Episode 6: Fantastic Mr. Fox, Persona

Wir reden über den Animationsfilm „Fantastic Mr. Fox“ aus dem Jahr 2009 und den Experimentalfilmklassiker „Persona“ aus dem Jahre 1966. Daraus entwickelt sich eine hitzige Debatte über Qualität und Redundanz in den Filmen Wes Andersons, darüber ob es sich bei der Fuchsgeschichte um einen Film für Kinder oder Erwachsene handelt und wie lakonisch eine Erzählhaltung denn nun sein soll, muss und darf. Die Klasse von Ingmar Bergmans Persona können wir beide anerkennen, finden aber zwei sehr unterschiedliche Zugänge und damit verbunden stark abweichende Interpretationen zu dem Film. Außerdem schwärmen wir von der guten alten Animationstechnik, dem europäischen Arthauskino und von den Möglichkeiten der Erotik im Film. Natürlich gibt es auch wieder passende Top Drei Listen: Die besten tierischen Protagonisten und die erotischsten Szenen der Filmgeschichte. Nicht einverstanden mit unseren Listen oder unseren Filmrezensionen? Schreibt uns unter florian@mussmansehen.de


Fantastic Mr. Fox [Wes Anderson]

(USA 2009)

Fantastic Mr. Fox. Wes Andersons erster Animationsfilm aus dem Jahre 2009. Die Erzählung basiert auf Roald Dahls gleichnamiger Geschichte über einen Fuchs und Draufgänger, der mehr aus Spaß denn aus Notwendigkeit die drei reichen Farmer in seiner Umgebung ausraubt. Als die drei Bauern beschließen, den Fuchs zu töten, muss er all seine Kraft, Liebe und cleverness,  zusammenraufen um sich und seine Familie sowie die betroffenen Tiere lebendig aus dieser Situation zu manövrieren.

Fantastic Mr. Fox ist der Versuch Wes Andersons einen Animationsfilm für die ganze Familie zu drehen. Mit den klassischen Stilmitteln, mit denen er bereits Kultfilme wie The Royal Tenenbaums auf die Leinwand zeichnete, entwirft er einen ebenso nostalgischen wie lakonischen Hybriden aus Trickfilm, Heist-Comedy und Auseinandersetzung mit dem animalischen Geist, der sich nicht domestizieren lässt.

 


Persona [Ingmar Bergman]

(Schweden 1966)

Persona aus dem Jahr 1966 ist einer der berühmtesten Filme des schwedischen Regisseurs Ingmar Bergmann. Eingerahmt in einen experimentellen, mit dem Medium spielenden Prolog und Epilog erzählt Bergmann von der komplizierten Beziehung der Schauspielerin Elisabeth mit ihrer Pflegerin Alma. Nach einem Auftritt als Elektra verstummt Elisabeth plötzlich und gibt kein Wort mehr von sich. Es scheint weder eine psychische noch eine physische Krankheit dahinter zu stecken, und so beschließt die behandelnde Ärztin, dass einige Tage in der Abgeschiedenheit am Meer die beste Kur für Elisabeth sein müssten. Alma begleitet sie, und in der Isolation entwickelt sich ein ungewöhnliches Band zwischen den beiden Frauen: Alma erzählt immer mehr aus ihrer Vergangenheit und ihrem Seelenleben, während die schweigende Elisabeth sowohl als Zuhörerin als auch Projektionsfläche dient. Dadurch entsteht jedoch eine emotionale Abhängigkeit, die immer fatalere Züge annimmt.

Persona ist Kammerspiel und Liebesdrama, Psychothriller und Horrorfilm. Bergmann ist kein Experimentalfilmer, aber mehr als in jedem anderer seiner Filme experimentiert er hier mit Bildern, Charakteren und Erzählformen. Das Ergebnis ist vielleicht nicht sein bester Film, aber sein mutigstes, unangenehmstes und abgründigstes Werk. Roger Ebert lobte ihn, nannte ihn aber auch schwierig, kompliziert und verstörend.