Episode 49: The Evil Dead II – Die Fortsetzung von Tanz der Teufel
Die Legende sagt, dass es von den dunklen Mächten geschrieben wurde: NECRONOMICON EX MORTES; Das Buch der Toten. Um den Ursprung des Buches zu verfolgen müssen wir zurückreisen… zurück zu den Tagen, als die Geister die Welt regierten. Als die Meere aus rotem Blut bestanden. Es war dieses Blut, das benutzt wurde, um das Buch zu schreiben….
Hmmm… Das klingt ja fast wie die Prämisse für einen bemüht düsteren Horrorfilm. Was Sam Raimi, Scott Spiegel und Bruce Campbell daraus machen, ist aber alles andere als das. In Evil Dead II aus dem Jahr 1987 spielt Campbell Ash, der mit seiner Freundin zu einer entlegenen Waldhütte fährt. Dort werden sie von aus dem Necronomicon beschworenen dämonischen Mächten heimgesucht. Und im Anschluss gibt es fliegende Köpfe, Blutfontänen und Kettensägenmassaker.
Business as usual in a cabin in the woods? Nicht so ganz. Die Quasi-Fortsetzung von The Evil Dead aus dem Jahr 1981 ist viel mehr ein Remake oder auch eine Kreuzung von Ideen des ersten Films mit einer Horrorparodie. So versucht er seinen B-Movie-Status gar nicht zu verschleiern und packt zugleich auf alles ein bisschen mehr drauf: Mehr Blut, mehr Bizarrerien, mehr Dämonen… und vor allem auch mehr Humor. Frei nach dem – hier sehr gut passenden – deutschen Synchrontitel tanzen in diesem Film die Teufel. Im übertragenen Sinnen und im wahrsten Sinne des Wortes. Tanz der Teufel 2 ist eine schräge Geisterbahnfahrt: Laut, wild, hemmungslos, dreckig, albern, infantil und einfach sau unterhaltsam: Man gruselt sich, man ekelt sich, man lacht, man vergießt eine Träne… und am Ende weiß man, dass das Leben einfach wunderschön ist… und groovy, zumindest wenn man mit einer Kettensäge als Armprothese dämonische Zombies metzeln kann.
Johannes, als jemand der keine Horrorfilme mag, aber durchaus gerne Geisterbahn fährt… Hattest du denn Spaß?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 49: The Evil Dead II – Die Fortsetzung von Tanz der Teufel Publishing Date: 2021-12-08T19:12:11+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/12/08/episode-49-the-evil-dead-ii-die-fortsetzung-von-tanz-der-teufel/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast?
Johannes Franke: Nein, eigentlich nicht, aber ich...
Florian Bayer: Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können.
Johannes Franke: Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee.
Florian Bayer: Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeige dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest.
Florian Bayer: Das heißt so... Musicals aus den 50ern.
Johannes Franke: Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme.
Florian Bayer: Mit russischen Untertiteln. Von mir. Für dich.
Johannes Franke: Oh Gott, okay.
Florian Bayer: Aber du weißt, dass das für Menge Streit sorgen kann.
Johannes Franke: Definitiv.
Florian Bayer: Das wird lustig. Bist du bereit? Ich bin sowas von bereit. Sehr schön. Hello, hello, hello und herzlich willkommen zum Muss-Man-Sehen-Podcast.
Johannes Franke: Beziehungsweise zum Podcast in dem Plurio. es quälen.
Florian Bayer: Also, falls ihr zum ersten Mal einschaltet, Konzept dieses Podcasts ist es, dass wir uns gegenseitig Filme vorschlagen. Einer gibt jeweils dem anderen eine Hausaufgabe auf.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: einen Film mit dem Ziel, den Horizont des anderen zu erweitern. Das heißt im besten Fall einen Film, den der andere sich sonst auf keinen Fall angucken würde. Ja. Und ich glaube, ich habe diese Woche einen solchen Film gefunden.
Johannes Franke: Du hast einen Film gefunden, den ich mir sonst nicht angucken würde. Genau. Soweit richtig.
Florian Bayer: Ich hab Johannes The Evil Dead 2 beziehungsweise Tanz der Teufel 2 als Hausaufgabe aufgegeben.
Johannes Franke: Ah.
Florian Bayer: Und er hat ihn vor ein paar Stunden geschaut.
Johannes Franke: Ja, gestern. Gestern, okay. Also ein paar Stunden mehr ist schon her. Gott sei Dank, ich konnte mich also erholen. Es war wirklich nicht leicht, Plur.
Florian Bayer: Das glaube ich dir. Und die nächste Stunde, die nächsten zwei Stunden, wahrscheinlich eher die nächste Stunde. Ja. werden wir über diesen Film diskutieren und darüber streiten, ob es sich jetzt um ein perfektes Meisterwerk handelt oder einfach nur um ... ekligen Schrott.
Johannes Franke: Ich glaube, es gibt gar nicht so viel zu diskutieren, Plur. Führen uns erstmal in den Film ein und dann sehen wir, wo wir rauskommen.
Florian Bayer: Die Legende sagt ... dass es von den dunklen Mächten geschrieben wurde. Necronomicon Ex Mortis, das Buch der Toten. Um den Ursprung des Buches zu verfolgen, müssen wir zurückreisen. Zurück zu den Tagen, als die Geister die Welt regierten. Als die Meere aus rotem Blut bestanden. Es war dieses Blut, das benutzt wurde, um das Buch zu schreiben.
Johannes Franke: Aha.
Florian Bayer: Klingt ja fast wie die Prämisse für einen bemüht düsteren Horrorfilm.
Johannes Franke: Ja Mensch, Überraschung.
Florian Bayer: Was Sam Raimi, Scott Spiegel und Bruce Campbell daraus machen, ist aber alles andere als das. In Evil Dead 2 aus dem Jahre 1987 spielt Campbell Ashton. der mit seiner Freundin zu einer entlegenen Waldhütte fährt. Dort werden sie von aus dem Necronomicon beschworenen dämonischen Mächten heimgesucht. Und im Anschluss gibt es fliegende Köpfe, Blutfontänen und Kettensägen-Massaker. Business as usual in A Cabin in the Woods. Nicht so ganz. Die Quasi-Fortsetzung von The Evil Dead aus dem Jahr 1981 ist vielmehr ein Remake oder... Auch eine Kreuzung von Ideen des ersten Films mit einer Horrorparodie. So versucht er seinen B-Movie-Status gar nicht zu verschleiern. und packt zugleich auf alles ein bisschen mehr drauf. Mehr Blut, mehr Bizarreien, mehr Dämonen und vor allem auch mehr Humor. Nach den hier sehr gut passenden deutschen Synchrontitel tanzen in diesem Film die Teufel. Im übertragenen Sinne und im wahrsten Sinne des Wortes. Tanz der Teufel 2 ist eine schräge Geisterbahnfahrt. Laut, wild, hemmungslos, dreckig, albern, infantil und einfach sau unterhaltsam. Man gruselt sich, man ekelt sich, man lacht, man weint, man möchte seine Liebsten enthaupten. Und am Ende weiß man, dass das Leben einfach wunderschön ist. Und groovy. Zumindest, wenn man mit einer Kettesäger als Armprothese dämonische Zombies metzeln kann. Johannes. Als jemand, der keine Horrorfilme mag, aber durchaus gerne Geisterbahn fährt. Machtest du denn Spaß? Nein.
Johannes Franke: Nein. Nein. Nein. Nein. Nein. Ich hatte sehr viel Hoffnung, weil ich vorher ein bisschen recherchiert habe und überlegt habe, was mich erwartet, weil ich... mit Gore und so natürlich so meine Probleme habe. Also wenn viel Blut fließt und wenn Leute enthauptet werden und dann irgendwie alles so ekelhaft ist. Ich musste mich vorher einfach ein bisschen vorbereiten und habe einfach vorher schon mich darum gekümmert, rauszufinden, was mich erwartet. Und dann wurde so oft gesagt, der ist lustig und der ist eher so eine Parodie auf das ganze Zeug und das ist irgendwie so ... Unterhaltsam und deswegen schon nicht mehr eklig, weil einfach übertrieben. Das ist er tatsächlich. Aber ich habe nicht ein einziges Mal wirklich gelacht.
Florian Bayer: Ja, geschmunzelt.
Johannes Franke: Das war so traurig, nicht mal richtig geschmunzelt. Vielleicht ein paar Mal geschmunzelt, aber eigentlich weiß ich nicht. Mich hat das nicht über das hinweg getäuscht, was es eigentlich war und sein sollte. Und ich weiß nicht, ob ich vielleicht sogar dem ersten Film noch mehr abgewinnen könnte, weil der erste wohl anscheinend das Ganze viel ernster nimmt und das Ganze ernsthaft durchzieht. Dem würde ich wahrscheinlich auch nicht gucken. Aber in diesem Fall, obwohl ich es würdigen kann. Ich kann würdigen, dass er es versucht, aber er hat es nicht geschafft.
Florian Bayer: Hier ist das Spannende ja tatsächlich, also Evil Dead 2 ist als ... Fortsetzung slash Remake auf einen wirklich brutalen und auch düsteren und auch ziemlich abgefuckten Film gedreht. Evil Dead ist im Gegensatz zu Evil Dead 2 hier auch ganz schön in die Mangel genommen worden von ... diversen Prüfstellen und der FSK und so weiter. Und es ist auch ein klarer Unterschied zwischen den beiden Filmen zu sehen. Also der erste Film ist einfach... brutaler, düsterer und hat auch so eine Szene, zu der Sam Raimi später gesagt hat, auf diese Szene ist er überhaupt gar nicht stolz. Ich will das nicht mehr so machen. Da gibt es nämlich tatsächlich eine ziemlich unangenehme Rape-Horror-Szene. Wenn eine von den Opfern... von einem Baum in den Wald gezerrt wird, was hier auch geschieht in diesem Film. Aber diese Szene geht im ersten Teil noch weiter und zwar ist sie dann wirklich von diesen Ästen und Zweigen gefesselt und die schieben ihre Beine auseinander und es wird ziemlich ... offensichtlich eine Vergewaltigung durch den Baum angedeutet und nicht in Detail gezeigt, aber es ist ganz eindeutig, was da passiert. Und es ist auch die erste, die besessen wird von den dämonischen Mächten im ersten Teil. Und so grausam und brutal der erste Teil auch ist, er hat ... Er trägt immer diese gewisse Komik mit, weil man sieht einfach, es ist ein Passion Project von jungen Leuten, die gerade so das Filmemachen gelernt haben. Oder gerade lernen. Oder gerade lernen. Und die halt irgendwie so ein paar hunderttausend Dollar in der Hand haben. um daraus irgendeinen Film zu machen.
Johannes Franke: Ja, das betrifft nur den ersten Film. Haben sie gelernt? Angeblich haben sie gelernt. Ich weiß nicht, ob ich das sehe. im Film.
Florian Bayer: Oh, ich finde, man sieht ganz viel, was sie gelernt haben. Sie umarmen nämlich diese unfreiwillige Komik aus dem ersten Teil. Die umarmen sie. Und machen daraus etwas komplett Irres. Also natürlich hat der Film keinen traditionellen, klassischen Humor.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Aber er ist natürlich höchst inspiriert von Slapstick. Ja, okay. Es gibt viele Slapstick-Momente.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Und der ist ganz stark auch gezogen von diesem, naja, so ein bisschen von diesem infantilen Collegehumor, den man gerade in den 80ern auch oft in irgendwelchen Highschool- College-Film gefunden hat, halt so ein bisschen Pipi-Kacker-Humor auch. Dann wird der Stinkefinger gezeigt von der abgetrennten Hand und Bruce Campbell als Ash bester Schauspieler ever, darf merkwürdige Fratzen schneiden, während er von den mämonischen Mächten drangsaliert wird. Also der Humor ist schon so auf die Fresse. Er ist sehr präsent. Es ist jetzt nicht so, dass der Film subtil so ein bisschen Humor einflechtet, sondern er ist eigentlich durch die ganze Zeit, versucht er einem ins Gesicht zu lachen.
Johannes Franke: Er ist halt wirklich null intelligent und das ist ein bisschen das Traurige daran, weil deswegen kann ich auch über diese, also ich mag den Zeigefinger natürlich von der abgetrennten Hand. Aber wenn das Surrounding ein bisschen intelligenter wäre, dann würde ich diesen Gag viel mehr würdigen können. Weil die Fallhöhe eine andere ist. Wenn du von oben kommst und dich mal runterbegibst und da mal einfach nur so ein bisschen Pipi-Kaka-Humor machst. Wie bei Monty Python oder sowas. Dann ist das was anderes.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Aber hier, der startet ja ganz, ganz weit unten und versucht ein bisschen nach oben zu klettern, aber das klappt auch nicht.
Florian Bayer: Also wenn man es böse ausdrücken wollte, könnte man natürlich sagen, er hat sowas Brolliges an sich.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich finde, das muss man aber gar nicht böse ausdrücken, zumal der Begriff Brollich ja auch so leicht klassistisch ist. Warum benutzt du den Johannes und warum sagst du so Ja dazu? Also wirklich ...
Johannes Franke: Von wem kam der Begriff? Moment. Lass uns mal zurückspulen.
Florian Bayer: Also es ist auch so ein bisschen ein Film der kleinen Leute und für die kleinen Leute. Es ist wirklich, es ist irgendwie in einem sehr merkwürdigen, bizarren Rahmen ist es auch Unterhaltung für die Massen. Also du meinst, das ist ein prolliger Film? Das hast du jetzt gesagt. Ich finde, das ist ein großartiger Film. Es ist einfach, es macht einfach unglaublich viel Spaß und natürlich ist es kein Film, den man sich anguckt mit einem Glas Wein in der Hand und zu sagen, oh, ich finde die Anspielung auf... Auf den Horror Gothic Novel im 19. Jahrhundert finde ich exzellent gesetzt. Es ist eher so ein Film, mit dem man sich anschaut, in dem man auf der Couch sitzt.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: ein Bier in der Hand hat, den Rosenstall geöffnet, gerne auf die Hand im Schrift und sagt, ah, Köpfe, zeig es den dämonischen Viechern.
Johannes Franke: So bloß stelle ich mir dich immer vor, wenn ich mir vorstelle, dass du irgendeinen Film guckst.
Florian Bayer: Und genau das treibt er aber auch zur Perfektion, weil er es einfach nicht ernst nimmt, wie er sich in diesem Setting bewegt. Und ja, er macht dann vor allem Geisterbahn. Ich finde die Geisterbahn-Assoziationen extrem. extrem treffend zu diesem Film.
Johannes Franke: Absolut, absolut. Das hat halt irgendwann genervt, weil du eigentlich nur in dem Haus bist und die ganze Zeit, es ist halt wirklich nur Geisterbahn. Der geht von A nach B mit seiner Kettensäge und versucht sich zu verteidigen gegen die Sachen, die da aus dem Schrank springen. Da kann ich wirklich bei Hansapark irgendwo in so eine Geisterbahn gehen. Fünf Minuten reichen dann aber auch.
Florian Bayer: Es ist nicht geil, Geisterbahn zu fahren. Und die Geisterbahnen sind immer zu unblutig. Geisterbahnen haben ja immer so die ganze Familie als Zielpublikum. Und das hat dieser Film allerdings nicht. Es gibt nämlich eine Menge verdammt blutiger Szenen und eine Menge verdammt grausamer und auch irgendwie so leicht obszöner Szenen, die... die definitiv nicht für das junge Publikum geeignet sind.
Johannes Franke: Also ich würde mal ganz kurz, ich würde gerne mal ein Zitat von Roger Ebert einbauen. Der fand den Film nämlich gar nicht so schlecht. Der hat irgendwie drei Sterne gegeben von fünf und schreibt ... Level one viewers will say it's in bad taste.
Florian Bayer: Yeah.
Johannes Franke: Level 2 folks like myself will perceive that it is about bad taste. Das ist die Frage an dich, Plor. Hat er recht? Ist der Film überschlechten Geschmack oder hat der Film einfach schlechten Geschmack?
Florian Bayer: Level 3, Folks. Oh, Level 3, oh. Die erkennen an, dass es schlechter Geschmack ist und sagen, ja, ja. Genau das ist das, was diesen Film so geil macht. Natürlich ist der Film auch ein Zeichen von schlechtem Geschmack. Aber ... Von schlechtem Geschmack, der extrem gut umgesetzt ist. Weil, was wir hier teilweise an Kamerafahrten haben ... und an schwindelerregenden Bewegungen im Bild. Es ist schon ... nicht nur ein technisches Niveau, sondern auch ein künstlerisches Niveau. Man merkt, die Leute, die diesen Film gemacht haben, haben sich Gedanken darüber gemacht, wie können wir unser Publikum durchschütteln.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Du hast gesagt, es geht darum, dass dieser Ash vor allem mit seiner Kettensäge in der Hütte steht und gegen die Dämonen kämpft.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber am Anfang wird dieser Ash ja vor allem durchgeschüttelt, ne?
Johannes Franke: Ja. Ja.
Florian Bayer: Also wir haben diese kurze Intro-Sequenz, die sie übrigens noch mal gedreht haben. Ja, lass uns mal anfangen.
Johannes Franke: Also erstmal erzählt er das mit dem Buch. Erstmal muss er mir eine Exposition geben, wo ich schon denke, als Zuschauer... verkaufe mich nicht für doof, sondern erzähl es mir im Film und nicht als Vorfilm das Buch erklären. Was soll denn das? Das ist total dämlich.
Florian Bayer: Das ist ganz wichtig. Das ist wie ein klassisches Krusemärchen funktioniert. Wir müssen erinnert daran werden, dass wir hier einer... Dem Wiedererwachen einer uralten Legende beiwohnen. Aber das Buch spielt doch...
Johannes Franke: Im Film spielt das Buch eine Rolle. Das heißt, im Film hätte man super erklären können, was das mit dem Buch auf sich hat. Warum muss man das voranstellen?
Florian Bayer: Aber ist dieses Intro nicht geil? Mit dem transparent schwebenden Buch, mit den roten Flüssen, wo schön so das Colorgrading drüber ist, damit das aussieht wie Blut. Und dann wird gezeigt, wie das Buch sich öffnet und die Schrift so langsam reinkommt. Ich finde es tatsächlich fantastisch. Es bringt mich genau in die richtige Stimmung, die ich brauche für diesen Film.
Johannes Franke: Ja, stimmt. Es ist trashig genug, dass man gleich weiß, okay, das kann ich erwarten von dem Film und das nicht.
Florian Bayer: Genau, es ist trashig, aber es trägt noch so einen gewissen Ernst, so eine gewisse Leidenschaft mit.
Johannes Franke: Ja, aber wenn ich die ersten Sätze von Ash höre, dann weiß ich auch, was ich vom Film erwarten kann. und was nicht. Also insofern brauche ich dieses Intro nicht. Und dann fängt er ja gleich mit dem nächsten Intro an. Dann hast du das mit dem Tonband von dem Typen. Die werden da irgendwie so durchgeschleißt. Innerhalb von wenigen Sekunden passiert total viel. Du hast fünf Minuten... in denen extrem viel passiert und du weißt nicht warum und was das soll. Bist du mittendrin, mitten in der Geschichte und dann kommt schon das Tonband, in dem dann der Wissenschaftler erzählt, was er da entdeckt hat, da wäre das... Buch wunderbar untergebracht gewesen. Das wäre überhaupt gar kein Problem gewesen, ist ja auch untergebracht. Das heißt, wir hättest das Buch, eine Exposition am Anfang nicht gebraucht.
Florian Bayer: Das Ding ist ja, wir müssen Teil 1 aufholen, ne?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Teil 1, Evil Dead 2 ist eigentlich eine Fortsetzung von eben die Evil Dead aus dem Jahr 1981.
Johannes Franke: Ist es jetzt ein Remake oder eine Fortsetzung?
Florian Bayer: Gute Frage. Sowohl als auch.
Johannes Franke: Das müssen wir klären.
Florian Bayer: Sie, ähm, tatsächlich... Eigentlich war der Wunsch wirklich eine schöne Fortsetzung daraus zu machen. Das Problem war tatsächlich, dass die Rechte... bei der Produktion lagen, die das damals gemacht hat. Die konnten nicht einfach Zeug aus dem ersten Film nehmen. Das war nämlich der eigentliche Plan, irgendwie den ersten Film nochmal kurz unterzubringen. Ja. Und zu sagen, das ist passiert und jetzt stehen wir da. Der erste Film handelt davon, dass nicht nur Ash und seine Freundin zu der Hütte fahren, sondern eine Gruppe von Teenagern. Dann kommen diese dämonischen Mächte, überfallen sie, drangsalieren sie, nachdem sie das Buch gelesen haben. Und der Film endet mit einem Cliffhanger. Echt, der es geschafft hat, alle Dämonen loszuwerden, steht draußen. Und die Kamera rast in irrer Geschwindigkeit auf ihn zu und er schreit. Und das haben sie jetzt eigentlich nochmal neu getreten. Sie durften das nicht wiederverwenden. Dann haben sie halt zehn Minuten gedreht. Es fährt mit seiner Freundin zu der Hütte. Er liest aus, sie hören sich die Tonbänder an aus dem Buch und dann wird die Freundin besessen, er muss sie köpfen und begraben. Und dann kommen die dämonischen Mächte auf ihn zu.
Johannes Franke: Warum verrät mir der Film das nicht? Warum geht da so feldenfest davon aus, dass ich den ersten Teil gesehen habe und genau weiß, was da gerade los ist? Vor allem, wenn ich mir das anschaue, da fehlen ja Figuren und da wird ja auch vieles einfach ausgelassen. Der erste Film ist obsolet irgendwie mehr oder weniger.
Florian Bayer: Weil es vollkommen egal ist. Genau, du sagst es schon, der erste Film ist absolut... Es ist vollkommen egal. Alles, was wir da sehen, auch dieses Intro, was du nervig findest, das ist quasi... Das in der Schlange stehen für die Geisterbahn. Du stehst da und wartest und dann hat irgendjemand gesagt, okay... Wenn Sie schon da stehen, sollten Sie ein bisschen vorbereiten. Stell da mal eine gruselige Figur hin.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Packt da mal noch eine Box hin, wo noch eine Ansprache kommt. Ihr betretet jetzt das Zwischenreich. Und dann aber gleich kommt das Durchschütteln. Und das geht halt damit los, dass die Kamera dann auf echt wieder loszufährt. Und dann wird er im wahrsten Sinne des Wortes durch den Wald geschleudert. Und ist das nicht geil inszeniert, wie er von Baum zu Baum geknallt wird?
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Also ich finde auch, dass es tatsächlich Effekte gibt, die einen ein bisschen beeindruckt zurücklassen, für die Zeit zumindest. Man guckt sich das ja an aus... Eine Entfernung, da kann man dann die Augenbraue hochziehen und sagen, oder man kann sagen, wow, für die Zeit nicht schlecht. Und das kam mir schon ganz gut vor. Also die haben sich ja wirklich Mühe gegeben.
Florian Bayer: Ja. Wir sind halt in den 80ern und es sind wirklich so ... Practical Special Effects, die drin sind.
Johannes Franke: Ganz viele Puppen, irgendwie Bäume als Puppen, mit denen man rumlaufen kann. Fand ich schon beeindruckend. Und sie haben Stop Motion und so, das sind schon viele Sachen.
Florian Bayer: Genau, sie haben wirklich mit dem gearbeitet, was es auch schon vorher war. Was es auch schon vorher im Kino gab, also so genau, Stop Motion ist eigentlich so das Klassische, es ist auch eine ganz große Verbeugung drin, vor den Größen, die damals damit gearbeitet haben. Wirklich so diese klassischen Stop-Motion-Filme, wie man sie eben kennt aus den 60er und 70er Jahren, aus diesen ... Aus diesen Sindbad-Filmen oder aus den Titanen- und Götter-Filmen der damaligen Zeit, die halt irgendwie Monstern... da animiert haben. Also das ist ganz viel drin. Und man Natürlich sieht, wenn man heutzutage was mit CGI macht, sieht das alles irgendwie besser aus und realistischer. Das ist keine Frage. Da hat der Zahn der Zeit auch. an dem Film genagt, zumal er auch hat das zehnfache Budget seines Vorgängers, aber 3,5 Millionen sind immer noch nicht ein großes Budget.
Johannes Franke: Aber diese Momente kann ich tatsächlich würdigen und die mag ich auch. Zum Beispiel, wenn eben diese Henrietta da ihren Hals bekommt, der länger wird und dann angreift von oben. Das sieht natürlich alles wahnsinnig unglaubwürdig aus, aber es ist wirklich toll, weil das so dieses Gefühl mit liefert. was ich aus diesen Filmen, die du gerade angesprochen hast, Sintbart und so weiter habe. Das finde ich toll. Das ist wirklich schön. Aber irgendwie... Die Geschichte trägt es halt alles nicht so.
Florian Bayer: Ich finde, also wenn ich diesen Film sehe... kann ich das würdigen, dass sie halt auch wirklich, dass sie offensichtlich kreativ waren. Also da ist eine Menge Kreativität einfach reingeflossen. Wie können wir verschiedene Sachen umsetzen? Zum Beispiel gibt es diese Szene etwas später, in der Ash von dieser dämonischen Macht durch den Wald gejagt wird. Solche Szenen gibt es immer wieder in dem Film. Und die haben das gemacht, indem sie den Regisseur Sam Raimi auf ein Motorrad gesetzt haben, mit kapierter Kamera. Und der ist ihm hinterhergefahren. Das ist unsere Verfolgungsszene. Und dann gibt's ja auch die Szene, wo er durch die Hütte flieht und hinterherfahrt. Das hat eine Tür gekostet. Da haben sie einfach mal eine Tür umgerissen.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Also das ist... geil gemacht und natürlich die Produktionsbedingungen sind halt auch irgendwie krass. Sie haben das Ding Die ganze Hütte für die Innenaufnahmen wurde in einer Sporthalle von der Highschool gebaut.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Die oberen Räume von der Hütte standen auf Pfählen, um ein Erdgeschoss und ein Untergeschoss zu haben. Und das muss unglaublich heiß gewesen sein. Das war wahrscheinlich... Es war überhaupt kein Vergnügen, diesen Film zu drehen, weil die hatten ja auch viel Make-up. Sobald jemand von Dämonen besessen ist, kriegt er halt auch wirklich so eine Gesichtsprothese. Und dann saßen die da in diesem stickigen, heißen Raum, der in der Highschool gebaut war.
Johannes Franke: Das war Hitzewelle.
Florian Bayer: Und dann haben sie wirklich... Und dann haben sie wirklich unter diesen Masken irgendwie noch so ihr Bestes leisten müssen. Und ich finde diesen... anstrengenden Produktionsprozess sieht man dem Film auch an, gerade am Anfang, wenn echt eben durchgeschüttet wird, weil... Das sind tolle Momente. Er wird dann gejagt von der dämonischen Kraft. Er wird dann selbst kurz zum Dämonen, geht in seine Hütte zurück. und versucht zu fliehen und es funktioniert nicht. Und dann kommen diese irren Szenen immer wieder in dieser Hütte, alles wackelt und dann gibt es auch mal so das Hirschgeweih an der Wand, das wird dann auch einmal mit so einem ganz krassen Verzerrungseffekt gezeigt, dann fängt das an sich zu bewegen. Und das ist toll.
Johannes Franke: Also es gibt wirklich gute Momente darin. Ich kann das Gesamtwerk nicht würdigen, aber Einzelteile davon tatsächlich. Ja. Also gerade das mit dem Geweih, also diesem Hirschen, der da an der Wand hängt, der sich dann anfängt zu bewegen und der dann so, das fand ich super. Oder das Ganze, das Die Totale, wo das ganze Interieur wackelt und irre lacht. Wobei ich mir dann die Frage gestellt habe... Gibt es eine Konsistenz in der Überlegung, was das für eine dämonische Kraft ist? Weil es gibt für mich kein Ziel. Es gibt keine... Keine Charakterisierung. Es gibt eigentlich nichts, woran ich mich festhalten kann, was das für eine Kraft ist. Es ist einfach nur Chaos.
Florian Bayer: Chaos, genau. Ich finde auch deswegen... Er gehört zu jenen Filmen, bei denen der deutsche Titel besser passt als der englische Titel. Also die Evil Dead hat so einen sehr generischen Klang. Ja, das stimmt. Das könnte auch wirklich ein ernster Horrorfilm sein. Und dieses Tanz der Teufel bringt perfekt auf den Punkt, was hier passiert. Er steht in der Hütte und plötzlich beginnt alles zu wackeln und zu tanzen. Das ganze Mobiliar tanzt. Und dann kommt dieses Lachen. Übrigens tatsächlich, die Produktionscrew hat ihr Lachen aufgenommen, haben das dann eingespielt. Und dann steigt ... brechen dieses Lachen mit ein, also er wird dann ja auch selbst so ein bisschen wahnsinnig und dann haben wir diese irre Szene, wo alles um ihn herum tanzt und er in der Mitte steht und wild lacht und Und es ist wirklich, es ist ein kleines Fest. Es ist ein Fest des Dämonischen. Und das ist das Ziel.
Johannes Franke: Aber dann sind wir noch im ersten Drittel des Films und da kommen noch zwei Drittel. die irgendwie nicht wirklich was Neues bringen. Das macht mir ein bisschen Probleme. Weil bis dahin, weil auch der Anfang so wahnsinnig schnell geht ... bist du so drin und kannst dich irgendwie mitreißen lassen. Und ich glaube, die letzten zwei Drittel sind das, was... wenn es große Probleme macht, weil bis dahin wird so Feuerwerk abgefeuert, so mit Effekten und Zeug. Und dann denke ich noch, okay, geile Varieté-Show.
Florian Bayer: Varieté-Show, genau. Das ist auch ein gutes Stichwort. Es ist halt wirklich... Es ist Spaß. Ich denke, diese dämonische Macht da, die da aktiv ist, du sagst, sie hat kein Ziel. Ich finde sie so ein bisschen wie so ein Internet-Troll. Und zwar ein klassischer Internet-Troll, nicht die rechten Trolle, die wir von heute kennen. Sondern die Leute, die einfach nur so ein Störfeuer im System sein wollen und einfach nur ihren Schabernack treiben, keine Agenda haben, kein Ziel haben. gar keine Haltung haben und die damit sogar spielen, dass sie keine Haltung haben, weil diese dämonische Macht ist manchmal falsch. Fast nett, fast zärtlich zu ihm.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Wenn er zum Beispiel eben, wir sind immer noch im ersten Drittel da sitzt und dann seiner Freundin nachtraut und dann fängt sie an, dieses ruhige... Klavier, diese Ballade zu spielen. Und er sitzt da und trauert und die Dämonische Macht geht voll drauf ein und sagt, okay, ich geb dir jetzt mal Trauermusik, guck mal da draußen, da tanzt deine Freundin, ist doch alles gut. Und dann, buh,
Johannes Franke: Ja, auch dieses Tanzen von ihr draußen, das finde ich auch ganz gut, weil das erinnert mich so ein bisschen an die Animationen, die so bei Tim Burton auftauchen, so Nightmare Before Christmas. und so. Coraline, obwohl Coraline nicht von Tim Burton ist, glaube ich, oder?
Florian Bayer: Nee, ich glaube, das ist auch von dem, der Nightmare Before Christmas gemacht hat, der auch nicht von Tim Burton ist.
Johannes Franke: Der auch nicht von Tim Burton ist, genau. Auf jeden Fall erinnert mich das so ein bisschen an diese Art der Animation, die einfach irgendwie heimelig ist. Ja, das finde ich schön. Aber er geht dann natürlich gleich wieder raus aus der Geschichte und dann irgendwie kriegt... Na klar, es muss weitergehen.
Florian Bayer: Schlag auf Schlag. Der Film, um das dazu zu sagen, dauert auch tatsächlich nur schlanke 84 Minuten. Und ich finde... Er hält so ein Tempo aufrecht, auch wenn ich dir komplett zustimme, dass so in den letzten beiden Dritteln, also vor allem im letzten Drittel, so ein bisschen so eine Overdose es gibt von dem Ganzen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ist ja aber durch seine... Geschwindigkeit, dadurch, dass er konstant auf diesem hyperaktiven hysterischen Level ist, ist er einfach super kurzweilig. Ich finde, der Film guckt sich so weg. Weil es passiert immer was. Irgendwas wackelt immer, irgendwas dreht sich immer und dann kommt nochmal eine Blutfontaine aus der Wand. Es ist einfach, es ist ständig Action. Es ist ein Film, der nicht zur Ruhe kommt. Es ist ein Spektakelfilm.
Johannes Franke: Zum Spektakel gehört zum Beispiel die Hand. die ich ganz gut fand. Auch, wie er das gespielt hat. Irgendwie hat... Die Freundin ihn gebissen, aber im Dämonenzustand, das heißt die Hand ist infiziert und wird jetzt zum Dämon, aber eben nur die Hand. Und dann greift seine Hand, die an seinem Körper dran ist ... Und ich finde, das hat er ganz gut gemacht. So die ersten Bewegungen der Hand, die Selbstständigkeit der Hand hat er gut isoliert vom Rest des Körpers. Und die macht sozusagen wirklich so ein eigenes Ding. Ein bisschen absurd, dass sie ihn dann in der Gegend rumzerrt. Also er liegt auf dem Boden bewusstlos und die Hand zieht ihn. den Boden entlang. Was ein bisschen.
Florian Bayer: Und diese Fratzen, die er immer da Also um das nochmal aufzugreifen, ich habe gesagt, der beste Schauspieler ever, Bruce Campbell. Ich liebe ihn, aber er ist kein guter Schauspieler. Und er gibt sein Bestes in diesem Film.
Johannes Franke: Er gibt wirklich alles, was er hat. Und das ist ein bisschen traurig. Das ist alles, was er hat. Aber er gibt vor allem körperlich alles, was er hat und das ist wieder beeindruckend.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Und er leidet auch ganz oft, er Er ist ja auch nicht nur Schauspieler, er ist ja Mitproduzent. Das war ja ein Projekt von denen allen zusammen. Und sie haben ihn offensichtlich genommen, weil er am ehesten spielen konnte von ihnen. Und das macht er halt irgendwie so, dass es ... Es ist nicht gut gespielt, aber es passt ... zur Atmosphäre des Films. Es passt zu dieser Albernheit. Dass sein Gesicht einfach Verrenkungen macht und man ihm nicht eine Sekunde abkauft, dass es hier tatsächlich um Leben und Tod geht. trägt so die Atmosphäre von dem Film bei.
Johannes Franke: Ja, ich muss an diese große Bücher, wie hießen diese? Diese Palpromane. Diese Gänsehaut. Daran musste ich die ganze Zeit denken.
Florian Bayer: Die Gruselserie gab es in Deutschland, die habe ich sehr gemocht. Also die mochte ich vor allem sehr als Hörspieler, als ich ein Kind war. Das erklärt vielleicht, dass ich heute diesen Film habe.
Johannes Franke: Vielleicht. Ja, also ich finde, er arbeitet sich dann halt wahnsinnig lange und dolle an dieser Spukhaus-Thematik ab.
Florian Bayer: Aber sind das nicht tolle Momente? Zum Beispiel die Blutfontäne. Es kommt eine Blutfontäne aus der Wand. Aber das konnten sie natürlich nicht machen. Sie haben das tatsächlich einfach alles einmal gedreht. Das Blut kam, als sie es gedreht haben, aus der Decke, damit er auch ordentlich getroffen wird. Und es ist einfach so, es sind halt diese Geisterbahn-Buh-Momente, wo einfach was kommt, womit du nicht gerechnet hast. Du weißt, hier ist alles irre und hier passieren merkwürdige Dinge. Und sie schaffen es dennoch, dich zu überraschen. Und dann kommt halt eine Blutfontaine aus der Wand gespritzt.
Johannes Franke: Das, was sie übrigens als letztes gedreht haben, weil sie das ganze Zeit damit ruiniert. Das war furchtbar. Und wir müssen mal kurz über Blut reden. Das Problem ist, Noch heute ist Kunstblut ekelhaft, richtig ekelhaft. Wer Schauspieler ist und einmal auch nur eine kleine Blutkapsel im Mund haben musste, um sie im richtigen Moment zu zerdrücken, damit man... Blut aus dem Mund und so. Das ist so ekelhaft. Und die haben so viele Liter Blut gebraucht in diesem Film. Und dann gibt es diese eine Szene, wo der eine Typ im Blaumann da in diesen Keller reingezogen wird. Kopf über und dann aus dieser Luke eben einen Haufen Blut rausspritzt. Die haben beim ersten Mal dieses Spritzen des Blutes, diese Apparatur, die das macht, nicht richtig eingestellt, sodass es gegen die Luke ging und diesem armen Schauspieler... in die Nase die ganze Zeit und der hatte echt Angst, dass er ertrinkt an Kunstblut.
Florian Bayer: Das ist ein scheiß Tod.
Johannes Franke: Was zur Hölle? Das zeigt auch, wie chaotisch dieser Dreh teilweise gewesen sein muss.
Florian Bayer: Der Dreh war komplett chaotisch. Es gibt eine Dokumentation, du hast gesagt, du hast sie gesehen auch, es gibt eine Dokumentation zu dem Dreh, wo dann die Schauspieler alle nochmal was sagen und die meisten sagen so, ey, wir hätten nie damit gerecht. dass das so ein Erfolg wird, dass das so ein Kultfilm wird? Wie konnte das passieren?
Johannes Franke: Beziehungsweise sie wussten, was der erste Film, also ein paar haben den nicht gesehen und wussten, wussten nicht genau, worauf sie sich einlassen, aber die meisten wussten das ja schon. Der erste wurde ja auch gut... angenommen. Insofern, ja.
Florian Bayer: Deswegen hatten sie überhaupt das Budget für den zweiten Für die Fortsetzung. Sie hatten dazwischen einen Film, der keinen Erfolg hatte, den ich noch nicht gesehen habe. Den habe ich mir jetzt endlich mal bestellt. Den muss ich unbedingt gucken. Und dann hatten sie halt irgendwie, haben sie das Geld zusammengekriegt von verschiedenen Produktionsfirmen, was auch offensichtlich so Pan in DS war. Wie gesagt, sie hatten... Die Rechte vom ersten Teil waren bei New Line Cinema, glaube ich, wenn ich mich richtig erinnere. Und das war so ein Problem für den zweiten Film. Dann haben sie halt mit verschiedenen Produktionsgesellschaften, ihr redet Dino de Laurentiis, der irgendwie bekannt ist für B-Movies. Hat sich eingeklingt. Stephen King war übrigens total begeistert.
Johannes Franke: Ich habe das Gefühl, dass das ganze Ding nur entstanden ist, weil Stephen King sich eingeschaltet hat. Der hat ja den Produzenten überhaupt erst reingeholt und gesagt, gib da Geld hier rein.
Florian Bayer: Guck dir das mal an, du musst da Geld reinpulvern, das sind Leute, die machen krasse Sachen.
Johannes Franke: Ich weiß nicht, ob das meine Wertung des Films aufwertet oder abwertet, dass Stephen King das toll fand. Ehrlich gesagt, also es gibt ja gute Sachen von Stephen King, aber wenn er selber an irgendwelchen Verfilmungen beteiligt ist, haben wir ja schon mal festgestellt, ist das nicht die beste Idee.
Florian Bayer: Ja, Stephen King ist kein guter Filmemacher, aber hier hat er einen richtigen Riecher. Das Ding ist ja... Das waren Chaoten, ne? Die haben auch ganz viel improvisiert. Die haben on the fly am Set noch mal neue Ideen einspielen lassen. Mhm. Und so haben sie auch den ersten Film gemacht. Und so haben sie auch den Kurzfilm gemacht, der die Vorlage für den ersten Film war. Es gibt wohl diesen Wolf in the Woods, der eine halbe Stunde dauert. Das war das erste, was sie gedreht haben. Das war 1978. Ah, okay. Und da werden eigentlich ganz viele Ideen schon so angeteasert aus diesem Film. Der hat aber ... Da gab es Probleme mit den Urheberrechten wegen der Musik, die verwendet wurden und deswegen gab es keine richtige offizielle Veröffentlichung. Mittlerweile findet man was auf YouTube davon.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und dann haben sie halt irgendwie für den langen Film daraus Geld zusammengeklaubt. Und das war ein Riesenproblem, da Leute zu finden. Ja. Das ist irgendwie zusammengekriegt und hatten dann halt 375.000 Dollar zusammen.
Johannes Franke: Oh mein Gott.
Florian Bayer: Und ich glaube, das war auch so das Mindset, mit dem die an den zweiten Film dann rangegangen sind. Naja, es hat gut geklappt, wie wir es gemacht haben. Wir haben es chaotisch gemacht. Aber es hat funktioniert. Hey, lass uns mal Chaos auf ein bisschen höhere Niveau machen.
Johannes Franke: Aber sie haben ja zwischendurch noch einen Film gemacht.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Und der hat ja nicht so gut funktioniert.
Florian Bayer: Der war voll der Flop, weil sie da viel zu professionell rangegangen sind wahrscheinlich.
Johannes Franke: Das ist eine sehr gewagte These. Weiß ich nicht. Ich dachte mir eher, dass die da auch in dem zweiten Film versucht haben, das so durchzuziehen wie im ersten Film und damit aus die Fresse gefallen sind. dann hätte ich doch im dritten Film dann mir ein bisschen mehr Planungssicherheit und so. Obwohl natürlich... Also klar musste man alles mögliche planen, um überhaupt das hinzukriegen, was sie hingekriegt haben. Die haben wochenlang vorher Props hergestellt und alles ordentlich gemacht. Also die Prop Masters dort, die haben einen Höllenjob gemacht. Das ist unglaublich. Natürlich musst du alles planen und genau auseinandernehmen und genau wissen, was du willst. Und das ist wohl bei dem Regisseur auch so gewesen. Der hat sich wirklich... vorher ganz genau überlegt, welche Szene wie aussehen soll. Und das wird von vielen Seiten irgendwie so erzählt, dass er wirklich ans Set gekommen ist und gesagt hat, ich weiß genau, was ich will.
Florian Bayer: Aber er hat die 10 teilweise wirklich noch am Amt davor noch mal ein bisschen umgeschrieben. Das war wirklich so, also ja, er hat geplant.
Johannes Franke: Aha.
Florian Bayer: Aber es war dann noch, hey, und ich habe noch diese Idee. Dann können wir auch noch einen bringen. Und diese Idee. Sie waren tatsächlich... Mit dem zweiten Film, der heißt Crime Wave. Das ist der, den ich gerade gemeint habe, den ich mir einfach mal angucken muss. Der auch gar nicht so leicht ist zu kriegen. Bei dem waren sie unglücklich, weil sie das Gefühl hatten, dass ihnen die Produktionsfirma zu viel reingekrutscht hat. Und der Film war ein ziemlicher Misserfolg, sowohl beim Publikum als auch bei der Kritik. Und ich glaube, es war auch so ein bisschen der Gedanke dahinter, okay, das hat irgendwie nicht so funktioniert. Jetzt machen wir es wieder lieber auf unsere Art.
Johannes Franke: Okay, verstehe.
Florian Bayer: Also es wäre für mich so die naheliegendste Erklärung. Also ich finde, der Film ist wild und man sieht ihm auch so eine wilde Produktion an.
Johannes Franke: Er hat
Florian Bayer: Er hat einfach diese bizarre Wildheit mit drin. Ich meine, sie haben den Bruder von Sam Raimi, Ted Raimi, haben sie in dieses Kostüm gesteckt. Der durfte die besessene Frau spielen, die im Keller sitzt. Und dann im Keller rauskommt.
Johannes Franke: Aber das ist so ein Voll-Budysuit, weißt du? Und dann kommst du den ganzen Tag nicht raus. Und es ist draußen Heatwave. Und alles schwitzt. Und dann haben die... Am Ende des Tages, wenn sie das Ding runtergenommen haben, haben sie erstmal den ganzen Schweiß abfließen lassen müssen.
Florian Bayer: Das ist so irre.
Johannes Franke: Und es sieht so ekelhaft aus, wenn du das in der Dokumentation siehst, wie das so milchig weiß der Schweiß rausfließt, weil er auch das Make-up mitgenommen hat und so. Furchtbar, der arme Typ muss echt, aber der war halt 20, weißt du? Mit 20 macht man, das haben die auch in der Dokumentation immer wieder gesagt, mit 20 machst du so eine Scheiße noch.
Florian Bayer: Ja, ich ... Es ist wahrscheinlich auch einfach geil. Ich meine, das ist was, was du in deiner Vita mitträgst. Du kannst immer mal in einer Party anbringen. Ey, und übrigens, ich hab hier ... die Dämonenfrau im Tanz der Teufel 2 gespielt. Das war total schrecklich, würde ich nie wieder machen, aber geil, dass ich es gemacht habe.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Das mit dem Geisterbahn-Ding wird so ein bisschen aufgebrochen, wenn dann mehr Story reinkommt. Es kommen nämlich die. Tochter von dem Typen, der in dem Wald war ursprünglich, der dieses Buch untersucht hat, ihr Freund, Und zwei Rednecks, die sie unterwegs mehr oder weniger aufgegabelt haben, die ihnen den Weg in den Wald gezeigt haben. Die kommen halt in der Hütte an und halten Ash erstmal für den Killer von ihren Eltern. Ja. Und sperren ihn im Keller ein.
Johannes Franke: Die werfen ihn da einfach durch die Luke. Was soll das denn? Du hast nicht ein einziges Mal gefragt, was machst du denn hier? Wer bist du denn? Hast du meine Eltern umgebracht? Nein, es wird einfach... ohne zu fragen, einfach reingeworfen in diese Luke.
Florian Bayer: Naja, zu ihren Gunsten. Also, er ist mit Blut beschmiert, mit einer Axt bewaffnet und man hat nichts gehört von den Leuten, die da in der Hütte sind. Und das ist durchaus naheliegend, dass er da irgendwie Blut an den Händen hat. Ja, aber einfach so.
Johannes Franke: in eine Luke zu werfen, wo du nicht weißt, was hinter der Luke ist, der hätte sich auch einfach das Genick brechen können.
Florian Bayer: Und dann kommt diese tolle Szene, wo sie lesen, dass der Professor Henrietta unten im Keller begraben hat. Und dann sehen wir im nächsten Moment, wie Henrietta eben aus der Erde raussteigt. Also wie gesagt, der Bruder von Sam Raimi im Henrietta-Kostüm als dämonische Frau. die dann echt angreift und er schafft es dann, dass sie ihn rausholen, Gott sei Dank.
Johannes Franke: Übrigens, was ich eine ganz tolle Idee fand, Henrietta singt ja dann irgendwann.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und sieht aber wieder wie ein lebendiger Mensch aus. Und das fand ich eine tolle Stelle. Solche Momente hätte ich mir mehr gewünscht.
Florian Bayer: Diese Mockingbird-Szene, wo sie das Hush little baby, don't say a word.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: ist total krass, weil das im ersten Teil macht das ganz schief vom Horror aus. Also diese dämonischen Kräfte sind da. Ja. Und die sind alle besessen irgendwie. Und dann gibt es aber auch die Momente, wo sie klar sind. Und im Ersten gibt es so eine ganz krasse ... so ein ganz krasses Gefühl von Desorientierung. Weil die Leute dann immer wieder normal sind und sagen, du musst mich jetzt freilassen und hilf mir. Und dann im nächsten Moment Dann haben sie plötzlich wieder diese Teufelsfratze und schreien, ich werde dich umbringen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und das ist im ersten ziemlich wild auch geschnitten. Und ich muss sagen, der erste ist albern, weil es halt auch ein B-Movie ist. Aber der erste hat wirklich einen gewissen Horrorfaktor. Also der erste kann einem Angst machen. Der erste... Es ist ein extrem wirkungsvoller Film. Also ich kann mich erinnern, ich habe den oft geguckt und mich eigentlich immer drüber lustig gemacht, aber ich habe von dem Film auch Albträume gekriegt. Und zwar gar nicht so, dass ich mich während des Films gefürchtet habe, sondern dass diese Art der Inszenierung, die auch sehr geisterbar ist, dass die in meinem Kopf hängen geblieben ist. Ja. Und das noch mal, Sam Raimi weiß, wie er effektiv inszeniert, wie er ... was er machen muss, um gewisse Emotionen auszulösen, ohne dass man es bemerkt. Und selbst in so einem albernen Setting schafft er es ... mit der Orientierung des Zuschauers zu spielen. Also ich finde, wir als Zuschauer fühlen uns auch ganz oft hin und her geworfen, wie die Protagonisten.
Johannes Franke: Ja, ja, das stimmt schon. Also der zieht mich schon mit, ne? Also emotional bin ich dann schon so ein bisschen, oh Gott. Ja, Hilfe, genau. Ja, aber, ja. Also das macht er schon gut, das stimmt.
Florian Bayer: Und um neben der Geisterbahn noch eine zweite Freizeitpark-Assoziation auch zu werfen, das ist auch so ein bisschen eine Achterbahn, die man dann fährt.
Johannes Franke: Genau, ja.
Florian Bayer: Man fährt langsam hoch und dann geht es und man kann nur noch schreien und dann kommt ein Looping. Man weiß gar nicht, wann was passiert, weil es alles so schnell ist. Und man wird halt einfach durchgeschüttelt innerhalb von diesen 84 Minuten. Und selbst wenn das ein bisschen aufgebrochen wird, wenn die dann kommen und wir haben tatsächlich so einen Moment der Ruhe. Und dann reden sie so ein bisschen und hey, wer bist du und was ist passiert? Aber dann ist es auch schon wieder vorbei und dann wird der nächste besessen und dann gibt es die grüne Blutfontäne, die als nächstes kommt und Dann spritzt sehr viel Blut durch den Raum und es wird mit der Axt ordentlich rumgehauen. Obwohl es nur so wenig Leute sind, ist es trotzdem ... Es ist voll einfach. Es passiert die ganze Zeit weiter was.
Johannes Franke: Aber das Problem ist natürlich, dass dadurch diese ganze Dramaturgie, die eigentlich... in so einem Film stecken sollte, doch sehr untergeht. Nach 54 Minuten hat er uns immer noch nicht verraten, was man dann da jetzt machen kann.
Florian Bayer: Gar nichts. Das ist der Gag von dem Ganzen.
Johannes Franke: Sie sind so ein bisschen... Ja, aber sie haben ja diese Seiten, in denen irgendwie diese... Ja, ja. Die haben sie aber erst nach über 54 Minuten eingeführt. Und ich denke mir, naja, aber vielleicht könnten sie mir vorher sagen, dass es irgendwie eine Möglichkeit gibt, da rauszukommen. haben sie nämlich ein Ziel. Verdammte Scheiße.
Florian Bayer: Aber sie brauchen auch kein Ziel. Sie sind du, sie sind Publikum. Sie werden durchgeschüttelt und du wirst durchgeschüttelt. Du weißt halt, dass es irgendwann vorbei ist. Die Geisterbahn ist vorbei, wenn du rauskommst. Und dann steht am Schluss noch mal einer, der noch einmal laut schreit. Und das ist sowohl in diesem Film als auch im ersten Teil ist das halt auch so, ne? Du kannst dir nie sicher sein, dass du draußen bist. Sie machen dieses ganze fucking Ritual und dir Hölle geht trotzdem weiter. Im ersten Teil schafft es Esch, dieses dämonische Buch zu verbrennen und man denkt, jetzt hat er es geschafft. Und es hat keine Konsequenzen, weil am Schluss kommt dann doch noch mal die dämonische Macht und ärgert ihn weiter. Es gibt einfach keinen Ausweg. Dieses Vieh, was auch immer es ist, ist einfach überall.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Omnipräsenter Horror oder sowas in der Art.
Johannes Franke: Was mich ein bisschen genervt hat dann am Ende, dass dann der ganze Wald anfängt, das Haus anzugreifen und ich mir denke... Wenn der Wald in der Lage ist, also diese dämonische Kraft in der Lage ist, den ganzen Wald gegen die Hütte aufzuhetzen, warum hat er es anderthalb Stunden lang nicht geschafft, die Leute umzubringen? die da drin sind?
Florian Bayer: Nochmal. Ja. So schwer ist es nicht zu verstehen. Der Dämon will spielen. Der will einfach nur Spaß haben. Okay, aber kann man mir das nicht irgendwie sagen? Also wenn es um das Töten geht, ist dieser Dämon wirklich nicht effizient. Nein. Und er will auch, glaube ich, gar nicht töten. Er ist einfach froh, dass er draußen ist und sagt, hey, hier bin ich. Und jetzt, Leute, los, Blut, Spaß, Köpfe rollen, uhu.
Johannes Franke: Ja, das hätte man vielleicht mehr sagen können. Dann hätte ich das mehr genießen können. Weil ich dachte die ganze Zeit ja, wenn du jemanden umbringen willst, mach es doch einfach.
Florian Bayer: Aber so ist es viel lustiger.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Eigentlich ist der Dämon für uns da, für uns Zuschauer. Der will uns unterhalten.
Johannes Franke: Oh.
Florian Bayer: Er ist der Bruch der vierten Wand. Dieser Dämon sagt, so, ich bringe euch jetzt richtig viel Spaß, indem ich hier einmal alles abfeuere, was ich an schrägen Ideen habe. Und dann springe ich eben aus dem Spiegel raus. Und dann laufe ich als Hand rum und zeige den Stinkefinger. Und hier tanzt noch mal ein Zombie ...
Johannes Franke: Das mit dem Spiegel fand ich echt eine geile Idee. Dummerweise hat es nicht ganz funktioniert.
Florian Bayer: Sie geben sich Mühe, aber es ist so ganz knapp dran vorbei. Und so weit dran vorbei, dass du es aber bemerkst. Nicht so ganz, nicht so 100%. Aber der Dialog ist so toll, wenn er echt vor dem Spiegel steht und sagt, alles ist in Ordnung, alles ist in Ordnung und dann kommt das Spiegelbild raus und sagt, du hast gerade deine Freundin umgebracht und geköpft und begraben. Nichts ist in Ordnung.
Johannes Franke: Also die Idee, gut, Umsetzung, drei Minus. Aber das ist vielleicht für den ganzen Film ganz gut. Idee gut, Umsetzung drei Minus.
Florian Bayer: Umsetzung ist so gut. Sie haben so viele Ideen. Es ist so viel Kreativität.
Johannes Franke: Dann hast du vielleicht noch einen Lehrer, der dir ein bisschen wohlgesonnen ist und dir sagt, okay, ein Kunstunterricht, das war nicht so schlecht. mal, da hast du dir Mühe gegeben an der Ecke und da hast du dir auch Mühe gegeben an der Ecke. So ein bisschen Hieronymus-Bosch. Der ist gut gelungen, da ist gut gelungen, der Rest ist scheiße.
Florian Bayer: Okay, wenn du den Film jetzt mit Hieronymus Bosch vergleichst, dann finde ich das total in Ordnung. Aber du wirst das Hieronymus Bosch nicht nur drei Minus geben, oder?
Johannes Franke: Nein, ich will nicht Hieronymus Bosch nur drei Minus geben.
Florian Bayer: Ja, also dieser Garten der Lüste. Ich hätte nicht da... Unten dem Teufel mit dem Dreizack. Ein bisschen deplatziert. Und die Perspektive da bei den beiden Engeln, die kämpfen, das funktioniert überhaupt nicht.
Johannes Franke: Aber das Konzept ist so ein bisschen Hieronymus-Bursche, oder?
Florian Bayer: Ja, total. Es ist voll überladen. Es stecken mehr Ideen drin, als andere Filmmacher in ihrer ganzen Vita hinfliegen.
Johannes Franke: Okay. Ja, das gebe ich ihm gerne. Und ich fand tatsächlich auch in der Dokumentation Sam Raimi sehr, sehr sympathisch.
Florian Bayer: Ja, der ist süß. Der ist super. Der wirkt so ein bisschen knurrig und so ein bisschen Slacker-Typ.
Johannes Franke: Ja, aber für einen Slacker kriegt er viel zu viel auf die Reihe.
Florian Bayer: Definitiv.
Johannes Franke: Aber es ist cool. Also er ist so einer, der einfach begeistert ist von allem, was er so irgendwie macht und dann kriegt er das auch noch gut hin, hat ein gutes Gefühl für diese... fürs Timing und so, ist schon ein guter Typ. dramaturgisch ist er halt vielleicht einfach nicht so der Beste.
Florian Bayer: Das Krasse ist ja tatsächlich Sam Raimi. Das hatten wir schon mal als Thema. Neben Peter Jackson zu den beiden Regisseuren, die in dem Bereich angefangen haben. Und dann irgendwann voll beim Mainstream gelandet sind. Sam Raimi hat eine beachtliche Filmkarriere hingelegt.
Johannes Franke: Was hat er denn so gemacht? Erzähl mal.
Florian Bayer: Also 1989 hat er Darkman gedreht. Und das war eigentlich das erste Mal, dass er es geschafft hat, dieses dreckige... kaputte, was er hatte in seinem Filmmacher, in einen etwas größeren Budgetfilm zu packen. Und Darkman ist eine ganz tolle Comicverfilmung zum Comic, der nicht existiert. Er wollte einen Superheldenfilm machen und war mit den ganzen Comics, die es gab, nicht zufrieden. Dann hat er einfach seinen eigenen Superhelden erfunden.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und Darkman ist mit Liam Neeson übrigens. Und Darkman ist ein normaler Typ, Der einen Unfall hat in einem Labor, weil er von so Mobstern angegriffen wird. Und der dann total entstellt ist. Allerdings als Forscher, die ihm Fähigkeit hat, Gesichter zu machen, Gesichtsprothesen, die perfekt aussehen wie Originalgesichter.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: die allerdings nur eine gewisse Zeit halten. Und die zieht er dann an, um diese Gangster fertig zu machen. Super Film. Super unterhaltsam, für einen Superheldenfilm ziemlich brutal und ziemlich düster und aber auch mit schwarzem Humor. 14 Millionen Budget.
Johannes Franke: Oh, wow.
Florian Bayer: Das war sein Film von 1989. 1992, Armee der Finsternis, der dritte Teil der Evil Dead Reihe, der daran anknüpft, was wir am Schluss von Evil Dead 2 sehen, nämlich echt landet im Mittelalter. Und Armedia Finsternis könnte dir, glaube ich, eher gefallen. Der schraubt nämlich die Brutalität deutlich zurück.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Und erzählt eben eher in so einem Fantasy-Mittelalter-Setting. Und die dämonischen Kräfte, gegen die sie kämpfen, sind hauptsächlich Skelette. Und es gibt dann wirklich eine epische Schlacht Ritter, die gegen... animierte Stop-Motion, animierte Skelette kämpfen.
Johannes Franke: Wow, okay.
Florian Bayer: Und dann wurde er aber richtig groß. Dann hatte er diesen Schneller als der Toten Western in den 90ern. Ein paar eher so Achtungserfolge. Und dann 2002 ... Spiderman. 2004 Spiderman 2. 2007 Spiderman 3.
Johannes Franke: Das ist schon beeindruckend.
Florian Bayer: Ja, er hat die drei großen Spider-Man-Filme Anfang der 2000er gemacht, die ja eigentlich... die der Hauptgrund sind neben den X-Men-Filmen, dass Superheldenfilme plötzlich wieder ein Ding waren. Weil wir kamen aus den 90ern, Superheldenfilme galten als der letzte Schrott.
Johannes Franke: Aber warum durfte er überhaupt, wegen dem anderen, seinem eigenen Superhelden, den er da gemacht hat?
Florian Bayer: Ja, das wahrscheinlich aber auch einfach, weil er hat einfach, er hat gute Filme gedreht, ne? Also er kann einfach inszenieren.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und natürlich, genau dadurch, dass er den Superhelden gemacht hat, den Darkman, ist es auch irgendwie naheliegend, dass er ... Dass er einen richtigen Superheldenfilm, eine Comicverfilmung kriegt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ... Er war Spider-Man-Fan. Ach so. Und er hat wohl auch ein bisschen darum geworben, die Rolle des Regisseurs zu kriegen für diese Filme. Und wahrscheinlich hat er auch irgendwie, er hat wahrscheinlich viel mit den Leuten aus der Produktion dann geredet und Es war wohl vor allem seine Begeisterung für Spider-Man, die ihm dann geholfen hat, den Job zu kriegen. Und ich finde sein Talent ... sieht man auch diesem Film an. Und eigentlich allen seinen Filmen. Wenn ich ihn mit Peter Jackson vergleiche, der ja auch ähnliche Filme gemacht hat Ende der 80er. Geschmacklose Horror-Splatter-Filme. Ich mag ihn lieber als Peter Jackson, weil er so ein bisschen ... Er hat es besser geschafft, sich diese Wildheit auch in seinen Mainstream-Filmen zu retten.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Gerade wenn man Spider-Man guckt, mit diesem Gedanken, stellt man fest, er hat auch einige bizarre Momente. Also gerade zum Beispiel im ersten Teil, der Green Goblin.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Bei Spider-Man 1, der ja so total toll übertrieben von Willem Dafoe gespielt wird,
Johannes Franke: Ah, stimmt.
Florian Bayer: Der macht auch viele Fratzen und der wirkt eigentlich auch immer so ein bisschen trüber, wie so eine Karikatur von einem Bösewicht.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Und auch so, dass man ihn sieht und denkt, ach, das ist jetzt nicht gutes Schauspiel, aber es passt in diesem Moment.
Johannes Franke: Ja, okay. Ja, er hat das ja auch in diesem Film irgendwie sehr begrüßt, also das Spiel von Kemper. Campbell. Das scheint ja für ihn irgendwie auch wichtig gewesen zu sein, dass der so ein So eine Comic-Figur fast schon ist. Also der ist ja wirklich seine Sachen, die er da mit dem Gesicht macht.
Florian Bayer: Es gibt diesen tollen Wandel von der Figur Ash zum Motherfucker, zum Badass. Im ersten Teil ist Ash wirklich einfach nur ein hilfloser Teenager, der irgendwie versucht zu überleben. Und er hat keine großen Badass-Momente. Und im zweiten Teil gibt es dann diesen Übergang, diesen Moment, wenn er sich die Kettensäge einsetzt. anschnallt spätestens als Armprothese und dann sagt groovy. Transformers. Okay. Dann wird er zum Badass. Und im dritten ist er nur noch so. Da ist er einfach nur noch der abgefuckte Superheld.
Johannes Franke: Oh Mann.
Florian Bayer: Das ist auch das geworden, womit wir diesen Ash heutzutage assoziieren. Und der hat eine eigene Serie gekriegt. Es gibt eine Serie, Ash vs. the Evil Dead. Oh. Die ziemlich frisch ist. Die ist von, lass mich jetzt nichts Falsches sagen.
Johannes Franke: Der gleiche Schauspieler wieder?
Florian Bayer: Der gleiche Schauspieler von 2015. Er ist alt geworden.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Die Serie ist kacke.
Johannes Franke: 2015 bis 2018.
Florian Bayer: Aber sie... Hat einfach den Gedanken von diesen Filmen in unsere Zeit geholt und feiert einfach ein Splatter-Horror-Comedy-Fest. Hat gute Kritiken gekriegt teilweise. Ich war echt nicht glücklich damit.
Johannes Franke: Hat der Schauspieler eigentlich noch andere Sachen gemacht?
Florian Bayer: Bruce Campbell ist tatsächlich, ja. Also, der hat in anderen Filmen von Sam Raimi mitgespielt.
Johannes Franke: Ja, gut, okay.
Florian Bayer: Der hat so Cameo-Auftritte, auch in Spider-Man zum Beispiel. Und er hat aber auch viel ... Ich glaube, so viel B-Movie-Zeug, was ich nicht kenne. Sowas wie Maniac Cop und Blood Knight und Moontrap.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: So eher auf der B-Movie-Schiene ist er geblieben. Aber auf der B-Movie-Schiene war er sehr, sehr, sehr, sehr arbeitswütig.
Johannes Franke: Ja. Warum hast du mir eigentlich nicht den ersten gegeben, sondern den zweiten?
Florian Bayer: Weil der zweite besser ist. Ach so, ich finde der zweite macht deutlich mehr Spaß als der erste. Der zweite ist witziger. Ja. Der zweite ist bizarrer und übertriebener und schräger und versucht nicht so ernst zu sein, dass er einfach verdammt unterhaltsam ist. Okay, ich mag den ersten auch total, aber ich finde der zweite ist ein gutes Beispiel dafür, wie man auf ein gutes Grundkonzept nochmal eine Schippe draufpackt. und sagt, und jetzt drehen wir komplett am Rad alle. Und dann kommt sowas dabei heraus.
Johannes Franke: Und dem dritten Teil nicht? Warum denn nicht? Weil du gesagt hast, vielleicht könnte mir der sogar noch besser gefallen.
Florian Bayer: Ja, ich glaube, ich wollte dir schon einen Film geben, der eher in diese Richtung geht. Der dritte Teil ist einfach kein Splatter Horror Film mehr. Der dritte Teil ist eher so eine Dark Fantasy Comedy.
Johannes Franke: Es war dir schon noch wichtig, mich zu quälen.
Florian Bayer: Ein bisschen quälen muss sein. Danke. Es gibt auch ein Remake von dem Film.
Johannes Franke: Es gibt ein Remake von dem zweiten Film?
Florian Bayer: Nee, nee, von dem ersten Film.
Johannes Franke: Ach so.
Florian Bayer: Von Evil Dead, also von der ganzen Geschichte. Ja. 2013, Produzent Bruce Campbell. Der übrigens nicht nur Schauspieler ist, sondern auch als Produzent sehr viel tätig. Wie gesagt, er hat ja Evil Dead auch mitproduziert. Und der ist gut. Und der ist ein ernster Horrorfilm. Der hat das Thema nochmal aufgegriffen und nochmal wirklich einen ernsten Horrorfilm draus gemacht. Hat deswegen wenig mit den 80er Jahren Filmen zu tun.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und würde dir wahrscheinlich auch nicht gefallen, einfach weil du keine Horrorfilme magst. Aber dadurch, dass er ernster ist und eher so zeitgemäß, ist er auch ein bisschen generischer.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Also du siehst Sachen, wo du das Gefühl hast, du hast sie schon mal gesehen. Aber trotzdem ein guter Film. Aber spielt er mit?
Johannes Franke: Spielt er mit?
Florian Bayer: Er hat einen ganz kurzen Cameo-Auftritt am Ende. Aber er spielt nicht wirklich mit. Er spielt keine Rolle.
Johannes Franke: Okay. Wie überstrapaziert war diese Cabin in the Woods Sache damals schon? Weil ich gucke mir natürlich jetzt den Film an und denke mir... Ah, hahaha, eine Hütte im Wald, na sowas. Aber ist das damals schon so gewesen oder?
Florian Bayer: glaube, es war damals noch nicht so schlimm, wie es später wurde. Also, Evil Dead gilt natürlich auch so ein bisschen als Blaupause für Cabin in the Woods Filme.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Es gibt eine ganze Reihe schlechter Horrorfilme, die irgendwie... irgendwie im Wald spielen und die irgendwie in Hütten spielen, wo was Gruseliges passiert.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und tatsächlich war es damals eigentlich nicht so überstrapaziert. Also Wald als Horror natürlich und enge Räume als Horror-Setting auch.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es gibt einen Vorläufer davon, jetzt müsste ich aber lange suchen, um den zu finden. Wo man sieht, da hat Evil Dead ganz viel Inspiration hergenommen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Aber so richtig steil gegangen ist es dann tatsächlich eher in den 90ern, 2000ern, als die Slasher-Welle wiederkam. Ja. Und als dieser Torture-Porn, dieses Torture-Porn-Revival war mit Saw und so weiter, da wurde dann wieder mehr so Waldhorror und Hinterwelthorror gemacht.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Das Texas Chainsaw Massacre ist wahrscheinlich so einer der größten davon, nur bei der nicht im Wald spielt. spielt, aber es ist halt auch so Hinterland und Hütte.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Und es gibt ja einen Film aus dem Genre, der heißt tatsächlich Kevin in the Woods.
Johannes Franke: Ah, okay.
Florian Bayer: Den ich dir vielleicht auch mal ... vorsetzen könnte, der relativ frisch ist und der das Genre so ganz, ganz nett auf die Schippe nimmt und ich darf nicht so viel davon erzählen, sonst... Ja, sonst habe ich zu viel gespoilert.
Johannes Franke: Aber Wald scheint ja eine wichtige Inspiration zu sein für so Horror.
Florian Bayer: Im Wald kann auch echt viel Scheiß passieren. Ja, genau.
Johannes Franke: Schön, dass du darauf eingestiegen bist, dass du gleich verstanden hast, dass ich auf unsere Top 3 hinaus will. Schlingel. Unsere Top 3. So, was hast du dir für eine dämliche Top 3 jetzt ausgedacht, Flor?
Florian Bayer: Ich hatte zuerst den Gedanken, Filme, die im Wald spielen und dann dachte ich, oh ne, nicht sowas, nicht so einfach. Wir machen eine Liste mit nervigen Dingen, die dir im Wald passieren können. Ich hab's bewusst nervig genannt. Naja, weil also mein Un... Unangefochtener Platz 1 ist natürlich von einer dämonischen Macht angegriffen werden, die die eigene Freundin in Besitz sind, sodass man gezwungen ist, ihren Kopf abzuschlagen und selbst eine Kette als Prothese zu tragen, da man wegen eben jener dämonischen Mächte den eigenen Unterarm amputieren musste.
Johannes Franke: Ist natürlich mein Platz 1. Mein Platz 1 ist, im Wald im Urlaub zu sein und Plou ruft an und sagt, du musst diesen Horror.
Florian Bayer: Sehr schön, haben wir das schon mal geklärt. Weil es sind Sachen, die dir halt im Wald passieren können. Und Evil Dead ist halt, ja, das kann dir halt im Wald passieren und das nervt einfach so.
Johannes Franke: Ach, nicht schon wieder ein Dämon.
Florian Bayer: Genau, man ist im Wald unterwegs, man denkt an nichts und plötzlich kommt da eine dämonische Kraft um die Ecke. Ehe man sich's versieht, hat man eine Kettensäge als Armprothese.
Johannes Franke: Ja, und ist im Mittelalter gelandet.
Florian Bayer: Nervt einfach.
Johannes Franke: Ja, schlimm.
Florian Bayer: Wollten wir loslegen? Willst du mit deinem Platz 3 loslegen?
Johannes Franke: Wir gehen damit aber auch aus unserem Konzept ein bisschen raus. Wir haben keinen Film, den wir jetzt irgendwie promoten.
Florian Bayer: Wir haben keinen Film mehr.
Johannes Franke: Also...
Florian Bayer: Ich wollte ja mal ein bisschen aus diesem Konzept rausgehen. Ich hatte vor kurzem doch schon mal so eine Liste.
Johannes Franke: Ja, hatten wir schon mal. Wir hatten auch Taschen.
Florian Bayer: Aber das war Taschen im Film.
Johannes Franke: Das war ein paar Taschen im Film, ja. Verdammt. Ja, also geneigter Zuhörer, genögte ZuhörerInnen, wir werden heute keine großen Filmempfehlungen in den Haus geben, weil Plor sich weigert. unser Konzept vorzuführen. Mein Platz 3 von Dingen, die im Wald passieren, einfach nervig sind, sind... Andere Menschen im Wald.
Florian Bayer: Du hast mir meinen Platz 1 weggenommen. Nein, wirklich? Ja, natürlich. Wenn man in den tiefen Wald geht, will man keine Menschenseele sehen. Ich bin sowas von bei dir.
Johannes Franke: Es ist furchtbar. Ich laufe doch da lang, damit ich niemanden sehen muss.
Florian Bayer: Das ist der Grund, in den tiefen Wald zu gehen, weil da keine Menschen sind. Und dann gibt es auch diesen awkward moment. Begrüßt man sie jetzt?
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Guckt man sie wahnsinnig an, als ob man ein Killer wäre? Einfach nur, damit sie weggehen? Funktioniert übrigens sehr gut. Nicht, wenn man ein Kind dabei ist.
Johannes Franke: Ja, aber meistens laufen die Leute an einem vorbei, weil man läuft ja irgendwie auch, wenn man am See im Wald ist zum Beispiel. Und dann kommen noch Leute dazu. Das ist besonders nervig.
Florian Bayer: Du meinst, wenn du da sitzt?
Johannes Franke: Wenn ich da sitze und dann setzt sich jemand dazu und dann gibt es auch noch, dann gibt es... Ältere weiße Männer, die dann der Meinung sind, in diesem schönen Waldsee nackt baden zu müssen. Hurra!
Florian Bayer: Gibt's im Westen Gott sei Dank nicht.
Johannes Franke: Ja, okay, das ist eine Osterfahrung. Okay. Andere Menschen.
Florian Bayer: Dein Platz drei. Mein Platz drei. Hartz an Bäumen. Man geht so entspannt an einem Baum vorbei und plötzlich stößt man mit seiner Hand gegen einen Baum und dann hat man die Hand mit Harz verklebt. Baumharz. Kein Mensch braucht es. Es ist einfach nur eklig. Es klebt und man kriegt es nicht ab. Ja, aber Bäume brauchen das.
Johannes Franke: Wen interessieren die Bäume? Ich bin gerade im Wald. Ich will meinen Wald sauber und ordentlich. Da soll nichts passieren. Da kommt nämlich mein Platz zwei. Ja, bitte? Die ganzen kleinen Tiere. Ja. Wie zum Beispiel Mücken an dem Waldsee oder eben diese ganzen Zecke, die da vom Baum fällt. Stechmücken. Fuck.
Florian Bayer: Wenn es ein bisschen sumpfiger ist, das Gelände. Im Sumpf ertrinken überhaupt kein Problem, aber die Stechmücken, die da rumschwirren, voll nervig.
Johannes Franke: Also das Nervigste am Wald ist der Wald. Beziehungsweise Wald.
Florian Bayer: Ich sehe schon, wir sind da voll auf einer Linie.
Johannes Franke: Okay, Platz 2. Was wäre aber dann bei dir?
Florian Bayer: Mein Platz zwei. Ein Lebkuchenhäuschen finden, in dem eine böse Hexe sitzt. die einen nur mästen und später zum Abendessen verspeisen will, aber dennoch nicht widerstehen können, weil Lebkuchen und Zuckerguss einfach zu geil sind.
Johannes Franke: Du hast einfach zu viel Erfahrung mit Wald.
Florian Bayer: Ich wollte nur ein bisschen an dem Haus knabbern. Ja, es passiert aber auch. Ehe ich mich versehe, sitze ich in dem Käfig und die Hexe sagt, Dreck! doch bitte deinen Finger raus. Ich will sehen, ob du schon schön fett bist. Kann ich, esse gerade.
Johannes Franke: Jetzt weiß ich auch, warum du in den letzten Jahren so zugelegt hast, Flor.
Florian Bayer: Sehr viele Hexen mussten brennen, dafür, dass ich dieses Gewicht zulegen konnte.
Johannes Franke: Ich bin stolz auf dich, dass du es hier so mal geschafft hast. Der gute alte Ofen sauber macht.
Florian Bayer: Funktioniert nämlich immer noch.
Johannes Franke: Immer der gleiche.
Florian Bayer: Gott sei Dank sind Hexen nicht so gut in der Kommunikation untereinander.
Johannes Franke: Mein Platz 1. Sex im Wald ist nie so gut, wie ich denke. Es juckt, es nervt. Es ist so doof. Und dann hat man mal keine Menschen um sich und dann denkt man, draußen. Nein. Nein, nein. Alles sticht. Also weder im Sitzen noch im Stehen noch im... Nein, das geht nicht.
Florian Bayer: Also ihr kriegt heute keine Filmempfehlung, aber... Wichtige Lektion fürs Leben. Kein Sex im Wald. Nicht ein Lebkuchenhäuschen knabbern. Ja, wichtig. Finger weg vom Harz an den Bäumen.
Johannes Franke: Ja, und alles geht hier im Wald. Es lohnt sich eigentlich nicht. Nimmt einen Flammenwerfer mit. Ich habe nochmal überlegt, warum ist man überhaupt gerne im Wald? Was ist denn da überhaupt? Warum im Wald? Und dann ist mir aufgefallen, ja natürlich, die haben die... Und Terpene, Bäume geben so Stoffe aus, um sich zu unterhalten und so. Und das nennt man Terpene. Und dann gibt es verschiedene Arten von Terpene und viele Terpene. sind für Menschen beruhigend. Ah. Das war ein Lexikon-Eintrag.
Florian Bayer: Das war voll der Lexikon-Eintrag. Warum haben wir keinen Jingle davor gemacht? Das war einfach zu schnell definiert. Ja.
Johannes Franke: Aber das lernt sich damit mal, sich zu beschäftigen, weil das ist ganz cool. Und es gibt auch Terpene, die nicht so richtig gut sind für den Menschen. Die können Krebs hervorrufen. Aber die meisten Terpene sind gut.
Florian Bayer: Also ich finde, ich gehe total gerne in den Wald. Ich finde es geil, einfach wirklich. Und zwar so, dass man nichts mehr hört. Das ist gar nicht so einfach in Berlin. Also Berlin hat ja echt viele... viele Wälder, aber es ist trotzdem gar nicht so einfach so zu stehen, dass man eben nicht die Autobahn rechts hört.
Johannes Franke: Genau. Wenn man im Treptor-Park da, wo es dann in den Grunewald übergeht ... Plänterwald, nicht in Grunewald, Plänterwald übergeht. Da gibt es wahnsinnig schöne Ecken, aber du bist relativ schnell dann doch wieder an irgendeiner großen Straße.
Florian Bayer: Genau. Dieses Gefühl, so ein bisschen nicht verloren zu sein, aber doch so weit im Wald zu stehen, dass man denkt, ja, ich muss jetzt doch einige Meter gehen, bis ich wieder draußen bin. In Berlin kann man natürlich total gut auch einfach schnell rausfahren und dann hast du riesige Wälder. Brandenburg.
Johannes Franke: Brandenburg. Das war unsere Top 3. Wollen wir uns wieder zurückrobben in den Film?
Florian Bayer: Ja. Wollen wir zu einem kleinen Fazit kommen?
Johannes Franke: Wollen wir zu einem Fazit kommen?
Florian Bayer: Was haben wir denn heute gelernt?
Johannes Franke: Was haben wir gelernt? Wir haben gelernt, dass bestimmte Schauspieler nur wegen Verwandtschaftsverhältnissen Oder wegen, ich bin Mitproduzent, also da spiele ich gefälligst mit. Oder weil sie gecastet wurden, weil sie besonders gut schreien konnten, was bei der einen Frau der Fall war. Das sind so Gründe für die Teilnahme an einem B-Movie. Das habe ich gelernt. Ansonsten weiß ich nicht.
Florian Bayer: Wir haben gelernt, dass Leidenschaft alles ist beim Filmemachen.
Johannes Franke: Ach Gott, jetzt bist du wieder so romantisch, Plur.
Florian Bayer: Mit wenig Budget und mit einem gewissen chaotischen Kopf und viel Kreativität wunderbare Kultklassiker hervorzaubern kann, die auch Jahrzehnte später noch das Publikum begeistern. Oder verstören. Das hat der Film geschafft tatsächlich. Er ist ein totaler Kultfilm geworden. Und wenn du Horrorfans fragst heute, Dieser Film wird einfach immer genannt. Und wahrscheinlich noch sein Vorgänger und sein Nachfolger auch noch.
Johannes Franke: Vor allem aber seinen Vorgänger, was die Leidenschaft und das wenige Geld betrifft, weil der hatte ja jetzt, der hatte ja ein bisschen was.
Florian Bayer: Der hatte ein bisschen mehr Geld. beim Vorgänger ist es auch so, der Vorgänger hat in Deutschland halt einen ganz krassen Ruf, weil er eben weil er eben indiziert wurde. Der Vorgänger war einer von diesen Filmen, die ich irgendwann heimlich geguckt habe. Jungen, Jugendalter. Und es war so die ganze Zeit ein ominöser Film. Es hieß immer so Tanz der Teufel. Das ist der Film, den du gucken musst, weil du den nirgends finden kannst.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Das ist der Film, den die alle verbieten. 1985 hat nach einer Verschärfung des Jugendschutzgesetzes das Amtsgericht München gesagt ... Dieser Film ist gewaltverharmlosend und auch kein Kunstwerk. Dieser Film ist einfach nur Schund. Und dann war er beschlagnahmt. Und dieser Film hatte so einen krassen Ruf dadurch.
Johannes Franke: Ich würde Ihnen vielleicht auch zustimmen, was das betrifft. Kein Kunstwerk und vielleicht auch... verharmlos und gewaltverharmlos.
Florian Bayer: Aber ich würde die trotzdem nicht verbieten. Es wird gegen dämonische Mächte gekämpft. Das ist so ein albernes Urteil. Auch so im Nachhinein Und natürlich auch aus der heutigen Perspektive, wenn man sieht, wie brutal Horrorfilme heutzutage teilweise sind, wirkt es total albern. Und dem zweiten ... Den hat dieses Schicksal nicht ereilt, aber der war auch lange so ein ominöser Film ab 18 und mittlerweile ist die Uncut-Version ab 16 freigegeben und ich finde, das passt auch. Weil er ist kein Film, der Brutalität propagiert.
Johannes Franke: Ja, nein, also propagiert nicht, aber verharmlost schon. Aber das tut jeder Slapstick-Film.
Florian Bayer: Genau. Und er ist natürlich brutaler als dein klassischer Stan Laurel und Oliver Hagen.
Johannes Franke: Ja, sowieso, natürlich.
Florian Bayer: Aber letzten Endes, das ist halt auch... Black Comedy mit ein bisschen Blut. Aber der Film will auch nichts Böses. Der will dir einfach nur ein bisschen... Der will dich ein bisschen gruseln, der will dir ein bisschen Spaß machen, der will dich ein bisschen durchschütteln und durchrütteln. Das gelingt ihm meiner Meinung nach hervorragend.
Johannes Franke: Ich habe vielleicht zu viel intellektualisierten Anspruch an den Filmen. Also ich will, dass er eine ordentliche Dramaturgie hat, ich will, dass er Dialoge hat, die darüber hinausgehen, at least I'm a man and you're a woman. Mehr gibt es halt auch nicht.
Florian Bayer: Aber dafür ist doch das Intro da. diese intellektuellen Ansprüche begräbst unter einem total übertriebenen, merkwürdigen Intro und unter einer 20-Minuten-Disposition, die in Sekunden vorbei ist. Also wenn du dann noch intellektuellen Anspruch hast, dann bist du einfach selbst schuld. Plo guckt mich sehr strafend an. Okay, okay, na gut.
Johannes Franke: Ja, vielleicht hätte ich das vorher irgendwie hinkriegen müssen, das einmal über Bord zu werfen. Und vielleicht auch den Tipp an euch, wenn ihr euch den Film angucken wollt, weil ihr ihn noch nicht gesehen habt. Schaut ihn euch gerne an, ich finde das, also manche Filme von Plur würde ich auf jeden Fall nicht empfehlen, das habe ich auch schon gesagt, aber den würde ich empfehlen, aber nicht allein zu gucken. Nicht wegen des Gruselfaktors oder so, sondern weil ich glaube, dass der Film viel lustiger ist, wenn man ihn zu zweit schaut oder mehr. weil man viel mehr zusammen sich über die absurden Sachen amüsieren kann. Und dann hat man, glaube ich, viel mehr Spaß in dem Film. Ich habe ihn allein gesehen und das war, naja.
Florian Bayer: Es ist ein Film, den man in Gruppen schaut. Und wahrscheinlich auch ein Film, wo man ein bisschen Spektakel aus dem Gucken selbst macht und einfach mal jubelt, wenn die Kettensäge angeworfen wird und wenn ein Kopf rollt.
Johannes Franke: Und man macht vielleicht auch noch irgendeinen blutigen Kuchen oder sowas. Weißt du, dass man irgendwelche...
Florian Bayer: Oder ein Trinkspiel. Jedes Mal, wenn Blut vergossen wird, musst du einen kurzen kippen.
Johannes Franke: Ja, oder wenn er irre lacht oder so.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ja, das finde ich nicht schlecht.
Florian Bayer: Also ich kann ihn nur empfehlen. Absoluter Horrorklassiker. Und als sie das damals gemacht haben, wussten sie das schon auch, dass sie das Genre revolutionieren. Sie haben nämlich tatsächlich einen kleinen Witz aufgegriffen.
Johannes Franke: Aha.
Florian Bayer: im The Hills Have Eyes, ein Horrorfilm von Wes Grayman aus dem Jahr 1977. wird irgendwann mal so ganz kurz in der Szene ein kaputtes Plakat von der Weiße Hai eingeblendet. So ein bisschen symbolisch zu zeigen. Wir schreiben Horrorgeschichte neu. Weg von diesem Blockbuster Spielberg Horror. Guckt euch das mal an. Und das hat Tanz der Teufel auch gemacht. Im ersten Teil hängt ein zerrissenes Filmplakat von The Hills Have Eyes an der Wand. Und im zweiten Teil ... sehen wir einen Handschuh von Freddy Krüger, dem Killer aus der Nightmare on Elm Street Serie da hängen. Na gut. Und wir wissen, dieser Film revolutioniert das Genre. Oder macht zumindest verdammt viel Spaß.
Johannes Franke: Na gut, okay. Ja dann, Guckempfehlung für Gruppen und ... Ich überlege mir jetzt, was ich Blur fürs nächste Mal gebe.
Florian Bayer: Womit kannst du mich zurückärgern?
Johannes Franke: Moment, ganz wichtig, ich möchte mich bei dir bedanken, Flor. Ich danke, dass du mir diesen Film gezeigt hast, auch wenn ich mir den nie alleine angeschaut hätte und auch wenn ich doch irgendwie immer wieder sagen muss, nein, eigentlich ist es ein Nein, nicht mein Film. Und eigentlich ist es echt ein schlechter Film. Aber ich bin trotzdem immer mal froh, dass du mir einfach auch solchen Scheiß zeigst. Danke.
Florian Bayer: Danke, dass du das durchgestanden hast und mitgemacht hast. Und vielen Dank, dass ihr dieses Streitgespräch mitgemacht habt. Das war es nämlich diese Woche vor allem, mein Streitgespräch. Manchmal sind wir auch etwas harmonischer, was Filmgeschmack betrifft.
Johannes Franke: Ja, aber ich finde es auch gut, wenn wir immer wieder strafen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Und wenn ihr wissen wollt, was nächste Woche drankommt, bleibt dran. Dann hört ihr die Aufgabe, die Johannes mir aufgibt.
Johannes Franke: Sehr schön.
Florian Bayer: Bis dann, eine schöne Woche.
Johannes Franke: Ciao.
Florian Bayer: Ciao.
Johannes Franke: So, Plower, dann hätten wir jetzt meine Möglichkeit, mich zu rächen. Ja, räche dich.
Florian Bayer: Mit einem richtig schrecklichen, kitschigen, albernen Film aus den 50ern.
Johannes Franke: Ach, weißt du, ich mach's schlimmer. Ich mach keinen, 50er Jahre, Filme sind alle so gefällig. Das ist zu wenig als Rache für dich.
Florian Bayer: Also was langes?
Johannes Franke: Also was richtig langes, episches, würde ich sagen. Und eigentlich hoffe ich so ein bisschen auf deine Expertise, weil ich kenne mich gar nicht so richtig aus in diesem Genre, aber ich fand es spannend. Und ich glaube, ich werde mich damit nochmal ein bisschen beschäftigen jetzt die Woche, bis wir uns wiedersehen. Und zwar mit all den alten Mafia-Filmen. Oha. Und ich geb dir aber nicht die Mafia-Filme, also nicht der Pater 1, 2, 3 oder so, sondern ich geb dir den ganz neuen von 2019. Ach. The Irishman von Scorsese.
Florian Bayer: Den ich noch nicht gesehen habe.
Johannes Franke: Den hast du noch nicht gesehen.
Florian Bayer: Steht auf meiner Liste.
Johannes Franke: Dann, also, dann ist das...
Florian Bayer: Keine Qual. Hoffe ich zumindest. Der geht dreieinhalb Stunden.
Johannes Franke: Das ist halt das Ding. Der geht extrem lang. Und es ist schon ein bisschen crazy. Also ich hoffe, du kannst damit was anfangen und irgendwie können wir uns einfach mal über dieses Genre so ein bisschen auslassen. Ja, sehr gerne. Aber es ist schon spannend gewesen so in den 80er, 90er Jahren, was das so gebracht hat. Und jetzt so als Abgesang oder Nachtrag eher zum Genre nochmal von Scorsese so einen Film. Fand ich spannend.
Florian Bayer: Das war dann irgendwann zu Ende erzählt, hatte man das Gefühl. Dann kamen die Sopranos und dann war das nochmal so ein neuer Take drauf und dann war es irgendwie vorbei mit den Mafia-Filmen. Ich bin sehr gespannt. Cool.
Johannes Franke: Schön. Dann viel Spaß beim Schauen und ihr schaut euch auch an, dann könnt ihr mitreden. Naja, zuhören.
Florian Bayer: Wir hören uns nächste Woche mit die Irishman. Bis nächste Woche.
Johannes Franke: Ciao. Bis dann. Ciao.
