Episode 8: Manche mögens heiß, Paperhouse
Wir reden über die Crossdressing-Komödie „Manche mögens heiß“ aus dem Jahr 1959 und den Gruselfilm „Paperhouse“ aus dem Jahre 1988. Damit haben wir mal wieder zwei Filme vor uns, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Auf der einen Seite ein Komödienklassiker, der in zahllosen Filmkanons ganz oben steht: Mit den Megastars Tony Curtis und Marilyn Monroe und in seiner kurzweiligen Inszenierung komplett darauf ausgelegt, das Publikum mit einem Dauerfeuer an Gags und Action zu unterhalten. Ob dies auch noch über 60 Jahre nach seinem Entstehen funktioniert, ist eines der großen Themen dieser Episode. Auf der anderen Seite steht ein kleiner versteckter Filmjuwel, der nie große Aufmerksamkeit erhielt und dessen Darsteller*Innen nach dem Projekt in der Vergessenheit verschwunden sind. Aber es ist auch ein Film, mit dem Florian viele persönliche Erinnerungen verbindet, vielleicht sogar DER Horrorfilm, der ihn am meisten geprägt hat. Gelingt es, Johannes davon zu überzeugen, dass das hier mehr ist als ein Düstermärchen, das seine besten Jahre hinter sich hat?
Natürlich gibt es auch wieder passende Top 3 Listen: Dieses Mal geht es um die besten Filme, die mit Cross Dressing spielen, sowie das Thema Traum im Film. Nicht einverstanden mit unseren Listen oder unserer Ansicht zu den rezensierten Filmen? Schreibt uns unter florian@mussmansehen.de
Manche mögens heiß [Billy Wilder]
(USA 1959)
DIE Komödie der guten alten Zeit. Naja, sofern man die Zeiten in denen eine Marilyn Monroe sich genötigt sieht das Image der dummen Blondine als Karriereweg für sich in Anspruch zu nehmen, als gute alte Zeiten bezeichnen möchte. Wenn man wie bei so vielen 50er Jahre Filme über das Frauen und Männer Bild dieser Zeit hinweg sieht, kommt man in den Genuss der besten Komödie aller Zeiten wie eine großangelegte Umfrage 2017 in über 50 Ländern ergab. Und ich bin geneigt ihm zuzustimmen. „Some like it hot“ handelt von zwei Musikern, die sich als Frauen verkleiden müssen, um Geld zu verdienen und vor einer Gaunerbande zu fliehen, die ihnen auf den Fersen ist, nachdem sie Zeugen einer Hinrichtung unter Rivalen wurden. Als Damen verkleidet, schließen sie sich einer Frauenkapelle an, die für reiche Hotelgäste spielt. Und es kommt wie es kommen muss, einer der Beiden verliebt sich in die Sängerin der Truppe. Und damit zu dir Plor. Ebenso verliebt in Marilyn Monroe wie Toni Curtis und die ganze Welt damals?
Paperhouse [ Bernard Rose]
(GB 1988)
Paperhouse mit dem deutschen Untertitel “Alpträume werden wahr” ist das Regiedebüt des britischen Regisseurs Bernard Rose aus dem Jahr 1988. Im Mittelpunkt steht die 11jährige Anna, die geplagt von einer schweren Krankheit für längere Zeit zu Hause das Bett hüten muss. Um sich die Zeit zu vertreiben zeichnet sie ein etwas schiefes, etwas krakeliges, aber nichtsdestotrotz schönes Haus in ihr Schulheft. Das aus ihrer Krankheit resultierende Fieber und immer wiederkehrende Ohnmachtsfälle sorgen dafür, dass sie in wiederkehrenden Träumen zu dem Ort reist, den sie zuvor gemalt hat. Um diesen wohnhafter zu machen, ergänzt sie das Bild im Wachzustand nach und nach um weitere Facetten: Treppen, verspielte Räume und den Jungen Marc, der ihr in ihrem Haus Gesellschaft leisten soll. Dabei verschwimmen die Grenzen von Traum und Realität immer weiter. Als sie schließlich ihren ständig abwesenden, alkoholabhängigen Vater in das Bild malt, entwickelt sich das idyllische Traumszenario zu einem schrecklichen Alptraum.
Paperhouse ist ein ungewöhnlicher Hybrid aus Düstermärchen, nostalgischem Fantasyfilm und psychoanalytischem Horror. Ein Film, der sich so sehr zwischen Kindheit und Erwachsensein platziert, dass es schwer ist, das richtige Publikum für ihn auszumachen. Mir hat der Film als Kind eine Heidenangst eingejagt, mich geradezu verstört zurückgelassen. Aber kann er auch ein erwachsenes Publikum in seinen Bann ziehen?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 8: Manche mögens heiß, Paperhouse Publishing Date: 2021-02-24T15:37:53+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/02/24/episode-8-manche-moegens-heiss-paperhouse/
Johannes Franke: I wanna be loved by you, just you. Nobody else but you. I wanna be loved by you alone.
Florian Bayer: Ach, Johannes, ich hab mich gerade wieder neu in dich verliebt.
Johannes Franke: Ah, danke.
Florian Bayer: Happy Birthday.
Johannes Franke: Okay, jetzt reicht's. Okay.
Florian Bayer: I'm a boy, I'm a boy, I'm a boy. Oh boy, am I a boy. Ja, willkommen zum Muss-man-sehen-Podcast, Folge sieben.
Johannes Franke: Nein, stimmt nicht. Es muss Folge acht sein.
Florian Bayer: Es ist sogar schon Folge acht. Ich glaube ja. Bald Jubiläum. Wir müssen uns was für die zehnte Folge ausdenken. Oh, okay. Ich bin gespannt, plor. Mal schauen. Aber das Intro hat schon ein bisschen verraten, worum es heute unter anderem gehen wird.
Johannes Franke: Ja, ich habe einen Film für dich aus den 50er Jahren. Manche mögen es nicht. Das heißt, was hast du denn für mich?
Florian Bayer: Ich habe für dich Paper House aus den 80ern.
Johannes Franke: Sehr schön.
Florian Bayer: Das heißt, wir haben einmal Slapstick-Humor, Billy Wilder, 50er-Jahre, Screwball-Comedy und einmal Gruselfantasy aus den 80ern.
Johannes Franke: Gruselfantasy, ja. Wollen wir schnickschnack-knucken machen, womit wir anfangen? Nein.
Florian Bayer: Nach diesem Lied können wir nur mit Some Like It Hot anfangen. Na gut, okay. Dann würde ich mal sagen,
Johannes Franke: leg einfach los. Ich leg mal los. Ich lese mal mein Intro vor. Manche mögen es heiß. Die Komödie der guten alten Zeit. Naja, sofern man die Zeiten, in denen eine Marilyn Monroe sich genötigt gesehen hat, das Image der dummen Blondine als Karriereweg für sich in Anspruch zu nehmen, als gute alte Zeit bezeichnen möchte. Wenn man, wie bei so vielen 50er-Jahre-Filmen, über das Frauen- und Männerbild dieser Zeit etwas hinweg sieht, kommt man in den Genuss der besten Komödie aller Zeiten, wie eine groß angelegte Umfrage 2017 in über 50 Ländern ergab. Und ich bin geneigt, ihm zuzustimmen. Some Like It Hot handelt von zwei Musikern, die sich als Frauen verkleiden müssen, um Geld zu verdienen und vor einer Gaunerbande zu fliehen, die ihnen auf den Fersen ist, nachdem sie Zeugen einer Hinrichtung unter Rivalen wurden. Als Damen verkleidet schließen sie sich einer Frauenkapelle an, die sie als Frauen verkleidet, die sie als Frauen verkleidet, die für reiche Hotelgäste spielt. Und es kommt, wie es kommen muss. Einer der beiden verliebt sich in die Sängerin der Truppe. Und damit zu Diplor. Ebenso verliebt in Marilyn Monroe wie Tony Curtis und die ganze andere Rest der Welt damals? Nein.
Florian Bayer: Tatsächlich überhaupt nicht. Oh, jetzt bin ich enttäuscht. Wieder optisch noch charakterlich. Besonders in diesem Film. Überhaupt nicht mein Frauentyp.
Johannes Franke: Sie war doch das, das Sexsymbol in dieser Zeit.
Florian Bayer: Und du springst nicht auf diesen schon fahrenden Zug auf. Ich kann auf diesen Zug nicht aufspringen. Und ich finde auch nicht, dass Marilyn Monroe das Highlight des Films ist. Okay, was ist denn das Highlight? Aber ein Film, Billy Wilders Regie. Billy's Wilders, okay. Ganz eindeutig. Ich habe wieder festgestellt, was so großartig an Billy Wilder ist. Und ich muss dazu sagen, ich kenne nicht alle seine Filme. Aber die, die ich kenne, haben doch eine Gemeinsamkeit. Und das ist, dass dieser Mannschaft, unglaublich kurzweilig zu erzählen. Egal, ob in melodramatischer Form oder in lustiger Form. Der Film geht zwei Stunden. Und es ist keine Minute verschwendet. Das ist der Wahnsinn. Es passiert immer etwas. Du hast das Gefühl, jeder Dialog steckt voll mit so viel Wortwitz, so vielen Schlüpfrigkeiten, so vielen Anspielungen und Andeutungen. Und neben dem Wortwitz gibt es dann natürlich noch die Slapstick-Einlagen, die passieren, wie sich die Schauspieler bewegen. Was mit Gesten und mit Mimik ausgedrückt wird. Und es ist einfach ständig Bewegung drin. Das ist großartig. Das ist das, was Billy Wilder kann und was ich an Billy Wilder immer schätze und auch immer schätzen werde.
Johannes Franke: Zwei Stunden. Zwei Stunden ist schon wirklich krass, oder? Und das Studio hat damals gesagt, um Gottes Willen, du musst da mindestens eine halbe Stunde rausnehmen. Und dann ist er noch mal in den Schnitt gegangen und hat genau 16 Sekunden rausgenommen. 60, 16, ich weiß nicht genau. Wie war das?
Florian Bayer: Aber dieser Film hat auch kein Kram zu viel. Es ist unglaublich. Es passiert einfach so viel. Und in jeder Szene ist was los. Und es ist einfach kurzzweilig. Es geht nicht darum, dass das besonders anspruchsvoll und tiefgründig wäre. Aber es ist einfach von Anfang bis Ende ein einziger Rausch Spaß.
Johannes Franke: Es ist schön. Ich freue mich, dass dir das gefällt. Ja, wollen wir einfach mal so ein bisschen durchgehen. Es fängt ja schon an mit der Musik. So ein bisschen wie so eine Varieté-Show. So eine alte. Sagt schon, welche Richtung es gehen soll. Und Comicschrift. Es sagt von Anfang an, wir haben jetzt einfach ein bisschen Spaß. Was sehr verwunderlich ist, dass das erste Screening dieses Films völlig durchfiel. Es hat keiner gelacht. Das Problem ist, dass damals natürlich die Screenings, auch wie heute oft, völlig ohne Vorab-Infos laufen. Und gelaufen sind. Das heißt, die haben mehr oder weniger so ein Melodrama erwartet. Und keiner wusste so richtig einzusortieren, was da jetzt passiert.
Florian Bayer: Wie jetzt Männer in Frauenkreisungen, was ist los? Es ist ja auch wirklich fies, dass man im Intro, wenn man die ironischen Untertöne nicht versteht, von einer, naja, klassischen Gangsterballade ausgehen könnte. Wir sehen am Anfang Prohibition. Wir sehen Ganoven, wie sie ihren Geschäften nachgehen. Wie sie Alkohol schmuggeln. Und die ersten drei Minuten wird kein Wort gesagt. Ja. Wir haben eine Verfolgungsjagd am Anfang. Und Alkohol wird geschmuggelt zu einer Bar. Und da laufen halt, auch wirklich diese klassischen Gangster aus den Nordfilmen herum. Es ist schwarz-weiß, das kommt noch dazu. Es ist ein schwarz-weiß-Film, obwohl er von 1959 ist.
Johannes Franke: Ja, und er hätte überhaupt nicht schwarz-weiß sein müssen. Marilyn Monroe hatte sogar in ihren Verträgen stehen, dass sie jetzt nur noch Farbfilme macht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Für ihr Image und so. Und dann haben sie ihr das irgendwie aufgedrückt. Und haben gesagt, das muss aber sein.
Florian Bayer: Ein Grund mit dafür, dass sie schwarz-weiß gewählt haben, war, dass Billy Wilder dachte, oh je, Tony Curtis und Jack Lemmon sehen in diesen, in diesen Frauenkleidern, wenn das in Farbe ist, so bizarr aus, dass das einfach nicht funktioniert.
Johannes Franke: Ja, ist krass. Und dann hat er sich natürlich künstlerisch auch noch mal daraus gerät und gesagt, nein, das ist ein Period Piece. Das muss schwarz-weiß sein, weil es ja in der Zeit ...
Florian Bayer: 20er Jahre, 1929.
Johannes Franke: 1929, genau.
Florian Bayer: Es gibt Farbfotos. Ich habe jetzt zur Recherche noch mal ... Es sieht wirklich bizarr aus. Ich fand es gar nicht so bizarr. Ganz interessant, dass du es bizarr findest. Ich dachte so, ja, die Schminke ist ein bisschen zu viel.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und sie haben die Beine nicht rasiert. Aber das ... Das war jetzt auch nicht so das große Ding damals, glaube ich.
Johannes Franke: Sie sagen im Film, dass sie sich die Beine rasieren müssen.
Florian Bayer: Ja, aber die Beine sehen ziemlich unrasiert aus auf den Fotos. Und ich finde, ich könnte mir vorstellen, dass der Film auch in Farbe funktioniert hätte. Zumal es so ein bunter Film ist. Das ist eigentlich albern, das bei einem Schwarz-Weiß-Film zu sagen. Aber es ist ein unglaublich bunter Film. Er schreit geradezu nach Farben. Es gibt so tolle Sets. Die Bar am Anfang.
Johannes Franke: Es ist toll. Es stimmt, ich glaube, die Opulenz der Ausstattung und so weiter hätte schon das Schwarz-Weiße disqualifizieren müssen. Aber ich finde, im Gegensatz zu dir, dass die Fotos schon sehr danach ... Es gibt einen seltsamen Übergang der Hautfarbe im Gesicht, die sie wirklich geschminkt haben. Sie haben extra noch mal so eine eigene Layer für die Hautfarbe genommen, die anders war als der Rest. Also man sieht den Übergang sehr stark. Und im Schwarz-Weiß sieht man den einfach nicht. Irgendwie haben die Benutzern ... Irgendeine Technik, um das Gesicht so zu schminken.
Florian Bayer: Aber das Schwarz-Weiß trägt auf jeden Fall dazu bei, dass die Camouflage, die sie betreiben in den Frauenkleidern, dass die glaubwürdiger wirkt. Es ist realistischer als viele Filme, die später gekommen sind. Richtig. In denen Männer sich Frauenkleider anziehen, um sich irgendwo einzuschleichen. Also der Klassiker ist natürlich jetzt Tootsie. Wäre so der erste Film, an den ich denke, wenn es um Crossdressing geht, um irgendwie was zu erreichen oder um sich zu verstecken. Und dann natürlich Stoutfire.
Johannes Franke: Jetzt fängst du schon an. Wir haben eigentlich eine Top 3. Lass uns die Top 3 doch gleich am Anfang durchziehen. Oh nein, die Top 3 am Anfang. Oh mein Gott, sie kommen. Crossdressing. Crossdressing. Ach Floor, komm, Top 3. Dann muss ich auch kurz meine Datei öffnen.
Florian Bayer: Ja. Crossdressing im Film. Und wir haben ... Als wir letzte Woche gesagt haben, das machen wir als unsere Liste, sind wir kurz so ein bisschen ins Trudeln gekommen. Und wir wollen das ganz klar trennen. Weil es sind natürlich zwei Bereiche, die getrennt gehören. Crossdressing auf der einen Seite und Transsexualität auf der anderen. Es geht nicht um Transsexualität, sondern es geht um Crossdressing. Es geht nicht darum, dass jemand eigentlich eine Frau ist. Obwohl er als Mann geboren wurde oder als Mann definiert wurde von der Gesellschaft. Sondern es geht wirklich darum, dass ... diese Rollen-Klischees ... Über die Kleidung. Über die Kleidung transportiert werden. Und es geht auch um Filme, die viel mit diesen Rollen-Klischees spielen. Und die haben mich sehr schwer getan mit dieser Liste, weil es mich wirklich geärgert hat, dass alles ... Es gibt eigentlich nur Komödien. Oder fast nur Komödien, die Crossdressing haben.
Johannes Franke: Ja, es gibt fast nur Komödien, ja.
Florian Bayer: Und selbst die ernsteren Filme sind meistens jetzt nicht unbedingt Meisterwerke ihrer Zunft. Mir ist es wirklich schwer gefallen, so eine Top 3 zusammenzustellen, weil ich das Gefühl hatte, es ist oft so, dass diese Filme ... dass bei diesen Filmen zumindest das mitschwingt, dass sich über Transsexualität lustig gemacht wird. Obwohl die Filme auch oft aus Zeiten sind, in denen Transsexualität noch kein großes Thema war.
Johannes Franke: Ja. Ja, auch mit einer Unbeschwertheit, die man heute nicht mehr hätte. Die auch relativ verwerflich ist, weil man irgendwie diese Transidentität in eine Ecke geschoben hat, die durch die Komödie eben eher ins lächerliche, lachhafte ... Ja, definitiv. ... geschoben wurde. Weswegen eben auch so wichtig ist, dass wir nicht ... nicht über Transsexualität reden, sondern über Crossdressing, was ein ganz anderes Feld eigentlich ist.
Florian Bayer: Genau. Dass der Film das auch nicht mischt. Genau, das sind zwei Felder, die nebeneinander existiert haben und immer noch nebeneinander existieren. Und das sind beide kulturell total interessante Themen. Und es gibt natürlich auch Überlappungen, gerade weil dieses Crossdressing natürlich in der queeren Szene so in den 80ern und 90ern sehr populär war. Und das behaket sich natürlich auch mit Transgender, mit Transgenderaktivismus teilweise. Ja, natürlich. Ich muss an einen relativ aktuellen Fall denken. Ich glaube, das war 2019 oder so. Da gab es, ich weiß nicht mehr, ob es Amerika oder England war, es gab auf jeden Fall eine Art Transgender Love Parade. Und die wurde auch mehrmals wiederholt, soweit ich weiß. Und die Veranstalterinnen haben beim zweiten oder dritten Mal gebeten, dass keine Track Queens mitlaufen sollen, weil die ... Ja, weil nichts Transgender. Genau, weil gerade Transfrauen sich dadurch irgendwie veralbert fühlen. Weil natürlich Track Queens was ganz anderes machen als Transfrauen. Die ganz anders arbeiten. Und für die die Kleidung und das Auftreten als Frau etwas ganz anderes bedeutet. Und das ist ein Spannungsfeld, was uns, glaube ich, noch lange begleiten wird, weil es auch sehr neu ist, ein sehr neues Spannungsfeld. Und weil es natürlich auch für Streit innerhalb der queeren Subkultur sorgt.
Johannes Franke: Ja. Aber ich hoffe auch, dass uns das noch eine Weile begleiten wird, das Thema. Und nicht irgendwo runtergespült wird von anderen Themen, weil das eben wirklich eine wichtige ... Und ich glaube, zur Zeit, wo wir sowieso mit Identitäten zu kämpfen haben, also abseits von, ob jetzt Transgender oder ob irgendwelche anderen Identitätsfragen eine Rolle spielen. Ich glaube, das ist unsere Aufgabe in diesem Jahrhundert, so ein bisschen mit ... Ja, da bin ich ganz bei dir. Ich war ein bisschen traurig, dass ich nicht genug Verfilmungen von Shakespeare-Stücken im Kopf habe. Weil eigentlich jedes verdammte Shakespeare-Stück hat Cross-Dressing. Ich habe keinen einzigen Shakespeare drin, um das gleich zu sagen. Ja, ich auch nicht, weil ich einfach nicht genug Verfilmungen kenne, wo das wirklich toll gemacht ist. Aber in den Stücken ist es einfach ... Und auch, wo es auch ständig passiert, Monty Python.
Florian Bayer: Ja, können wir ganz kurz ... Da muss ich noch mal einlenken. Wir haben gesagt, wir halten Transgender hier raus. Die Frage ist, halten wir es raus, wenn das Cross-Dressing nicht im Film thematisiert wird? Sprich, wenn ein Schauspieler eine Frau spielt oder wenn eine Schauspielerin einen Mann spielt, gehört das auch in diese Liste? Weil es gibt ja die Filme, die Cross-Dressing thematisieren. Und es gibt die Filme, in denen das einfach gemacht wird. Zum Beispiel bei Monty Python. In dieser absurden Szene bei Das Leben des Brian, wo Männer Frauen spielen, die vorgeben, Männer zu sein.
Johannes Franke: Ja, total absurde. Geile Szene.
Florian Bayer: Ich hatte tatsächlich eine Honorable Mention, bei der ich nicht weiß, ob ich sie in die Liste packe, weil es genau darum geht. Ich glaube, es gehört nicht in die Liste. Es gehört nicht in die Liste.
Johannes Franke: Es tut mir leid, aber ich glaube, es gehört nicht in die Liste, weil es im Grunde ja ... Weil es darum nicht geht. Also, weil wir keinen ... Es gibt ja keine ... Obwohl, nein, eigentlich ... Das Thema war Cross-Dressing im Film. Welchen Sinn? Wenn das Ganze verfolgt, das Cross-Dressing ist ja nicht näher definiert. Doch, dann gehört es schon in die Liste. Jetzt bin ich alle verwirrt.
Florian Bayer: Jetzt bin ich sehr verwirrt. Moment, ich muss ganz kurz einmal ... Dann fang du doch einmal an mit deiner Nummer 3. Und dann kann ich kurz gucken, wie ich meine Liste neu händle. Und diesen einen Film als Honorable Mention einfach aufführe.
Johannes Franke: Nein, meine Nummer 3 wäre dann ... Stößt in dieses Horn. Der Lumberjack-Song, ohne dass es Cross-Dressing ist, wird über Cross-Dressing gesungen. Ja, schön. Finde ich großartig. Ja. Also, ganz toller Monty-Python-Moment für mich.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Und auch ein tolles Spiel mit den Klischees eines typisch männlichen Holzfällers. Genau. Der so ein richtig maskuliner Mann ist. Und dann singt, dass er gerne ein Kleid tragen würde. Ja. Und zwar mit voller Inbrunst und voller Freude.
Johannes Franke: Und ja, sehr schöner Kontrast zu den Mitsingen. Mit dem Chor quasi.
Florian Bayer: So, Honorable Mention, verdammt, verbannt, wurde ... Das wäre eigentlich meine Nummer 1. The Wild Boys aus dem Jahr 2017. Ein großartiger Experimentalfilm, Avantgarde-Film. Aha. Der, in dem Frauen eine Gruppe von wilden Jungs spielen, die an merkwürdigen Ritualen teilnehmen und dabei ihre Lehrerin töten. Und deswegen verbannt. Und sie werden verbannt von der Gesellschaft. Es hat so ein bisschen Clockwork-Orange-Feeling. Okay. Und sie fahren dann mit einem rauen Seebären raus auf See und landen auf einer geheimnisvollen Insel, auf der sie dann sich wiederum in Frauen verwandeln, weil diese Insel ihnen die Männlichkeit nimmt. Das ist ein großartiger Film. Ich glaube, ich werde ihn auch irgendwann mal ... Okay. In einem der kommenden Podcasts werde ich dir den vorschlagen. Eine ganz merkwürdige Mischung aus Experimentalfilm und Surrealismus. Und gerade am Anfang ist dieses Cross-Dressing total spannend, weil die ... Du hast die weiblichen Darstellerinnen in den Männerkostümen, die wirklich so alle Klischees der Testoristeron-Schwangeren wilden Raufbolde verkörpern. Ja. Wunderschöner Film. Aber Cross-Dressing wird nicht direkt thematisiert. Und der Film spielt generell sehr viel mit Gender-Identitäten und Auflösung von diesen. Meine Nummer drei.
Johannes Franke: Moment, ganz kurz, nur, dass ich das noch mal verstehe. Der Film verkauft sozusagen ... Die weiblichen Schauspieler erst mal als Männer. Als Jungs, genau. Und zwar nicht mit Augenzwinkern oder mit ... Guck mal, hier sind Frauen in Männerkleidung, sondern sie sagen, das sind Männer.
Florian Bayer: Genau. Aber offensichtlich mit einem Augenzwinkern Richtung vierte Wand, weil es schon sehr offensichtlich ist, dass hier Frauen in Männerkostümen sind. Okay, Graustufe. Graustufe. Meine drei ist auch Monty Python. Ach, schön. Das Leben des Brian. Die genannte Szene finde ich einfach so schön, weil Männer spielen ... Die spielen Frauen, die vorgeben, Männer zu sein. Wundervoll. Und dann haben wir die Monty Pythons, die ihre Stimmen verstellen, damit sie klingen wie weibliche Stimmen. Die versuchen, männliche Stimmen zu imitieren. Ein Höhepunkt des Cross-Dressings. Ja, sehr, sehr gut, ja.
Johannes Franke: Wundervoll. Okay, dann meine Nummer zwei. Victor Victoria. Das ist eine ... Ich muss gerade noch mal mit Julie Andrews ... Ich habe das gesehen vor ein paar Jahren, als ich selber eine Rolle gespielt habe, wo es auch darum ging, hieß auch Victor beziehungsweise Victoria, weil sie sich auf diesen Film bezogen haben, mehr oder weniger. Das war sehr spannend. Ich erinnere diesen Film nicht mehr 100 Prozent, aber ich weiß, dass ich eben so wahnsinnig begeistert und beeindruckt war von diesem Film. Julie Andrews spielt jemanden, die kriegt keine Jobs, glaube ich, und verkleidet sich dann als Mann und hat dann eine Haufen Jobs auf der Bühne.
Florian Bayer: Ah.
Johannes Franke: Und ja, mehr kann ich leider gerade gar nicht dazu sagen, weil ich nicht mehr alles im Kopf habe. Aber ich erinnere mich, dass ich nachhaltig beeindruckt war von diesem Film. Ein Remake offensichtlich. Ja, genau, von einem Film, der 1933 auch schon mal ... Victor Victoria hieß, aus Deutschland.
Florian Bayer: Ja, und der Regisseur ist Blake Edwards.
Johannes Franke: Blake Edwards, ja. Spannend. Kenne ich nicht. Vielleicht musst du dir den einfach mal angucken.
Florian Bayer: Klingt nach einem Film, den ich sehen sollte. Ja, auf jeden Fall. Meine Nummer zwei ist Birdcage. Ach, schön. Das amerikanische Remake. Aha. Ja, tatsächlich. Und für den Grund, warum ich das amerikanische Remake nehme, gibt es einfach ... Der Grund ist einfach ganz simpel. Es ist einfach Nathan Lane, der in diesem Film in die Frauengleider schlüpft und der so fantastisch diese Rolle mimt. Und Robin Williams ist natürlich auch toll. Gene Hackman ist großartig als Konservativer, der dann auch am Schluss in Frauengleider gezogen wird, um inkognito aus dem Club fliehen zu können. Ja. Großartiger Film. Ein Plot kurz zusammengefasst. Es geht um ein schwules Paar, dessen Sohn eine Tochter von einem konservativen Politiker heiraten will. Und der Politiker will mit seiner Frau zusammen zu Gast sein natürlich bei den zukünftigen ... Wie nennt man das? Schwagereltern? Den Schwiegereltern seiner Tochter. Okay. Er weiß aber nicht, dass sie schwul sind. Und deswegen muss einer aus dem Paar die Frau mimen, damit sie wie eine normale ... Konservative Familie wirken. Mann, Frau, Kind. Ja. Und tolle Komödie. Es gibt ein ... Es ist ein Remake. Mhm. Ich glaube, das französische Original, Ein Käfig voller Narren, ist allgemein beliebter und wird allgemein als der beste Film angesehen. Ich ... Es fällt bei mir in die Richtung, ich mag das Remake lieber als das Original. Okay. Vielleicht auch, weil ich das Remake zuerst gesehen habe.
Johannes Franke: Okay. Verstehe.
Florian Bayer: Und weil er mich irgendwie ... Weil er einfach meinen Humor getroffen hat. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Das französische Original gesehen, fand das auch toll. Aber ich werde einfach immer einen Spot in meinem Herzen für das Remake haben. Okay.
Johannes Franke: Schön. Ja, dann werde ich das noch mal ... Ich habe nämlich das amerikanische Remake nicht gesehen. Das sollte ich vielleicht mal tun. Okay. Mein Platz 1. Ich könnte mir vorstellen, dass wir fast den gleichen haben. Das glaube ich auch. Rocky Horror Picture Show? Natürlich. Ja, natürlich. Schön. Das geht nicht über Frankenthaler. Ja, es ist großartig. Ja. Ich hätte auch noch einen kleinen Honorable Mention und einen Hinweis. Charlie Chaplin hat einmal einen Film gemacht, einen Kurzfilm. A Woman heißt das Ding. Und da spielte er eine ... Verkleidete sich als Frau, um mit seiner Geliebten noch mehr Zeit verbringen zu können. Was ein schöner Kurzfilm ist einfach. Stummfilm. Stummfilm. Aus seiner Stummfilmzeit. Ah, schön. Ja. Und er ist wirklich sensationell als Frau.
Florian Bayer: Oh, das will ich sehen. Da bin ich sehr gespannt darauf.
Johannes Franke: Ich habe ihn nicht nochmal geschaut. Ich erinnere mich jetzt aus der Erinnerung. Und dann habe ich ihn in der Recherche als Hinweis irgendwo mal auf einer Webseite gesehen. Und habe gedacht, ah ja stimmt, da war ja was. Großartig.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich muss ihn mir nochmal angucken. Ich habe ihn jetzt noch nicht dazu gekommen.
Florian Bayer: Danke für die Empfehlung.
Johannes Franke: Gerne. Wir kommen zurück zu unserem Film. Oh ja, unser Film.
Florian Bayer: Oh, wir wollten ja einen Film besprechen. Sammleiketort. Jetzt haben wir den ganzen theoretischen Ballast ... Einmal hinter uns gelassen. ... haben wir einmal weggeräumt. Jetzt können wir uns einfach nur über diesen tollen Film amüsieren. Großartig.
Johannes Franke: Um auch, na gut, kurz über die Theorie nochmal reinzukommen in den Film. Für wie schwierig hältst du denn den Film über dieses Frauen- und Männerbild? Kommst du da schnell drüber weg? Oder tut es dir gar nicht so oft weh? Oder hast du irgendwie das Gefühl, ach was, das sind die Zeiten und gut ist.
Florian Bayer: Der Film hat es mir leicht gemacht.
Johannes Franke: Schön.
Florian Bayer: Es gibt viele Filme aus den letzten 30, 40 Filmen. 50 Jahre, die es einem viel schwerer machen. Und das halte ich dem Film auch sehr zugute. Weil die meisten Filme, die dieses Cross-Dressing haben, Mann als Frau inkognito, leben davon, ihr Humor lebt davon, dass der Mann irgendwie als Frau dann besonders stark ist und halt doch diese männlichen Eigenschaften hat. Und irgendwie auch was damit erreicht. Und andere Frauen bewundern ihn. Tootsie ist zum Beispiel so ein Fall, in dem Dustin Hoffman in den Frauenkleidern so richtig auf die Kacke haut. Und er ist einfach die starke Frau. Und er schafft tatsächlich, was für die Frauen zu erreichen. Und das ist natürlich irgendwie problematisch. Weil du hast dann plötzlich diesen White Knight, der sich einfach nur Frauenkleider anziehen muss. Und dann löst er 2000 Jahre weibliche Unterdrückung der Menschheitsgeschichte. Das macht dieser Film nicht. Und das halte ich ihm sehr zugute. Es gibt diese eine Szene, um schon mal ein bisschen vorwegzugreifen, als Jack Lemmon im Aufzug als Daphne von den Millionären angetatscht wird. Und dann kommt er ins Hotelzimmer und regt sich einfach drüber auf. Und dann gibt es einen kurzen Dialog zwischen Tony Curtis und Jack Lemmon. Und wo einfach die Konklusion ist, Shit, so fühlen sich Frauen also.
Johannes Franke: Da siehst du mal, wie es der anderen Hälfte der Menschheit so geht, sagt er, glaube ich, in der Richtung.
Florian Bayer: Genau, das ist so ziemlich eins zu eins, das Zitat. Und davon hat der Film viel. Und er verzichtet komplett auf diese Momente, dass die Männer, wenn sie in Frauenkleidern schlüpfen, die besseren Frauen sind. Und das finde ich toll. Das ist wirklich viel wert. Weil so viele Filme machen das anders. Und das Missed-Out-Feier, irgendwie auch schon so ein Klassiker, ist aus den 90ern mit Robin Williams in Frauenkleidern. Das ist übrigens ein schrecklicher Film. Ich habe noch mal 1, 2, 10 daraus geguckt, weil ich mich einfach daran erinnern wollte. Und dachte, oh, was für ein schlimmer Film.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Da ist es zum Beispiel so, dass Robin Williams als Missed-Out-Feier dann so richtig schön autoritär auftritt und den Kindern ordentlich in den Hintern tritt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und er macht das natürlich, weil er als Mann die bessere Frau ist. Und das ist ... Cringe. Und wie gesagt, Tootsie habe ich schon erwähnt, macht das genauso. Und es gibt wahrscheinlich noch ... zig andere Filme, die das auch so machen. Und es ist genau cringe, jedes Mal. Ja. Und das macht dieser Film überhaupt nicht. Sehr schön. In keiner einzigen Szene. Deswegen hat er es mir sehr leicht gemacht.
Johannes Franke: Ja. Wo ich Schwierigkeiten dann hatte eben, was aber auch Billy Wilder, glaube ich, öfter hat, war dieses Frauen, die sich einen reichen Mann angeln müssen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das war halt für mich dann doch schwer.
Florian Bayer: Wenn wir über problematische Frauenbilder reden, dann müssen wir über die Rolle von Marilyn Monroe reden. Ja, dringend. Marilyn Monroe als das naive, dumme Plänschen, das sich unbedingt einen Millionär wünscht.
Johannes Franke: Das ist schon hart.
Florian Bayer: Ja. Und die dann auch mit Tricks dazu gebracht wird, einem vermeintlichen Millionär zu verfallen. Das ist nämlich dann Tony Curtis. Ich muss einmal kurz auf den Rollennamen gucken. Ich sag jetzt die ganze Zeit Tony Curtis Joe. Joe tritt ja als Josephine auf und verliebt sich in Marilyn Monroe, die Shuka Kane spielt. Und erfährt durch intime Gespräche mit ihr, was sie sich wünscht von einem Mann, was sie sich erträumt. Und das ist natürlich ein Millionär, der groß ist, der reich ist, der ihr alles geben kann, was sie möchte, der eine Brille trägt. Das ist eigentlich noch ganz süß. Oh, ich will ins Mikro kotzen. Das erfährt er alles von ihr. Und dann spielt er diesen Millionär und gibt diesem Millionären einen kleinen Tick. Er sagt nämlich, er ist ein frigider Millionär und er hat keine. Er hat er kann keine, keine Romantik und keine. Keine Sexualität entwickeln, weil er einen ein Trauma mit sich trägt. Dieses über dieses Trauma müssen wir gleich noch sprechen und bringt sie so dazu, dass sie versucht, ihn zu verführen und alles auffährt, was sie auffahren kann. Und er spielt dabei cool und sie verfällt ihm dadurch umso mehr. Dieser ganze Charakter von Marilyn Monroe. Diese Shuka Kane ist ein katastrophales Frauenbild, was da vermittelt wird von vorne bis hinten.
Johannes Franke: Und weißt du, Marilyn Monroe hat zu dieser Zeit schon wirklich verzweifelt versucht, ernsthafte Rollen spielen zu dürfen und sie durfte es wieder nicht. Und ich muss ihr das sehr zugutehalten, dass sie es geschafft hat, dass. Da muss viel Hirnschmalz reingefallen sein von ihr in diese Rolle, um das noch mal zu schaffen, obwohl sie eigentlich die ganze Zeit sie hat angefangen mit Lise Strasberg zu arbeiten damals und mit Paula Strasberg. Die beiden, die so berühmt geworden sind für ihre Schauspieltechnik. Also vor allem Lise Strasberg. Ich weiß nicht, von ihr höre ich immer so wenig, schade eigentlich. Und sie war die ganze Zeit am Set mit und hat und dann hat Marilyn Monroe nach jedem Take erst mal zu Paula Strasberg geguckt. War das okay? War es gut? Weißt du, das sagt so viel aus.
Florian Bayer: Es gibt diesen Gossip vom Set, dass Marilyn Monroe damals echt durch war.
Johannes Franke: Ja, war sie auch.
Florian Bayer: Auf Tabletten abhängig und keine Konzentration und dass sie teilweise unfassbar viele Takes brauchte, um ihre Zähne aufzunehmen. Ja. Und das ging dann so weit, dass offensichtlich. Tony Curtis und Jack Lemmon gewettet haben, wie viele Takes sie braucht und wie sie es beim nächsten Mal vergeigen wird. Ja, was total eine echt traurige Nebengeschichte ist, weil sie spielt schon dieses dumme Pläntchen und dann ist sie offensichtlich drogenabhängig, hat offensichtlich, schleppt offensichtlich einen ganzen Sack voll Probleme mit, der es ihr schwer, die es ihr schwer machen.
Johannes Franke: Ja, es gibt diese eine Szene, wo sie einfach nur an der Tür klopfen soll und sagen soll It's me Sugar.
Florian Bayer: Ja, genau.
Johannes Franke: Und dann hat sie 83 mal gedreht, weil sie. Sie hat es nicht hingekriegt.
Florian Bayer: Sie hat die Worte durcheinander geworfen. Sie hat diesen einfachen Satz, der aus vier Worten besteht, drei Worten. Ja. Hat sie einfach nicht vernünftig hingekriegt und hat immer mal wieder die Worte durcheinander gewürfelt. Es ist traurig auch irgendwie. Also ich meine, es klingt so, wenn man es, wenn man es liest, klingt es auch wie lustiger Gossip und so. Hey, das dumme Pläntchen am Set. Aber es ist eigentlich total traurig.
Johannes Franke: Es ist unglaublich traurig, weil sie auch nicht.
Florian Bayer: Drogenabhängige Frau haben, die eigentlich gerne was Ernsteres spielen wollen würde.
Johannes Franke: Und sie ist nicht dieses dumme Pläntchen gewesen, für das sie sich. Sie hat sich so bewusst dafür entschieden. Sie hat ja wirklich, es gibt ein paar Zitate von Leuten, die sie gut kannten, die gesagt haben, sie hat genau gewusst, was, welchen Pfad beschreite ich da und was muss ich machen, um bestimmte Sachen machen zu können, um bestimmte Sachen drehen zu können. Und dann hat sie sich dieses Image einfach ausgesucht und hat auch Vorbilder genannt, nach denen sie agiert und so. Und die, die, man merkt an ihrem Spiel, dass sie nicht so doof sein kann, weil du kriegst es nicht. Du kriegst es nicht gespielt, wenn du diese Reflexionsebene nicht hast in deinem Kopf. Es funktioniert halt einfach nicht. Und es ist spannend und deswegen habe ich, finde ich, Marilyn Monroe so eine wahnsinnig tragische Figur, weil sie sich nur drei Jahre später, drei Jahre nach diesem Film, hat
Florian Bayer: sie sich umgebracht. Ja, mein Lieblingsfoto von Marilyn Monroe ist, wie sie am Strand sitzt, glaube ich. Und Ulysses liest von James Bond, einer der komplexesten Romane der Moderne, wahrscheinlich einer der schwierigsten Romane, die je geschrieben wurden. Ja. Und das ist so ein unglaublich schönes Bild, weil es eben genau mit diesem Klischee bricht, dass sie immer mit sich rumgetragen hat. Sie ist irgendwie das naive Blondchen, das sich auch intelligente Männer schnappt. Ja, sie hat mit Arthur Miller zu tun. Genau, Arthur Miller. Aber das ist halt auch, das passt auch irgendwie zum Klischee, dass man sagt, naja, sie ist das naive Blondchen, das sich einen reichen, hoch angesehenen Autoren schnappt und irgendwie das ein bisschen von seiner Intelligenz auf sie abfärbt. Es gibt einfach dieses Klischee und das ist so schön, wenn das gebrochen wird. Und ich liebe dieses Bild von ihr, weil das auch kein... Nicht wie ein gestelltes Foto aussieht, sondern sie ist über das Buch gebeugt und sie liest wirklich konzentriert.
Johannes Franke: Ja, sie ist wirklich... Und Arthur Miller hatte ja dann auch noch dieses Drehbuch geschrieben für sie, dieses tragische, was dann, also dieses dramatischere, Namen vergessen, zwei Filme später hat sie das dann gedreht und es gab ganz große Probleme damit und ich glaube, es ist nicht fertig geworden.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich glaube, es ist der Film, wo sie dann am Ende sie einmal umsetzen wollten, das hat aber nicht geklappt oder was. Und dann... Ist der Film nie... Ist er eingestampft worden. Also es ist sozusagen... Also die ganze Geschichte ist tragisch, aber ich finde bei Manche mögen es heiß, hat sie es wirklich geschafft, da nochmal alles voll reinzulegen und das alles nochmal, also diese Figur, die von ihr verlangt wurde, wirklich 100 Prozent und richtig gut und überzeugend zu spielen. Auch wenn die Figur nicht schön ist, die sie erzählen, aber sie hat es geschafft, das zu machen und das finde ich schon beeindruckend.
Florian Bayer: Ich finde halt, diese ganze Rolle... Diese ganze Figur ist so daneben. Ich erkenne da auch... Ich erkenne da einfach keine große Kunst. Ich weiß nicht, ob man... Vielleicht kann man da Nuancen erkennen von Man of Mono's Spiel. Doch, schon auch. Aber ich sehe letzten Endes einfach nur diese wirklich merkwürdige Rolle, die als Eye-Candy dient, die als Love-Interest dient und die sonst aber nicht besonders spannend ist und die dann auch nicht besonders spannend gespielt ist, sondern genau das macht, was sie sollen. Das macht sie, du hast recht. Das macht sie. Das macht sie natürlich perfekt in dieser Rolle. Sie spielt das naive, dumme Pläntchen. Ja, genau. Und sie setzt da auch alles rein, aber das ist mir dann auch irgendwie zu wenig. Ja, natürlich.
Johannes Franke: Also überhaupt als Figur, für jede Figur wäre das viel zu wenig. Das ist schon klar.
Florian Bayer: Du hast in deinem Intro gesagt, dass sich beide in sie verlieben. Dass sich nur Tony Curtis Joe in sie verliebt. Aber das Spannende an dem Film ist ja, und was ich wirklich gut fand... Stimmt, du hast recht. Nicht nur Joe verliebt sich in sie, sondern auch Gerald, Jerry, der von Jack Lemmon gespielt wird. Und der in den Filmen dann... Der in der Rolle der Daphne schlüpft, den ich übrigens auch die ganze Zeit besser fand als Tony Curtis. Ich liebe Jack Lemmon und Jack Lemmon spielt diese Rolle so toll. Man kann einfach Jack Lemmon immer, immer angucken. Also der ist einfach großartig. Vor allem sein Kampf mit seiner Männlichkeit. Jack Lemmon, die Rolle Jack Lemmons, gibt diesem Film eine Tiefe, die man so nicht unbedingt erwarten würde, weil er spielt wirklich mit den Rollenklischees und er kämpft vor allem mit den Rollenklischees. Ihm fällt es am Anfang am schwersten, sich in diese Frauenrolle reinzudenken. Es gibt dieses berühmte... Das... Dass Joe zu ihm sagt, so jetzt musst du ganz oft sagen, I'm a girl, I'm a girl, I'm a girl. Weil sie sind zusammen im Zug mit diesen ganzen hübschen Frauen. Ja. Und er ist so total rollig, man kann es nicht anders sagen. Oh Gott. Und Joe sagt ihm dann die ganze Zeit, nein, du bist ein Männchen, du bist ein Männchen, du bist ein Männchen. Und dann gibt es diese Umkehrung später, wenn er von dem Millionär angekramt wird und diesen Millionär auch einfach mal verfällt. Und einfach das toll findet, dass er umworben wird, das toll findet, dass er Geschenke kriegt. Ja. Ja. Ja. Tatsächlich, es wird nicht so inszeniert, dass er den einfach ausnutzen will, sondern er findet das klasse. Er geht da voll auf in dieser Rolle als Frau.
Johannes Franke: Das ist so großartig.
Florian Bayer: Und dann muss er sich sagen, I'm a boy, I'm a boy, I'm a boy.
Johannes Franke: Oh boy, am I a boy. Es ist unglaublich. Und es ist, es gibt eine schöne Anekdote, wie, er hat ja diese Rasseln die ganze Zeit in der Hand während dieser Szene. Während er, er hat halt den Abend zuvor, hat er zusammen mit dem Millionär, der, der sie ihn umworben hat, ist Hans. Ja. Ja. Ja. Ja.
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Johannes Franke: Ja. Ja. Ja.
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Johannes Franke: Ja. Ja. Ja. Ja. Ja.
Florian Bayer: Ja. Ja. Ja. Ja.
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Florian Bayer: Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja.
Johannes Franke: Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja.
Florian Bayer: Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja.
Johannes Franke: Ja. Ja.
Florian Bayer: Ja. Ja. Ja. Ja.
Johannes Franke: Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja.
Florian Bayer: Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja.
Johannes Franke: Ja. Ja.
Florian Bayer: Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja.
Johannes Franke: Ja. Ja. Ja.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja.
Johannes Franke: Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja.
Florian Bayer: Ja. Ja. Ja.
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Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja.
Johannes Franke: Ja. Ja. Ja.
Florian Bayer: Ja. Ja.
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Florian Bayer: Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja.
Johannes Franke: Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja.
Florian Bayer: Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja.
Johannes Franke: Ja. Ja. Ja. Ja.
Florian Bayer: Ja. Ja. Ja.
Johannes Franke: Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja.
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Johannes Franke: Ja.
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Florian Bayer: Ja. Ja. Ja. Ja.
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Johannes Franke: Ja.
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