Episode 5: Blazing Saddles, A Ghost Story
Wir reden über die Westernparodie „Blazing Saddles“ aus dem Jahr 1974 und „A Ghost Story“ aus dem Jahre 2017. Dabei diskutieren wir viel über die Frage, wie guter Humor aussieht, und ab welchem Punkt eine humoristische Auseinandersetzung mit Themen wie Sexismus und Rassismus selbst Gefahr läuft, rassistische oder sexistische Stereotype zu reproduzieren. Wie immer gibt es auch wieder passende Top 3 Listen zu den besprochenen Filmen. In diesem Fall ist es die Top 3 der Filmparodien, sowie die Top 3 Geister im Kino, beziehungsweise die besten Filme mit und über Geister.
Blazing Saddles [Mel Brooks]
(USA 1974)
Blazing Saddles ist eine amerikanische Westernparodie von Mel Brooks aus dem Jahre 1974. Der Film arbeitet sich an allen gängigen Westernklischees ab, und ist mit seinem Angriff auf den Rassismus, sehr politisch – wenn er auch in Mel Brooks typischer Manier sehr albern, voller Slapstick und daher doch eher mit dem Holzhammer daher kommt. So hören wir sicher 20.000 mal das N-Wort – was selbst für damalige Verhältnisse sagen wir… drastisch war. Ein Journalist dieser Zeit schrieb im Hollywood Reporter: „Brooks‘ fast-paced direction is a masterpiece of comedy detail, filled with delightful and perfectly timed sight gags.“
Also ein voller Erfolg in seiner Zeit, aber… kann er heute noch mithalten? Was meinst du Plor?
A Ghost Story [Jonny Campbell]
(GB 2010)
A Ghost Story aus dem Jahr 2017 erzählt die Geschichte von C (Casey Affleck) und M (Rooney Mara). Diese leben in einem alten Haus irgendwo in der amerikanischen Einöde. Es kommt zu einem schrecklichen Unfall, bei dem C stirbt. Aber etwas scheint ihn auf dieser Welt zu halten. Denn unmittelbar nach seinem Tod kehrt er als Geist zurück. Ganz traditionell gekleidet in ein weißes Laken muss er ohnmächtig mitansehen, wie sich seine Witwe neu verliebt und ihr gemeinsames Heim schließlich verlässt. C bleibt zurück, mit kaum einer Möglichkeit mit der Umwelt zu interagieren sieht er die Zeit an sich vorbeifließen, sieht er, wie das Haus neue Bewohner gewinnt und wieder verliert und schließlich selbst von den Mühlen der Zeit zermahlen wird. Alles bewegt sich, alles verändert sich, nur C scheint immer zurück zu bleiben, verdammt in alle Ewigkeit.
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 5: Blazing Saddles, A Ghost Story Publishing Date: 2021-02-03T08:18:46+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/02/03/episode-5-blazing-saddles-a-ghost-story/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast? Nein, eigentlich nicht, aber ich. Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können. Wie wär's mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee. Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeig dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest. Das heißt so Musicals aus den 50ern? Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme?
Florian Bayer: Mit russischen Untertiteln, von mir, für dich. Oh Gott, okay. Aber du weißt, dass das für eine Menge Streit sorgen kann.
Johannes Franke: Äh, definitiv, das wird lustig. So, läuft wieder. Herzlich willkommen zu Folge 5. 5, hallo. Wow, ich bin Florian. Ich bin Johannes und in diesem Podcast machen wir was?
Florian Bayer: Wir schauen uns Filme an. Danke für die Erinnerung. Wir zwingen uns gegenseitig, Filme anzuschauen, von denen wir denken, dass sie den Horizont des anderen erweitern.
Johannes Franke: Ja, ich bin gespannt, ob meine Auswahl dieses Mal deinen Horizont erweitert hat.
Florian Bayer: Nicht ganz so krass, weil ich den Film schon kannte und Mel Brooks kenne, aber trotzdem. Aber bevor ich jetzt hier spoilere, was hast du denn für mich heute?
Johannes Franke: Ich habe für dich Blazing Saddles aus dem Jahr 1974. Ich könnte auch einfach meinen Text vorlesen.
Florian Bayer: Wollen wir gleich starten? Also ich wollte eigentlich, ich dachte, wir sind noch in der Einleitung. Oh, wir sind noch in der Einleitung. Oh mein Gott, wir gehen, wir reiten schnell voran. Genau, viel zu schnell. Also jetzt so rein programmtechnisch müssen wir erstmal sagen, das ist der Muss-Man-Sehen-Blog. Ach so, ja. Unsere Namen haben wir schon gesagt. Haben wir schon gesagt. Das haben wir abgehakt. Okay, was ist der Sinn des Lebens?
Johannes Franke: Müssen wir das auch immer noch sagen? Ja, kannst du eine kurze Zusammenfassung für die Zuschauer geben? Ja, kann ich. Kann ich machen, kein Problem.
Florian Bayer: Ich fand das fantastisch. Wahnsinn. Also jetzt hast du meinen Horizont erweitert. Vielen Dank, vielen Dank. Ich hoffe bloß, dass das nicht verloren geht. Ja. Und ich habe für dich heute eine Ghost-Story aus dem Jahr 2017.
Johannes Franke: Okay, ja. Das ist, also, ja, da werde ich auch noch nichts dazu sagen. Ich war aber sehr froh, dass du ihn vorgeschlagen hast.
Florian Bayer: Ah, schön.
Johannes Franke: Ja. Wir legen los mit Blazing Saddles. Blazing Saddles. Möchtest du dein saarländisches BP-Problem nochmal, ähm, Blazing Saddles? Saddles. Es wird nicht besser. Wir legen los mit Ist-was-Sheriff. Geil. Dann würde ich tatsächlich jetzt mal meinen kleinen Einführungstext vorlesen. Leg los. Blazing Saddles ist eine amerikanische Western-Parodie von Mel Brooks aus dem Jahre 1974. Der Film arbeitet sich an allen gängigen Western-Klischees ab und ist mit seinem Angriff auf den Rassismus dann sehr politisch, wenn er auch in Mel Brooks' typischer Manier sehr albern, voller Slapstick und doch eher mit dem Holzhammer daherkommt. So hören wir sicher 20.000 Mal das N-Wort, das selbst für damalige Verhältnisse, sagen wir, drastisch war. Ein Journalist dieser Zeit schreibt im Hollywood Reporter, Brooks' fast-paced direction is a masterpiece of comedy detail, filled with delightful and perfectly timed side-gags. Also ein voller Erfolg in seiner Zeit. Aber, kann er heute noch mithalten? Was meinst du, Flo?
Florian Bayer: Ja, ich wollte jetzt als Ergänzung zu deinem Zitat, müsste ich Roger Ebert zitieren, der dem Film 4 von 4 Punkte gegeben hat, was Roger Ebert relativ selten macht. Oh, okay. Aber sein Fazit war, a total mess. Und ich glaube, das trifft es auch ganz gut für diesen Film. Absolut. Ja. Großartig. Ja, du hast das N-Wort erwähnt. Es ist ja nicht nur das N-Wort, was benutzt wird. Es ist ja auch das F-Wort. Ja. Und ich meine jetzt nicht Fuck, sondern ich meine ein F-Wort, was sich ganz klar gegen Minderheiten richtet. Jetzt kommst du ins Rätseln. Jetzt komme ich ins Rätseln, welches F-Wort du meinst. Jetzt muss ich sagen. Sag's nicht. Naja, im Deutschen würde es wahrscheinlich übersetzt werden. F***. Was auch kein schönes Wort ist. Ah, okay. Das Wort wird benutzt als Beleidigung. Das F. Und ein Wort, das ich nachschlagen musste. Ja. Das N-Wort für asiatische Menschen wird auch benutzt. Das hatte ich vorher noch nie gehört. Also offensichtlich gibt es da einen Stein, unter dem ich ganz gut lebe. Okay. Es gibt das N-Wort-Pendant für Asiaten und das wird auch mehrmals benutzt. Ja. In einer eigentlich ganz schönen Szene, wo sie sagen, ist okay, ihr könnt die N-Wort reinbringen, ihr könnt die asiatisches N-Wort reinbringen, aber bloß nicht die ihren. Ja. Aha, stimmt. Da habe ich mich sehr gefreut drüber. Das fand ich auch witzig. Aber ja, er ist geschmacklos und auch provokant. Und mit der Nutzung des N-Worts hatte Mel Brooks damals offensichtlich schon Probleme, weil das Studio hat gesagt, wir wissen nicht genau, ob wir das machen sollen.
Johannes Franke: Die waren nicht so zufrieden. Und die haben auch beinahe den Film gar nicht rausgebracht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das ist schon krass.
Florian Bayer: Ja, definitiv. Es war auch diese, also was ja noch viel kontroverser aufgenommen wurde. Wir sind immerhin in den 70ern, da ist das N-Wort nicht so schlimm. Mhm. Ausgedehnte Furz-Szene.
Johannes Franke: Also ich weiß nicht, ob ich das dir gegenüber muss, aber die würde ich immer verteidigen. Ich finde die großartig, ich finde sie noch zu kurz.
Florian Bayer: Also ich fand sie schon unangenehm zu gucken, weil Furze sind auch tatsächlich nichts, was ich jetzt besonders aufregend finde. Aber es ist witzig, es war wirklich eine Besonderheit. Damals wurden keine Furze im Film gezeigt und Mel Brooks hat, hat sich dazu geäußert und hat gemeint, naja, ich sehe ständig die Cowboys Bohnen fressen. Ja. Und wir alle wissen, was Bohnen mit dem menschlichen Körper machen. Die einzige logische Konsequenz ist diese Szene. Ich finde es großartig. Ich fand sie, also es war, sie kommt ja in der Mitte des Films und man ist darauf schon vorbereitet. Es gibt davor schon genug Fäckhartenhumor, dass es jetzt nicht so total schockierend kommt. Aber ich saß tatsächlich da und dachte, wow, okay Mel, du gehst jetzt wirklich die volle Länge damit.
Johannes Franke: Also ich muss sagen dazu, dass ich natürlich aus meiner Erinnerung gespeist war, als ich den Film nochmal geguckt habe und mir deswegen tatsächlich diese Furz-Szene zu kurz vorkam. Ich dachte, das war doch länger, das war doch irgendwie so retrospektiv betrachtet. Weißt du, als Kind habe ich an dieser Szene wahrscheinlich am meisten Spaß gehabt.
Florian Bayer: Es gibt einen tollen Fun-Fact zu dieser Furz-Szene. Was denn? Erzähl mal. Der Film wurde natürlich nicht nur im Kino veröffentlicht, sondern auch auf Video später und dann auch im Fernsehen. Mhm. Im Fernsehen war ihnen die Furz-Szene zu unangenehm, vor allem für das Primetime-Publikum. Okay. Die Szene blieb drin, allerdings wurden die Sound-Effekte rausgenommen. Nein. Das heißt, es gibt wohl offensichtlich irgendwo Fernsehausspielungen von dem Film, in denen man einfach nur die Cowboys sieht, wie sie sich merkwürdig bewegen und darüber lachen. Weil sie in dieser besagten Furz-Szene sitzen sie vorm Lagerfeuer und dann stehen sie auf zum Furzen oder bewegen sich ein bisschen hin und her. Mhm. Ich stelle mir diese Szene äußerst surreal vor, wenn die Furz-Geräusche nicht zu hören sind und diese Cowboys hier eine merkwürdige Performance aufführen und niemand genau weiß, was das zu bedeuten hat. Aber amerikanisches Fernsehen, da wird auch mal sowas geschnitten. Ja, krass. Aber tolle Entscheidung, das so zu schneiden, die Szene drin zu lassen und die Geräusche einfach rauszunehmen.
Johannes Franke: Uiuiui. Okay, vielleicht sollten wir mal von vorne durchgehen, wie dieser Film sich so aufbaut. Man sieht gleich am Anfang die Arbeiter. Ja, einer Railway, die in Richtung West, Go West, gebaut werden soll. Oder Osten? Nee, Moment, wo lang? Jetzt habe ich meine geografischen Kenntnisse jetzt plötzlich...
Florian Bayer: Ja, Richtung Osten, weil sie wahrscheinlich im Wilden Westen sind. Nein, sie ziehen in den Wilden Westen. Sie ziehen in den Wilden Westen. Oder? Sie bauen eine Eisenbahnstrecke. Oh mein Gott, sie bauen eine Eisenbahnstrecke. Aber du kannst nicht mit dieser Eisenbahnstrecke anfangen, du musst mit dem großartigen Titellied anfangen. Oh Gott, dann erzähl du mit dem Titellied. Ja, und das Titellied, es ist wirklich einfach nur groß, weil das ist von Frankie Lane, einem amerikanischen Songwriter, Country-Sänger. Und er präsentiert das mit vollem Ernst, mit vollem Inbrunst und mit vollem Pathos. Lord Maybrooks wusste ja nicht, dass es sich um eine Parodie handelt. Nein, wirklich? Ja. Sie haben ihn gebeten, für einen Western dieses Lied aufzunehmen und er dachte, oh klar, mache ich. War total begeistert von dem Text, hat es aufgenommen. Und mehrere an dem Film Beteiligte haben dann gesagt, sie haben... Sie haben sich nicht getraut, ihm zu sagen, dass es für eine Parodie ist, weil er das mit so viel Ernst und so viel Inbrunst gesungen hat und so stolz darauf war. Aber deswegen ist es ja so gut. Es ist wunderbar. Ja, es passt auch perfekt. Man sieht eigentlich das klassische Western-Szenario am Anfang. Es ist ja auch in CinemaScope aufgenommen. Man sieht die Western-Landschaft und es kommt dieses Lied und es könnte auch ein ernster Western sein.
Johannes Franke: Oh Gott. Jetzt müsste man den Text von dem Lied nochmal haben.
Florian Bayer: Ja, dieser Eindruck wird dann aber auch sehr schnell zerstört, wenn wir zu den Bauarbeiten an den Schienen kommen.
Johannes Franke: Genau, ja, die Bauarbeiten an den Schienen und natürlich, um gleich das Thema des Films so ein bisschen klar zu machen, die Arbeiter sind alle schwarz. Ja. Und es gibt eine Gruppe von weißen, überheblichen Männern, die kommt, um den Schwarzen ein Lied zu entlocken. Nach dem Motto, ihr schwarzen Arbeiter, ihr singt doch immer so fröhlich diese Jazz-Sachen hier. Ja, singt mal einen schönen Gospel. Genau, singt mal einen schönen Gospel. Und die einzig richtige Lösung und die einzig richtige Reaktion der Arbeiter, weiß ich jetzt nichts von, keine Ahnung. Was für ein Lied meint ihr? Hä? Und dann fangen die, artet das in einen Sing-Battle, einen Sing-Off auf.
Florian Bayer: Ja, und die Arbeiter singen ein 70er-Soul-Funk-Pop-Lied. Was übrigens auch sich durch den ganzen Film zieht. Das ist nicht wie... Wie im 19. Jahrhundert geredet wird, sondern dass alles diese 70er-Vibes versprüht.
Johannes Franke: Gänzlich, er bricht das ja mehrmals auf. Also es ist kein Period-Piece, das irgendwie sich sehr streng daran hält oder sowas. Das sind volle Anachronismen.
Florian Bayer: Und die Weißen singen dann Swing Low, Sweet Chariot singen sie, oder? Ich glaube ja, ja, genau. Also irgendwie so einen ganz klassischen, schwarzen Arbeiter-Song. Genau.
Johannes Franke: Und verhalten sich so richtig, richtig dämlich dabei. Ja. Und werden dann vom Chef einmal... Ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja
Florian Bayer: Ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja Ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja Ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja Ja, der hat das so, der hat doch geschrieben. Der hat geschrieben, genau. Der ist dazugekommen, war geplant als Sheriff, als Bart zu spielen, ist dann ins Schreibteam, weil ich meine, er war halt ein großer Comedian, er wusste, wie man Gags schreibt und er hat mit Mike Brooks öfter zusammengearbeitet, er war Mike Brooks Favorit und das Studio hat sich dann dagegen entschieden, weil er damals in irgendwelche Drogenskandale verwickelt war. Ach, okay. Und es war so, okay, wir können eigentlich, was total albern ist, wenn man sich den Film jetzt anschaut, wo man denkt, okay, der Film war so dreist und so provokant, dass es auch nicht viel mehr ausgemacht hätte, aber deswegen wurde sich gegen Richard Pryor entschieden, der allerdings trotzdem sehr viel zum Skript noch beigefangen hat.
Johannes Franke: Ja, genau, der hat ja wahnsinnig viel dann geschrieben und dafür gemacht und getan und war auch derjenige, der unter anderem neben Little eben dem Mel Brooks immer wieder Rückendeckung gegeben hat, was die Verwendung des N-Worts.
Florian Bayer: Ja, genau, darauf hat Mike Brooks sich immer berufen, dass sie damit einverstanden waren, was ich immer etwas problematisch finde, sich so auf zwei Stimmen zu berufen, weil natürlich sprechen Little und Richard Pryor nicht für die gesamte schwarze Community.
Johannes Franke: Genau, also, naja, ja, das ist aber eine gute Frage, wollen wir die gleich am Anfang stellen jetzt, ob die Verwendung des N-Worts und die sehr brachiale Verwendung dieser ganzen Problematik nötig gewesen ist?
Florian Bayer: Ähm, können wir, reißt es vielleicht ein bisschen raus? Ich überlasse es dir, es ist dein Film.
Johannes Franke: Hm, stellen wir die mal nach hinten, die Frage, aber ich finde sie spannend.
Florian Bayer: Ach, eine wichtige Frage auch, aber Cleveland Little, tolle Wahl, toller Schauspieler. Cleveland Little, ja, mein Brooks hat gesagt, dann will ich aber jetzt einen Jungen haben, den kein Mensch kennt. Super, ganz toll. Und Cleveland Little hatte keinen Comedy-Hintergrund, soweit ich weiß.
Johannes Franke: Aber der hatte diesen Blick. Ja. So dieses, dieses, dieses. Ähm, Shakespearean-Aside, würde ich immer sagen. Ja. Dieses so leichte Durchsprechen der vierten Wand. Ja, genau.
Florian Bayer: Ganz vorsichtig, sachte, mit diesen Augenzwinkern Richtung Publikum. Super, großartig. Ja, toll. Und es gibt viele Szenen, in denen er das macht und er glänzt in diesen Szenen einfach immer. Ja, ganz toll. Ja. Super.
Johannes Franke: Als hätte man immer wieder einen Kommentator, der nicht wirklich was sagt, aber der einfach so, der unsere Gedanken zusammenfasst. Genau, mit einem Blick. What the hell. Richtig.
Florian Bayer: Aber genau, dieser Bart ist unser Protagonist und der wird dann ja Sheriff.
Johannes Franke: Der wird Sheriff. Warum wird er Sheriff? Das Problem ist ein bisschen, ich hab mir den Film angeschaut und war danach nicht wirklich, also ich hab ganz lange gedacht, worum geht's? Was ist hier die Story? Wohin willst du? Oder willst du nur Gags aneinander rein? Darf ich dir mal eine Banausenfrage stellen? Ja, gerne.
Florian Bayer: Hattest du Untertitel an? Nein. Ja, ich hatte nämlich Untertitel an. Nach fünf Minuten gedacht, shit, ich kann mit diesem texanischen Akzent, das ist mir zu hart. Ich verstehe kaum was. Und dann habe ich mir Untertitel angestellt und habe parallel mitgelesen.
Johannes Franke: Ah, dann hast du wahrscheinlich mehr mitbekommen als ich, weil ich dann wahrscheinlich wirklich ein paar Sachen dann hinten runtergefallen sind.
Florian Bayer: Also ich fand, das war, und das ist halt auch typisch Matt Brooks, Matt Brooks spielt mit der Sprache und jedem seiner Figuren gibt er irgendwie einen komischen Akzent. Ja, ja, genau. Und das war teilweise wirklich schwer zu verstehen, dass sie benutzen ja auch viel so Slang-Sprache, das ist ja auch dieses 70er-Jahr. Das ist ja auch so ein 70er-Jahre-Ding, dass dieser Bart sehr viel im 70er-Jahres-Slang redet. Ja. Und dann die Cowboys halt in dieser klassischen, wow, texanischen, wow, wow, wow. Ich habe nichts verstanden teilweise. Ich musste ganz schnell Untertitel anschalten.
Johannes Franke: Es gab aber auch zwei Stellen, eine, an die ich mich jetzt erinnere, aber ich glaube, es gab noch mehr Stellen, wo man es nicht verstehen sollte. Ja, genau. Aber das wurde auch in den Untertiteln dann gewürdigt. Ach so, okay. Unintelligible. Ah, okay, sehr schön. Was auch toll ist, weil Matt Brooks genau sich aufsortiert. Solche Sachen setzt er dann wieder. Und dann hast du diese wundervolle, wir gehen jetzt ein Stück voraus, aber ich muss da jetzt ran, wie sie in der Town Hall oder was auch immer das ist, besprechen wollen, was sie jetzt tun. Und der eine betrunkene, völlig durche Typ kommt da und redet ein, also völliges Gibberish. Man versteht überhaupt nichts.
Florian Bayer: Kompletten Stuss.
Johannes Franke: Und dann steht dann dieser andere Typ auf, dieser sehr... Erstmal so aussieht, als ob er sehr respektabel wäre und sagt, ja, was er sagt. Gut, dass es mal jemand gesagt hat, so in der Art.
Florian Bayer: Er sagt sogar das Wort Gibberish. Wir haben hier Gibberish gehört. Aber dieses Gibberish, das gibt uns jetzt allen Mut und Hoffnung. Hier ist something we all can relate to. Sehr schön. Und Bart wird Sheriff, weil der Gouverneur will einen Sheriff haben, der nicht akzeptiert wird. Ja, genau. Der Gouverneur Lepitomain. Übrigens ein toller Name. Weißt du, worauf er spielt? Lepitomain? Nein. Ach Gott, jetzt gleich nur die Blöße, okay. Nein, nein, alles gut. Der Gouverneur will diese Schienen bauen und die Schienen müssen durch das Dorf, das im Mittelpunkt steht, Rock Ridge. Und dazu müssen natürlich die Einwohner vertrieben werden. Und er will sie vertreiben mit irgendwie, indem er einfach Gangster auf das Dorf loslässt. Gauner, Ganoven. Und die flehen ihn dann natürlich an einen... Die flehen ihn dann natürlich an, einen Sheriff zu schicken, einen neuen. Der sie verteidigt. Der sie verteidigt und er sagt, okay, wer könnte der schlechteste Sheriff sein, den wir schicken können? Genau, Mel Brooks spielt den Gouverneur Lepitomain und Lepitomain war ein Furzkünstler Anfang des 20. Jahrhunderts. Der richtig, richtig, richtig bekannt war mit seinen Furzauftritten und der offensichtlich verschiedene Melodien furzen konnte. What? Und... Und der aufgetreten ist im Moulin Rouge. Oh mein Gott. Und in Frankreich ein großer Star war und viele, viele berühmte Leute, Könige, Adliger, Philosophen, Politiker... Sind gekommen, um ihn furzen zu hören. Sind gekommen, um ihn furzen zu hören. Er hat unter anderem die Masseyes offensichtlich furzen können.
Johannes Franke: Okay, jetzt ist es ein bisschen peinlich, dass du über den Film, den ich vorgeschlagen hast, mehr weißt als ich. Das tut mir schrecklich leid. Okay. Wie gut bist du mit der Szene zurechtgekommen, in der Mel Brooks diesen Gouverneur spielt, mit seiner Sekretärin und diesem ganzen anderen Kram? Das ist schon... Also als Kind bin ich da sehr gut mit klargekommen, glaube ich. Aber jetzt, als ich es geguckt habe, es war doch schmerzhafter als lustig am Ende.
Florian Bayer: Ja, definitiv.
Johannes Franke: Also es ist... Ich weiß nicht, wie es damals wahrgenommen wurde. Man ist ja heute dann empfindsamer, was das betrifft. Gott sei Dank. Aber damals musste man mit dem Holzhammer rangehen, um überhaupt das Thema anschneiden zu können, oder? Ja, das Problem ist...
Florian Bayer: Ja, das Problem in diesen Szenen ist, und das ist ein Problem, was Satire und Parodie grundsätzlich haben, was nicht nur Mel Brooks hat, sondern auch Monty Python. Und was sich bis heute durch die Film- und TV-Geschichte zieht, bis hin zu South Park, dass das Parodieren von Rassismus, Sexismus, Ableismus und so weiter, oft mit... Mit einer Reproduktion... Ja, ja, genau. ...davon einhergeht. Ja. Und natürlich ist es in dem Film auch so, der Rassismus wird parodiert, aber gleichzeitig werden auch ganz klassische rassistische Stereotype dabei reproduziert. Ja. Und es ist schwierig. Also es ist eine Gratwanderung und ich glaube, jeder Satiriker, jede Satirikerin stolpert darüber auch mal. Ja. Und Mel Brooks stolpert in dem Film auch öfter drüber. Ja, er prangert Sexismus an. Patriarchismus. Sexismus, männliche Herrschaftsformen und so weiter. Aber indem er sie in so ein humoristisches, nettes Setting packt, ist er natürlich auch ein bisschen affirmativ dabei. Es ist jetzt nicht so, dass er sagt, guckt euch diesen dreckigen Sexismus an, sondern er sagt eher, hey, guckt euch mal diesen lustigen...
Johannes Franke: Ja, den lustigen Dicken da. ...die Wohlen-Sexismus an. Ja, ja, genau. Und das ist halt ein bisschen das Problem. Und man muss dazu sagen, dass Mel Brooks natürlich sich darauf, also sein Leben lang quasi gestützt... ...gestützt hat auf diese Dinge und das in allen seinen Filmen immer wieder macht. Und ich für ihn akzeptieren kann, dass er dieses Mittel für sich gewählt hat und man kennt ihn auch genug. Also man kennt ihn als Menschen, glaube ich, als öffentlichen Menschen gut genug, um einschätzen zu können, wie viel davon affirmativ ist und wie viel davon tatsächlich... Weißt du, was ich meine?
Florian Bayer: Ich weiß, was du meinst. Das ist aber auch nicht die Frage. Es geht nicht um die Frage, ob Mel Brooks ein Rassist ist. Ich gehe fest davon aus, dass Mel Brooks kein Rassist ist. Es geht nicht darum, ob Mel Brooks ein Sexist ist. Es geht schon auch darum. Die Frage ist einfach auch nicht, Sexisten, nicht Rassisten können rassistisch und sexistisch handeln. Die Frage ist, wie ist diese Szene? Beschreib mal kurz die Szene, vielleicht auch wie du sie wahrgenommen hast, was du problematisch findest.
Johannes Franke: Die Szene handelt im Grunde davon, dass der Gouverneur eben... ... seine Aufgaben erledigen soll und er hat natürlich so eine ganz typische, eine rechte Hand, die eigentlich seine Hand führt, neben sich, der im Grunde alles entscheidet für ihn. Das ist so dieses typische, der König wird von seinem Visier, wie heißt der bei Disney? Der Einflüsterer. Der Einflüsterer, der Typ, der dann sagt, so wird es gemacht.
Florian Bayer: Das ist dieser Hedley Lamar, das ist auch der, der entscheidet, dass der Sheriff in die Stadt soll, ein schwarzer Sheriff, er entscheidet sich bewusst für den schwarzen Sheriff, um zu sagen, hey, der wird das vergeigen und dann können wir die Stadt platt machen.
Johannes Franke: Genau, und das sagt er dem Gouverneur natürlich so nicht, sondern er nimmt einfach Einfluss auf den Gouverneur und sagt ihm, hier, guck mal, du wirst in die Geschichte eingehen als der Gouverneur, der ganz toll und selbst wenn er nach einem Tag erschossen wird, du bist in den Geschichten. Ja, der erste schwarze Sheriff. Der erste schwarze Sheriff. Die Szene ist also so aufgebaut, dass wir den Deppen von Gouverneur haben, der schlechteste aller Menschen, die man sich vorstellt. Wenn man das schlechteste alles in sich vereint, dann hätten wir also die Unfähigkeit, irgendwas zu entscheiden, Unfähigkeit, Dinge zu durchschauen, Unfähigkeit, überhaupt Gesetzesentwürfe sinnvoll zu betrachten und den furchtbaren Sexismus, den er mit sich rumträgt. Die Frau, die er seine Sekretärin nennt, die leicht bekleidet ist und neben ihm sitzt und er eigentlich die ganze Zeit nur auf ihre Brüste starrt und sexuelle Anspielungen macht. Ja. Was, was, natürlich der Szene, man kann sagen, die Szene versucht darauf anfangs zu machen, wie absurd und scheiße das ist, aber es tut so sehr weh.
Florian Bayer: Ja, diese Szene ist natürlich auch fleischbeschauner. Sie haben sie in ein sehr attraktives Outfit gesteckt. Sehr, ja. Sie heben ihre Brüste hervor. Das ist eben diese Gratwanderung. Er macht sich zum einen über diesen Sexismus der Herrscher lustig. Aber zum anderen betreibt er auch eine Form von Sexismus, weil sie ist natürlich in diesem Moment objektifiziert. Genau. Und sie spielt auch so. Und sie spielt auch so. Sie ist ja auch, genau, sie kriegt ja keinen Charakter. Überhaupt nicht. Sie ist einfach nur das Objekt. Genau. Und das ist das Problem in dieser Szene und das ist das Problem dieses Films auch, dass er das natürlich anprangern will, dass er natürlich Rassismus, Sexismus und so weiter anprangert. Ja. Aber er benutzt... Er benutzt dessen Stilmittel auch. Er macht, er betreibt Fleischbeschau. Ja. Er macht Witze auf Kosten von Schwarzen. Ja.
Johannes Franke: Nun, warum ich sage, dass ich glaube, dass es schon wesentlich ist, warum, ob Mel Brooks an sich Rassist ist oder nicht, weil dort natürlich die Wurzel allen liegt, was dann kommt. Wenn er dieses Drehbuch schreibt, mitschreibt, wenn er die Leute vor die Kamera setzt, dann, ne, dann, dann... Wird alles mit einer bestimmten Haltung erzählt. Seiner Haltung. Und für mich macht es den großen Unterschied, ob eine Szene Rassismus befördert oder nicht, dort, wo ich die Haltung sehe. Die Haltung desjenigen, der das inszeniert.
Florian Bayer: Ich glaube, ich habe da eine andere Vorstellung von Kunst. Von Kunstproduktion und Kunstwahrnehmung. Weil ich würde sagen, wenn ein Kunstwerk produziert wird, dann geht immer ein Stück der Haltung des Künstlers oder der Künstler... verloren. Und es entsteht auch eine neue Haltung darin, wie das Kunstwerk rezipiert wird. Das sehen wir ja über die Geschichte hinweg, dass Filme, Bücher heute anders gelesen werden als damals, dass neue Sachen rein interpretiert werden. Es ist nicht nur die Haltung des Schaffenden, die entscheidend ist, sondern auch die Haltung des Rezipienten. Beziehungsweise das, was der Rezipient aus dem Film, aus dem Kunstwerk mitnehmen kann. Und wenn ein Kunstwerk bestimmte Klischees reproduziert... Selbst wenn es sie auch kritisiert, dann ist es trotzdem ein Stück, was weitertransportiert wird. Und wenn das N-Wort benutzt wird in dem Film, dann ist das natürlich eine Reproduktion dieses Wortes. Und das Wort wird in einen Kontext gesetzt, in dem es irgendwie normal ist. Und es trägt dazu bei, dass ein solcher Begriff, der für viele Menschen verletzend ist, normalisiert wird.
Johannes Franke: Also es stimmt. Du hast natürlich vollkommen recht. Sonst würde es ja auch den Satz nicht geben, dieser Film ist schlecht gealtert.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist die Quintessenz im Grunde. Ein Film, der vielleicht damals mit einer für damalige Verhältnisse guten Haltung gemacht wurde, ist vielleicht später dann nicht mehr, naja, so adäquat. Das sehen wir in diesem Film.
Florian Bayer: Aber den Zweifel seiner Produktionszeit kann ich ihm nicht komplett geben, weil Warner Bros. hat damals halt auch gesagt. Das stimmt. Herr Brooks, eigentlich ist das nicht cool. Und die haben es vielleicht auch aus anderen Gründen gesagt. Wahrscheinlich haben die sich nicht groß mit der Theorie des Rassismus beschäftigt. Sondern hatten einfach das Gefühl, dass ein bestimmtes Publikum abgeschreckt ist davon. Aber trotzdem haben sie darauf hingewiesen. Und es war auch damals schon problematisch, der Begriff. Ja.
Johannes Franke: Das heißt, würde dieser Film, also Mel Brooks sagt ja anscheinend, wenn ich das richtig verstanden habe, dieser Film würde nicht funktionieren, wenn man dieses Wort streichen würde. Glauben wir, dass dieser Film funktionieren würde, wenn man dieses Wort streicht?
Florian Bayer: Das ist eine gute Frage. Ich glaube, ja. Es geht nur um ein Wort, was das betrifft. Der Film würde auch ohne das Wort funktionieren. Rassismus kann man auch darstellen, ohne das Wort zu benutzen.
Johannes Franke: Ja, aber der Film will ja nicht nur damit Rassismus darstellen. Der will auch... Hm. Hm. Ich glaube, John Cleese ist immer derjenige, der sagt, dass Humor... Wenn nicht mindestens ein paar Leute offended sind... Ist es irgendwie nicht wirklich gut. Und ich bin immer nicht ganz sicher, wie zeitgemäß diese Definition ist und inwiefern sie stimmt oder nicht stimmt. Weil wir uns da, glaube ich, in einem Bereich bewegen, der zurzeit einfach sehr viel rumprobieren und rausfinden bedeutet. Weil Humor, ich glaube, Humor ist durch diese Political Correctness und so weiter ein kleines bisschen in der Krise. Ob zu Recht oder nicht, ist sozusagen eine andere Frage. Aber es ist gerade in einer Krise, weil sich alle überlegen müssen, was sollten wir sagen und was nicht.
Florian Bayer: Ich bin total bei John Cleese, dass Humor offendet sein sollte. Allerdings, wenn durch den Humor primär die Schwachen, die Unterdrückten und die Ausgegrenzten offendet sind, dann hat der Humor versagt. Weil Humor, der aufregt und der provoziert, sollte vor allem die Mächtigen provozieren und die Starken. Er sollte nicht die Macht zementieren, indem er nochmal auf die draufschlägt, die sowieso unten sind. Ja. Das ist auch das Problem, was ich mit dieser, im aktuellen Diskurs habe, mit diesen Leuten, die sagen, man darf ja nichts mehr sagen und es ist so problematisch geworden. Wir dürfen keine Witze mehr über Minderheiten machen. Ja, aber macht doch mal Witze über die, die in der Mehrheit sind. Macht doch mal Witze, wenn ihr wirklich edgy sein wollt. Dann macht doch Witze über die, die Macht haben. Macht doch Witze über die, die die Mehrheitsgesellschaft bilden. Ja. Ich verstehe nicht, warum das immer, warum die Frage immer gestellt wird. Wie dürfen wir über Minderheiten Witze machen? Wie dürfen wir auf Schwache draufhauen? Wir wollen doch auf die Starken draufhauen. Das ist doch der Sinn von Satire.
Johannes Franke: Na gut, bei Satire bist du natürlich bei einem bestimmten Feld von Humor. Also Satire ist nur ein Teilfeld von Humor. Ja. Und Satire ist nicht das Einzige, was auf Menschen draufhaut im humoristischen Bereich. Ich finde, ich bin völlig bei dir, dass wir immer versuchen sollten, eher gegen die Starken zu hauen, als gegen die Schwachen. Weil wir... Die Schwachen haben genug auszuhalten. Warum dann noch draufhauen? Vollkommen richtig. Natürlich. Klar. Der Grenzbereich besteht vielleicht dort, wo man einen Humor hat, der eben, wie in diesem Film, auf die Schwachen draufhaut, um zu zeigen, dass auf die Schwachen draufgehauen wird.
Florian Bayer: Das ist das, was ich meinte mit Gratwanderung. Da bin ich ganz bei dir. Und es ist einfach eine Gratwanderung. Und es ist immer schwierig, das jemandem vorzuwerfen, der sich darauf begibt. Der versucht, diesen Balance abzuhalten. Und ich sehe total in dem Film, dass seine eigentliche politische Botschaft ist natürlich eine antirassistische.
Johannes Franke: Ja, definitiv. Aber es tut streckenweise sehr weh und befördert tatsächlich, benutzt dieses Wort und benutzt bestimmte andere Klischees, die eigentlich nicht reproduziert werden sollten.
Florian Bayer: Springen wir zurück in die Handlung. Weil antirassistische Botschaft, es geht natürlich darum, dass Bart dann Sheriff wird und er zieht dann in diese Stadt, Rock Ridge. Und wie zu erwarten war, sind erstmal alle total schockiert, dass da ein schwarzer Sheriff kommt. Es gibt da wirklich eine wunderschöne Szene, in der er sich selbst als Geisel nimmt.
Johannes Franke: Das ist so typisch Mel Brooks. Ja. So richtig, was ist das Dümmste, was jetzt passieren kann? Das ist großartig. Und man sieht dieser Entwicklung zu und denkt sich, what? What the fuck ist gerade, was passiert da jetzt gerade? Weil er die Entwicklung auch so langsam macht. Das ist nicht so wie bei Monty Python oft, dass so schnell was Absurdes passiert. Sondern das entwickelt sich ganz langsam, diese Absurdität, dass er sich selbst die Waffe an den Hals hält und sagt, back off, sonst erschieße ich den Schwarzen.
Florian Bayer: Er kommt in dieses Dorf und sie wollen ihn lynchen. Und also sie haben alles schön vorbereitet. Es steht eine Blaskapelle, es gibt ein Podium, dass er eine Rede hätte. Und dann kommt er da rein und alle so, fuck, er ist schwarz. Und dann schlägt. Er schlägt ihm die geballte Aggression entgegen. Und dann, weil es ja nur einen Ausweg ist, nämlich clever, schnappt sich seine Pistole, hält sie sich an die Schläfe und sagt, weg, lasst mich in Ruhe oder ich erschieße diesen Schwarzen. Und er spielt so schön mit diesen Klischees, dass er sowohl das Opfer spielt, als auch den Täter. Es ist wirklich gut.
Johannes Franke: Und dann zerrt er sich selbst ins Sheriff-Häuschen. Ja. Und alle Bewohner des Dorfes stehen da und denken sich, oh nein, oh nein, wir dürfen nichts tun, sonst schießt er. Und dann sperrt er sich da ein in dem Häuschen und sagt einmal zum Publikum, Mann, sind die doof.
Florian Bayer: Ich mag übrigens jedes Mal, wenn der Film die vierte Wand durchbrochen hat. Und das macht er oft. Ganz toll. Vor allem gegen Ende. Aber dazu kommen wir später. Ich habe mich jedes Mal gefreut. Ich liebe einfach den Bruch mit der vierten Wand. Ja. Und dann werden wir mit dem zweiten Helden bekannt gemacht.
Johannes Franke: Ah ja, genau. Dann kommt der zweite Helden. Du bist dann in dieser Zelle, wo der völlig betrogen ist. Und da hängt der dunkle Gene Wilder. Hervorragend, Gene Wilder. Gene Wilder ist halt auch wirklich einfach ein toller Schauspieler. Der war, was der für Klassiker alles bestritten hat. Ja. Ganz toll. Bei Prooks Standardbesetzung, könnte man sagen. Ganz toll, großartig. Und der war aber auch nicht die Erstbesetzung, oder? Wenn ich das richtig erinnere.
Florian Bayer: Ich glaube, gerade für diesen Film hat er mehrere klassische Westernstars angefragt. Und er hat unter anderem John Wayne gefragt. Oh. John Wayne hat wohl sowas gesagt wie, ich fühle mich doch ein bisschen unwohl damit. Ja. John Wayne ist natürlich auch so eine Verkörperung des guten konservativen Amerikas. Ja. Aber er muss wohl zu Matt Prooks gesagt haben, aber wenn dieser Film im Kino läuft, bin ich der Erste, der ihn sich anschaut.
Johannes Franke: Schön. Sehr gut. Ja, das eigene Image schützen, aber eigentlich fand ich das ganz geil. Vielleicht um dann nochmal,
Florian Bayer: ich will es jetzt nicht schon wieder zu sehr in die Rassismus-Ecke ziehen, aber ich fand es ein bisschen schade. Ich habe mich total gefreut, Gene Wilder zu sehen. Gene Wilder ist toll in diesem Film. Ja. Aber es ist natürlich ein bisschen das Problem, dass er Cleven Little ein wenig die Schau stiehlt. Er stiehlt dem Sheriff ein wenig den Glanz. Natürlich, er ist dann auch der Revolverheld. Er ist der Mann, der schnell ziehen kann. Übrigens auch toll umgesetzt.
Johannes Franke: Ganz toll umgesetzt, oder?
Florian Bayer: Er ist mittlerweile Alkoholiker, aber er war mal der schnellste Revolverheld des Wilden Westens. Und das hat er immer noch drauf. Und wie sie es illustrieren, ist großartig. Man sieht ihn nicht einmal eine Waffe ziehen. Er sitzt da mit verschränkten Armen und wartet auf seinen Einsatz. Und dann zack. Man sieht es einfach nicht. Man sieht nur, wie die Waffe zieht. Wie dem entsprechenden Gangster der Hut weggeschossen wird. Oder die Pistole aus der Hand geschossen wird. Und dann sitzt er wieder ganz normal da.
Johannes Franke: Und es ist auch sehr gut geschnitten. Es ist vom Timing her wirklich gut gemacht. Unglaublich gut. Ganz gut gemacht. Und wie er das erste Mal beweist, dass er der schnellste ist. Und zwar dem Sheriff gegenüber. Sie haben Schach gespielt. Was sowieso eine schöne Situation ist. Der Trunkenbold wird aus der Zelle entfernt. Und der schnitt, sie spielen Schach. Okay. Und dann erzählte er ihm, welche Geschichte er hat. Und der andere erzählt ihm, welche Geschichte er hat. Dass sie mit dem Planwagen rumgereist sind und so. Und dann erzählte er ihm, dass er der schnellste Schütze ist. Und beweist ihm das, indem er sich einfach hinstellt und sagt, nimm mal links und rechts von deiner Schachfigur da die Hände. Und auf drei greif zu. Und er steht ganz weit entfernt. Und er steht ganz weit entfernt. Und dann macht er das, greift zu. Und wir sehen, wie er diese Schachfigur, diese Schachfigur tatsächlich, es ist ohne Schnitt. Es ist sehr gut. Er nimmt die Schachfigur. Und als er die Hände öffnet, ist die Schachfigur weg. Was ein kleiner Zaubertrick ist. Was sie sehr gut gemacht haben. Und ich habe mich sehr gefreut darüber. Ich weiß zwar ganz genau, was sie getan haben. Aber es hat mich sehr gefreut, dass sie es so gut umgesetzt haben. Und Gene Wilder bewegt sich halt überhaupt nicht. Genau. So gar nicht.
Florian Bayer: Und es ist schön umgesetzt. Ja, und dann hat er die Figur in der Hand. Ja. Und das ist immer so. In allen Szenen, in denen gezeigt wird, wie schnell er ist, ist eigentlich immer das Prinzip, man sieht ihn, wie er nichts macht, wie er ganz ruhig da steht. Schnitt auf die Person, die ihm was will. Es passiert etwas, Schnitt wieder auf ihn zurück. Er steht wieder ruhig da. Ganz ruhig. Und in der Zwischenzeit hat er die Person irgendwie kalt gemacht. Jedes Mal toll. Ja. Sehr schön. Ja, aber wie gesagt, er nimmt so ein bisschen den Glanz von unserem eigentlichen Protagonisten dadurch. Auch einfach, weil es Gene Wilder ist. Gene Wilder ist natürlich auch eine Präsenz im Film.
Johannes Franke: Aber dann kannst du Gene Wilder in keinen Film mehr packen, ohne sagen zu müssen, dass er den Arm, den Hauptkörper, den Charakter, die Show stiehlt. Das ist wohl wahr. Das geht dann auch nicht. Naja.
Florian Bayer: Aber sie sind dann tatsächlich erfolgreich. Sie freuen sich miteinander an. Und sie verteidigen die Stadt gegen die erste Bedrohung.
Johannes Franke: Ganz kurz zwischen die Rückblende von dem anderen. Da ist Mel Brooks als Ureinwohner, der Jiddisch spricht. Großartig, ja. Ich dachte, what the fuck is happening? Okay, kann man auch mal machen. Definitiv.
Florian Bayer: Und das fand ich wunderschön. Eine tolle Satire auf Rassismus. Weil einfach hier zwei Minderheiten in den USA, die auf unterschiedliche Weise unterdrückt wurden, zusammengebracht werden. Und es funktioniert wunderbar. Und natürlich mit all den Klischees. Er tritt da auf als großer Stammeshäuptling mit schickem Kopfschmuck und sämtlichen Western-Klischees drin. Und dann fängt er an mit seinem Jiddisch. Und es ist eine so schräge Szene.
Johannes Franke: Ja, ganz, ganz schräg. Okay, so. Und dann sind wir schon bei der Lagerfeuer-Szene, glaube ich. Ich glaube, die kommt an der Stelle. Sollen wir dazu noch was sagen? Nein, ich glaube, wir brauchen dazu nichts mehr zu sagen. Sie furzen. Okay. Eine lange Szene tatsächlich. Nicht lang genug.
Florian Bayer: Nicht lang genug. Aber wirklich, er dehnt es wirklich aus. Er lässt sich sehr viel Zeit damit, alle Gangster einmal zu zeigen, wie sie aufstehen, wie sie furzen. Jeder furzt mal. Jeder darf. Oder vielleicht zweimal. Das ist einfach eine einzige große Flatulenz auf ein Wand gebannt. Oh Gott.
Johannes Franke: So, sind wir dann schon bei der ... Oh, erinnert es sich an die alte Dame? Ja, mit dem Kuchen. Ganz am Anfang wird sie verprügelt in irgendeiner Szene. So halbherzig verprügelt, weil alle sich gegenseitig verprügelt. Und dann ist halt die alte Dame, wird auch fröhlich mit verprügelt. Und sie guckt auch irgendwie kurz in die Kamera und sagt irgendwas wie ... Oh, cruel. Ja, genau. So, eigentlich ...
Florian Bayer: Moment. Moment. Ich glaube, das Zitat habe ich sogar aufgeschrieben, weil ich es so witzig finde. Sie wird verprügelt und guckt dann Richtung Publikum und sagt ... Have you seen such a cruelty? Und so richtig so mit Würde.
Johannes Franke: Als wäre sie gerade nicht verprügelt worden, sondern ...
Florian Bayer: Sie erklärt dem Publikum noch mal, was wir empfinden sollen. Genau. Schaut euch an, hier wird eine alte Dame verprügelt. Ich bin übrigens diese alte Dame. Und jetzt weiter im Text.
Johannes Franke: Und später geht der Sheriff auf sie zu. Der neue schwarze Sheriff geht auf sie zu und begrüßt sie. Überschwänglich mit den schönsten Worten, die ihm einfallen. Und ganz höflich. Und sie schleudert ihm im Grunde nur das N-Wort zu und geht weiter grummelnd. Und im Verlauf des Films bringt sie ihm dann einen Kuchen.
Florian Bayer: Ja, weil er den ersten Ganoven, der auf die Stadt losgelassen wird, besiegt. Genau. In einer tollen Looney-Tunes-Szene. Die Musik ist drin, oder? Die Looney-Tunes-Szene. Er macht einfach eine Looney-Tunes-Aktion. Dieser Ober-Ganoven-Mongo, ein extrem dummer, extrem gefährlicher Ganoven, ist in der Stadt, sorgt für Unruhe. Und dann verkleidet sich der Sheriff Bart als Postbote und bringt ihm ein Paket. Und das ist komplett Bugs Bunny. Es ist komplett Bugs Bunny. Also sie haben eigentlich nichts anderes gemacht als im Cartoon. Das ist natürlich eine Bombe, die explodiert. Die ihm dann vor dem Gesicht von Mongo explodiert. Und wir hören die Looney-Tunes-Musik. Genau. Und Sheriff Bart tanzt auch noch. Wie Bugs Bunny im Abgang.
Johannes Franke: Kannst du das einmal summen? Ich kann nicht gut summen. Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum- Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Florian Bayer: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Johannes Franke: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Florian Bayer: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Johannes Franke: Dum-dum-dum-dum
Florian Bayer: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Johannes Franke: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Florian Bayer: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Johannes Franke: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Florian Bayer: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Johannes Franke: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Florian Bayer: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Johannes Franke: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Florian Bayer: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Johannes Franke: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Florian Bayer: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Johannes Franke: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Florian Bayer: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Johannes Franke: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Florian Bayer: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Johannes Franke: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Florian Bayer: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Johannes Franke: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Florian Bayer: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Johannes Franke: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Florian Bayer: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Johannes Franke: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Florian Bayer: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Johannes Franke: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Florian Bayer: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Johannes Franke: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Florian Bayer: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Johannes Franke: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Florian Bayer: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Johannes Franke: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Florian Bayer: Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum Dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum-dum
Johannes Franke: Ja, jetzt hast du die ganze Story schon einmal erzählt. Ich fand es einen sehr guten Film. Ich danke dir sehr für diesen Film. Ich habe ihn auch in einer Stimmung geguckt, wo ich sowieso runterkommen musste so ein bisschen und ein bisschen Ruhe gebraucht habe. Und dann dieses Slow-Pacing, dieses ganz entspannte, und das Drama, das sich damit aufbaut, ohne heulende, schreiende Menschen-Drama, sondern ein Drama, das sich ganz einfach, ganz langsam entfaltet. Das war genau das Richtige für den Moment.
Florian Bayer: Ja. Ja, wirklich gut. Und hat er dich deprimiert zurückgelassen? Positiv gestimmt? Wie war das Gefühl am Ende?
Johannes Franke: Weder noch.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also, und das muss ein Film erst mal schaffen. Weder positiv im Sinne von, oh ja, und jetzt, ne, so, oder negativ. Irgendwie ist es natürlich dramatisch und tragisch. Aber es ist ja auch aufgelöst am Ende. Er verschwindet ja am Ende. Insofern kriegt man ja seinen Frieden mit der Figur dann auch. Ja. Und der Frieden ist dauerhaft. Und sehr zufriedenstellend.
Florian Bayer: Davor gibt es wirklich einige sehr traurige Szenen. Also, eine der bewegendsten Szenen des Films, finde ich, ziemlich am Anfang, kurz nach seinem Tod, sehen wir seine Freundin, wie sie trauert. Und wir sehen das nicht, indem sie heult und zu Tränen aufgelöst ist, sondern sie setzt sich hin, sie kommt nach Hause, setzt sich frustriert hin und isst Kuchen. Und das ist eine sehr lange Szene. Sehr lange. In nur einer Einstellung gedreht, wie sie auf dem Boden sitzt. Ein bisschen schluchzend. Nachher ein bisschen mehr schluchzend. Und diesen Kuchen in sich hinein stopft. Und er steht als Gespenst im Hintergrund, wirklich nur so angedeutet, unscharf. Und bewegt sich nicht. Bewegt sich nicht. Guckt, guckt halt. Und das ist so schrecklich, wie sie es geschafft haben, Trauer da auf die Leinwand zu bringen. Das war eine unglaublich traurige Szene, weil so klar ist, sie frisst einfach, sie versucht irgendwie, den Schmerz wegzufressen. Und das funktioniert natürlich nicht. Und am Ende übergibt sie sich dann auch. Und diese Szene, in der sie da einsam sitzt und isst. Und er kann nichts tun, um ihr irgendwie zu helfen. Das war schon harter Tobak.
Johannes Franke: Vor allem, weil man auch neben dem Gespenst ja nicht ... Die Ausdrucksmöglichkeiten eines Gespenstes in der Form, in der Darstellungsform sind sehr begrenzt. Das heißt, er kann im Grunde nur dastehen. Und du musst den Rest projizieren als Zuschauer. Und das kriegst du aber super hin. Das ist kein Problem. Der Rest der Umgebung, macht das so gut, dass du mit dem Gespenst die ganze Zeit gut mitkommst. Und das ist schön, dass wir die ganze Zeit so Gespenst sagen. Weil Gespenst, und das ist das Krasse an dem Film, dass es nicht eine einzige Szene lang mal lächerlich ist, dass er da nur mit so einem Laken über dem Kopf dasteht. Der steht, es ist halt einfach nur ein Bettlaken, weißt du? Und man denkt sich, what the fuck? Wie schafft er das, dass ich nicht einmal denke,
Florian Bayer: so billig oder so. Das ist das generischste Gespensterkostüm, was man sich vorstellen kann. Und zwar ein naives Gespensterkostüm. Mein Sohn war vor einem Jahr an Halloween so verkleidet. In genau so einem Gespensterkostüm. Es ist ein Laken mit zwei ausgeschnittenen Augen. Und diese Person hat so eine unfassbare Präsenz. Man könnte ja auch meinen, okay, Casey Affleck hat echt ein bisschen die Arschkarte gezogen. Ein toller Schauspieler, ein großartiger Schauspieler. Und er verschwindet natürlich die ganze Zeit in diesem Film unter diesem Gespensterkostüm. Ja. Er kann ja auch nicht viel mit Bewegung machen, das Gespenst. Bewegt sich relativ wenig. Es wandelt immer mal wieder durch das Haus. Es gibt eine größere Spukszene, zu der wir ja gleich noch kommen. Aber es ist nicht so, dass das das große Acting wäre. Aber er ist so präsent die ganze Zeit. Einfach wie er da steht. Wie so ein Monolith mit diesem weißen Laken über dem Kopf.
Johannes Franke: Ich glaube, dass genau das, diese Immobilität durch dieses Kostüm, du kannst damit nicht viel machen. Du würdest ja sofort lächerlich wirken, wenn du anfangen würdest, schnelle Bewegungen, Action-Szenen oder sonst irgendwas versuchst, damit darzustellen. Das funktioniert nicht. Und das bestimmt das Tempo des ganzen Films, in welcher Form sich dieses Gespenst bewegen kann, ohne lächerlich zu wirken. Und das tut ihm so gut. Dieses Monolithische, was du meinst, das hilft dem Film total. Und diese Immobilität, der bewegt sich wahnsinnig langsam.
Florian Bayer: Ja, der Film macht alles, um uns dieses Gefühl der Gefangenheit in der Zeit zu vermitteln. Wir haben, glaube ich, das letzte Mal, ich weiß gar nicht, ob wir im Podcast oder außenrum, über Aspect Ratio gesprochen. Und dieser Film ist konsequent in 4 zu 3 gedreht. Mit abgerundeten Ecken. Wahnsinnig gut.
Johannes Franke: Es hat mich sofort gepackt. Und ich fand sofort ganz toll diese Bilder. Ich habe wahnsinnig lang einfach nur die Bilder bewundert. Und sie haben uns ja genug Gelegenheit gegeben, die Bilder zu bewundern. Weil sie ja wahnsinnig gut sind. Weil sie ja wirklich nicht lange Einstellungen haben, die sich ohne Schnitt und ohne, ich muss jetzt noch in die 2 Gesichter, die sich unterhalten schneiden, sondern wirklich eine sehr sinnvolle und gut ausgewählte, feststehende Totale oder eben halbnahe, je nachdem, die dann so bleibt. Wo dann die Kamera stehen bleibt und die Schauspieler gehen halt dann weiter weg oder kommen näher ran. Die Kamera bewegt sich nicht. Und das macht genau das, was das Gespenst auch macht, eine Ruhe in diesen Film reinzubringen. Die ich sonst nirgendwo sehe in der Filmlandschaft heute.
Florian Bayer: Ja, das sind auch unglaublich spannende Raumarrangements. Ja. Wie das Gespenst platziert wird auf dem Hintergrund, verschwommen, manchmal wirklich. Es gibt Szenen, in denen man ihn zuerst gar nicht wahrnimmt, weil er fast wie so ein Interieur dasteht, irgendwo in der Ecke, während das Leben um ihn herum stattfindet. Und man folgt den Dialogen der anderen Leute, die da neu in das Haus eingezogen sind. Und erst so nach einer Weile auch einfach, weil sich diese Perspektive so viel Zeit lässt, so starr ist, merkt man, oh, da im Hintergrund ist er. Und es gibt vielleicht eine vorsichtige, kleine Bewegung von ihm. Aber meistens ist er einfach nur so der Beisitzende.
Johannes Franke: Ja, ganz toll. Und dann so dieses Typische, diese Drops von flackerndem Licht, wenn er irgendwie emotional wird quasi. Das ist so das, was man von anderen Horrorfilmen quasi kennt. Das ist da sehr gut und sehr sinnvoll und wirklich schön sparsam. Auch eingesetzt. Finde ich ganz toll.
Florian Bayer: Es gibt übrigens eine Szene, die ich ein bisschen albern fand. Das ist so schade, dass die ziemlich am Anfang ist. Der Moment, nachdem er gestorben ist, wenn er zum ersten Mal in diesem Laken aufsteht. Und dann geht er zu einer Wand und wir sehen in dieser Wand, wie sich offensichtlich so ein Tor in eine andere Welt öffnet, mit hellem Licht, das jenseits die Erlösung. Und er verharrt und geht da nicht hinein. Und vom Bild, vom Symbol natürlich toll. Aber ich fand das ein bisschen, kitschig und auch störend in der gesamten Bildsprache des Films. Weil das war so der einzige Moment, wo sie eine so spirituelle Bildsprache gewählt haben. Wo das so sehr klar war, hier haben wir das Jenseits mit Leuchten. Und der restliche Film macht das eigentlich nicht. Und deswegen, also es ist jetzt nicht so, dass mich die Zähne komplett rausreißt. Aber ich finde, das ist eher so ein schwächeres Bild von dem Film. Weil es hätte nicht sein müssen. Ich hätte ihn vielleicht einfach vor der Wand stehen lassen, ohne dass man was sieht. Das hätte mir gereicht. Und vielleicht auch, weil es einfach ein digitaler Effekt ist in diesem Moment. Naja, vielleicht.
Johannes Franke: Aber mich hat es gar nicht gestört. Ganz im Gegenteil. Ich fand das sehr gut und sehr, sehr wichtig. Weil es auch in dieser Ruhe bleibt. Es macht kein To-wa-wo, kein Geh ins Licht, komm, komm zu mir. Was so andere Filme machen. Das ist keine Ghost-Nachricht von Sam. Ja, genau. Und es ist einfach nur, es wird dir angeboten. Du könntest da jetzt rein. Du könntest jetzt hinüber wechseln in die andere, weiß ich nicht, in das Afterlife. Oder du bleibst da. Lass dir überlassen. Mach's. Komm, hier, das gibt es. Und gut, du willst nicht, dann hauen wir wieder ab. Fand ich total okay. Voll gut.
Florian Bayer: Und was denkst du, warum ist er geblieben? War es diese Liebesbeziehung?
Johannes Franke: Ja. Ja, also für mich ist es eine Liebesgeschichte. Ja. Auf jeden Fall. Ähm. Das ist aber eine sehr gute Frage, warum er geblieben ist, weil das dann Film über schwer nachzuvollziehen bleibt, was er denn eigentlich will, weil er nicht viel Action hat. Ja. Er macht ja nicht viel. Er steht ja eigentlich im Grunde die meiste Zeit da und bewegt sich sehr langsam von A nach B, während der Rest drumherum passiert. Und man sich immer wieder fragt, verliert er schon jeglichen Willen oder jegliche Absicht, er hat ja, man einmal steht er ja an dem Fenster und begrüßt das andere Gespenst gegenüber. Das ist eine großartige Szene. Eine ganz tolle Szene, weil einmal kurz angedeutet wird, was so der philosophische Unterbau von Gespenstern ist, dass das Gespenst eben auf etwas wartet. Aber es weiß nicht worauf. Aber schon nicht mehr weiß worauf. Ja. Und das ist so tragisch, weil man weiß, okay, das wird dem anderen vielleicht auch blühen. Noch trauriger, auf irgendwen wartet es. Ja, genau.
Florian Bayer: Und es weiß nicht auf wen. Oh Gott. Oh Gott. Und übrigens das andere Gespenst noch alberner angezogen als unser Protagonist unter einem Laken mit Blümchenmuster, mit ganz subtilem Blümchenmuster, das aber doch ziemlich auffällig ist. Was aber auch wiederum überhaupt nicht gestört hat.
Johannes Franke: Es ist großartig, ganz toll. Es hat sich einfach durchgezogen. Und das ist so eine Idee, das ist ein Mut, den jeder angehende Filmemacher einfach mal haben sollte, zu sagen, ich nehme sowas, was am Anfang vielleicht albern wirkt, wo ich denke, die Idee ist doch, das ist doch zu billig. Und dann aber es zu schaffen, das zu nutzen, die Chance zu nutzen und das entsprechend zu erzählen. Das wäre ganz toll gemacht.
Florian Bayer: Ja. Wir erfahren ja auch tatsächlich ein bisschen mehr über die Beziehung zwischen ihm und seiner Freundin. Und er ist Musiker. Und er spielt ja auch seine Musik vor. Es gibt auch einen schönen Schnitt von ihr, wie sie nach seinem Tod die Musik hört, die er geschrieben hat. Und dann wird zurückgeschaut, zurückgeblendet in die Vergangenheit, zu dem Moment, wo er ihr das zum ersten Mal vorspielt. Also es wird eine sehr starke Nähe zwischen den beiden entwickelt, obwohl wir wenige Szenen sehen, in denen sie miteinander agieren.
Johannes Franke: Wir sehen sie ja von Anfang an zusammen. Und das ist sehr geschickt gemacht, weil die erste Szene, die wir mit den beiden sehen, wenn ich mich richtig erinnere, ist, dass sie in den Armen liegen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und einfach extrem lang einfach nur in den Armen liegen. Mal so ein Kuss, mal so ein bisschen mehr, ein bisschen weniger.
Florian Bayer: Sie reden fast nichts. Sie reden fast nichts. Es gibt kaum Dialoge zwischen den beiden. Es wird gegen Ende noch mal ein bisschen aufgebrochen, als erklärt wird, was es mit ihm und ihr und dem Haus auf sich hat. Weil offensichtlich war es so, dass er das Haus sehr mochte, als sie angezogen sind. Und er wollte da bleiben. Und sie will umziehen. Sie will in die Stadt ziehen. Sie fühlt sich unwohl und einsam. Es gibt auch eine Streitszene, die gezeigt wird. Und das Tragische ist, er beschließt schließlich auch mit ihr umzuziehen. Und in dem Streit wird so ein bisschen angedeutet, dass er sich auch genötigt fühlt, umzuziehen. Dass er nicht so zufrieden ist mit dieser Entscheidung. Ja. Und sie sind schon dabei, die Sachen zu packen, als dann dieser Unfall passiert und als er stirbt. Und sie bleibt dann ja noch eine Zeit lang in dem Haus. Sie zieht dann doch nicht um. Ich glaube, das spielt auch eine ganz wesentliche Rolle, bei seiner Entscheidung zu bleiben. Es gibt dieses Bild von zu Hause, das er hat, das ihn durch diesen Film trägt. Auch nachdem sie dann ausgezogen ist, und neue Leute einziehen, gibt es die einzige Szene, die so am ehesten in eine Horrorfilmrichtung geht, in der er spukt. Ja, genau. Und in der auch eigentlich mit diesen klassischen Horror-Tropes gespielt wird, weil man hört die laute, kreischende Musik. Man sieht, wie die Familie auf seinen Spuk reagiert. Er macht nicht viel. Er wirft mit Sachen um sich. Er räumt die Schränke aus und er macht Lärm. Das ist schon ein bisschen was.
Johannes Franke: Ja, er vertreibt sie auch. Er ist erfolgreich damit. Genau, er wird zum Poltergeist quasi.
Florian Bayer: Ja, genau. Er wird zum Poltergeist. So kann man es sagen. Genau das. Und das ist natürlich ein Moment, wo er auch sein Haus verteidigt. Und es scheint mir die ganze Zeit, dass dieses Haus für ihn dann auch mit einer Bedeutung aufgeladen wird. Dass das sein Haus ist, dass das ihm gehört. Und dass er dann, auch obwohl sie umgezogen ist, erfolgt ihr nämlich nicht. Das ist ganz spannend. Sie zieht aus. Sie fängt ihr neues Leben an. Übrigens eine tolle Szene, wenn sie im Auto sitzt dann und Musik hört und Richtung Freiheit fährt. Also es gab, es war dieser Moment, wo ich komplett auf ihrer Seite war und mit ihr mitgefiebert habe. Und man merkt einfach, sie hat es geschafft loszulassen. Und sie kann jetzt ein neues Leben beginnen. Aber er bleibt zurück in diesem Haus, das dann von neuen Menschen bevölkert wird.
Johannes Franke: Ja, und das finde ich auch toll, eine Stärke von dem Film, dass man nicht anfängt, dann eine Geschichte zu erzählen, wie der Geist versucht, um diese Liebe zu kämpfen oder solche Sachen. Die Richtung hätte es ja auch gehen können dann. Aber nein, es ist wirklich einfach eine Ghost Story von jemandem, der dann an das Haus gebunden ist. Und der dann einfach die ganze Tragik seiner Liebe und seines ganzen Afterlife, der dann kommt. Er hängt da halt dran. Und er hängt natürlich auch an ihr, aber eben nicht so, dass er ihr hinterherreißt.
Florian Bayer: Ja, was sehr traurig ist, weil ich glaube, dass die Suche nach dem Zuhause, das Gefühl, das Zuhause gefunden zu haben, dass das eine ganz wesentliche Rolle spielt dabei, wie sich der Film dann auch nach weiter hinten entwickelt. Es gibt dann dieses Bild von dem Kratzen am Türrahmen, und seine Freundin hinterlässt offensichtlich irgendeine kleine Notiz für ihn. Nicht für ihn, sie hinterlässt eine Notiz. Ich habe lange gegoogelt noch mal, ob es da was für Traditionen es da gibt. Ich kannte das tatsächlich nicht so als Tradition.
Johannes Franke: Nee, auch nicht. Aber sie scheint jedes Mal, wenn sie umziehen, eine Nachricht im Haus, dass sie verlassen, zu hinterlassen.
Florian Bayer: Und es ist ja auch eine schöne Tradition. Sie macht einen kleinen Zettel hinter den Türrahmen, und der ist dann eingeschlossen, er will an diesen Zettel ran. Und es gibt immer wieder zwischen den einzelnen Segmenten, gibt es Szenen, in denen der Geist an dem Türrahmen kratzt, verzweifelt, um an diesen Zettel zu kommen, um zu sehen, was sie auf diesen Zettel geschrieben hat.
Johannes Franke: Und in seiner Langsamkeit vergeht so viel Zeit und so viel Zeug drumrum, dass er es nicht schafft, diesen Zettel da rechtzeitig rauszuholen. Und dann kommt der Bulldozer.
Florian Bayer: Ja, kurz vor dem Bulldozer, eine ganz zentrale Szene im Film. Nachdem er die Familie vertrieben hat mit seinem Poltergeist-Gruselspuk, zieht offensichtlich eine Studenten-WG, das ist nicht so ganz klar, aber es gibt eine Party. Der Film vergeht, das muss dazu gesagt werden, der Film vergeht sehr im Zeitraffer. Also wir sehen die Familie, und dann ist sie weg, dann ist er wieder kurz leer, und dann ist er plötzlich in diesem Partyraum, wo alle feiern, und er lauscht einem angehenden Philosophen, schon etwas älteren Philosophen, übrigens gespielt von Billy Prin... Von Bonnie Prince Billy. Will Oldham, ein hervorragender Songwriter. Ach so. Dessen Musik dir gefallen würde, weil du magst die Mountain Goats, das weißt du. Ja, ja, sehr. Und der geht oft in eine ähnliche Richtung. Der macht schon seit ewigen Zeiten Musik, also seit den frühen 90ern.
Johannes Franke: Der hat eben diese ganz großartig, sehr lange, diesen Monolog. Genau. Wo er rumphilosophiert und so ganz die schweren Themen quasi irgendwie behandelt. Ja. Und das ist... Das ist für sich ein Monolith quasi, dieser Monolog.
Florian Bayer: Ein deprimierender Monolog. Es geht um die Vergänglichkeit von allen Seins. Und er erzählt, naja, und irgendjemand schafft eine großartige Symphonie, zum Beispiel die 9. Symphonie, und dann hören wir die, und das ist ganz super, weil Beethoven hat es geschafft, sein Erbe weiterzutragen, das, was wir alle wollen. Wir wollen auf irgendeine Art unsterblich werden. Und stell dir mal vor, da gibt es irgendwann Krieg, und die Welt ist komplett vernichtet, und dann haben wir eine postapokalyptische Landschaft, und Menschen leben in Höhlen, aber einer summt dieses Lied. Und die Menschheit erinnert sich wieder an die Kultur. Ganz toll, ganz großartig. Aber das hat alles keine Bedeutung, weil irgendwann wird die Sonne sterben. Und irgendwann wird die Erde sterben. Und selbst wenn es die Menschen schaffen, bevor die Erde stirbt, ins Weltall rauszufliegen, irgendwann wird das Weltall, das sich immer weiter expandiert, wieder zusammenziehen und wird zu einem einzigen kleinen Punkt zusammenschrumpfen. Und dann ist nichts davon da. Es ist ganz klar, alles ist verdammt zu sterben. Egal, wie lange wir leben. Egal, was wir für Technik erfinden. Wir können nicht der Tatsache entgehen, dass das Universum irgendwann wieder in sich zusammenfallen wird.
Johannes Franke: Ich finde, er hangelt sich von einem deprimierenden Moment zum anderen, hat aber auch trotzdem immer wieder Ausreißer nach oben. Also eine positive Ausreißer. Und das Schöne ist, wir sehen nicht die ganze Zeit den Geist, der sich das anhört. Aber wir wissen, die ganze Zeit im Hintergrund steht der. Der ist da und muss sich das anhören. Ja, diese Ausführung über die Vergänglichkeit allen. Und der ist nun wirklich in einer besonderen Situation, was das betrifft. Und ja, dann flackert das Licht und die Szene wird gewechselt. Genau.
Florian Bayer: Und dann kommen die Bulldozer, wie du schon gesagt hast. Das Haus wird eingerissen. Und er ist trotzdem noch verdammt an diesem Ort zu sein. Sein Geisterfreund oder seine Geisterfreundin vom Haus gegenüber wird erlöst.
Johannes Franke: Aber wie? Das habe ich nicht ganz verstanden.
Florian Bayer: I don't think they are coming.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Aber wie kommt dieser Geist jetzt auf diese Conclusion? Das hätte ja auch vorher schon passieren können.
Florian Bayer: Wahrscheinlich, weil das Haus eingerissen wurde. Ja. Wahrscheinlich, weil er diesen... Ich stelle mir vor, dass dieser Geist, wie er an diesem Ort gefesselt war, weil er Hoffnung hatte, dass jemand zurückkommt, der vor langer Zeit ausgezogen ist. Ja. Und dass das Haus eingerissen wurde, bedeutet für ihn, okay, jetzt ist es wirklich vorbei. Ja. Ich gebe auf. Und eine schöne Aufgabe. Es ist ein Moment, der... ...eigentlich nichts Deprimierendes hat. Das ist dann wirklich einfach so, die Kontur, die Körperkontur unter dem Laken verschwindet und das Laken fällt einfach zu Boden. Und wir haben irgendwie so ein Gefühl von Erlösung, dass dieser Geist geschafft hat. Ja. Während unser Protagonist gezwungen ist, da zu verharren. Zuerst auf einer Baustelle.
Johannes Franke: Ja, jetzt kommt der ganz große, ganz große Bogen. Dann wird gebaut. Dann findet er sich irgendwann, in einer futuristischen Welt wieder, wo eigentlich nur noch Hochhäuser da sind und schaut in diese Lichter der Groß-Groß-Groß-Groß-Stadt und stürzt sich vom Hochhaus dort. Was ihm nicht viel nützt. Ganz im Gegenteil. Er kommt in der Vergangenheit an, wo gerade jemand genau eben jenes Haus, wo sie später drin wohnten, plant und vorbereitet zu bauen.
Florian Bayer: Was passiert da? Warum macht das der Film? Es sind noch 18 Minuten. Ich habe extra noch mal drauf geguckt. Es ist ein Fünftel des Films, ist diese Zeitreise. Also eigentlich ist das ja ein Ende. Er springt von dem Hochhaus. Man könnte sagen, das ist jetzt vorbei. Und dann landet er offensichtlich im 18. Jahrhundert, vielleicht auch im 19. Jahrhundert, auf jeden Fall in so einer Siedlerzeit und beobachtet, wie diese Siedler ankommen und das Haus bauen wollen. Warum macht der Film das? Also warum lässt er ihn durch die Zeit reisen?
Johannes Franke: Naja, das hat natürlich sehr praktische Erwägungen. Du willst ja den Kreis, dieses Geistes haben. Du willst ja am Ende ihn wieder dort ankommen lassen, wo er, also würde ich als Filmemacher genauso wollen, dass ich sage, ich lasse ihn loslaufen und er muss am Ende wieder dort ankommen, wo er gestartet ist. Weil das diesen ewigen Kreis und das Thema, will das einfach irgendwie vom Gefühl her. Du willst ihm auch die Möglichkeit geben der Erlösung und das kannst du vor allem erzählen, indem der Geist sein eigenes Leben nochmal angucken kann. Dann musst du natürlich irgendwie in die Vergangenheit kommen. Und es ist vielleicht ein bisschen billig oder ich habe nur nicht verstanden, wie, welchen Hintergrund er mir damit erzählen möchte. Aber einfach vom Horrors zu springen und in die Vergangenheit zu landen ist natürlich, ja, giving fact quasi. Du sagst dann, okay, so ist das jetzt.
Florian Bayer: Ja, ich fand, also ich weiß keine Antwort. Ich weiß nicht, was der Regisseur, um zumindest einmal kurz seinen Namen zu sagen, hat gesagt. David Lowery, was er damit intendiert hat. Ich hatte das Gefühl, und das ist nochmal diese Verbindung zu dem Haus, er hat für sich ein Zuhause gefunden und er wollte die anderen Besucher vertreiben, die anderen Leute, die da eingezogen sind. Das ist mein Haus. Hier lebe ich, hier habe ich mit meiner Freundin gelebt. Und dieser Moment ist quasi die Vorbereitung seiner Erlösung, weil er auch lernt, dass es nicht sein Haus ist, sondern dass er Teil der Geschichte dieses Hauses ist. Und dieses Haus ist viel älter als er. Dieses Haus hat viel mehr mitgemacht als er. Er sieht dann diese Siedler, er sieht, wie die Siedler sterben, die versuchen, das Haus zu bauen. Ja. Und das Haus bekommt in diesem Moment eine Größe und eine Stärke. Es wird einfach gesagt, du bist wirklich nur ein ganz kleiner Teil dieser Geschichte. Dieses Haus existiert schon seit 200, 300 Jahren.
Johannes Franke: Das sagt er ja auch als lebende Version seiner selbst später im Film, weil sie ihn fragt, warum, was hängt für dich an diesem Haus? Warum willst du nicht ausziehen? Und er meint, das Haus hat Geschichte. Und das ist ein ganz toller Satz und ein ganz toller Grund, finde ich auch. Auch dieses Bild des Pianos, das irgendwie schon immer da war. Es wird nicht erzählt, wie es reingekommen ist. Es ist halt einfach da.
Florian Bayer: Er freut sich darüber. Es ist für ihn, glaube ich, mit der Hauptgrund, warum er in dieses Haus ziehen will. Sie werden von der Frau durch das Haus geführt, als sie ihnen das Haus verkaufen will und sie erzählt und will von den Räumen erzählen. Und er setzt sich hin, fängt an, ein Klavier zu spielen. Und sie will ihm was sagen. Und er sagt so, ich kann sie nicht verstehen. Ja, weil sie die ganze Zeit auf dem Klavier spielen.
Johannes Franke: Das ist toll. Sie hätten vielleicht auch noch, also so ein paar Sachen kann man dann weglassen oder reinnehmen. Aber sie hätten schon noch erzählen können, wo das Klavier dann herkam. Ja, das haben sie komplett weggelassen.
Florian Bayer: Nach den Siedlern kommt direkt die Szene, in denen er sich selbst und seine Freundin beobachtet, wie sie das Haus besuchen.
Johannes Franke: Überhaupt, der Film lebt ja auch von seiner Lücke. Ja. Zum Beispiel, dass die Siedler umgebracht werden von, du hast im Grunde eine Szene, in der die Siedler sehr friedlich da sitzen. Der Geist guckt alle an. Wir haben ganz lange Einschaltungen auf den Geist und wir wissen, im Hintergrund passieren diese Siedler-Geschichten. Und plötzlich hörst du im Hintergrund so Ureinwohner, die angeritten kommen. Pferdehufe. Pferdehufe und ein bisschen Gejohle. Ja. Cut. Die Siedler sind tot. Ja. Du hast die Lücke. Du siehst nicht was, aber du brauchst auch nicht. Du brauchst ein ganz friedliches Bild.
Florian Bayer: Sie liegen da. Also sie sind, sie wurden ermordet. Man sieht Blut. Man sieht die Verletzungen von ihnen und aber es ist ein ganz friedliches Bild, wie sie da liegen. Total, ja. Und vielleicht zeigt das auch, ich meine, sie sind natürlich auch die Eindringlinge in dieser Welt.
Johannes Franke: Ja, richtig. Und das macht der Film ganz oft. So eine Lücke einfach überbrücken und man weiß einfach, okay, das ist jetzt, du hast einen Zeitsprung und das ist nicht wichtig, was dazwischen passiert ist, sondern du hangelst dich so. Auch das finde ich illustriert auch diese Art und Weise, was man glaubt, wie ein Geist der Jahrhunderte, es ist ja wirklich lange, dass dieser Geist dann da in der Gegend rum wartet, wie man als Geist Zeit wahrnimmt. Weil du hast so Highlights, aber irgendwie viel, was einfach verloren geht, wo du einfach nicht, was war das jetzt, das war mal ein Jahrhundert, da ist nicht viel. Ja, es fließt
Florian Bayer: irgendwie, es fließt mal zäh und träge und es verschwimmt,
Johannes Franke: auch alles. Genau. Also es hat mir sozusagen diese Erzählweise hat mir die Art und Weise des Erlebens des Geistes gut rübergebracht. Finde ich ein gutes Mittel.
Florian Bayer: Ich will nicht zu sehr mit Philosophie protzen. Machen wir. Zwei philosophische Einwürfe hätte ich. Es gibt diese Szene, in der sie einen neuen Freund hat und in der er zum ersten Mal ein bisschen interagiert, indem er ein bisschen rüttelt und spukt. Es passiert aber nicht viel, es fallen er rempelt gegen das Bücherregal und es fallen Bücher runter. Und eines davon ist eine Geschichte, die ich nochmal lesen muss, um mir dazu sagen zu können, von Virginia Woolf, A Haunted House, eine Geistergeschichte. Und das zweite ist ein Buch von Friedrich Nietzsche. Und tatsächlich hat mich das auch ein bisschen, was in dem Film erzählt wird, an Nietzsche erinnert. Und zwar an dieses Konzept der Wiederkehr. Der ewigen Wiederkehr von Nietzsche. Um einmal zu zitieren Nietzsches Vorstellung von einem Zirkelauf, von der Auflösung des einfachen, kohärenten Zeitstrahls. Dieses Leben, wie du es jetzt lebst und gelebt hast, wirst du noch einmal und noch unzählige Male leben müssen. Und es wird nichts Neues daran sein, sondern jeder Schmerz und jede Lust und jeder Gedanke und Seufzer und alles unsäglich Kleine und Große deines Lebens muss dir wiederkommen. Und alles in derselben Reihe und Folge. Daran habe ich mich ein bisschen erinnert gefühlt. Und vor allem auch, weil eben dieser Name Nietzsche einmal so prominent aufploppt. Gott sei Dank verzichtet der Film sonst auf jegliche philosophische Referenzen und lässt einfach die Bilder für sich sprechen. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass bei der Erstellung des Drehbuches, dass da dieser Gedanke von Nietzsche, dass sich die Zeit in einem Fluss befindet und auch immer wieder in einer Wiederholung. Und das ist auch eigentlich ein sehr deprimierender Gedanke, dass es eigentlich keine Erlösung gibt, weil immer sich alles in Zirkeln bewegt, dass der dabei pathisch stand.
Johannes Franke: Jetzt protzt du aber auch mit der Philosophie, muss ich mal sagen. Ja, das tut mir schrecklich leid.
Florian Bayer: Ich habe noch was viel Schlimmeres, weil das ist wirklich so dem Film komplett drauf gedrückt. Es gibt einen Filmtheoretiker, Gilles Deleuze. Jetzt muss ich einmal kurz googeln, welche Zeit ich glaube, wir reden hier so von den 70er-Jahren ungefähr. Der hat ein filmtheoretisches Buch geschrieben, und zwar über das Bewegungsbild. Und der hat Unterschieden zwischen Bewegungsbild und Zeitbild. Kino 1 und Kino 2 heißen die Werke. So ganz monumental. Ich erkläre jetzt, wie Film funktioniert. Und er hat versucht, in die Filmgeschichte eine Theorie der Zeit reinzuweben. Und er hat dabei sehr viel drauf gedrückt. Er hat versucht zu sagen, so waren die traditionellen Filme, und so haben sich die Filme entwickelt. Und zwar gibt es das Bewegungsbild. Das ist, wie ganz klassische Filme erzählt wurden, von A nach B. Und dann gibt es das Zeitbild. Und das ist eine neue Art, filmisch zu erzählen. Und die erzählt nicht mehr chronologisch, sondern die erzählt Geschehen als Panorama. Und er hat das vor allem in der französischen Nouvelle Vague verwirklicht gesehen. So im Arthouse-Kino der 50er-Jahre. Was, glaube ich, Bullshit ist, weil die auch ganz viel chronologisch erzählt haben. viele Regisseure und Autoren und Regisseurinnen und Autorinnen unserer Zeit haben sich von Gilles Deleuze beeinflusst gefühlt. Der prominenteste ist meiner Meinung nach wahrscheinlich Terrence Malick. Ja, Terrence Malick, natürlich. Und zwar, dass sie... Ich muss dir mal einen Terrence Malick-Film zeigen. Das ist so ein bisschen wie Ghost Story, nur viel überbordernder und überambitionierter. Und prätentiöser. Und prätentiöser, viel prätentiöser, genau. Aber auf jeden Fall ist das, was das Zeitbild im Film auszeichnet für Gilles Deleuze, dass es ein instabiles Ensemble von freischwebenden Erinnerungen, ich zitiere jetzt, das denke ich mir nicht aus, und Bildern einer Vergangenheit im Allgemeinen erzählt, die in schwindelerregendem Tempo vorbeiziehen. Als ob die Zeit eine tiefgründige Freiheit gewinnen würde. Oh. Und ich glaube auch zumindest vom Stil her, dass sich Ghost Story daran orientiert. Also wirklich an dem Gedanken, Zeit anders zu erzählen. Zeit nicht als klare chronologische Abfolge zu erzählen, sondern irgendwie als Panorama, in dem Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft so ineinanderfliegen. Und spätestens an dem Punkt, an dem der Geist sich dann selbst beobachtet. Weil dahin geht natürlich die Reise.
Johannes Franke: Ja. Aber das ist nun wirklich nicht der erste Film, der sowas macht. Nein, überhaupt nicht.
Florian Bayer: Auf keinen Fall. Auf keinen Fall. Es gibt ganz viele Regisseure, die das gemacht haben. Und auch viele, die ganz, ganz klar von Gilles Deleuze beeinflusst waren und ihn auch zu ihren Einflüssen genannt haben.
Johannes Franke: Naja. Also ich bin ja großer Fan von diesem Zeitgespiele, was Film machen kann. Also von Zurück in die Zukunft bis eben alles mögliche, was irgendwie dieses Zeitkonzept aufbricht, das wir erleben. Also unser Erleben von Zeit ist ja auch schon rein wissenschaftlich äh, nicht das, wie Zeit funktioniert eigentlich. Und das finde ich sehr spannend. Ja. Das ist ein unglaublich spannender
Florian Bayer: Gedanke. Und Filme haben ja wirklich die Möglichkeit, auch damit zu brechen, weil sie uns mit anderen Zeitkonzepten konfrontieren können. Ja. Ganz toll. Oh, Zeitfilme.
Johannes Franke: Ja. Und auch deswegen fand ich den Film eben auch wirklich toll, weil ich, weil dieser Kreis, dieser Kreis war wirklich ganz toll erzählt und schön langsam erzählt und genau so erzählt, wie es, glaube ich, dieser Kreis brauchte. Ja. Und dass er das am Ende, dann geschafft hat, diese Nachricht da aus diesem, können wir schon ans Ende ran? Wir können ans Ende ran, ja. Er schafft es dann, diese Nachricht, genau. Er schafft es dann, diese Nachricht aus diesem Türrahmen rauszuholen, weil er dann irgendwie keine Zeit mehr verlieren will am Anfang. Wir sehen ja, wie er dann sich selbst beobachtet, wie er sieht, wie die Frau das Haus verlässt. Und er denkt sich, okay, jetzt trauere ich nicht nochmal der Frau nach und gucke nochmal, wie sie wegfährt, sondern ich gehe gleich zu dem Türrahmen kümmere mich darum, diesen Zettel daraus zu holen. Und kriegt es hin. Ja. Hat den Zettel in der Hand. Wir sehen nicht, was draufsteht. Natürlich sehen wir es nicht. Und er löst sich auf. Ja.
Florian Bayer: Das ist doch ein sehr befriedigendes Ende, oder? Sehr optimistisch, ja. Er findet diese Erlösung, nach der er gesucht hat. Und es ist natürlich, es ist die einzige logische Entscheidung, nicht zu zeigen, was auf diesem Zettel steht, weil es nicht wichtig ist. Ja.
Johannes Franke: Obwohl ich da, ich bin an einen Bildschirm rangekrochen, um zu, um lesen zu können, falls sie es zeigen, was draufsteht. Aber dann haben sie es nicht gezeigt und ich habe umsonst da
Florian Bayer: gesessen. Es ist wie diese Szene bei Lost in Translation, wo am Schluss Bill Murray und Scarlett Johansson sich noch einmal umarmen und Bill Murray flüstert ihr was zu und wir hören auch nicht, was da passiert. Und es ist auch so, einfach ein intimer Moment für diese Person im Film. Und die Zuschauer sollen damit, die Zuschauer müssen das nicht wissen. Ja, genau. Es gehört dieser Person in dem Moment. Und es ist total okay, wenn wir auch ausgeschlossen werden. Von diesem intimen Moment. Das finde ich ganz toll, wenn
Johannes Franke: Filme sowas machen. Ja. Wirklich einen Moment zu haben, wo man als Zuschauer das Gefühl hat, da passiert gerade was. Da passiert was Wichtiges für die Figuren. Aber es ist nicht wichtig für mich als Zuschauer, um die Story an sich zu verstehen. Das gibt den Figuren, finde ich, eine Tiefe, die du nicht erhältst, wenn du dem Zuschauer alles präsentierst. Ja. Ich finde das toll.
Florian Bayer: Kommen wir kurz zu den nackten Zahlen. 100.000 Dollar hat der Film gekostet. Ich will so einen Film drehen. Ja, ne? Ich dachte auch so, wow. 100.000 Dollar hat er gekostet, 1,9 Millionen im Boxoffice eingespült. Also immerhin das 20-fache von seinen Kosten. Wow. Und er wurde offensichtlich auch so ein bisschen mit, es war ein bisschen Guerillatree, wenn ich das richtig verstanden habe. Die haben, das Haus sollte abgerissen werden, das wussten die. Ja. Irgendwelche Kontakte gehabt und dann gesagt, ey, lasst uns da drehen, bevor das abgerissen wird. Und dann haben die in diesem alten, verlassenen Haus gedreht, ohne Drehgenehmigung. Und ich kann mir vorstellen, dass diese 10, wenn er durch das Bürogebäude wandelt oder über die Baustelle. Ja.
Johannes Franke: Dass das auch eher so Guerillia ist. Dass sie sich da eingeschlichen haben.
Florian Bayer: Es gibt eine tolle Szene, wo er auf diesem, auf der Baustelle steht, also es ist schon relativ weit, ist irgendwie so im 10. Stock und guckt dann raus und dann fährt die Kamera langsam raus und man sieht diese große Baustelle. Ich wette mit dir, dass sie das auch
Johannes Franke: nach Guerillia Prinzip gelegt haben. Die haben das ja nicht extra aufgebaut. Das ist ja, weil mit 100.000 Dollar kriegst du das nicht hin. Das heißt, du musst ja wirklich irgendwie es geschafft haben, jemanden davon zu überzeugen, entweder dich mal so hinten reinzuschleichen, oder irgendwie einen Freund, weil für 100.000 Dollar, da geht ja für so eine Location allein schon viel Geld
Florian Bayer: drauf. Ja. Und trotzdem prominent besetzt, ne? Also sie haben Casey Affleck als Hauptdarsteller, auch wenn er viel unter dem Kostüm verschwindet. Ja. Wahrscheinlich haben sie den gewonnen, weil der natürlich auch so durch diese ganze Verbindung mit Matt Damon und seinem Bruder. Ja. So diese Verbindung zum Indie-Film hat. Die haben ja auch zwischendurch immer mal wieder so Indie-Projekte. gemacht und unterstützt. Also ich glaube, das ist einfach so diese Clique, die auch die bei sowas mitmacht.
Johannes Franke: Ich habe gelesen, dass die extra keine Infos darüber vorher gegeben haben, weil sie nicht wussten, ob es überhaupt funktioniert, dieses Konzept. Weil es so experimentell für die war und die einfach aufgeregt, weißt du, ich stelle mir das so schön vor und sitze dann irgendwie als so fünf Leute um einen Tisch und sage Psst, wir machen da jetzt was und wir wissen überhaupt nicht, ob das funktioniert. Wir probieren es einfach mal. Und auch die Idee zu sagen und das habe ich auch gelesen, dass sie sich wirklich zusammengesetzt haben und gesagt haben, ganz am Anfang gesagt haben, wir wollen einen Film machen, wo jemand einfach wirklich mit einem ganz billigen Laken auf dem Kopf Wie du schon gesagt hast, so eine alberne
Florian Bayer: Prämisse. Alberne Prämisse, aber dann richtig zu machen. Genau. Machen wir was Ernstes. Und Rooney Mara muss auch nochmal erwähnt werden, spielt fantastisch in diesem Film und ist sowieso eine großartige Schauspielerin. Die Freundin. Genau, die Freundin. Ja, ja, ja, wirklich ganz toll. Also gerade die Trauer zu spielen ist unglaublich schwer. Trauer glaubwürdig zu spielen, ohne dass man, das ist zur Pessiflage wert unfreiwillig und das ist ihr total gelungen. Ganz toll, ja. Und dann Will Oldham halt. Bonnie Prince Billy. Also den noch so einen wirklich gestandenen Singer-Songwriter zu gewinnen für diese eine kurze Sequenz, in der er das Universum philosophiert. Ja. Und so ein bisschen abgefuckt, ein bisschen philosophisch. Das hat auch sehr gut funktioniert. Ja.
Johannes Franke: Ja, es wird sowieso ganz, ganz wenig geredet in dem Film, was ja natürlich auch ganz toll ist in dem Kontext. Und die Familie, die da einzieht, die nur noch Spanisch spricht und auch das überhaupt nicht übersetzt wird, sondern einfach, die sprechen halt Spanisch und wer es versteht, versteht es und wer nicht, der nicht. Das ist nicht wichtig, was sie genau sagen. Und das ist toll, weil es einfach nur, der ganze Film macht ein Gefühl auf und keinen intellektuellen Überbau, also obwohl du darüber intellektuell philosophieren kannst, aber es ist kein, der geht primär über das Gefühl, das finde ich toll.
Florian Bayer: Auch so über das alltägliche Gefühl, ne? Also keine großen Gefühle, sondern eher so die großen Gefühle, die sich dann in diesem kleinen Alltäglichen verbergen.
Johannes Franke: Das ist sehr, sehr gutes Storytelling, wenn man das schafft. Ja. Und er wurde auch sehr positiv aufgenommen. Ich hatte das Gefühl, dass das ein Special-Interest-Film ist irgendwie. Definitiv. Aber trotzdem hat er wohl sehr viel einfach, sehr viel Publikum bekommen. Sonst hätte er das Geld auch nicht eingespielt. Ja. Also er hat ja wie viel, was hat er gesagt? 1,9 Millionen. Also ich meine, muss man auch erstmal schaffen. Muss man auch erstmal schaffen, ja.
Florian Bayer: Wahrscheinlich, also ich kann mir vorstellen, er hat schon, er hat, er hat natürlich schon so eine gewisse Catchiness einfach durch dieses Bild von dem Gespenst. Die Trailer sind auch toll, wenn man den Trailer sieht, dann weiß man schon, der Trailer ist nicht missledigend. Also man weiß, was auf einen zukommt, wenn man den Trailer sieht. Der Trailer fasst, fängt sehr gut ein, was in dem Film geschieht. Okay. Aber die Bilder sind natürlich, die haben irgendwie sowas, was neugierig macht. So ein klassisches Gespenst-Szenen mit Laken, das irgendwie durch die Zeit wandelt.
Johannes Franke: Toll. Und ich muss einfach nochmal, das ist so, das wäre mein Schlusswort.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich liebe die Kamera-Führung. Der Film lebt davon, dass du jemanden hast, der sich ganz genau Gedanken darüber gemacht hat, wo stelle ich die Kamera hin und dann lasse ich sie jetzt auch. Und lass einfach den Rest auf sich wirken. Und ich, ich, ich will die ganze Zeit dieses Bild angucken. Und es ist wunderschön. Und du hast in dem 4 zu 3 Format, hast du ganz andere Möglichkeiten als in 16 zu 9 oder im Widescreen. Du musst viel kompakter und viel mehr so so , auch ein bisschen klaustrophobisch, was auch zum Film passt. Und so diese Enge. Und du musst die Elemente anders arrangieren. Und die haben viel mehr Beziehung zueinander, wenn sie nicht so weit auseinander sind, wie bei Widescreen Aufnahmen. In 4 zu 3 kannst du eine Beziehung herstellen zwischen der linken unteren Ecke und der rechten oberen Ecke. Und du, du, rein grafisch, ganz wunderschönes Format, finde ich.
Florian Bayer: Cool. Schön, dass es dir gefallen hat. Unsere Top 3 sind ein bisschen verloren gegangen. Ich glaube, die müssen wir noch kurz hintendran ziehen.
Johannes Franke: Meine Damen und Herren, auch diesmal wollen wir die Chance nicht missen, unsere Top 3 Geisterfilme zu präsentieren.
Florian Bayer: Geisterfilme? Ich habe meine Top 3 Geister.
Johannes Franke: Deine Top 3 Geister?
Florian Bayer: Ja. Das ist ja super. Dann haben wir total unterschiedliche Top 3.
Johannes Franke: Meinst du Geister im Sinne von Kaspar?
Florian Bayer: Genau. Ein einzelner Geister. Also meine Top 3 Geisterfilme würden komplett anders aussehen als diese Liste. Ich habe aus Filmen einzelne Geister rausgepickt, die ich toll finde.
Johannes Franke: Okay, jetzt bin ich sehr gespannt. Aber dann fang du doch mal an
Florian Bayer: mit deiner Nummer 3 Geisterfilm.
Johannes Franke: Okay, Moment. Dann muss ich hier mal kurz in die App wechseln, wo ich das aufgeschrieben habe. Oh, ich habe gar keine vergeben. Ich habe nur 5, 6 aufgeschrieben, die ich toll finde. Also würde The Sixth Sense The Sixth Sense The Sixth Sense auf Platz 3 packen. Super Film. Super Film, oder? Auf jeden Fall. Also Klassiker. Ich sehe Menschen, tote Menschen. Der hat mich damals so
Florian Bayer: eiskalt erwischt mit seinem Plot Twist. Ich habe es nicht vorausgesagt. Ich habe ihn im Kino gesehen und es hat mich wirklich umgehauen. Ich glaube, ich war nie davor und danach so umgehauen von einem Plot Twist im Film. Wahrscheinlich wirklich der Plot Twist, der mich am meisten bewegt hat.
Johannes Franke: Und der Plot Twist, der am meisten kopiert
Florian Bayer: wurde danach. Ja, genau. Oder? Ja, viel zu oft. Mein Platz 3 Geist, nicht Geisterfilm, ist der Geist der gegenwärtigen Weihnacht. Nein! Moment, ich muss sagen, aus welchem Film? Aus Scrooged beziehungsweise Die Geister, die ich rief mit Bill Murray. Nein! Gespielt von Carol Kane, einer Comedian. Okay. Und in diesem Film, also es ist eine klassische Scrooge-Geschichte, verlegt ins 20. Jahrhundert. Du kennst den Film, oder? Ja, na klar. Okay. Und Bill Murray ist der Scrooge und Carol Kane ist der Geist der gegenwärtigen Weihnacht. Und das Tolle ist, sie ärgert und quält ihn die ganze Zeit. Sie trägt ein wunderbar kitschiges Elfenkostüm mit einem Zauberstab, mit einem Stern drauf. Die Haare schrill, gelockt, blond. Und sie sieht unglaublich süß aus und redet die ganze Zeit in dieser hohen Stimme. Und dann schlägt sie ihn mit ihrem Zauberstab. Sie zieht seinen Pulli hoch und furzt ihm auf den Bauch. So dieses Klassische, was Eltern mit ihren Kindern machen. Sie verprügelt ihn, sie zwickt ihn, sie zwackt ihn. Es ist ein einziges Vergnügen. Und offensichtlich ist das durch die Improvisation entstanden. Weil am Anfang waren es nur so zwei, drei Sachen, die sie gemacht hat. Und dann hat Bill Murray gesagt, ach, du kannst noch ein bisschen mehr machen. Und sie hat das als Einladung angenommen. Und sie kann halt auch improvisieren. Toll. Und sie spielt dann diesen total übertreten, wilden und einfach mal sadistischen Geist, der gegenwärtigen Weihnacht bieten. Wie er niemals davor und nie danach gespielt wurde. Ich hab diesen Film,
Johannes Franke: es ist lange her und ich hab ihn nur als reine Slapstick-Aneinanderreihung im Kopf. Also ich weiß nicht, ob es das trifft, weil ich ihn lange nicht gesehen habe, aber das ist was, das ich im Kopf habe.
Florian Bayer: Von dem Film. Es ist ein sehr kitschiger Film. Es ist auch nicht der beste, bei weitem nicht der beste Scrooge-Weihnachtsgeschichte-Film. Aber er macht Spaß. Und er ist so ein sehr 90er. Der beste Scrooge, Weihnachtsfilm ist Die Muppets. Ja, also ich bin bei dir, dass das ein toller Scrooge-Film ist, aber wenn ich jetzt drüber nachdenke, was ist der beste Scrooge-Film, dann muss ich echt lange überlegen. Ich fand tatsächlich den mit Jim Carrey krass gut. Und das ist ein sehr neuer Scrooge-Film. Jim Carrey spielt alle Rollen. Er spielt den Scrooge und er spielt alle drei Geister. Und allein diese Idee, die Geister von derselben Person spielen zu lassen mit dem Scrooge, ist super und es funktioniert. Okay, den hab ich nicht gesehen. Den musst du dir angucken. Okay. Wie heißt der? Scrooge? The Christmas Story? Ich weiß es nicht. Okay.
Johannes Franke: Ja, Platz zwei. Der Geisterfilme bei mir. Ja. Kurze Zwischenfrage. Würde der Babadook als Geist durchgehen? Der Babadook ist bei mir auf Platz zwei der liebsten Geister. Wirklich? Ja. Wie geil ist das denn?
Florian Bayer: Ist das dein zweiter Geisterfilm?
Johannes Franke: Naja, jetzt spontan aus der Liste rausgesucht. Aber ich kann auch noch mal ändern.
Florian Bayer: Nein, erzähl, du Babadook. Du hast vorhin zweimal zurückgezogen bei den Parodien. Jetzt muss ich kurz zurückziehen.
Johannes Franke: Der Babadook ist einfach, das ist so ein großartiger Film. Und der macht genau das, was für mich, obwohl er überhaupt nicht typisch Geist ist, weswegen ich auch fragen musste, ob ich ihn wirklich als Geist wahrnehmen darf. Aber er macht das, was ein Geist psychologisch für mich ist. Für einen Menschen, der heimgesucht wird von Geistern. Von seinen eigenen Geistern. Seinen eigenen schwarzen Momenten im Leben. Und das ist der Babadook. Ich nicke die ganze Zeit nur heftig. Sehr, sehr gut gemacht, der Film. Der Geist als
Florian Bayer: Verkörperung von Trauer und gleichzeitig Wut. Ja. Weil letzten Endes ist der Geist, das ist so viel gespoilert, der Geist in Babadook ist natürlich die Verkörperung von einer problematischen Beziehung zwischen Mutter und Kind. Ja, genau. Es ist einfach, was du gesagt hast, Johannes, es ist so genau pointiert, das ist ein Geist. Der sucht dich wirklich heim und der quält dich. Und der zwingt dich dazu, schlimme Dinge zu tun. Sehr schön.
Johannes Franke: Freut mich, dass wir die gleichen Gedanken hatten. Überrascht mich, dass der dir gefällt. Er ist wirklich toll. Also ich glaube einfach, weil ich die Qualität anerkennen kann, obwohl ich das Genre schwierig finde, weil mich das immer so weiß ich nicht, so dolle angreift. Aber die Qualität dieses Filmes ist unglaublich. Hat er dir Angst gemacht? Das ist schwer. Mir Angst zu machen auf meinem sicheren Wohnzimmersessel ist schwer. Mir hat der Film eine scheiß Angst gemacht. Ich fand den richtig gruselig. Das ist gut. Das ist gut. Das freut mich sehr. Weil das natürlich das ist, was die Königsdisziplin finde ich für Film ist. Also nicht Comedy. Comedy wird immer so als Königsdisziplin. Aber nein, dir Angst zu machen, obwohl du sicher zu Hause vorm Kamin sitzt. Ja. Das ist krass. Du hast einen Kamin? Nein. Mach dir das Angst. Okay. Platz 1. Der Geister. Ich habe hier noch ein paar draufstehen. Jetzt weiß ich nicht, ob ich in die dramatische oder die komödiantische Richtung gehen will. Sag mal. Ich will beides. Du willst beides? Die komödiantische Richtung wäre Ghostbusters? Ja. Und zwar der neue. Ah, interessant. Mit den Frauen. Der wirklich großartig, richtig großartig ist. Also die haben einen Humor, der ist so einfach. Ich habe die alten noch mal geschaut. Die Ghostbuster-Filme, die alten. Und die sind natürlich nach wie vor gut. Aber problematisch. Irgendwie Date. Shit. Muss man schon sagen. Und die Neuen haben es so gut hingekriegt, diesen Humor, den ich so geliebt habe, eben auf zu erneuern und neu aufzustellen. Ich bin ein ganz großer Fan von diesem
Florian Bayer: neuen Film. Oh, darüber müssen wir auf jeden Fall mal diskutieren. Ich fand den neuen Film durchschnittlich. Schade. Und ich kam aus einer Ecke, dass ich den eigentlich unglaublich gerne gemocht hätte. Echt, ja? Ja, wegen dem ganzen Kulturkampf, der drumherum stattgefunden hat. Ja, ja, klar. Und es war ja furchtbar schrecklich. Unerträglich, wie bevor der Film veröffentlicht wurde, was für einen Hass ihm entgegengeschlagen wurde aus der rechten Internetsphäre. Und ich wollte diesen Film mögen und ich fand ihn maximal durchschnittlich. Er war kein Totaldesaster, aber ich fand, einiges hat toll funktioniert. Die Darstellerinnen waren alle super. Aber was Story betrifft und was Humor betrifft, ist er weit entfernt vom Original. Okay. Das ist interessant. Ich würde sehr gerne mit dir irgendwann mal über diesen Film diskutieren. Okay. Also jetzt kann ein Angebot sein für die nächste Folge oder so, aber können wir uns auf jeden Fall mal vormerken, dass wir über diesen Film reden. Ich müsste ihn davor auch nochmal gucken. Okay.
Johannes Franke: Beetlejuice lasse ich jetzt auch mal weg. Ah, Beetlejuice hatte ich auch auf der Liste. Ja. Aber Platz 1 wäre für mich dann sonst, wenn ich dramatischer gehe, vielleicht auch kein klassischer Geisterfilm, weil das ist ja auch nicht wirklich, das kommen zwar Geister vor, aber The Shining. Ah, ja, natürlich. Auf jeden Fall. Das ganze Hotel, ne? Ja, das ganze Hotel im Grunde. Ja. Also ich bin wahnsinnig beeindruckt und begeistert von diesem Film. Immer noch. Immer, immer, immer, immer noch. Obwohl ich ihn jetzt schon wirklich zu oft gesehen habe und Stephen King mit der Verfilmung ja noch gar nicht zufrieden ist und ich überhaupt nicht mit ihm übereinstimme, aber auch mit Stephen King generell mit seinen Büchern oft nicht übereinstimme. Ich mag Stephen King gar nicht so sehr. Wenn man sich anschaut, was für
Florian Bayer: Filme Stephen King abgesegnet hat, dann ist es eigentlich eine Adelung, wenn er den Film nicht mag. Ja, genau. So deutlich wollte ich es nicht sagen, aber
Johannes Franke: es ist so, weißt du, und The Shining ist so, so gut inszeniert. Ja, definitiv. Ganz, ganz großartig. Also natürlich ein Film, der weh tut irgendwie. Aber auch, ne, Jack Nicholson. Und ganz ähnlich wie beim
Florian Bayer: Babadook auch, ne? Der Geist, der Spuk ist ne Parabel auf die Probleme innerhalb der Familie. Ja, genau. Auf seine psychischen Probleme. Und er ist, das ist ja auch die größte Änderung des Films im Vergleich zum Buch. Im Buch ist es so, dass er ganz eindeutig von dem Hotel besessen ist und am Schluss schafft er es, sich von dieser Besessenheit loszureißen und stirbt dann dabei und rettet aber damit quasi seine Familie. Also er schafft es irgendwie, das sich und das Hotel komplett zu zerstören. Ich weiß es nicht mehr so hundert Prozent. Okay. Das ist komplett anders als im Film, weil im Film ist es halt nicht nur, der Spuk fällt im Film eher auf fruchtbaren Boden und Jack Nicholson ist im Film eher auch wirklich ein kranker Mensch, eine Bedrohung. Ja. Er braucht die Geister eigentlich nicht,
Johannes Franke: um bedrohlich zu sein. Eigentlich nicht. Aber es holt halt alles raus aus ihm, was da sowieso schon ist. Und auch diese, diese Abgeschieden, diese Einsamkeit. Ich glaube, das war mal ein ganz großes Thema dann für mich nach diesem nach dem ersten oder zweiten Mal gucken war das so wichtig für mich. So dieses, du hast so ein riesiges Hotel, nichts passiert. Ja. Du hast diese Weite, das ist unglaublich.
Florian Bayer: Und dann in dieser großartigen Szene, also diese Labyrinth-Szene, wenn man auf das Labyrinth-Modell schaut und dann fährt die Kamera rein und wir sehen dann sie mit dem Sohn da rumlaufen. Wahnsinn. Diese ganz eigentlich total simplen Shots, wenn er durch die Hotelgänge fährt, der Kleine auf seinem Dreirad. Ja. Und immer durch dieselben Gänge und es sieht alles gleich aus und das ist so fucking gruselig.
Johannes Franke: Wahnsinnig gut gemacht. Also da habe ich mich wirklich weiß nicht, da habe ich einen Nahen dran gefesselt an diesem Film. Ganz toll. Ein großartiger
Florian Bayer: Film. Mein Top 1 Geist, nicht Geisterfilm, ist das Haus in Hausu, einem japanischen Film aus den 70ern. Aha. Hausu. Haus auf Englisch. Ich glaube, es gibt keinen deutschen Titel. Es gibt nur den japanischen und den englischen Titel. Lass mich raten. Haus? Haus, genau. Haus sollte er eigentlich heißen. 1977 Es ist eigentlich kein guter Film. Aber er gilt als Klassiker und er ist einfach nur schräg und das Tolle ist, eigentlich ist die Spukhandlung ist super, weil das Haus läuft irgendwann komplett Amok und es geht darum, dass mehrere Schulmädchen, es ist auch ein sehr exploitation naher Film, fahren in dieses Haus und erleben dann den Horror ihres Lebens mit abgetrennten Köpfen und Besessenheit und so. Aber kein Splatter-Horror, sondern eher schräger, bunter, kitschiger, alberner, ich weiß es nicht, aber es ist so lustig und es macht so viel Spaß dazu zu gucken. Es ist so ein bisschen, stell dir so Spiria ohne Blut und dafür mit unfassbar viel Albernheiten vor, dann hast du den Film ungefähr. Und selbst das trifft es nicht so ganz. Ich weiß, es ist wirklich ein toller Film. Ne, es ist eigentlich kein toller Film, aber es ist ein toller Film. Okay, verstehe. Aber der Geist in dem Film ist großartig, das Haus ist fantastisch. Okay. Als Spukerscheinung, ja.
Johannes Franke: Da muss ich an die beiden auf Netflix die Serien denken. Bly Manor, oder wie das heißt, der Spuk von Bly Manor oder The Haunting of Bly Manor und der Nachfolger, ich weiß nicht genau, wie der hieß. Aber die waren sehr gut bei zwei Serien, zwei so geister quasi Serien. Habe ich beide nicht gesehen. Spukhäuser.
Florian Bayer: Ist ganz gut. American Horror Story ist natürlich noch das, was einem anfallen würde. Und die erste Staffel ist ja auch
Johannes Franke: sehr klassisch, Spukhausgeschichte. Ja. Allerdings muss ich bei American Horror Story sagen, dass mir immer die ersten zwei Drittel gefallen und dann versuchen sie es irgendwie aufzulösen am Ende. Und das geht voll daneben.
Florian Bayer: Das ist dann frustrierend immer. Roger Ebert zitiert zu Placing Saddles, it's a mess.
Johannes Franke: Es gibt immer so den Moment, wo es einfach nur noch drüber ist. Ja, genau. Aber sonst, die haben ästhetisch, haben die schöne Sachen und die haben gute Ideen, aber es ist, am Ende kriegen sie es nicht alle, die Fäden zusammen. Nee, überhaupt
Florian Bayer: nicht. Aber mir haben American Horror Storys hat mir immer Spaß gemacht, weil es auch mit dieser ganzen unfreiwillig komischen Art und auch mit diesem übertriebenen und dann nochmal einen draufgesetzt, nochmal einen draufgesetzt. Ja. Naja.
Johannes Franke: Also Geisterstorys, nun dieser, den wir jetzt besprochen haben, der ist nun wirklich ganz anders als das, was wir jetzt so. Ja. Und das finde ich auch toll, eben dieses, dieses genreübergreifende, das ist eigentlich ein Drama und keine Geisterspukgeschichte, aber eben die ganzen klassischen Trops sind irgendwie trotzdem drin versteckt. Ja. Fand ich sehr schön. Ja.
Florian Bayer: Das ist auch ein schönes Schlusswort. Vielen Dank. Freut mich sehr, dass er dir gefallen hat. Ja.
Johannes Franke: Ich bin auch froh, dass ich nicht so viel Gore oder sowas von dir bekommen habe. Ja. Sehr schön. Vielen Dank, Plor. Und wir sehen uns nächste Woche wieder. Vielen Dank, Johannes.
Florian Bayer: Und vielen Dank fürs Zuhören. Bis dann. Bis dann. Ciao.
Johannes Franke: Ach ja, Plor. Fürs nächste Mal. Oh. Hast du wieder was?
Florian Bayer: Ja. Du weißt schon Bescheid? Ja, ich weiß schon Bescheid. Okay. Und zwar wollte ich dir nächstes Mal Persona aus dem Jahr 1966 zeigen. Okay. Von wem? Ingmar Bergmann. Ach, der Bergmann. Ja, einer seiner berühmtesten Filme. Aber bestimmt nicht einer seiner leichtesten Filme. Okay.
Johannes Franke: Ich muss gestehen, dass ich mit Bergmann noch nicht so viele Berührungspunkte hatte. Irgendwann mal. Und mein Bild von Bergmann ist einfach sehr sehr philosophisch. Okay. Ja. Aber ich weiß nicht genau, ob das wirklich übereinstimmt mit dem, was Bergmann so... Das ist nur das, was ich im Kopf habe von ihm.
Florian Bayer: Nein. Ja. Er ist ein... Er ist eigentlich ein großer klassischer Geschichtenerzähler. Und auch vor allem ein Charaktererzähler. Und er ist eigentlich eher ein Psychologe als ein Philosophe. Aha. Okay, gut. Dann bin ich mal gut. Aber das ist in dem Film auch ein bisschen anders. Das ist wohl sein experimentester Film. Oh, auch das noch.
Johannes Franke: Okay. Was sagst du denn für mich? Ich hab für dich ein völliges Gegenteil. Fantastic Mr. Fox von Wes Anderson.
Florian Bayer: Ja. Jetzt müssen wir dazu sagen, als wir das Mikro aus hatten, haben wir kurz über Wes Anderson geredet und sind einmal so im Kopf. Auf die Liste durchgegangen. Johannes war schockiert, dass ich Fantastic Mr. Fox nicht gesehen habe. Richtig. Und dann hab ich gleich
Johannes Franke: beschlossen, na gut, dann müssen wir dir den antun.
Florian Bayer: Ja. Mein Wes Anderson-Wissen ist auch begrenzt. Ich hab 50% seiner Filme gesehen. 50% nur? 60? Ich weiß nicht. Auf jeden Fall... Er hat ja nicht so wahnsinnig viel gemacht. Nee. Aber so in den letzten 10 Jahren, die letzten Filme von ihm, die hab ich alle so ein bisschen geskippt. Und das hat auch Gründe, glaube ich. Aber darüber reden wir am besten das nächste Mal.
Johannes Franke: Okay, dann reden wir mal. Und dann bin ich mal gespannt. Dann freu ich mich auf nächste Woche. Bis dann.
Florian Bayer: Ich mich auch. Bis dann. Ciao.
