Episode 127: The Maltese Falcon und der Film Noir
Wir sprechen über „The Maltese Falcon“ alias „Die Spur des Falken“ aus dem Jahr 1941, der gemeinhin als der erste Film Noir der Geschichte gilt. In Film wie in Genre geht es um den archetypischen hardboiled Detective, der auf eine ebenso archetypische Femme Fatale und ebenso archetypische Schurken trifft. Inszeniert wird das Ganze in gediegenen Schwarzweiß-Bildern mit akzentuiertem Licht und viel Schatten, garniert mit einer pessimistischen und misanthropischen Weltsicht.
Was kann uns Humphrey Bogart als knochentrockener Detektiv heute noch geben? Ist der Film ein Relikt seiner Zeit? Heute vielleicht sogar unfreiwillig komisch? Oder kann er mehr?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 127: The Maltese Falcon und der Film Noir Publishing Date: 2023-06-07T08:34:50+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2023/06/07/episode-127-the-maltese-falcon-und-der-film-noir/
Johannes Franke: Verpasst du da jede Wendung einer Story, weil er die Wendung scheinbar verpasst, weil er einfach nicht beeindruckt ist?
Florian Bayer: Spock is not impressed. Es ist diese Lakonik, die er die ganze Zeit hat. Es war ein verregneter Mai-Tag. Einer der Tage, an dem der Regen den ganzen Abschaum nach oben spült, der sich so herumtreibt. Einer der Tage, an dem einem bewusst wird, wie verkommen diese Stadt doch ist. Oh mein Gott. Ich hatte gerade mein Glas Whisky ausgetrunken und wollte mir noch eine Zigarette anzünden. Und da sah ich ihn. Mit unschuldigem Blick saß er vor seinem Mikrofon. Einer der Blicke, der zu schreien scheint. Komm schon, rede mit mir über Filme. Was hast du zu befürchten? So bezaubernd er aussah. Ich wusste, dass ich ihm nicht trauen konnte. Diese unschuldigen Augen und dieses Lächeln konnten nicht das Gift verbergen, das durch seine Adern floss. Er würde mit mir streiten wollen. Den Film in der Luft zerreißen, den ich ihm als Hausaufgabe aufgedritten hatte. Ich sah ihm tief in die Augen und sagte, Okay, Hanni, lass uns loslegen. Herzlich Willkommen zu einer neuen Episode vom Muss-Man-Sehen-Podcast.
Johannes Franke: Ich hätte gerne vorgeschlagen, wie wir die Podcast-Folge noch hätten beginnen können. Und zwar, Achtung.
Florian Bayer: Yes, ihr werdet es mitgekriegt haben. Wir reden heute über das Film, Noah. Wir reden über richtig harte Kerle. Ja. Über Frauen, die extrem attraktiv und gleichzeitig extrem suspekt sind. Wir reden über fiese Schurken, die sich teilweise sehr merkwürdig verhalten. Wir reden über die gute alte Zeit im guten alten Hollywood. Ich werde die Stimme nicht die ganze Zeit so durchziehen. Wie jetzt? Wir reden über Frauenbilder im klassischen Hollywood. Wir reden über dunkle Bilder, über nihilistische Weltsichten, über Film-Mesantropie und über die Spur des Falken. Den ersten Film des Film-Nor aus dem Jahr 1941. Also zumindest alle, die irgendwie sagen Film-Nor, die sagen dann meistens das, was sie irgendwann in den 70ern gesagt haben. Das geht los mit der Spur des Falken und endet mit Orson Welles im Zeichen des Bösen.
Johannes Franke: Der deutsche Expressionismus im Film ist ja noch gar nicht so lange her. Ja. Gibt es da einen Übergang, den man wirklich machen kann? Oder ist das einfach nur, haben die sich inspirieren lassen und es weitergetragen und das war's?
Florian Bayer: Alter. Also wenn es um Film-Nor geht und dann gesagt wird, der deutsche Expressionismus, dann denke ich immer so, what? Moment. Nein. Also ja, es gibt Licht und Schatten und es wird mit extremen Lichtinstallationen gearbeitet. Aber das kann es doch nicht sein, dann daraus zu sagen, dass der Film-Nor stark vom deutschen Expressionismus beeinflusst ist. Das ist es ja nicht. Ich glaube, das ist total überbewertet. Wirklich? Ja, ich glaube, Film-Nor und Expressionismus, nein. Du meinst einfach, es sind Stilmittel des Films und gut ist oder was? Naja, es wird ja oft und gerne gesagt, also wenn so aufgezählt wird, wovon hat sich der Film noch inspirieren lassen?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann werden so zwei, drei Sachen genannt und dann kommt immer irgendwann der deutsche Expressionismus. Und dann frage ich mich, naja, also wenn ich so einen klassischen Film-Nor-Film sehe, vollkommen unabhängig davon, wie ich ihn finde, ich sehe da nicht sehr viel Expressionismus drin. Wirklich nicht. Der Expressionismus ist eine künstlerisch anspruchsvolle Verzerrung der Realität und im Film-Nor findet auch eine Verzerrung der Realität statt, aber nicht so wie die Expressionisten das verstanden haben, sondern auf eine ganz andere Art und Weise. Hollywood-Version davon, die seichte. Okay, vielleicht wird das auch eine letzte Folge, wir werden hier feststellen. Wir reden über den Malteser-Falken.
Johannes Franke: Flo, wollen wir ganz kurz Pause machen und ich hole uns einen Whisky, weil eigentlich müssen wir einen Whisky trinken.
Florian Bayer: Eigentlich müssen wir einen Whisky trinken dabei. Lass uns das mal machen. Wir brauchen Whisky. So, jetzt haben wir unseren Whisky. Hier hast du ein Glas.
Johannes Franke: Danke. Was haben wir denn heute? Wir haben den Lagavulin, 16 Jahre, Single Maltes-Whisky.
Florian Bayer: Ja, aber du machst das falsch. Du kannst mir nicht diese richtigen Whisky-Gläser geben. Du musst mir so ein übergroßes Glas geben. Und es müssen Eiswürfel werden, was auch jeder Whisky-Gläser total ätzend findet. Aber wenn du Film-Noor-Whisky trinkst und wenn du nicht aus der Flasche trinkst, was du ja durchaus auch machen kannst dazu, dann brauchst du eigentlich so ein übergroßes Glas und dann muss das auch irgendein so ein Gebräu sein. Dann darf das nicht so, oh, ich hab hier einen Single Malt von bla bla bla. Nein, das muss einfach ein billiger Fusel sein, den du dir als heruntergekommener Privatdetektiv reinkippst, um irgendwie darüber hinwegzukommen, dass die Frauen so gemein zu dir sind.
Johannes Franke: Weißt du, aber die Mischung mit uns als kulturell gebildete Menschen, das muss natürlich, da muss wieder was Richtiges her.
Florian Bayer: Ja, mundet. Das ist das erste Mal, dass wir Alkohol trinken, während wir eine Aufnahme machen, ne? Stimmt. Die dürfte lustig werden. Oh, oh, oh.
Johannes Franke: Okay, bist du nach dem klärtst ein bisschen, also es ist wirklich, also wir machen jetzt kein großes Gelager, ich hab jetzt keinen großen Schluck eingeschenkt, sondern wie man das als Whisky-Trinker so macht, etwas, was man so nach und nach mit kleinen Nippen trinken kann. Das ist aber wirklich exzellent. Ja, das ist wirklich toll. Lies nochmal vor, wir machen keine Werbung. Das ist der Lagavulin, 16 Jahre, den ich immer vorrätig habe, weil der wirklich einfach einer meiner Lieblings-To-Go-Whiskys ist, wenn man Gäste hat. Ja, sehr gut. Schön. Okay, stellt euch vor, wir haben noch eine Pfeife im Mund oder sowas oder, nee, bei Bogart keine Pfeife. Das wäre zu distinguiert. Eine Zigarette.
Florian Bayer: Eine Zigarette, natürlich. Es gibt ja diese geile Liste von Roger Ebert, wie Film-Noir-Filme aussehen, da muss ich nachher auch ein bisschen was davon vorlesen. Oh mein Gott. Und ein Punkt davon ist, es wird geraucht. Es wird ohne Ende geraucht. Und in einer Szene kommt, Moment, okay, jetzt muss ich es richtig zitieren, Cigarettes, Everyone, in Film-Noir's Always Smoking. Und dann sagt er, der beste Raucherfilm aller Zeiten ist Out of the Past mit Robert Mitchum und Kirk Douglas, wo sie die ganze Zeit rauchen, als würden sie gegeneinander einen Wettbewerb machen, wer mehr rauchen kann. Und in einer Szene kommt Mitchum in den Raum, Douglas packt Zigaretten aus, eine Packung, und fragt ihn, möchtest du eine Zigarette? Und Mitchum hält eine Zigarette hoch, die er schon raucht und sagt, ich rauche schon. Das ist Film-Noir. Aber wir können ja tatsächlich mal einfach einsteigen, indem wir einfach ein Lexikon aufmachen, weil Film-Noir das Genre ziemlich wichtig ist für das Verständnis dieses Films und seine Rolle. Und deswegen gehen wir gleich rein.
Johannes Franke: Das muss man sehen. Lexikon. Plor erklärt uns Film-Noir. Viel Spaß.
Florian Bayer: Und ich habe jetzt schon dreimal das Wort Genre gesagt und dafür werden mich einige Film-Noir-Freunde köpfen, weil es gibt offensichtlich in Film-Kennerkreisen eine lebhafte Debatte darüber, ob Film-Noir überhaupt ein Genre ist. Schieben wir das kurz nach hinten. Stellen wir das kurz hinten an, weil das so eine Nerd-Diskussion ist, die so ins Kleingedruckte geht und sich so an kleinen Sachen auffällt. Wollen wir erstmal überhaupt über den Begriff Film-Noir reden. Und das Besondere am Film-Noir ist, wir haben ja so den Zustand Anfang 20. Jahrhundert, erste Hälfte 20. Jahrhundert bis in den 50er. Alle großen westlichen Länder haben ihre Filmbewegungen. Die Italiener haben den Neorealismus, die Deutschen haben den Expressionismus, die Franzosen haben dann so in den 50ern die Nouvelle Vague. Die einzigen, die nix haben, sind die Amerikaner. Und dann gibt es aber Licht am Ende des schwarzen Tunnels. Dann kommt nämlich da reingebrochen, da gibt es ja doch eine Filmbewegung, den Film-Noir. Und wer hat es erfunden? Die Franzosen. Ja, genau. Und damit kommen wir auch schon zu so einer Konstante des Film-Noirs. Film-Noir ist nicht dadurch definiert, in der Zeit, in der er entstanden ist, sondern eine Retrospektive. Film-Noir ist eine Gattung von Filmen, die dadurch überhaupt erst zu einer Gattung wurde, dass sie immer und immer wieder entdeckt wurde. In den 40ern von den Franzosen, und zwar ganz nochmal, der Begriff Film-Noir selbst, geht auf den französischen Filmkritiker Nino Frank zurück, der im Jahr 1946 darüber geschrieben hat. Und das offensichtlich ja fünf Jahre nach dem Film de Maltese Falken, über den wir heute reden. Aber der Begriff wurde noch nicht so richtig viel verwendet dann, ne? Ne, der wurde nicht viel verwendet, aber es war so, Nino Frank hat gesagt, okay, es gibt offensichtlich so eine Reihe von Filmen aus Amerika, Krimi-Filme, die alle irgendwie was gemeinsam haben. Die bestimmte Charaktermerkmale gemeinsam haben. Und dazu gehört vor allem, dass die Handlung nicht so eine große Rolle spielt, sondern vielmehr die Darstellung der Figuren. Bis hin ins Überzeichnete, das mit so prototypischen Figuren gearbeitet wird, wie alles, was wir im Falken finden. Den Hard Boy Detective, die femme fatale, also die tödliche Frau. Und allein schon an den Begriffen sehen wir, das ist französisch, ne? Film-Noir. Noir ist französisch für schwarz, das sind nicht Black Movies. Und femme fatale ist auch ein französischer Begriff, das ist nicht Fatal Woman, auch die Amerikaner sagen femme fatale. Und das war das erste Mal, dass Film nur entdeckt wurde, nachdem es ihn schon gab. Und das war noch in den 40ern und dann wurde es ganz lange nicht groß weiter rezipiert als eigenständige Bewegung. Aber es wurde immer mal wieder wiederentdeckt in den 50ern in Amerika von den amerikanischen TV-Zuschauern. Als die ersten Fernseher kamen und diese Filme dann einfach im Fernsehen rauf und runter gelaufen sind, weil es viele davon gab. Weil sie, es waren halt einfach billige Filme, es waren B-Movies und weil sie viel geguckt wurden. Und darüber auch dann schon wieder die Europäer von den Nouvelle-Vague-Regisseuren in den 50ern. Und manche würden sagen, die besten Film-Noirs wurden eigentlich in Frankreich gedreht, nämlich von der Nouvelle-Vague. Also wir haben über Godard's Außer Atem gesprochen. Ja. Er hat viele, viele Momente vom Film-Noir aufgegriffen und verarbeitet. Ja. Noch krasser Film-Noir ist wahrscheinlich Schießen Sie auf den Pianisten von François Truffaut. Zu dem Truffaut selbst gesagt hat, naja, ich wollte halt auch so mal so einen Film-Noir-Film drehen. Okay. Und das war so die zweite große Wiederentdeckung. Und dann so die eigentliche Wiederentdeckung, die auch dafür gesorgt hat, dass er als Gattung-Genre-Fragezeichen oder einfach Sammlung von Filmen bekannt wurde, war in den 60ern und 70ern von New Hollywood. Das dann ja auch eine große Rolle dabei gespielt hat, den Neo-Noir populär zu machen. Und da ganz konkret nochmal vor allem von Paul Schrader, der Drehbuchautor von Taxi Driver, der sehr umtriebig war in den späten 60ern und 70er Jahren als einer der großen Autoren des New Hollywood, der viel über Film-Noir gefachsimpelt hat, der auch einen Aufsatz geschrieben hat über Film-Noir. Naja, das ist so ungefähr so das Setup, in dem wir uns bewegen, das akademische Setup. Das sind die Leute, die drüber geredet haben. Und dann wurde immer viel drüber diskutiert, was macht denn Film-Noir aus? Weil es gar nicht so einfach zu sagen ist, wie man den einordnen kann. Viele sagen, man macht es lieber über die Motivik und über die Stilistik und weniger über die Erzählweise. Und sie sagen dann auch zum Beispiel Film-Noir muss nicht zwingend Thriller sein. Auch wenn Kriminalgeschichten, Detektivgeschichten und Thriller so das sind, womit wir das heute assoziieren, gibt es auch Western, die irgendwie so Film-Noir-Atmosphäre haben, die da vielleicht auch reinfallen könnten. Oder auch Liebestramen oder Dramen im allgemeinen Sinne. Hast du denn Beispiele?
Johannes Franke: Beispiele für Western, die Film-Noir sind? Ja, also Beispiele für Filme, die keine Krimi-Handlungen beinhalten, aber eben als Film-Noir einsortiert werden könnten.
Florian Bayer: Man könnte durchaus zum Beispiel, also was Krimi-ferne Genres betrifft, Boulevard der Dämmerung, Sunset Boulevard von Billy Wilder da einordnen. Ja. Was Atmosphäre betrifft, was Bildsprache betrifft. Also wenn man eben sagt, dass Film-Noir Stilistik und Motivik vor allem bedeutet. Das heißt, das ist...
Johannes Franke: Ja, ja, ja, ja. Das würde ich volle Kanne einsortieren dort. Also Sunset Boulevard ist einer der großen Filme, die ich als Film-Noir-Anleihe sehen würde.
Florian Bayer: Also Western-Beispiele wären zum Beispiel My Darling Clementine von John Ford aus dem Jahr 1946 und Duel in the Sun aus dem Jahr 1946. Habe ich beide nicht gesehen, deswegen kann ich gar nicht so viel dazu sagen. Aber nur das als Beispiele, dass viele sagen, naja, Film-Noir ist halt eher so eine Art zu inszenieren, so eine Art mit Licht und Schatten umzugehen und eben vor allem so eine Art, naja, Charaktere, die Art von Charakteren in den Vordergrund zu stellen und dabei auch durchaus auf so Prototypen zurückzugreifen. Und das muss gar nicht der Hardball Detective sein oder die Femme Fatale, sondern das können auch andere Figuren sein, die einfach so am Reißbrett wäre hart gesagt. Aber die zumindest so einen sehr bestimmten Pfad folgen.
Johannes Franke: Aber dann bin ich wieder beim Expressionismus, dem Deutschen, muss ich sagen.
Florian Bayer: Und bei wem wärst du dann? Wärst du bei Fritz Lang? Ja, Dr. Caligari. Ja, durchaus. Also man findet natürlich Anknüpfungspunkte. Ich finde halt dieses exzentrische, exaltierte im deutschen Expressionismus ist deutlich krasser und deutlich kunstvoller als im amerikanischen Film-Noir-Film.
Johannes Franke: Ja, okay. Also wenn ich an Nosferatu denke...
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall, natürlich. Aber bei Nosferatu denkst du auch vor allem an die Inszenierung, ne? Dann denkst du auch an lange Schatten und Licht und Dunkelheit, die irgendwie sehr krass kontrastiert sind. Aber auch eine bestimmte Stimmung, die der Film mittransportiert, den ich auch im Film-Noir finde. Stimmung ist auch was sehr Wichtiges. Das vielleicht dazu, dass Film-Noir auch... Manche sagen sogar, Film-Noir ist eigentlich eine Stimmung. Ja, ja, ja, voll. Genau, genau. Die Film-Noirs, die wir heute kennen oder die wir ganz klar einordnen, sind natürlich die Kriminalfilme, die nicht nur inspiriert sind, sondern oft auch direkte Verfilmungen sind von den Pulp-Magazin-Geschichten. Ja, ja, genau. Pulps waren diese Zeitschriften-Magazine. In den 30ern hat das eigentlich angefangen. Eigentlich Groschenhefte, ne? Schundromane. Pulp ist der Begriff, der abgeleitet ist von diesem Papier, das sehr holzhaltig ist. Das genutzt wurde, um diese Magazine zu drucken, was einfach günstiger war. Okay, jetzt wird's ja nerdy. Ich bin gespannt, erzähl weiter. Und diese Hefte hatten meistens so zwei Themen, die einfach gezogen haben damals. Das waren entweder so Science-Fiction-Horror-Sachen oder eben viele Thriller- und Detektivgeschichten. Und die wiederum haben sich deutlich abgehoben von dem, was man aus Detektivgeschichten aus UK kannte. Das war auch so, wirklich, die Amerikaner machen ihr eigenes Ding und sagen bei ihren Detektivgeschichten, bei uns steht nicht dieses Mysterium im Raum. Bei uns geht's nicht darum, wie elegant und eloquent unser Sherlock Holmes oder unsere Miss Marple den Fall aufklärt, sondern unsere Detektive sind eben dieser Hardboiled. Hartgesottene Ermittler, hartgekocht, die einfach schon viel erlebt und viel gesehen haben und die so ein bisschen abgeschlossen haben mit dem Leben und irgendwie halt so überleben und gleichzeitig dabei ziemlich skrupellos vorgehen und sich nicht so leicht verarschen lassen. Das sind die, die eigentlich immer alles im Griff haben und dabei im wahrsten Sinne des Wortes auch mal über Leichen gehen. Dann sind wir wieder bei den Detektivgeschichten natürlich. Und dann sind wir bei den Detektivgeschichten und das ist ja das, was wir im Filmnord dann größtenteils haben, wenn wir von klassischen Filmnordfilmen reden, reden wir von Filmen, in denen eben diese typischen Abziehbilder vorkommen. Wir haben den harten Detektiven, der irgendwie, der so einen ganz eigenen moralischen Kompass hat. Wir haben oft eine femme fatale oder auch eine femme fragil, aber auf jeden Fall auch so Reißbrett-Frauenfiguren. Und die femme fatale ist die berühmteste dabei, weil die natürlich auch so eine misogyne Storytelling beinhaltet einfach. Die Angst der Männer vor den Frauen, die sie hintergehen und die sie in den Tod treiben im schlimmsten Fall. Und dann nebenbei noch so ganz viele andere Reißbrett-Figuren, die sich da irgendwie drumherum bewegen. Das sind dann meistens so distinguierte Bösewichter, die auch sehr höflich sind, die oft homosexuell kodiert sind, haben wir auch in diesem Film. Die auch einen eigenen moralischen Kompass mitbringen und die damit natürlich so ein bisschen der Gegenentwurf sind zu den hartgesottenen Ermittlern. Also wir haben die hartgesottenen Ermittler und so ein bisschen die, naja, die weichen Schurken. Also es gibt dann auch ein ganz klares Männer- und Frauenbild. Und der coole Ermittler, dem wir folgen und auf den wir sympathisch finden, der für uns der Protagonist ist, der ist hart, der ist männlich, der ist stark. Und der Bösewicht, der ist eher so ein bisschen zärtlich, aber auch hinterhältig. Kunstverständnis hat er sehr viel. Kunstverständnis und er benutzt Parfum, ganz viel Parfum. Und damit ist schon ganz klar, der kann nur schwul sein.
Johannes Franke: Ich weiß nicht genau, wie viel Absicht oder nicht Absicht, beziehungsweise Absicht schon, aber wie viel negatives Weltbild da drin steckt und wie viel wir im Nachhinein darin sehen, weil wir das Gefühl haben, okay, wir haben das jetzt ein halbes Jahrhundert hinter uns. Und es geht uns einfach auf den Sack, dass alle Bösewichte immer wieder schwul konnotiert sind, aber es ist ja auch eine kulturelle Frage, eine Frage des Ausdrucks in der Zeit, in der kein anderer Ausdruck möglich ist für homosexuelle Kulturkreise.
Florian Bayer: Ja, wobei sie halt immer negativ dargestellt werden. Ja, leider.
Johannes Franke: Das ist halt das Problem.
Florian Bayer: Du findest keinen Helden, der irgendwie homosexuell kodifiziert ist, sondern das sind immer die Bösewichter. Was gerne gemacht wird so in der retrospektiven Analyse, drauf geguckt, in welcher Zeit sind die Filme entstanden. Da haben wir natürlich die Ende des Zweiten Weltkrieges, Nachkriegszeit. Und dass das auch so ein bisschen Coping-Strategy ist, dass die Männlichkeitsbilder verrückt wurden, weil die Männer haben im Krieg gekämpft, die Frauen haben gearbeitet und haben dadurch auch so ein bisschen das verloren. Was als klassische weibliche Werte gesehen wurde. Sie sind halt nicht einfach nur noch Hausfrauen und Mütter, sondern sie sind halt, sie arbeiten halt. Ich würde es gerne andersrum sagen, sie haben nicht was verloren, sie haben was dazugewonnen. Sie haben was dazugewonnen, aber wenn du aus dem Kriegheim kommst als Soldat, der sich den Arsch aufgerissen hat an der Front und dann stellst du fest, du kommst zurück, um diese Frauen zu erleben, dann hast du das Gefühl, dass sie was verloren haben. Ja, oder dass du was verloren hast. Dass du was verloren hast und dass das damit natürlich auch verarbeitet wird. Also es gibt so ein regressives Moment im Film Nor. Aber dass auch sich zurückgesehnt wird in einer Zeit, in der das alles noch klar geordnet war, in der es die Männerrollen gab und in der es die Frauenrollen gab und dass das doch auch bitte so bestehen bleiben soll. Und die Detektive, die wir haben, die vertreten ja auch sehr oft dieses konservative Weltbild. Das sind ja eigentlich Konservative, das sind Traditionalisten.
Johannes Franke: Ja, aber weißt du, das Spannende ist, und das habe ich mir die ganze Zeit beim Film auch beim Gucken gedacht, das soll jetzt so der Hardboiled Detective sein und der soll so der Held sein, aber der ist ja auch nicht sympathisch. Der ist ja auch wirklich problematisch als Figur. Und das ja auch nicht ganz versteckt oder vielleicht aus Versehen oder so. Es ist ja wirklich als Arschloch geschrieben. Ja. Ganz bewusst. Ja. Das heißt, ich frage mich dann, okay, was wollen Sie mir sagen? Wollen Sie mir sagen, du musst dein Arschloch sein? Oder wollen Sie mir sagen, das ist vielleicht auch nicht die Lösung? Was ist denn die Richtung?
Florian Bayer: Es ist natürlich immer so ein bisschen, was man zum einen den Filmemachern unterstellt und zum anderen, was man in den Film reinliest. Und ich habe schon oft das Gefühl bei diesen Filmen, dass diese Arschlochigkeit auch einfach als cool verkauft wird, als cool ist. Echt, ja? So einen gewissen Stil, dieses Lakonische und dieses auch Egoistische und immer auf den eigenen Vorteil. Aber natürlich gibt es so einen grundsätzlichen Nihilismus, Pessimismus und auch so ein misantropisches Menschenbild in diesen Filmen. Und das haben wir in vielen Filmnores, dass es gar keine sympathischen Figuren mehr gibt. Und in diesem Film haben wir es ja eigentlich auch, da haben wir bis auf seine Sekretärin. Das ist so der einzige Lichtblick. Miss Moneypenny. Genau. Ansonsten Effie. Effie. Sie ist der Ruhepol. Sie blickt auch durch, sie ist auch intelligent, aber sie ist die Einzige. Sonst haben wir nur irgendwie moralisch verkommene Figuren. Und alle haben irgendwie Dreck am Stecken und niemandem kann man vertrauen. Und alle fragen sich irgendwann mal, ey, könntest du nicht auch der Mörder sein? Und dann guckt sich die Leute an und denkt, ja, die könnten all der Mörder sein. Selbst so eine Nebenfigur wie Eva, die die Frau von dem, Mordopfer ist. Selbst die kriegt irgendwann mal die Frage an den Kopf gehauen, ey, was hast du eigentlich gemacht in der Mordnacht? Und wir wissen, ja, na klar, wir sehen sie an. Sie hat eine Affäre mit Sam. Sie kommt perfekt in Frage dafür und sie wirkt auch so. Und sie spielt fast keine Rolle in diesem Film. Aber wenn wir sie sehen, denken wir, ah ja, dieser Frau können wir vielleicht auch nicht vertrauen.
Johannes Franke: Ja, ist krass. Es ist natürlich toll, weil da so ein Film dann alles aufmacht an Möglichkeiten und du dir als Zuschauer natürlich denkst, oh ja, die könnte es auch sein, oh, die könnte es auch sein, die könnte es auch sein. Bedeutet natürlich im Nachhinein, dass wirklich keine Figur sympathisch ist, außer Miss Moneypenny. Also es ist wirklich so ein, okay.
Florian Bayer: Du darfst keinen englischen Namen nehmen, wir sind voll im Amerikanischen Film. Ja, okay, okay. Miss Moneypenny ist britisch und diese Filme sind nicht britisch. Die sind bewusst ein Gegenentwurf zum Britischen.
Johannes Franke: Aber sie ist doch so eine, oder? Sie ist doch die Frau, auf die man sich verlassen kann. Die einzige, wo man denkt, okay, die macht ihren Job wirklich mit Herz.
Florian Bayer: Es gibt ja sogar die Szenen, in der Humphrey Bogart zu ihr sagt, nachdem er sie angewiesen hat, das Geld zu holen, that's a good girl. Das ist sie.
Johannes Franke: Und du denkst so, Alter. Der Ton. Einmal in die Fresse schlagen. Aber er sagt auch zu ihr, du bist ein super Kerl. Ja, stimmt.
Florian Bayer: Gott sei Dank, Humphrey Bogart ist eigentlich ein Feminist in diesem Film. Nein. Danke, Johannes. Er ist einfach nicht sicher, ob er eine Frau oder einen Mann vor sich hat. Aber kommen wir mal zu diesem Film, über den wir jetzt schon anfangen zu reden. Damit können wir das Lexikon zumachen. Maltese Falcon ist eine von diesen Pipe-Novels. Aus dem Jahr 1930 von Dashiell Hammett, der vorher auch schon Detektivgeschichten geschrieben hat. Und diese Figur, Sam Spade, das ist das erste Mal, dass ein Detektiv von ihm überhaupt einen Namen kriegt. Der hat zwar immer mit diesen namenlosen Detektiven gearbeitet. Ah, okay, krass. Und im Black Magazine veröffentlicht und der einzige Auftritt von Sam Spade, der irgendwann später nochmal eine Fortsetzung kriegt, aber im Gegensatz zu vielen anderen Film-Novels-Detektiven, wie zum Beispiel Mike Hammer oder Philip Marlowe, das sind so die bekanntesten, ist Sam Spade nicht in tausend Romanen aufgetaucht oder in tausend Pipe-Heftchen. Sondern der hat wirklich, der hat diese zwei Geschichten. Und ansonsten kann man sagen, ja, der namenlose Detektiv, mit dem Hammett sonst arbeitet, ist derselbe.
Johannes Franke: Aber hat er nicht fünf Parts bekommen? Das waren doch fünf, zwischen 1929 und 1930 gab es so fünf Parts, in denen das...
Florian Bayer: Ja, aber das war das Veröffentlichungsprinzip von den Dingern. Das war eine Geschichte und das waren einfach, die wurden nach und nach veröffentlicht. Das waren halt längere Geschichten und das waren so Teile. Das waren wie ein Comic-Heftchen. Diese Pipe-Magazine waren nicht besonders dick und die sehen auch total geil aus. Also ich mag die Ästhetik von den Dingern. Ich mag die Ästhetik von diesen Groschenheften, auch heute noch. In Deutschland ist das ja auch ein riesiges Ding. Perry Roden und Geisterjäger John Sinclair. Das wissen viele nicht, das sind deutsche Dinger. Das ist nichts Amerikanisches, das ist komplett deutsch. Perry Roden? Perry Roden ist deutsch. Nein! Perry Roden hat... Also es kann sein, dass der mal übersetzt wurde, aber ich glaube, der hat den amerikanischen Markt nicht berührt. Perry Roden... Jetzt bin ich gespannt. ...ist komplett deutsch. Explore Google schnell. 1961 hat das angefangen von Bauer veröffentlicht. Geil! Ich müsste jetzt tatsächlich gucken, ob das Ding mal veröffentlicht wurde. Und in meiner Recherche, was Groschenromane betrifft, habe ich mich auch ein bisschen mit Perry Roden jetzt befasst. Ich habe Perry Roden nie gelesen, ne? Ne, ich auch nicht. Das ist total irre. Das ist unglaublich. Was heißt irre? Es gibt zwei Milliarden Bücher davon, keine Übertreibung. Und das ist eine Geschichte, die fängt an in den 60ern, wo die Menschheit um die Herrschaft im Weltall kämpft, aber so ganz am Anfang, ne? Okay. So, es geht um die Besiedlung des Monds und so. Und dieser Perry Roden trifft auf irgendeine außerirdische Lebensart, die ihm Unsterblichkeit gewährt. Und dann erschafft er auf der Erde sein Paradies und fliegt in den Weltraum, um da auch sein Paradies zu erschaffen. Und das Ding ist einfach nur Selbstermächtigungsfantasie. Wow. Die Erde steht vor dem Kollaps, Atomkrieg könnte bald sein, die Kommunisten kommen und so weiter. Wir brauchen einen Helden. Und dann wird dieser übermenschliche Perry Roden erschaffen, ein Astronaut, der dank Aliens unsterblich wird. Ja. Und dann zieht sich die Handlung dieser Bücher, die bis heute geschrieben werden, über mehrere tausende, wenn nicht sogar hunderttausende Jahre. Und Perry Roden bleibt halt die Konstante darin, weil er unsterblich ist. Krass. Er erschafft dann verschiedene Zivilisationen, er besiedelt verschiedene Planeten, hat Konflikte mit Außerirdischen, es gibt so eine Weltregierung dann irgendwann. Es ist total irre. Warum hat es keiner verfilmt bis jetzt? Gute Frage. Wahrscheinlich haben die Deutschen nicht das Budget, um sowas zu verfilmen. Und Geisterjäger John Sinclair genauso. Das sind deutsche Sachen. Das sind die deutschen Erscheinungen davon. Krass. Deswegen kennen wir das so. Okay. Und genau, Sam Spade, unser Protagonist, war halt auch in einem von diesen Heften, von diesen Pulp-Magazins, Black Mask, heißt das Magazin, veröffentlicht wurde. Ja. Das Buch wurde mehrmals verfilmt. Wir haben hier die dritte Verfilmung vor uns.
Johannes Franke: Das muss eine sehr seltsame Sache sein, weil das sind zehn Jahre auseinander, dass der erste 1931. Ja, und der zweite 1936. Und der zweite 1936, dann 1941, den wir jetzt besprechen, den Film. Und sie haben ursprünglich 1935 nochmal versucht, diesen Film von 1931 wieder zu re-releasen. Allerdings kam ihn der Haze-Code dazwischen. Ja, der war damals echt ein Problem. Und der Film von 1936 ist auch entsprechend entschärft, ne? Ja, vor allem ist er total dämlich. Die haben eine Komödie draus gemacht, eine Screwball-Komödie, für Bette Davis übrigens, was überhaupt nicht funktioniert hat, den wirklich jeder im Internet verreist. Also es gibt kein gutes Haar an diesem Film.
Florian Bayer: Ich glaube auch, der davor habe ich nicht gesehen, aber der ist jetzt auch nicht so groß rezipiert. Wenn vom Maltese-Falken geredet wird, denken die meisten, glaube ich, an diesen Bogart-Film. Natürlich auch wegen Bogart und wegen John Huston.
Johannes Franke: Ja, aber der 1931 soll gar nicht so schlecht sein. Er hat ein paar Entscheidungen getroffen, die den Film ein bisschen schwächer machen, einfach in der Rezeption. Aber er hat halt tatsächlich Probleme mit dem Haze-Code. Er hat viel mehr Anspielungen auf Sexualität, auf Alkohol und alles mögliche.
Florian Bayer: Und er ist gleichzeitig, was das betrifft, schon so ein 40er-Jahre-Haze-Code-Film und merkt, sie arbeiten so ein bisschen drumherum. Es wird viel angedeutet und es wird versucht, Sex und Gewalt reinzubringen, ohne Sex und Gewalt zu zeigen. Also wenn man so einen prototypischen Haze-Code-Film sehen will, dann ist der schon ganz gut. Und trotzdem, trotzdem hat er Ärger gekriegt und trotzdem hat er Probleme damit.
Johannes Franke: Was ich ganz geil finde, eine der Geschichten, die haben ja sehr viel geraucht am Set, wie man sieht im Film. Und irgendwann hat Warner sich beschwert und hat gesagt, ihr könnt nicht so viel rauchen, das geht nicht. Und dann haben die angefangen, noch mehr zu rauchen, die Schauspieler einfach immer wieder anzubieten. Na, jetzt könnte ich rauchen, jetzt könnte ich rauchen. Einfach weitergemacht, bis irgendwann Warner gesagt hat, so jetzt ist Schluss im Karton, das geht nicht mehr. Er hört jetzt sofort auf zu rauchen mit der Drohung, dass der Regisseur entlassen wird. Dann haben die Schauspieler gesagt, okay, wir wollen nicht, dass der Regisseur entlassen wird, wir lassen das. Und dann haben sie festgestellt, wenn wir jetzt aufhören zu rauchen, dann rauchen wir von einer Szene in die nächste plötzlich nicht mehr. Der Film wurde einigermaßen in Sequence gedreht, das heißt, sie haben von Anfang bis Ende, also sie haben wirklich in der Reihenfolge, wie es auch im Film auftaucht, gedreht. Was sehr selten genug passiert. Und dann hätten sie mitten im Film aufgehört zu rauchen und das wäre sehr seltsam geworden. Und dann haben sie sich echt bei Warner nochmal hingestellt und gesagt, bitte, bitte, lasst uns rauchen, es funktioniert sonst einfach nicht.
Florian Bayer: Continuity, das ist so wichtig. Eines der wichtigsten Prinzipien beim Filmemachen.
Johannes Franke: Und es muss wirklich schwierig gewesen sein, das irgendwie, die Diskussionen zu führen und damit durchzukommen.
Florian Bayer: Um nochmal ganz kurz zu dem, der dritte Film zurückzukommen. Das war üblich damals, ne? Also wir kennen das Phänomen aus unserer Zeit zumindest bei den neuen Spider-Man-Filmen, wo es ja auch irgendwie innerhalb von zehn Jahren von Sony zig Filme gab. Was auch genau wie damals mit den Rechten zusammenhängt. Sony musste die Filme machen, um die Rechte zu behalten oder so. Ach so. Nicht mehr so komplett zusammen. Fuck. Deswegen haben die das so oft gedrehten. Spider-Man ist deswegen auch so das Einzige aus dem Marvel-Universum, wo die Rechte eigentlich noch bei Sony liegen. Und deswegen sind das auch immer so Sony-Coproduktionen. Okay. Und deswegen hat es so lange gedauert, bis Spider-Man auch ein Teil von dem Marvel Cinematic Universe werden konnte. Okay. Weil davor halt Sony immer mal wieder diese Filme gedreht hat. Und damals war es halt auch so, die haben diesen Stoff in den 30ern gekauft. Ja. Und die wollten das meiste rausholen. Die haben gesagt, okay, das war ganz schön teuer, diesen Stoff zu lizenzieren. Was es nicht war. Die haben das echt billig gekauft. Depression, ne? Keine gute Zeit für Geld. Und dann haben sie halt gesagt, okay, wir haben dafür Geld bezahlt, wir müssen jetzt das meiste da rausholen. Und dann haben sie halt einfach gesagt, okay, dann lass uns Filme drehen. Dann drehen wir den halt mehrmals. Und damals waren die Zuschauer auch einfach ein bisschen vergesslicher. Also Kino war einfach auch noch was, was so... Ja, ja, stimmt. Hat anders funktioniert als heute. Heute würde man darüber die Nase rümpfen. Aber damals... Es gab ja nicht die Reruns im Fernsehen. Genau. Es gab nicht die Reruns im Fernsehen. Tja. Und genau, dann kam es zu dieser dritten Verfilmung, aber eben auch auf einem relativ niedrigen Budget. 381.000 Dollar hat er damals gekostet. Und das war auch in der Zeit, in dem Jahr Ende 30er, Anfang 40er war das Low Budget.
Johannes Franke: Ja. Man muss dazu sagen, und jetzt kommen wir zum nächsten großen Punkt, dass das Budget da durchzustande kam, dass es eben eher ein Gefallen von Warner war, dass der Regisseur das machen durfte. John Huston. Das Erstlingswerk. Ja, ein ganz junger John Huston.
Florian Bayer: 25. Ja. Das ist der Typ, der war 25. Aber John Huston ist wirklich so ein Film, wo Papa geholfen hat, ne? Er durfte das nämlich eigentlich nur machen, weil Papa war nämlich ein wirklich großer Schauspieler. Das stimmt. Und zwar war das Walter Huston, dem John Huston dann zum Dank auch eine kleine Rolle in diesem Film gegeben hat.
Johannes Franke: Kennst du die ganze Prank-Geschichten? Bitte. Oh nein, Mann, Mann, Mann. Also Papa spielt mit, ne? Und dann lässt der Sohn, der die Regie führt, Mary Esther anrufen bei Papa, der seinen Drehtag schon hatte, und sagt, sorry, also Cheffe sagt, es war jetzt nicht so gut, das müssen wir nochmal drehen, das funktioniert so nicht, da hättest du dich ein bisschen mehr Mühe geben müssen. Und er am Telefon rastet aus, denkt, what the fuck, noch nie hat in meiner Karriere mir jemand gesagt, Hallo, das geht ja wohl gar nicht. Und hat dann aber sich darauf eingelassen und hat gesagt, okay, ich komme nochmal, was muss ich denn machen? Und dann hat John Huston, der Sohn, wie gesagt, dieses Schauspielers, den Hörer in die Hand genommen, hat sich nochmal als jemand anders ausgegeben und hat gesagt, ja, ja, also es geht ja gar nicht, was sie hier gemacht haben.
Florian Bayer: Also es ist total schrecklich. Also bei allem, was man zu sagen kann zu John Huston, der wirklich gute Filme gedreht hat danach, und der wirklich ein großer, ein wichtiger Regisseur der Filmgeschichte ist. Und ein guter, großer Schauspieler. Und ein großer Schauspieler. Ja, der hat Papa und Mama sehr viel zu verdanken. Also die waren beide erfolgreiche Leute. Die waren beide voll drin im Showbusiness. Also er war Schauspieler, Walter Huston, sie war Sportreporterin. Und John Huston war eigentlich eher so einer, der nicht so genau wusste, was er mit seinem Leben anfangen soll. Der mal hier und da was gemacht hat, der auch so mal dann als Reporter in New York gearbeitet hat, aber überhaupt nicht gut angekommen ist und ständig gefeuert wurde und seinen Job verloren hat. Und dann 1933 hat er eine Frau totgefahren. Was hat der? Der hat eine Frau totgefahren. Ach du Scheiße. Auf dem Sunset Boulevard hat er eine brasilianische Tänzerin überfahren und die starb. Und der hätte dafür richtig Ärger kriegen können. Aber Walter Huston, großer Schauspieler, hat den Chef von MGM, das war echt so eine verstorbene Klitsche damals in Hollywood, hat er gebeten, ey kannst du nicht was für mich machen? Und dann hat der mit der Polizei geredet und dann wurde kein Blut genommen. Es wurde nicht geguckt, wie betrunken John Huston war.
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Und wir können davon ausgehen, dass er verdammt betrunken war. Fuck. Und dadurch wurde der freigesprochen. Scheiße. Der hätte eigentlich wegen, keine Ahnung, vielleicht nicht unbedingt wegen Totschlag, aber zumindest wegen fahrlässiger Tötung hätte der ganz schön lange im Knast sitzen können. Und er wurde von Vater herausgeboxt durch die guten Beziehungen in Hollywood. Und diese Beziehungen haben es dann halt auch erlaubt, dass er irgendwie, dass Warner Brothers auf ihn aufmerksam wurde. Wow. Und er seine Skripte, seine Drehbücher, weil damit ist es ja losgegangen, seine Karriere bei Warner Brothers, an die ich schicken konnte. Das waren Beziehungen. John Huston. Krass. John Huston hat ganz schön viel Scheiße gebaut und war auch alles andere als sein Arbeitstier damals. Und der hatte einfach Glück, dass er die richtigen Eltern, die richtigen Beziehungen hatte.
Johannes Franke: Okay. Gut, das rückt das Ganze in ein anderes Licht. Ich war bis jetzt davon ausgegangen, dass er einfach ein guter Drehbuchautor war und dann es geschafft hat, da die Regie zu bekommen.
Florian Bayer: Wir können kurz in uns gehen und feststellen, dass Hollywood damals ziemlich verdorben und ziemlich kaputt war. Und das erklärt vielleicht auch, was für eine Weltsicht in diesem Film dargestellt wird, weil eine Welt, eine Filmwelt, in der lauter korrupte Leute rumlaufen, naja, die produziert halt auch irgendwann Filme, in denen lauter korrupte Leute rumlaufen, ne?
Johannes Franke: Ja, okay. Ja, weiß ich nicht, ob man jetzt jedes Mal den Macher des Films in die gleiche Richtung, in die gleiche Schublade stecken kann wie den Film an sich. Aber ich finde das Drehbuch schon tatsächlich ganz gut. Und das hat er ja nun geschrieben.
Florian Bayer: Natürlich sehr nah am Original dran. John Huston war der Erste, der wirklich versucht hat, das Original Punkt für Punkt umzusetzen. Und der sich so wirklich Zähne für Zähne das zurechtgelegt hat und geguckt hat, was passiert in der Geschichte. Wie kriegen wir das auf die Leinwand? Wie können wir das umsetzen?
Johannes Franke: Und es war wirklich nicht schlecht. Ich finde das einen wirklich gut umgesetzten Film. Ich bin noch nicht sicher, wie gut ich den Film tatsächlich finde. Vielleicht die Geschichte oder, ne? Aber ich finde, für das, was er da hat und was für Planung da drin steckt, der hat ja auch nur eben sehr wenig Budget bekommen. Und dann da irgendwie wirklich mit viel Planung und viel Besessenheit da ranzugehen und das alles minutiös genau auseinanderzunehmen und zu überlegen, wie was funktionieren könnte. Der hat ja auch oft genug früher am Tag Schluss gemacht, weil alles schon gedreht war, was sie am Tag gemacht hätten, hätten machen sollen. Und damit auch Budget gespart hat.
Florian Bayer: Ja. Wirklich nicht schlecht. Kommen wir mal zu der Geschichte, die du als gut bezeichnest. Habe ich sie bis jetzt nicht gemacht, Flor. Also im Mittelpunkt steht ja unser Detektiv Sam Spade, der wirklich so ein klassischer Hardboiled Detective ist. Und der wird in das Geschehen reingezogen, weil sein Kollege Miles Archer bei einem Auftrag von einer gewissen Ruth Wanderley, die sich später als jemand anderes herausstellt, erschossen wird. Spade, Sam versucht dann herauszufinden, was da passiert ist und findet unter anderem heraus, dass diese Ruth Wanderley in Wirklichkeit O'Shaughnessy heißt. Und auf der Suche nach einem MacGuffin. Nach einem MacGuffin ist. Es ist ein MacGuffin. Und dieser Film versucht uns in mehreren Szenen glaubhaft zu machen, dass es kein MacGuffin ist, weil sie sehr lange drüber reden, was dieser Malteser Falke so besonders, was diesen Malteser Falken so besonders macht. Diese kunstvoll geschnitzte Vogelfigur, die bei irgendwelchen Piraten war und bei irgendwelchen Königen, ist es ein MacGuffin. Sie ist auf der Suche danach. Und er verspricht dir auch zu helfen, aber vor allem will er eigentlich, dass sein Name reingewaschen wird, weil er wird unter anderem verdächtigt, entweder seinen Kollegen umgebracht zu haben oder den Typen, den der Kollege treffen wollte, der kurz darauf auch tot aufgefunden ist. Und dann stellt sich heraus, dass neben dieser O'Shaughnessy, die unsere klassische Femme Fatale ist, noch drei andere Leute auf der Suche nach dem Falken sind. Und zwar Joel Cairo. Fantastisch. Reden wir gleich drüber. Peter Lorre. Von Peter Lorre gespielt. Dann ein Henchman namens Wilma Cook. Ich kann mir gleich drüber reden. Und deren Chef, ein distinguierter, etwas dickerer Bösewicht. Ist der fett, geil. So, so gut gespielt. Ich wollte gerade sagen, ich darf nichts sagen zu den Bösewichten. Du darfst auch nichts sagen. Die sind auch auf der Suche nach dem Falken. Und dann muss ich halt, muss ich Spade halt zum einen rumschlagen, mit dieser O'Shaughnessy, der ja nicht so 100% vertraut, was er auch mehrmals gesagt hat, aber die ja dann sehr schnell verliebt ist oder nicht verliebt. Ja, es gibt irgendwas. Es gibt irgendwas zwischen Romantik und Sex. Er muss sich mit den drei rumschlagen und mit der Polizei, die nach wie vor hinter ihm her ist. Und das heißt, er braucht eigentlich, das ist eigentlich das Ziel von ihm. Er will diesen Falken haben, weil der verdammt viel wert ist. Und er muss irgendjemanden finden, der für den Tod von seinem Partner belangt werden kann. Damit er nicht belangt wird. Damit er nicht belangt wird. Und es ist auch eigentlich während des Films vollkommen scheißegal, wer den umgebracht hat, weil es geht eigentlich nur darum, dass er jemanden findet, den er belangen kann. Und es gibt auch ausgiebige Diskussionen darüber, wen sie jetzt, wen sie denn als Bauernopfer da hinstellen könnten. Ja, naja gut, er kommt dann tatsächlich irgendwann, dank eines sterbenden Kapitäns, kommt er in den Besitz des Falken. Und dann wird das Ganze, und dann stellt sich heraus, dass es sich aber bei diesem Falken um eine Fälschung handelt. Um eine Fälschung handelt. Und die Bösewichter ziehen, hauen ab. Um den Falken woanders weiter zu suchen. Um den Falken woanders zu suchen. Und Sam ruft nochmal die Polizei an und sagt, schnappt euch die mal. Aber schnappt euch auch sie. Denn wir finden heraus, das ist der große Twist, der aber eigentlich kein Twist ist, weil uns zehnmal gesagt wird in dem Film, dass man ihr nicht vertrauen kann, dass O'Shaughnessy natürlich die Mörderin ist. Weil sie wollte einfach die Spuren aufräumen.
Johannes Franke: Sie ist ziemlich skrupellos. Sie ist ziemlich skrupellos. Was halten wir von dieser Geschichte an sich? Also jetzt unabhängig von der Verfilmung. Pulp Novel finden wir es geil, finden wir es irgendwie als dramaturgisches Konstrukt.
Florian Bayer: Ich glaube, man darf nicht mit der Erwartung rangehen, dass man hier eine Detektivgeschichte vor sich hat, wie sie in den britischen Gothic Novels und auch später in den britischen Romanen erzählt wird. Das ist keine Agatha Christie. Das ist kein Conan Arthur Doyle. Das ist einfach was anderes.
Johannes Franke: Wir müssen aber die ganze Zeit im Kopf haben, dass dieser Film sehr, sehr hoch gehandelt wird. Es wird von ganz vielen Leuten immer wieder gesagt, das ist der großartige Film aus dieser Zeit. Genau.
Florian Bayer: Das sage ich deswegen, weil es geht nicht um das Mysterium. Es geht um diese Detektivgeschichte nicht darum, herauszufinden, wer der Schuldige ist. Das ist vollkommen egal. Also es ist natürlich interessant, dass sie es ist, aber dass sie es sein könnte, das wird uns die ganze Zeit unter die Nase gerieben. Also ich meine, in jeder Szene, in der Sam mit ihr zusammen ist, sagt er, dass er ihr nicht vertraut. Also diese Seannessy wird von Anfang an als Frau gezeigt, der man nicht vertrauen kann.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und auch als potenzielle Mörderin. Das heißt, es geht der Geschichte nicht um das Mysterium.
Johannes Franke: Ja, also der Film ist, das habe ich zumindest so aufgeschrieben, ist nicht plot-driven, sondern eher character-driven, wie man so sagt.
Florian Bayer: Das ist ja auch das, was wir vorhin hatten, was im Film nur eigentlich so als Wesensmerkmal des Filmes gesehen wird. Genau. Also es ist eigentlich egal, was da passiert. Es ist auch vollkommen egal, was dieser Malteser Falke ist, weil es eigentlich nur darum geht, wie die miteinander interagieren. Naja, es ist... Aber haben wir dann... Also, sorry, ich muss schon in den ersten Problem reingehen.
Johannes Franke: Mach das, mach das. Ich bin ganz bei dir. Haben wir dann, wenn es wirklich gar nicht so richtig um Plot geht, warum machen wir dann eine Detektivgeschichte auf? Erste Frage. Zweite Frage, könnten wir uns dann nicht einfach auch ein Kasperle-Theater anschauen, die auch kein Plot-driven, sondern wirklich character-driven ist, wo Kasperle einfach seinen Baseballschläger in der Hand hat und aufs Krokodil rauf haut? Ist das ein guter Vergleich vielleicht einfach?
Florian Bayer: Ich glaube, was ganz wesentlich ist, ist Stil. Das ist diesem Film ganz wichtig. Und den Stil kriegst du natürlich in so einer Detektivgeschichte hin. Das heißt, diese verruchte Welt der Ganoven, der Detektive, der heruntergekommenen Leute, die einfach cool dabei aussehen, wie sie heruntergekommen und wie sie amoralisch sind, das passt mit Kasperl nicht so gut. Das funktioniert auch nicht so gut im Liebesdrama. Diesen Stil kriegst du in dieser komischen Halbunterwelt, in diesem Twilight, würde ich fast sagen, zwischen Recht und Unrecht, meistens mehr auf der Seite des Unrechts, kriegst du einfach coolen Stil inszeniert. Und wir können gleich sehr gerne über diesen Film lästern und in Krühen kritisieren. Ich bin voll bei dir. Ich glaube, es macht auch unglaublich Spaß, über diesen Film herzuziehen. Aber dass er cool ist und dass er Stil hat, was die Bilder betrifft und was das absurde, unrealistische Verhalten der Person betrifft, das kann man ihm, glaube ich, nicht absprechen.
Johannes Franke: Das kann man ihm überhaupt nicht absprechen, natürlich. Und ich bin der Erste, der sich freut über einen Film, der einfach Stil hat. Volle Kanne. Deswegen bin ich ja auch bei Film Noir schnell hellhörig und denke, oh, okay, bin gespannt. Erzähl mal, erzähl mir mehr. Auch Neo-Film Noir und so weiter. Ich finde das alles sehr interessant und sehr spannend, weil das auch wirklich einen Stil bedient, den ich toll finde. Allerdings ist mir einfach bei diesem Film aufgefallen, dass es leider doch nicht alles ist. Es ist nicht alles, auf jeden Fall. Es reicht leider nicht. Und dafür, dass es eine Detektivgeschichte ist, ist mir der Plot dann doch irgendwie zu schwach. Ja, ich glaube, ich glaube... Und konvolutet noch dazu.
Florian Bayer: Total konvolutet. Das ist so geil. Das ist eigentlich eine total dünne Geschichte. Ja. Und die wird so seltsam verkompliziert. Das ist so seltsam. Indem vor allem die drei Antagonisten, dass deren Verhältnis zueinander ganz lange überhaupt nicht geklärt wird, was so vollkommen Bullshit ist. Warum? Warum sollte Joel Cairo, der mit den anderen Beinen unter einer Decke steckt, zu Sam sagen, du, du wirst da bewacht, du wirst da beobachtet von jemandem? Er verpfeift doch in dem Moment seinen Kollegen. Why? Und warum wird da so ein Heckmeck drumherum gemacht, bis er feststellt, dass die drei zusammengehören? Ja, genau. Warum müssen die als drei Einzelakteure etabliert werden? Am Schluss sind sie doch eine Entität. Das macht überhaupt keinen Sinn.
Johannes Franke: Und wenn der Film jetzt mal nur auf der Ebene der Progression, also wie mir der Film die Story nach und nach entfaltet, warum ist Humphrey Bogart nie erstaunt über irgendeine Entwicklung des Films?
Florian Bayer: Er ist wirklich nie impressed. Alter, ja, aber er ist hardboiled. Das ist es doch einfach. Diese Lakonik, mit der er alles rüberbringt. Und das ist so geil, weil es passieren so viele Sachen und der Film versucht sich darum zu bemühen, dass er das mitmacht. Also es gibt diese melodramatische Musik, es gibt dann ja auch diesen Kuss mit O'Shaughnessy und man denkt die ganze Zeit, jetzt kommt das große Drama und er so, ja, okay, ich gehe jetzt mal weiter.
Johannes Franke: Vor allem verpasst du da jede Wendung einer Story, weil er die Wendung scheinbar verpasst, weil er einfach nicht beeindruckt ist. Nein, es ist ihm egal.
Florian Bayer: Genau, Spock ist not impressed. Es ist diese Lakonik, die er die ganze Zeit hat und er ist so eine coole Socke dabei, weil er kommt mit allem durch. Er sitzt beim Verhör mit der Polizei und sagt, ey Leute, ich habe jetzt keinen Bock mehr und geht einfach. Und niemand kommt auf die Idee, mir hinterher zu laufen. Nein. Weil er einfach so eine Autorität darstellt in dieser kompletten Leckmich, ist mir vollkommen egal, Attitüde. Er kommt zum Tatort. Sein Partner, sein bester Freund, mit dem er seit Jahren zusammenarbeitet, wurde erschossen. Und es interessiert ihn anscheinend null. Ja, wer können das gewesen sein?
Johannes Franke: Ja, okay, das passiert halt. Wir machen diesen Job
Florian Bayer: und damit sind wir damit einverstanden. Fünf Minuten später kommt er in sein Detektivbüro und wir sehen schon den Maler, der den Namen übermacht von seinem Partner hat.
Johannes Franke: Er gibt wirklich zwei Szenen, nachdem er die Nachricht bekommen hat, dass der Partner erschossen ist, gibt er den Befehl, ach, macht mal die ganzen Fensterbemalungen hier anders und schreibt mal nur meinen Namen dahin. Er hat nur drauf gewartet, dass dieser Typ wegste. Er ist halt einfach ein cooler Pragmatiker. Und er hat was mit seiner Frau, also mit der Frau des Partners. Und man denkt sich die ganze Zeit,
Florian Bayer: Arschlecken, wenn es ihn nicht interessiert, warum sollte es mich denn interessieren? Aber das Ding ist, ihn interessiert ja gar nichts. Also er ist einfach, also ihn interessiert, dass er da rauskommt aus der Sache. Deswegen ist er auch dann irgendwann, sagt er, naja, wir müssen jetzt irgendwen finden, der schuldig ist. So, das Drehbuch gibt uns keinen richtigen Schuldigen. Lasst uns mal gucken, wir haben hier so ein paar Leute, nehmen wir doch einfach Wilma. Was hab ich denn damit zu tun? Aber es ist auch so geil, schon in der ersten Szene, wenn Cairo kommt in sein Büro, erpresst ihn, hält ihm die Pistole vor und dann, und April Burghardt lacht los. Sag ich, alles gut, kannst du auch mein Büro durchsuchen? Ja, mach mal ruhig.
Johannes Franke: Hier ist doch vollkommen scheißegal, was passiert. Das Geile ist, was ich, also weil ich wirklich toll finde, sehr unterhaltsam, muss ich sagen, es macht keinen Sinn, aber es ist total unterhaltsam, wie Peter Lore kommt, wirklich ganz, ganz toll das spielt und ihm dann die Pistole auf die Brust setzt und sagt, hier, komm zur Mitte des Raumes, ich durchsuche jetzt alles und Bogart ihm dann wirklich mit einem Vergnügen, das er wahrscheinlich seit 10 Jahren nicht mehr hat, die Waffe entreißt und so richtig, so psychopathisch wirkt
Florian Bayer: eben die Waffe da wegnimmt und lacht. Es werden sehr oft Waffen auf Humphrey Bogart gehalten und es ist ihm scheißegal.
Johannes Franke: Er freut sich drüber
Florian Bayer: und er schafft es auch immer, die Situation umzukehren. Also, wir haben mehrmals die Zähne, dass irgendjemand, Hanfrey Bogart, eine Waffe an die Brust hält und er entreißt sie dem einfach und hält sie ihm dann an die Brust. Ah, jetzt hab ich deine Waffe. Und das Geile ist,
Johannes Franke: die unterhalten sich danach, als wäre nix gewesen, total kumpelhaft und was schon intim, darüber, wie die Situation so ist, was er so macht, was machst du denn so und wie kommt denn da jetzt sowas zustande aber dann sagt er, naja klar, mach ruhig und das Geile ist, was total folgerichtig ist, der Film blendet die Szene an der Stelle ab, obwohl jetzt eigentlich interessant wäre, was weiter passiert, weil er wird bedroht, blendet der Film ab, weil uns völlig klar ist, nachdem was vorher passiert ist, dass einfach nichts Wesentliches mehr passieren kann,
Florian Bayer: weil Bogart einfach jede Situation unter Kontrolle hat. Also es ist auch egal, was jetzt passiert. Es ist vielleicht, um die Kehrseite davon zu zeigen, weil es ist wirklich unterhaltsam, aber wir damit schauen, dass sie umgeht, sie braucht Hilfe, sie bittet ihn, sie zu beschützen und Hilfe, ich bin diesen bösen Typen ausgeliefert und dann fängt er erst mal an zu gucken, wie viel Geld er ihr dafür aus verschleiern kann. Ich habe die ganze Zeit das Bild im Kopf,
Johannes Franke: wie Bogart sie an den Beinen nimmt, hochhält und schüttelt und guckt, wie viel Geld rauskommt
Florian Bayer: und das Geld streicht er dann ein. Es ist schon fast Erpressung, was er da macht. Ja, Hilfe, mein Leben ist gefährdet. Wie viel Geld hast du denn?
Johannes Franke: 200, mach mal schauen. In dem 31er Film, glaube ich, gibt es eine Szene, wo sie, nachdem er ihr die 500 abnimmt, noch zu sehen ist, wie sie weitere 1000 Dollar irgendwo hat. Ja, natürlich, man kann ihr nicht vertrauen. Man kann ihr nicht vertrauen, also das macht der Film, der 30er Film, tatsächlich ein bisschen stärker. Allerdings sind die Schauspieler nicht ganz so gut, wie jetzt einfach Peter Lorre und Humphrey Bogart. Übrigens, um das einmal zu klären, Peter Lorre, Peter Lorre, Peter Lorre, er ist eigentlich Ungar, hat ganz viel in Österreich, also Österreich-Ungarn, damals gearbeitet und auch ganz viel in Deutschland dann und ist dann eben, naja, Nazis und so weiter, einer der großen Ereignisse unserer Geschichte, die uns ganz viele tolle Schauspieler und Intellektuelle gekostet hat, ist er nach Amerika gegangen und hat dort ganz viele tolle, großartige Filme geredet, aber auch hier einfach schon sehr viele tolle Sachen, wie zum Beispiel M, eine Stadt sucht einen Mörder, wo er auch großartig ist und ja, immer sehr speziell, muss man sagen.
Florian Bayer: Er gehört zu den großen Schauspielern seiner Zeit, auch in Casablanca ist er zu sehen, auch in Arsen und Spitzenhäubchen und in 20.000 Meilen unter dem Meer, in 80 Tagen um die Welt, er hat viel gedreht, er hat unglaublich viel gedreht in seiner Karriere und er spielt hier, er ist übrigens der homosexuell kodifizierte Bösewicht, er spielt hier einen ganz großartigen, parfümierten, irgendwie höflichen, irgendwie ein bisschen suspekten und irgendwie ein bisschen schrägen Vogel und ich kann mir vorstellen, also das liest man heute gar nicht mehr so unbedingt, aber wie das, dieses so ein bisschen exzentrische im Hollywood der 40er Jahre, der frühen 40er Jahre einfach als homosexuell gedeutet wurde, weil er ist halt so ein kultivierter, auch so ein bisschen weicher Typ und ich finde, er spielt das großartig so, er kann im Gegensatz zu Bogart, kann er nicht mit Autorität, nicht mit Coolness und vor allem nicht mit Stärke auffahren und deswegen arbeitet er einfach mit Hinterhältigkeit und so mit Umschmeicheln und sowas und er spielt die Rolle einfach großartig,
Johannes Franke: dieser Kairo ist echt witziger Bösewicht. Aber man muss dazu sagen, dass Peter Lorre ganz viel solche Figuren gespielt hat. Ich fand diese Weichheit und diese Zerbrechlichkeit hatte auch in M, eine Stadt sucht einen Mörder, ganz stark, obwohl er auch da der Täter ist und der Bösewicht, aber auf eine ganz eigene Art und Weise war ja auch damals ein großer Aufschrei, wie kann man einen Bösewicht so menschlich spielen, das geht ja nicht, darf man nicht. Also insofern, der bringt das irgendwie mit.
Florian Bayer: Gleichzeitig passt es natürlich auch zu diesen Männlichkeitsbildern, die wir aus der Zeit haben, dass eben dieses Schwächliche als Böse dargestellt wird und das haben wir ja auch bis heute, dass Bösewichter oft im Kontrast zu unserem starken Helden kultiviert sind und nicht diese Stärke haben, sondern irgendwie sich mit anderen Mitteln helfen müssen. Also eigentlich sind sie die Intellektuellen, die dem coolen Mann von der Straße entgegengestellt werden. Und da wird ja auch so eine Dämonisierung von diesem Weichen, von diesem Weibischen, würde man damals wahrscheinlich sagen, von diesen femininen Eigenschaften
Johannes Franke: betrieben. Obwohl wir ihn total großartig finden. Ich glaube, dass es auch damals so war. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die im Kino gesessen haben damals und gedacht haben, der ist mir zu weibisch. Die haben aber gesagt,
Florian Bayer: ein toller Fiesling, oder? Mit diesen Eigenschaften. Das sind die Eigenschaften eines Fieslings. Ja, weiß ich nicht. Keine Ahnung. Auf jeden Fall ist er großartig.
Johannes Franke: Ich finde ihn ganz, ganz toll. Aber wir haben... Die Szene, ich muss schon zum Ende vorspringen. Er hat so einen großartigen, kurzen Monolog, wie er ihm an den... Also als er rausfindet, dass dieser Falke nicht echt ist. Ja. Wie er den Typen beschimpft. Es ist so der Hammer. Ich kann es nicht wiedergeben, ich habe es nicht rausgesucht, aber es ist so großartig, was er ihm an den Kopf wirft und wie er dann anfängt, loszuwimmern, weil es einfach so schmerzhaft ist. Dieses Wimmern vor allem, ne? Oh Mann.
Florian Bayer: Es ist auch dieser Wechsel von Wut zu einfach nur noch Heulen. Wir haben drei großartige Bösewichte. Ich mag alle drei. Ich auch.
Johannes Franke: Absolut.
Florian Bayer: Total begeistert von den Bösewichten in diesem Film. Wir haben Wilma Cook. Das ist der Henchman, der ist eigentlich so, der für die Drecksarbeit zuständig ist. Das Problem ist, der ist jung, der hat keine Ahnung, was er da macht. Ja. Und der ist auch ein bisschen dusselig. Ja. Und dementsprechend macht er einfach keinen guten Job und Goodman sagt es irgendwann, dass er den eigentlich nur angestellt hat, weil er ihn mag. Der ist kein kompetenter Bodyguard, was auch immer er sein soll.
Johannes Franke: Ja. Also er sagt zumindest, dass er ihn wie seinen Sohn sieht. Er sieht ihn wie seinen Sohn, aber trotzdem verpfeift er ihn dann nachher. Ja, natürlich, weil einen Sohn kann man ersetzen, einen Falken nicht.
Florian Bayer: Und dementsprechend sind eigentlich die Begegnungen zwischen Wilma und Sams laufen immer so ab, dass Sam ihn fertig macht. Also Wilma kriegt es ständig ab. er kriegt öfter eins auf die Nase, er kriegt eine Pistole abgenommen, haben wir ja schon gesagt, Sam nimmt immer den Besuch dann die Pistolen ab.
Johannes Franke: Er muss ein ganz großartiger Schauspieler geworden sein, allerdings muss ich sagen, in dem Film finde ich ihn als Schauspieler relativ schwach. Er dient so ein bisschen dem, was die Rolle sein soll. Ja. Aber ich glaube, er hätte durchaus nochmal, weiß ich nicht, es ist halt nicht so viel vorhanden und er ist einfach so ein bisschen
Florian Bayer: Comic Relief. Elisha Cook, Elisha Cook, der unzählige Krimis, Thriller, Actionfilme seit den 30er Jahren gespielt hat. Ja. Der offensichtlich auch in Rosemary's Baby zu sehen war. Oh, okay. Dann schon als älterer Schauspieler. Und als dritten im Munde haben wir unseren dicken, unseren Goodman, der halt so unfassbar höflich ist. Ja. Und irgendwie so ein, so der elegante Mann von Welt, der aber auch natürlich die ganze Zeit, ich bin ein Ganova. Aber alles versucht, um mit Höflichkeiten ein Bild von sich zu vermitteln, als der, der eigentlich das Opfer ist und der, der ja eigentlich nur diese Figur haben will. Ist das,
Johannes Franke: haben Peter Lorre und er irgendwie was miteinander? Ist das, weiß ich nicht, es wird nicht wirklich. keine Ahnung. Aber es ist so irgendwie, weiß ich nicht, kann ich mir vorstellen, in dem Trio haben die auch mal einsame Stunden einfach überbrückt zusammen. Ja, vielleicht. Du meinst,
Florian Bayer: vielleicht ist so Wilma ihr gemeinsames Kind? Ja, vielleicht. Ja, das ist irgendwie süß auch.
Johannes Franke: Also in meinem Kopf so ein bisschen und ich fand es sehr schön.
Florian Bayer: Die sind auch in der Interaktion, in den wenigen Momenten, wo wir sie wirklich alle drei sehen, das kommt ziemlich selten vor, weil die meiste Zeit über des Films denkt man auch, die würden jeder für sich arbeiten. Ja, genau. Und dann gibt es irgendwann den großen Auftritt, wo wir feststellen, ah, die drei stecken unter einer Decke und haben gar keine unterschiedlichen Interessen. Die machen genau dasselbe.
Johannes Franke: Das ist einfach nur eine Gruppe. Das ist ein Team und man merkt das dann auch in dem, wie die Schauspieler das gebaut haben, dass sie miteinander agieren. Die sind sehr gut darin, mir dann am Ende das Team zu verkaufen. Ja. Finde ich ganz toll. Ohne, dass es über den Text laufen muss unbedingt. Also tut es auch so ein bisschen, aber die spielen einfach so miteinander, dass man das Gefühl hat, okay, die haben jetzt echt lange zusammen nach diesem Scheißteil gefahndet.
Florian Bayer: Ja. Und sie wollen ja offensichtlich weiterfahren, weil sie reisen um die ganze Welt nach diesem Vogel. Ja, letzten Endes, was sagen sie? Es wird nie so 100% klar, wie wertvoll das Ding ist, aber es geht eher so
Johannes Franke: in die Millionen. Ja, ja, genau. Ja. Ja, es ist ein typischer McGuffin.
Florian Bayer: Ja, es ist ein McGuffin. Und dafür bemüht sich John Huston aber ziemlich nicht zu erzählen, dass es ein McGuffin ist, weil wir haben am Anfang diesen Text und als ob das nicht reichen würde, ganz zentral im Film, ich schreibe ja immer genau was im Zentrum des Films passiert, und hier wird im Zentrum des Films wird uns von Goodman ganz lange und ausgiebig erzählt, was mit dem Falken los ist. Genau. Und du denkst so, okay, zum einen habe ich das schon im Text vorne gelesen, das brauche ich nicht zu wissen, zum zweiten Sam interessiert es nicht die Bohne, dem ist das vollkommen egal, der will einfach nur sein Geld haben. Ja. Weil er selbstverliebt ist. Danke.
Johannes Franke: Genau, das ist es. Und es kommt aber auch gut drüber dadurch, finde ich. Also es ist schon ganz gut, dass er ein Monolith, vielleicht hätte er nicht ausführlich sein müssen, aber, ja. Und es ist eine, so eine Sequenz, so eine sehr lange Kamerafahrtsequenz, die wirklich lange geprobt und lange gedreht wurde.
Florian Bayer: Selbstverliebt, aber alles andere als clever, weil, also wir kommen zu einem Verhaltensweisen, die ich nicht verstehe. Ja. Es gibt mehrere in diesem Film. Überraschung. Also, sie wollen den Falken und sie wollen Sam dafür loswerden. Das heißt, sie betäuben ihn, schlagen ihn K.O. und lassen ihn in ihrem Hotelzimmer liegen. Ja. Wo sie rot groß eingekreist haben, wo der fucking Falke zu finden ist. Das habe ich richtig verstanden, oder? Ich weiß es nicht mehr ganz genau. Weil er hat, Sam erfährt nur, wo er weitersuchen kann, weil er in diesem Hotelzimmer liegt, wo diese La Paloma, dieses Schiff, das dann nachher brennt.
Johannes Franke: Aber er sucht doch so viel auch durch die ganze Hotelzimmer durch.
Florian Bayer: Ja, aber warum lassen sie, ja genau, dann findet er diese eine Zeitung,
Johannes Franke: wo das drinsteht.
Florian Bayer: Ja, genau, genau. Warum haben sie die nicht mitgenommen? Warum machen sie das? Warum lassen sie die Spur da liegen? Das ist wie eine Schnitzeljagd. Das mache ich, wenn ich einen Kindergeburtstag für meinen Siebenjährigen organisiere. Dann lege ich so
Johannes Franke: obviers Hinweise hin. Das ist die alte Theorie, dass Verbrecher jemanden brauchen, der ihr Verbrechen einmal als wow, großartig anerkennt. Aber sie sind ja
Florian Bayer: nicht in dem Sinne Verbrecher, sie wollen ja nur Geld haben. Es ist jetzt nicht so, dass sie einen großen Masterplan haben.
Johannes Franke: Nein, der ist so selbstverliebt, dass er jemanden braucht, der ihm spiegelt, dass er toll ist. Ah ja, okay. Also braucht er jemanden von außen, das ist ja alle totale Scheiße, natürlich, aber ja, naja,
Florian Bayer: die Geschichte muss weitergehen. dieses Gefühl hat man aber in diesem Moment. Genauso wie in diesem Kapitän Ex-Maschina, der dann das Büro von selbstverkommt. Bei dem weiß ich überhaupt Oh Gott. Es ist witzig, es ist ja kein Actionfilm, es ist ein Film, der aus Dialogen besteht, von Szene zu Szene.
Johannes Franke: Und dafür ist er aber sehr konvolutet, muss man sagen. Und deswegen braucht man auch viel, viel hin und her und Gedankenschmalz, um zu verstehen, was eigentlich passiert. Ich finde es ein bisschen dolle.
Florian Bayer: Es ist ja schon dieses, es fängt ja eigentlich damit an, dass O'Shaughnessy kommt und eigentlich will, also ihre Geschichte ist, dass ihre Schwester mit diesem Mann unterwegs ist und überwacht werden soll. Und es ist vollkommen egal für die restliche Handlung. Das stimmt ja auch nicht. Das ist einfach eine Geschichte, die sich ausgedacht hat. Aber dafür wird dieser Geschichte sehr viel Zeit gewidmet. Weil sie erzählt das und sagt dann nochmal hier und da und das ist unser Opener. und dann haben wir als nächstes wird Miles erschossen und wir haben eigentlich das Gefühl, wir sind immer noch in dieser Geschichte. Dann kommt halt diese Geschichte mit dem Falken, wird so reingeschoben irgendwie.
Johannes Franke: Ja, ich habe das Gefühl, dass sie zwar relativ lange an der Geschichte, sie erzählt die Geschichte, sie reden darüber. Das Krasse ist, was ich als erstes, als ersten Punkt im Film habe, wo ich denke, das ist jetzt ein bisschen hasty und ein bisschen verstörend, ist, als sie dann zugibt, okay, die Geschichte war nur erfunden und er sagt, ja, wir haben deiner Geschichte sowieso nicht geglaubt, wir haben deinen 200 Dollar geglaubt. Genau. Und man denkt, es gab keinen einzigen Hinweis darauf, dass diese Geschichte nicht stimmt.
Florian Bayer: Okay, aber kommen wir mal zu ihr. Kommen wir zu Brigitte O'Shaughnessy, gespielt von Mary Esther, unserer femme fatale, unserer verruchten Frau, der Mörderin, der suspekten Frau, die irgendwie, was ist die Beziehung von ihr mit Sam? Er küsst sie. Es gibt diesen einen großen melodramatischen Kuss. Why? Genau, das ist die Frage, jetzt müssen wir uns auch küssen. Wenn du schon auf den Mund fallen musst, warum dann nicht auf meinen, um Judith Hollefernes zu zitieren. Es ist einfach nur,
Johannes Franke: Mann, Frau, Kuss. Ja, es gibt gar keine Chemie vorher, nichts, null. Es gibt sie auch danach nicht. Also gar nicht. Und ich bin so ein bisschen, gibt es das im Buch, im Buch gibt es das bestimmt auch, also sonst hätten sie das nicht reingenommen. Ich gehe davon aus. Die Frage ist, wie ernst gemeint ist sowas und inwiefern ist das einfach nur ein Hinweis darauf, dass der Regisseur sagen will, ja, es gibt halt auch Leute mit Bedürfnissen und wir dürfen laut Hays Code das leider nicht ausspielen, aber ich deute es mal an. Vielleicht ist das,
Florian Bayer: aber es ist ja tatsächlich nicht nur angedeutet, es ist ja, genau, es ist ein großer Kuss, aber es ist ein langer Kuss und es ist so ein richtiger Kuss. Und am Ende diskutieren sie darüber, ob sie einander lieben. Genau. Und man fragt sich die ganze Zeit, warum? Ja. Es wird einfach keine Liebesgeschichte zwischen den beiden Sonsten erzählt. Die Liebesgeschichte findet nur in ihren Dialogen statt, in denen sie Meta sind. Ja. Liebesgeschichte ist die ganze Zeit Meta. Der Film will natürlich am Schluss einen Gewissenskonflikt von ihm erzählen, dass er, dass er, oh, er hat ja doch einen moralischen Kompass, weil er verpfeift sie ja und weil er das seinem Kollegen schuldig ist. Ja. Aber man kauft es ihm nicht ab.
Johannes Franke: Nein, überhaupt nicht, weil er ja auch von Anfang an nicht eine Unze betroffen ist von seinem Tod. Es interessiert ihn ja eigentlich gar nicht. Ganz im Gegenteil, es scheint ihm ja entgegenzukommen.
Florian Bayer: Ja, genau. Er hat ja seine Frau, wobei ich das Gefühl habe, mit der Frau ist es auch so, dass er eher denkt, oh nee, habe ich sie jetzt an der Hand. Ja, genau. Jetzt ist er tot, jetzt ist es keine Affäre mehr, jetzt wird es jetzt eine Beziehung. Jetzt wird es ernsthaft. Und er sagt ja, der Sekretärin hält sie mir vom Hals. Und sie sagt ja, sie verdächtigt ihn dann ja noch, fragt so, hast du ihn umgebracht? Und dann lacht er noch. Und verdächtigt sie dann noch. Genau. Dann wird sie noch verdächtigt. Iva, die keine große Rolle spielt,
Johannes Franke: aber die halt da ist. Das Traurige ist, dass sie nicht mal nicht nur eine große Rolle spielt, sondern sie wird einmal oder zweimal noch ganz kurz reingeschnitten, wie sie beobachtet, wie er mit einer anderen Frau, nämlich mit der O'Shanasi, da irgendwie in seinem Zimmer verschwindet. Sie ruft die Polizei deswegen, ne? Ja, ja. Und was so tragisch irgendwie in der Situation ist. Ja, oh. Aber, aber, aber, sie hat nur eine Funktion. Sie hat keinerlei Charakter. Sie soll die Polizei rufen
Florian Bayer: in dem Moment, damit wir diesen tollen Moment haben, wo sie zu dritten der Wohnung sind und Cairo gefangen halten, um ihn zu verhören. Ich weiß es nicht genau. Auf jeden Fall kommt dann ja die Polizei rein. Ja. Und dann, ähm,
Johannes Franke: Das ist aber auch so eine geile Szene, wie er sich dann ausdenkt, was da, was die für eine Motivation ist, wer mit wem zusammen zu tun hat und was sie miteinander haben und nicht haben. Und warum macht Cairo da irgendwie so mit? Ja, Cairo ist da drin. Aber es ist sehr süß. Also ich meine,
Florian Bayer: es ist wieder sehr entertaining. Es ist voll unterhaltsam. Aber es macht keinen Sinn. Es macht überhaupt keinen Sinn. Es ist sowieso geil, wie Sam mit der Polizei umgeht. Ja. Sam hat offensichtlich, also Sam hat offensichtlich alle Polizisten dieser Stadt beim Nacktbaden erwischt und hat Fotos davon gemacht. Irgendwas muss er haben. Irgendwas hat er auch für alle. Weil die lassen sich alles von ihm gefallen. Und sie verdächtigen ihn sogar. Sie glauben, dass er mit dem Mord zu tun haben könnte, vielleicht sogar mit beiden Morden. Und das sagen sie ihm auch. Und er gerät auch mit einem von diesen aneinander. Aber was er darf ist, er darf offensichtlich Polizisten verprügeln. Er darf sich Verhaftungen entziehen. Er darf bei Verhören einfach aufstehen und sagen, ich hab keinen Bock mehr. Er darf sagen, ihr ermittelt scheiße, ich ermittle jetzt selbst. Ich mach jetzt selbst Justiz. Also er darf das alles. Er wird ja auch am Anfang
Johannes Franke: an den Ort des Geschehens gerufen. Das ist auch so geil. Was ich auch überhaupt nicht verstehe. Und er kommt dann an, irgendjemand hält ihn auf und sagt, was machen Sie hier? Geh nicht in die Bitte. Und er sagt, ja, ich bin gerufen worden, ich bin der und der. Oh, ich hab sie gar nicht erkannt. Was? Was? Ich hab sie erst nicht erkannt?
Florian Bayer: Was ist das für ein Satz, bitte? Was ist das für ein Verhältnis, das Sam Spade zu der örtlichen Polizei hat? Was weiß er über sie? Und es muss echt was krasses sein.
Johannes Franke: Ja, vielleicht aber, es gab ja diese ganzen Mafia-Filme auch schon damals. Und Mafia war ja nun wirklich sehr deep mit Polizei verwoben und so. Und vielleicht ist das ein Kommentar darauf, dass man irgendwie mit der korrupten Polizei sowieso in einem Boot ist. Aber sie sind nicht korrupt, die lassen sich ja nicht bezahlen von ihm. Ja, stimmt.
Florian Bayer: Und sie haben ja auch Ärger mit ihm. Aber sie deuten es an. Der eine hasst ihn ja auch. Also es gibt ja mindestens einen Polizisten, der ihn hasst, ein anderer Polizist, der sagt, oh nein, nein, nein, beruhig dich, der hat Nacktfotos von mir. Keine Ahnung, was los ist. Und ich komme nicht über diese Verhörzimmer-Szene hinweg. Sie verhören ihn wegen Mordes. Ja. Und dann sagt er irgendwann, ey Leute, ihr kriegt das alles nicht hin. Und dann geht er einfach raus. Es ist okay. Es ist kein richtiges Fall mehr, weil sie sagen, es ist irgendwie so, wie das halt im US-Recht ist. Es ist nur
Johannes Franke: ihr Gespräch oder so.
Florian Bayer: Wir sind nur da, um uns zu unterhalten. Also es ist nicht offiziell und deswegen kann er gehen. Aber das ist so eine merkwürdige Szene, weil es so maximale Respektlosigkeit ist.
Johannes Franke: Ja, aber von Anfang an. Ja. Seine Haltung ist die ganze Zeit so, er sitzt da so im Vordergrund und ganz locker und hat auch überhaupt gar kein Interesse daran, irgendwie unsuspekt zu wirken. Nein, überhaupt nicht. Das ist ja überhaupt nicht. Ja. Meine Güte. Dem ist halt die ganze Zeit, den ganzen Film über alles egal. Und deswegen habe ich so das Gefühl, why do I care? Ja. Das ist so ein bisschen das Problem. Und deswegen komme ich auch so schlecht mit, weil ich die ganzen Turning Points nicht mitbekomme, weil er sie offenbar ignoriert.
Florian Bayer: Ja, ich glaube, also, ich glaube, das sind einfach mehrere Baustellen. Ich habe das auch nochmal gemerkt. Ich finde diesen Film ja spaßig. Ich hätte ihn nicht vorgeschlagen, wenn ich ihn nicht spaßig fände. Mhm. Aber ich glaube, dem Film merkt man sein Alter an. In diesem so ein bisschen, ich finde, der Film ist so ein bisschen holprig, was den Umgang mit Pathos betrifft. Ja. Und den Umgang mit diese Kombination aus Coolness und Pathos. Der stolpert ja einfach so ein bisschen. Der kriegt das nicht so richtig miteinander kombiniert. Mhm. Der Film hat halt diese sehr, sehr prototypischen Figuren, die so Abziehbilder sind. Ja. Und dadurch schafft er es niemals. Ich finde das immer so merkwürdig, wenn, das wird ja auch so als ein Merkmal des Filmnors genannt, dass der Filmnors Realismus hat. Ich sehe in diesem Film wenig Realist. Sehr wenig. Der Filmnor ist schon sehr stilisiert und der Filmnor ist, und der ist hier in dieser Art stilisiert, dass man ihn, und sorry für alle, die mich jetzt dafür erschlagen werden, ich finde, das ist ein Film, den man nur noch ironisch gucken kann. Aber ich finde, wenn man ihn ironisch guckt, da macht dieser Film sehr viel Spaß. Das stimmt. Das stimmt. Das ist auch, ich meine, wir haben uns noch gar nicht so drüber aufgeregt, über das Welt- und Frauenbild, was da vermittelt wird. Das ist natürlich eine Katastrophe.
Johannes Franke: Das ist eine Riesenbaustelle, die brauchen wir gar nicht, glaube ich, so tief zu graben, weil, weil, ja, also guckt euch den Film an, er ist furchtbar, was das Frauenbild betrifft. Man kann die ganze Zeit sich aufregen und den Film aus dem 13. Stock werfen wollen. Aber,
Florian Bayer: das ist das Witzige, bei diesem Film empöre ich mich nicht so drüber, das natürlich auch an dem Alter von 80 Jahren liegt, aber auch daran, dass der einfach die ganze Zeit so krass ironische Vibes mit sich trägt und unabhängig davon, ob die intendiert sind, ich kann mir vorstellen, dass man die auch schon vorher sehen konnte, dass es nicht nur wir als Zuschauer von heute sind, der trägt so viele ironische Vibes mit sich, dass ich mich gar nicht so richtig drüber empören kann, weil das einfach, es hat schon fast schon selbstparodistisch Züge, wie der mit seinen Figuren umgeht, wie er mit seinem Weltbild umgeht, wie er mit diesem Sam Spade umgeht. Aber wie kann denn,
Johannes Franke: weil nur kurz zur Einsortierung, Humphrey Bogart war noch kein so riesig krass großer Schauspieler. Also er war schon bekannt, er war nicht umsonst jetzt in der Hauptrolle vom Studio eingesetzt. Er sollte ja erst später auf diese Rollen überhaupt abonniert sein. Das war ja so ein bisschen der Startschuss dafür, dass er diese Rollen immer wieder gespielt hat. Auch für Peter Lorre. Peter Lorre war das so der Startschuss für seine große Karriere dort, dort drüben, in dieser Art von Film. Dann Casablanca später und so weiter. Er hat mit dem anderen, mit Sydney Green Street, hat er später neun Filme, hat er insgesamt mit ihm zusammen gemacht. Die waren quasi so eine Art Odd Couple. Humphrey Bogart hat so viele Filme gedreht, dass es fast schon gruselig ist. Ja. Er hat jedes Jahr in mehreren Filmen gespielt. Das Studiosystem, ne? Die haben ihn einfach überall reingequetscht. Ja. Also einfach gemolken bis zum geht nicht mehr. Der war halt einfach auf dem Payroll, ne? Das war ja früher anders. Es gab ja nicht so, dass man projektbezogen engagiert wurde, sondern man wurde vom Studio engagiert. Und dann bekam man halt im Jahr so und so viel Geld. Und vielleicht noch ein paar Bonuses, aber man war einfach die ganze Zeit angestellt. Und dann haben die ihn einfach überall reingedrückt, in jeden Film, der irgendwie, ja, zur Verfügung stand. Und wie es timingmäßig irgendwie ging für ihn. Ja. Und er hat halt diese Rolle von Sam Spade quasi immer, immer, immer wieder spielen müssen. Ich sehe da viel von in Casablanca. Ja, auf jeden Fall. Ganz krass. In Casablanca finde ich ihn nuancierter. Da ist ein bisschen mehr Tiefe drin in der Figur.
Florian Bayer: Das ist so ein bisschen Sam Spade Redemption-Ark fast schon. Ja, ja, vielleicht. Weil am Schluss lässt er ja auch seine Geliebte entkommen mit ihrem Neuen. Genau. Und schließt sogar Freundschaft mit dem Polizisten. Ja, doch, das, oh, Casablanca ist eigentlich nichts anderes als eine Maltese-Falcon-Redemption-Ark. Finde ich gut. Danke für die Interpretation, nehme ich.
Johannes Franke: Ja, auf jeden Fall finde ich das spannend, dass dieser Film eine Parodie auf etwas ist, was noch gar nicht existiert. Ja. Aber wie kann der Film das machen? Ich finde das irgendwie so ein bisschen so wie zur Hölle.
Florian Bayer: Na ja, so Gangster-B-Movies gab es ja auch schon vorher. Also wie gesagt, das ist die dritte Verfilmung von Maltese Falcon. Und so Low-Budget-Filme, die sich an Pulp-Magazinen und an Hardball-Detective-Stories orientiert haben, gab es schon vorher. Da kommen wir halt zu dem, was diesen Film dann doch auch besonders macht. Und das ist seine Inszenierung, wie er mit diesem Low-Budget umgeht. und wie er Bilder inszeniert und wie er Klaustrophobie inszeniert. Dadurch, dass der, zum Beispiel das ist was, was eher ungewöhnlich ist, die Drehorte finden fast immer im Inneren statt. Es gibt ganz wenig Außenaufnahmen. Wenn es Außenaufnahmen gibt, ist es grundsätzlich Nacht und Dunkel. Und dadurch hat er einfach eine, na ja, die Stimmung ist deutlich verengter als in diesen anderen Gangster-Geschichten. Und dazu trägt er natürlich auch bei, dass es dieses sehr, sehr pointierte Spiel mit Licht und Schatten gibt. Also die Art, wie dieser Film beleuchtet, ganz banal, technisch, erzeugt Bilder, die einfach schon krass sind. Und dann sind wir wieder beim Expressionismus. Der Film ist kein expressionistisches Kunstwerk, aber wenn wir uns einzelne Szenen anschauen, wie die beleuchtet sind, wie die Kamera aufgebaut ist, was für ein Gefühl von Raum und der Verortung der Personen im Raum entsteht, das ist schon krass.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Ich glaube, er hat einfach wirklich durch das geringe Budget einfach wirklich gut überlegt, was kann er leisten, was kann er machen. Die Innenaufnahmen sind immer die billigeren als die Außenaufnahmen, muss man dazu sagen. Dann muss man halt sich was überlegen. Und er hat halt genau die richtigen Entscheidungen getroffen, was das betrifft. Arthur Edison war Kameramann.
Florian Bayer: Der hat auch tatsächlich bei der zweiten Verfilmung hinter der Kamera gestanden. Okay. Und der war mehrmals für den Oscar nominiert als Kameramann. Und der hat unter anderem für Casablanca. Ah ja. Also, und das war glaube ich sogar seine Moment, wenn ich nichts Falsches sagen. Genau, davor für In Old Arizona 1929 und im Westen nichts Neues 1931. Und dann für Casablanca die dritte Oscar-Nominierung. Ja. Und die Bilder sind schon außergewöhnlich, die wir hier sehen. Also, es ist vielleicht auch so ein bisschen so ein Kontrast zu der teilweise wirklich albernen Geschichte. Ja. Weil, aber das ist auch der Stil grundsätzlich. Also, ich finde das so das Set-Design, Interieur, die Kostüme. Das ist nicht ohne Grund so Stilbilden geworden, weil es einfach cool ist, weil es einfach Stil hat. Humphrey Bogart ist geil angezogen in diesem Film. Ja, voll lecker. Und Mary Esther und Peter Lorre und Sidney Greenstreet sind auch geil angezogen.
Johannes Franke: Jeder auf seine eigene Art. Das Bogart hat sein Kostüm selbst mitgebracht. Ja, ne? Das ist krass. Geil. Ja, total. Das heißt, der Typ hatte privat einen sehr guten Stil anscheinend.
Florian Bayer: Und dieses Auftreten ist ja, und genau dieses Kostüm ist ja auch so ikonisch geworden. Und dann haben wir auch die, also haben wir einfach den Stil durch die Kostüme.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Dann haben wir den Stil durch die Sets, so das heruntergekommene Detektivbüro, das dann, wo eben auch sehr viel im Schatten liegt. Ja. Die Wohnung von ihr, die irgendwie immer so ein bisschen merkwürdig, Suspekt trägt.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Sie fühlt sich immer so ein bisschen verloren in dieser Wohnung vielleicht. Ich weiß es auch nicht. Ja, das sieht so aus, als wenn sie sie halt nie benutzt hätte.
Johannes Franke: Genau. Ja, ja.
Florian Bayer: Und das Ganze halt mit dieser Ausleuchtung, mit diesen Kameraperspektiven, wo Menschen große Schatten werfen in engen Räumen. Mhm. Also ich kann mir schon vorstellen, dass es auch, wir haben heute andere Sehgewohnheiten, aber dass es damals auch schon so eine beengte Atmosphäre erzeugt hat und so ein gewisses, dass es den Film einfach immersiver gemacht hat dadurch.
Johannes Franke: Ja. Ich finde es spannend, dass fast jede Szene, in der Mary vorkommt, irgendeine Anspielung darauf auf Gitterstäbe ist. Mhm. Also, jetzt wenn wir bei der Beleuchtung sind, in ihrer Wohnung im Hintergrund sind immer so Streifen. Ja, ja. Ja, ja. Schattenwürfe von draußen, von dem Fenster oder sowas, aber sieht immer aus wie Gitterstäbe. Ja. Bei ihrem ersten Auftritt hat sie ein Kostüm an, das Streifen hat. Mhm. Das auch Assoziationen mit Gitterstäben zulässt. Oder mit einem gestreiften Anzug als Kostüm für das Gefängnis.
Florian Bayer: Ja, so. Das ganze Film-Notting, was wir heute so anhimmeln, wo die Franzosen gesagt haben, oh toll, das machen wir jetzt auch als Nouvelle-Vac-Künstler. Ja. Das ist ja ganz viel aus den Budgetproblemen geboren worden. Ja, ja, genau. Das ist ja eigentlich, es ist nicht so, dass John Huston und Arthur Edison gesagt haben, okay, wie können wir hier eine geile Bildsprache machen, die was Besonderes hat. Sondern die haben gesagt, oh, wir haben hier echt wenig Geld zur Verfügung. Wie machen wir das? Okay, wir müssen hier starke Lichtkontraste setzen. Das ist halt, ist ja auch ein total unnatürliches Licht, ne? Ja, ja. Wenn die damals Geld, also wenn die für den Film Geld gehabt hätten, dann hätten sie halt versucht, so ein schönes, natürliches Licht zu machen. Aber so haben sie halt einen Scheinwerfer und dann haben sie voll drauf geknallt. Und dann hast du diesen, das, was wir heute alle mit dem Film nur assoziieren, Schwarz-Weiß-Bilder mit einem Humphrey Bogart, der voll im Licht steht und einen riesigen Schatten an die Hinterwand wirft.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dabei eine Zigarette raucht. Immer. Immer eine Zigarette. Ganz kurz. Roger Ebert. Ja. Ich muss die Top 10 nicht komplett vorlesen. Äh, nicht Top 10. Die 10er Liste muss ich nicht komplett vorlesen, aber es ist wirklich eine lustige Liste. A Guide to Film-Noir. Da hat Roger Ebert geschrieben. Also erstmal ist Film-Noir einfach nur ein französischer Begriff, der meint schwarzer Film. Oder ein Film der Nacht, der von der Serie Noir aus Frankreich inspiriert ist. Daher kommt übrigens der Serie Noir waren die Pulp-Romane in Frankreich. Daher kommt der Begriff Film-Noir. Ein Film, der dich zu keinem Zeitpunkt auch nur im Entferntesten irgendwie in die falsche Richtung führt, dass da ein Happy End sein könnte. Drehorte, die aus Nacht bestehen, aus Schatten, aus Hinterhöfen und aus wirklich merkwürdigen Plätzen. Mit einer hohen Rate an Taxifahrern und Barkeepern, die alles gesehen haben. Zigaretten. Überall Zigaretten. Jeder ist am Rauchen. Die beste Zigaretten-Szene ist, wenn Robert Mitchum und Kirk Douglas zusammen in diesem einen Film ganz viel rauchen und Mitchum in den Raum kommt und Douglas sagt, möchtest du eine Zigarette? Und er sagt, ich rauche schon Frauen, die dich jederzeit töten und im nächsten Moment lieben könnten. Oder umgekehrt. Und dann, okay, das lese ich jetzt nicht alles vor. Wunderbar, was sie alles für Kleidung drin haben. Fedoras, Suits and Ties, Chevy Residential Hotels, Alkis, Jockeys, ja. Entweder in schwarz und weiß gedreht oder sie fühlen sich so an, als ob sie es werden.
Johannes Franke: Ja, okay. Ja, ist schön. Also, es gibt, glaube ich, kaum ein Genre, in Anführungsstrichen, wenn wir das so sagen müssen. Ich würde es schon als Genre bezeichnen, aber kaum eins, das so wiedererkennbar ist und auf den ersten Blick so klar ist,
Florian Bayer: wie Film Noir. Glaube ich auch. Man erkennt Film Noir Filme einfach. Es ist ganz spannend, man assoziiert es eigentlich automatisch mit Amerika. Es gibt so ein paar, also ich finde die französischen Vertreter so aus der Nouvelle Vague und so kann man schon da irgendwie reinzählen. Und dann ist halt wirklich, Neonor ist einfach nochmal ein anderes Biest, finde ich. Also die Neonor Filme, ich kenne gar nicht so viele Film Noir Filme, aber die Neonor Filme, die ich kenne, gefallen mir alle besser als die klassischen Film Noirs, die ich gesehen habe. Was vielleicht an der Zeit liegt, dass Filme der 70er einfach für uns irgendwie leichter zu konsumieren sind als Filme der 40er. Was aber auch, glaube ich, daran liegt, dass die da einfach ein bisschen, ein bisschen ironischer und ein bisschen reflektierter mit den Themen umgegangen sind. Ich finde, Film Noirs sind, und das betrifft auch den Spur des Falkens, so als den Proto-Film, sind allein schon deswegen sehenswert, weil sie eine total tolle Ästhetik haben, weil die Bilder einfach cool sind. Und auch wirklich cool im Sinne von cool, das hat einfach Stil. Ja. Aber, das habe ich jetzt bei dem Film wieder festgestellt, es macht einfach Spaß, die Filme zu gucken. Und dazu gehört aber, sich so voll und ganz darauf einzulassen, wie albern, wie unrealistisch und wie Stereotyp die Geschichten sind und wie durchgeknallt das eigentlich ist, was da stattfindet. Und vor allem bizarres, durchgeknalltes Szenario und einen lakonischen Anti-Helden, der da einfach durchgeht, als ob nichts passieren würde.
Johannes Franke: Das Ding ist, bei Film Noir, der Film erzählt einem das nicht, dass der Film so durchgeknallt, also dass die Grundidee durchgeknallt ist. Der Film zieht das halt knallhart durch. Was es erstmal schwieriger macht, da reinzugehen und zu sagen, okay, ich gucke den Film jetzt als, also nicht ernsthaft, sondern einfach als lustige Spielerei.
Florian Bayer: Was es aber auch umso besser macht, dass dieser Film, dass gerade dieser Film, bleiben wir bei diesem Film, diese Attitüde hat, ich bin ein nüchterner, düsterer, cooler Film und ich bin realistisch. Ich kann nichts davon ernst nehmen. Und Realismus ist wirklich eine Eigenschaft, die dem Film noch zugeschrieben wird. Film noch sind realistische Krimis. Dunkle, düstere, realistische Krimis mit nihilistischem Anstrich. Oh mein Gott, was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir? Ich glaube, wir wurden rausgerissen. Aber wohin? Oh mein Gott, Johannes, ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo. Oh nein! Shit! Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Gespräch können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Johannes Franke: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind, also auf Spotify oder Apple oder sowas.
Florian Bayer: Beam, whatever,
Johannes Franke: was ihr auch benutzt. Also abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren sollen. Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer euer Podcatcher anbietet. Genau. Und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn oder sowas.
Florian Bayer: Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes-at-musmann-sehen.de oder florian-at-musmann-sehen.de. Genau. Schickt uns Filmvorschläge und so weiter. Boah, wir sind schnell durchgekommen.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: jetzt schnell raus, schnell wieder zurück ins Gespräch.
Johannes Franke: Der beste Satz des Films. Ja. Der letzte Satz. The stuff that dreams are made of.
Florian Bayer: Das ist der Pathos, der am Schluss noch reingehauen muss. Das erste Mal, dass Spade sowas zeigt, wie ein Bewusstsein für irgendwas Menschliches. Ja.
Johannes Franke: Irgendwie schon. Und ich find's toll, es ist nämlich der Satz, den Humphrey Bogart vorgeschlagen hat für den letzten Satz. Und zwar hat das paraphrasiert von Shakespeare natürlich. Natürlich. First of the Tempest. We are such stuff as dreams are made on and our little life is rounded with a sleep.
Florian Bayer: Wo sie auch nochmal so schön Gewicht auf diese Falken-Geschichte legen, die wirklich keine Bedeutung hat. Ja. Dieser Falke ist ein MacGuffin und der Film macht alles, um zu verhindern,
Johannes Franke: dass wir es als ein MacGuffin wahrnehmen. Wollen wir mal langsam in die Top 3 hinüber. Ich finde, du hast eine ganz tolle Top 3 hineingeworfen. hoffn.
Florian Bayer: äh... Top 3... Ich wollte gleich alles haben. Ich wollte den Hartest... Also immer nur eine Nennung reicht. Den Hartest Boiled Detective. Den Most Polite Super Villain und den Most Fatal Femme Fatal.
Johannes Franke: Okay. Ich bin sehr gespannt. Fangen wir an mit, ähm... In der Reihenfolge. Einfach in der Reihenfolge, die du gesagt hast. Du musst anfangen. Hartest Boiled Detective.
Florian Bayer: Ja, wer ist dein Hartest Boiled Detective? Jessica Jones. Jessica Jones. Oh, nice. Hast du Jessica Jones gesehen? Ja, hab ich gesehen. Ist schon länger her. Aber die war doch gar nicht Hartest Boiled. Die war doch ziemlich, ziemlich traumatisiert und ziemlich... Aber die hat trotzdem echt hart draufgehauen. Das stimmt. Sie hat hart draufgehauen. Aber sie hat Emotionen gekriegt, ne? Ja, das stimmt. Sie hat viele Emotionen gekriegt. Ja. Das ist ganz cool. Sie ist eigentlich so ein Hartest Boiled Detective, der sehr viele Emotionen kriegt.
Johannes Franke: Ja. Also ich fand's wirklich phänomenal gut. Und sie hat das wirklich sehr gut gespielt und hat wirklich die Toughness sehr, sehr gut rausgeholt. Natürlich würdest du heute, wie das eben in der Neuzeit gedreht wurde, würdest du nicht mehr davonkommen, wenn du einen Detective hättest, der nur Hart Boiled ist. Ja. Das funktioniert einfach. Du kannst keinen Bogart mehr heute machen. Das geht nicht. Nein, das ist eine Selbstparodie. Von Anfang an. Ja. Und deswegen finde ich sie wirklich in unserer Zeit einfach eine der besten Varianten für so einen Hart Boiled Detective.
Florian Bayer: Ja, cool. Was hast du denn? Mein Hart Boiled Detective kommt aus dem klassischen Film-Nor. Und zwar einer der letzten. Kiss Me Deadly, im Deutschen hieß der Rattennest, von Robert Aldrich. Und zwar Mike Hammer, den wir in davor, vor allem davor, in sehr, sehr vielen Detektivhilen gesehen haben. Mike Hammer gehört zu den, neben Philip Marlowe, zu den großen Staples des Film-Nor. Und Rattennest ist schon fast so eine Andeutung von Neonor, weil er diese Film-Nor-Klischees nimmt und nochmal ein bisschen überdreht und mit so einer ganz abgedrehten, surrealen Geschichte anreichert. Es geht nämlich um einen Koffer, der auch ein krasser McGuffin ist. Und am Schluss finden wir in diesem Koffer quasi das Ende der Welt. Was? Also ein bisschen übertrieben. Aber wir wissen nicht genau, was in dem Koffer ist, aber es sorgt für ein halbes Armageddon. Das ist etwas, was diesen Film besonders macht, dass dieser McGuffin einfach so eine apokalyptische Note kriegt. Aber auch die Figur des Mike Hammer ist in diesem Film deutlich krasser als in vorherigen Film-Nors, weil der einfach nochmal ein Stück mehr hartbeult ist, nochmal ein Stück mehr amoralig. Der haut deutlich mehr auf die Fresse. Der ist deutlich weniger intellektuell. Ich habe das Gefühl, in den Film-Nors, in den klassischen Film-Nors geht es oft darum, dass die Detektive auch sehr intelligent sind und auch so distinguiert, dass das auch wichtig ist. Dass die wissen, wie man sich verhält, wie man redet, die Öflichkeit und sowas kennen. Und dieser Mike Hammer kennt das alles nicht mehr. Der haut einfach nur noch drauf. Der läuft eigentlich die ganze Zeit durch den Film und verprügelt böse Jungs. Ja, Kiss Me Deadly, Mike Hammer. Wo passt da James Bond rein? James Bond ist britisch. Der hat damit nichts zu tun.
Johannes Franke: Das ist ganz wichtig. James Bond ist britisch. Das heißt, es gibt keine hard-boiled Detectives aus Großbritannien? Nein. Was? Gibt es nicht.
Florian Bayer: Das ist amerikanisch. Die Briten haben Sherlock Holmes. Lass den Amerikanern wenigstens den hard-boiled Detectives. Die haben nichts. Haben wir doch schon festgestellt. Selbst den Filmnorn mussten sie von den Franzosen,
Johannes Franke: sie mussten mit der Nase
Florian Bayer: draufgestupst werden, dass der Filmnorn was ist, womit sie sich brüsten können. Lass ihnen das wenigstens.
Johannes Franke: Ja, aber die haben doch auch die die die French New Wave oder was auch immer. Wie war das? Ja, wo gehört denn Bonnie und Clyde rein? Das war doch New Hollywood? New Hollywood. Die haben doch ihre eigene Ja, das war später dann. Richtung gehabt. Ja, Ende der 60er. Ja, ja, genau. Aber es ist nicht so, dass sie nichts haben. Ja.
Florian Bayer: Sie hatten Ende der 60er New Hollywood. Ja. Ja, das stimmt. Das gebe ich ihnen, ja. Ist ja auch schön, dass sie das hatten. Schön für sie, gut für euch. Good for you, America. Was ist denn dein
Johannes Franke: polite Supervillain? Mein most polite Supervillain ist Hans Lander.
Florian Bayer: Oh, ja.
Johannes Franke: Der, also wirklich, also es tut wirklich sehr weh. Ja. Hans Lander In Glorious Bastards. In Glorious Bastards von Christoph Waltz gespielt. Einer der krassesten bösartigen Figuren, wo ich im Kino gesessen habe und wirklich es nicht fassen konnte, wie gut Christoph Waltz diesen Typen spielt. Ja. Und natürlich setzen sie sich volle Kanne drauf und es ist fast schon ein bisschen comichaft, weil es total wirklich übertrieben ist. Aber er macht das einfach so gut. Es ist unglaublich.
Florian Bayer: Und da hat Tarantino natürlich auch gelernt von den klassischen B-Movie-Bösewichtern. Ja. Der ist natürlich dieser dieser wohlerzogene, höfliche und gleichzeitig extrem fiese Bösewicht ist natürlich auch irgendwie, steht natürlich auch irgendwie in der Tradition von Hollywood-Bösewichtern, die irgendwie auch im Film nur einsetzt oder von dem zumindest Film nur auch so ein Teil ist.
Johannes Franke: Ja, ist cool. Also ich finde es sehr, sehr spannend und ich bin gespannt, wo es hingeht, weil dieser besonders distinguierte und höfliche Bösewicht ist natürlich eine spannende, hat natürlich eine spannende, ist natürlich eine interessante Spannung innerhalb einer Figur. Ich weiß nicht, irgendwann wird es natürlich overplayed und irgendwann sagt dann der nächste Filmemacher, muss ich jetzt nicht auch nochmal machen und nochmal machen, aber wohin könnte es denn gehen?
Florian Bayer: Es wird ja eigentlich nie eingesetzt, um Ambivalenz oder Nuancen in der Figur zu erzeugen. Es wird einfach nur eingesetzt, um der Figur einen gewissen Stil zu geben. Also Hans Lander ist keine Figur, die irgendwie ambivalent rüberkommt. Nein, aber es wird dadurch umso perfider. Ja, genau. Das ist es eigentlich. Das ist ja eigentlich so ein Stilmittel. Der Bösewicht wird schlimmer, dadurch, dass er eben sehr höflich ist und sich zu artikulieren weiß. Und er wiegt in Sicherheit. Er wiegt in Sicherheit, bevor er dann losschießt. Und es ist natürlich auch dieses, es ist ein Männlichkeitsbild, was dahinter steht auch. So ein echter Kerl, der das nicht nötig ist, sich so zu verhalten, wie der super Bösewicht, der höflich ist. Wenn du Hans Lander nimmst und legst daneben unsere Protagonisten in dem Film, da haben wir Brad Pitt und Eli Roth, der mit dem Baseballschläger überall draufschlägt. Das sind unsere Helden, das sind die echten Kerle, die nur ihre Faust benutzen. Und unser Bösewicht ist der Akademiker, der sich für Kunst interessiert und der sehr nett ist. Weibig. Möglicherweise schwul. Das sind Gräueln-Klischees und Geschlechter-Klischees in Hollywood, die bis zum heutigen Tag da sind.
Johannes Franke: Ja gut, dass Quentin Tarantino den noch weiter nach vorne bringt, ist nun leider auch bekannt. Ja. Ach Mann. Na gut. Aber ein super, ich finde einfach auf jeden Fall ein großartiger Bösewicht. Ein Christoph Waltz natürlich. Fantastischer Schauspieler.
Florian Bayer: Mein Polite Willen ist Hannibal Lecter. Ja.
Johannes Franke: Aus der Schweigen der Lämmer.
Florian Bayer: An den habe ich auch gedacht. So ein netter Mensch und so ein kultivierter Mensch, der sich wirklich auskennt. Ja, die Szene mag ich übrigens nicht. Ich finde die Figur hat so viel Würde und verliert sie in diesem Moment ein bisschen, weil es zu albern ist. Und das ist Adlib, ne? Das ist Impro von Anthony Hopkins. Oh, okay. Weil, wenn ich mich richtig erinnere, es könnte sein, weil ich falsch liege, dass ich das falsch in Erinnerung habe. Doch, ich glaube schon. Es war, soweit ich weiß, im Triebuch nicht vorgesehen. Hopkins hat das gemacht und ich glaube sogar, er dachte, der Take ist zu Ende. Kann vielleicht auch sein, dass das nicht der Take ist, den wir dann gesehen haben. Ja. Und dass sie dann gesagt haben, oh, das machen wir, mach das weiter. Aber ich glaube, es wurde von Hopkins hinzugedichtet.
Johannes Franke: Mhm. Okay. Most Fatal Femme Fatale. Ja, bitte. Lady Macbeth. Oh. Welche Lady Macbeth? Die klassische? Die, die bei den Filmen, über den wir besprochen haben, im Spinnwebwald. Ah, ja. Da heißt sie nicht Lady Macbeth. Ja. Aber sie ist im Grunde Lady Macbeth, weil es ja eine Shakespeare-Verfilmung ist.
Florian Bayer: Ja, von Akira Kurosawa, der, genau, das Schloss im Spinnwebwald, die, ähm, die japanische Samurai-Verfilmung von, äh, von Shakespeare's Macbeth. Und es gibt so viele tolle Lady Macbeths in der Filmgeschichte, ne?
Johannes Franke: Mhm. Mhm. Und Lady Macbeth ist halt so eine sehr ambivalente Figur, die, die, die zugleich feministisch als auch antifeministisch gelesen wird, ja. In vielen Rezeptionen. Mit der es sich lohnt, sich auseinanderzusetzen. In den verschiedenen Formen, in der sie, in der sie inszeniert wurde, ist sie wirklich sehr, sehr interessant. Bei, ähm, im Spinnwebwald wird sie fast ein bisschen zu, kommt sie zu kurz, finde ich. Mhm. Sie könnte viel mehr bekommen, aber sie ist halt natürlich die Femme Fatale, diejenige, die tödlich wird, indem sie ihrem Mann eintrichtert, dass sie die, von dem der Mann noch nicht mal glaubt, dass sie Feinde sind, sie dann töten soll. Ja.
Florian Bayer: Es gibt die Macbeth-Verfilmung von den Cones, ne? Aus dem Jahr 2022, mit, äh, Frances McDormand als Lady Macbeth. Oh. Und die hab ich noch nicht gesehen. Ne, die hab ich noch nicht gesehen, die muss ich unbedingt noch gucken. Das sollten wir vielleicht mal tun. Gibt's bei Apple TV zu sehen. Okay. Und die letzte Macbeth-Verfilmung, die ich gesehen habe, war mit, Moment, jetzt muss ich kurz gucken. Lass mich raten. Von Kenneth Branagh? Ne. Nein, natürlich nicht. Ähm, von, ähm, Justin Kötzel. Und in diesem Film spielt Michael Fassbender, Macbeth.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und Marion Cotillard spielt Lady Macbeth. Und der war richtig gut.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Der war düster, gewaltig. Und das war so, wie ich mir einen Shakespeare-Film wünsche. Okay. So die, die große Tragweite, tragische Tragweite von, von Shakespeare verstanden. Okay. Und entsprechend in düstere Bilder gekleidet. Toller Film.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und, äh, Marion Cotillard war eine großartige Lady Macbeth auch. Hm. Okay.
Johannes Franke: Ja, jetzt top mal Lady Macbeth als Most Fatal
Florian Bayer: Femme verteilt. Jetzt komm ich mit was so zerkrassem um die, also, ich will nicht zu weit ausholen. Ja? Es gibt ein Genre im Horror-Kino der 60er und 70er Jahre. Oh Gott. Ein Subgenre. Oh Gott, oh Gott. Wollen wir ein Lexikon aufmachen? Nein, müssen wir nicht. Okay, wenn ich das Genre sage, versprich mir offen zu sein. Oh Gott. Es gibt gute Filme in diesem Genre. Das Subgenre wird für gewöhnlich Lesbian Vampire Movies genannt. Es gibt einen ganzen Haufen davon. Und es gibt sehr viel, die einfach schrotzen und exploitation. Es gibt aber ein paar gute. Und zu den guten gehört, ähm, Le Lèvre Rouge aus Belgien, aus dem Jahr 1971 von Harry Kümel. Und im deutschen Blut an den Lippen, Daughters of Darkness, im Englischen, glaube ich. Und es geht eben um eine Vampirin, die eine frisch verheiratete Frau verführt, um sie zur Vampirin zu machen. Das ist immer das Thema. Es geht immer darum, dass Vampirfrauen andere Frauen nicht nur zum Vampirismus, sondern viel schlimmer zur Homosexualität verführen. Erst nehmen sie unser Blut und dann nehmen sie uns den Sex. Das Spannende an diesem Film ist, dass das als Befreiungsakt auch erzählt wird. Ah, okay. Und dass es tatsächlich so feministische Untertöne gibt, einfach weil, ähm, naja, weil die aus einer schrecklichen Beziehung rettet wird. Aus einer schrecklich langweiligen Beziehung vor allem, aber aus einer schrecklichen Beziehung. Und das Tolle ist natürlich, wir haben hier eine sexy Vampirfrau, die sehr, sehr tödlich ist, weil sie einfach mal eine Vampirin ist. Meine Femme Fatale, sie heißt Elisabeth. Okay.
Johannes Franke: Nun gut. Dazu fällt dir nichts mehr ein. Nein, ich würde sagen, diese Top 3 habe ich gewonnen. Gehen wir zurück in den Film. Nur weil du was gegen Homosexuelle hast. die lesbische Beziehung, äh, exploitet.
Florian Bayer: Top 3. Wo waren wir? Äh, Maltys Falken. Kommen wir zu einem Urteil? Ich glaube, wir kommen zu einem Urteil, oder? Oh, echt? Schon? Nein? Doch. Doch? Nein. Ja.
Johannes Franke: Ja. Okay. Okay. Das Urteil.
Florian Bayer: Dein Urteil ist? Fantastisch. Nein, ich, ich habe es vorhin schon gesagt. Ich gucke diesen Film ironisch. Und ich finde auch, ich finde es immer interessant, wenn er so zum Klassiker erhoben wird. Weil es ist, es macht Spaß, diesen Film zu gucken. Ich gucke den von vorne bis hinten und ich habe Spaß an diesem Film. Aber ich merke halt, während ich ihn gucke, dass ich ihn ironisch gucke. Ich gucke den nicht ernst und sage, oh, da ist so eine tiefe Psychologisierung und so weiter. Weil, wenn man anfangen würde, diesen Film ernsthaft zu interpretieren, würde man auf ein ganz schreckliches Weltbild stoßen. Ja. Wenn man diesen Film ironisch schaut, hat man extrem viel Spaß mit gutem Schauspiel auf seine eigene Art. Ja. Mit tollen Sets, toller Beleuchtung und vor allem einer total irren Geschichte, die, wie Johannes schon gesagt hat, die ganze Zeit versucht zu verbergen, dass sie total irre ist. Und gleichzeitig flach. Das ist das Interessante. Irre und flach gleichzeitig. Das muss man auch erstmal hinkriegen. Das muss man erstmal hinkriegen, ja. Hat mir Spaß gemacht. Ich kann diesen Film nur empfehlen, aber man sollte ihn, glaube ich, mit einer gewissen ironischen Distanz gucken.
Johannes Franke: Ich verstehe den Stellenwert in der Geschichte des Films nicht so richtig. Ich verstehe, dass er grafisch Film-Noir-mäßig irgendwie Vorreiter ist oder Erfinder gar. Aber von der Geschichte her, ich muss dir ein Geständnis machen. Ich habe ihn zweimal angefangen. Ich habe nach 50 Minuten, ich habe durchgehalten bis 50 Minuten und danach habe ich gesagt, ich gehe jetzt ins Bett. Es wird nichts mehr mit uns. Ich versuche es morgen nochmal. Krass. Und dann habe ich ihn am nächsten Tag nochmal von vorne gestartet. Ja. Und zwar mit deutschen Untertiteln, weil ich das Gefühl hatte, der Film ist so konvolutet, dass ich einfach Sachen durcheinander bringe. Dass ich einfach denke, okay, das eine hat also mit dem anderen zu tun, obwohl es ein neues Thema ist oder weil es eine andere Baustelle ist oder ein anderes Szenario. Und dann hast du festgestellt,
Florian Bayer: dass selbst wenn du jedes einzelne Wort verstehst, was gesagt wird,
Johannes Franke: dass es immer noch konvolutet ist. Ich würde euch trotzdem empfehlen, das im Original zu gucken, aber eben mit Untertiteln. Guckt euch die Untertitel mit an, gerne auf Deutsch, ist mir egal, weil man hat schon ein bisschen eine Orientierung dann besser und dann, ja, kommt man nicht so ganz so schnell vom Pfad ab. Und dann kann man tatsächlich auch Spaß damit haben, weil ich habe wirklich am nächsten Tag habe ich da gesessen und habe gedacht, ja, ich glaube, ich finde den Film ganz unterhaltsam, viel unterhaltsamer als gestern. Gestern war ich einfach nur genervt. Und ich glaube, es liegt viel daran, dass einfach Film keinen Sinn macht. Und, was ich noch gar nicht gesagt habe, eigentlich sagt man immer Show, don't tell. In diesem Fall ist es Tell, don't show. Es wird so viel darüber geredet, wer was wie gemacht hat und was passiert ist, irgendwo mal passiert ist. Nein, warum guckt man den Leuten die ganze Zeit damit zu, wie sie sich erzählen, was passiert hätten, was wir hätten sehen können.
Florian Bayer: Es findest, ah, nee. Fragst du dich, warum er so kanonisiert werden konnte? Ich glaube, das liegt ganz banal daran, weil Nino Frank 1946 und dann schließlich Paul Schrader 1972 über ihn geschrieben haben und ihn hervorgehoben haben als den Einstieg in die Ära.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Und gleichzeitig kann man sich das, glaube ich, aber auch bei vielen anderen Filmnores fragen. Wie gesagt, also ich kenne, also das, was ich an Filmnores kenne und das ist nicht viel, ist alles schon halt so. Es sind Low-Budget-Filme, es sind einfache, komische Geschichten und es gibt Filme, die noch unfreiwilliger, komischer, unfreiwilliger, komischer sind.
Johannes Franke: Das Problem ist, er ist ja nicht nur kanonisiert. Er wird auch ganz, ganz viel sehr positiv besprochen.
Florian Bayer: Total, ja, ja. Er wird als das Meisterwerk des Filmnores auch angesehen, als den, nicht nur den Start der Epoche, sondern auch als einen Prototypen, der alles das hat, was ein guter Filmnore braucht. Aber haben die einen anderen Film gesehen als ich? Nein, das ist, glaube ich, einfach, ich glaube, es ist auch so ein, ich glaube, es hängt ganz stark mit Sehgewohnheiten zusammen. Wenn du viele Filmnores gesehen hast, dann kannst du den, glaube ich, auch nochmal mehr schätzen. Ja, okay. Wenn du so ein bisschen drin bist in dem Genre, ich glaube, es ist ähnlich wie bei Filmen, zum Beispiel, Martial-Arts-Filmen. Ich bin kein Martial-Arts-Fan und wenn ich einen Martial-Arts-Film sehe, denke ich, oh, der ist total albern. Wenn ich jetzt aber fünf Martial-Arts-Filme am Stück geguckt habe, dann kann ich den hervorheben, der wirklich gut ist und dann kann ich sogar sehen, was den besonders macht und habe so viel von dem Zeug gesehen, dass ich irgendwie eine andere Haltung zu dem Genre an und für sich habe. Also wenn du,
Johannes Franke: Macht das Sinn? Wenn du fünf rechtsdrehende Scheißerhaufen siehst und einen linksdrehenden, denkst du dir, oh, der ist aber besonders.
Florian Bayer: Naja, wenn einer von den Scheißerhaufen eine schöne Form hat, dann ja. Nein,
Johannes Franke: es ist ja auch so,
Florian Bayer: man gewöhnt sich an Stilmittel. Ja. Wenn das Sinn macht. Man gewöhnt sich an Stilmittel und an Erzählrhythmus und Erzählmuster und dann, es ist schon so ein bisschen auch sich einen Film schön saufen, ne? Mit anderen Filmen.
Johannes Franke: Okay, sagen wir so, sagen wir so, um es wieder ein bisschen positiver zu spinnen. Es ist ein Acquired Taste. Ja. Das ist wie mit Rauchen oder Whisky trinken. Und wir haben hier heute Whisky getrunken und ihn genossen.
Florian Bayer: Ja, stimmt.
Johannes Franke: Wie können wir? Also insofern, ich verstehe es irgendwie, dass man das Genre Film Noir, das auf eine ganz bestimmte Art und Weise, wie in diesem Film gemacht wird, irgendwie mögen kann, weil es ein bestimmtes Palpgefühl mitbringt, was ich auch verstehen kann, was ich irgendwie spannend finde. Aber man muss glaube ich tatsächlich, wie du sagst, das einfach als Acquired Taste, als ich muss mir mehrere Sachen davon angucken und reinkommen und verstehen und dann verschiedene Traits dieses Filmgenres kennenlernen
Florian Bayer: und lieben lernen. Ich glaube, ganz unabhängig davon würde ich in dem Fall auch einfach die historische Bedeutungskarte ziehen und sagen, eigentlich, wenn ihr euch mit Filmgeschichte beschäftigt, dann ist der Film Noir von den frühen 40ern bis in die späten 50er einfach ein wichtiger Teil der amerikanischen Filmgeschichte und dann sollte man, um so ein bisschen zu verstehen, was da passiert, sollte man glaube ich den ersten Prototypen gesehen haben. Das ist natürlich ein bisschen lame sozusagen, ey, guckt ihn euch an, weil er positiv rezipiert wurde, guckt euch das an, was kann und ist. Aber man kann danach ja immer noch sagen,
Johannes Franke: dass man das blöd findet. Ja und außerdem, versteht mich nicht falsch, ich finde ihn trotzdem sehr unterhaltsam über große Strecken. Halt nicht aus den richtigen Gründen vielleicht oder den Gründen, die der Filmemacher gerne gehabt hätte, aber das ist ja auch egal. Also insofern, wenn man ihn von der richtigen Perspektive sieht, ist er sehr unterhaltsam und hat viel zu bieten. Und wir können uns darauf einigen, dass er allein schon wegen Peter Lorre empfehlenswert ist. Ja, Peter Lorre ist einfach der Hammer. Das stimmt. Absolut. Und natürlich Prototyp Bogart. Wenn man irgendwie irgendeinen Film von Bogart guckt, das ist der ursprüngliche Blaupause. Super.
Florian Bayer: Johannes, vielen Dank für diese Zeitreise und schön, dass wir ein weiteres filmhistorisches Kapitel abgeschlossen haben.
Johannes Franke: Sehr schön. Wir können den Film Noah gerne immer wieder aufmachen, weil ich das doch interessant finde, auch wenn es seine Schwächen zu haben scheint. Aber irgendwie finde ich es cool.
Florian Bayer: Ich habe auch, ich habe ehrlich gesagt noch keinen traditionellen Film Noah ohne Schwächen gesehen. Ah, okay. Bis jetzt. Aber ich habe nicht viele gesehen, aber bis jetzt hat mich zum Beispiel auch diese Offerzählerstimme, das ist ja auch so. Ah, ja, ja. Dieses Telldown Show ist, glaube ich, oft beim Film Noah. Dann hast du halt, manchmal hast du auch einfach einen Detektiv, der im inneren Monolog die ganze Zeit über das Geschehen drüber quatscht. Das nervt auch. Und Brick fand ich ganz großartig. Ja, Brick ist Neonor. Ja. Da haben sie das alles so ein bisschen rausgebügelt. Ich finde die Neonors in den 70ern, die so im New Hollywood Bereich anfangen, die finde ich auch alle großartig. Es gibt ganz tolle Filme mit Philip Marlowe und Mike Hammer in den 70ern. Aber das sind dann die Konstruktionen. Es gibt von Robert Altman einen Film mit Philip Marlowe.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Von diesem klassischen Typen, der auch von Bogart verkörpert wurde. Ja. Wo der ihn einfach mal als Tollpatsch darstellt. Ganz großartig. Geil. Okay. Und auch, nicht als Parodie, aber schon mit ein bisschen komödiantischem Flair. Und eine Dekonstruktion irgendwie. Ja, aber es nimmt das einmal so auseinander, diesen Hardboy Detective, der ist halt plötzlich ein Tollpatsch, ein Idiot. Okay. Cool.
Johannes Franke: Ja, also es hat viel zu bieten. Schaut euch alles an und erzählt uns, was wir verpasst haben bis jetzt und was wir gucken sollen. Also gebt uns gerne Hausaufgaben. Wenn ihr wissen wollt,
Florian Bayer: was nächste Woche drankommt, bleibt dran. Johannes wird mir was aufgeben für nächste Woche. Ansonsten euch vielen Dank
Johannes Franke: fürs Zuhören. Und danke dir, Plur, für alles, was wir heute besprochen haben. Das war viel Pathos. Ja, ich bin ein bisschen erschlagen gerade noch von dem. Ja. An diesem Abend stellte ich fest,
Florian Bayer: dass es anders war, als ich gedacht hatte. Er hatte die ganze Zeit das Wissen besessen über den Film. Wie sollte ich damit umgehen? Ich wusste es nicht. Also ertränkte ich meinen Kummer. Du, Whisky. Ich zündete mir noch eine Zigarette an. Johannes Zigarette? Ähm, äh, Liebes Publikum, wir versuchen gerade unsere Episoden zu sortieren. Was uns nicht gelingt. Wir haben nämlich eine, ähm, Spoiler-Warnung, Indiana Jones-Retrospektive geplant, die Johannes vorgeschlagen hat. Und die wollten wir eigentlich matchen mit der Veröffentlichung von Teil 5. Damit das aber hinhaut, müssen wir ein bisschen hin und her jonglieren mit den Episoden und machen es deshalb so, dass ihr jetzt von mir eine Ankündigung hört. Ich weiß, ihr habt gerade eine Episode gehört, wo ein Film von mir vorgeschlagen wurde. Und ihr müsst nächste Woche nochmal einen Film gucken, der von mir vorgeschlagen wurde. Danach kriegt ihr aber drei Episoden von Johannes vorgeschlagen, nämlich Indiana Jones. Und Indiana Jones. Und Indiana Jones. Und danach noch einen. Ja, wir werden dann sämtliche Indiana Jones-Filme besprechen. Aber jetzt erstmal eine Ankündigung für nächste Woche. Haben wir schon aufgenommen. Hört sie euch an. Macht irgendein komisches Geräusch, Johannes. Was? Nicht mit dem Mund. Und läuft. Komm, lass uns Horror machen. Komm, lass uns Horror machen. Hast du gerade gesagt, komm, lass uns Horror machen. Lass uns Horror machen. Ich wollte dir schon immer mal einen Slasher geben. Und ich würde dir aber keinen von den klassischen Slashern geben, weil es da nicht so viele Gute gibt, sondern einen von der zweiten Welle beziehungsweise der, den, der die zweite Welle losgelöst hat an Slasher-Filmen in den 90er Jahren, Scream von Wes Craven, dem großen Regisseur. Wenn du schon sagst,
Johannes Franke: dass die erste Welle nicht so gut war, also da nicht so viele Gute gibt, Slasher-Filme, warum muss man das dann auch noch revivalen?
Florian Bayer: Weil es dann sehr viele, also es gab zwei richtig gute Slasher-Filme in der ersten Welle, das war Halloween und Nightmare on Elm Street und... Okay, aber Halloween, nee. Doch, auf jeden Fall. Halloween war... Halloween war ein super Film. Nightmare on Elm Street und Nightmare on Elm Street ist von Wes Craven, der so eine Zeit lang als der große Horror-Regisseur des amerikanischen Kinos galt, der viele interessante Horror-Filme gemacht hat, über den werden wir auf jeden Fall reden müssen und dann über Tropes des Slasher-Jones, über die sich Scream halt auch sehr viel lustig macht. Scream ist kein reiner Horror-Film, sondern auch Horror-Komödie und auch Metafilm. Aha. Und ich bin sehr gespannt, was du davon hältst. Ich kann mir vorstellen, dass du den Comedy-Aspekten was abgewinnen kannst und vielleicht wird es für dich auch ganz witzig, dich mal so ein bisschen in das Slasher-Genre reinzunörden und ich glaube, Scream ist so ein guter Einstiegspunkt dafür.
Johannes Franke: Aha. Also, ich und reinnerden und Slasher in einem Satz sind Sachen, die nicht funktionieren. Du hast Scream nicht gesehen, ne? Nein, ich habe keine Ahnung. Hast du überhaupt mal einen Slasher-Film gesehen? Ich glaube mal einen ganz billigen, in dem eine nicht benannte Person mitgespielt hat, wovon du redest, ja. Ein Deutscher, ne? Ja, ich glaube, es war ein Deutscher. Okay. Aber das war einfach schon nur schlecht, ne? Ja.
Florian Bayer: Also, insofern, es ist ein ... Du kriegst mit Scream einen schönen Einstieg ins Genre und wahrscheinlich einen seiner besten Filme. Und das hat auch schon bei ... Ich habe es geschafft, dir schon Wuxia-Filme mit Tiger and Dragon, der ja auch so eine zweite Welle ausgelöst hat, schmackhaft zu machen. Ja. Und vielleicht sagst du, okay, ja, es ist nicht mein Genre, aber ich hatte trotzdem Freude daran. Ich bin gespannt. Lassen wir uns überraschen. Es ist kein komplizierter, kein schwerer Film, aber er trägt natürlich sehr viel filmhistorischen Background mit sich rum. Okay, aber es ist kein akademischer Film? Überhaupt nicht. Nein, es ist ... Du wirst auch Anleihen finden an die Teenie-Komödien der 90er-Jahre. Ja. Es ist so ein bisschen American Pie mit einem Killer, der rumläuft. Fuck, nein, wirklich? Nein. Nein, es ist nichts. Nein, es ist überhaupt nicht. Das ist eine total falsche Bezeichnung. Es tut mir leid für ... Wes Craven tut mir leid und liebe Slasher-Film-Fans, es tut mir leid. Scream ist ein toller Film. Ich bin sehr gespannt, was du davon hältst. Das ist das mit der Maske. Genau, die Maske. Ah, ja. Der Sensemann.
Johannes Franke: Diese komische Maske. Gut, okay, ja, sehr schön. Da gab es ja auch noch weitere Parodien von, oder? Ja, ja, genau. Da kommt man ja dann doch nicht drum.
Florian Bayer: Und der hat eine riesige Welle ausgelöst. Dann gab es ... Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast. Und Urban Legends. Es gab auch einen deutschen Vertreter, der hieß Anatomie mit Franka Potente. Ah, aber daran erinnere ich mich, glaube ich. Und da wurde noch mal sehr viel drüber geredet, über diese Tropes wie Final Girl. Dass eine Virgin sein muss. Ja, ja, genau. Und ähnliche Sachen.
Johannes Franke: Okay, gut. Dann können wir uns darüber wieder auslassen, weil das klingt sofort nach sexistischem Scheiß. Okay, sehr schön.
Florian Bayer: Wunderbar. Wir sehen uns, wir hören uns nächste Woche. Euch eine schöne Woche und bis dahin. Bis dahin. Ciao.
