Episode 5: Blazing Saddles, A Ghost Story
Wir reden über die Westernparodie „Blazing Saddles“ aus dem Jahr 1974 und „A Ghost Story“ aus dem Jahre 2017. Dabei diskutieren wir viel über die Frage, wie guter Humor aussieht, und ab welchem Punkt eine humoristische Auseinandersetzung mit Themen wie Sexismus und Rassismus selbst Gefahr läuft, rassistische oder sexistische Stereotype zu reproduzieren. Wie immer gibt es auch wieder passende Top 3 Listen zu den besprochenen Filmen. In diesem Fall ist es die Top 3 der Filmparodien, sowie die Top 3 Geister im Kino, beziehungsweise die besten Filme mit und über Geister.
Blazing Saddles [Mel Brooks]
(USA 1974)
Blazing Saddles ist eine amerikanische Westernparodie von Mel Brooks aus dem Jahre 1974. Der Film arbeitet sich an allen gängigen Westernklischees ab, und ist mit seinem Angriff auf den Rassismus, sehr politisch – wenn er auch in Mel Brooks typischer Manier sehr albern, voller Slapstick und daher doch eher mit dem Holzhammer daher kommt. So hören wir sicher 20.000 mal das N-Wort – was selbst für damalige Verhältnisse sagen wir… drastisch war. Ein Journalist dieser Zeit schrieb im Hollywood Reporter: „Brooks‘ fast-paced direction is a masterpiece of comedy detail, filled with delightful and perfectly timed sight gags.“
Also ein voller Erfolg in seiner Zeit, aber… kann er heute noch mithalten? Was meinst du Plor?
A Ghost Story [Jonny Campbell]
(GB 2010)
A Ghost Story aus dem Jahr 2017 erzählt die Geschichte von C (Casey Affleck) und M (Rooney Mara). Diese leben in einem alten Haus irgendwo in der amerikanischen Einöde. Es kommt zu einem schrecklichen Unfall, bei dem C stirbt. Aber etwas scheint ihn auf dieser Welt zu halten. Denn unmittelbar nach seinem Tod kehrt er als Geist zurück. Ganz traditionell gekleidet in ein weißes Laken muss er ohnmächtig mitansehen, wie sich seine Witwe neu verliebt und ihr gemeinsames Heim schließlich verlässt. C bleibt zurück, mit kaum einer Möglichkeit mit der Umwelt zu interagieren sieht er die Zeit an sich vorbeifließen, sieht er, wie das Haus neue Bewohner gewinnt und wieder verliert und schließlich selbst von den Mühlen der Zeit zermahlen wird. Alles bewegt sich, alles verändert sich, nur C scheint immer zurück zu bleiben, verdammt in alle Ewigkeit.
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 5: Blazing Saddles, A Ghost Story Publishing Date: 2021-02-03T08:18:46+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/02/03/episode-5-blazing-saddles-a-ghost-story/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast?
Johannes Franke: Nein, eigentlich nicht, aber ich.
Florian Bayer: Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden. reden können.
Johannes Franke: Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee.
Florian Bayer: Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeige dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest.
Florian Bayer: Das heißt so... Musicals aus den 50ern.
Johannes Franke: Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme.
Florian Bayer: Mit russischen Untertiteln von mir. Für dich.
Johannes Franke: Oh Gott, okay.
Florian Bayer: Aber du weißt, dass das für eine Menge Streit sorgen kann.
Johannes Franke: Definitiv. Das wird lustig. So, läuft wieder. Herzlich willkommen zu Folge 5. Hallo. Wow.
Florian Bayer: Ich bin Florian.
Johannes Franke: Ich bin Johannes. Und in diesem Podcast machen wir was?
Florian Bayer: Wir schauen uns Filme an.
Johannes Franke: Danke für die Erinnerung.
Florian Bayer: Wir zwingen uns gegenseitig Filme anzuschauen, von denen wir denken, dass sie den Horizont des anderen erweitern.
Johannes Franke: Ja... Ich bin gespannt, ob meine Auswahl dieses Mal deinen Horizont erweitert hat.
Florian Bayer: Nicht ganz so krass, weil ich den Film schon kannte und Mel Brooks kenne, aber ... Trotzdem. Aber bevor ich jetzt hier spoilere, was hast du denn für mich heute?
Johannes Franke: Ich habe für dich Blazing Saddles. aus dem Jahr 1974. Ich könnte auch einfach meinen Text vorlesen.
Florian Bayer: Wollen wir gleich starten? Also ich wollte eigentlich, ich dachte wir sind noch in der Einleitung.
Johannes Franke: Oh, wir sind noch in der Einleitung. Oh mein Gott, wir gehen viel, wir reiten schnell voraus.
Florian Bayer: Wie im Western das nun mal so ist. Also rein programmtechnisch müssen wir erst mal sagen, das ist der Muss-Man-Sehen-Blog.
Johannes Franke: Ach so, ja.
Florian Bayer: Unsere Namen haben wir schon gesagt. Haben wir schon gesagt?
Johannes Franke: Das haben wir abgehakt. Okay, was ist der Sinn des Lebens? Müssen wir das auch immer noch sagen?
Florian Bayer: Ja, kannst du kurz eine Zusammenfassung für die Zuschauer geben?
Johannes Franke: Ja, kann ich machen, kein Problem.
Florian Bayer: Ich fand das fantastisch. Wahnsinn. Also jetzt hast du meinen Horizont erweitert.
Johannes Franke: Vielen Dank.
Florian Bayer: Ich hoffe bloß, dass das nicht verloren geht. Und ich habe für dich heute Ghost Story aus dem Jahr 2017.
Johannes Franke: Okay, ja. Das ist, also, ja, da werde ich auch noch nichts dazu sagen. Ich war aber sehr froh, dass du ihn vorgeschlagen hast.
Florian Bayer: Ah, schön. Wir legen los mit Blazing Saddles.
Johannes Franke: Blazing Saddles. Möchtest du dein saarländisches BP-Problem nochmal... Blazing Saddles.
Florian Bayer: Es wird nicht besser. Wir legen los mit Ist was, Sheriff.
Johannes Franke: Geil. Dann würde ich tatsächlich jetzt mal meinen kleinen Einführungstext vorlesen. Leg los. Blazing Saddles ist eine amerikanische Western-Parodie von Mel Brooks aus dem Jahre 1974. Der Film arbeitet sich an allen gängigen Western-Klischees ab und ist mit seinem Angriff auf den Rassismus... Dann sehr politisch, wenn er auch in Mel Brooks typischer Manier sehr albern, voller Slapstick und doch eher mit dem Holzhammer daherkommt. So hören wir sicher 20.000 Mal das N-Wort, das selbst für damalige Verhältnisse, sagen wir, drastisch war. Ein Journalist dieser Zeit schreibt im Hollywood Reporter, Brooks fast paced direction is a masterpiece of comedy detail. Filled with delightful and perfectly timed side gags. Also ein voller Erfolg in seiner Zeit. Aber kann er heute noch mithalten? Was meinst du, Bloch?
Florian Bayer: Ja. Ich wollte jetzt als Ergänzung zu deinem Zitat, müsste ich Roger D. Ebert zitieren, der dem Film 4 von 4 Punkte gegeben hat, was Roger Ebert relativ selten macht. Aber sein Fazit war a total mess. Und ich glaube, das trifft es auch ganz gut für diesen Film.
Johannes Franke: Absolut.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Großartig.
Florian Bayer: Ja, du hast das N-Wort erwähnt. Es ist ja nicht nur das N-Wort, was benutzt wird. Es ist ja auch das F. Wort. Ja. Ich meine jetzt nicht Fuck, sondern ich meine ein F-Wort, was sich ganz klar gegen Minderheiten richtet. Jetzt kommst du ins Rätseln.
Johannes Franke: Jetzt komme ich ins Rätseln, welches Effort du meinst?
Florian Bayer: Jetzt muss ich sagen, sag's nicht. Naja, im Deutschen würde es wahrscheinlich übersetzt werden. Ah.
Johannes Franke: ein schönes Wort ist.
Florian Bayer: Das Wort wird benutzt als Beleidigung. Und ein Wort, das ich nachschlagen musste, das N-Wort für asiatische Menschen wird auch benutzt. Das hatte ich vorher noch nie gehört. Offensichtlich gibt es einen Stein, unter dem ich gut lebe.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Es gibt das N-Wort Pendant für Asiaten und das wird auch mehrmals benutzt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: In einer eigentlich ganz schönen Szene, wo sie sagen, ist okay, ihr könnt die N-Word reinbringen, ihr könnt die Asiaticis N-Word reinbringen, aber bloß nicht die ihren.
Johannes Franke: Ja, stimmt. Da habe ich mich sehr gefreut drüber.
Florian Bayer: Aber ja, er ist geschmacklos und auch provokant. Ja. Mit der Nutzung des N-Words hatte Mel Brooks damals offensichtlich schon Probleme, weil das Studio hat gesagt ... Wir wissen nicht genau, ob wir das machen sollen.
Johannes Franke: Die waren nicht so zufrieden. Und die haben auch beinahe den Film gar nicht rausgebracht. Ja. Und das ist schon krass.
Florian Bayer: Ja, definitiv. Es war auch diese, also was ja noch viel kontroverser aufgenommen wurde. Wir sind immerhin in den 70ern, da ist das N-Wort nicht so schlimm. Wie eine ausgedehnte Furzszene.
Johannes Franke: Also ich weiß nicht, ob ich das dir gegenüber muss, aber die würde ich immer verteidigen. Ich finde die großartig. Ich finde sie noch zu kurz.
Florian Bayer: Also ich fand es schon unangenehm zu gucken, weil Fürze sind auch tatsächlich... Nichts, was ich jetzt besonders aufregend finde. Aber es ist witzig, es war wirklich eine Besonderheit. Damals wurden keine 14 Filme gezeigt und Mike Brooks hat ... sich dazu geäußert und hat gemeint, naja, ich sehe ständig die Cowboys Bohnen fressen. Ja! Und wir alle wissen, was Bohnen mit dem menschlichen Körper machen.
Johannes Franke: Die einzige logische Konsequenz ist diese Szene.
Florian Bayer: Ich finde es großartig. Ich fand sie, also es war, sie kommt ja in der Mitte des Films und man ist darauf schon vorbereitet. Es gibt davor schon genug Fäckharten, Moor, dass es jetzt nicht so total schockierend kommt. Aber ich saß tatsächlich da und dachte, wow, okay, Mel, du gehst jetzt wirklich die volle Länge damit.
Johannes Franke: Also, ich muss sagen dazu, dass ich natürlich aus meiner Erinnerung gespeist war, als ich den Film nochmal geguckt habe. Und mir deswegen tatsächlich diese Vorzene zu kurz vorkam. Ich dachte, das war doch länger. Da war doch irgendwie ... Also retrospektiv betrachtet, weißt du, als Kind habe ich in dieser Szene wahrscheinlich am meisten Spaß gehabt.
Florian Bayer: Es gibt einen tollen Funfact zu dieser Furz-Szene. Was denn?
Johannes Franke: Erzähl mal.
Florian Bayer: Der Film wurde natürlich nicht nur im Kino veröffentlicht, sondern auch auf Video später und dann auch im Fernsehen. Und im Fernsehen war in die Furzszene... zu unangenehm. Vor allem für das Primetime-Publikum. Die Szene blieb drin. Allerdings wurden die Soundeffekte rausgenommen.
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Das heißt, es gibt wohl offensichtlich irgendwo ... Fernsehausspielungen von dem Film, in dem man einfach nur die Cowboys sieht, wie sie sich merkwürdig bewegen und darüber lachen. Weil in dieser besagten Furzszene sitzen sie vorm Lagerfeuer und dann stehen sie auf zum Furzen oder bewegen sich ein bisschen hin und her. Und ich stelle mir diese Szene äußerst surreal vor. vor, wenn die Furzgeräusche nicht zu hören sind und diese Cowboys hier eine merkwürdige Performance aufführen und niemand genau weiß, was das zu bedeuten hat. Amerikanisches Fernsehen. Da wird auch mal sowas geschnitten.
Johannes Franke: Ja, krass.
Florian Bayer: Aber tolle Entscheidung, das so zu schneiden, die Zähne drinnen zu lassen und die Geräusche einfach rauszunehmen.
Johannes Franke: Okay, vielleicht sollten wir mal von vorne durchgehen. Genau. sich so aufbaut. Man sieht gleich am Anfang die Arbeiter einer Railway, die in Richtung... West, Go West, gebaut werden soll. Oder Osten? Nee, Moment, wo lang? Jetzt habe ich meine geografischen Kenntnisse.
Florian Bayer: Ja, Richtung Osten, weil sie wahrscheinlich im Wilden Westen sind.
Johannes Franke: Nein, sie ziehen in den Wilden Westen.
Florian Bayer: Sie ziehen in den Wilden Westen, oder? Sie bauen eine Eisenbahnstrecke.
Johannes Franke: Oh mein Gott, ich denke. Sie bauen eine Eisenbahnstrecke.
Florian Bayer: Aber du kannst nicht mit dieser Eisenbahnstrecke anfangen, du musst mit dem großartigen Titellied anfangen.
Johannes Franke: Oh Gott, dann erzähl du mit dem Titel.
Florian Bayer: Weil das ist von Frankie Lane, einem amerikanischen Songwriter, Country-Sänger. Und er präsentiert das mit vollem Ernst, mit vollem Inbrunst und mit vollem Pathos. Laut Matt Brooks wusste er nicht, dass es sich um eine Parodie handelt.
Johannes Franke: Nein, wirklich?
Florian Bayer: Ja. Sie haben ihm gebeten, für einen Western dieses Lied aufzunehmen. Und er dachte, oh klar, mache ich. War total begeistert von dem Text. Und mehrere an dem Filmbeteiligte haben dann gesagt, sie haben sich nicht getroffen. traut ihm zu sagen, dass es für eine Parodie ist. Weil er das mit so viel Ernst und so viel Inbrunst gesungen hat und so stolz darauf war.
Johannes Franke: Aber deswegen ist es ja so gut.
Florian Bayer: Es ist wunderbar. Ja, es passt auch perfekt. Man sieht eigentlich das klassische Western-Szenario am Anfang. Es ist ja auch in... Cinema Scope aufgenommen. Man sieht die Westernlandschaft und es kommt dieses Lied und es könnte auch ein ernster Western sein.
Johannes Franke: Oh Gott, jetzt müsste man den Text von dem Lied nochmal haben.
Florian Bayer: Dieser Eindruck wird dann aber auch sehr schnell zerstört, wenn wir zu den Bauarbeiten an den Schienen kommen.
Johannes Franke: Ja, die Bauarbeiten an den Schienen und natürlich, um gleich das Thema des Films so ein bisschen klar zu machen, die Arbeiter sind alle schwarz.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und es gibt eine Gruppe von weißen, überheblichen Männern, die kommt, um den Schwarzen ein Lied zu entlocken. Nach dem Motto, ihr Schwarzen Arbeiter, ihr singt doch immer so fröhlich diese Jazz-Sachen hier. Singt mal.
Florian Bayer: einen schönen Gospel.
Johannes Franke: Genau, singt mal einen schönen Gospel. Und die einzig richtige Lösung und die einzig richtige Reaktion der Arbeiter Weiß ich jetzt nix von. Keine Ahnung. Was für ein Lied meint ihr? Hä? Und dann fangen die... Artet das in einen... Sing Battle and Sing Off.
Florian Bayer: Ja, und die Arbeiter singen ein 70er Soul-Funk-Pop-Lied. Was übrigens auch sich durch den ganzen Film zieht, dass nicht wie im 19. Jahrhundert geredet wird, sondern dass alles diese 70er-Vibes versprüht.
Johannes Franke: Mhm. Gänzlich, er bricht das ja mehrmals auf. Also es ist kein Period Piece, das irgendwie sich sehr streng daran hält oder sowas. Das ist voller Anachronismen.
Florian Bayer: Und die Weißen singen dann... Swing low, sweet chariot singen sie, oder? Ich glaube ja, genau. Also irgendwie so einen ganz klassischen schwarzen Arbeiter.
Johannes Franke: Genau. Und verhalten sich so richtig, richtig dämlich dabei. Und werden dann vom Chef einmal gemaßregelt. Was eine ganz großartige Szene ist, weil das irgendwie diese, gleich die Erwartungen... an schwarze Kultur und im Allgemeinen irgendwie aufbricht. Also erst mal setzt und dann aufbricht und dann der Ton sozusagen für den ganzen Film gesetzt ist. Ja.
Florian Bayer: Und es ist natürlich auch gleich am Anfang die Auseinandersetzung mit dem Rassismus, weil in der Folgeszene geht es dann darum, dass es offensichtlich Treibsand gibt. der die Arbeiten auffällt.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dann sagt ein Vorarbeiter zu ... bekommt die Anweisung, Schickt da mal ein paar Pferde hin, um zu gucken, ob die untergehen. Und er sagt, ich werde doch nicht meine Pferde opfern. Und schickt mal die Schwarzen.
Johannes Franke: Und schickt die Schwarzen los, genau.
Florian Bayer: Und schickt dann zwei Schwarze los, wovon einer unser Protagonist ist.
Johannes Franke: Der großartige, der dann Sheriff Bart wird später, wie heißt der? Cleveland Little.
Florian Bayer: Ja, Cleveland Little.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Nicht die erste Wahl für den Film. Es gab zwei Überlegungen.
Johannes Franke: Gab es nicht auch jemanden, der das dann abgelehnt hat?
Florian Bayer: Also die erste Überlegung war ... als der Film wahrscheinlich noch nicht so albern war. Also, der Film hat ja irgendwie ... Hat doch einen Weg ... zurückgelegt, bevor Mel Brooks ihn in die Hände kam. Und im ursprünglichen Script oder in der ursprünglichen Idee sollte er gespielt werden von James Earl Jones. James Earl Jones, die Stimme von Darth Vader. Die Stimme von Farther aus König der Löwen.
Johannes Franke: Oh.
Florian Bayer: Ein großartiger Schauspieler, den ich vor allem als alten Mann kenne. Das wäre wirklich interessant gewesen, ihn in diesem Film zu sehen, weil damals war er ja noch relativ jung.
Johannes Franke: Spannend. Aber ich finde, der, der das jetzt gemacht hat, der ist wirklich großartig. Fantastisch. Fantastisch gemacht.
Florian Bayer: Ja, ein super Schauspieler auf jeden Fall. Und der auch mit gutem Timing für Humor, für Blick. Die zweite Wahl war Richard Pryor.
Johannes Franke: Der hat doch geschrieben.
Florian Bayer: Der hat geschrieben, genau. Der ist dazugekommen, war geplant, als Sheriff, als Bart... zu spielen, ist dann ins Schreibteam. Weil ich meine, er war halt ein großer Comedian. Er wusste, wie man Gags schreibt. Und er hat mit Mike Brooks öfter zusammengearbeitet. Er war Mike Brooks Favorit. Und das Studio hat sich dann dagegen entschieden, weil er damals in irgendwelche Drogenskandale verwickelt war. Ach, okay. Und es war so, okay, wir können eigentlich, was total albern ist, wenn man sich den Film jetzt anschaut, wo man denkt, okay, der Film war so dreist und so provokant, dass es auch nicht viel mehr ausgemacht hätte. Aber deswegen wurde sich gegen Richard Pryor entschieden, der allerdings trotzdem sehr viel zum Skript noch beigebracht hat.
Johannes Franke: Ja, genau, der hat ja wahnsinnig viel geschrieben und dafür gemacht und getan. Und war auch derjenige, der unter anderem neben Little eben dem... dass Mel Brooks immer wieder Rückendeckung gegeben hat, was die Verwendung des N-Wortes betrifft. Ja, genau.
Florian Bayer: Darauf hat Mel Brooks sich immer berufen, dass sie damit einfach... verstanden waren.
Johannes Franke: Das war das Wichtige daran.
Florian Bayer: Was ich immer etwas problematisch finde, sich so auf zwei Stimmen zu berufen, weil natürlich
Johannes Franke: Ja, du hast ja eine ganze Kultur.
Florian Bayer: Wie Little und Richard Pryor nicht für die gesamte schwarze Community.
Johannes Franke: Genau, also ... Naja, ja. Das ist aber eine gute Frage. Wollen wir die gleich am Anfang stellen jetzt? Ob die Verwendung des N-Wortes und die sehr brachiale Verwendung Verwendung dieser ganzen Problematik nötig gewesen ist?
Florian Bayer: Können wir, reißt vielleicht ein bisschen raus. Ich überlasse es dir, es ist dein Film.
Johannes Franke: Stellen wir die mal nach hinten, die Frage. Aber ich finde sie spannend.
Florian Bayer: Eine wichtige Frage auch. Aber Cleven Little, tolle Wahl. Toller Spieler. Brooks hat gesagt, dann will ich aber jetzt einen Jungen haben, den kein Mensch kennt.
Johannes Franke: Super, ganz toll.
Florian Bayer: Und Cleveland Little hatte keinen Comedy-Hintergrund, soweit ich weiß.
Johannes Franke: Aber der hatte diesen Blick ...
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: So dieses, dieses, dieses, diese Shakespearean aside, würde ich immer sagen. Ja.
Florian Bayer: Ja, die so leichte Dursprechen der vierten Wand. Ja, genau. Ganz vorsichtig sachte. Genau. dieses Augenzwinkern Richtung Publikum.
Johannes Franke: Super, großartig.
Florian Bayer: Toll. Und es gibt viele Szenen, in denen er das macht und er glänzt in diesen Szenen einfach immer.
Johannes Franke: Ja, ganz toll. Super. Als hätte man immer wieder einen Kommentator, der nicht wirklich was sagt, aber der einfach so.
Florian Bayer: Der unsere Gedanken zusammenfasst.
Johannes Franke: Genau, mit einem Blick.
Florian Bayer: What the hell? Richtig. Aber genau, dieser Bart ist unser Protagonist und der wird dann ja Sheriff.
Johannes Franke: Der wird Sheriff. Warum wird er Sheriff? Das Problem ist ein bisschen, ich hab mir den Film angeschaut und war danach nicht wirklich, also ich hab... Ganz lange gedacht, worum geht's? Was ist hier die Story? Wohin willst du? Oder willst du nur Gags aneinander rein?
Florian Bayer: Darf ich dir mal eine Banausenfrage stellen? Ja, gerne. Hattest du Untertitel an?
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Ja, ich hatte nämlich Untertitel an, weil ich hab nach fünf Minuten gedacht, shit, ich Ich kann mit diesem texanischen Akzent, das ist mir zu hart. Ich verstehe kaum was. Und dann habe ich mir Untertitel angestellt und habe parallel mitgelesen.
Johannes Franke: Ah. dann hast du wahrscheinlich mehr mitbekommen als ich, weil ich dann wahrscheinlich wirklich ein paar Sachen dann hinten runtergefallen sind. Also ich hab
Florian Bayer: Ich fand, das war, und das ist halt auch typisch, Matt Brooks spielt mit der Sprache und jedem seiner Figuren gibt er irgendwie einen komischen Akzent.
Johannes Franke: Ja, ja, genau.
Florian Bayer: Und das war teilweise wirklich schwer zu verstehen, dass sie benutzen ja auch viel so Slangsprache, das ist ja auch dieses 70er Jahre Ding, dass dieser Bart sehr viel im 70er Jahre Slang redet.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann die Cowboys halt in dieser klassischen, texanischen ... Ich hab nichts verstanden teilweise. musste ganz schnell Untertitel anschalten.
Johannes Franke: Es gab aber auch zwei Stellen, eine, an die ich mich jetzt erinnere, aber ich glaube, es gab noch mehr Stellen, wo man es nicht verstehen sollte. Genau.
Florian Bayer: Aber das wurde auch in den Untertiteln dann gewürdigt.
Johannes Franke: Ach so, okay.
Florian Bayer: Unintelligible.
Johannes Franke: Ah, okay. Sehr schön. Was auch toll ist, weil Mel Brooks genau sich auf solche Sachen setzt dann wieder. Und dann hast du diese wundervolle... Wir gehen jetzt ein Stück voraus, aber ich muss da jetzt ran... wie sie in der Town Hall oder was auch immer das ist, besprechen wollen, was sie jetzt tun. Genau. Und der eine Betrunkene, völlig entdurche Typ kommt da und redet ein, also völlig ist gibberish, man versteht überhaupt nicht.
Florian Bayer: Nicht ein Stoß.
Johannes Franke: Und dann steht dann dieser andere Typ auf, dieser sehr... erstmal so aussieht, als ob er sehr respektabel wäre und sagt, ja, Was er sagt, ne? Gut, dass es mal jemand gesagt hat. So in der Art.
Florian Bayer: Er sagt sogar das Wort gibberig. Wir haben hier gibberig gehört. Aber dieses Gibberish, das gibt uns jetzt allen Mut und Hoffnung.
Johannes Franke: Here's something we all can relate to.
Florian Bayer: Sehr schön. Und Bart wird Sheriff, weil der Gouverneur will einen Sheriff haben, der nicht akzeptiert wird.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Gouverneur le Petomein. Übrigens ein toller Name.
Johannes Franke: Weißt du, worauf er spielt? Main? Nein? Ach Gott, jetzt gleich nur die Blödsinn.
Florian Bayer: Nein, nein, alles gut. Der Gouverneur will diese Schienen bauen und die Schienen müssen durch das Dorf. das im Mittelpunkt steht, Rockridge. Und dazu müssten natürlich die Einwohner vertrieben werden. Und er will sie vertreiben mit irgendwie ... Indem er einfach Gangster auf das Dorf loslässt. Gauner, Ganoven. Und die flehen ihn dann natürlich an einen... Die flehen ihn dann natürlich an, einen Sheriff zu schicken, einen neuen, der sie verteidigt. Und er sagt, okay ... Wer könnte der schlechteste Sheriff sein, den wir schicken können? Genau, Mel Brooks spielt den Gouverneur Le Petoman und Le Petoman war ein Furzkünstler Anfang Ah, nein. Der richtig, richtig, richtig bekannt war mit seinen Furzauftritten und der... offensichtlich verschiedene Melodien furzen konnte.
Johannes Franke: What?
Florian Bayer: Und... der aufgetreten ist im Moulin Rouge.
Johannes Franke: Oh mein Gott.
Florian Bayer: Und in Frankreich ein großer Star war. Und viele, viele berühmte Leute... Königer? Adliger? Philosophen, Politiker sind gekommen, um ihn furzen zu hören. Er hat unter anderem die Massaies offensichtlich furzen können.
Johannes Franke: Okay, jetzt ist es ein bisschen peinlich, dass du über den Film, den ich vorgeschlagen hast, mehr weißt als ich.
Florian Bayer: Das tut mir schrecklich leid.
Johannes Franke: Okay. Wie gut bist du mit der Szene zurechtgekommen, in der Mel Brooks diesen Gouverneur spielt, mit seiner Sekretärin und diesem ganzen anderen Kram?
Florian Bayer: Ja, genau.
Johannes Franke: Das ist schon, also als Kind bin ich da sehr gut mit klar gekommen, glaube ich, aber jetzt, als ich es geguckt habe, es war doch schmerzhafter als lustig am Ende.
Florian Bayer: Ja, definitiv.
Johannes Franke: Also es ist, ich weiß nicht, wie es damals wahrgenommen wurde. Man ist ja heute dann... Empfindsamer, was das betrifft, Gott sei Dank. Aber damals musste man mit dem Holzhammer rangehen, um überhaupt das Thema anschneiden zu können, oder?
Florian Bayer: Ja, das Problem ist... Vielen Dank. Ja, das Problem in diesen Szenen ist, und das ist ein Problem, was Satire und Parodie grundsätzlich haben, was nicht nur Mel Brooks hat, sondern auch Monty Python und was sich bis heute durch die Filme und TV-Geschichte zieht, bis hin zu South Park, dass das Parodieren von Rassismus, Sexismus ... Apleismus und so weiter oft mit einer Reproduktion davon einhergeht.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und natürlich ist es in dem Film auch so, der Rassismus wird parodiert. Aber gleichzeitig werden auch ganz klassische rassistische Stereotype dabei reproduziert.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ... Es ist schwierig. Es ist eine Gratwanderung. Und ich glaube, jeder Satiriker, jede Satirikerin stolpert darüber auch mal. Und Matt Brooks stolpert in dem Film auch öfter drüber. Ja, er prangert Sexismus an. Patriarchismus, männliche Herrschaftsformen und so weiter. Aber indem er sie in so ein humoristisches, nettes Setting packt ... Ja ... Ist ja natürlich auch ein bisschen affirmativ dabei. Es ist jetzt nicht so, dass er sagt, guckt euch diesen dreckigen Sexismus an, sondern er sagt eher, hey, guckt euch mal diesen lustigen...
Johannes Franke: Ja, den lustigen Dicken.
Florian Bayer: Frivolen Sexismus an.
Johannes Franke: Ja, genau. Und das ist halt ein bisschen das Problem. Und man muss dazu sagen, dass Mel Brooks natürlich sich darauf... also sein Leben lang quasi gestürzt hat auf diese Dinge und das in allen seinen Filmen immer wieder macht und ich für ihn akzeptieren kann, dass er dieses Mittel für sich gewählt hat Und man kennt ihn auch genug. Also man kennt ihn als Menschen, glaube ich, als öffentlichen Menschen gut genug. um einschätzen zu können, wie viel davon affirmativ ist und wie viel davon tatsächlich, weißt du, was ich meine?
Florian Bayer: Ich weiß, was du meinst. Das ist aber auch nicht die Frage, glaube ich. Es geht nicht um die Frage, ob Matt Brooks ein Rassist ist. Ich gehe fest davon aus, dass Matt Brooks kein Rassist ist. Es geht nicht darum, ob Matt Brooks ein Sexist ist.
Johannes Franke: Es geht schon auch darum.
Florian Bayer: Die Frage ist einfach auch ... Auch nicht Sexisten, nicht Rassisten können rassistisch und sexistisch handeln. Die Frage ist, wie ist diese Szene? Beschreib mal kurz die Szene, vielleicht auch, wie du sie wahrgenommen hast, was du problematisch findest.
Johannes Franke: Die Szene handelt im Grunde davon, dass der Gouverneur eben seine Aufgaben erledigen soll und er hat natürlich so einen ganz typischen... Eine rechte Hand, die eigentlich seine Hand führt neben sich, der im Grunde alles entscheidet für ihn. Das ist so dieses Typische. Der König wird von seinem Visier, würde man im Englischen... Wie heißt der bei... Disney heißt es. Der Einflüsterer. Der Einflüsterer, der Typ, der dann sagt, so wird es gemacht.
Florian Bayer: Das ist auch der, der entscheidet, dass der Sheriff in die Stadt soll, ein schwarzer Sheriff. Er entscheidet sich bewusst für den schwarzen Sheriff, um zu sagen, hey ... Der wird das vergeigen und dann können wir die Stadt platt machen.
Johannes Franke: Genau, und das sagt er dem Gouverneur natürlich so nicht, sondern er fragt, nimmt einfach Einfluss auf den Gewinner und sagt ihm, hier guck mal, du wirst in die Geschichte eingehen als... Der Gouverneur, der ganz toll und selbst wenn er nach einem Tag erschossen wird, du bist in den Geschichtsmüchern. Der erste schwarze Sheriff. Der erste schwarze Sheriff. Die Szene ist also so aufgebaut, dass wir den Deppen von Gouverneur haben, der schlechteste aller Menschen, die man sich vorstellen kann, das schlechteste alles in sich vereint. Dann hätten wir also die Unfähigkeit, irgendwas zu entscheiden, Unfähigkeit, Dinge zu durchschauen, Unfähigkeit, überhaupt Gesetzesentwürfe sinnvoll zu betrachten. Und den furchtbaren Sexismus, den damit sich rumträgt, die Frau. die er seine Sekretärin nennt, die leicht bekleidet ist und neben ihm sitzt und er eigentlich die ganze Zeit nur auf ihre Brüste starrt und sexuelle Anspielungen macht. Und das ist was, was natürlich der Szene, man kann sagen, die Szene versucht darauf anfangs zu machen, wie absurd und scheiße das ist, aber Es tut zu sehr weh.
Florian Bayer: Diese Zähne ist natürlich auch fleischbeschauer. Sie haben sie in ein sehr attraktives Outfit gesteckt. Sie heben ihre Brüste hervor. Das ist eben diese Gratwanderung. Er macht sich zum einen über diesen Sexismus der Herrscher lustig.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Aber zum anderen betreibt er auch eine Form von Sexismus, weil sie ist natürlich in diesem Moment objektiv.
Johannes Franke: Genau. Und sie spielt auch so.
Florian Bayer: Und sie spielt auch so. Sie ist ja auch, genau, sie kriegt ja keinen Charakter. Sie ist einfach nur das Objekt.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und das ist das Problem in dieser Szene und das ist das Problem ... dieses Films auch, dass er das natürlich anprangern will, dass er natürlich Rassismus, Sexismus und so weiter anprangert, aber er ... benutzt dessen Stilmittel auch. Er betreibt Fleischbeschau. Er macht Witze auf Kosten von Schwarzen. Ja.
Johannes Franke: Nun, warum ich sage, dass ich glaube, dass es schon wesentlich ist, ob Mel Brooks an sich Rassist ist oder nicht. weil dort natürlich die Wurzel allen liegt, was dann kommt. Wenn er dieses Drehbuch schreibt, mitschreibt, wenn er die Leute vor die Kamera setzt, Dann wird alles mit einer bestimmten Haltung erzählt, seiner Haltung. Und für mich macht es den großen Unterschied, ob eine Szene Rassismus befördert. Oder nicht dort, wo ich die Haltung sehe. Die Haltung des Dingen, der das inszeniert.
Florian Bayer: Ich glaube, ich habe da eine andere Vorstellung von Kunst. Von Kunstproduktion und Kunstwahrnehmung. Weil ich würde sagen, wenn ein Kunstwerk produziert wird, Dann geht immer ein Stück der Haltung des Künstlers oder der Künstlerin verloren und es entsteht auch eine neue Haltung darin, wie das Kunstwerk rezipiert wird. Das sehen wir ja über die Geschichte hinweg, dass Filme, Bücher heute anders gelesen werden als damals, dass neue Sachen rein interpretiert werden. Es ist nicht nur die Haltung des Schaffenden die entscheidend ist, sondern auch die Haltung des Rezipienten, beziehungsweise das, was der Rezipient aus dem Film, aus dem Kunstwerk mitnehmen kann. Und wenn ein Kunstwerk bestimmte Klischees reproduziert, selbst wenn es sie auch kritisiert, dann ist es trotzdem ein Stück was weitertransportiert wird. Und wenn das N-Wort benutzt wird in dem Film, dann ist das natürlich eine Reproduktion dieses Wortes. Und das Wort wird in einen Kontext gesetzt, indem es irgendwie normal ist und es trägt dazu bei, dass ein solcher Begriff, der für viele Menschen verletzend ist, normalisiert wird.
Johannes Franke: Also es stimmt, du hast natürlich vollkommen recht. Sonst würde es ja auch den Satz nicht geben, dieser Film ist schlecht gealtert. Ja, also das ist die Quintessenz im Grunde. Ein Film, der vielleicht damals mit einer... für damalige Verhältnisse guten Haltungen gemacht wurde, ist vielleicht später dann nicht mehr... Naja, so adäquat. Das sehen wir in diesem Film.
Florian Bayer: Aber den Zweifel seiner Produktionszeit kann ich ihm nicht komplett geben, weil Warner Bros. hat damals halt auch gesagt.
Johannes Franke: Das stimmt. Herr Brooks.
Florian Bayer: Eigentlich ist das nicht cool. Und die haben es vielleicht auch aus anderen Gründen gesagt. Wahrscheinlich haben die... sich nicht groß mit der Theorie des Rassismus beschäftigt, sondern hatten einfach das Gefühl, dass ein bestimmtes Publikum abgeschreckt ist davon. Aber trotzdem haben sie darauf hingewiesen. Und es war auch damals schon problematisch, der Begriff.
Johannes Franke: Ja. Das heißt, würde dieser Film, also Mel Brooks sagt ja anscheinend, wenn ich das richtig verstanden habe, dieser Film würde nicht funktionieren, wenn Mel Brooks... wenn man dieses Wort streichen würde. Glauben wir, dass dieser Film funktionieren würde, wenn man dieses Wort streicht?
Florian Bayer: Das ist eine gute Frage. Ich glaube, ja. Es geht nur um ein Wort, was das betrifft. Der Film würde auch ohne das Wort funktionieren. Rassismus kann man auch darstellen, ohne das Wort zu benutzen.
Johannes Franke: Ja, aber der Film will ja nicht nur damit Rassismus darstellen. Der will auch... Ich glaube, John Cleese ist immer derjenige, der sagt, dass... Humor, wenn nicht mindestens ein paar Leute offended sind, ist es irgendwie nicht wirklich... Gut. Und ich bin immer nicht ganz sicher... wie zeitgemäß diese Definition ist und inwiefern sie stimmt oder nicht stimmt. Weil wir uns da, glaube ich, in einem Bereich bewegen, der zurzeit einfach sehr viel rumprobieren und rausfinden bedeutet. Weil Humor, ich glaube, Humor ist ... durch diese Political Correctness und so weiter, ein kleines bisschen in der Krise. Ob zu Recht oder nicht, ist sozusagen eine andere Frage, aber es ist gerade in der Krise, weil sich alle überlegen müssen, was Was sollten wir sagen und was nicht?
Florian Bayer: Ich bin total bei John Cleese, dass Humor offhanded sein sollte. Allerdings, wenn... durch den Humor primär die Schwachen, die Unterdrückten und die Ausgegrenzten aufhändet sind, dann hat der Humor versagt, weil Humor Der aufregt und der provoziert, sollte vor allem die Mächtigen provozieren und die Starken. Er sollte nicht die Macht zementieren, indem er nochmal auf die draufschlägt, die sowieso unten sind. Und das ist auch das Problem, was ich mit dieser, im aktuellen Diskurs habe. Mit diesen Leuten, die sagen, man darf ja nichts mehr sagen und es ist so problematisch geworden, wir dürfen keine Witze mehr über Minderheiten machen. Ja, aber mach doch mal Witze über die, die in der Mehrheit sind. Mach doch mal Witze, wenn ihr wirklich edgy sein wollt. dann mach doch Witze über die, die Macht haben. Mach doch Witze über die, die die Mehrheitsgesellschaft bilden. Ich verstehe nicht, warum die Frage immer gestellt wird, Wie dürfen wir über Minderheiten Witze machen? Wie dürfen wir auf Schwache draufhauen? Wir wollen doch auf die Starken draufhauen. Das ist doch der Sinn von Satire.
Johannes Franke: Na gut, bei Satire bist du natürlich bei einem bestimmten Feld von Humor. Also Satire ist nur ein Teilfeld von Humor. Und Satire ist nicht das Einzige, was auf Menschen draufhaut im humoristischen Bereich. Ich bin völlig bei dir, dass wir immer versuchen sollten, eher gegen die Starken zu hauen als gegen die Schwachen. Die Schwachen haben genug auszuhalten. Warum da noch draufhauen? Vollkommen richtig, natürlich, klar. Der Grenzbereich besteht vielleicht dort, wo man einen Humor hat, der eben, wie in diesem Film, auf die Schwachen draufhaut, um zu zeigen, dass auf die Schwachen draufgehauen wird.
Florian Bayer: Das ist das, was ich meinte mit Gratwanderung. Da bin ich ganz bei dir. Und es ist einfach eine Gratwanderung und es ist immer schwierig, das jemandem vorzuwerfen, der sich darauf begibt, der versucht, diesen Balanceakt zu bewältigen, weil es ist sauschwer. Und ich sehe total in dem Film, dass seine eigentliche politische Botschaft ist natürlich eine antirassistische.
Johannes Franke: Ja, definitiv. Aber es tut streckenweise sehr weh und befördert tatsächlich, benutzt dieses Wort und benutzt bestimmte andere Klischees, die eigentlich nicht reproduziert werden. Ja, das ist halt so.
Florian Bayer: Springen wir zurück in die Handlung, weil antirassistische Botschaft, es geht natürlich darum, dass Bart dann Sheriff wird und er zieht dann in diese Stadt Rockridge. Und wie zu erwarten war, sind erstmal alle total schockiert, dass da ein schwarzer Sheriff kommt. Es gibt da wirklich eine wunderschöne Szene, in der er sich selbst als Geisel nimmt.
Johannes Franke: Das ist so typisch Melbrook. Ja. Was ist das Dümmste, was jetzt passieren kann? Ja. Das ist großartig. Und man sieht dieser Entwicklung zu und denkt sich... What? What the fuck? Was passiert da jetzt gerade? Weil er die Entwicklung auch so langsam macht. Das ist nicht so wie bei Monty Python oft, dass so schnell was Absurdes passiert, sondern das entwickelt sich ganz langsam, diese Absurdität, dass er sich selbst... die Waffe an den Hells hält und sagt, back off, sonst erschieße ich den Schwarzen.
Florian Bayer: Er kommt in dieses Dorf und Sie wollen ihn lynchen. Sie haben alles schön vorbereitet. Es steht eine Blastkapelle. Es gibt ein Podium, dass er eine Rede hält. Dann kommt er da rein. Und alle so, fuck, er ist schwarz. Und dann schlägt ihm die geballte Aggression entgegen. Und dann weiß er nur einen Ausweg, er ist nämlich clever. schnappt sich seine Pistole, hält sie sich an die Schläfe und sagt, weg, lasst mich in Ruhe oder ich erschieße diesen Schwarzen. Und er spielt so schön mit diesen Klischees, dass er sowohl das Opfer spielt als auch den Täter.
Johannes Franke: Das ist wirklich gut. Und dann zerrt er sich selbst ins Sheriffhäuschen und alle Bewohner des Dorfes stehen da und denken sich, oh nein, oh nein, wir dürfen nichts tun, sonst... schießt er. Und dann sperrt er sich da ein in dem Häuschen und sagt einmal zum Publikum, Mann, sind die doof.
Florian Bayer: Ich mag übrigens jedes Mal, wenn der Film die vierte Wand durchbrochen hat und das macht er oft, vor allem gegen Ende, aber dazu kommen wir später. Ich habe mich jedes Mal gefreut. Ich liebe einfach den Bruch mit der vierten Wand. Und dann werden wir mit dem zweiten Helden.
Johannes Franke: Ah ja, genau, dann kommt der zweite Held. Du bist dann in dieser... In dieser Zelle, wo der völlig betrunkene Gene Wilder hängt. Vorragend Gene Wilder. Gene Wilder ist halt auch wirklich einfach ein toller Schauspieler. Der war, was der für Klassiker alles bestritten hat. Ja, ganz toll.
Florian Bayer: Bei Proogs Standardbesetzung könnte man sagen.
Johannes Franke: Ganz großartig. Und der war aber auch nicht die Erstbesetzung, oder? Wenn ich das richtig erinnere.
Florian Bayer: Ich glaube... Gerade für diesen Film hat er mehrere klassische Westernstars angefragt. Und er hat unter anderem John Wayne gefragt.
Johannes Franke: Oh.
Florian Bayer: John Wayne hat wohl sowas gesagt wie ... ich fühle mich doch ein bisschen unwohl damit. John Wayne ist natürlich auch so eine Verkörperung des guten konservativen Amerikas. Aber er muss wohl zu Mel Proust gesagt haben, Aber wenn dieser Film im Kino läuft, bin ich der Erste, der ihn sich anschaut.
Johannes Franke: Schön. Sehr gut. Ja, das eigene Image schützen, aber eigentlich fand ich das ganz geil.
Florian Bayer: Vielleicht, um dann nochmal... Ich will es jetzt nicht schon wieder zu sehen, die Rassismus-Ecke ziehen, aber ich fand es ein bisschen schade. Ich habe mich total gefreut, Gene Wilder zu sehen. Gene Wilder ist toll in diesem Film. Ja. Aber es ist natürlich ein bisschen das Problem, dass er Cleveland Little ein wenig die Schau stiehlt. Er stiehlt dem ...
Johannes Franke: Findest du?
Florian Bayer: Dem Sheriff ein wenig den Glanz. Natürlich, er ist dann auch der Revolverheld. Er ist der Mann, der schnell ziehen kann. Übrigens auch toll umgesetzt. ganz toll umgesetzt, oder? Er ist mittlerweile Alkoholiker, aber er war mal der schnellste Revolverheld des Wilden Westens und das hat er immer noch drauf. Und wie sie es illustrieren, ist großartig. Man sieht ihn nicht einmal eine Waffe ziehen. Er sitzt da mit verschränkten Armen und wartet auf seinen Einsatz und dann zack... Man sieht es einfach nicht, man sieht nur wie dem entsprechenden Gangster der Hut weggeschossen wird oder die Pistole aus der Hand geschossen wird und dann sitzt der wieder ganz normal da.
Johannes Franke: Und es ist auch sehr gut geschnitten. Es ist vom Timing her wirklich gut gemacht. Unglaublich gut. Und wie er das das erste Mal beweist, dass er der Schnellste ist, und zwar gegenüber dem Sheriff gegenüber. Sie haben Schach gespielt, was sowieso eine schöne... Situation ist, der Trunkenbold wird aus der Zelle entfernt und Schnitt, sie spielen Schach. Okay. Und dann erzählte er ihm, welche Geschichte er hat und der andere erzählt ihm, welche Geschichte er hat, dass sie mit dem Planwagen rumgereist sind und so. Und dann erzählt er ihm, dass er der schnellste Schütze ist und beweist ihm das, indem er sich einfach hinstellt und sagt ... nimm mal links und rechts von deiner Schachfigur da die Hände und auf drei Greif zu.
Florian Bayer: Und er steht ganz weit entfernt.
Johannes Franke: Und er steht ganz weit entfernt. Und dann macht er das, greift zu. Und wir sehen, wie er diese Schachfigur tatsächlich ... Es ist ohne Schnitt. Es ist sehr gut. Er nimmt die Schachfigur ... Und also die Hände öffnet, ist die Schachfigur weg. Was ein kleiner Zaubertrick ist, was sie sehr gut gemacht haben. Und ich hab mich sehr gefreut darüber. Ich weiß zwar ganz genau, was sie getan haben. Aber es hat mich sehr gefreut, dass sie es so gut umgesetzt haben. Und Gene Walter bewegt sich halt überhaupt nicht. Genau. So gar nicht. Und ist schön umgesetzt.
Florian Bayer: Ja, und dann hat er die Figur in der Hand. Und das ist immer so, in allen Szenen, in denen gezeigt wird, wie schnell er ist. Ist eigentlich immer das Prinzip, man sieht ihn, wie er nichts macht, wie er ganz ruhig da steht. Schnitt auf die Person, die ihm was will.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Es passiert etwas, Schnitt wieder auf ihn zurück, er steht wieder ruhig da.
Johannes Franke: Ganz ruhig.
Florian Bayer: Und in der Zwischenzeit hat er die Person irgendwie kalt gemacht. Jedes Mal toll.
Johannes Franke: Ja. Sehr schön.
Florian Bayer: Ja, aber wie gesagt, er nimmt so ein bisschen den Glanz von unserem eigentlichen Protagonisten dadurch. Auch einfach, weil es Gene Wilder ist. Gene Wilder ist natürlich auch eine Präsenz im Film.
Johannes Franke: Aber dann kannst du Gene Wilder in keinen Film mehr packen, ohne sagen zu müssen, dass der den armen Hauptcharakter die Show stiehlt.
Florian Bayer: Das ist wohl wahr.
Johannes Franke: Das geht dann auch nicht. Naja.
Florian Bayer: Aber sie sind dann tatsächlich erfolgreich. Sie freuen sich miteinander an und sie verteidigen die Stadt gegen die erste Bedrohung.
Johannes Franke: Ganz kurz zwischen, die Rückblende von dem anderen, da ist Mel Brooks als Ureinwohner, der Jiddich spricht.
Florian Bayer: Großartig.
Johannes Franke: Ich dachte, what the fuck is happening? Okay, kann man auch mal machen.
Florian Bayer: Definitiv. Und das fand ich, war ein toller... Satire auf Rassismus, weil einfach hier zwei Minderheiten in den USA, die auf unterschiedliche Weise unterdrückt werden wurden. zusammengebracht werden. Und es funktioniert wunderbar. Und natürlich mit all den Klischees, er tritt da auf als großer Stammeshäuptling mit schicken Kopfschmuck und Sämtliche Western-Klichees drin und dann fängt er an mit seinem Jeddich. Und es ist eine so schräge Szene.
Johannes Franke: Ja, ganz, ganz schräg. Okay, so, und dann sind wir schon bei der Lagerfeuerszene, glaube ich.
Florian Bayer: Sollen wir dazu noch was sagen?
Johannes Franke: Nein, ich glaube, wir brauchen dazu nichts mehr zu sagen. Sie furzen. Okay.
Florian Bayer: Eine lange Szene tatsächlich. Nicht lange genug. Aber wirklich, er dehnt es wirklich aus. Er lässt sich sehr viel Zeit damit, alle Gangster einmal zu zeigen, wie sie aufstehen, wie sie furzen. jeder vor dem Spiel hinsetzen, jeder darf.
Johannes Franke: Oder vielleicht zweimal.
Florian Bayer: Das ist einfach eine einzige große Flatulenz auf Feinwand gebannt.
Johannes Franke: Oh Gott. So sind wir dann schon bei der ... Oh, erinnert sich an die alte Dame. Ja, mit dem Kuchen. Ganz am Anfang wird sie verprügelt in irgendeiner Szene. So halbherzig verprügelt, weil alle sich gegenseitig verprügelt und dann ist halt die alte Dame wird auch fröhlich mit verprügelt und sie guckt auch irgendwie kurz in die Kammer und sagt irgendwas. Wie, ja genau.
Florian Bayer: Moment, ich glaube, das Zitat habe ich sogar aufgeschrieben, weil ich es so witzig finde. Sie wird verprügelt und guckt dann Richtung Publikum und sagt... Have you seen such a cruelty?
Johannes Franke: Und so richtig so mit Würde. Ja. Als wäre sie gerade nicht verprügelt worden, sondern sie erklärt dem Publikum nochmal, was wir empfinden sollen.
Florian Bayer: Genau. Schaut euch an, hier wird eine alte Dame verprügelt. Ich bin übrigens diese alte Dame. Und jetzt weiter im Text.
Johannes Franke: Und später geht der Sheriff auf sie zu, der neue schwarze Sheriff geht auf sie zu und begrüßt sie überschwänglich mit den schönsten Worten, die ihm einfallen. Und sie schlottet ihm im Grunde nur das N-Wort zu und geht weiter, grummelnd. Und im Verlauf des Films bringt sie ihm dann einen Kuchen.
Florian Bayer: Ja, weil er den ersten Ganon, der auf die Stadt losgelassen wird, besiegt. In einer tollen Looney Tunes Szene.
Johannes Franke: Die Musik ist drin, oder?
Florian Bayer: Er macht einfach eine Looney Tunes Aktion. Dieser Oberganove-Mongo, ein extrem dummer, extrem gefährlicher Ganovo-Mongo. Ist in der Stadt, sorgt für Unruhe und dann verkleidet sich der Sheriff Bart als Postbote und bringt ihm ein Paket. Und das ist komplett Bugs Bunny?
Johannes Franke: Es ist komplett Bugs Bunny. Also sie haben eigentlich nichts anders gemacht als im Cartoon.
Florian Bayer: Das ist natürlich eine Bombe, die explodiert. Die dann vor dem Gesicht von Mongo explodiert. Und wir hören die nun in Tonsmusik.
Johannes Franke: Genau. Und Sheriff Bart tanzt auch noch wie Bugs Bunny im Abgang.
Florian Bayer: Kannst du das einmal summen? Ich kann nicht gut summen.
Johannes Franke: Dumm, dumm, dumm, dumm, dumm, dumm, dumm, dumm, dumm, dumm, dumm, dumm, dumm, dumm, dumm. Oh Gott. Und es ist auch, diese Bombe geht natürlich auch so russig und so, weißt du, so völlig harmlos hoch wie im Cartoon. Ja. Und dann wird er im Sheriff-Häuschen angekettet und ist erstmal stillgelegt. Ja. Was wir übersprungen haben, ist den Auftritt der Dame.
Florian Bayer: Kam die nicht danach? Du meinst die deutsche Dame?
Johannes Franke: Kurz davor kommt die deutsche Dame, die Marlene Dietrich darstellen soll.
Florian Bayer: Mit einem wunderbar deutschen Akzent.
Johannes Franke: Ganz großartig.
Florian Bayer: Ist dir aufgefallen, dass Cleveland Little besser Deutsch spricht als sie?
Johannes Franke: Ja! Ich fand es so beeindruckend. Ich dachte, hä? Wo kannst du das her? Und sie bricht sich so einen ab am Englischen und er völlig selbstverständlich
Florian Bayer: Also den Akzent spielt sie großartig, aber jedes Mal, wenn sie ein paar deutsche Worte sagt, hört man doch sehr raus, dass sie keine Deutsche ist. Und dann Cleven Little, um sie zu beeindrucken, sagt so ein, zwei deutsche Sachen. Und das ist wirklich akzentfrei.
Johannes Franke: Absolut super. Großartig.
Florian Bayer: So, jetzt muss ich einmal nachschauen, ob er irgendwie einen deutschen Hintergrund hat, ob er in Deutschland gelebt hat oder so. Nee, in Chicago geboren, San Diego. Nein, er war nie in Deutschland. Aber offensichtlich hat er es drauf.
Johannes Franke: Naja, diese Frau hat jedenfalls einen wirklich guten, großartigen Auftritt.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: vor der Meute der Stadt. Wie das eben im Wilden Westen dann so... Oh Gott, die Klischees. Und ist so ein Marlene Dietrich-Verschnitt mit auch einem Song, der eben so gestaltet ist, als hätte ihn Marlene Dietrich. singen können. Und dann kriegt sie den Auftrag vom... Von wem? Vom Gouverneur? Nee, von dem Berater vom Gouverneur.
Florian Bayer: Von dem Berater, von dem Einflüsterer.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Hetley, Hetley, Hetley.
Johannes Franke: bekommt sie den Auftrag, sich an den Sheriff ranzumachen, um ihn stillzulegen.
Florian Bayer: Hetley Lama heißt er. Da gibt es übrigens irgendeine Anspielung, die ich nicht verstanden habe, auf eine Schauspielerin namens Heidi Lamar. Sie sagen immer seinen Namen falsch, sie sagen immer Heidi zu ihm. Und er sagt dann Headley. Und es gab eine Schauspielerin, Hedi Lamar. Und irgendwas von der Gossip-Presse oder so wird da parodiert. Und sie hat sich beschwert darüber ... Und sie wollte dann eine Entschuldigung. Und es gab dann offensichtlich, sie hat auch Geld dafür gekriegt. Auf jeden Fall gab es eine Entschuldigung, die ungefähr so lautete, Entschuldigung, dass wir fast ihren Namen im Film benutzt haben.
Johannes Franke: Geil.
Florian Bayer: Genau, sie wird von ihm beauftragt, den Sheriff abzulenken.
Johannes Franke: Ja, um den Finger zu wickeln und vielleicht irgendwann auch zur Seite beiseite zu bringen quasi.
Florian Bayer: Kurze Zwischenfrage, ist Blazing Settles ein Musical? Weil du hast jetzt ihren Auftritt genannt, am Anfang ist das Lied, dann ist dieser Arbeiter-Songbattle und es sind viele Musical-Nummern drin.
Johannes Franke: Man könnte fast jedem Film von Mel Brooks unterstellen, dass er einen Musical-Ansatz hat. Also zumindest die, die ich kenne, die Filme von Mel Brooks. Und vielleicht sagt das viel über mich aus, dass ich ausgerechnet die Filme von Mel Brooks kenne, die so musicalmäßig sind. Weil es gibt immer Gesangs- und Tanzen. Es gibt doch auch bei diesem Frühling für Hitler, wie heißt der Film? The Producers.
Florian Bayer: Ja, da geht es ja um Musicals.
Johannes Franke: Ja, da geht es um Musicals natürlich, aber irgendwie, ich glaube, er hat einen Broadway-Hintergrund, oder? Ja, bestimmt. so teils in die Richtung.
Florian Bayer: Ich gehe gerade seine Filmografie durch und tatsächlich Jan Frankenstein. Auf jeden Fall Musical-Nummern, Helden in Strumpfhosen, Musical-Nummern. Ha, da, alter Film. Das Remake von Lubitsch. Sein oder nicht sein. Keine Musical-Nummer, oder?
Johannes Franke: Bin mir grad nicht sicher. Wahrscheinlich nicht.
Florian Bayer: Aber das war auch nicht so eine absurde ... Comedy-Nummer wie seine anderen Filmen.
Johannes Franke: Aber schon extrem gut.
Florian Bayer: Extrem gut und extrem witzig, aber nicht so viel näher an der Realität.
Johannes Franke: Das stimmt.
Florian Bayer: Fast allen seinen Filmen bricht er ja irgendwie komplett mit dem realistischen.
Johannes Franke: Aber sein oder nicht sein ist halt auch A, ist es ein Remake. B, ist es Das Thema ist so ernst. Ich glaube, da hat selbst Mel Brooks gesagt, das müssen wir ein bisschen ernster aufziehen.
Florian Bayer: Ja, wahrscheinlich.
Johannes Franke: So vom Gefühl her.
Florian Bayer: Ja, meine Frage war tatsächlich, Western, Musical, Spoof, Parodie? Spürst du, was ich spüre?
Johannes Franke: Oh mein Gott, es kommt eine Top 3 auf uns zu. Top 3! Warum sind es keine Top 5 mehr?
Florian Bayer: Weil uns das das letzte Mal zu lang vorkam. Wir machen keine Top 5 Listen mehr. Sie macht jeder Top-5-Listen.
Johannes Franke: Stimmt. Also echt mal. Und wir sind doch wirklich ganz anders als alle anderen Podcasts.
Florian Bayer: Und eine Top 6 wäre zu viel gewesen.
Johannes Franke: Eine Top 4 wäre doch was gewesen, hör mal. Also Top 3 ist so typisch, Top 5 ist so typisch.
Florian Bayer: Wir machen jedes Mal eine andere Zahl. Machen wir auch mal so eine Top 13. Oh nein. Top 75. Einfach um das Publikum zu nerven.
Johannes Franke: Achso, das habe ich wieder im anderen Programm.
Florian Bayer: Top 3 Filmparodien.
Johannes Franke: Top 3 Filmparodien.
Florian Bayer: Ein großes Feld, ein großes Genre. Soll ich einfach anfangen werfen? Fang mal an.
Johannes Franke: mit deiner Nummer drei?
Florian Bayer: Ich glaube meine... Ich setze anders an. Die... Die Vorstellung von, wie Filmparodien sein müssen, ist stark geprägt von Mel Brooks und noch mehr von Saka Abrahams Saka. Und leider in jüngeren Jahren noch mehr von diesen schrecklichen Date-Movie- Whatever-Movie-Filme von diesen Brüdern, deren Namen ich gerade nicht weiß, die Scary Movie gemacht haben. Seltzer? Und auf jeden Fall ist diese Vorstellung, dass es alle 30 Sekunden einen Witz geben muss. Irgendein Dom Karlauer, irgendeine Referenz.
Johannes Franke: Ja, also Scary Movie.
Florian Bayer: Aber meine Nummer drei bricht da so ein bisschen raus. Und zwar ist meine Nummer drei Darkstar von John Carpenter. Aus den 70er Jahren.
Johannes Franke: Das kenne ich gar nicht.
Florian Bayer: Eine Parodie auf 2001. Die See im Weltraum.
Johannes Franke: Genau deswegen mache ich diesen Podcast mit dir. Damit ich solche... Was ist das?
Florian Bayer: Aus dem Jahr 1974 und er fällt komplett raus, was... Parodien und Spoofs betrifft, zumindest wenn man nach diesem Konzept geht, wie es von Mel Brooks und Saka Abrams etabliert wurde. Weil er hat wirklich lustige Sachen drin. Aber er hat nicht alle 30 Sekunden einen Witz. Und er hat auch nicht tausend Referenzen, sondern er konzentriert sich sehr auf die Veralberung von ... 2001 vielleicht noch so ein bisschen von Solaris und von diesem Trend zum philosophischen Science-Fiction, den es Anfang der 70er, Ende der 60er eben durch Stanley Kubrick gab. Und er macht das ganz toll, weil er hatte eine philosophierende Bombe. Meiner Meinung nach ist eine Bombe, die darüber nachdenkt, ob sie sich selbst in die Luft sprengt und damit das gesamte Raumschiff. Und diese Bombe ist meiner Meinung nach viel cleverer. Und viel philosophischer als Hell aus 2001, Otisie im Weltraum. Und sie ist als Parodie darauf angelegt. Und er hat wirklich einige tolle philosophische Zähne, aber dann auch sowas wie einen Außerirdischen, der aussieht wie ein großer Beachvolleyball. Nicht wie ein Beachvolleyball, wie ein großer Beachball. So ein klassischer Wassersandball.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ich glaube, das Kostüm ist sogar genau das. Und es wird, neben den existenziellen Fragen, wie man mit Einsamkeit im Weltraum umgeht, geht es auch um die Menge an Klopapier, die man braucht.
Johannes Franke: Und
Florian Bayer: Wer wem zum Geburtstag gratuliert hat. Ein ganz toller Film.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Nicht die Art von Parodie, die man heute kennt, die man erwarten würde, wenn man von ... Monty Python, Saka Abrams und so weiter sozialisiert wurde. Aber definitiv ein sehenswerter Film.
Johannes Franke: Was hat Carpenter sonst gemacht? Ich bin gerade wo ganz anders, was seine Filme betrifft.
Florian Bayer: Carpenter ist kein Spoof-Regisseur. Natürlich, Halloween ist sein bekanntester Film wahrscheinlich. Genau.
Johannes Franke: Und ansonsten viel ... Ist er eher so ein bisschen trashig, so vom Gefühl her.
Florian Bayer: Ja, trashig klingt so böse. Er hat ... Ja, er hat schon eher so Low-Budget-Filme gemacht, die allerdings aus wenig Budget viel rausnehmen. The Thing, also das Ding aus einer anderen Welt ist noch von ihm.
Johannes Franke: Okay, das habe ich nicht gesehen.
Florian Bayer: Big Trouble in Little China und Escape from New York, die Klapperschlange. Das sind so die großen Actionfilmen, die er gemacht hat mit Kurt Russell, glaube ich. Mhm. Also eigentlich ganz viel so aus den Bereichen Action, Thriller, Horror, aber tatsächlich wenig Komödien.
Johannes Franke: Mein Platz Nummer drei, meine ganze Liste eigentlich, nicht ganz, aber meine Liste, als ich sie angefangen habe. Eigentlich nur damit zu tun, was ich als Kind gesehen habe. Okay. Diese ganzen 80er-Titel. Und da wäre eben Police Academy drin.
Florian Bayer: Oh, Police Academy? Würdest du als Spoof einordnen, als Parodie?
Johannes Franke: Natürlich.
Florian Bayer: Interessant.
Johannes Franke: Warum nicht?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also da wird ein Haufen Zeug verarbeitet, was so an Kriminalzeug und an... an wie kriegen wir den Killer oder wie kriegen wir die Polizeiarbeit und so. Das gab es ja auch in den 80ern ganz viel mit irgendwelchen Ich glaube, genau das kommt auch aus den 80ern, oder? Dieses Geräusch. Wahrscheinlich. Also, weißt du, und das, ich, Police Academy hat das ganz großartig gemacht. Okay. Also ist natürlich auch über die Zeit hat es sich verselbstständigt. Also ist ja quasi ein eigenes Genre fast geworden, weiß ich nicht.
Florian Bayer: Es gibt so viele Police Academy Filme, 7, 8, 9, ich weiß es gar nicht genau. Und die werden auch von Mal zu Mal schlechter.
Johannes Franke: Ja, weil sie auch eben nicht mehr dieses frische, wir parodieren jetzt die, die und die und wir arbeiten uns an dem ganzen Genre ab, sondern wir haben irgendwie... einfach eine eigene Welt erschaffen und versuchen darin noch irgendwas zu finden, was vielleicht gar nicht so schlau ist.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Okay, das war mein Platz 3. Was ist denn Platz 2?
Florian Bayer: Mein Platz 2 ist, jetzt kommen wir zu den klassischen Spoof-Parodie-Filmen, Hot Shots. Aus dem Jahre 1991 von Jim Abrahams, der ganz in der Tradition dieser Abrahams-Sucker-Abrahams-Filme steht und meiner Meinung nach der beste dieser Filme ist.
Johannes Franke: Ja, den habe ich ja auch auf Platz 2 tatsächlich.
Florian Bayer: Ist ja witzig. Toller Film. Und hat meiner Meinung nach dieses Konzept... Ein Witz alle 30 Sekunden am besten umgesetzt und findet die richtige Balance zwischen viele Referenzen auf andere Filme, viele Verarschungen von anderen Filmen. Aber nicht zu viele. Es ist nicht so ein reines Referenzlauf. Man hat nicht das Gefühl, dass der Film sich daran ergötzt, wie viele Filme er kennt und parodieren kann, sondern er findet die richtige Mischung.
Johannes Franke: Okay, cool. Okay, dann habe ich jetzt leider schon meinen Platz zwei, aber ich könnte ihn ersetzen durch was anderes auf meiner Liste. Dann haben wir noch was. Johnny English.
Florian Bayer: Oh, tatsächlich Dings da.
Johannes Franke: Ron Atkinson.
Florian Bayer: Ron Atkinson.
Johannes Franke: Der mal eben von der Rolle von Mr. Bean ein bisschen abgesprungen ist und sich gedacht hat, ich mache mal was Neues. Und dann eben einen Agenten erfunden hat, 007, bloß eben in, naja, Loser. Und ich finde, er hat mit dieser Figur, mit Johnny English, hat er ganz viele, ganz tolle Optionen, ganz viele Möglichkeiten. Humor unterzubringen, die er mit Mr. Bean nicht hatte, weil Mr. Bean doch sehr festgelegt war irgendwann auf eine bestimmte Art von Humor und bestimmte Slapstick und eine bestimmte... War zu reden und so. Und Johnny English hat eine ganz neue Welt aufgemacht, die er ganz wunderbar explored hat.
Florian Bayer: Gerade bei Atkinson ist das auch echt schade, dass er so festgesetzt wurde dann auf diesen stummen Slapstick.
Johannes Franke: Der hat ganz viele tolle Sachen gemacht dann. Genau.
Florian Bayer: Das letzte Mal hast du schon gesagt, oder doch das letzte Mal bei den Serien hattest du auch Black Adders ganz weit vorne.
Johannes Franke: Genau, ja, genau. Also ich bin ein großer Ron Atkinson Fan. Ja. Ach schön, dann habe ich das jetzt auch noch an die Liste gekriegt.
Florian Bayer: Super.
Johannes Franke: Wäre sonst rausgefallen.
Florian Bayer: Honorable Mention wurde auf Platz 2 befördert.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Platz 1. Platz 1 bei mir ist Spaceballs von Mel Brooks. Ich sag nicht, dass es auf deinen Platz einzeln ist.
Johannes Franke: Er wird jetzt degradiert zu den honorable Menschen und ein anderer hinkommt.
Florian Bayer: Mein Liebster, mein Proogs-Film und nicht nur das ... Meine liebste Filmparodie generell. Und um noch ein kleines Geständnis loszuwerden, ich habe Spaceballs gesehen, bevor ich den Original Star Wars gesehen habe.
Johannes Franke: Ich auch.
Florian Bayer: Und das hat mich so geprägt.
Johannes Franke: Spaceballs war das Erste, was ich aufgeschrieben habe, als ich überlegt habe, was mir so einfallen würde. Und der ist die ganze Zeit auf Platz 1 geblieben, aber jetzt muss er natürlich runter.
Florian Bayer: Nein, muss er nicht.
Johannes Franke: Doch, doch, da kommt was anderes hin.
Florian Bayer: Du kennst noch genug andere?
Johannes Franke: Aber Spaceballs ist großartig und das hat mein Gefühl für dieses Genre geprägt von Kindes, also wirklich ganz, ganz jung. Ich weiß nicht, wie alt ich war. Es ist eine der ersten Parodien, die mir überhaupt wieder ins Gedächtnis kommen. Also ich glaube, es ist das Erste, was ich gesehen habe in der Richtung. Und ich fand es so großartig und ich bin meinem Papa bis heute dankbar, dass er mir Spaceballs gezeigt hat. Das ist so toll. Durchkämmt die Wüste ist etwas, was ich immer noch... immer wieder im Kopf habe.
Florian Bayer: Ja, fantastisch. Als ich Star Wars dann zum ersten Mal gesehen habe, war ich total irritiert, weil mir Sachen gefehlt haben, die ich bei Spaceballs so toll fand.
Johannes Franke: Schön. Und die Haare, die eigentlich nur Kopfhörer sind. Nee, Ohrwärmer. Ach, Mann. Ach so toll. Spaceballs ist es. Muss ich unbedingt mal wieder gucken.
Florian Bayer: Ein Meisterwerk, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Ja. Na gut, dann mache ich jetzt auf Platz 1 etwas, was eigentlich ... kontrovers vielleicht nicht als Parodie zu werten ist.
Florian Bayer: Ich finde Police Academy schon schwierig als Parodie einzuordnen.
Johannes Franke: Deadpool.
Florian Bayer: Oh, okay.
Johannes Franke: So, und jetzt diskutieren wir darüber, ob Deadpool eine Parodie ist oder nicht.
Florian Bayer: Ich muss ja dazu sagen, dass ich Deadpool gar nicht so mochte, den Film.
Johannes Franke: Ich mochte ihn tatsächlich sehr. Weil, obwohl ich am Anfang, als mir das erzählt wurde, wie das wieder so drauf ist und so, habe ich gedacht, oh, das ist mir bestimmt zu pipi kaka und zu der. Werbe und so. Zu edgy. Aber nein, ich fand es eigentlich tatsächlich hinten raus verdammt geil, weil er so viele Sachen... Er ist seine eigene Parodie, finde ich.
Florian Bayer: Er ist eine Parodie auf sich selbst. Das würde ich durchgehen lassen, ja.
Johannes Franke: Und das finde ich toll. Das finde ich großartig. Und viele Marvel Cinematic Universe Filme haben Ansätze dazu, Warum nimmst du da nicht Thor Ragnarok? Ja, ich hab drüber nachgedacht, aber Deadpool macht das, finde ich, noch deutlicher.
Florian Bayer: Aber ich finde Thor Ragnarok ist die bessere Komödie.
Johannes Franke: Das stimmt vielleicht.
Florian Bayer: Das stimmt.
Johannes Franke: Thor Ragnarok war wirklich das Highlight überhaupt. Also bis heute das Highlight der Cinematic Universe. Das stimmt.
Florian Bayer: Ja, bei Deadpool. Der ist so ein bisschen auch an mir vorbeigerauscht. Auch wenn er edgy war. Es fällt für mich in diese Ecke Marvel-Filme. die vorbeifliegen, die man guckt und man hat Spaß. 90 Minuten lang oder 120 oder 150, wenn sie zu lang sind. Aber man vergisst total schnell, worum es geht. Ich könnte dir nicht sagen, wie der superböse Wicht war. Aber ich kann dir nicht sagen, wie sich die Story entwickelt hat. Aber es ist einfach so, es ist komplett vergessen. Genauso wie ich die Iron Man Filme nach dem ersten Teil, Iron Man 2 und 3 immer durcheinander werfe, weil das alles so generisch und so austauschbar ist.
Johannes Franke: Aber kannst du die Story von Hotshots noch ... Ja. Ja, echt, wirklich?
Florian Bayer: Hotshots könnte ich dir Zähne für Zähne nachsprechen. Ja.
Johannes Franke: Aber nur, weil du es so oft gesehen hast.
Florian Bayer: Ja. Aber natürlich habe ich ihn so oft gesehen, weil es ein fantastischer Film ist.
Johannes Franke: Ja, aber ich wüsste immer noch nicht, worum es ging. Ich weiß nur, dass die da irgendwo landen und dann werden irgendwelche Handgranaten geworfen und irgendwelche, weiß ich nicht.
Florian Bayer: Wo bist du gerade? Bei Hot Shots?
Johannes Franke: Ja, bei Hot Shots.
Florian Bayer: Sie landen irgendwo? Es geht um die Fliegerakademie.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und er hat einen Vaterkomplex, weil er glaubt, dass sein Vater ein Verräter war. Und Charlie Sheen.
Johannes Franke: Ich weiß nicht. Ich kann dir nicht mehr sagen, worum es ging. Und es gab auch von Hot Shots zwei Teile, oder?
Florian Bayer: Ja, es gab zwei Teile. Und der zweite Teil ist auch extrem gut, immer noch. Der zweite Teil ist eine Rambo-Parodie.
Johannes Franke: Da landen sie, glaube ich, und werfen an Granaten. Das ist es. Warum kann ich ausgerechnet das?
Florian Bayer: Ist Hot Shots 2 eigentlich dein Platz 1?
Johannes Franke: Vielleicht ist Hot Shots 2 mein Platz 1, ich weiß es nicht genau.
Florian Bayer: Hot Shots 2 ist wirklich auch ein... Fantastischer Film.
Johannes Franke: Es kann sein, dass es der ist, ja. Ich weiß es halt nicht mehr, weil ich nicht nochmal geguckt habe. Wo sie im Dschungel unterwegs sind. Ja, sie ist im Dschungel unterwegs.
Florian Bayer: Ja, das ist Hotshots 2. Dann musstest du gar keinen Platz 1. Verdammt. Dann ignorieren wir jetzt einfach, dass du Deadpool genannt hast und sagen, Hotshots 2 ist dein Platz 1.
Johannes Franke: Okay, gut.
Florian Bayer: Darf ich noch eine Frage zu dem Thema stellen? Glaubst du, dass Parodien tot sind? Dass das Genre tot ist? Weil es ist ja in den letzten 20 Jahren gab es ja wirklich diese Schwämme an Filmen von Jason Freakbird und Aaron Seltzer. Das sind die Namen. Dieses ... Date-Movie, Disaster-Movie, diese Parodien auf 300 und auf ... Fifty Shades of Grey wahrscheinlich mittlerweile auch. Und immer, wenn irgendwas erfolgreich war, haben sie so eine Parodie gemacht. Und ich hab ... zwei oder drei von diesen Filmen nie richtig ganz gesehen, weil ich es meistens ausgemacht habe.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil die einfach nicht mehr lustig sind.
Johannes Franke: Ja, das Problem ist, dass sie sich eine ganz bestimmte Art und Weise angeeignet haben, das Ganze zu machen. Die haben irgendwie ein... ich glaube, irgendein Rezept irgendwo rumliegen und nach dem wird es dann gemacht. Und dann ermüdet das halt, wie eben auch dieses typische Hollywood-Blockbuster-Rezept eben funktioniert, wie ein Liebeskomödien oder von, weiß ich nicht, ne? Und du dann eigentlich schon mitsprechen kannst, weil du genau weißt, was als nächstes, welcher Turn-off-Events jetzt kommen muss.
Florian Bayer: Das krasse ist, die haben die schlechtesten Filme gemacht, wenn man nach Rotten Tomatoes geht. So mit 0%, 4%, 1% bei Rotten Tomatoes.
Johannes Franke: Krass. Und das weißt du alles aus dem Kopf, Blum?
Florian Bayer: Mein Kopf ist wie Wikipedia. Ah, okay. Und bis 2010 zumindest scheiß erfolgreich.
Johannes Franke: Krass, Mann.
Florian Bayer: Mit so einem Budget von so 20 Millionen pro Film haben die meistens das Vierfache eingenommen.
Johannes Franke: Krass.
Florian Bayer: Also so 80, 90 Millionen haben ihre Filme gemacht, trotz... vernichtender Kritik und ich finde die Filme auch alle so schlecht. Also das, was ich gesehen habe.
Johannes Franke: Ja, es ist halt irgendwie, geht es in Special Interest rein dann irgendwann. Vielleicht? Und dann hast du irgendwie eine quasi Serien von Filmen, also ne, du hast... Ein und selbe Konzept wie eine Serie, eben auf unterschiedliche Themen sich gestürzt, auf eben ... Mal die Actionfilme und manchmal die Horrorfilme und mal die, weiß ich nicht, Liebeskomedien.
Florian Bayer: Zumindest die letzten Filme waren offensichtlich nicht so erfolgreich. Das Starwing Games, ich gehe mal davon aus, das ist die Tribute von Panem Parodie.
Johannes Franke: Ja, gut. Klingt so.
Florian Bayer: Die hat ein Budget von 4 Millionen und hat nicht mal 4 Millionen eingenommen am Boxoffice.
Johannes Franke: Fuck.
Florian Bayer: Aber das ist, ja, okay. Ich hab das Gefühl, das Genre, das könnte mal wieder so eine Revitalisierung gebrauchen. Es bräuchte so einen jungen Wilden und eine junge Wilde, die es irgendwie schaffen, was Neues ...
Johannes Franke: Parodien funktionieren vor allem, wenn der Rest der Welt, also der Rest der Filmwelt, sich auf etwas ganz Bestimmtes eingeschossen hat. Eine Horrorfilmparodie funktioniert ja nur, wenn es genug Horrorfilme gibt, die nach einem bestimmten Muster gestrickt sind, damit du dich darüber lustig machen kannst. Gibt es das zurzeit?
Florian Bayer: Bestimmt. Es gibt Superheldenfilme. Wahrscheinlich haben die sogar eine Superheldenparodie gemacht.
Johannes Franke: Das Ding ist halt und weswegen ich ja auch Deadpool als Parodie verstanden habe, ist, dass Marvel es schafft, das ein kleines bisschen zu umgehen, indem sie so selbstreferenziell in sich selbst sind, dass sie ja... jede Parodie schon abgearbeitet haben im Grunde.
Florian Bayer: Sie machen es in den Parodien schwer, weil sie genug Augenzwinkern mit an Bord haben.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Übrigens eine Stärke von Marvel.
Johannes Franke: Ja, absolut. Ganz im Gegensatz zu DC.
Florian Bayer: Ich bin jetzt echt nicht der größte Marvel-Fan. Mittlerweile gibt es bei mir so eine Ermüdung, was Marvel-Filmen betrifft.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Aber sie sind immer noch lustig und unterhaltsam. Gerade weil sie lustig sind, selbst die Schwächeren von ihnen. Aber es ist auch genug. Ich kann keine Superheldenfilme mehr sehen. Was war der letzte? Es gab jetzt einen Wonder Woman, aber das ist ja DC, einen neuen. Und der kam wohl auch nicht so gut weg bei der Kritik. Was war der letzte Marvel-Film?
Johannes Franke: Keine Ahnung.
Florian Bayer: Den letzten Spider-Man zum Beispiel habe ich schon nicht mehr gesehen, obwohl ich den davor, den Homecoming eigentlich ganz gut fand.
Johannes Franke: Ich bin gerade so überfragt. Das ist auch ein bisschen gemein. Ich mag die ganz gerne, aber es kann natürlich sein, dass das Übermüden, was du jetzt gerade beschreibst bei mir, so irgendwie auch… so unbewusst stattgefunden hat, weswegen ich mich eben jetzt auch gar nicht mehr erinnern kann, was ich als letztes gesehen habe. Ich fand halt Thor Ragnarok einfach so großartig, dass ich glaube, dass alles andere, was danach... kam und was ich gesehen habe, einfach sich, weiß ich nicht, dem unterordnen musste, so mehr oder weniger.
Florian Bayer: Also Black Panther war auf jeden Fall sehr gut. Der ist auch ein bisschen ausgebrochen.
Johannes Franke: Das stimmt. Oh ja.
Florian Bayer: Aus der Formel.
Johannes Franke: Da möchte ich gerne mehr sehen von. Aber der eine Typ ist gestorben, der eine Schauspieler.
Florian Bayer: Ja? Ja. Der den Jackpenter gespielt hat?
Johannes Franke: Der den Herausforderer gespielt hat, glaube ich. Oder? Weiß ich nicht genau. Nee, Moment. Ach, ich weiß es nicht mehr. Du hast doch Google, hör mal.
Florian Bayer: Ja, einmal kurz gucken. Und ich fand Captain America, fand ich, war auch ein sehr guter Film. Der hatte auch wieder schön viel Humor an Bord. Ja, tatsächlich. Chadwick Boseman ist der Darsteller von Black Panther. Der ist gestorben im August 2020. Ja. Das ist traurig. Krebs. Wir machen eine kurze Pause und melden uns gleich wieder mit etwas etwas Lustigeren.
Johannes Franke: Ja, lass uns mal zurück zum Film gehen.
Florian Bayer: Die Teutonen.
Johannes Franke: Und aus dem Loch raus.
Florian Bayer: Lilly von Stupp verliebt sich dann in Bart. Ganz unerwartet, den sie eigentlich um den Finger wickeln soll. Weil er ein echter Mann ist. Es gibt diese tolle Szene im Dunkeln, wo sie sagt ... Reproduktion von rassistischen Stereotypen. Stimmt das, was man über euch sagt? Man hört wie ein Sip, ein Reißschuss geöffnet. Reißverschluss geöffnet wird und dann sagt sie, oh ja, es stimmt. Und diese eine Nacht reicht dann auch offensichtlich, um sie in ihn verliebt zu machen. wodurch unser Bösewicht Hedley Lamar seinen Plan wieder ändern muss. Und er nimmt sie dann als Geisel.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dann kommt es zum großen, furiosen Showdown. Wenn er dann nämlich beschließt, alles, was er an Bösewicht dann findet, auf die Stadt loszulassen.
Johannes Franke: Ja. Kommen wir also zum dümmsten Plan dieses Films, dass sie versuchen, die Stadt nachzubauen. Innerhalb kürzester Zeit bauen Sie die Kulisse dieser Stadt nach und hoffen, dass einfach die Ganoven denken, Jaja, wir rennen jetzt die Stadt nieder und bekommen nicht mit, dass wir nur Pappe umhauen oder was? Hä? Wie ist der Plan?
Florian Bayer: Das ist der Plan. Alles mit Dynamit präpariert, damit die Ganoven, die Bösewichter, die übrigens unter anderem, das muss einmal kurz gesagt werden. Wir haben da Mitglieder vom Ku Klux Klan. Wir haben Nazis, und zwar literal Nazis aus dem Zweiten Weltkrieg in Nazi-Uniformen.
Johannes Franke: Das ist so bescheuert.
Florian Bayer: Ja. Eine Motorradfahrer-Gang. Ja. Und diverse Kriminelle.
Johannes Franke: Aber die Motorradfahrer haben nur die Handles in der Hand. Die haben nicht das Motorrad, sondern die haben nur die Handles in der Hand. Genau.
Florian Bayer: Und es gibt auch diese tolle Szene, wo sie sich dann bewerben als Bösewichter.
Johannes Franke: Und natürlich entdeckt werden und rennen müssen. Oh Mann. Naja, unter dann bauen sie es irgendwie des Dingens auf und dann fällt ihnen auf, oh nein, das ... Das ist ja nicht bevölkert, das Dorf. Wir müssen noch irgendwie Pappmaché, Pappaufsteller, Bewohner bauen, die natürlich auch alle sehr überzeugend sind.
Florian Bayer: Gesagt, getan. Ja, genau. Das ist kein richtiges Problem. Sie sagen, oh, die Bewohner fehlen uns. Und dann haben sie innerhalb kürzester Zeit diese Pappaufsteller da stehen.
Johannes Franke: Aber sie können anerkennen, dass sie noch Zeit dafür brauchen und deswegen einen Plan brauchen, um die Ganova noch ein wenig aufzuhalten. Also bauen sie eine Zollstelle. Schranke auf, um Wegzoll ein Dime pro Person und Pferd zu verlangen. Und natürlich könnte man um diesen Zollschrank auch drum herum reiten. Aber natürlich hält sich jeder Ganove sehr vorbildlich daran, an diese Schranke zu gehen, den Daim einzuwerfen, um dann durchreiten zu dürfen.
Florian Bayer: Ist auch toll, wie sie alle da stehen und dann nach Kleingeld kramen. Hat jemand von euch noch was? Verdammt, ich hab kein Kleingeld dabei. Der Plan funktioniert. Sie schaffen es, die ganzen Pappfiguren aufzustellen.
Johannes Franke: reiten die Ganoven ins Dorf, werden dann mit Dynamit teilweise schon niedergestreckt und dann kommen die Bewohner und erledigen den Rest.
Florian Bayer: Und es kommt zur besten Szene des gesamten Films.
Johannes Franke: Meinst du, wie Marlene Dietrich verschnitten mit den zweiten Weltkriegssoldaten rumsitzt in der Ecke irgendwo? Das habe ich im Hintergrund gesehen und da bin ich sehr gefreut.
Florian Bayer: Das habe ich gar nicht gesehen. Aber das passt super. Nein, ich meine, was danach passiert.
Johannes Franke: Du meinst das komische völlig aus allem raus Ende?
Florian Bayer: Wir befinden uns in einem Pappmachethof. Wir befinden uns in Hollywood. Da wird ein Western gedreht. Natürlich. Eben dieser Western-Placing-Saddles. Und in dieser Schlägerei eskaliert das alles so ein bisschen. Und dann prügeln die sich über das halbe ... Warner Bros. Studio-Gelände. Und das ist so schön.
Johannes Franke: Das ist übrigens nicht das Warner Brothers Studio. Ich habe den Namen aber wieder vergessen. Egal, auf jeden Fall rennen sie erstmal in eine andere Musicalproduktion rein, wo sie gerade Tophead persiflieren. Ein Film aus den 50ern mit Fred Astaire. Wo sie alle in Anzügen und mit ganz tollen Frack und Zylinder irgendwie gerade tanzen. Dann kommen die eh. Westernleute rein und verprügeln alle. Dann geht es weiter in die Mensa. Ja, wo sie dann auch sich einfach ausbreiten und prügeln.
Florian Bayer: Als wir zu einer Torten schlagen. Sie werfen dann irgendwann nur noch mit Kuchen um sich und jeder kriegt einen Kuchen ab.
Johannes Franke: Oh Gott, es ist ziemlich doof.
Florian Bayer: Wir sehen auch die Deutschen, die über das Studiogelände geführt werden und dann in die Mensa reingeht und dann kommen sie alle raus und jeder hat eine Torte im Gesicht. Und der super Bösewicht sagt dann irgendwann, sucht sich ein Taxi und sagt Gott, drive me off this movie. Ja, drive me off this movie. Drive me off this movie. Ganz großartiger Satz. Ganz toll. Und fährt ins Kino, wo der Film dann immer noch läuft.
Johannes Franke: Ja, wo Mel Brooks diese Idee von... Der Film im Film, der sich selbst, was bei Spaceballs ja schon gemacht wird ... Oder Spaceballs ist später. Ich hab keine Ahnung. Spaceballs ist viel später. seinen eigenen Gag nochmal wiederverwertet, dass der Schauspieler des Films den Film anguckt, den er gerade eigentlich dreht, in dem er gerade ist. Und um zu gucken, was mit dem Film noch passiert.
Florian Bayer: Das macht Matt Brooks übrigens öfter. Das ist mir auch aufgefallen, jetzt wieder... Es gibt diese Szene, wo sie sich als Co-Clux-Skla mitgliedert haben, um bei diesen Bewerbungen mitzumachen. Und das machen sie, indem sie sich hinter einem Felsen verstecken und dann irgendwas Obszönes zu den tatsächlichen Tuklux-Klan-Leuten rufen und die gehen hinter den Felsen, man hört Brügelgeräusche und dann kommen... Zwei Ku Klux waren raus und das ist klar, das sind unsere beiden Helden im Kostüm. Das ist exakt dieselbe Szene. Finden wir in Spaceballs wieder, wenn sie im Raumschiff auf dem Spaceballs-Todesstern landen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und dann sagen, oh, wir müssen uns hier irgendwie einschleichen. Ach ja, die Stormtrooper. Genau, zu den Sturmtruppen rufen sie dann auch irgendwas obszönes, die gehen rein und selbe Szene.
Johannes Franke: Was aber auch eine Looney Tunes Geschichte eigentlich ist.
Florian Bayer: Ja, total. Natürlich, diese Aufprügelei. Man sieht nicht, was passiert, aber man weiß, was passiert.
Johannes Franke: Man hört die Geräusche.
Florian Bayer: Wobei Spaceballs natürlich noch ein bisschen besser ist, weil dann kommen sie in diesen Stormtrooper-Uniformen raus und man sieht den Schwanz von Valdi. Ja, stimmt. Den Mond sieht man dann aus dem... Aus der Uniform rausgucken. Man darf sich nicht fragen, wie er das geschafft hat, noch einen zu fräsen. Ja, ich liebe dieses Ende.
Johannes Franke: Es ist großartig. Es ist ganz toll. Super als selbstreferenziell. Macht ganz viel Spaß.
Florian Bayer: Der Film zerstört sich einfach am Ende selbst. Der Wahnsinn. Genau. Das Studio wird zerstört, die Filmkulissen werden zerstört, der Film kommentiert sich noch einmal selbst, wenn sie sich dann im Kino sehen und in den Sonnenuntergang. Ja.
Johannes Franke: Er erschießt aber noch den Bösewicht vorher.
Florian Bayer: Genau, das ist ganz wichtig. Der Bösewicht muss am Ende sterben.
Johannes Franke: Der kommt nämlich mit dem Taxi auch an, um den Film zu gucken. Und dann erschießt er ihn und dann reiten sie in den Sonnenuntergang. Beziehungsweise auf halber Strecke steigen sie vom Pferd Steigen ins Auto ein, werden vom Setrunner dann weggefahren.
Florian Bayer: Wir sind wieder in den 70ern.
Johannes Franke: Ganz großartig.
Florian Bayer: Ja, fand ich auch super. Diese ganze Atmosphäre, dieses Aufbrechen des Historischen, das hat einfach fantastisch funktioniert.
Johannes Franke: Und noch der schöne Schlusssatz. Wohin willst du jetzt gehen? Bevor sie auf die Fälle gehen. Ja. Wohin willst du jetzt? Und er sagt, nowhere special. I always wanted to go there. So ein schöner Abschlusssatz. Und dann reiten sie in den Sonnenuntergang. Sehr schön. Okay, dann sind wir durch.
Florian Bayer: Ja, sind wir durch. Vielleicht noch ein Abschlusswort. Also mein Abschlusswort war ein super unterhaltsamer Film, hat viele problematische Szenen. Wir haben genug drüber geredet. Ich glaube, ich muss es jetzt nicht nochmal aufwärmen. Würde bei mir im gesamten Mel Brooks Oeuvre, glaube ich, eher etwas weiter hinten stehen. Es gibt Deutlich bessere Mel Brooks Filme. Oder Mel Brooks Filme, die mir besser gefallen. Obwohl Blazing Settles tatsächlich als einer seiner besten Filme gilt. Und wurde auch ... Ordentlich geehrt, retrospektiv.
Johannes Franke: Genau. Ja, das deckt sich mit meinem Schlusswort. Ich habe ihn als Kind geliebt. und habe ihn viel schneller in Erinnerung, als er tatsächlich inszeniert ist. Und die Gag-Dichte ist dann doch auch nicht so hoch, wie ich dachte. Ich glaube, ich habe einfach auch in meinem Kopf alle möglichen Mel Brooks ... Geschichten zusammengeworfen und davon mehr erwartet.
Florian Bayer: möglicherweise ist die Gagdichte auch der deutschen Synchronisation höher rübergekommen, weil man mehr versteht.
Johannes Franke: Das kann auch sein.
Florian Bayer: Ein Funfact noch, ein letzter Funfact. zur deutschen Synchronisation. Der Film wurde unter dem Titel Ist was Sheriff synchronisiert? Und Mel Brooks hat das gesehen und war schockiert. Wie schlecht das synchronisiert war ins Deutsche. Und dann hat er eingegriffen und hat gesagt, Leute, so geht das nicht. und hat den noch mal neu synchronisiert, hat mit auf den Text geguckt, hat mit Leute ausgesucht als deutsche Stimmen.
Johannes Franke: Wow.
Florian Bayer: Das heißt, es gibt zwei Synchronvarianten von diesem Film. Wahrscheinlich werden wir nur die zweite gesehen haben, weil die dann einfach die kanonische ist. Das ist die, die von Matt Brooks abgesegnet wurde.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und ich bin tatsächlich neugierig, den nochmal synchronisiert zu sehen, weil es ist einer der seltenen Fälle, wo die deutsche Variante von dem Regisseur des amerikanischen Originals abgesegnet wurde und sogar ganz doll beeinflusst wurde aus diesem Grund. Und der Titel ist was, Sheriff ist dabei übrigens auch über die Clip gesprungen und seitdem heißt der Film im Deutschen auch nicht viel besser, der wilde, wilde Westen.
Johannes Franke: Ja. Krass. Spannend. Okay, wanderndes Wikipedia. Dann sollten wir vielleicht... Einmal eine kurze Pause machen, durchschnaufen und uns in den zweiten Film stürzen.
Florian Bayer: Das geht weiter mit Ghost Story nach einer kurzen Pause.
Johannes Franke: So, dann sind wir wieder zurück aus der wohlverdienten Pause und widmen uns dem zweiten Film. Deinem Film, Floor.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Was hast du denn für mich?
Florian Bayer: Einen anderen Ton.
Johannes Franke: Einen anderen Ton?
Florian Bayer: Einen anderen Ton, als Mel Pruxin anschlägt. Und zwar Ghost Story.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: aus dem Jahr 2017. Und der erzählt die Geschichte von C, gespielt von Casey Affleck und M von Rooney Mara, namenlose Protagonisten. Diese leben in einem alten Haus irgendwo in der amerikanischen Einöde. Und dann kommt es zu einem schrecklichen Unfall, bei dem C stirbt. Aber etwas scheint ihn auf dieser Welt zu halten, denn unmittelbar nach seinem Tod kehrt er als Geist zurück. Ganz traditionell gekleidet, in ein weißes Laken, muss er ohnmächtig mit ansehen, wie sich seine Witwe neu verliebt und ihr gemeinsames Heim schließlich verlässt. C bleibt zurück. Mit kaum einer Möglichkeit, mit der Umwelt zu interagieren, sieht er die Zeit an sich vorbeifließen. sieht er, wie das Haus neue Bewohner gewinnt und wieder verliert und schließlich selbst von den Mühlen der Zeit zermahlen wird. Alles bewegt sich. Alles verändert sich. Nur C scheint immer zurückzubleiben. Verdammt in alle Ewigkeit.
Johannes Franke: Puh, ja, jetzt hast du die ganze Story schon einmal erzählt. Ich fand es einen sehr guten Film. Ich danke dir sehr für diesen Film. Ich habe ihn auch... in einer Stimmung geguckt, wo ich sowieso runterkommen musste so ein bisschen und ein bisschen Ruhe gebraucht habe. Und dann dieses Slow Pacing, dieses ganz entspannte Erzählen und das Drama, das sich damit aufbaut, ohne... heulende schreiende menschendrama sondern ein drama das sich ganz einfach ganz langsam entfaltet Das war genau das Richtige für den Moment. Ja, wirklich gut.
Florian Bayer: Und hat er dich deprimiert zurückgelassen? positiv gestimmt? Wie war das Gefühl am Ende?
Johannes Franke: Weder noch.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also, und das muss ein Film erstmal schaffen. Weder positiv im Sinne von, oh ja, und jetzt so oder negativ. Irgendwie... ist es natürlich dramatisch und tragisch, Aber es ist ja auch aufgelöst am Ende. Er verschwindet ja am Ende. Insofern kriegt man ja seinen Frieden mit der Figur dann auch. Und der Frieden ist dauerhaft und sehr zufriedenstellend.
Florian Bayer: Davor gibt es wirklich einige sehr traurige Szenen. Also eine der bewegendsten Szenen des Films finde ich ziemlich am Anfang, kurz nach seinem Tod. Sehen wir seine Freundin, wie sie trauert und wir sehen das nicht, indem sie heult und Tränen aufgelöst ist, sondern sie setzt sich hin, sie kommt nach Hause, setzt sich frustriert hin und ist.
Johannes Franke: ist Kuchen.
Florian Bayer: Und das ist eine sehr lange Szene, eine sehr lange, in nur einer Einstellung gedreht, wie sie auf dem Boden sitzt, ein bisschen schluchzend, nachher ein bisschen mehr schluchzend. und diesen Kuchen in sich hineinstopft. Und er steht als Gespenst im Hintergrund, wirklich nur so angedeutet, unscharf.
Johannes Franke: Und bewegt sich nicht. Bewegt sich nicht. Guckt halt.
Florian Bayer: Und das ist so schrecklich, wie sie es geschafft haben, Trauer da auf die Leinwand zu bringen.
Johannes Franke: Das war eine
Florian Bayer: unglaublich traurige Szene, weil sie auch, weil so klar ist, sie frisst einfach, sie versucht irgendwie den Schmerz wegzufressen und das funktioniert natürlich nicht und am Ende übergibt sie sich dann auch. Und diese Szene, in der sie da einsam sitzt und isst und er kann nichts tun, um ihr irgendwie zu helfen. Das war schon harter Tobak.
Johannes Franke: Vor allem, weil man auch neben dem Gespenst ja nicht... Die Ausdrucksmöglichkeiten eines Gespenstes in der Form, in der Darstellungsform sind sehr begrenzt. Das heißt, er kann im Grunde nur dastehen und du musst den Rest... projizieren als Zuschauer. Und das kriegst du aber super hin. Das ist kein Problem. Der Rest der Umgebung macht das so gut, dass du mit dem Gespenst die ganze Zeit gut mitkommst. Und es ist schön, dass wir die ganze Zeit so Gespenst sagen, weil Gespenst und das ist Das Krasse an dem Film, dass es nicht eine einzige Szene lang mal lächerlich ist, dass er da nur mit so einem Laken über dem Kopf dasteht. Es ist halt einfach nur ein Bettlaken, weißt du? Und man denkt sich, what the fuck? Wie schafft er das, dass ich nicht einmal denke, so wie... billig oder so.
Florian Bayer: Das ist das generischste Gespensterkostüm, was man sich vorstellen kann und zwar naive Gespensterkostüme. Mein Sohn war vor einem Jahr an Halloween so verkleidet. In genau so einem Gespensterkostüm. Es ist ein Laken mit zwei ausgeschnittenen Augen. Und diese Person hat so eine unfassbare Präsenz. Man könnte ja auch meinen, Casey Affleck hat echt ein bisschen die Arschkarte gezogen. Und ein toller Schauspieler. Großartiger Schauspieler und er verschwindet natürlich die ganze Zeit in diesem Film unter diesem Gespensterkostüm.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und er kann ja auch nicht viel mit Bewegung machen, das Gespenst, bewegt sich relativ wenig, es wandelt immer mal wieder durch das Haus, es gibt eine größere Spuk-Szene, zu der wir ja gleich nochmal sprechen. kommen aber es ist nicht so dass das das große acting wäre aber er ist so präsent die ganze zeit einfach wie er da steht wie so ein Monolith mit diesem weißen Laken über dem Kopf.
Johannes Franke: Ich glaube, dass genau das diese Immobilität durch dieses Kostüm, du kannst damit nicht viel machen, du würdest ja sofort lächerlich wirken, wenn du anfangen würdest, schnelle schnelle Bewegungen, Actionszenen oder sonst irgendwas versuchst damit darzustellen. Es funktioniert nicht. Und das bestimmt das Tempo des ganzen Films. in welcher Form sich dieses Gespenst bewegen kann, ohne lächerlich zu wirken. Und das tut ihm so gut. Und dieses Monolithische, was du meinst, das hilft dem Film total und diese Immobilität, der bewegt sich wahnsinnig langsam.
Florian Bayer: Ja, der Film macht alles, um uns dieses Gefühl der Gefangenheit in der Zeit zu vermitteln. Wir haben das letzte Mal, ich weiß gar nicht, ob wir im Podcast oder außenrum über ... Aspect Ratio gesprochen. Und dieser Film ist konsequent in 4 zu 3 gedreht. Mit abgerundeten Ecken.
Johannes Franke: Wahnsinnig gut. Es hat mich sofort gepackt und ich fand es sofort ganz toll, diese Bilder. Oh, wahnsinnig lang einfach nur die Bilder bewundert. Und sie haben uns ja genug Gelegenheit gegeben, die Bilder zu bewundern, weil sie ja... Wahnsinnig lange Einstellungen haben, die sich ohne Schnitt und ohne, ich muss jetzt noch in die zwei Gesichter, die sich unterhalten schneiden, sondern wirklich eine... Sehr sinnvolle und gut ausgewählte feststehende Totale oder eben halbnahe, je nachdem. die dann so bleibt, wo dann die Kamera stehen bleibt und die Schauspieler gehen halt dann weiter weg oder kommen näher ran. Die Kamera bewegt sich nicht. Und das macht genau das, was das Gespenst auch macht, eine Ruhe in diesen Film reinzubringen, die ich sonst nirgendwo sehe in der Filmlandschaft heute.
Florian Bayer: Ja, das sind auch unglaublich spannende Raumarrangements, wie das Gespenst platziert wird auf dem Hintergrund, verschwommen, manchmal wirklich... Es gibt Szenen, in denen man ihn zuerst gar nicht wahrnimmt, weil er fast wie so ein Interieur da steht, irgendwo in der Ecke. während das Leben um ihn herum stattfindet. Und man folgt den Dialogen der anderen Leute, die neu in das Haus eingezogen sind. Und erst so nach einer Weile auch einfach, weil sich diese Perspektive so viel Zeit lässt, so starr ist, merkt man, oh, da im Hintergrund ist der. Und es gibt vielleicht eine... vorsichtige kleine Bewegung von ihm, aber meistens ist er einfach nur so der Beisitzende.
Johannes Franke: Ganz toll. Und dann so dieses Typische, diese Drops von flackerndem Licht, wenn er irgendwie... emotional wird quasi. Das, was man von anderen Horrorfilmen quasi kennt, das ist da sehr gut und sehr sinnvoll und wirklich schön schön. sparsam auch eingesetzt. Finde ich ganz toll.
Florian Bayer: Es gibt übrigens eine Szene, die ich ein bisschen albern fand. Das ist so schade, dass die ziemlich am Anfang ist. Der Moment, nachdem er gestorben ist, wenn er zum ersten Mal in diesem Lacken aufsteht, Und dann geht er zu einer Wand und wir sehen in dieser Wand, wie sich offensichtlich so ein Tor in eine andere Welt öffnet mit hellem Licht. Das ist jenseits die Erlösung.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und er verharrt und geht da nicht hinein. Und vom Bild, vom Symbol natürlich toll. Aber ich fand das ein bisschen kitschig und auch störend in der gesamten Bildsprache des Films. Weil das war so der einzige Moment, wo sie eine ... so eine spirituelle Bildsprache gewählt haben, wo das so sehr klar war, hier haben wir das Jenseits mit Leuchten Der restliche Film macht das eigentlich nicht. Es ist jetzt nicht so, dass mich die Szene komplett rausreißt. Aber ich finde, das ist eher ein schwächeres Bild von dem Film. Ich hätte ihn vor der Wand stehen lassen, ohne dass man was sieht. Das hätte mir gereicht und vielleicht auch, weil es einfach ein digitaler Effekt ist in diesem Moment.
Johannes Franke: Naja, vielleicht. Aber mich hat es gar nicht gestört, ganz im Gegenteil. Ich fand das sehr gut und sehr... sehr wichtig, weil es auch in dieser Ruhe bleibt. Es macht kein To-Wa-Wo, kein geh ins Licht, komm, komm zu mir. Was so andere Filme machen.
Florian Bayer: Das ist kein Ghost-Nachricht von Sam.
Johannes Franke: Ja, genau. Und es ist einfach nur... Es wird dir angeboten, du könntest da jetzt reingehen, du könntest jetzt hinüber wechseln in die andere, weiß ich nicht, in das Afterlife. oder du bleibst da. Lass dir überlassen, mach's. Komm, hier, das gibt es und... Gut, du willst nicht, dann hauen wir wieder ab. Fand ich total okay.
Florian Bayer: Und was denkst du, warum ist er geblieben? War es diese Liebesbeziehung?
Johannes Franke: Ja, also für mich ist es eine Liebesgeschichte.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Auf jeden Fall. Ähm... Das ist aber eine sehr gute Frage, warum er geblieben ist, weil das dann filmüber schwer nachzuvollziehen bleibt. was er denn eigentlich will, weil er nicht viel Action hat. Er macht ja nicht viel. Er steht ja eigentlich im Grunde die meiste Zeit da ... und bewegt sich sehr langsam von A nach B, während der Rest drumherum passiert. Und man sich immer wieder fragt, Verliert er schon jeglichen Willen oder jegliche Absicht? Einmal steht er ja an dem Fenster und begrüßt das andere Gespenst gegenüber.
Florian Bayer: Das ist eine großartige Szene.
Johannes Franke: Eine ganz tolle Szene, weil einmal kurz angedeutet wird, was so der philosophische Hinterbau von Gespenstern ist, dass das Gespenst eben auf etwas wartet.
Florian Bayer: Aber es weiß nicht worauf.
Johannes Franke: Aber schon nicht mehr weiß worauf. Und das ist so tragisch, weil man weiß, okay, das wird dem anderen vielleicht auch blühen.
Florian Bayer: Noch trauriger auf irgendwen wartet es.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und es weiß nicht auf wen.
Johannes Franke: Oh Gott.
Florian Bayer: Übrigens, das andere Gespenst noch alberner angezogen als unser Protagonist unter einem Laken mit Blümchenmuster, mit ganz subtilem Blümchenmuster. Muster, das aber doch ziemlich auffällig ist.
Johannes Franke: Was aber auch wiederum überhaupt nicht gestört hat. Es ist großartig, ganz toll. Es hat sich einfach durchgezogen und Das ist so eine Idee, das ist ein Mut, den jeder angehende Filmemacher einfach mal haben sollte, zu sagen ... Ich nehme sowas, was am Anfang vielleicht albern wirkt, wo ich denke, die Idee ist doch, das ist doch zu billig. Und dann aber es zu schaffen ... Das zu nutzen, die Chance zu nutzen und das entsprechend zu erzählen. Er hat ganz toll gemacht.
Florian Bayer: Wir erfahren ja auch tatsächlich ein bisschen mehr über die Beziehung zwischen ihm und seiner Freundin. Und er ist Musiker und er spielt ja auch Es gibt auch einen schönen Schnitt von ihr, wie sie nach seinem Tod die Musik hört, die er geschrieben hat. Und dann wird zurückgeblendet in die Vergangenheit zu dem Moment, wo er ihr das zum ersten Mal vorspielt. Also es wird eine sehr starke Nähe zwischen den beiden entwickelt, obwohl wir wenige Szenen sehen, in denen sie miteinander agieren.
Johannes Franke: Wir sehen sie ja von Anfang an zusammen und das ist ja geschickt gemacht, weil die erste Szene, die wir mit den beiden sehen, wenn ich mich richtig erinnere, ist, dass sie in ihren Armen liegen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und einfach extrem lang einfach nur in den Armen liegen. Mal so ein Kuss, mal so ein bisschen mehr, ein bisschen weniger. So.
Florian Bayer: Sie reden fast nichts. Es gibt kaum Dialoge zwischen den beiden. Es wird gegen Ende noch mal ein bisschen aufgebrochen als erklärt wird, was es mit ihm und ihr und dem Haus auf sich hat, weil offensichtlich war es so, dass er eigentlich dass er das Haus sehr mochte, als sie angezogen sind. Er wollte da bleiben und sie will umziehen, sie will in die Stadt ziehen, sie fühlt sich ... Unwohl und einsam. Es gibt auch eine Streitszene, die gezeigt wird. Und das Tragische ist, er... Und beschließt schließlich auch mit dir umzuziehen. In dem Streit wird so ein bisschen angedeutet, dass er sich auch genötigt fühlt umzuziehen, dass er nicht so zufrieden ist mit dieser Entscheidung.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und sie sind schon dabei, die Sachen zu packen, als dann dieser Unfall passiert und als er stirbt. Und sie bleibt dann ja noch eine Zeit lang in dem Haus. Sie zieht dann doch nicht um. Ich glaube, das spielt auch eine ganz wesentliche Rolle, bei seiner Entscheidung zu bleiben. Es gibt dieses ... Dieses Bild von zu Hause, das er hat, das ihn durch diesen Film trägt, auch nachdem sie dann ausgezogen ist und neue Leute einziehen, Gibt es die einzige Szene, die so am ehesten in eine Horrorfilmrichtung geht? In der er spukt?
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und in der auch eigentlich mit diesen klassischen Horror-Tropes gespielt wird, weil man hört die laute, kreischende Musik, man sieht, wie die Familie auf seinen Spuk reagiert, er macht nicht viel, mit Sachen um sich, er räumt die Schränke aus und er macht Lärm.
Johannes Franke: Das ist schon ein bisschen was.
Florian Bayer: Ja, er vertreibt sie auch. Er ist erfolgreich damit.
Johannes Franke: Genau, er wird zum Poltergeist quasi.
Florian Bayer: Ja, genau. Er wird zum Poltergeist. So kann man es sagen. Genau das. Und das ist natürlich ein Moment, wo er auch sein Haus verteidigt und Es scheint mir die ganze Zeit, dass dieses Haus für ihn dann auch mit einer Bedeutung aufgeladen wird, dass das sein Haus ist, dass das ihm gehört.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dass er dann, auch obwohl sie umgezogen ist, er folgt ihr nämlich nicht. Das ist ganz spannend. Sie zieht aus. Sie fängt ein neues Leben an. Übrigens eine tolle Szene, wenn sie im Auto sitzt und Musik hört. Richtung Freiheit fährt. Also es war dieser Moment, wo ich komplett auf ihrer Seite war und mit ihr mitgefiebert habe und man merkt einfach, sie hat es geschafft loszulassen. Und sie kann jetzt ein neues Leben beginnen. Aber er bleibt zurück in diesem Haus, das dann von neuen Menschen bevölkert wird.
Johannes Franke: Ja, und das fand ich auch toll, eine Stärke von dem Film, dass man nicht anfängt, dann eine Geschichte zu erzählen, wie der Geist versucht... um diese Liebe zu kämpfen oder solche Sachen. Man hätte die Richtung ja auch gehen können dann. Aber nein, es ist wirklich einfach eine Ghost-Story von jemandem, der dann an das Haus gebunden ist und der dann einfach die ganze Tragik seiner Liebe und seines ganzen... Afterlife, der dann kommt. Er hängt da halt dran. Und er hängt natürlich auch an ihr, aber eben nicht so, dass er ihr hinterherreist. Ja.
Florian Bayer: Was sehr traurig ist, weil ich glaube, dass ... die Suche nach dem Zuhause, das Gefühl, das Zuhause gefunden zu haben, dass das eine ganz wesentliche Rolle spielt dabei, wie sich der Film dann auch nach weiter hinten entwickelt. Es gibt dann dieses Bild von dem Kratzen am Türrahmen. Seine Freundin hinterlässt offensichtlich irgendeine kleine Notiz für ihn. Nicht für ihn, sie hinterlässt eine Notiz. Ich habe lange gegoogelt nochmal, ob es da was für Traditionen es da gibt. Ich kannte das tatsächlich nicht so als Tradition.
Johannes Franke: Aber sie scheint jedes Mal, wenn sie umziehen, eine Nachricht im Haus, das sie verlassen, zu hinterlassen.
Florian Bayer: Und es ist ja auch eine schöne Tradition. Sie macht einen kleinen Zettel hinter den Türrahmen und der ist dann eingeschlossen. Er will an diesen Zettel ran. Und es gibt immer wieder zwischen den einzelnen Segmenten gibt es Szenen, in denen der Geist an dem Türrahmen kratzt. verzweifelt, um an diesen Zettel zu kommen, um zu sehen, was sie auf diesen Zettel geschrieben hat.
Johannes Franke: Und in seiner Langsamkeit vergeht so viel Zeit und so viel Zeug drum rum, dass er es nicht schafft, diesen Zettel da rechtzeitig rauszuholen. Und dann kommt der Bulldozer.
Florian Bayer: Ja, kurz vor dem Bulldozer, eine ganz zentrale Szene im Film, Nachdem er die Familie vertrieben hat mit seinem Poltergeist-Krusel-Spuk, zieht offensichtlich eine Studenten-WG da ein. Das ist nicht so ganz klar, aber es gibt eine Party. Der Film vergeht, das muss dazu gesagt werden, der Film vergeht sehr im Zeitraffer. Also wir sehen die Familie und dann ist sie weg, dann ist er wieder kurz leer und dann ist er plötzlich in diesem Partyraum. wo alle feiern und er lauscht einem angehenden Philosophen, schon etwas älteren Philosophen, Übrigens gespielt von Billy Prin ... Von Bonnie Prince Billy. Aha. Will Oldham, ein hervorragender Songwriter, dessen Musik dir gefallen würde, weil du magst die Mountain Goals, das war
Johannes Franke: Ja, ja, sehr.
Florian Bayer: Und der geht oft in eine ähnliche Richtung. Der macht schon seit ewigen Zeiten Musik, also seit... Seit den frühen 90ern.
Johannes Franke: Die hat eben diese ganz großartig, sehr lange, diesen Monolog.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: wo er rumphilosophiert und so ganz... die schweren Themen quasi irgendwie behandelt. Und das ist für sich ein Monolith quasi, dieser Monolog. Ein
Florian Bayer: deprimierender Monolog. Es geht um die Vergänglichkeit von allen Seins. Und er erzählt, naja, und Irgendjemand schafft eine großartige Symphonie, zum Beispiel die neunte Symphonie und dann hören wir die und das ist ganz super, weil Beethoven hat es geschafft. sein Erbe weiterzutragen, das, was wir alle wollen. Wir wollen auf irgendeine Art unsterblich werden. Stell dir mal vor, da gibt's irgendwann Krieg und die Welt ist komplett vernichtet. Und dann haben wir eine postapokalyptische Landschaft und Menschen leben in den Höhlen. Aber einer summt dieses Lied. Und die Menschheit erinnert sich wieder an die Kultur. Ganz toll, ganz großartig. Aber das hat alles keine Bedeutung, weil irgendwann wird die Sonne sterben. Und irgendwann wird die Erde sterben. Und selbst wenn es die Menschen schaffen, bevor die Erde stirbt, ins Weltall rauszufliegen. Irgendwann wird das Weltall, das sich immer weiter expandiert, wieder zusammenziehen und wir zu einem einzigen kleinen Punkt... zusammen schrumpfen und dann ist nichts davon da. Es ist ganz klar, alles ist verdammt zu sterben, egal wie lange wir leben, egal was wir für Technik erfinden. Wir können nicht der Tatsache entgehen, dass das Universum irgendwann wieder in sich zusammenfallen wird. Ja.
Johannes Franke: Und das ist, also ich finde, er hangelt sich von einem deprimierenden Moment zum anderen, hat aber auch trotzdem immer wieder Ausreißer nach oben. Ja. Eine positive Ausreißer. Und das Schöne ist, wir sehen nicht die ganze Zeit den Geist, der sich das anhört. Aber wir wissen, die ganze Zeit im Hintergrund steht der. Der ist da und muss sich das anhören. Diese Ausführung über die Vergänglichkeit Allen. Und der ist nun wirklich in einer besonderen Situation, was das betrifft. Und ja, dann flackert das Licht und die Szene wird gewechselt.
Florian Bayer: Genau. Und dann kommen die Bulldozer, wie du schon gesagt hast. Das Haus wird eingerissen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und er ist trotzdem noch verdammt an diesem Ort zu sein. Sein Geisterfreund oder seine Geisterfreundin vom Haus gegenüber wird erlöst.
Johannes Franke: Aber wie? Das habe ich nicht ganz verstanden.
Florian Bayer: I don't think they are coming.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Aber wie kommt dieser Geist jetzt auf diese Conclusion? Das hätte ja auch vorher schon passieren können.
Florian Bayer: Wahrscheinlich, weil das Haus eingerissen wurde. Ich stelle mir vor, dass dieser Geist wie er an diesen Ort gefesselt war, weil er Hoffnung hatte, dass jemand zurückkommt. der vor langer Zeit ausgezogen ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dass das Haus eingerissen wurde, bedeutet für ihn ... Okay, jetzt ist es wirklich vorbei. Ich gebe auf. Und eine schöne Aufgabe, es ist ein Moment, der ... eigentlich nichts Deprimierendes hat. Das ist dann wirklich einfach so der... Die Kontur, die Körperkontur unter dem Laken verschwindet und das Laken fällt einfach zu Boden und wir haben irgendwie so ein Gefühl von Erlösung, das dieser Geist geschafft hat.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Während unser Protagonist gezwungen ist, da zu verharren. Zuerst auf einer Baustelle. Ja.
Johannes Franke: Jetzt kommt der ganz große, ganz große Bogen. Dann wird gebaut, dann findet er sich irgendwann in einer futuristischen Welt wieder, wo er das eigentlich nur noch Hochhäuser da sind und schaut in diese Lichter der Groß, Groß, Groß, Großstadt. Und stürzt sich vom Hochhaus dort. Was ihm nicht viel nützt. Ganz im Gegenteil, er kommt in der Vergangenheit an, wo gerade jemand genau eben jenes Haus, wo er später drin wohnt, plant und vorbereitet zu bauen.
Florian Bayer: Was passiert da? Warum macht das der Film? Sind noch 18 Minuten übrig. Ich habe extra noch mal drauf geguckt. Ein Fünftel des Films ist diese Zeitreise. Also eigentlich ist das ja ein Ende. Er springt von dem Hochhaus. Man könnte meinen, das ist jetzt vorbei. Und dann landet er in ... offensichtlich im 18. Jahrhundert, vielleicht auch im 19. Jahrhundert, auf jeden Fall in so einer Siedlerzeit. und beobachtet, wie diese Siedler ankommen und das Haus bauen wollen. Warum macht der Film das? Warum lässt er ihn durch die Zeit reisen?
Johannes Franke: Naja, das hat natürlich sehr praktische Erwägungen. Du willst ja den Kreis dieses Geistes haben. Du willst ja am Ende... ihn wieder dort ankommen lassen, wo er, also würde ich als Filmemacher genauso wollen, dass ich sage, ich lasse ihn loslaufen und er muss am Ende wieder dort ankommen, wo er gestartet ist. Weil das diesen ewigen Kreis und dieses Thema, will das einfach irgendwie vom Gefühl her. Du willst ihm auch die Möglichkeit geben der Erlösung und das kannst du vor allem erzählen, indem der Geist sein eigenes Leben nochmal angucken kann. Da musst du natürlich irgendwie in die Vergangenheit kommen. Und es ist vielleicht... bisschen billig oder ich habe nur nicht verstanden, welchen Hintergrund er mir damit erzählen möchte. Einfach vorm Hochhaus zu springen und in die Vergangenheit zu landen, ist natürlich giving fact quasi. Du sagst dann, okay, so ist das jetzt.
Florian Bayer: Ja, ich fand, also ich weiß keine Antwort, ich weiß nicht, was der Regisseur, um zumindest einmal kurz seinen Namen zu sagen, David Lowery. was er damit intendiert hat. Ich hatte das Gefühl, und das ist nochmal diese Verbindung zu dem Haus, er hat für sich ein Zuhause gefunden und er wollte die anderen Besucher vertreiben, die anderen Leute, die da eingezogen sind. Das ist mein Haus. Hier lebe ich, hier habe ich mit meiner Freundin gelebt. Und dieser Moment ist quasi die Vorbereitung seiner Erlösung, weil er auch lernt, dass es nicht sein haus ist sondern dass er teil der geschichte dieses hauses ist und Dieses Haus ist viel älter als er. Dieses Haus hat viel mehr mitgemacht als er. Er sieht dann diese Siedler. Er sieht, wie die Siedler sterben, die versuchen, das Haus zu bauen. Ja. Und das Haus bekommt in diesem Moment eine Größe und eine Stärke. Es wird einfach gesagt, du bist wirklich nur ein ganz kleiner Teil dieser Geschichte. Dieses Haus existiert schon seit 200, 300 Jahren.
Johannes Franke: Das sagt er ja auch als lebende Version seiner selbst später im Film. weil sie ihn fragt, was hängt für dich an diesem Haus, warum willst du nicht ausziehen? Und er meint, das Haus hat Geschichte. Und das ist ein ganz toller Satz und ein ganz toller Grund, finde ich auch.
Florian Bayer: Auch dieses Bild des Pianos, das irgendwie schon immer da war.
Johannes Franke: Das wird nicht erzählt, wie es reingekommen ist. Es ist halt einfach da.
Florian Bayer: Es ist da, es steht da und er freut sich darüber. Das ist für ihn, glaube ich, mit der Hauptgrund, warum er in dieses Haus ziehen will. Sie werden von der Frau durch das Haus geführt, als sie ihnen das Haus verkaufen will und sie erzählt und will von den Räumen erzählen und er setzt sich hin und fängt an, an Klavier zu spielen.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und sie will ihm was sagen und er sagt so, ich kann sie nicht verstehen. Ja, weil sie die ganze Zeit auf dem Klavier spielen.
Johannes Franke: Aber es ist toll. Sie hätten vielleicht auch noch, also so ein paar Sachen kann man dann weglassen oder reinnehmen, aber Sie hätten schon noch erzählen können, wo das Klavier dann herkam.
Florian Bayer: Ja, das haben sie komplett weggelassen. Nach dem Sieg lang kommt direkt die Szene, in denen er sich selbst und seine Freundin beobachtet, wie sie das Haus besuchen.
Johannes Franke: Genau. überhaupt, der Film lebt ja auch von seiner Lücke. Ja. Also wie zum Beispiel, dass die Siedler umgebracht werden von, du hast im Grunde Eine Szene, in der die Siedler sehr friedlich da sitzen. Der Geist guckt alle an. Wir haben ganz lange Einschaltungen auf den Geist und wir wissen, im Hintergrund passieren diese Siedler-Geschichten. Und plötzlich hörst du im Hintergrund so Ureinwohner, die angeritten kommen.
Florian Bayer: Pferde, Hufe.
Johannes Franke: Pferde, Hufe und ein bisschen Giole.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Cut, die Siedler sind tot. Du hast die Lücke, du siehst nicht, aber du brauchst
Florian Bayer: auch nicht. Sie liegen da, also sie sind, sie wurden ermordet, man sieht Blut Man sieht die Verletzungen von ihnen, aber es ist ein ganz friedliches Bild, wie sie da liegen. Und vielleicht zeigt das auch, sie sind natürlich auch die Eindringlinge in dieser Welt.
Johannes Franke: Ja, richtig. Und das macht der Film ganz oft. So eine Lücke einfach überbrücken und man weiß einfach, okay, das ist jetzt... Du hast einen Zeitsprung und es ist nicht wichtig, was dazwischen passiert ist, sondern du hangelst dich so auch ... Das, finde ich, illustriert auch diese Art und Weise, was man glaubt, wie ein Geist der Jahrhunderte, es ist ja wirklich lange, dass dieser Geist dann da in der Gegend rumkommt. wartet, wie man als Geist Zeit wahrnimmt. Du hast so Highlights, aber irgendwie viel, was einfach verloren geht, wo du einfach nicht... Das war mal ein Jahrhundert, da ist nicht viel.
Florian Bayer: Ja, es fließt irgendwie, es fließt mal zäh und träge und es verschwimmt auch alles.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also es hat mir sozusagen, diese Erzählweise hat mir die Art und Weise des Erlebens des Geistes gut rübergebracht. Fand ich ein gutes Mittel.
Florian Bayer: Ich will nicht zu sehr mit Philosophie protzen. Machen wir. Zwei philosophische Einwürfe hätte ich. Es gibt diese Szene, in der sie einen neuen Freund hat. Und in der er zum ersten Mal ein bisschen interagiert, indem er ein bisschen rüttelt und spukt. Es passiert aber nicht vieles. Er rempelt gegen das Bücherregal und es fallen Bücher runter. Und eines davon ist eine Geschichte, die ich noch mal lesen muss, um mehr dazu sagen zu können, von Virginia Woolf, A Haunted House, eine Geistergeschichte. Und das zweite ist ein Buch von Friedrich Nietzsche. Und tatsächlich ... hat mich das auch ein bisschen, was in dem Film erzählt wird, an Nietzsche erinnert Und zwar an dieses Konzept der Wiederkehr, der ewigen Wiederkehr von Nietzsche. Mhm. um einmal zu zitieren, Nietzsches Vorstellung von einem Zirkellauf, von der Auflösung, dass das einfachen, kohärenten Zeitstrahls. Dieses Leben Wie du es jetzt lebst und gelebt hast, wirst du noch einmal und noch unzählige Male leben müssen. Und es wird nichts Neues daran sein, sondern jeder Schmerz und jede Lust und jeder Gedanke und Seufzer und alles unsäglich Kleine und Große deines Lebens muss dir wiederkommen.« Und alles in derselben Reihe und Folge. Daran habe ich mich ein bisschen erinnert gefühlt.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und vor allem auch, weil eben dieser Name Nietzsche einmal so prominent aufploppt. Gott sei Dank verzichtet der Film sonst auf jegliche philosophische Referenzen und lässt einfach die Bilder für sich sprechen. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass bei der Erstellung des Drehbuches dieser Gedanke von Nietzsche ... dass sich die Zeit in einem Fluss befindet und auch immer wieder in einer Wiederholung. Und das ist auch eigentlich ein sehr deprimierender Gedanke, dass es eigentlich keine Erlösung gibt, weil immer sich alles in Zirkeln bewegt, dass der dabei Pate stand.
Johannes Franke: Mhm, ja. Jetzt protzt du aber auch mit der Philosophie, muss ich mal sagen.
Florian Bayer: Ja, das tut mir schrecklich leid. Ich habe noch was viel Schlimmeres, weil das ist wirklich so dem... den Film komplett drauf gedrückt. Es gibt einen Filmtheoretiker, Gilles Deleuze aus, jetzt muss ich einmal kurz googeln, welche Zeit, ich glaube, wir reden hier so von den 70er Jahren. Ungefähr, der hat ein filmtheoretisches Buch geschrieben. Und zwar über das Bewegungsbild. Und der hat Unterschieden zwischen Bewegungsbild und Zeitbild. Kino 1 und Kino 2 heißen die Werke, so ganz monumental. Ich erkläre jetzt, wie Film funktioniert. Und er hat versucht, in die Filmgeschichte eine Theorie der Zeit reinzuweben. Und er hat dabei sehr viel draufgedrückt. versucht zu sagen, so waren die traditionellen Filme und so haben sich die Filme entwickelt. Und zwar gibt es Das Bewegungsbild, das ist, wie ganz klassische Filme erzählt wurden, von A nach B. Und dann gibt es das Zeitbild. Und das ist eine neue Art ... filmisch zu erzählen. Und die erzählt nicht mehr chronologisch, sondern die erzählt Geschehen als Panorama. Und er hat das vor allem in der französischen Nouvelle Vague verwirklicht gesehen, so im Arthauskino der 50er Jahre. Was, glaube ich, Bullshit ist, weil die auch ganz viel chronologisch erzählt haben.
Johannes Franke: Ja, okay. Aber ...
Florian Bayer: Viele Regisseure und Autoren und Regisseurinnen und Autorinnen unserer Zeit haben sich von Schilde Loes beeinflusst gefühlt. Der prominenteste ist meiner Meinung nach wahrscheinlich Terrence Malick.
Johannes Franke: Ja, Terrence Malick, natürlich.
Florian Bayer: Und zwar, dass sie... Ich muss dir mal einen Terrence Malick-Film zeigen. Das ist so ein bisschen wie Ghost Story, nur viel... Überbordernder und überambitionierter.
Johannes Franke: Und prätentiöser?
Florian Bayer: Und prätentiöser, viel prätentiöser, genau. Aber auf jeden Fall ist das, was das Zeitbild im Film auszeichnet, für Gilles Deleuze, dass es ein instabiles Ensemble von freischwebenden Erinnerungen, ich zitiere jetzt. und Bildern einer Vergangenheit im Allgemeinen erzählt, die in schwindelerregendem Tempo vorbeiziehen. als ob die Zeit eine tiefgründige Freiheit gewinnen würde. Und ich glaube ... auch zumindest vom Stil her, dass sich Ghost Story daran orientiert, also wirklich an dem Gedanken Zeit anders zu erzählen. Zeit nicht als klare chronologische Abfolge zu erzählen, sondern irgendwie als Panorama, in dem Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft so ... ineinander fliegen und spätestens an dem Punkt, an dem der Geist sich dann selbst beobachtet. Weil dahin geht natürlich die Reise.
Johannes Franke: Aber das ist nun wirklich nicht der erste Film, der sowas macht.
Florian Bayer: Nein, überhaupt nicht. Auf keinen Fall. Es gibt ganz viele Regisseure, die das gemacht haben und auch viele, die ganz, ganz klar von Gilles Deleuze beeinflusst waren und ihn auch zu ihren Einflüssen genannt haben.
Johannes Franke: Naja, also ich bin ja großer Fan von diesem Zeitgespiele, was Film machen kann. Also von... Zurück in die Zukunft, bis eben alles Mögliche, was irgendwie dieses Zeitkonzept aufbricht, das wir erleben. Also unser Erleben von Zeit ist ja auch... schon wissenschaftlich nicht das, wie Zeit funktioniert eigentlich. Und das finde ich sehr spannend. Das ist ein unglaublich spannender Gedanke.
Florian Bayer: Und Filme haben ja wirklich die Möglichkeit, auch damit zu brechen, weil sie uns mit anderen Zeitkonzepten konfrontieren können.
Johannes Franke: Ganz toll. Zeitfilme. Und auch deswegen fand ich den Film eben auch wirklich toll, weil dieser Kreis Dieser Kreis war wirklich ganz toll erzählt und schön langsam erzählt und genau so erzählt, wie es, glaube ich, dieser Kreis brauchte. Und dass er das am Ende dann geschafft hat, diese Nachricht da aus diesem, können wir schon ans Ende ran?
Florian Bayer: Wir können ans Ende ran, ja. Er schafft es dann, diese Nachricht, genau.
Johannes Franke: Er geschafft es dann, diese Nachricht aus diesem Türrahmen rauszuholen, weil er dann irgendwie keine Zeit mehr verlieren will am Anfang. Wir sehen ja, wie er dann sich selbst beobachtet. Wie er sieht, wie die Frau das Haus verlässt und er denkt sich, okay, jetzt trauere ich nicht nochmal der Frau nach und gucke nochmal, wie sie wegfährt, sondern ich gehe gleich zu dem Tyrann. Und kümmere mich darum, diesen Zettel daraus zu holen. Und krieg das hin. Hat den Zettel in der Hand. Wir sehen nicht, was draufsteht.
Florian Bayer: Natürlich sehen wir es nicht.
Johannes Franke: Und er löst sich auf.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist doch ein sehr befriedigendes Ende, oder?
Florian Bayer: Sehr optimistisch, ja. Er findet diese Erlösung, nach der er gesucht hat, Und es ist natürlich, es ist die einzige logische Entscheidung, nicht zu zeigen, was auf diesem Zettel steht, weil es nicht wichtig ist.
Johannes Franke: Obwohl ich da, ich bin dann an den Bildschirm rangekochen, um zu... Um lesen zu können, falls sie es zeigen, was draufsteht. Aber dann haben sie es nicht gezeigt und ich habe umsonst da gesessen.
Florian Bayer: Es ist wie diese Szene bei Lost in Translation, wo am Schluss Bill Murray und Scarlett Johansson sich noch einmal umarmen und bei Mary flüstert ihr was zu und wir hören auch nicht was. Wir hören auch nicht, was da passiert. Und es ist auch so einfach ein intimer Moment für diese Person im Film. Und die Zuschauer müssen das nicht wissen. Es gehört dieser Person in dem Moment. Und es ist total okay, wenn wir auch ausgeschlossen werden wollen. Von diesem intimen Moment.
Johannes Franke: Das finde ich ganz toll, wenn Filme sowas machen. Wirklich einen Moment zu haben, wo man als Zuschauer... das Gefühl hat, da passiert gerade was, da passiert was Wichtiges für die Figuren, aber es ist nicht... wichtig für mich als Zuschauer, um die Story an sich zu verstehen. Das gibt den Figuren, finde ich, eine Tiefe. die du nicht erhältst, wenn du dem Zuschauer alles präsentierst.
Florian Bayer: Ja, ich finde das toll. Kommen wir kurz zu den nackten Zahlen. 100.000 Dollar hat der Film gekostet.
Johannes Franke: Ich will so einen Film drehen.
Florian Bayer: Ich dachte auch so, wow, 100.000 Dollar hat er gekostet, 1,9 Millionen im Boxoffice eingespült, also immerhin das 20-fache. und er wurde offensichtlich auch so ein bisschen mit Es war ein bisschen Guerilla-Dreh, wenn ich das richtig verstanden habe. Das Haus sollte abgerissen werden, das wussten die.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: irgendwelche Kontakte gehabt und dann gesagt, ey, lasst uns da drehen, bevor das abgerissen wird. Und dann haben die in diesem alten, verlassenen Haus gedreht. ohne Drehgenehmigung. Und ich kann mir vorstellen, dass diese Szenen, wenn er durch das Bürogebäude wandelt oder über die Baustelle,
Johannes Franke: Dass das auch eher so gerillier ist.
Florian Bayer: Dass sie sich da eingeschlichen haben. Es gibt eine tolle Szene, wo ihr auf der Baustelle steht, also sie steht schon relativ weit, ist irgendwie so im zehnten Stock und guckt dann raus und dann fährt die Kamera langsam raus. Man sieht diese große Baustelle. Ich wette mit dir, dass sie das auch ...
Johannes Franke: Die haben das ja nicht extra aufgebaut. Mit 100.000 Dollar kriegst du das nicht hin. Das heißt, du musst ja wirklich irgendwie es geschafft haben, jemanden davon zu überzeugen, entweder dich... mal so hinten reinzuschleichen oder irgendwie ein Freund, weil für 100.000 Dollar, da geht ja für so eine Location... Allein schon viel Geld drauf.
Florian Bayer: Und trotzdem prominent besetzt. Also sie haben Casey Affleck als Hauptdarsteller, auch wenn er viel unterm Kostüm verschwindet. Wahrscheinlich haben sie den gewonnen, weil er natürlich auch so durch diese ganze Verbindung mit Eamon und seinem Bruder ... Ja, äh ... so diese Verbindung zum Indie-Film hat. Die haben ja auch zwischendurch immer mal wieder so Indie-Projekte gemacht und unterstützt. Also ich glaube, das ist einfach so diese Clique, die auch ...
Johannes Franke: Ich habe gelesen, dass die extra keine Infos darüber vorher gegeben haben, weil sie nicht wussten, ob es überhaupt funktioniert, dieses Konzept. Weil das so experimentell für die war und die einfach aufgeregt, weißt du, ich sehe mir das so schön vor und sitze dann irgendwie als so fünf Leute um einen Tisch und sage, pst. wir machen da jetzt was und wir wissen überhaupt nicht, ob das funktioniert. Wir probieren es einfach mal. Und auch die Idee zu sagen, Und das habe ich auch gelesen, dass sie sich wirklich zusammengesetzt haben und gesagt haben, ganz am Anfang gesagt haben, wir wollen einen Film machen, Wo jemand einfach wirklich mit einem ganz billigen Laken auf dem Kopf.
Florian Bayer: Wie du schon gesagt hast, so eine alberne Prämisse.
Johannes Franke: Alberne Prämisse, aber dann richtig zu machen.
Florian Bayer: Genau, und dann machen wir was Ernstes. Und Rooney Mara muss auch nochmal erwähnt werden, spielt fantastisch in diesem Film und ist sowieso eine großartige Schauspielerin.
Johannes Franke: Die Freundin.
Florian Bayer: Genau, die Freundin.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, wirklich ganz toll.
Florian Bayer: Also gerade die Trauer zu spielen ist unglaublich schwer. Trauer glaubwürdig zu spielen, ohne dass es zur ... zur Persiflage wird unfreiwillig und das ist ihr total gelungen.
Johannes Franke: Ganz toll, ja.
Florian Bayer: Und dann will Oldham halt. Bonnie, Prince, Billy. Also den noch so in wirklich gestandenen ... Singer-Songwriter zu gewinnen, für diese eine kurze Sequenz, in der er über das Universum philosophiert. Ja. So ein bisschen abgefuckt, ein bisschen philosophisch. Das hat auch sehr, sehr gut funktioniert.
Johannes Franke: Ja, es wird sowieso ganz, ganz wenig geredet in dem Film, was ja natürlich auch ganz toll ist in dem Kontext. Und die Familie, die da einzieht, die nur Spanisch spricht und auch das überhaupt nicht übersetzt wird. Sondern einfach, die sprechen halt Spanisch und wer es versteht, versteht es und wer nicht, der nicht. Das ist nicht wichtig, was sie genau sagen. Und das ist toll, weil es einfach nur... Der ganze Film macht ein Gefühl auf und keinen intellektuellen Überbau. Obwohl du darüber intellektuell philosophieren kannst, aber es ist kein... Der geht primär über das Gefühl. Das finde ich toll.
Florian Bayer: Auch über das tägliche Gefühl. Ja. Keine großen Gefühle, sondern eher so die großen Gefühle, die sich dann in diesem kleinen Alltäglichen verbergen.
Johannes Franke: Das ist ein sehr, sehr gutes Storytelling, wenn man das schafft. Und er wurde auch sehr positiv aufgenommen. Ich hatte das Gefühl, dass das ein Special-Interest-Film ist irgendwie.
Florian Bayer: Definitiv.
Johannes Franke: Aber trotzdem hat er wohl sehr viel einfach... Sehr viel Publikum bekommen. Sonst hätte er das Geld auch nicht angespielt.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also er hat ja... Wie viel? 1,9 Millionen.
Florian Bayer: Also ich meine, muss man auch erst mal schaffen.
Johannes Franke: Muss man auch erst mal schaffen, ja.
Florian Bayer: Wahrscheinlich, also ich kann mir vorstellen, er hat schon... Er hat natürlich schon so eine gewisse Catchiness einfach durch dieses Bild von dem Gespenst. Die Trailer sind auch toll, wenn man den Trailer sieht, Dann weiß man schon, der Trailer ist nicht misleading. Also man weiß, was auf einen zukommt, wenn man den Trailer sieht. Der Trailer fasst Fängt sehr gut ein, was in dem Film geschieht. Aber die Bilder sind natürlich ... Die haben irgendwie so was ... Was neugierig macht. So ein klassisches Gespenstsehen mit Laken, das irgendwie durch die Zeit wandelt.
Johannes Franke: Toll. Und ich muss einfach nochmal, das wäre mein Schlusswort. Ja. Ich liebe die Kameraführung. Und der Film lebt davon, dass du jemanden hast, der sich... ganz genau Gedanken darüber gemacht hat, wo stelle ich die Kamera hin und dann lasse ich sie jetzt auch. Und lasse einfach den Rest auf sich wirken. Und ich... ich will die ganze Zeit dieses Bild angucken. Es ist wunderschön. Und du hast in dem 4 zu 3 Format hast du ganz andere Möglichkeiten als in 16 zu 9 oder in Widescreen. Du musst viel kompakter und viel mehr so ... auch ein bisschen klaustrophobisch, was auch zum Film passt. Und so diese enge... Und du musst die Elemente anders arrangieren. Und die haben viel mehr Beziehung zueinander, wenn sie nicht so weit auseinander sind wie bei Widescreen-Aufnahmen. In 4 zu 3 kannst du eine Beziehung herstellen zwischen der linken unteren Ecke und der rechten oberen Ecke. Und du... rein grafisch, ganz wunderschönes Format, finde ich.
Florian Bayer: Cool, schön, dass sie dir gefallen hat. Unsere Top 3 ist ein bisschen verloren gegangen. Ich glaube, die müssen wir noch kurz hinten dran ziehen.
Johannes Franke: Meine Damen und Herren, auch diesmal wollen wir die Chance nicht missen, unsere Top 3 Geisterfilme zu präsentieren. Dum dum dum. Geisterfilme? Geisterfilme?
Florian Bayer: Ich habe meine Top 3 Geister.
Johannes Franke: Dann eine Top-3-Geister?
Florian Bayer: Ja, das ist ja super, dann haben wir total unterschiedliche Top-3.
Johannes Franke: Meinst du Geister im Sinne von Kaspar...
Florian Bayer: Ein einzelner Geister. Also meine Top 3 Geisterfilme würden komplett anders aussehen als diese Liste. Ich habe aus Filmen einzelne Geister rausgepickt.
Johannes Franke: Ach.
Florian Bayer: die ich toll finde.
Johannes Franke: Okay, jetzt bin ich sehr gespannt.
Florian Bayer: Aber dann fang du doch mal an mit deiner Nummer 3, Geisterfilm.
Johannes Franke: Okay, Moment, dann muss ich mal kurz in die App wechseln, wo ich das aufgeschrieben habe. Oh, ich habe gar keine vergeben. Ich habe nur fünf, sechs aufgeschrieben, die ich toll finde. Also ich würde The Sixth Sense Sense, Sixth Sense. Six Cents auf Platz 3 packen.
Florian Bayer: Super Film.
Johannes Franke: Super Film, oder?
Florian Bayer: Auf jeden Fall.
Johannes Franke: Also Klassiker, ich sehe Menschen und ich sehe tote Menschen.
Florian Bayer: Der hat mich damals so eiskalt erwischt mit seinem Plotwist. Ich habe es nicht vorausgesehen. Ich habe ihn im Kino gesehen und es hat mich wirklich umgehauen. Ich glaube, ich war nie... davor und danach so umgehauen von einem Plottwist im Film. Wahrscheinlich wirklich der Plottwist, der mich am meisten bewegt hat.
Johannes Franke: Und der Plottwist, der am meisten kopiert wurde danach.
Florian Bayer: Ja, genau.
Johannes Franke: Oder? Ja, viel zu oft.
Florian Bayer: Mein Platz 3 Geist, nicht Geisterfilm, ist der Geist der gegenwärtigen Weihnacht. Nein! Moment, ich muss sagen, aus welchem Film? Aus Scrooge, beziehungsweise die Geister, die ich rief, mit Bill Murray.
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Gespielt von Carol Kane. Einer Comedian. Und in diesem Film... Es ist eine klassische Scrooge-Geschichte, verlegt ins 20. Jahrhundert. Du kennst den Film, oder?
Johannes Franke: Ja, na klar.
Florian Bayer: Okay, und Bill Murray ist der Scrooge und Carol Kane ist der Geist der gegenwärtigen Weihnacht. Und das Tolle ist ... Sie ärgert und quält ihn die ganze Zeit. Sie trägt ein wunderbar kitschiges Elfenkostüm mit einem Zauberstab, mit einem Stern drauf. Die Haare schrill, gelockt, blond. Und sie sind unglaublich süß aus und redet die ganze Zeit in dieser hohen Stimme. Und dann schlägt sie ihn mit ihrem Zauberstab. Sie zieht seinen Pulli hoch und furzt ihm auf den Bauch. So dieses Klassische, was Eltern mit ihren Kindern machen. Sie verprügelt ihn, sie zwickt ihn, sie zwackt ihn. Es ist ein einziges Vergnügen. Und offensichtlich hat sich das... Ist das durch die Improvisation entstanden? Weil am Anfang waren es nur so zwei, drei Sachen, die sie gemacht hat. Und dann hat Bill Murray gesagt, ach du kannst noch ein bisschen mehr machen und sie hat das als Einladung angenommen. Und sie kann halt auch improvisieren.
Johannes Franke: Toll.
Florian Bayer: Und sie spielt dann diesen total übertreten, wilden und einfach mal sadistischen Geist der gegenwärtigen Weihnachtbienen. wie er niemals davor und nie danach gespielt wurde.
Johannes Franke: Ich habe diesen Film, es ist lange her, und ich habe ihn nur als reine Slapstick- Aneinanderreihung im Kopf. Also ich weiß nicht, ob es das trifft, weil ich ihn lange nicht gesehen habe, aber das ist was, das ich im Kopf habe von dem Film.
Florian Bayer: Es ist ein sehr kitschiger Film. Es ist bei weitem nicht der beste Scrooge-Weihnachtsgeschichte-Film. Aber er macht Spaß und er ist so sehr neunstiger. Der beste Scrooge-Weihnachtsfilm ist die Muppets. Ja, also ... Ich bin bei dir, dass das ein toller Scrooge-Film ist, aber wenn ich jetzt drüber nachdenke, was ist der beste Scrooge-Film, dann muss ich echt lange überlegen. Ich fand tatsächlich den mit Jim Carrey krass gut. Das ist ein sehr neuer Scrooge-Film. Jim Carrey spielt alle Rollen. Er spielt den Scrooge und alle drei Geister. Und allein diese Idee, die Geister von derselben Person spielen zu lassen, ist super und es funktioniert.
Johannes Franke: Okay, den hab ich nicht gesehen.
Florian Bayer: Den musst du dir angucken.
Johannes Franke: Wie heißt der? Scrooge?
Florian Bayer: The Christmas Story? Ich weiß es nicht.
Johannes Franke: Okay, okay. Ja, Platz zwei. der Geister Filme bei mir.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ähm ... Kurze Zwischenfrage, würde der Babadook als Geist durchgehen?
Florian Bayer: Der Babadook ist bei mir auf Platz zwei der liebsten Geister. Wirklich? Ja.
Johannes Franke: Wie geil ist das denn?
Florian Bayer: Ist das dein zweiter Geisterfilm?
Johannes Franke: Naja, jetzt spontan aus der Liste rausgesucht. Ja. Aber ich kann auch noch mal ändern.
Florian Bayer: Nein, erzähl du, Babadook. Du hast vorhin zweimal zurückgezogen bei den Parodien. Jetzt muss ich kurz zurückziehen.
Johannes Franke: Der Babadoc ist einfach, das ist so ein großartiger Film. Und der macht genau das. Was für mich, obwohl er überhaupt nicht typisch Geist ist, weswegen ich auch fragen musste, ob ich ihn wirklich als Geist wahrnehmen darf, aber er macht das ... Was ein Geist psychologisch für mich ist, für einen Menschen, der heimgesucht wird von Geistern, von seinen eigenen Geistern, seinen eigenen schwarzen Moment. im Leben. Und das ist der Babadook.
Florian Bayer: Ich nicke die ganze Zeit nur heftig.
Johannes Franke: Sehr, sehr gut gemachter Film.
Florian Bayer: Der Geist als Verkörperung von Trauer und gleichzeitig Wut. Weil letzten Endes ist der Geisten, das ist so viel gespoilert, der Geisten Babadook ist natürlich die Verkörperung von einer problematischen Beziehung zwischen Mutter und Kind.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und ja, es ist einfach, es ist Was du gesagt hast, Johannes, es ist so genau pointiert, das ist ein Geist, der sucht dich wirklich heim und der quält dich und der zwingt dich dazu, schlimme Dinge zu tun.
Johannes Franke: Sehr schön. Freut mich, dass wir die gleichen Gedanken hatten. Er ist wirklich toll. Also ich glaube einfach, weil ich die Qualität anerkennen kann, obwohl ich das Genre schwierig finde, weil mich das immer so, weiß ich nicht... so dolle angreift. Aber die Qualität dieses Filmes ist unglaublich.
Florian Bayer: Hat er die Angst gemacht?
Johannes Franke: Das ist schwer, mir Angst zu machen auf meinem sicheren Wohnzimmersessel. Ist schwer.
Florian Bayer: Mir hat er für meine scheiß Angst gemacht. Ich fand ihn richtig gruselig.
Johannes Franke: Das ist gut. Das ist gut. Das freut mich sehr. Weil das natürlich... Das ist, was die Königsdisziplin finde ich für Film ist. Also nicht Comedy. Comedy wird immer so als Königsdisziplin. Aber nein, dir Angst zu machen, obwohl du sicher zu Hause vorm Kamin sitzt.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist krass.
Florian Bayer: Du hast einen Kamin.
Johannes Franke: Mach dir das Angst. Okay. Ähm... Platz 1 – Der Geister Ich habe hier noch ein paar draufstehen. Jetzt weiß ich nicht, ob ich in die dramatische oder die komödiantische Richtung gehen will.
Florian Bayer: Sag mal, ich will beides.
Johannes Franke: Du willst beides? Die komediantische Richtung, wer Ghostbusters? Und zwar der Neue.
Florian Bayer: Ah, interessant.
Johannes Franke: Mit den Frauen. der wirklich großartig, richtig großartig ist. Also die haben einen Humor, der ist so... Ich hab die alten nochmal geschaut, die Ghostbuster-Filme, die alten. Und die sind natürlich nach wie vor gut, aber problematisch. Irgendwie dated, muss man schon sagen. Und die Neuen haben es so gut hingekriegt, diesen Humor, den ich so geliebt habe, eben auf ... zu erneuern und neu aufzustellen. Ich bin ein ganz großer Fan von diesem neuen Film.
Florian Bayer: Oh, darüber müssen wir auf jeden Fall mal diskutieren. Ich fand den neuen Film Schade. Und ich kam aus einer Ecke, dass ich den eigentlich unglaublich gerne gemocht hätte.
Johannes Franke: Echt, ja?
Florian Bayer: Ja, wegen dem ganzen Kulturkampf, der drumherum stattgefunden hat. Und es war ja furchtbar schrecklich, unerträglich, wie... bevor der Film veröffentlicht wurde, was für einen Hass ihm entgegengeschlagen wurde aus der rechten Internetsphäre. Und ich wollte diesen Film mögen und ich fand ihn ... maximal durchschnittlich. Er war kein Totaldesaster, aber ich fand einiges hat toll funktioniert. Die Darstellerinnen waren alle super. Aber was Story betrifft und was Humor betrifft, ist er weit entfernt vom Original. Okay. Das wäre interessant. Ich würde sehr gerne mit dir irgendwann mal über diesen Film diskutieren.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Also jetzt kann ein Angebot sein für die nächste Folge oder so, aber ... Können wir uns auf jeden Fall mal vormerken, dass wir über diesen Film reden. Ich müsste ihn davor auch nochmal gucken.
Johannes Franke: Beetlejuice lasse ich jetzt auch mal weg.
Florian Bayer: Ah, Beetlejuice hatte ich auch auf der Liste.
Johannes Franke: Ja, aber Platz 1 wäre für mich dann sonst, wenn ich dramatischer gehe. Vielleicht auch kein klassischer Geisterfilm, weil das ist ja auch nicht wirklich, das kommen zwar Geister vor, aber The Shining.
Florian Bayer: Ah, ja, natürlich. Auf jeden Fall. Das ganze Hotel, ne?
Johannes Franke: Ja, das ganze Hotel im Grunde.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also ich bin wahnsinnig... beeindruckt und begeistert von diesem Film immer noch, immer, immer, immer noch, obwohl ich ihn jetzt schon wirklich zu oft gesehen habe und Stephen King mit der Verfilmung ja nur gar nicht zufrieden ist und ich überhaupt nicht... mit ihm übereinstimme, aber auch mit Stephen King generell mit seinen Büchern oft nicht übereinstimme. Ich mag Stephen King gar nicht so sehr.
Florian Bayer: Wenn man sich anschaut, was für Filme Stephen King abgesegnet hat, dann ist es eigentlich eine Adelung, wenn er den Film nicht mag.
Johannes Franke: Ja, genau, so deutlich wollte ich es nicht sagen, aber es ist so, weißt du, und The Shining ist so... So gut inszeniert.
Florian Bayer: Ja, definitiv.
Johannes Franke: Ganz, ganz großartig. Also natürlich ein Film, der wehtut irgendwie. Ähm... Aber auch Jack Nicholson.
Florian Bayer: Und ganz ähnlich wie beim Babadook auch. Der Spuk ist eine ... ist eine Parabel auf die Probleme innerhalb der Familie.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Auf seine psychischen Probleme. Und er ist ... Das ist ja auch die größte Änderung des Films im Vergleich zum Buch. Im Buch ist es so, dass er ganz eindeutig von dem Hotel besessen ist. Und am Schluss schafft er es, sich von dieser Besessenheit loszureißen und stirbt dann dabei. Mhm. Und rettet aber damit quasi seine Familie. Also er schafft es irgendwie, sich und das Hotel komplett zu zerstören. Ich weiß es nicht mehr so 100%. Das ist komplett anders als im Film, weil im Film ist es halt nicht nur, der Spuk fällt im Film eher auf fruchtbaren Boden und Jack Nicholson ist im Film eher auch wirklich ein... kranker Mensch, eine Bedrohung. Er braucht die Geister eigentlich nicht, um
Johannes Franke: Nee, eigentlich nicht. Aber es holt halt alles raus aus ihm, was da sowieso schon ist. Und auch diese... Diese Abgeschiedene, diese Einsamkeit, ich glaube, das war mal ein ganz großes Thema, dann für mich nach dem ersten oder zweiten Mal gucken, war das so wichtig für mich, so dieses... Du hast so ein riesiges Hotel. Nichts passiert. Du hast diese weite ... Das ist unglaublich.
Florian Bayer: Und dann in dieser Labyrinth-Szene, wenn man auf das Labyrinth-Modell schaut und dann fährt die Kamera rein und wir sehen dann sie mit dem Sohn da rumlaufen.
Johannes Franke: Wahnsinn.
Florian Bayer: Und dann hat man diese ganz, eigentlich total simplen Shots, wenn er durch die Hotelgänge fährt, der Kleine auf seinem Dreirad.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und immer durch dieselben Gänge und es sieht alles gleich aus und es ist so fucking gruselig.
Johannes Franke: Wahnsinnig gut gemacht. Also da habe ich mich wirklich, weiß nicht, da habe ich einen Narren dran gefessen an diesem Film. Ganz toll.
Florian Bayer: Ein großartiger Film. Mein Top 1 Geist, nicht Geisterfilm, ist das Haus in Hausu, einem japanischen Film aus den 70ern.
Johannes Franke: Haus auf Englisch.
Florian Bayer: Ich glaube, es gibt keinen deutschen Titel. Es gibt nur den japanischen und den englischen Titel.
Johannes Franke: Lass mich raten, Haus?
Florian Bayer: Haus, genau, Haus sollte er eigentlich heißen. 1977, es ist eigentlich kein guter Film. Aber er gilt als Klassiker?
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und er ist einfach nur schräg. Und das Tolle ist eigentlich, die Spukhandlung ist super, weil das Haus läuft irgendwann komplett amok. Und es geht darum, dass ein ... Mehrere Schulmädchen, das ist auch ein sehr exploitation-naher Film, Fahren in dieses Haus und erleben dann den Horror ihres Lebens mit abgetrennten Köpfen und Besessenheit und so. Aber kein Splatter-Horror, sondern eher schräger, bunter... kitschiger, alberner, ich weiß es nicht, aber es ist so lustig und es macht so viel Spaß dazu zu gucken. Es ist so ein bisschen... Stell dir Suspiria ohne Blut und dafür mit unfassbar viel Albernheiten vor. Dann hast du den Film ungefähr ... Und selbst das trifft es nicht so ganz. Ich weiß, es ist wirklich ein toller Film. Nee, es ist eigentlich kein toller Film, aber es ist ein toller Film. Ich kann nicht mehr dazu sagen. Aber der Geist in dem Film ist großartig. Das Haus ist fantastisch.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Als Spukerscheinung, ja.
Johannes Franke: Da muss ich an die beiden auf Netflix die Serien denken. Bly Manor? Oder wie das heißt, der Spuk von Bly Manor oder The Haunting of Bly Manor und der Nachfolger, ich weiß nicht genau, wie der hieß. Aber die waren sehr gut bei zwei Serien, zwei so begeisterte Serien.
Florian Bayer: Habe ich beide nicht gesehen.
Johannes Franke: Spuchhäuser. Ist ganz gut.
Florian Bayer: American Horror Story ist natürlich noch das, was einem anfallen würde. Und die erste Staffel ist ja auch sehr klassisch Spukhausgeschichte.
Johannes Franke: Ja, allerdings muss ich bei American Horror Story sagen, dass mir immer die ersten zwei Drittel gefallen und dann versuchen sie es irgendwie aufzulösen am Ende und das geht voll daneben.
Florian Bayer: Das ist dann frustrierend immer. Roger Ibert zitiert zu Placing Saddles, it's a mess. Es gibt immer so den Moment, wo es einfach nur noch drüber ist.
Johannes Franke: Ja, genau. Aber sonst, die haben ästhetisch die schöne Sachen und die haben gute Ideen, aber es ist Am Ende kriegen sie es nicht alle, die Fäden zusammen.
Florian Bayer: Nee, überhaupt nicht. Aber American Horror Stories hat mir immer Spaß gemacht. Weil es auch mit dieser ganzen unfreiwillig komischen Art und auch mit diesem übertriebenen und dann nochmal einen draufgesetzt, nochmal einen draufgesetzt. Ja.
Johannes Franke: Naja, also Geister-Stories, nun dieser, den wir jetzt besprochen haben, der ist nun wirklich ganz anders als das, was wir jetzt so ... Und das finde ich auch toll, eben dieses genreübergreifende, das ist eigentlich ein Drama und keine Geister-Spuk-Geschichte. Aber eben die ganzen klassischen Drops sind irgendwie trotzdem drin versteckt.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Fand ich sehr schön.
Florian Bayer: Ja, das ist auch ein schönes Schlusswort. Vielen Dank. Freut mich sehr, dass er dir gefallen hat.
Johannes Franke: Ja, ich bin auch froh, dass ich Nicht so viel Gore oder sowas von dir, was ich mehr bekommen habe. Ja. Sehr schön, vielen Dank, Plur, und wir sehen uns nächste Woche wieder.
Florian Bayer: Vielen Dank, Johannes, und vielen Dank fürs Zuhören. Bis dann. Bis dann, ciao.
Johannes Franke: Ach ja, Plor, fürs nächste Mal. Hast du wieder was?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Du weißt schon Bescheid?
Florian Bayer: Ja, ich weiß schon Bescheid.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und zwar wollte ich dir nächstes Mal Persona aus dem Jahr 1966 zeigen.
Johannes Franke: Okay, von wem?
Florian Bayer: Ingmar Bergmann.
Johannes Franke: Ach, der Bergmann.
Florian Bayer: Ja, einer seiner berühmtesten Filme. Aber bestimmt nicht einer seiner leichtesten Filme.
Johannes Franke: Okay, ich muss gestehen, dass ich mit Bergmann noch nicht so viel Berührungspunkte hatte irgendwann mal und mein Bild von Bergmann ist einfach sehr, sehr philosophisch. Okay, ja. Aber ich weiß nicht genau, ob das wirklich übereinstimmt mit dem, was Bergmann so... Das ist nur das, was ich im Kopf habe.
Florian Bayer: Nein, nein. Er ist eigentlich ein großer klassischer Geschichtenerzähler und auch vor allem ein Charaktererzähler und er ist eigentlich eher ein Psychologe als ein Philosophe. Aha.
Johannes Franke: Okay, gut, dann bin ich mal gespannt.
Florian Bayer: Aber das ist in dem Film auch ein bisschen anders. Das ist wohl sein experimentellster Film.
Johannes Franke: Oh, auch das noch.
Florian Bayer: Okay. Was hast du denn für mich?
Johannes Franke: Ich habe für dich ein völliges Gegenteil. Fantastic Mr. Fox von Wes Anderson.
Florian Bayer: Ja. Jetzt müssen wir dazu sagen, als wir das Mikro aus hatten, haben wir kurz über Wes Anderson geredet und sind einmal so im Kopf die Liste durchgegangen. Johannes war schockiert, dass ich Fantastic Mr. Fox nicht gesehen habe.
Johannes Franke: Und dann habe ich gleich beschlossen, na gut, dann müssen wir dir den antun.
Florian Bayer: Mein West-Anderson-Wissen ist auch begrenzt. Ich habe... 50 Prozent seiner Filme gesehen.
Johannes Franke: 50% nur?
Florian Bayer: 60? Ich weiß nicht.
Johannes Franke: Er hat ja nicht so wahnsinnig viel gemacht.
Florian Bayer: Aber so in den letzten 10 Jahren, die letzten Filme von ihm, die habe ich alle so ein bisschen geskippt. auch Gründe, glaube ich, aber darüber reden wir am besten das nächste Mal.
Johannes Franke: Okay, dann bin ich mal gespannt. Dann freue ich mich auf nächste Woche. Bis dann.
Florian Bayer: Ich mich auch. Bis dann. Ciao.
