Episode 18: Tatis herrliche Zeiten (Playtime), Die Rechnung ging nicht auf (The Killing)
In unserer 18. Episode kommen wir zu einem epischen Zweikampf zwischen Frankreich und den USA. Playtime von Jaques Tati ist eine ungewöhnliche Slapstickkomödie zwischen Utopie und Dystopie. Das Frühwerk von Stanley Kubrick The Killing ist ein kleiner, dreckiger und roher Pulp Thriller zwischen Film Noir und Gangsterballade. Auf der einen Seite haben wir also die Monumentalversion, feinsinniger, intellektueller und vor allem französischer Komik, auf der anderen Seite haben wir ein Destillat des knüppelharten, amerikanischen Krimis. Ob wir mit der Wahl des jeweils anderen etwas anfangen können, führt in dieser Episode zu heftigen Rededuellen.
Für Harmonie dagegen sorgen unsere dazu passenden Bestenlisten. Wir werfen einen Blick auf die besten nonlinear erzählten Geschichten und schwelgen in den schönsten Filmen in, von und über Paris.
Playtime [Jaques Tati]
(Frankreich 1967)
Man kann Jacques Tati als Komiker beschreiben. Wenn man gewillt ist hinter die Komik zu schauen, kann man ihn auch als Zivilisationskritiker oder gar als Visionär bezeichnen. Gerade letzteres wird in seinem 4. Film Playtime deutlich, vor dessen Hintergrund all seine vorherigen Filme wie Fingerübungen für genau dieses Meisterwerk wirken. Playtime ist eine Zukunftsvision. Monsieur Hulot erlebt die Zukunft, viel mehr lässt sich kaum dazu sagen. Es werden einfach Situationen aneinander gereiht, die keinem erkennbaren dramaturgischen Erzählstrang folgen.
Er schlachtet in diesem Film einfach all seine Trademarks aufs äußerste aus. Seine langsame Erzählweise, die dadurch erst ihre Absurditäten preisgibt. Die leise und bedächtige Komik, die nie in große Slapstick ausartet. Der Verzicht auf allzu viel störende Handlung. Die Modernismuskritik. Die Liebe zum Detail. Selbst sein charakteristisches Kostüm, lässt er hier absurd oft auftreten, ohne dass wirklich seine Person drin steckte. All das wird einem in diesem Film 2 Stunden lang um die Ohren gehauen. Wenn man seine Erzählweise mag, wird man diesen Film lieben. Plor hast du den Film geliebt?
Die Rechnung ging nicht auf [Stanley Kubrick]
(USA 1956)
Regisseur Stanley Kubrick kennt man vor allem als strengen und präzisen, in seinem Perfektionismus oft tyrannischen Autorenfilmer, der in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts große Meisterwerke des amerikanischen Kinos geschaffen hat. Egal ob seine Filme im Weltraum, im Krieg, im historischen Setting oder in einer dystopischen Zukunft spielen, sie besitzen immer etwas Epochales, Monumentales und zugleich etwas Kaltes, Steriles, was ihnen eine gewaltige und gewalttätige Größe gibt.
Sein Frühwerk und dritter Langfilm The Killing – zu deutsch Die Rechnung ging nicht auf – aus dem Jahr 1957 besitzt wenige dieser Trademarks. Die Geschichte eines perfekt geplanten Überfalls auf die Geldreserven einer Pferderennbahn ist Pulp der alten Schule: Ein kleiner, dreckiger und roher Film, der kein Gramm Fett zu viel auf den Rippen hat. Kubrick gestaltet hier einen makaberen Thriller zwischen Film Noir und Gangsterballade, der vor allem durch seine verschachtelte Struktur einen nicht zu leugnenden Einfluss auf den postmodernen Gangsterfilm eines Guy Ritchie oder Quentin Tarantino hatte.
Kein typischer Kubrick aber dennoch ein spannender Genrefilm? Was denkst du Johannes?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 18: Tatis herrliche Zeiten (Playtime), Die Rechnung ging nicht auf (The Killing) Publishing Date: 2021-05-05T13:57:07+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/05/05/episode-18-tatis-herrliche-zeiten-playtime-die-rechnung-ging-nicht-auf-the-killing/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast?
Johannes Franke: Nein, eigentlich nicht, aber ich...
Florian Bayer: Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können.
Johannes Franke: Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee.
Florian Bayer: Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeige dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest.
Florian Bayer: Das heißt so Musicals aus den 50ern?
Johannes Franke: Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme?
Florian Bayer: Mit russischen Untertiteln. Von mir, für dich.
Johannes Franke: Oh Gott, okay.
Florian Bayer: Aber du weißt, dass das für eine Menge Streit sorgen kann.
Johannes Franke: Definitiv. Das wird lustig. Tada, da sind wir wieder. Ich habe jetzt angemacht, bevor wir klären konnten, welcher Film als erstes anguckt.
Florian Bayer: Ich will keinen Schnickschnack-Schnuck spielen.
Johannes Franke: Nein, wir spielen keinen Schnickschnack-Schnuck. Wir machen folgendes. Wir diskutieren aus, welcher Film der bessere ist und der kommt dann als erstes dran.
Florian Bayer: aber dann werden wir ganz lange drüber diskutieren.
Johannes Franke: Mein Film hat aber... Oh, welcher Film ist der bessere?
Florian Bayer: Das ist wirklich eine schwere... Was würdest du denn sagen? Also, filmhistorisch betrachtet und was Technik betrifft, würde ich Tati sagen, ist der bessere Film.
Johannes Franke: Okay, ja.
Florian Bayer: Aber was Vergnügen betrifft, den ich beim Schauen hatte, ganz eindeutig Kubrick.
Johannes Franke: Oh nein.
Florian Bayer: Und jetzt bist du dran. Ähm,
Johannes Franke: Ich würde dir nicht wirklich zustimmen, aber ich ahne, aus welcher Ecke du kommst, weil natürlich Kubrick den Film mehr geradeaus erzählt als Tati. Also Tati hat keinen Film erzählt, sondern ganz viele Episoden.
Florian Bayer: Du gibst das Stichwort, wir fangen einfach mit Tati an, weil wir letzte Woche meinen Film als erstes hatten.
Johannes Franke: Nein, jetzt bekämpfst du meinen Versuch, uns in ein Streitgespräch zu verwickeln.
Florian Bayer: Das Problem ist, wir spoilern die ganze Folge.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wir haben eine riesige Diskussion über die Qualität der Filme und das Publikum sitzt da und denkt so, äh. Okay, könnt ihr wenigstens so eine kleine Einführung geben?
Johannes Franke: Okay, dann herzlich willkommen beim Muss-Man-Sehen-Podcast.
Florian Bayer: Wo Johannes und ich über Filme diskutieren. Und zwar, er hat einen Film für mich, ich habe einen Film für ihn.
Johannes Franke: Und wir hoffen, dass wir den Horizont des jeweils anderen erweitern können.
Florian Bayer: Und oh boy. Diese Woche meinen Horizont erweitert.
Johannes Franke: Oh, schön. Oh boy, bin ich nicht erweitert worden. Naja... Okay, dann fangen wir doch mit meinem Werk an. Und ich gebe eine Einführung in Jacques Tati's Playtime. Man kann Jacques Dati als Komiker bezeichnen. Wenn man gewillt ist, hinter die Komik zu schauen, kann man ihn auch als Zivilisationskritiker oder gar als Visionär bezeichnen. Gerade Letzteres wird in seinem vierten Film Playtime deutlich. vor dessen Hintergrund all seine vorherigen Filme wie Fingerübungen für genau dieses Meisterwerk wirken. Playtime ist eine Zukunftsvision. Monsieur Hulot erlebt die Zukunft. Viel mehr lässt sich kaum dazu sagen. Es werden einfach Situationen aneinandergereiht, die keinem erkennbaren dramaturgischen Erzählstrang folgen. Er schlachtet in diesem Film einfach all seine Trademarks aufs Äußerste aus. Seine langsame Erzählweise, die dadurch erst ihre Absurditäten preisgibt, die leise und bedächtige Komik, die nie in große Slapstick ausartet, der Verzicht auf allzu viel störende Handlung, Die Modernismuskritik, die Liebe zum Detail, selbst sein charakteristisches Kostüm lässt daher absurd oft auftreten, ohne dass wirklich seine Person drin steckte. All das wird einem in diesem Film zwei Stunden lang um die Ohren gehauen. Wenn man seine Erzählweise mag, wird man diesen Film lieben. Plur. Hast du diesen Film geliebt? Uff.
Florian Bayer: Das ist gleich die härteste Frage am Anfang. Johannes, möchtest du Tee haben?
Johannes Franke: Oh, ja, gerne. Tee. Lenk mich ab. Lenk ab vom Thema. Lange Pause.
Florian Bayer: Wo war ich stehen geblieben? Ach ja. Uff. Das war tatsächlich... Also ich würde von mir behaupten, ich habe schon viele Filme gesehen und schon viele abstrakte Filme und surreale Filme und experimentelle erzählte Filme. Und auch wenn das mit Sicherheit nicht der experimentellste Film war, den ich je gesehen habe, war das doch tatsächlich ein Filmerlebnis, das ich in der Form noch nie hatte. Also wirklich noch mal ... Auch beim experimentellen Kino ist es so, irgendwann denkst du, okay, ich kenne das alles. Ich habe schon gesehen, wie Zeiten durcheinandergewürfelt werden. Ich habe gesehen, wie Realität und Fiktion vermischt werden, wie Geschichten aus unterschiedlichen Perspektiven. Aber so eine Art von Film habe ich definitiv noch nicht gesehen. Toll. Die Frage, habe ich ihn geliebt? Ich kann nur noch mal mit Uff antworten. Ich weiß es nicht so genau. Ich finde, er hat was. Ich sehe auch total, wo die... Kritiken herkommen, die sagen, das ist ein Meisterwerk, das muss man gesehen haben, einfach weil er wirklich so eigenständig ist wie kein anderer Film. Aber in dieser Eigenständigkeit ist er unglaublich anstrengend. Und natürlich auch ... Mit all dem, was er beabsichtigt. Dieses Angestrengte, dieses Anstrengende, das gehört ja auch einfach dazu.
Johannes Franke: Ja, ist wichtig.
Florian Bayer: Wir sind ja auch die, die genau wie die Protagonisten und Protagonistinnen gestresst werden sollen durch dieses Gewusel. Aber solch ein krasses Wimmelbild von einem Film, wo ständig Leute übereinander und durcheinander stolpern. Wo du einfach nur diese Panoramen hast von einer Szene, in der 50 bis 100 Leute... gleichzeitig Dinge tun und du merkst, an jeder Ecke passiert was, nichts wird in den Fokus gerückt. Ich fand das ab einem gewissen Punkt einfach krass ermüdend und anstrengend. Weil es so ... ungefiltert war einfach. Und weil es einfach Kopfschmerz war.
Johannes Franke: Ich hätte die letzte Woche die Erlaubnis geben sollen, den Film in Etappen zu gucken, wie ich ihn auch mal irgendwie... Weil es ist tatsächlich so, man nach einer halben Stunde denkt man, jetzt brauche ich vielleicht mal kurz einen Kaffee oder sowas oder ich brauche irgendwie mal Ablenkung woanders oder so. Aber ich finde, es lohnt sich trotzdem volle Kanne. Ich hatte jetzt Besuch von meiner Mutter. Und wir haben ihn zusammen nochmal gesehen. Dann habe ich Notizen gemacht und ich war nicht nur über den Film amüsiert, sondern auch über meine Mutter amüsiert, die neben mir saß und sagte, will der Film überhaupt, dass ich mitkomme?
Florian Bayer: Der Film will, dass du verloren gehst. Das ist das zentrale Element des Films. Monsieur Hulot geht verloren und wir sehen gar nicht so viel von Monsieur Hulot. Das ist ja das Krasseste. Es war immer so... Wenn Mr. Hulot mal durchs Bild stolpert, denkst du, ja, danke, da ist etwas, woran ich mich festhalten kann. Was passiert jetzt mit ihm? Und dann kommt so eine Reisetruppe und drückt ihn weg. Und plötzlich stehen wir irgendwo ganz anders. suchen, verzweifelt nach Ueloh, sehen, dass da links am Bildrand irgendjemand gerade irgendwas komisches macht. Wir müssen unbedingt drüber ... reden oder eher diskutieren, wie dieser Film Humor versteht, weil es ist kein Humor und es ist kein...
Johannes Franke: Kein Love Out Loud Slapstick-Zeugs. Überhaupt nicht. Überhaupt nicht, nein.
Florian Bayer: Und du merkst, dass dieser Film als Witz gedacht ist? Als epischer Witz ohne Pointe? Und das macht er auch irgendwie, das erfüllt er auch irgendwie, weil es irgendwie die ganze Zeit so einen komischen Humor mit sich trägt, weil alles absurd ist und alles albern ist, was passiert. Du verpasst halt die Hälfte. Du merkst, du müsstest diesen Film eigentlich 100 Mal gucken und dann jedes Mal deinen Blick auf ein anderes... einen anderen Bildausschnitt richten, weil Sachen parallel passieren, weil Leute sich unterhalten und du verstehst kein Wort.
Johannes Franke: Ich muss genau das sagen. Ich habe diesen Film jetzt in kürzester Zeit eben zweimal gesehen. Einmal ohne meine Mutter und dann nochmal... Und jedes Mal wird einem der Film klarer. Man muss ihn mehrmals sehen. Und es sind halt zwei Stunden, die man nochmal und nochmal gucken muss, aber ... Ich finde absolut, dass sich das lohnt, weil da so viel... so viel rein inszeniert und so viele Details hat und so dolle... Du hast so... Ich weiß nicht. Jedes Mal beim neuen Gucken fällt dir auf ... ah, die Brille kommt später nochmal wieder oder ah, da in der Restaurantszene ganz hinten in der Ecke passiert nochmal was Wesentliches, was irgendwie richtig witzig ist. Ähm, Klar hast du nie diese Momente, wo du so richtig laut lachst. Wobei das stimmt nicht ganz. Ich habe die Momente, aber ich glaube, ich bin einfach... Da sehr getriggert. Ich mag das einfach zu sehr. Ich liebe die ganzen Einfälle, die in diesem Film stecken. Und deswegen... Werde ich ihn auch noch drei oder vier Mal gucken.
Florian Bayer: Ja, er zwingt einen ja auch quasi dazu, ihn mehrmals zu gucken. Und vielleicht das generelle Setting mal so zum Reißen. Er spielt in einem futuristischen Paris. Und es gibt wirklich nur so eine Handvoll von Szenarien, von Orten, in denen wir uns bewegen. Einige werden relativ kurz gezeigt ... Andere sehr lange und sehr ausgedehnt. Und in diesen Szenarien erleben wir tatsächlich einfach Wimmelbilder. Wir sehen Leute, die Dinge tun. Monsieur Hulot ist einer von wiederkehrenden Charakteren, der durch diese Wimmelbilder stolpert, aber er steht keineswegs so krass im Zentrum, wie man es erwarten würde, sondern... Es wird auch immer viel Zeit dafür aufgebraucht, einfach zu zeigen, was die anderen Menschen tun. Gleichzeitig. In einem Restaurant. Das ist das Setup, was am längsten gezeigt wird. Wir sind in einem Restaurant und sehen, wie Vorbereitungen für das abendliche Dinner getroffen werden. Und dann sehen wir, wie Kellner durcheinander stürzen, übereinander stolpern. wie da was aufgebaut wird, hier was gekocht wird, hier was angerichtet wird, hier nochmal Stühle korrigiert werden. Und Tati setzt fast konsequent auf Totalen. Das heißt, wir haben dieses breite Bild ... Und wir sehen einfach nur diese Totale und Leute quatschen durcheinander und stolpern übereinander.
Johannes Franke: Der hat es extra in 70 Millimeter gedreht, damit man, weil das das Format ist, nicht im Digitalen, sondern analog gedreht damals. 70 Millimeter bedeutet... dass du die meiste Information in das kompakteste Bild bekommst. Also du hast ... So viel wie möglich kann passieren gleichzeitig im Bild, ohne dass du den Bildausschnitt verändern musst.
Florian Bayer: Und es gibt null Fokus. Du hast diese Panoramen und das sind die Szenen, bei denen ich am ehesten lachen musste. Also laut lachen musste ich nie, aber es gibt einzelne Szenen. in denen ein bisschen weniger passiert und in denen dann mal die Protagonisten, Uloh, meistens im Fokus stehen und tatsächlich man sich auf das, was ihnen geschieht, konzentrieren kann. Da waren einige Szenen dabei, die ich lustig fand. Aber ansonsten ist es eher so ein Setting, das so auf ein permanentes Schmunzeln setzt, weil es ist einfach witzig, wie alle Menschen, die sich in dieser Welt bewegen, überfordert sind von dieser Welt, von ihrer Technik, von ihren Dekors, von ihrem Design. Und ja, natürlich ist es wirklich nicht schwierig, viele Sachen auf der Haben-Seite zu finden, was das betrifft. großartige Architektur.
Johannes Franke: Ja, Wahnsinn. Er hat es gebaut. Er hat ja extra ein Set gebaut. Für viel, viel Geld. Und dann gab es auch noch einen Sturm, der das Ganze zerstört hat und dann irgendwie 1,6 Millionen Franc gekostet hat, das wieder aufzubauen. Der hat wirklich auch Pech gehabt damit, aber es war einfach schweineteuer und es war der teuerste Film zu der Zeit bis dahin. 17.
Florian Bayer: Millionen Franc, was damals wohl so 3,4 Millionen Dollar entsprochen hatten. Sie hatten ihr eigenes Kraftwerk.
Johannes Franke: Ja, genau. Powerplans. Sie hatten ein eigenes. Das waren zwei große Gebäude. die sie gebaut haben und mit Ampeln und Straßen und allem drum und dran. Das haben die alles gebaut, damit das genau so aussieht, wie es soll. Und ich finde, es geht voll auf. Also das, was er davor hatte, geht volle Kanne auf, finde ich.
Florian Bayer: Was die Architektur betrifft auf jeden Fall. Wahnsinn. Du bist einfach erschlagen von dieser Umgebung. Du hast vorhin gesagt, es ist eine Zukunftsvision. Ich hab das letzte Mal auch gesagt, ach, das ist doch dieser Science-Fiction-Film. würde ich ein Fragezeichen tatsächlich dran machen. Weil er sehr abstrakt mit dem Konzept Zeit umgeht in dem Film. Es gibt definitiv diese futuristischen Elemente, wo ganz klar ist, das entspricht nicht dem Stand der Technik der 60er Jahre. Aber vieles... Von dem Futuristischen, was er so zeigt, ist ... Findet man, also gerade was Design betrifft, was Dekor betrifft, findet man auch in der damaligen Zeit schon diesen Hang zum zukünftigen, zum utopischen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ihr übertreibt es nicht. Es ist nie so der Moment, wo du das Gefühl hast, jetzt erzählt er aber wirklich, dass das eine Gesellschaft im Jahre 2020 sein soll.
Johannes Franke: Das ist richtig, ja.
Florian Bayer: sondern es bleibt irgendwie, es bleibt diese Ebene, ja, das könnte in unserer Zeit sein und ... Stadtplaner sind einfach amok gelaufen.
Johannes Franke: Ja, naja, natürlich. Also ich glaube, das was... Tatita will es natürlich die gegebenen Umstände kritisieren, den Hang der damaligen Zeit und auch unserer heutigen Zeit zum radikalen Modernismus. Und das, ich finde es total geil. Ich finde diese Zivilisationskritik, die da drin steckt, so wahnsinnig cool.
Florian Bayer: Und es ist natürlich total pointiert, dass wir auch Opfer werden von diesem Modernismus. Das passiert natürlich in diesem Film. Wir stolpern durch diese Umgebung wie der Protagonist und wir fühlen uns einfach verloren. Und wir wissen, oh Gott, wo werden wir jetzt hingedrängt? Oh nein, jetzt eröffnet sich ein neuer großer Raum. Büros sind wie Labyrinthe gebaut. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es gibt diese eine tolle Szene ganz am Anfang. Er hat ein Date in einem Büro. Er muss sich offensichtlich mit irgendeinem Geschäftsmann treffen. Wir erfahren nicht viel darüber, weil dieser Film praktisch keine Dialoge hat. Ueloh redet nicht. Man denkt ganz oft, jetzt sag doch was. Wenn du was sagen würdest, dann würdest du nicht von A nach B geschoben werden und der würde dich nicht für den Käufer halten oder so. Aber er redet nicht viel. Wir wissen, er will jemanden treffen, einen Geschäftsmann. Er ist in diesem Bürogebäude. soll dann auf ihn warten und sie verpassen sich mehrmals. Da gab es tatsächlich eine wirklich schöne Szene, wenn er in diesem Wartezimmer sitzt dann und die sich in einen Ledersessel setzt, der unglaublich ungemütlich und viel zu weich und vor allem zu quietschend ist. Und dann kommt dieser Business-Typ und setzt sich auch dahin und quietscht ebenso.
Johannes Franke: Das ist fast wie eine Choreografie gemacht. Es ist ja wirklich so, dass er die Geräusche... Er hat ja... den Geräuschen fast den gleichen oder noch höheren Stellenwert eingemessen als dem gesprochenen Wort. Es gibt gesprochenes Wort, aber du kannst es nicht entziffern, weil die Geräusche in der Umgebung gleichwertig sind und deswegen eigentlich überhaupt nichts ausmachen kannst so richtig. Du hörst mal so... Den Ami, wie er ein bisschen lauter was ruft oder sowas.
Florian Bayer: Manchmal kriegst du Wörter gegriffen. Ja, genau. Englisch dabei und Französisch und du merkst schon, das ist so ein Mischmasch.
Johannes Franke: Ja und es ist toll, ich finde das Konzept toll, aber das bedeutet natürlich, dass du schnell ermüdest, weil du nicht selektieren kannst. Es wird nicht für dich selektiert, was ist wichtig an Geräuschen und was nicht. Aber in dieser Szene, die du ansprichst, sind Geräusche halt so wahnsinnig wichtig. Dieser quietschende Stuhl, diese Geräusche, die das macht, wenn man sich draufsetzt, wenn man da sich bewegt und wenn man... Er hatte auch noch einen Stock dabei, rutschte auf diesem Boden, der viel zu glatt ist, auch noch aus und so. Ich finde dieses... Gerade bei der Szene merkt man diese Choreografie, die dahinter steckt, die er will. Was fast schon, meine Mutter sagte dann, er könnte jetzt zum Rap ausarbeiten.
Florian Bayer: Aber es ist krass, wenn man den amerikanischen Slapstick dagegen hält, weil es so viel subtiler ist. Es passiert so viel weniger. Es gibt keine großen Katastrophen. Also es gibt vielleicht eine Szene später im Restaurant, wenn die Decke einstürzt. Das ist das einzige und das Maximum. Aber sonst gibt es keine Slapstick-Action. Die Physical Comedy beschränkt sich auf... ein wenig zur Seite neigen, ein bisschen stolpern, ein bisschen verloren sich umgucken. Es ist kein Buster Keaton und kein Charlie Chaplin. Es ist keine laute Comedy.
Johannes Franke: Und das Krasse daran ist ... Was mir dann aufgefallen ist, was ich ganz großartig fand, war, dass das bedeutet, dass du als Zuschauer nie... den Relief hast. Also du bist nie durch ein Lachen erleichtert. Du hast nie diesen Moment der Auflösung eines Gags oder einer Situation, weil es fällt niemand... Also schon manchmal, aber ganz wenig fällt niemand hin und unterbricht die Situation, sondern du hast eigentlich... Bist du von einer visuellen Sache in die nächste geworfen und die nächste in die nächste in die nächste. Und deine Bannung steigert sich immer weiter. Du kommst nicht in dieses erlösende Lachen. Und das finde ich so krass.
Florian Bayer: Es gibt keinen Höhepunkt und keine Pausen. Es gibt keine stillen Momente und es gibt keine großen Katastrophen. Wenn jemand fällt, dann fällt der halt auch beiläufig. Dann rutscht mal der Kellner aus, dann steht er wieder auf, klopft sich die Hose ab und trägt sein Tablett dahin, wo er es hintragen wollte. Und es hält auch niemand inne. Das ist halt auch krass. Es passieren ständig Missgeschicke, aber die Leute reagieren relativ wenig drauf. Sie sind einfach... in den Alltag integriert. Sie sind Teil des Lebens.
Johannes Franke: Weswegen das Ganze auch irgendwie realistisch bleibt, obwohl es nicht wirklich realistisch ist. Also diese Absurditäten von, also das Absurdeste, was eben nicht passieren würde, würde mir einfallen, dass das Flugzeug, was in dem Restaurant als Deko steht, Der Raum wird zu heiß und das Flugzeug fängt an einzusinken und zu schmelzen quasi in Einführungsstrichen. Das würde natürlich nicht passieren. Aber alles andere, was er erzählt, was er so macht... könnte durch Verkettung von Umständen wirklich genau so passieren. Halt nicht in der Häufigkeit und nicht in der... Weiß nicht, er bringt das so zusammen. Das ist natürlich absurd, aber es ist alles möglich.
Florian Bayer: Es sind ja diese kleinen Missgeschicke. Der Alltag besteht aus ganz vielen kleinen Missgeschickten, die man auch ganz schnell wieder vergisst. Also man stolpert halt mal und man lässt halt mal was fallen. Und dann flucht man und hebt es wieder auf und dann geht es halt weiter.
Johannes Franke: Also es ist so, dann funktioniert mal ein Licht nicht und man haut drauf und es funktioniert wieder.
Florian Bayer: Slapstick-Realismus.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich konnte mich übrigens sehr gut mit Monsieur Hulot identifizieren, wenn er ... Im Hausflur von seinem Freund steht er erst später, am Abend ist er beim Apartment von einem Freund zu besuchen und dann ist er in diesem Hausflur verloren, weil er nicht weiß, wie sich die Tür öffnen lässt. Weil das ist natürlich alles automatisiert und elektronisch gesteuert und er findet halt den Schalter nicht. Und er sagt aber nichts zu seinem Freund. Und wir wissen das auch nicht. Wir sehen es dann erst nachher. Der Freund ist halt in der Wohnung, nachdem Ulo sich verabschiedet hat. Und hört dann offensichtlich was im Flur und geht in den Flur so fünf Minuten, nachdem Ueloh gegangen ist. Und da stochert halt Ueloh so an den Wänden rum, weil er verzweifelt. eine Möglichkeit sucht, die Tür zu öffnen und der Freund sagt dann, hier, push und zeig ihm den Knopf und mach die Tür auf, damit Ulo rauskommt. Und auch so dieses, das ist natürlich auch realistisch, dieses Ulo traut sich nicht nochmal zu klopfen und zu sagen, Hilfe, ich kann eure Haus nicht bedienen, ich muss hier raus, helft mir mal bitte.
Johannes Franke: Lass uns mal ganz kurz nochmal den Schritt zurück machen. Du wolltest am Anfang einmal zusammenfassen, was eigentlich Vivo ist. Der Film hat sechs Szenerien im Grunde. Das erste ist der Flughafen, wo er ankommt, wo ganz viele... Reisegruppen ankommen. Das zweite ist das Office, wo er den Chef von dieser Firma sucht. Dann stolpert er in die Exhibition, in so eine Handelsausstellung. Ja, so eine internationale Handelauserstellung rein und dann ist er in diesem Apartment, was du gerade angesprochen hast, weil irgendein Freund darauf bestanden hat, ah komm mit, ich zeig dir mein Zuhause und da... Gucken wir da im Fernsehen noch was, keine Ahnung. Und dann der Royal Garden, das ist dieses Restaurant, was gerade neu eröffnet. öffnet und was Katastrophen... Das dann am Abend?
Florian Bayer: Also am Abend ist er im Aparten bei seinem Freund und dann auch im Restaurant?
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und das Restaurant nimmt auch tatsächlich ziemlich viel Zeit ein.
Johannes Franke: 45 Minuten, glaube ich.
Florian Bayer: Und Ueloh ist ganz lange nicht zu sehen. Das betrifft übrigens... Fast alle 10, wir sehen das Szenario lange bevor Ulo... Und es ist tatsächlich, wir sehen einfach erstmal, wie andere Menschen was machen. Und dann irgendwann stolpert er rein und ich habe jedes Mal gedacht, oh Gott sei Dank, da ist er wieder. Und jetzt habe ich wieder was, woran ich mich kurz festhalten kann. Und das sechste ist dann die Straße am Morgen und der absurde Kreisverkehr, wie sich alles dreht.
Johannes Franke: Genau, und ich würde eigentlich, bietet es sich an, da so ein bisschen durchzugehen, ähm, Weil es so viele tolle Situationen gibt. Ich finde es halt wirklich großartig. Ich weiß nicht, ob du auch nur 10% meiner Begeisterung bist.
Florian Bayer: Wahrscheinlich sind es ungefähr zehn Prozent, vielleicht elf oder zwölf.
Johannes Franke: Weil ich diese, ich liebe einfach visuelle Komik und die Absurdität. die einfach visuell einmal dargestellt wird, ohne dass du intellektualisiert drüber sprichst und das nochmal auf eine Ebene hebst, die... Du kannst den Film halt wirklich überall auf der Welt zeigen und das wird jeder verstehen.
Florian Bayer: Es ist ein internationaler Film, obwohl er Paris als... hat.
Johannes Franke: Und das finde ich eben an Visual Comedy und an visueller Erzählweise so großartig und er macht das so unglaublich meisterhaft.
Florian Bayer: Aber fandst du die Slapstick-Momente nicht teilweise redundant bis hin zur Monotonie, weil halt doch Szenen lange gezeigt werden und ... sich auch wiederholen oder zumindest so dieselbe Art von Missgeschicken, weil es eben nicht dieses große Eine Action-Szene und da gibt es diesen, wie du schon gesagt hast, diese Erleichterung, dass sich alles auflöst.
Johannes Franke: Hast du ein Beispiel, wo dich das besonders gematert hat?
Florian Bayer: Also tatsächlich hat es angefangen in der dritten Sequenz, wenn er in dieser Handelsausstellung stolpert. Davor fand ich, war der Fokus irgendwie... eigentlich sehr stark auf Ilo, wenn er im Flughafen ist und da so ein bisschen orientierungslos herumläuft.
Johannes Franke: Er kommt ja erst in den Filmen, nachdem er schon zweimal... von jemandem anders, für jemanden anders gehalten wurde.
Florian Bayer: Das passt aber natürlich auch so total gut dazu, dass man irgendwie so, naja, okay.
Johannes Franke: Das finde ich sowieso toll, weil ich glaube, Jacques Tati versucht hier, den Zuschauer ein bisschen zu trollen.
Florian Bayer: Ja, definitiv.
Johannes Franke: Also er steckt andere Schauspieler in sein eigenes Kostüm, lässt andere handelnde Figuren... Ueloh rufen und der dreht sich um und wir stellen fest, oh nee, das ist er nicht. Und dann tritt er aber das erste Mal auf, ganz irgendwo im Hintergrund, lässt seinen Schirm fallen, das Geräusch springt uns da drauf. Und dann hebt nur den Schirm auf und geht wieder aus dem Bild. Das ist sein erster Auftritt. Also völlig unscheinbar. Nichts passiert.
Florian Bayer: Ich habe es verpasst quasi. Wirkt tatsächlich. Ich hab dann, ah, okay, ah, ah, ja, da ist er ja. Und es ist bestimmt eine Trollerei, weil Ulo, die Figur des Ulo war damals natürlich schon ein Star und der hatte seine großen Filme gedreht, die Ferien des Monsieur Hulot und Mon Onkel.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und in diesem Film lässt er sich wirklich Zeit zu sagen, hey, Hulot ist vielleicht nicht unbedingt... das Zentrum meiner Filme, sondern alles, was drumherum geschieht. Konzentriert euch mal auch ein bisschen auf andere Sachen.
Johannes Franke: Ja, genau. Ich glaube, das war auch tatsächlich sein Problem damals. Ich glaube, gelesen zu haben, dass er versucht hat, damals diese Figur eigentlich komplett rauszustreichen. Und er hat aber dadurch, dass dieser Film jetzt ein solches Desaster war finanziell, musste er danach noch einen Film machen, wo die Figur Ullo wieder in den Vordergrund gerückt ist. Und leider, also auch schon gegen seinen eigentlichen Willen, er wollte es eigentlich nicht. Aber naja, er hat diesen einen Film dann noch gemacht und ich glaube, er hat noch einen für ein Kinderfernsehen gemacht und das war's dann. Also er hat auch, sein Oeuvre ist ja nicht so.
Florian Bayer: Ja, genau. Relativ überschaubar. Also vor allem das Hulot-Oeuvre. Er hat davor schon einiges gedreht, aber tatsächlich... Eher so als Autor und dann mal Co-Regie gemacht und dann mal hier Regie. Aber tatsächlich sind seine großen Filme, wenn man an die denkt, sind... Beginnen 1949 mit Tatis-Schützenfest und endet eigentlich 1971 mit Trafik-
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Was der letzte große Ulo-Film war.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und Tatis Herrliche Zeiten ist halt der vorletzte, ne?
Johannes Franke: Ja. Also Playtime, ja. Dieser ... Ja, und ich würde ihn trotzdem in diese ganze Riege von Chaplin und von Buster Keaton und so wegwerfen. setzen wollen, obwohl er eben nicht diese krasse Slapstick, die hat er in einem Film ein bisschen mehr, aber auch nicht, also er ist immer ein bisschen zurückgenommen gewesen. Aber Trotzdem, er hat all diese Trademarks, die sowas braucht, so Slapstick-Humor braucht. Er hat einen speziellen Gang. So dieses neugierige, nach vorn gereckte und auf Zehenspitzen laufende. Chaplin hat das ja eher mit seinem Watschelgang gemacht. Und Buster Keaton hat so sein Stoneface, keine Reaktion auf nichts, so in der Art.
Florian Bayer: Milows Trademark ist vor allem, dass er viel zu groß ist und nicht gerade stehen kann. Dass er immer so ein Stück geneigt ist. Man hat immer das Bedürfnis, hat die Figur so gerade zu rücken, dass sie... in einem schönen, sauberen 90-Grad-Winkel steht und es passiert einfach nicht.
Johannes Franke: Ich finde es ganz toll. ganz tolle Erfindung und irgendwie, ja, deswegen gehört er mir auch in diese Zeit und in diese Art und Weise Komik zu machen, aber eben auch, was ich eingangs schon sagte, eben sehr visionär nach vorne gedacht und nicht... wie viele Slapstick-Komiker eben in ihrer Zeit verhaftet, sondern versucht wirklich nach vorne zu drängen. Wie Chaplin das später auch versucht hat, aber eben mit anderen Figuren, nicht mit seinem Trump. Ja, ja.
Florian Bayer: Trump. Du hast Trump gesagt.
Johannes Franke: Trump. Trump. Trump? Oh mein Gott, nein. Böser Vergleich. Ja, also der Film ist ein einziges Wimmelbild, wie du sagst.
Florian Bayer: Der Flughafen, tatsächlich hat der Flughafen... gar nicht so viel Eindruck bei mir hinterlassen. Ich fand den Flughafen toll, um diese Verlorenheit in der sterilen Welt zu symbolisieren. Weil das ist auch die Szene, wo er wirklich weit weg ist. Wo er nicht einfach nur eine totale quasi auf Augenhöhe auf den Raum hat, sondern ganz oft auch fast diesen Überwachungskamera-Modus von oben steil herab.
Johannes Franke: Am Anfang denkt man, man ist im Krankenhaus.
Florian Bayer: Ja, es ist tatsächlich total steril. Es ist eine riesige Halle, es ist wirklich steril und sauber. Und die Menschen bewegen sich auch darin so, das ändert sich nachher, aber an dem Flughafen hat man das Gefühl, dass alles noch so ein bisschen geordnet ist, alles seinen geordneten Gang geht, jeder ab. abgesehen von Hulot, weiß, wo er hin will. Jeder hat gerade Linien. Wir haben Leute, die das Bild kreuzen, von links nach rechts, von rechts nach links und von vorne nach hinten.
Johannes Franke: Aber jeder hat sein Ziel.
Florian Bayer: Jeder hat sein Ziel. Und dann haben wir Uloh, der eher so ein bisschen entspannter dadurch stolziert.
Johannes Franke: Und wir merken dann ziemlich schnell, glaube ich, dass der Film vor allem auf diese Glasfronten setzt. Und ich finde den Gedanken toll. Also natürlich ist es heute für uns viel selbstverständlicher, dass es so wahnsinnig viele Glasfronten gibt. Aber ich weiß nicht, wie das in den 60ern war. Du hattest technisch eigentlich noch nicht die Möglichkeit, so riesige Patienten zu machen.
Florian Bayer: Ich glaube, damals hat dieser Trend so ein bisschen angefangen, dass Transparenz als besonders schick gesehen wurde. Und damit spielt der Film ja auch total gerade... In späteren Szenen, wenn wir die Wohnungen sehen, die einfach hinter Schraubfenstern sind.
Johannes Franke: Ich finde gerade diese Szene, aber da kommen wir gleich noch zu.
Florian Bayer: Und im Büro ist tatsächlich auch noch dieser sterile Look, wenn er mit dem Wachmann redet, er ist in der riesigen Bürohalle, er geht in das Wartezimmer. Und dann verpasst er seinen Freund und versucht den zu finden und da wird es langsam, da löst sich es eigentlich auch noch nicht auf, weil Ueloh immer noch relativ im Zentrum steht und allein ist einfach. Und dann kommt die Welle, die den ganzen Film mitreißt, wenn Ullo von dieser Reisegesellschaft zu der Handelsausstellung getrieben wird. Und es explodiert alles und wir haben plötzlich eingewuselt und gewimmelt und das hört dann auch nicht mehr auf.
Johannes Franke: Aber in dieser Reisegruppe gibt es eine Frau, die wir ja trotzdem auch noch ein bisschen herausgestellt bekommen und die quasi eine Rolle spielt. Neben ihm im Grunde sind die beiden gleichberechtigten Nebencharaktere. Der Hauptcharakter in der ganzen Sache ist ja eigentlich die Ausstattung.
Florian Bayer: Ja, definitiv. Ja, auf jeden Fall. Ich hatte auch tatsächlich die Frau... Es hat ein bisschen gedauert, bis ich tatsächlich gesehen habe, dass sie auch wirklich nicht nur recurring sein soll, sondern auch tatsächlich ... zusätzliche Identifikationsfigur.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil sie, weil halt, es gibt genug Charaktere, die immer mal wieder vorkommen und die durchs Bild stolpern. Man denkt immer, hab ich den nicht schon mal gesehen? Die sehen doch alle so gleich aus. Und dann irgendwann gibt es so einen Moment, wo ich gemerkt habe, ah, okay, diese Frau... spielt nochmal eine besondere Rolle. Sie ist kein Love Interest oder sowas, sondern sie ist halt auch einfach eine Touristin, die durch Paris stolpert, wie Ulo auch. Und genau, sie ist in dieser Reisegruppe und bei der Handelsausstellung treffen sie eigentlich zum ersten Mal aufeinander oder rauschen besser gesagt ineinander.
Johannes Franke: Ja, und da passiert aber noch gar nicht so viel zwischen den beiden.
Florian Bayer: Nee, überhaupt nicht. Die sind halt einfach in derselben Gruppe von Menschen unterwegs. Und dann ist es auch der Moment, wo du erst mal Also wo ich zum ersten Mal überfordert war, weil diese Handelsausstellung ist halt einfach ein reines Chaos und das Es wird geplappert und es wird verkauft und da passiert das, da wird ein Produkt vorgestellt. Und dann gibt es diesen tollen Moment, Wenn die Tür geöffnet wird und wir sehen kurz den Eiffelturm, wie er sich im Glas spiegelt.
Johannes Franke: Oh, ist das toll.
Florian Bayer: Und es setzt auch so eine romantische Musik ein. Und das ist der absolut krasse Nostalgie-Moment. Du denkst nur, ah, geil, ja, danke. Weil Paris.
Johannes Franke: Es soll ja ein Paris spielen. Und in Paris, du siehst nichts in dem Film aus Paris, außer eben in diesen Spiegelungen. Genau.
Florian Bayer: Und zwar dreimal, ne? Also den Arc de Triomphe finden wir nachher noch gespiegelt und dann den Dom. Und das war's, glaube ich. Es gibt diese Spiegelungen, aber die lassen immer einen kurzen Moment des Innerhaltens. Es ist sehr bewusst inszeniert. Die Tür wird aufgemacht, wir sehen die Spiegelung. Eine, die ich noch aufgeschrieben habe und die ist halt auch nicht im Gewusel, deswegen fand ich sie cool und deswegen ist sie mir wirklich hängen geblieben, wenn diese Frau ein Foto machen will von der Blumenverkäuferin. und das nicht so richtig klappt, weil Leute durchs Bild stolpern. Und dann kommt irgendwie ein hilfsbereiter Typ, der sagt, oh, ich mache von euch zusammen das Foto. Obwohl das gar nicht die Intention war der Frau. Aber es passiert halt einfach in diesem Gewusel, weil sie einfach ... nicht Nein sagen kann und dann wird halt ein Foto von ihr zusammen mit der Blumenverkäuferin gemacht. War eine super Szene, aber war halt auch cool, weil sie im Fokus stand, weil nicht so viel drumherum passiert.
Johannes Franke: Ja. Die Blumenverkäuferin ist übrigens, ist meiner Mutter dann auch nochmal aufgefallen, die einzige lebendige Sache... Die so an Paris erinnert, an dieses alte, an dieses Touristenbild. Alles andere ist grau und da passiert nichts und es ist alles kalt und unwirklich. Während diese Verkäuferin quasi... Für die Touristen dahingestellt quasi das Einzige, was an Paris noch erinnert.
Florian Bayer: Es gab drei Paris-Bilder und das waren halt einfach mal die Gebäude, die sich in der Tür spiegeln, die auch immer wieder so ein Moment des...
Johannes Franke: Das so ein tolles Konzept ist, finde ich. Wir haben halt dann Fotos, dann hast du in dem Set und irgendwo gegenüber ein Foto gehabt von Paris an der Stelle und das ist... Wahnsinnig toll funktioniert.
Florian Bayer: Man fühlt sich dann auch so direkt nach Paris gezogen in dem Moment und denkt so, ach ja, da wäre ich jetzt gerne.
Johannes Franke: Toll, toll, toll, toll.
Florian Bayer: Übrigens, das war tatsächlich das Erste, was mir in dem Film aufgefallen ist, dass der Score von Francie Lemarque fantastisch ist. Das ist ein toller Jessica, chaotischer, hektischer Score, der einfach super ... Passt genau drauf. Und auch immer mal wieder so ein bisschen die Spitzen Richtung Melancholie findet und Nostalgie. Eben zum Beispiel in diesem Moment, wenn der Eiffelturm zu sehen ist.
Johannes Franke: Ja, das ist toll. Ich finde es ganz großartig. Ja, es soll Paris sein. Wollen wir den Bogen mal schlagen?
Florian Bayer: Ja. Wir haben eine Top 3.
Johannes Franke: Eine Top 3.
Florian Bayer: Und diesmal kriegen wir sie vernünftig in die Episode integriert.
Johannes Franke: Wahnsinn.
Florian Bayer: Johannes. Schingel.
Johannes Franke: Schingel.
Florian Bayer: Die Top 3 Paris Filme. Wo es tatsächlich erstaunlich viel zu finden gibt. Man denkt so, das ist so ein enges Thema. Aber es gibt wirklich viele Paris-Filme.
Johannes Franke: Es gibt halt einfach viele Filme.
Florian Bayer: Aber auch viele Filme, also ich meine, dass ein Film in der Stadt spielt, ist ja eine Sache, aber es gibt auch unglaublich viele Filme, die das... die Stadt, in dem Fall halt Paris, wirklich ins Zentrum rücken und zu einem Protagonisten machen, wie du vorhin gesagt hast. In diesem Film, in Playtime ist ist eigentlich die Stadt und die Architektur der Protagonist.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Ist in meiner Liste bei meinen Paris-Filmen gar nicht so krass der Fall. Aber ich habe versucht, Filme zu nehmen, in denen tatsächlich die Stadt im Mittelpunkt steht. Deswegen, es gibt auch eine Honorable Mention, die ich nicht 100% nehmen kann, und zwar Jules und Jim. von François Truffaut, einer der großen Liebesfilme der Nouvelle Vague aus dem Jahr 1962. Habe ich dann aber drauf verzichtet, weil der spielt in seinem ersten Teil in Paris.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und bricht dann aber raus und läuft auch an verschiedene Orte. Und dann dachte ich, okay, ist nicht so 100% ein Paris-Film. Dafür steht Paris doch zu wenig im Zentrum. Auch wenn es tolle Paris-Szenen gibt.
Johannes Franke: Okay, aber dann hast du eine Honorable Mention. Hast du noch eine?
Florian Bayer: Ja, ich habe mehrere Honorable Mention. Erzähl mal. Ich hoffe, ich habe keinen von den Filmen, den du dabei hast. Direkt anschließend an Jül und Jim, Die Träumer. Der quasi so eine Liebeserklärung an die Nouvelle Vague ist aus dem Jahr 2003 von ... Einem Regisseur, mit dem wir uns erst vor kurzem auseinandergesetzt haben, von Bernardo Bertolucci, dem Regisseur von 1900. Okay. viele tolle Filme gemacht hat. Die Träumer erzählt er aus dem Paris der 60er Jahre und Zitiert irgendwie eine Mischung aus Drama und Erotikfilmen. Und er zitiert dabei aber unglaublich viele Nouvelle Vague Filme und hat da sichtlich Spaß daran.
Johannes Franke: Cool.
Florian Bayer: Darf ich noch zwei Honorable Mentions hinzufügen?
Johannes Franke: Ja, mach, mach, mach. alles angucken, liebe Zuhörer.
Florian Bayer: Nochmal Stichwort Nouvelle Vague, außer Atem von Jean-Luc Godard, hat's aber auch nicht ganz reingeschafft, weil die Stadt nicht so ganz im Zentrum steht, aber fantastischer Film. Und zeigt zumindest so auch dieses Verlorensein im Moment. in der urbanen Moderne, weil viele Autos fahren durchs Bild und es ist hektisch und chaotisch auf den Straßen ... Und letztlich meine vierte Honorable Mention ist die Liebenden von Ponneuve, der einen Blick auf die Außenseiter in Paris wirft, auf die Obdachlosen. Und damit komme ich endlich zu meinem Platz 3. Tut mir leid. Der auch einen Blick auf die Außenseiter wirft. Auf die, die im Umkreis von Paris leben, aber nie von der Stadt profitieren und die Stadt auch wie in diesem Film tatsächlich... nur mal ausnahmsweise zu Gesicht bekommen. La Haine, Hass aus dem Jahr 1995, der in einem Banlieue spielt und Jugendliche betrachtet, die irgendwie versuchen, klarzukommen im Leben und ständig Ärger mit der Polizei haben. Es geht halt auch um die Ausschreitung damals zwischen ... Jugendlichen, vor allem mit Migrationshintergrund und Polizei. Und die sich halt irgendwie versuchen durchzuschlagen, aber ständig mit dem Gesetz... mit dem Gesetz kollidieren. Und zwar nicht nur, weil sie es schuld sind, sondern einfach auch mal, weil sie ... Weil sie permanent mit Rassismus und anderen Vorurteilen konfrontiert sind. Großartiger Film. Der beste Film, der die Schattenseiten von Paris zeigt. Und kein romantisiertes Bild der Großstadt, sondern die Großstadt als Moloch. Und als Ort, an dem ums Überleben gekämpft wird. Okay.
Johannes Franke: Wow, ja meine Filme sind eher die romantisierten Varianten von Paris.
Florian Bayer: Bei mir kommt auch gleich die Romantik.
Johannes Franke: Okay, sehr gut. Ich habe auch eine Honorable Mention und zwar Before Sunset und diese ganzen, alle die drei. Ja.
Florian Bayer: Es sind drei, oder? Ja, es sind drei, aber nur Before Sunset spielt in Paris.
Johannes Franke: Ah, okay. Before Sunrise war ... Weiß ich nicht genau. Ich hab's einfach nicht mehr ... Aber ich fand dieses Konzept so geil und so wahnsinnig spannend, dass das so aufgegangen ist, dass man einfach nur in der Stadt rumläuft und redet.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist so krass. Das ist einfach nur ein Quasselfilm, aber super.
Florian Bayer: Richtig toll. Richard Linklater.
Johannes Franke: Ja, und zwar jetzt aber mein Platz 3. Moment, ich hätte noch eine andere Menschen. Aber welcher von den Filmen wird jetzt degradiert zur Honorable Mention? Ich nehme La Jetée.
Florian Bayer: Oh, ja.
Johannes Franke: La Jetée ist, haben wir schon ein paar Mal angesprochen, der Kurzfilm von Chris Marker, der... nur in Standbildern erzählt wurde. Unbedingt gucken, wenn ihr noch nicht geguckt habt von unseren Empfehlungen letzten Male. Unbedingt gucken. Gibt es auf YouTube und so.
Florian Bayer: Online leicht zu finden. Dauert auch nur eine halbe Stunde.
Johannes Franke: Genau. Spielt in Paris, aber eben in der Zukunft von Paris, in einer zerstörten Stadt, die verzweifelt versucht, in die Vergangenheit zu reisen, um dort zu die Zukunft zu retten. Mein Platz 3 wäre jetzt... fabelhafte Welt der Amelie. Ich weiß, dieser Film verursacht Zahnschmerzen. Blorn nickt.
Florian Bayer: Ja rede weiter.
Johannes Franke: Dieser Film hat mir damals, als er rausgekommen ist, wahnsinnig viel Freude bereitet und mich wahnsinnig begeistert. Irgendwann habe ich ihn einfach einmal zu oft gesehen. Und dann wird er halt wirklich zu süß. Dann hat man einfach keine Lust mehr nochmal zu hören, wie wahnsinnig fantasievoll die Hauptdarstellerin ist.
Florian Bayer: Mein Platz zwei, die fabelhafte Welt der Amelie. Ich weiß, er verursacht Zahnschmerzen. Als ich ihn damals zum ersten Mal geguckt habe, hat er riesige Begeisterung in mir ausgelöst. Hat mich wirklich total verzaubert. Und ich glaube, ich habe ihn dann aber auch ein oder zweimal zu oft gesehen und vielleicht auch ein oder zweimal zu oft gehört, wie verzaubernd die Protagonistin und Hauptdarstellerin ist.
Johannes Franke: Ja. Ach schön, danke, Flo.
Florian Bayer: 2001, Jean-Pierre Genet. Wenn ihr ihn noch nicht gesehen habt, ist wirklich ein Klassiker des französischen Kinos um die Jahrtausendwende. Und wenn man ihn zum ersten Mal sieht und ein bisschen Zynismus und Sarkasmus zur Seite kehrt, ist es wirklich ein wunderschönes Erlebnis irgendwo zwischen ... Tragikomödie, Romantik und Märchen.
Johannes Franke: Ja, genau. Betonung auf Märchen irgendwie.
Florian Bayer: Ja, definitiv Märchen.
Johannes Franke: Ja, aber wirklich, also gesehen muss man ihn auf jeden Fall haben. Man muss ihn nicht 20.000 Mal sehen, so wie ich.
Florian Bayer: Und mit fantastischer Musik.
Johannes Franke: Unglaublicher Musik. Von Jan Thiersen. Tiersen, Y-A-N-N, Tiersen, wie man es spricht. Egal. Ein unglaublich toller Musiker und was der noch für Sachen rausgehauen hat danach. Das ist ja so sein großes Aushängeschild, diese Musik. Aber er hat so viele tolle Sachen danach gemacht.
Florian Bayer: Und so viele andere Sachen.
Johannes Franke: Ja, und so experimentelle Sachen. Ich liebe das.
Florian Bayer: viel zu oft mit dieser romantischen, französischen Paris-Nechalant-Musik in Verbindung gebracht. Dabei hat er teilweise wirklich düsteren und experimentellen Post-Drop gemacht. großartige Songs, die wirklich einfach mal durch Haut und Knochen gehen.
Johannes Franke: Wahnsinn, ganz toll. Läuft bei mir rauf und runter. Ja, dann... Mein Platz zwei. Mein Platz zwei wäre dann Midnight in Paris. Von Woody Allen. Ich war so begeistert. Ich war so begeistert. Es ist halt auch romantisiertes Paris und so. Und dann auch noch die Zeitreise zurück in die große Zeit, wo die ganzen Künstler zusammen in Paris sitzen.
Florian Bayer: Ich habe diesen Film nicht gesehen. Ach, du hast ihn gar nicht gesehen.
Johannes Franke: Oh, okay. Eine ganz tolle Darstellung von Dali. von einem Schauspieler, dessen Namen mir nicht einfallen will, der ganz, ganz toll ... Irgendwie weiß man sofort, wer gemeint ist. Auch die ganzen anderen Künstler, die sind ganz toll dargestellt.
Florian Bayer: Wer spielt Dali in Midnight in Paris? Jetzt bin ich gespannt. Oh, das ist doch... Moment. Adrian Brody. Wow, okay.
Johannes Franke: Ich habe immer noch kein Gesicht vorm Kopf.
Florian Bayer: Adrian Brody, okay. Also als erstes würde mir jetzt einfallen, da der Klavierspieler, wofür er einen Oscar gewonnen hat, wenn ich mich richtig erinnere, der Pianist. ist der Film. Und ... offensichtlich viel mit Wes Anderson gedreht. Ich hab den einfach Also Adrian Brody ist, glaube ich, ein relativ bekannter Darsteller. Der hat so viel gedreht.
Johannes Franke: Es lohnt sich bei YouTube einfach einzugeben, diesen Namen von dem Schauspieler Adrian Brody. Und dann Dali. Und da kommt ein Filmausschnitt, der ist großartig, ist einfach wundervoll.
Florian Bayer: Okay, den muss ich mir anschauen.
Johannes Franke: Du musst diesen Film auf jeden Fall anschauen, weil er einfach eine Liebeserklärung an die Kunst in Paris und an dieses... künstlerische, naja, sehr romantisiert dargestellt, aber diesen Schaffensprozess und so. Ja.
Florian Bayer: Okay, cool. Mein Platz 1, ich befürchte so ein bisschen, das könnte auch dein Platz 1 sein. Film, der vier Jahre vor Playtime dieses hektische und konfuse und Gewusel der Großstadt Deutlich stärker, meiner Meinung nach, inszeniert hat Nouvelle Vague. Einer ... Wahrscheinlich sogar mein Lieblingsregisseur der Nouvelle Vague, Louis Malle. Und zwar Zazie Dolle Metro, ein wunderschöner Film zwischen... Slapstick, Fantasy, groteske Märchen.
Johannes Franke: Gibt es einen deutschen Titel?
Florian Bayer: Sasi fährt Metro? Sasi! Im Deutschen heißt er einfach Sasi.
Johannes Franke: Okay, ich kenne ihn nicht, glaube ich.
Florian Bayer: Den haben wir zusammen geguckt.
Johannes Franke: Haben wir den zusammen geguckt?
Florian Bayer: Den haben wir definitiv zusammen geguckt und Maja war auch dabei. Ich glaube, Katrin war auch dabei, also ganz sicher. Ein kleines Mädchen reist nach Paris zu ihrem Onkel und rennt dann von da weg und läuft durch Paris. Und dieser Film ist eine Komödie, die alles aufhört, was es an experimenteller Filmkunst gibt. Es werden Szenen im Zeitraffer gespielt, es werden Szenen teilweise rückwärts angeschaut. ablaufen lassen, es finden total surreale Momente statt. Und dieses kleine Mädchen rennt durch Paris irgendwie so zwischen ... Rotzlöffel und begeisterter... Ich kann es nicht fassen, dass du dich nicht an diesen Film erinnerst.
Johannes Franke: Es tut mir so leid.
Florian Bayer: Der ist so gut. Okay, wenn du dich erinnern würdest, würdest du sagen, ja, natürlich, der ist ... Ich bin ziemlich sicher, dass wir den zusammen geguckt haben. Ganz fantastischer Film. Albern, absurd, grotesk. liebenswert und durch und durch eigen und besonders ein wilder Ritt.
Johannes Franke: Plur, seit wann gucken wir zusammen Filme?
Florian Bayer: Na, seit 20 Jahren würde ich sagen ungefähr. Nee, nicht ganz 20 Jahre.
Johannes Franke: Ich wollte einfach nochmal hören, wie du sagst, wir gucken seit 20 Jahren Filme. 20 Jahre Plot, 20 Jahre.
Florian Bayer: Es sind 15 Jahre.
Johannes Franke: Nein, es ist ... Ja, es sind 17 Jahre wahrscheinlich.
Florian Bayer: Ja, so around about.
Johannes Franke: Und das Beste ist ...
Florian Bayer: diesen total irren Tag in Paris, wo wirklich nur verrückte Sachen passieren. Am Schluss wird sie von ihrer Mutter abholten. Die fragt sie, und wie war es? Und sie sagt, geht so. Toller Film, fantastischer Film.
Johannes Franke: Schön. Okay, gut. Dann werde ich das wohl noch mal nachholen müssen. Also nochmal in Erinnerung rufen. Mein Platz 1 ist ein Kurzfilm. Ich war wahnsinnig verzaubert, aber eigentlich habe ich jetzt gerade herausgefunden, als wir kurz darüber geredet haben, dass es ja gar kein Kurzfilm ist, sondern nur Teil eines ganzen Films. Ich habe damals aber bei der Berlinale das als Kurzfilm in der Kurzfilmrubrik gesehen. Und zwar Paris Jotem, der Film, der 18 kleine Filmchen zusammenfügt. Und zwar der Teil von Tom Tiqua. mit Natalie Portman, wo sie einen blinden Freund Und sie ist Schauspielerin, übt ihren Monolog und der Blinde läuft da gerade vorbei. Und der Monolog ist aber so, dass sie groß in Not gerät und er versucht ihr irgendwie am Fenster stehend, kann ich helfen? Ist irgendwas? Kann ich was tun? Und sie sagt, kannst du nicht sehen, dass ich meinen Text übe? Und dann... So fängt deren Romanze an, weil er irgendwie, sie ist zu spät zu ihrem Vorsprechen und er führt sie durch Paris in einem Affenzahn, kennt die ganzen Abkürzungen. Und der Film fängt aber damit an, dass sie ein Jahr schon zusammen sind oder eine ganze Weile und er angerufen wird von ihr. Und sie sagt, ja, der Sommer war wunderschön, aber es ist Herbst und vielleicht sollten wir das Ganze beenden. Und sich dann am Ende des Films wieder rausstellt, dass es eigentlich auch nur ein Monolog von ihr war, den sie geübt hat. Ruft dann wieder an und sagt, du hast plötzlich aufgelegt. Was war denn los? War das gut so? So war es believable. Cool. Ganz, ganz, ganz toller Kurzfilm. Ich habe mich so gefreut darüber und der hat mich immer wieder begleitet und ich habe immer wieder gesucht nach diesem Kurzfilm. Und es ist schön, dass ich das jetzt weiß, dass der in dieser Zusammenstellung ist. Voll cool. Mein Platz 1.
Florian Bayer: Da haben wir tatsächlich ganz viele tolle und sehenswerte Paris-Filme zusammen. Wahnsinn.
Johannes Franke: Ob es genauso viele Istanbul-Filme gibt? Weiß nicht.
Florian Bayer: Und tatsächlich auch alles Paris-Filme, die ich... Bei denen ich einfach mehr Freude hatte als an Playtime. Was so ein bisschen schade ist, weil ich total sehe. Ich sehe doch, was er will. Ich sehe, was er macht und ich finde es auch total großartig. Ich finde es wirklich... Ich find's einfach verdammt mutig, einen Film so zu machen. Und ich find's total ... Es verdient absolut Respekt. Also Jacques Tati als Filmmacher hat meinen ganzen Respekt für seine Ausstattung, für seine Art der Inszenierung, für seinen Mut, Experimente einzugehen. Aber der Film hat mich einfach nicht gepackt gekriegt, weil er mich zu sehr... gestresst hat. Weil er mir einfach... Und woran wir als letztes genau bei dieser Handelsausstellung... Das war halt der Moment, wo der für mich irgendwie... Ja, er ist mir einfach so ein bisschen auf die Nerven gegangen. Das hat dann in der nächsten, im vierten Setting hat das dann nochmal ein bisschen nachgelassen, wenn wir die Apartments sehen am Abend. Weil einfach alles wieder ein bisschen ruhiger wird. Und da gab es auch ... Wieder einige Momente, die ich wirklich lustig fand. Zum Beispiel, wenn Ueloh aus dem Bus aussteigt und sich an der Lampe eines anderen Fahrgastes festhält, hier für eine Fahrstange gehalten hat offensichtlich.
Johannes Franke: Ja, das machen ja alle im Bus. Alle strecken ein und halten sich an dieser Stehlampe fest. Das ist großartig.
Florian Bayer: Du Loh ist der letzte, der dann, wenn sie aussteigen. Und es ist kein, ein Chaplin hätte das jetzt inszeniert, dass das zu einer großartigen Verfolgungsjagd wird und viel Ärger oder so. Aber der Herr mit der Lampe sagt einfach nur Pardon. Monsieur, das ist meine Lampe, bitte. Oh, und lässt los. Damit ist die Szene aufgelöst.
Johannes Franke: Ganz toll. Ich finde es super. Dieses Zurückgenommene finde ich großartig.
Florian Bayer: Und ich finde es dann auch toll, wie die Wohnungen gezeigt werden. Ja, der Wahnsinn. Radikal Transparenz. Die wohnen einfach im Erdgeschoss mit diesen riesigen Glasfassaden und jeder kann in ihr Wohnzimmer gucken.
Johannes Franke: Und das Schöne ist, die sind ja alle gleich, die Wohnungen. Und dann haben... haben die an der gleichen Wand quasi, aber aneinander gegenüber den Fernseher an der Wand. Und dann geht die Kamera so dazwischen und man hat den Eindruck, dass beide Wohnungen eigentlich zusammengehören, dass da keine Wand dazwischen ist. Sodass dann beide aufeinander zustarren, weil sie Fernseher gucken, aber man sieht den Fernseher nicht mehr. Und auf der einen Seite fängt der eine an, sich... die Jacke auszuziehen und auf der anderen Seite schicken die ihr Kind ins Kinderzimmer.
Florian Bayer: Es ist toll damit gespielt.
Johannes Franke: Es ist so großartig, diese Zusammenhänge, die dann hergestellt werden, die so zufällig eigentlich sind.
Florian Bayer: Auch wenn der Mann im einen Apartment und die Frauen im anderen Apartment am Schluss nur noch alleine übrig sind und sich dann anfangen auszuziehen. Wir haben plötzlich so eine sexuelle Konnotation, als ob sie sich jetzt... auch für den Beischlaf vorbereiten würden.
Johannes Franke: Es ist so toll. Also ich finde, genau solche Highlights, der Film reiht ein Highlight, an das andere. Man muss halt irgendwie durch die Zwischen-, also durch den Tunnel durch zum nächsten Highlight.
Florian Bayer: Man verpasst die Highlights aber auch, ne? Es gibt einfach Highlights, die man verpasst. Ich weiß genau, dass ich ganz viel nicht gesehen habe, was da passiert ist. Ich kann dir meine Liste geben.
Johannes Franke: Ich habe ganz, ganz, ganz viel aufgeschrieben. Ich kann das nicht alles abarbeiten, aber es ist einfach so viel Tolles drin. So viele tolle, absurde Situationen. Ich liebe es.
Florian Bayer: Und am krassesten fand ich es dann tatsächlich im Restaurant, wo wirklich... unfassbar lange kein Udo zu sehen ist. Es wird vorbereitet, es wird gegessen und Kellner bringen Menschen zu ihren Tischen und Stühle werden verrückt und die Stühle sind auch irgendwie so ein bisschen unbequem. Ein Fisch wird mehrmals gewürzt und auch überwürzt, weil jeder... von den Bediensteten verpasst hat, dass der schon gewürzt wurde. Und das sind so die Highlights, die ich da aufgeschrieben habe. Mehr habe ich nicht... Obwohl da so viel passiert. Es ist so ein Chaos. Die Leute rennen durcheinander und quatschen durcheinander. Du merkst einfach nur noch, das ist diesen Stress, den ich habe. Ich meine, wenn ich das haben will, dann gehe ich ins Ringscenter oder so. Das ist genau der Stress, den man hat, wenn... Wenn man in einer Großstadt irgendwo, wo es crowded ist, hinläuft. Wenn man über einen Alex läuft und gerade viel los ist oder so.
Johannes Franke: Ich muss zugeben, dass diese 45 Minuten Restaurantszene tatsächlich der schwächere Teil des Films ist, finde ich. Weil er sich dann doch zu viel Zeit dort nimmt und du kein neues Visual Interest Ding hast. Du hast keinen neuen Input so richtig.
Florian Bayer: passiert so viel und es passiert auch so viel, wo man gar nicht genau weiß, woran setzt das gerade an. Man merkt, da ist eine lustige Szene, da muss da vorher irgendwas passiert sein, was zu diesem Gag geführt hat. Aber ich habe es nicht gesehen, weil ich gerade damit beschäftigt war, zu gucken, wie die Leute tanzen wollen und ständig Essen hingestellt kriegen und deswegen nicht tanzen können. Also habe ich verpasst, was links im Bild passiert. Hilfe. Und während ich darüber nachdenke, ist rechts schon wieder was passiert. Und irgendwann habe ich einfach nur noch diesen Affen im Kopf, der ... aufs Becken schlägt, weil ich einfach nicht mitkomme und auch abschweife tatsächlich.
Johannes Franke: Ich hab die ganze Zeit das Bedürfnis, Where's Waldo zu spielen.
Florian Bayer: Genau, genau das ist es aber. Und man sucht nach Ulo und Ulo taucht ganz lange nicht auf in diesem Restaurant.
Johannes Franke: Ja, ja. Aber es gibt wirklich ganz tolle Ideen, wie zum Beispiel, dass der Typ, der immer die Tür öffnet ... Irgendwann innerhalb dieser Sache geht die Tür kaputt. Aber es ist ja eine Glastür gewesen. Das heißt, er kann eigentlich den Griff genau an die Stelle ranhalten... Und man sieht nicht, dass die Tür nicht existiert, weil es einfach alles Glas ist und dann tut er so, als ob er sie öffnet, indem er einfach nur den Knauf dann einmal so entsprechend aufmacht.
Florian Bayer: Übrigens der einzige laute Slapstick-Moment und wirklich klassisches Slapstick-Moment, wenn die Tür kaputt geht. Es geht einmal, es geht eine Glasscheibe zu Bruch und wir denken, wow.
Johannes Franke: Ja. Das ist das Krasseste, was so passiert.
Florian Bayer: Und es hat auch kein großes Aufregen. Also Ulo wird nicht drangsaliert deswegen. Nö. Ich meine, sie wissen ja auch all, dass die Architektur schuld daran ist, was da passiert.
Johannes Franke: Und da kommt dann halt... einfach nur mit dem Cashoffel und Besen räumt es auf und flucht ein kleines bisschen, aber das war es dann auch. Hast du übrigens bemerkt, dass... Vorher noch, da war so eine Art Reisebüro oder sowas, auf jeden Fall Plakate, Werbung von verschiedenen Reisezielen im Hintergrund. was man eben verpassen kann. Aber eines der großen Highlights für den Hintergrund fand ich Plakate von Moskau, von Rio, wo man überall hin kann. Und das Motiv ist alles das gleiche. Es ist alles ein graues Hochhaus.
Florian Bayer: Nicht gesehen. Nein. Genau, das ist es so. Ja, verpasst.
Johannes Franke: Und das ist so großartig. So ein toller Kommentar auf diese... Diese Uniformisierung der ganzen Welt durch die Globalisierung, weil alles immer noch gleich ist. Also du hast überall... Und du hast überall Kentucky Fried Chicken und das war's. Also im Grunde sieht alles gleich aus dann nur noch.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und diese Angleichung von Kulturen.
Florian Bayer: Ja, der Film, genau, er zeigt die ganze Zeit diese Sterilität und es ist auch tatsächlich, werden die Orte austauschbar, wenn man einfach, wenn man Andere Möblierungen reinstellt. Das ist alles dieser krasse, brutale, modernistische Bau mit großen Glasfassaden. Und alles ausufern und gleichzeitig trotzdem labyrinthisch, dass man verloren geht.
Johannes Franke: Ja, genau. Ich finde das ganz toll. Da in dem Office, da gibt es diese, die sind alle irgendwie so in Kuben. zueinander orientiert. Das heißt, du kannst im Grunde sehr sklavisch gerade alles, bist du angeordnet. Und dann hast du aber in der Mitte diese Sekretärin, die da genau in der Mitte sitzt und Uelö kommt auf sie zu. Prägt sich also ein, ah, okay, hier bin ich, an diesem Punkt bin ich also, geht einmal um sie drum rum, aber sie dreht sich, was er nicht mitbekommt. Womit er wieder völlig verwirrt ist, wo bin ich jetzt eigentlich? Sie hat doch da gerade noch dahin geguckt, wie komme ich jetzt da wieder vorbei?
Florian Bayer: Das haben ja auch diese Momente, wo wirklich Ulo vor allem sich einfach verirrt. Ja. Und weil alles gleich aussieht und weil eine einfache Veränderung des Setups für totales Chaos sorgt.
Johannes Franke: Und ich bin so beeindruckt, wie du das schaffst, das alles im Kopf vorher zu ... Weil der Film muss ... 100% geplant sein vorher. Du kannst es nicht improvisieren, weil das ja alles gebaut werden muss. Das heißt, er muss das alles im Kopf gehabt haben. Wie kannst du Visual Gags... erfinden mit etwas, was noch nicht da ist. Ich bin wahnsinnig beeindruckt. Total krass.
Florian Bayer: Kann ich total gut verstehen. Ich bin auch beeindruckt. Ich bin nur nicht amüsiert. Und das ist halt wirklich schade.
Johannes Franke: Ja. Vielleicht ist es auch, was vielleicht mich auch ein kleines bisschen stört, aber das gehört zur Figur Li Ulo. Dass er so durchs Leben stolpert. Es passiert ihm alles.
Florian Bayer: Es passiert ihm alles, definitiv.
Johannes Franke: Er hat ja keinen eigenen... Willen quasi. Der einzige Wille, den er wirklich hat, ist am Ende noch dieses Geschenk für diese Frau zu kaufen.
Florian Bayer: Und er ist erfolgreich und so glücklich darüber.
Johannes Franke: Wie so kleine Dinge einem dann Freude bereiten.
Florian Bayer: Aber es ist auch merkwürdig, weil sie ja keine richtige Beziehung zueinander hatten. Also ihre Beziehung zueinander ist so... Sie sind keine irgendwie groß formierten Charaktere, wo man denkt, finden sie sich, entwickeln sie Sympathie füreinander, sondern sie stolpern halt abends übereinander und es gibt dann auch diesen netten Moment, wenn sie ähm Klavier spielt und er ihr den Wein gibt und dann gehen sie auch zusammen in diese Bar, aber es ist alles so... Ja, es passiert halt irgendwie und eigentlich, ja, sie sind einfach... nicht genug im Zentrum, als dass wir irgendwas über sie erfahren würden.
Johannes Franke: Also du hast keine emotionale Beteiligung an diesen Charakteren, ist klar. Du willst nicht unbedingt dass die jetzt zueinander finden. Beziehungsweise vielleicht willst du es schon, damit endlich was passiert, aber...
Florian Bayer: Aber es würde auch nicht zu dem Film passen.
Johannes Franke: Es würde nicht zum Film passen, genau.
Florian Bayer: Es passiert halt die ganze Zeit was und gleichzeitig passiert irgendwie nichts. Das ist toll und beeindruckend, wirklich. Aber ja, es ist so schwierig, da dran zu bleiben dann. Und es ist so schwierig, da nicht mit den Gedanken abzuschweifen und die Details zu erkennen. Es gibt ja keine wichtigen Details.
Johannes Franke: Es ist alles gleich wichtig.
Florian Bayer: Mir ist alles gleich wichtig. Und Uloh ist natürlich keine Figur, keine Persönlichkeit, sondern Uloh ist eigentlich die Verkörperung unserer... Orientierungslosigkeit in diesem Großstadtdschungel. Wir sind genauso verloren wie Ueloh und alle anderen und wir werden halt rumgetrieben und stolpern rum und werden dann angeschrien und wissen nicht warum. Die Zähne, die ich überhaupt nicht verstanden habe, wenn er am Anfang in dieser Handelsausstellung ist und der Verkäufer ihm was verkaufen will und dann plötzlich zu so einem kolorischen Vortrag... ausholt und mit Wut die Tür hinter sich zuschlägt.
Johannes Franke: Ich erkläre dir den Witz mal kurz.
Florian Bayer: Oh ja, bitte.
Johannes Franke: Er hat ja beschlossen, dass er jetzt mehrere Schauspieler mit seinem Mantel und seinem Hut und seiner Pfeife ausstattet. Ja, und da gab es einen Schauspieler, den er durch die Szenerie geschickt hat, der sich wie ein Rüpel benommen hat. der von einem Aussteller zum nächsten gegangen ist, um dort einfach durch die Sachen durchzugehen, irgendwelchen Kram mitzunehmen und Zeug zu machen. Ich weiß, das ist im Wimmelbild untergegangen.
Florian Bayer: Das habe ich komplett verpasst. Ich habe davon nichts mitgekriegt.
Johannes Franke: Aber dieser Typ hat dann eben noch so einen Schal, den unser Ulo nicht hat. Und wird aber trotzdem eben beschrieben als großer Typ mit Hut und mit Pfeife und mit Schirm in der Hand. Weswegen der Chef von diesem einen Aussteller-Dingens da eben das Chaos in seiner Box da verspricht. ihm zuschreibt, unserem Ulo zuschreibt, weil er den verwechselt mit dem anderen. Und deswegen schreit er ihn an. Und das Witzige daran ist, dass dieser Typ eine Tür hergestellt hat, die, wenn man sie hinter sich zuwirft, kein Geräusch macht. Weil diese ganze Welt darauf aus ist, möglichst glatt irgendwie zu sein. Und es macht kein Geräusch mehr. Und es ist toll, weil er sich so wahnsinnig aufregt und die Tür hinter sich... Kraftvoll zuwirft und wir haben nicht mal das Geräusch, das zufriedenstellende Geräusch einer klappernden Tür.
Florian Bayer: Das ist fantastisch und das wäre so toll gewesen, wenn ich das mitgekriegt hätte und ich habe mir wirklich Mühe gegeben. Ich finde, ich bin jetzt nicht so jemand, der bei Filmen... Sachen verpasst, aber es war einfach zu viel. Ich habe davon nichts mitgekriegt. Diese ganze Story, die du jetzt erzählt hast, Die ist komplett untergegangen in all dem anderen, was passiert, weil wir einfach nur diese Totale haben, wo Leute über diese Handelsmesse wuseln. Ich habe nichts davon mitgekriegt. Ist komplett an mir vorbeigegangen. Eine tolle Geschichte.
Johannes Franke: Lass uns den nochmal zusammenfassen. Also er hat... einfach wahnsinnig viel da reingepackt. Und das alles überlagert durch einen Soundtrack, der ... Keinen Fokus auf bestimmte Sachen legt, manchmal auf bestimmte Geräusche, aber eigentlich nicht. Und auch seine Bilder sind total fokusfrei, fokusbefreit. Deswegen lohnt es sich eben, den Film ein paar Mal zu sehen und würde ich jedem empfehlen und ich würde das einfach mal als Challenge raushauen.
Florian Bayer: Ja, Challenge ist gut.
Johannes Franke: Wie viele Visual Gags finde ich in diesem Film?
Florian Bayer: Du hast eine Liste?
Johannes Franke: Naja, ich habe ein bisschen mitgeschrieben mit den schönsten Sachen, die ich halt toll fand, aber das kann ich jetzt hier nicht, das ist viel zu lang, viel zu viel. Also...
Florian Bayer: Ich glaube tatsächlich, es ist ein Film, den man unbedingt gesehen haben sollte. Ich glaube, es ist ein Film, der beim ersten Mal keinen Spaß macht. Ich glaube, es ist ein Film, den ich noch ein paar Mal gucken muss und ich bin mir sicher, dass er mir mehr Spaß machen wird, wenn ich ihn öfter gucke. Es gibt ja so dieses Klischee von sich Musik schön hören.
Johannes Franke: Ja, stimmt.
Florian Bayer: Und das ist vielleicht ein Film, den man sich schön gucken muss. Ja. Aber das soll überhaupt nicht negativ sein. Ich respektiere total, was dieser Film da macht. Ja. war wirklich beeindruckt davon. Es ist wirklich eine andere Art zu erzählen. Ich habe so eine Art zu erzählen noch nicht gesehen. Und ich habe, wie gesagt, mit meinem Vater auch Hülo-Filme gesehen und da blitzt das so ein bisschen raus, aber ist nicht so konsequent umgesetzt wie da. Und es ist wirklich krass, dass es Also ich finde es allein schon deswegen toll, dass ich jetzt einen Film entdeckt habe, der nochmal komplett eine Geschichte ganz anders erzählt, als ich überhaupt gedacht habe, dass es möglich ist. Aber Spaß gemacht hat er mir, wie gesagt, eher nicht und er hat mich eher angestrengt. Es gab lustige, tolle Momente.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Viel Respekt, wen ich liebe.
Johannes Franke: Okay. Ich glaube aber, du hast vollkommen recht, das ist ein Film, den man sich schön gucken kann. Und vielleicht auch sollte, weil ... Weil die Belohnung wirklich sehr groß ist. Wenn man ihn wirklich dann kennt und beim zweiten Mal gucken dann schon weiß, ich muss mich nicht darauf konzentrieren, was will mir der Film erzählen, sondern ich weiß schon, wo es lang geht, kann ich genießen, was da alles passiert. Und das ist einfach toll. Und ich möchte gerne noch über das Ende reden und dann können wir diesen Film zur Seite legen. Weil das Ende gehört zum absoluten Highlight, finde ich. Zum absoluten, absoluten, großartigsten Highlight dieses Films. Wie er den Kreisverkehr darstellt, der am Ende noch passiert. Du hast da einen Kreisverkehr, man stelle sich einen Kreisverkehr vor, in drei Spuren, wo überall Autos sind. Die einfach nur im Kreis waren, also es fährt keiner raus oder so, sondern die waren halt alle im Kreis und das ein paar Mal und das sehr ausgewalzt über einen längeren Zeitraum. Aus allen Perspektiven und mit Jahrmarktsmusik drunter. Ja. So dass der Eindruck entsteht, dass du ein Kettenkarussell hast oder sowas, oder mit so Pferden, die hoch und runter gehen. Weil er auch das imitiert durch zum Beispiel eine Frau, die auf dem Motorrad hinten drauf bei jemandem fährt und dann immer hoch und runter wippt. Und man sich fragt, hä, was soll das denn? Aber dann durch die Jahrmarksmusik ergibt es plötzlich Sinn. Und dann hast du einen Blick auf eine Autowerkstatt, Wo das eine Auto gerade hochgefahren wird, während das andere gerade runtergefahren wird. Auch so typisch wie diese Pferde bei diesen Karussellen hoch und runter. Und dann wirft der Typ tatsächlich noch eine Münze in den Parkautomaten und das Karussell dreht sich weiter. Toll, oder?
Florian Bayer: Fantastisch. Ich hab's nicht gesehen.
Johannes Franke: Und das hast du ganz viel. Der hat ganz viele Anleihen aus dem Jahrmarkt. Und das ist so großartig zusammengebaut. Also allein das muss man einmal in voller Länge gesehen haben. und genossen haben.
Florian Bayer: Ich mochte ja sehr diese Momente, in denen sich der Bus im Fenster spiegelt und der Fensterputzer kippt. Ja! Fenster runter, um sauber zu machen. Der Bus wird dann halt einmal runtergekippt und das sieht super aus.
Johannes Franke: Toll, ganz toll.
Florian Bayer: Das Bild visuell wirklich beeindruckend.
Johannes Franke: Und dann auch noch die Geräuschebene. Dann haben sie noch die Frauen, die... machen, während es einmal gekippt wird oder wieder zurück. Genau.
Florian Bayer: Super, also tolle Ideen auf jeden Fall. Und ja, es ist auch eine schöne Konklusion für diesen Film. Auch dann, er fadet dann einfach aus. Es wird Abend, wir sehen den Verkehr, es wird Nacht, wir sehen mehr Verkehr, Verkehr, Verkehr, Verkehr und Ende. Und man denkt sich, uff, das, was ich heute, glaube ich, schon zwei, dreimal gesagt habe, uff, uff, uff, geschafft.
Johannes Franke: Schön.
Florian Bayer: 120 Minuten, zwei Stunden geht der Film. Und es ist wirklich, es ist anstrengend. Du hast gesagt, es ist eine Challenge. Definitiv, ich bin froh, dass ich die Challenge eingegangen bin und Ja, dieser Film hat definitiv meinen Horizont erweitert.
Johannes Franke: Schön, das freut mich sehr. Ach, natürlich nicht auf die Art, von der ich gehofft hätte, dass du jetzt am Ende dann auch noch so begeistert bist wie ich. Ich hätte, weil die Erzählweise ja sehr langsam ist und so, hätte ich fast erwartet, dass es ein Film von dir sein müsste, der dann kommt, weil ich ja eher derjenige bin, der sehr gerne kurzweilige und schnellere Filme mag, aber deswegen habe ich auch ein bisschen gehofft heimlich, dass es auf deiner Welle schwimmt, aber...
Florian Bayer: Könnte es auch. Ich bin nicht begeistert, ich bin beeindruckt. Ich bin wirklich beeindruckt von diesem Film und ich wie gesagt, ich habe total viel Respekt dafür, was da passiert und ich sehe, was der Film will und er ist dabei auch total erfolgreich. Es war einfach ein Brocken.
Johannes Franke: Ja. Okay, also in Episoden gucken, immer so halbe Stunde und dann Kaffee machen.
Florian Bayer: Und bietet sich ja auch an, das sind sechs Sequenzen, das sind schlanke 20 Minuten pro Sequenz. Abgesehen von der Restaurantszene, die halt einfach mal sehr viel Zeit frisst.
Johannes Franke: Das stimmt. Ja, gerne. Also Episoden gucken und dann schickt uns gerne Feedback, wie ihr den Film fandet und inwiefern ihr ihn verdauen konntet. Und auf welche Art und Weise. Vielleicht gibt es so eine Top 3 der Möglichkeiten, diesen Film zu gucken.
Florian Bayer: Das glaube ich auch.
Johannes Franke: Schön. Du musst mir bitte ein Update geben. wenn du den Film nochmal gesehen hast, ob es für dich besser wurde.
Florian Bayer: Dann live vor dem Mikro.
Johannes Franke: Live vor dem Mikro, sehr schön.
Florian Bayer: Mal schauen, wann ich die Nerven habe, die noch mal zu gucken. Aber ich bin mir sicher, ich will die noch mal schauen. Das hat er nämlich auch geschafft. Er hat, obwohl ich ihn anstrengend fand, obwohl ich froh war, dass er dann vorbei war, hatte ich gleich danach das Gefühl, wow, dann müsste ich eigentlich nochmal gucken, aber vielleicht lieber morgen.
Johannes Franke: Okay, gut. Das heißt, du hast ihn gestern gesehen.
Florian Bayer: Nein.
Johannes Franke: Du hast den nicht morgen nochmal geguckt. Na toll.
Florian Bayer: Dieses vielleicht lieber morgen ist ein universelles vielleicht lieber morgen. Ich sollte hier mal aufräumen. Vielleicht lieber morgen. Ich glaube, du kennst das auch.
Johannes Franke: Nein. Du guckst gerade in meine Küche und sagst, ich glaube, das kennst du auch mit dem Liebermorgen.
Florian Bayer: Eine abstrakte Zukunft, so wie Tatisi beschreibt.
Johannes Franke: Ja, okay. Das ist ein schönes Schluss. Flo, dass du den Film geguckt hast.
Florian Bayer: Vielen Dank, dass du ihn mir gezeigt und vorgeschlagen hast. Sehr gerne. Ich bin wirklich froh, diesen Film gesehen zu haben, auch wenn ich viel über ihn gelästert habe gerade.
Johannes Franke: Toll, okay. Sehr schön.
Florian Bayer: Dann machen wir jetzt eine Pause und danach geht es weiter mit Kubrick. Cool. Na dann, bis gleich.
Johannes Franke: Willkommen zu Teil 2.
Florian Bayer: Ja, mit einem deutlich kürzeren und schlankeren Film.
Johannes Franke: So deutlich kürzer? Ist mir gar nicht aufgefallen, echt?
Florian Bayer: 85 Minuten.
Johannes Franke: 85 Minuten?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Na sowas. Okay. Na gut, ja, und er erzählt ein bisschen mehr als in zwei Stunden der andere.
Florian Bayer: Ja, definitiv, das auch. Aber schauen wir uns doch mal an.
Johannes Franke: Sehr schön.
Florian Bayer: Die Rechnung ging nicht auf.
Johannes Franke: Die Rechnung ging nicht auf von Kubrick aus dem Jahr 1956.
Florian Bayer: Regisseur Stanley Kubrick kennt man vor allem als strengen und präzisen, in seinem Perfektionismus oft tyrannischen Autorenfilmer. der in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts große Meisterwerke des amerikanischen Kinos geschaffen hat. Egal ob seine Filme im Weltraum, im Krieg, im historischen Setting oder in einer dystopischen Zukunft spielen, sie besitzen immer etwas Epochales, Monumentales. Und zugleich etwas Kaltes, Steriles, was ihnen eine gewaltige und gewalttätige Größe gibt. Sein Frühwerk und dritter Langfilm, The Killing, zu deutsch Die Rechnung ging nicht auf, aus dem Jahr 1957, besitzt wenige dieser Trademarks. Die Geschichte eines perfekt geplanten Überfalls auf die Geldreserven einer Pferderennbahn ist Palp der alten Schule. Ein kleiner, dreckiger und roher Film, der kein Gramm Fett zu viel auf den Rippen hat. Kubrick gestaltet hier einen makaberen Thriller zwischen Filmnoir und Gangster-Ballade. V.a. durch seine verschachtelte Struktur einen nicht zu leugnenden Einfluss auf den postmodernen Gangsterfilm eines Guy Ritchie oder Quentin Tarantino hatte. Kein typischer Coolprick, aber dennoch ein spannender Genre-Film? Was denkst du, Johannes? Ich gebe zurück ins Studio. Irgendwie haben wir jetzt immer diese Fragen an den anderen. Das ist aber ganz gut, um so ins Gespräch reinzukommen. Und ich habe gemerkt, bei dir gibt es einen Pattern, du antwortest öfter mal mit Gegenfragen, was voll unfair ist, einfach den Ball so pong zurückzuspielen.
Johannes Franke: Verdammt.
Florian Bayer: Ich habe jetzt gelesen, du musst jetzt was sagen.
Johannes Franke: Okay, ich finde, dass dieser Film halt leider wirklich sehr wenige von den Kubrick-Sachen gibt. mit vereint und deswegen mich ein bisschen... fast gelangweilt zurücklässt.
Florian Bayer: Gelangweilt?
Johannes Franke: Ja, fast. Also... Das furchtbarste Urteil, was man es überhaupt einem Film geben kann, ja, war ganz okay, aber... Weiß ich jetzt nicht. Man kommt gut durch den Film durch, man guckt sich das an, aber irgendwie frage ich mich die ganze Zeit, ja, aber hat mich das jetzt, irgendwie musste ich das jetzt wissen? Ich weiß nicht. Hat mir der Film irgendwas erzählt, was ich noch nicht wusste? Ja klar, ich kannte die Geschichten nicht, aber hat mir der irgendwas Wesentliches erzählt? Hat er mir eine Botschaft mitgegeben? Irgendwie nicht.
Florian Bayer: Nee, definitiv. Würde ich dir zustimmen. Es ist ein Film, der ohne Botschaft Und auch ohne Moral funktioniert. Es ist ein Film, der keinen großen philosophischen Überbau oder Unterbau hat. Sondern es ist wirklich eine kleine Geschichte. Und ich habe die... ganz in der Tradition eben von diesen Pulp Fictions, nicht dem Tarantino-Film, sondern wirklich den klassischen Pulp Fictions rezipiert.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und an diesen habe ich einfach Freude.
Johannes Franke: Also ich muss sagen, dass ich an dieser Noir-Anleihe, die er hat. Ja, die hat Da habe ich sehr viel Freude dran. Das finde ich wirklich toll.
Florian Bayer: Das betrifft vor allem die Inszenierung. Die Kamera und das Spiel mit Licht und Schatten. Das ist ganz fantastisch.
Johannes Franke: Ganz fantastisch, ja.
Florian Bayer: Auch teilweise einige so Orson Welles-Vibes habe ich die ganze Zeit gespürt. Dieses... Auch ein gutes Stück, also er ist halt kein Nordfilm, weil er dafür eigentlich zu brutal ist und zu direkt ist und zu dreckig ist. Also er ist deutlich dreckiger, finde ich, als diese Bogart-Klassiker, die man so kennt. Die haben auch versiffte Charaktere. Aber das Krasse, weil die Rechnung ging nicht auf, ist nochmal, dass er wirklich komplett auf Sympathieträger verzichtet.
Johannes Franke: Ja, aber sowas kann man komplett.
Florian Bayer: Eigentlich nur unsympathische Menschen, die was Unsympathisches machen. Und trotzdem ist es ihnen gelungen... mich da hineinzuziehen.
Johannes Franke: Vor allem, was dann natürlich spannend ist, wenn die Charaktere alle unsympathisch sind, dass man irgendwie trotzdem will, dass es klappt.
Florian Bayer: Ja, definitiv. Und das tut man.
Johannes Franke: Und das will man. Irgendwie schon. Was ich mich gefragt habe die ganze Zeit ist, warum zur Hölle nennt man einen Film, die Rechnung ging nicht? auf. Das ist wie, als wenn ich den Miss Marple Film genannt hätte, der Arzt, der die Frau im Zug umbringt.
Florian Bayer: Der Arzt war der Mörder.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Das frage ich mich auch tatsächlich.
Johannes Franke: Was ist das für ein Titel? Was soll denn das?
Florian Bayer: Ich finde tatsächlich, es ist wirklich ein cooler Titel irgendwie. Ich mag tatsächlich diesen Titel. Es gibt deutsche Synchrontitel, die ich ganz schrecklich finde. Ich finde den irgendwie galant und ich finde, der trifft auch so ein bisschen ... den Nerv des Films ganz gut.
Johannes Franke: Ja, aber erst, also er verrät das Ende. Ich weiß sofort, okay, die Rechnung wird nicht aufgehen. Ja, das ist doch blöd.
Florian Bayer: Ja, das stimmt.
Johannes Franke: Und der Film ist ja nicht darauf ausgerichtet. Es gibt ja genug Filme, die von Anfang an sagen, okay, dahin geht es. Aber der Film will das ja nicht. Der Film will eigentlich, dass der Zuschauer denkt... Na, mal schauen, ob sie es schaffen oder wie kriegen sie es hin und wie machen sie es und wer wird vielleicht auf der Strecke bleiben. Aber wenn du von Anfang an weißt, diese Rechnung geht nicht auf. Scheiße.
Florian Bayer: Ich finde tatsächlich, dieser Film hat von Anfang an, und das fand ich total spannend, das Scheitern in sich getragen. Nicht nur durch den Titel, sondern auch durch die Charaktere, die diesen Film bevölkern. Wir haben ja irgendwie so sechs Hauptcharaktere.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das sind alles gescheiterte Existenzen. Das sind alles Versager. Und zwar ... Einige im großen Stil, andere im kleinen Stil. Aber letzten Endes sind es alles irgendwie Menschen, denen man ihre Abgelebtheit kennt. ihr Scheitern ansieht.
Johannes Franke: Ja, insofern passt es natürlich zum Film. Also insofern ist der Titel des Films im Grunde ja... sehr passend und unterstützt das Grundgefühl des Films irgendwie. Aber Ich will ja die Pointe nicht vor dem Witz. Der Witz darf sowas ruhig mittragen, das Ende. Und viele Sachen sind ja witzig, gerade weil das bei rauskommt, was man erwartet hat. Aber du willst die Pointe nicht vorwegnehmen. Irgendwie weiß ich nicht.
Florian Bayer: Liebe deutsche Titelgeber. Ja, vielleicht. Ja. Ich fand tatsächlich, für mich war der Kern des Films gar nicht so sehr, ob sie es schaffen oder nicht.
Johannes Franke: Dafür ist auch das Ende zu unklimaktisch erzählt. Ja, also der Film baut das nicht so schlimm auf, dass am Ende so ganz dramatisch das Geld wegweht und so, sondern irgendwie passiert. passiert es halt. Und das ist schon gut.
Florian Bayer: Für mich war der Kern des Films tatsächlich ... diesen Menschen dabei zuzusehen, wie sie was wirklich, eigentlich ein klassisches Verbrechen planen Und wie sie sich dabei abgefuckt und scheiße verhalten und wie sie dabei sich selbst auch nie so 100% trauen. Ich habe als Kind, tatsächlich eher so als Kind, habe ich diese Pulp Novels wirklich gemocht. Und zwar so diese kleinen Heftchen, die es am Bahnhofskiosk gibt. Damals, als es noch sowas wie ein Kiosk gab und die halt, keine Ahnung, 50 bis 100 Seiten haben, Und die knackige, kurze Geschichten erzählen, ohne sich viel mit Psychotherapie. psychologischen Feinheiten aufzuhalten mit Charakteren. Diese Dinger, die am Fließband entstanden sind. Wo du schon weißt, der Name des Autoren ist ein Pseudonym und steht für ein Entweder für ein Autorenteam oder für einen Autoren, der mit seinen guten Sachen nicht genug Geld verdient. Und manchmal waren auch Perlen darunter. Und ich mochte auch einfach diese Vielfalt. Also natürlich waren viele Thriller in diesem Pipe-Format publiziert. Aber auch Horrorgeschichten. Ich weiß, ich habe keine Ahnung, mehrere Vampirgeschichten gelesen, die eigentlich alle gleich waren und halt alle, wo so klar war, die Story erzählt, was man kennt. Ja. Und es geht nicht darum, die Charaktere zu begreifen. Es geht nicht darum, sich überraschen zu lassen, sondern man saugt das einfach in sich auf, weil es so eine gewisse Dramatik hat. Und so eine gewisse dreckige Dramatik. Und dieses Gefühl ... das ich damals hatte bei den Büchern, das hat der Film auch vermittelt. Und das hat der Film wirklich hervorragend vermittelt. Auch diese... Diese Kombination aus wirklich Straffen, Heruntererzählten, das Allein durch den Narrator wird das total krass. Wir haben hier diesen Erzähler, der fast wie so ein Nachrichtensprecher ist.
Johannes Franke: Ja, ich hatte an so einer Polizei so einen Bericht einfach, ne? So, vor dem Bericht wird nochmal verlesen, das und das ist passiert.
Florian Bayer: Jetzt sehen sie Menschen am Abgrund. Wir sehen, wie der und der das und das macht. Um Punkt 8 Uhr ist der da und da.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und es hatte zum einen eine Trockenheit und wirklich eine Nüchternheit, um irgendwie das alles zusammenzuhalten, weil es wird dann ja auch nachher ziemlich verschachtelt. Und gleichzeitig hat es so eine gewisse Dramatik, so einen gewissen Ernst. Hier passieren schlimme Sachen, hier werden Menschen überfallen, hier werden Menschen ermordet.
Johannes Franke: Aber es ist auch leicht lächerlich sein.
Florian Bayer: Ja, definitiv. Das gehört auf jeden Fall dazu. Auch diese Musik. Weil eigentlich war der Film sehr kalt, so von den Charakteren. Die sind alle... Ja, es sind keine Sympathieträger, sie haben keine großen Emotionen. Also es ist alles kalt, aber dann wird das durch diese überdramatische Musik immer so Richtung Melodramatik geschickt. Und dann aber total gebrochen, indem sie halt in dieser Melodramatik wirklich abgefuckte Sachen machen und sich gegenseitig beleidigen und rumschubsen und ... eine verpassen. Das fand ich geil. Das ist einfach dieses Pulp-Feeling. Und ich glaube, das muss man auch mögen.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Ich finde es nicht schlecht an sich. Ich kann da auch drin verschwinden. In diesem Fall, weiß ich nicht, war ich vielleicht ein bisschen... War es mir zu schnell, zu lächerlich, dass dieser Typ so sehr amerikanisch diese Narrator durchzieht und da irgendwie... Keine ironische Überhöhung, sondern wirklich ganz knallhart.
Florian Bayer: Das und das und das und das ist passiert.
Johannes Franke: Und dann haben sie auch noch eine Stimme, die eigentlich Trailer sprechen würde. Weißt du so? Irgendwie, weiß ich nicht, das war mir zu viel. Ich kam dann nicht in die Stimmung so richtig rein. Obwohl ich es mochte, aber so richtig, richtig gut reinkam ich nicht.
Florian Bayer: Die ironische Überhöhung habe ich so ein bisschen bisschen in der Zeichnung der Charaktere gesehen. Weil das waren teilweise Karikaturen. Ich würde gerne ganz kurz einmal auf die Charaktere eingehen. Wir haben... Es ist... die ich schon vorgelesen habe und es gibt eigentlich erstmal nicht viel mehr dazu zu erzählen. Wir haben die Geschichte eines Überfalls auf einer Pferderennbahn. Und für diesen Überfall finden... fünf Typen zusammen, die alle irgendwie das Geld brauchen. Und zwar haben wir zum einen den, der das Ganze plant. der auch der einzige richtige Verbrecher ist in der Bande. Das ist Johnny. Das ist ein ... klassischer, großer, blonder, raubeiniger Gangster, der irgendwie mit seiner Puppe Wir sind in den 50ern, wir sind im Pulp, deswegen sage ich, mit seiner Puppe abhauen. Wir werden gleich nochmal auf Frauen- und Männerrollen zu sprechen kommen. Dann haben wir den Financier, den Marvin, den alten Buchhalter, der am ehesten noch so als Sympathieträger taucht. taugt, der aber auch beim Verbrechen gar nicht dabei ist, der einfach das Geld dahin pulvert und Die meiste Zeit ist er damit beschäftigt, im Apartment darauf zu warten, dass die Leute kommen und sein Apartment nutzen, um zu planen. Dann haben wir Mike, den Barkeeper, der auch etwas älter ist und sich offensichtlich um eine kranke Frau kümmern muss.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Wir haben Randy, den Polizisten, der pleite ist und der der nicht nur korrupt ist, sondern auch zu Brutalität neigt. Der sich im Laufe des Films auch als die brutalste und rücksichtslosste Figur entpuppt. Und dann haben wir so ein bisschen die spannendste Figur und auch die komischste Figur. Und zwar ist das George, der Kassierer, der mit eingeweiht ist und mitmacht. in einer wirklich überzeichneten Art als Schwächling inszeniert wird.
Johannes Franke: Ja, wieder der Lappen.
Florian Bayer: Der Lappen, und zwar mit dem Männlichkeitsbild der 50er Jahre. Und was gehört dazu? Dieser George hat eine femme fatale als Frau, Sherry, die aber auch so ... absolut die Blaupause einer femme fatale ist. Ihren Mann die ganze Zeit fertig macht, hintergeht natürlich, sie hat eine Affäre. die dann auch später dazu führt, dass die Rechnung nicht aufgeht. Weil eigentlich machen sie alles richtig. Mit dem Q, das funktioniert wunderbar. Das Problem ist, dass George sich bei seiner Frau verplappert, die eben wie gesagt ein rücksichtsloses Vibe ist. Wir sind in den 50er Jahren. Und die dann schließlich ihre Affäre, einen jungen Lover, den sie hat, einweiht und der beschließt dann, okay, hey, wenn der Coup vorbei ist, dann können wir denen ja das Geld abnehmen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und das ist die Geschichte, die aufgebaut wird. Und zwar wird uns diese Geschichte knallhart an den Charakteren erzählt. Wir haben unseren Narrator, der wirklich geschwätzig ist. Der uns spätestens, wenn es zum Q kommt, auf die Minute genau sagt, wie viel Uhr es ist, wenn der eine das macht und wenn der andere das macht. Und die planen eben diesen Überfall. Sie ziehen dann noch zwei andere Leute rein, die aber... keine großen Rollen haben, sondern einfach als Ablenkung dienen und auch wirklich nicht groß nuanciert werden. Aber es wird auch keiner... groß nuanciert. Wir haben hier schon so Abrissfiguren aus einer Pulp-Novel.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wir haben die Verbrecher ...
Johannes Franke: Damit kann ich auch mitgehen. Das ist vollkommen in Ordnung. Ich muss da nicht unbedingt... Mir geht es fast schon auf den Geist, dass mir George zu viel... erzählt wird, was für ein Lappen er doch ist und wie das seine Frau überhaupt nicht mehr mit ihm irgendwie und dann ihn dann abziehen will und so. Irgendwie hätten sie da sogar schon einsparen können.
Florian Bayer: Ich fand George tatsächlich einfach witzig. Ich finde, das ist so eine Figur, die für ... irgendwie zwischen gewollter und ungewollter Ironie immer wieder für komische Momente sorgt. Einfach, weil er so als der Feige... Aber nicht sympathisch, Falke. Er ist jetzt auch nicht so ein Schwächling, wo man sagt, vielleicht in einer anderen Zeit würde er als sympathisch angesehen werden, sondern er ist hinterher Er ist misstrauisch, er ist paranoid. Und zwar nicht gegenüber seiner Frau, sondern ausgerechnet gegenüber denen, die sich total an den Plan halten und die alles... genau strukturiert machen. Er hat furchtbar Panik, als Johnny nach dem nach dem Überfall nicht zum vereinbarten Treffpunkt rechtzeitig kommt. Das ist ja furchtbar paranoid und die ganze Zeit ängstlich.
Johannes Franke: Er ist halt wirklich überhaupt nicht für diesen Job gemacht. Nee. Er hat nicht das Nervenkostüm dafür, um in dieser Sprache zu bleiben. Das geht einfach nicht. Das ist eine ganz schlechte Wahl.
Florian Bayer: Man denkt auch, wenn es an jemandem scheitert, muss es an ihm scheitern.
Johannes Franke: Ja, und das ist auch klar von Anfang an.
Florian Bayer: Der eigentliche Kuh scheitert dann ja witzigerweise nicht an ihm, sondern er macht dann in dem Moment, wo er das machen soll, was er machen muss, was nicht viel ist, er muss die Tür aufhalten. Macht er eigentlich halt, was getan werden muss. Das Problem ist seine Frau. Ja, was hältst du von dem Frauenbild, das diese Frau vermittelt?
Johannes Franke: Das ist doch aber, also das Problem ist, Und es macht ja noch nicht mal deutlich nur dieses beschissene Frauenbild auf, was ich immer doof finde, sondern es ist irgendwie... inkonsistent für sich irgendwie finde ich hat diese Frau so ein, ich weiß nicht, die haben ja einfach alles gegeben, was sie brauchen, damit der Plan nicht aufgeht. Weißt du? Ja. Irgendwie, ich weiß nicht, das ist doch keine konsistente Frau, keine Figur, die wirklich...
Florian Bayer: Es ist eine, also wenn man es hart ausdrücken will und ich glaube nicht mal, wenn man es hart ausdrücken will, sondern wenn man es auf den Punkt bringen will, das ist eine misogyne Projektion.
Johannes Franke: Ja, genau, genau.
Florian Bayer: Sie hat auch keinen eigenen Charakter. Sie ist halt herablassend. Sie ist arrogant. Sie macht ihren Ehemann die ganze Zeit fertig. Und sie hat einen jungen Lover. Und sie ist total bereit für das Geld, ihren Mann zu hintergehen, um mit ihrem jungen Typen abzuhauen.
Johannes Franke: Ja, irgendwie. Und sie kriegt dann auch keine große Backstory oder sowas. Und kriegt ja keiner so richtig, aber ... Aber gerade bei Leuten, wo man dann sagt, ich muss die Motivation verstehen, damit ich dem Film folgen will, Gerade da wäre es vielleicht schon gut gewesen, so ein bisschen.
Florian Bayer: Gier ist ihre Backstory und das ist die Backstory von fast allen, außer von Johnny tatsächlich, der Gangster. Ist der, der am ehesten glaubwürdig sowas verkörpert?
Johannes Franke: Aber George hat auch keine Gier. George will einfach nur seine Frau behalten.
Florian Bayer: George ist ein Feigling, ja. George ist einfach nur Falk.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Was ich tatsächlich bei Johnny ganz spannend fand, dass er tatsächlich irgendwie eine Vision hat von einer Zukunft, die ... nicht mehr im Verbrechermilieu stattfindet. Er will ja mit seiner Freundin abhauen und Dieser Film hat keinen emotionalen Halt. Es ist nicht so, dass man sich an Johnny festhält. Dafür ist Johnny auch zu sehr ein Arsch. Vor allem, wenn es dann um den Umgang mit Sherry geht, die sie dann ja ausspioniert.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Johnny ist auch ein Arsch. Aber Johnny ist jemand, der zumindest die Vision von einem besseren und auch ehrlicheren Leben hat. Und bis zum Ende gibt es dann doch immer noch so ein Stück Hoffnung, dass Johnny vielleicht wenigstens rauskommt aus dem ganzen Ding.
Johannes Franke: Ja. Johnny ist der Chef der Bande, der Typ, der das alles plant.
Florian Bayer: Der einzige Gangster, der einzige Kriminelle und der sich auch im kriminellen Milieu bewegt.
Johannes Franke: Und dem man es tatsächlich wünscht, weil irgendwie haben sie es geschafft, die Frau sympathisch zu machen, obwohl die fast gar nichts zu tun hat in dem Film. Aber am Anfang und am Ende kommt sie irgendwie... Ja genau, aber ihr hätte ich gerne mehr zugeguckt.
Florian Bayer: Definitiv.
Johannes Franke: Irgendwie. Sie fand ich cool irgendwie, obwohl sie halt so, naja, dieses 50er-Jahre-Bild von Schmacht, Schmacht und ach, Schatz.
Florian Bayer: tatsächlich verhindert die Straffheit in der Narration, dass wir viel über sie kennenlernen.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und ich denke, das ist auch gewollt. Dieser Film sagt, ich erzähle euch die Geschichte von einem Kuh. Und zwar, passt mal auf, so ist das Ganze gelaufen. Was wirklich dann ein bisschen abweicht von diesen klassischen Pipe-Novels. Die sind eigentlich ... Eigentlich sind solche Geschichten auf Verstehen ausgelegt. Das heißt, du weißt von Anfang an, wo du dran bist. Du kriegst dein Setup, du kriegst deine Protagonisten Und du kannst dich einfach zurücklehnen. Und dieser Film... Erzählt das Ganze ein bisschen verspielter und ein bisschen verpuzzelter.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Also wahrscheinlich ist die Erzählerstimme auch so ein Moment, um uns Halt zu geben. Weil wenn es dann zum Q kommt,
Johannes Franke: Wird so ein bisschen verschachtelter.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Obwohl der Zug an sich schon einmal draufgesetzt wird auf die Schienen und dann geradeaus fährt. Ich als Zuschauer das Gefühl, dass ich jetzt irgendwie Überraschungen erleben werde. Das nicht. Ich will bloß dann wissen, okay, wie machen sie es denn jetzt?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Aber die Erzählstruktur an sich wird ja dann verschachtelter, weil sie nochmal versuchen, irgendwie aus jeder Perspektive, jetzt ist es so und so viel Uhr, der hat das und das gemacht und jetzt springen wir mal zurück in der Zeit. Um die andere Perspektive zu zeigen, wie der seinen Teil des Plans durchzieht.
Florian Bayer: Das Spannende ist, dass er eigentlich gar nicht so verschachtelt sein müsste. Er könnte sich auch straightforward erzählen. Es könnte funktionieren, die Personen auch nebeneinander zu zeigen. Und was er aber dann tatsächlich macht, ist, wir haben den Tag des Coups und er erzählt, was Johnny macht. Und dann springt er nochmal zurück an den Anfang des Tages und erzählt, was George macht. Und dann hält er kurz inne und springt tatsächlich komplett zu dem Rennen. Und er präsentiert uns mehrmals den Beginn des entscheidenden Rennens. Das... das dazu dienen soll, dass sie ungestört den Coup machen können. Und zwar ist ein zentrales Element davon, dass bei dem Rennen Dinge passieren, die die Wachleute ablenken. Dafür haben sie ihre zwei Komplizen und zwar zum einen den Schützen, der soll nämlich das Pferd erschießen, auf das alle gesetzt haben, um für einen Tumult auf der Rennbahn zu sorgen. Und dann, was ganz witzig ist, einen Wrestler, der für ein Tumult an der Bar sorgen soll, damit die Wachleute abgelenkt sind.
Johannes Franke: Was übrigens auch nur, das war auch kein Schauspieler, oder? Der war wirklich, weißt du was über diesen Typen? Ich hätte irgendwas gelesen.
Florian Bayer: Nee, aber es ist definitiv ein Wrestler. Das sieht man einfach daran, was er mit den Wachleuten macht und wie er gegen sie kämpft. Weil das ist so total dieses ... überstilisierte Kämpfen, wie keine Schlägerei aussieht. Weil mit diesen Wrestling-Moves verlierst du natürlich auch jede Schlägerei, wenn du dir Zeit nehmen musst, um jemanden über die Schulter zu werfen und dann einmal im Kreis zu drehen, dann verlierst du. Also ich meine... Wrestling-Match und Straßenschlägerei. Wenn man die nebeneinander hält, dann sieht man ziemlich schnell, warum ein Wrestling-Match eine komplette Inszenierung ist. Witzig ist tatsächlich, dass sie ihn wrestlen lassen. Ja, und sie lassen ihn gegen die Wachleute, lassen sie ihn wrestlen.
Johannes Franke: Sonst war einer nach dem anderen. Die stehen alle schön drumrum und warten, bis sie dran sind.
Florian Bayer: Lass mich einmal kurz gucken. Cola Quariani heißt der Typ, der den gespielt hat. Das ist Maurice, der Wrestler. Der wird von Cola Quariani gespielt. Quariani? Und das war ein professioneller Wrestler und Schachspieler. Was ganz witzig ist, weil sie haben ja auch eine Szene im Schachclub. Da wird er ja angeworben.
Johannes Franke: Genau. Und Kubrick hatte damals, glaube ich, auch Schach gespielt. Er war so ein begeisterter Schachspieler. Und deswegen kam das irgendwie zustande, glaube ich.
Florian Bayer: Ja, es passt ja auch tatsächlich zu dem Thema des Films, wo die Figuren in Stellung bringen.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und dann loslegen. Und Kubricks Filme haben immer so ein bisschen was von einer Schachpartie. Also zumindest diese etwas größeren Filme, weil viel in Stellung gebracht wird.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dann gibt es diesen großen Ausbruch, wenn die Stellung geöffnet wird, wenn eine Bauer durchkommt und dann plötzlich alles offen ist und dann alle aufeinander einschlagen. Ich finde auch, der Film hat durchaus diese Kubrick-Momente. Die sind halt sehr gut versteckt, aber man sieht so ein bisschen ... wenn man es weiß, wahrscheinlich eher, sieht man, wo der Regisseur vielleicht landen wird, wenn er ein bisschen ernsthafter wird, wenn er ein bisschen weniger sich am Trash orientiert und ein bisschen mehr an edleren Stoffen.
Johannes Franke: Ja. Auch dieses Non-Lineare ist ja auch irgendwie ein bisschen creepy. Kann das sein? Weil The Shining ist ja auch ein bisschen... So mit Rückgriffen und dort und da. Ich weiß nicht, ob das so ein bisschen... Ja, dieses Verweben von Zeiten.
Florian Bayer: Also bei 2001, die sind im Weltraum, haben wir natürlich diese... wo dann Zukunft und Vergangenheit irgendwie ineinander fließen. Bei Kubrick ist es auf jeden Fall dieses ... Erzählen, was... Non-Lineares erzählen wäre zu viel gesagt, aber auf jeden Fall erzählen... was nicht einer stringenten Spur folgt, sondern gerne einen Umweg nimmt, gerne nochmal in einer anderen Ecke vorbeiguckt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber jetzt, wo ich schon noch ein Jahreserzählen gesagt habe, wo du schon so mich mit der Nase rein... gestoßen hast.
Johannes Franke: Ja, quasi dein Gesicht in die Torte gestoßen.
Florian Bayer: Schingel! Das war zu laut, Blur. Ja, ich weiß. Gott sei Dank war Übersteuerung ist nicht so schlimm, weil das kannst du wunderbar rausschneiden. Ich mach's nochmals an. Jingle... Das war zu leise, Plot. Ich mach's nicht nochmal.
Johannes Franke: Okay, ja, wir haben eine Top 3 und du hattest vorgeschlagen, was mich dann sofort schockiert hat, weil... da muss ich drei Tage drüber nachdenken, Filme, die genau das machen, eben nicht... in einem durchzuerzählen, sondern dann irgendwie da nochmal einen Rückgriff, dann nochmal dorthin, dann nochmal dorthin. Zeitebene irgendwie hinterhergesprungen oder so.
Florian Bayer: Non-lineare Narration, wenn man es ganz akademisch ausdrücken will. Nicht lineares Erzählen. Und mir ist die Liste super schwer gefallen. Ich habe auch keine Honorable Mentions und ich Ich war traurig. Ich dachte, es gäbe viel mehr und mir würde viel mehr einfallen. Meine einzige Honorable Mention... Ein Film, über den wir wirklich ausführlich in einer anderen Episode gesprochen haben, wäre Der Spiegel, sehr kalt von André Tarkowski. Das ist wahrscheinlich meine Nummer eins. Und den habe ich jetzt auch mal außen vor gelassen, weil es gibt eine Episode, in der wir sehr, sehr lange und sehr ausführlich über dieses... komplexe, filmische Werkreden. Schaut euch die an.
Johannes Franke: Auf jeden Fall anhören, ja. Und schaut euch den Film auch an, auch wenn er Schwer konsumierbar ist schreckenweise, aber ja, doch, doch, es lohnt sich. Mein Platz 3, ich bin dran, oder? Du bist dran, ja. Mein Platz 3 wäre ... Nein, ich mache eine honorable mention, weil das das Erste ist, was allen einfallen wird und ich es nicht in die Liste packen will, ist Memento. Memento, der einfach von hinten das Ganze. Versucht jemand sich zu erinnern, was er eigentlich gemacht hat, obwohl er hat sich ständig Notizen hinterlassen, was er jetzt eigentlich... Er versucht rauszufinden, was passiert ist. Und dann erzählt der Film sich sozusagen rückwärts. Und das finde ich ein tolles... Konzept ist lange her, dass ich den gesehen habe. Vielleicht bringe ich jetzt auch noch ein paar Sachen durcheinander im Kopf. Aber ... Der war schon vom Konzept her einfach wirklich so ein Film, der auch jedem einfällt, wenn man diese Form der Erzählung erwähnt. Kommt aber nicht in die Liste, weil ich ihn auch nicht mehr präsent genug habe im Kopf, um sagen zu können, ob er wirklich so gut war, wie ich jetzt... Mein Platz 3 wäre dann und dann habe ich in der anderen Liste auch schon Laschetee. Ja, okay, der bietet sich aber auch tatsächlich an. La Jetée ist einfach großartig und der Versuch, die Zukunft zu retten, indem man eine Vergangenheit... Ich liebe Zeitreisefilme und ich liebe dieses Hin und Her und dieses Was beeinflusst das andere? Und einfach toll. Und irgendwann bei La Jetée bist du halt all over the place. Du weißt nicht mehr, bist du jetzt in der Vergangenheit oder bist du ein Stückchen weiter. oder ein Stückchen früher. Die Hauptfigur besucht halt die weibliche Hauptfigur in allen möglichen Zeitebenen und wann was war, weiß der halt auch schon nicht mehr.
Florian Bayer: Das springt wie so ein Traum zwischen den Zeiten.
Johannes Franke: Ja, das ist so ganz toll. Irgendwie ist man dann so ein bisschen lost, aber gut lost.
Florian Bayer: Ja, super. Tolle Struktur. Gott, bei mir ist tatsächlich, offensichtlich waren die End-90er und frühen 2000er eine total gute Zeit für dieses nicht in den Jahren erzählen, weil ich habe nur Filme aus der Zeit. Mein Platz 3 ist ja mittlerweile so ein Klassiker, das Die Kombination von Neonor und Surrealismus. Lost Highway von David Lynch.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: wirklich verschrobener Film, der sich wie so ein Möbius-Band einmal um sich selbst dreht. Und irgendwie einen merkwürdigen Anfang rauskommt, der sich gleichzeitig mit dem Ende paart. Erzählt werden eigentlich zwei Geschichten. Zum einen die Geschichte von dem eifersüchtigen Jazz-Saxophonisten Madison, der irgendwann seine Frau umbringt.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dann direkt kurz darauf die Geschichte von dem Autoverkäufer und Gelegenheitsverbrecher Piet, der in der Zelle von Fred Madison wach wird, während er auf die Todesstrafe wartet und dann natürlich freigelassen werden muss. Und der dann noch mal eine Geschichte erlebt, die Parallelen hat zu der vorherigen Handlung. Es kommen Schauspieler tauchen wieder auf, die wir vorher gesehen haben. Teilweise in den gleichen, teilweise in anderen Rollen. Und dann dreht sich das auf ganz merkwürdige Art einmal so um sich selbst. dass man nicht mehr weiß, wo Anfang und Ende ist. Er fühlt sich lange straight erzählt an und dann plötzlich merkt man, dass es kippt und dass der Film zu so einer Spirale wird, die sich eigentlich nicht auflösen lässt. Großartiger Film.
Johannes Franke: Was Filme alles können. Es ist unglaublich. Ich bin total abstrus im Kopf. Also das Einzige, was mir im Kopf geblieben ist, ist einfach das Wort Abstrus. Das ist auch zu lange her und ich könnte nicht mehr sagen, worum es geht. Es ist gut, dass du das nochmal gesagt hast, weil ich habe es nicht mehr im Kopf.
Florian Bayer: Es gibt keine logische Auflösung. Er ist insofern dem Surrealismus verpflichtet, dass er sich nicht erklärt und dass er auch nicht einfach symbolisch interpretiert werden kann. sondern dass er wie eine Kombination aus Realität und Albtraum für sich steht.
Johannes Franke: Wahnsinn. Ja, und dass das funktioniert, dass man da dranbleibt, obwohl Filme sich manchmal wie bei Playtime so weit von der eigenen Realität entfernen. Das ist schon cool.
Florian Bayer: Was bei Lynch faszinierend ist, es gab ja mal so ein Backlash gegen Lynch, wo es dann hieß, der kann einfach nicht mit den klassischen Surrealisten mithalten, der macht keinen... coolen Surrealismus, was ich an Nünsch total schätze, ist, dass er es schafft. surrealistisch zu erzählen und sich dabei auch ganz stark anlehnt an den klassischen Surrealismus, aber gleichzeitig Storys zu erzählen, die emotional mitreißen, die spannend sind, die gruselig sind und auch tragisch. Und ja, dadurch ist er so ein bisschen der Mainstream-Surrealist. Also er ist kein Experimentalfilm-Regisseur, aber trotzdem schafft er es wirklich ... verworren zu erzählen und gleichzeitig mitzureißen. Und das muss man auch erstmal hinkriegen. Definitiv, ja.
Johannes Franke: Okay, dann Platz 2. Eine Frage, ob das da reingehört. Manglolia. Oh, hm. Weil mir kommt der sehr nonlinear vor, erzählt vor, aber wenn ich daran denke und versuche das zu sortieren, denke ich, naja, eigentlich passiert schon eins nach dem anderen.
Florian Bayer: Ja, er hat so dieses Parallelisieren von Handlung und er hat diese Rückgriffe und am Ende zitiert er nochmal den Anfang. Ich finde es total toll, dass du den aufgenommen hast. Das war eine der ersten Episoden, die wir gemacht haben.
Johannes Franke: Ja, und ich fand ihn so toll.
Florian Bayer: Das ist schön. Magnolia ist... Wahrscheinlich mein Lieblingsfilm. Also, habe ich damals schon gesagt. Wahrscheinlich steht der, wenn ich eine Top-Ten-Liste der besten Filme machen müsste, würde er wahrscheinlich immer noch auf der Eins stehen.
Johannes Franke: Wow. Der ist wirklich sehenswert. Hört euch die Folge an, gleich am Anfang, zweite oder dritte Episode. Es lohnt sich wirklich. Ja, und ich weiß nicht, ob der jetzt so in diese Kategorie nonlinear wirklich reinpasst, sonst hätte ich noch Annie Hall zu bieten, was wir auch schon hatten. Annie Hall ist halt auch all over the place, weil hier mal die Erinnerung an diese eine Liebschaft, die Erinnerung an die andere und dann so episodenhaft einfach erzählt.
Florian Bayer: episodeig verschachtet, verschnörkelt, haben wir auch eine Episode, in der wir drüber reden.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wir wiederholen uns tatsächlich auf, das haben wir vorhin schon festgestellt. Ja. Dass einige Filmtitel bei uns immer wieder auftauchen, aber natürlich was daran liegt, dass es wirklich sehenswerte Filme sind, also sowohl Annie Hall als auch Magnolia. Finde ich gehören einfach so ins cineastische Pflichtprogramm.
Johannes Franke: Und man hat dann irgendwann so ein Bild, das hast du vorhin gesagt, ein Bild von unserem Filmgeschmack. Da kann ich nur dem geneigten Zuhörer empfehlen, auf den Blog zu gehen, auf das Blog. Das Blog. Das Web-Blog. von Plur, der auf mussmansehen.de ganz viele Filme Verreist, wollte ich gerade sagen, aber das stimmt ja gar nicht. Du machst ja vor allem wirklich Filme, die du einfach liebst.
Florian Bayer: Ich hab früher auf Seite 360 öfter mal Verrisse geschrieben. Mittlerweile, ich hab's mir fast komplett abgewinnt. Nur wenn ein Film wirklich so phänomenal schlechtes Selbstgefühl hat, ich muss das rauslassen. Aber eigentlich ... mag ich keine Rezensionen, die Filme schlechtreden. C, wirklich genug Schlechtes und Mittelmäßiges, aber ich hab keine Lust, da noch mal drüber zu schreiben. Dafür ist mir die Zeit zu schade und ich schreib lieber über ... Die Sachen, die mich begeistern.
Johannes Franke: Hätte man Roger Ebert mal sagen sollen. Ja, aber ich finde es sympathisch, dass du eher das versuchst, dann im Positiven zu bleiben und da nicht noch mehr Energie reinzuwerfen in Dinge, die einfach nicht geil sind. Ja, dein Platz zwei?
Florian Bayer: Platz zwei. Klassiker hast du vielleicht auch in der Liste. Pulp Fiction. Wie gesagt, ich bin Mitte, Ende der 90er, Pulp Fiction 1994, sogar Anfang Mitte der 90er, großartig erzählt. Tarantino ist wahrscheinlich ähnlich wie Lynch. So wie Lynch der Regisseur ist, der es schafft, Surrealismus zum Mainstream zu machen, ist ... Tarantino, der Regisseur, der es schafft, Pulp zu Mainstream zu machen. Und in dem Fall sagt es ja auch der Titel. Und in dem Fall ist es auch ganz nah dran an The Killing. Einfach Geschichte von Gangstern, die schräge Sachen machen, ein bisschen verschachtelt erzählt. Keine wirklichen Sympathieträger, aber trotzdem Geschichten, die einen reinziehen. Und Tarantino schafft das, das mit so viel Pop zu vermischen, dass es einfach ... pure Freude ist und Spaß ist.
Johannes Franke: Ja, wobei mir der Pop manchmal überhandnimmt in den Dialogen.
Florian Bayer: Ja, das stimmt. Und es ist oft manchmal, Sinnlosigkeit ist Teil des Programms, aber es ist toll, wenn sie anfangen, sich über Burger in Europa oder über Fußmassagen zu unterhalten.
Johannes Franke: Also gerade das im Auto, wo das mit den Burgern, glaube ich, passiert. Da war ich dann überfordert. Da habe ich dann gedacht, oh... Nee. Aber sonst macht es Tarantino sehr gut und ich finde die Dialoge von Tarantino oft wirklich sehr, sehr gut. Wow.
Florian Bayer: Der schreibt so, wie kein Mensch redet, aber man verzeiht es ihm, weil diese Dialoge so lebendig sind und so viel Spaß machen einfach.
Johannes Franke: Der kriegt das irgendwie hin.
Florian Bayer: Aber kein Mensch ist so schlagfertig im realen Leben. Kein Mensch redet so bedeutungsschwanger über Triviales.
Johannes Franke: Aber er schafft es auch, die Schauspieler dazu zu bringen, das so zu machen dann. Weil ich glaube, viele Schauspieler in unseren Breitengraden wären relativ überfordert von solchen Dialogen.
Florian Bayer: Wahrscheinlich. Es gibt ja tatsächlich Versuche, deutsche Tarantinos zu machen. Und gar nicht so wenige. Und die sind... alle in die Hose gegangen, wenn ich so drüber nachdenke.
Johannes Franke: Ich würde nicht sagen alle, es gibt einen Tatort, den ich eigentlich ganz geil fand.
Florian Bayer: Ja, ich weiß nicht, wie du meinst. Garantiert im Schmerzgeboren?
Johannes Franke: Ja, im Schmerzgeboren. Da merke ich auch manchmal, naja, ein bisschen zu bemüht, aber ich fand es schon ganz geil.
Florian Bayer: Schaut, wie cool ich bin.
Johannes Franke: Ja, genau. Aber der war gut. Das war schon nicht schlecht.
Florian Bayer: Der einzige Tatort, der mir wirklich Freude gemacht hat, im Schmerz geboren.
Johannes Franke: Und es gab auch noch einen Tatort? Ich glaube, es war ein Tatort, wo sie nur auf einer Polizeiwache, die eigentlich schon zum Museum gemacht wurde, spielt. wo sie dann irgendwie sich zurückziehen müssen, um gegen die Gangster sich zu verteidigen, die kommen. die alle gut bewaffnet sind und die sich ja verschanzen müssen, in einem Museum von Polizeiwache. Ganz toll. Das ist ein gutes, klaustrophobisches Moment.
Florian Bayer: Schöner Metakommentar auch. Ja, total schön. Das Coole am Tatort ist ja eigentlich, also so grundsätzlich an der... An der Theorie von Tatort ist, dass das total die Möglichkeit ist, für Filmemacherinnen sich auszutoben. Und zu sagen, hey, ich habe hier 90 Minuten, das gehört grob zu einer Serie. Ich kriege einen Kommissar und ich kriege... Und ich krieg irgendwie so ein kleines Setup in einer gewissen Stadt und dann darf ich mich aber austoben. Und ich darf alles damit erzählen. Ich darf eine Krimi-Komödie erzählen. Ich darf einen düsteren Thriller erzählen. Ich darf eine Tragödie erzählen. Es wird nur zu selten genutzt.
Johannes Franke: Das ist das Problem. Ich glaube, es liegt an den Produzenten, denn die Ideen sind eigentlich da. Es gab auch eine tolle, fand ich auch super, eine Version von täglich grüßt das Murmeltier als Tatort. wo der Kommissar immer wieder rankommt an den Tatort und er scheitert beim ersten Mal. Dann wacht er wieder auf.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ist total verwirrt und genervt, geht wieder hin und merkt schon, okay, irgendwie stimmt das gerade nicht. Und bekommt einfach wahnsinnig oft die Möglichkeit ... Diesen Fall zu lösen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Der weiß auch davon. Alle anderen nicht, aber die sitzen dann irgendwann zusammen und sagen einander, komm, wollen wir es nochmal probieren?
Florian Bayer: Das ist cool. Das Problem ist, ich kenne zu wenige Tatorte und es ist halt so ein Glücksspiel und meistens hast du eine Niete gezogen. Wenn du an den Tatort guckst, wenn du sagst, heute gucke ich mal den aktuellen Tatort.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und dann ist es halt der typische saarländische Tatort.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wo irgendwie nichts groß passiert, wo sie so ein bisschen Gesellschaftskritik versuchen reinzubringen, die dann auch meistens so total kitschig erzählt ist und so...
Johannes Franke: Der versucht, ein Milieu zu erzählen, der dann auch in die Hose geht und irgendwie, ich weiß nicht. Ja, leider, leider. Aber es gibt ein paar gute Beispiele und allein dafür lohnt es sich, dieses Konzept aufrecht zu achten.
Florian Bayer: Leute, ich will gute Tatorts sehen, tatsächlich. Ich hab total Interesse dran. Wenn ihr einen guten Tatort kennt, der irgendwie ein bisschen das Konzept sprengt, irgendwie so ein bisschen mit ... mit der Grundidee von einem Tatort, was was Intelligentes macht, was Frisches macht, schreibt uns das.
Johannes Franke: Sag mal deine E-Mail-Adresse nochmal.
Florian Bayer: florian-at-mus-mann-sehen.de oder johannes-at-mus-mann-sehen.de Bitte, wirklich. Ich habe so Interesse an Tatorte, aber ich habe keine Lust, mich durch... 50 mittelmäßige deutsche Krimiserie-Episoden zu quälen, um dann die eine Perle zu finden.
Johannes Franke: Ja. Und bitte nichts, wo man auch nebenher bügeln könnte, weil einem dann 20.000 Mal die Story nochmal erzählt wird.
Florian Bayer: Und weil ich nicht gut bügeln kann.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und bitte sagt nicht, oh, und übrigens Jan-Josef Liefers ist mein Liebling beim Tatort, weil ja, ich hab zwei, drei ... Episoden gezwungenermaßen gesehen mit Jan Josef Liefers, weil mir immer gesagt wurde, die musst du gucken, das sind die coolen. Ja, das ist nicht das, was ich meine. Das sind nette Krimi-Komödien, aber ich will was, was wirklich so wie im Schmerz geboren oder wie du gesagt hast, die so ein technisch größeres Momentär-Folge. Ich will Sachen, die... das Konzept Tatort aufbrechen oder damit spielen oder experimentieren.
Johannes Franke: Obwohl ich sagen muss, dass ich Jan-Josef Liefers tatsächlich sehr mag.
Florian Bayer: Der ist ja auch sympathisch und ist ein toller Schauspieler. Und diese ist bayerisch, ne? Münchner? Ist das ein Münchner?
Johannes Franke: Ne, das ist der saarländische, glaube ich.
Florian Bayer: Ne, definitiv nicht der saarländische. Der Saarländische ist nämlich aus Heinz Becker, wie heißt der Typ nochmal? Der Schauspieler, der in Heinz Becker den Sohn gespielt hat, der war ganz lange jetzt im Saarländchen Tatort der Kommisar mittlerweile, glaube ich, nicht mehr.
Johannes Franke: Aber irgendwo im Süden.
Florian Bayer: Ja, genau. Ich glaube, Jan-Josef Liefers ist München. Aber ich weiß nicht sicher.
Johannes Franke: Okay. Ja, haut uns das um die Ohren. Und wo waren wir stehen geblieben? Du hast deinen Platz zwei schon gesagt.
Florian Bayer: Du musst Platz eins.
Johannes Franke: Ich muss Platz eins. Und zwar hätte ich da ... I'm Not There. Das ist über Bob Dylan. Ah, ja. Das Biopic, wo fünf Leute, glaube ich, Fünf verschiedene Schauspieler Bob Dylan spielen.
Florian Bayer: Tilda Swinton auch, ne?
Johannes Franke: Nee, wohl Tilda Swinton. Nee, das ist Cate Blanchett.
Florian Bayer: Ja, Cate Blanchett.
Johannes Franke: Cate Blanchett. Und sie macht das großartig. Sie ist der beste Bob Dylan.
Florian Bayer: Es ist unglaublich. Sie ist so cool.
Johannes Franke: Sie trifft es so gut. Das ist der Wahnsinn. Und Bob Dylan, das beste, perfekteste... Man kann es nicht steigern, aber die beste Idee für ein Biopic von Bob Dylan, weil Bob Dylan einfach fünf Gesichter mindestens hat. Mindestens. Und das einmal aus all diesen Perspektiven, all diesen Gesichtern zu zeigen, wie diese Person sich zusammensetzt, das ist einfach beeindruckend. Ein unglaublich toller Film.
Florian Bayer: Toll, auch so zwischen tatsächlich realen Geschehnissen. Und dann auch so irgendwie eher so Gedankenfetzen aus Dillans Songs. Es ist tatsächlich ein Film, der ... Das Gefühl der Musik von Bob Dylan, die gerade dieses Diversifizierte so total gut auf die Leinwand gebracht hat. Ja. Bob Dylan sollte sowieso viel mehr gehört werden.
Johannes Franke: Dringend, dringend. Läuft bei mir auch immer wieder rauf und runter. Bob Dylan ist großartig. Ganz, ganz, ganz toll. Jetzt schwärmen wir über Bob Dylan. Ich muss diesen Film einfach nochmal sehen. Ich auch. Hast du den gesehen schon?
Florian Bayer: Ja, es ist schon wirklich lange her. Ich habe gerade geguckt, 2007 kam der Film raus und ich habe den relativ zeitnah dann gesehen und das ist wirklich lange her und ich habe auch eher so, ich habe von diesem Bild, von diesem Film tatsächlich eher so Einzelne Bilder und Sequenzen im Kopf. Ich kann mich nicht mehr so an die komplette Struktur erinnern. Ich weiß, es waren mehrere Episoden. Ich weiß, es gab mehrere Dylans. Ich weiß, Cate Blanchett ... die ich gerade noch für Tilda Swinton gehalten habe, war großartig als Stillen. Aber ich weiß noch, dass der Film einfach von vorne bis hinten Spaß gemacht hat, weil er so dieses Stillen... Gefühl wirklich gut vermittelt hat.
Johannes Franke: Und der wirft einen auch von einer Situation in die nächste, es wird einem nie langweilig, man hat sofort immer wieder Ach, und da passiert dann wieder was und dann da lang und dann, du gehst überall freiwillig und gerne mit und sagst dir, wow, Da noch ein Aspekt von Bob Dylan, den ich auch noch nicht kannte.
Florian Bayer: Ja, der ist schön.
Johannes Franke: Wahnsinn.
Florian Bayer: Unbedingt wieder gucken. Auf jeden Fall kommt auf die Liste nochmal sehenswert.
Johannes Franke: Vielleicht müssen wir den mal hier besprechen. Eigentlich würde es sich lohnen.
Florian Bayer: Glaube ich auch, definitiv. Bin ich ganz bei dir. Okay. Mein Platz 1 hast du schon bei den Honorable Mentions genannt. Es ist halt doch eben Memento dann geworden. Echt? Wirklich? Einfach weil Memento... die Struktur des nonlinearen Erzählens perfekt mit der Geschichte verbindet. Oft hat man das Gefühl, dass es auch ein bisschen Gimmick ist. wenn nicht linear erzählt wird, einfach um einen Film aufregender zu machen. Das ist übrigens auch, was The Killing macht. The Killing macht sich selbst spannender, indem er einfach das sich ein bisschen verschachtelt, ein bisschen auseinanderzieht. Und bei Memento ist die Art des Erzählens, es geht um einen Charakter, der ... der sein Kurzzeitgedächtnis verloren hat, das heißt, sich immer nur an die letzten zwei Minuten oder so erinnern kann. Es macht halt total Sinn, weil er weiß, was er als nächstes tun wird, aber er weiß nicht, was er als letztes getan hat. Und das wird hier radikal konsequent erzählt, indem der Film von... hinten nach vorne erzählt wird. Und gleichzeitig gibt es aber eine Parallelhandlung, die von vorne nach hinten erzählt wird. Und dann treffen sie sich in der Mitte Also es ist super strukturiert. Am Anfang ist es erstmal so ein Wow-Effekt. Da muss man sich da reinfinden. Aber dann ist es einfach mal einer der besten Thriller, Mystery-Thriller.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Der letzten 30 Jahre. Ich muss kurz gucken, von wann er ist. Ich habe ihn jetzt so Ende der 90er eingeordnet, aber das kann sein, dass er schon 2000er ist. Genau 2000, genau das Jahr 2000. Von einer der frühen Filme von Chris Nolan, der dann später mittlerweile so zu den großen Ikonen des Actionkinos gehört, durch die Dark Knight Trilogie. durch Inception und Interstellar und zuletzt Tenet, der eher so mäh war und deswegen auch keinen Platz in der Liste verdient hat.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Cool. Ach, wieder schöne Filme. Cool. Ja, ich freue mich über die Top 3 jetzt in letzter Zeit besonders. Weil das immer so kleine Perlen noch mal reinwirft.
Florian Bayer: Wir schmeißen uns Filmtitel entgegen und rubeln dann zusammen. Oder gucken wir uns fragend an. Das sind die besten Momente bei den Top 3, wenn ich so, was hat er da genannt, hab ich noch nie gehört. Oh Gott, muss ich sehen, unbedingt.
Johannes Franke: Und dass ich dir mal was vor die Füße werfe, was du noch nicht kennst, ist schon echt selten.
Florian Bayer: Ja?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Naja, ich weiß nicht.
Johannes Franke: Also da muss ich schon wirklich tief in die 50er-Jahre-Kiste greifen.
Florian Bayer: Ja, wenn du mit den Musicals ankommst. Aber tatsächlich hast du gar nicht so viele Musicals dann drin. Ich glaube, bei dir sind Musicals auch so abstrakte Ebene, so ein riesiger Korb, wo du manchmal reingreifst und was rausziehst. Aber in Wirklichkeit weißt du, was die eigentlich guten Filme sind. Nämlich dreckige kleine Gangstergeschichten, in denen Menschen am Schluss... alle über den Haufen geschossen werden. Und das ist das, was auch bei The Killing passiert.
Johannes Franke: Naja, also, er geht ja nicht wie Tarantino einfach drauf los und schießt alle nieder, sondern es ist ja, dann wird... der das Pferd anschießen sollte, wird halt einmal umgebracht.
Florian Bayer: Nachdem er einmal richtig den Rassisten raushängen lassen durfte.
Johannes Franke: Ich habe mich schon gefreut. Am Anfang, er kommt da so rein, versucht irgendwie den Sympathien mit dem Wärter, der da die das aufmachen soll, herzustellen. Versteht sich sehr gut mit dem und irgendwann nervt er halt leider.
Florian Bayer: Ja, genau. Es ist ganz eindeutig, dass er in dem Moment den Rassisten spielt, um den Wärter loszuwerden. Er fährt auf einen Parkplatz, er soll das Pferd erschießen und es gibt diesen einen Parkplatz, wo er die beste Sicht hat, Rennbahn. Dann unterhält er sich eben nett mit dem Werter, der steht, der schwarz ist. Und er schmeichelt ihm natürlich auch, weil er rein will auf den Parkplatz.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann ist dieser Werther auch angetan von dem Schmeicheln und kommt zu seinem Auto und unterhält sich mit ihm. Und er muss dir eigentlich das Gewehr rausziehen und muss dieses blöde Pferd erschießen. Fällt ihm halt nichts anderes ein, als das N-Wort rauszuhauen und einmal ordentlich rassistisch zu agieren. Und genau, dann hat er seine Ruhe. Kann das Pferd tatsächlich erschießen und bei der Flucht wird es aber dann problematisch. Bei der Flucht wird er abgeknallt. Das ist unser erstes Opfer, wenn man das Pferd nicht mit rechnet.
Johannes Franke: Ja, ich finde auch, dass das dann, dieser Überfall an sich wird ganz gut erzählt, ne? Du kommst ja gut mit, ah ja, okay, jetzt rennen die da rein, weil die sind alle abgelenkt und dann wird das Geld da zusammengesammelt.
Florian Bayer: Es ist tatsächlich cool, dass man lange nicht weiß, also dass es wirklich so Stück für Stück offenbart wird, wie die einzelnen Rollen bei dem Überfall sind. Weil der Film springt mehrmals zurück zu dem Start des Rennens. Das ist irgendwie so sein Zentrum, wenn es zu dem Überfall kommt. Und dann erzählt er eben den Start des Rennens aus der Perspektive von dem Mike, der an der Bar steht.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dann erzählt das aus der Perspektive von dem Maurice, dem Wrestler, der dann Stress macht. Und dann erzählt das ... Und letztendlich erzählt das aus der Perspektive von Johnny, der von George reingelassen wird.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: in die Mitarbeiterräume und in der Garderobe hat George zuvor eine Waffe versteckt, die sich Johnny dann krallt. Nee, nicht George, sondern Mike. Jetzt komme ich auch durcheinander mit den Namen.
Johannes Franke: Und diese Waffe. Ist nun natürlich typischerweise in einem Instrumentenkoffer am Anfang, als er sie holt.
Florian Bayer: Und in einem Blumenkasten. Das Tolle ist ja, aber das sind Bilder, wir sind ja in den 50ern, das sind Bilder. die damals im Film noch nicht so populär waren.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Und beide Bilder wurden dann später zu Tode getrampelt. Ja. Und zuletzt dann natürlich auch von Tarantino oder Rodriguez oder auch von James Cameron in Terminator noch mal zitiert, wo man auch merkt, da gibt es so ein bisschen... Liebe für diesen Film.
Johannes Franke: Das stimmt. Gibt es sowieso. Es gibt ja mehrere Leute, die sich auf diesen... Film beziehen. Was war denn das? Ich weiß es nicht mehr genau.
Florian Bayer: Na, Tarantino hat ihn in Reservoir Dogs als eine wichtige Quelle genannt. Und zwar vor allem hat sich Tarantino auch auf die Autoren bezogen. Die Autoren, das ist jetzt viel gesagt, zum einen basiert der Film auf einer Novel von dem... Autoren Clean Break, beziehungsweise später The Killing, der von Lionel White geschrieben wurde. Mhm. Und Lionel White war einfach so ein typischer... Pulp-Autor, der viele kleine, dreckige Gangster-Geschichten geschrieben hat und der so im Nachhinein einfach große Achtung erfahren hatte, als jemand, der weiß, wie man Thriller-Handlungen schön kompakt und trotzdem interessant schreibt und ... Wie schon gesagt, Brandon Tarantino hat diesen Autoren explizit als Quelle, als Inspiration für seinen Reservoir Dogs genannt.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Was auch nicht besonders schwerfällt, wenn man diesen Film sieht, merkt man schon auch die verschachtelte Struktur. Ja, ja, ja, genau. bösen Buben, auch so der Showdown, bei dem alles schief geht, so diesen Hang zum Katastrophalen. Die Katastrophe bahnt sich an, man weiß genau. Das wird nicht gut ausgehen.
Johannes Franke: Ja, aber das ist so ein, wenn man... böse sagen will, das ist so kleine Jungstreichartig. Du hast so das Gefühl, das sind so Sachen für... Weiß ich nicht, so böse Buben hast du gerade gesagt. Das ist so ein typisches... Eigentlich süßes Wort für das, was es sein soll. Das ist irgendwie so eine Fantasie von so kleinen Jungen.
Florian Bayer: Definitiv. Das ist auch das, was Tarantino macht. Das sind Filme für kleine Jungs. Und zwar kleine Jungs im universellen Sinne. Frauen können auch kleine Jungs sein, was das betrifft.
Johannes Franke: Und auch in jedem Alter. Aber so vom Gefühl her.
Florian Bayer: Wie gesagt, ich habe diese Dinge auch gerne als Kind gelesen und habe dann irgendwann aufgehört, als ich angefangen habe, Stephen King zu lesen, der eigentlich aber auch kleine Jungs Literatur Mach. Und ja, es geht um den Spaß an dem Moment und um das ein bisschen auch Dreckige, auch etwas Gewalttätige, so ein bisschen Schock.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Daran sollte man auch immer noch denken, der Film ist Anfang, Mitte der 50er. Der hatte schon eine gewisse Brutalität zu der damaligen Zeit, die man sonst nicht so gesehen hat. Fließblut. Es gibt brutale, raue Sprache und brutale, raue Typen. Und das ist eigentlich was, also wenn man es ganz krass sagt, könnte man sagen, da wird schon so ein bisschen New Hollywood vorweg gegriffen, aber so weit würde ich gar nicht gehen. Aber es ist zumindest, für seine Zeit ist der Film ganz schön dreckig. Also auch die Norr-Geschichten und auch die Thriller der 50er Jahre hatten nicht so eine schmutzige Ebene, sondern waren ein bisschen... Ein bisschen gediegener, ein bisschen braver, ein bisschen biederer. Es war nicht ganz so ein Morast.
Johannes Franke: Du denkst an die Bogart-Filme, oder?
Florian Bayer: Ja, nee, nicht nur Bogart. mal überlegen, was sind, jetzt fallen mir die Ausnahmen ein, aber die will ich ja gerade nicht nennen. Mal gucken, von wann Rappen ist.
Johannes Franke: auch nur Ausnahmen entfallen. Im Kopf habe ich schon auch so, wo viel so geschossen wird und dann so Sprüche noch hintendran und solche Sachen.
Florian Bayer: Kiss Me Deadly Zum Beispiel das Ratten. Das ist auch ein Film aus 1955 und der ist noch mal ein ganzes Stück brutaler und abgefuckter. Das heißt, der eignet sich gerade überhaupt nicht. Aber Robert Aldrich, das war doch so ein Regisseur aus der damaligen Zeit. Was hat denn der sonst noch gemacht? Der hat doch auch Filme gemacht, die ähm Aha, jetzt hänge ich so kurz ein bisschen.
Johannes Franke: Aber es ist auch schwer, weil natürlich rettet sich aus dieser Zeit nur das hinüber zu uns ... was wir als Ausnahmen, als besondere Spitzen dieser Zeit sehen. Natürlich sehen wir nicht den ganzen... breiten Brei, den es damals gab an Zeug, der weniger brutal war, der einfach zur Unterhaltung irgendwie... Wenn da nichts Außergewöhnliches dabei ist, dann hat man das nicht im Kopf, klar.
Florian Bayer: Was zum Beispiel so... Tatsächlich, den ich total schätze, aber Orson Welles. Nehmen wir Orson Welles. Im Zeichen des Bösen. 1958. Das heißt, zwei Jahre, ein Jahr nach... nach The Killing. Und das ist auch ein Thriller und auch ein Film, der mit düsteren Elementen spielt. Der aber, ja, der einfach nicht so abgefuckt ist. Abgefuckt ist das Wort, was das glaube ich am ehesten trifft. Und ja, es gab damals auch diese abgefuckten Filme. Aber die großen Filme Die großen Mainstream-Thriller, die damals vom Publikum rezipiert wurden, die von den Studios finanziert wurden, die waren alle einfach mal eine Spur braver. Weniger dreckig?
Johannes Franke: Also treffen wir uns jetzt in der Mitte zwischen Miss Marple und ...
Florian Bayer: Miss Marple ist okay, die sind heute noch so. Das ist eine andere Ecke. Die können nur dreckig, wenn es mit Humor sein soll. Ja.
Johannes Franke: Oh Gott. Okay, also Amis. Ja, brutale Amis. Also hast du noch irgendwie was, was bei dem Film jetzt besonders hervorsticht, was du noch besprechen möchtest? Ansonsten könnte man auch zum Fazit übergehen, oder hast du noch was?
Florian Bayer: Ja, es gibt nicht mehr viel zu sagen. Also am Schluss... haben sie der Coup gelingt. Die Gangster treffen sich in ihrem Unterschlupf und warten auf Johnny mit dem Geld. Und dann kommt aber nicht Johnny, sondern dann kommt eben der junge Lover von Sherry zusammen mit seinem Kumpan. Und die wollen das Geld natürlich, die wollen die abziehen. Und dann kommt es zur Schießerei und der Einzige, der die Schießerei überlebt, ist George, der dann noch einmal blutüberströmt, seine Frau erschießen darf. Ganz traditionell. Weil die muss natürlich auch büßen. Für ihre Sünden.
Johannes Franke: Traditionell.
Florian Bayer: Und Johnny schafft es fast mit seiner Freundin wegzurennen. Und es ist tatsächlich so ein Moment, wo man denkt, okay, einer kommt davon. Und es ist ja auch... öfter mal so in diesen Filmen und in diesen Geschichten, dass dann einer mit dem Geld davonkommt. Aber Johnny muss seinen Koffer aufgeben.
Johannes Franke: Ja, am Flughafen.
Florian Bayer: Verdammte Behörden. Und der Koffer öffnet sich dann natürlich, als er zum Flugzeug transportiert wird. Und dann fliegt das Geld rum und dann kommt die Polizei und dann... Johnny wird verhaftet. Johnny überlebt tatsächlich.
Johannes Franke: Johnny überlebt. Als Einziger, oder? Mit seiner Frau. Aber er hat nicht mehr viel von seiner Frau.
Florian Bayer: Aber der Film ist eigentlich ein Bild des Scheiterns, eines tragischen Scheiterns, weil alles perfekt durchgeplant war und alles, was geplant war, so funktioniert hat, wie es funktionieren sollte. Nun kam dann eben der Störfaktor rein.
Johannes Franke: Ja, menschliches Versagen, genau. Ich finde, das Ende wird, es hat mich kurz gestört, als ich es gesehen habe, aber da habe ich gedacht, das ist eigentlich wirklich passend. das wirklich so nebenbei erzählt wird. Es gibt zwar dieses Drama, um die Aufgabe des Koffers Ich will es gerne mit reinnehmen als Handgepäck, darfst du nicht, weil es so groß ist und so. Aber es wird nicht überdramatisiert. Sondern es wird dann halt, ja, da fällt der Koffer halt runter, geht auf. Und ich dachte schon, als er das Geld in den Koffer getan hat, kannst du nicht irgendwas drumrum machen? Was ist denn los?
Florian Bayer: Warum? Musst du das so hektisch machen? Denk nochmal drüber. Du könntest davon kommen, wenn du nicht so hektisch und nervös wärst am Schluss.
Johannes Franke: Ja, aber das ist auch klar. Das ist man dann halt einfach... Und dann, naja, dann rennen sie noch mal kurz weg, aber eigentlich bringt es ihnen nichts. Und der bleibt dann da fast stehen und sagt, ja, was soll's, Pech. Es ist cool, wir haben nichts mehr.
Florian Bayer: Kaum ein Wort über den eigentlichen Überfall verloren. Aber es gibt auch nicht viel dazu zu sagen. Er zieht sich eine Maske an und er überfällt sie und packt das Geld ein.
Johannes Franke: Und es ist Das ist gut durchgeplant, das ist gut gemacht, aber was soll man da kurz erzählen drüber?
Florian Bayer: Das nimmt kaum Laufzeit auch. Einfach, der Film besteht hauptsächlich aus der Planung und dann aus dieser verschachtelten Struktur immer bis zu dem Punkt.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Wo der Überfall stattfindet, wo die Waffe gezogen wird und gesagt wird, drückt das Geld raus. Und dieser Punkt, der da hinführt, der wird mehrmals erzählt, aber das Eigentliche Das wird ganz schnell abgehandelt.
Johannes Franke: Ja, dann wird das Geld halt eingesackt und der schmeißt es aus dem Fenster, damit es abtransportiert werden kann und dann ist gut.
Florian Bayer: Genau. Keine, keine großen Sachen drumherum. Wie gesagt, ich habe es in meinem Intro-Text gesagt und ich sage es gerne nochmal, es ist, dieser Film hat kein Krampfetz. zu viel. Er ist einfach unglaublich schlank, dreckig und das ist so wie... Es ist die filmische Variante von einer Pulp Novel. Und das weiß ich sehr zu schätzen. Ich hatte sehr viel Freude daran.
Johannes Franke: Naja, am Ende ist es halt für mich dann doch ein bisschen zu egal gewesen alles. Also ich hatte schon das Gefühl, dass ich irgendwie... da einer Sache zusehe, die ich potenziell cool finden könnte und dass die Stimmung auch so ganz nice ist von der Erzählung her und gut aufgebaut und so. Aber irgendwie, vielleicht hätte es wenigstens eine Figur gebraucht, der ich wünsche, dass es schafft. Also natürlich wünsche ich tatsächlich der Geschichte, dass es funktioniert, aber vielleicht wäre Johnny der geeignete gewesen, dem ich noch ein bisschen mehr... mehr Background gebe, von dem ich sagen kann, okay, jetzt will ich wirklich, dass er das schafft und ich fieber mit ihm mit und so. Bei George, da kannst du nicht mitfiebern. Da kannst du eigentlich nur hoffen, dass er umkommt.
Florian Bayer: Gnadenschuss. Was ich noch an dem Film zu schätzen weiß, ist, dass er, wenn man weiß, wie sich Kubrick entwickelt, hat. Und wahrscheinlich muss man das tatsächlich wissen, um das mitzukriegen. Es ist... Dann sieht man aber eben doch Elemente vom späteren Kubrick in diesem Film. Und zwar diese kühle Präzision. Bei der Strukturierung der Geschichte, wie er die einzelnen Sachen zusammenfädelt. Und vor allem auch bei den Bildern, wie er mit Licht und Schatten spielt, wie er es schafft. mit modernem Thriller zu kombinieren, wie er es schafft, das Elegante aus der damaligen Welt mit dem dreckigen, grauen Blatt. zu mischen. Trotzdem ist es natürlich kein Kubrick, empfiehlt komplett dieses epische, dieses gigantische, was Kubrick-Filme sonst oft mit transportieren. Aber Kubrick kann auch klein.
Johannes Franke: Ja, beziehungsweise ist es ja so der Anfang. Und bei Anfängen ist es ja oft so, dass man merkt, da ist jemand noch zurückgenommen, da weiß jemand noch nicht so genau, was er darf und was er nicht darf. Also dieses Bombastische muss man sich auch erst mal trauen. Und dann ist klar, dass der Anfang vielleicht ein bisschen zurückgenommen ist.
Florian Bayer: Es war sein erster Film, in dem er mit professionellem Cast und Crew zusammengearbeitet hat. Und sein dritter Film. Und es war der letzte, den er ausschließlich in den USA gedreht hat. Danach ist er immer schön hin und her gesprungen zwischen verschiedenen Drehorten bei seinen einzelnen Filmen. Und er hat den Film zusammengeschrieben mit, kurz gucken, das war nämlich der zweite große Autor, der noch reinpasst, mit Lionel White. Den hat er extra ... Nee, Quatsch, nicht Lionel White. Das war der falsche. Jim Thompson. Den hat er extra... angeheuert, um mit ihm zusammen das Skript zu schreiben, weil er Jim Thompson sehr gemocht hat. Das ist ... Jim Thompson ist auch ein großer Pulp-Novelist und am bekanntesten ist er wahrscheinlich dafür, der Film, der wurde 1972 verfilmt, so als einer der großen New Hollywood Action Filme.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und genau, Kubrick hat sich offensichtlich da, hat da einfach auch Hilfe gewollt, um das Skript umzusetzen. Aber Jim Thompson selbst hat gesagt, es war viel im Buch in der Romanvorlage von Lionel White vorgegeben. Das heißt, sie haben da keine großen Experimente damit gemacht, sondern Die Vorlage Clean Break war schon so verschachtelt strukturiert und das haben sie einfach übernommen.
Johannes Franke: Ja. Ich glaube mich zu erinnern, dass sie weniger Geld hatten, als sie eigentlich wollten, oder? War das nicht so?
Florian Bayer: Sie hatten auf jeden Fall nicht sonderlich viel Geld. Also es ist tatsächlich kein... kein Big-Budget-Film. Das Ding ist, dass eigentlich sollte das Buch, eigentlich wollte United Artists die Rechte an dem Buch haben. Und der Produzent James Harris. der schon vorher Filme produziert hat und eigentlich immer so nach Leuten gesucht hat, mit denen er zusammenarbeiten kann. die irgendwie spannende, interessante neue Film, der ist da irgendwie auf Kubrick gestoßen, deren Wege haben sich bei diesem Projekt quasi zum ersten Mal gekreuzt und Und daraus ist eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit entstanden. Also, genau. Ah, sowas. Also, bevor ich das falsch sage, tatsächlich hat James Harris schon vorher in der Filmindustrie gearbeitet. Aber The Killing ... War seine erste Arbeit, die er wirklich allein produziert hat. Wie gesagt, und Kubricks Wege haben sich gekreuzt, die haben sich beim Schachspielen getroffen, im Schachclub.
Johannes Franke: Sehr schön.
Florian Bayer: Und daraus ist eine fruchtbare Zusammenarbeit entstanden. Die haben dann danach Paths of Glory 1957 und Lolita 1962 eröffnet. zusammen gemacht. Also Kubrick hat mit ihm bei drei Filmen zusammengearbeitet.
Johannes Franke: Cool.
Florian Bayer: Ansonsten ist die Filmografie von diesem James Harris ziemlich überschaubar. Aber er hat auch selbst Regie gemacht. Aber er war einfach eine Produzentengröße in Hollywood, der halt überall so seine Finger drin hatte. So ein bunter Hund, jeder kennt, irgendwie so ein Veteran des Showbusiness, der respektiert wird und genau.
Johannes Franke: Okay, cool. Aber kann man dann sagen, dass Harris Kubrick entdeckt hat?
Florian Bayer: Ich würde eher sagen, sie haben sich gegenseitig entdeckt. Weil es war halt auch das erste Projekt von ihm. Das heißt, zumindest das, wo er wirklich ... wirklich selbst gesagt hat, ich bin der Produzent. Ich übernehme die Produzentenrolle. 330.000 Dollar hat der Film gekostet. 24 Tage Dreharbeiten. War allerdings kein besonders großer Erfolg dann bei der Veröffentlichung.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Schade.
Johannes Franke: Aber es hat trotzdem gereicht, um Kubrick ein bisschen nach vorne zu schieben für die nächsten Filme.
Florian Bayer: Bei Kubrick ist das ja tatsächlich dann doch ein relativ natürlicher Wachstumsprozess. Bis er dann schließlich in den ... 60er Jahren und 70er Jahren bei seinen wirklich wirklich wirklich großen Filmen ankommt und zu dem Regisseur wurde, der heute so sehr geschätzt wird. Hat eigentlich eine ganz coole Karriere hingelegt.
Johannes Franke: Ja, sehr cool. Ja, dann, ähm, es lohnt sich auch mal in die langweiligen Anfänge eines...
Florian Bayer: Oh Mann, all diese Worte für nichts. Das ist die Konklusion.
Johannes Franke: Ja, sure. Nein, also ... Spannend? Ich weiß nicht, wie ich da jetzt wieder rauskomme. Nein, es war schön, dass du das vorgeschlagen hast, Chlor. Ich habe bloß leider eben immer wieder gedacht, Ich weiß noch nicht genau, warum ich mir das anschaue.
Florian Bayer: Ja, das kann ich gut verstehen. Ich glaube, die Antwort ist auch... um filmliche Wissenslücken zu schließen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil Kubrick ist so ein spannender Regisseur, der hat so tolle Filme gemacht und so interessante Filme. Dass es einfach auch faszinierend ist, auf sein Frühwerk zu schauen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Bei mir ist die Antwort noch ein bisschen mehr, weil ich einfach auch kleine, palpige Stoffe mag und weil es Spaß gemacht hat, mal wieder so einen hohen, dreckigen Thriller aus der Zeit zu sehen. der keine Gefangenen macht und der einfach mal sein Programm durchzieht.
Johannes Franke: Ja, okay, aber dafür kann ich ihn auch auf jeden Fall schätzen. Also, wie ich anfangs schon sagte, für seinen Noir-Charakter und für seine... seinen Licht, Umgang mit Licht und Schatten und mit seiner einfach Bildsprache und seinem klaren, gerade ausgelaufenen, auf die Katastrophe hin steuernden, finde ich schon ganz cool. Er hat ja auch die Spannung, aber irgendwie ja.
Florian Bayer: Und frankly, mehr will der Film nicht.
Johannes Franke: Das stimmt wohl.
Florian Bayer: Ja, das ist es.
Johannes Franke: Ein ehrlicher Film.
Florian Bayer: Ja. Okay, danke, dass du ihn gesehen hast, Johannes.
Johannes Franke: Ja, gerne, gerne. Ich bin gespannt, was noch kommt, das Nächste.
Florian Bayer: Und vielen Dank, dass du meinen Horizont so erweitert hast mit Playtime.
Johannes Franke: Ja, vielen Dank, dass du versucht hast, meinen Horizont zu erwarten.
Florian Bayer: So, Leute, wenn ihr wissen wollt, womit wir unseren Horizont das nächste Mal kitzeln ... Bleibt dran. Dann reden wir darüber, was wir nächstes Mal machen.
Johannes Franke: Und wenn ihr Wünsche habt, schreibt uns.
Florian Bayer: Florianetmusmannsehen.de Johannesetmusmannsehen.de Hört uns auf Spotify in eurer Podcast-App des Vertrauens.
Johannes Franke: Das tun sie gerade. Ich glaube, die Herausforderung. Lasst uns
Florian Bayer: Da ein Like.
Johannes Franke: Und das Video. Ja, sehr schön. Bis zum nächsten Mal. Schöne Woche wünsche ich euch. Ja, wünsche ich auch. Bis dann. Ciao. Ciao. Da war doch noch was.
Florian Bayer: Da ist noch was.
Johannes Franke: Flor, was hast du denn für mich für nächste Woche?
Florian Bayer: Also, weil wir in letzter Zeit so oft in der Filmgeschichte herumgesprungen sind. Und wirklich weit zurückgegriffen haben.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Dachte ich, es wird Zeit nochmal zu sagen, hey, es gab auch... In den letzten 10, 20 Jahren in jüngeren Filmgeschichten.
Johannes Franke: Es gab solche Filme.
Florian Bayer: Das soll keine, früher war alles besser Nummer werden, weil das 21. Jahrhundert, obwohl es noch so jung ist, hat wirklich schon hervorragende Filme hervorgetragen.
Johannes Franke: Hat schon viel zu bieten, das stimmt, ja.
Florian Bayer: Und einer meiner liebsten Filme aus dieser neuen, jungen, frischen Filmepoche ist mittlerweile auch schon echt alt. Okay. Ist aus dem Jahr 2003. Die frische Neue. Okay, wir sind da, die frische Neue. Oldboy von ... Entschuldigung.
Johannes Franke: Von ...
Florian Bayer: Jetzt sag ich den Namen falsch. Park Chan-Wook. Koreanischer Film. Südkorea.
Johannes Franke: Aber... Kommen die koreanischen Filme mit den spanischen Untertiteln?
Florian Bayer: So ein Film ist es meiner Meinung nach nicht, sondern es ist ein Film, der... beim westlichen Publikum auch ziemlich viel Anklang gefunden hat. Und für westliche Sehgewohnheiten im Vergleich zu vielen anderen Filmen aus der Region ... gut konsumierbar ist, aber kein leichter Film.
Johannes Franke: Okay, okay. Also ich kenne ihn nicht, mir sagt es gerade gar nichts.
Florian Bayer: Oh, da bin ich sehr gespannt.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Er wird dich umhauen.
Johannes Franke: Okay. Darauf nagel ich dich aber auch fest. Alles klar. Okay, ja, ich habe auch was für dich. Ich habe mir, während wir geredet haben, gedacht, wir müssen, wir haben es kurz angesprochen, wir müssen Bob Dylan, diese... Dieses Biopic. Biopic ist fast zu viel gesagt, aber wir müssen den Film I'm Not There gucken. Finde ich super. Ganz dringend.
Florian Bayer: Ich habe nicht mehr viele Erinnerungen dran. Es ist wirklich, wirklich lange her, dass ich den gesehen habe. Immerhin ist der auch schon uralt, nämlich aus dem Jahr 2007.
Johannes Franke: 2007, ja.
Florian Bayer: Ja, also der hat ja auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel und als ich ihn gesehen habe, war ich nicht der größte Dylan-Fan und
Johannes Franke: Du warst damals nicht der größte Dylan-Fan im Moment.
Florian Bayer: Nein, zu meinen jüngeren Entdeckungen.
Johannes Franke: Okay, ja, der macht ja auch noch nicht so lange Musik. Genau.
Florian Bayer: Das Leben ist kurz und es gibt zu viel gute Musik. Das ist das Slogan dieser Episode. Reden ist kurz und es gibt zu viel gute Musik.
Johannes Franke: Na gut, okay. Dann halten wir das als Slogan fürs nächste Mal fest und sehen uns dann. Ich wünsche euch eine schöne Woche.
Florian Bayer: Dir auch, danke. Ciao.
Johannes Franke: Ciao.
