Episode 18: Tatis herrliche Zeiten (Playtime), Die Rechnung ging nicht auf (The Killing)
In unserer 18. Episode kommen wir zu einem epischen Zweikampf zwischen Frankreich und den USA. Playtime von Jaques Tati ist eine ungewöhnliche Slapstickkomödie zwischen Utopie und Dystopie. Das Frühwerk von Stanley Kubrick The Killing ist ein kleiner, dreckiger und roher Pulp Thriller zwischen Film Noir und Gangsterballade. Auf der einen Seite haben wir also die Monumentalversion, feinsinniger, intellektueller und vor allem französischer Komik, auf der anderen Seite haben wir ein Destillat des knüppelharten, amerikanischen Krimis. Ob wir mit der Wahl des jeweils anderen etwas anfangen können, führt in dieser Episode zu heftigen Rededuellen.
Für Harmonie dagegen sorgen unsere dazu passenden Bestenlisten. Wir werfen einen Blick auf die besten nonlinear erzählten Geschichten und schwelgen in den schönsten Filmen in, von und über Paris.
Playtime [Jaques Tati]
(Frankreich 1967)
Man kann Jacques Tati als Komiker beschreiben. Wenn man gewillt ist hinter die Komik zu schauen, kann man ihn auch als Zivilisationskritiker oder gar als Visionär bezeichnen. Gerade letzteres wird in seinem 4. Film Playtime deutlich, vor dessen Hintergrund all seine vorherigen Filme wie Fingerübungen für genau dieses Meisterwerk wirken. Playtime ist eine Zukunftsvision. Monsieur Hulot erlebt die Zukunft, viel mehr lässt sich kaum dazu sagen. Es werden einfach Situationen aneinander gereiht, die keinem erkennbaren dramaturgischen Erzählstrang folgen.
Er schlachtet in diesem Film einfach all seine Trademarks aufs äußerste aus. Seine langsame Erzählweise, die dadurch erst ihre Absurditäten preisgibt. Die leise und bedächtige Komik, die nie in große Slapstick ausartet. Der Verzicht auf allzu viel störende Handlung. Die Modernismuskritik. Die Liebe zum Detail. Selbst sein charakteristisches Kostüm, lässt er hier absurd oft auftreten, ohne dass wirklich seine Person drin steckte. All das wird einem in diesem Film 2 Stunden lang um die Ohren gehauen. Wenn man seine Erzählweise mag, wird man diesen Film lieben. Plor hast du den Film geliebt?
Die Rechnung ging nicht auf [Stanley Kubrick]
(USA 1956)
Regisseur Stanley Kubrick kennt man vor allem als strengen und präzisen, in seinem Perfektionismus oft tyrannischen Autorenfilmer, der in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts große Meisterwerke des amerikanischen Kinos geschaffen hat. Egal ob seine Filme im Weltraum, im Krieg, im historischen Setting oder in einer dystopischen Zukunft spielen, sie besitzen immer etwas Epochales, Monumentales und zugleich etwas Kaltes, Steriles, was ihnen eine gewaltige und gewalttätige Größe gibt.
Sein Frühwerk und dritter Langfilm The Killing – zu deutsch Die Rechnung ging nicht auf – aus dem Jahr 1957 besitzt wenige dieser Trademarks. Die Geschichte eines perfekt geplanten Überfalls auf die Geldreserven einer Pferderennbahn ist Pulp der alten Schule: Ein kleiner, dreckiger und roher Film, der kein Gramm Fett zu viel auf den Rippen hat. Kubrick gestaltet hier einen makaberen Thriller zwischen Film Noir und Gangsterballade, der vor allem durch seine verschachtelte Struktur einen nicht zu leugnenden Einfluss auf den postmodernen Gangsterfilm eines Guy Ritchie oder Quentin Tarantino hatte.
Kein typischer Kubrick aber dennoch ein spannender Genrefilm? Was denkst du Johannes?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 18: Tatis herrliche Zeiten (Playtime), Die Rechnung ging nicht auf (The Killing) Publishing Date: 2021-05-05T13:57:07+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/05/05/episode-18-tatis-herrliche-zeiten-playtime-die-rechnung-ging-nicht-auf-the-killing/ Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast? Nein, eigentlich nicht, aber ich. Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können. Wie wär's mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee. Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme. Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeig dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest. Das heißt so Musicals aus den 50ern? Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme? Mit russischen Untertiteln, von mir, für dich. Oh Gott, okay. Aber du weißt, dass das für Menge Streit sorgen kann. Definitiv, das wird lustig. Tada, da sind wir wieder. Ich hab jetzt angemacht, bevor wir klären konnten, welcher Film als erstes ankommt. Ich will keinen Schnick Schnack Schnuck spielen. Nein, wir spielen keinen Schnick Schnack Schnuck. Wir machen folgendes. Wir diskutieren aus, welcher Film der bessere ist und der kommt dann als erstes dran. Okay, aber dann werden wir ganz lange drüber diskutieren. Mein Film hat aber... Oh, welcher Film ist der bessere? Das ist wirklich eine schwere Frage. Was würdest du denn sagen? Also, filmhistorisch betrachtet und was Technik betrifft, würde ich Tati sagen. Das ist der bessere Film. Aber was Vergnügen betrifft, den ich beim Schauen hatte, ganz eindeutig Kubrick. Oh nein. Und jetzt bist du dran. Ich würde dir nicht wirklich zustimmen, aber ich ahne, wo du aus welcher Ecke kommst, weil Kubrick den Film mehr geradeaus erzählt als Tati. Also Tati hat keinen Film erzählt, sondern ganz viele Episoden. Du gibst das Stichwort, wir fangen einfach mit Tati an, weil wir letzte Woche meinen Film als erstes haben. Nein, jetzt gekrebst du meinen Versuch, uns in ein Streitgespräch zu verwickeln. Das Problem ist, wir spoilern die ganze Folge. Ja. Und dann eine riesige Diskussion über die Qualität der Filme. Und das Publikum sitzt da und denkt so, okay, ihr könnt ja wenigstens so eine kleine Einführung geben. Okay, dann herzlich willkommen beim Muss-Man-Sehen-Podcast. Wo Johannes und ich über Filme diskutieren. Und zwar, er hat einen Film für mich, ich habe einen Film für ihn. Und wir hoffen, dass wir den Horizont des jeweils anderen erweitern können. Und oh boy, diese Woche mein Horizont erweitert. Oh schön. Oh boy, bin ich nicht erweitert worden. Na ja. Okay, dann fangen wir doch mit meinem Werk an. Und ich gebe eine Einführung in Jacques Tati's Playtime. Man kann Jacques Tati als Komiker bezeichnen. Wenn man gewillt ist, hinter die Komik zu schauen, kann man ihn auch als Zivilisationskritiker oder gar als Visionär bezeichnen. Gerade letzteres wird in seinem vierten Film Playtime deutlich. Vor dessen Hintergrund all seine vorherigen Filme wie Fingerübungen für genau dieses Meisterwerk wirken. Playtime ist eine Zukunftsvision. Monsieur Hulot erlebt die Zukunft. Viel mehr lässt sich kaum dazu sagen. Es werden einfach Situationen aneinander gereiht, die keinem erkennbaren dramatogischen Erzählstrang folgen. Er schlachtet in diesem Film einfach all seine Trademarks aufs Äußerste aus. Seine langsame Erzählweise, die dadurch erst ihre Absurditäten preisgibt. Die leise und bedächtige Komik, die nie in großes Laptic ausartet. Der Verzicht auf allzu viel störende Handlungen. Die Modernismuskritik. Die Liebe zum Detail. Selbst sein charakteristisches Kostüm lässt die Herr Absurd oft auftreten, ohne dass wirklich seine Person drin steckte. All das wird einem in diesem Film zwei Stunden lang um die Ohren gehauen. Wenn man seine Erzählweise mag, wird man diesen Film lieben. Flor, hast du diesen Film geliebt? Uff, das ist gleich die härteste Frage am Anfang. Johannes, möchtest du Tee haben? Ja gerne, Tee. Lenk mich ab vom Thema. Lange Pause. Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, uff. Das war tatsächlich, also ich würde von mir behaupten, ich habe schon viele Filme gesehen. Und schon viele abstrakte Filme und Surrealfilme und experimentelle erzählte Filme. Und auch wenn das mit Sicherheit nicht der experimentellste Film war, den ich je gesehen habe, war das doch tatsächlich ein Filmerlebnis, das ich in der Form noch nie hatte. Also wirklich nochmal, also auch beim experimentellen Kino ist es so, irgendwann denkst du, okay, ich kenne das alles, ich habe schon gesehen, wie Zeiten durcheinander gewürfelt werden, ich habe gesehen, wie Realität und Fiktion vermischt werden, wie Geschichten aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt werden. Aber so eine Art von Film habe ich definitiv noch nicht gesehen. Toll. Die Frage habe ich ihm geliebt. Ich kann nur nochmal mit uff antworten. Ich weiß es nicht so genau, ich finde, er hat was. Ich sehe auch total, wo die Kritiken herkommen, die sagen, das ist ein Meisterwerk, das muss man gesehen haben, einfach weil er wirklich so eigenständig ist wie kein anderer Film. Aber in dieser Eigenständigkeit ist er unglaublich anstrengend. Und natürlich auch mit all dem, was er beabsichtigt, dieses Angestrengte, dieses Anstrengende, das gehört ja auch einfach dazu. Ja, das ist wichtig. Wir sind ja auch die, die genau wie die Protagonisten und Protagonistinnen gestresst werden sollen durch dieses Gewusel. Aber solch ein krasses Wimmelbild von einem Film, wo ständig Leute übereinander und durcheinander stolpern, wo du einfach nur diese Panoramen hast von einer Szene, in der 50 bis 100 Leute gleichzeitig Dinge tun und du merkst, an jeder Ecke passiert was, nichts wird in den Fokus gerückt. Ich fand das ab einem gewissen Punkt einfach krass ermüdend und anstrengend, weil es so ungefiltert war einfach und weil es einfach Kopfschmerz war. Ich hätte die letzte Woche die Erlaubnis geben sollen, den Film in den Tappen zu gucken, wie ich ihn auch mal irgendwie. Weil es ist tatsächlich so, man nach einer halben Stunde denkt man, jetzt brauche ich vielleicht mal kurz einen Kaffee oder sowas oder ich brauche mal Ablenkung woanders oder so. Aber ich finde, es lohnt sich trotzdem volle Kanne. Ich hatte jetzt Besuch von meiner Mutter. Und wir haben ihn zusammen nochmal gesehen. Dann habe ich Notizen gemacht. Und ich war nicht nur über den Film amüsiert, sondern auch über meine Mutter amüsiert, die neben mir saß und sagte, wie der Film überhaupt, dass ich mitkomme. Der Film will, dass du verloren gehst. Das ist das zentrale Element des Films. Monsieur Hulot geht verloren und wir sehen gar nicht so viel von Monsieur Hulot. Das ist ja das Krasseste. Es war immer so, wenn Monsieur Hulot dann mal durchs Bild stoppt, dann denkst du, ja danke, da ist etwas woran ich mich festhalten kann. Was passiert jetzt mit ihm? Du kommst zu einer Reisetruppe und drückst ihn weg und plötzlich stehen wir irgendwo ganz anders. Suchen verzweifelt nach Hulot, sehen, dass da links am Bildrand irgendjemand gerade irgendwas Komisches macht. Wir müssen unbedingt drüber reden oder eher diskutieren, wie dieser Film Humor versteht, weil es ist kein Humor. Es ist kein Laugh Out Loud Slapstick. Überhaupt nicht. Und du merkst, dass dieser Film als Witz gedacht ist, als epischer Witz ohne Poente. Und das macht er auch irgendwie, das erfüllt er auch irgendwie, weil es irgendwie die ganze Zeit so einen komischen Humor mit sich trägt, weil alles absurd ist und alles albern ist, was passiert. Und du verpasst halt die Hälfte. Du merkst, du müsstest diesen Film eigentlich 100 Mal gucken und dann jedes Mal deinen Blick auf einen anderen Bildausschnitt richten, weil Sachen parallel passieren, weil Leute sich unterhalten und du verstehst kein Wort. Ich muss genau das sagen. Ich habe diesen Film jetzt in kürzester Zeit eben zwei Mal gesehen. Einmal ohne meine Mutter und dann noch mal. Und jedes Mal wird einem der Film klarer. Man muss ihn mehrmals sehen. Und das sind halt zwei Stunden, die man noch mal und noch mal gucken muss. Aber ich finde absolut, dass sich das lohnt, weil er so viel rein inszeniert und so viele Details hat und so dolle irgendwie, du hast so, ich weiß nicht. Jedes Mal beim neuen Gucken fällt dir auf, die Brille kommt später noch mal wieder oder da in der Restaurantszene ganz hinten in der Ecke passiert noch mal was Wesentliches, was irgendwie richtig witzig ist. Klar hast du nie diese Momente, wo du so richtig laut lachst. Wobei das stimmt nicht ganz. Ich habe die Momente, aber ich glaube, ich bin einfach da sehr getriggert. Ich mag das einfach zu sehr. Ich liebe die ganzen Einfälle, die in diesem Film stecken. Und deswegen werde ich ihn auch noch drei oder vier Mal gucken. Er zwingt einen ja auch quasi dazu, ihn mehrmals zu gucken, um vielleicht das generelle Setting mal so zum Reißen. Er spielt in einem futuristischen Paris und es gibt wirklich nur so eine Hand voll von Szenarien, von Orten, in denen wir uns bewegen. Einige werden relativ kurz gezeigt, andere sehr lange und sehr ausgedehnt. Und in diesen Szenarien erleben wir tatsächlich einfach Wimmelbilder. Wir sehen Leute, die Dinge tun. Monsieur Hulot ist einer von wiederkehrenden Charakteren, der durch diese Wimmelbilder stolpert. Aber er steht keineswegs so krass im Zentrum, wie man es erwarten würde. Sondern es wird auch immer viel Zeit dafür aufgebraucht, einfach zu zeigen, was die anderen Menschen tun. Gleichzeitig. Gleichzeitig. In einem Restaurant. Das ist das Setup, was am längsten gezeigt wird. Wir sind in einem Restaurant und sehen, wie Vorbereitungen für das abendliche Dinner getroffen werden. Und dann sehen wir, wie Kellner durcheinander stürzen, übereinander stolpern, wie da was aufgebaut wird, hier was gekocht wird, hier was angerichtet wird, hier nochmal Stühle korrigiert werden. Und Tati setzt fast konsequent auf Totalen. Das heißt, wir haben dieses breite Bild. Und wir sehen einfach nur diese Totale. Und Leute quatschen durcheinander und stolpern übereinander. Und er hat es extra in 70 mm gedreht, weil das das Format ist, nicht im digitalen, sondern analog gedreht damals. 70 mm bedeutet, dass du die meiste Information in das kompakteste Bild bekommst. Also, so viel wie möglich kann passieren gleichzeitig im Bild, ohne dass du den Bildausschnitt verändern musst. Und es gibt null Fokus. Du hast diese Panoramen. Das sind die Zähne, bei denen ich am ehesten lachen musste. Ich musste nie, aber es gibt einzelne Zähne, in denen ein bisschen weniger passiert und in denen dann mal die Protagonisten, Ullo, meistens im Fokus stehen und tatsächlich man sich auf das, was ihnen geschieht, konzentrieren kann. Da waren einige Zähne dabei, die ich lustig fand. Aber ansonsten ist es eher so ein Setting, das so auf ein permanentes Schmunzeln setzt. Weil es ist einfach witzig, wie alle Menschen, die sich in dieser Welt bewegen, überfordert sind von dieser Welt, von ihrer Technik, von ihren Dekors, von ihrem Design. Natürlich ist es wirklich nicht schwierig, viele Sachen auf der Habenseite zu finden, was das betrifft. Großartige Architektur. Ja, Wahnsinn, er hat das gebaut. Er hat ja extra ein Set gebaut, für viel, viel Geld. Und dann gab es auch noch einen Sturm, der das Ganze zerstört hat und dann irgendwie 1,6 Millionen Fr. gekostet hat, das wieder aufzubauen. Also, der hat wirklich auch Pech gehabt damit. Aber es war einfach schweineteuer bis dahin. 17 Millionen Fr., was damals wohl so 3,4 Millionen Dollar entsprochen hatten. Sie hatten ihr eigenes Kraftwerk. Ja, genau, Powerplant. Sie hatten ein eigenes. Es waren zwei große Gebäude, die sie gebaut haben, mit Ampeln und Straßen und allem drum und dran. Das haben die alles gebaut, damit es genau so aussieht, wie es soll. Und ich finde, es geht voll auf. Also, das, was er davor hatte, was die Architektur betrifft, auf jeden Fall. Du bist einfach erschlagen von dieser Umgebung. Du hast vorhin gesagt, es ist eine Zukunftsvision. Ich habe das letzte Mal auch gesagt, das ist doch dieser Science-Fiction-Film. Würde ich ein Fragezeichen tatsächlich dran machen, weil er sehr abstrakt mit dem Konzept Zeit umgeht in dem Film. Es gibt definitiv diese futuristischen Elemente, wo ganz klar ist, das entspricht nicht dem Stand der Technik der 60er-Jahre. Vieles von dem Futuristischen, was er so zeigt, gerade was Design betrifft, was Dekor betrifft, findet man auch in der damaligen Zeit diesen Hang zum zukünftigen, zum utopischen. Und er übertreibt es nicht. Es ist nie so der Moment, wo du das Gefühl hast, jetzt erzählt er aber wirklich, dass das eine Gesellschaft im Jahre 2020 sein soll. Das ist richtig, ja. Sondern es bleibt diese Ebene, ja, das könnte in unserer Zeit sein. Die Stadtplaner sind einfach amok gelaufen. Na ja, natürlich. Ich glaube, das, was Tatita will, ist natürlich die gegebenen Umstände kritisieren. Den Hang der damaligen Zeit und auch unserer heutigen Zeit zum radikalen Modernismus. Und das, ich finde es total geil. Ich finde diese Zivilisationskritik, die da drin steckt, so wahnsinnig cool. Und es ist natürlich total pointiert, dass wir auch Opfer werden von diesem Modernismus. Und natürlich in diesem Film. Wir stolpern durch diese Umgebung wie der Protagonist und wir fühlen uns einfach verloren. Und wir wissen, oh Gott, wo werden wir jetzt hingedrängt? Und nein, es eröffnet sich ein neuer großer Raum. Büros sind wie Labyrinthe gebaut. Im wahrsten Sinne des Wortes, wo man sich nicht zu leicht findet. Es gibt diese eine tolle Szene ganz am Anfang, wenn er hat ein Date in einem Büro, er muss sich offensichtlich mit irgendeinem Geschäftsmann treffen. Wir erfahren nicht viel darüber, weil dieser Film praktisch keine Dialoge hat. Man denkt ganz oft, jetzt sag doch was! Wenn du was sagen würdest, dann würdest du nicht von A nach B geschoben werden. Und der würde dich nicht für den Käufer halten oder so. Aber er redet nicht viel. Wir wissen, er will jemanden treffen, ein Geschäftsmann, er ist in diesem Bürogebäude, soll dann auf ihn warten und sie verpassen sich mehrmals. Da gab es tatsächlich eine wirklich schöne Szene, wenn er in diesem Wartezimmer sitzt und sich in einen Ledersessel setzt, der unglaublich ungemütlich und viel zu weich und vor allem zu quietschend ist. Dann kommt dieser Business-Tipp und setzt sich auch da hin und quietscht ebenso. Das ist fast wie eine Choreografie gemacht. Es ist ja wirklich so, dass er die Geräusche, er hat ja den Geräuschen fast den gleichen oder noch höheren Stellenwert eingebeigemessen als dem gesprochenen Wort. Es gibt gesprochenes Wort, aber du kannst es nicht entziffern, weil die Geräusche in der Umgebung gleichwertig sind und deswegen überhaupt nichts ausmachen kannst. Du hörst mal so den Ami, wie er ein bisschen lauter, was ruft oder sowas. Manchmal kriegst du Wörter gegriffen, es ist englisch dabei und französisch und du merkst schon, das ist so ein Mischmasch. Ich finde das Konzept toll, aber das bedeutet natürlich, dass du schnell ermüdest, weil du nicht selektieren kannst. Es wird nicht für dich selektiert, was ist wichtig an Geräuschen und was nicht. Aber in dieser Szene, die du ansprichst, sind Geräusche so wahnsinnig wichtig. Dieser quietschende Stuhl, diese Geräusche, die das macht, wenn man da sich bewegt und wenn man hat auch einen Stock dabei, rutscht er auf diesen Boden, der viel zu glatt ist, auch noch aus. Ich finde, gerade bei der Szene merkt man diese Choreografie, die dahinter steckt, die er will. Was fast schon meine Mutter sagte, er könnte jetzt zum Rap ausatmen. Aber es ist krass, wenn man den amerikanischen Slapstick dagegen hält, weil es so viel subtiler ist. Es passiert so viel weniger. Es gibt keine großen Katastrophen. Es gibt vielleicht eine Szene später im Restaurant, wenn die Decke einstürzt. Das ist das einzige, wirklich Maxiose. Aber sonst gibt es keine Slapstick-Action. Die physical Comedy beschränkt sich auf ein wenig zur Seite neigen, ein bisschen stolpern, ein bisschen verloren sich umgucken. Es ist kein Buster Keaton und kein Charlie Chaplin. Es ist keine laute Comedy. Und das Krasse daran ist, was mir dann aufgefallen ist, dass das bedeutet, dass du als Zuschauer nie den Relief hast. Also du bist nie durch ein Lachen erleichtert. Du hast nie diesen Moment der Auflösung eines Gags oder einer Situation. Weil es fällt niemand hin und unterbricht die Situation. Sondern du bist eigentlich von einer visuellen Sache in die nächste geworfen. Und deine Stabannung steigert sich immer weiter. In dieses erlösende Lachen. Das finde ich so krass. Es gibt keinen Höhepunkt und keine Pausen. Es gibt keine stillen Momente und keine großen Katastrophen. Wenn jemand fällt, dann fällt er beiläufig. Dann rutscht der Kälner aus, dann steht er wieder auf und klopft sich die Hose ab und trägt sein Tablet dahin, wo er es hintragen wollte. Und es hält auch niemand inne. Das ist ein Teil des Lebens. Deswegen bleibt das Ganze auch irgendwie realistisch, obwohl es nicht wirklich realistisch ist. Das Absurdeste, was eben nicht passieren würde, würde mir einfallen, dass das Flugzeug, das in dem Restaurant als Deko steht, der Raum wird zu heiß und das Flugzeug fängt an einzusinken und zu schmelzen. Das würde natürlich nicht passieren. Aber alles andere, was er erzählt, könnte durch Verkettung von Umständen wirklich genauso passieren. Nicht in der Häufigkeit. Er bringt das so zusammen. Das ist natürlich absurd. Aber es ist alles möglich. Es sind ja diese kleinen Missgesticke. Der Alltag besteht aus ganz vielen kleinen Missgesticken, die man auch ganz schnell wieder vergisst. Man stolpert halt mal und heißt halt mal, was fallen. Dann flucht man und hebt es wieder auf und dann geht es halt weiter. Dann funktioniert mal ein Licht nicht Slapstick-Realismus. Ich konnte mich übrigens sehr gut mit Monsieur Ulo identifizieren, wenn er im Hausflur von seinem Freund steht. Er ist später am Abend beim Apartment von einem Freund zu besuchen. Dann ist er in diesem Hausflur verloren, weil er nicht weiß, wie sich die Tür öffnen lässt. Das ist natürlich alles automatisiert und elektronisch gesteuert. Er sagt aber nicht zu seinem Freund. Wir sehen es dann erst nachher. Wenn Ulo sich verabschiedet hat und hört dann offensichtlich was im Flur und geht in den Flur 5 Minuten nach dem Ulo gegangen ist, da stochert Ulo an den Wänden rum, weil er verzweifelt eine Möglichkeit sucht, die Tür zu öffnen. Der Freund sagt dann hier, push, zeigt ihm den Knopf und macht die Tür auf, damit Ulo rauskommt. Es ist natürlich auch realistisch, dieses Ulo traut sich nicht nochmal zu klopfen und zu sagen, Hilfe, ich kann euer Haus nicht bedienen, ich muss hier raus, helft mir mal bitte. Lass uns mal ganz kurz noch mal den Schritt zurück machen. Du wolltest am Anfang einmal zusammenfassen, was eigentlich wie wo ist. Der Film hat 6 Szenerien im Grunde. Das erste ist der Flughafen, wo er ankommt, wo ganz viele Reisegruppen ankommen. Das zweite ist das Office, wo er den Chef von dieser Firma sucht. Dann stolpert er in die Exhibition, eine Handelsausstellung, eine internationale Handelsausstellung rein. Dann ist er in diesem Apartment, was du gerade angesprochen hast, weil ein Freund darauf gestanden hat, komm mit, ich zeig dir mein Zuhause und da gucken wir dann Fernsehen. Dann der Royal Garden, das ist dieses Restaurant, was gerade neu eröffnet. Das ist dann am Abend, im Apartment bei seinem Freund und dann auch im Restaurant. Das Restaurant nimmt auch tatsächlich ziemlich viel Zeit ein. Das drifft übrigens fast alle Szenen. Wir sehen das Szenario lange bevor Ulo durchstolpert. Wir sehen erst mal, wie andere Menschen was machen. Dann irgendwann stolpert er rein und ich hab jedes Mal gedacht, Gott sei Dank, da ist er wieder. Jetzt hab ich wieder was, woran ich mich kurz festhalten kann. Das sechste ist die Straße am Morgen und der absurde Kreisverkehr, in dem sich alles dreht. Eigentlich bietet es sich an, da so ein bisschen durchzugehen, weil es so viele tolle Situationen gibt. Ich find's halt wirklich großartig. Ich weiß nicht, ob du auch nur 10% meiner Begeisterung... Wahrscheinlich sind es ungefähr 10%, vielleicht 11 oder 12. Weil ich diese... Ich liebe einfach visuelle Komik und die Absurdität, die einfach visuell einmal dargestellt wird, ohne dass du intellektualisiert drüber sprichst und auf eine Ebene hebst. Du kannst den Film wirklich überall auf der Welt zeigen und das wird jeder verstehen. Es ist ein internationaler Film, obwohl er Paris als Ort hat. Das find ich eben ein visual Comedy und dann visueller Erzählweise so großartig und er macht das so unglaublich meisterhaft. Aber fandest du die Slapstick-Momente nicht teilweise redundant bis hin zu einer Monotonie, weil halt doch Szenen lange gezeigt werden und Missgeschicke sich auch wiederholen oder zumindest dieselbe Art von Missgeschicken, weil es eben nicht dieses große eine Action-Szene und da gibt es, wie du schon gesagt hast, diese Erleichterung, dass sich alles auflöst. Hast du ein Beispiel, wo dich das besonders gematert hat? Also... Tatsächlich hat es angefangen in der dritten Sequenz, wenn er in dieser Handelsausstellung stolpert. Davor fand ich, war der Fokus eigentlich sehr stark auf Ilo, wenn er im Flughafen ist und da so ein bisschen herumläuft. Er kommt ja erst in den Film, nachdem er schon zwei Mal von jemandem anders, für jemanden anders gehalten wurde. Das passt aber natürlich auch so total gut dazu, dass man irgendwie so... Das finde ich sowieso toll, weil ich glaube, Ilo, Jacques Tati, versucht hier den Zuschauer ein bisschen zu trollen. Also er steckt andere Schauspieler in sein eigenes Kostüm, lässt andere handelnde Figuren Ilo rufen und stellt sich um und wir stellen fest, das ist er nicht. Dann tritt er aber als erste Mal auf, ganz irgendwo im Hintergrund, lässt seinen Schirm fallen, das Geräusch springt uns da drauf und er hebt nur den Schirm auf und geht wieder aus dem Bild. Das ist sein erster Auftritt, also völlig unscheinbar, nichts passiert. Ich hab's verpasst quasi. Ich hab dann... Es ist bestimmt eine Trollerei, weil die Figur des Ilo war damals natürlich schon ein Star und die Ferien des Monsieur Ilo und Mononke. Genau. Und in diesem Film lässt er sich wirklich Zeit zu sagen, ey, Ilo ist vielleicht nicht unbedingt das Zentrum meiner Filme, sondern alles, was drum herum geschieht. Konzentriert euch mal auf andere Sachen. Ich glaube, das war auch tatsächlich sein Problem damals. Ich glaube, gelesen zu haben, dass er versucht hat, diese Figur eigentlich komplett rauszustreichen. Aber dadurch, dass dieser Film ein solches Desaster war, musste er danach noch einen Film machen, wo die Figur Ilo wieder in den Vordergrund gerückt ist. Und leider... Also auch schon gegen seinen eigentlichen Willen. Er wollte es eigentlich nicht. Aber, naja, er hat diesen einen Film dann noch gemacht und ich glaube, er hat noch einen für einen Kinderfernsehen gemacht und das war's dann. Sein Oeuvre ist ja nicht so groß. Ja, genau, relativ überschaubar. Vor allem das Ilo-Oeuvre, er hat davor schon einiges gedreht, als Autor und dann mal Ko-Rishi gemacht und dann mal Yirishi. Aber tatsächlich sind seine großen Filme, wenn man an die denkt, beginnen 1949 mit Tatis Schützenfest und endet eigentlich 1971 mit Trafik. Genau. Der letzte große Ilo-Film war. Und Tatis Herrliche Zeiten ist halt der vorletzte, ne? Also Playtime, ja. Ja, und ich würde ihn trotzdem in diese ganze Riege von Chaplin und von Basta Keaton und so setzen wollen, obwohl er eben nicht diese krasse Slapstick, die hat er in einem Film ein bisschen mehr, aber auch nicht, also er ist immer ein bisschen zurückgenommen gewesen. Aber trotzdem, er hat all diese Trademarks, die so was braucht, so Slapstick Humor braucht. Er hat einen speziellen Gang, ne? So dieses neugierige, nach vorn gereckte und auf Zehenspitzen laufende. Chaplin hat das ja eher mit seinem Watschelgang und Basta Keaton hat so sein Stone-Face, was so keine Reaktion auf nichts, so in der Art. Ilos Trademark ist vor allem, dass er viel zu groß ist und nicht gerade stehen kann, dass er immer so ein Stück geneigt ist, man immer das Bedürfnis hat, die Figur so gerade zu rücken, dass sie in einem schön sauberen 90 Grad-Winkel steht und es passiert einfach nicht. Ich finde es ganz toll, eine ganz tolle Erfindung und irgendwie ja, deswegen gehört er mir auch in diese Zeit, um diese Art und Weise Komik zu machen, aber eben auch, was ich eingangs schon sagte, eben sehr visionär nach vorne gedacht und nicht wie viele Slapstick-Komiker eben in ihrer Zeit verhaftet, sondern versucht wirklich nach vorne zu drängen. Wie Chaplin das später auch versucht hat, aber eben mit anderen Figuren, nicht mit seinem Trump. Ja, ja. Trump. Du hast Trump gesagt. Trump. Trump. Trump? Oh mein Gott, nein. Böse Vergleich. Ja, also der Film ist ein einziges Filmbild, wie du sagst. Der Flughafen, tatsächlich hat der Flughafen gar nicht so viel Eindruck bei mir hinterlassen. Ich fand den Flughafen toll, um diese Verlorenheit in der sterilen Welt zu symbolisieren. Weil das ist auch die Szene, wo er wirklich weit weg ist. Wo er nicht einfach nur eine totale, quasi auf Augenhöhe auf den Raum hat, sondern ganz oft auch fast diesen Überwachungskamera-Modus von oben steil herab. Am Anfang denkt man, man ist im Krankenhaus. Ja, es ist total steril. Es ist eine riesige Halle. Es ist wirklich steril und sauber. Und die Menschen bewegen sich auch darin. Das ändert sich nachher. Aber an dem Flughafen hat man das Gefühl, dass alles noch so ein bisschen geordnet ist, dass alles seinen geordneten Gang geht. Jeder, abgesehen von Ullo, weiß, wo er hin will. Jeder hat gerade Linien. Wir haben Leute, die das Bild kreuzen, von links nach rechts, von rechts nach links und von vorne nach hinten. Jeder hat sein Ziel. Und dann haben wir Ullo, der eher so ein bisschen entspannter dadurch stolziert. Und wir merken dann ziemlich schnell, glaube ich, dass der Film vor allem auf diese Glasfronten setzt. Und ich finde den Gedanken toll. Natürlich ist es heute für uns viel selbstverständlicher, dass es so wahnsinnig viele Glasfronten gibt. Aber ich weiß nicht, wie das in den 60ern war. Du hattest technisch eigentlich noch nicht die Möglichkeit, auch riesige Glasfronten zu machen. Ich glaube, damals hat dieser Trend so ein bisschen angefangen, dass Transparenz als besonders schick gesehen wurde. Und damit spielt der Film ja auch total gerade in späteren Szenen, wenn wir die Wohnungen sehen, die einfach hinter Schraufenstern sind. Ich finde gerade diese Szene, oder kommen wir gleich noch zu. Und im Büro ist tatsächlich auch noch dieser sterile Look. Wenn er mit dem Wachmann redet, er ist in einer riesigen Bürohalle, er geht in das Wartezimmer. Und dann verpasst er seinen Freund und versucht, den zu finden. Und da wird es langsam, da löst sich es eigentlich auch noch nicht auf, weil Uelo immer noch relativ im Zentrum steht und allein ist einfach. Und dann kommt die Welle, die den ganzen Film mitreißt, wenn Uelo von dieser Reisegesellschaft zu der Handelsausstellung getrieben wird. Und es explodiert alles. Und wir haben plötzlich einen Gewusel und Gewimmel und das hört dann auch nicht mehr auf. Aber in dieser Reisegruppe gibt es eine Frau, die wir ja trotzdem auch noch ein bisschen herausgestellt bekommen und die quasi eine Rolle spielt neben ihm. Im Grunde sind die beiden gleichberechtigt neben Charaktere. Der Hauptcharakter in der ganzen Sache ist ja eigentlich die Ausstattung. Definitiv. Ich hatte auch tatsächlich die Frau, es hat ein bisschen gedauert, bis ich tatsächlich gesehen habe, dass sie auch wirklich nicht nur Recurring sein soll, sondern auch tatsächlich zusätzliche Identifikationsfigur. Weil es gibt genug Charaktere, die immer mal wieder vorkommen und die durchs Bild stolpern. Man denkt, habe ich den nicht schon mal gesehen? Die sehen doch alle so gleich aus. Und dann irgendwann gibt es so einen Moment, wo ich gemerkt habe, ah, okay, diese Frau spielt nochmal eine besondere Rolle. Sie ist kein Love Interest oder sowas, sondern sie ist halt auch einfach eine Touristin, die durch Paris stolpert wie Uelo auch. Und genau, sie ist in dieser Reisegruppe und bei der Handelsausstellung treffen sie eigentlich zum ersten Mal aufeinander oder rauschend, besser gesagt, ineinander. Ja, und da passiert aber auch noch gar nicht so viel zwischen den beiden. Nee, überhaupt nicht. Die sind halt einfach in der selben Gruppe von Menschen unterwegs. Und dann ist es auch der Moment, wo du erstmal, also wo ich zum ersten Mal überfordert war, weil diese Handelsausstellung ist halt einfach ein reines Chaos. Und es wird geplappert und es wird verkauft und da passiert das, da wird ein Produkt vorgestellt. Und dann gibt es diesen tollen Moment, wenn die Tür geöffnet wird und wir sehen kurz den Eiffelturm, wie er sich im Glas spiegelt. Oh, ist das toll. Und es setzt auch so eine romantische Musik ein. Und das ist der absolut krasse Nostalgiemoment. Du denkst nur, ah, geil, ja, danke, weil Paris, es soll ja in Paris spielen. Und in Paris, du siehst nichts in dem Film aus Paris, außer eben in diesen Spiegelungen. Genau. Und es war dreimal, also den Act-Triomphe, das finden wir nachher noch gespiegelt, und dann den Dom. Und das war's, glaube ich. Es gibt diese Spiegelungen, aber die lassen immer einen kurzen Moment des Innerhaltens. Es ist sehr bewusst inszeniert. Die Tür wird aufgemacht, wir sehen die Spiegelung. Eine, die ich noch aufgeschrieben habe, und die ist halt auch nicht im Gewusel, deswegen fand ich sie cool. Und deswegen ist sie mir wirklich hängen geblieben, wenn diese Frau ein Foto machen will von der Blumenverkäuferin. Und das nicht so richtig klappt, weil Leute durchs Bild stolpern. Und dann kommt irgendwie ein hilfsbereiter Typ, der sagt, oh, ich mach von euch zusammen das Foto, obwohl das gar nicht die Intention war. Der Frau, was passiert halt einfach, in diesem Gewusel, weil sie einfach nicht nein sagen kann. Und dann wird halt ein Foto von ihr zusammen mit der Blumenverkäuferin gemacht. Super Szene, aber war halt auch cool, weil sie im Fokus stand, weil nicht so viel drum herum passiert. Die Blumenverkäuferin ist übrigens, ist meiner Mutter dann auch noch mal aufgefallen, die einzige lebendige Sache, die so an Paris erinnert, an dieses alte, an dieses Touristenbild. So, alles andere ist grau und da passiert nichts. Und das ist alles kalt und unwirklich. Während diese Verkäuferin quasi für die Touristen da hingestellt, quasi das Einzige, was an Paris noch erinnert. Es gab drei Paris-Bilder und das waren halt einfach mal die Gebäude, die sich in der Tür spiegeln, die auch immer wieder so einen Moment des Innerhaltens geliefert haben. Das ist so ein tolles Konzept, das finde ich. Die haben halt dann Fotos, dann hast du in dem Set dann irgendwo gegenüber ein Foto gehabt von Paris an der Stelle und das hat wahnsinnig toll funktioniert. Man fühlt sich dann auch so direkt nach Paris gezogen in dem Moment und denkt so, ah ja, da wäre ich jetzt gerne. Toll. Toll, toll, toll. Übrigens, das war tatsächlich das Erste, was mir in dem Film aufgefallen ist, dass der Score von Francile Marc fantastisch ist. Also was für ein toller Jessica, chaotischer, hektischer Score, der einfach super zur Umgebung passt. Und auch immer mal wieder ein bisschen die Spitzenrichtung Melancholie findet und Nostalgie eben zum Beispiel in diesem Moment, wenn der Eiffelturm zu sehen ist. Ja, das ist toll. Ich finde es ganz großartig. Ja, es soll Paris sein. Wollen wir den Bogen mal schlagen? Wir haben eine Top 3. Eine Top 3. Und diesmal kriegen wir sie vernünftig in die Episode integriert. Wahnsinn. Johannes Schingel. Unsere Liste. Die Top 3 Paris Filme. Wo es tatsächlich erstaunlich viel zu finden gibt. Man denkt so, das ist wohl ein enges Thema. Aber es gibt wirklich viele Paris Filme. Es gibt halt einfach viele Filme. Aber auch viele Filme, ich meine, dass ein Film in einer Stadt spielt, ist ja eine Sache. Aber es gibt auch unglaublich viele Filme, die die Stadt, in dem Fall Paris, wirklich ins Zentrum rücken und zu einem Protagonisten machen, wie du vorhin gesagt hast. In diesem Film, in Playtime ist eigentlich die Stadt und ist eigentlich die Architektur der Protagonist. Genau. Ist in meiner Liste bei meinen Paris Filmen gar nicht so krass der Fall. Aber ich habe versucht, Filme zu nehmen, in denen tatsächlich die Stadt im Mittelpunkt steht. Deswegen gibt es auch eine Honorable Mention, die ich nicht 100% nehmen kann. Und zwar Jules & Jim. Von Francois Truffaut, einer der großen Liebesfilme der Parc des Parc aus dem Jahr 1962. Habe ich dann aber darauf verzichtet, weil er spielt in seinem ersten Teil in Paris. Und bricht dann aber raus und läuft auch an verschiedene Orte. Und dann dachte ich, okay, ja, ist nicht so 100% ein Paris Film. Dafür steht Paris doch zu wenig im Zentrum, auch wenn es tolle Paris-Szenen gibt. Okay, aber dann hast du eine Honorable Mention. Hast du noch eine oder willst du eine? Ich hoffe, ich habe keinen von den Filmen, den du dabei hast. Direkt anschließend an Jules & Jim Die Träumer, der quasi so eine Liebeserklärung an die Nouvelle Vague ist aus dem Jahr 2003. Von einem Regisseur, mit dem wir uns erst vor kurzem auseinandergesetzt haben, von Bernardo Bertolucci. Dem Regisseur von 1900, der viele tolle Filme gemacht hat. Die Träumer erzählt er aus dem Paris der 60er Jahre und zitiert, es ist irgendwie eine Mischung aus Drama und Erotik-Film und er zitiert dabei aber unglaublich viele Nouvelle Vague-Filme und hat da sichtlich Spaß daran. Cool. Darf ich noch zwei Honorable Mention filmen? Ja, mach, mach, mach. Alles angucken, liebe Zuhörer. Nochmal Stichwort Nouvelle Vague, außer Atem von Jean-Luc Godard, hat es aber auch nicht ganz reingeschafft, weil die Stadt nicht so ganz im Zentrum steht, aber fantastischer Film. Und zeigt zumindest so auch die dieses verloren sein in der urbanen Moderne, weil viele Autos fahren durchs Bild und es ist hektisch und chaotisch auf den Straßen. Und letztlich meine vierte Honorable Mention ist Die Liebenden von Ponneuf, der einen Blick auf die Außenseiter in Paris wirft, auf die Obdachlosen. Und damit komme ich endlich zu meinem Platz drei, tut mir leid. Der auch einen Blick auf die Außenseiter wirft, auf die, die im Umkreis von Paris leben, aber nie von der Stadt profitieren und die Stadt auch wie in diesem Film tatsächlich nur mal ausnahmsweise zu Gesicht bekommen. Lahen, Hass aus dem Jahr 1995, der in einem Bonlieu spielt und Jugendliche betrachtet, die irgendwie versuchen klarzukommen im Leben und ständig Ärger mit der Polizei haben. Es geht halt auch um die Ausschreitungen damals zwischen Jugendlichen, vor allem mit Migrationshintergrund und Polizei und die sich halt irgendwie versuchen durchzuschlagen, aber ständig mit dem Gesetz kollidieren. Und zwar nicht nur, weil sie es schuld sind, sondern einfach auch mal weil sie permanent mit Rassismus und anderen Vorurteilen konfrontiert sind. Großartiger Film. Der beste Film, der die Schattenseiten von Paris zeigt und kein romantisiertes Bild der Großstadt, sondern die Großstadt als Hoch und als Ort, an dem ums Überleben gekämpft wird. Wow, ja meine Filme sind eher die romantisierten Varianten von Paris. Bei mir kommt auch gleich die Romantik. Okay, sehr gut. Ich habe auch eine Ordnung bei Menschen und zwar Before Sunset und diese ganzen, die, alle die drei, ne? Die sind drei, oder? Ja, es sind drei, aber nur Before Sunset spielt in Paris. Ah, okay. Sunrise war weiß ich nicht genau. Ich habe es einfach nicht mehr. Aber ich fand dieses Konzept so geil und so wahnsinnig spannend, dass das so aufgegangen ist, dass man einfach nur in der Stadt rumläuft und redet. Ja, fantastisch. Das ist so krass. Das ist einfach nur ein Quasselfilm, aber super. Totaler Talkmovie. Ganz großartig. Richard Linklater. Ja, und zwar jetzt aber mein Platz drei. Ich hätte noch eine Ordnung bei Menschen. Aber welcher von den Filmen wird jetzt degradiert zu Honorable Menschen? Ich nehme La Jetée. Oh, ja. La Jetée ist, haben wir schon ein paar Mal angesprochen, der Kurzfilm von Chris Marker, der nur in Standbildern erzählt wurde. Unbedingt gucken, wenn ihr eben noch nicht geguckt habt von unseren Empfehlungen in den letzten Male. Unbedingt gucken. Gibt es auf YouTube und so. Online leicht zu finden. Dauert auch nur eine halbe Stunde. Genau. Spielt in Paris, aber eben in der Zukunft von Paris in einer zerstörten Stadt, die verzweifelt versucht, in die Vergangenheit zu reißen, um dort die Zukunft zu retten. Mein Platz drei wäre jetzt Fabelhafte Welt der Amelie. Ich weiß, dieser Film verursacht Zahnschmerzen. Blond nickt. Ja, rede weiter. Dieser Film hat mir damals, als er rausgekommen ist, wahnsinnig viel Freude bereitet und mich wahnsinnig begeistert. Irgendwann habe ich ihn einfach einmal zu oft gesehen. Und dann wird er halt wirklich, dann wird er halt zu süß. Dann hat man einfach keine Lust mehr nochmal zu hören, wie wahnsinnig fantasievoll die Hauptdarstellerin ist. Mein Platz zwei die Fabelhafte Welt der Amelie. Ich weiß, er verursacht Zahnschmerzen. Als ich ihn damals zum ersten Mal geguckt habe, hat er riesige Begeisterungen mir ausgelöst, hat mich wirklich total verzaubert. Und ich glaube, ich habe ihn dann aber auch ein oder zwei Mal zu oft gesehen und vielleicht auch ein oder zwei Mal zu oft gehört, wie verzaubernd die Protagonistin und Hauptdarstellerin ist. Ach schön, danke Flora. 2001 Jean-Pierre Genet. Wenn ihr ihn noch nicht gesehen habt, ist wirklich ein Klassiker des französischen Kinos um die Jahrtausendwende. Und wenn man ihn zum ersten Mal sieht und ein bisschen Zynismus und Sarkasmus zur Seite kehrt, ist es wirklich ein wunderschönes Erlebnis irgendwo zwischen Tragikomödie, Romantik und Märchen. Ja, genau. Betonung auf Märchen irgendwie. Definitiv auf Märchen. Ja, aber wirklich. Also gesehen muss man ihn auf jeden Fall haben. Man muss ihn nicht 20.000 Mal sehen, so wie ich. Und mit fantastischer Musik. Unglaublicher Musik. Von Jan Tiersen. Jan Tiersen, Y, A, N, N, Tiersen, wie man es spricht. I, E, R, S, E, egal. Ein unglaublich toller Musiker und was der noch für Sachen rausgehauen hat danach. Das ist ja so sein großes Aushängeschild, diese Musik. Aber er hat so viele tolle Sachen danach gemacht. Und so viele andere Sachen. Ja, und so experimentelle Sachen. Ich liebe das. Viel zu oft mit dieser romantischen, französischen Paris, nonchalant Musik in Verbindung gebracht. Dabei hat er teilweise wirklich düsteren und experimentellen Post-Trock gemacht. Großartige Songs, die wirklich einfach mal durch Haut und Knochen gehen. Wahnsinn. Ganz toll. Läuft bei mir rauf und runter. Ja, dann Platz 2. Mein Platz 2. Mein Platz 2 wäre dann Midnight in Paris von Woody Allen. Was ich... Ich war so begeistert. Es ist halt auch romantisiert das Paris und so. Dann auch noch die Zeitreise zurück in die große Zeit, wo die ganzen Künstler zusammen in Paris sitzen. Ich hab diesen für mich gesehen. Du hast den gleich rein werfen. Oh, okay. Eine ganz tolle Darstellung von Dali. Von einem Schauspieler, dessen Namen ich einfallen will. Der ganz, ganz toll... Irgendwie weiß man sofort, wer gemeint ist. Auch die ganzen anderen Künstler, die sind ganz toll dargestellt. Was wollen wir gucken? Dali. Wer spielt Dali in Midnight in Paris? Jetzt bin ich gespannt. Oh, das ist doch... Moment. Adrian Brody. Wow. Ich hab immer noch kein Gesicht vorm Kopf. Aber... Adrian Brody? Okay. Also als erstes würde mir jetzt einfallen, da der Klavierspieler, wofür ein Oscar gewonnen hat, wenn ich mich richtig erinnere. Der Pianist. Wies der Film. Und... Offensichtlich viel mit Wes Anderson gedreht. Ich hab den einfach... Adrian Brody ist glaube ich ein relativ bekannter Darsteller. Der hat so viel gedreht. Es lohnt sich bei YouTube einfach einzugeben diesen Namen von dem Schauspieler Adrian Brody und dann Dali. Und da kommt ein Filmausschnitt, der ist großartig. Einfach wundervoll. Okay. Den muss ich mir anschauen. Du musst diesen Film auf jeden Fall anschauen, weil er einfach eine liebes Erklärung an die Kunst in Paris und an dieses künstlerische, naja, sehr romantisiert dargestellt, aber diesen Schaffensprozess und so. Ja. Okay, cool. Mein Platz eins, ich befürchte so ein bisschen, es könnte auch dein Platz eins sein. Ein Film, der vier Jahre vor Playtime, dieses hektische und konfuse und gewusel der Großstadt, deutlich stärker meiner Meinung nach inszeniert hat. Nouvelle Vague. Einer, wahrscheinlich sogar mein Lieblingsrecherie der Nouvelle Vague, Louis Malle. Und zwar Sazidolle Metro. Ein wunderschöner Film zwischen Slapstick, Fantasy, Groteske, Märchen. Gibt es einen deutschen Titel? Sazidolle Metro? Sazidolle? Im Deutschen heißt er einfach Sazidolle. Okay, ich kenne ihn nicht, glaube ich. Den haben wir zusammen geguckt. Haben wir den zusammen geguckt? Den haben wir definitiv zusammen geguckt. Und Maya war auch dabei. Ich glaube Katrin war auch dabei, also ganz sicher. Ein kleines Mädchen reist nach Paris zu ihrem Onkel. Ja. Und rennt dann von da weg und läuft durch Paris. Und dieser Film ist eine Komödie, die alles auffährt, was es an experimenteller Filmkunst gibt. Es werden Szenen im Zeitraffer gespielt, es werden Szenen teilweise rückwärts ablaufen gelassen. Es finden total surreale Momente statt. Und dieses kleine Mädchen rennt durch Paris irgendwie so zwischen Rotzlöffel und begeisterter. Ich kann es nicht fassen, dass du dich nicht an diesen Film erinnerst. Es tut mir so leid. Der ist so gut. Und ich weiß, wenn du dich erinnern würdest, würdest du sagen, ja natürlich, der ist, ich bin ziemlich sicher, dass wir den zusammen geguckt haben. Ganz fantastischer Film. Albern, absurd, grotesk, liebenswert und durch und durch eigen und besonders ein wilder Ritt. Plor, seit wann gucken wir zusammen Filme? Na, seit 20 Jahren würde ich sagen. Nee, nicht ganz 20 Jahre. Ich wollte einfach nur mal hören, wie du sagst, wir gucken seit 20 Jahren Filme. 20 Jahre, Plor, 20 Jahre. Das sind 15 Jahre. Ja, es sind 17 Jahre wahrscheinlich. Ja, so around about. Und das Beste ist, sie hat diesen total irren Tag in Paris, wo wirklich nur verrückte Sachen passieren. Am Schluss wird sie von ihrer Mutter abrücken, die fragt sie, und wie war es? Und sie sagt, geht so. Toller Film, fantastischer Film. Okay, gut, dann werde ich das wohl nochmal nachholen müssen. Also nochmal in Erinnerung rufen. Mein Platz eins ist ein Kurzfilm. Ich war wahnsinnig verzaubert, aber eigentlich habe ich jetzt gerade rausgefunden, als wir kurz drüber geredet haben, dass es ja gar kein Kurzfilm ist, sondern nur Teil eines ganzen Films. Ich habe damals aber bei der Berlinale das als Kurzfilm in der Kurzfilm-Rubrik gesehen. Und zwar Parisier Tem, der Film, der 18 kleine Filmchen zusammenfügt. Und zwar der Teil von Tom Lauer mit Natalie Portman, wo sie einen blinden Freund hat, und sie ist Schauspielerin, übt ihren Monolog, und der Blinde läuft da gerade vorbei. Und der Monolog ist aber so, dass sie groß in Not gerät und er versucht ihr irgendwie am Fenster stehend, kann ich helfen? Kann ich was tun? Und sie sagt, kannst du nicht sehen, dass ich meinen Text übe? Und so fängt deren Romanze an, weil er irgendwie, sie ist zu spät zu ihrem Vorsprechen und er führt sie durch Paris in einem Affenzahn, kennt die ganzen Abkürzungen. Und der Film fängt aber damit an, dass sie ein Jahr schon zusammen sind oder, weiß ich nicht, irgendwie eine ganze Weile, und er angerufen wird von ihr. Und sie sagt, ja, der Sommer war wunderschön, aber es ist Herbst und vielleicht sollten wir das Ganze beenden. Und sich dann am Ende des Films wieder rausstellt, dass es eigentlich auch nur ein Monolog von ihr war, den sie geübt hat. Sie ruft dann wieder an und sagt, du hast plötzlich aufgelegt, was war denn los? War das gut so? War's believable? Cool. Ganz, ganz, ganz toller Kurzfilm. Ich hab mich so gefreut darüber und er hat mich immer wieder begleitet und ich hab immer wieder gesucht nach diesem Kurzfilm. Und es ist schön, dass ich das jetzt weiß, dass der in dieser Zusammenstellung ist. Voll cool. Cool. Mein Platz eins. Da haben wir tatsächlich ganz viele tolle und sehenswerte Paris-Filme zusammen. Wahnsinn. Ja. Ob es genauso viele Istanbul-Filme gibt? Ich weiß nicht. Und tatsächlich auch alles Paris-Filme, die ich bei denen ich einfach mehr Freude hatte als an Playtime. Was so ein bisschen schade ist, weil ich total sehe. Ich sehe doch, was er will. Ich sehe, ich sehe, was er macht und ich finde es auch total großartig. Ich finde es wirklich, ich finde es einfach verdammt mutig, einen Film so zu machen und ich finde es total, es verdient absolut Respekt. Du schaktatiert, als Filmmacher hat man einen ganzen Respekt für seine Ausstattung, für seine Art der Inszenierung, für seinen Mut, Experimente einzugehen. Aber der Film hat mich einfach nicht gepackt gekriegt, weil er mich zu sehr gestresst hat. Weil er mir einfach und wo waren wir als letztes genau bei dieser Handelsausstellung? Das war halt der Moment, wo der Film mich irgendwie ja, er ist mir einfach ein bisschen auf die Nerven gegangen. Das hat dann in der nächsten, im vierten Setting hat es dann nochmal ein bisschen nachgelassen, wenn wir die Apartments sehen am Abend, weil einfach alles wieder ein bisschen ruhiger wird. Und da gab es auch wieder einige Momente, die ich wirklich lustig fand. Zum Beispiel, wenn Ulo aus dem Bus aussteigt und sich an der Lampe eines anderen Fahrgastes festhält, die er für eine Fahrstange gehalten hat, offensichtlich. Ja, das machen ja alle im Bus, alle steigen ein und halten sich an dieser Stehlampe fest. Das ist großartig. Und Ulo ist der Letzte, der dann, wenn sie aussteigt. Und es ist kein ein Chaplinett, das jetzt inszeniert, dass das zu einer großartigen Verfolgungsjagd wird und viel Ärger oder so. Aber der Herr mit der Lampe sagt einfach nur, pardon, Monsieur, es ist meine Lampe, bitte. Und Ulo, oh, und lässt los. Und damit ist die Szene aufgelöst. Ganz toll. Ich finde es super. Dieses Zurückgenommene finde ich großartig. Und ich finde es dann auch toll, wie die Wohnungen gezeigt werden, die natürlich so radikal Transparenz sind. Die wohnen einfach im Erdgeschoss mit diesen riesigen Glasfasaden. Und jeder kann in ihr Wohnzimmer gucken. Und das Schöne ist, die sind ja alle gleich, die Wohnungen. Und dann haben die an der gleichen Wand quasi, aber aneinander gegenüber, den Fernseher an der Wand. Und dann geht die Kamera so dazwischen und man sieht, man hat den Eindruck, dass beide Wohnungen im eigentlich zusammengehören, dass da keine Wand dazwischen ist. Sodass dann beide aufeinander zustarren, weil sie Fernseher gucken. Aber man sieht den Fernseher nicht mehr. Und auf der einen Seite fängt der eine an, sich die Jacke auszuziehen. Und auf der anderen Seite schicken die ihr Kind ins Kinderzimmer. Toll damit gespielt. Es ist so großartig, diese Zusammenhänge, die dann hergestellt werden, die so zufällig eigentlich sind. Auch wenn der Mann im einen Apartment und die Frau im anderen Apartment am Schluss nur noch alleine übrig sind und sich dann anfangen auszuziehen. Wir haben plötzlich so eine sexuelle Konnotation, als ob sie sich jetzt auch für den Beischlaf vorbereiten würden. Es ist so toll. Also ich finde, genau solche Highlights ist der Film ein Highlight nach das andere. Man muss halt irgendwie durch die Zwischen-, also durch den Tunnel durch zum nächsten Highlight. Man verpasst die Highlights aber auch, ne? Ja, natürlich. Es gibt einfach Highlights, die man verpasst. Ich weiß genau, dass ich ganz viel nicht gesehen habe, was da passiert ist. Definitiv. Ich kann dir meine Liste geben. Ich hab ganz, ganz, ganz viel aufgeschrieben. Ich kann das nicht alles abarbeiten, aber es ist einfach so viel Tolles drin. So viele tolle, absurde Situationen. Ich liebe es. Und am krassesten finde ich es dann tatsächlich im Restaurant, wo wirklich unfassbar lange kein Udo zu sehen ist. Es wird vorbereitet, es wird gegessen und Kellner bringen Menschen zu ihren Tischen und Stühle werden verrückt und die Stühle sind auch irgendwie so ein bisschen unbequem. Ein Fisch wird mehrmals gewürzt und auch überwürzt, weil jeder von den Bediensteten verpasst hat, dass der schon gewürzt wurde. Und das sind so die Highlights, die ich da aufgeschrieben habe. Mehr hab ich nicht aufgeschrieben, obwohl da so viel passiert. Es ist unglaublich. Und das ist so ein Chaos. Die Leute rennen durcheinander und quatschen durcheinander und du merkst einfach nur noch, das ist diesen Stress, den ich habe. Ich mein, wenn ich das haben will, dann geh ich ins Ringcenter oder so. Das ist genau der Stress, den man hat. Wenn man in der Großstadt irgendwo wo's crowded ist, hinläuft. Wenn man über ein Alex läuft und gerade viel los ist oder so. Ich muss zugeben, dass diese 45 Minuten Restaurant-Szene tatsächlich der schwächere Teil des Films ist. Finde ich. Weil er sich dann doch zu viel Zeit dort nimmt. Und du nicht kein neues Visual-Interest- Ding hast. Du hast keinen neuen Input so richtig. Ja, das passiert so viel. Und es passiert auch so viel, wo man gar nicht genau weiß, woran setzt das gerade an. Man merkt, da ist eine lustige Szene, da muss davor irgendwas passiert sein, was zu diesem Gag geführt hat. Aber ich hab's nicht gesehen, weil ich grade damit beschäftigt war zu gucken, wie die Leute tanzen wollen und ständig Essen hingestellt kriegen und deswegen nicht tanzen können. Also aber ich verpasst, was links im Bild passiert. Hilfe. Und während ich darüber nachdenke, ist rechts schon wieder was passiert. Und irgendwann hab ich einfach nur noch diesen Affen im Kopf, der aufs Becken schlägt, weil ich einfach nicht mitkomme und auch abschweife tatsächlich. Ich hab die ganze Zeit das Bedürfnis, Wes Waldo zu spielen. Ja, genau. Genau das ist es aber. Und man sucht nach Ulo und Ulo taucht ganz lange nicht auf in diesem Restaurant. Ja, ja. Aber es gibt wirklich ganz tolle Ideen, wie zum Beispiel, dass der Typ, der immer die Tür öffnet, irgendwann innerhalb dieser Sache geht die Tür kaputt. Aber es ist ja eine Glastür gewesen. Das heißt, er kann eigentlich den Griff genau an die Stelle ranhalten und man sieht nicht, dass die Tür nicht existiert, weil es einfach alles Glas ist. Und dann tut er so, als ob er sie öffnet, indem er einfach nur den Knauf dann einmal so entsprechend aufmacht. Übrigens, der einzige laute Slapstick-Moment und wirklich klassisches Slapstick-Moment, wenn die Tür kaputt geht, es geht einmal, es geht eine Glasscheibe zu Bruch und wir denken, wow. Ja. Das ist das Krasseste, was so passiert. Ja. Und es hat auch kein großes Aufregen. Also Ulo wird nicht transalliert deswegen. Nö. Sie wissen ja auch alle, dass die Architektur schuld daran ist, was da passiert. Ja. Und er kommt dann halt einfach nur mit dem Kershaufen und Besen und räumt das auf und flucht ein kleines bisschen. Aber das war's dann auch. Hast du übrigens bemerkt, dass er vorher noch in diesem, da war so eine Art Reisebüro oder sowas, auf jeden Fall Plakate, Werbung von verschiedenen Reisezielen im Hintergrund, was man eben verpassen kann. Aber eines der großen Highlights für den Hintergrund fand ich Plakate von Moskau, von Rio, wo man überall hin kann. Und das Motiv ist alles das Gleiche. Es ist alles ein graues Hochhaus. Nicht gesehen. Nein, genau. Das ist es so. Ja, verpasst. Und es ist so großartig. So eine tolle kommentar auf diese Uniformisierung der ganzen Welt durch die Globalisierung, weil alles immer noch gleich. Also du hast überall McDonalds und du hast überall Kentucky Fried Chicken und das war's. Also im Grunde sieht alles gleich aus dann nur noch. Ja. Und diese Angleichung von Kulturen ist super. Ja, es ist der Film genau. Er zeigt die ganze Zeit diese Sterilität. Und es ist auch, tatsächlich werden die Orte austauschbar, wenn man einfach andere Möbillierungen reinstellt. Das ist alles dieser krasse, brutale, modernistische Bau mit großen Glasfasaden und alles ausufern und gleichzeitig trotzdem labyrinthisch, dass man verloren geht. Ja, genau. Ich finde ganz toll. Da in dem Office, da gibt es diese, die sind alle irgendwie so in Kuben zueinander orientiert. Das heißt, du kannst im Grunde sehr sklavisch gerade alles bist du angeordnet. Und dann hast du aber in der Mitte diese Sekretärin, die da genau in der Mitte sitzt und die Hülo kommt auf sie zu, prägt sich also ein A, hier bin ich, an diesem Punkt bin ich also, geht einmal um sie drumrum, aber sie dreht sich, was er nicht mitbekommt. Womit er wieder völlig verwirrt ist, wo bin ich jetzt eigentlich? Sie hat doch gerade noch da hingeguckt. Wie komme ich jetzt da wieder vorbei? Das haben wir oft, diese Momente, wo wirklich Hülo vor allem sich einfach verirrt und weil alles gleich aussieht und eine einfache Veränderung des Set-ups für totales Chaos Und ich bin so beeindruckt, wie du das schaffst, das alles im Kopf vorher zu planen. Weil der Film muss 100 Prozent geplant sein vorher. Du kannst es nicht improvisieren, weil das ja alles gebaut werden muss. Er muss das alles im Kopf gehabt haben. Wie kannst du Visual Gags erfinden mit etwas, was noch nicht da ist? Ich bin wahnsinnig beeindruckt. Total krass. Kann ich total gut verstehen. Ich bin auch beeindruckt, ich bin nur nicht amüsiert. Und das ist halt wirklich schade. Ja. Vielleicht ist es auch, was mich auch ein bisschen stört, aber das gehört zur Figur Leulo, dass er so durchs Leben stolpert. Es passiert ihm alles. Es passiert ihm alles, definitiv. Er hat ja keinen eigenen Willen quasi. Der einzige Wille, den er wirklich hat, ist, am Ende noch dieses Geschenk für diese Frau zu kaufen. Und er ist erfolgreich und so glücklich darüber. Wie so kleine Dinge einem dann Freude bereiten. Aber es ist auch merkwürdig, dass sie so viel Sympathie zueinander hatten. Also ihre Beziehung zueinander ist so nichts. Die sind keine groß formierten Charaktere, wo man denkt, finden sie sich, entwickeln sie Sympathie zueinander. Sondern sie stolpern abends übereinander. Und es gibt auch diesen netten Moment, wenn sie Klavier spielt und er ihr den Wein gibt. Und dann gehen sie auch zusammen in diese Bar. Aber es ist alles so, ja, es passiert halt irgendwie. Und eigentlich, ja, sie sind einfach nicht genug im Zentrum, dass wir irgendwas über sie erfahren würden. Also du hast keine emotionale Beteiligung an diesen Charakteren. Ist klar, du willst nicht unbedingt, dass die jetzt zueinander finden. Vielleicht willst du es schon, damit endlich was passiert. Aber es würde auch nicht zum Film passen. Es passiert halt die ganze Zeit was, und gleichzeitig passiert irgendwie nichts. Und das ist toll und beeindruckend, wirklich. Aber ja, es ist so schwierig, da dran zu bleiben dann. Und es ist so schwierig, da nicht mit den Gedanken abzuschweifen. Und die Details zu erkennen, es gibt ja keine wichtigen Details. Ist alles gleich wichtig. Ja, ist alles gleich wichtig. Und Ullo ist natürlich keine Figur, keine Persönlichkeit, sondern Ullo ist eigentlich die Verkörperung unserer Orientierungslosigkeit in diesem Großstadt-Dschungel. Wir sind genauso verloren wie Ullo und alle anderen. Und wir werden rumgetrieben und stolpern rum und wissen nicht, warum. Das habe ich nicht verstanden, wenn er am Anfang in dieser Handelsausstellung ist und der Verkäufer ihm was verkaufen will und plötzlich zu so einem kolorierischen Vortrag ausholt und mit Wut die Tür hinter sich zuschlägt. Ich erkläre dir den Witz mal kurz. Er hat ja beschlossen, dass er mehrere Schauspieler mit seinem Mantel, seinem Hut und seiner Pfeife ausstattet. Da gab es einen Schauspieler, den er durch die Szenerie geschickt hat, der sich wie ein Rüpel benommen hat. Und von einem Aussteller zum nächsten gegangen ist, um dort einfach durch die Sachen durchzugehen, irgendwelchen Kram mitzunehmen und Zeug zu machen. Ich weiß, das ist im Swim-Mitbild untergegangen. Das hab ich komplett verpasst. Ich hab davon nichts mitgekriegt. Aber dieser Typ hat dann eben noch so einen Schal, den unser Ullo nicht hat, und wird aber trotzdem eben beschrieben als großer Typ mit Hut und mit Pfeife und mit Schirme in der Hand. Weswegen der Chef von diesem einen Aussteller-Dingens da eben das Chaos in seiner Box da ihm zuschreibt, unserem Ullo zuschreibt, weil er den verwechselt mit dem anderen. Und deswegen schreit er ihn an. Das Witzige daran ist, dass dieser Typ eine Tür hergestellt hat, die, wenn man sie hinter sich zuwirft, kein Geräusch macht. Weil diese ganze Welt darauf aus ist, möglichst glatt zu sein, und es macht keinen Geräusch mehr. Und das ist toll, weil er sich so wahnsinnig aufregt und die Tür hinter sich kraftvoll zuwirft, und wir haben nicht mal das zufriedenstellende Geräusch einer klappernden Tür. Das ist fantastisch, und das wär so toll gewesen, wenn ich das mitgekriegt hätte, und ich hab mir wirklich Mühe gegeben. Ich bin jetzt nicht so jemand, der bei Filmen Sachen verpasst, aber es war einfach zu viel. Ich hab davon nichts mitgekriegt. Diese ganze Story, die du jetzt erzählt hast, die ist komplett untergegangen in all dem anderen, was passiert, weil wir nur diese Totale haben, wo Leute über die Handelsmesse wuchsen. Ich hab nichts davon mitgekriegt. Die ist komplett an mir vorbeigegangen. Lass uns den noch mal zusammengucken, T. Danke, T. Also, er hat einfach wahnsinnig viel reingepackt und das alles überlagert durch einen Soundtrack, der keinen Fokus auf bestimmte Sachen legt, manchmal auf bestimmte Geräusche, aber eigentlich nicht. Und auch seine Bilder sind total fokussfrei, fokussbefreit. Deswegen lohnt es sich eben, den Film ein paar Mal zu sehen, und würde ich jedem empfehlen, und ich würde das einfach mal als Challenge raushauen. Ja, Challenge ist gut. Wie viele Visual Gags finde ich in diesem Film? Du hast eine Liste? Na ja, ich hab ein bisschen mitgeschrieben mit den schönsten Sachen, die ich halt toll fand, aber das kann ich jetzt hier nicht, das ist viel zu lang. Ich glaub, tatsächlich ist es ein Film, den man unbedingt gesehen haben sollte. Ich glaube, es ist ein Film, der beim ersten Mal keinen Spaß macht. Ich glaube, es ist ein Film, den ich noch ein paar Mal gucken muss, und ich bin mir sicher, dass er mir mehr Spaß machen wird, wenn ich ihn öfter gucke. Es gibt ja so dieses Klischee von sich Musik schön hören. Ja, stimmt. Und das ist vielleicht ein Film, den man sich schön gucken muss, aber das soll überhaupt nicht negativ sein. Ich respektiere total, was dieser Film da macht, aber es ist wirklich eine andere Art zu erzählen. Ich hab so eine Art zu erzählen, noch nicht gesehen. Und ich hab, wie gesagt, mit meinem Vater auch Hilo-Filme gesehen, und da blitzt das so ein bisschen raus, aber es ist nicht so konsequent umgesetzt wie da. Und es ist wirklich krass, dass es ... Ich find's allein schon deswegen toll, dass ich jetzt einen Film entdeckt habe, der noch mal komplett eine Geschichte ganz anders erzählt, als ich überhaupt gedacht habe, dass es möglich ist. Aber Spaß gemacht hat er mir, wie gesagt, eher nicht, es gab lustige, tolle Momente. Mhm. Viel Respekt, wenig Liebe. Okay. Ich glaube aber, du hast vollkommen recht, das ist ein Film, den man sich schön gucken kann. Und vielleicht auch sollte, weil die Belohnung wirklich sehr groß ist. Wenn man ihn wirklich dann kennt und beim zweiten Mal gucken, dann schon weiß, ich muss mich nicht darauf konzentrieren, was will mir der Film erzählen, sondern ich weiß schon, wo's langgeht, kann ich genießen, was da alles passiert. Und dann können wir diesen Film zur Seite legen. Weil das Ende gehört zum absoluten Highlight, finde ich. Zum absoluten, absoluten großartigsten Highlight dieses Films. Wie er den Kreisverkehr darstellt, der dann am Ende noch passiert. Du hast da einen Kreisverkehr, man stelle sich einen Kreisverkehr vor, in drei Spuren, wo überall Autos sind, die einfach nur im Kreisverkehr ... Also es fährt keiner raus oder so, sondern halt alle im Kreis. Und das ein paar Mal, und das sehr ausgewalzt, über einen längeren Zeitraum, aus allen Perspektiven. Und mit Jahrmarktsmusik drunter. Sodass der Eindruck entsteht, dass du ein Kettenkarussell hast oder so Pferden, die hoch und runter gehen. Weil er auch das imitiert durch, zum Beispiel eine Frau, die auf dem Motorrad hinten drauf bei jemandem fährt und dann immer hoch und runter wippt. Und man sich fragt, was soll das denn? Aber dann durch die Jahrmarktsmusik ergibt es plötzlich Sinn. Dann hast du einen Blick auf eine Autowerkstatt, wo das eine Auto gerade hochgefahren wird, während das andere gerade runtergefahren wird. Auch so typisch wie diese Pferde bei diesen Karussellen. Und dann wirft der Typ tatsächlich noch eine Münze in den Parkautomaten, und das Karussell dreht sich weiter. Toll, oder? Fantastisch, ich hab's nicht gesehen. Und das hast du ganz viel, der hat ganz viele Anleihen aus dem Jahrmarkt. Großartig zusammengebaut. Allein das muss man einmal in voller Länge gesehen und genossen haben. Ich mochte ja sehr diese Momente, in denen sich der Bus im Fenster spiegelt und der Fensterputzer kippt das Fenster runter, um sauber zu machen. Der Bus wird einmal runtergekippt, das sieht super aus. Toll, ganz toll. Und dann auch noch die Geräuschebene. Dann haben sie noch die Frauen, die machen, während das einmal gekippt wird und dann wieder zurück. Super, tolle Ideen auf jeden Fall. Das ist auch eine schöne Konklusion für diesen Film. Er faded dann einfach aus, es wird Abend, wir sehen den Verkehr, es wird Nacht, wir sehen mehr Verkehr, Verkehr, Verkehr. Genau, Ende. Und man denkt sich, uff, das, was ich heute schon zwei, drei Mal gesagt habe, uff, uff, uff, geschafft. Schön. 120 Minuten, zwei Stunden geht der Film. Es ist anstrengend, du hast gesagt, es ist eine Challenge. Definitiv. Ich bin froh, dass ich die Challenge eingegangen bin. Dieser Film hat definitiv meinen Horizont erweitert. Schön, das freut mich sehr. Ach, natürlich nicht auf die Art, von der ich gehofft hätte, dass du am Ende dann auch noch so begeistert bist wie ich. Ich hätte, weil die Erzählweise ja sehr langsam ist und so, hätte ich fast erwartet, dass es ein Film von dir sein müsste, der dann kommt, weil ich ja eher derjenige bin, der sehr gerne kurzweilige und schnellere Filme mag. Deswegen habe ich auch ein bisschen gehofft heimlich, dass es auf deiner Welle schwimmt. Aber könnte es auch. Ich bin nicht begeistert, ich bin beeindruckt. Ich bin wirklich beeindruckt von diesem Film. Wie gesagt, ich habe total viel Respekt dafür, was da passiert. Ich sehe, was der Film will und er ist dabei auch total erfolgreich. Es war einfach ein Brocken. Okay, also in Episoden gucken, immer so halbe Stunde, und dann Kaffee machen. Und bietet sich auch an, es sind sechs Sequenzen. Abgesehen von der Restaurantszene, die mal sehr viel Zeit frisst. Stimmt. Ja, gerne, also Episoden gucken und dann schickt uns gerne Feedback, wie ihr den Film fandet und ob ihr inwiefern ihr ihn verdauen konntet. Und auf welche Art und Weise. Vielleicht gibt es so eine Top-3 der Möglichkeiten, diesen Film zu gucken. Das glaube ich auch. Schön. Du musst mir bitte eine Update geben, wenn du den Film noch mal gesehen hast. Wenn der Film für dich besser wurde? Dann live vorm Mikro. Sehr schön. Mal schauen, wann ich die Nerven habe, den noch mal zu gucken. Aber ich bin mir sicher, ich will den noch mal schauen. Er hat, obwohl ich ihn anstrengend fand, obwohl ich froh war, dass er dann vorbei war, hatte ich gleich das Gefühl, wow, dann müsste ich noch mal gucken. Aber vielleicht lieber morgen. Okay, gut, das heißt, du hast den gestern gesehen. Du hast den nicht morgen noch mal geguckt. Na toll. Das ist kein universelles Vielleicht-Lieber-Morgen. Das ist so, ich sollte hier mal aufräumen. Vielleicht-Lieber-Morgen. Ich glaube, du kennst das auch. Nein, wie kommst du darauf? Du guckst gerade in meine Küche und sagst, ich glaube, das kennst du auch mit dem Lieber-Morgen. Eine abstrakte Zukunft, so wie Tatissi beschreibt. Ja, okay, das ist ein schönes Schlusswort. Vielen Dank, Plo, dass du den Film geguckt hast. Vielen Dank, dass du ihn mir gezeigt und vorgeschlagen hast. Ich bin froh, dass du diesen Film gesehen hast. Auch wenn ich viel über ihn gelästert habe. Dann machen wir jetzt eine Pause. Danach geht es weiter mit Kubrick. Cool, na dann, bis gleich. Willkommen zu Teil 2. Ja, mit einem deutlich kürzeren und schlankeren Film. So deutlich kürzer? Ja, mit einem deutlich kürzeren und schlankeren Film. So deutlich kürzer? Ja, mit einem deutlich kürzeren und schlankeren Film. So deutlich kürzer? Das ist mir gar nicht aufgefallen. 85 Minuten. 85 Minuten? Ja. Na so war's. Na gut, er erzählt ein bisschen mehr als in 2 Stunden der andere. Ja, definitiv das auch. Aber schauen wir uns doch mal an. Sehr schön, die Rechnung ging nicht auf. Die Rechnung ging nicht auf von Kubrick aus dem Jahr 1956. Regisseur Stanley Kubrick kennt man vor allem in seinem Perfektionismus oft tyrannischen Autorenfilmer, der in den 60er- und 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts große Meisterwerke des amerikanischen Kinos geschaffen hat. Egal, ob seine Filme im Weltraum, im Krieg, im historischen Setting oder in einer dystopischen Zukunft spielen, sie besitzen immer etwas epochales, monumentales und zugleich etwas kaltes, steriles, was ihnen eine gewaltige und gewalttätige Größe gibt. Der Unterlangfilm The Killing, zu Deutsch die Rechnung ging nicht auf, aus dem Jahr 1957, besitzt wenige dieser Trademarks. Die Geschichte eines perfekt geplanten Überfalls auf die Geldreserven einer Pferderennbahn ist Palp der alten Schule. Ein kleiner, dreckiger und roher Film, der kein Gramm Fett zu viel auf den Rippen hat. Kubrick gestaltet hier einen makaberen Thriller zwischen Film-Noir und Gangster-Ballade, das auf den postmodernen Gangster-Filmen eine Sky Richie oder Quentin Tarantino hatte. Kein typischer Kubrick. Aber dennoch ein spannender Genre-Film. Was denkst du, Johannes? Ich gebe zurück ins Studio. Wir haben immer diese Fragen an den anderen am Ende. Das ist gut, um ins Gespräch reinzukommen. Bei dir gibt es einen Pattern, du antwortest mit Gegenfragen, was voll unfair ist. Also, Pong, zurückzuspielen. Verdammt. Ich habe gelesen, du musst jetzt was sagen. Okay. Ich finde, dass dieser Film leider sehr wenige von den Kubrick-Sachen mit vereint. Deswegen lässt mich ein bisschen fast gelangweilt zurück. Gelangweilt? Ja, fast. Das furchtbarste Urteil, was man überhaupt einem Film geben kann, war ganz okay. Aber weiß ich jetzt nicht. So, ne? Man kommt gut durch den Film durch. Man guckt sich das an. Aber irgendwie frage ich mich die ganze Zeit, ja, aber hat mich das jetzt irgendwie, musste ich das jetzt wissen? Weiß nicht. Hat mir der Film irgendwas erzählt, was ich noch nicht wusste? Klar, ich kannte die Geschichten nicht, aber hat mir der irgendwas Wesentliches erzählt? Nee, definitiv. Würde ich dir zustimmen. Es ist ein Film, der ohne Botschaft und auch ohne Moral funktioniert. Es ist ein Film, der keinen großen philosophischen Überbau oder Unterbau hat. Sondern es ist wirklich eine kleine Geschichte. Und ich habe die ganz in der Tradition eben von diesen Pulp Fictions, nicht dem Tarantino-Film, sondern wirklich den klassischen Pulp Fictions rezipiert. Und an diesen habe ich einfach Freude. Also ich muss sagen, dass ich an dieser Noir-Anleihe, die er hat, da habe ich sehr viel Freude dran. Das finde ich wirklich toll. Das betrifft vor allem die Inszenierung, die Kamera und das Spiel mit Licht und Schatten. Das ist ganz fantastisch. Auch teilweise einige Orson Welles-Wipes, habe ich die ganze Zeit gespürt. Ja, genau. Auch ein gutes Stück. Er ist halt kein Noir-Film, weil er zu brutal ist und zu direkt ist und zu dreckig ist. Er ist deutlich dreckiger, finde ich. Also diese Bogard-Klassiker, die man so kennt, die haben auch versiffte Charaktere. Aber das Krasse, weil die Rechnung ging nicht auf, ist noch mal, dass er wirklich komplett auf Sympathieträger verzichtet. Ja, aber so was kann man komplett. Wir haben eigentlich nur unsympathische Menschen, die was Unsympathisches machen. Und trotzdem ist es ihnen gelungen, die nicht zu ziehen. Vor allem, was dann natürlich spannend ist, wenn die Charaktere alle unsympathisch sind, dass man irgendwie trotzdem will, dass es klappt. Ja, definitiv. Und das tut man, ne? Und das will man. Irgendwie schon. Was ich mich gefragt habe die ganze Zeit ist, warum zur Hölle nennt man einen Film, die Rechnung ging nicht auf? Das ist wie, als wenn ich den Miss Marple-Film genannt hätte, der Arzt, der die Frau im Zug umbringt. Der Arzt war der Mörder. Ja, genau. Was ist das für ein Titel? Was soll denn das? Ich finde tatsächlich, es ist wirklich ein cooler Titel irgendwie. Ich mag tatsächlich diesen Titel. Es gibt deutsche Synchrontitel, die ich ganz schrecklich finde. Ja. Ich finde den irgendwie galant und ich finde, der trifft auch so ein bisschen den Nerv des Films ganz gut. Ja, aber erst, also er verrät das Ende. Ich weiß sofort, okay, die Rechnung wird nicht aufgehen. Ja, das ist doch blöd. Ja, das stimmt. Ich finde es auch ausgerichtet. Es gibt ja genug Filme, die von Anfang an sagen, okay, dahin geht es. Aber der Film will das ja nicht. Der Film will eigentlich, dass der Zuschauer denkt, na, mal schauen, ob sie es schaffen oder wie kriegen sie es hin und wie machen sie es und wer wird vielleicht auf der Strecke bleiben. Aber wenn du von Anfang an weißt, diese Rechnung geht nicht auf. Das ist doch scheiße. Ich finde tatsächlich, dieser Film hat von Anfang an, und das fand ich total spannend, das Scheitern in sich getragen. Es gibt ja auch mehrere, die diesen Film bevölkern. Ja, aber... Wir haben irgendwie so sechs Hauptcharaktere. Ja. Und das sind alles gescheiterte Existenzen. Und das sind alles Versager. Und zwar einige im großen Stil, andere im kleinen Stil. Aber letzten Endes sind es alles irgendwie Menschen, denen man ihre Abgelebtheit, ihr Scheitern ansieht. Ja. Insofern passt es natürlich zum Film. Insofern ist der Titel des Films im Grunde ja sehr passend und unterstützt das Grundgefühl des Films irgendwie. Aber ich will ja die Pointe nicht vor dem... Der Witz darf so was ruhig mittragen. Das Ende. Und viele Sachen sind ja witzig gerade, weil das bei rauskommt, was man erwartet hat. Aber du willst ja die Pointe nicht vorwegnehmen. Irgendwie, weiß ich nicht. Na ja. Liebe deutsche Titelgeber. Ja, vielleicht. Aber ich fand tatsächlich, dass sie den Kern des Films gar nicht so sehr, ob sie es schaffen oder nicht. Dafür ist auch das Ende zu unklimaktisch erzählt. Ja. Also der Film baut das nicht so schlimm auf, dass am Ende so ganz dramatisch das Geld wegweht und so. Nee, es passiert halt. Irgendwie passiert es halt. Und das ist schon gut. Für mich war der Kern des Films tatsächlich, diesen Menschen dabei zuzusehen. Wie sie was wirklich... Eigentlich ein klassisches Verbrechen planen. Und wie sie sich dabei abgefuckt und scheiße verhalten. Und wie sie dabei sich selbst auch nie so 100% trauen. Ich hab als Kind, tatsächlich eher so als Kind, hab ich diese Pulp Novels wirklich gemocht. Und zwar so diese kleinen Heftchen, die es am Bahnhofskiosk gibt. Damals, als es noch so was wie ein Kiosk gab. Und die halt, keine Ahnung, 50 bis 100 Seiten haben. Und die knackige, kurze Geschichten erzählen, ohne sich viel mit psychologischen Feinheiten aufzuhalten. Diese Dinger, die am Fließband entstanden sind. Wo du schon weißt, der Name des Autoren ist ein Pseudonym und steht entweder für ein Autorenteam oder für einen Autoren, der mit seinen guten Sachen nicht genug Geld verdient. Diese Vielfalt, natürlich waren viele Thriller in diesem Pulp-Format publiziert. Aber auch Horrorgeschichten. Ich hab mehrere Vampirgeschichten gelesen, die eigentlich alle gleich waren. Wo so klar war, die Story erzählt, was man kennt. Und es geht nicht darum, die Charaktere zu begreifen. Es geht nicht darum, sich überraschen zu lassen. Man saugt das einfach in sich auf, weil es so eine gewisse Dramatik hat. Und so eine gewisse, dreckige Dramatik. Was ich damals hatte bei den Büchern. Das hat der Film auch vermittelt. Und das hat der Film hervorragend vermittelt. Auch diese Kombination aus wirklich straffen Herunterzählten. Allein durch den Narrator wird das total krass. Wir haben hier diesen Erzähler, der fast wie so ein Nachrichtensprecher. Ja, ich hatte an so einer Polizei einen Bericht. Vom Bericht wird noch mal verlesen. Das und das ist passiert. Das sehen Sie Menschen am Abgrund. Und es hat zum einen eine Trockenheit, wirklich eine Nüchternheit, um das alles zusammenzuhalten. Weil das wird dann auch nachher ziemlich verschachtelt. Und gleichzeitig hat es so eine gewisse Dramatik, so einen gewissen Ernst. Hier passieren schlimme Sachen. Hier werden Menschen überfallen, hier werden Menschen ermordet. Aber es kann auch leicht lächerlich sein. Ja, definitiv. Das gehört auf jeden Fall dazu. Auch diese Musik. Weil eigentlich war der Film sehr kalt von den Charakteren. Die großen Emotionen. Also es ist alles kalt. Aber dann wird das durch diese übertramatische Musik immer Richtung Melodramatik geschickt. Und dann aber total gebrochen, indem sie in dieser Melodramatik abgefuckte Sachen machen. Und sich gegenseitig beleidigen und rumschubsen. Und eine verpassen. Das fand ich geil. Das ist einfach dieses Pulp-Feeling. Und ich glaube, das muss man auch mögen. Ja, das stimmt. Ich finde es nicht schlecht an sich. Ich glaube, das kann verschwinden. In diesem Fall ... War ich vielleicht ein bisschen ... War es mir zu schnell, zu lächerlich, dass dieser Typ so sehr amerikanisch diese Narrator durchzieht. Und auch keine ironische Überhöhung, sondern wirklich ganz knallhart. Das und das und das und das ist passiert. Und dann haben sie auch noch eine Stimme, die eigentlich Trailer sprechen würde. Weiß ich nicht. Das war mir zu viel. Zu viel. Ich kam dann nicht in die Stimmung so richtig rein. Obwohl ich es mochte, aber so richtig gut rein kam ich nicht. Die ironische Überhöhung habe ich so ein bisschen in der Zeichnung der Charaktere gesehen. Weil das waren teilweise Charikaturen. Ich würde gern ganz kurz einmal auf die Charaktere eingehen. Wie ich schon vorgelesen habe, und es gibt erst mal nicht viel mehr dazu zu erzählen, wir haben die Geschichte eines Überfalls auf eine Pferderennbahn. Und für diesen Überfall finden fünf Typen zusammen, die zeigen uns, wie das Geld brauchen. Und zwar haben wir zum einen den, der das Ganze plant, der auch der einzige richtige Verbrecher ist in der Bande. Das ist Johnny, das ist ein klassischer, großer, blonder, raubeiniger Gangster. Der irgendwie mit seiner Puppe, wir sind in den 50ern, wir sind in Palp, deswegen sage ich, mit seiner Puppe abhauen will. Wir werden gleich noch mal auf Frauen- und Männerrollen sprechen kommen. Dann haben wir den Financier, den Marvin, den alten Buchhalter, der noch als Sympathieträger taugt, der aber auch beim Verbrechen gar nicht dabei ist, der einfach das Geld dahin pulvert. Die meiste Zeit ist er damit beschäftigt, im Apartment darauf zu warten, dass die Leute kommen und sein Apartment nutzen, um zu planen. Dann haben wir Mike, den Barkeeper, der auch etwas älter ist und sich offensichtlich um eine kranke Frau kümmern muss. Wir haben Randy, den Polizisten, der pleite ist, und der nicht nur korrupt ist, sondern auch zu Brutalität neigt. Der sich im Laufe des Films auch als die brutalste und rücksichtlosste Figur entpuppt. Dann haben wir die spannendste Figur und auch die komischste Figur, und zwar ist das George, der Kassierer, der mit eingeweiht ist und mitmacht, der in einer wirklich überzeichneten Art als Schwächling inszeniert wird. Wieder der Lappen. Mit dem Männlichkeitsbild der 50er-Jahre. Was gehört dazu? Die Frau, die absolut die Blaupause einer Femme Fatale ist. Ihren Mann die ganze Zeit fertig macht. Hintergeht natürlich. Sie hat eine Affäre, die dann auch später dazu führt, dass die Rechnung nicht aufgeht. Eigentlich machen sie alles richtig. Mit dem Coup das funktioniert wunderbar. Das Problem ist, dass George sich bei seiner Frau verplappert, die eben wie gesagt ein rücksichtsloses Vibe ist. Wir sind in den 50er-Jahren. Die dann schließlich ihre Affäre, einen jungen Lover, den sie hat, einweiht. Der beschließt dann, wenn der Coup vorbei ist, können wir denen das Geld abnehmen. Das ist die Geschichte, die aufgebaut wird. Und zwar wird uns diese Geschichte knallhart an den Charakteren erzählt. Wir haben unseren Narrator, der wirklich geschwätzig ist, der uns spätestens, wenn es zum Coup kommt, auf die Minute genau sagt, wie viel Uhr es ist, wenn der eine das macht und wenn der andere das macht. Die planen diesen Überfall. Sie ziehen dann noch zwei andere Leute rein, die aber keine großen Rollen haben, sondern einfach als Ablenkung dienen und nicht groß nuanciert werden. Aber es wird auch keiner groß nuanciert. Wir haben hier schon Abrissfiguren aus einer Pulp-Novel. Wir haben die Verbrecher. Damit kann ich auch mitgehen. Das ist vollkommen in Ordnung. Mir geht es fast schon auf den Geist, dass mir George zu viel erzählt wird, was für ein Lappen er ist und dass seine Frau überhaupt nicht mehr mit ihm irgendwie und ihn dann abziehen will und so. Irgendwie hätten sie da schon einsparen können. Ich fand George tatsächlich einfach witzig. Ich finde, das ist so eine Figur, die für Zwischengewolter und Ungewolter Ironie immer wieder für komische Momente sorgt. Einfach weil er so als der Feige, aber nicht sympathisch Feige ist. Er ist jetzt auch nicht so ein Schwächling, wo man sagt, vielleicht in einer anderen Zeit würde er als sympathisch angesehen werden. Er ist misstrauisch, er ist paranoid. Und zwar nicht gegenüber seiner Frau, sondern ausgerechnet gegenüber denen, die sich total an den Plan halten und die alles genau strukturiert machen. Er hat furchtbar Panik als Johnny, nachdem Überfall nicht zum vereinbarten Treffpunkt rechtzeitig kommt. Er ist furchtbar paranoid und die ganze Zeit ängstlich. Er ist wirklich überhaupt nicht für diesen Job gemacht. Er hat nicht das Nervenkostüm dafür, um nur in dieser Sprache zu bleiben. Das geht einfach nicht. Das ist eine ganz schlechte Wahl. Man denkt auch, wenn es an jemandem scheitert, muss es an ihm scheitern. Der eigentliche Coup scheitert dann ja nicht an ihm, sondern er macht dann in dem Moment, wo er das machen soll, was er machen muss, was nicht viel ist, er muss die Tür aufhalten, macht er eiskalt, was getan werden muss. Das Problem ist seine Frau. Was hältst du von dem Frauenbild, das diese Frau vermittelt? Das Problem ist, es macht ja noch nicht mal deutlich nur dieses beschissene Frauenbild auf, was ich immer doof finde, sondern es ist irgendwie inkonsistent für sich. Irgendwie finde ich, hat diese Frau so einen, ich weiß nicht, die haben mir einfach alles gegeben, was sie brauchen, damit der Plan nicht aufgeht. Irgendwie, ich weiß nicht, das ist doch keine konsistente Frau, keine Figur, die wirklich, nee. Also wenn man es hart ausdrücken will, das ist eine misogynische Projektion. Ja, genau. Sie hat auch keinen eigenen Charakter. Sie ist halt herablassend, sie ist arrogant. Sie macht ihren Ehemann die ganze Zeit fertig. Sie hat einen jungen Lover. Sie ist total bereit, für das Geld ihren Mann zu hintergehen, um mit ihrem jungen Typen abzuhauen. Ja, irgendwie. Sie kriegt dann auch keine große Backstory oder so was, kriegt ja keiner so richtig. Aber gerade bei Leuten, wo man sagt, ich muss die Motivation verstehen, damit ich dem Film folgen will, gerade da wäre es vielleicht schon gut gewesen, so ein bisschen. Gier ist ihre Backstory, und das ist die Backstory von fast allen außer von Johnny. Der Gangster ist der, der am ehesten glaubwürdig so was verkörpert. Aber George hat auch keine Gier. George will einfach nur seine Frau behalten. George ist ein Feigling, ja. George ist einfach nur Feigling. Ich fand bei Johnny spannend, dass er tatsächlich eine Vision hat von einer Zukunft, die nicht mehr im Verbrechermedio stattfindet. Er will ja mit seiner Freundin abhauen. Und dieser Film hat keinen emotionalen Halt. Es ist nicht so, dass man sich an Johnny festhält. Dafür ist Johnny auch zu sehr ein Arsch. Vor allem, wenn es um den Umgang mit Sherry geht, die sie ausspioniert. Johnny ist auch ein Arsch. Und bis zum Ende gibt es dann doch immer noch so ein Stück Hoffnung, dass Johnny vielleicht wenigstens rauskommt aus dem ganzen Ding. Ja, Johnny ist der Chef der Bande, der Typ, der das alles plant. Genau. Der einzige Gangster, der einzige Kriminelle, der sich auch im kriminellen Milieu bewegt. Und dem man es tatsächlich wünscht, weil irgendwie haben sie es geschafft, die Frau sympathisch zu machen, obwohl die fast gar nichts zu tun hat in dem Film. Aber am Anfang und am Ende kommt sie irgendwie ... Ihr hätte ich gerne mehr zugeguckt. Definitiv. Ich fand sie cool, obwohl sie halt so ... Dieses 50er-Jahre-Bild von Schmacht schmacht und ... Ach, Schatz. Tatsächlich verhindert die Strafheit in der Narration, dass wir viel über sie kennenlernen. Genau. Und ich denke, das ist auch gewollt. Dieser Film sagt, ich erzähle euch die Geschichte von einem Coup. Und zwar ... Passt mal auf, so ist das Ganze gelaufen unten. Die Strafweiche von diesen klassischen Pipe Novels, die sind eigentlich solche Geschichten auf Verstehen ausgelegt. Das heißt, du weißt von Anfang an, wo du dran bist. Du kriegst deinen Setup, du kriegst deine Protagonisten. Und du kannst dich einfach zurücklehnen. Und dieser Film erzählt das Ganze ein bisschen verspielter und ein bisschen verpusselter. Mhm. Wahrscheinlich ist die Erzählerstimme auch so ein Moment, um uns Halt zu geben. Und wenn es dann zum Coup kommt ... Wird dann ein bisschen verschachtelter. Genau. Obwohl der Zug an sich schon einmal draufgesetzt wird auf die Schienen und dann geradeaus fährt. Ich hab nicht als Zuschauer das Gefühl, dass ich jetzt irgendwie Überraschungen erleben werde. Das nicht. Ich will bloß dann wissen, wie machen sie es denn jetzt. Aber die Erzählstruktur an sich wird dann verschachtelter, weil sie noch mal versuchen, aus jeder Perspektive, jetzt ist es so und so viel Uhr, wie der seinen Teil des Plans durchzieht. Das Spannende ist, dass er gar nicht so verschachtelt sein müsste. Er könnte sich auch straightforward erzählen. Es könnte funktionieren, die Personen auch nebeneinander zu zeigen. Ja. Und was er aber dann tatsächlich macht, ist, wir haben den Tag des Coups, und er erzählt, was Johnny macht. Und dann springt er noch mal zurück an den Anfang des Tages und erzählt, was George macht. Und dann hält er kurz inne und springt tatsächlich komplett zu dem Rennen. Und er präsentiert uns mehrmals den Beginn des entscheidenden Rennens, dass das dazu dienen soll, dass sie ungestört den Coup machen können. Und zwar ist ein zentrales Element davon, dass bei dem Rennen Dinge passieren, die die Wachleute ablenken. Dafür haben sie ihre zwei Komplizen. Und zwar zum einen den Schützen, der soll nämlich das Pferd erschießen, auf das alle gesetzt haben, um für den Tumult auf der Rennbahn zu sorgen. Und dann, was ganz witzig ist, ein Wrestler, der die Wachleute ablenken soll, damit die Wachleute abgelenkt sind. Das war übrigens auch kein Schauspieler, oder? Weißt du was über diesen Typen? Ich hatte irgendwas gelesen. Nee, aber es ist definitiv ein Wrestler. Das sieht man einfach daran, was er mit den Wachleuten macht und wie er gegen sie kämpft. Das ist so total dieses überstilisierte Kämpfen, wie keine Schlägerei aussieht. Mit diesen Wrestlingmoves verlierst du natürlich auch jede Schlägerei, wenn du dir Zeit nehmen musst, um jemanden über die Schulter zu werfen und dann zu sehen, dann verlierst du ihn. Also, ich meine, Wrestling-Match und Straßenschlägerei, wenn man die nebeneinander hält, dann sieht man ziemlich schnell, warum ein Wrestling-Match eine komplette Inszenierung ist. Witzig ist tatsächlich, dass sie ihn wrestlen lassen. Sie lassen ihn gegen die Wachleute, lassen sie ihn wrestlen. Er sorgt für Ärger. Und zwar einer nach dem anderen. Die stehen alle schön drum rum und warten, bis sie dran sind. Lass mich einmal kurz gucken. Cola Quariani heißt der Typ, der den gespielt hat. Das ist Maurice, der Wrestler. Der wird von Cola Quariani gespielt. Quariani, oh! Und das war ein professioneller Wrestler und Schachspieler. Was ganz witzig ist, weil sie haben ja auch eine Szene im Schachclub. Da wird er ja angeworben. Genau, und Kubrick hatte damals auch Schach gespielt. Er war so ein begeisterter Schachspieler. Deswegen kam das irgendwie zustande, glaube ich. Und dann loslegen. Und Kubriks Filme haben immer so ein bisschen was von der Schachpartie. Ja, stimmt. Also zumindest diese etwas größeren Filme, weil viel in Stellung gebracht wird. Und dann gibt es diesen großen Ausbruch, wenn die Stellung geöffnet wird, wenn der eine Bauer durchkommt und dann plötzlich alles offen ist und alle aufeinander einschlagen. Ich finde auch, der Film hat durchaus diese Kubrick-Momente. Ja, das ist auch ein bisschen versteckt. Aber man sieht so ein bisschen, wenn man es weiß wahrscheinlich eher, sieht man, wo der Regisseur vielleicht landen wird, wenn er ein bisschen ernsthafter wird, wenn er ein bisschen weniger sich am Trash orientiert und ein bisschen mehr an edleren Stoffen. Auch dieses Non-Lineare ist ja auch irgendwie ein bisschen Kubrick. Kann das sein? Weil The Shining ist ja auch ein bisschen so mit Rückgriffen und ich weiß nicht, ob das so ein bisschen ... Ja, dieses Verweben von Zeiten. Also bei 2001 und diesem Weltraum haben wir natürlich diese Vision, wo dann Zukunft und Vergangenheit irgendwie ineinander fließen. Bei Kubrick ist es auf jeden Fall dieses Erzählen, was, non-lineares Erzählen wäre zu viel gesagt, aber auf jeden Fall erzählen, was nicht einer stringenten Spur folgt, sondern gerne einen Umweg nimmt, gerne noch mal in einer anderen Ecke vorbeiguckt. Aber jetzt, wo ich schon an den Jahreserzählen gesagt habe, wo du schon so mich mit der Nase reingestoßen hast, ist ja quasi dein Gesicht in die Torte gestoßen. Jingle! Das war zu laut, blöd. Ja, ich weiß. Gott sei Dank. Überstellung ist nicht so schlimm, weil das kannst du wunderbar rausschneiden. Ich mach's nochmals an. Das war zu leise, plot. Ich mach's nicht noch mal. Unsere Liste. Okay. Ja, wir haben eine Top 3, und du hattest vorgeschlagen, was mich dann sofort schockiert hat, weil da muss ich drei Tage drüber nachdenken. Filme, die genau das machen, nicht in einem durchzuerzählen, sondern da noch mal einen Rückgriff, da noch mal dorthin, in der Zeit irgendwie hin und her gesprungen. Non-lineare Narrationen, wenn man's ganz akademisch ausdrücken will. Nicht lineares Erzählen. Mir ist die Liste super schwer gefallen. Ich hab auch keine Honorable Mentions. Ich war traurig, ich dachte, es gäbe viel mehr. Mir würde viel mehr einfallen. Meine einzige Honorable Mansion, ein Film, über den wir ausführlich in einer anderen Episode gesprochen haben, wäre der Spiegel von Andrei Tarkovsky. Das ist wahrscheinlich meine Nummer eins. Den hab ich außen vor gelassen. Weil es gibt eine Episode, in der wir sehr, sehr lange und sehr ausführlich über dieses komplexe, filmische Werk reden. Schaut euch die an. Auf jeden Fall anhören. Schaut euch den Film auch an, auch wenn er schwer konsumierbar ist schreckenweise. Aber ja, doch, das lohnt sich. Ähm ... Mein Platz 3, ich bin dran, oder? Du bist dran. Mein Platz 3 wäre ... Nein, ich mach eine Honorable Mansion. Weil das als Erste ist, was allen einfallen wird und ich es nicht in die Liste packen will, ist Memento. Memento, der einfach von hinten das Ganze, ne? So versucht jemand, sich zu erinnern, was er eigentlich gemacht hat. Er hat sich ständig Notizen hinterlassen, so, er versucht, rauszufinden, was passiert ist. Dann erzählt der Film sich sozusagen rückwärts. Das find ich ein tolles Konzept, das lange her, dass ich den gesehen habe. Vielleicht bring ich jetzt auch noch ein paar Sachen durcheinander im Kopf. Aber der war schon vom Konzept her einfach wirklich so ein Film, der auch jedem einfällt, wenn man diese Form der Erzählung erfähnt. Kommt aber nicht in die Liste, weil ich ihn auch nicht mehr präsent genug hab, um sagen zu können, mein Platz 3 wäre dann, und dann hab ich in der anderen Liste auch schon L'ageté. Ja, okay, der bietet sich aber auch tatsächlich an. L'ageté ist einfach großartig und der Versuch, die Zukunft zu retten, indem man in die Vergangenheit reist. Ich liebe Zeitreisefilme und ich liebe dieses Hin und Her und dieses, was beeinflusst das andere. Und einfach toll. Und du bist dann irgendwann bei L'ageté, bist du halt all over the place. Du weißt nicht mehr, bist du jetzt in der Vergangenheit oder bist du ein Stückchen weiter oder ein Stückchen früher. Die Hauptfigur besucht halt die weibliche Hauptfigur in allen möglichen Zeitebenen. Und wann was war, weißt du ja halt auch schon nicht mehr. Und es springt wie so ein Traum dann auch so zwischen den Zeiten, ne? Ja, das ist so ganz toll irgendwie. Ist man dann so ein bisschen lost, aber gut lost. Ja. Tolle Struktur. Gott, bei mir ist tatsächlich offensichtlich, waren die End 90er und frühen 2000er eine total gute Zeit für dieses nicht in den Jahren erzählen, weil ich hab nur Filme aus der Zeit. Mein Platz drei ist mittlerweile so ein Klassiker, der Kombination von Neonor und Surrealismus, Lost Highway von David Lynch. Naja. Ein wirklich verschrobener Film, der sich wie so ein Möbius-Band einmal um sich selbst dreht und irgendwie an merkwürdigen Anfang rauskommt, der sich gleichzeitig mit dem Ende paart. Erzählt werden eigentlich zwei Geschichten. Zum einen die Geschichte von dem eifersüchtigen Jazzaxophonisten Madison, der irgendwann seine Frau umbringt. Und dann direkt kurz darauf die Geschichte von dem Autoverkäufer und Gelegenheitsverbrecher Pete, der in der Zelle von Fred Madison wacht wird, und dann natürlich freigelassen werden muss. Und der dann noch mal eine Geschichte erlebt, die Parallelen hat zu der vorherigen Handlung. Es kommen Schauspielertauchen wieder auf, die wir vorher gesehen haben. Teilweise in den gleichen, teilweise in anderen Rollen. Dann dreht sich das auf ganz merkwürdige Art einmal so um sich selbst, dass man nicht mehr weiß, wo Anfang und Ende ist. Er fühlt sich lange straight erzählt an, und dann plötzlich merkt man, dass es kippt und dass der Film zu so einer Spirale wird, die sich eigentlich nicht auflösen lässt. Großartiger Film. Was Filme alles können, das ist unglaublich. Fantastisch erzählt. Ich bin total abstrus im Kopf. Das Einzige, was mir im Kopf geblieben ist, ist einfach das Wort abstrus. Ist auch zu lange her, und ich könnte nicht mehr sagen, worum es geht. Es ist gut, dass du das noch mal gesagt hast, weil ich hab's nicht mehr im Kopf. Es gibt keine logische Auflösung. Er ist insofern dem Surrealismus verpflichtet, dass er sich nicht erklärt und dass er auch nicht einfach symbolisch interpretiert werden kann, sondern dass er wie eine Kombination aus Realität und Albtraum für sich steht. Wahnsinn. Ja, und dass das funktioniert, dass man da dran bleibt, obwohl Filme sich manchmal, wie bei Playtime, so weit von der eigenen Realität entfernen. Das ist schon cool. Was bei Lynch faszinierend ist, es gab ja mal so ein Backlash gegen Lynch, wo es dann hieß, der kann einfach nicht mit den klassischen Surrealisten mithalten. Coolen Surrealismus, was ich an Lynch total schätze, ist, dass er es schafft, surrealistisch zu erzählen und sich dabei auch ganz stark anlehnt an den klassischen Surrealismus, aber gleichzeitig Stories zu erzählen, die emotional mitreißen, die spannend sind, die gruselig sind und auch tragisch. Und ja, dadurch ist er ein bisschen der Mainstream-Surrealist. Er ist kein Experimentalfilm-Rechiseur, aber trotzdem schafft er es wirklich, verworren zu erzählen und gleichzeitig mitzureißen. Und das muss man auch erst mal hinkriegen. Definitiv, ja. Okay. Dann Platz zwei. Eine Frage, ob das da reingehört. Mongolia. Weil mir kommt er sehr nonlinear vor, erzählt vor, aber wenn ich daran denke und versuche, das zu sortieren, denke ich, naja, eigentlich passiert schon eins nach dem anderen. Ja, er hat so dieses Parallelisieren und er hat diese Rückgriffe und am Ende zitiert er noch mal den Anfang. Ich finde es total toll, dass du den aufgenommen hast. Das war eine der ersten Episoden, die wir gemacht haben. Ja, und ich fand ihn so toll. Das ist schön. Magnolia ist wahrscheinlich mein Lieblingsfilm. Also, habe ich damals schon gesagt. Wenn ich eine Top Ten-Liste der besten Filme machen müsste, würde er wahrscheinlich immer noch auf der Eins stehen. Wow. Der ist wirklich sehenswert. Ich glaube, das ist die 2. oder 3. Episode. Genau. Also, es lohnt sich wirklich. Ja, und ich weiß nicht, ob der jetzt so in diese Kategorie nonlinear wirklich reinpasst. Sonst hätte ich noch Annie Hall zu bieten, was wir auch schon hatten. Annie Hall ist halt auch all over the place, weil hier mal die Erinnerung an diese eine lieb schafft, die Erinnerung an die andere. Und dann so episodenhaft einfach erzählt. Episodisch verschachtet, verschnörkelt. Haben wir auch eine Episode, in der wir drüber reden. Wir kümmern uns tatsächlich oft, das haben wir vorhin schon festgestellt, dass einige Filmtitel bei uns immer wieder auftauchen. Aber natürlich, was daran liegt, dass es wirklich sehenswerte Filme sind. Sowohl Annie Hall als auch Magnolia, finde ich, gehören einfach so ins zeneastische Pflichtprogramm. Ja. Und man hat dann irgendwann so ein Bild, das hast du vorhin gesagt, ein Bild von unserem Filmgeschmack. Da kann ich nur dem geneigten Zuhörer empfehlen, auf den Blog zu gehen. Auf das Blog, auf das Blog. Das Blog, das Webblog. Von Plor, der auf mussmansehen.de ganz viele Filme verreist. Wollte ich gerade sagen. Stimmt ja gar nicht. Du machst ja vor allem Filme, die du einfach liebst. Ich hab früher auf Seite 360 öfter mal Verrisse geschrieben. Ich hab's mir fast komplett abgewinnt. Nur wenn ein Film so phänomenal schlecht ist, hab ich das Gefühl, ich muss das rauslassen. Aber eigentlich mag ich keine Rezension, die Filme schlechtreden. D.h., ich seh wirklich genug Schlechtes und Mittelmäßiges, um es dann noch mal drüber zu schreiben. Dafür ist mir die Zeit zu schade und ich schreib lieber über die Sachen, die mich begeistern. Hätt man Roger Ebert mal sagen sollen. Ja. Ja, aber ich find's sympathisch, dass du eher das versuchst, dann im Positiven zu bleiben und da nicht noch mehr Energie reinzuwerfen in Dinge, die einfach nicht geil sind. Ja. Dein Platz zwei? Platz zwei. Klassiker hast du vielleicht auch in der Liste. Ja, ja. Wie gesagt, ich bin Mitte der 90er, Pulp Fiction 1994. Ist sogar Anfang Mitte der 90er. Großartig erzählt. Tarantino ist wahrscheinlich ähnlich wie Lynch. So wie Lynch, der Regisseur, der es schafft, Surrealismus zu Mainstream zu machen, ist Tarantino der Regisseur, der es schafft, Pulp zu Mainstream zu machen. Ja. Und in dem Fall sagt's ja auch der Titel. Und in dem Fall ist es auch ganz nah dran an The Killing. Es gibt Gangstern, die schräge Sachen machen, ein bisschen verschachtet erzählt, keine wirklichen Sympathieträger, aber trotzdem Geschichten, die einen reinziehen. Und Tarantino schafft das, das mit so viel Pop zu vermischen, dass es einfach pure Freude ist und Spaß ist. Ja, wobei mir der Pop manchmal überhandnimmt in den Dialogen. Ja, das stimmt. Und es ist oft manchmal, Sinnlosigkeit ist Teil des Programms. Aber es ist toll, wenn sie anfangen, sich über Burger in Europa zu fassen. Also gerade das im Auto, wo das mit den Burgern passiert, da war ich dann überfordert. Da hab ich gedacht, oh, nee. Aber sonst macht es Tarantino sehr gut. Und ich find die Dialoge von Tarantino oft wirklich sehr gut. Wow. Der schreibt so, wie kein Mensch redet, aber man verzeiht's ihm, weil diese Dialoge so lebendig sind und so viel Spaß machen einfach. Der kriegt das irgendwie hin. Aber kein Mensch ist so schlagfertig im realen Leben. Aber er schafft es auch, die Schauspieler dazu zu bringen, das so zu machen. Ich glaube, viele Schauspieler in unseren breiten Graten wären relativ überfordert von solchen Dialogen. Wahrscheinlich. Es gibt ja tatsächlich Versuche, deutsche Tarantinos zu machen. Und gar nicht so wenige. Die sind alle in die Hose gegangen, wenn ich drüber nachdenke. Ich würde nicht sagen alle. Es gibt einen Tatort, den ich eigentlich ganz geil fand. Ich weiß, wie du meinst. Da merke ich auch manchmal, na ja, ein bisschen zu bemüht. Aber ich fand's schon ganz geil. Schaut, wie cool ich bin. Aber der war gut. Das war schon nicht schlecht. Der einzige Tatort, der mir wirklich Freude gemacht hat. Im Schmerz geboren. Und es gab auch noch einen Tatort, ich glaube, es war ein Tatort, wo sie nur auf einer Polizeiwache, die eigentlich schon zum Museum gemacht wurde, spielt. Wo sie dann irgendwie sich zurückziehen müssen, und dann kommen diejenigen, die kommen, die alle gut bewaffnet sind und die sich ja verschanzen müssen, in einem Museum von Polizeiwache. Das ist toll. Es ist ein gutes, claustrophobisches Moment. Das ist ein schöner Mitterkommentar. Ja, total schön. Das Coole am Tatort ist ja eigentlich, also grundsätzlich an der Theorie von Tatort ist, dass das total die Möglichkeit ist für Filmemacherinnen, sich auszutoben. Zu sagen, ich hab hier 90 Minuten, ich kriege einen Kommissar und ich kriege so ein kleines Setup in einer gewissen Stadt. Und dann darf ich mich aber austoben. Ich darf alles damit erzählen. Ich darf eine Krimikomödie erzählen, ich darf einen düsteren Thriller erzählen, ich darf eine Tragödie erzählen. Es wird nur zu selten genutzt. Das ist das Problem. Ich glaube, es liegt an den Produzenten, denn die Ideen sind eigentlich da. Es gab auch eine tolle, fand ich auch super, eine Version von Täglich grüßt das grüßt das Murmeltier und der Kommissar immer wieder rankommt an den Tatort. Und er scheitert beim ersten Mal. Dann wacht er wieder auf, ist total verwirrt und genervt, geht wieder hin und merkt schon, okay, irgendwie stimmt das gerade nicht. Und bekommt einfach wahnsinnig oft die Möglichkeit, diesen Fall zu lösen. Und der Täter in der ganzen Geschichte, der irgendwo in einem Gebäude irgendwie Geiselnahme hat, der weiß auch davon. Alle anderen nicht, aber die sitzen dann irgendwann zusammen und sagen einander, komm, wollen wir es noch mal probieren? Das ist cool. Das Problem ist, ich kenne zu wenige Tatorte. Und es ist halt so ein Glücksspiel. Und meistens hast du eine Niete gezogen. Wenn du in einen Tatort guckst, wenn du sagst, heute guck ich mal den aktuellen Tatort. Und dann ist es halt der typische saarländische Tatort, wo irgendwie nichts groß passiert, wo sie so ein bisschen Gesellschaftskritik versuchen, wo es so total kitschig erzählt ist. Der versucht, Milieu zu erzählen, der dann auch in die Hose geht. Und irgendwie, ich weiß nicht. Ja, leider, leider. Aber es gibt ein paar gute Beispiele. Und allein dafür lohnt es sich, dieses Konzept aufrechtzuerhalten. Leute, ich will gute Tatorts sehen. Ich habe total Interesse dran. Wenn ihr einen guten Tatort kennt, der irgendwie ein bisschen das Konzept sprengt, mit der Grundidee von einem Tatort, was Intelligentes macht, was Frisches macht, dann schreibt es in die Kommentare. Oder in die E-Mail-Adresse noch mal. florian-at-mus-man-sehen.de oder johannes-at-mus-man-sehen.de Bitte, wirklich, ich habe so Interesse an Tatorte, aber ich habe keine Lust, mich durch 50 mittelmäßige deutsche Krimiserien-Episoden zu quälen, um dann die eine Perle zu finden. Ja. Und bitte nichts, wo man auch nebenher bügeln könnte, weil einem dann 20.000-mal die Story noch mal erzählt wird. Und weil ich nicht gut bügeln kann. Ja. Jan-Josef Liefers ist mein Liebling beim Tatort. Ich habe zwei, drei Episoden gezwungenermaßen gesehen mit Jan-Josef Liefers, weil mir immer gesagt wurde, die musst du gucken, das sind die coolen. Ja, das ist nicht das, was ich meine. Das sind nette Krimik-Komödien. Aber ich will was, was wirklich im Schmerz geboren ist. Oder wie du gesagt hast, ich grüße das mit der Folge. Ich will Sachen, die das Konzept Tatort aufbrechen oder damit spielen oder experimentieren. Obwohl ich sagen muss, dass ich Jan-Josef Liefers sehr mag. Das ist bayerisch, Münchner? Nee, das ist der Saarländische, glaube ich. Nee, definitiv nicht der Saarländische. Der Saarländische ist nämlich aus Heinz Becker. Was? Der Schauspieler, der Heinz Becker den Sohn gespielt hat. Der war ganz lange im Saarländischen Tatort. Der Kommissar mittlerweile, glaube ich, nicht mehr. Aber irgendwo im Süden? Ja, genau. Ich glaube, Jan-Josef Liefers ist München. Aber ich weiß nicht sicher. Das haut uns um die Ohren. Wo waren wir stehengeblieben? Du hast Platz zwei schon gesagt. Du musst Platz eins. Ich muss Platz eins. Und zwar hätte ich da ... I'm Not There. Das ist über Bob Dylan. Ah, ja. Das Biopic. Wo fünf Leute, glaube ich, fünf verschiedene Schauspieler Bob Dylan spielen. Tilda Swinton auch, ne? Nee, das ist Kate Blanchett. Ja, Kate Blanchett. Und sie macht das großartig. Sie ist der beste Bob Dylan. Es ist unglaublich. Sie ist so cool. Sie trifft es so gut. Das ist der Wahnsinn. Und Bob Dylan ist das beste, perfekteste ... Na, man kann es nicht steigern. Aber die beste Idee für ein Biopic von Bob Dylan. Weil Bob Dylan einfach fünf Gesichter mindestens hat. Mindestens. Und das einmal aus all diesen Perspektiven, wie diese Person sich zusammensetzt, das beeindruckt. Ein unglaublich toller Film. Toll auch zwischen tatsächlich realen Geschehnissen. Und dann auch so irgendwie eher so Gedankenfetzen aus Dylan's Songs. Das ist tatsächlich ein Film, der das Gefühl der Musik von Bob Dylan, gerade dieses Diversifizierte, total gut auf die Leinwand gebracht hat. Bob Dylan sollte sowieso viel mehr gehört werden. Dringend, dringend. Das ist auch immer wieder rauf und runter. Bob Dylan ist großartig. Ganz, ganz, ganz toll. Jetzt schwärmen wir über Bob Dylan. Ich muss diesen Film noch mal sehen. Hast du den gesehen schon? Ja, das ist schon wirklich lange her. Ich hab gerade geguckt, 2007 kam der Film raus. Ich hab den relativ zeitnah gesehen. Das ist wirklich lange her. Ich hab von diesem Film tatsächlich eher so einzelne Bilder und Sequenzen im Kopf. Ich kann mich nicht mehr an die komplette Struktur erinnern. Ich weiß, es gab mehrere Dylans. Ich weiß, Cate Blanchett, die ich gerade noch für Tilda Swinton gehalten habe, war großartig als Dylan. Aber ich weiß noch, dass der Film von vorne bis hinten Spaß gemacht hat, weil er dieses Dylan-Gefühl wirklich gut vermittelt hat. Und der wirft einen auch von einer Situation in die nächste. Es wird einem nie langweilig. Man hört sofort immer wieder, da passiert dann wieder was und dann da lang. Da noch ein Aspekt von Bob Dylan, den ich auch noch nicht kannte. Ja, der ist schön. Unbedingt wieder gucken. Auf jeden Fall kommt er auf die Liste noch mal sehenswert. Vielleicht müssen wir den hier besprechen. Eigentlich würd sich's lohnen. Glaube ich auch, definitiv, bin ich nicht ganz bei dir. Mein Platz 1 hast du schon bei den Honorable Mentions genannt. Es ist eben Memento geworden. Echt, wirklich? Weil Memento die Struktur des non-linearen Erzählens perfekt mit der Geschichte verbindet. Oft hat man das Gefühl, dass es auch ein bisschen gimmick ist, wenn nicht linear erzählt wird, um einen Film aufregender zu machen. Das ist übrigens auch was, der Killing macht. Der Killing macht sich selbst spannender, indem er das sich ein bisschen verschachtelt, auseinanderzieht. Und bei Memento ist die Art des Erzählens, es geht um einen Charakter, der sein Kurzzeitgedächtnis verloren hat, das heißt, sich immer nur an die letzten zwei Minuten oder so erinnern kann. Es macht halt total Sinn. Er weiß, was er als Nächstes tun wird, aber er weiß nicht, was er als Letztes getan hat. Das wird hier radikal konsequent erzählt, indem der Film von hinten nach vorne erzählt wird. Gleichzeitig gibt es aber Parallelhandlungen, die von vorne nach hinten erzählt werden. Dann treffen sie sich in der Mitte, super strukturiert. Am Anfang ist es erst mal so ein Wow-Effekt, da muss man sich da reinfinden. Das ist ein Thriller, Mystery-Thriller der letzten 30 Jahre. Ich muss kurz gucken, von wann er ist. Ich hab ihn Ende der 90er eingeladen. Das kann sein, dass er schon 2000er ist. Genau 2000, genau das Jahr 2000. Von einer der frühen Filme von Chris Nolan, der dann später mittlerweile zu den großen Ikonen des Action-Kinos gehört, durch die Dark Knight-Trilogie, durch Inception und Interstellar. Und zuletzt Tenet, der eher so meh war und deswegen keinen Platz in der Liste verdient hat. Okay. Ja. Cool. Ach, wieder schöne Filme. Cool. Ich freu mich über die Top 3 in letzter Zeit besonders. Weil das immer so ein kleine Perl noch mal rein dürfte. Wir schmeißen uns Filmtitel entgegen und jubeln dann zusammen. Oder gucken uns fragend an. Das sind die besten Momente bei den Top 3. Was hat er da genannt? Hab ich noch nie gehört. Und dass ich dir mal was vor den Füßen werfe, was du noch nicht kennst, ist schon echt selten. Ja. Na ja, ich weiß nicht. Da muss ich schon tief in die 15er-Jahre-Kiste greifen. Ja, wenn du mir mit den Musicals ankommst. Aber tatsächlich hast du gar nicht so viele Musicals drin. Bei dir ist Musicals auch so eine abstrakte Ebene. Ein riesiger Korb, wo du manchmal reingreifst und was rausziehst. Aber in Wirklichkeit weißt du, was die eigentlich guten Filme sind. Wenn Menschen am Schluss alle über den Haufen geschossen werden. Und das ist das, was auch bei The Killing passiert. Na ja, also, er geht ja nicht wie Tarantino einfach drauf los und schießt alle nieder. Sondern der, der das Pferd anschießen sollte, wird halt einmal umgebracht. Nachdem er einmal richtig den Rassisten raushängen lassen durfte? Ich hab mich schon gefreut. Am Anfang, er kommt da so rein, versucht irgendwie den Sympathien und der Wärter, der das aufmachen soll, zu herzustellen, versteht sich sehr gut mit dem und irgendwann nervt er halt leider. Ja, genau, es ist auch ganz eindeutig, dass er in dem Moment den Rassisten spielt, um den Wärter loszuwerden. Er fährt auf den Parkplatz, er soll das Pferd erschießen. Es gibt diesen einen Parkplatz, wo er den beste Sicht hat auf die Rennbahn. Dann unterhält er sich nett mit dem Wärter, der da steht, der schwarz ist. Er ist dann abgetan von dem Schmeicheln und kommt zu seinem Auto und unterhält sich mit ihm. Er muss dir das Gewehr rausziehen und das blöde Pferd erschießen. Dann fällt ihm nichts anderes ein als das N-Wort rauszuhauen und einmal ordentlich rassistisch zu agieren. Dann hat er seine Ruhe. Kann das Pferd tatsächlich erschießen? Bei der Flucht wird es aber problematisch. Bei der Flucht wird er abgeknallt. Das ist unser erstes Opfer, wenn man das Pferd nicht mitrechnet. Ich finde auch, dass dieser Überfall an sich ganz gut erzählt wird. Du kommst gut mit. Jetzt rennen die da rein, weil die sind abgelenkt. Dann wird das Geld da zusammengesammelt. Es ist tatsächlich cool, dass man lange nicht weiß, dass es Stück für Stück offenbart wird, wie die einzelnen Rollen bei dem Überfall sind. Der Film springt mehrmals zurück zu dem Start des Rennens. Das ist sein Zentrum, wenn es zu dem Überfall kommt. Dann erzählt er den Start des Rennens aus der Perspektive von dem Mike, der an der Bar steht. Dann erzählt er aus der Perspektive von dem Maurice, dem Wrestler, der da einen Stress macht. Schließlich erzählt er das aus der Perspektive von Johnny, der von George reingelassen wird in die Mitarbeiterräume. In der Garderobe hat George zuvor eine Waffe versteckt, die sich Johnny dann krallt. Nee, nicht George, sondern Mike. Das komme ich auch durcheinander mit den Namen. Diese Waffe ist typischerweise in einem Instrumentenkoffer. Am Anfang, als er sie holt. Und in einem Blumenkasten. Das Tolle ist, wir sind hier in den 50ern. Das sind Bilder, die damals im Film noch nicht so populär waren. Beide Bilder wurden später zu Tode getrampelt. Zuletzt auch von Tarantino oder Rodriguez oder auch von James Cameron in Terminator. Noch mal zitiert, wo man merkt, da gibt es ein bisschen Liebe für diesen Film. Das stimmt. Es gibt ja mehrere Leute, die sich auf diesen Film beziehen. Was war denn das? Ich weiß es nicht mehr genau. Tarantino hat ihn in Reservoir Dogs als eine wichtige Quelle genannt. Vor allem hat sich Tarantino auch auf die Autoren bezogen. Die Autoren sind, wie gesagt, zum einen basiert der Film auf einer Novel von dem Autoren Clean Break. Beziehungsweise Spatter the Killing, der von Lionel White geschrieben wurde. Und Lionel White war einfach so ein typischer Palpautor, der viele kleine, dreckige Gangstergeschichten geschrieben hat. Und der so im Nachhinein einfach große Achtung erfahren hat als jemand, der weiß, wie man Thriller-Handlungen schön kompakt und trotzdem interessant schreibt. Wie ich schon gesagt habe, Tarantino hat diesen Autoren explizit als Quelle, als Inspiration für seinen Reservoir Dogs genannt. Was auch nicht besonders schwerfällt, wenn man diesen Film sieht, merkt man schon die verschachtelte Struktur, die bösen Buben, auch der Showdown, bei dem alles schief geht, diesen Hang zum Katastrophalen. Die Katastrophe bahnt sich an, man weiß genau, das wird nicht gut ausgehen. Ja, aber das ist so ein, wenn man böse sagen will, das ist so ein kleiner Jungstreich. Ja. Du hast so das Gefühl, das sind so Sachen für, weiß ich nicht, so böse Buben, hast du gerade gesagt. Das ist so ein typisches, eigentlich süßes Wort für das, was es sein soll. Das ist irgendwie so eine Fantasie von so kleinen Jungen. Definitiv. Das ist auch das, was Tarantino macht. Das sind Filme für kleine Jungs. Und zwar kleine Jungs im universellen Sinne. Jede Frau und Frau können auch kleine Jungs sein. Und auch in jedem Alter. Aber so vom Gefühl her. Wie gesagt, ich hab diese Dinge auch gerne als Kind gelesen. Und hab dann irgendwann aufgehört, als ich angefangen habe, Stephen King zu lesen, der eigentlich aber auch kleine Jungs Literatur macht. Und um das ein bisschen auch träckige, auch etwas gewalttätige, so ein bisschen Schock. Daran sollte man auch immer noch denken, der Film ist Anfang, Mitte der 50er. Der hatte schon eine gewisse Brutalität zu der damaligen Zeit, die man sonst nicht so gesehen hat. Es fließt Blut, es gibt brutale, raue Sprache. Und brutale, raue Typen. Und das ist eigentlich was, wenn man es ganz krass sagt, da wird schon so ein bisschen New Hollywood vorbeigegriffen. Aber so weit würde ich gar nicht gehen. Aber für seine Zeit ist der Film ganz schön dreckig. Okay. Auch die Norrgeschichten und auch die Thriller der 50er-Jahre hatten nicht so eine schmutzige Ebene, sondern waren ein bisschen gediegener, ein bisschen braver, ein bisschen biederer. Es war nicht ganz so ein Morast. Du denkst an die Bogard-Filme, oder? Ja, nicht nur Bogard. Jetzt fallen mir die Ausnahmen ein, aber die will ich ja gerade nicht nennen. Mal gucken, von wann Rattennest ist. Ja, weil mir nämlich auch nur Ausnahmen entfallen. Im Kopf habe ich schon auch so, wo viel so geschossen wird und dann so Sprüche noch hinten dran und solche Sachen. Also Kiss Me Deadly zum Beispiel, das Rattennest. Das ist auch ein Film aus 1955, und der ist noch mal ein ganzes Stück brutaler und abgefuckter. Das heißt, der eignet sich gerade überhaupt nicht. Das war doch so ein Regisseur aus der damaligen Zeit. Was hat der sonst noch gemacht? Der hat doch auch Filme gemacht. Jetzt hänge ich so kurz ein bisschen. Aber es ist auch schwer, weil natürlich rettet sich aus dieser Zeit nur das hinüber zu uns, was wir als Ausnahmen, als besondere Spitzen dieser Zeit sehen. Natürlich sehen wir nicht den ganzen breiten Brei, den es damals gab an Zeug, der weniger brutal war, der einfach zur Unterhaltung irgendwie, wenn da nichts Außergewöhnliches dabei ist, dann hat man das nicht im Kopf, klar. Was zum Beispiel, tatsächlich, das würde ich nicht total schätzen, aber Orson Welles. Nehmen wir Orson Welles im Zeichen des Bösen, 1958. Das heißt, zwei Jahre, ein Jahr nach The Killing. Ja. Und das ist auch ein Thriller und auch ein Film, der mit düsteren Elementen spielt, der aber, ja, der einfach nicht so abgefuckt ist. Abgefuckt ist das Wort, was das, glaube ich, am ehesten trifft. Und ja, es gab damals auch diese abgefuckten Filme. Aber die großen Filme, die großen Mainstream-Thriller, die damals vom Publikum rezipiert wurden, die von den Studios finanziert wurden, die waren alle einfach mal eine Spur braver. Hm. Weniger dreckig. Also treffen wir uns jetzt in der Mitte zwischen Miss Marple und... Also... Die sind heute noch so. Das ist eine andere Ecke. Die können nur dreckig, wenn es mit Humor sein soll. Oh Gott. Okay, also Amis. Ja, brutale Amis. Hm. Also, äh... Hast du noch irgendwie was, was bei dem Film jetzt besonders hervorsticht, was du noch besprechen möchtest? Ansonsten könnte man auch zum Fazit übergehen, oder hast du noch was? Ja, es gibt nicht mehr viel zu sagen. Am Schluss haben sie der Coup gelinkt. Die Gangster treffen sich in ihrem Unterschlupf und warten auf Johnny mit dem Geld. Und dann kommt aber nicht Johnny, sondern dann kommt eben der junge Lover von Sherry, zusammen mit seinem Kumpanen. Und die wollen das Geld natürlich, die wollen die abziehen. Und dann kommt es zur Schießerei. Und der Einzige, der die Schießerei überlebt, ist George, der seine Frau erschießen darf, ganz traditionell. Die muss natürlich auch büßen für ihre Sünden. Traditionell. Und Johnny schafft es fast, mit seiner Freundin wegzurennen. Und es ist tatsächlich so ein Moment, wo man denkt, okay, einer kommt davon. Und es ist ja auch öfter mal so in diesen Filmen, dass dann einer mit dem Geld davonkommt. Aber Johnny muss seinen Koffer aufgeben. Ja, am Flughafen. Verdammte Behörden. Und der Koffer öffnet sich dann natürlich, Johnny wird verhaftet, Johnny überlebt tatsächlich. Johnny überlebt als Einziger, oder? Mit seiner Frau. Aber er hat nicht mehr viel von seiner Frau. Aber der Film ist eigentlich ein Bild des Scheiterns. Eines tragischen Scheiterns, weil alles perfekt durchgeplant war und alles, was geplant war, so funktioniert hat, wie es funktionieren sollte. Nur kam dann eben der Störfaktor rein. Menschliches Versagen, genau. Ich finde, das Ende wird ... Ich habe mich kurz gestört, als ich es gesehen habe, aber dann habe ich gedacht, es ist eigentlich wirklich passend, dass es wirklich so nebenbei erzählt wird. Es gibt zwar dieses Drama um die Aufgabe des Koffers. Ich will es gerne mit reinnehmen als Handgepäck. Darfst du nicht, weil zu groß und so. Aber es wird nicht überdramatisiert. Nee. Sondern es wird dann halt ... Ja, da fällt der Koffer halt runter, geht auf. Und ich dachte schon, als er das Geld in den Koffer getan hat, muss du das so hektisch machen, denk noch mal drüber. Ja. Du könntest davonkommen, wenn du nicht so hektisch und nervös wärst. Ja, aber das ist auch klar. Das ist man dann halt einfach. Und dann, na ja, dann rennen sie noch mal kurz weg. Aber eigentlich bringt es ihnen nichts. Und der bleibt dann da stehen und sagt, was soll es, Pech. Es ist cool, wir haben kaum ein Wort über den Überfall verloren. Aber es gibt auch nicht viel dazu zu sagen. Er zieht sich eine Maske an, er überfällt sie und packt das Geld ein. Das ist gut durchgeplant, das ist gut gemacht. Aber was soll man da groß erzählen drüber? Das nimmt kaum Laufzeit. Der Film besteht hauptsächlich aus der Planung und dann aus dieser verschachtelten Struktur immer bis zu dem Punkt, wo der Überfall stattfindet. Wo die Waffe gezogen wird und gesagt wird, drückt das Geld raus. Und dieser Punkt, der da hinführt, wird mehrmals erzählt. Aber das Eigentliche, das wird ganz schnell abgehandelt. Ja, dann wird das Geld halt eingesackt und der schmeißt es aus dem Fenster, damit es abtratzmachtelt werden kann. Genau, keine großen Sachen drum herum. Wie gesagt, ich hab's in meinem Intro-Text gesagt, und ich sag's gerne noch mal, dieser Film hat kein Krampffett zu viel. Er ist einfach unglaublich lang, dreckig. Es ist die filmische Variante von einer Pulp-Novel. Und das weiß ich sehr zu schätzen. Ich hatte sehr viel Freude daran. Naja, am Ende ist es halt für mich dann doch ein bisschen zu egal gewesen alles. Ich hatte schon das Gefühl, dass ich irgendwie da einer Sache zusehe, die ich potenziell cool finden könnte. Und dass die Stimmung auch so ganz nice ist, von der Erzählung her und gut aufgebaut und so. Aber vielleicht hat es wenigstens eine Figur gebraucht, der ich wünsche, dass es schafft. Natürlich wünsche ich tatsächlich der Geschichte, dass es funktioniert. Aber vielleicht wäre Johnny der geeignete gewesen, dass ich noch ein bisschen mehr Background gebe, von dem ich sagen kann, okay, jetzt will ich wirklich, dass er das schafft. Und ich fieber mit ihm mit und so. Bei George, da kannst du nicht mitfiebern. Da kannst du eigentlich nur hoffen, dass er umkommt. Knadenschuss. Was ich noch an dem Film zu schätzen weiß, ist, dass er, wenn man weiß, wie sich Co-Prec entwickelt, hat. Wahrscheinlich muss man das tatsächlich wissen, um das mitzukriegen. Dann sieht man eben doch Elemente vom späteren Co-Prec in diesem Film. Und zwar diese kühle Präzision bei der Strukturierung der Geschichte. Wie er die einzelnen Sachen zusammenfädelt. Und vor allem auch bei den Bildern. Wie er mit Licht und Schatten spielt. Wie er es schafft, mit modernem Thriller zu kombinieren. Wie er es schafft, das Elegante aus der damaligen Welt mit dem träkigen, rauen zu mischen. Trotzdem ist es natürlich kein Co-Prec. Empfiehlt komplett dieses epische, dieses gigantische, was Co-Prec-Filme sonst oft mit transportieren. Aber Co-Prec kann auch klein. Ja, beziehungsweise ist es ja so der Anfang. Und bei Anfängen ist es ja oft so, dass man merkt, da ist jemand noch zurückgenommen. Da weiß jemand noch nicht so genau, was er darf und was er nicht darf. Dieses bombastische muss man sich auch erst mal trauen. Und dann ist klar, dass der Anfang vielleicht zurückgenommen ist. Das war sein erster Film, in dem er mit professionellem Cast & Crew zusammengearbeitet hat. Und sein dritter Film. Und es war der letzte, den er ausschließlich in den USA gedreht hat. Danach ist er immer schön hin- und hergesprungen Und er hat den Film zusammengeschrieben mit ... Das war der zweite große Outer, der noch reinpasst. Mit Lionel White. Den hat er extra ... Quatsch, nicht Lionel White, das war der falsche. Jim Thompson. Den hat er extra angeheuert, um mit ihm zusammen das Skript zu schreiben. Weil er Jim Thompson sehr gemocht hat. Jim Thompson ist auch ein großer Pulp-Novelist. Am bekanntesten ist er wahrscheinlich dafür. Der wurde 1972 als einer der großen New-Hollywood-Action-Filme verfilmt. Okay. Und Kubrick hat sich offensichtlich auch Hilfe gewollt, um das Skript umzusetzen. Aber Jim Thompson selbst hat gesagt, es war viel im Buch in der Romanvorlage von Lionel White vorgegeben. Sie haben keine großen Experimente damit gemacht, sondern die Vorlage, Clean Break, war schon verschachtelt strukturiert. Das haben sie einfach übernommen. Ich glaube, Sie hatten weniger Geld, als Sie wollten, oder? Ja, Sie hatten ... Sie hatten auf jeden Fall nicht sonderlich viel Geld. Also es ist tatsächlich ... Es ist tatsächlich kein ... kein Big-Budget-Film. Das Ding ist, dass eigentlich ... sollte das Buch ... Eigentlich wollte United Artists die Rechte an dem Buch haben. Und der Produzent James Harris ... Ja? Der schon vorher Filme produziert hat und eigentlich immer nach Leuten gesucht hat, mit denen er zusammenarbeiten kann. Die irgendwie spannende, interessante Neue. Der ist da irgendwie auf Kubrick gestoßen. Deren Wege haben sich bei diesem Projekt quasi zum ersten Mal gekreuzt. Und daraus ist eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit entstanden. Also ... Genau. Ah, so was. Also bevor ich das falsch sage, hat James Harris schon vorher in der Filmindustrie gearbeitet. Aber The Killing war seine erste Arbeit, die er wirklich allein produziert hat. Wie gesagt, und seine und Kubriks Wege haben sich gekreuzt. Sie haben sich beim Schach spielen. Aha, sehr schön. Daraus ist eine fruchtbare Zusammenarbeit entstanden. Die haben dann danach Paths of Glory 1957 und Plolita 1962 zusammen gemacht. Also Kubrick hat mit ihm bei drei Filmen zusammengearbeitet. Ansonsten ist die Filmografie von diesem James Harris ziemlich überschaubar. Aber er hat auch selbst Regie gemacht. Aber er war einfach eine Produzentengröße in Hollywood, der halt überall so seine Finger drin hat. So ein bunter Hund, den jeder kennt. So ein Veteran des Showbusinesses, der respektiert wird. Okay, cool. Aber kann man dann sagen, dass Harris Kubrick entdeckt hat? Ich würde eher sagen, sie haben sich gegenseitig entdeckt. Weil es war halt auch das erste Projekt von ihm. Das heißt zumindest das, wo er wirklich selbst gesagt hat, ich bin der Produzent, ich übernehme die Produzentenrolle. 330.000 Dollar hat der Film gekostet. 24 Tage Dreharbeiten. Ah ja. War allerdings kein besonders großer Erfolg bei der Veröffentlichung. Schade. Aber es hat trotzdem gereicht, um Kubrick ein bisschen nach vorne zu schieben. Für die nächsten Filme. Kubrick ist ja tatsächlich ein relativ natürlicher Wachstumsprozess. Bis er dann schließlich in den 60er- und 70er-Jahren bei seinen wirklich, wirklich großen Filmen ankommt. Und zu dem direkt zu Hause kommt. Zu dem Regisseur wurde, der heute so sehr geschätzt wird. Hat eigentlich eine ganz coole Karriere hingelegt. Ja, sehr cool. Ja, dann es lohnt sich auch mal in die langweiligen Anfänge eines Regisseurs hineinzuschauen. Oh man, all diese Worte für nichts. Das ist die Konklusion. Ja, pur. Also, ähm ... Spannend. Ich weiß nicht, wie ich da jetzt wieder rauskomme. Nein, es war schön, dass du das vorgeschlagen hast, Kloor. Ich hab bloß leider eben immer wieder gedacht, ich weiß noch nicht genau, warum ich mir das anschaue. Ja, das kann ich gut verstehen. Ich glaube, die Antwort ist auch, um filmische Wissenslücken zu schließen. Ja. Ein spannender Regisseur, der hat so tolle Filme gemacht und so interessante Filme, dass es einfach auch faszinierend ist, auf sein Frühwerk zu schauen. Ja. Bei mir ist die Antwort noch ein bisschen mehr, weil ich einfach auch kleine, palpige Stoffe mag und weil es Spaß gemacht hat, mal wieder so einen hohen, dreckigen Thriller aus der Zeit zu sehen, der keine Gefangenen macht, der einfach mal sein Programm durchzieht. Ja. Wie ich anfangs schon sagte, für seinen Noir-Charakter und für seinen Licht, Umgang mit Licht und Schatten und mit seiner einfachen Bildsprache und seinem klaren, geradeaus gelaufenen, auf die Katastrophe hin steuernden, finde ich schon ganz cool. Er hat ja auch die Spannung, aber irgendwie, ja. Und frankly, mehr will der Film nicht. Das stimmt wohl. Das ist es. Ja. Ein ehrlicher Film. Ja. Danke, dass du ihn gesehen hast, Johannes. Gerne, ich bin gespannt, was noch kommt. Und vielen Dank, dass du meinen Horizont erweitert hast mit Playtime. Ja, vielen Dank, dass du versucht hast, meinen Horizont zu erweitern. So, Leute, wenn ihr wissen wollt, womit wir unseren Horizont das nächste Mal kitzeln, bleibt dran, dann reden wir darüber, was wir nächstes Mal machen. Und wenn ihr Wünsche habt, schreibt uns. www.johannes-edmuss-man-sehen.de Hört uns auf Spotify in eurer Podcast-App des Vertrauens. Das tun sie gerade. Ich glaube, die Herausforderung. Lasst uns da ein Like. Und abonniert uns. Ja. Ja, sehr schön. Bis zum nächsten Mal. Schöne Woche wünsche ich euch. Ja, wünsche ich auch. Bis dann. Ciao. ... Da war doch noch was. Da ist noch was, ne? Flora, was hast du denn für mich für nächste Woche? Weil wir in letzter Zeit so oft in der Filmgeschichte herumgesprungen sind und wirklich weit zurückgegriffen haben, dachte ich, es wird Zeit, zu sagen, es gab auch gute Filme in den letzten 10, 20 Jahren in der jüngeren Filmgeschichte. Soll ich für viel? Das soll keine früher war alles besser Nummer werden, weil das 21. Jahrhundert, obwohl es noch so jung ist, hat hervorragende Filme hervorgebracht. Hat schon viel zu bieten. Einer meiner liebsten Filme aus dieser neuen, frischen Filmepoche ist mittlerweile auch schon echt alt. Ist aus dem Jahr 2003. Die frische Neue. Wir sind alt, die frische Neue. Oldboy. Von... Entschuldigung. Jetzt sag ich den Namen falsch. Park Chanbuk. Koreanisch. Aber... Kommen dir koreanische Filme mit den spanischen Untertiteln? Nein, so ein Film ist es meiner Meinung nach nicht, sondern es ist ein Film, der beim westlichen Publikum auch viel Anklang gefunden hat und für westliche Sehgewohnheiten im Vergleich zu vielen anderen Filmen aus der Region gut konsumierbar ist. Aber kein leichter Film. Nein, mir sagt das gar nichts. Da bin ich sehr gespannt. Er wird dich umhauen. Er wird mich... okay. Darauf nagel ich dich aber auch fest. Alles klar. Okay, ja, ich hab auch was für dich. Ich hab mir, während wir geredet haben, gedacht, wir müssen... Wir haben es kurz angesprochen. Wir müssen bobteln, dieses Biopic. Was Biopic ist, fast zu viel gesagt. Aber... Wir müssen den Film I'm Not There gucken. Das ist super. Ich hab nicht mehr viele Erinnerungen dran. Es ist wirklich lange her, dass ich den gesehen habe. Immerhin ist der auch schon uralt, nämlich aus dem Jahr... 2007. Also der hat ja auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Und als ich ihn gesehen habe, war ich nicht der größte Dylan-Fan und als ich dann... Du warst damals nicht der größte Dylan-Fan? Nee. Den Moment zu meinen jüngeren Entdeckungen. Okay, ja, der macht ja auch noch nicht so lange Musik. Das Leben ist kurz und es gibt zu viel gute Musik. Okay, na gut. Das ist das Slogan dieser Episode. Das Leben ist kurz und es gibt zu viel gute Musik. Na gut, okay. Dann halten wir das als Slogan fürs nächste Mal fest. Und sehen uns dann. Ich wünsche dir eine schöne Woche. Dir auch, danke, ciao.
