Episode 57: City Lights – Die Lichter der Großstadt und Charlie Chaplin
Charlie Chaplin darf sich in City Lights aus dem Jahr 1931 als der mittellose Tramp in ein blindes Blumenmädchen aus ärmlichen Verhältnissen verlieben. Dieses hält ihn für einen eleganten reichen Typen, kein Wunder, besucht er sie doch immer wieder, bringt ihr Geldgeschenke und Essen und bezahlt schließlich sogar ihre Augenoperation. Woher der Tramp das Geld hat? Von einem betrunkenen reichen Taugenichts, der ihn nur unter Einfluss von Alkohol als besten Freund erkennt, dann aber für ihn Partys schmeißt und ihn reich beschenkt.
Das beste von Chaplin in einem Film: Slapstick, Romantik und …Ach überhaupt alles was das Genius von Chaplin ausmacht. Plor im Vergleich zu Monsieur Verdoux vom letzten Mal; wieviel Genius siehst du in diesem Film? Bitte beachte, dass die richtige Antwort “100% Genius und kein einziger Punktabzug, weil perfekter Film” ist, und wir uns prügeln müssen wenn du es wagst eine andere Meinung zu haben.
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 57: City Lights – Die Lichter der Großstadt und Charlie Chaplin Publishing Date: 2022-02-03T08:14:55+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/02/03/episode-57-city-lights-die-lichter-der-grossstadt-und-charlie-chaplin/ Ich hatte meinen Booster und es geht mir scheiße. Nein, nicht oh nein, du hattest deinen Booster, yay! Ja, ich hatte meinen Booster, also yay! Es geht dir scheiße, nein! Es ist echt ein bisschen, oah, aber... Und falls ihr liebes Publikum euch jetzt fragt, was jetzt erst? Diese Folge nehmen wir sehr weit in der Vergangenheit auf, weil wir haben jetzt gerade so für den Jahresstart 2022 einiges vorproduziert. Das heißt, Johannes war alles andere als Spätran mit seinem Booster. Ich bin kurz vor Weihnachten jetzt hier mit meinem Booster und natürlich wie viele andere auch für Weihnachten quasi, um nochmal ein bisschen abgesichert zu sein. Und ich hatte die beiden ersten Male beim Impfen echt Glück, da war nichts bei mir, das war alles smooth durch, ohne irgendwelche körperlichen Reaktionen und jetzt hatte ich Schüttelfrost. Also bei mir hat der Booster auch tatsächlich mehr reingehauen als die ersten beiden Impfungen. Wir hatten beide dreimal BioNTech, nur um das nochmal schnell in den Raum zu werfen. Aber ich hatte weder erhöhte Temperatur noch Schüttelfrost, vielleicht ein bisschen erhöhte Temperatur, aber so ein bisschen durch den Wind war ich. Ansonsten ging es eigentlich. Lasst euch impfen. Genau, lasst euch impfen. Und wenn ihr das Gefühl habt, dass der Johannes ein bisschen in Delirium ist, dann entspricht das einfach der Wahrheit. Lasst euch impfen, aber macht nicht weniger als 24 Stunden nach einem Podcast. Okay, ich halte das durch, kein Problem. Vielleicht offenbaren sich da ganz neue Interpretationen durch den Fieberwahn. Das passt bei Chaplin ja auch. Herzlich willkommen zum Muss-Man-Sehen-Podcast. Heute mit einem Vorschlag, den Johannes mir gegeben hat. Ja, und zwar ein Vorschlag, der natürlich sein musste, der auch lange auf sich hat warten lassen. Wir brauchten 57 Episoden, dass ich endlich wieder in Chaplin genommen habe. Ja, Gott sei Dank. Und ich dränge ihn ja immer so ein bisschen und sage, komm Johannes, das ist deine Welt. Gib mir ein paar Slapstick-Filme, gib mir ein paar alte Filme, gib mir was in schwarz-weiß vor getanzt wird. Ich habe aber immer Angst, dass es überhand nimmt, dass wir zu viel von diesem ganzen alten Zeug nehmen. Aber jetzt muss es sein. Jetzt muss es sein, wir nehmen Charlie Chaplin City Lights. Lichter der Großstadt. Lichter der Großstadt aus dem Jahr 1931. Den ich vorher nicht gesehen hatte tatsächlich. Ich kannte Ausschnitte davon. Nicht gesehen hast? Ich kannte nur Ausschnitte, ich habe ihn nie in voller Länge gesehen. Das ist ein bisschen enttäuschend, Plor. Ja, ich bin auch von mir selbst sehr enttäuscht, aber umso froher, dass du mir aufgegeben hast, dass ich ihn jetzt endlich mal sehen konnte, um diese Filmwissenslücke zu schließen. Sehr gut. Und dann schauen wir doch mal, ob er meinen Horizont erweitert hat. Was ja die Maske des Podcasts ist. Genau. Letzte Woche hast du versucht, meinen Horizont mit Herrn R. zu erweitern. Ich habe ihn eher zertrümmert. Ja, also was irgendwie nicht geklappt hat. Aber ich möchte zugeben, dass er vielleicht auch dem einen oder anderen Zuhörer vielleicht was gegeben hat, wofür es sich schon gelohnt hat. Aber ich glaube natürlich großkotzig, dass Charlie Chaplin weitaus mehr zu bitten hat. Natürlich. Dann lass mal hören, was du uns vorgelegt hast als Einleitung. Charlie Chaplin darf sich in Citylights als der mittellose Trump in ein blindes Blumenmädchen aus ärmlichen Verhältnissen verlieben, das ihn für einen eleganten reichen Typen hält, der bald anfängt, sie immer wieder zu besuchen, ihr Geldgeschenke und Essen zu bringen und schließlich ihre Operationen an den Augen bezahlt. Woher der Trump das Geld hat? Von einem betrunkenen, reichen Taugenichts, der ihn nur unter Einfluss von Alkohol erkennt und als besten Freund annimmt und für ihn Partys schmeißt und ihn reich beschenkt. Das beste von Chaplin in einem Film. Slapstick, Romantik und ach, überhaupt allem, was das Genius von Chaplin so ausmacht. Im Vergleich zu Monsieur Verdu vom letzten Mal. Wie viel Genius siehst du in diesem Film? Bitte beachte, dass die Antwort 100% Genius und kein einziger Punktabzug, weil perfekter Film die einzige wirkliche Antwort ist und wir uns prügeln müssen, wenn du wachst, eine andere Meinung zu haben. Also 100% kann ich dir natürlich nicht geben. Allein schon, weil du letzte Woche meinen Filmvorschlag so fertig gemacht hast. Du willst dich rächen, ausgerechnet an Chaplin, der kann überhaupt nichts dafür. Chaplin kann da nichts dafür und natürlich ist das ein sehr schöner Film. Keine Frage. Ist er mein Lieblings-Chaplin-Film? Nein. Was? Was? Also ich fand... Was? Ich finde The Kid ist der schönere Film, was die zwischenmenschliche Komponente betrifft. Aber er ist sehr dicht dran an The Kid und das liegt natürlich vor allem daran, dass er es ähnlich wie bei The Kid schafft, so zwei Filme quasi parallel laufen zu lassen. Ja. Wir haben hier diese klassischen Slapstick-Einlagen, die man eben irgendwie aus Charlie Chaplins Kurzfilmen kennt, wenn man sie kennt. Also es gibt ganz viele diese Momente, wo man denkt, das ist auch ein Chaplin-Kurz-Film. Ja, genau. Mal kurz schauen, ob er da irgendwo Material wiederverwendet hat, was er sowieso schon hat. Ja, ja, genau. Und dann gibt es parallel tatsächlich diese Rahmenhandlung, die halt schon eine sehr sentimentale Romcom ist. Ja. Aber Chaplin ist halt unglaublich gut darin, Sentimentalitäten zu erzählen, ohne dass es nervt. Es ist toll, oder? Und natürlich ist es krass. Natürlich schaut man das auch mit dem Blick eines Zuschauers von heute und denkt so, oh, und jetzt nochmal diese Musik und jetzt nochmal ihr sehnsuchtsvoller Blick. Aber irgendwie klappt es am Schluss dann trotzdem und es gibt dann halt trotzdem einfach Gänsehaut-Momente und das ist schon krass. Also das muss ein Film erst mal schaffen, dass er 90 Jahre später immer noch Gänsehaut-Momente erzeugt als Schwarz-Weiß-Film. Ja. Der weniger Text-Tafeln hat als Stumpf-Film, als eben diese typische Chaplin-Romcom mit vielen Slapstick-Einlagen und trotzdem gibt es diese Gänsehaut-Momente und die hat er und das ist wirklich stark. Das ist die große Stärke von Chaplin, finde ich. Im Gegensatz zu Buster Keaton, der wirklich so der krasse Slapsticker war, der in der Gegend rumgeworfen wurde und der halsbrecherische Akrobatiken gemacht hat und der sehr formale Filme mehr oder weniger gemacht hat, während Chaplin der Sentimentale war, der wirklich sehr emotionale Filme gemacht hat. Was beeindruckend ist, was bei The Kid natürlich auch wahnsinnig zum Tragen kommt, wo das Kind einfach so eine wahnsinnig große Rolle spielt und diese Beziehung zum Kind. Und hier ist es halt das blinde Mädchen, das Blumen verkauft und er kauft eine Blume von ihr, sie glaubt, weil sie ihn nicht sehen kann, dass er ein reicher Typ ist, weil er aus einem Auto kommt, das nach einem reichen Auto klingt, wenn die Tür zu klappert, was ein ganz genialer Gedanke ist. Über den er sehr lange gekrübelt hat. Ja, er hat 300 Takes davon gemacht und war irgendwie nie so richtig zufrieden, weil er nie den richtigen Moment gefunden hat, wo er sagt, okay, das ist jetzt wirklich überzeugend, dieser Verkauf von reichem Typen. Es war für ihn auch selbst einmal eine elementare Szene. Also die wichtigste Szene des Films, dass sie ihm abkauft, damit die Liebesgeschichte danach auch irgendwie glaubwürdig ist, dass sie ihm abkauft, dass er ein Millionär ist, wo ich denke, okay, muss vielleicht nicht unbedingt so sein. Also da kommt auch so ein bisschen der Perfektionist durch, der vielleicht auch ein bisschen weniger perfektionistisch sein könnte. Also Chaplin war wirklich ein unglaublicher Perfektionist. Wenn wir mal auf die Zahlen gucken, jetzt mal die Erstehungsgeschichte und den ganzen Plattradatsch drumrum. Zum einen ist das Ganze 1931 entstanden, wo der Jazzsinger als erster Tonfilm schon der große Erfolg war und alle Leute Tonfilme wollten. Ja, 1927 war der Jazzsinger, vier Jahre bevor der Film veröffentlicht wurde. Und er hat 1928 angefangen mit den Filmen zu planen und das heißt, es war schon draußen und man wusste schon, okay, das ist der Tonfilm und der könnte vielleicht das große Ding werden und er hat sich trotzdem dagegen entschieden. Und er hat am Anfang, das war ja, als er an 28 angefangen hat, war es ja auch noch so, dass man denken konnte, okay, vielleicht ist Tonfilm auch nur ein Gimmick. Das ist heutzutage kaum vorstellbar, weil Tonfilm einfach so wie die logische Evolution wirkt. Aber wenn wir uns aus der heutigen Filmwahrnehmung versetzen, dann kennen wir das ja auch, dass es einfach Gimmicks gibt, wie zum Beispiel das 3D-Kino, wo man denkt, okay, es ist die Frage im Raum, ist es nur ein Gimmick oder wird es mehr? Und 3D-Film ist natürlich ein schönes Beispiel, weil es nicht mehr geworden ist, aber denken wir an digitale Filme. Da war auch die Frage am Anfang, kann man das so machen, werden in Zukunft so Filme gedreht? Ich glaube ja nicht. Und wenn wir uns heute die Filmlandschaft anschauen, dann ist 99% digital gedreht. Ja, natürlich zu Recht, weil sich die technische Entwicklung entsprechend durchgesetzt hat. Beim Tonfilm denken wir das jetzt auch, im Nachhinein, natürlich, klar, musste das irgendwie weiter vorankommen, aber Chaplin war der Überzeugung, dass gerade seine Figur, das Tramp ja, eigentlich gar nicht reden kann. Ja. Das funktioniert nicht. Du kannst den Tramp nicht reden lassen. Der ist eine physical Comedy-Geschichte. Man kann nicht ihm irgendwie dann Worte in den Mund legen. Was hat er dann später beim großen Diktator versucht und hat dann aber den Tramp eher davon weggelöst. Also man erkennt den Tramp noch ein bisschen in der Figur beim großen Diktator, aber nicht wirklich. Er ist eine Variante davon. Kommen wir mal kurz zum Tramp. Was ist das für eine Figur und warum funktioniert sie so gut im Stummfilm? Es ist nicht einfach nur ein Objekt, mit dem man ein bisschen Slapstick machen kann, weil es ist ja schon eine definierte Figur, die auch bestimmte Charaktermerkmale hat, bestimmte Charakterzüge und bestimmte Eigenheiten, die sie irgendwie besonders machen. Also der Tramp ist natürlich die Identifikationsfigur für den Zuschauer. Immer derjenige, der aus dem Voll kommt, der arm ist, der sonst nichts hat, aber immer etwas draus macht, aus dem, was er nicht hat. Also er schafft das immer irgendwie in Situationen, es gibt ganz viele Kurzfilme, wo er sich in der Higher Upper Class bewegt, wo er irgendwie golfen geht oder sowas, aber eigentlich überhaupt gar kein Geld hat. Und überhaupt gar keine Idee davon, wie sich solche Leute verhalten und wie Golf geht. Und das ist ganz toll, weil wir als Zuschauer, also er nimmt an, dass der größte Teil der Zuschauer eben das gleiche Problem hat. Die wissen nicht, wie macht denn die Upper Class das? Wie sind die denn drauf? Und das heißt, man ist immer, man rootet immer für diesen vermeintlichen Verlierer, der aber am Ende immer irgendwie gewinnt. Ja, das Spannende ist, am Trampjatt hat sich, dass er ganz viele Charaktermerkmale oder ganz viele Verhaltensmerkmale von dieser Upper Class aufgreift. Er ist ein Gentleman. Genau. Er ist jemand, der sehr auf seine Mitmenschen achtet und man könnte sogar einen Punkt machen, er ist mehr Gentleman als das klassische Upper Class Verständnis von Gentleman, weil er eben auch jemand ist, der sich wirklich um seine Mitmenschen kümmert. In diesem Film sieht man es besonders stark, weil es gibt die zwei wesentlichen Momente für die Handlung, die großen handlungstreibenden Momente sind zwei Momente, in denen er anderen Menschen hilft. Einmal, indem er den Blumenmädchen was abkauft und dann zum zweiten, indem er diesen Millionär rettet, der sich umbringen würde, wenn er nicht da wäre. Und das ist, glaube ich, ein ganz wesentliches Merkmal von diesem Tramp, dass er eben trotz seiner Armut sich so wie ein Upper Class Gentleman verhält. Nicht nur, indem er hilft, sondern auch, indem er sich so sehr elegant bewegt, indem er versucht, sehr elegant zu wirken und versucht seine Würde zu bewahren, was natürlich auch für die Comedy dann gut ist, wenn sie immer wieder verloren geht. Genau. Er ist nicht einfach nur so der kleine Mann, sondern er ist ja auch immer diesen Versuch elegant zu wirken. Also er ist ja schon auch so ein bisschen so ein Clown dadurch, so ein tragischer Clown, der eben würdevoll sein will und dem es aber nicht so 100% gelingt. Und er ist auch so ein sentimentaler Künstlertyp, er ist ein Sensibelchen. Ja, ja, man darf aber nicht vergessen und das wird oft verklärt, wenn man sich so die Chaplin Sachen aus Abstand anschaut, der ist schon auch brutal, der ist schon auch, also was der an Dritten verteilt und was der von Zeug macht mit Leuten, das ist schon teilweise sehr, sehr viel, sehr gewalttätig, aber das macht natürlich für die Slapstick immer so einen großen Teil. Und er ist eigennützig, hat viele, gerade in den Stummfilmen, hat er viele Momente, wo er Situationen für sich versucht zu nutzen, macht das immer so, dass man als Zuschauer denkt, ja gut, würde ich in der Situation auch machen. Ja, es spielt glaube ich eine große Rolle, dass er dabei auch so kindlich naiv ist. Er ist eher wie so ein kleines Kind, das sieht, dass das Schippchen gerade nicht bewacht ist von einem anderen Kind und sich das schnell greift. Ja, genau. Er bewegt sich ja auch durch die Welt so ein bisschen wie auf dem Spielplatz und ist dann auch sehr irritiert, wenn was eben nicht so ganz läuft, wie er will. Also das haben wir ja auch ganz oft, dass diese Irritationsmomente, was passiert da. Und er ist renitent, er versucht es immer wieder. Ja, er gibt es nicht auf. Genau, das ist ganz toll, das ist einer der treibenden Federn seiner Komik auch. Das ist ganz spannend, weil die dunklen Charaktereigenschaften, die du jetzt erwähnt hast, die kommen in dem Film eher weniger zum Tragen. Das stimmt, ja. Es gibt zwar diese Momente, wo man sich fragt, okay, jetzt nutzt er den Millionär irgendwie aus, aber auch nicht so richtig. Natürlich profitiert er davon, dass er dann später auf diesen Millionär trifft und von dem Geld kriegt. Aber es hat trotzdem einen noblen Hintergrund, weil er seine Freundin im Blick hat. Und es ist auch nicht so manipulativ, bösartig, intrigant. Ich versuche mir jetzt gezielt, was zu greifen, sondern es ergibt sich irgendwie einfach aus den Situationen heraus, in die er rein stolpert. Er stolpert sowieso sehr viel durch diesen Film. Also er wird von Situation in Situation geschubst und oft hat man das Gefühl, er hat gar keine Kontrolle mehr über die Handlung. Was aber in einem Maße passiert, dass man nicht genervt davon ist. Weil es gibt ja viele Filme, wo man genervt davon ist, dass die Hauptfigur keine eigene Handlung mehr vorantreibt, sondern immer nur noch durchgeschoben wird. Aber bei ihm ist es so, dass er vor allem von den Betrunkenen immer wieder in den Arm genommen und kommt, wir machen jetzt das und wir machen jetzt das. Und er geht voll drauf ein, er lässt sich einfach mitschleppen. Dann sagt der Betrunken jetzt machen wir Party und dann feiern sie bei ihm zu Hause und dann sagt er jetzt mal jetzt trinken wir und dann trinkt er. Und jetzt gehen wir dahin und feiern da und er geht halt immer mit, er lässt sich einfach mitziehen. Es ist auch so ein Ja sagen zu allem, was kommt. Das finde ich ein wahnsinnig schönes Gefühl fürs Leben zu sagen, okay, ich schaue mal was kommt. Der Betrunken ist überhaupt nicht mein Fall, man sieht das. Sein Gesichtsausdruck sagt eindeutig, ach du Scheiße, was haben wir denn hier. Aber er geht trotzdem drauf ein und sagt, okay, mal gucken, wo es mich hinführt. Er hat ja auch keinen anderen Job oder so. Es entwickelt sich ja auch eine ganz groteske Freundschaft zwischen den beiden. Am Anfang sagt er, er ist nicht so mein Fall. Merkt, dass er eingeschüchtert ist von diesem extremen, excitierten Verhalten von dem betrunkenen Millionär. Irgendwann hat er Spaß mit ihm. Und dann helfen sie sich ja auch gegenseitig bei dieser absurden Restaurant Szene, wo sie sich dändisch in Prügeleien geraten und ständig aber füreinander die Fäuste hochgeben, um den anderen zu verteidigen. Also es geht eigentlich die ganze Zeit in diesem Restaurant hin und her. Der Millionär ist komplett betrunken und der Tramp ist halt der Tramp und versteht einige Situationen nicht. Und deswegen kommen sie ständig in Streitsituationen. Die laufen aber immer darauf hinaus, dass einer für den anderen gerade steht, egal wie absurd die Situation gerade ist. Ja, und das ist sehr absurd. Also es gibt wirklich, er versucht wirklich aus jeder Situation, die er sich überlegt, wie zum Beispiel eben dieser Party-Restaurant-Abend, das ist irgendwie so eine Mischung aus Party und Restaurant. Da gibt es eine Tanzfläche und die ist total rutschig. Und dann, weißt du, er versucht überall noch das Absurdeste zu finden, was es da gibt. Und sie bestellen Spaghetti und dann kommen die Luftschlangen, die irgendwie durch die Party, durch den Raum geworfen werden, die er dann, so betrunken wie er ist, statt der Nudeln erwischt und dann da durch den Raum geht, um die zu essen. Wo der Millionär übrigens sehr fürsorglich ist und ihm dann so wirklich reingreift und sagt, Moment mal, du machst da gerade einen Fehler. Und er ist plötzlich der Rationale von den beiden. Dann gibt es ja auch, was zum Beispiel so eine klassische Tramp-Szene ist, dann gibt es dieses tanzende Paar, die sehr will tanzen und die Frau rutscht aus dem Feld hin und der Tramp sieht irgendwie nur den Typen, der die Frau geschubst hat und reißt sich natürlich gleich das Jacket runter, um sich mit diesem Typen zu prügeln. Das ist eigentlich, sie haben eine klassische Party-Nacht. Sie saufen zusammen und kommen ständig in Streitereien und Prügeleien. Ihr ist toll. Ich finde, Chaplin hat es voll drauf, diese Jobs abzuarbeiten und das aber nicht so sehr wie eine Einkaufsliste wirken zu lassen. Sondern einfach wirklich da durchzugehen und sehr logisch eins ins nächste zu bringen. Das ist überhaupt eine große Stärke von Chaplin, finde ich, dass diese Slapstick-Einlagen, die er hat, die wirken nicht abgesetzt. Die wirken nicht so wie, okay, und jetzt kommt die Slapstick-Einlage, obwohl es manchmal so ein bisschen so ist wie bei dem Boxkampf, wo man das Gefühl hat, okay, das hat er jetzt da eingefügt. Aber meistens macht diese Slapstick-Einlage doch etwas mit dem Film, was ihn vorantreibt. Wo eine Situation entsteht, wo die Geschichte doch nach vorne getrieben wird und nicht nur einfach der Slapstick-Willen Slapstick betrieben wird. Es ist in dem Film halt vor allem auch stark, weil er mit Harry Myers einen wirklich exzellenten Gegenspieler hat und Mitspieler. Sie machen dieses Slapstick-Zeug auch ganz oft zusammen und der Harry Myers, also das ist natürlich von Chaplin inszeniert, aber er lässt den Harry Myers ganz oft Sachen vom Tramp aufgreifen. Sie sitzen da auf dieser Party und der Tramp fängt an mit den Beinen zu wackeln und so etwas eingeschränkt in der Gegend herum zu gucken. Dann geht die Kamera so ein bisschen raus und dann sehen wir, dass der Millionär neben ihm sitzt und er macht genau dasselbe. Der Schütz sitzt auch da und wackelt auch so mit den Beinen und sie wirken beide so ein bisschen verloren dann mit ihrem halbsträgen Blick. Und dann gibt es diese wunderbare Szene, wo das erste Mal in meiner persönlichen Filmgeschichte, dass ich über einen Zwischentitel richtig laut lachen musste, wenn der Millionär ihn betrunken nach Hause fährt. Und er sagt dann zu dem Millionär, vorsichtig, pass auf wie du fährst, be careful how you're driving. Und dann fragt der Millionär, am I driving? Das ist so ein lustiger Zwischentitel, weil dann in der nächsten Szene sieht man natürlich wieder der Tramp ganz verzweifelt, dass das Lenkrad greift. Und das ist so on point. Humor, den man eigentlich eher von den Simpsons erwartet. Wirklich klassischer, also nicht klassisch im Sinne von 90er Jahre, Sprachhumor. Und so einen Zwischentitel zu pressen, so dass man lachen muss, das muss ein Film erst mal hinkriegen aus der Zeit. Und das hat voll funktioniert. Und er hätte es ja machen können, er hätte, wenn er einen Talkie draus gemacht hätte, also einen Tonfilm, wären das die Dialoge gewesen, die er hätte haben können, wollen, sollen, dürfen. Ich finde es sehr bold von ihm, sehr beeindruckend, dass er um diese Zeit noch gesagt hat, ne, wir machen einen Stummfilm draus, aber ich mache eine Tonspur. Und diese Tonspur macht auch so viel Gutes mit diesem Film. Es ist so toll. Und natürlich gleich am Anfang, wo du denkst, wo du wirklich vor allem als Publikum von damals denkst, du bist in einem Talkie gelandet, weil wir haben diese Reden auf dem Platz, damit steigt der Film ein und dann haben wir diesen Typen, der redet und dann ist es ein Bläser, eine Trompete. Es ist ein Saxophon, glaube ich. Ein Saxophon, das die Geräusche dazu macht und es klingt wirklich wie unverständliches Gepläre. Ja genau, das ist super gemacht. Und es ist ein Witz auf diesen Tonfilm und es ist so großartig, weil du natürlich keine synchronisierte Tonfassung hast, sondern einfach diesen Bläser, der da... Und dann danach die Frau, wo der Bläser ein bisschen höher ist. Ja genau. Das ist super, weil das ist der Einstieg in unseren Film und dann kriegt das Tramp auch gleich eine Slapstick Einlage und es ist so ein geiles Spannungsfeld aufgemacht zwischen Ton und Stummfilm, was Chaplin ja später noch krasser gemacht hat mit Modern Times, wo er viel mehr mit Ton gearbeitet hat, obwohl es auch irgendwie noch ein Stummfilm ist. Ich finde es toll. Ich finde es eine tolle Reaktion auf ein neues Gimmick in der Filmgeschichte, wo Chaplin noch nicht genau wusste, wie er damit umgehen soll. Und er hat ja auch mit sich gehadert. Er hat sehr gehadert. Er hat gedacht, es ist bloß ein Gimmick und hat dann während der Dreharbeiten, die über drei Jahre gegen festgestellt, oh, es ist nicht nur ein Gimmick, shit, der Tonfilm ist gekommen, um zu bleiben. Und das hat er ja nicht komplett ignoriert, also er hat das gemerkt. Und er hat genau gewusst, was er mit seinen Mitteln kann und was er nicht kann. Das ist das, was ich finde, was Profis von Amateuren oder eher nicht so geilen Regisseuren eben unterscheidet. Zu wissen, welche Mittel habe ich und was kann ich damit machen und welche Mittel habe ich nicht. Was sollte ich möglichst nicht machen, weil ich es nur schlecht mache. Das ist gut. Kommen wir aber nochmal zurück zu der Frage, hätte der auch als Tonfilm funktionieren können? Also würdest du sagen, so perfekt, so wie es gemacht ist? Oder du musst nicht mal das perfekt weg. Du musst dir nicht sagen, er ist dadurch weniger perfekt. Aber hätte es vielleicht auch als Tonfilm funktionieren können, diese Rolle als Tramp in diesem Film? Was denkst du? Ich glaube nicht. Ich glaube nämlich, dass die Situationen, die er herstellt, die ja auch in der Tradition des Tramps sind, was auch in ganz vielen anderen Filmen so wäre, die würden sich erledigen, wenn er anfangen würde zu erklären. Weil viele Situationen wie das mit den blinden Mädchen und so, das lebt davon, dass der Tramp nicht viel redet. Also man sieht ab und zu seinen Mund bewegen. Man weiß, er redet, wenn er was zu sagen hat. Aber ganz allgemein redet er auch wenig. Er ist kein Mensch, der Situationen durch verbale Äußerungen klärt, sondern eher durch visuelle Erklärungen, Pantomime. Und das ist eben, glaube ich, das, was den Tramp auch so schwer zu übersetzen in Tonfilmen macht. Ich fände es ganz spannend, so quasi eine alternative Realität zu überlegen, in der das Ganze als Tonfilm wäre. Ich denke, bei dieser übergeordneten Handlung, also zum einen das mit den Mädchen und zum anderen aber auch das mit dem Millionär. Und es geht wirklich nur um diese handlungstreibenden Momente. Hätte das vielleicht als Tonfilm funktionieren können? Und ich fände es auch spannend zu überlegen, wie das als Tonfilm hätte funktionieren können. Ich bin vollkommen bei dir, dass diese ganzen Slapstick-Sachen und auch ganz viele der Alltagssituationen, in denen sich der Tramp befindet, dass die einfach wie für Stummfilme gemacht sind. Dass die durch die Unterstützung von der Musik und eben durch das Visuelle, dass die im Tonfilm eher verlieren. Sobald er anfängt, ein Wort zu sagen, z.B. im Boxkampf, wird es schwächer. Aber diese romantische Geschichte und diese Aufsteiger-Geschichte, diese hilflose Aufsteiger-Geschichte, es wäre bestimmt ganz spannend mit Naturn eben auch sich einfach zu überlegen, wie könnte diese Liebesgeschichte z.B. dadurch gewonnen haben, dass da gesprochen wird. Weil dadurch, dass sie blind ist und sie redet ja auch relativ viel sogar. Also sie ist wahrscheinlich der Charakter, den die meisten Zwischentitel bekommt, was Text betrifft, weil sie auch viel von ihm erzählt. Sie hat ja diese Szene mit ihrer Mutter, wo sie erzählt und dann war dieser reiche Millionär da und hat mir eine Rose abgekauft und ich hoffe, er kommt bald wieder. Ich glaube, ihr Charakter könnte z.B. gewinnen durch Tonmomente. Ja vielleicht, vielleicht. Er hat sich mit ihr leider nicht so gut verstanden. Ach Mann. Sie hatte einfach auch eine andere Vorstellung davon, wie Filme zu machen sind als er. Chaplin war einfach... Er war so perfektionistisch und das hat sie genervt. Sie wollte das nicht. Er hat ja hunderte Takes gemacht, um mal diese Zahlen aufzumachen. Er hat 180 Drehtage gehabt in drei Jahren Produktionszeit. Er hat also viele Pausen zwischendurch gehabt. Seine Mutter ist zwischendurch gestorben, als er das Drehbuch gemacht hat. Er hat zwischendurch viele Sachen gemacht. Er hat Winston Churchill kam und er hat Pause, Drehpause gemacht und hat einfach mal ein bisschen mit Winston Churchill abgehangen. Das sagt so wahnsinnig viel über die laissez faire Haltung damals, was Dreharbeiten betrifft. Aber er hat mit Churchill auch gedreht dann. Er hat mit Churchill einen Kurzfilm gedreht. Was total Geiles. Aber dass man einfach mal sagen kann, was heute überhaupt nicht geht, einfach mal sagen kann, für heute ist genug, wir machen irgendwie morgen weiter, ich treffe mich jetzt mit Churchill. Ja. What? Ja. Keine Chance. Und er hat 180 Drehtage gehabt für diesen Film. Ich würde gerne mal in den Raum werfen, wie lange ein Tatort gedreht wird. 21 Drehtage gegen 180 Tage. Also es ist Chaplins Perfektionismus, aber es ist auch natürlich die Technik von damals und die Produktionsabläufe von damals. Jeder Film hat damals wesentlich länger gedreht als heute. Ja. Es ist einfach so. Aber es war trotzdem ein Großprojekt. Chaplin hat sich, es war ein leidenschaftliches Projekt. Chaplin hat von seinem eigenen Geld über eine Million Dollar, eine Million 500.000 Dollar hat er in den Film reingepulvert. Hat er immer wieder gemacht. Er hat immer wieder, der war so, wenn der mal eine Idee hatte, der musste das durchziehen. Das war so ein besessener Mensch. Es ist unglaublich. Und er hat aber sein eigenes Studio, er konnte die Sachen auch umsetzen. Genau. Er hat einfach, dann hat er halt gesagt, okay, dann nehme ich noch mal Geld in die Hand. Ich habe genug Geld und das pulvere ich da rein. Mir ist wirklich wichtig, dass der Film gut ist, dass der Film perfekt ist. Er war kurz davor, wenn er alles schon, er hatte schon alles gedreht. Also nicht ganz alles, aber so größtenteils. Und dann hat er seine Hauptdarstellerin gefeuert. Virginia Jarrell, weil sie zu spät gekommen ist. Fucking, weil sie zu spät gekommen ist, hat er sie gefeuert und darüber nachgedacht. Also er hat schon auch Ersatz gecastet. Eine, mit der er vorher schon bei Goldrausch gearbeitet hat. Georgia Hale. Genau. Und hat mit ihr Probeaufnahmen gemacht und so. War alles so, wir machen das jetzt. Und dann hat er aber festgestellt, doch es wird doch ein bisschen zu teuer, alles das nochmal zu drehen. Was wir schon gedreht haben mit den neuen. Das ist so krass, aber dass er das überhaupt überlegt hat. 180 Drehtage für den Arsch und dann noch mal alles von vorne. Das ist so seine Haltung, weißt du? Er war tatsächlich von ihrer Schauspielleistung noch angetan. Also er hat festgestellt, dass sie einfach zu gut ist. Und im Interview nach zur Folge hat er da den Schritt gemacht. Er hat sie zugesagt, hat gesagt, komm bitte zurück. Und hat ihr Gehalt verdoppelt. Ja, aber nur weil sie gut verhandelt hat. Sie hat sich Rat geholt von anderen Kollegen. Und die haben dann gesagt, naja, dann mach mal. Hier kannst du ein bisschen tweaken, da kannst du ein bisschen was rausholen. Und ich hatte leider keine Zeit mehr danach zu suchen. Aber die Szenen, die er mit Georgia Hale gedreht hat, offensichtlich gibt's davon auch welche. Ich hab sie leider nicht gesehen, aber es gibt davon welche, ja. Das ist spannend. Gerade, ich glaube, die Schlussszenen sind mit ihr. Ja, ich finde jedenfalls die Tonspur wahnsinnig spannend. Weil er auch überall Kommentare drin hat. Zum Beispiel eben am Anfang das mit den Politikern. Oder dann auf der Party, wo er die Pfeife verschluckt. Also die ganze Zeit die Pfeife. Das ist so großartig. Das ist super. Es sind so tolle auch Audio-Ideen dabei, die einfach einem Stummfilm-Star nicht unbedingt gegeben sind. Ja. Der männliche Gegenpart, der betrunkene zum Beispiel, der Schauspieler, der hat danach nicht mehr viel gemacht. Das war ein Stummfilm-Star. Das ist traurig. Das ist einer der Verlierer der ganzen Geschichte. Der hat danach nur noch ganz kleine Sachen gemacht und war am Ende. Das war nix mehr. Und er spielt so schön. Ja. Der ist so eine tolle Ergänzung für Chaplin in diesem Film. Und nochmal Harry Myers. Er spielt das so toll. Also wenn er betrunken auftritt, ist er einfach immer eine Naturgewalt. Wir haben drei Begegnungen zwischen ihm. Vier, dreieinhalb. Und es ist eigentlich immer so, dass er total betrunken Chaplin in die Arme fällt und sagt, oh mein alter Freund, schön dich zu sehen, komm mit mir. Und dann wie gesagt, wie so ein Naturgewalt reißt er Chaplin mit. Beim ersten Mal trinken sie ihn zuerst nur zusammen. Übrigens auch eine sehr lustige Szene, wenn er die ganze Zeit den Alk in die Hose von Chaplin kippt. Und dann gibt es diesen lustigen Moment. Chaplin bemerkt das nicht. Und dann gibt es diesen lustigen Moment, wo er fast sein Glas umkippt. Dieses kleine Glas. Und Chaplin korrigiert es so ein bisschen. Damit er nicht verschüttet wird. Damit er bloß nichts verschütten, während die ganze Zeit der Alkohol in seine Hose läuft. Und dann gehen sie auf diese wilde Party in dem Restaurant, wo sie die Zigarren rauchen und die tanzen, gucken zwischendurch mal Spaghetti bzw. Lametta essen. Das ist so ein Beispiel, was du gerade sagst mit dem Verschütten des Alkohols in Chaplins Hose. Das ist ein geiler Gag. Aber Chaplin schafft es halt, dann da einen drauf zu setzen. Und zu sagen, hier guck mal da, dein Glas, du verschüttest gleich was. Was ein guter Kommentar auf den Gag ist. Was irgendwie dem ganzen, du kannst, ganz viele Wortwillkünstler haben alle möglichen Sachen mit Slapstick gemacht. Aber Chaplin hat meiner Meinung nach immer einen Schritt weiter. Er ist immer einen Schritt weiter gegangen. So diese eine Metaebene, die du draufpacken musst, das ist vom eigentlich klassischen Slapstickwitz zu was größerem wird. Zu was menschlichem wird auch. Und das zeigt sich halt in der Geschichte mit dem Mädchen. Wollen wir vielleicht die Geschichte mit dem Mädchen mal ein bisschen... Er wollte zwischendurch ein 16-jähriges Mädchen engagieren für den Saal. Charlie, keine gute Idee. Haben sie ihm ausgeredet. Er war sowieso einer, der ein bisschen schwierig war in der Richtung, muss man sagen. Die Hauptdarstellerin hat einmal gesagt, die war 20, als sie das gedreht hat. Er war an mir sexuell nicht interessiert, ich war ihm zu alt. Und nicht schön. Das ist kein guter Kommentar, das sagt nicht viel Gutes aus. Und er hatte ja immer sehr junge Frauen, so auch später. Als er schon Mitte 50 war, oder Neil, wie alt ist die? Die ist viel jünger gewesen als er, die war gerade volljährig oder so was. Er war 40 ungefähr, als er den Film gedreht hat. 1889 ist er geboren, das heißt 1929. Ja, das sind 40 Jahre ungefähr. Ja, das... ja. Na ja, und dann finde ich die Story mit dem Mädchen natürlich irgendwie toll erzählt. Ja, die ist unfassbar kitschig und sentimental. Aber es gibt diese Schlüsselmomente, wo die einfach saugut funktioniert. Wie gesagt, der Anfang, wenn er aus dem Wagen raussteigt. Und dann auch, sie hört halt die Wagentür und denkt dann erst mal, er ist reich. Und dann hört sie nachher die Wagentür und hört ihn wegfahren. Und er denkt, er wäre weggefahren, aber er steht natürlich noch da, weil es nicht sein Wagen war. Er wollte ja nur aus diesem Verkehrschaos raus. Und dann beobachtet er sie noch weiter, was man sagen könnte, was eine creepy Szene sein könnte. Aber es ist eine total schöne Szene. Ja, genau. Also vom Grundgedanken ist es total creepy, dass er da noch sitzt und so. Aber dann sitzt er da und guckt halt auch verliebt auf sie. Und dann nimmt sie Wasser, um die Blumen zu gießen und kippt das Wasser auf ihn drauf. Und es ist wirklich süß. Ja, vor allem, weil er das immer aufbricht. Er ist ja nicht so, dass er einfach creepy dasteht und starrt. Sondern es wird immer ihm heimgezahlt mit dem Wasser, was ihm entgegenkommt. Und dann steht er am Fenster auf einem Fass und schaut in ihre Wohnung. Wo man denkt, oh mein Gott, Creep, was ist los? Guckst du gerade durch ein Fenster in private Räume? Und er steht auf einem Fass und wird natürlich vom Nachbarn irgendwie. Und dann fällt er da runter und es gibt immer eine Antwort darauf. Das finde ich gut. Die zweite Begegnung ist natürlich süß, wenn sie vor dem Haus steht, von dem Millionär, nach der ersten betrunkenen Nacht und die Blumen verkauft. Und er kauft dir die Blumen ab. Er kennt sie wieder, freut sich total und fährt sie mit dem Wagen vom Millionär nach Hause. Das ist auch, wo er sie durchs Fenster beobachtet. Es sind ja tatsächlich nicht so viele Szenen, die sie da zusammen haben. Aber es wird wirklich eine schöne Romanze zwischen den beiden erzählt. Einfach auch durch ihre Blicke und dadurch, wie er sie so umgarnet. Der Gentleman, obwohl er wenig Geld hat, weiß er in den Momenten, wie er sich gentlemanhaft verhalten kann. Und es ist auch kein ekliges Umgarn oder so, was er macht. Sondern er himmelt sie ja auch wirklich an. Es ist wirklich schön. Es gibt keinem der Zeit irgendwie innewohnendes, ekelhaftes Angebieter oder so. Es gibt nicht diese männliche, komm, schatze allein, komm mal her, haben einen viel zu großen Busen. Das ist nicht der Fall. Und das finde ich sehr schön, weil er immer eine echte Romantik drin hat. Vor allem dann eben in diesem Mittelteil, wo er einfach mal, um ihr zu helfen, um für sie die Operation finanzieren zu können, arbeitet. Er arbeitet für sie. Er ist eigentlich dieser klassische Tramp, dieser Hobo, der durchs Leben geht, ohne arbeiten zu müssen, der sich halt so rumschlägt. Und dann nimmt er einen richtig klassischen Alltagsjob an und wird Straßenreiniger nur, um ihr helfen zu können, um für sie Geld zu besorgen, was nicht gut geht, weil er irgendwann mal zu spät kommt. Tatsächlich wird das ganz witzig, dass er gar nicht durch eine große Slapstick-Situation gefeuert wird, sondern er ist halt einfach zu spät zum Job. Die Slapstick-Situation gibt es vorher, wenn er dem Typen, dem Mitarbeiter, zufällig die Seife aufs Brot legt, wirklich eine sehr süße Zähne haben, wo der Seifenblasen ausatmet. Und dann, eigentlich so einer der klassischen Chaplin-Revue-Passagen, nimmt er einen anderen Job an und zwar wird er Boxer. Ja, und das ist ja mal eine krasse Szene, oder? Das ist so das Herzstück der Slapstick-Einlagen dieses Films, finde ich. Ein bisschen zu lang. Ich fand die Szene ein bisschen zu lang. Ich finde die Ideen ganz toll da drin. Ich finde den eigentlichen Kampf dann nachher, ich finde es total witzig, was passiert. Also die Grundidee, weil er hat dann jemanden, mit dem er ausmacht, hey, komm, pass auf, wir tun uns nicht gegenseitig weh und ich falle und alles in Ordnung. Und dann teilen wir das Geld. Aber dieser Typ muss dann weg, weil er von der Polizei gesucht wird. Und dann kriegt er einen anderen Boxer zur Seite gestellt, der nicht so drauf ist, sondern eine richtige Kampfmaschine. Die Idee ist super witzig. Der Kampf wird meiner Meinung nach dann so ein bisschen in die Länge gezogen. Liegt aber auch daran, dass das so ein sehr klassischer Slapstick-Humor ist, mit dem ich ab einem gewissen Punkt nicht mehr viel anfangen kann, wo ich sagen kann, okay, witzig, ja, aber jetzt hast du alles erzählt. Und jetzt brauchen wir nicht noch dreimal getänzelt durch den Boxring und der feige Tramp versucht sich irgendwie zu retten. Es reicht. Ich hab's verstanden. Es ist witzig, jetzt haut ihn K.O., damit wir weitermachen können. Aber es sind viele schöne Ideen. Mit der Glocke, die immer wieder klingelt, weil er den Seil um den Hals hat und so. Das sind schon tolle Ideen dabei. Viel aufregender fand ich in dieser Szene, dass man den Tramp oben ohne sieht. Ja, stimmt. Und ich war tatsächlich überrascht, dass er das macht mit der Rolle. Weil man hat das Gefühl, es ist eigentlich keine Rolle, die man oben ohne sehen kann oder sehen will. Ja. Und dann finde ich seinen Körper aber super getroffen. Wenn man mir sagen würde, wie sieht Charlie Chaplin oben ohne aus, hätte ich erwartet, der ist viel muskulöser, als man denkt, weil er einfach sportlich und akkuatisch ist. Und deswegen, wenn es eine oben ohne Szene vom Tramp gibt, gibt es ein unpassendes Muskelpaket. Man sieht einfach, das ist ein durchtrainierter Typ, der halt seine Salty machen kann. Und dann ist er aber wirklich, sein Körper ist wirklich witzig inszeniert in dieser oben ohne Szene. Es passt, es ist halt so ein Hagera-Typ, so ein Sensibelchen, der nicht wirklich boxen kann, der sich halt auch richtig bewegt und das auch einfach geschickt macht, dass man seinen durchtrainierten Status nicht so erkennt. Das funktioniert total gut. Das ist total super. Und man muss sagen, Chaplin war ein guter Boxer. Der hat das hobbymäßig gemacht. Ja. Der hat tatsächlich geboxt und das war auch öfter mal Thema in seinen Filmen. Also er hat das schon öfter mal gemacht, so Box-Szenen. Wobei er relativ wenig boxt in diesem Film. Er versucht es eher mit wrestlen und mit wegrennen. Das ist so ein Tanz auch, das ist tatsächlich wirklich süß, wie er um den Gegner herum tanzt und da versucht er irgendwie klarzukommen. Und dann dieses klassische, ich renne um dich herum und schlage dann manchmal und treffe manchmal und drücke mal von oben runter und versuche irgendwas zu schaffen. Aber es könnte auch zu fünf Minuten kürzer sein. Ja, ich verstehe, was du meinst. Das ist in Ordnung, es könnte kürzer sein. Aber das ist so ein unglaublicher Tanz. Die haben da bei den Dreharbeiten mehrere Tage gedreht. Morgens standen jeden Tag mehr Leute vor der Tür und wollten mit dabei sein. Weil sich rumgesprochen hat, dass Chaplin wahnsinnig witzig da im Ring irgendwelchen Kram macht. Es ist auch ein toller Slapstick-Kurzfilm für sich. Das sieht man und denkt, okay, das wäre ein super Slapstick-Kurzfilm. Die Geschichte von dem Boxer, der eine Vereinbarung hat mit einem anderen Boxer. Und dann kriegt ihr aber plötzlich eine Kaffmaschine hingestellt und muss damit irgendwie klarkommen und will eigentlich gar nicht kämpfen. Auf jeden Fall, das ist witzig. Das ist halt einfach ein bisschen zu lang. Also es ist der Moment, wo die Revue ein bisschen Überhand nimmt und ich wieder gerne ein bisschen mehr Geschichte hätte. Weil es halt auch einfach reingepflanscht ist. Also es hat mit nichts zu tun. Es ist einfach, wir haben die Szene als Straßenkehrer und als Boxer, damit wir noch zwei Nummern da drin haben. Und ja, es gibt diesen schönen sentimentalen Moment, wenn er ausgenockt wurde und dann seine Freundin das Blumenmädchen sieht in dem Ring Assistenten und ihm die Hand küsst. Das ist irgendwie witzig und süß, weil es dann halt doch nochmal auf die Geschichte referiert. Aber ja, es ist vor allem ein Slapstick. Tramp Chaplin Slapstick-Nummer. Und dann kommen wir auch zurück zum Höhepunkt der Story, wo der Millionär tatsächlich im betrunkenen Zustand trotzdem einfach auch wirklich nett ist. Sie reden dann über das Mädchen und der Millionär sagt zu ihm, er macht dir mal keine Sorgen, ich helfe. Ja, aber er ist sehr betrunken dabei. Er ist betrunken dabei, aber er ist vom Acting nicht so krass, so exaltiert wie davor in einigen betrunkenen Szenen, wo er einfach mit dem Geld um sich geschmissen hat. Sondern er nimmt dann den Geldbeutel raus und zählt das Geld und gibt es ihm wirklich so. Und es ist wirklich sehr süß, wie er dann hinkommt zu ihr. Und er nimmt sich eine Note, Geldnote, steckt sie in sich selbst in die Tasche, um wenigstens was zu haben, gibt ihr den Rest in die Hand, was ziemlich viel ist. Also es ist mehr als die Operation kostet. Und dann bedankt sie sich irgendwie ganz überschwänglich und dann kriegt er ein schlechtes Gewissen und gibt ihr auch noch die letzte Danknote, die er da noch übrig gelassen hat. Und es ist so süß. Das Problem ist nur, dass was vorher passiert ist, nämlich während der Millionär ihm das Geld gibt, ist er in den Hallen von Dieben im Haus des Millionärs. Und Chaplin als der Tramp wird natürlich verdächtigt, dass er der Dieb ist, vor allem wegen diesem Butler, der auch so eine tolle Rolle ist, der den Tramp von Anfang an nicht leiden kann und ihn immer loswerden will. Und solange der Millionär betrunken ist, ist das kein Problem, weil der Millionär dann sagt, nee, mein Freund soll wieder zurück rein, jetzt was soll das? Aber wenn der Millionär nüchtern ist, ist er so, wer ist dieser Mann, ich kenne den nicht. Was eine geniale Idee ist, was ganz toll ist. Und dann wird er natürlich bezichtigt und damit weiß er dann auch, dass er mehr oder früher oder später in den Bau geht. Und dann gibt er das Geld schnell noch ab bei ihr und weiß aber, wir werden uns jetzt eine ganze Weile nicht sehen. Und das ist so der Höhepunkt des Films, bevor es dann so richtig, wo man denkt, oh fuck, jetzt ist halt nichts mehr, die werden nie wieder zusammenfinden, weil er halt in den Bau geht. Und dann ist ein Zeitsprung. Und was jetzt kommt, ist echt traurig. Es ist so sentimental. Und das ist das, was ich vorhin meinte mit Gänsehaut, diese Abschlussszene, wenn er ihr dann wieder begegnet, die sich wirklich Zeit nimmt, das auszuspielen, diese Wiederbegegnung. Und er sieht halt total, er sieht nicht mehr so aus wie vorher, er ist dann wirklich so verlumpt. Und so, dass sie ihn nicht wiedererkennen könnte, sie hatte mittlerweile ihre Augenoperation dank ihm, das heißt, sie kann wiedersehen. Und dann ist er da vor ihrem Laden und wirklich so ein Häufchen Elend eigentlich. Und sie guckt ihn an und lächelt ihn auch schon an, so durch die Scheibe, ohne zu wissen, wer es ist. Ja. Und er sieht so, er ist ein Gang. Ich finde es so großartig. Er ist so ein guter Schauspieler in dem Moment. Wirklich, das ist einer seiner Glanzstücke, was das Schauspiel betrifft, finde ich. Weil er es schafft, auf eine bestimmte Art und Weise zu gehen und zu agieren und zu reagieren, wie einfach wie ein getretener Hund. Ja, er ist tatsächlich, der Tramp ist eigentlich immer, egal wie arm er ist, er ist immer elegant, er ist würdevoll, er geht mit erhobenem Haupt. Und in dieser Szene macht er das nicht. In dieser Szene ist er wirklich, er wird dann ja auch noch von diesen Zeitungsjungen bespuckt. Und in diesen Szenen, wie du sagst, wie ein getretener Hund. Er ist zerlumpt und er bewegt sich auch entsprechend. Er ist eigentlich geschlagen und am Ende. Und er findet es total schön, sie wiederzusehen. Aber eigentlich ist er keine Hoffnung, weil er ist einfach, er ist nicht mal mehr der Fake-Millionär, der er vorher war, sondern er ist gar nichts mehr. Ja. Und dann ist sie der Meinung, ihm eine Blume geben zu wollen und ihm vielleicht auch noch ein bisschen Geld, weil sie sieht, der ist ganz schön am Boden. Und dann kommt sie raus, nimmt die Blume so vorsichtig mit ausgestrichter Hand so weit wie möglich weg. 1,5 Meter Abstand. Und das ist so, er traut sich gar nicht so richtig, aber er ist so fasziniert davon, weil er sie wiedergesehen hat und so verliebt ist immer noch. Und so denkt er, oh mein Gott, sie kann sehen. Und das ist alles so, das ist völlig überwältigend, auch für uns als Zuschauer. Und dann drückt sie ihm noch das Geld in die Hand und dann durch diese Berührung, durch die erste Berührung, nachdem sie wieder sehen kann, spürt sie dann, ach, das kenne ich doch. Und das spielt Virginia Cherills so gut. Ja, es ist unglaublich. Sie geht da fröhlich raus und sie will ihm das Geld in die Hand drücken und sie greift seine Hand. Und diesen Stimmungswechsel, so fröhlich, ein bisschen naiv und dann zu diesem ernsten Blick, wenn sie ihn erkennt. Und das ist der krasse Gänsehaut-Moment, weil sie guckt ihn dann wirklich ernst an und hält seine Hand und drückt sie auch noch. Und das ist wirklich so gut gespielt von ihr. Und es funktioniert einfach. Und dann tastet sie vorsichtig an seine Schulter und es ist einfach so ein unglaublicher Erleichterungsmoment. Sie erkennt ihn, er freut sich, dass er sie erkennt. Er legt ganz schüchtern noch. Das ist eine tolle Szene. Und fragt dann natürlich nochmal, und du kannst jetzt sehen. Und sie sagt, ja, ich kann jetzt sehen. Und das Schöne ist, der Film endet damit, aber er endet nicht so offen, dass man sagen könnte, okay, wir wissen jetzt nicht, wie sie damit umgeht, sondern sie lächelt ihn schon an. Und man hat das Gefühl, okay, da wird irgendwie alles gut. Das ist ein Happy End auf jeden Fall. Dieser Film ist ein Märchen und das ist ein schönes Ende. Weil ihnen beiden ist einfach das Wichtige als Geld. Es ist einfach ein schönes Ende wiedererkennend. Es braucht auch nicht mehr. Sie müssen sich nicht in den Arm fallen, küssten und so, das wäre alles zu viel. Das ist genau der richtige Moment. Das finde ich toll an Chaplin in dem Moment. Deswegen ist sogar das Ende perfekt. Das ist unglaublich, weil das schafft dieses Stückchen drüber, was die meisten Filme dann am Ende machen. Zukunft, 10 Jahre, sie haben Kinder, sie leben ein tolles Leben. Oh mein Gott. Vögel zwitschern durch den Garten. Weißt du so was? Hätte man machen können. Hat er nicht getan. Perfekt. Das ist wirklich schön. Diese Zurückhaltung, auch seine Schüchternheit, seine Geschlagenheit in diesem Moment. Ihre offene Herzlichkeit, dass sie so freigebig ist. Das spiegelt natürlich sein Verhalten auch vom Anfang wieder. Das ist toll. Man merkt auch, die sind einfach füreinander geschaffen. Wirklich schöne Szene. Wirklich toller Gänsehautmoment. Der auch einfach, so wie er inszeniert ist, toll. Kann man nicht besser machen, kann man nicht anders machen. Wo man auch sieht, das ist richtig, dass da so viel Herzblut reingeflossen ist. Ja. Und ich frage mich immer, dieses ganze Herzblut und das alles, was er da reinsteckt an Geld, um rumzuprobieren und zu sagen, okay, ich hab jetzt das Ganze irgendwie 3-mal gedreht, 5-mal gedreht, 10-mal gedreht, 20-mal gedreht, 50-mal gedreht. Und ich hab immer noch etwas, wo ich denke, nie, es könnte noch besser. Irgendwas fehlt da noch, da muss doch noch... Ich find das beeindruckend. Ja, auf jeden Fall. Und es hat sich ausgezahlt, ne? Der Film war wirklich ein Erfolg dafür, dass er 4 Jahre nach dem ersten Tonfilm rauskam als Stummfilm. Und Chaplin sich noch gequält hat in die Gedanken, die Leute erwarten vielleicht was anderes. Und dann hat er diesen absurden Nebentitel, eingefügte Comedy-Romance in Pentamime written and directed by Charlie Chaplin, dass bloß keiner da reingeht und irgendwie einen klassischen Liebesfilm mit Ton erwartet. Und es hat einfach funktioniert, die Leute waren begeistert. Ja. Der hat einfach voll davon profitiert, dass er der Superstar war, sowieso. Und deswegen sind initial einfach alle Leute reingegangen. Und dann der Film einfach so gigantisch gut war. Ja. Und nach Chaplins eigenen Angaben war Albert Einstein im Kino und hat noch mal sich eine Träne weggewischt. Also keine Ahnung, ob das so ist. Und Chaplin schreibt in der Autobiografie, die ich hier habe, dass er nicht gedacht hätte, dass Einstein so sentimental sein könnte. Das klingt auch ein bisschen wie eine Räuberpistole. Vielleicht, vielleicht. Vielleicht hat er sich einfach nur gefreut, dass das Herr Einstein da im Kino saß. Er hat ja mit Einstein so ein paar Treffen gehabt. Er hat Geige gespielt. Und Chaplin hat Geige gespielt. Die haben beide Geige gespielt. Einstein war auf jeden Fall musikalisch. Ich glaube, es war Geige auch. Und sie waren beide nicht so richtig gut. So wie man halt musikalisch ist, wenn man nebenbei was anderes zu tun hat, wie tausend Filme drehen oder die Relativitätstheorie entwickeln. Chaplin hat die Musik für diesen Film geschrieben. Der hat die selbst geschrieben. Er hat selbst Musik komponiert. Was ist das denn bitte? Es ist wirklich tolle Musik. Es ist unglaublich gute Musik. Er kann keine einzige Note. Er hat sich einen professionellen Musiker geholt. Er hat gesagt, setz dich dahin, ich summe dir vor, was ich haben will. Und dieses Blumenmädchen-Lied ist von Jose Padilla? Ja, genau, da gibt es eine Vorlage. Aber ich weiß nicht, wie das reingebaut ist, inwiefern, wie viel von ihm und wie viel von dem da ist. Aber das hat Chaplin später noch selber gemacht. Das ist der erste Film, der er selbst gemacht hat. Und weil auch das nicht mehr die klassischen Musicsheets waren, die man irgendwie dem Kino gibt, wo die dann live die Musik spielen, die da eigentlich fast schon Public Domain-Musik ist. Wo man an der richtigen Stelle die amerikanische Hymne einbaut und so, um den Film zu begleiten. Sondern wirklich dezidiert dafür komponiert und aufgenommen und dann als Tonspur mitgeliefert. Das ist das erste Mal. Deswegen hat er das das erste Mal wirklich komponieren wollen und müssen. Und hat dann das sein Leben lang weitergemacht. Er hat einfach die Musik komponiert dafür. Und es ist total krass, weil er sich auch da, wie mit seinen Dreharbeiten, so aufgeopfert hat. Der hat tagelang sich eingesperrt in seinem Zimmer. In seinem Zimmer ist es untertrieben. Er hat ja so ein riesiges Studio gehabt, in dem er so viel Spaß hat und einfach Musiken versucht hat, rauszupressen aus einem Hirn, das nie Noten geschrieben hat. Es war sein vorletzter Tonfilm, ne? Genau. Dann kam Moderne Zeiten und 1936. Und dann kam Große Diktator. 1940. Und sowohl der als auch Moderne Zeiten haben ja schon, wie wir gesagt haben, diese Tonfilm-Komponenten. Moderne Zeiten dann noch mal ein bisschen krasser. Aber nicht so handlungstragend, sondern eher die Atmosphäre unterstützt von dieser gigantischen Industrie. Genau. Aber ja, dafür ist so ein Nachklang des Tonfilm könnte man fast sagen, aber als Nachklang wunderbar funktioniert. Definitiv. Ganz großartig. Und es ist natürlich schade, dass der Trump so nach und nach verschwinden musste, weil der Tonfilm kam und Chaplin einfach gesagt hat, nachdem er viel damit experimentiert und überlegt hat, wie man den sprechen lassen kann. Irgendwann einfach gesagt hat, das geht nicht. Der Trump ist tot mit dem Tonfilm. Das ist einfach so. Na, beim Großen Diktator, finde ich, hat er es schon ganz gut angedeutet, wie man den Trump in ein moderneres Filmverständnis retten kann. Natürlich ist es nicht mehr der Trump wie davor. Aber es ist eine erweiterte Rolle, die irgendwie auch im Ton dann funktioniert. Weil sie natürlich auch mehr Handlungen hat und weil sie weniger Slapstick hat. Das ist halt das Ding, der Slapstick. Dieser ganze klassische Chaplin-Slapstickhumor, auch Slapstick, der Geschichten erzählt, der funktioniert im Tonfilm natürlich nicht. Also das heißt nicht, dass er nicht funktioniert. Aber ich glaube, dass er einfach sehr stark minimiert werden muss. Und das tut er ja auch im Großen Diktator. Aber er hat noch welche drin. Er hat eine ganz tolle Szene als Barbier, wo er zu Musik von Ravel, die ungarischen Tänze, den Bart rasiert. Unglaublich geile Szene. Also da sind ganz viele Slapstick-Momente auch drin. Aber eben natürlich auf andere Art und Weise als früher. Guckt euch das alles an. Ihr müsst unbedingt das ganze Chaplin-Oeuvre. Es sind nur 83 Filme. Es ist alles okay. Ihr kriegt das hin. Schaut euch alles an. Oder guckt euch nur City Lights an. Der ist auf jeden Fall ein sehr schöner Repräsentant davon. Wir müssen aber noch unsere Top 3. Top 3. Jingle. Unsere Top 3. Langsam gehen uns die Top 3-Themen aus, habe ich das Gefühl. Das Gefühl habe ich nicht. Wir finden noch ganz viel. Weil wir jetzt die Top 3 haben. Minorisierte Gruppen. Also Minorities. Ich fand es gar nicht so einfach, weil es gibt eine riesige Fülle an Filmen, die das überhaupt nicht auf die Reihe kriegt. Genau, das ist das Problem. Und ich hätte große Schwierigkeiten. Ich auch. Es gibt vor allem viele negative Beispiele. Und es ist natürlich ein unfassbar weites Feld. Und dann fragt man sich, was sind minorisierte Gruppen? Welche Gruppen sind spannend in Filmen? Von welchen Gruppen finden wir Geschichten toll? Ich glaube, dass das ganz viele Fragen betrifft, weil es eben um Themen geht wie Rassismus, Homophobie, Transphobie, Apleismus und so weiter. Minorisierte Gruppen natürlich, weil wir hier eine blinde Protagonistin haben. Hast du trotzdem was gefunden? Ich habe trotzdem was gefunden. Und hast du auch Honorable Mentions gefunden? Ich muss mal ganz kurz meine Liste gucken. Ich hätte eine Dishonorable Mansion. Oh ja, davon gibt es sehr viele, viel zu viele. Welche ist deine Dishonorable Mansion? Ich habe keine Dishonorable Mansion, wo der Film das einfach schlecht macht und das Gegenteil erreicht. Sondern einfach einen schlechten Film. Der ist einfach wahnsinnig schlecht, aber es ist so ein Klassiker. Edward, Glender, Glender. Er versucht zu... Es klappt einfach nicht, er ist einfach nicht gut. Ich hätte eine Dishonorable Mansion von einem Film, der es total schlecht macht, aber trotzdem ein ganz guter Film ist, was ganz schrecklich ist. Dann ist man hin und her gerissen. Und ich glaube, so ein Klassiker davon, und der wird auch immer gerne zitiert, wenn etwas schlecht dargestellt wird, und zwar das Thema Autismus in Rain Man. Das Thema Autismus von ihm, ganz schrecklich, mit ganz vielen Klischees und unsensibel dargestellt. Wir haben so viele Probleme in der Gesellschaft nur wegen dieses Films, weil alle sagen, Autisten sind genau so. Sind genau so Rain Man, genau. Aber trotzdem ist es ein guter Film, weil er emotional ist. Es ist ein Hollywood-Film. Er weiß, an welchen Schrauben er drehen muss, um Emotionen zu erzeugen. Das in Hoffmann spielt, das ist natürlich toll. Es ist auch toll, dass so viele Autoritäten gespielt werden, um einen Oscar zu kriegen, wenn Dustin Hoffmann einen Autisten spielen darf und dann alles gibt, um richtig schön autistisch rüberzukommen und zur Academy rüberlugt dabei. Das haben wir ja oft, also früher Gott sei Dank mittlerweile, nicht mehr so viel, was Homosexuelle betrifft. Wenn ihr zu dem Thema was Kontroverses hören wollt, hört euch unsere Folge zu diesen Amazon-Guidelines an, wo wir natürlich einen etwas anderen Take drauf haben als viele Kritiker, die sonst drüber geredet haben, weil wir sagen, na ja, es ist schon richtig. Man kann sich mal Gedanken darüber machen, dass es vielleicht nicht so gut ist, dass die ganze Zeit Homosexuelle von Heterosexuellen gespielt werden, die dann ihren Oscar wollen. Es ist auf jeden Fall ein streitbares und schwieriges Thema. Deswegen sollte man sich das Gespräch mal anhören und dann können wir uns die Guidelines selbst mal lesen von Amazon. Ich bin gespannt, wie sich das noch entwickelt, welche Guidelines wir in Deutschland noch weiter haben werden. Es ist ja auch auf dem Weg. Setzt euch damit auseinander mit dem Thema, weil wir werden nicht drum rumkommen. Und setzt euch mit der Vielschichtigkeit des Themas v.a. auseinander. Es ist kein Thema, was man einfach so abtun kann, wie mit so was, cancel culture oder die political correctness aber auch nicht mit, das widerspricht doch dem Gedanken der Schauspielerei, dass jetzt ein Heterosexueller keinen Homosexuell mehr spielen kann. Das ist auch ein bisschen zu oberflächlich. Man muss sich wirklich mit den Argumenten auseinandersetzen und verstehen, welche Gedanken dahinter schlummern und warum es sinnvoll ist, so grundsätzlich minorisierten Gruppen mehr Chancen zu geben, mehr Raum zu geben in der Filmwelt oder in der Kunstwelt ganz allgemein. Da waren wir ein bisschen unterschiedlicher Meinung bei den Amazon Guidelines, weil da haben wir schon ein bisschen gerungen mit so bestimmten Sachen. Und das ist aber auch wichtig. Nicht nur miteinander, sondern auch mit unserer eigenen Meinung. Während dieses Gesprächs merkt ihr, dass wir selbst mit uns auch ringen. Also ich ringe mit mir und Johannes ringt mit sich und wir ringen miteinander. Weil es ist ein wirklich komplexes Thema, weil es natürlich neben solchen Aspekten wie EV-Toleranz und Aufgeklärtheit und so weiter auch natürlich den Aspekt der Kunstfreiheit behandelt. Und das ist natürlich ein Spannungsfeld. Es ist schwierig. It's complicated. Das ist nichts, was man mit so ein paar Tweets und runtergeschluderten Antworten einfach wegspülen könnte. Egal aus welcher Richtung man kommt. Spannend. Ich habe zwei Honorable Mentions. Erzähl's. Und zwar gar nicht so sehr mit dem Thema Homosexualität, sondern vielmehr mit dem Thema Alleinerziehende Mütter. Besser geht's nicht. As good as it gets aus dem Jahr 1997 von James L. Brooks, wo Jack Nicholson einen Arschloch spielt. Eine minorisierte Gruppe der Arschlöcher. Ein Arschloch-Schriftsteller, der voll von Neurosen ist. Tatsächlich sind seine Zwangsneurosen, machen ihn auch ein bisschen zur Gruppe. Aber er ist nicht die spannende Minorität darin. Sondern er verliebt sich dann in eine Alleinerziehende Mutter, Helen Hunt, die das wirklich toll spielt. Und freundet sich vorsichtig mit seinem Nachbar an, von Crackinja gespielt, der homosexuell ist. Und überwindet dann auch so ein bisschen seine Homophobie dabei irgendwie so halb. Spannend ist vor allem die Rolle der Helen Hunt in diesem Film, die halt relativ viel Raum kriegt für so eine klassische heteronormative Romcom. Und einfach gezeigt wird, was es heißt, Alleinerziehende Mutter zu sein. Und meine zweite Honorable Mansion wäre Einer flog über das Kuckucksnest. Ja, aber Honorable Mansion. Nur Honorable Mansion, weil er setzt sich mit dem Thema Psychiatrie und psychische Erkrankungen und auch Stigmatisierungen von Menschen mit psychischen Erkrankungen auseinander, bewegt sich aber im Rahmen der 70er Jahre und hat natürlich vor allem diese Psychiatriekritik und diesen Fokus, die heute auch einfach nicht mehr so wirklich hinhaut. Und hat auch einige Klischees mit an Bord. Schafft es aber dafür, dass er in den 70ern gedreht wurde, ziemlich gut psychische Erkrankungen glaubwürdig darzustellen. Okay, habe ich noch Honorable Mansion. Ich hätte noch The Danish Girl. Der kommt nicht in die Liste, weil ja, es geht um eine Transfrau und wird von einem Mann gespielt, von Eddie Redmayne, der dann auch irgendwann gesagt hat, na, war vielleicht nicht so gut, dass ich das gemacht habe. Weil es gibt ja genug Transfrauen, die das hätten spielen können. Ja, habe ich nicht gesehen. Aber der Film an sich ist einfach sehr gut. Es wäre halt bloß besser gewesen, wenn es jemand gespielt hätte, der aus der Community gekommen wäre. Ein Positivbeispiel, was das betrifft, eine Serie Orange is the New Black, wo eine Protagonistin, die trans ist, von einer Transfrau gespielt wird. Und ganz spannend übrigens, die Schauspielerin hat einen Zwillingsbruder und der spielt dann die Rolle quasi vor der Transition. Ein glücklicher Zufall, dass das so gelöst werden konnte, was dann aber wirklich super funktioniert, einfach in der gleichen Ähnlichkeit. Ich muss anfangen mit Platz 3, oder hast du noch eine? Mein Platz 3 ist tatsächlich ein David Lynch Film und zwar der Elefantenmensch aus dem Jahr 1980, der das Schicksal von Joseph Merrick erzählt, der eben auch der Elefantenmensch genannt wurde im 19. Jahrhundert, der bei so einer Art Freakshow unterwegs war wegen seiner Deformation und da präsentiert wurde als monströse Gestalt und der dann aber da irgendwann rauskam und in die Obhut von jemanden kam, der sich wirklich nicht um ihn gekümmert hat und ja, er hatte irgendeine Abkrankheit, weswegen er so aussieht. Und David Lynch erzählt das als wirklich sensibles Drama mit ganz leisen Tönen. John Hurt spielt den John Merrick großartig, das ist ein Doktor, diesen Chirurgen, der sich dann um ihn kümmert und es ist wirklich ein leises und sensibles Drama um einen gesellschaftlichen Außenseiter, der eben wegen seiner Krankheit und wegen seines Aussehens, das daraus resultiert, stigmatisiert wird und versucht gesellschaftliche Anerkennung zu finden. Ein großartiger Film funktioniert auch heute noch. Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen, die so was zum Thema haben. Es ist sehr lange her, dass ich den gesehen habe. Ziemlich beste Freunde. Es geht um jemanden, der im Rollstuhl sitzt und einen Schwarzen, der sich um ihn kümmert. Und der im Rollstuhl sitzende ist erstmal nicht so begeistert, dass es ein Schwarzer ist, der sich um ihn kümmert. Und darüber müssen sie ihre eigenen Vorurteile jeweils auch hinterfragen und werden einfach sehr gute Freunde. Du hast ja gleich zwei Minorisierte Gruppen. Frankreich 2011. Ganz spannend, bei dem Thema ist es mir aufgefallen, als ich so geguckt habe, was es so gibt. Tatsächlich ein Thema, bei dem neuere Filme besser sind als altere Filme, weil wir einfach, zumindest aus unserem Blick, weil wir einfach eine andere Sensibilität haben, wie wir an solche Themen rangehen, als das in den 70ern oder 80ern war. Einfach auch mit ein bisschen mehr Empathie und mehr bewusst, dass das Klischees vermieden werden sollten. Oder dass eben ein weißer keinen Schwarzen spielen sollte. Oh Gott. Aber würden wir, das ist ein interessanter Gedanke, würden wir, wenn wir heute ein Jahr 2021 einen Film jemandem vorsetzen würden in den 80ern? Wie würde der den Film sehen? Das ist wirklich eine spannende Frage, keine Ahnung. Ist es dann zu, ist es zu fein inszeniert, sodass man das nicht so richtig einsortieren kann in den 80ern, weil man nicht genug weiß? Vielleicht, weil man zu sehr mehr Klischees sehen will, weil es dadurch greifbarer wird. Also dass sie sagen, ach, die Person ist schwul, das habe ich gar nicht mitgekriegt. Weil wenn in den 80ern jemand als schwul dargestellt wurde, da war also 90% der Film so, dass diese Person ein rosa Kleid getragen hat und in einer höheren Stimme geredet hat und bestimmte Geste genau, bestimmte Mimik und alles ein bisschen drüber. Bis hin zum verletzenden Klischee. Und das ist heute deutlich besser. Also gerade was Darstellung von Homosexualität betrifft, denke ich, aber auch von Transsexualität. Wo wir in der Vergangenheit viele Filme haben, die bemüht sind, das Thema aufzumachen. Wo man aber merkt, aus unserer heutigen Perspektive funktioniert es halt nicht mehr so gut, weil es einfach... Wir sind doch ein Stück weiter. Wir sind doch ein Stück weiter, das ist banal, aber so ist es einfach. Aber das macht Hoffnung. Ja, macht es, auf jeden Fall. Wo man immer so Angst hat und denkt, oh mein Gott, irgendwie schaffen wir es immer noch nicht, uns wirklich dem Gebotenen zu begegnen. Aber wir scheinen ja doch eine Entwicklung durchgemacht zu haben, das ist schon ganz gut. Ja, auch dass damals auf bestimmte Klischees zurückgegriffen wurde wie der White Savior, dass wenn irgendwie gezeigt wurde, wie Schwarzer Rassismus überwinden, mussten sie dann doch immer noch einen weißen Helden zur Seite gestellt bekommen, auch um dem weißen Publikum eine Identifikationsfigur zu geben. Also einer flog über das Kuckucksnest als krasses Beispiel und ein tolles Buch und einen tollen Film aus den 50ern, wo es aber halt nicht ging ohne den tapferen weißen Anwalt, der die Schwarzen vor den bösen Rassisten verteidigt. Ja. Mein Platz 2. Hidden Figures, unerkannter Heldin aus dem Jahr 2016. Ein Feel-good-Movie durch und durch, der sich mit den schwarzen Frauen beschäftigt, die damals im NASA-Programm in den 60er-Jahren die Mondlandung vorbereitet haben und den ganz wesentlichen Einfluss darauf hatten, dass die Amerikaner Ende der 60er-Jahre zum Mond fliegen konnten und die von der Geschichte so ein bisschen vergessen wurden. Die dann auch in Texas, in dem NASA-Zentrum, in Virginia, in dem NASA-Zentrum ihre eigenen Räume zugewiesen bekommen haben, weil damals war halt einfach noch krasse Apartheiten in den USA, die dann ihre eigenen Toiletten benutzen müssen. Und dann irgendwann stellt die NASA aber fest, wir müssen diese Frauen benutzen, weil die viel besser sind als die Männer, die wir gerade zur Verfügung haben. Und dann wird die Geschichte von drei Frauen erzählt, die Jobs kriegen, die damals nicht selbstverständlich waren, dass das schwarze Frauen kriegen. Und die unter Beweis stellen, dass sie das Ding rocken dann. Und ein ganz toller Film, der ein bisschen schön schreibt, so die ganze Geschichte und den Rassismus natürlich thematisiert, aber immer aus so einer viel gut Perspektive heraus. Aber trotzdem ein toller Film. Wunderschöne Tragikomödie, die wirklich auch einfach Freude macht und eben auch Hoffnung. Toll. Mein Platz 2 wäre... Was nehmen wir denn hier so? Das Leben ist schön. Im KZ ist ein wahnsinnig harter Film, aber so gut und liebevoll inszeniert und so toll. Und minorisierte Gruppen sind dann offen. In dem ganzen Lager. In dem Fall sind es die Juden. Und es ist wirklich übel. Es ist wirklich hart, das zu sehen, dieser Kampf des Vaters, dem Kind, das irgendwie erträglich ist. Beziehungsweise als Spielplatz zu verkaufen. Das ist schon echt... Positiv Beispiel zum Thema minorisierte Gruppen versus Machthaber, die irgendwelchen Scheiß damit machen. Mein Platz 1. Auch ein jüngerer Film. Die andere Seite der Hoffnung aus dem Jahr 2017 von Aki Kaorismeki über einen syrischen Flüchtling, der in Helsinki strandet und in einem Lokal Anstellung findet und auch einen Unterschlupf findet und sich damit dem Wirt anfreundet. Auch eher ein viel guter Film, der aber einen sehr empathischen Blick hat auf das Leben von Flüchtlingen in Europa, die versuchen anzukommen, denen unglaublich viele Steine dafür kämpfen und einen Film, der die ganze Zeit die Menschlichkeit noch mal hochhält. Der zeigt, dass auch sehr viele Hürden überwunden werden können, wenn wir Menschen uns einfach umeinander kümmern und keine rassistischen Arschlöcher sind. Wirklich wunderschöner Film, der gut tut und dem könnte man auch vorwerfen, dass er das ganze soziale Drama machen kann, aber er macht das so toll und mit so viel Gespür und so viel Philanthropie, dass es einfach toll ist. Toll. Wow. Ich hätte auf meinem Platz eins etwas, was auf Netflix gelaufen ist, eine quasi Serie, aber eine sehr eng abgesteckte Serie, When They See Us. Hast du das gesehen? Es geht um die sogenannten Central Park Five. Das sind die Jungs, die waren zwischen 14 und 16 Jahren, also in einem Alter, wo das eigentlich noch gar nicht so richtig Thema ist. Es waren Schwarze oder latinamerikanische Bevölkerung, die das Pech hatten, im Central Park zu sein in den 80ern, wo gerade jemand ermordet wurde, vergewaltigt und ermordet. Das sind diese fünf Jungs, die da irgendwie auch waren. Und dann werden die durch die Hölle geschickt mit Ermittlungen und waren die das, haben die das gemacht, einfach nur, weil die als Schwarzer Teil der Bevölkerung sofort in Verdacht geraten. Ihr in Verdacht geraten als so ein paar weiße Dudes, die da in der Gegend rumgelaufen sind. Und das ist schon echt hart. Die haben sich dann verfilmt, diese Entwicklung. Cool. Ich hab da auf jeden Fall schon drüber geklickt, wenn ich durch Netflix geguckt habe, was will ich als nächstes schauen? Und das klingt wie was, was ich unbedingt sehen sollte. Definitiv. Ich hab gerade noch mal nachgeguckt, ich glaube, die wurde gar nicht ermordet, sondern nur vergewaltigt. Trisha Miley war das damals. Das geht natürlich total in Mark und Bein, und du hast dann irgendwie echt eine schwierige Zeit vor dir, wenn du das guckst, weil du da einfach einem Unfall zuguckst, der dich in emotionale Tiefen zieht, weil du da so emotional beteiligt bist am Ende und denkst, oh mein Gott, wie können die das machen so? Und haben da Verhörmethoden, die man niemandem angedeihen lassen möchte, und nicht mal Leuten, die es wirklich waren und wirklich verdient hätten vielleicht. Das ist furchtbar, ganz gruselig. Donald Trump hat das damals benutzt, ich bin gerade bei Wikipedia-Artikel, um für die Todesstrafe zu werben und forderte, dass die Jugendlichen umgebracht werden. Total krass. Und es war irgendwann natürlich total klar, dass sie das nicht waren. Die wurden nach 10 Jahren oder so freigelassen. Fast 15 Jahre. Aber die haben dann echt einen Schaden von dem Aufenthalt im Gefängnis davon getragen. Es gibt einen von denen, da gibt es Material, die haben sich nach dem Special noch mal zusammengesetzt, also die tatsächlichen Figuren, die tatsächlichen Central Park Five, und der eine von denen, der sieht so fertig aus mit der Welt, da wirst du nicht mehr glücklich, wenn du den anschaust Dein ganzes Leben ist ruiniert. Die waren 14, 15, 16. Das ist unglaublich. Ich wollte irgendwie da raus. Dann kommen wir von diesem schwierigen Thema wieder zurück in unseren Film. Ja, zu einer minorisierten Gruppe in Deutschland in der damaligen Zeit, wo wir noch mal kurz drauf eingehen, der Charlie Chaplin nicht angehört hat, auch wenn er gesagt hat, weil die Nazis solche Ersche sind, oder die würde ich denen gerne angehören. Der Film kam 31 nach Deutschland und Chaplin auch. Er wurde begeistert empfangen. Es gab wohl ein paar Nazis, die skandiert haben, oder Scheißjude und so weiter. Ganz interessant, die Bilder, die damals entstanden sind von Chaplin, der am Flughafen ankommt, und die Leute jubeln ihm zu und sagen, cool, da kommt der Filmstar, die wurden später in dem Film Der ewige Jude benutzt von der nationalsozialistischen Propaganda aus dem Jahr 1940, um zu zeigen, da guckt euch an, wie das einfache Volk teilweise auf die Juden hereinfällt. Chaplin umjubelt den Juden, der jetzt nach Berlin kommt. Der war ja Feindbild von den Nazis. Aber er war kein Jude. Aber es hat alles so gut gepasst. Er war ein Künstler, hatte schwarze Haare, war sensibel, hat nicht dem Männlichkeitsideal der Nazis entsprochen. Dann musste er natürlich in diese Schublade gepackt werden. Das ist ganz interessant, dass der Film auch in Deutschland total krass und begeistert rezipiert wurde, und dass gleichzeitig aber damals, Anfang der 30er-Jahre, die Nazis schon dagegen Sturm gelaufen sind. Und dass sie die Bilder von dem umjubelten Chaplin später benutzt haben für ihre Propaganda gegen die Juden, die sich in die Gastländer einschleichen, um sie fertig zu machen. Nur hat es vielleicht nicht unbedingt geholfen, dass Chaplin dann den großen Diktator gedreht hat und damit eine Parodie auf Hitler während Hitler an der Macht war. Das hat er den Film anscheinend auch gesehen. Er ist nicht richtig nachgewiesen und verbrieft, aber man sagt, dass er den Film immer mal wieder bestellt hat. Nach der Machtübernahme der Nazis waren Chaplin für eine Tabu in Deutschland. Ja, absolut. Lange bevor Chaplin den großen Diktator getreten hat, haben sie gesagt, Chaplin wollen wir nicht sehen. Aus Gründen. Zumindest stellte diese These jemand in einem Psychologe auf, in einem Buch über Chaplin, dass Citylights im Grunde eine Allergorie auf sein Leben zu der damaligen Zeit ist. Das Blumenmädchen ist seine Mutter. Oh je. Die gestorben ist dann, die war blinde. Kann man sich selber denken. Und der betrunkener Typ ist sein Vater. Der ist 1901 oder 2 schon gestorben. An Alkoholsucht. Der war ganz schrecklich. Chaplin war 11 oder 12, als er gestorben ist. Das Einzige, was der von ihm erlebt hat, war betrunken in irgendwelchen billigen Cachemensitzend und schimpfend und Sachen in der Gegend rumschmeißend. Nicht gut. Immer diese freudianischen Interpretationen, die Chaplin aufgedrückt werden. Bei The Kid haben sie das auch schon gemacht. Wo sie diese Traumszene ganz groß, wo es eigene psychoanalytische Werke dazu gibt, die nur um diese Traumszene aus The Kid kreisen. Ich weiss ja nicht. Kann man den Film nicht einfach so stehen lassen? Muss man da wirklich sagen, dass ein Blumenmädchen seine Mutter ist? Er war in zu der Zeit. Er war total in, natürlich. Chaplin hat gesagt, das ist sein liebster Film von ihm, den er gedreht hat. Er wurde auch gefeiert als einer der besten Chaplin-Filme. Zahlose Leute haben ihn als ihren Lieblingsfilm angegeben. Orson Welles, Tarkovsky, Woody Allen, Stanley Kubrick. Die sind alle begeistert. Die haben teilweise auf ihren besten Listen stehen. Es ist krass, dass diese Autoren, die so düstere, zurückhaltende, minimalistische Filme teilweise machen, als z.B. Tarkovsky, dass sie so einen Film als einen ihrer Lieblingsfilme angeben. Ich finde es total gut. Aber nachvollziehbar auch. Es ist wirklich ein schöner Film. Er schafft eine tolle Mischung aus diesem Sentimentalen und aus diesem witzigen Slapstickhaften. Das ist wirklich krass. Das ist ein Stummfilm, der ist 90 Jahre alt. Er ist ein schwarz-weißer Stummfilm. Mit einer ganz einfachen Handlung. Er schafft es trotzdem, bei mir eine Gänsehaut auszulösen. Er hat nicht diese ganz alte Qualität, wo man nur Grizzlen sieht. Sondern er ist wirklich gestochen scharf. Wenn man die richtige Version im Internet erwischt. Das ist auch gut geleuchtet, gemacht und getan. Aber vollkommen zurecht in zahllosen Top-Listen. Als einer der besten romantischen Komödien, als einer der besten Filme aller Zeiten. 1952 als Bicycle Thieves. Die Fahrraddieber auf Platz 1 gewählt wurden. Zu den besten Filmen aller Zeiten. Über Fahrraddieber haben wir vor ein paar Episoden geredet. Platz 2. Das ist auch schön, Buster Keaton und Charlie Chaplin haben sich in solchen Listen immer abgewechselt. Es gab so eine Phase, wo Charlie Chaplin ganz oben war. Und dann gab es eine Phase, wo Buster Keaton ganz oben war. Weil die Leute eher auf dieses Rechte etwas nüchterne wollten. Und dann kam in den 90ern wieder Charlie Chaplin ganz oben. 2008 zum besten romantischen Komödie aller Zeiten. In der AFI, American Film Institute, Top 10. Toll. Ach, Flor. Vielen, vielen Dank, dass du diesen Film angeschaut hast. Vielen Dank, dass du ihn mir gegeben hast. Ich habe wieder eine Wissenslücke schließen können. Und das ist immer gut. Und ich bin so froh, dass du mir mal wieder einen klassischen Stummfilm gegeben hast. Mit Slapstick, mit Sentimentalitäten. Und noch besser, dass es ein Chaplin-Film war. Und demnächst gewichtet dann die Chaplin-Kurzfilmsammlung. Und dann gibt es so viele ganz kleine Filme. So 10 Minuten oder 20 Minuten, höchstens 15 Minuten wahrscheinlich. So Der Polizist oder The Pan Shop oder The Ring. Dann muss ich mich ja jetzt revanchieren mit einem Film, der dich nicht ganz so doll quält wahrscheinlich. Es wäre gut, weil jetzt hast du gerade so ein bisschen mit Fassbinder oder wie hieß der Typ denn das eigentlich gemacht? Fängler. Letztes Mal, wenn ihr euch anhören wollt, wie ich mich ärgere, hört euch die Episode davor an. Das heißt, du musst jetzt ein bisschen aufholen. Ich muss performen. Jetzt musst du performen. Wenn ihr wissen wollt, was als nächstes dran kommt, dann bleibt noch ein bisschen dran und hört euch unser Outro an. Und dann wie wir darüber reden, was wir als nächstes lernen. Vielen Dank fürs Zuhören und euch eine schöne Woche. Und dir natürlich auch Johannes. So. So. Es gäbe da noch etwas. Es gäbe da noch was. Plor, womit willst du mich diesmal überraschen? Ich bin zunehmend aufgeregt, weil ich denke, mir fällt ja schon nichts mehr ein. Ich habe echt Probleme mir neue Sachen überlegen zu wollen. Also ich habe noch eine sehr lange Liste. Ich will mit dir noch weiter durch die Filmgeschichte swingen. Das haben wir in den letzten beiden Folgen sehr gut geschafft. Jetzt mit Chaplin, wieder ein älteren Film. Mit davor Amok, auch ein etwas eher älteren Film. Ja. Alter, echt jetzt? Es sind 7 Tage seitdem vergangen. Du hältst mir das immer noch vor. Ich komme nicht drüber weg. Ich habe eine Diskussion zu, warum läuft Herr Amok? Wirklich eine schöne Episode, wo wir komplett unterschiedlicher Meinung sind. Ich sage euch, warum dieser Herr Amok läuft, weil er in diesem Scheißfilm ist. Auf jeden Fall wollte ich dieses Mal nicht so sehr durch die Filmgeschichte springen, sondern dir etwas aktuelleres geben. Und zwar einen aktuellen Oscar-Preisträger. Der Film hat 2017 den Oscar gewonnen als bester Film. Mein Gehirn hat gerade Panik geschoben. Oh Gott, Oskars, ich bin so raus. Wer hat wann welchen Oscar bekommen? Ein Film, der meiner Meinung nach nicht nur den Oscar verdient hat, wobei die Frage, wie der Oscar in Qualitätskriterium ist, gestellt werden kann. Aber auch ein Film, der jeglichen Hype, der um ihn gemacht wurde, im Feuilleton verdient hat. Moonlight aus dem Jahr 2016 von Barry Jenkins. Moment. Das ist der mit dem Only Black Cast? Genau, Only Black Cast. Der erste Film, der einen Oscar gekriegt hat. Mit nur schwarzer Besetzung und schwarzer Crew. Geil. Irgendwie cool, aber auch ein bisschen traurig, dass es tatsächlich so lange gedauert hat, bis das mal passiert ist. Ich freue mich drauf. Ich habe den Film noch nicht gesehen, und natürlich muss ich den sehen. Aber ob er dir auch gefällt, werden wir nächste Woche rausfinden. Sehr schönen Plur, vielen Dank. Bis nächste Woche, ciao.
