Episode 218: Eraserhead – David Lynchs alptraumhaftes Regiedebüt
Eraserhead markiert sicherlich das Surreal-albtraumhafteste das mein Filmliebhaber-Hirn ertragen kann. Und auch das steht hin und wieder im Film zur Debatte. Ein junger Mann, Henry Spencer, läuft hier durch einen postindustriellen, wenn nicht sogar postapokalyptischen Film, immer mit einem hart verängstigten, verstörten und verwirrten Gesichtsausdruck. Auf das Geschehen scheint er nur wenig Einfluss zu haben. Er wird zum essen zu seinen soon-to-be Schwiegereltern gerufen. Dort erfährt er, dass er Vater geworden ist und muss sich ab sofort um ein Alien-artiges Baby kümmern. Sichtlich überfordert flüchtet er sich in Fantasien. Eine singende Lady in einem Heizkörper, eine Affäre mit der Nachbarin. Das sind die Träume eines Everyday Man… Oder einen Schritt zurück gemacht: das sind die Albträume eines David Lynch. Alles ist in Schwarz-Weiß gehalten und immer düster und Wortkarg inszeniert. Es ist ein Mood-Film, der auf Stimmung setzt. Auf gar keinen Fall ein Plot-Film der auf Handlung setzt. Aber vielleicht vor allem ein Durchhaltefilm….
Plor, der Film scheint sich vor allem mit der Angst vor Vaterschaft auseinander zu setzen. Kannst du, als Vater, dich darin sehen – oder hast du dich einfach nur gefreut und hattest eine Bonbon-Bunte-Welt vor dir, als dein Kind kam?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 218: Eraserhead – David Lynchs alptraumhaftes Regiedebüt Publishing Date: 2025-03-05T07:59:50+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2025/03/05/episode-218-eraserhead-david-lynchs-alptraumhaftes-regiedebuet/
Florian Bayer: Oh nein, du spielst was. Oh mein Gott.
Johannes Franke: Im Podcast. Everything is fine in podcasts. Everything is fine in podcasts. Im Podcast everything is fine. Plur macht sein Zeug und ich mach meins.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Herzlich willkommen ihr da draußen zum Podcast, zum Muss-man-sehen-Podcast, wo wir uns gegenseitig Filme aufgeben und der andere muss den Film gucken, egal ob er will oder nicht.
Florian Bayer: Und du hast mir heute einen Film aufgegeben und du hast mir heute die volle Kanne David Lynch gegeben. Ja.
Johannes Franke: Ich habe dir volle keine David Lynch gegeben, obwohl es eigentlich deine Aufgabe wäre, Plur. Es grenzt ja an einen Horrorfilm hier, den wir hier haben und normalerweise gebe ich keine Horrorfilme auf.
Florian Bayer: Das ist kein Horrorfilm und ich werde dir auch während des Podcasts erklären, warum. Und ich habe nämlich diesen Film jetzt endlich verstanden. What? Ja, ich hab den Phil vollkommen verstanden. Okay. Und dafür, dass ich bei David Lynch immer sage, nein, nein, nein, bei anderen Surrealisten, es gibt keine Interpretation, es gibt nichts zu verstehen, hör auf damit, such nicht nach dem Sinn im Unsinn. Es ist ganz klar, was dieser Film macht. Und ich weiß es jetzt und es hat nichts damit zu tun, was David Lynch gemacht hat, als er diesen Film gedreht hat. Ach so, okay. Und was David Lynch vorhatte. Aber ich glaube, ich habe eine absolut in sich stimmige Interpretation für alles, was in diesem Film passiert.
Johannes Franke: Okay, sehr gut.
Florian Bayer: Und dafür, dass ich das habe, stehen verdammt viele Fragezeichen in meinen Takes.
Johannes Franke: Also ich glaube, es ist ein einziges riesiges Fragezeichen, mit dem wir hier arbeiten. Ich hoffe, ihr habt den Film gesehen und könnt jetzt mit uns rätseln, was das alles eigentlich soll. Die Leute, die es noch nicht wissen, also die den Film nicht gesehen haben und einfach dieses Fragezeichen aus anderen Gründen haben, denen erzähle ich jetzt ganz kurz, worum es geht. Eraserhead markiert sicherlich das surreal Albtraumhafteste, das mein Filmliebhaberhirn ertragen kann. Und auch das steht hin und wieder in diesem Film zur Debatte. Ein junger Mann, Henry Spencer, ich glaube, er kann froh sein, dass er überhaupt einen Namen bekommen hat, läuft hier durch einen postindustriellen, wenn nicht sogar postapokalyptischen Film. Immer mit einem hart verängstigten, verstörten und verwirrten Gesichtsausdruck. Auf das Geschehen scheint er nur wenig Einfluss zu haben. Er wird zum Essen zu seinen Soon-to-be Schwiegereltern gerufen, Dort erfährt er, dass er Vater geworden ist und muss sich ab sofort um ein alienartiges Baby kümmern. Sichtlich überfordert flüchtet er sich in Fantasien. Eine singende Lady in einem Heizkörper, eine Affäre mit der Nachbarin. Das sind die Träume eines Everyday Man. Oder einen Schritt zurück gemacht, das sind die Albträume eines David Lynch. Alles ist in schwarz-weiß gehalten und immer düster und wortkarg inszeniert. Es ist ein Mood-Film, der auf Stimmung setzt. Auf gar keinen Fall ist es ein Plotfilm, der auf Handlung setzt, aber vielleicht vor allem ein Durchhaltefilm. Plot. Der Film scheint sich vor allem mit der Angst vor Vaterschaft auseinanderzusetzen. Kannst du als Vater dich darin sehen? Oder... Hast du dich einfach nur gefreut und hattest eine bonbonbunte Welt vor dir, als dein Kind kam?
Florian Bayer: Ich glaube, es wäre was anderes gewesen, wenn ich diesen Film gesehen hätte während der Schwangerschaft. Aha. Wenn, dann ist es eher ein Film, der dir Angst macht, wenn du schwanger bist. Ja. wenn du mit jemandem Schwangerem verpartnert bist, wenn du ein Kind erwartest. Ich glaube, es ist weniger ein Film, der dir Angst macht, wenn das Kind dann da ist.
Johannes Franke: Ja, okay, verstehe.
Florian Bayer: Ich glaube, ich war aber auch nicht so empfänglich für diese Ängste. Dafür bin ich dann doch zu sehr in dieser bonbonfarbenen Welt.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Aber ich möchte kurz was zu diesen Ängsten sagen. Ich möchte nämlich ganz kurz die Genese von mir mit diesem Film erzählen. ganz viel mit Ängsten zu tun hat. Und zwar mit nicht vorhandenen Ängsten. Ich habe diesen Film geguckt, Als ich, keine Ahnung, 14, 15 war oder so, ist es der erste David Lynch-Film, den ich gesehen habe.
Johannes Franke: Okay, ja, da deckt sich unser Erfahrungshorizont.
Florian Bayer: Und ich habe diesen Film gesehen, weil ich in einer TV-Zeitschrift, ich gehe davon aus, es war TV-Movie, Wisst ihr noch, in den 90ern gab es diese TV-Zeitschriften, die schrecklich schlechte Texte hatten. Ganz minimal und von Leuten, die die Filme teilweise nicht gesehen hatten, ganz schlechte Zusammenfassung. Und dann mit einem lachenden Smiley oder mit einem Daumen hoch und so weiter ausgestattet. Als eine Art Rating. Als eine Art Rating. Es gab quasi Daumen hoch, Daumen mittel, Daumen runter. Okay. Oder lachender Smiley, gelangweilter Smiley und gännder Smiley. TV Movie. Genau, TV Movie oder TV Spielfilm. Das waren so die zwei, die man zur Auswahl hatte. 90% des Heftes war Werbung und 10% war TV-Programm und Mini-Rezension. Da hab ich gelesen, da hatte ich diese kleinen Felder, wo drinsteht was zu dem Film. Und die Razorhead hat natürlich einen Daumen hoch gekriegt. Und da stand, das ist der schrecklichste Horrorfilm, den es gibt, nichts für schwache Nerven, es gibt nichts Schlimmeres.
Johannes Franke: Also wolltest du ihn sehen.
Florian Bayer: Und deswegen wollte ich ihn sehen. Damals wusste ich nicht, dass diese Beurteilung offensichtlich von einem werdenden Vater geschrieben wurde. Anders kann es nicht sein. Und ich habe den geguckt und dachte, also mein erster Eindruck war, huch, der soll ja auch witzig sein. Ich kann mich noch erinnern, ich hab den zusammen mit meinem Bruder geguckt und dann hat mein Bruder irgendwann angefangen zu lachen, wenn diese Slapstick-Dinge passieren, die so sehr subtiler Slapstick sind, aber wenn Henry durchs Bild stolpert ganz am Anfang. und in eine Pfütze tritt und so, dann hat das so was Slapstick-Komisches.
Johannes Franke: Wie alt wart ihr?
Florian Bayer: 14, 15 wahrscheinlich oder 16, vielleicht um den Dreh. Ich habe kurz darauf Lost Highway gesehen und dann habe ich das irgendwann zusammengebracht, dass das derselbe Regisseur ist. Und dann dachte ich aber vor allem, ey, das ist ja gar nicht gruselig. Also es ist schräg und ich finde es irgendwie interessant. Ich verstehe nicht, was da passiert, aber es ist interessant. Aber wo ist der Horror?
Johannes Franke: Also du warst enttäuscht.
Florian Bayer: Ich war auch ein bisschen enttäuscht, aber ich mochte den Film so sehr, dass diese Enttäuschung über den fehlenden, gruseligsten Film aller Zeiten... ausgeglichen wurde dadurch, dass ich tatsächlich was gesehen habe, was anders war. Und wenn man 14, 15 ist, dann ist man... eigentlich noch nicht in dem Alter, wo man so viel sieht, was anders ist, sondern man ist doch sehr auf das TV-Programm beschränkt bei der Filmauswahl. Und das ist dann halt so das Standardzeug. Und dann war das schon was Besonderes und irgendwie was anderes. Und ich wusste, ich sehe da was... was ungewöhnlich ist, was nicht die Art von filmischer Narration ist, die ich sonst kenne. Ich hatte keine Ahnung, was da passiert.
Johannes Franke: Okay. Ich hätte vielleicht in dem Alter den Film gucken sollen, dann hätte ich nämlich mit meinen Ängsten ein Zuhause gehabt, Und da schließt sich meine Geschichte an, die ich mir gedacht habe, vielleicht erzähle ich die mal. Ich habe, bevor ich mein erstes Mal Sex hatte... so ein paar, man versucht so hier und da und dann hat man jemanden, der vielleicht Interesse und so, man guckt mal. Und es war in dem Fall ein Ein Mädchen, das ein bisschen weiter weg wohnte in einer anderen Stadt. Und ich bin da extra hingefahren, hab mir die Erlaubnis reingeholt. Und dann waren die Eltern von diesem Mädchen hyper-aware und wahnsinnig vorsichtig damit, uns in einem Raum zu lassen. Und wir durften auch nicht im selben Raum schlafen.
Florian Bayer: Nein, oh wie schrecklich.
Johannes Franke: Und das war, also es wird seltsam. Wir hatten also keine Chance. Wir haben so ein bisschen in kleinen Momenten ein bisschen was versucht, aber es hat Also bei weitem ist es zu nichts gekommen, was irgendwie in die Nähe gekommen wäre. Aber ein paar Wochen später hat sie mich angerufen und hat gesagt, sie sei schwanger. Und ich habe mich in dem Alter innerlich darauf vorbereitet, okay, okay. Du musst jetzt Verantwortung übernehmen. Du wirst jetzt Vater. Und ich dachte mir, das kann aber gar nicht sein. Wie soll das denn sein? Aber wir haben doch gar nicht... Und dann habe ich gedacht, ja gut, irgendwie alles mysteriös, ich weiß sowieso nichts über das Leben, also ist das jetzt so. Da hätte ich diesen Film gut gebrauchen können. Und dann irgendwann hatte sie mich nochmal angerufen. Und dann hat sie gesagt, dass sie beim Arzt war und dass sie hat abtreiben lassen. Und... gerechnet, zurückgerechnet muss es so gewesen sein, dass sie vorher mit jemand anderem was hatte und jetzt einen Vater gesucht hat.
Florian Bayer: Also es war auch nicht so dieser unglückliche Petting-Moment, wo zufällig dann doch was sein Ziel getroffen hat. Gar nicht.
Johannes Franke: Es ist keine Chance. Null.
Florian Bayer: Krass. Oh, was für ein Albtraum-Szenario.
Johannes Franke: Und das ist ein seltsamer Schritt. Ja, und ich hab... Ich habe nie darüber mit jemandem geredet, außer mit einem guten Freund in der Schule, der auch nur sagen konnte, krass,
Florian Bayer: Jetzt wird es krass persönlich hier.
Johannes Franke: Das war wirklich seltsam. Und ich glaube, ich hätte diesen Film echt gebrauchen können. In diesem Alter, in diesem Moment.
Florian Bayer: Aber dieser Film, also die Frage ist natürlich, hätte dieser Film deiner Ängsten noch mehr getriggert? Natürlich. Weil das ist ja alles so schrecklich, was da passiert.
Johannes Franke: Aber es wäre wenigstens kanalisiert gewesen in etwas. und so war es echt so. Ich fühlte mich echt seltsam, allein und furchtbar und Und so in einer Verantwortungsposition, mit der ich nichts anfangen konnte, natürlich nicht. Und ich habe auch mit meinen Eltern nicht darüber geredet. Hallo Mama, du hörst davon zum ersten Mal. Es ist wirklich, wirklich seltsam gewesen.
Florian Bayer: Oh, wow. Ja. Okay, die Geschichte kann ich nicht toppen mit mir, der als 14-Jähriger auf der Couch sitzt und sagt, ich gucke jetzt einen gruseligen Horrorfilm. Das kann damit nicht mithalten.
Johannes Franke: Krass. Aber diese Ängste habe ich jetzt, als ich den Film nochmal gesehen habe, ich habe einfach an die Geschichte lange nicht gedacht. Und jetzt kam das wieder hoch und ich dachte, wow, okay, ja, irgendwo dockt das an bei mir.
Florian Bayer: Es ist wirklich ein Talent von David Lynch, dass er es schafft. Also ich meine, David Lynch macht abstrakte und surreale Filme. Der macht wirklich merkwürdige Filme, die schwer zu verstehen sind. Und die anders sind als das Standardzeug in Hollywood. Und trotzdem schafft er es und deswegen gehört für mich David Lynch auch immer so ein bisschen zu den Mainstreamern unter den Surrey. Menschen emotional anzusprechen.
Johannes Franke: Der arme Mensch, der arme Mensch. Du hast ihn gerade als Mainstreamer bezeichnet. David Lynch.
Florian Bayer: Ich habe das vielleicht noch dazu gesagt, David Lynch ist Anfang dieses Jahres gestorben. Ich glaube, wir haben beide einmal betreten, unter uns geguckt. und gedacht, oh, das ist wirklich traurig und ein herber Verlust. Wir haben einmal über David Lynch im Podcast geredet, ausgerechnet einer von den Filmen, den Johannes nicht so mag von ihm.
Johannes Franke: Ich habe sowas von auseinandergenommen und jetzt habe ich gedacht, oh Gott, jetzt ist er gerade gestorben, jetzt kann ich den nächsten Film nicht auseinandernehmen, das geht nicht. Ich dachte,
Florian Bayer: du hast heute deine Redemption-Arc und stellst fest, dass halbe Twin Chicks doch ziemlich begabt ist. Ja. Aber woran liegt das? Und ich glaube, es liegt daran, dass er es schafft, egal wie surreal das Zeug ist, was er erzählt, emotional an ganz vielen Stellen immer wieder anzudocken. Ängste zu nehmen und umzusetzen. Und das ist vielleicht sogar ähnlich wie bei den großen Horror- Filmern oder auch Horrorautoren, sowas, das kann Stephen King auch. Man kann Stephen King total kitschig und albern finden. Ist er auch an ganz vielen Stellen. Aber er schafft es bestimmte Ängste so zu erzählen, dass man denkt, ah, ich... Ich kann gar nichts mit dem Geschehen anfangen, aber das Gefühl, das hier gerade ist, das kommt mir irgendwie bekannt vor und das dockt an.
Johannes Franke: Ist das so? Bei Stephen King habe ich nie das Gefühl gehabt, dass er das auf die Art und Weise, wie er es erzählt, schafft, sondern dass er es schafft, Situationen zu finden, die das Gefühl mitbringen. Nicht die Art und Weise der Erzählung so sehr. Deswegen ist der Unterschied zu David Lynch für mich doch ein bisschen größer jetzt.
Florian Bayer: Ich glaube, es ist bei beidem so eine Stimmungserzeugung. Du schaffst Irgendwie eine Stimmung. Und das haben wir hier auch. Und wenn ich an David Lynch denke, was ich von David Lynch mag, also ich hätte echt Schwierigkeiten, meine Lieblingsfilme von David Lynch aufzuzählen. Weil ich nicht wüsste, wie ich sie sortieren sollte. Aber ich könnte direkt sagen, welche Szenen bei mir voll reingehauen haben. Und die findet man in allen seinen Filmen. David Lynch ist sehr, gerade weil er so dissoziativ erzählt, sehr von Einzel-Szenen abhängig und Einzel-Szenen Und Filme setzen sich bei ihm immer aus Einzelzenen zusammen und man könnte wahrscheinlich seine gesamten Filme nehmen, neu schneiden und könnte aus den Einzelzenen nochmal neue Filme zusammensetzen. Das würde auch irgendwie funktionieren.
Johannes Franke: Ich glaube, dass du vollkommen recht damit hast und ich glaube, das hat was damit zu tun, wie David Lynch arbeitet und wie sein Gehirn funktioniert. Er hat ja auch extra ein Buch darüber geschrieben, Catching the Big Fish, glaube ich heißt das Ding, über Fantasie und über Ideenfindung und so weiter. Muss ich mir unbedingt durchlesen. Ich habe jetzt ein bisschen was von ihm geguckt und seinen Prozess ein bisschen erklärt bekommen. Und ich glaube ernsthaft. Ich bin kein Esoteriker oder sowas, aber ich glaube ernsthaft, dieser Mensch hat irgendeine Form von Zugang zu seiner Psyche, die kein anderer auf dieser Welt hat. Es ist wirklich krass, weil das in Bilder zu gießen, was er da mit verbindet und das nicht in ein Narrativ zu packen, sondern in ein Gefühl. Finde ich wahnsinnig krass. Also ich bin wirklich massiv beeindruckt von dieser Fähigkeit.
Florian Bayer: David Lynch ist ja totaler Spiritualist. Und er ist ein Mensch, er war ein Mensch, dem das sehr wichtig war und der im späteren Leben dann immer mehr sich auch mit Meditation beschäftigt hat. Aber es hat angefangen tatsächlich, als er diesen Film gemacht hat. Meditationstechniken und dieser Zugang zu Meditationstechniken, das hat in der Zeit angefangen. Wir können ja mal ganz kurz Zu David Lynch bringen. Ja, okay. Geboren 1946, sprich er war 31, als dieser Film rausgekommen ist. Nach vielen Jahren Drehtzeit.
Johannes Franke: Sieben Jahre? Du hast sieben Jahre? Ich habe irgendwo vier bis fünf Jahre stehen.
Florian Bayer: Er hat Anfang der 70er, also 1979 hat er glaube ich so angefangen. Er hat auf jeden Fall das Ding sehr lange gedreht. David Lynch kam aus gutem Haus.
Johannes Franke: Ja. Sein Vater war irgendwie ständig in Wäldern, weil er als Biologe oder sowas beschäftigt war. Ganz genau habe ich es gerade nicht.
Florian Bayer: Genau. Und sie haben viel in Washington. gelebt. Er war Agrarwissenschaftler.
Johannes Franke: Ah, okay.
Florian Bayer: Und sie haben in Washington gelebt und der junge Lynch Der wollte eigentlich Künstler werden. Der hat an der bildenden Kunst interessiert. Und er ist auch bildender Künstler und er ist Maler. Und ich mag seine Gemälde.
Johannes Franke: Ich habe mir nicht so viel angeschaut von den Gemälden. Ich habe es nicht mehr geschafft. Ich bin so in anderen Rabbit-Holes verschwunden. Man muss dazu sagen, wenn man sich mit Lynch beschäftigt, hat man 20.000... in denen man verschwinden kann und das dann auszuwählen. Und die Bilder habe ich leider nicht noch gesehen, aber sah auf jeden Fall was, was im Hintergrund war, fand ich sehr interessant.
Florian Bayer: Seine Bilder wirkten so ein bisschen wie die Bilder von Joseph Turner.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: So diese verschwimmenden Landschaften, die ein bisschen düster sind.
Johannes Franke: Ja okay.
Florian Bayer: Und dann aber einmal 21. Jahrhundert draufgeklatscht. Das heißt, alles wirkt so ein bisschen... Turner hat ja diese düsteren Naturlandschaften gemalt, so dieses romantische, das aber gleichzeitig unheimlich wirkt. Und bei Lynch wirkt das alles noch verschwommener, man sieht noch weniger, noch mehr schwarz. Mhm. Und dann stehen mal Worte drin oder es sind irgendwie so abstrakte Konstruktionen drin und es ist so eine Art von, also es hat Bezüge zum Impressionismus. Aber es verschwimmt alles und das ist auch sehr ähnlich wie in seinen Filmen. Wir können auf jeden Fall festhalten, der Mann hat extrem gerne gemalt.
Johannes Franke: Ja, der Mann hat, ich glaube, der hat auch Kleidung entworfen und so. Der hat so viel gemacht. Musik hat er gemacht. Es war ihm glaube ich einfach, er hat auch ein Zuhause gehabt, wo er auf jeder Etage unterschiedliche Ateliers hatte mit verschiedenen Dingen.
Florian Bayer: Zu seinen Häusern kommen wir noch. Das Haus, in dem er gelebt hat, als er Eraserhead produziert hat, großartig. Das war ein sehr besonderes Haus, in dem er da gelebt hat in Hollywood. Aber er hat dann in Philadelphia gelebt, vor allem eine Zeit lang.
Johannes Franke: Ja, und das ist die Stadt, der alles an Credit gibt, was ihn so inspiriert. Er muss da wirklich... massiv verstört gewesen sein von der Stadt.
Florian Bayer: Er hat gesagt, das ist mein Philadelphia-Film. Und das war in den 60ern und da hat er nämlich auch eine Mitstudentin kennengelernt bei seinem Kunststudium. Peggy Reevee und die hat dann 1967 geheiratet, weil sie schwanger war. Und die haben eine Tochter gekriegt, Jennifer.
Johannes Franke: Und die Jennifer hat leider einen, man nennt es Klumpfuß. Die haben viel an ihr rumoperiert und so. Ich weiß nicht genau, wie das dann ausgegangen ist, aber sie... Diese Ängste, die in diesem Film vielleicht verarbeitet werden, hängen offensichtlich auch mit daran, dass sie auch schon vor der Geburt gesagt bekommen haben, Ja, da gibt es ein kleines Problem.
Florian Bayer: Wir hören Jennifer in diesem Film, ne? Er hat ihr Geweine aufgenommen. genommen und hat das mit für die Geräusche des Babys benutzt. Und ich frage mich in dem Moment, wie musst du dich fühlen, als die Tochter dieses Mannes, wenn du siehst,
Johannes Franke: Aber die macht ja auch selber solche Filme, ne?
Florian Bayer: Ja, genau. Sie ist dann auch selbst zum Film gegangen. Wie gesagt, als Eraserhead fertig war, war sie schon zehn Jahre alt. Und während sie klein war, hat er das Ding gedreht. Und dann stand auch während des Drehs die Scheidung von Packy. Und er hat es gedreht. David Lynch hat damals... versucht seine Visionen in Kurzfilmen umzusetzen. Und er hat so mit Alphabet einen ziemlich krassen Kurzfilm gedreht, den man auf jeden Fall auch sich angucken kann. Experimentalfilme. Also das ist... Das ist noch mehr Kunst und mehr Kunstkacke, mehr experimental als das, was er später als Kinofilme gemacht hat. Aber von der Atmosphäre ist schon so ein bisschen was mit drin. Und er hat es dann tatsächlich geschafft, beim AFI, beim American Film Institute, Geld zu kriegen. für diesen Dreh von seinem Langfilm, der gar nicht als Langfilm gedacht war.
Johannes Franke: Das ist so eine süße Geschichte. Also wenn man sich so ein Drehbuch anschaut, das moderne Drehbücher und auch damals war die Regel schon da. Für eine Seite Drehbuch kann man ungefähr mit einer Minute Film rechnen. weil das bestimmte Formate gibt, nach denen dann so ein Drehbuch formatiert wird und man dann sagen kann, okay, da sind so viele Zeichen drauf und Dialog und Beschreibung und so, das gleicht sich ungefähr aus auf ungefähr ein bisschen mehr als eine Minute pro Seite. Und David Lynch allerdings... Hat ja eher Stimmungen beschrieben und weniger Handlungen und auch Dialog ist ja auch nicht so viel da, sodass das Drehbuch eher so 21, 22 ist. Seiten war und dann sind die davon ausgegangen, na gut, dann ist das ein Kurzfilm von ungefähr 22 Minuten vielleicht.
Florian Bayer: Und dann haben die drüber geredet, dann haben die gestritten. Und David Lynch hat gesagt, nee, das Ding muss länger sein. Und dann haben sie... gab es offensichtlich große Diskussionen zwischen ihm und dem AFI, dass das ganze Ding finanziert hat, die gesagt haben, wir müssen gucken mit dem Geld, also du hast, du kriegst hier 10.000 Dollar, aber wir müssen gucken, dass damit auch irgendwas Vernünftiges passiert. Und dann haben sie sich auf 42 Minuten geeinigt.
Johannes Franke: Die haben auch schlechte Erfahrungen gehabt, muss man sagen. Die haben vorher schon einen anderen Künstler Fehlgeld in die Hand gedrückt für einen langen Film. Und dann haben sie sich geschworen, nie wieder einen Langfilm zu machen, weil der ziemlich einen Bach runtergegangen ist. Das hat nicht funktioniert. Und deswegen wollten sie einfach auf Teufel komm raus keinen Langfilm mit David Lynch machen. Und Lynch hat... Hat aber auch selber so ein bisschen tief gestapelt. Der hat das mit den 40 Minuten, das war schon so ein bisschen so geflunkert. Das versucht mit denen so auszuhandeln, wusste aber glaube ich selber schon, dass das länger als 40 Minuten wird. Es war einfach sein... Er wollte einfach das unbedingt machen und deswegen hat er denen so ein bisschen was vom Pferd erzählt.
Florian Bayer: Er hat sich wohl angeflogen. Aber es ist natürlich eine krasse Geschichte, wenn man sich anguckt. Er hat das 10.000 Dollar Budget genommen und hat auf schwarz-weißen 35 Millimeter gedreht und hat damit dieses 90 Minuten Monstrum erschaffen.
Johannes Franke: Naja, er hatte sehr viel mehr Geld am Ende ausgegeben. Er hat sehr viel Geld von Freunden bekommen. Und von seinem Vater. seinem Vater und von der Schauspielerin und Sethelferin, die tagüber gekellnert hat. Und dann ihr Trinkgeld, das sie den Tag über bekommen hat, einfach in den Film reingeworfen hat. So geil. Die hatten ja alle...
Florian Bayer: Es waren viele von seinen Freunden beteiligt. Jack Lance, der die Hauptrolle spielt. Jack Fisk, der so was wie ein Produktionsdesigner ist. Und die hatten alle Tagsjobs. Das heißt, David Lynch übrigens auch, der hat Zeitung ausgefahren. Und die haben dann nachts gedreht. Es war konsequent. Es gab dann sogar am Set so dieses, wenn die Vögel zwitschern, dann ist es vorbei, dann machen wir Schluss. Dann haben die nachts gedreht, die ganze Nacht lang. und haben tagsüber gearbeitet.
Johannes Franke: Wahnsinn, absoluter Wahnsinn.
Florian Bayer: Und David Lynch hat Zeitungen ausgetragen. Dann hatten wir die großartige Charlotte Stewart, die Darstellerin von der Mary, die hat gearbeitet für unsere kleine Farben. Ach, und die hatte da eine relativ große Rolle. Ich habe das nie wirklich gesehen, aber das war so eine sehr kitschige Western-Serie, Western in Seifenoper.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Die hatte da eine relativ große Rolle. Das wusste ich gar nicht. Stell dir vor, wie sie vom Set von Unsere kleine Farm kommt, wo sie die Schäfchen gestreichelt hat und Pferde gestrickt hat. Und dann kommt sie da rein und sagt, wir wissen nicht, ob es ein Baby ist. Wir wissen nicht, ob es ein Mensch ist.
Johannes Franke: Krass, Mann. Möchtest du Tee, Flor?
Florian Bayer: Oh ja.
Johannes Franke: Lass uns Tee trinken, bevor wir hier die Story auseinandernehmen.
Florian Bayer: Catherine Coulson, das war die, die Lynch Anfang der 70er getroffen hat, die dann sehr viel geholfen hat. Die hat ... Moment, jetzt muss ich selbst noch mal gucken. Mit der hat er übrigens sehr viel später noch zusammengearbeitet. Und die ... Die hatte auch einen Gastauftritt in einem wirklich schrägen Film über Eraserhead, zu dem ich nachher noch zu sprechen kommen muss. Catherine Coulson hat später die Locklady gespielt bei Twin Peaks und die hat hier ganz viel bei der Produktion mitgeholfen und die hat in dem Café gearbeitet. Und Jack Nance mit seiner geilen Frisur.
Johannes Franke: Die hat er fünf Jahre lang gehabt.
Florian Bayer: Blumen geliefert.
Johannes Franke: Der hat Blumen ausgeliefert?
Florian Bayer: Der hat Blumen ausgeliefert.
Johannes Franke: Oh, wie süß.
Florian Bayer: Und wieder, stell dir vor, du bestellst für deine liebste Blumen. Und sie öffnet die Tür und dann steht da dieser Typ mit diesen Haaren und sagt, hier, ich habe einen Blumenstrauß für...
Johannes Franke: Ja, aber man muss schon sagen, dass die Haare natürlich auch gemacht sind und die waren natürlich im Alltag nicht so hochgestellt. War auch übrigens anders geplant, die Frisur, ne? Ja. Die haben das eigentlich anders gedacht und dann hat die... Maskenbildnerin aus unerfindlichen Gründen da so drin rumgewurschtelt, dass die Haare dann plötzlich so hoch standen und Lynch hat dann sofort gesagt, jo, Jo, nehmen wir, lassen wir so, lassen wir so. Nicht weiter dran rum experimentieren, das ist gut.
Florian Bayer: Und Catherine Coulson wiederum, die viel geholfen hat bei dem Film, war dann mit Jack Nance auch irgendwann verheiratet. Und die haben sich aber auch dann, die haben Kinder gekriegt, die haben sich dann wieder scheiden lassen. Es gibt wohl Weihnachtsfotos von ihnen. Sie hatte auch so ein bisschen ein schräges Aussehen, deswegen durfte sie die Locklady spielen. Dann er mit dieser verrückten Frisur und dann die Kinder. Ich will diese Fotos sehen. Findet man leider nicht online, aber wenn ihr diese Geschichten hören wollt, David Lynch redet ganz viel darüber. Es gibt einen... ein Dokumentarfilm, der heißt Eraserhead Stories. David Lynch redet auf Spielfilmlänge über die Entstehung dieses Films. Und zwar, wie man sich das David Lynch vorstellt. Er sitzt vor einem Mikrofon und quatscht einfach. Ununterbrochen.
Johannes Franke: Und wenn ihr David Lynchs Stimme im Ohr habt oder auch nicht, dann müsst ihr dann auf jeden Fall mal anhören. Der hat immer so einen leichten Ruf, schreit immer so ein bisschen. Man hat immer das Gefühl, dass man so ein bisschen angeschrien wird von ihm. Was ein bisschen seltsam ist.
Florian Bayer: Und dann ruft er Catherine an, Catherine Coulson und fragt so, Cathy! Wie war das damals nochmal? So klingt ja. Und dann reden sie über den Film und dann erzählt sie Sachen. Und er sagt ganz oft... I don't remember that. Really? I don't remember that. Und er schreit sie die ganze Zeit an. Er hat sie auf seinem Tisch liegen, die Kamera zeigt dann auch manchmal, das ist voll weird, das Telefon nah und dann wieder ihn, wie er vor diesem Mikrofon sitzt und er schreit die ganze Zeit in dieses Telefon mit Freisprecheinrichtung, damit sie ihn hört. Anfang der 2000er, er ist halt schon auch schon ein bisschen älter, wie ein älterer Mann, der mit seiner Freundin von damals telefoniert und versucht alte Erinnerungen auszukraben. Es ist fantastisch. Es ist total schräg. Muss man sich unbedingt angucken.
Johannes Franke: Hört schon raus, das ist ein Film, der nach typischer und danach immer wieder passierender Studentenmanie passiert ist. Studenten, die einfach kein Geld haben, die keine Mittel haben, die aber irgendeine Vision haben und sagen, wir müssen das aber machen. und die irgendwie es geschafft haben, andere Leute davon zu überzeugen, dass das eine geile Idee ist und dass man da sieben Jahre lang dran sitzen muss unbedingt. Und dass man dann auch zum Beispiel noch in der Post-Production eine komplette Garage Soundproof ausbauen muss, damit man noch Sounds aufnehmen kann, ein Jahr lang. Und man denkt sich, der Film ist doch fertig, warum machst du denn jetzt noch so einen Scheiß? Und dann macht er das aber noch und alle stehen voll hinter ihm und geben ihm noch Geld. Das ist so krass. Sechs Wochen waren geplant.
Florian Bayer: Nach neun Monaten hat der erste Kameramann Herbert Cartwell aufgegeben.
Johannes Franke: Der ist ja auch im Schlaf gestorben. Der war ja 35, als er gestorben ist. Einfach so, oh, vier Wochen später hatten sie einen neuen Kameramann.
Florian Bayer: Frederick Elms, der hat das dann übernommen, aber es sollte noch deutlich länger dauern, wie gesagt, es hat sich dann einfach über Jahre gezogen. Während David Lynch in diesem absurden Haus gewohnt hat. Er hat gesagt, wir finanzieren diesen Film. Du kommst jetzt aus Philadelphia raus nach Hollywood, Los Angeles, die Stadt der Träume und hier machst du deinen Film und wir haben hier noch ein Haus für dich.
Johannes Franke: Das war eine leerstehende Stelle, das Greystone Mansion. Ja, auch da. Aber er hatte auch noch andere Möglichkeiten auf dem Campusgelände. Also er hat so ein paar Sachen für sich vereinnahmt und hat da sein Set aufgebaut und dann hat er da gewohnt.
Florian Bayer: Nicht zum Drehen, er hat hauptsächlich auf dem Set gewohnt, aber das Haus, was er gekriegt hat, war dieses Greystone Mansion, das 55 Zimmer hat. 55? Und dass offensichtlich das Haus von der Person ist, die Vorlage war für den Film Der Will Be Platt. Oh! Also ein richtiges Mansion, so ein richtig großes Haus, in dem es angeblich auch gespukt hat. Genau, sehr schräg. Und dann hat er seine Sets vereinnahmt. Gott sei Dank ist es ja ein Film, der nicht so viele Sets braucht.
Johannes Franke: Ja, genau. Der hat ja wirklich lange dann auf dem Rücken gesessen und hat gesagt, ich bin noch nicht fertig, ich bin noch nicht fertig. Irgendwann haben sie ihm eine Deadline gesetzt. Das war aber dann Gott sei Dank dann erst, als er die Postproduktion gemacht hat mit dem Ton und so und dann mussten sie halt mit dem Tonstudio umziehen in diese Garage, von der ich gerade gesprochen habe.
Florian Bayer: Er hatte davor kurz überlegt, weil sie gesagt haben, jetzt gibt es gleich kein Geld mehr, dass komplett den Rest, der noch zu drehen war, mit Puppen zu machen und damit Szenen zu füllen und einfach mit Animationen irgendwie das Ding voll zu kriegen, damit er seine Spielfilmlänge hinkriegt.
Johannes Franke: Wäre aber auch interessant geworden. Warum nicht? Ich würde David Lynch das total zutrauen, das auch gut hinzukriegen.
Florian Bayer: Das hätte keinen großen Unterschied gemacht wahrscheinlich.
Johannes Franke: Aber ich finde schon, dass dieser Film, wenn wir jetzt irgendwie irgendwann mal in diesen Film hineinkommen auch noch, obwohl ja auch noch viel zu David Lynch zu sagen ist, meine Güte. Aber der Schauspieler, der das macht, die Hauptrolle da, ist der Hammer. Der zieht das ja wirklich komplett durch und der trägt natürlich diesen Film 100%. Also ich glaube nicht, dass die Puppengeschichte dann als Ablöse auch nur annähernd diese Kraft verwendet. entwickelt hätte, die er über den Film entwickelt.
Florian Bayer: Jack Nance, der, wie du gesagt hast, die ganze Zeit irgendwie ängstlich wird?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Unbeholfen, hilflos.
Johannes Franke: Er ist so ein bisschen, ich weiß nicht, ob du diese alten Stummfilm-Stars, es ist nicht Harold Lloyd, sondern es ist... Wie heißt denn der andere? Ich habe den Namen gerade nicht parat. Verdammt, es fällt mir jetzt erst ein. Mist, ich hätte recherchieren sollen. Aber es gab einen, der die ganze Zeit so ganz naiv wie ein Baby schaute. Ja. Und völlig überfordert war von der Welt. Und auch eine sehr absurde Figur aus der Schumpfilmzeit. Im Grunde ist unsere Figur hier dieser Stummfilmstar. Er hat einen komischen Gang gefunden. gewählt. Er hat diese komische Frisur und der Film ist in schwarz-weiß. Das heißt, man hat im Grunde so einen Stummfilm-Slapstick-Star vor sich.
Florian Bayer: Ich muss ganz viel an Wirklich an Slapstick denken, in ganz vielen Szenen. Es ist krass, weil die Inszenierung und das Sounddesign, die sprechen ja eine komplett andere Sprache, weil das so düst. ist die ganze Zeit amokalyptisch und bedrohlich. Aber wie die Menschen sich bewegen, da gibt es so viele... komische Sequenzen. Henry, der durch dieses postapokalyptische stolpert und in eine Pfütze tritt und irgendwie nicht weiß, wie über den Hügel gehen soll. Wenn Mary, kurz bevor sie aus der Wohnung flieht, den Koffer unterm Bett hervorholt.
Johannes Franke: Meine Güte. Das ist einfach.
Florian Bayer: einfach Situationskomik.
Johannes Franke: Wie krass ist das denn? Vor allem, weil das ja auch so absurd und surreal vorher ist und du nicht so richtig weißt, lache ich jetzt oder lache ich jetzt nicht? Ja. Dann zieht er das aber so lange durch, dass ich tatsächlich irgendwann ins Lachen komme und dann richtig ausbreche ins Lachen, wenn sie da den Koffer rausholt. Weil man vorher nicht wusste, dass sie an dem Koffer einfach nur interessiert ist. Und sie rüttelt dann in diesem Bett. Was ist das? Was soll das? Was macht sie da? Und dann holt sie den Koffer da raus, was eine perfekte Pointe ist. Und der Film hat wirklich auf eine ganz seltsame Art und Weise immer wieder zum Lachen herausgefordert.
Florian Bayer: Ja. Ich überlege gerade, ich gucke gerade auf meine Aufzeichnung, was die Geschichte betrifft, was da passiert.
Johannes Franke: Wollen wir zusammenfassen, was passiert? Und dann langhangeln wenigstens, weil es ist ja nicht, viele Plottoins sind es ja nicht. Das kann man ja zusammenbringen.
Florian Bayer: Ich bin vor allem interessiert an den Szenen, die extrem spätig sind. Also wenn wir zum Beispiel, keine Ahnung, ich könnte jetzt eine Stunde lang über die ersten zwei Minuten reden. Also wirklich nur ganz grob was passiert. Wir sehen diesen Floating Head von Henry in Space. Ja, vor dieser Kugel, die ein Planet sein könnte, die vielleicht aber auch ein Hoden sein könnte. Oder eine riesige Schokokugel, wir wissen es nicht. Und dann sehen wir diese Kamerafahrt ins... in ein Loch, in einer Decke und dann sehen wir zum ersten Mal diesen Mann, der nur ganz wenig in dem Film vorkommt. Von Jack Fisk gespielt, der Produktionsdesigner war, der in diesen Szenen dann wirklich mitgearbeitet hat. Der ist irgendwie deformiert, der hat irgendeinen Ausschlag oder sowas auf seiner Haut. Und der sitzt am Fenster und schaut melancholisch raus. Dann sehen wir, wie Spencer schreit, ohne dass wir 200 zuhören. Und dann sehen wir dieses Spermium.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Das da vor ihm fliegt, also auch so mit wirklich, wir haben diese Transparenz, wirklich diese klassischen Spielfilmeffekte, die sie auch schon Anfang des 20. Jahrhunderts konnten. Und das landet dann in einer Pfütze, das Spermium. Und zwar, genau davor sehen wir, wie dieser deformierte Mann den Hebel bedient. Wir sind ja in den ersten fünf Minuten des Films. Was passiert da?
Johannes Franke: Naja, ich meine, wenn du eine Sexszene willst von David Lynch, dann guck dir das an. Was anderes, also klassisch einfach zwei Menschen, die sich treffen und Spaß haben, zeigen kann jeder. Aber David Lynch will natürlich andere Bilder dafür schaffen.
Florian Bayer: Nehme ich total gerne, aber... Ist Henry der, der in dieser Szene geschwängert wird? Weil wir sehen nicht Mary. Wir sehen Henry und wir sehen auch fast, ich würde dir sogar zustimmen, es ist eine Sexszene. Aber Henry ist der, der empfängt. Und Henry ist der, der erschrocken ist von dem, was da passiert.
Johannes Franke: Also kann man natürlich so nehmen, ja, okay, aber ich glaube... dass dadurch, dass sie, also jeder andere aus dem Cast, ist so weit von ihm entfernt gefühlt. Dass sie alle irgendwie nur eine Projektion sind. Sodass auch es sie in der Szene nicht braucht... um diejenige zu sein, die geschwängert wird. Weil das Bild in dem Falle nur dieses... diese Pfütze ist, auch wenn das ein gemeines Bild ist. Aber ich glaube, David Lynch hat das irgendwie so hingestellt.
Florian Bayer: Ich glaube, man muss diesen Bogen nicht spannen. Ich glaube, man kann es erklären. Und lassen wir es mal so stehen. Wir kommen dann zu meiner Interpretation später. Henry... ist auf jeden Fall irgendwie die Verkörperung von der empfangenen Person. Die Person, Wir haben einen zweiten Mann im Bild und dieser Mann macht etwas, der bewegt Hebel und diese Hebel sorgen dafür, dass das Sperma, das heißt entweder lebt dieser Mann in Henrys Hoden und wir sind tatsächlich die Hoden.
Johannes Franke: Ja, vielleicht. In meinem Kopf ist es einfach etwas leicht göttliches, irgendwas, was so Schicksal spielt.
Florian Bayer: Eine göttliche Figur? Aber warum sieht diese göttliche Figur so deformiert aus?
Johannes Franke: Ich weiß nicht, warum Gott so aussieht, wie Gott aussieht. Da kann ja David Lindt nichts dafür, dass Gott so aussieht.
Florian Bayer: Okay, nehme ich, nehme ich, nehme ich. Und dann schalten wir Gott sei Dank in Handlung, die zumindest für einen kurzen Moment fast normal ist. Fast. Wir haben einen Henry, der nach Hause kommt, erfährt, dass seine Freundin oder seine Ex-Freundin besser gesagt angerufen hat, ein Essen mit ihren Eltern.
Johannes Franke: Ist das wirklich eine Ex-Freundin? Wird das explizit gesagt? Ist das eine Interpretationsfrage? Ich weiß es nicht.
Florian Bayer: Er schaut sich ein zerrissenes Foto von ihr an, das aussieht, als ob ihr das zerrissen hätte. Also zumindest, und das erfahren wir dann ja auch, wenn er zu ihr kommt, hat sie sich länger nicht mehr bei ihm gemeldet. Und er ist offensichtlich deswegen auch verletzt, weil er sagt, ja, was ist? Ich wusste gar nicht, ob ich kommen darf, weil wir haben uns schon so lange nicht mehr gehört. Was ist denn los? Und sie bittet ihn dann einfach wortlos rein. Wir haben sehr viele awkward Momente, wo Fragen nicht beantwortet werden.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und dann gibt es diese wirklich, wirklich, wirklich awkward Szene in diesem Haus bei der Familie. Und das sind wahrscheinlich genau deine Ängste von damals, oder? Du bist bei einer Familie eingeladen von einer Frau, die du liebst und dann passieren Dinge.
Johannes Franke: Ja, vor allem, also zum einen sind es Erwartungen, was für Erwartungen werden an dich gestellt, wenn du da kommst? Vor allem auch, weil die Situation anscheinend so ist, dass sie sich wirklich lange nicht gemeldet hat und du dann denkst, ja, aber das erste Treffen, was wir jetzt haben, ist bei deinen Eltern, was ist los? Und dann fragt man sich halt ganz lange, was soll das? Was ist hier los und warum? Und wer gegen wen und warum? Und natürlich ist diese Szene vor allem an Ideen von David Lynch gebunden. gar nicht so sehr am Narrativ an sich oder an dem, was realistischermaßen passieren könnte oder so, sondern es sind einfach nur... Gedankenblitze, die mit Ängsten zu tun haben. Was ist mit den Eltern und wie weit Die verhalten sich so, dass man überhaupt nichts interpretieren kann und dass man nicht weiß, was da los ist bei denen. Das sind alles einfach nur Ängste in meinem Kopf.
Florian Bayer: Unangenehme Momente. Auf jeden Fall, ja klar, natürlich sind es Ängste. Also einfach mal, um einfach aufzuzählen, was schräge Sachen passieren. Es ist nicht schräg, aber es ist etwas irritierend. Wir haben diesen Hund, der die ganze Zeit seine Welpen...
Johannes Franke: Vor allem klingt der erstmal ganz furchtbar.
Florian Bayer: Ja, diese Geräusche. Ganz schlimm.
Johannes Franke: Den haben sie übrigens tatsächlich beim Tierarzt geholt. Und das ist nicht das Erste, was sie vom Tierarzt geholt haben.
Florian Bayer: Wir werden noch über David Lynch's Verhältnis zu Tieren zu sprechen kommen. Dann haben wir auch wieder komische Szenen, zum Beispiel diese Oma in der Küche, die da einfach nur da sitzt und dann gibt die Mutter ihr irgendwann den Salat und bewegt ihre Hände, damit sie umrührt und setzt sie so in Bewegung. Und nachher gibt sie ihr auch so eine Zigarette in den Mund, so nach dem Motto, ja, die lebt gar nicht mehr selbst, die wird einfach nur noch bedient.
Johannes Franke: Aber sie kriegt Freuden im Leben des Rauchens.
Florian Bayer: Das ist auch sehr nett von der Mutter, finde ich. Dann haben wir diesen absolut merkwürdigen Vater, der die ganze Zeit grinst der hier, menstruiert das Hühnchen, als er es versucht zu schneiden.
Johannes Franke: Also in meinem Kopf, ich muss sagen, ich bin einfach zu naiv dafür. Für mich war das einfach die Bratensauce oder sowas. Und dann später irgendwie in der Recherche habe ich dann gedacht, ach ja, okay, ja, es hätte auch einfach blut sein können oder so.
Florian Bayer: Aber warum bewegt das Hühnchen die Beine von selbst? Also das ist doch der Moment, wo du sagen musst, Moment, das ist nicht einfach nur ein Hühnchen mit Bratensoße. Und diese Menge, die da rauskommt.
Johannes Franke: Das ist nur die Angst von ihm. Er guckt das an und es passieren halt schräge Dinge. Ach, was weiß ich denn? Flor, stell mir solche Fragen nicht.
Florian Bayer: Wir werden noch öfter sagen, was weiß ich denn? Und dann haben wir einfach diesen awkward Moment, wo sich die Mutter nicht nur an Henry ran macht, sondern ihn einfach mal sexuell bedrängt und zwar auf übelste Weise.
Johannes Franke: Das ist so weird.
Florian Bayer: Und er ruft verzweifelt nach Mary, die kommt und dann sagt die Mutter, übrigens, Mary ist schwanger.
Johannes Franke: Moment, nein, sagt sie, dass sie schwanger ist? Oder sagt sie, da gibt es übrigens jetzt ein Kind. Und dann sagt sie, sie wissen doch gar nicht, ob es ein Kind ist.
Florian Bayer: Sie sagt, es gibt ein Baby. Es war eine Frühgeburt, es ist im Krankenhaus und Mary sagt... wissen nicht, ob es ein Mensch ist. Was nachvollziehbar ist, wenn wir das Baby sehen.
Johannes Franke: Und ich habe die ganze Zeit das Gefühl, dass nicht einmal klar ist, ob Mary das tatsächlich geboren hat, das Kind. Es wird... Glaube ich in meiner Erinnerung nicht ein einziges Mal gesagt, dass das wirklich ihr Baby ist, sondern sie sagt einfach nur, es gibt da dieses Baby, das könnt ihr jetzt abholen. Und ich denke mir, wie kommt in dieser Welt ein Baby ins Krankenhaus zum Abholen?
Florian Bayer: Oh, das passt sehr gut zu meinem Gedanken. Das musst du auf jeden Fall stehen lassen. Du bist voll auf meinen Interpretationspfad. Wir wissen gar nicht, ob Mary das Baby zur Welt gebracht hat, aber das Baby ist jetzt da und sie sind verantwortlich dafür, sie müssen heiraten und Spencer Henry kriegt Nasenbluten und
Johannes Franke: Also das ist doch auch alles so ganz diffuse Angst, oder? Wenn du irrationale Ängste hast. Ja. Dann hat das ja nichts mit Realität zu tun. Dann ist das ja nur eine Übersteigerung der Möglichkeiten, wie alles schief gehen könnte. Und dann gibt es auch keine Ursache dafür, sondern es gibt einfach nur ein, es gibt jetzt übrigens ein Baby und um das musst du dich kümmern. Und ich finde es gut, dass der Film das zumindest nach meinem Erleben nicht erklärt, sondern wirklich nur sagt, so, und du bist jetzt verantwortlich. Du denkst dir, was, was, was, was habe ich gemacht? Was soll das? Warum? Aber du kannst dich nicht entziehen. Das ist der Albtraum dahinter. Das andere wäre jetzt viel zu logisch fast schon.
Florian Bayer: Und dann haben wir einen Schnitt zu der jungen, glücklichen Familie.
Johannes Franke: Junge, glückliche Familie.
Florian Bayer: Und will einen Spike kennen. Spike war sein Name.
Johannes Franke: Also am Set.
Florian Bayer: Jack Nance wurde gefragt, warum habt ihr ihn Spike genannt? Und er sagt, keine Ahnung, wahrscheinlich stand es auf der Geburtsuhr.
Johannes Franke: Das ist auch geil. Weil alle an diesem Set... Einfach das Maul halten und sagen, wir wissen nicht, wie das Baby entstanden ist. Das ist wahrscheinlich entweder, wo es ist, in der Nähe geboren irgendwo oder... Und David Lynch hat alle drauf eingeschworen und hat auch den Typen, der die Dailies mit ihm geguckt hat, Zur Erklärung, was Dailies sind, wenn sie gedreht haben, müssen sie sich anschauen, was sie gedreht haben, um festzustellen, ob das was geworden ist. Und dann gibt es jemanden damals, der das an die Wand projiziert hat und dafür verantwortlich war, das Material aufzubereiten. Und dem hat er die Augen verbunden. damit sie nicht an den Aufnahmen sehen, wie das Baby entstanden ist. Und das kann nur zwei Sachen bedeuten. Entweder... David Lynch hat einfach Lust, irgendeinen Mythos in die Welt zu setzen oder David Lynch hat irgendwas Recht Verbotenes getan dafür.
Florian Bayer: Das glaube ich auch. Genau, das ist eins von beiden. Entweder ist es so banal, dass es wirklich den Zauber des Films kaputt machen würde, oder es ist so schlimm, dass die Behörden einschreiten müssen. Und wir wissen es nicht. Es gibt sehr viele Spekulationen. Bei diesen Spekulationen spielen diverse medizinische Zentren auch eine Rolle. Es gibt Spekulationen, dass es tatsächlich ein Fötus war, den sie da geholt haben, den sie von irgendwelchen befreundeten Wissenschaftlern gekriegt haben.
Johannes Franke: Ja, ein Lamm. vielleicht.
Florian Bayer: Ein Lamm? Ein Hase? Eine Katze? Es gibt diese Geschichte von David Lynch, der eine Katze...
Johannes Franke: Ja, aber diese Katzenszene gab es tatsächlich auch im Film, die ist bloß rausgefallen. Also die Katze haben sie auch vom... Beim Tierarzt, der wurde gebeten, Bescheid zu sagen, falls er eine tote Katze bekommt, also beziehungsweise eine Katze, einschleifern musste und dann haben sie tatsächlich eine Katze gegeben für eine Szene, für diesen Film.
Florian Bayer: Wir wissen nicht, was Spike ist. Wie Spike gemacht ist. Aber ich finde, was wir sehen, ist, dass es extrem gut ist.
Johannes Franke: Extrem gut. Lebendig. Und das macht mich sehr misstrauisch. Aber wirklich? Es ist da, oh, die Augen sehen so echt aus. Und wie feucht, squishy dieses Material ist, was sie da haben. Das kann nur was Organisches sein und ich will eigentlich auch echt nicht wissen, was es ist.
Florian Bayer: Auch die Bewegung, er wirkt so lebendig. Du guckst die ganze Zeit und denkst, wie machen sie das? Haben sie da eine Hand drin oder so? Und Es sind so natürliche, organische Bewegungen.
Johannes Franke: Total, ja.
Florian Bayer: Wie sieht denn dieses Baby aus, das im Film keinen Namen kriegt?
Johannes Franke: Wie sieht dieses Baby aus? Nein, ich weiß es nicht, ich kann es dir nicht sagen. Es ist ein Ei, das vorne einen Mund bekommen hat und unten noch einen Hals.
Florian Bayer: Na der Kopf wirkt so ein bisschen tatsächlich wie von einem Lamm, von einem neugeborenen Lamm.
Johannes Franke: Ja, total.
Florian Bayer: Also so sehr schleimig und so in die Länge gezogen, eher eine Schnauze als ein Mund oder eine Nase. Und der Körper, keine Arme, keine Beine, keine Extremitäten.
Johannes Franke: Ist einfach nur in Mullbinden gewickelt.
Florian Bayer: Genau. Und dann liegt dieses Baby da und wir sehen halt, wie Mary... komplett gestresst ist, sie versucht es zu füttern, das Baby will nicht so richtig essen, das Baby macht auch die ganze Zeit Geräusche, die gar nicht so laut sind, aber diese diese Permanenz
Johannes Franke: Ja, sehr nervierend, muss man sagen. Und wenn er jetzt weiß, dass das auch noch sein eigenes Kind tatsächlich mit dabei ist und in den Geräuschen, dann denkt man sich, oh Gott, nein.
Florian Bayer: Ja, auch zum Sounddesign müssen wir nachher noch ganz viel sagen.
Johannes Franke: Ja, auf jeden Fall.
Florian Bayer: Und dann haben wir diesen Moment, dass Mary peu a peu überfordert ist von dem Baby. Zwischenfrage. Henry hat irgendwas mit einem Wurm. Der hat diesen Wurm, den er aus diesem Päckchen auf der Straße dann rausholt, irgendwie von seinem Briefkasten. Was ist das?
Johannes Franke: Ich habe keine Ahnung. Schade. Ich glaube, es ist ein aufgegebener Erzählstrang.
Florian Bayer: Vielleicht. Also Henry hat tatsächlich, Henry scheint einen organischen Freunde zu haben, seine Wohnung ist auch so eingerichtet, er hat diese Hügel, Diese Erdhügel, sowohl auf seinem Nachttisch als auch auf seiner Kommode, wo dann einzeln so ein kleiner Baum drinsteht, der komplett tot ist.
Johannes Franke: Ja, der ist komplett tot. Es symbolisiert ja im Grunde nur seine Unfähigkeit, etwas am Leben zu erhalten, was ja der Film auch im Grunde erzählt, dann in Gänze.
Florian Bayer: Ja, und... Unfähigkeit oder fehlender Willen. Weil ich meine letzten Endes, wenn er am Schluss das Baby umbringt, dann ist es ein sehr aktiver Akt, Davor ist er komplett passiv die ganze Zeit. Aber dann ist es so ein sehr aktiver Akt. Und ich glaube, das Töten als Ziel spielt dabei auch eine große Rolle. Das heißt... Er will nicht Dinge sterben sehen oder sterben lassen. Ich hatte eher das Gefühl, er hat Interesse. Das ist was, was ihn fasziniert. Also wenn man sich sowas in die Wohnung stellt, weil es ist ja nicht so, dass der Baum mal irgendwann gelebt hat, als er da stand. So wie der da steht, ist der so aufgebaut wie ein Kunstwerk.
Johannes Franke: Weiß ich nicht genau. Das ist ja fast schon zu haptisch, also schon fast zu realistisch gedacht. Ich glaube, das geht ja nur um Bilder, also es geht ja nur um Symbole oder um... um Ideen und diese Welt, in der er da lebt, ist ja sowieso sehr menschenfeindlich und sehr lebensfeindlich. Er hat im Hintergrund an der Wand ein Bild von einem Atompilz. Könnte ein Hinweis darauf sein, dass es wirklich postapokalyptisch ist, das Ganze. Und dass das Ganze einfach wirklich sehr lebensfeindlich als Umgebung ist. wo er da langläuft, dieses industrielle Gebäude da und diese Haufen von Zeug. Da ist nicht, das ist alles, da wächst ja nichts, da kann nichts mehr wachsen. Und wenn er dann nach Hause kommt zu den Eltern da, da ist ja auch im Vorgarten nur Gestrüpp, dass er nicht mehr lebt. Das ist ja alles... Und ich glaube, das ist einfach nur ein Ausdruck der Welt, in der einfach... keiner in der Lage ist, mehr so menschlich und lebensbejahend miteinander umzugehen. Keiner von denen geht miteinander um, sodass man denkt, ja super, komm ich morgen gerne wieder.
Florian Bayer: Wir sehen kaum Anzeichen von Zivilisation. Es wirkt alles irgendwie... Menschen leer? Also wirklich, wir sehen keine anderen Menschen. Es gibt die Figuren, die in diesem Film auftauchen, sind an der Hand abzuzählen, im wahrsten Sinne des Wortes. Und ja, wir haben keine Natur, wir haben diese Brutalismus- in den Bauten, an denen er vorbeigeht. Wir wissen auch nicht genau, was das ist. Und ansonsten haben wir halt vor allem das Innen, das irgendwie so der... der Ort ist und also das Innere der Wohnung, da spielt ja die hauptsächliche Handlung ab.
Johannes Franke: Und wenn er aus dem Fenster guckt, hat er auch nur eine Wand vor sich.
Florian Bayer: Ja, genau. Oder wenn er an der anderen Seite aus dem Fenster guckt, sieht er, wie irgendjemand jemand anderen umbringt. Wir haben diese Wohnung. Wir haben Mary, die angewidert ist vom Baby. Wir haben Henry, der nach Hause kommt und offensichtlich zumindest mit Blicken versucht, dieses Familienglück zu lösen. irgendwie herzustellen, weil er lächelt einmal so ganz, so weißt du, ich freue mich, dass da ein Kind Das ist das Schöne. Und dann ist er wieder in seinem Brot. Und wir erleben, wie das so langsam eskaliert und Mary dann schließlich in der Nacht abhaut. und ihn mit dem Kind alleine lässt und sagt, ey du hast Ferien, kümmer du dich jetzt mal.
Johannes Franke: Wir denken zwischendurch ja vielleicht auch, ja, recht hat sie, soll er sich auch mal kümmern. Bis jetzt haben wir nicht gesehen, wie er sich gekümmert hat. Aber wir haben auch fairerweise nicht gesehen, wie sie sich gekümmert hat. Ja, aber das kann man vielleicht annehmen.
Florian Bayer: Und dann haben wir diese erste große Vision. Und David Lynch hat dazu gesagt, naja, ich hab mir irgendwann mal die Heizung angeschaut und hab mir vorgestellt, könnte da eine Frau drin leben. Und dann dachte ich, ja, Das ist eigentlich ganz gemütlich und auf dem Platz, das würde irgendwie passen.
Johannes Franke: Er meinte auch, dass diese Heizung so ein bisschen seltsam war. Anders als andere Heizungen war dahinter nämlich tatsächlich so ein kleiner Hohlraum. Ja. Wie so eine Bühne. Und das hat ihn eben so ein bisschen auch auf den Gedanken gebracht. Und das kam nicht aus dem Original-Drehbuch. sondern das ist im Drehprozess erst entstanden. Und vielleicht auch ein bisschen Ausdruck dessen, er sich selbst ein bisschen verändert hat, weil David Lynch in dieser Zeit angefangen hat, sich mit Meditationen und so weiter auseinanderzusetzen. Und der Film tatsächlich ein Stückchen weniger düster geworden ist, als er vorher gewesen wäre.
Florian Bayer: Weil dadurch der Humor dazu gekommen ist.
Johannes Franke: Ja, und vielleicht auch die wirklich sehr leicht optimistischeren Töne durch die Lady in der Heizung und so. Ich weiß nicht, wer das als optimistisch interpretiert. Man kann es ja auf viele Weise interpretieren, aber ich habe das Gefühl, dass dadurch, dass sie so... so dasteht und grinst und lächelt und diesen Song singt, gibt sie ihm ein Stückchen Hoffnung. auch wenn die Hoffnung düster ist, weil sie sagt, in heaven, everything is fine. Und man dann denkt, ja, okay, das bedeutet, du musst dich also umbringen. Toll, sehr schön. Aber es gibt trotzdem einfach im Gegensatz zu dem, was im Film ist. Ist das ein Hoffnungsmoment?
Florian Bayer: Ich glaube, sie ist die Protagonistin. Ich glaube, um sie dreht sich eigentlich der Film.
Johannes Franke: Okay, gut.
Florian Bayer: Und dass er sie in der Heizung sieht, ist komisch. Aber eigentlich findet sie nicht in seiner Welt statt, sondern er findet in ihrer Welt statt.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und Sie ist ihm nachher dankbar, wenn das Kind gestorben ist.
Johannes Franke: Okay, möchtest du genauer ausholen oder willst du das noch ein bisschen drüber laufen lassen?
Florian Bayer: Lass uns noch ein bisschen drüber laufen und lass uns darauf nochmal zurückkommen. Aber ich glaube, sie ist ganz wesentlich für das Verstehen der Handlung. Aber fragt mich nicht, warum sie Hamsterbacken hat.
Johannes Franke: Das kann ich dir sagen.
Florian Bayer: Au, danke.
Johannes Franke: Das ist eine rein visuelle Sache.
Florian Bayer: Dumm, nein. Nein, nein, nein, nein.
Johannes Franke: Weil sie dadurch noch ein bisschen, so dieses, wenn die Oma in die Wangen knackt. Ja. Du hast aber gesunde Wangen. Hier ein bisschen rot. Das ist die Übertreibung dessen, dass man so gesunde Bäckchen hat.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist es.
Florian Bayer: Okay. Also, wir sehen die Hamsterlady auf einer Bühne.
Johannes Franke: Hamsterlady. Das ist ja gemein.
Florian Bayer: Denkt ihr in anderen Namen auch.
Johannes Franke: Ja, okay, Hamsterlady.
Florian Bayer: Wir sehen die Hamsterlady auf dieser Bühne und sie tanzt. Offensichtlich ist da ein ganz kleines Theater in seiner Heizung. Und dann fallen irgendwann Spermien von der Decke.
Johannes Franke: Wobei, man muss schon sagen, also... Spermien sind jetzt unsere Interpretation. Es sind viel zu groß, also für Spermien natürlich viel, viel zu große Sachen, die auch... doch ein bisschen anders aussehen, als ich mir Spermien tatsächlich vorstelle, muss ich sagen. Der Kopf sieht sehr ähnlich dem Kopf des Babys, halt den kleiner und dann einfach nur ein langer, langer Schwanz und ja, man kann gut drauf rumtreten an
Florian Bayer: Ja, offensichtlich. Und es kommt auch irgendwelche eklige Flüssigkeit dabei raus. Und das geht nahtlos über in seinen zweiten Traum, nämlich indem Mary wieder bei ihm im Bett liegt. und ihm nicht so richtig Platz gibt und er sagt die ganze Zeit Move over zu ihr und sie reibt sich dann auf Unfassbar widerlich. Ach, die Augen. Wie kann man sich nur so unangenehm die Augen reiben? Und ich warte die ganze Zeit drauf, dass irgendwas abfällt, weil das wirklich eklig aussieht.
Johannes Franke: Aber es ist ja nicht mal die visuelle Ebene, für mich ist es die Tonebene, die es macht. Ja. Und wenn ich mir jetzt die Augen reibe, man hört nichts, aber was er da für einen Sound drunter legt, ist wirklich ekelhaft, meine Güte.
Florian Bayer: Und dann greift Henry unter die Decke und dann sind da auch diese Spermien und er ist total angewidert und schmeißt sie gegen die Wand. Und jetzt habe ich da stehen, Wurm bewegt sich auf Planet. Ich weiß nicht mehr, was ich da gemeint habe. Ah, Stop-Motion, stimmt. Wir haben dann diese Stop-Motion-Szene von dem Wurm. Ja, der sich da bewegt, der sich da wirklich so geht.
Johannes Franke: Lass uns mal bei dem Bild der Spermien im Bett bleiben. Das ist ja auch so ein... Das eine ist die Angst vor der Vaterschaft, aber das andere große Ding, finde ich, in diesem Film ist... Die Angst vor der eigenen Sexualität.
Florian Bayer: Vor allem vor den Folgen der eigenen Sexualität.
Johannes Franke: Na nicht mal nur das, sondern tatsächlich einfach, also er hatte, wenn wir es jetzt übertragen, eine Morgenlatte und hat irgendwie vielleicht auch noch ist vielleicht auch noch im Schlaf gekommen oder was und ist dann, wacht dann auf und denkt sich, was ist das hier und kann mit der eigenen Sexualität einfach nichts anfangen und finde das alles doof und eklig und hat Angst, dass das irgendwas, was das bedeutet. ist einfach völlig naiv und unberührt von all diesem Zeug.
Florian Bayer: Ich glaube, und damit... komme ich wieder so ein bisschen in meine Interpretationsrichtung. Es ist nicht Angst vor der eigenen Sexualität, sondern Angst vor der männlichen Sexualität. Oder nicht nur Angst, sondern vor allem Ekel vor der männlichen Sexualität. Wir haben ganz viel diese Bilder von, ich interpretiere es als Spermien, von irgendwie Symbole für männliche Sexualität. was zu männlicher Sexualität dazugehört, vermeintlich. Und das ist vor allem so diese... Diese falligen Dinge, also man kann sie als Spermien sehen, man kann sie aber auch als falligen Dinge lesen, die halt irgendwie Ekel erzeugen.
Johannes Franke: Ja, ja. Willst du das wieder auf die Frau in der Heizung beziehen? Die erleben das Innere von ihr?
Florian Bayer: Und zum einen Egel vor der Sexualität, aber auch vor den Folgen von der Sexualität. Das ist die Geschichte einer schwangeren Frau.
Johannes Franke: Hm, okay. Das lasse ich mal so stehen und wir kommen immer mal wieder darauf zurück. Mal gucken, ob sich das durchziehen lässt. Ich bin gespannt, was du mit der Radiogummiszene machst.
Florian Bayer: Ja, ich auch. Und dann haben wir diesen Moment, ich interpretiere es absolut als Vision von Jack, warum sage ich Jack? Von Henry, auch ein sehr schöner amerikanischer Name. Es gibt offensichtlich auch Leute, die sagen, nee, das passiert wirklich. Die Nachbarin kommt vorbei.
Johannes Franke: Ja, natürlich. Das ist reine Vision von ihm. Aber in deiner Welt ist es dann wiederum die Vision der Vision.
Florian Bayer: Genau, die Vision der Vision. Das ist ein bisschen Inception. Sie kommt vorbei, sagt, sie hat sich ausgesperrt und innerhalb kürzester Zeit küssen sie sich. Sie guckt etwas irritiert zum Baby und...
Johannes Franke: Henry versucht sie wegzudrücken.
Florian Bayer: Und dann haben wir Whirlpool Sex.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Oder?
Johannes Franke: Also ein guter Whirlpool Sex. Also ich hätte den auch gerne. Vor allem in meinem Bett, weil ich dann nicht aufstehen müsste, um in den Whirlpool zu gehen. Das ist ein guter Bettsonntag. Das ist mir einen guten Bettsonntag vor.
Florian Bayer: Es ist da auf visueller Ebene tatsächlich total schön, ne?
Johannes Franke: Ja, schon.
Florian Bayer: Also es ist eigentlich eine romantische Szene. Dann wäre da nicht dieses Baby die ganze Zeit im Hintergrund die Geräusche macht, wie sie da so langsam versinken in diesem Whirlpool, langsam unter Wasser tauchen.
Johannes Franke: Aber wenn er sich schon vorstellt, dass die Nachbarin vorbeikommt, warum stellt er sich dann vor, dass sie die ganze Zeit zu dem Baby rüber guckt?
Florian Bayer: Das ist so ein bisschen, ich hatte eine imaginäre Freundin und dann hat sie sich von mir getrennt.
Johannes Franke: Oh nein.
Florian Bayer: Nicht mal meine Fantasien sind nett zu mir.
Johannes Franke: Ja, ich meine natürlich, wenn das Baby die ganze Zeit im Hintergrund drunter liegt und er einfach nicht davon loskommt und er es einfach nicht schafft. nicht mal in seiner Fantasie schafft, das Baby mal wegzudrücken, dann ist natürlich klar, dass das so passiert.
Florian Bayer: Und dann haben wir eine kurze Szene dazwischen, wie die Nachbarin diesen fliegenden Planeten wieder sieht. Also dieser Planet oder Hoden oder Stein oder was auch immer fliegend zu sehen ist und wir sehen den Blick der Nachbarin und der macht das macht ihr offensichtlich Angst.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ich weiß es nicht mehr. Und ja, kann ich absolut nachvollziehen, weil in den David Lynch-Filmen gibt es ganz oft so Momente, wo man denkt, ah Moment, das ist passiert, ich kann mich nicht erinnern, Also wir versuchen gerade diese Bilder zu greifen, aber der Film ist natürlich voll mit so Bildern, die so nebensächlich passieren. Und jeder sieht es auch anders und denkt so, okay, hat das jetzt eine Relevanz oder ist es egal, kann das weg? Ich denke, bei dem Film ganz, ganz oft ist das prüfungsrelevant. Genau. Definitiv. Und das ist typisch David Lynch. Das fragt man sich bei dem immer. Und dann kommt die schönste Szene des Films, nämlich In Heaven von der Starlady.
Johannes Franke: Ich mag das total. Ich muss echt, ich liebe diese Szene. Wie sie, ihr Ausdruck, wie sie singt, sie singt das glaube ich nicht selber, sondern es ist der Typ, der das geschrieben hat, der das dann auch noch singt und sie macht nur Lipsync, wenn ich das richtig verstehe.
Florian Bayer: Können wir kurz gucken? Ich habe es auch so verstanden.
Johannes Franke: Peter Ivers. Wenn ich mir das anhöre, klingt das nicht nach Peter Ivers. Das klingt eher nach einer Eva Ivers. Aber na gut. Ja, jeder hat unterschiedliche Stimmen. Und sie macht das großartig. Ich finde, dass ihr... Wundervoll. Es ist natürlich mit einem Undertone, den man eigentlich nicht haben will, wenn man sich sowas anschaut. Und dann tritt sie auf diese Dinger drauf, die da vom Himmel fallen. Ist auch schon jetzt schon? Weiß ich gar nicht genau.
Florian Bayer: Nee, das war davor. Das kommt jetzt nicht mehr. Also wir sehen auch wieder, wir sehen dann diesen... Also Spencer ist dann plötzlich Teil dieses Szenarios. Er steht da. Also Henry. Wir sehen diesen deformierten Typen wieder. Wir sehen, wie Spermien weggeweht werden und dann wird irgendetwas auf diese Bühne gerollt. Henry ist plötzlich alleine. Ist das ein Baum?
Johannes Franke: Das ist das, was er auf seinem Nachttisch hat.
Florian Bayer: Das ist das, was er auf seinem Nachttisch hat.
Johannes Franke: Also jetzt in meinem Kopf.
Florian Bayer: Ja, das macht Sinn auf jeden Fall. Wie alles in diesem Film. Henry steht an einem Stehpult... spielt so ein bisschen, trommelt so ein bisschen mit den Fingern drauf rum und verliert dadurch dabei den Kopf, der durch einen monströsen Babykopf ersetzt wird.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Widersprich mir, wenn ich irgendwas sage.
Johannes Franke: Es won't das. Nee, alles richtig. So passiert das halt.
Florian Bayer: Aber er steht weiter da und seine Finger klopfen weiter auf das Pult. Der Kopf fällt... durch Wasser und landet auf der Straße. Ein Junge nimmt ihn, geht damit zu einer Bleistiftfabrik und Der Typ in der Bleistiftfabrik freut sich offensichtlich, klingelt nach seinem Chef, der sich drüber aufregt, dass er nach ihm geklingelt hat. Sie gehen rein. Sie bohren den Kopf auf, sie holen irgendwas raus, sie stecken das in irgendeine Maschine. Aus der Maschine kommen Bleistifte mit Radiergummis. Sie probieren die Radiergummis und stellen fest, dass die gut funktionieren.
Johannes Franke: Ja, also das ist halt die Szene des Films, wo man danach sagt, ja, das Einzige, was ich nicht erklärt haben muss, das Das ist logisch. It's a joke. Erase our hands. It's a joke. Dafür brauche ich doch keine Erklärung oder sowas. Es gibt ja viele Filme, die so einen Moment haben, wo man sagt, Oh, guck mal, der Titel des Films. Ja, genau. Und das ist halt dieser Moment dieses Films. Wie willst du das irgendwo einsortieren? Ich habe keine Ahnung, was das soll.
Florian Bayer: Aus seinem Kopf, aus seinem Verstand, aus seinem Gehirn wird ein Radiergummi gemacht.
Johannes Franke: Er will vergessen.
Florian Bayer: Das Radiergummi ist die Tötung. Das Radiergummi ist das Erasing von einem... Nicht von einem Menschen, sondern von einer Entität, die vielleicht gar nicht lebt. Wir werden sehr lange darüber diskutieren, ob das ein Pro-Choice- oder Pro-Life-Film ist. das interpretieren. Aber natürlich geht es in dem Film um Abtreibung. Ach Gott.
Johannes Franke: Ich habe noch keine Meinung dazu, Flor. Ich brauche noch ein bisschen. Auf jeden Fall.
Florian Bayer: wird dann die gespitzte Mine. Die haben einen tollen Spitzer da stehen. Ich stehe auf diesen elektrischen Spitzer. Total geil. Das Zeug wird weggeweht und wir sind zurück im Bett. Henry steht auf, geht zum Fenster, beobachtet da ein Mord, Raub, Raubmord, Gewalttat auf der Straße. Ja. Menschen. Es gibt andere Menschen in dieser Welt. Juhu.
Johannes Franke: Sie rauben und morden auch nur, aber was soll. Oh mein Gott, was ist das für eine Musik?
Florian Bayer: Was war das?
Johannes Franke: Wo sind wir?
Florian Bayer: Ich glaube, wir wurden rausgerissen.
Johannes Franke: Aber wohin?
Florian Bayer: Oh mein Gott, Johannes.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo.
Johannes Franke: Oh nein.
Florian Bayer: Shit. Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Gespräch können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Johannes Franke: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind. Also auf Spotify oder...
Florian Bayer: iTunes, Beam, whatever, was ihr auch benutzt.
Johannes Franke: Also abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren sollen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer euer Podcatcher anbietet.
Johannes Franke: Genau, und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn.
Florian Bayer: Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes-mussmann-sehen.de oder florian-mussmann-sehen.de Genau, schickt uns Filmvorschläge und so weiter.
Johannes Franke: Boah, wir sind schnell durchgekommen. Ja, jetzt schnell raus, schnell wieder zurück ins Gespräch.
Florian Bayer: Er hört irgendwelche Geräusche draußen, geht zur Wohnungstür und da steht die Nachbarin mit einem Typen, der ein verbranntes Gesicht hat. Was hat er an seinem Gesicht?
Johannes Franke: Nein, ich glaube er ist Alkoholiker und hat deswegen ein sehr rotes Gesicht.
Florian Bayer: Okay, ein Alkoholiker oder irgendwie so ein Ausschlag. Auf jeden Fall, er sieht nicht sonderlich attraktiv aus dadurch. Henry Cook total irritiert, verletzt, ängstlich, wütend, weiß ich nicht.
Johannes Franke: Weil er ja gerade noch mit ihr... Fantasy-Sex hatte. Und das ist natürlich blöd.
Florian Bayer: Sie schaut auf ihn eher angewidert? Wir sehen, glaube ich, in seiner Fantasie, wie er sieht, dass sie ihn mit diesem Babykopf sieht von dem Horror-Baby, von Spike.
Johannes Franke: Ja, also das ist die Frage, ist das wirklich ein Perspektivwechsel oder nicht? Also ist das wirklich aus ihrer Sicht auf ihn, wobei sie seine Welt ja nicht teilt im Grunde? Ja. Also muss es schon seine Idee davon sein, wie sie ihn sieht.
Florian Bayer: ein bisschen dieses realisieren, nee, ich habe bei ihr keine Chance. Ich habe fantasiert von ihr, ich finde sie irgendwie interessant, ich fand sie auch schon vorher interessant. Und jetzt merke ich aber, sie ist mit diesem Typen unterwegs und ich habe keine Chance bei ihr und es kann eigentlich nur daran liegen, dass sie mich so sieht.
Johannes Franke: Ja, genau. Und damit ist das Baby wieder schuld.
Florian Bayer: Henry geht zurück in die Wohnung und nimmt sich eine Rasierklinge und er beschließt, das Baby zu töten. Und zwar macht er das, indem er das
Johannes Franke: Das ist deine Interpretation.
Florian Bayer: Was ist deine?
Johannes Franke: Ich glaube immer an das Gute im Menschen.
Florian Bayer: Aha.
Johannes Franke: Das Baby ist krank die ganze Zeit, ne?
Florian Bayer: Wir haben gar nicht über die Krankheit geredet.
Johannes Franke: Ja, und das sieht so ekelhaft aus. Meine Güte. Oh, ist das krank.
Florian Bayer: Sehr am Anfang, gerade nachdem Mary gegangen ist, müsste er Fieber bei dem Kind, guckt aufs Thermometer, beschließt offensichtlich, dass das keine besorgniserregende Temperatur ist, die ist viel zu niedrig. Das Kind hat irgendwie so um die 80 Fahrenheit, was offensichtlich komplette Unterkühlung ist. Ich glaube ab 100 fängt Fieber an oder 97 oder so.
Johannes Franke: Und du weißt ja nicht, was bei so einem Alien normal ist.
Florian Bayer: Und dann dreht er sich weg und guckt wieder hin und plötzlich sind da überall diese Pusteln, wie aus dem Nichts. Und er sagt... Oh, you are sick. You are sick. Auf so eine super naive Art und Weise. Ich find's so geil.
Johannes Franke: Er macht das echt krass gut.
Florian Bayer: Da ist er wirklich auch der Care-Typ. Ja, ja, ja.
Johannes Franke: Er will sich kümmern, aber das klappt halt nicht. Er weiß auch nicht wie und so. Er sitzt halt dann daneben.
Florian Bayer: Mit dem Kessel, das ist süß, mit dem Wasserdampf. Er hat kochendes Wasser daneben gestellt und macht so ein bisschen Wasserdampf ins Gesicht des Babys, weil das vielleicht hilft.
Johannes Franke: Offensichtlich keine Wirkung. Also zwischendurch sieht das Baby wieder ein bisschen besser aus, aber dann sieht es wieder ekelhaft aus. Es ist jedenfalls ein Problemkind. Sagen wir es so. Und ein Schreikind. Und er ist überfordert. Aber ich glaube, dass das Aufschneiden der Mullbinder... Man muss ja auch mal Windeln wechseln. Also das ist kein Hostile Act, glaube ich.
Florian Bayer: Wirklich?
Johannes Franke: Ja, am Anfang ist es erstmal so, okay, ich mach mal irgendwas, ich muss ja irgendwas machen, ich versuch was. Dann schneidet er das auf. Dummerweise ist diese Mullbinde halt leider Teil des Körpers des Kindes, was er nicht wissen konnte.
Florian Bayer: Oh, ich weiß nicht.
Johannes Franke: Das ist jetzt so, Pech gehabt. Und dann hat er festgestellt, okay, jetzt habe ich die Situation so hingedreht, dass sich eigentlich das Kind erlösen muss von seinem Schmerzen.
Florian Bayer: Das ist deine Interpretation der Szene? Ja.
Johannes Franke: Das ist keine Absicht.
Florian Bayer: Es ist keine Absicht? Aber er sieht doch dieses Baby und er sieht doch, dass die Mullbinde quasi, dass das alles ist, was das Kind zusammenhält.
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Versuchen wir es mal auf einer emotionalen Ebene. Was empfindest du denn in dieser Szene?
Johannes Franke: Gar nichts mehr. Also ich empfinde gar nichts mehr, weil das alles so absurd und weit weg von mir ist. Dass ich Ekel empfinde vielleicht noch, aber innerhalb der Geschichte und innerhalb dessen, was er so empfindet, ändert sich ja im Film fast nie was, weil sein Gesichtsausdruck sich nie ändert. Also es ist immer nur Verwirrung, die ich mit ihm teile, den Film über beim Gucken.
Florian Bayer: Ich leide so richtig in dieser Szene. Ich leide mit dem Kind mit. Also es ist auch wirklich die Szene, wo ich Mitleid empfinde. Und wo es mir wirklich selig wehtut, was da passiert.
Johannes Franke: Also ich habe tatsächlich auch zwischendurch Mitleid mit dem Kind. In der Szene weiß ich nicht genau. Vielleicht ist es auch einfach zu... Zu groß und zu viel und zu absurd, dass ich da wirklich richtig tief reingehen kann.
Florian Bayer: Es ist halt auch so, es ist halt auch so klein und verletzlich, ne? allem viel aus.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Und das ist, glaube ich, also das spielt ja eine ganz große Rolle, dass das auch so, ähm, Du empfindest mehr in der Regel, wenn du Gewalt gegen Kinder siehst, als gegen Erwachsene. Dieses Verletzliche und dieses, das spielt dabei glaube ich eine ganz große Rolle. Also mir tut das richtig weh, wenn ich das sehe. Deswegen, ich hoffe es nicht, aber das ist so der Moment, wo es so in diese Pro-Life-Argumentation rüberkippen könnte.
Johannes Franke: Achso.
Florian Bayer: Wenn wir meiner weiteren Interpretation folgen, dass wir hier im Inneren der Hamsterlady sind und eine Abtreibung stattfindet.
Johannes Franke: Also ja, klar. Passt ja auch viel mehr zu dem, wie das Baby aussieht. Man könnte das Baby auch als Fötus interpretieren.
Florian Bayer: Das ist ein Fötus. Sie sagen ja sogar, es ist eine Frühgeburt, als sie in der Familie sind. Und genau, er schneidet das Tuch auf, offensichtlich liegen jetzt die Organe frei und dann Also schließt er sich da einmal reinzuhacken, um dem Leid ein Ende zu setzen oder weil er das Kind von Anfang an töten wollte. Das Baby stirbt. Die Elektrizität in der Wohnung dreht durch. Wir sehen einen sehr langen Hals und diesen riesigen Babykopf. Es kommt komischer Schaum aus der Leiche des Babys und zwar so, dass es viel zu viel ist. Sehr viel. Babymonsterkopf, das Licht brennt aus. Der Planet oder der Hoden oder die Schokokugel oder was auch immer das ist zum Springen. Ja. Wir haben dieses große, ikonische Bild vom Plakat, nämlich Spencer, der im Hintergrund diesen Staub hat von den Planeten. Er beobachtet den Planeten, der jetzt ein Loch hat. Wir fahren mit der Kamera rein in diesen Planeten. Wir sehen wieder diesen deformierten Mann. der irgendwas mit den Hebeln macht, was nicht funktioniert, weil es sprühen die Funken. Ja. Er lacht. Oder er leidet? Ich weiß nicht, er reißt den Mund auf.
Johannes Franke: Er leidet.
Florian Bayer: Und dann wird es weiß. Und zwar so richtig weiß. Und die Hamsterlady ist sehr glücklich und umarmt, Henry.
Johannes Franke: Ich weiß nicht, wie viel der Film interpretiert werden will oder nicht. Ich finde es immer geil, wenn man da irgendwie alles Mögliche drin sieht und so. Aber ich habe nicht bei diesem Film wie bei vielen anderen surrealen Filmen, wo ich dann sage, Kunstkacke... Wo dann die Bilder ganz oft sagen, interpretier mich, interpretier mich, ich sag was ganz Bedeutsames. Das hat der Film nicht und das finde ich toll, weil der Film dadurch eine Bodenständigkeit hat, die ich sonst nicht habe bei so surrealen Sachen.
Florian Bayer: Surreal. Er ist auf jeden Fall, das sind Träume, Ängste, das ist übrigens auch David Lynch hat immer gesagt, ich habe so meine Träume inszeniert. Und ja, und das ist ja was, was sich wirklich durch sein Werk zieht.
Johannes Franke: Total.
Florian Bayer: Dass seine Filme immer so... Traumhaftes haben, nicht nur traumhafte Sequenzen, sondern auch Traum und Realität vermischen. Und natürlich ist Es ist seine Angst mit der Schwangerschaft seiner Frau, mit dem Kind, dass das mit Problemen auf die Welt kommt. Das, was er in Philadelphia erlebt hat, wo sie wohl wirklich in einem schlimmen Viertel
Johannes Franke: gelebt haben.
Florian Bayer: Es gibt irgendwie diese Story von David Lynch, dass er in Philadelphia, in diesem Viertel, in dem sie damals gelebt haben, irgendwann mit einem Baseballschläger mit Nägeln drin auf der Straße unterwegs war.
Johannes Franke: Was?
Florian Bayer: Und dann hat ein Cop neben ihm angehalten und hat gefragt, was hast denn du da? Und er hat gesagt, das da. Und dann hat der Cop gesagt, oh, sehr gut für dich und ist weitergefahren. Es war wohl offensichtlich ein Stadtteil, in dem die Menschen sehr arm waren, in dem sehr viele Verbrechen passiert sind und indem es so aussah wie in diesem Film. David Lynch sagt auch, das ist auch meine Philadelphia-Erfahrung, die ich hier verarbeitet habe.
Johannes Franke: Genau. Über diesen Film sagt er sehr viel mehr als über andere Filme, die er später gemacht hat. Da hat er viel mehr Clues zur Entschlüsselung des Films. Während er später sich noch mehr zurückhält, wie jetzt bei diesem Film zum Beispiel zum Baby oder sowas, sondern immer sagt...
Florian Bayer: Nö, mach dein eigenes Ding draus und hier hat er wirklich… Sein größter Hinweis ist, und das ist wahrscheinlich auch wieder einfach nur Getrolle, Dass es ein Bibelzitat gäbe. Es gäbe ein Bibelzitat, das würde alles erklären, aber er wüsste nicht mehr, wo es wäre.
Johannes Franke: Er hätte wohl die Bibel aufgeschlagen an einer Stelle, das Bibelzitat gelesen, wie man das so macht, jeden Tag holst du seine Bibel raus, liest es. liest einen Vers, einen einzigen, macht das Buch wieder zu und denkt sich, ja, ich mache jetzt Eraserhead. Das ist seine Story dazu.
Florian Bayer: Und natürlich wäre total naheliegend, dass man sagt, okay, es ist wahrscheinlich irgendwie die Isahak-Geschichte, die Bindung Isahaks.
Johannes Franke: der von Abraham geopfert wird. Ich habe keine Ahnung, Kloa.
Florian Bayer: Du bist ja vollheitlich erzogen. Das ist die Geschichte, wo, oh, wir sind wieder in unserem Segment. Gott ist ein Asshole.
Johannes Franke: Moment, und zusammen.
Florian Bayer: Gott ist ein Asshole. Abraham ist ein sehr gottesfürchtiger Mensch und eines Tages sagt Gott, du sag mal, du hast ja doch diesen Sohn Isaac, bring ihn mal auf den Hügel und schlachte ihn. Und dann sagt Isaac, ja gerne. Und dann sagt Abraham, klar. Und Abraham packt dann seinen Sohn ein und geht mit dem los. Und sie sind unterwegs und dann gehen sie zum Hügel. Und dann relativ wortlos bereitet Abraham so ein Opferaltar vor und Isaac sagt, ja, Papa, der ist doch bestimmt für den Ochsen. Und Abraham macht einfach weiter.
Johannes Franke: Und Isaac sagt, wir feiern Gott, yay!
Florian Bayer: Und dann nimmt Abraham Isaac, legt ihn hin, schnappt sich ein Beil, holt aus und in diesem Moment wird von Gott ein Engel geschickt, der sagt, nee, nee, Abraham, war nur ein Spaß, lass mal. Und dann reisen sie wieder nach Hause. Und das Kind sollte nie wieder derselbe Kind sein. Und wir erfahren auch nichts mehr, was mit dem Kind passiert. Wenn man sich anschaut, wie die Jahre sind, Das kann man ja nachrechnen. Es gibt ja so Bibelexegese, wo die Leute anfangen wirklich so mit Zahlen zu hantieren und so weiter. Sein Sohn ist 37?
Johannes Franke: Was?
Florian Bayer: Und er selbst ist 100? Noch was? Okay. Egal. Auf jeden Fall erfahren wir nicht mehr, was mit dem Sohn passiert, sondern Abraham reist dann nach Hause und Gott hat super, alles klasse. Das wäre irgendwie so naheliegend, dass hier so die Opferung des Sohnes, dass das auch so was Religiöses hat.
Johannes Franke: Okay, ja. Hätte ich jetzt nicht gesehen, muss ich sagen. Aber er hat große Einflüsse auch in anderen Richtungen. Es ist ja nicht nur religiös vielleicht, sondern er hat Kafka... viel in den Raum geworfen. Also die Verwandlung. Google hat damit als Einfluss reingeworfen und so. Also es ist schon... Es gibt Vorbilder dafür, die man durchaus auch im Film sehen kann.
Florian Bayer: gesagt, wenn ich mich mit irgendjemandem identifizieren kann aus der Geschichte, dann ist es Franz Kafka.
Johannes Franke: Der ist wie ich.
Florian Bayer: Und ja, total nachvollziehbar, klar. Diese Mischung aus, diese, Kafka war auch ein Fan von diesem Body-Horror, Kafka war auch ein Fan von diesen surrealen Momenten, die nicht erklärbar sind. Und Kafka mochte auch diese merkwürdige Mischung aus Melodramatik und Trockenheit, die wir bei Lynch immer wieder finden. Ich habe es ja schon gesagt. Das ist ein feministischer Film. Das ist ein Film.
Johannes Franke: Okay, jetzt kommen wir zum Segment, wie nenne ich das?
Florian Bayer: Das ist ein feministischer Film. Und Henry wird entweder als Tool benutzt, um zu zeigen, was Frauen normalerweise erleben. In diesem ganzen Umfeld, Sexualität, Schwangerschaft, Care, Arbeit, sich mit Kindern beschäftigen. Oder es findet tatsächlich im Inneren von einer Frau statt. Und ich habe ja schon die Hamsterlady vorgeschlagen, weil die ja sehr prominent dasteht. Henry erlebt so viele Dinge, die aus der Fantasie von einer Frau kommen. sein könnten. Oder aus den Erinnerungen oder Albträumen einer Frau. Allein diese Übergriffigkeit der Mutter ihm gegenüber. Das ist eigentlich das klassische Verhalten von einem übergriffigen älteren Mann zu einer jungen Frau. Auch dann, dass er tatsächlich bei diesem Essen, das ist ja wirklich ein Frauenhaus, und dann ist da nur dieser Vater, der aber komplett reduziert ist auf debiles Grinsen und mal sagt so, ah, Ja, she'll be alright. Und der komplett ignoriert, was für ein Leid passiert. Das Hühnchen, dieses Menstruation, was ihm Angst macht, was auch für Frauen, glaube ich, ein ziemlich krasses Erlebnis ist, die erste Menstruation. Wir haben ja schon festgestellt, dass das am Anfang eine Schwängerungsszene ist, in der Henry geschwängert wird von diesem komischen Typen.
Johannes Franke: Okay, ja.
Florian Bayer: Und das Sperma und all dieses Männliche wird als Bedrohung wahrgenommen, weil es so deformiert wahrgenommen wird. Sperma wirkt unnatürlich groß, ist irgendwie über alles unangenehm. Und dann hast du halt diesen Fötus in dir. Und dann willst du diesen Fötus eigentlich loswerden. Und die Hamsterlady am Schluss, die ist so dankbar, weil am Schluss die Abtreibung stattfindet. Und der Eraserhead, das Radiergummi, das da entsteht, das ist der Entschluss zur Abtreibung. Oder es ist vielleicht auch die Umsetzung der Abtreibung. des potenziellen Lebens. Und ich hätte gesagt, es ist ein Pro-Choice-Film, weil am Ende haben wir ein Happy End. Am Ende haben wir die Hamsterlady, die Henry umarmt und dankbar ist und alles ist hell in heaven. Und es ist gut, dass das jetzt passiert ist und es gab offensichtlich sehr viele Widerstände, unter anderem von dem Vater, der ja dieser Deformierte ist, der in dem Hodenplaneten unterwegs ist. Oder diesen hohen Planeten steuert. Aber die Abtreibung selbst hat dann stattgefunden und war auch der richtige Akt Auch wenn wir dazwischen kurz denken, vielleicht könnte es auch pro life sein, wenn wir mit dem Baby Mitleid empfinden. Ja, aber das ist mein Hot Take auf den Film.
Johannes Franke: Naja, es wäre glaube ich auch seltsam, wenn der Film, wenn es tatsächlich genau darum geht, wenn der Film keinerlei Mitgefühl mit dem Baby gibt. zeigen würde. Also es ist ein kompliziertes Ding. So ein Entschluss zu einer Abtreibung ist einfach nicht, das ist nichts Einfaches. Auch die Choices oder die Überlegungen dazu sind nicht unkompliziert, sondern da passiert einfach viel emotional, aber auch... Philosophisch unter Umständen. Und jeder kommt zu einem anderen Schluss. 1977.
Florian Bayer: Nach mehreren Jahren Dreh. wurde das Ding endlich uraufgeführt. In Los Angeles, beim Filmmax-Festival.
Johannes Franke: Vor 25 Leuten.
Florian Bayer: Davor wollte David Lynch eigentlich einen Kant zeigen. Er hat eingereicht für verschiedene Dinge für die Premiere. Er hat es auch nochmal gekürzt. Es war auch mal eine Zeit lang über 110 Minuten lang. Und es wurde von ihm dann gekürzt und er hat es versucht irgendwo unterzukriegen. Und sehr passend, es wurde Mitternachts aufgeführt.
Johannes Franke: Ja, in diesen Midnight-Cinema-Dingern. Wo auch, haben wir auch besprochen... Jetzt sagt schon den Titel.
Florian Bayer: Jodorowsky?
Johannes Franke: Nein. Let's do the time warp again. Rocky Horror Picture Show. Rocky Horror Picture Show hat in Midnight-Vorstellungen auch an Calt-Following gewonnen. Und in diesem Film Mit diesem Film ist das auch passiert. Die haben sich in einem Kino, Gott sei Dank, die Mitternachtsvorstellungen damit gefüllt und der hat dann ein Jahr lang diese Mitternachtsvorstellungen durchgemacht. weil die Leute einfach immer wieder reingegangen sind.
Florian Bayer: Bei seiner Premiere wurde er ja sehr verhalten aufgenommen. Sehr verhalten. Es gibt einen wirklich großartigen Text im Guardian darüber. wo jemand schreibt, wie das damals war. Und zwar ist das von Danny Lee, der anscheinend damals dabei war. Und der sagt, als der Film vorbei war, Damals war es noch die längere Version, war da erstmal einfach nur Schweigen. Welt verändert, aber die Reaktion war erstmal Schweigen. Ganz lange nichts wirklich unangenehmes Schweigen und dann irgendwann verhaltener Applaus. Und so wohlwollend sollte die Presse dann, nachdem der Film losgelaufen ist, nicht damit umgehen. Und zwar haben die den Film teilweise richtig, richtig krass zerrissen.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Es gab genug Leute, die gesagt haben, dass das eine Abomination ist, die wirklich nicht zufrieden waren mit dem, was er da an Albtraum auf die Leinwand bringt. Was interessant ist, ist halt der Gegensatz zu den Kollegen anderer Regisseure. Wie zum Beispiel Kubrick, der den Film als großen Einfluss zitiert für The Shining. Ja. Und den Leuten bei The Shining den Film gezeigt hat und gesagt hat, in die Richtung wollen wir gehen.
Florian Bayer: Ja. Und noch witziger und aus komplett unerwarteter Ecke zwei Namen, George Lucas und Mel fucking Brooks.
Johannes Franke: Krass, oder? Meine Güte.
Florian Bayer: Mel Prooks sieht den Film, ruft David Lynch an und sagt, du bist ein wahnsinniger Kerl. Ich hab da einen Film, kannst du da für mich Regie führen?
Johannes Franke: Elefantenmensch.
Florian Bayer: Und das war sein großer Durchbruch dann. Das war David Lynch bei einer Mel Brooks Produktion. Mel Brooks macht nicht selbst Regie und nimmt seinen Namen komplett raus, weil Mel Brooks Der Komiker will nicht, dass seine Dramen damit assoziiert werden, aber Mert Brutz war ein großer Filmproduzent, der Trassefilme produziert. Keiner weiß davon, dass er dahinter steckt, weil er nicht ein nicht nur Komiker war.
Johannes Franke: Darüber haben wir geredet, als wir über Spaceballs geredet haben, dass er wirklich wusste, okay, wenn mein Name draufsteht, dann kommen ganz falsche Erwartungen an Dramen. Das kann ich nie machen.
Florian Bayer: Und George Lucas, der zu David Lynch sagt, Ich hab da einen dritten Teil von einer Franchise. Hast du Bock, das zu drehen? Es geht um Science-Fiction. Und David Lynch sagt nein.
Johannes Franke: Nope, nicht mein Ding. Not my cup of tea.
Florian Bayer: Wenn es nach George Lucas gegangen wäre, hätte David Lynch den dritten Star Wars Film gedreht.
Johannes Franke: Krass, Wahnsinn, völlig anderer Film.
Florian Bayer: Ja, Gott sei Dank. David Lynch hat dann ja sein Groß-Science-Fiction-Projekt gekriegt mit Dune, der eher gemischt wahrgenommen wird und heute als eines der großen Desaster der Filmgeschichte Geschichte gilt. Meiner Meinung nach ein unterschätzter Film.
Johannes Franke: Ja, aber David Lynch selber hat schon gesagt, um Gottes Willen, nie wieder, dass es überhaupt nicht hat, überhaupt nicht funktioniert.
Florian Bayer: Ich Egal was David Lynch sagt, meiner Meinung nach ist der Film besser als seinen Ruf. Aber ja, ich weiß, jeder hasst diesen Film, auch David Lynch hasst diesen Film und alle sagen, oh mein Gott. Das hat einfach nicht funktioniert, zumal davor hätte das Ding von Alejandro Jodorowsky gedreht werden können. Dazu gibt es auch eine Dokumentation Alejandro Jodorowskys Dune. Und das ist aber aus verschiedenen Gründen gescheitert. Es gibt aber Entwürfe dazu und der hätte wahrscheinlich ein surreales Meisterwerk draus gemacht und David Lynch Es ist die ganze Zeit so gewabert zwischen den Erwartungen des Studios, dass ein Science-Fiction-Epos Star Wars-Stil wollte. und seinen eigenen Wünschen, die halt vor allem aus Surrealismus und Spiritualität bestanden,
Johannes Franke: Aber man muss auch dazu sagen, dass das die Produktion ist, die David Lynch gesagt hat, nie, nie, niemals... und das betont er immer wieder, den Final Cut aus der Hand geben. Niemals im Vertrag stehen haben, dass die Produzenten den Film am Ende so schneiden dürfen, wie sie wollen. Du brauchst immer die Kontrolle darüber, was am Ende an Final Cut rauskommt. Ja.
Florian Bayer: Und dann hat er mit The Elephant Man einen großen Film gedreht, aber halt für jemand anderen irgendwie. Auch nicht so einen typischen Auteur-Film. Mit June hat er eine Katastrophe gedreht für jemand anderen. Und dann mit Blue Velvet kam sein endgültiger Durchbruch 1986, der auch dazu geführt dass Eraserhead wieder rezipiert wurde als sein erster Film und dann war er einfach in diesem Autorenfilmerkosmos drin und hat mit seinen folgenden Filmen eigentlich immer so seine Traumprojekte umgesetzt.
Johannes Franke: Er hat in Amerika, also der Film an sich, Eraserhead, hat ungefähr 100.000 Dollar gekostet am Ende, wenn man alles zusammennimmt. Eingespielt hat er in Amerika 7 Millionen und weltweit nochmal 43 Millionen, glaube ich.
Florian Bayer: Die Europäer haben diesen Film vor allem geliebt. Und natürlich, weil es im europäischen Kino eine deutlich stärkere Arthouse Tradition gibt als im amerikanischen Kino. Auch künstlerisch wertvolle Filme in Amerika. Es gibt einfach nicht viel Bezüge zum Surrealismus als Genre. Und es ist die Regisseure in Amerika, die mit Surrealismus arbeiten, die kann man an der Hand abzählen. Während die in Europa nicht nur damals, sondern auch heute immer und überall rumgelaufen sind.
Johannes Franke: Und da er seine Leute nicht bezahlen konnte bei dem Film, sondern es galt ja für ganz andere Sachen dran. draufgegangen sind. Zum Beispiel, und das denkt man heute überhaupt nicht über Drüber nach, das ganze Filmmaterial. Heute haben wir vielleicht ein Problem, eine Festplatte zu finden, die groß genug ist. Aber das war's. Damals musstest du dich von Drehtag zu Drehtag hangeln mit deinem bisschen Geld, was du eingenommen hast, mit Zeitungen austragen und... um den nächsten Film zu kaufen, um ihn einlegen zu können, um drehen zu können. Meine Güte.
Florian Bayer: Das ist total krass.
Johannes Franke: Arschteures Zeug auf Dauer. Und er hat dann, dadurch, dass er die Leute nicht bezahlen konnte, beteiligt. Ja. Das heißt, die haben alle einen Zettel bekommen, wo draufsteht, dir gehören so und so viele Anteile von diesem Film. Du kriegst Geld davon, wenn der irgendwann mal Geld macht. Und ich glaube, keiner von denen, die mitgemacht haben, haben gedacht, ja, da kommt dann irgendwann mal Geld, nicht wahr? War ja auch nichts zu erwarten. Nein, war nichts zu erwarten. Und die kriegen bis heute jedes Jahr eine Abrechnung und kriegen richtig Geld dafür. Total schön. Es ist geil.
Florian Bayer: Und das ist eigentlich so eine Aschenputtel-Geschichte. Der Film, der so verhalten wahrgenommen wird bei seiner Premiere auf dem großen Festival. Und der das dann irgendwie schafft, so ein Cult-Following zu entwickeln im Midnight-Kino. mit anderen Filmen und Regisseuren, einfach aus der Zeit, als man New Hollywood hat aufgehört. Wir sind genau in den Jahren, in denen New Hollywood irgendwie vorbei ist und in denen neue Art von Nischenkultur, Independent-Kultur in den kleinen Kinos entsteht. Und das sind genau die Filme, die dann unsere großen Regisseure der 90er, mit denen wir groß geworden sind, beeinflusst haben. Also namentlich natürlich Quentin Tarantino, aber auch zig andere. Wir müssen noch ganz kurz über Sounddesign reden. David Lynch hat selbst gesagt, das Sounddesign in diesem Film ist eigentlich die Hauptfigur. Alan Splatt, Oscar-Preisträger, der nicht da war beim Oscar, hat für diesen Film Sounddesign gemacht. Und wenn es etwas Revolutionäres an diesem Film gibt, dann ist es wirklich, wie krass mit Geräuschen umgegangen wird.
Johannes Franke: Wahnsinn. Absoluter Wahnsinn. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie dieser Film ohne Sound funktioniert. Also klar, wir können uns das mal angucken. Wir können ja immer den Ton ausmachen. Ich glaube, dass der Film nicht so wirkt. Weil das Sounddesign ist wirklich der absolute Hammer. Diese ganzen Stadtgeräusche, die im Hintergrund, diese industriellen Geräusche und dieses... Unnerving-Windgeräusch, was da auch immer wieder drunter ist. Es ist ja... Boah, fuck. Und die haben teilweise bis zu 15 Tonspuren übereinandergelegt. Und zwar nicht wie wir heute am Computer, sondern eben mit... echten Tonspuren. Also so nicht digital.
Florian Bayer: Diese Raumgeräusche. Einfach nur rauschender Raum. Und so innervierend, dass du das Gefühl hast, du könntest zerplatzen, du willst rennen, du willst fliehen. Und es gibt ein Digital Remaster davon. Das, was wir sehen heute, ist das Remaster. Aber Leute, die sagen, sie haben das Original gesehen, sagen, das hat David Lynch gut gemacht. Er hat nicht den Charakter des Originals geändert, sondern er hat einfach nochmal ein bisschen dran geschraubt, dass alles ein bisschen besser und satter klingt. Aber das, was wir hören, ist trotzdem das, was damals auch schon intendiert war und damals drin war.
Johannes Franke: Und ich denke, die ganze Zeit... Damals gab es doch auch schon Sound Libraries. Also es gab die Möglichkeit, sich bei der BBC aus den Bibliotheken Sachen auszuleihen, die Geräusche sind. Aber die haben das alles selber aufgenommen. In der Garage. Das ist total krass.
Florian Bayer: Sie hatten wohl Spaß daran, Zeug auszuprobieren. Es gibt Erzählungen von David Lynch, wie er und Alan dann da sitzen und sagen, lass uns das Mikro mal da reinhalten. Und dann haben sie halt einen Ventilator und gucken, was passiert, wenn sie das so halten und wenn sie es so drehen. und sehr viele eigenartige Sounds. Und wie gesagt, es ist nicht nur die Geräusche des Babys, Und die Geräusche dieses Bodyhorrors, der immer wieder da ist, sondern es ist vor allem auch diese Art, wie sich Geräusche dramatisch zuspitzen, wenn nichts passiert. Und auf der Soundebene dadurch aber alles erzählt wird, was an Dramatik gerade drin ist.
Johannes Franke: Total krass. Und so viele ekelhafte Geräusche. Wenn du vorhin gesagt hast, mit dem Auge, in dem Auge reiben oder auch die Hündin da, die ihre Pappis da bezeugt. Ja. Ja, ein Jahr lang dran gesessen und gemacht und getan. Und diese Zeit musst du erstmal haben... Und da kommt wieder David Lynch rein. Der Eraserhead ist in einer Zeit entstanden, wo das vielleicht, wo Zeit noch ein anderer Faktor war. Heute ist die Welt noch viel schneller geworden und noch viel... schwieriger, da wirklich die Zeit dir freizuschaufeln und zu sagen, ich muss aber auch noch Geld verdienen oder was auch immer und dann in die Verlegenheit zu kommen diesen Spaß zu haben und da auch mit Ende 20, die waren ja nun Ende 20 oder Anfang 30 sogar schon, Ich weiß nicht, ich hätte mit 21 auch schon nicht mehr die Zeit gehabt. Mit Anfang 20 ja vielleicht, weil man da noch nicht so viel... in den Mühlen drin ist, um Geld zu verdienen und Ansprüche in seinem Leben zu haben und was auch immer. Aber schon mit Anne 20 kann ich mir nicht vorstellen, dass ich das ein Jahr lang durchziehe. Und auch am Set lebe und all diese Sachen. Das ist schon krass. Und David Lynch hat daraus auch ein Konzept gemacht für sein Leben. Der hat wirklich sich in einen... Nicht nur durch seine Meditation, aber eben auch dadurch, sich in einen State of Mind zu bringen. In dem auch die Ideen kommen können. In dem man sagt, okay, ich löse mich los von all dem ganzen anderen Scheiß. Nun kann er sich das auch leisten danach. Also er hat da dann das Geld verdient. Aber ja, irgendwie es zu schaffen, nach diesen Ideen wirklich in Ruhe zu kommen. Ruhe fischen zu können, wie er es formuliert.
Florian Bayer: Radikales Commitment, ne? Total. Also total beeindruckend. Und damals war nicht klar, dass er damit Geld verdient.
Johannes Franke: Nee, genau.
Florian Bayer: Der war am Rande des Bankrotts, als das Ding gedreht wurde. Und er hat sich so irgendwie mit dem... Geldern von einem AFI hat er sich irgendwie über die Runden geholfen. Aber das war keineswegs klar, dass das Ding ein Happy End kriegt.
Johannes Franke: Nur hat er vielleicht auch sozial ein bisschen eine Hängematte, nicht Hängematte, aber vielleicht ein bisschen ein Auffangnetz gehabt. Seine Eltern waren jetzt auch nicht die Ärmsten der Armen, aber...
Florian Bayer: Er hat seinem Vater alles zurückbezahlt. Er hat seinem Vater alles zurückbezahlt und offensichtlich hat er gar nicht mehr mit dem Geld gerechnet. Aber es war ihm total wichtig, das zu machen und es war ein wichtiger Akt.
Johannes Franke: Ja, krass. Was ein Film. Wollen wir langsam in unsere Top 3 rüber rocken?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Unsere Top 3.
Florian Bayer: Top 3. Ich wollte geköpft haben. Du wolltest nicht geköpft machen. Ich hatte so viel Spaß daran gehabt. Filme rauszusuchen, wo irgendjemand, warum auch immer, einen Kopf verliert.
Johannes Franke: Ja, und ich mache wieder den Ironischen. Und zwar, ich habe das Thema Schwarz-Weiß, weil...
Florian Bayer: Du willst doch nur über die Filme lästern, die ich mag.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Mein Platz 3.
Johannes Franke: Also nur um das zu erklären, ne? Schwarz-Weiß, weil Kunst bedeutet nicht... Ich habe einen Schwarz-Weiß-Film aus den 20ern. Das ist kein Grund gewesen, Kunst zu machen, sondern es gab den Farbfilm in der Form noch nicht. Und auch keine Filme aus den 60ern, weil in den 60ern war Farbfilm viel teurer als Schwarz-Weiß-Film und dann hat man aus finanziellen Gründen gesagt, dass man das machen will. Also eher die Filme danach, ne?
Florian Bayer: Mein Platz 3. 1939. Der Zauberer von Oz. Oh, seht mich an. Ich wanke zwischen... schwarz-weiß in Amerika und zwischen bunten Farben in Ost. Ich bin so ein Kunstwerk. Nimm das. Und so machen wir die ganze Zeit weiter.
Johannes Franke: Okay, okay. Ja, ich hätte auf meinem Platz 3 auch Self-Bashing Dead Man. Ich liebe diesen Film. Ja. Aber der ist sowas von Kunst. Oh, Jim Chamusch macht Kunst, hat er mit. Coffee und Cigarettes auch gemacht. Also er liebt das Schwarz-Weiße an der Stelle anscheinend. Und Dead Man ist einfach ein großartiger Film. Man sieht Johnny Depp Zwei Stunden lang sterben im Grunde, eine lange Sterbeszene. Wir haben auch über diesen Film lange gesprochen, könnt ihr auch nachhören. Der ist halt schwarz-weiß nicht, weil das billiger war oder weil irgendjemand anders das entschieden hätte, sondern einfach, weil Jim Jarmusch gesagt hat, ich mach Kunst. Du bist dran.
Florian Bayer: Wobei es gerade bei diesem amerikanischen E-Kino ist nämlich ganz spannend. So gerade 90er Jahre? Der amerikanische Independent Film ist es oft auch wirklich einfach eine finanzielle Entscheidung, dass Filme schwarz-weiß sind. 90er? 90er. Es ist eine finanzielle Entscheidung, weil sie wollen ein bestimmtes Bild, sind voll die Kameranerds und sie sagen, okay, ich habe jetzt die Wahl zwischen der Kamera, die Farbe macht. und die aber nicht so ein cooles Bild hat, wie ich eigentlich will, oder die Kamera, die richtig geil filmt. dass die eine richtig geile Filmästhetik hat, aber in schwarz-weiß. Und gerade so, also Jim Jarmusch, das ist vielleicht das falsche Beispiel mit Deadman, weil der da schon drin war, aber auch so Leute wie... Keine Ahnung. Ich muss kurz einmal den Namen googeln. Kevin Smith, der mit seinen Komödien gedreht hat. Sowas wie Clerks. Alles in schwarz-weiß. Weil es so ein Kompromiss war dann. Ich nehme die bessere Kamera und die nehme ich in schwarz-weiß. Mein Platz zwei. Uh, guckt mich an, ich bin stumm. Uh, guck mich an, da muss ich ja auch schwarz-weiß sein.
Johannes Franke: Die Artist?
Florian Bayer: Die Artist. Nimm das.
Johannes Franke: Ach ja. Aber auch ein toller Film. Also ich habe es sehr geliebt.
Florian Bayer: Es spricht nichts dagegen, Kunst zu machen und
Johannes Franke: Auf Platz 2 habe ich I'm Not There. Die Teile, vor allem die, wo Cate Blanchett Bob Dylan spielt. Großartig. Aber es ist halt tatsächlich einfach, ich mache ja ein Kunstprojekt. Ich lasse sowieso schon fünf oder sechs Leute Bob Dylan spielen in unterschiedlichen Phasen und dann mache ich auch noch Kunst. mit Schwarz-Weiß und so. Aber ein toller Film über Bob Dylan. Guck dich dann auf jeden Fall an. Bob Dylan in verschiedenen Varianten, in verschiedenen Phasen seines Lebens. und die verschiedenen Seiten, die er einfach über die Zeit gezeigt hat, total großartig aufbereitet.
Florian Bayer: Mein Platz 1. Oh, schaut mich an, ich bin Tim Burton. Ich bin so ein guter Regisseur und ich verfilme das Leben von so einem anderen Spiel. spannenden Regisseur, nämlich von Ed Wood. Und das mache ich in schwarz-weiß, um richtig schön das Gefühl der damaligen Film-Ära einzufangen. Ed Wood von Tim Burton.
Johannes Franke: Aber es ist ja nicht nur Kunst, sondern es ist ja tatsächlich auch, naja gut, okay.
Florian Bayer: Genau, weil Kunst.
Johannes Franke: Ich hätte auf Platz 1 Ripley. Du hast ein bisschen was davon gesehen, oder?
Florian Bayer: Die Serie, ja. Ich hab mich nicht so gecatcht, ne?
Johannes Franke: Ja, du, willst du was dazu sagen? Kannst du was dazu sagen, spontan?
Florian Bayer: Nee, du bist auf deiner Liste, das ist dein Platz ein.
Johannes Franke: Nee, ich meine, warum du ihn nicht magst, weil ich fand... Die Miniserie Ripley aus dem Jahr 2024, die glaube ich auf Netflix lief.
Florian Bayer: Glaube auch, ja.
Johannes Franke: Ganz großartige Variante von dem Roman Der talentierte Mr. Ripley. Es geht um Tom Ripley, der ist ein Kleinkrimineller aus New York. der in den 60ern beauftragt wird, Dickie heißt er einfach nur, ich weiß nicht, wie er mit, keine Ahnung, diesen Typen soll er zurück nach Hause holen. Aus Italien, glaube ich. Und dann fängt er an, sein Leben zu übernehmen, nach und nach. Und das ist großartig gemacht. Ich liebe es. Es ist wirklich, wirklich toll. Und ich habe den Film... Die Verfilmung, die es vorher schon gab, nicht gesehen. Ihr habt keine Ahnung, wie die vergleichbar ist.
Florian Bayer: Ja, die ist gut.
Johannes Franke: Die ist gut?
Florian Bayer: Ja, aber vor allem, weil Jude Law verdammt sexy ist.
Johannes Franke: Okay, aber hier, ich finde es, der macht das unglaublich gut mit den Bildern. Ich glaube, der Schauspieler ist... Einer der besten Schauspieler, die ich überhaupt in dieser Zeit sehe. Ich habe seinen Namen gerade nicht parat. Großartige Schauspieler und ihr müsst euch auf jeden Fall die Miniserie Replay anschauen. Es ist in schwarz-weiß und er hat ganz, ganz, ganz, ganz, ganz tolle Bilder.
Florian Bayer: Okay, cool.
Johannes Franke: Dann gehen wir wieder zurück. Ja. Das war. Unsere Top 3.
Florian Bayer: Und wir müssen wohl über ein Fazit zu diesem Film ziehen.
Johannes Franke: Ah. Fazit. Das ist das, wovor ich mich die ganze Zeit gefürchtet habe. Ein Fazit zu diesem Film ist einfach unmöglich.
Florian Bayer: Ist es ein muss man sehen Film?
Johannes Franke: Ja. Verdammt, ich war zu schnell in der Antwort. Ich hätte drüber nachdenken können.
Florian Bayer: Ich finde, der Film macht absolut nachvollziehbar, warum David Lynch zu so einer Ikone des Surrealismus kommt. werden konnte in den 80ern und 90ern.
Johannes Franke: Ja, total.
Florian Bayer: Und ich finde, er hat es auch verdient. Und es gibt ein paar Filmsnobs, die immer wieder gerne über David Lynch lästern. Auch, weil David Lynch-Fans manchmal ein bisschen schräg sind, weil sie glauben, sie haben den besten Filmgeschmack und sie haben den erlesensten Filmgeschmack. Aber David Lynch war ein fantastischer Regisseur. Der hat wirklich spannende Filme gemacht und Eraser hat als Debütfilm mit diesem Budget Mit dieser Leidenschaft.
Johannes Franke: Ja, Wahnsinn.
Florian Bayer: Der hat das alles drin. Also wenn du diesen Film siehst, kannst du das nachvollziehen.
Johannes Franke: Ja, total. Es ist natürlich auch ein bisschen Schuld daran, dass ganz viele Filmstudenten, die nicht einen Bruchteil des Talentes haben, Wir versuchen, solche Projekte zu machen und irgendwie umzusetzen und da sagen, nein, ich bin Künstler, ich brauche dafür jetzt so lange oder so und dann… Aber nur anstrengend sind.
Florian Bayer: Und vor allem, dass auch unzählige Filme genau in diesem Stil erscheinen, die versuchen diesen Stil zu imitieren.
Johannes Franke: Ich hab auch sowas vor, also insofern.
Florian Bayer: Ja, jeder hat sowas vor. Vielen Dank.
Johannes Franke: Scheiße.
Florian Bayer: Kann man aber auch lassen. Ne, kann man ja auf jeden Fall machen. Ich glaube gerade unter Filmstudenten gibt es so diese, das was nicht mehr nur inspiriert, ist, sondern was Plagiarismus ist. Plagiarismus ist zu hart gesagt, aber was einfach etwas an eigenen Ideen mangelt. Macht es doch lieber, wenn ihr Lynch als Vorbild nehmt, und das sollte jede Filmmacherin machen, Dann macht es doch so, nehmt euch doch auch zum Vorbild, wie er sich Sachen zum Vorbild genommen hat. Eraser ist inspiriert von Sunset Boulevard. Guckt mal. Guckt mal, wie weit sich das von Sansepul... Er hat Sansepul mal geguckt mit seinen Leuten, ne?
Johannes Franke: Ja, ja, genau.
Florian Bayer: Guckt euch mal, wie weit sich dieser Film von Sansepul unterscheidet.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Lasst euch so von Eraserhead inspirieren. Macht einen Film, der sich so von Eraserhead unterscheidet, wie sich Eraserhead von Sunset Boulevard unterscheidet.
Johannes Franke: Ja. Ich weiß nicht, ob ich den Film wirklich richtig gut finde, aber ich glaube, das ist ein Film, der lässt sich darauf nicht ein, auf diese Einsortierung.
Florian Bayer: Und was hältst du von meiner Feminismusinterpretation?
Johannes Franke: Ja, kaufe ich dir gerne ab. Klar, natürlich. Allein, weil ich noch nie von so einer Interpretation gehört habe und es gibt viele da draußen. Ja. Man muss ja nur bei YouTube einmal Analysis Razorhead eingeben und dann erzählen dir ganz, ganz, ganz viele Leute, übrigens, ich hab, ich weiß genau worum es geht
Florian Bayer: Aber Gott sei Dank haben wir jetzt die Antwort. Ja, genau. Die können wir in der Welt verbreiten.
Johannes Franke: Genau, das haben wir jetzt einmal abgespeichert. Wir laden das auf YouTube hoch und ihr wisst ganz genau Bescheid. Darum geht's in die Razorhead. Jetzt, wo David Lynch tot ist, kann er auch nicht mehr widersprechen.
Florian Bayer: Aber es ist ja auch egal, was er dabei dachte. Ganz ehrlich, David Lynch hat tatsächlich einfach seine Träume, seine Albträume und seine Ängste und so weiter in dem Film verarbeitet und hat das herausragend gemacht. Tolle Bilder dafür gefunden, tollen Sound dafür gefunden, tolle Szenen. Und wenn wir nur drauf gucken, was er wollte, ist da nicht mehr dahinter. Aber das ist ja verdammt viel.
Johannes Franke: Ja, das ist verdammt viel. Ja, nein, ich finde es phänomenal, was für einen Zugang zu seiner eigenen Psyche er hat. Und das gibt einem so ein bisschen das Gefühl, ich muss unbedingt sein Buch lesen und vielleicht muss ich diese blöde Meditationsart versuchen. Ich weiß es nicht.
Florian Bayer: Und gucken, wie er eine Stunde lang am Mikro drüber redet über seinen Film. Eraserhead Stories. Guckt euch das auch noch an. Das findet man auf YouTube. Und wenn, guckt euch nur die Szenen an, wo er mit Kaffee telefoniert. Das ist fantastisch. Kaffee! Kaffee! Do you remember? No, I don't remember that. Kefi, are you there? Fantastisch.
Johannes Franke: Geil.
Florian Bayer: Johannes, vielen Dank, dass du mir den Film gegeben hast.
Johannes Franke: Vielen Dank, dass du ihn geguckt hast und dass wir darüber reden konnten und dass ich jetzt endlich ein kleines bisschen mehr Zugang zu David Lynch habe, weil ich das vorher einfach nicht gemacht habe. Ich habe mich nicht damit auseinandergesetzt so sehr. Ich habe... Mal Hand & Drive gesehen, aber wahrscheinlich das letzte Mal, als du ihn mir vor die Nase gesetzt hast und ich dich danach zwei Stunden lang gelünscht habe. Gelünscht. Danke, den musste ich jetzt noch bringen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall, ganz wichtig. Euch da draußen, vielen Dank fürs Zuhören. Wenn ihr wissen wollt, was ich Johannes nächste Woche gebe, bleibt noch kurz dran, nach dem Jingle erfahrt ihr das. Und Johannes singt gleich noch einmal für uns in Heaven.
Johannes Franke: In heaven. Also mit der ukuline.
Florian Bayer: Na klar. Ciao.
Johannes Franke: Im Podcast. Everything is fine in podcasts. Everything is fine. Im Podcast, everything is fine. Plur macht sein Zeug. Und ich mach meins.
Florian Bayer: Da wäre noch was.
Johannes Franke: Uh, da ist noch was.
Florian Bayer: Das Thema Anime. Ja. immer noch nicht ganz drüber hinweg und ich weiß, wir haben, es ist noch gar nicht so lange her, dass wir ein Anime hatten, irgendwann im Dezember letzten Jahres.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Unser Weihnachtsfilm, der wirklich sehr schön war.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Einen der großen Animes will ich noch mit dir machen. Wirklich ein Klassiker aus den 80ern, nämlich Akira aus dem Jahr 1988.
Johannes Franke: Ist das einer dieser Ghibli-Filme?
Florian Bayer: Nein, kein Ghibli. Aber ich glaube, wenn du die Menschen fragst, was für Animes sie kennen, dann kommt meistens Ghost in the Shell, Akira oder irgendein Ghibli-Film.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und das sind so einfach die Großen und Akira gehört zu den Großen. Basiert auf einem ganz tollen Manga, den ich auch absolut liebe. Und tatsächlich habe ich den Manga auch besser in Erinnerung als den Film, weil der Manga ist bei mir frischer im Gedächtnis. Deswegen bin ich gespannt, wie der Film auch nochmal abschneidet im Vergleich zu dem.
Johannes Franke: Ich bin ja immer nicht so der große Fan von so Zeichentrick aus dieser Gegend gewesen, aber Gott sei Dank hatten wir immer Glück. Ich hab ja, also Ghost in the Shell haben wir ja gesehen, fand ich auch total spannend und total gut und letztes Jahr eben dieses Tokyo Godfathers, glaube ich, hieß der. Auch total toll. Ich glaube, irgendeine Form von Vorurteil hat sich in mir festgefunden. Und jedes Mal, wenn ich einen Film sehe aus der Gegend, denke ich dann wieder, ja, solltest du öfter sehen, ist doch gut. Was hast du denn?
Florian Bayer: Vielleicht ist es bei Akira anders. Akira ist nämlich tatsächlich Science-Fiction und Action-lastig.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Okay. Und definitiv kein Kinderfilm. Übrigens auch FSK 16, nur um das noch schnell einzuwerfen.
Johannes Franke: Gut, dann sehen wir uns nächste Woche wieder mit Akira.
Florian Bayer: Mit Akira. Bis dann. Bis dann. Ciao.
