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Kategorie: 1980er

Episode 273: The King of Comedy – Cringe Comedy Gold

Rupert Pupkin pflegt eine Obsession mit Late Night Host Jerry Langford. Er ist sein Lebensinhalt, seine Inspirationsquelle, sein Grund zu leben. Rupert will so sein wie Jerry: Berühmt, lustig und der Mittelpunkt allen Seins.

Er träumt davon als gefeierter Comedian Gast in Jerrys Show zu sein. Und als Jerry, in real life, seltsamerweise nicht sein bester Freund sein will und ihm nicht sofort einen Gastauftritt verschafft, beschließt er Jerry zu entführen, um den ihm zustehenden Platz im Promi Olymp zu erpressen. Die Produzenten der Show willigen zähneknirschend ein und Rupert bekommt, was er will. Er darf auftreten, bekommt seine fünf Minuten Ruhm und danach ein paar Jährchen Gefängnis.

Ein Film voller unangenehmer Momente, in denen Rupert soziale Normen und Realitäten ignorieren darf. So viele Momente der Fremdscham. Ein Genre der Komik, bei der nicht jeder befreit auflachen kann. Vielen Zuschauern tut diese Art des schwarzen Humors zu sehr weh, als dass sie es lustig finden könnten.

Plor, wie gehst du damit um?

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Episode 266: The Shining (Die Kubrick-Version natürlich)

Die Familie Torrance hat einen neuen Wohnort. Nachdem Jack seine Lehrerstelle verloren hat, nimmt er ein etwas ungewöhnliches Jobangebot an. Er soll in einem Hotel über den Winter nach dem Rechten sehen und die notwendige Pflege übernehmen, während das Hotel off-season leer steht.

Mit seiner Frau und seinem Kind zieht er für fünf kalte Monate in das riesige einsame Labyrinth eines Hotels und will an seinem Buch schreiben, während seine Frau alle eigentlichen Aufgaben, für die er bezahlt wird, übernimmt.
Die Einsamkeit und offenbar auch das Hotel als geisterhafte Entität kriechen langsam in sein Hirn, das eh schon nicht das gesündeste zu sein scheint, wenn man Jack Nicholsons Augenbrauen zuschaut.

Nach und nach verliert er den Zugang zur Realität und Vernunft und gibt sich den Wahnvorstellungen, die ihm das Hotel vorgaukelt hin. Bis er beschließt, seine Frau und sein Kind mit der Axt zu erziehen.

Wer uns öfter zuhört, weiß, dass ich mit Horrorfilmen nicht so viel anfangen kann. The Shining allerdings schafft es die Horrortropes, die mir nicht zusagen, auf ein Minimum zu reduzieren oder gut darauf hin zu arbeiten.

Der Film legt ein einigermaßen langsames Tempo an den Tag. Er verzichtet weitestgehend auf billige Jump Scares und Blut als Schauwert. Naja, mal vom Fahrstuhl abgesehen. Und er ist verdammt psychologisch und seltsam kopflastig und geht damit weit über das Horror Genre hinaus. Das kenne ich eigentlich nicht so aus den 80ern, sondern eher aus den 2010ern. Aber so gut kenn ich mich halt nicht im Horrorgenre aus, dafür ist Plor hier!

Plor, wenn The Shining heute rauskommen würde, würde man ihn als Post-Horror einsortieren?

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Episode 265: Cinema Paradiso – Nostalgie und Kino

Durch einen Anruf seiner Mutter erfährt der Regisseur Salvatore, dass sein Freund der alte Filmvorführer Alfredo gestorben ist. In Rückblenden erzählt der Film aus der Kindheit und Jugend Salvatores, Toto genannt.

Toto wächst in einem einfachen sizilianischen Fischerdorf auf. Dessen großer Anziehungspunkt ist das Kino Cinema Paradiso, in dem sich Toto als Kind mit dem Filmvorführer Alfredo anfreundet und sehr zum Leidwesen seiner Mutter jede freie Minute verbringt. Er sammelt die Filmrollenteile mit Küssen und Nacktszenen, die Alfredo auf Zuruf des Dorfpfarrers aus den öffentlich gezeigten Filmen herausschneiden muss. Er lernt bei Alfredo das Handwerk der Filmvorführung und übernimmt schließlich dessen Job, nachdem dieser bei einem Kinobrand sein Augenlicht verloren hat.

Wir sehen, wie das Kino die Menschen in dem kleinen Dorf bewegt, wie es sie zusammenbringt und ihnen ein Stück Welt vermittelt. Toto wird vom Kind zum Jugendlichen, er verliebt sich, sein Herz wird gebrochen, er wird erwachsen. Und schließlich muss er sich die Frage stellen, ob er mehr will, als Filmvorführer in seiner Heimat zu bleiben.

Cinema Paradiso aus dem Jahr 1988: Eine Liebeserklärung an das Medium Film und den magischen Ort Kino. Aber auch eine Auseinandersetzung mit dem, worum es im Leben geht, und welchen Platz Nostalgie darin einnimmt. Ein Film, der mich auch heute noch zum, Lachen, Schwelgen und auch Weinen bringt.

Johannes, hast du geweint?

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Episode 257: Das letzte Einhorn (1982)

“Du bist vielleicht das letzte deiner Art!” rufen zwei Jäger in einen Wald hinein, in dem ewig Frühling zu sein scheint, und ziehen von dannen. Zurück bleibt ein weißes Einhorn, das sich die Frage stellt: “Bin ich wirklich das letzte? Was ist mit den anderen geschehen?” Und so beschließt es in die Welt hinaus zu ziehen auf der Suche nach anderen seiner Art. Unterwegs erfährt es, dass ein roter Stier für das Verschwinden der Einhörner verantwortlich ist. Es gerät es in die Gefangenschaft der Hexe Mommy Fortuna, lernt die Räuberbraut Molly und den Magier Schmendrick kennen und wird von diesem – beim Versuch es vor dem roten Stier zu schützen – in einen Menschen verwandelt.

Mit seinen neuen Gefährten landet das Einhorn in menschlicher Gestalt schließlich bei dem alten, verbrämten König Haggard, der den roten Stier kontrolliert und für das Verschwinden der anderen Einhörner verantwortlich ist. Doch die Rettung der Artgenossen stellt sich als äußerst schwierig heraus: Im Menschenkörper vergisst das Einhorn seine Mission und verliebt sich zudem noch in Haggards Sohn Prinz Lir. Gelingt es ihm mit Hilfe von Schmendrick und Molly trotzdem den Bann zu brechen?

The Last Unicorn aus dem Jahr 1982 ist ein großes Zeichentrickepos aus dem Dark Age of Disney. Nicht von Disney selbst und auch im Vergleich zu den damaligen Werken des großen Studios ein ganzes Stück düsterer und “erwachsener”. Aber, wie es sich für ein Einhorn-Epos gehört, auch mit einer Menge Kitsch ausgestattet.

By the way, Johannes, wie hältst du es eigentlich mit Einhörnern? Magst du diese fabelhaften Geschöpfe?

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Episode 256: Planes, Trains and Automobiles – Ein Ticket für Zwei

Alles was der Werbefachmann Neal will, ist es, an Thanksgiving rechtzeitig zu Hause bei seiner Familie in Chicago zu sein. Im Grunde genommen kein hoffnungsloses Unterfangen, schafft man das doch mit einem bequemen Flug von New York aus innerhalb von drei Stunden. Während seiner Reise lernt Neal den Duschvorhangring-Vertreter Del kennen… and its all downhill from there. Wegen extremem Wetter mit der Flug umgeleitet, Neal und Del schlagen sich von da an gemeinsam nach Chicago durch, mit allem was der Mittlere Westen an Fahrmöglichkeiten zu bieten hat. Umso schlimmer, dass sich Del während dieses Trips als echte Nervensäge entpuppt, vor dessen tollpatschiger, extrovertierter Art nichts und niemand sicher ist.

Planes, Trains and Automobiles: Selten war ein Titel treffender und unvollständiger zugleich. Ergänzt werden müssten noch Hotelzimmer, Busse, Pick Up Trucks, LKWs… und vor allem Chaos. Ein Ticket für zwei, wie er im deutschen heißt, ist eine wilde Road Movie Komödie mit dem Herz am rechten Fleck und ner ganzen Ladung Schmock in der Hinterhand. Der perfekte Thanksgiving Film.

Johannes, mit wem würdest du lieber unterwegs sein: Del oder Neal?

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Episode 248: Re-Animator – Lustiges Splattern in den Halloween-Monat hinein

Ladies and gentlemen and everyone between and behind and above… schnallen Sie sich an! Wir tauchen wieder hinab in die Untiefen des 80er Jahre Gore- und Splatter-Horror-Comedygenres. Unser Reiseführer in diesem Fall ist Herbert West, entsprungen aus einer Kurzgeschichte von H.P. Lovecraft, die nicht nur seine Kritiker sondern auch er selbst als eines seiner schäbigsten Werke bezeichnet.

Dieser Herbert West – ein Medizinstudent irgendwo zwischen young Christopher Lee und Christopher Street Day – will nicht weniger als den Tod überlisten. Und wie macht er das? Natürlich mit einem grün leuchtenden Serum, mit dem er Leichen zum Leben erweckt. Gott sei Dank findet er trotz seiner fehlenden Manieren und gruseligen Art Unterstützung im Kommilitonen und Mitbewohner Dan, der so viel Rückgrat wie ein Wackelpudding hat. Im Weg stehen ihnen der Dekan der Universität, dessen Tochter sowie ein Oberarzt, der das Wissen um die Wiederbelebung am liebsten für sich allein hätte… achja, und natürlich eine Menge blutrünstiger Zombies, die sie auf dem Weg zur medizinischen Revolution erschaffen werden.

Das Ergebnis: Ein schon damals von der Kritik seltsamerweise gefeierter Film, ein in den Jahren gewachsener Kultstatus, drei Schnittversionen, natürlich eine Indizierung in Deutschland, die bis zum Jahre 2013 anhielt… und eine obsessive Fangemeinde, die vor allem in letzter Zeit viel darüber diskutiert, ob wir hier ein queeres Pionierwerk vor uns haben. Aber natürlich auch all der Glanz und all der Spaß und all der Schmutz und all die Abgründe, die man aus dem 80er Jahre Horror kennt, inklusive mindestens einer “What were they thinking?”-Szene.

Johannes… komm schon. Ich weiß. Das ist absolut geschmacklos. Und moralisch ist das natürlich auch alles voll daneben. Und natürlich müssen wir gleich hart mit dem Film ins Gericht gehen. Aber davor hast du trotzdem die Chance zuzugeben, wie viel Spaß du zumindest zeitweise bei diesem Film hattest. Oder? Oder?

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Episode 240: Die Braut des Prinzen – Märchenhaftes und Metahaftes

Dies ist die Verfilmung von S. Morgensterns klassischer Erzählung von wahrer Liebe und edlen Abenteuern. Zumindest der spannenden Teile.

Mit der kleinen Einschränkung, dass es S. Morgenstern gar nicht gibt und der Autor des Buches, auf dem der Film basiert, eine fiktive Version seiner selbst als Kommentator auftreten lässt und persönliche Dinge aus seinem Leben erzählt, die auch frei erfunden sind.

Aber ach, ich beschreibe das Buch. Im Film ist von dieser Metaebene nichts mehr übrig, aber die eigentliche Fantasy Geschichte gibt es durchaus noch. Zumindest in Teilen.

Da wären der Stallbursche Westley und die wunderschöne Butterblume, die ihre Liebe zueinander entdecken. Da wäre der Gräulpirat Roberts der Westley umbringt woraufhin Butterblume schwört, nie wieder zu lieben. Da wären Fezzik, Vizini und Inigo, die Butterblume entführen, nachdem sie vom Prinzen zur Prinzessin bestimmt wurde. Und da wäre eben dieser Prinz, der die Prinzessin umbringen lassen will, um einen Krieg zu rechtfertigen.

Und, um den Kreis zu schließen, wiederum der Gräulpirat Roberts, der sich als verkleideter sehr lebendiger Westley herausstellt, der kommt, um seine Butterblume zu retten. Denn wahre Liebe übersteht alles.

Dieser Film ist ein absoluter Klassiker in Amerika, hierzulande kennt man ihn kaum. Plor, woran liegt das?

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Episode 238: Little Shop of Horrors (1986)

Skid Row! Das dreckigste, Gott verlassenste und gefährlichste Viertel der Stadt. Streunende Mädchen ohne Zukunft, harte motorradfahrende Gangster und… der harmlose Seymour im Blumenladen um die Ecke. Oder sieht er nur so harmlos aus mit seiner nerdigen Brille und den nervösen Ticks? Einer wie der kann doch nie einer Fliege was zu leide tun. Nun ja, vielleicht einem Zahnarzt und vielleicht einem Chef eines gewissen Blumenladens, der ihn erpressen will. Aber nur wenn es darum geht, die Frau seiner Träume zu bekommen und nur mit der Hilfe einer… menschenfressenden Pflanze! Dum-dum-duuuuuuuh.

Diese fleischfressende Pflanze, die er Audrey II tauft, nach seiner großen Liebe, die mit ihm im Blumenladen arbeitet, nimmt ihren Anfang als kleines süßes Pflänzchen. Aber als Seymour es ausversehen mit Blut füttert, wächst und gedeiht die Pflanze zu einer Sensation heran die das ganze Viertel anzieht und den Blumenladen und seine Mitarbeiter reich macht.

Wenn die Stadt nur wüsste, wovon sich die Monstrosität ernährt! Kleine Blutstropfen reichen bald nicht mehr. Ganze Körper verschlingt die Pflanze und sie verlangt Morde von Seymour.

Eine Weile macht er das mit, aus Angst und auch aus Ruhmeslust. Dann durchschaut er den Welteroberungsplan des botanischen Bastards und will dem ganzen ein Ende setzen.

Hier nimmt der Film zwei verschiedene Pfade, je nach dem ob man den düsteren Director’s Cut sieht, oder das Hollywood Happy End, das sich die Zuschauerschaft erklagt hat. Wie die aussehen? Darüber wird jetzt zu sprechen sein.

Welches Ende hat dir besser gefallen, Plor?

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Episode 237: Die Reise ins Ich – 80er Jahre Popcornkino, die bizarre Version

Der Draufgänger Tucker Pendleton hat wegen seines exzessiven Lebenswandel sowohl seine Freundin als auch seinen Job bei der Marine verloren. Also macht er das, was man als 80er Jahre Draufgänger in einem solchen Fall eben macht: Er nimmt an einem riskanten Experiment teil, bei dem er auf mikroskopische Größe verkleinert wird und anschließend einem Hasen injiziert werden soll. Leider wird mitten während des Experiments das Labor überfallen und Tucker landet nicht im Körper des Kaninchens, sondern in dem des neurotischen Hypochonders Jack.

Und der macht, was ein 80er Jahre Nerd nunmal macht, wenn er in einen Actionfilm gezogen wird: Panik schieben, hysterisch sein, durchdrehen. Dank Tucks Überzeugungskünste und der Hilfe der Journalistin Lydia wird Jack dann aber doch noch zu so etwas wie einem Helden. Denn immerhin gibt es einen McGuffin zu finden, in diesem Fall den Computerchip, der Tuck wieder auf seine Normalgröße bringen kann. Und im Weg stehen eine nymphomanische Wissenschaftlerin, ein stummer Killercyborg, ein Bond-Bösewicht und ein hedonistischer Cowboy.

Die Reise ins Ich aus dem Jahr 1987 ist Popcornkino vom feinsten. Vor allem Popcornkino aus einer extrem Filmemacherfreundlichen Produktion, und damit dann doch um einiges bizarrer als das, was man sonst so als Blockbuster aus dieser Zeit zu sehen bekommt. Und da ich in diesem Film wenig Tiefe, aber dafür umso mehr Spaß finde. Lasst uns doch einfach mal zusammen viel Spaß haben. Oder hast du was zu meckern, Johannes?

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Episode 231: Rain Man – Hollywood, Autismusklischees und ein überraschendes Happy End

Wir kommen wieder zu einer Episode aus der Reihe “Johannes zerstört seine eigene Kindheit”. Ich habe “Rain Man” sehr geliebt, als ich ihn als junger Mensch sah,und er hat dazu geführt, dass ich mich intensiv mit dem Thema Autismus, aber eben vor allem mit dem Thema Savant auseinandergesetzt habe. Ohne zu hinterfragen, ob das vielleicht unterschiedliche Themen sein könnten. Aber worum geht es eigentlich?

Charlie will verzweifelt den Kapitalismus gewinnen, um seinem Leben eine Berechtigung zu verschaffen, denn in Zwischenmenschlichkeit findet er diese nicht. Der Materialismus der 80er hat ihn voll im Griff und als sein Vater stirbt und ihm nur ein Auto und einen Rosenbusch hinterlässt statt der erwarteten drei Millionen Dollar, tickt er aus. Wo gehen die verdammten drei Millionen hin? Er findet die Antwort in einem Wohnheim für Menschen mit geistigen Behinderungen. Oder zumindest der 1988er Variante davon. Dort trifft er auf Raymond, der sich als sein Bruder herausstellt, den der Vater vor ihm geheim gehalten hatte. Raymond sei Autist, wird ihm erzählt, aber Charlie kann mit der Beschreibung nichts anfangen. Er entführt Raymond, um sein Teil des Erbes zu erpressen und muss feststellen, dass sein Bruder nicht das leise und pflegeleichte Entführungsopfer ist, sondern einige besondere Anforderungen an seine Umwelt hat, die Charlie zur Verzweiflung bringen.

Mit der Zeit findet eine Annäherung statt und Charlie, der am Anfang nur das Geld wollte, will seinen Bruder kennenlernen und ihm mehr bieten, als er dem Heim zutraut. Das angestrebte Sorgerecht bekommt er nicht, aber dafür ein Leben, das über sein eigenes Ego hinausgeht.

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