Episode 35: Doctor Sleeps Erwachen, I’m Thinking of Ending Things
Der Urlaub hat uns gezwungen, für diese Episode einen etwas anderen Weg bei der Filmauswahl zu gehen. Was finden wir denn auf Netflix, was wir auch bequem im Zug / am Strand / im nirgendwo schauen können? war dabei die alles entscheidende Frage. Unsere Wahl fiel auf eine junge Stephen King Verfilmung, Doctor Sleeps Erwachen, die zugleich auch die Fortsetzung von Stanley Kubricks Horrorklassiker Shining ist. Und unsere Wahl fiel auf I’m Thinking of Ending Things, die jüngste Geburt aus Charlie Kaufmans verschrobenem Verstand.
In der Top 3 geht es passend um die coolsten Menschenfresser der Filmgeschichte und die besten Schlussmachfilme.
Doctor Sleeps Erwachen [Mike Flanagan]
(USA 2019)
Schön, schon wieder ein Horrorfilm, und dazu noch – trotz seines jungen Alters – ein ganz klassischer. Doctor Sleeps Erwachen von Mike Flanagan aus dem Jahr 2019 ist die Verfilmung von Stephen Kings gleichnamigem Roman aus dem Jahr 2013… Oder? Oder ist er vielleicht doch die Fortsetzung von Stanley Kubricks Horror-Meisterwerk The Shining aus dem Jahr 1980? Darüber wird auf jeden Fall zu reden sein.
Fest steht, wie in der literarischen Vorlage begegnen wir hier wieder Danny Torrance, der die damaligen Ereignisse im Overlook-Hotel, als aus seinem alkoholabhängigen Vater mit der Hilfe diverser Geister ein eiskalter Mörder wurde, nicht so wirklich gut verarbeitet. Um den Erinnerungen zu entgehen, hat er seinen Körper jahrelang mit Alkohol betäubt, sein Shining – die Fähigkeit Dinge auf übernatürliche Weise wahrzunehmen – versteckt er so gut es geht vor der Außenwelt und vor allem sich selbst.
Doch plötzlich wird er herausgefordert seinen Cocon zu verlassen. Eine Gruppe mörderischer Blutsauger hat es auf Menschen abgesehen, die ähnliche Kräfte wie er haben. Ihr neuestes Ziel ist die jugendliche Abra, seine telepathische Brieffreundin. Danny muss sich den Geistern der Vergangenheit und der Bedrohung der Gegenwart stellen.
Johannes, mittlerweile dürften alle Zuhörer*Innen wissen, dass du kein Freund von Horrorfilmen bist. So weit ich mich erinnere, bist du auch kein ausgesprochener Stephen-King-Fan. Konntest du diesem Film trotzdem was abgewinnen?
I’m Thinking of Ending Things [Charlie Kaufman]
(USA 2020)
Gerade Mal 6 Wochen ist die Beziehung von Jake und der jungen Frau mit den vielen Namen alt. Und doch scheint sie schon zu wissen worauf all das hinausläuft und denkt darüber nach die Beziehung zu beenden: „Thinking of ending things“. Wir hören immer wieder ihre Gedanken, aus denen sie von Jake gerissen und in die Wirklichkeit zurück geholt wird. Oder… ist es die Wirklichkeit? Die Geschichte wird streckenweise so surreal erzählt, dass man sich nicht sicher ist, was real und was in ihrem oder seinem Kopf passiert.
Die Romanvorlage des Films beantwortet diese Frage eindeutiger. Es scheint sein Kopf zu sein, der sich erinnert. Ein alter Hausmeister in einer Schule, in der jedes Jahr das gleiche Musical „Oklahoma!“ aufgeführt wird. In diesem Licht, des sich erinnernden alten Hausmeisters, wird der Satz „Thinking of ending things“ vielleicht eher zum Suizid-Gedanken?
Fragen die der Film eigentlich gar nicht offen stellt und schon gar nicht beantwortet. Er zeigt nur. Situationen. Zukunftsvisionen. Vergangenheitsbewältigung. Erinnerungslücken.
Die Frage ist: sollen wir das ganze überhaupt verstehen? Was meinst du Plor?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 35: Doctor Sleeps Erwachen, I’m Thinking of Ending Things Publishing Date: 2021-09-02T13:33:14+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/09/02/episode-35-doctor-sleeps-erwachen-im-thinking-of-ending-things/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast?
Johannes Franke: Nein, eigentlich nicht, aber ich...
Florian Bayer: Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können.
Johannes Franke: Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee.
Florian Bayer: Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeige dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest.
Florian Bayer: Das heißt so... Musicals aus den 50ern.
Johannes Franke: Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme.
Florian Bayer: Mit russischen Untertiteln. Von mir. Für dich.
Johannes Franke: Oh Gott, okay.
Florian Bayer: Aber du weißt, dass das für Menge Streit sorgen kann.
Johannes Franke: Definitiv.
Florian Bayer: Das wird lustig. Heute mit dir der I'm Thinking of Ending Things Trailer ist noch irreleitender.
Johannes Franke: Ach so, Scheiße. So, läuft, Plur.
Florian Bayer: Herzlich willkommen.
Johannes Franke: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Muss man sehen Podcast.
Florian Bayer: Johannes wollte unbedingt den Tee einschenken. während wir on sind. Deswegen muss er das jetzt ganz dringend machen, weil ich brauche unbedingt einen Schluck Tee.
Johannes Franke: Kannst du die Tasse vor das Mikro halten?
Florian Bayer: Na klar. Also, der muss man sehen, Podcast, wo wir über Filme reden. Und zwar jeweils zwei Filme. die wir jeweils dem anderen aufs Auge gedrückt haben.
Johannes Franke: Ja, um den Horizont des anderen zu erweitern, um das Konzept nochmal zu erklären nach 32, 33, 34. Wie 34?
Florian Bayer: Ja, irgendwas zwischen 30 und 40 sind wir. Und das Konzept, das wir in dieser Episode gar nicht haben, denn wir haben zwei Filme, die wir ganz schnell und hektisch vor unserem Urlaub rausgesucht haben.
Johannes Franke: Flo, ich hoffe, du bist so entspannt, wie du aussiehst.
Florian Bayer: Ich bin voll entspannt. Also ich hatte einen wunderschönen Urlaub an der Nordsee und ich hoffe, du hattest einen wunderschönen Urlaub an der entgegenliegenden See.
Johannes Franke: Ostsee, ja. Du warst an der richtigen See.
Florian Bayer: Ich war am Meer, du warst am See.
Johannes Franke: Ja, aber es war sehr schön, wie ich das jedes Jahr mache. Auf Rügen. Ich hatte nicht viel Zeit, die Filme zu gucken. Ich habe das tatsächlich nicht im Zug gemacht, wie ich eigentlich vorhatte. Sondern ich habe es gestern Abend beide Filme hintereinander geguckt.
Florian Bayer: Nicht kurz die Filme, beide nicht.
Johannes Franke: Und sie sind beide auch keine leicht zu konsumierenden Filme.
Florian Bayer: Hattest du Albträume davon?
Johannes Franke: Nein, ich hatte keine Albträume davon. Aber es ist ... Es war schon beeindruckend, muss ich sagen, auch das Gesamterlebnis, beide Filme hintereinander zu gucken.
Florian Bayer: Ein Film von beiden hat mich tatsächlich in meine Träume verfolgt. Was allerdings nicht unbedingt für die Qualität von einem Film spricht. Das passiert einfach manchmal. Ich habe wirklich schon schlechte Filme gesehen. Aus dem Bereich Horror, wo trotzdem so zwei, drei Bilder drin waren, die mich in die Träume verfolgt haben. Und um das gleich zu sagen, der Film, der mich in meine Träume verfolgt hat, war der Film, den ich vorgeschlagen habe, Dr. Sleeps Erwachen. Den habe ich im Zug geguckt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und hab dann, im Zug ist es natürlich so mit kleinem Display, aber immerhin Kopfhörer. Okay. es aber trotzdem so, dass es nicht den Kinoeffekt hat. Und deswegen habe ich gar nicht damit gerechnet, aber ich habe nachts davon geträumt. Es ist auch ein Horrorfilm, es ist eine Stephen-King-Verfilmung. Und ich hatte ihn vorher nicht gesehen.
Johannes Franke: Wow. I'm Thinking of Ending Things ist auch schwer... dazu angetan, in Träume zu verfolgen. Dafür ist er zu, wie sage ich das, ähm ... Das ist ja kein Horrorfilm, sondern der hat so... Dr. Sleep wäre quasi ein We-All-Live-In-A-Yale-Submarine. wo man dann nochmal so den Refrain mitsingen kann.
Florian Bayer: I'm thinking of ending things as revolution. Nein? Was? Nein? In einem Thinking of Ending Things ist Johannes' Vorschlag gewesen, was ganz witzig ist, weil ich den Film schon kannte und Johannes nicht. Aber du wusstest, dass es ein Charlie Kaufman-Film ist, ne?
Johannes Franke: Nein, ich habe nicht daran gedacht. Es ist mir überhaupt nicht, ich habe die ganze Zeit völlig unwissend davor gesessen und habe dann festgestellt, ach du Scheiße, was habe ich mir denn da ausgesucht? Warum mache ich sowas? Warum warte ich nicht, bis Plur mit sowas um die Ecke kommt?
Florian Bayer: Und über beide Filme werden wir bestimmt mehr als genug zu reden haben in den nächsten 2 Stunden 59 Stunden. Minuten und 33 Sekunden.
Johannes Franke: Oh, jetzt bin ich gespannt. Wenn wir kürzer sind, dann werden wir den Rest auffüllen mit Stille.
Florian Bayer: Mit irgendwelchen Störgeräuschen.
Johannes Franke: Wir machen unser eigenes Revolution-Lied. Okay.
Florian Bayer: Und wir legen los mit Dr. Sleep, haben wir gesagt.
Johannes Franke: Ja, Dr. Sleep. Dann sind wir schläfrig am Ende.
Florian Bayer: Genau. Wir stürzen uns auf klassischen Horror und ich mache einfach mal die Einleitung.
Johannes Franke: Erzähl mal, worum geht's?
Florian Bayer: Schön, schon wieder ein Horrorfilm. Und dazu noch trotz seines jungen Alters ein ganz klassischer. Dr. Sleeps Erwachen von Mike Flanagan aus dem Jahr 2019 ist die Verfilmung von Stephen Kings gleichnamigem Roman aus dem Jahr 2013. Oder? Oder ist dir vielleicht doch die Fortsetzung von Stanley Kubricks Horrormeisterwerk The Shining aus dem Jahr 1980? Darüber wird auf jeden Fall zu reden sein. Fest steht, wie in der literarischen Vorlage, begegnen wir hier wieder Danny Torrance. der die damaligen Ereignisse im Overlook-Hortel als aus seinem alkoholabhängigen Vater mit der Hilfe diverser Geister ein eiskalter Mörder wurde, nicht so wirklich gut verarbeitet hat. Um den Erinnerungen zu entgehen, hat er seinen Körper jahrelang mit Alkohol betäubt. Sein Shining, also die Fähigkeit, Dinge auf übernatürliche Weise wahrzunehmen, versteckt er so gut es geht vor der Außenwelt und vor allem vor sich selbst. Doch plötzlich wird er herausgefordert, seinen Kokon zu verlassen. Eine Gruppe mörderischer Blutsauger hat es auf Menschen abgesehen, die ähnliche Kräfte wie er haben. Ihr neuestes Ziel ist die jugendliche Abra, seine telepathische Brieffreundin. Denn ihm muss sich den Geistern der Vergangenheit und der Bedrohung der Gegenwart stellen. Johannes Mittlerweile dürften alle ZuhörerInnen wissen, dass du kein Freund von Horrorfilmen bist. Und soweit ich mich erinnere, bist du auch kein ausgesprochener Stephen King Fan. Konntest du diesem Film trotzdem was abgewinnen?
Johannes Franke: Ich möchte beides relativieren. Ich habe selber einen Gruselfilm gedreht. Aber vor allem, weil mich interessiert hat, wie dieses Genre funktioniert. Weil ich vorher immer davor saß und dachte... Hä? Warum will sich jemand einen Horrorfilm anschauen? Was soll das? Und seit ich diesen gedreht habe, habe ich doch ab und zu mal einen Horrorfilm geguckt. Auch ab und zu mit Vergnügen. Aber immer... mit der Maßgabe von The Shining. Weil The Shining für mich alles das mitbringt, was ein Horrorfilm muss. Vor allem, dass der Horror... nur in deinem Kopf stattfindet, also nicht nur, aber vorrangig in deinem Kopf stattfindet, dass alles das angesprochen wird, was eben... Horror im eigenen Leben, sich im eigenen Leben befindet. Wie zum Beispiel eben beim Overlock Hotel, da ist dieses klaustrophobische, dieses obwohl es ein riesiges Hotel ist, dieses Eingesperrtsein. Und dieses Thema macht dieser Film, der neue Film ja gar nicht auf. Der macht ja eher das Thema auf, dass es ein Spukhaus war. Und das war gar nicht für mich das Wesentliche des Films The Shining. Aber gut, okay, natürlich, es ist ein Spukhaus, absolut. Granted, komme ich auch mit hin. Und tatsächlich schafft der Film es auch, mich lang genug vorzubereiten, sodass ich mich über das, was dann passiert, im Overlock Hotel tatsächlich freuen kann.
Florian Bayer: Also die letzten 20, 30 Minuten sind Overlook Hotel ungefähr?
Johannes Franke: Genau. Und wenn er das andersrum gemacht hätte, wie der Trailer... Wir haben uns kurz vorhin nochmal den Trailer angeschaut. Und der Trailer besteht fast nur aus Auferno-Quartell, hab ich so das Gefühl. um eben die Fans abzugreifen, was ein großer Fehler ist.
Florian Bayer: Zweieinhalb Stunden dauert der Film und die letzten 20, 30 Minuten sind Overlook ungefähr.
Johannes Franke: Ja. Und die hatte sich aber im ersten Teil wirklich verdient, finde ich. Wenn er es andersrum gemacht hätte, hätte ich ihn sofort wieder ausmachen wollen. Ja. Aber er hat es richtig clever und gut gemacht.
Florian Bayer: Ja, was ist er denn jetzt? Hast du ihn wahrgenommen als Fortsetzung von Kubrick's Shining? Oder hast du ihn doch als Stephen-King-Verfilmung wahrgenommen? Weil ich glaube, es gibt wirklich, obwohl Kubrick's Scheining eine Stephen-King-Verfilmung ist, gibt es einen sehr radikalen Unterschied zwischen den beiden, weil Kubrick's Shining ist alles andere als ein gewöhnlicher Stephen-King-Film. Und Ich habe als Jugendlicher sehr gerne Stephen King gelesen und mein Take auf Stephen King Verfilmung war immer so, dass 90 Prozent dafür für den Popo ist. 90 Prozent davon für den Popo ist.
Johannes Franke: Wo würdest du denn The Shining dann einsortieren?
Florian Bayer: The Shining gehört definitiv zu den besseren Stephen-King-Verfilmungen. The Shining. Nicht Dr. Sleep. The Shining ist ein Meisterwerk. The Shining ist die beste Stephen-King-Verfilmung, die es gibt. So, no contest. Und zwar mit Abstand. Und das ist ja der einzige Film, zu dem Stephen King gesagt hat ... Oh mein Gott, Stanley, was hast du aus meinem Buch gemacht? Und als ich das rausgefunden habe, war Stephen King für mich völlig abgeschrieben. Was ich auch nachvollziehen kann, weil, also ich habe das Buch gelesen und ich weiß nicht mehr, ob ich zuerst das Buch gelesen oder den Film geguckt habe.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Keine Ahnung, nicht sicher, aber das Buch unterscheidet sich tatsächlich radikal vom Film. Und Stephen King... Wollte definitiv was anderes erzählen als Stanley Kubrick.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Das ist so von vorne bis hinten klar. Und ich kann auch verstehen, dass Stephen King sehr wütend auf Kubrick war, weil Stephen King ... selbst eine Alkoholismus-Karriere hinter sich hat. Und Stephen King hat sich in The Shining ganz stark mit unter anderem damit auseinandergesetzt, was Alkoholismus aus einem machen kann. Und in Stephen Kings Vorlage The Shining ist unser Protagonist Jack Torrance, der im Film dann von Jack Nicholson gespielt wird. Ein alkoholabhängiger Vater ... Der aber seine Familie liebt. Und der weiß, dass Alkohol wirklich schlimme Dinge mit ihm macht. Und dass er da auch seiner Familie schlimme Dinge angetan hat. Er hat seinen Sohn geschlagen. Mhm. Das wird im Buch, glaube ich, genauso konkret angedeutet wie im Film. Und er will aber eigentlich ein guter Vater und ein guter Mensch sein. Und er ist auch eine Zeit lang trocken und er versucht, das wirklich auf die Reihe zu kriegen. Während der Jack Torrance in The Shining von Anfang an eine dubiose, unangenehme Person ist, die eigentlich ständig von der Familie genervt und gelangweilt wirkt und denen man schon immer so ein bisschen die Axt in der Hand ansieht, zumindest in Gedanken. Und das Buch endet auch damit, dass der Vater, der schließlich von diesen Geistern des Hotels besessen ist, sich ganz am Schluss hier ruhig opfert.
Johannes Franke: Das Overlock Hotel wird gesprengt?
Florian Bayer: Er sprengt das Overlock Hotel. Er ist es, der am Schluss nochmal seinen Sohn anguckt und sagt, ich liebe dich, mein Sohn. Das sind tatsächlich seine letzten Worte. kurz nachdem er versucht hat, ihn umzubringen und er merkt, dass diese Geister, diese Monster ihn einfach dazu zwingen, seinen Sohn umzubringen und um das zu verhindern, sprengt er sich selbst mit dem Hotel in die Luft. Während im Film ist es, da gibt es keine Liebe. Im Film ist es ganz klar so, Jack Nicholson als der dann komplett durchgedrehte Vater... von dem nicht nur die Geister Besitz ergriffen haben, sondern der auch seinem eigenen Wahnsinn einfach erlegen ist, jagt seinen Sohn. Hinaus in das Schneelabyrinth, wo er dann schließlich erfriert und am nächsten Morgen seine Leiche liegt. Liegt es gut? Ja. Und das ist auch tatsächlich das, was King zu der Verfilmung gesagt hat. Er hat vor allem kritisiert, dass der Film kein... Das war ganz schön. Das war Kings Hauptkritikpunkt an Kubrick, dass es Kubrick nicht um diese Familiengeschichte geht und vor allem nicht um diese emotionale ... Involvierung, sondern dass Kubrick halt so sehr kalt erzählt und sehr bizarr.
Johannes Franke: Das stimmt.
Florian Bayer: King hat auch den Vergleich mit einem Cadillac angebracht, der wunderschön aussieht, wie eine Skulptur, aber eben einfach keinen Motor hat. Und er hat halt gesagt, Kubrick hat den eigentlichen Sinn, den eigentlichen Gehalt meiner Geschichte... entfernt, indem er diese Art von Shining gedreht hat. Und in meiner Geschichte ging es um eine Familie. Und die Probleme dieser Familie ... Aber es ging eben darum, dass der Vater Jack Torrance seinen Sohn auf jeden Fall, egal was passiert, liebt. Und dass er sich deswegen opfert. Und da hat er noch tatsächlich gesagt, ja, bei mir explodiert das Hotel.
Johannes Franke: Das heißt, im Grunde versucht jetzt der neue Film, das wieder gut zu machen? Ja. Indem einfach Danny dann das Hotel sprengt. Also sprengt, niederbrennt.
Florian Bayer: Und das ist auch tatsächlich ... Das ist ein ganz wesentlicher Punkt von diesem Film. Dieser Film ist definitiv eine Verfilmung von Stephen Kings Roman. Weil es gibt die Vorlage davon, Dr. Sleep. Und der Film ist gleichzeitig eine Fortsetzung von Kubrick's Shining. Und er balanciert die ganze Zeit Auf diesem schmalen Pfad. Und der Regisseur Mike Flanagan King das gepitcht und hat gesagt, hey, ich will Dr. Sleep verfilmen. Er hat vorher schon das Spiel verfilmt von King und deswegen mochte King ihn auch.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dann hat er gesagt, aber, hör mal zu, das Overlook Hotel von Kubrick ist so ikonisch geworden, wir können darauf nicht verzichten. Das heißt, ich will was Visuelles betrifft und auch was die Vorgeschichte betrifft, will ich nichts mit... deinem Roman zu tun haben, und das hat er bestimmt nicht gesagt, aber er hat bestimmt gedacht, erst recht nicht, das ist mit der Fernsehverfilmung die du selbst in Auftrag gegeben hast in den 90ern, weil du so unglücklich warst mit dem Kubrick-Film, die ist richtig, richtig, richtig schlecht.
Johannes Franke: Echt? Hast du sie gesehen?
Florian Bayer: Ja. Ich habe nicht ganz geguckt. Ich habe es ausmachen müssen. Es ist so schlecht. Echt? Es ist faszinierend. Und das ist auch so ein bisschen das Problem von King-Verfilmungen. Je mehr King involviert ist in seine Verfilmungen, umso schlechter werden die. Stephen King hat Kein Gespür für Filme. Nicht das geringste.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Stephen King Filme. Es gibt auch einen Film, bei dem er, glaube ich, sogar Regie geführt hat. Was? Wo die Trucks Amok laufen. Ich glaube, da hat er auch Regie geführt. Je stärker der Segen von King auf dem Film ist, umso schlechter ist er. Je stärker das Mitspracherecht von King ist, umso schlechter ist der Film.
Johannes Franke: Oh Gott.
Florian Bayer: Naja, auf jeden Fall hat King dann erstmal gesagt, nee, bloß nicht. Du kannst hier nicht Stanley reinbringen. Stanley ist der Feind. Dann hat Flanagan ihm aber Bilder gezeigt, wie er sich das vorstellt und erzählt, wie er sich das vorstellt mit dem Overlook-Hotel. Das übrigens genau in der Romanvorlage Dr. Sleep existiert das Overlook Hotel natürlich nicht mehr, weil es gesprengt wurde in dem Vorgänger. Und hat ihm das vorgestellt. Und dann hat King gesagt, na gut, okay. Ich glaube aber ... Da ging dann zusätzlich noch, was nicht öffentlich gesagt wurde, ging es auch noch darum, dass er gesagt hat, okay, aber keine Sorge, ich mache da keinen Kubrick-Film draus, ich mache da einen Stephen-King-Film draus. Und wir dürfen das Hotel am Schluss so emotional in die Luft bringen, wie du das wolltest im Buch.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und so nehme ich auch diesen Film wahr. Dieser Film ist für mich so ein bisschen eine Rache an Stanley Kubrick. Und eine Kingifizierung von dem Shining von The Public. Weil es ist von seiner Erzählweise... Und von seiner Atmosphäre ist es ganz weit weg von Kubrick, finde ich. Abgesehen von den paar Referenzen, die es gibt auf visueller Ebene.
Johannes Franke: Die Referenzen sind drin. Musik ist drin. Es ist alles schon ziemlich Fanservice drin.
Florian Bayer: Es ist Fanservice drin, aber sie haben halt so die Musik dahin gepackt. Und zum Beispiel gibt es dann, sie fahren zum Overlook Hotel ganz am Schluss. Und dann gibt es diese ikonischen Aufnahmen. Aber sie ziehen es nicht durch. Ich hatte gedacht, wenn ihr es wirklich machen wollt, macht es echt. Gebt uns jetzt das 5-Minuten-Intro. Lasst die 5 Minuten zum Overlook-Hotel fahren. Baut Spannung auf. Und das haben sie halt nicht gemacht.
Johannes Franke: Ich fand es aber trotzdem schön. Also mich hat es in dem Moment dann schon gegriffen, weil sie sich genug vorher damit beschäftigt haben, den Leuten... genug eigene Storys und so weiter zu geben. Ich bin sozusagen in der Geschichte schon drin und habe dann erst... das Zitat und komme damit super klar. Und ich brauche keine fünf Minuten Spannungsaufbau. Ich fand es sehr, sehr schön. Ich habe mich dann sehr gefreut. Ich habe wirklich so wie so ein kleiner Junge da gesessen. Guck mal, guck mal, ich fahrt über den See und da, das ist die Luftaufnahme.
Florian Bayer: Ich dachte auch, natürlich kommt das jetzt. Aber ich war wirklich enttäuscht darüber, dass sie es nicht durchgezogen haben. Ich wollte mehr davon sehen. Ich wollte, dass sie das... knallhart durchziehen, dass wir jetzt einmal das Shining-Intro komplett nachgestellt kriegen. Und dann auch so andere Sachen, sie ... zeigen Szenen aus dem Kubrick-Shining, sie drehen die nach. Es gibt mehrere Szenen, die nachgestellt sind und sie haben ... Auch diese ziehen kingifiziert. Zum Beispiel sowohl Danny als Kind, als auch Wendy, seine Mutter.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: sind nicht diese bizarren Figuren, die The Shining bevölkern. Bei The Shining war das so spannend, weil sie irgendwie immer so ein bisschen drüber war. Sie hatte irgendwie so ... Na, um... exaltierte, nervöse Art und im Gegensatz dazu Danny, der komplett in sich gekehrt war und kaum Interaktion mit Menschen gezeigt hat. Das war irgendwie von Anfang an war diese Familienkonstellation bizarr. Und das wird hier in diesen Rückblenden aufgebrochen, in dem die Wendy, die gezeigt wird, die Mutter ist plötzlich viel lebenswerter, kümmert sich viel mehr um ihren Sohn.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Danny bekommt als Kind sogar einen Augenzwinkermoment, wenn er ins Bad geht mit seiner Box, in der er das erste Monster einsperrt. Mhm. das ihn verfolgt hat. Das ist das, womit der Film startet. Wir sehen Danny als Kind, der ... der von den Monstern vom Overlook-Hotel verfolgt wird und dann schließlich von seinem Geisterfreund Dick der im Overlook Hotel gestorben ist, den Hinweis kriegt, sperr sie doch ein. Und dann nimmt er sich so gedanklich eine Box ... Und dann geht er ins Bad und das ist wirklich so ein augenzwinkender Moment, wenn er ins Bad geht, mit dem Monster, ganz bewusst zu dem Monster ins Bad geht, die Tür zumacht. Wir wissen, jetzt wird dieses Monster weggesperrt.
Johannes Franke: Genau. Und dann kommt er wieder raus, sie fragt, ist alles in Ordnung? Und er sagt, jo. Ja, das ist so ein Drehbuch-Check. Der Professor schreibt drunter, sehr schön, Regel 1 gut angewandt. Das passiert in dem Film öfter mal, dass ich das Gefühl habe, da würde der jetzt Professor drunter schreiben. Schön, gut ausgeführt, vielleicht ein bisschen unkreativ, aber sehr gute Umsetzung. der Regeln.
Florian Bayer: Das zieht sich für mich durch den Film. Also im Vergleich zu Shining ist dagegen ein progressiver Film oder ein Post-Horrorfilm. Es ist ein sehr klassischer Horrorfilm. Er hat die Jumpscares.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Er hat die Monster sehr präsent. Also die Monster auch als physische Bedrohung.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Er spielt natürlich schon so ein bisschen mit den Referenzen. Das, was funktioniert, entlehnt er sich halt so ein bisschen aus ... aus The Shining, also diese Figuren, die nachher im Overlook Hotel rumlaufen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Ansonsten ist es ein sehr klassischer Horror mit Protagonistinnen, Antagonistinnen und Jagd und Geschichten, die miteinander verzweigt werden. Ja, es ist eine gehobene Stephen-King-Verfilmung, aber die sich eben, wie man das dann von einer gehobenen Stephen-King-Verfilmung erwartet, auf sehr geradlinigen klassischen Horrorbahnen bewegt.
Johannes Franke: Ja, ich finde auch, dass leider der Schwarze, der ja gestorben ist bei The Shining, jetzt als Geist auftaucht. Der ist ja natürlich Recast, neuer Schauspieler. Und dann muss man immer ein kleines bisschen über eine Hürde gehen beim Gucken, weil man hat es einfach zu sehr im Kopf. Man weiß so sehr, wie der aussah, wie der gesprochen hat und dann versucht er auch noch die Stimme zu imitieren und das, ja, man braucht einen Moment. Und dann hat er auch noch sehr viel Heavy Lifting in dem Gespräch mit dem Jungen zu tun, alles aufzuarbeiten, die Verbindung herzustellen von The Shining zu dem, was jetzt passieren wird. Das ist schon echt viel Ballast, den er da tragen muss.
Florian Bayer: Es ist schön, dass du sagst, der Schwarze, der stirbt, weil das ist so ein... Gesetz in Stephen-King-Filmen.
Johannes Franke: Aha.
Florian Bayer: Die Figuren, die so ein bisschen POC sind, sind sehr hilfsbereit, aber sie werden sterben. Deswegen habe ich auch zum ersten Mal einen toller Schauspieler, Cliff Curtis, Billy Freeman, den neuen Freund von Danny, der ihn zu den anonymen Alkoholikern bringt, der ist ja ... Er hat so einen leicht arabischen Teint, würde ich jetzt sagen. Und ich hab den gesehen und dachte direkt, du bist sowas von tot.
Johannes Franke: Oh nein! Das ist gemein.
Florian Bayer: Die King-Filme haben Spaß daran, POC über die Klinge springen zu lassen.
Johannes Franke: Aber das Mädchen stirbt ja nicht.
Florian Bayer: Das Mädchen stirbt nicht, aber sie ist Protagonistin. Und das Witzige ist tatsächlich, ihr Vater stirbt. Die Figur überlebt im Buch. Genauso wie der Vater von den Mädchen, die überleben beide.
Johannes Franke: Echt?
Florian Bayer: Und der Film ist deswegen fast noch klassischer King, als das Buch King ist. King lässt sie ausnahmsweise mal überleben, die hilfsbereiten POCs.
Johannes Franke: Gespräch zwischen Drehbuchautor und King. Du, ich habe da was ganz Schreckliches in meinem Buch gemacht. Kannst du das im Film gerade rücken, bitte? Bitte lass die sterben. Boah, das gibt's ja wohl nicht. Das ist ja...
Florian Bayer: Ich glaube, er hat es nie bewusst gemacht. Aber es ist so, wenn du eine Stephen-King-Geschichte hast und du hast da irgendwie eine freundliche, hilfsbereite, schwarze Figur.
Johannes Franke: Ja, okay. Naja.
Florian Bayer: Aber es ist gut, dass wir jetzt, wir haben jetzt ganz viel außenrum abgetragen, jetzt können wir uns tatsächlich um den Film kümmern und ins... in die Geschichte gehen, die ja tatsächlich aus drei Geschichten besteht.
Johannes Franke: Was ich sehr schön finde, muss ich sagen. Was ich dem Film sehr zugutehalten möchte, dass er eben wirklich ... Ich kann den Charakteren gut dabei zuschauen, bestimmte Sachen zu machen, ihr Leben zu leben ... Ohne, dass ich erst mal wissen muss, was will mir der Film eigentlich erzählen. Das kommt eigentlich erst im letzten Drittel so richtig, was da an echter Geschichte am Ende so passiert.
Florian Bayer: Wir haben sehr viel Exposition von Figuren.
Johannes Franke: Ja, und ich finde es sehr schön gemacht. Es kann auch nerven, dass so eine Exposition lange dauert. Aber in dem Fall funktioniert es sehr gut, weil es gut erzählt ist und die Figuren mich interessieren und weil das Leben einfach gut dargestellt ist.
Florian Bayer: Es ist tatsächlich spannend, weil sie ja so, also sie haben diese drei Geschichten, einmal Danny, Torrance und sie erzählen, was mit ihm 1980 ist. Und sie erzählen gleichzeitig, was 1980 passiert bei unseren Antagonistinnen. dem True Not, dem wahren Knoten, eine Gruppe von Leuten, die auch das Shining haben, diese Fähigkeiten, unterschiedlich ausgeprägt. Und die sich zusammengeschlossen haben, um andere Menschen mit dem Shining zu jagen und auszusaugen, weil sie davon ewig leben können oder sehr lange leben können. Vampire. Sie sind Vampire, sie saugen nicht Blut aus, sondern sie saugen das Steam aus, so nennen sie es. dieses Steam ist offensichtlich das, was das Shining verursacht. Das haben die Menschen, die das Shining haben oder die Fähigkeiten haben, die irgendwie übernatürlich sind. Das heißt ... Das Shining wird auch deutlich weiter gefasst, als das noch im ursprünglichen Buch war und in Kubricks Verfilmung.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Shining ist sehr viel Übernatürliches wahrnehmen, aber auch in die Köpfe von anderen Menschen eintauchen können. andere Menschen beeinflussen können. Das ist die erste. Wir begegnen dem True Not zum ersten Mal, als sie die Blonde rekrutieren. Genau, als sie Snake bald Andy rekrutieren, die sich einen Spaß draus macht, Pädophile, Päderasten zu Dates einzuladen. Sie ist 15 oder so. Und die dann zu hypnotisieren und zu markieren, also sie zum Schlafen zu bringen, das ist ihre Kraft. Sie kann sagen, du schläfst jetzt. Du machst jetzt das und das. Und dann schneidet sie ihnen mit einem Messer irgendwas ins Gesicht und sagt, du wirst nie vergessen. dass du auf kleine Mädchen stehst, dass du auf kleine Kinder stehst. Das wird dich dein Leben lang verfolgen. Und sie wird dann rekrutiert von der Anführerin von True Not. Rose the Hat, die tatsächlich eine tolle Figur ist.
Johannes Franke: Die wirklich, wirklich gut ist. Ich hätte mir auch einen ganzen Film nur mit ihr angucken können. Sie ist auch eine tolle Schauspielerin, die haben mit dieser Figur eigentlich alles richtig gemacht.
Florian Bayer: Sie ist so elegant, sie hat so viel Stil und sie ist so böse und durchstrebend. Gespielt von Rebecca Ferguson.
Johannes Franke: Wundervoll.
Florian Bayer: Die es auch toll schafft, diese Alterslosigkeit zu spielen. Weil wir gehen davon aus, wir sehen eine Gruppe von sehr, sehr alten Menschen, die schon sehr lange leben. Die es aber geschafft haben, jung zu bleiben und so die Kombination von Maske und Spiel von ihr schafft, genau diesen Eindruck zu vermitteln. Oft haben wir es so, wenn wir Unsterbliche sehen, egal ob das Vampire sind oder Highlander oder sonst was, dass man denen das nicht abkauft. Also das klassische Beispiel ist halt Twilight. Wo wir glauben sollen, dass die ganzen über 100-Jährigen sich wie Teenager verhalten. Das ist überhaupt nicht glaubwürdig. Aber hier gelingt es. Hier haben wir diese Kombination aus alter und ewiger Jugend wirklich gut zusammengebracht.
Johannes Franke: Und der schafft es auch, ich habe den Namen von dem Regisseur gerade wieder vergessen.
Florian Bayer: Flanagan.
Johannes Franke: Flanagan. Ich finde, also sie natürlich allen voran, weil sie auch das so gut spielt, aber er hat es auch geschafft, die restlichen Schauspieler oder Statisten teilweise so zu inszenieren. Dass sie das alles atmen. Also diese Alterslosigkeit. Irgendwie funktioniert das super. Also die ganze Gruppe funktioniert super. Ich finde es ganz toll. Auch wenn der eine dann stirbt, weil er dann doch nicht mehr zu viel genug zu essen da ist.
Florian Bayer: Der älteste von ihnen offensichtlich, der dann auch noch so ein Abschiedswort kriegt. Du hast Imperien aufgehen und sterben sehen. Du warst wie Jesus.
Johannes Franke: Wahnsinn. Und da bin ich dann auch in der Tragik total in der Gruppe drin. Und das finde ich an dem Film auch wirklich gut, dass man keine eindimensionalen Bösewichte hat, die einfach... was Böses wollen und damit ist gut und die haben keine Erklärung dafür, sondern Man fühlt mit ihnen mit und denkt sich, ja okay, die haben sich ein Leben eingerichtet und wenn sie hungern,
Florian Bayer: Ja, sie ernähren sich und sie überlegen auch tatsächlich, wenn sie neue Opfer finden. Ist das überhaupt ein neues Opfer oder ist diese Person so interessant, stark, es wird nicht genauer definiert, dass wir sie in unseren Kreis aufnehmen wollen? Und damit kommen wir zu der dritten großen Story, die aufgemacht wird. Und das ist die telepathische Brieffreundin von Danny, Abra. Wir sind mittlerweile im Jahr 2011, die als Kind im Jahr 2011 anfängt, mit Danny zu kommunizieren. Und auf die irgendwann der wahre Knoten aufmerksam wird, weil sie sie beobachtet bei einem von ihren Morden. Mhm.
Johannes Franke: Also über Telepathie?
Florian Bayer: Über Telepathie. Dann sind wir im Jahr 2019, wo die Geschichten langsam zusammenkommen. Und Rose, die Anführerin, die auch sehr stark ist, nimmt Ebra wahr und sieht direkt, dass die unfassbar mächtig ist. Ebra hat das Shining. Und hat das Shining hoch 10. Sie wird einfach präsentiert als eine, die... Obwohl sie ein Kind ist, obwohl sie sich ihrer Kraft lange nicht bewusst war, die das unglaublich gut einsetzen kann, um ... riesige Distanzen zurückzulegen, um ganz viele Sachen zu sehen, die geschehen, um zu kommunizieren. Und diese Kraft sieht auch Rose aus. Und sie wird dann sogar von einem von ihren Jüngern gefragt, ob Oprah eventuell ein Kandidat wäre, um aufgenommen zu werden. Und sie sagt direkt, nee. Die ist viel zu mächtig. So jemanden will ich auf keinen Fall in unserer Gruppe haben, weil sie um ihre eigene Macht auch fürchtet.
Johannes Franke: Ja, klar. Und wäre natürlich ein unglaubliches Festmahl für die von der Kraft her, also von dem, was sie dann... an Steam von ihr bekämen, um sich zu verjüngen. Da würden sie wahrscheinlich viele, viele Thermoskannen mitfüllen.
Florian Bayer: Ja, sie haben noch Steam von einem Baseballspieler. Das ist die erste wirklich brutale Szene, die wir sehen. Sie entführen ein kleines Kind, einen Zehnjährigen und saugen den aus. Und das ist wirklich eine brutale Szene, weil sie aktivieren das Team durch Angst und Schmerz. Das heißt, sie machen ihm Angst und sie verletzen ihn. Und das ist das, was April dann auch beobachtet und das ist wirklich eine krasse Szene, wenn wir dann sehen, wie diese Vampire über ihm gebeugt sind, dem kleinen Jungen und ihm das Messer in den Bauch rammen oder in die Beine, um ihm Schmerz zuzufügen und sich dann über ihn beugen und saugen, saugen, saugen und dann noch ihre Behälter füllen.
Johannes Franke: Also so richtig das letzte bisschen aus ihm rausquetschen und mit ihren Timoskannen da oder was das ist.
Florian Bayer: Ja, mit ihren Timoskannen, das ist ganz gut. Und Abra hat das wahrgenommen und das ist auch tatsächlich der Moment, wo sich Abra an Danny wendet, der mittlerweile seinen Alkoholismus überwunden hat, weil er in eine neue Stadt gezogen ist und da den Freund, der bald sterben wird, kennengelernt hat.
Johannes Franke: Aber da kommen wir an eine Stelle im Film, wo ich mich sehr... sehr wohl fühle, wo ich auch denke, okay, hier wird nichts erzählt, was irgendwo hinführt, aber ich bin einfach gerne dabei. Und zwar, wie er seine Stelle findet in dem Hospiz, wo die Katze sich immer zu den Leuten hinsetzt, die sterben werden in der Nacht. Und er das so zufällig rausfindet und dann rausfindet, dass seine Aufgabe im Grunde hier ist, den Leuten noch einen guten Abschied zu bescheren. Und das finde ich sehr schön gemacht.
Florian Bayer: Daher rührt auch der Titel. Er wird dann Dr. Sleep genannt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Er ist der, der genau, die Katze hat offensichtlich auch das Shining. Sie geht zu den Leuten, die sterben. Die Leute wissen das mittlerweile auch. Das ist einfach ihr Ruf.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und er setzt sich dann zu ihnen und sagt ihnen, sie müssen keine Angst haben und es gibt irgendetwas danach, weil er weiß das tatsächlich, weil er kommuniziert auch mit Geistern. Diesem Dick, der ihm damals im Hotel geholfen hat, der ihm zum ersten Mal beigebracht hat, mit seinem Shining umzugehen, dem begegnet er öfter mal in Geisterform.
Johannes Franke: Und er redet mit den Leuten über deren Vergangenheit, weil es ja war ja Er kann ja sehen, was da im Kopf passiert. Und das ist schön, einfach jemanden zu haben, mit dem man nochmal so ein paar Sachen Revue passieren lassen kann.
Florian Bayer: Ich mag auch diese unaufgeregten Szenen. Ich finde das auch schlüssig, wie er Billy kennenlernt. Ich finde es gut, dass dann ein sehr großer Zeitsprung ist, dass man merkt, er hat sich in dieser neuen Stadt in die dann gezogen, ist eingelebt. Er ist bei den anonymen Alkoholikern. Er hat in Billy einen Freund gewonnen. Der war ihm am Anfang einfach hilfsbereit. Der sagt ihm irgendwann mal ganz am Anfang so, ich kenne diesen Blick und ich weiß, dass es dir nicht gut geht und ich war auch mal an so einem Punkt. Das funktioniert alles gut.
Johannes Franke: Finde ich auch. Ist wirklich schön. Und auch wie er da sein Zimmer bezieht und da diese Kreidetafel ist.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Die ja dann später zum tragenden Element des Films wird. Ja.
Florian Bayer: Es ist tatsächlich diese Montage dann am Anfang, der Film besteht am Anfang sehr viel aus Montagen, weil wir einfach mehrere Zeitebenen haben. Und mehrere Figuren haben, die nach und nach etabliert werden und die wir kennenlernen. Es fühlt sich nicht an wie eine nervige Exposition.
Johannes Franke: Nee.
Florian Bayer: Weil es immer genug... Raum drumherum gibt es, Sachen erzählt werden. Es ist teilweise sogar so krass, dass es sich anfühlt wie Trivialitäten. Zum Beispiel wird Als der True Not vorgestellt wird, wird sehr viel Zeit investiert zu zeigen, wie sie Andy rekrutieren. Mhm. Und ich warte eigentlich die ganze Zeit in dem Film so ein bisschen drauf, dass Andy eine sehr tragende Rolle spielen wird. Kleiner Spoiler, wird sie nicht. Diese Andy ist genauso ein Jünger wie die anderen auch. Sie ist nichts Besonderes. Sie wird sich nicht gegen die Gruppe auflehnen. Damit habe ich so ein bisschen gerechnet. Ihre Geschichte ist eigentlich... Das ist eigentlich eine nicht relevante Geschichte. Aber das ist gut, dass sie das am Anfang so machen, dass sie durch irrelevante Geschichten erzählen. Der True Not wird vorgestellt, wenn sie dieses eine Mädchen überfallen
Johannes Franke: töten.
Florian Bayer: Was halt auch, es wird quasi aus dem Alltag erzählt, dieser Monster.
Johannes Franke: Ja, genau. Und deswegen habe ich ja auch Attachments zu denen. Das machen halt so viele, gerade auch Horrorfilme irgendwie für mich falsch. Und was der Film eben richtig macht, ist, dass ich... allen Figuren irgendwie was gebe und mich ihnen zugehörig fühle in einem bestimmten Zeitraum. dass ich mit denen mitfühlen kann. Und das macht der Film wirklich hervorragend und das machen andere eben weniger. Vor allem mit den Monstern. Die Monster sind ja meistens eher so, ach von außen und die haben nichts eigenes, sondern das ist halt irgendein... Eine Entität, die einfach zu fürchten ist. Aber es ist viel interessanter zu sehen, was dahinter steckt.
Florian Bayer: Und damit ist er natürlich komplett weg von dem klassischen The Shining.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: sich wenig um die Emotionen und die psychische Verfassung seiner Charaktere Und hat die wirklich als bizarre Figuren erzählt, die merkwürdig sind, die irgendwie leiden alle. Aber die so innerlich leiden, dass der Film nicht an sie rankommt. Wie so eine Schutzmauer vor der Filmkamera haben, wenn sie sich dann durch diese... durch diese Hotelhallen bewegen und wenn sie miteinander so sehr gestellt und sehr steif und emotionslos kommunizieren, Und deswegen fühlt er sich von Anfang an nicht an wie eine Fortsetzung von Kubrick. Weil er hat einfach nicht mehr viel von Kubrick. Was er hat, ist... Totalen teilweise. Vor allem diese krassen Vogelperspektiven, die hat er auch am Anfang manchmal. Und dann die Musik, die sehr ikonisch ist. Und was mich aber ab einer Zeit wirklich genervt hat, die Blenden. Der Film hat unglaublich gerne lange geblendet und es gab so einen Moment.
Johannes Franke: Ach ja.
Florian Bayer: Wenn wir so im Jahr 2019 sind und zwischen den einzelnen Erzählebenen geblendet wird, Dass ich richtig genervt war und gesagt habe, Leute, gebt mir einen harten Cut, ich halte es nicht aus.
Johannes Franke: Ich erinnere mich gerade daran, dass wir zusammen an Ewe gesessen haben, unseren Fotofilm, den wir gemacht haben. Und ich immer mal wieder eine Blende einbauen wollte und du gesagt hast, nein, komm, lass uns einen ordentlichen, harten Cut machen, das ist doch blöde.
Florian Bayer: Blenden können ganz schnell kitschig werden. Und das ist es nicht in dem Film. Das ist nicht das Problem. Die Blenden rauben dir einfach Lebenszeit. Dieser Film könnte eine halbe Stunde kürzer sein, wenn er nicht zwischen zwei, zehn, fünf Minuten blenden würde. Eine Szene verschwimmt langsam und die andere taucht auf. Wie erklärt man eine Blende?
Johannes Franke: Zwei Bilder werden übereinander gelegt und das eine verschwindet langsam während
Florian Bayer: Ich glaube, man muss niemandem Blenden erklären, der sich mit der Filme guckt. Also mich haben die Blenden wirklich, wirklich genervt. So sehr, dass ich dachte, oh... Jetzt sehe ich viel zu sehr den Schnitt hinter dem Film.
Johannes Franke: Mich hat es überhaupt nicht gestört. Gar nicht. Ganz im Gegenteil, ich mag eine gute Blende, die irgendwie ein bisschen mehr... Naja, gut, okay. Aber das macht ja den Film jetzt nicht wirklich besser oder schlechter, glaube ich, oder? Puh.
Florian Bayer: Ein bisschen. Es hat mich dann in diesem Moment rausgebracht, wo die Storys zusammenlaufen, wo dann Abra anfängt, Danny aufzusuchen und mit ihm zu reden und zu sagen, hey, ich habe diese Leute beobachtet, die das Shining aussaugen. Ich glaube, die sind auch auf mich aufmerksam geworden. Und... Und Danny macht das, was total Sinn macht bei seiner Lebensgeschichte, zu Apra zu sagen, halt dich von diesen Leuten fern, versteck dein Shining, versuch es keinem zu zeigen ...
Johannes Franke: Ja. Und wer schickt sie weg? Vernünftige, erwachsene Entscheidungen, sage ich nur so.
Florian Bayer: Logische Entscheidungen nach dem, was er erlebt hat im Overlook Hotel.
Johannes Franke: Klar. Wenn er nicht gerade überredet werden würde von seinem Geist. der eben immer hinterher rennt, der dann aber irgendwann sagt, das wird das letzte Mal sein, dass ich hier bin, dass ich... schlafe ordentlich? Was hat er gesagt?
Florian Bayer: Mein letzter Traum. Er sagt, er fragt ihn, wie der Tod, Danny fragt ihn, wie der Tod ist und er meint, das ist wie so ein Traum, in einem Traum und man Traumt immer weiter und dann sagt er, das ist jetzt mein letzter Traum. Jetzt verschwinde ich. Aber hilf diesem Mädchen. Du bist mir das schuldig. Ich habe dir damals geholfen und habe mit meinem Leben bezahlt. Jetzt musst du dem Mädchen helfen.
Johannes Franke: Und mit deinem Leben bezahlt.
Florian Bayer: Und wir wissen, Danny, du wirst diesen Film nicht überlegen.
Johannes Franke: Und ich find's schade am Ende.
Florian Bayer: Ich auch ein bisschen. Ich find's auch nicht... nicht unbedingt folgerichtig. Aber dazu kommen wir gleich im Finale. Lass uns da gleich genau. Ich bin mit dem Finale auch nicht glücklich, deswegen müssen wir da gleich noch länger drüber reden.
Johannes Franke: Ich finde diese Pen Pals eigentlich ganz nett. Er mit der Kreide auf der Wand, sie bei sich zu Hause weit entfernt voneinander. Finde ich eine wirklich schöne... Erfindung. Und es wird sehr schön langsam eingeführt und dann haben die das über Jahre irgendwie, dass die sich einfach überhalten, über diese Kreide an der Wand unterhalten. Finde ich
Florian Bayer: Sie hinterlassen sich Botschaften. Und April wird dann gejagt von denen, weil sie sie gesehen haben. Und Rose will zu April eindringen und wir kommen zu einer wirklich coolen Szene. Wo April ihre Macht spielen lässt, wenn Rose zu ihr kommt.
Johannes Franke: Das ist so toll, visuell so toll. Sie drehen einmal komplett das Haus. Sodass wir visual irgendwie so richtig durcheinander sind und sie dann am Fenster, so waagerecht am Fenster hängt. und dann rüber schwebt zu The Hat Rose, Rose heißt sie? Ja. Und in sie hinein schlüpft, mehr oder weniger.
Florian Bayer: Und dann durchwühlt sie ihr Zimmer. Das Geile ist ja, Rose will eigentlich Abra... durchsuchen, will alles über sie herausfinden und sie hat wie so Karteikarten, also Karteischränke da stehen und dann will Rose da drin blättern. Aber April hat ihr diese Falle gestellt und nutzt das dann, um in Rose reinzuschlüpfen. Rose hat eine Kathedrale. Sie lebt schon ewig. Und dann steht da April und ... Und Rose ist total fertig mit den Nerven, dass es jemand in ihren Geist geschafft hat.
Johannes Franke: Ja, das ist aber das zweite Mal. Das erste Mal war auch schon ziemlich cool.
Florian Bayer: Das erste Mal ist mit der Hand. Ist im Supermarkt. Ja, genau, wo sie ihr die Hand dann einquetscht noch.
Johannes Franke: Ne, das ist im zweiten Mal.
Florian Bayer: Auch beim zweiten Mal. Oh, verdammt, ja. Ich bin schon zu weit gesprungen.
Johannes Franke: Beim ersten Mal ist es so, dass sie im Supermarkt ist und da einfach vor so einem Tiefkühlregal steht und in der Spiegelung der Tür. sieht sie dann sozusagen ihr gegenüber und denkt sich, oh cool, also Rose, unser Bösewicht, denkt sich, oh cool, da ist jemand, den ich aufsuchen und aussaugen kann, aber wird sehr schnell... rausgeworfen.
Florian Bayer: Ziemlich brutal.
Johannes Franke: Ziemlich brutal und das Glas zerspringt und sie wird richtig weit weggeschleudert. Was nicht neu ist, aber visuell und vom Timing her einfach sehr gut gemacht ist. Ich finde es sehr toll. Die Schauspielerin ist auch wirklich gut. Die macht das auch wirklich verdammt gut.
Florian Bayer: Sie ist schon so der Star des Films. Also man freut sich jedes Mal, wenn man sie sieht, weil sie ist einfach, sie ist cool, sie ist elegant. Sie hat auch immer einen Plan.
Johannes Franke: Ja, das ist wirklich toll. Und dass sie auch eine Emotionalität ihrer Gruppe gegenüber hat. und das ist alles so, es ist wirklich fundiert und voll. Ihr Charakter ist wirklich voll und das finde ich toll.
Florian Bayer: Sie verrät ihre Gruppe auch nicht. Sie hält wirklich zu ihrer Gruppe. Und es gibt diesen einen, Grandpa Flick, eben diese graue Eminenz im Hintergrund, der älteste von ihnen.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Und sie leidet wirklich mit ihm. Er ist halt kurz vorm Tod und sie weiß, sie müssen jetzt an dieses Team kommen, damit sie ihn retten können. Und man merkt, dass das auch wirklich ihre Priorität ist. Sie will diesen alten Mann, der der Gruppe nicht mehr viel geben kann, den will sie retten.
Johannes Franke: Das ist echt, oh Mann, das ist schon tragisch in dem Moment. Auch wenn es die Bösewichte sind, aber man leidet schon. Ich habe mit ihr mitgelitten.
Florian Bayer: Ja, das macht der Film ganz gut. Mitleiden ist vielleicht ein bisschen zu viel gesagt, aber man versteht, wie sie ticken. Man versteht, warum sie das tun, so sehr man es verurteilt. Ja, sie sind einfach plausible Charaktere.
Johannes Franke: Der zweite Moment, wo sie, sie setzt sich auf ihren Wohnwagen oder was das ist und meditiert da immer und versucht von dort aus in die Welt hinein zu sich zu beamen mehr oder weniger. Und kommt dann eben zu Abra, kommt da in dieses Zimmer hinein und merkt halt erst sehr spät, dass sie in einer Falle gelandet ist. dass Abra eigentlich in ihr rumkramt als andersrum. Und das finde ich ganz... Ganz toll.
Florian Bayer: Das ist so toll umgesetzt, auch wie sie dann mit diesen lilanen Haaren, April wird dann plötzlich zum Monster, zum Geist, vor dem Rose einfach mal Angst hat.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und sie schreit dann ja auch raus aus meinem Kopf.
Johannes Franke: Ja, also es wird richtig ernst für sie. Und das ist toll, weil sie vorher als so als graue Eminenz quasi inszeniert wird.
Florian Bayer: Sie war so mächtig. Und jetzt hat sie jemanden gefunden, der nicht nur gewachsen ist, sondern auch definitiv überlegen in ganz vielen Punkten.
Johannes Franke: Einfach visuell wirklich sehr gut umgesetzt. Der Kameramann hat einen unglaublich guten Job gemacht. visualisiert wird, dass sie in der Gegend rumfliegt, um dort hinzukommen, dann haben wir das Ganze andersrum nochmal. Sie fliegt wieder zurück in ihren Körper und Und mit einer solchen Wucht, weil sie flüchtet und ihre Hand total zerquatscht ist von diesem, was ihr da passiert ist mit den Registerkarten. Und... haut sich selbst da von dem Wohnwagen runter. Und das ist so visuell so gut gemacht und so folgerichtig. Ich finde, der Film nimmt sowieso... So Physik und Schmerzen und all dieses ganze Zeug sehr ernst. Ja. Was dem Film eine gute Tiefe gibt, also sehr viel Kraft gibt.
Florian Bayer: Die Figuren sind alle verletzlich, auch im Ort. unsere Bösewichter, sie es dann auch wirklich ganz schön gemahnt hat von diesen Angriffen von April auf sie.
Johannes Franke: Ja, das ist wirklich toll gemacht.
Florian Bayer: Und dann gehen sie zur Jagd los und dann kreuzen sich die verschiedenen Handlungsebenen, weil Danny fährt dann eben zur Admiral, weil er gesehen hat, okay, er muss ihr helfen, sonst wird sie getötet. Und sie versuchen, ihren Vater einzuweihen, der das zuerst nicht glauben kann. Aber dann zeigen sie es ihm. Und dann planen sie eben einen Hinterhalt. Sie wollen die in eine Falle locken, die sie jetzt jagen. Rose bleibt erstmal zurück, weil sie weiß, dass April zu viel über sie weiß und zu sehr in ihrem Geist drin war. Und dann kommen die anderen aus dieser Gruppe, kommen da an, an einem Waldstück, wo sie April vermuten.
Johannes Franke: Da sitzt sie auch.
Florian Bayer: Da sitzt sie auch. Angeblich. Als Geist. Und dann so ein bisschen, ich weiß nicht. Ja. Diese wirklich mächtigen Typen, die sehen können, die wissen, werden dann einfach aus dem Hintergrund von Danny und Billy gemeinsam umgebracht. Niedergeballert mit Gewehren. Die ganze Gruppe wird innerhalb von einer Szene ausgelöscht praktisch. Bis auf zwei.
Johannes Franke: Das sind auch die Schwachpunkte, finde ich, dieses Films.
Florian Bayer: Das war sehr plump.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich mag dann tatsächlich, wie diese Szene endet. Das ist nämlich der Moment, in dem Billy stirbt. Und zwar stirbt er in dem Andy. die am Anfang rekrutiert wurde, zu ihm sagt, du willst dich selbst töten. Und er erschießt sich dann selbst. Im Sterben benutzt Andy ihre Hypnosefähigkeiten, um Billy zum Selbstmord zu kriegen.
Johannes Franke: Was so richtig mies ist.
Florian Bayer: Und sie lacht dann auch noch, während sie sich auflöst, lacht sie noch, nachdem Billy sich in den Kopf geschossen hat.
Johannes Franke: Scheiße. Also das war wirklich bitter. Das war ein harter Moment.
Florian Bayer: Aber zumindest einer in der Gruppe hat überlebt. war der...
Johannes Franke: The Crow.
Florian Bayer: The Crow, genau.
Johannes Franke: Aber das finde ich wiederum auch aus dem Nichts. Die fragt sich, wo ist eigentlich The Crow und Schnitt... The Crow ist am richtigen Ort und führt die Kleine. Ja, toll. Aber es ist auch ziemlich schnell.
Florian Bayer: Ja, und es bleibt auch ziemlich konsequenzenlos, weil... dass The Crow dann in der nächsten Szene auch umgebracht wird. Danny fliegt dann halt in April rein.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Er fängt, das ist eigentlich ganz nett, er erzählt, dass er im Laufe der Handlung immer mehr seinen Shining einsetzt. Er hat das wirklich sehr gut weggeschlossen und fast gar nicht mehr benutzt. Und er fängt im Laufe der Handlung immer mehr an, das einzusetzen. Und er fliegt dann in April rein, um einen ... Autounfall zu verursachen. April ist angeschnallt, Crow ist nicht angeschnallt und er ist tot. Und dann ist tatsächlich von der bösen Gruppe ist nur noch Rose übrig. Und sie jagt sie natürlich weiter.
Johannes Franke: Aber da müssen wir ganz kurz darüber reden, dass die schwarze Schauspielerin, die April spielt, Das war der Moment, wo sie mich wirklich überzeugt hat, als sie gespielt hat, dass sie Danny ist.
Florian Bayer: Weil er ist ja in der... Ah, ja, ja, stimmt. Habe ich gar nicht so drüber nachgedacht. Und dann... Kylie Curran heißt sie übrigens.
Johannes Franke: Und dann ist sie bis dahin das kleine Mädchen. Und plötzlich redet die... Als wäre sie Danny, weil Danny ist ja in ihr und übernimmt das Ruder. Das spielt sie wirklich gut.
Florian Bayer: Das spielt sie cool, ja. Sie ist 13, 14 Jahre alt. Als der Film gedreht wurde, war sie 13 wahrscheinlich. 2019 ist der Film rausgekommen. Sie ist 2005 geboren.
Johannes Franke: What? Feel old yet?
Florian Bayer: Vier Jahre nach 9-11. Das fühlt sich überzeugend, definitiv, ja. Habe ich noch gar nicht so drüber nachgedacht, aber ja, dieser Moment, wenn sie dann auch so sehr eiskalt mit ihm redet und er so... Und Crow merkt das auch direkt und fragt auch so, wer bist du? Genau, aber Crow hat dann auch seine Pflicht getan und darf dann auch sterben. Und die Gruppe ist so ein bisschen irrelevant geworden. Und dann ist es klar, wir haben unsere Hauptantagonistin. Und um die geht es eigentlich. Um die ging es auch die ganze Zeit.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und die locken sie jetzt zum Overlook-Hotel. Das ist so jetzt ... haben wir einen Ort, wo wir sie fertig machen können. Sie ist sehr mächtig und dieses Hotel freut sich sehr über mächtige Menschen wie uns. Also.
Johannes Franke: Jetzt müssen wir übers Ende reden. Ich weiß ja nicht. Also es ist so. Ich freue mich, das Hotel wiederzusehen tatsächlich. Ich finde es toll und ich freue mich sehr über den Butler und über die Zwillinge und was auch immer.
Florian Bayer: Den Jack Nicholson Impersonator.
Johannes Franke: Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein. Boah! Das war so gemein, das tat so weh. Bei der Mutter ging es noch, aber bei ihm, nein, du schaffst es nicht, Jack Nicholson zu, nein. Den hätten sie von hinten zeigen können und damit ist es gut.
Florian Bayer: Aber tatsächlich also. In der Romanvorlage gibt es den Geist von Jack Nicholson, von Jack Torrance, der Danny hilft. Weil im Roman ist ja, also Jack Torrance ist kein Bösewicht im Roman. Im Film ist er das. Und dann hatten sie wohl drüber nachgedacht, was machen wir jetzt damit. Und es gab... nur sehr kurz die Überlegung, Jack Nicholson zu fragen, weil der ist natürlich zu alt. Und Flanagan, der Regisseur, hat dann halt gesagt, na ja ... Das Problem war einfach, du kriegst es nicht realistisch hin und die digitale De-Aging-Technik ist einfach noch nicht so weit. Und deswegen wurde sich sehr bewusst dafür entschieden, diesen Torrens nicht wirklich zu zeigen, sondern eben nur in diesem... in dieser Figur des Butlers, des Kellners, der dann auftaucht, so halb aufstehen zu lassen.
Johannes Franke: Aber es stimmt auch nicht. Er wird ja auch mit einer Axt in der Gegend rumgeschickt. Als Jack Torrance.
Florian Bayer: Stimmt, ja.
Johannes Franke: Und es ist furchtbar. Es ist ganz schlecht.
Florian Bayer: Ich habe das Gefühl, sie haben absichtlich, haben sie sich sehr weit entfernt von, also weiter entfernt von Nicholson. Es ist schief gegangen, es ist definitiv schief gegangen. Ich finde es auch ganz schrecklich, aber ich glaube... Ich glaube nicht, dass Sie versucht haben, jemanden zu finden, der exakt wie Nicholson aussieht.
Johannes Franke: Nein, Sie haben ihm die gleiche Frisur gegeben, den gleichen Bart, die gleichen abgeranzten Haare. Das ist... Ich würde nicht zu sehr dem Schauspieler die Schuld geben.
Florian Bayer: Nein, der Schauspieler hat nicht
Johannes Franke: Was hat es dafür zu tun? Das ist der Regisseur, der die Entscheidung getroffen hat, sich da in dieses Uncanny Valley zu begeben.
Florian Bayer: Aber der Schauspieler versucht gar nicht, Nicholson zu imitieren. Also dann... Also ich habe tatsächlich da wenig Nicholson drin gesehen.
Johannes Franke: Warte mal, woran es liegt.
Florian Bayer: Wir sind uns vollkommen einig darüber, dass das schlecht war.
Johannes Franke: Ja, absolut.
Florian Bayer: Wir kommen aus komplett unterschiedlichen Richtungen, aber wir sind uns einig, dass es schlecht war.
Johannes Franke: Es ist furchtbar. Und das ist wirklich, das tut einem dann weh. Aber... Es fängt ja auch schon damit an, dass das Kind, was mir auch schon wehgetan hat, am Anfang mit dem Dreirad auf dem... auf dem berühmten Teppichmuster fährt. Und dann später sehe ich dann auch noch mal... Übrigens eine gute Entscheidung des ganzen Nachts dann. Die fahren nachts hoch, sodass man nicht vergleichen kann die Bilder. Ich habe ein Video... Ich habe mir das angeschaut im Internet nochmal, so eine Side-by-Side-Comparison. Und es ist eine gute Entscheidung gewesen, das nachts zu machen, damit man nicht allzu sehr vergleichen kann.
Florian Bayer: Und beim Schnee, ne? Im Schnee ist Schnee.
Johannes Franke: Schneesturm und dann auch noch, dass das alles abgeranzter ist als vorher, sodass man... sagen kann, okay, es ist Zeit vergangen. Es sind bestimmte Sachen nicht mehr so, wie es damals war. Gut ist. Aber dafür haben sie sehr akkurat eine Leuchte dort, wo sie sein sollte, Und der Stuhl liegt immer noch dort, wo Jack Torrance ihn umgeworfen hat. Aber es ist sehr schön. Für mich funktioniert das absolut, das Hotel.
Florian Bayer: Das fühlt sich für mich ganz oft nach Checkliste an. Ich finde, das ist ein richtiger Cringe-Moment. Oh, übrigens, Cringe ist offensichtlich ein Jugendwort. Ein totaler Cringe-Moment, wenn Danny durch das Loch guckt, was... was sein Vater mit der Axt geschlagen hat. Und sie dann einmal diese Szene reproduzieren, wo er ... Was sagt er?
Johannes Franke: Hier's a daddy? Nee.
Florian Bayer: Nee, er sagt, es ist irgendein Witz, den er benutzt. Hier ist... Moment. Weil es ist, glaube ich, aus dem Cartoon. Hier ist Johnny. Oder hier kommt Johnny. Hier ist Johnny, sagt er. Und das ist ... Johnny Carson. Das ist eine Johnny Carson, also in Shining, das ist eine Johnny Carson Referenz. Auf jeden Fall totaler Cringe, wenn er durch diese Tür guckt und sie einmal diese Zähne reproduzieren mit diesem Blick so, er guckt so ein bisschen böse und ein bisschen fragend. Die Zwillinge, die Zwillingsmädchen sind im Original so gruselig. Die haben sie nicht gut gecastet. Die überzeugen mich überhaupt nicht. Die kommen nur ganz kurz vor. Aber das ist so ...
Johannes Franke: Die kommen nur so kurz vor, dass mir das egal ist. Also bei mir, die ganzen Geister, die da sind, kommen so kurz vor für mich. Ist okay. Die Frau ist gut gemacht, die sehr ekelhafte.
Florian Bayer: Ja, tatsächlich haben sie da genug Maske, dass es wirklich wie im Original ist. Das finde ich auch. Wandenfrau aus der Nummer 237, 239. 37, glaube ich, ja. Die ist überzeugend.
Johannes Franke: Schon.
Florian Bayer: Aber ansonsten Finde ich, die ganze Referenzwut in den letzten 30 Minuten ist sehr cringe-worthy. Und ... Dann ziehen sie es meiner Meinung nach auch einfach nicht geil genug durch. Ich habe mir gewünscht, dass sie jetzt einmal Rose, diesen coolen Charakter, durch eine Geisterwand schicken. Das heißt, dass die durch das Hotel läuft. und tatsächlich verschiedene Geistererscheinungen erlebt. Aber Roses Kontakt mit dem Hotel ... begrenzt sich eben darauf, dass Danny sagt, und jetzt mache ich meine Schatullen auf und dann kommen alle Monster auf einmal und saugen sie aus. Und das war's.
Johannes Franke: Das ist der zweite Moment, wo wieder ein Tod passiert, den ich viel zu schnell, viel zu, ich kann überhaupt nicht genießen, dass sie jetzt stirbt. Was soll denn das? Ist sie plötzlich weg?
Florian Bayer: Es ist so lame.
Johannes Franke: Ja, es ist total lame.
Florian Bayer: Ich will, dass sie Angst hat, durch das Hotel rennt, dass sie verschiedenen Gestalten mit Ja, genau. Wo ist dieser Typ in dem Hundekostüm, der Sex mit dem Butler hat? Das ist meine Lieblingsszene aus The Shining. Die würde ich einrahmen.
Johannes Franke: Ich erinnere mich nicht mal an einen Hund, der mit dem Butler Sex hat.
Florian Bayer: Es gibt diese... Es gibt... Bär. Es ist ein Bär. Entschuldigung. Ja, okay. Das ist die beste... Auf Toilette?
Johannes Franke: Oder wie war das?
Florian Bayer: Nein, sie sind im Hotelzimmer. Und zwar geht ... Wendy, die Mutter durch das Hotel, nachdem Jack schon so ein bisschen ausgerastet ist. Und dann sieht sie halt auch ständig Geistererscheinungen. Da ist auch diese Szene Haus. Das ist eine tolle Party heute Nacht, wo dieser... wo die Spritze Butler steht. Und dann kommt sie an ein Zimmer und wir sehen einen... Wir sehen ein Bett, auf dem ein Herr in einem feinen Abendanzug sitzt und vor ihm kniet ein Mensch in einem Bärenkostüm und gibt ihm einen Blowjob. Also hat ihm gerade einen Plotjob gegeben. Also ganz offensichtlich hat er heruntergelassen Hosen, der Bergknet vor ihm. Und Diese Zehner, wo ist die hin? Das war die beste Zehner der Shining. Das Hotel war eine Geisterbahn am Schluss in The Shining. Das war toll, weil überall bizarre Kreaturen, Ideen und Horror. Und wenn Rose im Hotel ankommt, ist nichts davon zu sehen. Wir haben ein bisschen Blut aus dem Fahrstuhl. Ja, ja. Und dann wird sie aber von allen Monstern gleichzeitig gefressen. Wo ist der Gang von Rose durch einen der langen Hotelgänge und sie sieht die Zwillinge und sie geht vielleicht auf sie zu, sie denkt, sie hätte eine Chance gegen die und dann… kriegt sie es ab und hat Visionen.
Johannes Franke: Nichts davon. Und auch kein Foto an der Wand, das irgendwie noch... Ja.
Florian Bayer: Nichts. Ein großes Buffet liegt da und wir sehen einfach nur ... wie alles Essen auf dem Teller gemanscht wird und innerhalb von Sekunden gefressen wird. Und dabei endet es noch nicht. Das wird noch schlimmer. Wir haben also der Schacht einmal. Als Overlook-Menü. Oh Mann. Es ist absolut unplausibel, dass Danny dann auch wahnsinnig wird, dass er einfach Jacks Rolle einnimmt.
Johannes Franke: Das finde ich wirklich nicht schön. Ich finde gut, dass er das dann irgendwie in die Luft jagen will und so weiter. Ja, verstehe ich. Aber ... Auch das viel zu schnell, viel zu schlecht erklärt, viel zu wenig drumherum gemacht. Ich könnte mir vorstellen, dass es ein Szenario gibt, in dem das... irgendwie zufriedenstellend passiert. Aber so leider nicht. Das hat mich wirklich ein bisschen ... Da will ich jemanden schütteln und rütteln und sagen, mach's noch mal.
Florian Bayer: Es macht überhaupt keinen Sinn, dass Dany einmal zu seinem Vater wird dann. Er nimmt dann auch die Axt und er jagt Apra und... Er hat es allerdings geschafft, den Gespenstern zu widerstehen. so diese Versöhnung mit dem Buch von Stephen King, dass Danny einmal die Aktionen durchführt, die sein Vater vorher durchgeführt hat. Das Hotel sprengen und sich zu opfern, um April zu retten.
Johannes Franke: Ja. Und dieser Moment, wo sie dann sagt, ich weiß, du bist da noch drin, so dieses, was in den 80ern ständig wiederholt wird.
Florian Bayer: Das ist im Buch genauso in der
Johannes Franke: Shining.
Florian Bayer: Ein Shining-Buch ist genau das, was da passiert.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und das ist Stephen King und das ist wirklich, Stephen King macht so ein bisschen die Ideen macht seine eigenen Ideen kaputt und ich hätte mir an dieser Stelle einfach mehr Kubrick und weniger King gewünscht.
Johannes Franke: Ja, ja. Also ich finde, der Film hat ganz viele Sachen richtig gemacht, ganz toll gemacht, aber das sind so die Sachen, da bin ich wirklich ...
Florian Bayer: Übrigens, der Darsteller von Danny Torrance aus dem Original Shining hat einen Cameo-Auftritt. Oh! Der taucht kurz auf als Zuschauer bei dem Baseballgame, wo sie den ersten Jungen entführen, wo sie Bradley entführen, den sie dann fressen. Huch. Er hat sich oft nicht gefreut, mitzumachen. Er ist allerdings ... Er ist kein Schauspieler mehr. Er hat ... Vor 40 Jahren mit dem Schauspieler aufgehört.
Johannes Franke: Verstehe.
Florian Bayer: Und der wurde über Twitter von Flanagan direkt angeschrieben. Ob er nicht vielleicht einen kleinen Auftritt machen will. Und er hat sich wohl total gefreut. Er ist jetzt Lehrer.
Johannes Franke: Okay, cool.
Florian Bayer: Gut für ihn. Schön. Und er hat Spaß.
Johannes Franke: Okay. Ja, musst du ja, also ich denke dann immer, ach und dann haben sie nicht weitergemacht und so und dann denke ich immer immer wieder, nein, nein, nein, nicht jeder muss Schauspieler werden, nur weil er mal als Kind irgendwie vor der Kamera gestanden hat.
Florian Bayer: Hier bitte beliebige Harry-Potter-Referenz einführen.
Johannes Franke: Stimmt.
Florian Bayer: Wobei die ja alle eigentlich ganz gut sich entwickelt haben. Also ich könnte jetzt keinen Harry-Potter-Darsteller nennen, glaube ich, wo ich sagen würde, Gott, das ist eine total Katastrophe.
Johannes Franke: Nö, das nicht. Aber nicht jeder ist Schauspieler geworden.
Florian Bayer: Ja, stimmt.
Johannes Franke: Also es gibt genug Leute, die dann gesagt haben, okay, gut, das... Habe jetzt rausgefunden, wie das ist, berühmt zu sein. Vielleicht lasse ich das jetzt den Rest meines Lebens noch. Wahrscheinlich zu Recht.
Florian Bayer: Ja, aber das Ende, ich bin nicht glücklich mit dem Ende.
Johannes Franke: Nee, ich auch nicht, leider. Wie gesagt, Jack Nicholson hätten sie sein lassen sollen. Die Tode waren ganz schlecht, viel zu kurz und schlecht inszeniert. Es hat nicht funktioniert, aber... Aber ich bin trotzdem vom Film von vorne nach hinten gut genug vorbereitet worden, dass ich damit klarkomme irgendwie. Also ich bin nicht auf Kriegsfuß mit dem Film wegen dieser Patzer. Die wirklich Patzer sind, muss man sagen.
Florian Bayer: Ja. Nee, dafür habe ich davor zu wenig an dem Film gehangen lassen, dass ich wirklich deswegen auf Kriegsfuß mit ihm sein könnte.
Johannes Franke: Also der Film war dir nicht wichtig genug? Ja. Ah, okay. Schade.
Florian Bayer: Ich mag den Epilog, die Moral vom Epilog am Schluss mag ich noch, wenn sie, Danny sagt zu ihr, ich hab mich geirrt, Du sollst das Shining nicht verbergen, zeig es nicht nur dir, sondern zeig es auch anderen. Dann gibt es diese Schlussszene, wo April auf der Bank sitzt und sich mit dem Geist von Danny unterhält. Mhm. Und dann fragt ihre Mutter, mit wem redest du? Und sie sagt dann zuerst mit niemandem. Und dann überlegt sie nochmal kurz und sagt, doch, ich habe mit Danny geredet, es geht ihm gut. Und Dad geht es übrigens auch gut. Das finde ich ganz nett, dass sie, sie hat ihre Lektion gelernt bzw. wir haben unsere Lektion gelernt. Das ist so ein bisschen, man kann es als ... Wenn man es groß machen will, kann man es deuten als Umgang mit psychischen Auffälligkeiten oder auch Krankheiten, dass man sagt, hey, ich stehe dazu, versuche das nicht zu verstecken.
Johannes Franke: Ja. Genau. Einen Umgang damit finden. Ja. Aber ansonsten, ja...
Florian Bayer: Ich glaube, wir können gleich das Fazit anschieben und dann unsere Top 3 so hinterher drücken.
Johannes Franke: Okay, ja, dann fang doch mal an mit dem Fazit.
Florian Bayer: Okay. Er war als Horrorfilm war ja okay. Er hatte einige gute Gruselmomente. Er hatte ein bisschen zu viel Jumpscares. Die... Es war eine merkwürdige Mischung aus King und Kubrick. Zu wenig Kubrick, zu viel King. Aber er gehört definitiv zu den besseren Stephen-King-Verfilmungen. in den letzten Jahren sind Stephen-King-Verfilmungen auch immer besser geworden. Mike Flanagan hat vor ein paar Jahren auch mit das Spiel eine ganz gute Stinking-Verfilmung hingelegt. Und Dr. Sleep bewegt sich auf ähnlichem Niveau. Also wir sind Gott sei Dank weit weg von der Zeit, als Stephen King-Verfilmungen gleichbedeutend waren mit Horrormüll.
Johannes Franke: Ich habe bei meiner Recherche oft bin ich darauf gestoßen, dass Leute sagen, zu wenig Horror.
Florian Bayer: Finde ich überhaupt nicht.
Johannes Franke: Finde ich nämlich auch überhaupt nicht, aber ich bin nun auch kein großer Horrorfan. Ich finde, dass der Film... genau die Balance hält, die ich gerne möchte. Also vielleicht ein bisschen zu viel Horror. Im Sinne von Jumpscares, was du schon sagst. Und vielleicht ein kleines bisschen zu sehr auf die Tropes gesetzt. Aber im Großen und Ganzen finde ich, dass der Film wie auch der erste Film von Kubrick, sich gut an den Horror annähert und das gut vorbereitet alles und dass man dass man tatsächlich sowohl die Bösewichte als auch die Protagonisten Dass man denen gut folgen kann und mit denen gut mitgehen kann und dadurch der Horror auch erst entsteht im Kopf. Weil Figuren, mit denen du nichts anfangen kannst, ja auch keinen Horror hervorrufen. Ja, der Film kommt auf die Haben-Seite tatsächlich. Ja, ist gut.
Florian Bayer: Leicht positive Tendenz, aber eher im durchschnittlichen Bereich. Grobener Durchschnitt würde ich sagen.
Johannes Franke: Da bin ich vielleicht sogar besser als du in der Perzeption. Klingt so, ne? Ich glaube, ich finde ihn sogar besser als du.
Florian Bayer: Also, Stephen King-Freunde werden sehr viel Spaß an diesem Film haben. Wer The Shining mochte, sollte ihn einfach gucken, weil es ein schönes bisschen Nostalgie-Flash gibt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: ich würde ihn nicht bedingungslos empfehlen. Es gibt halt einfach, wir sind in einer wirklich guten Zeit für Horrorfilme und es gab in den letzten fünf bis zehn Jahren so viele Horrorfilme, die meiner Meinung nach so viel stärker waren, so viel interessanter waren und so viel bessere Sachen mit dem Genre gemacht haben. The Lighthouse. Ja, Lighthouse, The Witch, Hereditary, Midsommar, Babadook ... It follows, get out, us. Okay, okay, okay. Kommen wir zu unserer Top 3. Jingle.
Johannes Franke: Menschenfresser. Menschenfresser in Filmen. Es ist mir schwer gefallen, aber ich habe doch ein paar gefunden.
Florian Bayer: Ich habe so viele.
Johannes Franke: Du hast es ja vorgeschlagen, dieses Thema. Geht es dir darum, dass es... Hauptthema des Films ist?
Florian Bayer: Nee, muss nicht sein.
Johannes Franke: Es ist einfach der Statist drinnen in der linken Ecke da, der ist Menschenfresser.
Florian Bayer: Kann auch reichen. Wenn es irgendwas Interessantes macht, dann passt es.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ich habe auch sehr, sehr unterschiedlich. Ich habe zum Beispiel alle Zombiefilme weggelassen.
Johannes Franke: Ja, den hätte ich jetzt nämlich als honorable mention gemacht, weil der einzige Zombiefilm, den ich wirklich ganz, ganz, ganz cool war, ich weiß nicht, ob es der einzige ist, aber der, der mir jetzt einfällt, ist Warm Buddies.
Florian Bayer: Ah, der Emo-Zombie-Film mit dem Teenie, der verliebt ist.
Johannes Franke: Der Teenie-Zombie, der verliebt ist. Ja, den fand ich ganz schön. Zombie ist halt Menschenfresser, natürlich, klar. Aber es geht ja nicht vorrangig im Film darum.
Florian Bayer: Aber hast du nicht Shaun of the Dead gesehen?
Johannes Franke: Habe ich den nicht auch gesehen? Ich weiß es nicht mehr.
Florian Bayer: Ein toller Spoof.
Johannes Franke: Doch, ich glaube, den habe ich auch gesehen. Aber ich weiß es nicht mehr genau. Und solche Sachen wie von Rodriguez, wie heißt der?
Florian Bayer: Honorable Mention von mir, von Bus Till Dawn. Ist so der einzige, am nächsten, am Zombie-Genre dran, was ich drin habe in meiner Honorable Mention-Liste.
Johannes Franke: Aber gibt es noch nicht den anderen noch mit ihrem Maschinengewehr?
Florian Bayer: Ach so, ja, Planet Terror.
Johannes Franke: Planet Terror, genau.
Florian Bayer: Stimmt, da kommen auch Zombies vor. From Rascal Dawn sind auch eher Vampire, aber die ernähren sich auch ordentlich von Menschen und reißen Körperteile ab. Und es war einer der ersten wirklich splatterigen Menschenfresser-Filme, die ich gesehen habe. Deswegen wird er immer einen Platz in meinem Herzen haben. Rodriguez und Tarantino arbeiten so zusammen.
Johannes Franke: Ja, stimmt.
Florian Bayer: Sehr spaßiger Film.
Johannes Franke: Okay, muss ich anfangen mit meinem Platz 3?
Florian Bayer: Ich habe noch zwei Honorable Mentions, ich habe aber ein bisschen Angst, dass ich dir was wegnehme.
Johannes Franke: Ach so. Nö, mach mal ruhig, ich bin mal gespannt, dann hast du halt Pech gehabt.
Florian Bayer: The Road, weil es tatsächlich tatsächlich Menschen fressen als Notwendigkeit zeigt. The Road ist ein apokalyptisches Drama, ein Endzeit-Drama, das in einer Postapokalypse spielt. Aus dem Jahr 2009, wo ein Vater mit seinem Sohn durch eine komplett zerstörte, gestorbene Welt reist. Und sie haben vor allem Angst vor den Kannibalen. Und wir erfahren dann auch irgendwann warum. Und das ist wirklich grausam. Es gibt halt wirklich nichts mehr zu essen. Tiere sind alle tot. Es gibt keine Felder mehr. Die Leute suchen sich in den Ruinen der Städte nach was zu essen. Und ein paar Leute sind aber auf die Idee gekommen, kannibalen zu werden.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und sie kommen dann irgendwann an so eine Hütte und da steigen sie in den Keller, weil sie nach was Essbarem suchen und dann stoßen sie da auf eine Kannibalenfarm Da werden Menschen im Keller gefangen gehalten und denen fehlen Gliedmaßen, weil die nach und nach gegessen werden. Und die werden halt nicht komplett getötet, damit sie lange genug Fleisch haben. Und dann liegen da in diesem Keller gehäuft so 20, 30 Leute und schreien um Hilfe. Haben keine Gliedmaßen mehr teilweise und wollen einfach nur raus. Es ist so ein gruseliger Moment. Ganz schrecklich.
Johannes Franke: Okay. Ja, ich glaube, mir ist die Liste vor allem deswegen schwer gefallen, weil ich einfach nicht die großen Horror- Filme gucke. Menschenfresser ist halt ein Horrorfilm-Thema. Und da fallen mir dann halt nur so die üblichen Verdächtigen ein.
Florian Bayer: Okay. Dann habe ich noch als letzter Honorable Mention, da habe ich Angst, dass ich ihn dir wegnehme. Ich glaube, den haben wir nämlich zusammen geguckt. Revenous, friss oder stirb aus dem Jahr 1999. Ein Western mit Kannibalismus-Thema, der wirklich schräg und absurd ist. Und indem die Kannibalen Menschen fressen, um deren Stärke zu gewinnen, Und es ist eher eine Horror-Komödie. Es gibt so eine Szene, wo jemand vom Kannibalen flieht und im Hintergrund läuft so Banjo-Musik. Also fast wie in so einem Slapstick-Western.
Johannes Franke: Klingt nach Fido.
Florian Bayer: Fido?
Johannes Franke: Der Zombie, die als Haustiere quasi gehalten werden.
Florian Bayer: Stimmt, ja, ich erinnere mich.
Johannes Franke: Das ist auch so ein eher Komödiantisch.
Florian Bayer: Ja, der war sehr indie, das war so ein sehr geringes Budget. Auf jeden Fall ist es ein sehr witziger Film. Aus dem Jahr 1999, so ein bisschen vergessen, Regie Antonia Byrd. Jetzt muss ich einmal gucken, ob die sonst groß was gedreht hat. War das ihr letzter Film? Das war einer ihrer letzten Filme. Hm. Sehr witzig, sehr unterhaltsam, tolle Mischung aus Western- und Horrorkomödie.
Johannes Franke: Okay, ich bin mir nicht ganz sicher, aber mir kam es ein bisschen bekannt vor, jetzt wo du es beschreibst, aber ich könnte jetzt nicht wirklich... die nadel an den richtigen ort pinnen wie man das im englischen eigentlich sagt verdammt
Florian Bayer: Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir ihn zusammen gesehen haben. Aber es ist auch schon sehr lange her.
Johannes Franke: Okay. Hast du noch eine Honorable Mentions? Das waren meine Honorable Mentions. Okay, dann hätte ich jetzt meinen Platz 3. Einfach, weil ich nicht viel anderes habe. Das Schweigen der Lämmer. Natürlich. Ganz klassisch. Aber der ist heute wirklich gut. Also der erste Film ist wirklich gut.
Florian Bayer: Toller Film.
Johannes Franke: Und sie macht es wahnsinnig gut. Jodie Foster. Und er macht es wirklich gut. Die geben sich gut die Klinke in die Hand.
Florian Bayer: Anthony Hopkins als Hannibal Lecter, der klassische Menschenfresser, der erzählt, wie er irgendjemanden mit Chianti genossen hat. Ja. Danke. Mein Platz 3 ist ein Film Post-Horror aus dem Jahr 2016, ein belgischer Film. im Raw.
Johannes Franke: Ah ja, davon habe ich gelesen, ich habe ihn aber noch nicht gesehen.
Florian Bayer: Studentin, die eigentlich harte Vegetarierin ist, fängt mit der Uni an und stellt dann irgendwann fest, dass sie Menschenfleisch ganz lecker findet.
Johannes Franke: Wacht die eines Morgens auf und denkt sich, lecker Menschenfleisch.
Florian Bayer: Und der Plot ist dann auch tatsächlich so, dass sie, sie hat das unterdrückt, also sie war Vegetarierin, weil das ist in ihrer Familie so, ihre Schwester studiert mit ihr und hat das auch. Und sie hat das deswegen unterdrückt, indem sie gar kein Fleisch angefasst hat. Und wenn sie einmal Fleisch anfasst, kommt sie auf den Geschmack und wird zur Bestie. wirklich großartiger Film, kein klassischer Horrorfilm, wirklich eher so Post-Horror, Drama, Thema Adoleszenz, Coming-of-Age.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Sehr düster, sehr langsam erzählt, muss man mögen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und ziemlich eklig teilweise. Es wurde viel Werbung damit gemacht, dass Leute ohnmächtig geworden sind, aus dem Kino gerannt sind, weil ihnen schlecht wurde während dieses Films. Mhm. Es wird eine Menge rohes Menschenfleisch gegessen.
Johannes Franke: Na gut, mein Platz zwei wäre Sweeney Todd.
Florian Bayer: Oh ja, schön.
Johannes Franke: Das ist ein kleines bisschen, naja, Hollywood, großes Musical und Mainstream halt, aber ich fand den ziemlich cool.
Florian Bayer: Ein toller Film. Ist es Tim Burton?
Johannes Franke: Tim Burton, ja.
Florian Bayer: Tim Burton mit Johnny Depp und ganz klassischer Tim Burton eigentlich, weil mit Johnny Depp. Und mit Tim Burtons Frau, Helena Bonham Carter. Und diese Mischung aus Gothic, Krusel und Kitsch. Es gibt diese... Szene, wo die so total kitschig und bunt plötzlich ist.
Johannes Franke: Wo sie am Meer sitzen und sie singt das Liebeslied. Ja, wie ging das noch? Ich hab die Melodie so halb im Kopf, aber leider den Text gar nicht.
Florian Bayer: Und ein schöner Film, weil sie nicht verdecken, dass sie nicht so gut singen können. Und der Gesang halt so ein bisschen drin ist.
Johannes Franke: Ja, und trotzdem, also ich finde ... Ja, sie haben sich nicht totproduziert, sagen wir so.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Also sie können schon singen, aber sie machen das nicht alles so glatt. dass man nicht mehr weiß, dass es Menschen gesungen haben, wie das oft so ist. Aber es ist wirklich ein empfehlenswerter Film. Sweeney Todd. Lohnt sich.
Florian Bayer: Ja. Mein Platz 2 ist ein komplett vergessener Film aus dem Jahr 1989, befürchte ich. Den kennt kein Mensch mehr. Pfui Teufel, Daddy ist ein Kannibale, heißt er auf Deutsch. Parents ist der englische Originaltitel. Ein bisschen subtiler.
Johannes Franke: Oh Gott, wir brauchen unbedingt mal eine Top 3 schlechteste Übersetzung.
Florian Bayer: Ich habe diesen Film als zwischen Kind und Jugend gesehen und fand ihn total geil. Und der ist, glaube ich, komplett vergessen. Ich weiß nicht, ob man den überhaupt noch irgendwo findet. Und es geht darum, dass ein kleiner Junge den Verdacht hat, dass seine Eltern Kannibalen sein könnten. Und es bleibt sehr lange offen, ob er... irgendwelche psychischen Probleme hat und sich einfach Sachen einbildet. Oder ob seine Eltern tatsächlich blutrunstige Mörder und Kannibalen sind. Toll erzählt, ziemlich surreal, ziemlich bizarr. Manchmal echt verstörend und auch traurig, weil so das Heiligste, die eigene Familie komplett in Frage gestellt wird.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: aber auch mit einem echt ätzenden, bissigen Humor. Wow.
Johannes Franke: Okay, vielleicht nicht die Übersetzung gucken. als Original.
Florian Bayer: Ich gucke mal, ob ich den nochmal finde und wenn, dann ist das vielleicht was, was wir mal gucken könnten, weil das ist so lange her, dass ich den gesehen habe, aber ich weiß, ich habe ihn geliebt als Kind und er hat mich sehr, er hat mich verstört und amüsiert, irgendwas dazwischen.
Johannes Franke: Ja, ist ja oft bei Kindern dann so.
Florian Bayer: Also ich war eigentlich viel zu jung, als ich den Film gesehen habe. Der ist ab 16. Ich war mit Sicherheit keine 16.
Johannes Franke: Okay, wow. Ja, Plor. Wir haben das öfter festgestellt, dein Konsum als Kind von Filmen, das erklärt einiges.
Florian Bayer: Oh ja.
Johannes Franke: Dein Platz 1. Mein Platz 1 ist, ich kann den Titel nicht aussprechen, das musst du jetzt machen, von den Niederkoding, den hatten wir neulich schon mal besprochen, aber nicht hier online... Der Schacht. Nee, Denis Dacot. Le Le Cherme de Machère. Nee, ich kenne kein Französisch. Mein Fleisch von deinem Fleisch oder wie das heißt.
Florian Bayer: Achso, ah, ja, ja, okay. Moment.
Johannes Franke: Und zwar, ich kann ja die Lücke mal füllen. Denis Dacot ist ein Regisseur aus Frankreich, der... hat das Mädchen, das die Seiten umblättert, gemacht. Und dann ist er mal in Berlin gewesen und hat hier in Berlin sich ein bisschen experimentell mit Kameratechnik auseinandergesetzt und hat eine statt sie auf die Kamera zu schrauben, nur davor gehalten und hat dadurch so Unschärfen erzeugt im Bild, die er genau kontrollieren konnte, je nachdem wie er die Linse vor der Kamera gehalten hat. Und dadurch entstehen so sehr surreale Bilder, weil nur immer so ein schräger Streifen im Bild scharf ist und der Rest wird so unscharf. Und es passte irgendwie zu seinem Thema einer Frau, die ihr Kind mit Menschenfleisch füttert. Gespielt von Anna Juliana Jenner, mit der ich lange in der Agentur war, wo ich damals mich tierisch gefreut habe. dass sie das bekommen hat und dann war auch noch Mathieu dabei, mit dem wir Ewe gemacht haben. Und dann musste ich das natürlich sehen und war echt beeindruckt davon, weil Denis fast alles selbst gemacht hat. Wirklich, er war hier in Berlin, hat mit der Kamera rumgedingst, Hat das alles scheiß auf den Ton, hat das alles so gedreht und hat dann im Nachhinein nachsynchronisiert und hat einfach in einem riesigen Aufwand das alles selbst gemacht. Die Musik hat jemand anders gemacht, aber ansonsten hat er fast alles selbst gemacht.
Florian Bayer: La Chère de Machère aus dem Jahre 2013. 76 Minuten.
Johannes Franke: Ja, und den fand ich tatsächlich damals sehr beeindruckend. Vor allem eben, weil er sich einfach hingesetzt hat und gesagt hat, ich mache jetzt einfach ohne großes Studio. Ich meine, der hat große Filme gemacht, ne? Das Mädchen, was die Seiten umblättert. Ist ein großer, mit großer Produktion im Hintergrund. Und dann hat er sich gedacht, ich mach mal, ich geh mal nochmal einen Schritt zurück und guck mal, dass ich irgendwie... wie ich das hier in Berlin mit eigenen Mitteln hinkriege.
Florian Bayer: Das ist so traurig, weil das ist ein Film, den findet man einfach nicht. Es gibt einen IMDb-Eintrag. Und ich versuche gerade mal zu gucken, ob man irgendwo gucken könnte. Aber es ist schwierig. Also das ist ein Film, der tatsächlich schwer zu finden ist. La Chère de Machère aus dem Jahr 2013 von Denis Dercourt, um es nochmal zu sagen. Und ich finde online keine Möglichkeit, diesen Film zu gucken gerade.
Johannes Franke: Verdammt. Schade. Liefern wir nach, wenn wir eine Möglichkeit finden. Und vielleicht gucken wir ihn mal. Ich würde ihn gerne gucken. Wenn wir irgendwie da rankommen, dann gucken wir ihn vielleicht einfach mal.
Florian Bayer: Also du hast ja schon ein paar Mal davon erzählt, auch teilweise off mic.
Johannes Franke: Ja, ja, wir haben uns ja einfach, letzte Woche haben wir uns darüber unterhalten, weil wir irgendwie drauf kamen und Einfach auch ein Film, mit dem ich natürlich irgendwie über Ecken zu tun habe, aber der ganz ohne meine persönliche Involvierung trotzdem einfach objektiv wirklich ein spannender Film ist.
Florian Bayer: Ja, ich finde hier leider gerade gar nichts. Du kannst ja mal Mathieu fragen, wenn du ihn das nächste Mal sprichst, ob er... ob es irgendwie eine Möglichkeit gibt, an diesen Film ranzukommen.
Johannes Franke: Ich habe leider mit Mathieu gar nicht so viel zu tun, aber ich könnte ihn mal anschreiben.
Florian Bayer: Also Leute, wenn ihr diesen Film irgendwie findet, ich würde ihn auch gerne sehen. Johannes kann ihn offensichtlich empfehlen. Ich bin sehr interessiert. Wenn es irgendwo Links gibt, wenn jemand da draußen besser in Google ist als ich, Bitte schickt mir einen Link dazu. Ich würde ihn unglaublich gerne sehen, den Film.
Johannes Franke: Oder ich frage Anna oder Mathieu. Anna, habe ich noch mehr Kontakt als mit Mathieu? Vielen Dank. Mal gucken.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Schön, okay. Dein Platz 1.
Florian Bayer: Mein Platz 1 ist aus dem Jahr 1991. Ich bin tatsächlich in dieser Top-Liste-Serie in den 90ern hängen geblieben. Delikatessen von Jean-Bierre Genet. Bevor er mit Amelie zu großem Weltruhm kam, hat er einen wirklich wunderschönen Und gleichzeitig sehr dreckigen Film gedreht, der in einer Art dystopischer Zukunft spielt, die aber ziemlich zeitlos ist.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und es geht um ein Mietshaus, das... davon lebt, dass die neuen Mieter oder Mieterinnen regelmäßig zu Essen verarbeitet werden. Und die Tochter des Hausbesitzers oder sogar des Metzgers verliebt sich dann aber in das neueste potenzielle Opfer, einen Clown.
Johannes Franke: Es ist echt absurd. Ich mag den Film auch. Ich habe ihn auch aufgeschrieben, aber ich habe ihn dann nicht genannt, weil ich so ein bisschen gehofft habe, dass du ihn sagst.
Florian Bayer: Sehr absurd, sehr bizarr. Wenn man so will, ein bisschen die düsteren Seiten von Jean-Pierre Genet, bevor er den Kitsch für sich entdeckt hat. Zusammen mit der Stadt der verlorenen Kinder, der auch noch vor Amelie gedreht wurde. Auf jeden Fall ein sehr schöner Film, französisches Kino der 90er Jahre. Absolut sehenswert.
Johannes Franke: Ja. Kann man so sagen. Es gibt auch noch einen Film, Dänische Delikatessen. Ist der nicht auch irgendwie so in der Richtung?
Florian Bayer: Ist Dänische Delikatessen nicht so ein Tarantino-Verschnitt?
Johannes Franke: Das weiß ich nicht genau.
Florian Bayer: So habe ich die in Erinnerung, dass das so ein bisschen Dänemark treten Tarantino-Film und es gelingt erstaunlich gut. Und zwar ist das die Fortsetzung von In China essen sie Hunde, glaube ich, wenn ich mich recht erinnere, vom selben Regisseur auf jeden Fall, von Anders Thomas Jensen. der Adams Äpfel gedreht hat. Einer der besten dänischen Filme der letzten... 50 Jahre, keine Ahnung, aus dem Jahr 2005.
Johannes Franke: Ah, okay.
Florian Bayer: Adams Äpfel ist auch so ein kleiner, eher so ein Engel, der immer mal wieder auf meine Schulter springt und sagt, zeig den Johannes. Aber Johannes kennt den doch schon.
Johannes Franke: An den nenne ich mich auch. Aber den können wir sehr gerne nochmal gucken.
Florian Bayer: Ein Film, in dem ein Priester und ein Nazi einen epischen Kampf darum führen, ob das Gute oder das Schlechte die Welt regiert. Und es geht auch um Apfelkuchen und um Crane und um... Sehr merkwürdiger Umgang mit Krankheit und mit Leid.
Johannes Franke: Ich erinnere mich aber auch nicht mehr gut genug, als dass ich irgendwie sagen könnte, wie die Handlung eigentlich lief.
Florian Bayer: tolle Mischung aus Komödie, Drama, Mystery, Horror, irgendwas.
Johannes Franke: Okay, dann lass uns den gerne nochmal gucken, irgendwann.
Florian Bayer: Wir haben unser Fazit schon gesprochen.
Johannes Franke: Ja, wir haben unser Fazit schon gesprochen. Dr. Sleep. Eine gute Fortsetzung für Plur, nicht die allerbeste, für mich eine relativ gelungene und das will was von mir heißen, wenn es um Horror. geht. Gelungene Horrorverfilmung. Schaut ihn euch an, wenn ihr irgendwie anderer Meinung seid. Schreibt uns gerne. Dann schmeißen wir das gepflegt in den Papierkorb, wenn es uns nicht passt.
Florian Bayer: Ihr wisst, wo ihr uns findet. Dr. Sleep, ein etwas besserer King-Film. Keine würdige Fortsetzung von Shining. Aber das war auch nicht zu erwarten. War okay. War tatsächlich einfach okay. Ich bin nicht unzufrieden, dass ich ihn gesehen habe. Aber ich hab das Gefühl, ich hätte meine Zeit besser nutzen können.
Johannes Franke: Oh nein. Nein, nein, ich fand den schon ganz gut. Okay, dann bin ich mal gespannt. Spannend, was du zu dem anderen sagst, den ich vorgeschlagen habe. Ich auch. Dann machen wir jetzt eine Pause und dann sehen wir uns wieder. Hören wir uns wieder.
Florian Bayer: Da sind wir wieder.
Johannes Franke: Jetzt sind wir wieder.
Florian Bayer: Nachdem ich einmal ins Off geschrien habe, da sind wir wieder. Und Johannes gesagt hat noch nicht und ganz schnell den Knopf gedrückt hat.
Johannes Franke: So, wir sind zurück und haben unseren zweiten Film auf dem Tisch liegen. Und zwar I'm Thinking of Ending Things. Von Charlie Kaufmann.
Florian Bayer: Johannes, führst du uns ein in diesen... leichten, lockeren, geradlinigen Film.
Johannes Franke: Diese romantische Komödie.
Florian Bayer: Von Robert Zemeckis.
Johannes Franke: Ich habe mich so gefreut. Okay, ich mache erst mal die Einführung. Gerade mal sechs Wochen ist die Beziehung von Jake und der jungen Frau mit den vielen Namen alt. Und doch scheint sie schon zu wissen, worauf all das hinausläuft und denkt darüber nach, die Beziehung zu beenden. Thinking of ending things. Wir hören immer wieder ihre Gedanken, aus denen sie von Jake gerissen und in die Wirklichkeit geholt wird. Oder... Ist es die Wirklichkeit? Die Geschichte wird streckenweise so surreal erzählt, dass man sich nicht sicher ist, was real und was in ihrem oder seinem Kopf passiert. Die Romanvorlage des Films beantwortet diese Frage eindeutiger. Es scheint sein Kopf zu sein, der sich erinnert. Ein alter Hausmeister in einer Schule, in der jedes Jahr das gleiche Musical Oklahoma aufgeführt wird. In diesem Licht des sich erinnernden alten Hausmeisters wird der Satz Thinking of Ending Things vielleicht eher zum Suizidgedanken? Fragen, die der Film eigentlich gar nicht so offen stellt und schon gar nicht beantwortet. Er zeigt nur Situationen, Zukunftsvisionen, Vergangenheitsbewältigung, Erinnerungslücken. Die Frage ist, sollen wir das Ganze überhaupt verstehen? Was meinst du, Bloor?
Florian Bayer: Sollen wir es verstehen? Charlie Kaufman mag es, wenn er nicht ganz verstanden wird.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ich habe die Romanvorlage nicht gelesen, aber ich habe natürlich auch geguckt, was passiert im Roman und was ist im Roman anders. Und offensichtlich hat sich Kaufmann dafür entschieden, und das halte ich ihm sehr zugute, das, was im Roman sehr eindeutig ist, abstrakter und chiffrierter zu erzählen, weil er damit auf die Geschichte aus dem Roman auch so ein paar... wirklich irre, irrsinnige Takes hat. Vor allem, was die Rolle von unserer namenlosen Protagonistin betrifft. Weil die wird dadurch ... noch mal ein ganzes Stück stärker. Und die Imagination wird dadurch ein ganzes Stück widerspenstiger. Und das finde ich sehr spannend an dem Film.
Johannes Franke: Aber ein ganzes fettes Stück widerspenstiger. So widerspenstig... dass ich nicht drauf kommen kann, dass wir in seinem Kopf sind. Ich komme einfach nicht drauf.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich hab's nicht. Ich hab zwischendurch gedacht, ah, der Jake ist vielleicht der Hausmeister, den wir immer zwischendurch sehen. Ja.
Florian Bayer: Das ist auf jeden Fall eindeutig. Es gibt definitiv so Momente, wo das ganz klar ist.
Johannes Franke: Genau. Aber ... Ich bin nicht darauf gekommen, dass er als alter Mann Erinnerungsfetzen hin und her wirft und dass sie eigentlich auch nur... Ein Hybrid aus allen möglichen Vorstellungen davon ist, wie vielleicht eine Frau hätte sein können, die er trifft, die vielleicht bleibt oder nicht bleibt oder die... vielleicht mal getroffen hat, die aber Tropes von anderen, also einfach Merkmale von anderen Leuten mitnimmt. Es ist ein riesiges It's a mess. Das ist unglaublich. Aber ich komme da nicht drauf so richtig. Und ich... Ich finde halt, da bin ich, ich glaube, da ist unser großer Unterschied, Flo, ich wüsste es halt gern.
Florian Bayer: Der Hermeneutiker, der gerne eine klare...
Johannes Franke: Nein, nicht so eine ganz, ganz klare. Ich freue mich, wenn Leute sich in Andeutungen ergehen, aber ich will zumindest eine Chance haben darauf. Und das Buch gibt ja die Chance auch erst am Ende.
Florian Bayer: Ja, aber das Buch ist ja ganz eindeutig. Das Buch erzählt ganz eindeutig, sie ist einfach nur eine Imagination. zusammengesetzt aus Erinnerungen, aus früheren Beziehungen oder Fastbeziehungen. Beim zweiten Sehen fand ich es klarer. Ich habe ihn ja jetzt zum zweiten Mal gesehen. Und ich fand es eindeutiger. Aber natürlich mit einem ganzen Haufen Hintergrundwissen. Ich erinnere mich, dass ich nach dem ersten Sehen auch ... Wikipedia aufgemacht habe und gedacht habe, was ist der Unterschied zwischen Buch und Film? Aber ich hatte, das war meine Interpretation davon. Ich dachte so, okay, das Ding ist hermetisch, das Ding will nicht komplett entschlüsselt werden. Das ist sehr ... sehr, sehr, sehr bizarr erzählt und es ist merkwürdig erzählt. Es hat einfach Momente, die sich einer klaren Interpretation entziehen. Aber ich denke, sie ist nur imaginär und sie bewegt sich irgendwie in seinem Kopf. Und das ist ja das, was das Buch erzählt. Das ist einfach nur seine Vorstellung. Und hier kriegt sie aber wirklich eine Persönlichkeit. Das ist so geil, dieser Kampf gegen... Dagegen, nur eine imaginäre Figur im Kopf zu sein und dieses Aufbegehren dagegen.
Johannes Franke: Das ist halt Kaufmann. Das ist halt wirklich so ein typisches... Also ich kann nicht in Worte fassen, was Kaufmann ausmacht, aber... Ich gucke das an und denke, typisch Kaufmann. Warum denke ich das? Kannst du das in Worte fassen?
Florian Bayer: Kaufmann liebt Geschichten, die verquer sind. Und sich immer um sich selbst kreisen und dabei immer wieder so ein bisschen zustechen und Meta-Ebenen eröffnen und Handlungen kaputt machen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Was ich ganz krass finde, ist, wenn Kaufmann einen Regisseur an der Seite hat, dann wird deutlich mehr seine humoristische Seite herausgekehrt. Also seine Filme, die er mit Spike Jonze gemacht hat, sind deutlich humoristischer. Und wenn Kaufman einfach nur auf sich gestellt ist, dann wird er... unglaublich traurig und fast schon depressiv teilweise. Er hat jetzt drei große Regierarbeiten gemacht. Ich liebe jede einzelne davon.
Johannes Franke: Aber die sind alle düster.
Florian Bayer: Die sind alle düster und deprimierend. Ich finde, der hier ist noch mal ein bisschen... Ein bisschen leichter als der letzte Anomalisa, der einfach nur krass deprimierend war. Danach saß ich wirklich da so, ich will einfach nur noch in Embryo-Haltung in der Dusche liegen. Das fand ich hier nicht ganz so krass, weil er auch immer so ein Stück weit irgendwie einen schrägen Optimismus mitschleppt tatsächlich. So ein Stück, das Leben ist halt so, aber ja, ich will es nicht entschärfen, es ist schon ein fucking deprimierender Film.
Johannes Franke: Aber wirklich. Und die deprimierendsten Geschichten sind das mit dem Schwein, das er immer wieder aufbringt, das von Maden zerfressen wurde. also beim lebendigen Leib von Maden zerfressen wurde. Was er immer wieder als Beispiel rauskramt für die Tragik des Lebens. so als Symbolbild, erscheint also einfach ein von Grund auf depressiver Mensch gewesen zu sein und ist halt jetzt, guckt auf sein Leben zurück und hat einen Haufen kleine Momente, Versatzstücke, die in diesem Film einfach wild zusammengeworfen werden.
Florian Bayer: Was ich Kaufmann tatsächlich vorwerfe bei diesem Film ist, es ist so ein bisschen eine Mogelpackung. Ich habe den angefangen zu gucken und dachte... ah, endlich mal was Neues, endlich mal was anderes. Weil bei Kaufmann hat man immer das Gefühl ... Er schreibt über 40-jährige depressive Menschen, die ihr Leben bereuen. Also sich selbst. Ja. Und dann siehst du hier den Film und du bist im inneren Monolog einer Frau und denkst, ja, genau. Und dann ist das eine komplette Mogelpackung, weil am Schluss ist es eben doch wieder ein alter, weißer Mann, der sein Leben bereut und über sein Leben nach denkt.
Johannes Franke: Womit wir gleich bei der gehässigsten Frage des ganzen Films wären, ist sie einfach nur das Pixie Dream Girl? das dazu da ist, den männlichen depressiven Protagonisten zu helfen.
Florian Bayer: Ja, aber sie wehrt sich dagegen. In seiner Wahrnehmung ist sie das und dann wehrt sie sich dagegen und macht ihm das kaputt. Und vollkommen zu Recht, weil er ja offensichtlich eine Frau, die er einmal in einer Bar gesehen hat und die er gruselig angeguckt hat, die sich dabei unwohl gefühlt hat. Weil er die schnell zu seiner Beziehung macht in seiner Erinnerung oder sich vorstellt, wie eine Beziehung mit ihr sein könnte.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und sie sagt dann ja so ein bisschen nee und sie wehrt sich dagegen und sie ist verstört. Dadurch zuerst ist sie eine Gefangene. Im wahrsten Sinne des Wortes ist sie ganz lange in dem Film eine Gefangene. Aber gegen Ende bei der Rückfahrt bricht sie ja aus dieser Rolle aus und wird dann auch wirklich ... hässlich ihm gegenüber und wehrt sich gegen ihn. So ein Befreiungsschlag und das ist ein bisschen, also ich meine, das ist total deprimierend, wenn da eine imaginäre Freundin mit ihr Schluss macht. Aber genau das passiert in diesem Film.
Johannes Franke: Stimmt. Oh nein. Aber lass uns mal in das erste... In die erste Location gehen. Wir haben das Auto, wir haben das Auto, wie lange? Wir haben das Auto insgesamt 40 Minuten. Am Anfang haben wir sie 17 Minuten ungefähr im Auto. Dann gibt es die Farm, also das Haus da und dann sind sie nochmal 22 Minuten oder sowas wieder im Auto.
Florian Bayer: Tatsächlich fühlt sich der Plot auf der Farm an, obwohl der das Zentrale ist, fühlt sich gar nicht so lang an.
Johannes Franke: Nee. Irgendwie nicht, aber irgendwie, also es ist so ein nebenher, so ein nebenbei Ding. Ich dachte, als es kam, okay, jetzt sind wir angekommen und hier erzählen wir jetzt die Geschichte. Ja. Aber nein, nein.
Florian Bayer: 30 Minuten ungefähr dauert das auf der Farm, oder? So roundabout.
Johannes Franke: Könnte hinkommen.
Florian Bayer: Und dann ist, also eigentlich nehmen die Szenen drumherum, nehmen tatsächlich mehr Leinwandzeit ein. Leinwand ist viel gesagt, wir haben nie einen 4 zu 3 Film, der auf Netflix läuft.
Johannes Franke: Es ist super, 4 zu 3 Format, das ist total toll. Also es hat wirklich sich gelohnt, das so zu machen. Ich weiß nicht genau, ob er irgendeinen philosophischen Unterbau dafür hat, aber... Ich finde es grafisch toll.
Florian Bayer: Es passt gut zu der Beklommenheit dieser Erzählung und natürlich auch so ein bisschen zu der Referenz, die immer wieder aufgemacht wird zu diesen 90er Jahren Rom-Coms. die halt auch offensichtlich ein TV-Erlebnis von ihm sind. Fernsehen spielt in seinem Leben eine große Rolle. Es gibt ja auch diese Cartoon-Szenen, die gezeigt werden. Es gibt diesen klassischen Röhrenfernseher, der da in seinem Office steht. Deswegen passt es einfach. Sein Kopf ist halt auch so ein bisschen sortiert, wie das, was er gesehen hat, wie das, was er gelesen hat, was er gehört hat.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und er mischt das alles durcheinander. Und dazu passt einfach das 4 zu 3 Format.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Und natürlich, wie du sagst, die Beklommenheit wird natürlich stärker, weil du keinen Raum an der Seite hast. Du hast keine Luft, sondern es ist alles in eine engen Kadrasch eingestellt. sperrt im Grunde. Und das ist schon ein guter Schachzug.
Florian Bayer: Man hat auch immer ein bisschen Angst vor dem, was außerhalb ist. Der Film ist zwar kein Horrorfilm, aber er hat diese Horror- Und wenn sie dann durch den Schneesturm fahren und du hast links und rechts einfach Schwärze und du weißt, da ist auch offensichtlich so nichts. Und dann sagt die Frau in der Eisdiele noch, ich habe Angst, dass du weiterfährst. Boah. Das war ein krasser Moment. Wirklich das Gefühl, da gibt es einen tiefen, tiefen Abkommen. um diese Kartrasch drum herum und du fühlst dich so ängstlich, weil du diesen Abgrund nicht sehen kannst, aber der ist halt ständig präsent. Sie fahren am Anfang die ganze Zeit durch nichts. Und sie fahren am Ende durch nichts.
Johannes Franke: Und ich habe mich am Anfang wirklich sehr gefreut, weil es einfach sehr, sehr lange Nur im Auto. Ich hab fast damit gerechnet, dass der ganze Film nur im Auto spielt. Und ich fand das eigentlich sehr, sehr cool. Ähm ... Man hat natürlich nicht viel Abwechslung. Man kann nur zwischen den beiden hin und her schneiden und eine Zweier machen und dann noch ein bisschen draußen das Auto, wie es fährt. Aber mehr ist da nicht möglich. Aber das hat trotzdem funktioniert. Es lebt ja eher vom Dialog und vom Spiel der beiden, wie sie so...
Florian Bayer: Jesse Buckley und Jesse Plemons. Sie spielen beide großartig. Bei Jesse Plemons habe ich immer so ein bisschen das Gefühl, dass Kaufmann ihm gerne so einen Flip-Sima Hoffmann-Gedächtnispreis verleihen würde.
Johannes Franke: Ja, das habe ich von der ersten Minute an das Gefühl, absolut. Aber es passt auch und es funktioniert auch.
Florian Bayer: Hoffmann hat ja doch hier in New York, der sehr ähnlich ist von den Themen zumindest, auch wenn er viel epischer ist und nicht so ein Kammerspiel, hat er auch mehr Budget. Den hat er ja mit Philip Seymour Hoffmann gedreht. Und in jeder Minute des Films, denke ich, hätte ihn eigentlich auch gerne mit ihm gedreht.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und Jesse Plemons ist aber ein guter Ersatz. Den kennt man vor allem aus Breaking Bad wahrscheinlich als ... Vielleicht psychopathischer Killer und aus Fargo.
Johannes Franke: Ah ja, genau, aus Fargo. kenne ich ihn. Also aus Breaking Bad bestimmt auch, aber da habe ich ihn nicht in Erinnerung. Ich habe die ganze Zeit gedacht, woher kenne ich ihn eigentlich? Und jetzt stimmt, genau.
Florian Bayer: In Breaking Bad spielt er den Tod, der ganz am Schluss zu der Crew dazukommt und der von Walter White dann beigebracht bekommt, Drogen zu kochen,
Johannes Franke: Aha.
Florian Bayer: Und der diese Nazi-Onkel hat und der dann am Schluss Jesse gefangen nimmt, um ihn zum Meth-Kochen zu zwingen. Du guckst, da hattest du keine Erinnerung mehr an Drake. Nein.
Johannes Franke: Ich fand Breaking Bad total toll, aber ich glaube, das ist einfach irgendwo in einer Schublade verschwunden in meinem Kopf.
Florian Bayer: Und sie schaffen es zusammen, diese awkward moments, diese Momente der Stille und der Dialoge, die so aneinander vorbeilaufen und sich nicht so richtig treffen. schaffen sie echt gut umzusetzen.
Johannes Franke: Aber ich frage mich die ganze Zeit, warum sind die zusammen im Auto unterwegs? Sie scheint genervt, er scheint irgendwie völlig awkward da zu sitzen und nicht zu wissen, was er sagen soll. Und die sollen zusammen sein? Hallo? Hä?
Florian Bayer: Das wirkt von Anfang an wie so eine total kaputte Beziehung. Aber sie sind auch erst sechs Wochen zusammen. Aber offensichtlich haben sie keine richtigen Gesprächsthemen. Sie kämpfen um jeden... Dialogfetzen, den sie kriegen können.
Johannes Franke: Das tut weh.
Florian Bayer: Und jede Stille zwischen ihnen ist unangenehm. Es gibt ja, also in Beziehungen hat man ja auch Momente der Stille, aber die sind angenehm. Ja, Da kann man sich einfach anschweigen. Aber diese stillen Momente sind einfach richtig unangenehm.
Johannes Franke: Und deswegen habe ich aber auch Schwierigkeiten... zu verstehen, was der Film will, weil ich natürlich nach jedem Storheim suche, der mir irgendwie was Vertrautes bringt. Und diese beiden sind halt so... miteinander nicht vertraut und ich kann mit keinem so richtig mitgehen, mit ihr so ein bisschen, aber dafür nervt es mich auch ein bisschen zu sehr, dass Siego nervt ist von ihm.
Florian Bayer: Und dann dieser Moment, wenn er sagt, hast du was gesagt?
Johannes Franke: Und sie so, äh, nein, nein. Und es ist schön und ich bin die ganze Zeit bei ihr. Aber dann eben doch nicht bei ihr. Und natürlich macht das Sinn am Ende, dass ich das nicht wirklich bin und dass das so gespielt ist, wie es gespielt ist. Aber ich frage mich halt die ganze Zeit, was will der Film, was will der Film, was will das mir sagen? Ich kenne sowas sonst nicht, ich kenne so eine Situation nicht. Mir wird ja auch nicht gesagt, die hatten gerade einen großen Streit oder sowas. Nein, ich weiß einfach nicht, in welcher Situation sie sind und warum die jetzt in dieser Situation, in der sie sich... um jedes Wort bemühen müssen, zu seinen Eltern fahren. Was zur Hölle?
Florian Bayer: Ich finde auch tatsächlich sechs Wochen sind reichlich früh, um sie in die Einöle zu fahren zu den Eltern. schon etwas, ein merkwürdiger Move, der total gut zu ihm passt. Ja, ja, ja. Offensichtlich, also ... Er ist sehr bieder. Also er hat einen Stock im Arsch.
Johannes Franke: Und unbeholfen ist er. Hochzehnen. Das ist unglaublich.
Florian Bayer: Und sie scheint ja eher lebenshungrig zu sein.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. aber dafür auch nicht konsequent genug mit dem, was sie sagt, also wie sie auch handelt und so. Also irgendwie, weiß ich nicht. Aber das Schöne ist ja, wenn ich jetzt das Ganze nochmal sehe und also Gruß an jeden Zuhörer, der den Film noch nicht gesehen hat. Ihr habt einen großen Vorsprung, ihr wisst jetzt, es passiert im Kopf. des Mannes. Das hilft euch, den Film durchzustehen.
Florian Bayer: Tatsächlich ein Film, der durch Spoiler besser werden könnte.
Johannes Franke: Ja, und ich glaube, ich muss ihn noch mal gucken, weil mit dem Wissen, dass es sein Ding ist, kann ich viel mehr genießen, dass er ... So verschiedene Charakterzüge von ihr ausprobiert. Mal hält sie einen riesigen Vortrag über einen Film. Und zitiert im Grunde nur so eine Review, die er mal gelesen hat und wirkt total lebendig. Und an anderen Momenten ist sie völlig anders. Mal ist sie Physikerin, mal ist sie Dichterin. Mal ist sie Malerin. Und das ist krass, weil der einfach alles ausprobiert. Wie wäre sie denn, wenn sie so wäre oder was wäre, wenn sie Malerin wäre? Wie würden meine Eltern darauf reagieren?
Florian Bayer: Mal heißt sie Lucy, mal Luisa, mal Lucia, mal nennt er sie Amos und sie kriegt dann auch Anrufe von dieser Lucy. Also offensichtlich gibt es auch andere Frauen in seinem Kopf, die irgendwie mit ihr Kontakt Ja.
Johannes Franke: die im Grunde aus der Gegenwart anruft und sagt, es gibt nur noch eine Frage zu klären. Und ich weiß nicht mehr genau, was die Frage war, aber es war keine eindeutige.
Florian Bayer: Es ist sehr viel, was geredet wird, was scheinbar dazu nichts führt. Der Film ist voll von Referenzen.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Und das habe ich mir eben auch einfach so erklärt, dass er sich in seiner Fantasie Beziehungen und Sachen ausmalt und Und er ist kein besonders kreativer Mensch. Das ist sehr traurig, aber dieser Mensch, in dessen Kopf der Film stattfindet, ist kein kreativer Mensch.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: D.h., seine Fantasie ist beschränkt auf das, was er im Fernsehen gesehen hat. Diese Robert Zemeckis-Liebesfilme. Und die Gedichte, die vorgetragen werden im Film, sind halt Gedichte, die er gelesen hat. Und die Bilder, die gezeigt werden, sind Bilder, die er irgendwo mal gesehen hat.
Johannes Franke: Er hat übrigens Robert Zemeckis angerufen und angefragt. Als es im Drehbuch stand, war noch gar nicht dabei, dass es ein Film von Robert Zemeckis sein soll. Und dann hat es irgendjemand vorgeschlagen, ich glaube der Editor. Und dann hat er angerufen und gefragt, ob es okay ist.
Florian Bayer: Das ist so ein süßer Charlie Kaufman-Move. der immer so ein bisschen unbeholfen wirkt und eigentlich auch gemocht werden will.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Auch wenn dieser Film das nicht unbedingt zeigt, dass er gemocht werden will, weil es wirklich ein abstrakter und Spulda-Film ist. Ich finde diese ganze Autofahrt grandios. Also einmal diese Referenzen waren und diese Dialoge... die so oft aus Trivialitäten bestehen, die aber gleichzeitig eben so viel... Inneres von unserem Protagonisten, von unserer Protagonistin auch offenbaren. Und natürlich alles deprimierend und alles ist Leid und das Leben ist ein Trauertal und wir schreiten da irgendwie durch. Du leidest und leidest und leidest und irgendwann stirbst du. Es ist aber wirklich gut umgesetzt. bin da so reingezogen von Anfang an und tatsächlich will ich gar nicht, ich habe kein Interesse daran zu wissen, was der Film will, aber
Johannes Franke: Habe ich auch ganz lange nicht. Ein Film will nichts. Aber das stimmt und ich sitze auch tatsächlich davor und denke, ja, ja, gut, erzähl mal, weiter. Ich sitze einfach gerne da und schaue einem Menschen dabei zu, also dem Film. Ich mache dabei zu, wie er einfach sagt, ich mache das jetzt mal anders. Mal gucken, wie weit das trägt. Ich finde es Dreck, ziemlich lange.
Florian Bayer: Es ist halt auch on point. Das Unwohlsein entsteht in diesen Szenen, die auch wirklich Unwohlsein evozieren. Ja. Der Humor, der spärlich ist, aber manchmal durchsplitzt, kommt auch in den Szenen, die witzig sein wollen. Ich habe nie das Gefühl, dass ein Gefühl in mir ausgelöst wird, was nicht in diesem Film gegeben ist. Sondern ich bin immer in der Situation, in dem Gefühl ... dass der Film gerade hinreicht.
Johannes Franke: Das ist schon krass und dann hatten sie irgendwie eigentlich 30 Drehtage dafür und haben es runterkürzen müssen auf 24 und dann konnten sie die manche Sachen nur so dreimal drehen, drei Takes. Und das ist für einen Schauspieler bei so einem Stoff, bei solchen Situationen schon schwierig. Also sie hatten wirklich... grandiose Schauspieler, die es geschafft haben, in drei Takes das so hinzukriegen. Das finde ich schon krass. Ja, also wirklich beeindruckend.
Florian Bayer: Kaufman ist, glaube ich, einer, der es immer schwer haben wird im amerikanischen Filmbiss, weil der hat ja mit Zynek doch in New York. Hat er ja quasi seinen Opus Magnum vorgelegt. Und auch ein unglaublich sprühler Film, aber er hat 20 Millionen dafür verbrannt. Und wenn man den Film sieht, sieht man, dass wirklich jeder einzelne Dollar in diesem Film gerechtfertigt ist.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Weil er hat riesige Kulissen aufgebaut. Wirklich ein grandioses Set. Er hat einmal halt ... Der Film ist genauso größenwahnsinnig wie die Personen, die in diesem Film im Mittelpunkt stehen. Das Ding hat 20 Millionen gekostet und hat irgendwie keine 5 Millionen am Box-Office eingenommen.
Johannes Franke: Oh, fuck.
Florian Bayer: Und wenn man den Film sieht, versteht man auch, warum. Weil das ist einfach kein Film, der Geld bringt. Das ist ein Film, wo die Leute reingehen und dann zu ihren Freunden oder Freundinnen sagen, du darfst dir diesen Film nicht angucken. Das war zwei Stunden Zeitverschwendung. Keine Ahnung, was dieser Film von mir will.
Johannes Franke: Aber du liebst ihn.
Florian Bayer: Ja, Synecdoche New York ist einer der besten Filme. Ich liebe alles von Kaufmann. Sinek Doch in New York ist ein Meisterwerk, das wird auch unerreicht bleiben. Danach hat er halt einen ganz kleinen Film gedreht mit Anomalisa, das war ja dieser Animationfilm, den er mit Kickstarter finanziert hat.
Johannes Franke: Ach so.
Florian Bayer: Und I'm Thinking of Ending Things ist ja auch so ein Ding, dass er halt irgendwie ganz froh war, dass er irgendwie ein bisschen Geld gekriegt hat und dann hat er es halt, das ist halt auch ein Low-Buy. Budgetprojekt, ne?
Johannes Franke: Ja, er hatte, er sagte, mir wurde plötzlich klar, dass ich... seit zehn Jahren nicht wirklich was gemacht habe in der Richtung und dass das vielleicht meine letzte Chance sein könnte, sowas zu machen. Und dann einfach loslegen.
Florian Bayer: Und Kudos an Netflix, dass sie das machen. Das ist ein Netflix-Projekt. Und dass sie sagen, hey, Kaufmann, der hat einen Ruf in Indie-Kreisen. Der ist extrem beliebt, der bringt kein Geld, aber hey, wir haben unsere Abonnenten und das sind die Leute, die auch Wir haben auf jeden Fall Leute, die sich total drüber freuen würden. Und ich kann mich noch erinnern, als ich den Trailer gesehen habe zu diesem Film Anfang 2020 dann. Mhm. neuer Kaufmann-Film auf Netflix und dann halt ... Es war so ... Jaaaaaah!
Johannes Franke: Schön. Danke, dass du darauf geachtet hast, nicht zu laut zu schreien und das Mikro zu übersteuern. Ich hab mir Mühe gegeben. Ja, wir haben uns im Trailer ja kurz vorher nochmal angeschaut. Einer der wenigen Trailer, die wirklich richtig gut sind. Der Trailer ist wirklich toll geworden. Also der verrät nicht so viel, der schiebt den Film nicht in eine Richtung, die er nicht hat und ist genauso surreal wie der Film. Das ist wirklich gut. Es gibt selten Trailer, die wirklich gut sind.
Florian Bayer: Ja, sehr gut getroffener Trailer auf jeden Fall. Und dann kommen wir zum Herzstück des Films, zur Farm, ne?
Johannes Franke: Ja, die Farm mit dem Schwein, das da... Oh Gott, die Geschichte ist so... Und ich wusste erst nicht, was Magazin sind. Dann habe ich erst mal gegoogelt und dann wurde mir noch mal schlechter.
Florian Bayer: Am Ende der 90er sind es noch gehört, deswegen weiß ich, was Maggots sind. Die haben nämlich New Metal Band, die ihre Fans als Maggots bezeichnet haben.
Johannes Franke: True Maggots. Oh Gott, ist das gemein. Naja, jedenfalls von dem Schwein, das da... warum, weiß ich nicht mehr ganz genau, aber es lag da die ganze Zeit oder mehrere Schweine lagen da und sind... Bei lebendigem Leib gefressen worden von Magen.
Florian Bayer: Magen zerfressen.
Johannes Franke: Ja, und dann geht es in dem Hause selbst mit den Eltern total surreal. Sie sind mal älter und mal jünger. Grotesk. Sie sind mal hier, mal da, plötzlich, ich stand am Fenster, dreht sich um, alle sind weg. Es ist, also wirklich...
Florian Bayer: Sie sind auch komplett launig, ne? Mal sind sie so... Total exaltiert, fröhlich und hey, schön, dass du da bist. Mal sind sie komplett kalt abweisend. Der Vater wechselt auch so zwischen so klassisch weißer alter Mann Stereotyp, der sagt, ich hasse abstrakte Kunst und das ist voll scheiße. Und dann ist er ganz nett und schaut sich die Bilder von ihr an und die Mutter genauso. Es gibt kein klares Bild, keine Struktur. Dieser ganze Abend ist... Ein reines Chaos. Also es ist strukturiert dadurch, dass sie im Wohnzimmer auf die Eltern warten, dann irgendwann am Esstisch sitzen und essen und dann den Nachtisch essen im Wohnzimmer. Aber es geht einfach drunter und drüber.
Johannes Franke: Ja und sie sagt immer wieder, ich muss nach Hause draußen, sieht es furchtbar aus, lass uns wieder losfahren.
Florian Bayer: Sie wird gefangen gehalten in diesem Haus so ein bisschen.
Johannes Franke: Total krass. Und er kümmert sich dann um seine sterbende Mutter, die dann nächste Szene wieder voll da ist. Es ist total krass.
Florian Bayer: Ja, das ist auch wirklich düster. Es gibt ja diese zwei Momente, einmal dieses nach oben gehen in sein altes Zimmer und dann dieser Keller, der die ganze Zeit immer so präsent ist. ist, man sieht, dass die Tür zugeklebt ist.
Johannes Franke: Ja, wo dann Kratzspuren dran sind.
Florian Bayer: Eigentlich das platteste Bild des Films, dass es da runter ins Unterbewusstsein geht und da will sie nicht hin. Und er will auch nicht, dass sie da hingeht zuerst.
Johannes Franke: Aber das Schöne ist, er löst es ja damit auf, dass sie da die Uniform des Hausmeisters in der Wäscherei findet. Das ist ja gar nicht, das ist ja kein Monster oder sonst irgendwas und kein... Runter ins Unterbewusstsein. Stimmt ja fast gar nicht. Es ist ja bloß die Kleidung, die da in der Wäsche ist.
Florian Bayer: Ja, es ist tatsächlich ziemlich antiklimaktisch dann, wenn sie unten.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Ich finde, es gibt einfach großartige Momente in diesen... Haus. Also auch wirklich schräge Momente, wenn er am Esstisch so plötzlich ausrastet, weil seine Mutter was falsch sagt. dann eben permanent immer wieder dieser Wechsel von ihren Berufsbezeichnungen. Sie akzeptiert es auch ganz lang. Manchmal ist sie die Person, die sich denkt, hier stimmt doch irgendwas nicht, hier ist doch irgendwas falsch. Aber ganz oft ist sie auch einfach die Person, die dieses Spiel mitspielt.
Johannes Franke: Ja, genau. Und von der es auch ausgeht, weil sie ja von sich aus sagt, ich bin Malerin und im nächsten Moment sagt sie, ich bin Physikerin oder, ne?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das... es wechselt halt immer wieder. Und man fragt sich halt, weil man nicht weiß, weil der Film einem das nicht sagt, dass das in seinem Kopf passiert ist. fragt man sich halt die ganze Zeit, hä, hab ich irgendwas fast, wie zur Hölle kann ich das jetzt entschlüsseln, woher weiß ich was, wie, wo, warum, ich kann mich nicht festhalten, hallo. Es ist schon wirklich ein bisschen hart.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Auch dann, wenn die Eltern dann plötzlich in der Küche streiten und sie sitzen da so. Und man hört die Eltern wirklich laut miteinander zanken. Und dann fühlen sie sich wieder beide unwohl. Er fragt auch immer mal wieder, wie findest du sie denn? Findest du sie nett?
Johannes Franke: Und sie sagt dann immer wieder, ja, ja, klar, das sind tolle, herzensgute Menschen.
Florian Bayer: Eine merkwürdige Atmosphäre die ganze Zeit.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber es gibt so Hinweise darauf, dass er eigentlich nicht er ist. Wenn zum Beispiel die Mutter fragt, erinnerst du dich noch an deinen 50. Geburtstag und er sagt, sehr wütend, mein 20. Geburtstag. Wo so klar ist, okay, wir haben hier offensichtlich irgendwas. Es ist eine andere Person. Dann sehen wir die Bilder von dem Hausmeister. Wir sehen diesen Hausmeister immer mal wieder durch die Schule gehen. und wir sehen den Hausmeister, diesen Roberts-Mackis-Liebesfilm gucken.
Johannes Franke: Das hilft uns wenigstens ein bisschen. Und es hilft uns auch insofern, als dass wir den Robert Zemeckis-Film bei ihm, bei dem Hausmeister in der Gegenwart, sag ich jetzt mal, sehen. Und dann in seiner Erinnerung als quasi Kennenlernszene. Weil auch die Geschichte des Kennenlernens zwischen dem Mädchen und ihm immer wieder wechselt. Und dann kommen wir sozusagen aus diesem Robert Zemeckis-Film in die Situation der Eltern hinein. sodass wir dann schon irgendwie diese Verbindung zwischen dem Hausmeister und dem Haus haben. Ich glaube, das war so der Moment, wo ich dachte, ah, okay, das ist der Hausmeister, der Jack.
Florian Bayer: Ich finde, was ganz stark ist, wo es ganz offensichtlich ist, noch bevor sie in den Keller geht, ist, wenn sie oben in seinem Zimmer ist und dann schaut sie sich sein Spielzeug an und dann denkt man, also zumindest ich denke aber im gewissen Moment ... Moment mal, das Spielzeug sieht nicht aus wie von jemandem, der jetzt 30 ist. Das ist Spielzeug, das sieht aus wie aus einer anderen Zeit. Das sieht aus wie aus den 40ern. Oder 50ern des 20. Jahrhunderts. Wo man einfach sieht, okay, das ist nicht von ihm. Das kann nicht dieser Typ sein. Der ist ja, so alt wie der jetzt ist, ist der in den 90ern groß geworden. Da müsste anderes altes Spielzeug dastehen und nicht sowas, was irgendwie aus dem Zweiten Weltkrieg zu sein scheint.
Johannes Franke: Ja, ist richtig. Was ich auch sehr spannend fand, da steht ja an der Tür Jacks altes Kinderzimmer. Ja, Jake, Jakes altes Kinderzimmer. Und ich frage mich ganz lange, hä, warum ist da dieser, also ich meine, hä? Dieser Zettel? Dieser Zettel, sehr spezifische Zettel. Was macht er da? Und dann kommt halt der Vater und... sucht die ganze Zeit nach Worten und erklärt ihr dann, dass er überall Zettel hinterlassen hat, damit seine beginnende, und er kommt selber nicht auf das Wort. beginnende Demenz.
Florian Bayer: Der Vater, der plötzlich ganz alt ist. Als sie im Haus ankommen, sind die Eltern 50, 60? Irgendwie so um den Dreh vielleicht? Ja. Und dann ist der Vater plötzlich 80 oder 90 und das ist auch der Moment, wo sie dann runter geht und dann sieht sie, wie Jack seine Mutter füttert, die im Sterben liegt. Und das ist auch so ein schöner Moment, wo man merkt, okay, hier ist seine Wunschvorstellung von einer Frau, weil sie sagt dann, ich bin total beeindruckt davon, dass du so fürsorglich bist zu deiner Mutter.
Johannes Franke: Und er sagt, schön, dass du das sagst.
Florian Bayer: Ja, die Menschen sehen nicht, welche guten Dinge man tut. Es ist so, als wäre man alleine und als wäre niemand für einen da. Ja. Da sieht man eben so dieses Leben, das von einer Person gelebt wurde, weil der Hausmeister ist eben auch so 60, 70.
Johannes Franke: Ja, also ich glaube, der ist einfach nicht in Rente gegangen, weil er keinen Lebensinhalt hatte.
Florian Bayer: Und der ist auf jeden Fall jemand, der seine Eltern hat sterben sehen und der sich wahrscheinlich auch um seine Eltern gekümmert hat, als sie gestorben sind.
Johannes Franke: Ich hätte aber dem Film, ich glaube, ich wäre schneller draufgekommen, dass es ihm in dem Kopf das... Aber er will ja nicht, dass ich darauf komme. Aber ich wäre eher darauf gekommen, wenn öfter solche Situationen gewesen wären, die... ihn so affirmativ sagen, du hast alles richtig gemacht, hast du gut gemacht. Ja. sein Ego streicheln, dann weiß man schneller, ah, okay, da will jemand sich selbst eine bessere Welt her fantasieren, als er eigentlich hat.
Florian Bayer: Die traurige Wahrheit ist ja, dass das Ego dieses Hausmeisters auch ziemlich kaputt ist. Der hat ja dieses Selbstzweifel. Der flüchtet sich nicht in eine Fantasiewelt, weil er weiß, dass er ... eher auf der Verliererseite des Lebens steht, um es mal ganz hart zu sagen.
Johannes Franke: Ja, also es ist eindeutig, dass dieser Mann... kein schönes, kein erfülltes Leben hatte. Der hat immer zu viel, zu einsam, immer zu... zurückgezogen, Pech im Leben und depressiv einfach. Und das ist Das macht den Film halt auch anstrengend. Du hast keinen einzigen positiven Strohhalm. Nichts. Das ist schon hart.
Florian Bayer: Ja, die Frage, ich frag mich dann immer auch, das war bei Anomalisa auch so, ist das auch die Selbstwahrnehmung von Kaufmann? Und ich befürchte es so ein bisschen, vor allem nachdem ich Adaptation gesehen habe, der sich ja auch die ganze Zeit um die Selbstzweifel und Depressionen von ihm kreist.
Johannes Franke: Ja. Das ist schon krass.
Florian Bayer: Und das ist einfach mal ziemlich hart, so die ganze Zeit im Kopf von jemandem zu sein. der unglücklich ist, der unzufrieden ist, der das Gefühl hat, es nie anderen recht machen zu können. Der ständig Angst hat zu versagen.
Johannes Franke: Und das noch nach acht Filmen, die er sehr erfolgreich gemacht hat? Krass, Mann. Aber das ist ... Da können wir jetzt stundenlang über Künstler und ihre Kunst reden und über Selbstzweifel und Künstler, die im Grunde... Und eben genau davon angetrieben werden, weil sie nie in der Lage sind, sich irgendwann zu sagen, okay, ich kann vielleicht doch was.
Florian Bayer: Tatsächlich aber hinterlassen uns diese Menschen manchmal die größten Kunstwerke.
Johannes Franke: Aber es ist ein ganz fieses Bild. Also weil das ist die gefährliche Romantisierung von Künstlern, die eben halt mit, wie das auf dem Bild von Spitzweg. Der arme Poet, der sitzt da unter dem Dach mit einem Regenschirm, weil das Dach undicht ist und schreibt da glücklich vor sich hin. Diese romantische Vorstellung des glücklichen, aber armen Poeten.
Florian Bayer: Aber das macht dieser Film nicht. Dieser Film ist kein Porträt eines melancholischen Künstlers, der romantisiert wird. Weil dieser Mann... mit dem wir hier konfrontiert werden, ist kein Künstler. Dieser Mann ist kein kreativer... der einfach an der falschen Stelle ist, sondern es ist eigentlich ein ganz gewöhnlicher, einsamer Mensch. Er ist Hausmeister.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Er arbeitet seit Jahrzehnten an der Schule. Er hatte offensichtlich nie eine Ehe. Er scheint auch so, als ob er nicht sehr viele Beziehungen gehabt hätte.
Johannes Franke: Wahrscheinlich nicht.
Florian Bayer: Weil sie, wenn sie dann nochmal wirklich auf die Beziehung referiert, ganz am Ende, sagt sie ja ganz klar, ich hatte keinen Kontakt mit ihm. Ich denke schon, dass das ein Mensch ist, der irgendwie Beziehungen hatte. Aber ... Wahrscheinlich nicht sonderlich lange Beziehungen und nicht sonderlich glücklich machende Beziehungen, der lange bei seinen Eltern gelebt hat anscheinend, der sich um sie gekümmert hat, bis sie gestorben sind. Und der es nie aus seinem Heimatort rausgeschafft hat und in der Highschool als Hausmeister arbeitet, wo er wohl zur Schule gegangen ist, Außenseiter war, gemobbt wurde, das wird auch aufgemacht. Und der immer noch gemobbt wird, weil die ganzen jungen Leute über ihn lachen, wenn sie ihn auf dem Flur sehen und sich zu ihm rumdrehen und die Witze über ihn machen.
Johannes Franke: Da hatten wir dann zwei Zitate, die das sehr deutlich machen. The lie of it all. that it's going to be better, that it's never too late, that God has a plan for you, that age is just a number. Dieses Frustriertsein über das Leben, das ist einfach, wird einem so viel... Scheiße erzählt darüber, es wird alles besser und Gott hat irgendwas vor mit mir und das ist totaler Müll. Und dieser Frust des alten Mannes, dass nichts geworden ist.
Florian Bayer: Tiefste Reue.
Johannes Franke: Das ist schon hart. Und der dann auch sagt, other animals live in the present, humans cannot. So they invented hope. Es ist so, so, ja, so viele, aha.
Florian Bayer: Sehr viel, sehr viel Leid.
Johannes Franke: Oh mein Gott, alter Mann.
Florian Bayer: Traurigkeit, sehr viel Reue, sehr viel Wut auch, die immer mal wieder rauskommt.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Er hat auch diese Person, also Jake hat die ganze Zeit so eine angespannte Wut in sich.
Johannes Franke: Ja, vor allem mit den Eltern am Tisch und so.
Florian Bayer: Man hat oft das Gefühl, dass sie jederzeit ausbrechen könnte. Es gibt auch Momente, wo die ausbrechen.
Johannes Franke: Ja, aber er ist so verkrampft und so weiß nicht wohin damit und weiß nicht wohin mit sich. Und es tut einem die ganze Zeit weh, vor allem, weil man auch nicht weiß, wo man es hinstecken soll. Jetzt sage ich es schon wieder. Da ich ja nicht weiß, dass es um ihn geht, in seinem Kopf, weiß ich die ganze Zeit nicht, wo ich mit dieser Energie hin soll. die mir entgegenschwappt von ihm und von ihr und von der ganzen Situation. Ich würde es gerne ... Einmal, ich würde gerne Schublade aufmachen können und sagen können, okay, da kann das jetzt erstmal sein, damit ich den Rest des Films durchstehe.
Florian Bayer: Aber damit hat der Film ja schon verdammt viel erreicht, wenn er solche Emotionen auslöst.
Johannes Franke: Weil das macht er die ganze Zeit, ja. Von A bis Z. Also wirklich. Von Anfang an. Weil ich ja auch wirklich nicht weiß, worum es geht und was das soll. Nur Widersprüche aufeinandertreffen. bin ich von A bis Z on the edge of my seat, sozusagen, wie man so sagt.
Florian Bayer: Und dann stirbt die Mutter und man denkt, okay, jetzt ist es vorbei, aber nein, wir haben noch eine ganze Stunde vor uns und dann fahren sie nochmal nach Hause. Und dann haben wir wieder die Spiegelung der Autoszene vom Anfang.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Jetzt komplett durch das Schwarze nichts, nur Schneesturm außen vor. Ja. Und dann unterhalten sie sich und dann ist dann ja auch der Moment, wo sie... anfängt, so gegen ihn aufzubegehren, wo sie plötzlich, wenn sie über Filme reden, also sie reden zum Beispiel über eine Frau unter Einfluss, Wo sie wirklich sehr abweisend und sehr zynisch ihm gegenüber ist. Und er so ein bisschen auch so in die Defensive geht dann und sagt, naja, du bist die Expertin, ich kenne mich ja gar nicht so aus.
Johannes Franke: Das sagt er am Anfang auch schon bei den Gedichten. Stimmt, ja. Wo sie plötzlich so ein ewig langes Gedicht, wieso kann sie sich das merken, hä? Ja. Hat da jemand vorher Text gelernt?
Florian Bayer: Moment, ich muss einmal kurz gucken. William Wordsworth ist der Dichter des Textes. Und die Bilder sind von, zumindest einmal kurz, dass wir Credits für die, die das wirklich gemacht haben. Rolf Albert... Black Lock. Das sind die Bilder, die mal von ihr gemalt sind. Dann stehen sie bei ihm im Zimmer, als von ihm gemalt.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Aber tatsächlich sind sie von einem Künstler impressionistische Gemälde, impressionistische Landschaftsgemälde, könnte man sagen.
Johannes Franke: Weil er einfach, wie du sagst, eigentlich gar nicht genug Fantasie besitzt, um sich das alles auszudenken und deswegen nimmt das natürlich aus dem, was er irgendwo gesehen hat.
Florian Bayer: Deswegen ist seine Kennenlerngeschichte, eine von seinen Kennenlerngeschichten, auch wirklich ein Robert-Zemeckis-Film. Und er sieht dann ja auch diesen Robert Zemeckis-Film mit diesem kitschigen Ende. Wo es sogar ein Abspann für uns kurz gibt. Wir kriegen einen ganzen Robert Zemeckis Abspann. Das ist super. Ich fand die Stelle wundervoll. Aber dann fahren sie nach Hause und dann wird es wirklich düster und abgefuckt, weil dann streiten sie auch.
Johannes Franke: Ja und sie will nach Hause.
Florian Bayer: Sie will nach Hause, er will mal zurück zur Farm. Sie sagt dann immer, wir sollten jetzt wirklich mal nach Hause und er sagt zur Farm und sie so, nein verdammt, ich will in die Stadt zurück.
Johannes Franke: Das ist unglaublich. Sie wehrt sich richtig gegen diese Fantasie halt zu dir. Diese Fantasie, wir leben jetzt glücklich auf meiner Farm und alles wird gut. Das wird halt nichts.
Florian Bayer: Und dann kommt diese Eisdielen-Szene, die ich wirklich schrecklich finde.
Johannes Franke: Dieses richtig Übel. Und man leidet wirklich ganz dolle mit ihr mit, mit ihm mit. eigentlich mit allen Beteiligten, außer den beiden gickelnden Mädchen. Weil ganz offensichtlich diese Szene dazu da ist, um zu zeigen, dass er nie eine ordentliche Beziehung zu Frauen aufbauen konnte und nie in der Lage war, ordentlich mit... mit Frauen zu reden, auf die eine oder die andere, auf die romantische oder auf die ganz alltägliche Art und Weise. Er wendet sich im Grunde nur ab die ganze Zeit und mummelt da kleine Anweisungen an die Frau, die sich dann mit denen unterhält.
Florian Bayer: Ich habe in der Szene noch was anderes gesehen. Ich fand, das war ganz krass, dieses Bullying-Thema. Er hat Angst vor diesen beiden Teenager-Matchen.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, klar.
Florian Bayer: Und er sagt, sie lachen über mich und ich kann nicht mit ihnen reden, die machen ihm wirklich Angst.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und es wird nicht ganz klar, ob das Mädchen sind, die ihn gemobbt haben in seiner Schulzeit oder ob er jetzt, wenn er Hausmeister ist. Aber dann gibt es dieses eine Außenseitermädchen, das da steht.
Johannes Franke: Ja. Ja.
Florian Bayer: Und dann sieht man kurz diese Szene, wie der Hausmeister eben genau an diesem Mädchen vorbeigeht, die so ganz schüchtern ist und ängstlich durch die Gänge geht.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und sie hat halt auch überall diese Male dann, so Muttermale oder so. Wie Verbrennungen sehen die aus? Auf dem Arm?
Johannes Franke: Es sieht aus wie allergische Reaktionen eigentlich.
Florian Bayer: So irgendwas in der Richtung. Und dann nimmt er das Eis entgegen und dann sieht sie, dass er das auch hat. Und ich finde, da ist ganz stark so dieses ... Also ich weiß gar nicht, ob das so wichtig ist, dass er nicht mit Frauen reden kann. Das kann er nicht. Aber ich glaube, da geht es auch vor allem darum, dass er wirklich sehr viel gelitten hat, dass er sehr krass traumatisiert ist, weil er einfach von Frauen ausgelacht wurde oder generell von von Schülern und Schülerinnen ausgelacht wurde. Und dass sich das durch sein gesamtes Leben zieht, dass er fertig gemacht wird. Deswegen fand ich die Szene so schlimm, weil ich hatte das Gefühl, es geht wirklich ganz knallhart auch um Bullying und dann ist halt auch dieses Mädchen, das offensichtlich nicht zu diesen beiden gegelnden Cheerleaderinnen gehört.
Johannes Franke: Die das gleiche Problem hat im Grunde. Ja.
Florian Bayer: Ach, das ist eine schreckliche Szene. Und dann holen sie sich dieses Eis und diese Cheerleaderin gickeln nur. Dieses eine Mädchen hat halt diesen Ausschlag überall. Er hat plötzlich diesen Ausschlag. Alle fühlen sich unwohl und sie setzen sich wieder ins Auto und dann wollen sie das Eis überhaupt nicht essen, weil es viel zu viel ist.
Johannes Franke: Ja, und weil es viel zu süß ist. Ja. Sie gibt ihn ja noch auf den Weg. Ich will nicht, dass ihr weiter den Weg weiter... Und sie meint es zeitlich. In forward, in time quasi. Ich möchte nicht, dass ihr weiter fahrt.
Florian Bayer: Und wartet nur der Tod.
Johannes Franke: Mann, das ist krass. Also das hat mich wirklich nachhaltig beeindruckt, diese Szene, obwohl ich mir in dem Moment gar nicht... gar nichts wirklich erklären kann, weil ich keinen Ansatzpunkt habe, was gemeint ist, aber die Szene entfaltet trotzdem ihre volle Wirkung.
Florian Bayer: Emotional funktioniert sie total, auch ohne Und es ist auch wirklich, es ist chiffriert, es ist hermetisch. Es ist nicht sowas, was man wegwischen kann. Ach, das ist doch zu verstehen, ist doch ganz klar, da ist er... Es geht um den Hausmeister und so. Weil ja, es ergibt sich irgendwie, wenn man so das Gesamte betrachtet, Aber der Film legt einem ganz bewusst Hürden in den Weg und sagt nicht einfach so, hier ist ein Puzzle, das könnt ihr einfach puzzeln.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: sondern er drangsaliert einen mit Themen und Referenzen. Apropos Thema und Referenz. Als erklärter Dean Martin und Swing und Musical-Fan ist Baby It's Cold Outside ein Rape-Song.
Johannes Franke: Absolut.
Florian Bayer: Danke.
Johannes Franke: Absolut. Habe ich mir auch aufgeschrieben, wir sollten über diesen Song reden.
Florian Bayer: Darüber diskutieren sie nämlich dann, als sie weiterfahren, beziehungsweise als sie an seiner Schule halten. Er sagt ... wir müssen die Eisbecher loswerden. Hey, da drüben ist meine alte Highschool und da sind Mülltonnen und dann fahren sie da hin. Und dann diskutieren sie über Baby, it's called outside, wo er... der Sänger, die Sängerin die ganze Zeit überreden will, zu bleiben und sie will nicht.
Johannes Franke: Und sie sagt die ganze Zeit, I have to go. Und er findet immer wieder Gründe, warum sie bleiben soll. Und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich den Song... ganz lange ganz toll fand, ohne genug darüber nachzudenken, was da gerade passiert.
Florian Bayer: Ja, sie fragt wirklich, hast du was in meinem Drink getan?
Johannes Franke: Ja. Alter, das ist hart. Say what's in this drink, sagt sie. Es ist wirklich so. Und er sagt immer, look at this blizzard outside und Und there's no cabs to be had out there. Also da fährt zu Besuch, hat kein Taxi. Dich fährt keiner nach Hause, Baby. Du musst hier bleiben. Ja. Das ist so richtig krass. Aber sie singen das so lieblich, weißt du? Und die Inszenierung in dem Film, in dem das inszeniert wird, dieser Song... Die Inszenierung ist natürlich auch zuckersüß und total naiv. Sie geben sich, also sie, sie gibt ja auch irgendwann, glaube ich, nach in dem Film oder so.
Florian Bayer: Natürlich gehört dazu, dass sie nachgibt. Also ich habe den einmal kurz noch mal recherchiert vor der Episode. Dieser Song wurde oft interpretiert.
Johannes Franke: Ja, ja, ich habe ihn auch gesungen.
Florian Bayer: Ja, 1944 wurde das geschrieben von Frank Lösser. Und er hat es mit seiner Frau Lynn Garland aufgeführt. Und dann ist die Liste von Leuten, die das Ding gesungen haben ... Ist echt lang. Also Heinz Erhardt, um mal in Deutschland zu bleiben. Und dann natürlich, also ich kannte vor allem die Dean Martin Variante. Louis Armstrong, Sammy Davis Jr., Ray Charles, Tati, Jimmy Smith...
Johannes Franke: Und ganz modern Lady Gaga, glaube ich, in irgendeinem Oscar-Special oder sonst irgendwas. Also es wurde oft auch immer noch heute, weil das so als, ich weiß nicht, ist ein amerikanisches Stück Kultur.
Florian Bayer: Ja, ein Stück Rape Culture.
Johannes Franke: Ja, meine Güte. Und dann... Was der Film macht, wo der Song vorkommt, aus den 50ern, glaube ich, ist der. Der dreht es nochmal um. Dann hat der Mann plötzlich das Ich-muss-gehen. Und die Frau sagt, komm, willst du nicht noch hierbleiben?
Florian Bayer: Immerhin.
Johannes Franke: Immerhin. Aber es bleibt kein, ich weiß nicht, nein. Fucking Rapsong. Ja. Es ist schon krass.
Florian Bayer: Krass. Jessica Simpson und Nick Lachy. Rod Stewart und Dolly Parton 2004. James Taylor und Natalie Cole 2004. Ja. Willie Nelson und Nora Jones 2009. Willie Nelson ist ein bisschen älter als Nora Jones, oder? Ja. Ja, es ist Jimmy Fallon und Cecil Strong. 2013. Lady Gaga und Joseph Gordon-Levitt.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: 2013. Okay.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Krass.
Johannes Franke: Also ich meine, die singen den gut. Joseph Gordon-Lewitt ist erstaunlicherweise ein wirklich sehr guter Sänger. Und die haben das auch gut performt. Aber ... Naja. Also ich meine, man kann den Song, wenn man den Ballast los wird, auch neu auflegen. Aber der Ballast ist einfach geschichtlich da. Und ich weiß nicht, wie schlau das ist, daran dann nochmal was zu finden, finden zu wollen, was irgendwie dann vielleicht PC ist oder was auch immer. Der Ballast wird immer da sein. Du kriegst das nicht weg aus diesem Song.
Florian Bayer: Dann kommt eigentlich der bis dahin stärkste Hinweis, dass er so alt ist, dass er der Hausmeister ist, weil seine Hand plötzlich kurz alt ist, wenn sie an der Schule halten.
Johannes Franke: Ja, stimmt. Aber das ist wirklich sehr kurz.
Florian Bayer: Aber es wird auch in ihrem Blick gespiegelt. Es gibt auch einen Reaction-Shot von ihr. Und dann kommt es auch tatsächlich zu der einzigen wirklichen physischen Annäherung von den beiden. Die überraschend kommt in diesem Moment.
Johannes Franke: Total überraschend.
Florian Bayer: Wenn sie da in der Schule stehen, die Schule ist übrigens viel zu groß, um in dieser Gegend zu sein. Sie sagt dann auch ein paar Mal, ey, ihr macht nichts. Sinn.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Wie kann hier ein Eisladen mitten an der Straße stehen? Wie kann diese Schule plötzlich so groß sein? Was für Straßen fahren wir hier überhaupt? What the fuck? Das ist geil.
Johannes Franke: Sie wehrt sich gegen den Film quasi.
Florian Bayer: diese tolle Stelle, wenn sie über den Film eine Frau unter Einfluss reden und sie dann anfängt auszuholen, warum dieser Film so ewig lange ist. Und keiner weiß, was passiert und alle sehen sich dem Ende entgegen und es ist nur leid. Und du denkst so, wow, hast du gerade eine Rezension vorweggenommen, die zu deinem Film geschrieben werden könnte?
Johannes Franke: Und das ist geil, weil sie auch, ich glaube, das sagt sie in diesem Moment. Everything wants to live, Jake. Viruses are just one more example of everything. Even fake crappy movies. Movie ideas want to live. It's like they grow in your brain, replacing real ideas. That's what makes them dangerous. Und da spricht einmal Kaufmann von seinen eigenen Erfahrungen, was Vögel-Scheiß-Film-Ideen betrifft. Das ist so geil.
Florian Bayer: Und das Krasse ist, wir haben ja immer noch fast eine halbe Stunde übrig. Dann halten sie an dieser Schule und es ist immer noch nicht vorbei. Also es ist einfach noch eine halbe Stunde jetzt.
Johannes Franke: Sie küssen sich direkt, nachdem Sie über diesen Baby, it's called outside Song geredet haben, was eine seltsame Kombination ist, nach diesem Rape-Song sich zu küssen. Und dann sieht er anscheinend, also wir haben auch einen kurzen Flash da rein, wie der Hausmeister sie beobachtet und Was ja im Grunde selbst ist, aber er wird dann wütend, steigt aus und sie denkt sich, fuck, ich will einfach nur nach Hause, können wir bitte einfach losfahren und der verschwindet einfach. Und dann wartet sie halt sehr lange und dann rennt sie ihm hinterher.
Florian Bayer: Sie hat noch diesen Monolog, wo sie dann auch nochmal sagt, sie kann nicht nein sagen und warum hat sie das überhaupt mitgemacht. So ein bisschen Verzweiflung. Dann geht sie in diese Schule und wir haben die letzten halbe Stunde, wie sie... durch diese Schule geht, wo sie ziemlich früh dem Hausmeister begegnet und ihn fragt, ob er Jake gesehen hat und sie kann ihn dann nicht beschreiben. Der Hausmeister fragt, wie sieht er denn aus? Und sie kann ihn nicht beschreiben.
Johannes Franke: Eine krasse Szene.
Florian Bayer: Und sagt dann, ich habe ihn nur einmal gesehen. Und ich war da mit einer Freundin bei einer Konferenz. Und er hat uns beobachtet und es waren vielleicht so 15 Minuten und ich hatte Angst, ich habe mich unwohl gefühlt, aber dann war es halt vorbei und er ist gegangen und es ist wie eine Fliege, die um mich rumgeschwirrt. ist.
Johannes Franke: Es ist wie, als man mich fragen würde, wie die Moskito, wie die Mücke aussah, die man vor 40 Jahren mal einen Arm gepixt hat. So ungefähr sagt sie das. Das ist total krass, weil sie hier am stärksten gegen ihn ausholt im Grunde.
Florian Bayer: Das ist die Wirklichkeit. Das ist wahrscheinlich genau das, also zumindest ihr Avatar ist wahrscheinlich genau das. Er ist einer Frau bei einer Quiznight begegnet, fand die interessant, hat sich gewünscht, sie ihr ... die Nummer zu geben, aber hat dann vielleicht auch gesehen, dass das irgendwie, dass das nicht erwidert wurde und ist dann gegangen und dann hat er sich vorgestellt, hey, ich hätte dir die Nummer geben können, ich hätte sie nach der Nummer fragen können, ich hätte irgendwas machen
Johannes Franke: können.
Florian Bayer: Und dann konfrontiert er sich selbst mit der Wirklichkeit, dass er dieser Frau wahrscheinlich vollkommen egal war, abgesehen von einem unangenehmen Moment, wo sie sich beobachtet gefühlt hat,
Johannes Franke: Aber es ist spannend, weil, wie der Hausmeister das spielt, Als er die Hausschuhe hochholt und dann sieht er, er guckt sie einmal in einem, ich weiß nicht, ob das bei den Hausschuhen, aber ich glaube schon, guckt sie einmal so richtig hoch. So richtig, wie als wenn er 50 Jahre jünger wäre wieder. Einmal guckt er sich so ganz mit leuchtenden Augen an. Als wäre sie so dann doch da und will ihr diese Schuhe, glaube ich, geben, damit sie damit dann durch die Schule läuft, weil er ja gerade alles sauber gemacht hat. Und sie lehnt aber ab. Das sind seine Schuhe.
Florian Bayer: Das sind die selben Pantoffeln, die Jake auch im Haus hat.
Johannes Franke: Ja, das ist dann der größte Hinweis für mich, weil das natürlich, ja okay, klar hat er seine eigenen Schuhe.
Florian Bayer: Und dann wohnt sie noch mal diesem Schauspiel bei, noch mal dieses Musical, das ist halt auch so was, Jake ist offen, oder der Hausmeister ist offensichtlich Musical-Fan. Er rezitiert Oklahoma, was er ständig sieht. Er rezitiert ganz viele Musicals, die er ständig sieht, weil die halt aufgeführt werden in der Schule.
Johannes Franke: Und das Witzige ist, am Anfang des Films reden wir kurz drüber und er sagt, nee, ich bin jetzt nicht der große Musical-Fan und weiß dann aber eine Riesenliste an Musicals auf.
Florian Bayer: Macht aber auch Sinn. Wir sehen halt auch, dass er durch die Aula von der Schule geht am Anfang. Dann ist er halt dabei, wie sie irgendein Musical proben. Wenn du als Hausmeister sauber machst, siehst du ständig ein neues Musical jedes Jahr.
Johannes Franke: Total krass. Dann Geht es in diese Tanzeinlage über?
Florian Bayer: Ja, mit den Doubles.
Johannes Franke: Die ich unglaublich gut choreografiert finde. Ja. Also alles das, was Climax nicht geschafft hat, hat dieser Film in seiner kurzen Choreografie, die da drin ist, so kurz ist sie gar nicht, Die ist super. Ich finde die ganz toll und ich würde sie völlig lustgelöst vom Film, diese Choreografie immer mal wieder angucken. Ich mag die, wirklich gut gemacht.
Florian Bayer: Die ist auch so traurig. Einfach weil man weiß dann mittlerweile, dass das alles irgendwie Vorstellung ist und Wunschtraum. Das hast du mittlerweile mit diesem Schnee begleitet.
Johannes Franke: Naja. Aber die ist wirklich sehr traurig, weil er sich im Grunde selbst umbringt dann auch, oder?
Florian Bayer: vom Hausmeister. Also Jake kämpft in diesem Tanz. Es sind andere, es sind nicht die Schauspieler, die vorher gespielt haben. Wir haben einen Jake-Double und wir haben einen Hausmeister-Double und die kämpfen gegeneinander. Und Jake sinkt dann auf den Boden und verblutet. Und der Hausmeister... zieht sie weg, also der richtige Hausmeister zieht unsere Protagonistin dann weg und dann steht Jake wieder vor ihr und wir sehen die Double-Leiche nochmal da liegen und dann fadet es so langsam aus. Also ihre Rolle wird dann irgendwie so... weggefaded und wir sehen den Hausmeister, wie er sich anzieht, wie er weiter sauber macht, sich anzieht und zum Auto geht und sich da hinsetzt.
Johannes Franke: Und dann hat er einen Anfall. Das ist so ein typisches, also er zieht sich dann aus. Und das ist so ein Merkmal von, jetzt habe ich den Begriff vergessen, wenn man so eine bestimmte Krankheit hat, die einfach dazu führt, dass man das Gefühl hat, dass es einfach alles viel zu heiß ist. Ja. Und dann auch schon keinen großen Realitätsbezug mehr hat, dann zieht man sich einfach aus und geht nackt in der Gegend rum. Ja. Und dann ist er halt, hat sich im Auto ausgezogen, geht dann raus in die Kälte Was wahrscheinlich, wenn man so eine Antacke hat, wo man das Gefühl hat, dass es zu heiß ist, wahrscheinlich die richtige logische Erklärung ist, was man jetzt machen sollte. Und dann kommt dieses Schwein.
Florian Bayer: Dieses Zeichentrickschwein. Sie wollten ein echtes Schwein haben. Also Kaufmann wollte ein echtes Schwein haben. Hat dann aber erfahren, dass das nicht so einfach ist, weil so ein echtes Schwein nicht den Kopf drehen kann.
Johannes Franke: Ja, und auch auf so Umgebungen nicht laufen kann. Das hat auch nicht funktioniert. Und dann hat er... Hat er mit den Leuten, mit denen er schon mal gearbeitet hatte für die Filme davor. Anomalisa, ne? Genau, die haben dann so ein
Florian Bayer: Ein spannendes animiertes Zeichentrickschwein, das sich gut einfügt in diese Welt.
Johannes Franke: Das ist total cool, ja.
Florian Bayer: Das unterhält sich dann auch mal mit dem Hausmeister ein bisschen, während sie durch die Schule gehen. Ja, also ich meine, wir können nur beschreiben, was wir sehen. Wir sehen eine Preisverleihung.
Johannes Franke: Ja, das ist echt weird. Und alle sind... Mit Theaterschminke auf Alt geschminkt und man sieht das volle Kanne und es ist nichts versteckt, das ist alles, es scheinen halt irgendwie Jugendfreunde oder Jugendbekannte oder Begegnungen.
Florian Bayer: Erinnerungen, Menschen, sie ist auch dabei.
Johannes Franke: Ja, sie ist auch dabei und es sind halt ein Haufen Leute dabei, die in dem Film eine Rolle gespielt haben und ein Haufen von Leuten dabei, die wahrscheinlich einfach in seinem Leben irgendeine Rolle gespielt haben. Die sind alle auf alt geschwenkt.
Florian Bayer: Und er bedankt sich für diese Auszeichnung. Es ist so ein bisschen eine Beautiful Mind Referenz.
Johannes Franke: Ja, er nimmt auch teilweise wirklich Wort, also er übernimmt Zitate aus dem Buch.
Florian Bayer: Ja, wie er es die ganze Zeit macht. Beautiful Mind steht auch in seinem Zimmer. Es ist, wie gesagt, es geht hier nicht um einen Künstler oder um einen kreativen Menschen, sondern um einen gewöhnlichen Menschen, einen gewöhnlichen einsamen Menschen. Einen gewöhnlichen einsamen Menschen, der sein Leben soll bereut, aber einen Menschen, wie wir sie wahrscheinlich sehr oft sehen und einfach nicht so wahrnehmen. Wir gehen an ihnen vorbei und ... wissen nichts von ihnen und werden vielleicht Teil von ihrer Vorstellungswelt auch oder ihren Erinnerungen.
Johannes Franke: Ja, ja. Ja, so ein alter, immer unsichtbarer werdender Mensch. Boah Gott, ist das traurig.
Florian Bayer: Dann ist es vorbei. Er singt nochmal. Es gibt ein Fade to White. Wir sehen das zugeschneite Auto am nächsten Morgen.
Johannes Franke: Was im Grunde der Hinweis ist, dass er gestorben ist.
Florian Bayer: Er ist erfroren. Das waren die letzten Momente dieses Hausmeisters, den wir beigewohnt haben, sein letzter Tag. Er hat sich noch mal vorgestellt, was hätte sein können, was hätte werden können.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Die Frauen, die er schön fand, die er gerne angesprochen hätte, die, mit denen er vielleicht mal eine Beziehung geführt hat, die nicht gehalten hat, seine Eltern. Die, die ihn gequält haben in der Schule und bis zu seinem Lebensende gequält haben. Wow.
Johannes Franke: Das ist wirklich ein sehr deprimierender Film am Ende.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und vor allem, wenn man weiß, dass es alles in seinem Kopf ist. Bis zum Schluss habe ich nicht so... beschlossen, dass das jetzt wirklich so ist. Ich hatte schon den Eindruck, dass der Hausmeister Jake ist, aber ob das jetzt alles nur eine Zusammenfassung seines Lebens in seinem Kopf ist oder was, das habe ich alles nicht so konkretisiert bis dahin. Dazu habe ich dann erstmal in der Recherche Naja, es ist schon krass. Es ist schon übel und ich hoffe, dass Kaufmann weiter selbst Regie führt, aber dass er vielleicht auch noch ein paar lustigere Sachen wieder macht. Weil er kann das. Humor geht mit Kaufmann.
Florian Bayer: Du raufst drauf, dass er wieder mit Spike Chauncey, George Clooney oder Michel Gondry zusammenarbeitet, um ein bisschen mehr Spaß am Leben zu haben.
Johannes Franke: Naja, dann ist er ja wieder nur Drehbuchautor, aber ich will ja, dass er Regie führt. Weil das interessiert mich wirklich. Also natürlich interessiert mich jedes Drehbuch, auch jedes kleine... zusammenhängende Wortfätzchen, was er zusammenklöppelt, interessiert mich, weil das wirklich ein spannender Typ ist. Aber mich interessiert auch, was er an Regie macht. Und vielleicht ein bisschen hoffnungsvoller oder wenigstens ein bisschen Humor, weil das doch jedem Film doch ein bisschen was rettet an Hoffnung.
Florian Bayer: Also für mich ist I'm Thinking of Ending Things der beste Film des letzten Jahres. Ganz klar auf Platz 1. Und ich liebe jede Minute davon. Und das ist wie bei seinen beiden vorherigen Filmen. Er ist wirklich hart, er ist schwer zugänglich. Und er ist wirklich deprimierend. Aber wie Kaufmann es schafft, in so einem surrealen, abstrakten und grotesken Setting so krasse Emotionen auszulösen, Kaufmann hat für mich so gewisse Parallelen zu David Lynch. Ich hab schon öfter mal gesagt, David Lynch ist so jemand, der es schafft, aus surrealen verzerrten Handlungen spannende Thriller zu machen. Egal wie surreal sie sind, man findet es spannend, man fiebert mit. Und das, was David Lynch bei Thriller oder Horror schafft, schafft, Charlie Kaufman beim Drama. Er schafft, surreal zu erzählen und abstrakt und experimentell zu erzählen. und trotzdem krasse Emotionen bei mir auszulösen. Also ich liebe diesen Film und ich liebe auch seine beiden Filme davor. Und wenn dir ein Thinking of Endings fängt, zu deprimierend ist, dann solltest du Anomalisa niemals sehen. Das ist noch ein Nummer krasser.
Johannes Franke: Ja, ich kann schon immer mal einen deprimierenden Film angucken. Das passt schon.
Florian Bayer: Es ist für mich auch tatsächlich eine Form von Eskapismus. Also ich würde sagen, ich bin eigentlich eher so ein Sunshine-Typ. Das ist viel zu viel gesagt. Aber ich bin kein trauriger Mensch, kein leidender Mensch oder so. Also mir liegt auch diese... Ich bin auch niemand, dem so diese leichte Melancholie liegt. Ich mag das Leben. Das Leben ist eigentlich ganz cool. Und so was ist ganz gut mal so eine Flucht in so wirklich deprimierende Welten. Das hat für mich was Reinigendes. Das ist so was Kathartisches. Genauso wie ich bei Horrorfilmen es mag, wenn ich wirklich Angst kriege, einfach weil das so alles einmal freispült.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, ich weiß vollkommen, was du meinst.
Florian Bayer: Und das machen diese Filme auch. Natürlich ist das krass deprimierend und das macht dich erstmal fertig, aber dafür liebe ich diesen Film, dass er mich so fertig macht.
Johannes Franke: Ja, es ist wie bei mir mit Dead Man. Dead Man wie... Johnny Depp den ganzen Filmen über nur stirbt und du hast einen Zug auf einem Gleis und du weißt, der fährt jetzt gnadenlos geradeaus. Irgendwann stirbt er und das war's. Aber der hat so viel Kraft dabei, Das hat genau die reinigende Wirkung, die du beschreibst. Ich kann mich da jetzt voll reinfühlen und mich da einfach... kann voll aufgehen in diesem Film, weil er hat keine großen Überraschungen, er hat einfach nur einmal eine ganz bestimmte Stimmung Und das ist ein großer Pool, in den ich einfach reinspringe und mich dort einmal drin suhlen kann. Und das macht dieser Film ganz genauso. Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Ich finde es tatsächlich, es passt auch ganz viel zu dem, was Kaufmann macht, weil es eben auch so intim ist, weil es eben ein Kammerspiel ist, das im Auto und in diesem Haus stattfindet.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Vorher hat Kaufmann immer, egal ob als eigener Regisseur oder mit seinen Drehbüchern, so in großen Räumen gedreht und große Welten eröffnet. Und dieses Intime, das passt so saugut zu ihm. Also ich bin froh, dass er nicht so viel Geld hatte, dass er mal die Möglichkeit hatte, wirklich einen kleinen, intimen Film zu machen.
Johannes Franke: Ja. Ich bin sehr gespannt, was dann noch kommt von ihm. Und wenn wir gerade bei dem größeren Blickwinkel sind mit anderen Filmen, dann können wir auch unsere Top-3 mal anschließen.
Florian Bayer: Ja. Einmal kurz durchatmen.
Johannes Franke: Jingle.
Florian Bayer: Top 3, jetzt kommen wir zu was Positiveren. Top 3 Schlussmachfilme. So positiv. Break-up-Movies, Scheidungsfilme, alles wo Beziehungen in die Brüche gehen und nie wieder zu Kitten sind.
Johannes Franke: Naja, ich habe aber auch ein bisschen mit an den Film gedacht, weil I'm Thinking of Ending Things heißt ja in diesem Film beides. Beziehungen beenden und Leben beenden.
Florian Bayer: Jetzt hast du die harten Selbstmordfilme noch drin. Nachdem wir so viel deprimierendes Gespräch hatten, kommen von dir jetzt nochmal Filme, wo sich Menschen umbringen.
Johannes Franke: Vielen Dank. Ich wollte es nur mal auf den Tisch legen.
Florian Bayer: Okay, danke. Ich habe tatsächlich ganz klassische Schlussmachfilme. In jedem dieser Filme geht eine Beziehung in die Brüche.
Johannes Franke: Ich habe einen, der ist ein bisschen dazwischen.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Also nicht nur ein bisschen, der ist, egal. Hast du Honorable Mentions? Nein, ich habe keine Honorable Mentions. Ich habe zwei.
Florian Bayer: Aber keine schweren Filme. Der Rosenkrieg aus dem Jahre ... Das ist der Scheidungsfilm schlechthin, wenn es um schwarze Komödien geht. Aus dem Jahre 1989 mit... Michael Douglas und Kathleen Turner als Ehepaar, das sich auseinandergelebt hat ... Und dann während der Scheidung einen Krieg um das Haus führt, wer das Haus behalten darf. Inszeniert von Danny DeVito, der auch eine tolle Rolle als Anwalt von den beiden hat. Eine bitterböse schwarze Komödie, der einfach nur einen Kampf zwischen zwei Menschen zeigt, die sich mal geliebt haben. Macht Spaß einfach. Gut. Platz Nummer zwei, äh, Platz Honorable Mention Nummer zwei. High Fidelity. Einfach ein schöner, lieber Film über... Über einen kompletten Musik-Nerd, der von seiner Frau verlassen wird, von seiner Freundin und überhaupt nicht damit klarkommt und dann die Beziehung in seiner Vergangenheit nochmal revipasieren lässt. Und sich fragt, warum haben sie mit mir Schluss gemacht? Und er ist eigentlich ein ziemliches Heulbaby und das wird auch ziemlich offensichtlich in dem Film. Und ein ziemlicher Egoist, aber unglaublich unterhaltsam mit John Cusack und ... Jack Black in einer tollen Nebenrolle.
Johannes Franke: Ah, okay. Ich weiß es nicht mehr. Ich habe den gesehen, aber es ist lange her.
Florian Bayer: Muss ich meine 3 nennen?
Johannes Franke: Ja, du bist mit Platz 3 dran.
Florian Bayer: Platz drei, weil ich ihn vor kurzem gesehen habe und weil es so krass um das Ende, also man kann ihn so interpretieren, das ist ein Film, der ist kryptischer als den, den wir gerade besprochen haben. Jetzt sind wir bei richtig hartem Surrealismus. Letztes Jahr in Marienbad. Und es geht... auch um das Ende einer Affäre. Eine Frau und ein Mann begegnen sich in einem Hotel. Und er ist fest davon überzeugt, dass sie sich letztes Jahr da auch getroffen haben und dass sie eine Affäre hatten. Sie ist allerdings mit ihrem Ehemann da. Dieser Film besteht nur aus Monolog von dem Mann und ab und zu Dialog mit der Frau, die antwortet, unterlegt mit einer... sehr wuchtigen Orgelmusik. Und die Kamera fährt durch die Gänge des Hotels und manchmal sieht man Dinge, die geschehen. Aus dem Jahr 1961 von Alain René.
Johannes Franke: Die Beschreibung schon. Und manchmal sieht man Dinge, die geschehen.
Florian Bayer: Das ist... Es ist vielleicht für diese Episode ein kleiner Reminder daran, dass Charlie Kaufmann die ... popcorntaugliche Variante von Surrealismus ist.
Johannes Franke: Oh nein!
Florian Bayer: Weil dieser Film ist ein anderthalbstündiges Requiem.
Johannes Franke: Oh nein.
Florian Bayer: Man weiß nicht, was passiert.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Man weiß nicht, wo sie gerade sind, ob sie in der Vergangenheit oder in der Gegenwart oder in der Zukunft sind. Und im Gegensatz zu I'm thinking of ending things gibt es nichts, woran man sich festhalten könnte, weil man ganz oft auch einfach keine Menschen sieht, weil die Kamera einfach nur durch diese Räume fährt und dann Menschen vorbeihuschen. Ja. oder merkwürdige Dinge tun. Ähm, ja. Wenn euch der Film, wenn euch ein Thinking of Anythings nicht schwer genug war, dann müsst ihr euch von Alain René letztes Jahr ein Marienbad aus dem Jahr 1961 anschauen.
Johannes Franke: Okay, gut, ich rechne damit, dass wir jetzt 20.000 Leute auf diesen Film loslassen. Und wir kriegen ganz viele Beschwerdemails. Flor, was tust du uns dann? Okay, mein Platz 3, weil es in dem Film eigentlich nicht wirklich darum geht, aber das trotzdem einfach da reingehört. Casablanca.
Florian Bayer: Schön. Ja, aber auf jeden Fall. Absolut ein Trennungsfilm.
Johannes Franke: Ja, aber wie wir schon öfter festgestellt haben, ist es eigentlich vor allem ein Kein... Der Film, die Stärke des Films liegt nicht in der Beziehung.
Florian Bayer: Nein.
Johannes Franke: Aber ein großartiger Film.
Florian Bayer: Ein Freiheitsfilm.
Johannes Franke: Richtig, richtig toller Film. Aber eine unvergessene Schlussszene, wie er sie zum, weil die Nazis kommen zum... Flughafen bringt und alle seine Beziehungen spielen lässt, um es irgendwie hinzukriegen, dass sie...
Florian Bayer: Mit ihrem neuen Typen.
Johannes Franke: Mit ihrem neuen Typen, den sie eigentlich hat und gegen den sie sich aber eigentlich schon mal entschlossen hatte, weil sie dann doch... bei ihm, bei Rick bleiben wollte, aber Rick dann sagt, du wirst es bereuen, vielleicht nicht heute, vielleicht nicht morgen, wenn du nicht auf dieses Flugzeug gehst.
Florian Bayer: I'm looking at you, kid.
Johannes Franke: Das heißt es nicht.
Florian Bayer: He is looking at you, kid. Ich schau dir in die Augen, Kleiner.
Johannes Franke: Ja, was nicht die richtige Übersetzung ist, was aber sehr ikonisch geworden ist.
Florian Bayer: Deswegen habe ich auch Re-übersetzt.
Johannes Franke: Genau. He's looking at you, kid, ist eigentlich Prost auf dich. Okay, das war mein Platz 3. Dein Platz 2?
Florian Bayer: Humphrey Bogart und Ingrid Bergmann. Ja, toll. 1942, der Film ist auch alt. Wahnsinn. Wir haben gerade über den besten Film 2020 gesprochen. Keine Widerrede.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ich muss den Film, der beste Film aus dem Jahr davor, aus 2019, mit reinwerfen. Auch wenn ich ihn schon öfter erwähnt habe, Marriage Story.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Ich habe damit gerechnet.
Florian Bayer: Großartiges Scheidungstraße.
Johannes Franke: Ich habe ihn immer noch nicht gesehen.
Florian Bayer: Unfassbar gut. Von Noah Baumbach. Unfassbar guter Film. Es geht einfach um eine Scheidung und um den Kampf, den sie dann ausfechten. Und realistisch, emotional auffühlend Es geht auch um Fragen des Sorgerechts. Ganz starker Film. Tragikomödie mit sehr viel Dramenanteil.
Johannes Franke: Vielleicht müssen wir den mal zusammen gucken.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also ich habe ihn noch nicht gesehen, ich weiß es nicht.
Florian Bayer: Du würdest den Film auch mögen, denke ich.
Johannes Franke: Ich höre immer wieder Gutes. Ja. Okay. Na gut, mein Platz 2 vergiss mal nicht. Auch Charlie Kaufmann.
Florian Bayer: Ja, Charlie Kaufmann hat es offensichtlich drauf, deprimierende Themen zu machen.
Johannes Franke: Und eben Trennungsfilm.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wo ein unglaublich... Also man kennt von ihm ja sonst nur die Maske und dieses ganze... Blödelzeug. Und das ist, glaube ich, einer seiner ersten Filme gewesen, wo Jim Carrey sagen konnte, hier, ich zeige euch mal, was ich schauspielerisch tatsächlich auch dramatisch kann und nicht nur blödeln kann. Jim Carrey ist in dem Film wirklich, wirklich gut. Das Drehbuch scheint... einfach unglaublich großartig gewesen zu sein. Und wer hat die Regie geführt?
Florian Bayer: Michel Gontri.
Johannes Franke: Aha, okay.
Florian Bayer: Der damals vor allem noch, also der hat halt in den 90ern ganz viele Musikvideos gedreht und Vergiss mal nicht, war tatsächlich sein zweiter Film.
Johannes Franke: Oh.
Florian Bayer: Und auch sein Bester.
Johannes Franke: Oh. Ja, vielleicht liegt es im Drehbuch.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Genau, also es geht darum, dass Jim Carrey die Erinnerungen an seine Beziehung löschen lassen will von einer Firma, die sich darauf spezialisiert hat, Erinnerungen auszulöschen.
Florian Bayer: Weil seine Freundin Kate Winslet dasselbe getan hat.
Johannes Franke: Und dann, ja ... Das ist eigentlich der Film, der einem sagen kann und soll nach einer Beziehung. Also wenn ihr gerade aus einer Beziehung kommt und das Gefühl habt, ich will... eigentlich alle Erinnerungen darin löschen, weil es viel zu schmerzhaft ist. Guckt den Film und stellt fest, dass es vielleicht doch nicht so gut ist.
Florian Bayer: Tut es nicht. Das ist mein Platz 1.
Johannes Franke: Das ist dein Platz 1? Das ist mein Platz 1. Okay.
Florian Bayer: Ja. Die Sonne ist Sunshine of a Spotless. noch den Originaltitel einmal reinzuwerfen.
Johannes Franke: Ja, ich habe überlegt, ob ich ihn auf Platz 1 tue, aber der hat sich gestritten mit Harold und Maud.
Florian Bayer: Oh, okay, wir sind beim Schluss machen.
Johannes Franke: Wir sind beim Schluss machen im weiteren Sinne. I'm thinking of ending things.
Florian Bayer: Aber sie stirbt einfach, oder? Sie bringt sich nicht um.
Johannes Franke: Doch, na klar bringt sie sich um.
Florian Bayer: Sie bringt sich um?
Johannes Franke: Ja. Sie spricht die ganze Zeit davon, dass sie 80 ist doch ein gutes Alter. Mit 80 sollte man sich umbringen.
Florian Bayer: hey, ich habe gar keine Erinnerung mehr daran. Ich weiß, dass er sich die ganze Zeit versucht, also nicht versucht, umzubringen, sondern die ganze Zeit seinen Tod faket.
Johannes Franke: Ja, er inszeniert das. Und sie ist diejenige, die dann sagt ... Das Leben ist ganz wunderbar, aber 80 ist doch ein gutes Alter, um zu sagen, jetzt ist Schluss. Ich habe es gespielt insofern. Ich habe es auf der Bühne gespielt in Aachen und es war wirklich ganz toll. So 50 Vorstellungen hintereinander.
Florian Bayer: Toller Film, auch 70er, 1971. Und so eine Hippie-Ästhetik trifft...
Johannes Franke: Mit Cat Stevens-Musik und... Also ganz, ganz, ganz toller Film. Wenn ihr Harold und Maude nicht gesehen habt, dann fehlt euch einer der wichtigsten Filme der Filmgeschichte.
Florian Bayer: If you want to sing out, sing out.
Johannes Franke: Ah, jetzt müsste ich meine Ukulele rausholen.
Florian Bayer: Wir haben zwei sehr schöne Top-3-Listen.
Johannes Franke: Ja, das war toll. Du hast ja auf deinem Platz 1 dann jetzt schon ... Ah, den hab ich dir vorher weggenommen. Es tut mir sehr leid.
Florian Bayer: Das ist total okay.
Johannes Franke: Mach's nie wieder. Ihr hättet den Blick sehen sollen. Ich bin jetzt ein bisschen, hab ein bisschen Angst. Okay, hast du noch ein Fazit? Oder sind wir schon beim Fazit oder sind wir noch irgendwo anders?
Florian Bayer: Ich glaube, wir sind beim Fazit.
Johannes Franke: Dann sind wir jetzt beim Fazit. Der...
Florian Bayer: Beste Film des Jahres 2020. Der beste Film, der je von Netflix original exklusiv gemacht wurde. Wobei das nicht viel zu sagen hat. Meisterwerk.
Johannes Franke: Absolutes Meisterwerk. Wenn du mir ein kleines bisschen mehr Hinweise geben würdest. dann würde ich das vielleicht unterschreiben. Aber auch nur vielleicht. Also er ist schon wirklich gut. Also er ist wirklich gut. Und er schafft es, diese... diese Stimmung, die er rüberbringen soll, wirklich sehr intensiv und sehr ausdauernd rüberzubringen. Und Ist aber leider keine Empfehlung für Menschen, die sonst nur so Hollywood-Riesenproduktionen gewohnt sind. Also wer Marvel-Fan ist und sonst so kleine Independent-Sachen... eher verschmäht, weil sie zu langsam erzählt sind.
Florian Bayer: Ich weiß nicht, wenn man zu Depressionen neigt, wie sehr dieser Film triggern könnte. Keine Ahnung, ob das irgendwie... krass sein kann, weil es geht halt einfach auch um Reue im Leben und es hat natürlich auch eine Suizidthematik und so.
Johannes Franke: Stimmt.
Florian Bayer: Ich weiß nicht, ob man da irgendwie so eine Art Triggerwarnung dranstellen müsste oder ob er dafür doch zu abstrakt ist.
Johannes Franke: Naja, das hat mit der Abstraktität nicht viel...
Florian Bayer: Das macht...
Johannes Franke: bei dem einen mehr und bei dem anderen weniger Sinn. Ich glaube, es gibt keine generelle Triggerwarnung. Ich hatte eine lange Zeit, wo ich sehr zu Depressionen geneigt habe und ich glaube, es hätte trotzdem funktioniert. Okay. Ja.
Florian Bayer: Danke Johannes, dass du dich mit mir zusammen durch Dr. Sleep gefürchtet und durch ein Thinking of Anythings gelitten hast.
Johannes Franke: Sehr gute, treffende Worte. Durchgelitten und durchgefürchtet. Vielen Dank für diesen wundervollen Vorschlag, Dr. Sleep. Und ich bin froh, dass ich Also, dass ich Thinking of Ending Things dann doch mal mir selbst auferlegt habe, ohne zu wissen, was auf mich zukommt. Sonst wäre ich vielleicht... vorsichtiger gewesen damit. Es war sehr schön diese Woche wieder. Ich freue mich auf nächste Woche und was dann kommt. Das erfahrt ihr, wenn ihr noch ein bisschen dran bleibt für unser allgemeines... Bis dann.
Florian Bayer: Outro. So, Johannes.
Johannes Franke: Da sind wir wieder. Ich mach mal dein Mikro nochmal so ein bisschen hier so. Das ist inzwischen abgestürzt.
Florian Bayer: Ja, jetzt ist es näher an meinem Mund. Vielen Dank. Wir müssen noch besprechen, was wir uns für nächste Woche anschauen.
Johannes Franke: Ja, fang du mal an.
Florian Bayer: Ein Genre, das wir bis jetzt noch nicht hatten. Wir haben wirklich, wir haben viele Genres abgedacht. Wir sind vom Exploitation über die Kunst, den Experimentalfilm über das Genrekino und das Drama gewandert. Wir haben Musicals geguckt, wir haben Zeichentrickfilme geguckt, wir haben alles geguckt.
Johannes Franke: Lass mich raten. ähm ähm Science Fiction ähm Pornos
Florian Bayer: Ja, fast. Nimm das Science-Fiction weg. Nein, Moment. Wir haben noch keinen pornografischen Film geguckt. Und ich würde mit dir unglaublich gerne einen der ersten großen Porno-Hits gucken, der quasi im Alleingang das Golden Age of Porn eingeleitet hat.
Johannes Franke: Können wir das getrennt gucken, bitte?
Florian Bayer: Lass uns das getrennt gucken. Oder wir machen es wie 16-jährige Teenager und machen beim Gucken so, als würden wir den anderen nicht beobachten, wie er masturbiert. Oh Gott.
Johannes Franke: Okay, Plot, du willst ernsthaft ein Porno gucken?
Florian Bayer: Ich will ein Porno gucken und ich will, dass du auch ein Porno guckst. Aber natürlich, Kunst ist unser Anspruch. Nichts weniger deswegen Andy Warhol.
Johannes Franke: Ach du Scheiße.
Florian Bayer: Andy fucking Warhol hat Ende der 60er Jahre ein Porno gedreht.
Johannes Franke: Hat er nicht noch mehr in der Richtung gedreht?
Florian Bayer: Ja, der hat ganz viel wilde Sachen gemacht. Eigentlich fällt es auch in den Bereich Antikino und Experimentalkino. Und ich zeige dir im Prinzip einen der am meisten, am ehesten zu konsumierenden Filme von Andy Warhol. Also nicht 8 Stunden Empire State Building Standbild.
Johannes Franke: Okay, gut.
Florian Bayer: Und gleichzeitig ein Film, der mit dafür verantwortlich ist, dass in den frühen 70er Jahren ein kleiner Pornoboom ausgelöst wurde und zwar im Feuilleton.
Johannes Franke: Aha, ist er für Emanuel zuständig oder was? Also verantwortlich?
Florian Bayer: Emanuel ist doch kein Porno, ich bin dich. Das ist Soft-Erotik.
Johannes Franke: Ja, aber hat nicht Emanuel auch irgendwie so zwei verschiedene Versionen? War das nicht so, dass die auch...
Florian Bayer: Es gibt Plec Emanuel aus den 70ern und da hat der Regisseur hinter dem Rücken der Schauspielerin.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Pornografische Szenen reingeschnitten, die aber nicht von ihr waren, von der Hauptdarstellerin, sondern von irgendwelchen, was er dann halt noch gedreht hatte.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Er hat dann halt noch Genitalien gedreht und die korporieren. Aber wichtig ist, es wird ein Porno, das heißt, wir werden einen Film schauen, in dem unsimulierter Sex stattfindet, in dem tatsächlich Penetration stattfindet.
Johannes Franke: Okay, na gut.
Florian Bayer: Und es ist ein filmhistorisch total interessanter Film und vielleicht kein Film, über dessen Qualitäten man groß diskutiert, sondern eher über seinen Impact auf die Filmwelt.
Johannes Franke: Okay. Okay. Ich bin total gespannt. Ich hätte nicht gedacht, dass ich meinen Podcast über Pornografie mache.
Florian Bayer: Es gibt übrigens eine ganz tolle Episode vom ... CRE, Chaos Radio Express von Tim Pridloff, wo er mit einer ... Kulturwissenschaftlerin zwei, drei, vier Stunden, die CRE ist da auch immer ewig, über Pornos diskutiert und über die Porno-Geschichte redet. Und sie hat... sehr viel studiert Pornografie und macht ihm einmal so den kompletten Abriss. Wirklich alt, bestimmt schon fast 20 Jahre alt wahrscheinlich, aber wenn ihr einen guten Podcast zum Thema Pornografie hören wollt, CRE aus dem Jahr 2000 irgendwas.
Johannes Franke: Ja, aber dann werden wir uns auch ein bisschen über Pornografie unterhalten wahrscheinlich.
Florian Bayer: Definitiv, über Pornografie werden wir reden, über Andy Warhol werden wir reden, über Kunst und Sex.
Johannes Franke: Ja, wahrscheinlich gar nicht so schlecht. Das ist auch ein Thema, was in unserer Zeit ein bisschen aufholen muss, glaube ich.
Florian Bayer: Glaube ich auch, ja.
Johannes Franke: Ja. Okay, ja, ich bin gespannt, cool. Was hast du denn für mich? Ich habe auch was mit Liebe.
Florian Bayer: Sissy, das finde ich super. Wir sehen uns nächste Woche mit Andy Warhol und mit Sissy von Johannes Franke.
Johannes Franke: Special Edition. Nein, vielleicht Sissi auf ein anderes Mal gelegt, das passt nicht so gut in die Episode.
Florian Bayer: Aber es geht um Romantik?
Johannes Franke: Naja, es geht um Romantik, aber auf eine andere Art und Weise, als man es so aus den Rom-Coms kennt. Und zwar Only Lovers Left Alive von Jim Jarmusch.
Florian Bayer: Das ist sehr, sehr lange her, dass ich den gesehen habe.
Johannes Franke: Ich habe ihn auch nur einmal gesehen. Aber du hast ihn gesehen.
Florian Bayer: Tut mir leid, ja, ich habe ihn gesehen.
Johannes Franke: Ja, das Problem ist halt, langsam gehen uns die Filme aus, die der andere noch nicht gesehen hat. Also mit dir gehen sie nicht aus, mir schon. Also ich kenne nichts von dem, wovon du so redest, aber du kennst eigentlich, glaube ich, inzwischen alles, was ich kenne.
Florian Bayer: Nein, das stimmt, glaube ich nicht.
Johannes Franke: Meinst du nicht?
Florian Bayer: Ja, du musst dich wieder mehr in die 50er und 60er Jahre Musical-Szene trauen.
Johannes Franke: Ja, okay, aber das haben wir jetzt so oft gehabt. Ich traue mich noch nicht wieder.
Florian Bayer: Also ich freue mich total, weil das ist ein Film, den ich nicht mehr wirklich im Gedächtnis habe und es wird toll, den nochmal zu sehen. ihn großartig fand, aber ich kann nicht mehr viel dazu sagen.
Johannes Franke: Okay, na gut. Dann bin ich mal gespannt. Sehr schön. Dann freue ich mich auf nächste Woche. Ja, wir gucken Pornos.
Florian Bayer: Ja, bis dann.
Johannes Franke: Bis dann. Ciao. Ciao. Vielen Dank.
