschen so, wie ich mir vorstelle, dass die alten Meister in ihren Galerien ganz viele Leute angestellt haben. Du malst jetzt die Hände, du malst jetzt die Köpfe. Du malst jetzt, dass alle im Grunde diesen einen Stil dieses Künstlers hatten. Und eigentlich im Grunde ein ganzes Jahrhundert von, weiß ich nicht, Karabacho oder sowas. Wobei Hans Zimmer ist ja nicht der einzige Verbrecher, der Hollywoodmusik macht. Ich muss immer auch an Daniel Elfman denken.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist auch nervig. Das ist auch so wiederkehrende Filmmusik, wo man irgendwann denkt, okay, gib mir mal was Neues. Ja. Und dann der dritte im Bunde, der großen, den halt irgendwie alle Komponisten und Komponistinnen kopieren wollen, ist John Williams. Einmal Star Wars, einmal Indiana Jones, halt große, große, dramatische Scores. Oh Mann. Und ein ganz Schlimmes bei den Harry Potter Filmen, wo John Williams die Musik macht, aber versucht dabei zu klingen wie Daniel Elfman. Wie geil ist das denn? Das ist mir gar nicht so klar. Geil, Mann. Aber ich will eigentlich, genau, wir wollen zurück zu Paper House. Der Score und die Kameraarbeit macht auch ganz viel. Ja, das stimmt. Also großartige Kamera. Ja, ich finde es wirklich sehr schön eingesetzt und gut getroffen und auch die Bilder gut ausgewählt. Gar nicht so viel hektisches Hin- und Hergeschneide, aber das war auch in den 80ern noch nicht so schlimm wie heute. Ja. Aber ist gut. Und toll finde ich, dass die Bilder wirklich in den Traumsequenzen, also vielleicht von den ersten eher so in Zeitlupe stattfindenden Sequenzen, wenn es jetzt zu dem Haus rennt, man noch nicht genau weiß, was los ist. Ja. Abgesehen von denen sind es nicht so Zeitlupen und nicht so verträumte Bilder, sondern es ist ziemlich dreckig und ziemlich grau in braun. Ja. Also eine spannende Bildsprache dafür, dass Träume dargestellt werden. Es wird nichts weich gezeichnet, es wird nichts von den Bildern romantisiert, sondern es ist ziemlich realistisch bis zu dem Punkt, dass die Traumsequenzen fast schon realistischer wirken als die Wachzustandssequenzen. Ja, weil die Wachzustandssequenzen halt im Delirium irgendwie. Genau, im Fieberdelirium, ja. Ja. Das ist schon krass. Ja, das Spannende ist halt auch dann irgendwann, dass Mark sich herausstellt, dass Mark nicht nur in ihrem Traum stattfindet, sondern dass es Mark tatsächlich gibt. Ja. Was dem Film eben nicht nur diese Ebene von was ist Traum, was ist Wirklichkeit gibt, sondern einen ganz deutlichen Hinweis darauf gibt, es gibt eine übernatürliche Komponente davon. Genau. Es gibt eine Verbindung zwischen Traum und Wirklichkeit. Sie malt diesen Mark in das Bild relativ früh. Ja, ziemlich früh. Und im dritten Traum sitzt er dann, glaube ich, am Fenster und sie will rein und er sagt, ich kann dich nicht reinlassen, weil es gibt keine Treppen. Und ich habe keine funktionierenden Beine. Genau, das ist dann das Nächste, dass er keine Beine hat und sie erfährt von dem Mark in der Realität erst ein gutes Stück später von ihrer Ärztin. Das ist nämlich ein Patient von ihrer Ärztin und dieser Mark in der Realität ist wohl sehr schwer krank und kann nicht laufen. Sie hat ihn vorher ohne Beine gemalt, das ist ihre Erklärung, warum er nicht laufen kann im Traum. Bevor sie überhaupt weiß, dass der Mark in der Realität nicht laufen kann. Das heißt, es gibt diese eindeutige Verbindung. Sie verarbeitet nicht was, was sie gehört hat, was sie außerhalb des Traumes gehört hat, sondern sie hat was geträumt, bevor es in der Realität stattfindet. Und diese Überschneidung gibt es dann ja noch ein paar Mal. Und dieser Mark ist vor allem eine traurige Person, weil sie ihn auch traurig gemalt hat. Ja, und das auch nicht mehr durch Wegradieren wieder wegging, sondern was sie einmal reinmalt, ist halt da. Sie kann es nicht wegradieren, genau. Und das fand ich auch unheimlich. Sie malt dieses Gesicht ins Fenster und sagt dann, der ist zu traurig und versucht, ihn wegzuradieren und es geht nicht mehr. Und dieser Mark ist dann aber sowas, der entwickelt sich im Traum zu sowas wie ihrem Freund. Ja. Und es wird auch eine immer engere Beziehung. Ich fand diesen Mark als Kind auch unheimlich. Einfach, weil er dann irgendwann zu ihr sagt, wenn sie angefangen hat, das Haus wirklich schön zu malen, dann malt sie so ein Interieur und dann malt sie Spielsachen rein. Und dann sagt er irgendwann, naja, du hast jetzt all diese schönen Sachen gemalt. Die sind alle für dich. Guck mal, jetzt musst du auch hier bleiben. Ja, genau. Und das ist doch viel, jetzt können wir doch hier leben. Das ist doch viel schöner als bei dir. Und er hält es ja für Realität, was er da vor sich hat. Er erkennt keine Realität außerhalb. Er weiß auch nicht, wie er da gelandet ist. Er sagt nur, irgendjemand hat mich hier zurückgelassen. Ich hoffe nicht, dass sie wiederkommen. Er hat offensichtlich Angst vor denen, die ihn zurückgelassen haben.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das Unheimliche ist vor allem, dass er wirkt wie eine Figur, wie jemand, der irgendwann mal ein Leben hatte außerhalb und der mittlerweile so in diesem Traum gefangen ist, dass er sich an nichts mehr außerhalb erinnern kann. Und er sagt ihr mehrmals, dir wird es genauso gehen. Und das ist, glaube ich, auch das, was mir als Kind total Angst gemacht hat, dieses Gefühl, im Traum verloren gehen zu können. Und zwar so weit, dass sie in dem Traum gefangen ist. Und es gibt dann ja auch irgendwann diese Szene, wo ihr Wecker klingelt und sie sagt, ich muss jetzt wach werden. Aber es klappt nicht, oder? Es klappt nicht, genau. Und sie wird nicht wach. Und das ist wahrscheinlich auch einfach so eine Urangst. Du wirst vom Traum verschlungen und du hast keine Chance mehr auszubrechen. Ja. Vor allem, weil du als Kind noch nicht so differenzieren kannst und noch nicht so weißt, was ist denn eigentlich jetzt? Was sind Träume denn nun eigentlich? Das ist schon was Seltsames. Ja. Träume, genau. Hattest du als Kind viele Albträume? Weiß ich gar nicht mehr so genau. Ich nehme schon an. Also was mich aber, woran ich immer denke, wenn ich daran denke, nachts und dunkel und so, es sind gar nicht meine Träume, sondern das Wachliegen im Bett und dann Schatten sehen von Dingen, die normalerweise bei Licht was ganz Normales sind. Ach krass. Das hatte ich ganz viel. Das hatte ich, glaube ich, nie so stark. Ich habe sehr lebendig geträumt bis zum heutigen Tag. Ja. Und als Kind hatte ich eine Zeit lang viele Albträume. Ich glaube, so im Vorschul-, Grundschulalter. Ja. Und das hat sich dann aber irgendwann gegeben und ich habe mich in der Jugend ganz viel mit luzidem Träumen auseinandergesetzt. Sehr cool, ja. Und ich habe das auch praktiziert. Mhm. Bis zu dem Punkt, wo es mir Angst gemacht hat, wo ich aufgehört habe damit. Ah, okay. Ich hatte eine Zeit, in der ich wirklich krass luzide geträumt habe. Cool, aber das war super. Es war total cool und zwar jede Nacht. Warum hat dir das Angst gemacht? Dann hat sich irgendwann mein Unterbewusstsein offensichtlich dagegen gewehrt. Dann hatte ich einen Traum, in dem ich war und wusste, oh, ich träume luzide, cool, und ich kann jetzt versuchen, Sachen zu machen. Und dann kamen irgendwie so dunkle Schattengestalten und haben quasi gesagt, also ich wusste, dass sie das denken, das darfst du nicht, das ist falsch, was du da machst. Und haben sich auf mich gestürzt und haben versucht zu verhindern, dass ich weiter luzide träume und haben versucht, mich zu verschlingen. Oh, wow. Das hatte ich, glaube ich, mit Anfang 20. Das ist noch gar nicht, also ich war schon aus der Jugend raus. Ja. Und da habe ich das dann wieder so ein bisschen eingeschränkt mit dem luziden Träumen. Krass. Weil ich dachte, okay, wenn mein Unterbewusstsein so krass dagegen opponiert, dass ich luzide träume, dann sollte ich vielleicht doch die Träume noch mal ein bisschen mehr zu dem nutzen, zu dem sie eigentlich gedacht sind, Sachen zu verarbeiten. Aber es kommt immer noch vor. Ich träume immer noch ab und zu luzide und ich kann das immer noch ganz gut. Und ich mache es tatsächlich nicht mehr so häufig. Aber es gab doch zwischendurch wieder eine Veröffentlichung, dass das gar nicht so sehr sicher ist, dass Träume wirklich zum Verarbeiten da sind. Ja, Träume sind wirklich noch so ein unerforschtes Gebiet. Echt? Es gab echt immer mal wieder so konträre Veröffentlichungen von Forschern, die irgendwie noch mal eine andere Sicht auf die Dinge hatten. Irgendwie ist immer noch nicht ganz alles so klar. Ja. Schon spannend. Genau, dafür bin ich tatsächlich viel zu wenig drin in der Traumforschung. Zu sagen, wie da der aktuelle Stand ist von der Psychologie oder von der Neurologie. Kann ich tatsächlich nicht viel dazu sagen, will ich mich auch nicht zu weit aus dem Fenster legen. Ich finde Träume ein total spannendes Thema. Ja. Zumindest auch, was so Kaffee-Philosophie betrifft. Zur Alltagsphilosophie. Weil das luzide Träumen ist wirklich was, was total, also was mir relativ leicht gefallen ist. Und wo ich das Gefühl habe, was auch was ist, was jedem leicht fallen kann. Weil es gibt einfach so ein paar ganz simple Tricks, mit denen man sich drauf konditionieren kann, zu merken, dass man träumt, wenn man träumt. Und es macht dich auch nicht kaputt, weil es ist ganz klar, wenn du im Alltag bist und drüber nachdenkst, träume ich jetzt, du merkst den Unterschied. Ja. Und wenn du im Traum drüber nachdenkst, merkst du auch den Unterschied. Aber wenn du dich drauf konditionierst, der einfachste Trick, den ich damals gemacht habe, war, du steckst dir einen kleinen Zettel in die Tasche und du holst diesen Zettel einfach mal so fünfmal am Tag raus. Und auf diesem Zettel steht einfach, träume ich gerade. Dann bist du dir kurz bewusst, spürst den Boden unter dir, spürst die Luft. Ja. Spürst deine physische Präsenz und du weißt, ich träume nicht. Und steckst den Zettel wieder weg. Okay. Und dann konditionierst du deinen Körper drauf, dass du irgendwann nur in die Tasche greifen musst. Und dann denkst du schon drüber nach, träume ich jetzt gerade. Ja. Und dann befasst du dich ein bisschen damit und dann irgendwann bist du so drauf konditioniert, dass dein Körper das im Schlaf auch macht. Und wenn dein Körper das im Schlaf macht, dann spürst du halt nicht den Boden unter dir. Ja. Sondern dann weißt du, ah krass, jetzt merke ich nicht diese physische Präsenz. Im extremsten Fall, das hatte ich auch, merkst du sogar, also vielleicht bildest du es dir auch nur ein, aber du hast das Gefühl, du merkst das Bett unter dir, du merkst, wie dein Körper eigentlich liegt.
Florian Bayer: Oh, okay.
Johannes Franke: Und gleichzeitig, wie deine Gedanken woanders sind. Krass. Und dann kannst du jeden Shit anstellen. Geil. Ja, ich hab das auch eine Weile gemacht. Ich müsste die ganze Zeit an Inception denken irgendwie. Wir müssen, Inception, ja, träume. Wir sind total abgeschweift, aber das ist ein guter Punkt, um zu was zu kommen. Oh mein Gott. Nein. Top 3. Unsere Liste. Top 3 Träume. Oh ja, Top 3 Träume. Ich werde kurz meine Datei öffnen. Träume im Film. Großes Thema. Ich hab eine knallharte Top 3. Nee, wenn ich mir die Punkt 2 angucke, stelle ich schon fest, dass ich wieder ein bisschen geschwankt bin und mich nicht entscheiden konnte. Okay. Ja, ich hab auch ein paar Sachen aufgeschrieben und ich hab noch keine Nummern vergeben, doperweise wieder. Ähm, fang du mal an. Also, meine Nummer 1. 3. Ja. Meine Nummer 3. Gut, danke. An erster Position hier genannt. Ganz simpel. Brazil. Von Terry Gilliam. Der ist bei mir auf der Liste. Aber nicht auf Platz 3. Oh, okay. Dann sag ich gar nicht so viel dazu. Ja, wir reden dann nachher nochmal drüber. Lass uns gleich nochmal drüber reden. Was ist dein Platz 3? Mein Platz 3 wäre. Wird geteilt, weil es im Grunde das gleiche ist. Ja. Wizard of Oz und Alice in Wonderland. Das Konzept ist ja das gleiche.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Du hast ein Mädchen, das sich in eine bestimmte Art und Weise ein Abenteuer reinträumt. Finde ich großartig. Ganz tolles Konzept. Ja. Ja, ist schön. Und ein uraltes Konzept. Es ist tatsächlich ein tolles Konzept, weil es so radikal einfach mal einen Film als Traum erzählt und trotzdem funktioniert. Also gerade bei Wizard of Oz, es tut nicht weh, dass sie am Schluss wach wird und man weiß, es war alles nur ein Traum. Weil es fügt sich alles sehr schön zusammen. Oft nervt mich das bei Filmen. Ja, es nervt ganz oft. Also ganz oft denkst du dir, warum habe ich jetzt mitgefiebert die ganze Zeit? Genau. Aber das, ich glaube, es liegt daran, bei Alice in Wonderland genauso, dass du mehr über die Figuren, also fieberst mit diesem Mädchen mit, weil es nicht um die Geschichte an sich geht, sondern um den psychologischen Unterbau dann am Ende auch. Also natürlich willst du der Geschichte folgen und so, aber am Ende, wenn sie aufwacht, denkst du nicht, naja toll, muss mich nicht alles interessieren, sondern du hast was über das Mädchen gelernt und du hast was über die Geschichte, den Hintergrund und so gelernt. Und im Idealfall, wie das bei manchen Verfilmungen ist, hast du dann die ganzen Gesichter, die ganzen Schauspieler, die in der realen Welt völlig andere Menschen sind, die aber als andere Figuren im Traum aufgetaucht sind. So diese klassische Wizard of Oz Szene.
Florian Bayer: Und du warst da.
Johannes Franke: Und du warst da. Und sie waren auch da. Ja, das ist total schön. Das ist schön. Bei Wizard of Oz funktioniert es halt auch einfach so gut, weil der Film, weil diese Welt so fantastisch ist, in der sie landet. Weil das ist ja auch so eine Musicalbühne. Richtig, genau. Dass es vollkommen gleich ist, weil man eigentlich nie, es geht nicht so um Immersion, sondern es geht darum, auch einfach Freude zu haben an den fantastischen Ideen, an dem Setting, an den Figuren, die da rumlaufen. Ja. Ja, man ist ja, also ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand Wizard of Oz als besonders immersiv empfinden würde. Dafür ist es einfach zu abgespaced. Auf LSD vielleicht. Da ist man vielleicht voll drin. Aber ich meine, die tanzen und singen die ganze Zeit, dass sie zum Wonderful Wizard of Oz laufen und dann kommt diese Hexe mit ihren fliegenden Affen und es ist so abgedreht. Da ist man nicht gefesselt von der Welt, weil man mitfiebert, sondern man findet es einfach schön und hat Spaß daran. Genau. Wir haben alle eine Runde Spaß. Meine Nummer zwei ist komplett unentschlossen. Und David Lynch. Aber ich habe mich dann entschieden, Eraserhead ist es. David Lynch hat ganz tolle Traumsequenzen in vielen seiner Filmen. Also egal, ob er quasi eine halbe Geschichte als Traum erzählt wie in Mulholland Drive oder ob er diesen einen besonderen Theatermoment hat, auch wie in Mulholland Drive, diesen Club Silencio. Der war fast auf die Nummer zwei gekommen, aber dann dachte ich, der ist eigentlich nur Teil eines größeren Traumes. In Twin Peaks, diese Red Room Szene, wenn der ermittelnde Detektiv zum ersten Mal Hinweise darauf kriegt, wer der Mörder sein könnte. Ja, okay. Ich habe es nicht gesehen, aber ja. Es ist eine fantastische Szene, wurde auch oft zitiert und auch parodiert. Aber in Eraserhead gibt es einfach mal diesen krassen Traummoment, der auch ein Film, der die ganze Zeit zwischen Traum und Realität wechselt. Aber wir haben diesen einen ganz klaren Traummoment, wo der Protagonist, der einen deformiertes Baby hat, um das er sich kümmern muss, weil seine Frau ihn damit hat sitzen lassen, wo er im Bett liegt und dann anfängt, so in den Traum abzudriften und er sieht diese Frau, diese Sängerin auf der Bühne, die aussieht wie ein Hamster und dann fallen Föten auf die Bühne. Oh Gott. Und dann geht er auf die Bühne, weil er zu dieser Frau will und dann fällt ihm der Kopf ab und dann wird daraus eine Radiergummispitze gemacht in einer Fabrik. Es ergibt keinen Sinn, auch nicht, wenn man es sieht. Es ist auch nicht konfus, was ich hier erzähle. Es ist einfach das, was Lynch zeigt. Es ist eine krasse Traumsequenz. Es ist einfach so eine bizarre Traumsequenz, die irgendwie die ganze Zeit schwankt zwischen Horror und absurdem Humor. Ja. Großartiger Film, großartige Traumsequenz. Ja, ich habe den Film gesehen und ich habe den im Grunde als eine einzige psychedelische irgendwas im Kopf. Also ich könnte gar nicht mehr in Erinnerung unterscheiden, wann war Traum und wann war Wirklichkeit. Also eigentlich. Es ist auch schwer bei dem Film. Ich finde, diese eine Szene ist so besonders, weil der Protagonist am Ende dieses Traums tatsächlich einfach mal stirbt und so Radiergummi verarbeitet wird und in der nächsten Szene natürlich wieder da ist. Ja, großartige Szene, aber generell, wenn man Träume mag im Film und wenn man Filme mag, die die Grenzen zwischen Traum und Realität auslotsen, kann man sich eigentlich jeden David-Lunch-Film kreifen. Ja, das stimmt. Von Eraserhead über Blue Velvet bis hin zu Inland Empire. Ja, okay. Mein Platz zwei. Das ist nur eine Erinnerung und ich weiß nicht ganz genau, wie der Film das eigentlich löst. Being John Malkovich. Ah, interessant. Sind das Traumsequenzen? Weil er reißt ja wirklich in das Bewusstsein. Das weiß ich halt nicht genau. Er reißt ja wirklich in das Bewusstsein von John Malkovich. Aber das ist, ist das, aber was ist das? Man verfehlt Sex. Ich weiß nicht. Ja, ich, also ich weiß, was du meinst. Ich dachte, ich frag dich einfach mal nochmal, weil ich, weil ich das so präsent habe und ich filme den Film so großartig, fand aber überhaupt nicht mehr so richtig in Erinnerung gehabt, ob das jetzt, was das jetzt ist. Ja. Bei Being John Malkovich spielt John Cusack diesen einfachen Angestellten, der in einem Büro arbeitet, das in einem achteinhalbten, siebeneinhalbten Stock ist, in irgendeinem halben Zwischenstockwerk, wo die Decke dementsprechend auch nur ein Meter hoch ist oder so und alle gebückt laufen müssen. Was daran liegt, dass der Gründer dieses Büros oder der Firma, die in diesem Büro ist, kleinwüchsig war oder seine Frau war kleinwüchsig oder seine Geliebte und er hat ihr deswegen dieses Büro geschenkt, damit alle anderen auf ihre Größe gehen. Auf jeden Fall entdeckt John Cusack in diesem Büro eine Hintertür, die einen geheimen Gang, zu einem geheimen Gang führt und dieser Gang führt direkt in das Bewusstsein, nicht nur das Unterbewusstsein, direkt in das Bewusstsein von John Malkovich. Und dann bist du für fünf Minuten im Kopf von John Malkovich und kannst, am Anfang kann er nur einfach nur zugucken, was passiert, ist wirklich einfach nur Zuschauer, POV. Und dann wird man, nachdem man da drin war, wird man an irgendeinem Highway ausgespuckt aus dem Himmel. Und dann macht er daraus eine Touristenattraktion und es reisen noch mehrere Leute dahin irgendwann. Und irgendwie seiner Freundin, ne seiner Vorgesetzten gelingt es dann, ne seiner Freundin glaube ich, gelingt es genau, der gelingt es John Malkovich zu beherrschen. Sie reist dann in sein Bewusstsein und kann tatsächlich seinen Körper, kann nicht mehr im Kopf, meine Güte. Sein Körper steuern. Krass. Und dann gibt es diese Schräge ziehen, dann erfahren sie auch, was da los ist. Und zwar gibt es diesen geheimen Gang und der führt immer in die Rollen von anderen Prominenten und es gibt diese Gruppe von alten, reichen Leuten, die das nutzen wollen, um unsterblich zu werden. Und am Schluss reisen diese 50 Leute, die zu dieser geheimen Gruppe gehören, reisen alle zusammen und übernehmen dann John Malkovich. Glaube ich zumindest. Ich weiß nicht, ob sie erfolgreich damit sind. Und das ist eine Reise ins Bewusstsein. Also es ist toll, dass du den nennst, also gar nicht auf meiner Liste, weil ich auch drüber nachgedacht habe, ob ich den auf meiner Liste packen muss. Ist ein anderer Film von Spike Jonzee und Charlie Kaufman. Und zwar? Vergiss mal nicht. Oh mein Gott. Oh.
Florian Bayer: Genau. So ein guter Film.
Johannes Franke: Ja, jetzt habe ich glaube ich was Falsches gesagt. Es ist nämlich nicht Spike Jonzee der Regisseur, aber Charlie Kaufman ist der, Der Autor. Charlie Kaufman ist der Autor. Ich muss einmal kurz nachschauen. Eternal Sunshine of the Spotless Mind. Michel Gondry ist der Regisseur. Den hatte ich überlegt aufzunehmen, dann habe ich ihn doch nicht aufgenommen, weil ich dachte, nee, da geht es ja eigentlich auch darum, dass sie ins Unterbewusstsein reisen. Da geht es ja darum, dass Jim Carrey erfährt, dass seine Freundin alle Erinnerungen hat löschen lassen an ihre Beziehung, seine Ex-Freundin, weil sie irgendwie sich unglücklich getrennt haben und trauernd beschließt er, dasselbe zu machen und es gibt irgendwie so eine Agentur, die das macht und die schließen ihn dann an Geräte an und während sie das machen, dass er in seinem Unterbewusstsein sieht, wie alle Erinnerungen gelöscht werden und dann stellt er fest, fuck, ich will das gar nicht, ich will mich an sie erinnern, auch wenn das schmerzhaft war, ich will die Erinnerung nicht verlieren und dann versucht er die Erinnerung zu retten und irrt durch sein Unterbewusstsein, während es von dieser Agentur gelöscht wird, hat keine Möglichkeit mit der Außenwelt zu kommunizieren und rennt da durch und versucht irgendwas zu retten, so ein kleines bisschen, so ein kleines Stück Erinnerung. Großartiger Film habe ich nicht aufgenommen, weil ich dachte, es ist nicht richtig Traum, ist so irgendwie zu sehr Bewusstsein, Unterbewusstsein, ja, könnte man aufnehmen. Aber schön, dass du Biegen John Malkovich genannt hast, weil der, ja. Krasser Film. Auf jeden Fall krasser Film. Okay. Meine Nummer eins. Ja, deine Nummer eins. Waking Life von Richard Linklater, ein ganz, ganz, ganz toller Film, der mit Hilfe von sehr aufwendigen rotoskopischen Verfahren umgesetzt wurde, er hat alles gedreht und dann drüber gemalt und die Zeichnung oder das Charakteristikum des Gezeichneten ist aber, in jeder Szene spürbar, weil die Farben wirklich teilweise Amok laufen, man sieht, wie sich Hände, die sich einfach die normale Geste machen, plötzlich im Raum ausdehnen und damit trifft er sehr gut dieses Traumgefühl, weil der Film spielt in einem einzigen Traum, es geht um einen jungen Mann, der träumt und der verschiedene Geschichten hört, während er träumt und Richard Linklater, typisch, ist es vor allem ein Talkmovie, das heißt, der Typ reist durch Träume und unterhält sich mit Philosophinnen und Wissenschaftlern, und ganz normalen Leuten und sie reden die ganze Zeit über Träume und sie reden auch über luzides Träumen und über Klarträume und wie man sich bewusst werden kann, dass man träumt. Hochphilosophisch, vielleicht manchmal ein bisschen zu prätentiös dabei, aber was das Ganze wegmacht, sind die tollen Bilder, weil es die ganze Zeit diese Traumoptik hat, dadurch, dass alles gezeichnet ist und mit so viel Liebe gezeichnet ist, weil es ist einfach ein Film, der einmal komplett gedreht wurde und dann wurde drüber gemalt mit Farben und du hast so eine ganz merkwürdige Mischung aus Comic-Look und realistischem Look. Es lohnt sich einfach auch nur mal Bilder von diesem Film anzugucken oder auch einfach nur mal den Trailer zu gucken, man begreift dann schon relativ schnell, was diese Optik so besonders macht. Protoskopie, ein tolles Verfahren, das viel zu selten eingesetzt wurde. Ich glaube, die meisten kennen es wahrscheinlich am ehesten aus Herr der Ringe, dem 70er-Jahre-Zeichentrick-Film. Da wurde das verstärkt eingesetzt. Wie heißt der Film nochmal? Waking Life. Waking Life. Jetzt werde ich mir mal wenigstens ... Aus dem Jahr 2001. Ähm, wirklich mal Fotos anschauen davon. Also. Ah, verstehe. Okay, verstehe. Und großartiger Film und einfach tolle Optik. Und wenn ich jetzt auf Google-Bildersuche gehe, kann ich auch nur sagen, die Standbilder sehen schon faszinierend aus, aber man muss das auch bewegt gesehen haben, einen Eindruck davon zu kriegen, mit wie viel Gespür für Surreales und für Ästhetizismus das umgesetzt ist. Wow, okay. Ich gucke mir die Bilder gerade so ein bisschen an und denke, wow, okay. Ja. Spannende Leute auch, die dabei sind. Ja, genau. Es ist halt Richard Linklater und der ist ja so ein bisschen Darling in die Filmszene und hat entsprechend auch so seine Schauspieler, mit denen er oft zusammenarbeitet, wieder mit an Bord, wie Ethan Hawke und Julie Delpy. Hm. Okay. Crazy Shit. Okay. Ja, dann weiß ich doch Bescheid, was ich noch auf meine Liste setzen muss. Okay, mein Platz eins. Brasil. Brasil, genau. Terry Gilliam. Absolute Nummer eins. Also ich komme da, glaube ich, nicht ... Also alle anderen Filme, die ich mir rausgesucht habe, wären eigentlich auf Platz zehn bis zwanzig, weil alle ersten Plätze von Brasil belegt werden, weil ich Brasil so wahnsinnig beeindruckend fand als, weiß ich nicht, 19-Jähriger, glaube ich, und ihn einfach nochmal und nochmal gucken musste und nochmal und dann dieses, ich weiß nicht, es ist natürlich völlig drüber bombastisch, also seine Ästhetik, die er da auffährt und seine gigantischen Sets und was er da, also auch dystopisch, das ist einfach, ich fand es wahnsinnig beeindruckend und das ist für eine Traumsequenz, die jetzt nicht unbedingt eine große Narrative hat, finde ich es wahnsinnig gut. Ja. Wenn wir von der Traumsequenz in Brasil reden, meinst du diese, die sich durch den Film ziehen, wie so ein roter Faden, wo er träumt, dass er dieser Engel ist? Ja. Okay, weil es gibt ja auch diese Interpretation, also nee, es gibt nicht diese Interpretation, der Schluss ist ja auch quasi nochmal eine Traumsequenz, wenn er von ihnen gefoltert wird, dann träumt er, wie er befreit wird und wie er gerettet wird. Ja, okay. Aber genau, ja, ich finde, Brasil finde ich vor allem so spannend, weil dieser Kontrast zwischen dem düsteren und dreckigen und total tristen, was der Film trägt, was den ganzen Film trägt, das ist halt eine Dystopie im 1984-Style und dann aber diese überbordernden, überkitschigen, überpathischen Traumsequenzen, wo jetzt dieser gigantische Engel ist, schwer mit diesem Flügel, diese krassen Flügel und dieses Monster, was da ist, gegen das er da kämpft. Wahnsinn. Und diese Traumsequenz lebt halt vor, also der Kontrast könnte einfach nicht krasser sein. Ja. Die Fallhöhe ist einfach so hoch und dadurch wirkt dieser Traum so stark und so beeindruckend. Ja. Und auch, weil er halt auch dieses Übertriebene hat, also er hat immer so ein Stück Ironie mit dabei, weil es ist ja total absurd, in was für eine bizarre, fantastische Welt sich dieser eigentlich langweilige Protagonist flüchtet. Und dass er das so ausreizt, das ist toll. Wahnsinn. Ja. Wird immer ganz anders, wenn ich darum denke, auch weil ich diese Geschichte damit habe, weil ich einfach als 19-Jähriger so wahnsinnig beeindruckt davor saß und dachte, wow. Ja. Er ist ein super Film, also Brasil wäre bei mir, glaube ich, wenn ich so Toplisten zusammenstelle in meiner Lieblingsfilme, ist der auf jeden Fall sehr weit vorne. Schön. Ja. Cool, okay. Ja. Aber die Traumwelten in Paper House sind anders. Ja, die Traumwelten in Paper House sind aber auch düster und dystopisch irgendwie. Und, also, ganz anders als auch in Brasil, aber irgendwie hat er auch, schwankt er auch zwischen diesem Hoffnung, dieser Hoffnung und dem Höllenschlund. Ja. Also, fand ich schon auch fast schon ein bisschen vergleichbar dann dadurch. Ja, man hat ja immer diese latente Bedrohung, man weiß irgendwie, es ist eine Traumwelt, sie ist irgendwie fragil, es kann sich jederzeit zum Albtraum wechseln. Ja. Es passiert aber lange nicht, also, abgesehen von diesen Momenten, wenn Marc zu ihr sagt, naja, ich habe etwas falsch gemacht, deswegen bin ich hier und du hast bestimmt auch etwas falsch gemacht, deswegen musst du hierbleiben. Aber es gibt dann diesen Moment, wo es kippt und das war tatsächlich, ich glaube, das war der unheimlichste Moment, ich kann mich immer nur wiederholen, dass ich diesen Film so gruselte als Kind. Der unheimlichste Moment war, wenn sie dann ihren Vater reinmalt, wenn sie sagt, so, mein Vater, wenn der da ist, kann der dich rumtragen, Marc, dann brauchst du keine Beine mehr, ist alles in Ordnung. Und dann malt sie ihn rein und er guckt so böse, sie hat ihn auch von einem Foto abgemalt, wo er offensichtlich betrunken war. Es wird angedeutet, dass er eine Alkoholabhängigkeit hat, auch wenn es nicht konkret gesagt wird. Ja. Und wahrscheinlich auch sich dann scheiße benommen hat, wird aber auch nicht konkret gesagt. Und dann malt sie ihn da rein und sieht, dass er so böse aussieht, sie sagt, glaube ich, sogar so was, er sieht aus wie ein Psychopath oder so. Und dann versucht sie ihn auszuradieren und das funktioniert natürlich wieder nicht. Und in einem Anfall von Wut, Panik, whatever, fängt sie an, sein Gesicht komplett durchzustreichen. Dann fängt sie an, einmal über das gesamte Bild zu streichen, zerknüllt es und wirft es weg. Und ich weiß noch, wie ich als Kind da saß und dachte nur so, fuck, es geht gar nicht darum, was für ein Horror dann danach passiert, sondern einfach dieser Moment persönlicher Apokalypse. So dieses Albtraum-Szenario, du hast dir eine Welt erschaffen und du zerstörst diese Welt. Du bist quasi gleichzeitig der Todesengel, der diese Welt vernichtet und das Opfer, das in dieser Welt lebt und vor der eigenen Wut nicht entkommen kann, ist so fucking unheimlich. Ja. Ja, und du bist ja zusätzlich noch der Ursprüngliche Erschaffer der ganzen Geschichte überhaupt. Das heißt, du hast eigentlich alle den ganzen Zirkel einmal durchgemacht. Du bist Gott, Teufel und Mensch. Das ist schon krass. Und das ist schön, dass in so einer, naja, Kindergeschichte, weiß ich nicht, ja. Ja, ich muss mal gleich nochmal drauf sprechen, inwiefern das Kinderfilm ist. Ja, weiß ich nicht. Es ist wirklich, dafür war es zu düstern, oder? Also ich meine, wieso hast du es überhaupt als Kind gesehen? Ich habe als Kind, ich war neun oder zehn, als ich den gesehen habe, denke ich. Der lief zum ersten Mal im deutschen Fernsehen. Das heißt, das war 1988. Ich bin 82 geboren. Wahrscheinlich war, vielleicht wäre es auch nicht zum ersten Mal, wahrscheinlich war es so Anfang 90er. Und ich war relativ hart im Nehmen, was Filme betrifft. Was daran liegt, dass ich sehr viel heimlich geguckt habe. Das heißt, als ich diesen Film geguckt habe, hatte ich davor schon genug Filme geguckt, die ab 16 oder sogar ab 18 waren. Okay. Ich habe die Flieger heimlich geguckt, dieses Gromberg-Remake. Ich habe heimlich Terminator geguckt und Terminator 2. Und Total Recall durfte ich dann sogar gucken. Und ich war bei all diesen Filmen nicht alt genug, um die zu gucken. Ich habe Tanz der Teufel heimlich geguckt. Ich möchte es ja fast nicht sagen, aber das erklärt einiges. Ich war echt abgehärtet, was das betrifft. Und dann war das ein Film, der war damals, der lief im Fernsehen ab 12.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Mittlerweile beim letzten DVD-Plu-Ray-Release, den er gekriegt hat, wurde er hochgestuft, ab 16 von der FSK.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Damals lief er unter FSK ab 12. Und es war, glaube ich, so das Setup. Ich habe den bei meiner Tante gucken dürfen. Und meine Tante hat draufgeguckt und hat gesagt, naja, du magst ja Horrorfilme. Okay, das ist ja offensichtlich ein Gruselfilm, der ab 12 ist. Das ist doch okay. Weil Horrorfilme sind in der Regel ab 16. Und hey, das ist so ein Gruselfilm für Kinder. Lustige, Fun-Neben-Story. So habe ich damals auch, ich habe das voll ausgereizt, die FSK. Mein erster Erotikfilm, den ich gesehen habe, war total absurd. Und zwar, den ich nicht heimlich gesehen habe, sondern den ich gucken durfte, war ein Film von David Hamilton. Und ich glaube, es war Premier Désir oder so. Sind das diese Emanuel-Sachen auch von David Hamilton? David Hamilton ist schwierig. David Hamilton ist eigentlich, glaube ich, so ein bisschen die Anlaufstelle für Pädophile. David Hamilton hat in den 60ern, 70ern erotische Fotografie gemacht mit Jugendlichen. Mit jungen Frauen, eher mit Mädchen. Also ich glaube auch klar mit Minderjährigen als Models. Und der hatte diese Filme, die kennt man. Wenn man die einmal gesehen hat, weiß man, es gibt eine Bildsprache in diesem Film, das ist weichgezeichnet.
Florian Bayer: Oh ja, okay.
Johannes Franke: Ich glaube, jeder hat mal einen David Hamilton-Film gesehen. Bestimmt. Weich gezeichnet, sehr junge Darstellerin, so sexuelles Erwachen, so Frühlingserwachen bei 16-Jährigen, 17-Jährigen. Okay. So in der Richtung. Und seine Filme, ich weiß nicht warum, aber ein Film, den ich von ihm gesehen habe, der war ab 12 freigegeben. Und dann habe ich gesagt, hey, guck mal, da ist ein Erotikfilm, der ist ab 12, den darf ich doch gucken, oder? Und dann haben meine Eltern gesagt, naja, okay, ja, das ist halt ab 12. Ich weiß nicht, ob das, das kann auch immer sein, dass das ein Fehler war von der Fernsehzeitschrift. Ich habe meine Filme damals immer aus der TV Movie gepickt. Und ich glaube, die haben das mit der Altersangabe manchmal verbockt. Dadurch habe ich nämlich, Total Recall habe ich nicht heimlich geguckt. Den habe ich geguckt, weil er ab 12 markiert war. Oh Gott. In der TV Movie, das ist kein Film ab 12. Ungeschnitten ist das wahrscheinlich sogar ein FSK 18-Film. Und dann habe ich diesen Film geguckt mit dem Segen meiner Eltern. Ein Soft-Erotik-Film aus den 70ern wahrscheinlich. Mit Nacktszenen von 16-, 17-jährigen Mädchen. Oh mein Gott. Also die sind total harmlos, diese Filme. Da gibt es auch keine großen Sex-Szenen, soweit ich in Erinnerung habe. Aber es hüpfen halt die ganze Zeit halbnackte Jugendliche durchs Bild. Krass. Und ich glaube, David Hamilton ist so, es war halt eine Zeit, in der das nicht so eng gesehen wurde. Ich kann mir vorstellen, dass das ein Material ist, auf das Pädophile zurückgreifen. Ja, okay. Und es ist auch wirklich unschuldig. Also ich will diese, also das sind halt Soft-Erotik-Filme. Und es ist echt problematisch, dass das mit dem Constant-Alter und so. Aber es sind wirklich auch harmlose Filme und weich gezeichnete Erotik-Filme. Die haben keine Qualitäten. Also um das gleich dazu zu sagen, wenn man die heute guckt, findet man die eher albern. Weil man erkennt auch nichts. Weil alles unter diesem Weichzeichner ist. Du hast noch nie so weich gezeichnete Filme gesehen. Wo war ich stehen geblieben? Ah, und so konnte ich diesen Horrorfilm gucken. Und ich habe den geguckt, unter zwölf Jahre, als Horrorfilm ab zwölf. Und alle haben gedacht, das ist ein Kruselfilm für Kinder. Und Flo, der hat sowieso schon jeden Scheiß geguckt. Total egal. Was soll den schon treffen? Und dann gucke ich diesen Film und ich musste ihn im letzten Drittel ausmachen. Ich habe es damals nicht geschafft, den fertig zu gucken, weil er mir so Angst gemacht hat. Und dann in der Nacht hatte ich einen krassen Albtraum von diesem Film. Und bin schreiend wach geworden und habe um mich geschlagen. Oh, wow. Okay. Und ich habe bei meiner Tante übernachtet, die mich diesen Film hat gucken lassen. Und ich glaube, sie hatte voll das schlechte Gewissen, weil sie damit einfach nicht gerechnet hat. Oh, mein Gott. Der Flo, der hat auch schon alles Mögliche geguckt. Und dem kann sowas doch keine Angst machen. Wir wissen doch, dass der heimlich diese brutalen Filme guckt und so. Und dann hat mich dieser Film, der vermeintlich für Kinder war, wo wahrscheinlich sogar in der TV-Zeitschrift noch stand, Gruselfilm für Kinder. Dann hat er mich so mitgenommen wie kein anderer Film. Und wenn ich so eine Top 10 der gruseligsten Filme, die ich je gesehen habe, machen würde, wäre er wahrscheinlich immer noch ganz weit oben einfach. Er macht mir heute nicht mehr so viel Angst. Aber selbst wenn ich ihn heute noch sehe, kann ich die Angst des zwölfjährigen Ichs noch nachvollziehen. Und als ich ihn danach auch geguckt habe, ich habe ihn dann nicht fertig geguckt. Und dann habe ich ihn irgendwann nochmal geguckt, zwei, drei Jahre später. Und hat mir immer noch Angst gemacht. Dann habe ich es geschafft, ihn fertig zu gucken. Und bis zum heutigen Tag gibt es in diesem Film Sequenzen, die mir krass viel Angst machen. Und das ist diese Angst vor der, diese Unsicherheit. Wie sieht diese Apokalypse jetzt aus? Wenn sie das Bild zerrissen hat, zerknüllt hat und durchgestrichen hat. Diese Ungewissheit, bis man dann sieht, was daraus geworden ist, die fand ich ganz schlimm. Ja. Weil man weiß einfach, es steht jetzt, die wird wieder träumen. Und es kommt was Apokalyptisches. Und diese Ungewissheit ist total nervenzerreißend. Wahnsinn, ja. Und dann gibt es diesen Jumpscare. Das ist auch der, von dem ich geträumt habe, der danach kommt. Sie zerknüllt das Bild. Ja. Und dann liegt sie in der Badewanne und döst so weg. Und dann sieht sie am Strand, wie sie dieses Foto von ihrem Vater gemacht hat, das Vorlage von dem Bild war. Und sie fotografiert ihren Vater. Und in einem mächtigen Jumpscare springt der Vater nach vorne und guckt sie einfach nur böse an. Und dann wird sie auch schon wach. Ja. Das fand ich auch krass. Das stimmt. Das war eine höllische Szene. Und das ist auch heute noch. Und das ist große Kunst, finde ich. Weil die meisten Jumpscares haben sich überholt aus der Zeit. Das ist ein Jumpscare, der auch heute noch funktioniert. Obwohl er von 1988 ist. Aber was macht er anders? Ich weiß es nicht, weil es ist ein klassischer Jumpscare eigentlich. Ja, es ist ein ganz klassischer Jumpscare. Aber er hat mich auch erwischt. Und zwar richtig gut. Aber was macht er anders? Keine Ahnung. Vielleicht ist die Stimmung davor und danach das Problem. Es ist so eine sehr verträumte Stimmung dann wieder. Also auch so weich gezeichnet am Strand und alles so ein bisschen in Zeitlupe. Ich glaube, es ist leicht, zumindest... Weiß ich nicht. Aber es ist sehr romantisch verklärt. Und dann die Musik wird dann wirklich ganz abrupt laut. Das Gesicht geht abrupt nach vorne, was einfach unerwartet kommt. Und weil es so reinhaut. Und die Implikationen halt irgendwie dabei sind, dadurch, dass sie davor ihren Vater angegriffen hat. Quasi, indem sie ihm auf dem Bild durchgestrichen hat. Von ihr geht ja ein aggressiver Akt aus. Und der Vater rächt sich dann irgendwie mit dieser Angsterzeugung. Das wäre der Moment, wo ich nur noch so geguckt habe mit zugehaltenen Augen. So halb zugehalten. Und ich habe dann auch ein Stück weiter geguckt. Und ausgemacht habe ich ihn damals, als dann der Vater auf dem Hügel steht. Sie reißt dann wieder in ihren Traum. Und sie sieht wirklich apokalyptisch aus. Und er holt den Hammer hoch. Ja, genau. Sie wird dann danach wach. Und sie hat starkes Fieber. Ihre Mutter legt sie ins Bett. Und dann träumt sie sich in die Welt. Und zuerst holt sie das Bild aus dem Müll, weil sie erfährt, dass Mark in der Realität richtig doll erwischt wurde offensichtlich. Und sie hat Angst, dass sie das erzeugt hat mit dem Bild. Dadurch, dass sie es zerknüllt hat, hat sie ihn kränker gemacht. Dann holt sie das Bild aus dem Müll und dann schläft sie langsam wieder ein. Und dann ist sie in dem Haus. Und das ist wirklich, was sie halt der Welt angetan hat. Das Fenster ist so ganz absurd zerstört, so wie durchgestrichen halt. Mark fühlt sich ganz schlapp und schlecht. Der Himmel ist düster. Die Tapete ist dunkel. Die Tapete ist dunkel. Es ist alles so dreckig. Es war ja auch im Müll. Man sieht diesen Dreck. Übrigens, ich finde es toll, wie der Film ästhetisch dieses Gemalte umsetzt. Auch wenn sie am Anfang in dem Haus ist, wie die Treppen so ein bisschen schief sind.
Florian Bayer: Ja, genau.
Johannes Franke: Und auch die Gegenstände sind alle so reingesetzt. Wie man sich das als Kind so, hier ist noch ein Toaster und da male ich mal noch so einen, weiß ich nicht, Computer hin, den der da bearbeitet. Und alles ist zu groß und zu schräg und irgendwie funktioniert es nicht so richtig. Ja. Und dann ist in diesem apokalyptischen Haus und dann erscheint ihr Vater, den sie durchgestrichen hat, am Horizont, man sieht nur die schwarze Schattenkontur und er ruft dann Anna, Anna und sie sagt Papa, Papa, komm her und dann ruft er, ich bin blind, I'm blind. Und das war der Moment, wo ich als Zehnjähriger den Film ausgemacht habe.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das, dann, danach ging es einfach nicht mehr. Ja. Und wobei ich mir vorstellen kann, dass man als Kind eigentlich diese Disclosure braucht am Ende. Eigentlich hättest du es zu Ende gucken müssen oder wenigstens irgendwie die letzten fünf Minuten des Films mal noch gucken müssen, um dieses Ende, um einmal damit klar zu kommen, weißt du? Vielleicht hätte ich da nicht den Albtraum gehabt, das stimmt. Es ist ja auch krass, wie das dann später aufgelöst wird mit dem Vater. Aber jetzt ist erst mal Horror, ne? Ja, ist erst mal Horror und sie versucht, also das finde ich, fand ich eine sehr, sehr spannende Situation. Sie kommt ja nicht mehr, sie kann ja nicht mehr aufwachen. Und zusammen in diesem Haus beschließen sie dann, weil der Vater kommt, irgendwie musst du ihn rauskriegen aus diesem Bild. Also greift sie im Traum im Bett liegend neben sich und hofft dort auf die Zeichnung nehmen zu können, die sie ja nicht sehen kann, weil sie ja die Augen zu hat und träumt eigentlich. Aber ihr Körper im Bett liegend macht sozusagen, was sie will. Sie greift nach diesem Papier. Diese Spannung ist unerträglich, weil die Kerze dort ist. Und brennt sie jetzt das ganze Ding ab oder was oder wie? Sie kriegt es dann jetzt rüber, ohne dass es brennt. Und sie findet tatsächlich, tastet die Stelle, wo der Vater reingemalt ist und reißt ihn da so langsam raus. Was aber auch bedeutet, dass in der Zeichnung selbst, in ihrer Welt ein Höllenschlund aufgeht. Ja, es entstehen richtig Risse im Boden. Das ist krass, ne? Ja, und der fängt dann auch zu brennen an, weil sie das rausgerissene Stück Papier in die Kerze hält. Ja. Und das ist eine apokalyptische Stimmung, die wirklich krass ist. Ja. Also für einen Zehnjährigen, um Gottes Willen. Das habe ich alles schon nicht mehr gesehen dann, weil er hat das gemacht. Ja, ja, ja, ja. Ich fand das, wenn ich ihn heute sehe, sehe ich da auch viele Cheesy-Momente. Zum Beispiel, wenn der Vater dann im, also der Vater sagt, I'm blind und dann kommt er näher und dann sieht man ja, sein Gesicht ist halt durchgestrichen, er kann wirklich nichts sehen, seine Augen sind quasi wie zerschnitten, was schon auch gut gemacht ist von der Maske, auch wirklich eklig aussieht. Aber begleitet ist das Ganze dann schon von so einem Höllenscore, vor allem mit E-Gitarren und die wirken, finde ich, mittlerweile so ein bisschen überholt. Okay. Ist mir nicht so aufgefallen. Wenn die Gitarren so kreischen, also ich finde, es hat so was sehr, sehr Albernes dabei, dass es so ein bisschen die Stimmung kaputt macht. Okay. Und das war auch so der einzige Moment, wo mich der Score gestört hat, weil ich das Gefühl hatte, ich will nicht dieses... Gib mir ein anderes Instrument, aber bitte gib mir keine 80er Hair Metal. Das passt einfach nicht. Ja, okay. Aber genau, dann schafft sie es tatsächlich, ihren Vater aus dem Bild zu reißen und auch er greift sie an, er schlägt ihr auf die Brust.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Es wird dann nachher... Sie hat hohes Fieber während dieser ganzen Zeit und es wird eigentlich sehr simpel dann nachher erklärt, weil er schlägt auf sie ein und jemand hat sie wiederbelebt.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ihr Brustkorb wurde gebrochen, als jemand Herzmassage gemacht hat.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Genau, aber sie schafft es, ihn dann wegzureißen und dann flieht sie mit Marc von dem Haus weg, weil sie hat vor einiger Zeit schon einen Leuchtturm dahin gemalt und da wollen sie hin. Ja. Der Vater, derweil, fällt ja in diesen Höllenschlund ein und verbrennt und ist tot. Und dann kommt, in der Realität kommt dann der Vater wieder. Sie liegt dann im Krankenhaus, ihr Vater ist zurück und dieser Vater ist natürlich eine total liebe Person. Ja. Und das fand ich so krass. Das war so für mich unerwartet. Ich hab gedacht, er setzt sich da jetzt voll drauf, auf diesen alkoholisierten Vater, aber eigentlich ist er total nett. Er ist. Der bemüht sich voll um diese. Er bemüht sich. Er hat offensichtlich Probleme. Mhm. Sie thematisieren das auch, sie reden auch drüber. Er ist auch niemand, der Probleme unter den Teppich kehrt, sondern er redet mit ihr ganz viel. Sie hat Angst, dass er wieder wegfährt. Also sie ist dann auch, sie ist auch okay mit ihm in der Realität. Es gibt nicht diese Spannung, nicht so diese direkte Spannung, dass sie Angst vor ihm hat. Nee, das nicht, aber die Spannung ist schon da.
Florian Bayer: Es ist eine Spannung da. Das ist schon so.
Johannes Franke: Aber die Spannung ist eher, ja, er sagt, wir können das machen, das machen, können wir machen, zusammen Urlaub. Und sie sagt, ja, und danach bist du wieder weg. Die Spannung ist eher so, dass sie sich von ihm wieder verlassen fühlt. Ja. Und dann reden sie tatsächlich drüber. Und er sagt, hey, deine Mutter hat mir gesagt, dass ich in deinen Albträumen vorkomme. Und was ist denn da los? Und sie erzählt es dann nicht so richtig. Nee. Aber er bemüht sich offensichtlich. Und das fand ich ganz spannend, dass der Vater, das fand ich eigentlich so herzzerbrechend, und dass der Vater als so ein Mensch mit Fehlern, der wirklich bemüht ist, dargestellt wurde. Ja, genau. Und dass sie aus ihm so ein Monster macht, das ist auch irgendwie so traurig. Ja, wirklich, wirklich traurig. Das ist so ein, ich weiß nicht, ob man das als Kind dann, wenn man das sieht, so nachvollziehen kann. Aber als Erwachsener ist das dann wirklich so ein bisschen, oh Gott, traurig. Wieder dieses Phänomen, dass ich mittlerweile so alt bin, dass ich mich eher mit den Eltern als mit den Kindern identifiziere. Und natürlich sehe ich da vor allem einen Vater, der eigentlich der Fehler gemacht hat, aber der eigentlich die Liebe seiner Tochter will und der dafür irgendwie kämpfen muss. Und der merkt, wie schwer es fällt wegen der Vergangenheit. Ja. Ja. Im entscheidenden Moment nicht da gewesen, ne? Ja, vielleicht ist es das. Ich weiß gar nicht, ob es diesen entscheidenden Moment gibt. Der wird nicht erzählt, aber ich nehme an, dass es das einfach so als Background gedacht ist. Und naja, und dann erzählt er ihr, dass Mark gestorben ist.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das, das tut einem auch so weh, weil sie macht es auch gut, sie spielt es auch gut an der Stelle, obwohl ich nicht immer sagen kann, dass alle Schauspieler so wahnsinnig gut sind in den ganzen Filmen, aber das kann ich verzeihen. Aber der Moment ist wirklich traurig. Charlotte Burke heißt die Schauspielerin und sie hat danach nichts mehr gedreht. Oh, okay. Sie hat danach nie wieder einen Film gedreht. Und es gibt ein Interview mit Bernard Roos, der Regisseur des Films, der so anlässlich von irgendeiner Veröffentlichung auf DVD oder so vor zehn Jahren, vielleicht auch vor 20 Jahren über den Film redet nochmal. Ja. Und genau, dann sagt er, er hat mal mit ihr geredet und sie gefragt, weil sie hat ihn irgendwann wieder kontaktiert und dann haben sie sich ein bisschen unterhalten, dann hat sie gefragt, warum sie nichts mehr gemacht hat. Und sie meinte, nee, das war für mich einfach okay. Ich habe diesen Film gemacht und das war für mich dann abgeschlossen, das Filmding. Und ich hatte einfach kein Interesse mehr dran. Ich war halt noch jung und ich habe mich ausprobiert. Ich wusste nicht, wo es hingehen soll im Leben. Ich glaube, sie ist jetzt Anwältin. Man findet nichts über sie, wenn man sie sucht. Okay. Und ich finde es schade, weil sie, ja, sie spielt nicht perfekt, aber sie spielt das sehr gut und sie lässt vor allem sehr viel Potenzial erkennen. Ja, genau. Da ist so eine gute Schauspielerin verloren gegangen. Ja, genau. Sie war 13, als sie das gespielt hat, also zwei Jahre älter als die Rolle.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Finde ich auch eine gute Entscheidung, weil sie wird, dass sie ein bisschen älter genommen haben, aber nicht zu viel älter.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Sie sieht halt auch jung aus, sie sieht nicht aus wie eine 13-Jährige. Ich finde, sie sieht eher aus wie eine 11-Jährige. Ja. Aber wahrscheinlich dadurch, durch diese zwei Jahre kann sie vielleicht noch mal ein bisschen mehr Intensität, vielleicht ein bisschen mehr so dieser vorpubertäre Weltschmerz, den kann sie dadurch noch ein bisschen stärker und glaubwürdiger reinlegen. Ja, okay. Und zu dem Darsteller, der den Mark gespielt hat, das ist eine traurige Geschichte, Elliot Spears. Ja. Der war tatsächlich ein bisschen älter als sie während der Dreharbeiten. Mhm. Und der war voll drin, der wollte eine Filmkarriere machen und der hat auch danach einiges gedreht, und einige Filme gedreht und der Regisseur, Bernard Rose, sagt mehrmals, dass er vielversprechend war und dass er wirklich, dass er fand, dass der sehr viel, sehr viel Können schon in sich hatte und dass er geglaubt hat, dass aus dem, dass der eine wirklich große Karriere vor sich hätte. Und der ist sehr jung gestorben. Oh. Es ist nicht ganz klar, wie, aber wahrscheinlich war es ein Suizid. Oh Gott. So, die Angaben gehen ein bisschen auseinander, ob er mit 17 oder mit 20 gestorben ist, aber irgendwie so in dem Zeitraum. Und es ist auch nicht ganz klar, ob er eine, ob er eine psychische Erkrankung hatte.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Bernard Rose sagt das so ein bisschen, dass der Probleme hatte und dass es ihm nicht gut ging. Es kann aber auch sein, dass er sich irgendwo, als er auf Reisen war, was eingefangen hat, was seinen Verstand richtig böse mitgenommen hat. Er war dann auf jeden Fall offensichtlich in einer Anstalt. Okay. In einem Krankenhaus, irgendwie in stationärer Behandlung, weil ihn irgendwas wirklich stark mitgenommen hat, seine Psyche. Und da hat er wohl Selbstmord begangen. Oh, scheiße. Aber die Informationen sind, was das betrifft, nicht so 100 Prozent eindeutig. Also beide Jung-Schauspieler, die aus unterschiedlichen Gründen dann einfach keine größeren Auftritte mehr hatten. Schade. Oh Gott, ist das tragisch mit dem Selbstmord. Oh Mann. Ja. Er war halt auch wirklich noch jung und offensichtlich, er hatte eine große Karriere vor sich und er hatte wohl große Pläne. Es gibt, man findet relativ wenige Informationen dazu.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Also es gibt dieses Interview von Bernard Rose, wo er sagt, naja, und dann, der hatte Probleme, der hatte damals schon Probleme, das hat man damals schon gemerkt. Und dann hat er irgendwie mit 17 Selbstmord begangen. Und irgendwo anders findet man die Informationen, dass er als 20-Jähriger unterwegs war in Afrika, glaube ich.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Und dann hat er irgendwie sich irgendwas eingefangen. Wie heißt das, was so fieses Gehirn? Borreliose? War das das, was das Gehirn so böse angreift von Zecken? Ich habe keine Ahnung, leider. Ja, auf jeden Fall muss es so gewesen sein, dass er dann wirklich Systemausfall, ich weiß nicht genau. Es ist nicht ganz klar, wie gesagt, die Informationen sind nicht eindeutig. Aber Charlotte Burke, um nochmal auf sie zurückzukommen, ich fand sie wirklich stark in dem Film. Ja, also ich bin nicht immer einverstanden mit der Inszenierung der Mutter, muss ich sagen. Ja. Einfach nur in Kleinigkeiten, nicht im Groben und Ganzen, im Groben und Ganzen trifft sie die richtigen Entscheidungen und sie haben das gut inszeniert und so. Aber immer wieder so kleine Sachen, wo ich denke, warum jetzt das, warum geht sie da so ran und nicht, ich weiß nicht, keine Ahnung. Und dann mit dem Müll, dass sie da sehr vehement diesen Müllmännern die Säcke da aus den Händen reißen und so. Ich weiß nicht, es wird nicht genug vorbereitet, dass die Mutter wirklich sie da so komplett darin unterstützt, diese wahnsinnige Aktion zu fahren, den Müll zu durchsuchen. Ich weiß nicht, also die Mutter ist da weder Fisch noch Fleisch in der Szene und solche Situationen gibt es öfter, wo ich denke, jetzt könntet ihr euch nochmal entscheiden dafür, wie ihr sie jetzt handeln lassen wollt, ob sie jetzt für oder gegen ist oder was. War ich nicht immer ganz glücklich mit, aber ansonsten sehr schön. Ja, ich glaube, ich weiß, was du meinst. Sie ist so, also was sie offensichtlich darstellen soll, sie soll wohl ein bisschen überfordert sein, weil sie sehr viel mit dem Kind alleine ist, sich sehr viel alleine um das Kind kümmern muss und sie scheint nicht so, sie scheint ständig zu schwanken zwischen dem sehr autoritären und dem sehr laxen. Ja, genau. Irgendwie kann sie sich nicht entscheiden und das macht den Film, also ich kann schon auch mal erzählen, dass eine Mutter sich nicht entscheiden kann, ob sie jetzt lax oder autoritär sein soll, aber sie thematisieren auch das nicht richtig. Es gibt also keine eindeutige Erklärung dafür, wie sie jetzt ist und was sie jetzt, ich glaube, das Problem ist, dass sie im Grunde immer nur für die Situation das Richtige tut und nicht für ihre Figur. Und das ist schade. Das kann sein, ich glaube, es ist gar nicht so sehr die Schauspielerin, sondern auch einfach so ein bisschen eine Schwäche des Drehbuchs, dass sie wenig Charakter kriegt, dass alles so sehr auf die Anna, auf die Protagonistin ausgerichtet ist, dass alle anderen Figuren, der Existenzgrund aller anderen Figuren scheint irgendwie zu sein, für Anna in ihrer Story weiterzubringen. Ja. Das betrifft auch die Ärztin, Dr. Nichols, die sie untersucht und die von ihren Patienten erzählt. Obwohl ich von der Ärztin mich nicht mehr erwarte, von der Mutter schon. Ja. Sehe ich auch. Was ich übrigens sehr schön fand, dass ich in dem Moment irgendwie als die Ärztin kommt, feststelle, wir haben ja drei weibliche Hauptfiguren. Stimmt. Und das fand ich sehr schön. Das hat mich, das schlich so rein und ich dachte irgendwann, oh cool, wir haben hier gerade keinen Mann, der dann kommt und sagt, folgende Lösung. Und eine dezidiert weibliche Perspektive. Ja. Auf die Pubertät auch. Also oder auf die Früh-Vorpubertät. Es gibt ja eigentlich diese ganz nette Szene, wo sie mit ihrer Freundin, nachdem sie die Schule geschwänzt hat, mit ihrer Freundin am Bahnhof ist. Fand ich sehr schön gemacht. Und dann ihre Freundin und sie schminken sich beide zusammen und ihre Freundin erzählt von einer Party, wo sie mit allen möglichen Jungs rumgeknutscht hat. Und das Ganze mit einem Staubsauger vergleicht. Genau. Und es gibt offensichtlich so ein bisschen diesen Erfahrungsgap zwischen ihnen. Ja. Und sie will dann auch verstecken spielen. Ihre Freundin sagt, naja, das ist was für Kinder. Und das ist irgendwie ganz süß, weil so dieses, das ist genau das, wo man sich so in dieser Pubertät befindet, zwischen diesem Kindlichen und dann schon diesem Pubertären. Genau. Und man merkt, dass sie da auch auf dem Sprung dazu ist und die Romanze mit Marc unterstützt das dann natürlich, weil ihre Freundschaft entwickelt sich dann zur Romanze, im Traum.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Nachdem Marc im realen Leben gestorben ist. Ja, sie sieht ihn im Traum wieder. Sie sind an diesem Leuchtturm. An diesem Leuchtturm. Und dann spielen sie miteinander und dann küssen sie sich auch. Ein sehr schöner, awkward Kuss. Ja. Zwischen zwei Kindern.
Florian Bayer: Und gar nicht so.
Johannes Franke: Ich weiß nicht, wie das geht. Und gar nicht so, wie man erwarten würde, vielleicht so 50er Jahre mäßig kommen. Wir machen jetzt ja einfach, wir pressen jetzt Lippen aufeinander. Sondern so wirklich so der Versuch, wie funktioniert das jetzt und muss ich da jetzt meine Zunge vielleicht dorthin tun oder was? Ich glaube, ich sah bei meinem ersten Zungenkuss auch so aus. Ja, ich glaube auch. Ich auch. Also es ist so, ich fand es wirklich schön, weil es einfach. Voll cool. Und auch, ja, es ist eine schöne Szene einfach. Ja. Und in der Realität, na ja, genau, Mark sagt dann, er malt diesen Helikopter, damit sie wegfliegen können gemeinsam im Traum und muss sich dafür aber zurückziehen, weil er nicht will, dass sie ihm zuguckt. Und ja, das ist das letzte Mal, dass sie Mark so konkret im Traum sieht. Ja. Und sie weiß halt auch, dass er tot ist, ne? Also es ist irgendwie auch so ein bisschen Flucht. Worauf wir, womit wir auf das Ende kommen, was ich ein bisschen, weiß ich nicht, da ging es dem Film dann durch, habe ich das Gefühl. Irgendwie. Weiß ich nicht. Es ist so kitschig plötzlich, ne? Ja. Ja, es ist merkwürdig. Ich bin mit dem Ende auch nicht so 100% glücklich, weil er, weil er das im Film gar nicht so andeutet, dass er so kitschig, weiß ich nicht, er bleibt sich selbst nicht treu. Aber das ist diese, ich finde, er bleibt sich total treu, weil er die ganze Zeit so unentschlossen ist, ob er denn jetzt ein Märchen sein will, so ein vorpubertäres Märchen oder ob er doch ein Horrorfilm sein, will er, will er dieser Labyrinthfilm sein mit David Bowie oder will er doch lieber irgendwie ein wirklich ein Horrorschocker sein?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und am Schluss kippt er komplett in dieses Märchenhaft auf so eine ganz merkwürdige Art und Weise. Ja, ich weiß nicht, nee, irgendwie komme ich damit nicht klar. Ich muss mal in meinen Notizen gucken, ob ich irgendwas sehr Schlaues aufgeschrieben habe. Also ich kann zu dem Ende auch eigentlich nur sagen, so. Ja, ne? Ich weiß nicht. Und das fünf Minuten lang und dann wäre das für mich besprochen. So, Wundmund. Dad, I'm sorry, sagt sie noch. Das finde ich schön. Dann haben sie irgendwie eine Annäherung mit dem Vater noch und dann geht sie wieder in diese... Ah, naja, und dann rennt sie zum Leuchtturm.
Florian Bayer: Genau, sie rennt zum Leuchtturm.
Johannes Franke: Der in der realen Welt da ist. In dem Feriengebiet, in dem sie gerade sind. Und er sieht exakt so aus wie der Leuchtturm in ihrem Traum. Ja. Das ist einfach der Leuchtturm. Genau. Dann rennt sie dahin, klopft da ran, keiner macht auf. Und dann findet sie in der realen Welt einen Zettel, eine Nachricht von Mark. Mit Zeichnung. Dass er mit dem Helikopter abgehauen ist und nicht mehr auf sie warten konnte. Ja, der Helikopter ist ihm die ganze Zeit weggeflogen. Das ist echt ganz süß wie so ein Hund an der Leine. Ja. Aber sie soll warten und der kommt, um sie zu holen. Ja, genau. Irgendwie noch an. Ja. Und sie ist dann traurig und dann kommt der Helikopter. In der realen Welt. Und dann kommt so ein riesiger Helikopter, dann kommt so eine Strickleiter, die runtergelassen wird. Aber eigentlich will er sich keine Strickleiter runterlassen, weil er die ganze Zeit ruft, nein, das ist zu gefährlich. Sie steht da auch direkt an den Klippen. Ja, ja, ja, ja. Meint er das mit zu gefährlich oder was? Ich glaub schon, er will nicht, dass sie runterfällt. Es geht natürlich, also meine Interpretation dieser Szene, und das ist die kitschige Interpretation, dass die Interpretation, die den Film nicht in so gutem Licht dastehen lässt, Marc ist tot, Marc ist im Jenseits. Und sie greift nach dieser Strickleiter, um zu ihm zu kommen. Aber natürlich steht sie an den Klippen. Das heißt, die Entscheidung in dieser letzten Minute in dem Film ist, wird sie sich so weit strecken, dass sie runterfällt? Dann ist sie tot, dann ist sie im Jenseits bei Marc. Ja. Oder bleibt sie auf der Erde zurück, während er tot ist? Und der Film entscheidet sich natürlich für das Nicht-Natürliche. Tatsächlich ist das ein Moment, wo beides möglich wäre. Ja, absolut. Und der Film entscheidet sich dafür, dass sie nicht fällt, sondern dass sie von ihren Eltern quasi gerettet wird, während sie sich direkt ihre Eltern ziehen sie nach unten. Die Mama kommt, zieht sie weg. Und der Vater kommt dann auch noch dazu. Große Umarmung, Ende, Kitsch. Ja, irgendwie. Weißt du, was mir gerade einfällt? Ich wollte dich nämlich noch was fragen, um ganz kurz, ganz komisch zurückzuspringen. Diese Geschichte, die Joe als Chell Junior erzählt, sein Trauma. Ist sie jetzt zu Sugar und Daphne und zurück? Was ist jetzt los? Weil sie an den Klippen steht und Gefahr läuft, runterzufallen. Dieses Trauma von ihm, das macht doch keinen Sinn, oder? Also, er erzählt Sugar, dass seine Frau sich küssen wollte und die Frau die Klippen runterfällt, ne? Am Grand Canyon. Also, nur noch mal zurück. Ja, wir sind bei, manche mögen es heiß wieder, Billy Wilder, Komödie. Wir können springen. Das ist unser Podcast.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Also, was ist seine Begründung für sein Trauma? Oh Gott, jetzt muss ich da wieder rein. Was ist die Begründung? Sie sind am Grand Canyon. Er ist am Grand Canyon mit seiner damaligen Freundin. Er ist Princeton-Student. Und er liebt sie. Und er geht einen Schritt auf sie zu, weil er sie küssen will. Genau. Sie geht einen Schritt auf ihn zu, weil sie ihn küssen will. Und damit endet die Geschichte schon. Und als nächstes sagt er, also er sagt, ich gehe einen Schritt auf sie zu, sie geht einen Schritt auf mich zu. Und dann guckt Merlin Mono schon so, oh nein. Und er sagt, genau. Und sie brauchten einen Maulesel, um sie hochzuziehen, oder so irgendwas erzählt er. Ja, stimmt. Das macht keinen Sinn. So wie er es erzählt, er gibt es wirklich keinen Sinn. Das stimmt. Habe ich auch gedacht währenddessen. Aber ich habe dann gedacht, naja, ich gucke das jetzt auf Englisch. Vielleicht habe ich irgendwas verpasst. Ich habe noch mal im Drehbuch nachgelesen. Was hast du wirklich? Ich ärgere mich ein bisschen, der ich vorhin vergessen habe, das anzusprechen. Weil es hat mich wirklich irritiert. Und ich frage mich, ob mir da irgendwas entgangen ist. Irgendein Witz. Ja, das dachte ich nämlich auch einfach. Ist eine Klippe, ist eine Spalt zwischen ihnen. Warum erzählt er nicht, ich ging auf sie zu, weil ich sie küssen wollte. Sie ist erschrocken. Sie ging einen Schritt zurück. Das macht Sinn. Aber sie können doch nicht aufeinander zugehen am Grand Canyon. Und dann fällt sie runter. Wie soll das funktionieren? Okay. Das macht keinen Sinn. Billy Wilder, warum? Was hast du dir dabei gedacht für diese Geschichte? Oder liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, wenn ihr wisst, was der Witz daran ist. Bitte schreibt uns. Oder wenn ihr die Physik versteht dahinter, malt mir eine Skizze. Ich will das verstehen, wie zwei Menschen aufeinander zugehen, jeweils einen Schritt machen, um sich zu küssen. Und ein Mensch dabei runterfällt. Weil das ist nur möglich, wenn zwischen ihnen eine Schlucht ist. Aber sie können ja nicht aufeinander zugehen. Eine wesentliche Information dabei ist, dass beide eigentlich Brillenträger sind. Das dachte ich auch. Und dass sie dadurch und er dadurch eben so mehr oder weniger blind ist. Und dann irgendwie eine Stolper, Stolper, weiß ich nicht, keine Ahnung. Aber okay, wenn das so im Drehbuch steht und nichts dazu kommt, dann hat Billy Wilder an dieser Stelle anscheinend vielleicht auch irgendeinen Bezug auf etwas, von dem wir nicht wissen. Vielleicht gab es damals irgendeinen Fall. Das glaube ich halt auch irgendwie. Aber ich verstehe es nicht und ich habe nichts gefunden. Und es ist so merkwürdig. Sie ging einen Schritt auf mich zu. Ich ging einen Schritt auf sie zu. Sie ging einen Schritt auf mich zu. Und dann Sugar schon, oh nein. Und er, genau, sie brauchten einen Maulesel, um sie rauszuziehen. Okay. Und fertig. Das war es. Das ist die Geschichte. Und es ist allen klar, was passiert ist. Ich meine, es ist uns ja auch klar. Sie ist gestürzt. Sie ist gestorben. Aber wie soll das gehen? So, Geologin, Physikerin, meldet euch. Sagt es mir, bitte. Augenärzte, egal. Ich will einfach nur eine Antwort. Kannst du die Mailadresse einmal sagen? Ja, florian.musmansehn.de. Bitte. Wenn ihr über Plur lästern wollt mit mir, dann bitte an johannes.musmansehn.de. Habe ich diese Mailadresse? Ich glaube, ich habe die noch nicht eingerichtet. Das kann ich aber nachher noch machen. Mach das mal noch, damit ich die ganze Post, die ich jetzt bekomme. Genau, die ganze Fanpost, die Liebesbriefe. Ach, schön. Aber wir reden ja, wir sind ja bei Paper House. Und Anna stürzt nicht die Klippen runter, sondern es kommt zu dieser kitschigen Versöhnung der Familie. Und es ist wirklich ein kitschiges Ende, weil es ist einfach, die Familie liegt sich am Schluss in den Armen. Auch der Vater ist dann dabei, der die ganze Zeit abwesend war. Und irgendwie ist das zu Ende. Man hätte wahrscheinlich ein besseres Ende finden können. Ja, irgendwie, weiß ich nicht. Es hat mich dann doch ein bisschen ratlos zurückgelassen, weil es nicht zum Ton des Films passt und weil es nicht sehr befriedigend einfach ist. Ah ja. Es ist ein Film, den ich tatsächlich, von diesem Film würde ich mir ein Remake wünschen, könnte ich mir vorstellen. Oh, okay. Was ganz interessant ist, weil der Film ein Quasi-Remake ist. Es gab in den 70ern eine Miniserie Anfang der 70er.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Aber der Film ist kein Remake von der Miniserie. Die Miniserie basiert auf demselben Buch wie der Film. Und zwar heißt die Buchvorlage Marianne träumt und ist von Catherine Storr, von einer Kinderpsychologin. Ah, das erklärt einiges. Ja. Und das Interessante ist, die Vorlage hat auch Grusel-Elemente, aber deutlich weniger Horror. Diese, also, Bernard Rose hat sehr viel dazu gepackt. Diese ganze Geschichte mit dem Vater. Ja. Und dieses irgendwie so Missbrauch, im weitesten Sinne wird ja thematisiert, also nicht sexueller Missbrauch, sondern einfach so körperliche Misshandlung irgendwie, vielleicht in der Vergangenheit unter Alkoholeinfluss. Das alles findet in der Vorlage nicht statt. Okay. Weil Marianne träumt, ist die Story reduziert auf dieses Mädchen mal das Haus. Mhm. Trifft sich mit dem Jungen im Haus. Ja. Der auch, von dem sie dann auch erfährt, dass er ein Patient ihrer Ärztin ist. Und dann gibt es so eine Competition zwischen den beiden, wer am besten ist bei seinen Hausaufgaben oder so. Und sie verliert da eher. Und deswegen ist sie sauer auf ihn. Und dann malt sie den Steinen vor dem Haus, die man bei Paper House auch sieht, diese Winkelsteine. Ja, ich weiß, was du meinst. Die malt sie dann Augen, um ihm Angst zu machen. Aber dann haben sie beide Angst. Und dann müssen sie sich irgendwie zusammenraufen, um von diesen Steinen zu entkommen. Es ist eine relativ kurze Geschichte. Okay. Ich habe sie nicht ganz gelesen, aber ich habe sie in meinem Einkaufswagen, weil die kriegt man für, das Buch kriegt man für zwei Euro oder so bei Amazon. Ah, okay. Dann wollte ich einmal reinlesen. Aber ich habe in die 70er-Jahre-Serie reingeguckt. Und gut, dass ich es nochmal neu verfilmt wurde, weil die ist nicht gut. Hm, schade. Also, Marianne Träumt heißt, falls jemand interessiert ist, Marianne Träumt heißt die Serie auch. Mhm. Und es ist schwarz-weiß. Und es hat einfach, es hat keine Bildsprache. Es ist so eine einfache 70er-Jugendtramenserie. Hm. Die eben halt mit den, also man merkt halt, ich glaube, es ist britisch TV, 70er-Jahre. Alles wirkt sehr, sehr plass und kontrastarm. Und es kommt keine richtige Atmosphäre auf. Das Haus sieht ganz gut aus, aber ansonsten ist kein Vergleich zu dem Film. Okay. Ja, gut. Und ich würde mir von diesem Film ein Remake wünschen. Und mein, ach, Guillermo del Toro wäre mein Wunschregisierer. Weil der mit Pan's Labyrinth ja eine ähnliche Geschichte gemacht hat. Ja, das ist ein guter Wunsch. Dann schreib doch mal, Flo. Guillermo del Toro hat wohl selbst irgendwann mal gesagt, dass dieser Film zu seinen Inspirationen gehört. Okay, cool. Bei seinen Werken. Und das sieht man ja auch. Also gerade Pan's Labyrinth ist ja genau dieses Thema. Auch Menschen zwischen Kindheit und Erwachsensein. Ja. Und Traum und Realität, die sich vermischen. Und zwischen Pathos und Horror. Ja. Cool. Pan's Labyrinth habe ich mal in einer Psychologie, ich war mal einfach, habe mich reingesetzt zu einer Lesson. Und da haben sie diesen Film besprochen. Er war vorher angesagt. Wir machen den Abend dann und dann. Ihr habt alle bitte diesen Film gesehen. Und dann wurden die Figuren auseinandergenommen, wer wofür steht und was dahinter steckt. War sehr spannend. Das kann ich mir vorstellen. Ja, gerade bei diesem Film. Gibt es viel zu finden wahrscheinlich. Übrigens interessant, Bernhard Roos hat zu Paper House gesagt, er wollte keinen offenen psychoanalytischen Zugang. Aha. Und deswegen hat er einiges vage gehalten. Und deswegen erklärt er nicht viel. Und er wollte verhindern, dass es zu psychologisch wird. Weil er wusste, dass die Autorin von dem Buch eine Kinderpsychologin ist. Und dass in der Geschichte natürlich sehr viel klassische, freudianische Psychoanalyse steckt. Und er hat offensichtlich bewusst so ein bisschen, gerade am Schluss abgedreht, alles ein bisschen fantastischer und surrealer werden lassen, um dem zu entgehen. Ja. Aber es scheint ja im Original dieses fantastische Element von Marc, dass Marc tatsächlich existiert, schon drin zu sein. Das ist drin im Original. Das wird im Original wohl auch etwas stärker noch hervorgehoben. Also die Beziehung zwischen Anna und Marc ist im Original wohl etwas mehr ausgefächert, etwas mehr erzählt. Okay. Spannend. Ja, alles in allem, für mich, wenn ich mal so einsortieren will, in die 80er, in den Kanonen der 80er Jahre, Filme vielleicht in, ja, düsteren, eher im Mittelfeld, muss ich sagen. Also insgesamt spannend und gut gemacht und gruselig gemacht, aber irgendwie erzählerisch dann doch ein kleines bisschen im Mittelfeld verhaftet und nicht ganz vorne mit. Aber du würdest dich eher beim Horror einordnen derzeit, nicht beim Kinder-Fantasy-Unterhaltung? Ja. Okay. Und Zielpublikum auch eher Erwachsene oder Teenager? Ja, Teenager. Ja, tatsächlich, so 14 bis, weiß ich nicht. Ich hab dich gerade wieder so ein bisschen zucken sehen, das ist schwierig, ne?
Florian Bayer: Ja, ja, ja.
Johannes Franke: Also das hat dem Film auch so ein bisschen das Genick gebrochen, dass er so schwer zuzuatmen ist, weil er hat einfach diese kindlich-naiven Fantasy-Momente und dann hat er diese krassen Horrormomente und es passt beides nicht zusammen. Und das jeweilige Publikum wird sich von den anderen Elementen eher abgestoßen fühlen. Erwachsene gucken auf das kindlich-naiv-kitschig und denken, ah... Ja. Und Kinder gucken auf die Horrormomente. Kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, denken, ach... Ja, ja, ja. Für mich wird der Film immer einen Platz in meinem Herzen haben, einfach weil es der erste Film war, der mir so eine höllische Angst gemacht hat. Ja. Also es gab danach noch Filme, die mir Angst gemacht haben und es gab wahrscheinlich auch noch Filme, die mir ein bisschen mehr Angst gemacht haben. Aber, ja, vielleicht auch nicht. Ja, vielleicht ist es wirklich der Film, der mir, wenn ich meine gesamte Karriere als Filmzuschauer denke, der Film, der mir am meisten Angst gemacht hat. Und das wird wahrscheinlich, diesen Platz wird keinen Film mehr einnehmen, weil ich einfach älter bin und nicht mehr so verängstigt werde von Filmen. Ja. Was cool, spannend. Also gerade solche beeindruckenden Filme, die einen einfach am Anfang seiner Film-Karriere so wahnsinnig beeindruckt haben, das bleibt einfach ein Leben lang, glaube ich. Das sollten wir auch mal in der Top-3 ausmachen. Ja, das finde ich auch schön. Okay, das machen wir dann irgendwie die nächsten Male. Schütteln wir uns die nächste aus dem Ärmel. Genau. Schön. Ja, vielen Dank, Flo. Es war eine sehr, sehr spannende Folge. Vielen Dank. Kann ich nur zurückgeben. Cool. Es war toll, mal wieder Sam Like It Hot zu sehen. Und schön, dass du Paper ausgeguckt hast.
Florian Bayer: Ja, vielen Dank für die Empfehlung.
Johannes Franke: Schön, dass ich mein Herz ausschütten konnte. Dass ich jetzt einfach mal 200 Euro für eine Psychotherapie-Sitzung spare. Dadurch, dass ich hier mein Herz ausschütten konnte. Ich glaube, das hat ganz gut getan. Gerne, immer wieder. Und das nächste Mal dann. Bleibt dran, wenn ihr erfahren wollt, welche therapeutischen Gespräche wir beim nächsten Mal am Laufen haben. Okay, dann vielen Dank und bis zum nächsten Mal. Bis zum nächsten Mal. Ciao. Wir müssen da noch was. Ja, wir haben noch Aufgaben zu verteilen für nächste Woche. Was hast du denn für mich? Ich habe für dich einen Film, den ich selbst noch nicht gesehen habe. What? Der schon sehr lange auf meiner Watchlist steht. Okay. Und den ich so aus einer Mischung aus Angst, Ehrfurcht und Respekt noch nicht angefasst habe. Und ich brauche eigentlich die ganze Zeit eine Ausrede, den endlich mal zu schauen. Okay, das klingt total mystisch. The Man Who Killed Don Quixote von Harry Gilliam. Das ist doch, da gibt, oh, oh, oh. Da gibt es doch diese Doku. Genau. Oh mein Gott. Das ist das Großprojekt von Harry Gilliam, das seit der Idee ungefähr 30 Jahre gebraucht hat, wenn es verwirklicht wurde. Ich dachte, das hättest du schon gesehen. Nein. Und ich bin total gespannt darauf und ich habe ihn schon lange da liegen und denke die ganze Zeit, ach, ich müsste mal irgendwann, ich weiß nicht, ich traue mich nicht und jetzt ist es soweit. Okay. Terry Gilliam hat lange gebraucht, diesen Film zu drehen, ich habe lange gebraucht, ihn zu schauen und dann können wir beide dieses Kapitel abschließen. Okay. Ich werde ihm danach eine persönliche Nachricht schreiben, er wird bestimmt froh darüber sein, dass auch ich abgeschlossen habe damit. Sehr gut. Ich habe für dich Woody Allen. Oha, da gibt es viel. Da gibt es sehr viel, ja. Und ich bin irgendwie, ich habe immer nur die alten Sachen gesehen, die neueren Sachen kenne ich größtenteils gar nicht. Aber mein absoluter Liebling, als ich Anfang 20 war, war Annie Hall. Sehr schön. Unter dem deutschen Titel der Großstadtneurotiker, glaube ich. Der Stadtneurotiker? Der Großstadtneurotiker, ja. Nee, der Stadtneurotiker, glaube ich, rausgekommen. Ja, und wahrscheinlich tatsächlich dem Titel gerechtfertend, sein neurotischster Film. Ja. Persönlichster Film? Keine Ahnung, werden wir feststellen nächste Woche. Okay. Also das heißt, du kennst ihn auch schon? Ja, ich kenne ihn schon und den habe ich auch mehrmals gesehen. Aber bei Woody Allen ist es auch so, dass einzelne Elemente seiner Filme immer so ein bisschen verschwimmen, weil er hat so oft diese Momente, in denen er einfach nur der Neurotische Woody Allen ist. Ja, genau. Das heißt, ich könnte dir jetzt nicht sagen, diese Szene war aus dem Film, diese Szene war aus aus dem Film, weil das alles so durcheinander spielt. Dann guck ihn lieber nochmal an, dann können wir nächste Woche darüber sprechen. Ich freue mich drauf. Okay, sehr schön. Bis dann. Bis dann. Ciao.
