Episode 57: City Lights – Die Lichter der Großstadt und Charlie Chaplin
Charlie Chaplin darf sich in City Lights aus dem Jahr 1931 als der mittellose Tramp in ein blindes Blumenmädchen aus ärmlichen Verhältnissen verlieben. Dieses hält ihn für einen eleganten reichen Typen, kein Wunder, besucht er sie doch immer wieder, bringt ihr Geldgeschenke und Essen und bezahlt schließlich sogar ihre Augenoperation. Woher der Tramp das Geld hat? Von einem betrunkenen reichen Taugenichts, der ihn nur unter Einfluss von Alkohol als besten Freund erkennt, dann aber für ihn Partys schmeißt und ihn reich beschenkt.
Das beste von Chaplin in einem Film: Slapstick, Romantik und …Ach überhaupt alles was das Genius von Chaplin ausmacht. Plor im Vergleich zu Monsieur Verdoux vom letzten Mal; wieviel Genius siehst du in diesem Film? Bitte beachte, dass die richtige Antwort “100% Genius und kein einziger Punktabzug, weil perfekter Film” ist, und wir uns prügeln müssen wenn du es wagst eine andere Meinung zu haben.
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 57: City Lights – Die Lichter der Großstadt und Charlie Chaplin Publishing Date: 2022-02-03T08:14:55+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/02/03/episode-57-city-lights-die-lichter-der-grossstadt-und-charlie-chaplin/
Florian Bayer: Bro, Jonas. Ich hatte meinen Booster und das Geld wäre scheiße. Oh nein. Nein, nicht oh nein. Du hattest deinen Booster. Yay. Ja, ich hatte meinen Booster. Es geht ja scheiße. Es ist echt ein bisschen... Und falls ihr, liebes Publikum, euch jetzt fragt, was jetzt? erst. Diese Folge nehmen wir sehr weit in der Vergangenheit auf, weil wir haben jetzt gerade so für den Jahresstart 2022 einiges vorproduziert.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das heißt, Johannes war alles andere als spät dran mit seinem Booster.
Johannes Franke: Ich bin kurz vor Weihnachten jetzt hier mit meinem Booster. Und natürlich wie viele andere auch für Weihnachten quasi, um nochmal ein bisschen abgesichert zu sein. Naja, und ich hatte die beiden ersten Male beim Impfen echt Glück, da war nichts. Das war alles smooth durch, ohne irgendwelche körperlichen Reaktionen. Und jetzt hatte ich Schüttelfrost.
Florian Bayer: Also bei mir hat der Booster auch tatsächlich mehr reingehauen als die ersten beiden Impfungen. Wir hatten beide dreimal BioNTech, nur um das nochmal schnell in den Raum zu werfen. Aber ich hatte weder erhöhte Temperatur noch Schüttelfrost, vielleicht ein bisschen erhöhte Temperatur, aber so ein bisschen durch den Wind war ich. Ansonsten ging es eigentlich.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Lasst euch impfen.
Johannes Franke: Genau, lasst euch impfen. Und wenn ihr das Gefühl habt, dass der Johannes ein bisschen in Delirium ist, dann... Entspricht das einfach der Wahrheit?
Florian Bayer: Lasst euch impfen, aber macht nicht weniger als 24 Stunden nach einem Podcast.
Johannes Franke: Okay, ich halte das durch, kein Problem. Flor, herzlich willkommen.
Florian Bayer: Offenbaren sich da ganz neue Interpretationsgebene durch den Fieberwahn.
Johannes Franke: Ach, passt bei Chaplin ja auch. Herzlich willkommen zum Muss man sehen Podcast.
Florian Bayer: Heute mit einem Vorschlag, den Johannes mir gegeben hat.
Johannes Franke: Ja. Und zwar ein Vorschlag, der natürlich sein musste, der auch lange auf sich hat warten lassen. Wir brauchten 57 Episoden, dass ich endlich wieder einen Chaplain genommen habe.
Florian Bayer: Gott sei Dank. Und ich dränge ihn ja immer so ein bisschen und sage, komm Johannes, das ist deine Welt. Gib mir ein paar Slapstick-Filme, gib mir ein paar alte Filme. Gib mir was in Schwarz-Weiß, wo getanzt wird.
Johannes Franke: Ich habe aber immer Angst, dass es überhand nimmt. Weißt du, dass wir zu viel von diesem ganzen alten Zeug nehmen. Und das ist vielleicht... Aber jetzt muss es sein. Jetzt muss es sein, wir nehmen Charlie Chaplin City Lights. Lichter der Großstadt aus dem Jahr 1931.
Florian Bayer: Den ich vorher nicht gesehen hatte tatsächlich. Ich kannte Ausschnitte davon.
Johannes Franke: nicht gesehen hast.
Florian Bayer: Ich kannte nur Ausschnitte, ich habe ihn nie in voller Länge gesehen.
Johannes Franke: Das ist ein bisschen enttäuschend, Plur.
Florian Bayer: Ja, ich bin auch von mir selbst sehr enttäuscht, aber umso froher, dass du ihn mir aufgegeben hast, dass ich ihn jetzt endlich mal sehen konnte, um diese Filmwissenslücke zu schließen.
Johannes Franke: Sehr gut.
Florian Bayer: Und dann schauen wir doch mal, ob er meinen Horizont erweitert hat.
Johannes Franke: Was ja die Maßgabe des Podcasts ist. Letzte Woche hast du versucht, meinen Horizont mit Herrn R. zu erweitern.
Florian Bayer: Ich habe ihn eher zertrümmert.
Johannes Franke: Ja, also, was irgendwie nicht geklappt hat, aber ich... Ich möchte zugeben, dass er vielleicht auch dem einen oder anderen Zuhörer vielleicht was gegeben hat, wofür es sich schon gelohnt hat. Aber ich... Ich glaube natürlich großkotzig, dass Charlie Chaplin weitaus mehr zu beten hat.
Florian Bayer: Natürlich. Lass mal hören, was du uns vorgelegt hast als Einleitung.
Johannes Franke: Charlie Chaplin darf sich in City Lights als der mittellose Trump... in ein blindes Blumenmädchen aus ärmlichen Verhältnissen verlieben, das ihn für einen eleganten, reichen Typen hält, der bald anfängt, sie immer wieder zu besuchen, ihr Geldgeschenke und Essen zu bringen und schließlich ihre Operation an den Augen bezahlt. Woher der Trump das Geld hat? Von einem betrunkenen, reichen Taugenichts, der ihn nur unter Einfluss von Alkohol erkennt und als besten Freund annimmt und für ihn Partys schmeißt und ihn reich beschenkt. Das Beste von Chaplin in einem Film. Slapstick, Romantik und ach, überhaupt allem, was das Genius von Chaplin so ausmacht. im Vergleich zu Monsieur Verdoux vom letzten Mal. Wie viel Genius siehst du in diesem Film? Bitte beachte, dass die Antwort 100% Genius und kein einziger Punktabzug, weil perfekter Film die einzige wirkliche Antwort ist und wir uns prügeln müssen, wenn du wagst, eine andere Meinung zu. zu haben.
Florian Bayer: Also 100% kann ich dir natürlich nicht geben. Allein schon, weil du letzte Woche meinen Filmvorschlag so fertig gemacht hast.
Johannes Franke: Du willst dich rächen? Ausgerechnet ein Chaplin, der kann überhaupt nichts dafür.
Florian Bayer: Chaplin kann da nichts dafür und natürlich ist das ein sehr schöner Film. Keine Frage. Ist er mein Lieblings-Chaplin-Film?
Johannes Franke: Nein. Was? Was?
Florian Bayer: Also, ich fand... Was? Ich finde, Kit ist der schönere Film. Was die zwischenmenschliche Komponente betrifft. Aber er ist sehr dicht dran an The Kid. Und das liegt natürlich vor allem daran, dass er es ... ähnlich wie bei The Kid schafft, so zwei Filme quasi parallel laufen zu lassen. Ja. Wir haben hier diese ... klassischen Slapstick-Einlagen, die man eben irgendwie aus Charlie Chaplins Kurzfilmen kennt. Wenn man sie kennt. Also es gibt ganz viele diese Momente, wo man denkt, okay, das ist auch ein Chaplin-Kurz-Film. Mal kurz schauen, ob er da irgendwo Material wiederverwendet hat, was er sowieso schon hatte. Und dann gibt es aber parallel tatsächlich diese Rahmenhandlung, die halt schon eine sehr sentimentale Rom-Com ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber Chaplin ist halt unglaublich gut darin, Sentimentalitäten zu erzählen, ohne dass es nervt.
Johannes Franke: Es ist toll, oder?
Florian Bayer: Und natürlich ist es krass. Natürlich schaut man das auch mit dem Blick eines Zuschauers von heute und denkt so, boah. Und jetzt noch mal diese Musik und jetzt noch mal ihr sehnsuchtsvoller Blick. Aber irgendwie klappt es am Schluss dann trotzdem und es gibt dann halt trotzdem einfach Gänsehaut-Momente und das ist schon krass. Also das muss ein Film erstmal schaffen, dass er... 90 Jahre später immer noch Gänsehautmomente erzeugt als Schwarz-Weiß-Film. Ja. Der wenige Texttafeln hat als Stumpffilm.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: als eben diese typische Chaplin-Romcom mit vielen Slapstick-Einlagen. Und trotzdem gibt es diese Gänsehaut-Momente. Und die hat er. Und das ist ... Das ist wirklich stark.
Johannes Franke: Das ist die große Stärke von Chaplin, finde ich. Im Gegensatz zu Buster Keaton, der wirklich so der... Der krasse Slapsticker war, der in der Gegend rumgeworfen wurde und der halsbrecherische Akrobatiken gemacht hat und der sehr formale Filme mehr oder weniger gemacht hat. Während Chaplin der sentimentale war, der wirklich sehr emotionale Filme gemacht hat. Was beeindruckend ist, was bei The Kid natürlich auch wahnsinnig zum Tragen kommt, wo das Kind einfach so eine wahnsinnig große Rolle spielt und diese Beziehung zum Kind. Und hier ist es halt das blinde Mädchen, das Blumen verkauft und er... Kauft eine Blume von ihr, sie glaubt, weil sie ihn nicht sehen kann, dass er ein reicher Typ ist, weil er aus einem Auto kommt, das nach einem reichen Auto klingt, wenn die Tür zuklappert. Was ein ganz genialer Gedanke ist.
Florian Bayer: Über den er sehr lange gekrügelt hat, ne?
Johannes Franke: Ja, er hat 300 Takes davon gemacht und... War irgendwie nie so richtig zufrieden, weil er nie den richtigen Moment gefunden hat, wo er sagt, okay, das ist jetzt wirklich überzeugend, dieser Verkauf von reichen Typen.
Florian Bayer: Es war für ihn auch seltsamerweise so eine elementare Szene. Die wichtigste Szene des Films, dass sie ihm abkauft, damit die Liebesgeschichte danach auch irgendwie glaubwürdig ist, dass sie ihm abkauft, dass er ein Millionär ist, wo ich denke, okay, man muss vielleicht nicht unbedingt so sein. Also da kommt auch so ein bisschen so... Da kommt auch so ein bisschen der Perfektionist durch, der vielleicht auch ein bisschen weniger perfektionistisch sein könnte.
Johannes Franke: Also Chaplin war wirklich ein unglaublicher Perfektionist. Wenn wir mal auf die Zahlen gucken. Jetzt mal die Erstehungsgeschichte und den ganzen Platteradatsch drumherum. Zum einen ist das Ganze 1931 entstanden, wo der Jazz-Singer als erster Tonfilm schon der große Erfolg war und alle Leute Tonfilme wollten.
Florian Bayer: 27 war der Jazz-Singer. vier Jahre bevor der Film veröffentlicht wurde.
Johannes Franke: Und er hat 1928 angefangen, mit dem Film zu planen. Und das heißt, es war schon draußen und man wusste schon, okay, das ist der Tonfilm und der könnte vielleicht das große Ding werden und er hat sich trotzdem dagegen entschieden.
Florian Bayer: Und er hat am Anfang, das war ja, als er 28 angefangen hat, war es ja auch noch so, dass man denken konnte, okay, vielleicht ist Tonfilm auch nur ein Gimmick. Das ist heutzutage kaum vorstellbar, weil Tonfilm einfach... so wie die logische Evolution wirkt. Aber wenn wir uns in unsere heutige Filmwahrnehmung versetzen, dann kennen wir das ja auch, dass es einfach Gimmicks gibt, wie zum Beispiel das 3D-Kino. wo man denkt, okay, es ist die Frage im Raum, ist es nur ein Gimmick oder wird es mehr? Und 3D-Film ist natürlich ein schönes Beispiel, weil es nicht mehr geworden ist.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Aber denken wir an digitale Filme. Da war auch die Frage am Anfang, kann man das so machen? Werden in Zukunft so Filme gedreht? Ich glaube ja nicht. Ja. Und wenn wir uns heute die Filmlandschaft anschauen, dann ist 99 Prozent digital gedreht.
Johannes Franke: Ja, natürlich zu Recht, weil sich die technische Entwicklung entsprechend durchgesetzt hat. Beim Tonfilm denken wir das jetzt auch, im Nachhinein. Natürlich, klar, musste das irgendwie weiter vorankommen, aber Chaplin war der Überzeugung, dass... Dass gerade seine Figur des Tramp ja eigentlich gar nicht reden kann. Das funktioniert nicht. Du kannst den Tramp nicht reden lassen. Der ist eine Physical Comedy Geschichte. Man kann nicht ihm irgendwie dann Worte in den Mund legen. Was hat er dann später beim großen Diktator versucht? Und hat dann aber den Trump eher davon weggelöst. Also man erkennt den Trump noch ein bisschen in der Figur beim großen Diktator, aber nicht... Wirklich, das ist eine Variante davon.
Florian Bayer: Kommen wir mal kurz zum Trump. Was ist das für eine Figur und warum funktioniert sie so gut im Stummfilm? Es ist nicht einfach nur ein Objekt, mit dem man ein bisschen Slapstick machen kann, weil es ist ja schon eine definierte Figur, die auch bestimmte Charaktermerkmale, hat bestimmte Charakterzüge und bestimmte Eigenheiten, die sie irgendwie besonders machen.
Johannes Franke: Also der Tramp ist natürlich die Identifikationsfigur für den Zuschauer. Immer derjenige, der außen voll kommt, der arm ist, der sonst nichts hat, aber immer etwas draus macht. aus dem, was er nicht hat. Also er schafft es immer irgendwie in Situationen, es gibt ganz viele Kurzfilme, wo er sich in der Higher Upper Class bewegt. wo er irgendwie golfen geht oder sowas, aber eben eigentlich überhaupt gar kein Geld hat und überhaupt gar keine Idee davon, wie sich solche Leute verhalten und wie Golf geht. Und das ist ganz, ganz toll, weil wir Als Zuschauer, also er nimmt an, dass der größte Teil der Zuschauer eben das gleiche Problem hat. Die wissen nicht, wie macht denn die Upper Class das? Wie sind die denn drauf? Und das heißt, man ist immer, man rootet immer für diesen... vermeintlich ein Verlierer, der aber am Ende immer irgendwie gewinnt.
Florian Bayer: Ja, das Spannende ist am Tramp ja tatsächlich, dass er ganz viele Charaktermerkmale oder ganz viele Verhaltensmerkmale von dieser Upper Class auf Ja, genau. Weil er eben auch jemand ist, der sich wirklich um seine Mitmenschen kümmert. In diesem Film sieht man es besonders stark, weil es gibt die zwei wesentlichen Momente für die Handlung. großen handlungstreibenden Momenten sind zwei Momente, in denen er anderen Menschen hilft. Einmal, indem er dem Blumenmädchen was abkauft. Und dann zum zweiten, indem er diesen Millionär rettet, der sich umbringen würde, wenn er nicht da wäre. Ja. Und das ist, glaube ich, ein ganz wesentliches Merkmal von diesem Trump, dass er eben trotz seiner Armut sich so wie ein Upper Class Gentleman verhält. Nicht nur, indem er hilft, sondern auch, indem er sich so sehr elegant bewegt, indem er versucht, sehr elegant zu wirken und versucht, seine Würde zu bewahren, was natürlich... Auch für die Comedy dann gut ist, wenn sie immer wieder verloren geht.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Er ist nicht einfach nur so der kleine Mann, sondern er ist ja... Auch immer diesen Versuch elegant zu wirken, also er ist ja schon auch so ein bisschen so ein Clown dadurch, so ein tragischer Clown, der eben, der eben würdevoll sein will und dem es aber nicht so 100 Prozent gelingt. Und er ist auch so ein sentimentaler Künstlertyp. Er ist ein Sensibelchen.
Johannes Franke: Ja, ja. Man darf aber nicht vergessen, und das wird oft verklärt, wenn man sich so die Chaplin-Sachen aus Abstand anschaut, der ist schon auch... Brutal, der ist schon auch, also was der an Dritten verteilt und was der an Zeug macht mit Leuten. Das ist schon teilweise sehr, sehr viel, sehr gewalttätig, aber das macht natürlich für die Slapstick immer so einen großen Teil. Und er ist eigennützig. Gerade in den Stummfilmen hat er viele Momente, wo er Situationen für sich versucht zu nutzen. macht das immer so, dass mein Zuschauer denkt, ja gut, würde ich in der Situation auch machen.
Florian Bayer: es spielt, glaube ich, eine große Rolle, dass er dabei auch so kindlich naiv ist. Er ist eher wie so ein kleines Kind, das sieht, dass das Schüppchen gerade nicht bewacht ist von einem anderen Kind und sich das schnell greift.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: Er bewegt sich ja auch durch die Welt so ein bisschen wie auf dem Spielplatz und ist dann auch sehr irritiert, wenn was eben nicht so ganz läuft, wie er will. Das haben wir ja auch ganz oft diese Irritationsmomente. Was passiert da?
Johannes Franke: Und er ist renitent. Er versucht es immer wieder. Er schafft es nicht auf. Genau. Das ist ganz toll. Das ist eine der treibenden Federn seiner Komik auch.
Florian Bayer: Das ist ganz spannend, weil die dunklen Charaktereigenschaften, die du jetzt erwähnt hast, die kommen in dem Film eher weniger zum Tragen. Das stimmt. Es gibt zwar diese Momente, wo man das Gefühl hat, okay, jetzt nutzt er den Millionär irgendwie aus, aber auch nicht so richtig. Ja. Natürlich profitiert er davon, dass er dann später auf diesen Millionär trifft und von dem Geld kriegt. Aber es hat trotzdem einen noblen Hintergrund, weil er seine Freundin im Blick hat.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und es ist auch nicht so, es ist nicht so manipulativ, bösartig, intrigant, ich versuche mir jetzt gezielt was zu greifen, sondern es ergibt sich irgendwie einfach aus den Situationen heraus, in die er reinstolpert. Er stolpert so sehr viel durch diesen Film. Er wird von Situation in Situation geschubst und oft hat man das Gefühl, er hat gar keine Kontrolle mehr über die Handlung.
Johannes Franke: Was aber in einem Maße passiert, dass man nicht genervt davon ist. Weil es gibt ja viele Filme, wo man dann irgendwie genervt davon ist, dass die Hauptfigur keine eigene... Handlung mehr vorantreibt, sondern immer nur noch durchgeschoben wird. Aber bei ihm ist es so... Da ist er vor allem von den Betrunkenen irgendwie immer wieder in den Arm genommen und, komm, wir machen jetzt das und wir machen jetzt das.
Florian Bayer: drauf ein, er lässt sich einfach mitschleppen. Dann sagt er betrunken, jetzt machen wir Party und dann feiern sie bei ihm zu Hause und dann sagt er jetzt mal, jetzt trinken wir und dann trinkt er und Und jetzt gehen wir dahin und feiern da. Und er geht halt immer mit, er lässt sich einfach mitziehen.
Johannes Franke: Es ist auch so ein Ja sagen zu allem, was kommt. Ja. Das finde ich ein wahnsinnig schönes Gefühl fürs Leben, zu sagen, okay, ich schaue mal, was kommt. Der Betrunken ist überhaupt nicht mein Fall. Man sieht das. Sein Gesichtsausdruck sagt eindeutig, ach du Scheiße, was haben wir denn hier? Aber er geht trotzdem drauf ein und sagt, okay, mal gucken, wo es mich hinführt. Er hat ja auch keinen anderen Job oder so.
Florian Bayer: Es entwickelt sich ja auch eine ganz groteske Freundschaft zwischen den beiden. Also Am Anfang sagt er, er ist nicht so mein Fall, also merkt, dass er eingeschüchtert ist von diesem extrem exaltierten Verhalten von dem betrunkenen Millionär. Irgendwann hat er Spaß mit ihm. Ja. Und dann helfen sie sich ja auch gegenseitig bei dieser absurden Restaurantszene, wo sich drin nicht in Problemen... Ja. Und der Trump ist halt der Trump und versteht einige Situationen nicht. Und deswegen kommen sie ständig in Streitsituationen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und die laufen aber immer darauf hinaus, dass einer für den anderen gerade steht, egal wie absurd die Situation gerade ist.
Johannes Franke: Ja. Und das ist sehr absurd. Also es gibt wirklich, er versucht wirklich aus jeder Situation, die er sich überlegt, wie zum Beispiel eben dieser Dieser Party-Restaurant-Abend ist irgendwie so eine Mischung aus Party und Restaurant. Da gibt es eine Tanzfläche und die ist total rutschig. Und dann, weißt du, er versucht... Überall noch das Absurdeste zu finden, was es da gibt. Sie bestellen Spaghetti. Und dann kommen die Luftschlangen, die da irgendwie durch die Party durch den Raum geworfen werden, die er dann so betrunken, wie er ist. statt der Nudeln erwischt und dann da durch den Raum geht, um die zu essen.
Florian Bayer: Wo der Millionär übrigens sehr fürsorglich ist und ihm dann so wirklich reingreift und sagt, Moment mal, du machst da gerade einen Fehler. Oder er ist plötzlich der Rationale von den beiden. Was zum Beispiel so eine klassische Tramp-Szene ist, dann gibt es dieses tanzende Paar, die sehr wild tanzen und die Frau rutscht aus und fällt hin. Und der Tram sieht irgendwie nur den Typen, der die Frau geschubst hat und reißt sich natürlich gleich das Jackett runter, um sich mit diesem Typen zu prügeln. Sie haben eine klassische Partynacht. Sie saufen zusammen und kommen ständig in Streitereien und Prügeleien.
Johannes Franke: Ja, ist toll. Ich finde, Chaplin hat das voll drauf, diese Tropes abzuarbeiten und das aber nicht so sehr wie eine Einkaufsliste wirken zu lassen, sondern einfach... wirklich da durchzugehen und sehr logisch eins ins nächste zu bringen. Das ist überhaupt eine große Stärke von Chaplin, finde ich, dass diese Slapstick-Einlagen, die er hat, die wirken nicht abgesetzt. Die wirken nicht so wie, okay, und jetzt kommt die Slapstick-Einlage. Obwohl es manchmal so ein bisschen so ist wie bei dem Boxkampf, wo man das Gefühl hat, okay, das hat er jetzt da eingefügt. Aber meistens... Macht diese Slapstick-Einlage doch etwas mit dem Film, was ihn vorantreibt? Wo eine Situation entsteht, wo die Geschichte doch nach vorne getrieben wird und nicht nur einfach der Slapstick-Willen Slapstick betrieben wird.
Florian Bayer: Es ist in dem Film halt vor allem auch stark, weil er mit Harry Myers einen wirklich exzellenten Gegenspieler hat und Mitspieler. Sie machen dieses Slapstick-Zeug auch ganz oft zusammen. Und der Harry Myers ... Das ist natürlich von Chaplin inszeniert. Aber er lässt den Harry Myers ganz oft Sachen vom Tramp aufgreifen. Also sie sitzen da auf dieser Party und der Tramp fängt an mit den Beinen zu wackeln und so etwas angestrengt in der in der Gegend rumzugucken und dann geht die Kamera so ein bisschen raus und dann sehen wir, dass der Millionär neben ihm sitzt und er macht genau dasselbe. Der Schlitt sitzt auch da und wackelt auch so mit den Sie wirken beide so ein bisschen verloren dann mit ihrem halbstrengen Blick. Und dann gibt es diese wunderbare Szene, wo das erste Mal ... In meiner persönlichen Filmgeschichte, dass ich über einen Zwischentitel richtig laut lachen musste, wenn der Millionär ihn betrunken nach Hause fährt. Ja. Und er sagt dann zu dem Millionär, vorsichtig, pass auf, wie du fährst, be careful how you're driving. Und dann fragt der Millionär, am I driving? Das ist so ein lustiger Zwischentitel, weil dann in der nächsten Szene sieht man natürlich, wie der Trump ganz verzweifelt das Lenkrad greift. Und das ist so on point.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Humor, den man eigentlich eher von den Simpsons erwartet. Wirklich klassischer, also nicht klassischer im Sinne von 90er Jahre. Sprachhumor.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und so einen Zwischentitel zu pressen, so dass man lachen muss, das muss ein Film erstmal hinkriegen aus der Zeit und das hat voll funktioniert. Ja.
Johannes Franke: Und er hätte es ja machen können, wenn er ein Talkie draus gemacht hätte, also einen Tonfilm. Wären das die Dialoge gewesen, die er hätte haben können, wollen, sollen, dürfen. Ich finde es sehr bold von ihm, sehr... Sehr beeindruckend, dass er um diese Zeit noch gesagt hat, nee, wir machen einen Stummfilm draus, aber ich mache eine Tonspur. Und diese Tonspur macht auch so viel Gutes mit diesem Film. Es ist so toll.
Florian Bayer: Natürlich gleich am Anfang. Wo du denkst, wo du wirklich... vor allem als Publikum von damals, denkst, du bist in einem Talkie gelandet, weil wir haben diese Reden auf dem Platz. Damit steigt der Film ein und dann haben wir diesen Typen, der redet und dann ist es ein Bläser, eine Trompete.
Johannes Franke: Saxophon, glaube ich.
Florian Bayer: Saxophon, das die Geräusche dazu macht und es klingt wirklich wie unverständliches Geplärre.
Johannes Franke: Und das ist super gemacht. Und es ist ein Witz auf diesen Tonfilmen. Und es ist so großartig, weil du natürlich keine synchronisierte Tonfassung hast, sondern einfach diesen Bläser, der da...
Florian Bayer: Und dann danach die Frau, wo der Bläser ein bisschen höher ist.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Das ist super, weil das ist der Einstieg in unseren Film und dann kriegt der Trump auch gleich eine Slavstick-Einlage. Und es ist so ein geiles Spannungsfeld aufgemacht zwischen Ton und Stumpffilm, was Chaplin ja später noch mal krasser gemacht hat mit Modern Times. Genau. wo er viel mehr mit Ton gearbeitet hat, obwohl es auch irgendwie noch ein Stummfilm ist. Ich finde es toll. Ich finde es eine tolle Reaktion auf ein neues Gimmick in der Filmbeschichte.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wo Chaplin noch nicht genau wusste, wie er damit umgehen soll. Und er hat ja auch mit sich gehadert. Er hat sehr gehadert. Er hat gedacht, es ist bloß ein Gimmick und hat dann während der Dreharbeiten die über drei Jahre gegen festgestellt, oh, es ist nicht nur ein Gimmick, shit, der Tonfilm ist gekommen, um zu bleiben. Und das hat er ja nicht komplett ignoriert. Also er hat das gemerkt.
Johannes Franke: Ja, und er hat genau gewusst, was er mit seinen Mitteln kann und was er nicht kann. Das ist halt das... ist das, was ich finde, was Profis von Amateuren oder eher nicht so geilen Regisseuren eben unterscheidet. Zu wissen ... Welche Mittel habe ich und was kann ich damit machen und welche Mittel habe ich nicht? Was sollte ich möglichst nicht machen, weil ich es nur schlecht mache?
Florian Bayer: Kommen wir aber nochmal zurück zu der Frage. Hätte der auch als Tonfilm funktionieren können? Also würdest du sagen, so perfekt, so wie es gemacht ist? Oder... Du musst nicht mal das Perfekt weg, du musst dir nicht sagen, er ist dadurch weniger perfekt, aber hätte es vielleicht auch als Tonfilm funktionieren können, diese Rolle als Tramp in diesem Film? Was denkst du?
Johannes Franke: Ich glaube nicht. Ich glaube nämlich, dass die Situation, die er herstellt... die ja auch in der Tradition des Dramps sind, was auch in ganz vielen anderen Filmen so wäre, die würden sich erledigen, wenn er anfangen würde zu erklären. Weil viele Situationen, wie das mit dem blinden Mädchen und so, das lebt davon, dass der Trump nicht viel redet. Also man sieht ab und zu seinen Mund bewegen. Man weiß, er redet, wenn er was zu sagen hat. Aber ganz allgemein redet er auch wenig. Er ist kein... Kein Mensch, der Situationen durch verbale Äußerungen klärt, sondern eher durch... visuelle Erklärungen, Pantomime. Und das ist eben, glaube ich, das, was den Trump auch so schwer zu übersetzen in Tonfilmen macht.
Florian Bayer: Ich fände es ganz spannend, quasi eine alternative Realität zu überlegen, in der das Ganze als Tonfilm wäre. Ich denke... Bei dieser übergeordneten Handlung, also zum einen das mit dem Mädchen und zum anderen aber auch das mit dem Millionär und es geht wirklich nur um diese handlungstreibenden Momente. Hätte das vielleicht als Tonfilm funktionieren können und ich fände es auch spannend zu überlegen, wie das als Tonfilm hätte funktionieren können. Ich bin vollkommen bei dir, dass diese ganzen Slapstick-Sachen und auch ganz viele der Alltagssituationen, in denen sich der Trump befindet, dass die... dass die einfach wie für Stummfilme gemacht sind. Dass die durch die Unterstützung von der Musik und eben durch das Visuelle ... dass die im Tonfilm eher verlieren. Sobald er anfängt, ein Wort zu sagen, zum Beispiel beim Boxkampf wird's schwächer. Aber diese romantische Geschichte und diese Aufsteigergeschichte, diese hilflose Aufsteigergeschichte, Es wäre bestimmt ganz spannend, mit Naturnebene auch sich einfach zu überlegen, wie könnte die diese Liebesgeschichte zum Beispiel dadurch gewonnen haben, dass da gesprochen wird. Weil ... Dadurch, dass sie blind ist und sie redet ja auch relativ viel sogar. Sie ist wahrscheinlich der Charakter, der die meisten Zwischentitel bekommt, was Text betrifft, weil sie auch viel von ihm erzählt. erzählt so. Sie hat ja diese Szene mit ihrer Mutter, wo sie erzählt und dann war dieser reiche Millionär da und hat mir eine Rose abgekauft und ich hoffe, er kommt bald wieder. Ich glaube, ihr Charakter könnte zum Beispiel durchaus gewinnen durch Tonmomente.
Johannes Franke: Ja, vielleicht. Vielleicht. Er hat sich mit ihr leider nicht so gut verstanden. Ach man.
Florian Bayer: Sie hatte auch eine andere Vorstellung davon, wie Filme zu machen sind als er. Ja.
Johannes Franke: Er war so perfektionistisch und das hat sie genervt. Sie wollte das nicht. Er hat ja hunderte Takes gemacht. Um mal diese Zahlen aufzumachen, er hat 180 Drehtage gehabt in drei Jahren Produktionszeit. Er hat also viele Pausen zwischendurch gehabt. Seine Mutter ist zwischendurch gestorben, als er das Drehbuch gemacht hat. Viele, viele Sachen. Winston Churchill kam und dann hat er Pause, Drehpause gemacht und hat einfach mal ein bisschen mit Winston Churchill abgehangen. Das sagt so wahnsinnig viel über die laissez-faire-Haltung damals, was Dreharbeiten betrifft.
Florian Bayer: Aber er hat mit Churchill auch gedreht dann. Er hat mit Churchill einen Kurzfilm gedreht.
Johannes Franke: Was total geil ist. Aber dass man einfach mal sagen kann, was heute überhaupt nicht geht, einfach mal sagen kann, Ach, für heute ist genug. Wir machen irgendwie morgen weiter. Ich treffe mich jetzt mit Churchill. What? Keine Chance. Und der hat 180 Drehtage gehabt für diesen Film. Ich würde gerne mal in den Raum werfen, wie lange ein Tatort gedreht wird. 21 Drehtage.
Florian Bayer: Gegen 180 Tage.
Johannes Franke: Also es ist Chaplins Perfektionismus, aber es ist auch natürlich die Technik. von damals und die Produktionsabläufe von damals. Jeder Film hat damals wesentlich länger gedreht als heute. Das ist einfach so.
Florian Bayer: Aber es war trotzdem ein Großprojekt. Und es war ein leidenschaftliches Projekt. Ja. Über eine Million Dollar. Eine Million 500.000 Dollar hat er in den Film reingepulvert.
Johannes Franke: Hat er immer wieder gemacht. Der war so... Wenn der mal eine Idee hatte, der musste das durchziehen. Das war so ein besessener Mensch. Es ist unglaublich.
Florian Bayer: Und er hatte aber sein eigenes Studio. Er konnte die Sachen auch umsetzen. Genau. Er hat einfach, dann hat er halt gesagt, okay, dann nehme ich nochmal Geld in die Hand, ich habe genug Geld und das pulvere ich da rein und mir ist wirklich wichtig, dass der Film Gut ist, dass der Film perfekt ist.
Johannes Franke: Der war kurz davor, er hatte schon alles gedreht, also nicht ganz alles, aber so größtenteils. Und dann hat er seine Hauptdarstellerin gefeuert.
Florian Bayer: Virginia Cheryl, weil sie zu spät gekommen ist.
Johannes Franke: fucking, weil sie zu spät gekommen ist, hat er sie gefeuert und darüber nachgedacht, also er hat schon auch Ersatz gecastet und Eine, mit der er vorher schon bei Goldrausch gearbeitet hat.
Florian Bayer: Georgia Hell.
Johannes Franke: Genau. Und... Und hat mit ihr Probeaufnahmen gemacht und so. War alles so, wir machen das jetzt. Und dann hat er aber festgestellt, doch, es wird doch ein bisschen zu teuer. alles das nochmal zu drehen, was wir schon gedreht haben mit der neuen. Das ist so krass, aber dass er das überhaupt überlegt hat. 180 Drehtage für den Arsch und dann nochmal alles von vorne? Das ist so seine Haltung, weißt du?
Florian Bayer: Aber er war tatsächlich von ihrer Schauspielleistung noch angetan. Er hat festgestellt, dass sie einfach zu gut ist. Und ein Interview nach zur Folge. hat er da den Schritt gemacht und ist, hat sie zugegangen, hat gesagt, komm bitte zurück und hat ihr Gehalt verdoppelt.
Johannes Franke: Ja, aber nur, weil sie gut verhandelt hat. Ja. Sie hat sich Rat geholt von anderen Kollegen und die haben dann gesagt, naja, dann mach mal. Hier kannst du ein bisschen tweaken, da kannst du ein bisschen was rausholen.
Florian Bayer: Und ich hatte leider keine Zeit mehr danach zu suchen, aber die Szenen, die er mit George R. Hale gedreht hat, offensichtlich gibt es da.
Johannes Franke: Ich hab sie leider nicht gesehen, aber es gibt davon welche, ja. Das ist spannend. Gerade, ich glaube, die Schlussszenen sind mit ihr... Ja, ich finde jedenfalls die Tonspur wahnsinnig spannend, weil er auch überall Kommentare drin hat, zum Beispiel eben am Anfang das mit den Politikern oder dann auf der Party. wo er den Pfeifen verschluckt. Die ganze Zeit den Pfeifen. Das ist so großartig. Das sind so tolle, auch Audioideen dabei, die einfach einem Stummfilmstar nicht unbedingt gegeben sind. Ja, der männliche Gegenpart, der Betrunkene zum Beispiel, der Schauspieler, der hat danach nicht mehr viel gemacht. Das war ein Stummfilmstar. Das ist einer der Verlierer der ganzen Geschichte. Der hat danach nur noch ganz kleine Sachen gemacht und war am Ende. Das war nichts mehr.
Florian Bayer: Und er spielt so schön. Der ist so eine tolle Ergänzung für Chaplin in diesem Film. Und nochmal, Harry Myers. Er spielt das so toll, auch diese ... Also wenn er betrunken auftritt, ist er einfach immer eine Naturgewalt. Und das ist so wirklich, wir haben drei Begegnungen zwischen ihnen, dreieinhalb. Und es ist eigentlich immer so, dass er total betrunken Chaplin in die Arme fällt und sagt, oh mein alter Freund, schön dich zu sehen, komm mit mir. Wie Party oder so. reißt der Chaplin mit, beim ersten Mal trinken sie zuerst nur zusammen. Übrigens auch eine sehr lustige Szene, wenn er die ganze Zeit den Alk in die Hose von Chaplin kippt. Und dann gibt es diesen lustigen Moment, Chaplin bemerkt das nicht, da gibt es diesen lustigen Moment, wo er fast sein Glas umkippt, dieses kleine Glas und Chaplin korrigiert es so ein bisschen, damit ja nichts verschwindet. Bloß nichts verschütten, während die ganze Zeit der Alkohol in seine Hose läuft. Und dann gehen sie auf diese wilde Party in dem Restaurant, wo sie die Zigarren rauchen und die... Tanzen, gucken, dann zwischendurch mal Spaghetti beziehungsweise Lametta essen.
Johannes Franke: Ja. ein Beispiel, was du gerade sagst mit dem Verschütten des Alkohols in Chaplains Hose. Das ist ein geiler Gag. Aber Chaplin schafft es halt, dann da einen draufzusetzen und zu sagen ... hier, guck mal da, dein Glas, du verschüttest gleich was. Was ein guter Kommentar auf den Gag ist. Was irgendwie dem Ganzen... Du kannst... Ganz viele Wortwildkünstler haben alle möglichen Sachen mit Slapstick gemacht. Aber Chaplin hat meiner Meinung nach immer einen Schritt weiter, ist immer einen Schritt weiter gegangen. Ja.
Florian Bayer: So diese eine Meta-Ebene, die du draufpacken musst, dass es vom eigentlich klassischen Slapstick-Witz zu was Größerem wird.
Johannes Franke: Zu was Menschlichem wird auch. Und das zeigt sich halt in der Geschichte mit dem Mädchen. Wollen wir vielleicht die Geschichte mit dem Mädchen mal ein bisschen... Er wollte zwischendurch ein 16-jähriges Mädchen engagieren für diese Rolle.
Florian Bayer: Charlie, keine gute Idee!
Johannes Franke: Haben sie ihm ausgeredet? Er war sowieso einer, der ein bisschen... Ja, schwierig war in der Richtung, muss man sagen. Die Hauptdarstellerin hat einmal gesagt, die war 20, als sie das gedreht hat. Er war an mir sexuell nicht interessiert.
Florian Bayer: Ich war ihm zu alt. Nicht schön.
Johannes Franke: Das ist kein guter Kommentar. Das sagt nicht viel Gutes aus. Und er hatte ja immer sehr junge Frauen, auch später, als er schon Mitte 50 war. O'Neill, wie alt ist die? Die ist viel jünger gewesen als er. Die war gerade volljährig oder so.
Florian Bayer: Er war 40 ungefähr, als er den Film gedreht hat. 1889 ist er geboren. Das heißt 1929, ja, das sind 40 Jahre ungefähr. Ja.
Johannes Franke: Ja, das... Naja, und dann... Finde ich die Story mit dem Mädchen natürlich irgendwie toll erzählt.
Florian Bayer: Ja, die ist unfassbar kritisch. Aber es gibt diese Schlüsselmomente, wo die einfach saugut funktioniert. Wie gesagt, der Anfang, wenn der aus dem Wagen raussteigt. Und dann auch ... Sie hört halt die Wagentür und denkt dann erst mal, er ist reich. Und dann hört sie nachher die Wagentür und hört ihn wegfahren. Und er denkt, er wäre weggefahren, aber er steht natürlich noch da, weil es nicht sein Wagen war. Er wollte ja nur aus diesem Verkehrschaos raus. Und dann beobachtet er sie noch weiter, was man sagen könnte, was eine creepy Szene sein könnte. Aber es ist eine total schöne Szene. Ja, genau. Vom Grundgedanken ist es total creepy, dass er da noch sitzt. Aber dann sitzt er da und guckt halt auch voll. liebt auf sie und dann nimmt sie Wasser, um die Blumen zu gießen und kippt das Wasser auf ihn drauf. Und es ist wirklich süß.
Johannes Franke: Ja, vor allem, weil er das immer aufbricht. Es ist ja nicht so, dass er einfach creepy dasteht und starrt. Sondern es wird immer ... Ihm heimgezahlt mit dem Wasser, was ihm entgegenkommt. Einmal steht er am Fenster auf einem Fass und schaut in ihre Wohnung, wo man denkt, oh mein Gott. Creep, was ist los? Guckst du gerade durch ein Fenster in private Räume? Und er steht auf einem Fass und... wird natürlich vom Nachbarn irgendwie, und dann fällt er da runter. Es gibt immer eine Antwort darauf.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das finde ich gut.
Florian Bayer: Dann die zweite Begegnung ist natürlich süß. Wenn sie vorm Haus steht von dem Millionär nach der ersten betrunkenen Nacht und die Blumen verkauft und er kauft dir die Blumen ab. Er kennt sie wieder, freut sich total und fährt sie dann mit dem Wagen vom Millionär nach Hause. Das ist auch, wo er sie durchs Fenster beobachtet. Und es sind ja tatsächlich nicht so viele Szenen, die sie da zusammen haben, aber es wird wirklich eine schöne Romanze zwischen den beiden erzählt, einfach auch durch ihre Blicke. Dadurch, wie er sie so umgeahnt, eben der Gentleman, obwohl er wenig Geld hat, weiß er in den Momenten, wie er sich Gentlemanhaft verhalten kann. Und Es ist auch kein ekliges Ungarn oder so, was er macht, sondern er himmelt sie ja auch wirklich an.
Johannes Franke: Es ist wirklich schön. Also gibt kein dem der Zeit irgendwie innewohnendes, ekelhaftes Angebieter oder sowas? Es gibt nicht diese männliche, komm ihr Schätzelein, komm mal her an meinen viel zu großen Busen. Das ist nicht der Fall. Und das finde ich sehr schön, weil er immer eine echte Romantik drin hat.
Florian Bayer: Vor allem dann eben in diesem Mittelteil, wo er einfach mal, um ihr zu helfen, um für sie die Operation finanzieren zu können, arbeitet. Er arbeitet für sie. Also er ist eigentlich dieser klassische Tramp, dieser Hobo, der durchs Leben geht, ohne arbeiten zu müssen, der sich halt so rumschlägt. Und dann nimmt er einen richtig klassischen Alltagsjob an und wird Straßenreiniger, nur um ihr helfen zu können, um für sie Geld zu besorgen, was nicht gut geht.
Johannes Franke: Weil er irgendwann mal zu spät kommt.
Florian Bayer: Tatsächlich wird ja das ganz witzig, dass er gar nicht durch eine große Slapstick-Situation gefeuert wird, sondern er ist halt einfach zu spät zum Job. Die Slapstick-Situation gibt es vorher, wenn er dem Typen, dem Mitarbeiter zufällig die Seife aufs Brot legt und wir wirklich eine sehr süße Szene haben, wo der Seifenblasen ausatmet. Und dann, eigentlich so einer der klassischen Chaplin-Revue-Passagen, nimmt er einen anderen Job an und zwar wird er Boxer.
Johannes Franke: Und das ist ja mal eine krasse Szene, oder? Das ist so das Herzstück der Slapstick-Einlagen dieses Films, finde ich.
Florian Bayer: Ein bisschen zu lang? Entschuldigung. Ich fand sie ein bisschen zu lang, die Szene. Also tatsächlich, ich finde die Ideen ganz toll da drin. Ich finde den eigentlichen Kampf dann nachher, ich finde es total witzig, was passiert. Und Idee, weil er hat dann jemanden, mit dem er ausmacht, hey komm, pass auf, wir tun uns nicht gegenseitig weh und ich falle und alles in Ordnung.
Johannes Franke: Und dann teilen wir das Geld.
Florian Bayer: Und wir teilen das Geld. Aber dieser Typ muss dann weg, weil er von der Polizei gesucht wird. Und dann kriegt der einen anderen Boxer zur Seite gestellt, der nicht so drauf ist, sondern eine richtige Kampfmaschine. Die Idee ist super witzig. Der Kampf wird meiner Meinung nach dann so ein bisschen in die Länge gezogen. Liegt aber auch daran, dass das so ein sehr klassischer Slapstick-Humor ist, mit dem ich... ab einem gewissen Punkt nicht mehr viel anfangen kann, wo ich sagen kann, okay, witzig, ja, aber jetzt hast du alles erzählt und jetzt brauchen wir nicht noch dreimal getänzelt durch den Boxring und der Fall Tram versucht, sich irgendwie zu retten. Es reicht. Ich hab's verstanden. Es ist witzig. Jetzt haut ihn K.O., damit wir weitermachen können.
Johannes Franke: Aber es sind viele schöne Ideen. Mit der Glocke, die immer wieder klingelt, weil er das Seil um den Hals hat und so. Das sind schon tolle Ideen dabei.
Florian Bayer: Ja, viel aufregender fand ich in dieser Szene, dass man den Tramp oben ohne sieht.
Johannes Franke: Ja, stimmt.
Florian Bayer: Ich war tatsächlich überrascht, dass er das macht mit der Rolle, weil man hat so das Gefühl, es ist eigentlich keine Rolle, die man oben ohne sehen kann oder sehen will.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann finde ich seinen Körper aber super getroffen. Wenn man mir sagen würde, wie sieht Charlie Chaplin oben ohne aus, hätte ich erwartet, der ist viel muskulöser, als man denkt. Weil er einfach sportlich und akubatisch ist. Ja, ja, genau. ohne Zähne vom Tramp gibt, gibt es ein unpassendes Muskelpaket. Man sieht einfach, das ist ein durchtrainierter Typ, der halt seine Salti machen kann. Und dann ist er aber wirklich, sein Körper ist wirklich witzig inszeniert in dieser Oben ohne Zähne. Es passt. Es ist halt so ein hagerer Typ, so ein Sensibelchen, der nicht wirklich boxen kann, der sich halt auch richtig bewegt und das auch einfach geschickt macht, dass man seinen durchtrainierten Status nicht so erkennt, das funktioniert
Johannes Franke: Total gut, total super. Und man muss sagen, Chaplin war ein guter Boxer. Der hat das hobbymäßig gemacht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Der hat tatsächlich geboxt. Und das war auch öfter mal Thema in seinen Filmen. Also er hat das schon öfter mal gemacht, so Box-Szenen.
Florian Bayer: Ja. Wobei er relativ wenig boxt in diesem Film. Er versucht es eher mit wrestlen und mit wegrennen. Es ist so ein Tanz auch, das ist tatsächlich wirklich süß. wie er um den Gegner rumtanzt und da versucht irgendwie klar zu kommen und dann dieses klassische ich renne um dich herum und schlag dann manchmal und treffe manchmal und Ich drücke mal von oben runter und versuche irgendwas zu schaffen. Aber es könnte auch fünf Minuten kürzer sein.
Johannes Franke: Ja, ich verstehe, was du meinst. Das ist in Ordnung. Es könnte kürzer sein. Das ist so ein unglaublicher Tanz. Die haben da bei den Dreharbeiten mehrere Tage gedreht. Morgens standen jeden Tag mehr Leute vor der Tür und wollten mit dabei sein, weil sich rumgesprochen hat, dass Chaplin wahnsinnig witzig da im Ring irgendwelchen Kram macht.
Florian Bayer: Es ist auch ein toller Slapstick-Kurzfilm für sich. Das sieht man und denkt, okay, das wäre ein super Slapstick-Kurzfilm. Die Geschichte von dem Boxer, der eine Vereinbarung hat mit einem anderen Boxer Und dann kriegt er aber plötzlich eine Kampfmaschine hingestellt und muss damit irgendwie klarkommen und will eigentlich gar nicht kämpfen. Auf jeden Fall. Das ist witzig. Ja, es ist halt einfach ein bisschen zu lang. Also es ist so der Moment, wo die Revue ein bisschen überhand nimmt und ich wieder gerne ein bisschen mehr Geschichte hätte. Weil es halt auch einfach reingeht. geflanscht ist. Ja, ja, natürlich. Es hat nichts mit nichts zu tun. Es ist einfach, wir haben die Szene als Straßenkehrer und als Boxer, damit wir noch zwei Nummern da drin haben. Und ja, es gibt diesen schönen sentimentalen Moment, wenn er ausgenockt wurde und dann seine Freundin das Blumenmädchen sieht in dem Ringassistenten und dem die Hand küsst, das ist irgendwie witzig und süß. Weil es dann halt doch noch mal auf die Geschichte referiert. Aber ja, es ist vor allem eine Slapstick, eine Tramp-Chaplin-Slapstick-Nummer. Und dann kommen wir ja auch zurück zum Höhepunkt der Story. Ja. Wo der Millionär tatsächlich im betrunkenen Zustand trotzdem einfach auch wirklich nett ist. Also sie reden dann über das Mädchen und der Millionär sagt zu ihm, mach dir mal keine Sorgen, ich helfe.
Johannes Franke: Aber er ist sehr betrunken dabei.
Florian Bayer: Er ist betrunken dabei, aber vom Acting ist er nicht so krass, so exaltiert wie davor in einigen betrunkenen Szenen, wo er einfach mit dem Geld um sich geschmissen hat. sondern er nimmt dann den Geldbeutel raus und zählt das Geld und gibt es ihm wirklich so.
Johannes Franke: Und es ist wirklich sehr süß, wie er dann hinkommt zu ihr. Und er nimmt sich eine Note, Geldnote... steckt sie sich selbst in die Tasche, um wenigstens was zu haben, gibt ihr den Rest in die Hand, was ziemlich viel ist, also es ist mehr als die Operation kostet, ähm, Und dann bedankt sie sich irgendwie ganz überschwänglich und dann kriegt er schlechtes Gewissen und gibt ihr auch noch die letzte... Dank Noten, die er da noch übrig gelassen hat. Und es ist so süß.
Florian Bayer: Das Problem ist nur das, was vorher passiert ist, nämlich während der Millionär ihm das Geld gibt, wurden sie überfallen von Diemen.
Johannes Franke: Ja, stimmt.
Florian Bayer: Im Haus des Millionärs. Und Chaplin als der Trump wird natürlich verdächtigt, dass er der Dieb ist, vor allem wegen diesem Butler, der auch so eine tolle Rolle spielt. Ja. Aber wenn der Millionär nüchtern ist, ist er so, wer ist dieser Mann? Ich kenne den nicht.
Johannes Franke: Was eine geniale Idee ist, was ganz toll ist. Und dann wird er natürlich bezichtigt und damit weiß er dann auch, dass er mehr oder früher später in den Bau geht, ne? Und dann gibt er das Geld schnell noch ab bei ihr und weiß aber, wir werden uns jetzt eine ganze Weile nicht sehen. Und das ist so der Höhepunkt des Films, bevor es dann so richtig, wo man dann denkt, oh fuck, jetzt ist halt nichts mehr. Die werden... Die werden nie wieder zunahmen finden. Weil er halt in den Bau geht. So, und dann ist ein... Ein Zeitsprung. Und was jetzt kommt, ist echt traurig.
Florian Bayer: Es ist so sentimental. Und das ist das, was ich vorhin meinte mit Gänsehaut, diese Abschlussszene, wenn er ihr dann wieder begegnet, die sich wirklich Zeit nimmt, das auszuspielen, diese Wiederbegegnung. Er sieht nicht mehr so aus wie vorher, er ist dann wirklich so verlumpt. Und so, dass sie ihn nicht wiedererkennen könnte. Sie hatte mittlerweile ihre Augenoperation dank ihm. Das heißt, sie kann wiedersehen. Und dann ist er da vor ihrem Laden. Und wirklich so ein Häufchen Elend eigentlich. Und sie guckt ihn an und lächelt ihn auch schon an so durch die Scheibe, ohne zu wissen, wer es ist.
Johannes Franke: Ja. Und er sieht so, sein Gang, ich finde es so großartig, er ist so ein guter Schauspieler in dem Moment, er wirklich, das ist einer seiner Glanzstücke, was das Schauspiel betrifft, finde ich, weil er es schafft, auf eine bestimmte Art und Weise zu gehen und zu agieren und zu reagieren, einfach wie ein getretener Hund.
Florian Bayer: Ja, der Trump ist eigentlich immer... Egal wie arm er ist, er ist immer elegant, er ist würdevoll, er geht mit erhobenen Haupt. Und in dieser Szene macht er das nicht. Er wird dann ja auch noch von diesen Zeitungsjungen bespuckt. Und diesen Zehen, wie du sagst, wie ein getretener Hund. Er ist zerlumpt und er bewegt sich auch entsprechend. Er ist eigentlich geschlagen und am Ende. Und er findet es total schön, sie wiederzusehen, aber eigentlich ist er keine Hoffnung, weil er ist nicht mal mehr der Fake-Millionär, der er vorher war, sondern er ist gar nichts mehr.
Johannes Franke: Und dann ... Ist sie der Meinung, ihm eine Blume geben zu wollen und ihm vielleicht auch noch ein bisschen Geld, weil sie sieht, der ist ganz schön am Boden? Und dann kommt sie raus, nimmt die Blume so vorsichtig mit ausgestreckter Hand, so weit wie möglich. 1,5 Meter Abstand. Ja. Und es ist so, er traut sich gar nicht so richtig, aber er ist so fasziniert davon, weil er sie wiedergesehen hat und so verliebt ist immer noch und So denkt, oh mein Gott, sie kann sehen. Und das ist alles so, das ist völlig überwältigend, auch für uns als Zuschauer. Und dann... Dann drückt sie eben noch das Geld in die Hand und dann durch diese Berührung, durch die erste Berührung, nachdem sie wieder sehen kann, spürt sie dann, ach, das kenne ich doch nicht.
Florian Bayer: Und das spielt Virginia Charles so gut.
Johannes Franke: Ja, richtig gut.
Florian Bayer: Es ist unglaublich. Sie geht da fröhlich raus und will ihm das Geld in die Hand drücken. Und sie greift seine Hand. Und diesen Stimmungswechsel. So fröhlich, ein bisschen naiv. Und dann zu diesem ernsten Blick, wenn sie ihn erkennt. Und das ist der... krasse Gänsehaut-Moment, weil sie guckt ihn dann wirklich ernst an und hält seine Hand und drückt sie auch noch und das ist... wirklich so gut gespielt von ihr. Und es funktioniert einfach. Dann tastet sie vorsichtig an seine Schulter und er ... Es ist einfach so ein unglaublicher Erleichterungsmoment. Sie erkennt ihn, er freut sich, dass er sie erkennt, er nickt ganz schüchtern noch. Das ist eine tolle Szene.
Johannes Franke: Und frag dann natürlich nochmal, und du kannst jetzt sehen? Und sie sagt, ja, ich kann jetzt sehen. Und Das Schöne ist, der Film endet damit, aber er endet nicht so offen, dass man sagen könnte, okay, wir wissen jetzt nicht, wie sie damit umgeht, sondern sie lächelt ihn schon an. Ja. Und man hat das Gefühl, okay, da wird irgendwie alles gut.
Florian Bayer: Das ist ein Happy End, auf jeden Fall. Dieser Film ist ein Märchen und das ist ein schönes Ende. Weil sie ... In beiden ist einfach das wichtiger als Geld. Es ist einfach ein schönes Ende wiedererkennen. Es braucht auch nicht mehr. Sie müssen sich nicht in den Arm fahren und küssen. Das wäre alles zu viel. Das ist genau der richtige Moment.
Johannes Franke: Das finde ich toll an Chaplin in dem Moment. Deswegen ist sogar das Ende. Das ist unglaublich, weil er es schafft, dieses Stückchen drüber, was die meisten Filme dann am Ende machen. Zukunft, zehn Jahre, sie haben Kinder. Sie leben ein tolles Leben. Vögel zwitschern durch den Garten. Weißt du, sowas hätte man machen können. Hat er nicht getan. Perfekt.
Florian Bayer: Nee, das ist wirklich schön. Diese Zurückhaltung, auch seine Schüchternheit, seine Geschlagenheit in diesem Moment ... Ihre Offenherzigkeit, dass sie so freigebig ist, das spiegelt natürlich sein Verhalten auch vom Anfang wieder. Das ist toll. Also man merkt auch, die sind einfach füreinander geschaffen. Wirklich schöne Szene, wirklich toller Gänsehaut-Moment. der auch einfach, so wie er inszeniert ist, toll. Kann man nicht besser machen, kann man nicht anders machen. Wo man auch sieht, dass es richtig ist, dass da so viel Herzblut reingeflossen ist.
Johannes Franke: Und ich frage mich immer, dieses ganze Herzblut und das alles, was er da reinsteckt an Geld, um rumzuprobieren und zu sagen, okay... Ich habe jetzt das Ganze irgendwie dreimal gedreht, fünfmal gedreht, zehnmal gedreht, zwanzigmal gedreht. 50 Mal gedreht. Und ich habe immer noch etwas, wo ich denke, nee, es könnte noch besser. Da muss noch, irgendwas fehlt da noch. Da muss doch noch... Ich finde das beeindruckend.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Und es hat sich ausgezahlt. Also der Film war wirklich ein Erfolg. Absoluter Erfolg. Vier Jahre nach dem ersten Tonfilm rauskam, als Stummfilm. Und Chaplin sich noch gequält hat mit dem Gedanken, die Leute erwarten vielleicht was anderes. Ja. Und dann hat er diesen absurden Nebentitel, eingefügte Comedy Romance in Pantomime, written and directed by Charlie Chaplin, das bloß keiner daran. reingeht und irgendwie einen klassischen Liebesfilm mit Ton erwartet. Und es hat einfach funktioniert. Die Leute waren begeistert.
Johannes Franke: Der hat einfach voll davon profitiert, dass er der Superstar war. Sowieso. Und deswegen sind initial einfach alle Leute reingegangen. Und dann der Film einfach so gigantisch gut war.
Florian Bayer: Ja. Und nach Chaplins eigenen Angaben war Albert Einstein im Kino und hat nochmal sich eine Träne weggewichtigt. Keine Ahnung, ob das so ist.
Johannes Franke: Und Chaplin schreibt in der Autobiografie, die ich hier habe, schreibt, dass er nicht gedacht hätte, dass Einstein so sentimental sein könnte.
Florian Bayer: Das klingt auch ein bisschen wie eine Räuberpistole.
Johannes Franke: Vielleicht, vielleicht.
Florian Bayer: Vielleicht hat er sich einfach nur gefreut, dass Herr Einstein da im Kino saß.
Johannes Franke: Er hat ja mit Einstein so ein paar Treffen gehabt und Einstein hat Geige gespielt. Und Chaplin hat Geige. Haben die beide Geige gespielt?
Florian Bayer: Einstellen war auf jeden Fall musikalisch. Ich glaube, es war Geige auch.
Johannes Franke: Und sie waren beide nicht so richtig gut.
Florian Bayer: So wie man halt musikalisch ist, wenn man nebenbei was anderes zu tun hat, wie tausend Filme drehen oder die Relativitätstheorie entwickeln.
Johannes Franke: Javelin hat die Musik für diesen Film geschrieben. Der hat dir selbst geschrieben. Er hat selbst Musik komponiert. Wie krass ist das denn bitte?
Florian Bayer: Das ist wirklich tolle Musik.
Johannes Franke: Es ist unglaublich gute Musik und er kann keine einzige Note. Das heißt, er hat einfach sich einen professionellen Musiker geholt und hat gesagt, so, setz dich da hin, ich summe dir jetzt vor, was ich haben will.
Florian Bayer: Ja. Und dieses Blumenmädchen-Lied ist von José Padilla?
Johannes Franke: Ja genau, da gibt es eine Vorlage. Aber Ich weiß nicht, wie das da reingebaut ist, inwiefern, wie viel von ihm und wie viel von dem da ist. Aber das hat Chaplin ja auch später noch selber gemacht. Das ist der erste Film, den er es selbst gemacht hat?
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Und weil auch das nicht mehr so die klassischen Music Sheets waren, die man irgendwie dem Kino gibt, wo die dann live Die Musik spielen, die da irgendwie so eigentlich fast schon Public Domain Musik ist. wo man irgendwie an der richtigen Stelle die amerikanische Hymne einbaut, um den Film zu begleiten. sondern wirklich dezidiert dafür komponiert und aufgenommen und dann als Tonspur mitgeliefert. ist das erste Mal und deswegen hat er es auch dann das erste Mal wirklich komponieren wollen und müssen. Und hat dann das sein Leben lang weitergemacht. Er hat einfach die Musik komponiert dafür. Und es ist total krass. Weil er sich auch da, wie mit seinen Dreharbeiten, so aufgeopfert hat, der hat tagelang sich eingesperrt in seinem Zimmer. In seinem Zimmer ist untertrieben. Er hat ja so ein riesiges Studio gehabt, wo er sich dann da hingesetzt hat und einfach... Musiken versucht hat rauszupressen aus einem Hirn, das nie Noten geschrieben hat.
Florian Bayer: Es war sein vorletzter Stummfilm. Da kamen moderne Zeiten und 1936.
Johannes Franke: Und dann kam ein großer Diktator.
Florian Bayer: 1940. Und sowohl der als auch moderne Zeiten haben ja schon, wie wir gesagt haben, diese Tonfilmkomponenten. moderne Zeiten dann nochmal ein bisschen krasser mit sogar Voices, die aber auch nicht so handlungstragend sind, sondern sondern eher so die Atmosphäre unterstützen von dieser gigantischen Industrie.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Aber ja, dafür ist so ein Nachklang des Sturmfilms, könnte man fast sagen, der aber als Nachklang wunderbar funktioniert.
Johannes Franke: Definitiv. Ganz großartig. Und es ist natürlich schade, dass der Trump so nach und nach verschwinden musste, weil der Tonfilm kam und Chaplin einfach gesagt hat, nachdem er viel damit rumexperimentiert, dann überlegt hat, wie man den sprechen lassen kann. irgendwann einfach gesagt hat, das geht nicht, der Trump ist tot mit dem Tonfilm. Das ist einfach so.
Florian Bayer: Na, beim großen Diktator, finde ich, hat er es schon ganz gut angedeutet, wie man den Trump in moderneres Filmverständnis retten kann. Natürlich ist es nicht mehr der Trump. Wie davor. Aber es ist eine erweiterte Rolle, die irgendwie auch im Ton dann funktioniert. Weil sie natürlich auch mehr Handlung hat und weil sie weniger Slapstick hat. Das ist halt das Ding, der Slapstick. Dieser ganze klassische Chaplin-Slapstick-Humor, auch Slapstick, der Geschichten erzählt, der funktioniert im Tonfilm natürlich nicht.
Johannes Franke: Also das heißt nicht, dass er nicht funktioniert, aber ich glaube, dass er einfach sehr stark minimiert werden muss. Und das tut er ja auch im großen Diktator. Aber er hat noch welche drin. Er hat eine ganz tolle Szene als Barbier, wo er zu Musik von Ravel... die ungarischen Tänze, dem Typen den Bart rasiert. Unglaublich geile Szene. Ja. Also, da sind ganz viele Slapstick-Momente auch drin, aber eben natürlich auf andere Art und Weise als früher. Ja. Guckt euch das alles an. Ihr müsst unbedingt das ganze Chaplin Oeuvre, es sind nur 83 Filme, es ist alles okay. Ihr kriegt das hin. Schaut euch alles an.
Florian Bayer: Oder guckt euch nur City Lights an, der ist auf jeden Fall ein sehr schöner Repräsentant davon.
Johannes Franke: Wir müssen auch noch in unsere Top 3.
Florian Bayer: Ja, Top 3. Jingle.
Johannes Franke: Unsere Top 3. Langsam gehen uns die Top-3-Themen aus, habe ich das Gefühl.
Florian Bayer: Das Gefühl habe ich nicht. Wir finden noch ganz viel.
Johannes Franke: Weil wir jetzt die Top 3 haben, minorisierte Gruppen. Also Minorities.
Florian Bayer: Ja, und zwar, ich fand es gar nicht so einfach, weil es gibt eine riesige Fülle an Firmen, die das überhaupt nicht auf die Reihe kriegt.
Johannes Franke: Genau, das ist das Problem. Ich hätte große Schwierigkeiten.
Florian Bayer: Ich auch. Es gibt vor allem viele negative Beispiele. Und das ist natürlich ein unfassbar weites Feld. Und dann fragt man sich, was sind minorisierte Gruppen? Welche Gruppen sind spannend in Filmen? Von welchen Gruppen finden wir Geschichten toll? weil es natürlich ganz viele Fragen betrifft, weil es eben um Themen geht wie ... Rassismus, Homophobie, Transphobie, Apleismus und so weiter. minorisierte Gruppen natürlich, weil wir hier eine blinde Protagonistin haben als Love Interest. Hast du trotzdem was gefunden?
Johannes Franke: Ich habe trotzdem was gefunden.
Florian Bayer: Und hast du auch Honorable Mentions gefunden?
Johannes Franke: Und ich habe auch Honorable Mentions... Ich muss mal ganz kurz meine Liste gucken. Ich hätte eine Dishonorable Mention.
Florian Bayer: Oh ja, davon gibt es sehr viele, viel zu viele. Welche ist deine Dishonorable Mention?
Johannes Franke: Ich habe keine dishonorable Menschen, wo der Film das einfach schlecht macht und das Gegenteil erreicht. sondern einfach einen schlechten Film. Der ist einfach wahnsinnig schlecht, aber es ist so ein Klassiker. Edward Glenn or Glenda.
Florian Bayer: Ja, ja, ja.
Johannes Franke: Vorher dieses Trans-Ding einmal versucht zu... Aber es klappt einfach nicht. Er ist einfach nicht gut.
Florian Bayer: Ich hätte eine Dishonorable Mention von einem Film, der es total schlecht macht, aber der trotzdem ein ganz guter Film ist, was ganz schrecklich ist. Wenn ein Film sowas schlecht macht, aber trotzdem ein guter Film ist, weil dann ist man hin und her gerissen. Klassiker davon und der wird auch immer gerne zitiert, wenn was schlecht dargestellt wird und zwar das Thema Autismus in Rain Man. Und der Film ist aber eigentlich gut.
Johannes Franke: Deswegen habe ich ihn nicht in die Liste gepackt.
Florian Bayer: Ja, der hat in der Liste natürlich nichts zu suchen, weil das Thema... Autismus von ihm ganz schrecklich mit ganz vielen Klischees und unsensibel dargestellt wird.
Johannes Franke: So viele Probleme in der Gesellschaft nur wegen dieses Films, weil alle sagen, Autisten sind genau so.
Florian Bayer: Sind genau so, Rain Man genau. Aber trotzdem ist es halt ein guter Film irgendwie, weil er emotional ist. Es ist halt ein Hollywood-Film. Er weiß, an welchen Schrauben er dreht. drehen muss, um Emotionen zu erzeugen und das in Hoffmann spielt, ist natürlich toll und es ist immer ganz schrecklich und nervig, wenn Minoritäten gespielt werden, um einen Oscar zu kriegen. Wenn Dustin Hoffman einen Autisten spielen darf und dann alles gibt, um richtig schön autistisch rüberzukommen und zur Academy rüber, Luke dabei... Und das haben wir ja oft auch, also früher Gott sei Dank mittlerweile nicht mehr so viel, was Homosexuelle betrifft. Wenn jetzt zu dem Thema... was Kontroverses hören wollt, hört euch unsere Folge zu diesen Amazon Guidelines an, wo wir glaube ich, so einen etwas anderen Take drauf haben, als viele, viele, viele Kritiker in ... die sonst drüber geredet haben, weil wir sagen, naja, es ist schon richtig, man kann sich mal Gedanken darüber machen, dass dass es vielleicht nicht so gut ist, dass die ganze Zeit homosexuell von Heterosexuellen gespielt werden, die dann ihren Oscar wollen.
Johannes Franke: Ja, es ist auf jeden Fall ein streitbares und schwieriges Thema und deswegen, gerade deswegen sollte man sich das Gespräch mal... Anhören oder wenigstens die Guidelines selbst mal lesen von Amazon. Ich bin gespannt, wie sich das noch entwickelt, welche Guidelines wir in Deutschland noch weiter haben werden. Es ist ja auch auf Weg. Setzt euch damit auseinander mit dem Thema, weil wir werden nicht drum rum kommen.
Florian Bayer: Und setzt euch mit der Fürstlichkeit des Themas vor allem auseinander. Es ist kein Thema, was man einfach so abtun kann wie mit sowas. Cancel Culture oder die Political Correctness macht uns die Kunst kaputt. Aber auch nicht mit, ey, das ist doch voll... Das widerspricht doch dem Gedanken der Schauspielerei, dass jetzt ein Heterosexueller keinen Homosexuellen mehr spielen kann. Das ist auch ein bisschen zu oberflächlich. Also man muss sich wirklich mit den Argumenten auseinandersetzen und verstehen, welche Gedanken dahinter schlummern. Und warum es sinnvoll ist, so grundsätzlich minorisierten Gruppen mehr... mehr Chancen zu geben, mehr Raum zu geben in der Filmwelt oder in der Kunstwelt ganz allgemein.
Johannes Franke: Da waren wir ein bisschen unterschiedlicher Meinung bei den Amazon-Guidelines. Ja. Also da haben wir schon ein bisschen gerungen mit so bestimmten Sachen und das ist aber auch wichtig. Nicht nur miteinander.
Florian Bayer: sondern auch mit unserer eigenen Meinung. Während dieses Gesprächs merkt ihr, dass wir selbst mit uns auch ringen. Also ich ringe mit mir und Johannes ringe ich mit sich und wir ringen miteinander. Weil es ist ein wirklich komplexes Thema, weil es natürlich neben solchen Aspekten wie Evi-Toleranz und... und Aufgeklärtheit und so weiter auch natürlich den Aspekt der Kunstfreiheit behandelt. Und das ist natürlich ein Das ist natürlich ein Spannungsverhältnis. Das ist schwierig. It's complicated. Das ist nichts, was man mit so ein paar Tweets und runtergeschluderten Antworten einfach wegspülen könnte. Egal aus welcher Richtung man kommt.
Johannes Franke: Spannend.
Florian Bayer: Ich habe zwei Honorable Mentions.
Johannes Franke: Du hast noch zwei Honorable Mentions. Erzähl es.
Florian Bayer: Also mein Platz 5... Und zwar gar nicht so sehr mit dem Thema Homosexualität, sondern vielmehr mit dem Thema alleinerziehende Mütter. Besser geht's nicht. As good as it Gatz aus dem Jahr 1997 von James L. Brooks, wo Jack Nicholson einen Ein Arschloch spielt.
Johannes Franke: Eine minorisierte Gruppe der Arschlöcher.
Florian Bayer: Schloch-Schriftsteller, der voll von Neurosen ist. Tatsächlich sind seine Zwangsneurosen, machen ihn auch ein bisschen zur Gruppe, aber er ist nicht die spannende Minorität da drin, sondern Er verliebt sich dann in eine alleinerziehende Mutter, Helen Hunt, die das wirklich toll spielt. Und freundet sich vorsichtig mit seinem Nachbar an, von Greg Kinney ergespielt, der ja homosexuell ist. Und überwindet dann auch so ein bisschen seine Homophobie dabei. Irgendwie so halb.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Spannend ist vor allem die Rolle der Helen Hunt in diesem Film, die halt relativ viel Raum kriegt für so eine klassische heteronormative Rom-Com.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und einfach gezeigt wird, was es heißt, alleinerziehende Mutter zu sein.
Johannes Franke: Okay, cool.
Florian Bayer: Und meine zweite honorable mention wäre, einer flog über das Kuckucksnest.
Johannes Franke: Okay. Ja, aber honorable mention.
Florian Bayer: Nur honorable mention, weil er setzt sich mit dem Thema Psychiatrie und psychische Erkrankungen und auch Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen auseinander. bewegt sich aber im Rahmen der 70er Jahre und hat natürlich vor allem diese Psychiatriekritik im Fokus, die heute auch einfach nicht mehr so wirklich hinhaut. Und hat auch einige Klischees mit an Bord. Schafft es aber dafür, dass er in den 70ern gedreht wurde, ziemlich gut psychische Erkrankungen glaubwürdig darzustellen.
Johannes Franke: Das ist gut, ja. Okay, habe ich noch honorable mention. Ich hätte noch... The Danish Girl, der kommt nicht in die Liste, weil naja, es geht um eine Transfrau. Und wird von einem Mann gespielt, von Eddie Redmayne, der dann auch irgendwann gesagt hat, war vielleicht nicht so gut. dass ich das gemacht habe, weil es gibt ja genug Transfrauen, die das hätten spielen können.
Florian Bayer: Ja, habe ich nicht gesehen.
Johannes Franke: Aber der Film an sich ist einfach sehr gut. Es wäre halt bloß besser gewesen, wenn es jemand gespielt hätte, der aus der Community gekommen wäre.
Florian Bayer: Ja, definitiv. Positivbeispiel, was das betrifft, eine Serie Orange is the New Black. wo eine Protagonistin, die trans ist, von einer trans Frau gespielt wird. Und ganz spannend übrigens, die Schauspielerin hat einen Zwillingsbruder geschrieben. Und der spielt dann die Rolle quasi vor der Transition.
Johannes Franke: Oh, wie geil.
Florian Bayer: Irgendwie glücklicher Zufall, dass das so gelöst werden konnte, was dann aber wirklich super funktioniert, einfach wegen der optischen Ähnlichkeit.
Johannes Franke: Geil. Das ist super.
Florian Bayer: Ähm, genau. Ich muss anfangen mit Platz drei dann, ne? Oder hast du noch eine On-Revention? Mein Platz drei ist ... tatsächlich ein David-Lynch-Film. Und zwar Der Elefantenmensch aus dem Jahr 1980. Okay. der das Schicksal von Joseph Merrick erzählt, der eben auch der Elefantenmensch genannt wurde im 19. Jahrhundert, der bei so einer Art Freakshow unterwegs war, wegen seiner Deformation und da präsentiert wurde als monströse Gestalt. Und der dann aber da irgendwann rauskam und in die Obhut von jemandem kam, der sich wirklich nicht um ihn gekümmert hat. Und... er hatte irgendeine Abkrankheit, weswegen er so aussieht. Und David Lynch erzählt das als wirklich sensibles Drama, mit ganz leisen Tönen. John Hurt spielt den John Mary großartig, Anthony Hopkins spielt diesen Doktor, diesen Chirurgen, der sich dann um ihn kümmert und es ist wirklich ein leises und sensibles Drama um einen gesellschaftlichen Außenseiter, der eben wegen seiner Krankheit und wegen seines Aussehens, das daraus resultiert, stigmatisiert wird und irgendwie versucht, gesellschaftliche Anerkennung zu finden. Großartiger Film, funktioniert auch heute noch.
Johannes Franke: Schön.
Florian Bayer: Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen, die sowas zum Thema haben.
Johannes Franke: Es ist sehr lange her, dass ich den gesehen habe. Ich hätte auf Platz 3 Ziemlich beste Freunde. Ja. Es geht um jemanden, der im Rollstuhl sitzt. Und einen Schwarzen, der sich um ihn kümmert. Und der im Rollstuhl sitzende ist erstmal nicht so begeistert, dass es ein Schwarzer ist, der sich um ihn kümmert. sie ihre eigenen Vorurteile jeweils auch irgendwie hinterfragen und werden einfach sehr gute Freunde. Und dann hast du gleich zwei Gruppen, zwei minorisierte Gruppen. Und das ist ja gut.
Florian Bayer: Frankreich 2011. Ganz spannend, bei dem Thema ist mir aufgefallen, als ich so geguckt habe, was es so gibt, Tatsächlich ein Thema, bei dem neuere Filme besser sind als altere Filme, weil wir einfach... Zumindest aus unserem Blick, weil wir einfach eine andere Sensibilität haben, wie wir an solche Themen rangehen, als das in den 70ern oder 80ern war. Ja, einfach auch mit ein bisschen mehr Empathie und mehr bewusst, dass Klischees vermieden werden sollten. Oder dass eben ein Weißer keine Schwarzen spielen sollte. Oh Gott.
Johannes Franke: Aber würden wir, das ist ein interessanter Gedanke, würden wir... Wenn wir heute im Jahr 2021 einen Film jemandem vorsetzen würden in den 80ern? Wie würde der den Film sehen?
Florian Bayer: Das ist wirklich eine spannende Frage. Keine Ahnung.
Johannes Franke: Ist das zu... Dann zu... fein inszeniert, sodass man das nicht so richtig einsortieren kann in den 80ern, weil man nicht genug weiß.
Florian Bayer: Vielleicht, weil man zu sehr mehr Klischees sehen will, weil es dadurch greifbarer wird. Also dass sie sagen, ach, die Person ist schwul, das habe ich gar nicht mitgekriegt.
Johannes Franke: Ach ...
Florian Bayer: Weil wenn in den 80ern jemand als schwul dargestellt wurde, da war es in 90 Prozent der Filmen so, dass diese Person ... ein rosa Kleid getragen hat und in einer höheren Stimme geredet hat und bestimmte Gestik, genau, bestimmte Mimik und alles halt ein bisschen drüber. Bisschen zum Verletzenden Klischee. Und das ist heute deutlich besser. Also gerade was Darstellung von Homosexualität betrifft, denke ich, aber auch von Transsexualität, wo wir in der Vergangenheit viele Filme haben, die bemüht sind, irgendwie so ein Thema aufzumachen. Ja. Wo man aber einfach merkt, aus unserer heutigen Perspektive, es funktioniert halt nicht mehr so gut, weil es einfach...
Johannes Franke: Wir sind doch ein Stück weiter.
Florian Bayer: Wenn wir doch ein Stück weiter sind, das ist banal, aber so ist es einfach, ja.
Johannes Franke: Aber das macht Hoffnung.
Florian Bayer: Ja, macht es. Auf jeden Fall.
Johannes Franke: Wo man immer so Angst hat und immer denkt, oh mein Gott, irgendwie schaffen wir es immer noch nicht, uns... Wirklich jeden Menschen auf dieser Welt ordentlich mit Respekt und allem Gebotenen zu begegnen. Aber wir scheinen ja doch eine Entwicklung durchgemacht zu haben. Das ist schon ganz gut.
Florian Bayer: Ja, auch, dass damals auf so bestimmte Klischees zurückgegriffen wurde, wie der White Savior. Dass wenn irgendwie gezeigt wurde, wie Schwarze Rassismus überwinden... mussten sie dann doch immer noch einen weißen Helden zur Seite gestellt bekommen, auch um dem weißen Publikum eine Identifikationsfigur zu geben. Also einer flog über das Kuckucksnest als krasses Beispiel für ein wirklich tolles Buch und einen tollen Film aus den 50ern. Wo es aber halt nicht ging ohne den tapferen weißen Anwalt, der die Schwarzen vor den bösen Rassisten verteidigt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Mein Platz 2. Hidden Figures, unerkannter Heldin aus dem Jahr 2016. Ein Feel-Good-Movie durch und durch, der sich mit den schwarzen Frauen beschäftigt. die damals im NASA-Programm in den 60er Jahren die Mondlandung vorbereitet haben und den ganz wesentlichen Einfluss darauf hatten, dass die Amerikaner Ende der 60er Jahre zum Mond fliegen konnten. Und die von der Geschichte so ein bisschen vergessen wurden. Die dann auch in Texas, in dem NASA-Zentrum in Virginia, in dem NASA-Zentrum ihre eigenen Räume zugewiesen bekommen haben. Weil damals war halt einfach noch krasse Apartheit in den USA, die dann ihre eigenen Toiletten benutzen müssen. Und dann irgendwann stellt die NASA aber fest, wir müssen diese Frauen benutzen, weil die viel besser sind als... als die Männer, die wir gerade zur Verfügung haben. Und dann wird die Geschichte von drei Frauen erzählt. die wirklich die Jobs kriegen, wo sie wirklich ... Die damals nicht selbstverständlich war, dass schwarze Frauen kriegen. Und die unter Beweis stellen, dass sie eben einfach das Ding rocken dann. Und Ein ganz toller Film, der ein bisschen schön schreibt, so die ganze Geschichte und ... den Rassismus natürlich thematisiert, aber immer aus so einer Feel-Good-Perspektive heraus. aber trotzdem toller Film, wunderschöne Tragikomödie, die wirklich auch einfach Freude macht und eben auch Hoffnung
Johannes Franke: Toll. Mein Platz 2 wäre... Was nehmen wir denn hier so? Das Leben ist schön. Aber so gut und liebevoll inszeniert und so toll. Und minorisierte Gruppen sind dann hoffen. in dem ganzen Lager. Vor allem Juden stehen im Mittelfeld. In dem Fall sind es die Juden und Es ist wirklich übel. Es ist wirklich hart, das zu sehen, dieser Kampf des Vaters, dem Kind, das irgendwie... Erträglich zu machen, beziehungsweise als Spielplatz zu verkaufen, das ist schon echt... Ja, aber positiv Beispiel zum Thema minorisierte Gruppen versus Machthaber, die irgendwelchen Scheiß damit machen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Dein Platz 1.
Florian Bayer: Mein Platz 1. Auch ein jüngerer Film. Die andere Seite der Hoffnung aus dem Jahr 2017 von Aki Kaori Smeki. Über einen syrischen Flüchtling, der in Helsinki strandet. Und in einem Lokal Anstellung findet und auch einen Unterschlupf findet. Und sich da mit dem Wirt anfreundet. Und auch eher ein Feelgood-Movie. der aber einen sehr empathischen Blick hat auf das Leben von Flüchtlingen in Europa, die versuchen anzukommen, denen unglaublich viele Steine in den Weg gelegt werden.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und die trotzdem dafür kämpfen. Und ein Film, der die ganze Zeit immer die Menschlichkeit noch mal hochhält. Und der... zeigt, dass auch sehr viele Hürden überwunden werden können, wenn wir Menschen uns einfach umeinander kümmern und Und keine rassistischen Arschlöcher sind. Wirklich wunderschöner Film, der... gut tut und dem könnte man auch vorwerfen, dass er das ganze soziale Drama in so einen märchenhaften Rahmen bindet, aber er macht das so toll Und mit so viel Gespür und so viel Philanthropie, dass es einfach toll ist.
Johannes Franke: Toll. Wow. Ich hätte auf meinem Platz 1... Etwas, was auf Netflix gelaufen ist, eine quasi Serie, aber eine sehr eng abgesteckte Serie, When They See Us. Hast du das gesehen? Nee. Geht um die sogenannten Central Park Five. Das sind die Jungs, die waren zwischen 14 und 16 Jahren, also in einem Alter, wo das eigentlich noch gar nicht so richtig Thema ist. Ist man Schwarze oder... lateinamerikanische Bevölkerung, die das Pech hatten, im Central Park zu sein, in den 80ern, glaube ich. wo gerade jemand ermordet wurde, vergewaltigt und ermordet. Und dann haben die nichts anderes als diese fünf Jungs, die da irgendwie auch waren. Und dann werden die durch die Hölle geschickt mit Ermittlungen und waren die das, haben die das gemacht? Einfach nur... Weil die als schwarzer Teil der Bevölkerung sofort in Verdacht geraten. eher in Verdacht geraten als so ein paar weiße Dudes, die da in der Gegend rumgelaufen sind. Und das ist schon echt hart und das ist ein ganz, also das ist basiert auf wahren Begebenheiten und die haben sie dann verfilmt einmal. dieser Entwicklung.
Florian Bayer: Cool. Ja, den, also ich hab da auf jeden Fall schon drüber geklickt, wenn ich durch Netflix geguckt habe, was will ich als nächstes schauen und das klingt wie was, was ich unbedingt sehen sollte.
Johannes Franke: Definitiv. Ich habe gerade noch mal nachgeguckt. Ich glaube, die wurde gar nicht ermordet, sondern nur vergewaltigt. Trisha Miley war das damals. Ja, also das geht natürlich total... in Mark und Bein und du hast dann irgendwie echt eine schwierige Zeit vor dir, wenn du das guckst, weil du da einfach einem Unfall zuguckst, der dich... in emotionale Tiefen zieht, weil du da so emotional beteiligt bist am Ende und denkst, oh mein Gott, wie können die das machen so? Und haben da Verhörmethoden, die man niemandem angedeihen lassen möchte, nicht mal Leuten, die es wirklich waren und wirklich verdient hätten vielleicht? Das ist furchtbar, ganz gruselig.
Florian Bayer: Gott, Donald Trump hat das damals benutzt. Ich bin gerade beim Wikipedia-Artikel. um für die Todesstrafe zu werben und forderte, dass die Jugendlichen umgebracht werden.
Johannes Franke: Ja, total krass. Und es war dann irgendwann natürlich total klar, dass sie das nicht waren.
Florian Bayer: Ja, es gab ein Geständnis von jemandem, von einem Serienvergewaltiger und sie wurden dann nach zehn Jahren oder so freigelassen von fast 15 Jahren.
Johannes Franke: Aber die haben dann halt echten Schaden von dem Aufenthalt im Gefängnis davon getragen. Es gibt einen von denen, da gibt es Material, die haben sich nach dem Special noch mal zusammengesetzt, also die tatsächlichen Figuren, die tatsächlichen Central Park Five. Und der eine von denen, der sieht so fertig aus mit der Welt. Da wirst du nicht mehr glücklich, wenn du den anschaust und merkst, dass der einfach... Sein ganzes Leben ist ruiniert.
Florian Bayer: Die waren 14, 15, 16.
Johannes Franke: Es ist unglaublich. Jingle. Das war. Unsere Top 3.
Florian Bayer: Ich wollte irgendwie da raus.
Johannes Franke: Dann kommen wir von diesem schwierigen Thema wieder zurück in unseren Film.
Florian Bayer: Ja, zu einer minorisierten Gruppe in Deutschland in der damaligen Zeit, wo wir nochmal kurz drauf eingehen, der Jolly Chapter nicht angehört hat. Auch wenn er gesagt hat, weil die Nazis solche Ärsche sind oder die würde ich denen gerne angehören. In Deutschland wurde tatsächlich Also der Film kam 1931 nach Deutschland und Chaplin auch. Und er wurde begeistert empfangen. Es gab wohl ein paar Nazis, die skandiert haben, jeder mit ihm, der scheiß Jude und so weiter. Und ganz interessant, die Bilder, die damals entstanden sind von Chaplin, der am Flughafen ankommt und die Leute jubeln ihm zu und sagen, hey, cool, da kommt der Filmstar. Die wurden später in dem Film Der ewige Jude benutzt von der nationalsozialistischen Propaganda aus dem Jahr 2013. um zu zeigen, da guckt euch an, wie das einfache Volk teilweise auf die Juden hereinfällt.
Johannes Franke: Wow.
Florian Bayer: Und Chaplin umjubelt den Juden, der jetzt nach Berlin kommt. Der war ja Feindbild von den Nazis.
Johannes Franke: Aber er war kein Jude.
Florian Bayer: Er war kein Jude. Aber es hat alles so gut gepasst. Er war ein Künstler, er hatte schwarze Haare, er war sensibel, hat nicht dem Männlichkeitsideal der Nazis entsprochen und dann musste er natürlich in diese Schublade gepackt werden.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das ist ganz interessant. Also zum einen, dass der Film auch in Deutschland total krass rezipiert wurde und begeistert rezipiert wurde. Genauso wie in Amerika. Und dass gleichzeitig aber damals, Anfang der 30er Jahre, die Nazis schon dagegen Sturm gelaufen sind.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dass sie die Bilder von dem umjubelten Chaplin später benutzt haben für ihre Propaganda gegen die Juden, die halt sich in die Gastländer einschleichen, um sie fertig zu machen.
Johannes Franke: Naja, nur hat es vielleicht nicht unbedingt geholfen, dass Chaplin dann den großen Diktator gedreht hat und damit eine Parodie auf Hitler. Während Hitler an der Macht war und Hitler den Film anscheinend auch gesehen hat ein paar Mal. Also es ist nicht richtig nachgewiesen verbrieft, aber man sagt, dass er den Film immer mal wieder bestellt hat.
Florian Bayer: Tatsächlich waren ja ... Nach der Machtübernahme der Nazis waren ... Chaplin-Filme tabu in Deutschland. Also lange bevor Chaplin den großen Diktator getretet hat, haben sie schon gesagt, Chaplin wollen wir nicht sehen. Aus Gründen.
Johannes Franke: Man sagt ja auch, also zumindest stellte diese These mal jemand auf in einem als ein Psychologe, auf in einem Buch über Chaplin, dass City Lights im Grunde eine Allergorie auf sein Leben zu der damaligen Zeit ist. Das Blumenmädchen ist seine Mutter.
Florian Bayer: Oje.
Johannes Franke: Die gestorben ist, die war blinde, kann man sich selber denken. Und der betrunkene Typ ist sein Vater. Der ist 1901 oder 1902 schon gestorben an Alkoholsucht. Und der war ganz schrecklich. Also der Vater war, Chaplin war elf oder zwölf, als er gestorben ist. Und das Einzige, was der von ihm erlebt hat, war betrunken in irgendwelchen billigen Kaschem sitzend. schimpfend und Sachen in der Gegend rumschmeißend. Nicht gut.
Florian Bayer: Immer diese freudianischen Interpretationen, die Chaplin aufgedrückt werden. Bei The Kid haben sie das auch schon gemacht. Wo sie diese Traumszene so ganz groß, wo es eigene psychoanalytische Werke dazu gibt, die nur um diese Traumszene aus The Kid kreisen. Ich weiß ja nicht. Also kann man den Film nicht einfach so stehen lassen. Muss man da wirklich sagen, das Blumenmädchen ist seine Mutter? Muss man da wirklich so krass voll hier nicht rangehen? Die Psychoanalyse.
Johannes Franke: War in zu der Zeit.
Florian Bayer: War total in, natürlich.
Johannes Franke: Naja.
Florian Bayer: Aber ein Film, der auch sonst, also Chaplin hat gesagt, es ist sein liebster Film von allen, den er gedreht hat und er wurde auch gefeiert als einer der besten Chaplin-Filme und Zahllose Leute haben ihn als ihren Lieblingsfilm angegeben.
Johannes Franke: Orson Welles, Tarkovsky, Woody Allen, Stanley Kubrick, die sind alle bestätigt. begeistert und teilweise auf ihren besten Listen stehen.
Florian Bayer: Es ist krass, dass diese Autoren die wirklich so düstere, zurückhaltende, minimalistische Filme teilweise machen, als zum Beispiel Tarkovsky. Dass die so einen Film als einen ihrer Lieblingsfilme angeben. Das ist total krass.
Johannes Franke: Ich finde es total gut.
Florian Bayer: Ja, aber nachvollziehbar auch. Es ist wirklich ein schöner Film. Er schafft eine tolle Mischung aus diesem sentimentalen und aus diesem witzigen Slapstick-haften. Er hat Gänsehautmomente, um das nochmal stark zu machen. Das ist wirklich krass. Das ist ein Stummfilm. Der ist 90 Jahre alt. Er ist ein schwarz-weißer Stummfilm. mit einer ganz einfachen Handlung und er schafft es trotzdem auch jetzt noch bei mir eine Gänsehaut auszulösen.
Johannes Franke: Ja. Und er hat nicht diese ganz alte Qualität, wo man nur Krisseln sieht oder so, sondern der ist wirklich gestochen scharf und, also wenn man die richtige Version im Internet erwischt.
Florian Bayer: Die hatte ich nicht.
Johannes Franke: Oh, schade. Und sieht einfach sehr gut aus auch. Also ist wirklich auch gut geleuchtet und gemacht und getan und so.
Florian Bayer: Aber vollkommen zu Recht in zahllosen Toplisten und als eine der besten romantischen Komödien und als einer der besten Filme aller Zeiten.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: 1952, als Bicycle Thieves, die Fahrraddiebe auf Platz 1 gewählt wurden, zu den besten Filmen aller Zeiten, Über Fahrradliebe haben wir vor ein paar Episoden mal geredet. War er Platz zwei.
Johannes Franke: Ah ja, okay. Das ist auch schön, Buster Keaton und Charlie Chaplin haben sich in solchen Listen immer abgewechselt. Es gab so eine Phase, wo Charlie Chaplin ganz oben war. Und dann gab es eine Phase, wo Buster Keaton ganz oben war, weil die Leute eher auf dieses Recht etwas nüchterne wollten. Und dann kam in den 90ern wieder Chaplin ganz oben.
Florian Bayer: 2008 zur besten romantischen Komödie aller Zeiten in der AFI, American Film Institute, Top 10.
Johannes Franke: Toll.
Florian Bayer: Ja. Ja. Ach, Flor. Vielen, vielen Dank, dass du diesen Film angeschaut hast. Vielen Dank, dass du ihn mir gegeben hast. Ich habe... wieder eine Wissenslücke schließen können. Und das ist immer gut. Und ich bin so froh, dass du mir mal wieder einen klassischen Stummfilm gegeben hast mit Slapstick, mit Sentimentalitäten. Und noch besser, dass es ein Chaplin-Film war.
Johannes Franke: Und demnächst gebe ich dir dann die Chaplin-Kurzfilmsammlung. Da darfst du dann richtig, richtig viel... Ganz kleine Filme, so 10 Minuten oder 20 Minuten, höchstens 15 Minuten wahrscheinlich. So der Polizist oder der Pan-Shop oder der Ring.
Florian Bayer: Dann muss ich mich ja jetzt revanchieren mit einem Film, der dich nicht ganz so doll quält wahrscheinlich.
Johannes Franke: Es wäre gut, weil jetzt hast du gerade so ein bisschen... Fassbinder, oder wie hieß der Typ denn das eigentlich? Fängler. Letztes Mal, wenn ihr euch... Wenn ihr euch anhören wollt, wie ich mich ärgere, hört euch die Episode davor an. Das heißt, Claude, du musst jetzt ein bisschen aufholen.
Florian Bayer: Ich muss performen.
Johannes Franke: Jetzt musst du performen. Wenn ihr wissen wollt, was als nächstes drankommt, dann bleibt noch ein bisschen dran und hört euch unser Outro an und dann, wie wir darüber reden, was wir als nächstes machen.
Florian Bayer: Vielen Dank fürs Zuhören und euch eine schöne Woche. Und dir natürlich auch, Johannes.
Johannes Franke: Dir auch, Flo. Vielen Dank.
Florian Bayer: Bis dann. Ciao. So, es gäbe da noch etwas.
Johannes Franke: Es gäbe da noch was. Flor, womit willst du mich diesmal überraschen? Ich bin zunehmend aufgeregt, weil ich denke, mir fällt ja schon nichts mehr ein. Ich habe echt Probleme, mir neue Sachen zu überlegen.
Florian Bayer: Also ich habe noch eine sehr lange Liste. Und ich will mit dir noch weiter durch die Filmgeschichte swingen. Das haben wir in den letzten beiden Folgen ja sehr gut geschafft. Jetzt mit Chaplin. Wieder einen älteren Film mit davor Amok, auch einen etwas eher älteren Film. Ja, qualitativ. Alter, echt jetzt? Es sind sieben Tage seitdem vergangen. Du hältst mir das immer noch vor.
Johannes Franke: Ich komme nicht drüber weg. Ich komme nicht über diesen furchtbaren Film. Hört euch die Diskussion zu, warum läuft Herr R. Amok.
Florian Bayer: Wirklich eine schöne Episode, wo wir komplett unterschiedlicher Meinung sind.
Johannes Franke: Ich sag euch, warum dieser Herr R. Amok läuft, weil er in diesem scheiß Film ist.
Florian Bayer: Okay. Naja, auf jeden Fall wollte ich dieses Mal dann nicht so sehr durch die Filmgeschichte springen, sondern dir was... etwas Aktuelleres geben.
Johannes Franke: Oh.
Florian Bayer: Und zwar einen aktuellen Oscar-Preisträger.
Johannes Franke: Oh.
Florian Bayer: Der Film hat 2017 den Oscar gewonnen als bester Film.
Johannes Franke: Okay, mein Gehirn hat gerade Panik geschoben. Oh Gott, Oscars, ich bin so raus. Ich weiß nicht mehr, wer hat wann welchen Oscar bekommen. Eine Zeit lang war ich drin.
Florian Bayer: Und ein Film, der tatsächlich meiner Meinung nach nicht nur den Oscar verdient hat, wobei die Frage, wie der Oscar ein Qualitätskriterium ist, natürlich gestellt werden kann. Aber auch ein Film, der jeglichen Hype, der um ihn gemacht wurde, im Feuilleton verdient hat. Moonlight aus dem Jahr 2016 von Barry Jenkins.
Johannes Franke: Moment, das ist der mit dem Only Black Cast?
Florian Bayer: Genau, Only Black Cast. Der erste Film, der einen Oscar gekriegt hat. Mit nur schwarzer Besetzung und schwarzer Crew. Geil.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Irgendwie cool, aber auch irgendwie ein bisschen traurig, dass es tatsächlich so lange gedauert hat, bis das mal passiert ist.
Johannes Franke: Ich freu mich drauf. Cool, voll gut, weil den hab ich noch nicht gesehen und natürlich muss ich den sehen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Meiner Meinung nach absolut ein Film, den man sehen muss. Aber ob er dir auch gefällt und ob du diese Meinung teilst, werden wir dann nächste Woche ein neues Film.
Johannes Franke: Gut, sehr schön, Plur. Vielen Dank. Wir sehen uns nächste Woche.
Florian Bayer: Bis nächste Woche. Ciao. Bis nächste Woche.
