Episode 27: Funny Games, In meinem Himmel
Von einer Zuhörerin sind zwei Filmwünsche reingeschneit, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der Metafilm/Psychothriller Funny Games von Michael Haneke aus dem Jahr 1997 und das Fantasydrama In meinem Himmel von Peter Jackson aus dem Jahr 2009. Nicht nur genretechnisch sondern auch qualitativ nehmen wir die beiden Filme sehr unterschiedlich wahr. Einer kriegt das volle Lob und die volle Begeisterung ab, der andere sorgt für Stirnrunzeln und so manche Häme. Geschmäcker sind eben einfach verschieden, und das beweist sich in dieser Episode vielleicht mehr denn je.
Natürlich gibt es auch wieder passende Toplisten: Wir sprechen über die Filme und Filmszenen, die wir als Zuschauer am brutalsten und am unangenehmsten fanden, und wir werfen einen Blick auf unsere liebsten Teenagerfilme.
Wollt ihr uns auch einen Film vorschlagen, den wir gnadenlos zerreißen oder in unseren Himmel loben wollen? Dann schreibt uns unter florian@mussmansehen.de oder johannes@mussmansehen.de.
Funny Games [Michael Haneke]
(Österreich 1997)
Michael Hanekes Funny Games gehört zu jenen kontroversen Filmen, die zur Legendenbildung taugen. Als der Film 1997 in Cannes uraufgeführt wurde, verließ das Publikum der Erzählung nach reihenweise das Kino. Auch Kritiker und Experten wollten sich den Film nicht bis zum Ende anschauen. In der Folge wurde er gefeiert und verflucht, gehasst und geliebt, vergöttert und verspottet; bis zu seinem 1:1 US-Remake zehn Jahre später, bei dem die amerikanische Kritik das ganze Spiel nochmal von vorne durchexerzieren durfte.
Erzählt wird die Geschichte einer dreiköpfigen Familie, die von zwei brutalen jungen Männern zuerst belästigt, dann foltert und schließlich in Geiselhaft genommen wird für ein makaberes Spiel mit tödlichem Ausgang. Was im Ansatz wie ein klassischer Home Invasion Horrorthriller klingt, entwickelt sich jedoch zu einer makaberen Auseinandersetzung mit Mechanismen des Genres und der Rolle des Zuschauers darin; inklusive Bruch der vierten Wand und radikaler Dekonstruktion des Mediums in einer ebenso überraschenden wie surrealen Szene.
Über 30 Jahre ist der Film nun alt. Und da stellt sich natürlich die Frage: Kann er heute noch schocken? Besitzt sein postmoderner Ansatz heute noch Aktualität? Und ist an der Kritik was dran, das Michael Haneke hier letzten Endes paternalistischen Moralismus hinter einer schwer verdaulichen Horrorhandlung verbirgt? Was denkst du, Johannes?
In meinem Himmel [Peter Jackson]
(USA 2009)
Die Story ist schnell erzählt: Das Drama „In meinem Himmel“ aus dem Jahre 2009 arbeitet den gewaltsamen Tod einer 14 Jährigen auf, die aus dem Raum zwischen Leben und Tod berichtet wie es zum Mord kam und wie ihre Familie versucht den Tod zu verkraften und den Mörder zu finden.
Regie führte Peter Jackson…
Wait, what? Peter Jackson?
War das nicht der mit den Fantasy-Epen? Jupp. War das nicht der mit dem Trash-Horror? Jup. Hat Peter Jackson in diesem Film, völlig anderen Genres, alles das in der ein oder anderen Form auch versucht unterzubringen? Jup. Den Trash Faktor? Jupp. Die überbordende Fantasy? Jupp. Ist das gelungen? Uhmmm… Was meinst du Plor?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 27: Funny Games, In meinem Himmel Publishing Date: 2021-07-07T09:18:13+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/07/07/episode-27-funny-games-in-meinem-himmel/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast?
Johannes Franke: Nein, eigentlich nicht, aber ich...
Florian Bayer: Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können.
Johannes Franke: Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee.
Florian Bayer: Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeige dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest.
Florian Bayer: Das heißt so... Musicals aus den 50ern.
Johannes Franke: Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme.
Florian Bayer: Mit russischen Untertiteln. Von mir. Für dich.
Johannes Franke: Oh Gott, okay.
Florian Bayer: Aber du weißt, dass das für Menge Streit sorgen kann.
Johannes Franke: Definitiv. Das wird lustig.
Florian Bayer: Episode 27 Zuschauerwünsche.
Johannes Franke: Wow, wir haben 27 Episoden, Flo. Ja. Wie krass ist das denn?
Florian Bayer: Wir sind bald wieder rund.
Johannes Franke: Und ich hab dir gar nicht gesagt, dass ich schon den Ton angemacht habe. Wir laufen schon.
Florian Bayer: Ich hab's mir schon gedacht, als du dich so nach vorne gebeugt hast, als ich geredet habe.
Johannes Franke: Verdammt!
Florian Bayer: Herzlich willkommen, liebes Publikum, zur 27. Episode vom Muss-man-sehen-Podcast. Wenn wir es geschafft haben, dass es so viele Episoden gibt, wie wir Lebensjahre haben.
Johannes Franke: Oh, das gibt richtig Party.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Aber dann gibt es zweimal Party, weil wir haben niemals die gleiche Zahl. Du bist älter. Du bist sehr viel älter. Stimmt, ich bin so viel älter. Du bist so viel älter.
Florian Bayer: Gott. Ja, deswegen du Jungspund, du musst noch ganz viel über Filme lernen.
Johannes Franke: Danke, Flor. Ich kann so viel von dir lernen.
Florian Bayer: Und da wir uns so freuen über die 27. Episode, weil das so was Besonderes ist, eine Primzahl. Nochmal kurz zur Einführung, wir reden hier über Filme.
Johannes Franke: Wir reden über Filme, die wir mögen und von denen wir ahnen, dass der andere sie vielleicht nicht gucken würde normalerweise. und drücken sie ihm aufs Auge, um den Horizont des anderen zu erweitern.
Florian Bayer: Und genau das machen wir in dieser Episode nicht. Wir hatten nämlich mal wieder einen Zuschauerwunsch, beziehungsweise einen Zuschauerinnenwunsch.
Johannes Franke: Vielen Dank, Laura. Wir haben uns deiner Filme angenommen. Und ich hoffe, dass du versucht hast, unseren Horizont zu erweitern und nicht nur uns zu ärgern.
Florian Bayer: Wir haben von Laura zwei sehr unterschiedliche Filme bekommen, was ich total spannend finde. gefühlt an zwei unterschiedlichen Seiten des Spektrums stehen. Wir haben einmal einen österreichischen Independent-Film, Arthouse, Brutal, düster, trocken aus den 90ern. Funny Games von Michael Haneke. Und auf der anderen Seite haben wir großes Hollywood-Melodrama von Peter Jackson. Und zwar in meinem Himmel, auf der anderen Seite.
Johannes Franke: Die wirklich unterschiedliche nicht sein könnten, Blois. Es ist unglaublich. Ich habe sie hintereinander geschaut.
Florian Bayer: Oh, interessant. Ich auch. Und ich wollte gerade sagen, und trotzdem sind es zwei Firmen, die meiner Meinung nach bestimmte Problematiken teilen. Und zwar in einem bestimmten Gebiet. Darauf werden wir nachher auf jeden Fall zu sprechen kommen, liegen diese Filme tatsächlich dicht beieinander. Das ist meiner Meinung nach die Art, wie sie mit Genre und Stimmung umgeben. Mhm. Und beide Filme haben Probleme damit. Der eine etwas mehr, der andere etwas weniger. Aber beide haben soweit Probleme damit, dass auch drüber geredet wurde und dass wir heute auch drüber reden können.
Johannes Franke: Ja, das Gewaltthema ist eines der großen Gemeinsamkeiten für mich.
Florian Bayer: Das Gewaltthema auf jeden Fall. Ich dachte vor allem auch, wie sie versuchen, unterschiedliche Genres unter einen Hut zu bringen und dabei hin und wieder ins Stolpern geraten.
Johannes Franke: Ja. Durchaus.
Florian Bayer: Aber das machen wir am besten, wenn wir in die Diskussion reinkommen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Wir fangen an mit Funny Games. Und dazu hab ich auch ein kleines Intro geschrieben.
Johannes Franke: Ich wollte Schnickschnack-Schnuck machen, Flora. Okay, wir machen Funny Games als erstes. Dann, Plor, führ doch mal in den Film ein.
Florian Bayer: Michael Haneckes Funny Games gehört zu jenen kontroversen Filmen, die zur Legendenbildung taugen. Als der Film 1997 in Cannes-Uhr aufgeführt wurde, verließ das Publikum der Erzählung nach reihenweise das Kino. Auch Kritiker und Experten wollten sich den Film nicht bis zum Ende anschauen. In der Folge wurde er gefeiert und verflucht, gehasst und geliebt. vergöttert und verspottet. Bis zu seinem 1 zu 1 US-Remake 10 Jahre später, bei dem die amerikanische Kritik das ganze Spiel nochmal von vorne durchexerzieren durfte. Erzählt wird die Geschichte einer dreiköpfigen Familie, die von zwei brutalen jungen Männern zuerst belästigt, dann gefoltert und schließlich in Geiselhaft genommen wird für ein makabres Spiel mit tödlichem Ausgang. Was im Ansatz wie ein klassischer Home Invasion Horror Thriller klingt, entwickelt sich jedoch zu einer makaberen Auseinandersetzung mit Mechanismen des Genres und der Rolle des Zuschauers darin, inklusive Bruch der vierten Wand und radikaler Dekonstruktion des Mediums in einer ebenso überraschenden visorialen Szene. Über 30 Jahre ist der Film nun alt. Und da stellt sich natürlich die Frage, kann er heute noch schocken? Besitzt sein postmoderner Ansatz heute noch Aktualität? Und ist an der Kritik was dran, dass Michael Hanecki ja letzten Endes paternalistischen Moralismus hinter einer schwer verdaulichen Horrorhandlung verbirgt? Was denkst du, Johannes?
Johannes Franke: Es ist schön, dass wir inzwischen soweit sind, dass ich, sobald du die ersten Fragen in deinem Text auftauchen lässt, ich ahne, oh okay, diese Frage wird bald an mich gestellt.
Florian Bayer: Ich weiß, es gibt eine gewisse Redundanz in den Einleitungen. Aber irgendwie muss man den Ball ja so pong rüberspielen.
Johannes Franke: Autsch. Ja, das war ein deutlicher Ball. Ich habe gedacht, beim Film gucken, beim wiederholten gucken, aber das ist lange her, dass ich den gesehen habe, ich habe auch das US-Remake gesehen, aber das ist auch extrem lange her und ich war sehr überrascht über das ein oder andere. Aber ich habe die ganze Zeit gedacht, um auf deine Frage zu antworten, Es ist schon ein bisschen süß, wie damals sich aufgeregt wurde darüber. Wenn wir mal an das... denken, was inzwischen passiert ist, was es so an Filmen gibt und in welche Richtung das so geht. Ich kann mit Horrorfilmen nichts anfangen, aber dieser Film ist durch und durch großartig durchdacht und gemacht und an ganz vielen Stellen, denke ich... Ja, genau. Ass, hättet ihr das nicht so machen können? Weil einfach Hanneke genau die Mechanismen benutzt, die ich gerne sehen möchte, wenn ich Horror sehe. Nämlich genau im richtigen Moment nicht hinzugucken oder genau im richtigen Moment es dem Zuschauer zu überlassen, was er so im Kopf hat an schrecklichen Bildern.
Florian Bayer: Haneke hat natürlich einen komplett anderen Zugang zur Gewalt als zum Beispiel Ass und auch als andere Horrorfilme. Also Ass gehört ja auch eher zu den die als künstlerische Beiträge betrachtet werden. Aber trotzdem ist Ass, was die Darstellung des Horrors betrifft und vor allem die Darstellung der Gewalt, sehr drin im Genre. Das heißt, Gewalt wird benutzt, um Spannung zu erzeugen. begleitet von so ein bisschen makaberem Humor und vor allem mit vielen Horror-Elementen. Und Funny Games ... Und das funktioniert meiner Meinung nach auch heute noch so radikal in der Darstellung von Gewalt. Weil er wirklich lange drauf hält, was die Folgen von Gewalt betrifft. Und weil er wirklich die... unangenehme und schmerzhafte Seite von Gewalt zeigt. Es gibt diese krassen Nahen von der Hauptdarstellerin. Susanne Lothar, die einfach nur gezeigt wird, wie sie total fertig ist mit den Nerven.
Johannes Franke: Sie sieht so furchtbar aus.
Florian Bayer: Sie ist richtig gequält und sie leidet richtig ... Haneke hat wohl unglaublich viele Takes für diese Szenen genommen, wo er einfach nur sie zeigen will, wie sie fertig ist. Und zwar hat er wohl nachher gesagt, das war total intendiert, er wollte Erschöpfung sehen. Und er hat sie so lange durch diese Tretmühle getrieben, bis sie wirklich auch die Schauspielerin Susanne Lothar komplett erschöpft war und einfach nur noch ... kaum noch reagieren konnte und ihre Sätze einfach nur noch so ausgeatmet hat, mehr als zu sprechen.
Johannes Franke: Was die Wirkung voll entfaltet, die es haben soll. Also wirklich beeindruckend, muss ich schon sagen. Es ist schwer zu sehen. Also man hat wirklich... Immer wieder die Versuchung, mach ich vielleicht eine Pause oder mach ich den Film vielleicht doch aus? Also mich erwischt der Film mit allem, was er will. Also er macht es wirklich verdammt gut.
Florian Bayer: Ja, es ist ein Film, der einfach wirklich einfach wehtut. Auch diese Szene, nachdem der Sohn dann ermordet wurde, was schon komplett Horror-Konvention widerspricht. Das Kind ist das erste Mordopfer. Und dann sehen wir diese elendlangen Totale. Die Mörder sind kurz weg. Und wir sehen diese wirklich elendlange Totale, wie sie sich irgendwie aufraffen und wie sie überlegen, was sie als nächstes machen und wie sie irgendwie versuchen, klarzukommen damit, dass ihr Sohn gerade mit einem Kopfschuss getötet wurde.
Johannes Franke: Und sie sitzt ja erstmal wirklich lange nur da, bevor sie überhaupt irgendwas macht. Und ich denke, die ganze Zeit ist sie jetzt gänzlich entrückt, weil man merkt, dass sie noch lebt, sonst würde sie nach vorne, hinten, unten überfallen. Bei ihm weiß man nicht genau, ob er nicht schon eigentlich tödlich verwundet da liegt. bis sie sich irgendwann dazu durchringen kann, zu sagen ... sie sind weg, hörst du mich, sie sind weg und versucht irgendwie ihre Fesseln loszuwerden und ihrem Mann Das ist in einer unglaublichen Länge ausgedehnt und ausgehalten einfach. Aber genau richtig. Also es ist nicht so, dass ich dann dachte, nö, ach, kürz mir die Hälfte weg, sondern ich dachte, okay, das braucht der Film aber auch. Und das macht er gut, ein gutes Timing.
Florian Bayer: Es ist ja noch nicht mal, wenn die Gewalt eskaliert. Es ist ja auch schon vorher, wenn die Familie einfach von ihnen gefangen gehalten wird. diese realistische Ohnmacht, dieses Gefühl nichts tun zu können und auch diese Hemmungen was zu tun, Sie werden nicht krass brutal festgehalten oder so, sondern sie werden bedroht und es wird auf sie eingeredet. Und sie sitzen da und sie versuchen irgendwie Widerstand zu leisten, aber es ist auch so ein schwacher Widerstand. Und es ist so unangenehm realistisch, dieses Ohnmachtsgefühl und diese Hilflosigkeit, die sie dann haben, während diese beiden Jungs... permanent die Daumenschrauben anziehen und immer brutaler werden in ihren Spielchen, die sie mit ihnen treiben.
Johannes Franke: Wollen wir mal ganz kurz von vorne durchgehen. Ich finde nämlich sehr gut, dass wie Haneke in den Film reingeht. so ein bisschen Stanley Kubrick das Die Fahrt zum Hotel und mit der Klassik, die dann läuft im Radio. Ich habe ein kleines bisschen am Anfang, war ich zu self-conscious, weil... Weil es klang, als ob sie das alles im Studio aufgenommen hätten. Erst als sie ins Auto springen, kommt man wirklich in die Szene rein. Aber ich finde es trotzdem ganz gut, wie er es macht und die Idee finde ich gut und ich kann das... Ich komme da trotzdem dann sehr schnell in den Film rein, nachdem dieser erste Stolperer war. Mit der Klassik und dann der gegengesetzten, was ist das, Metal?
Florian Bayer: Metalcore. Es ist John Thorn. Das ist ein Amorgant Musiker, eigentlich ein Chessmusiker, der Anfang der 90er experimentiert hat mit Metal und mit Grindcore. Und mit wirklich harter Musik und die verknüpft hat mit seinen avantgardistischen, experimentellen Sachen, die eigentlich aus einer komplett anderen Ecke kommen. Davon hört man tatsächlich nicht viel. Das sind die Metal-Parts, die sie spielen. Aber ich finde es total interessant, dass Hannecke ausgerechnet John Thorne gewählt hat, der jetzt nicht der typische Metal-Musiker ist. Ja. Aber genau, es kommt jetzt erst mal das Metal-Fegefeuer. Sie sitzen im Auto, man hört die klassische Musik, sie unterhalten sich, es scheint alles nett zu sein. Und dann wird das ganz abrupt unterbrochen und wir hören lautes Gekreiche und Gekeife unter tief gestimmten Bessen. extremen Gitarren-Riffs. Es ist krass einfach, dieser Kontrast.
Johannes Franke: Und das alles über den Bildern eines offensichtlichen Arthouse-Independent-Films? Ja. Soll nicht heißen, schlecht gefilmt oder soll nicht heißen, Qualität ist irgendwie nicht da. Sondern aber das Disgrading und die Filmauflösung an sich, man merkt halt sofort, das ist ein Independent Movie und... Aber sehr sympathisch. Auf eine sehr sympathische Art und Weise. Und ich mag Ulrich Mühe einfach Sofort als Schauspieler. Ich mag ihn einfach. Ich habe sofort Zugang zu ihm und sie ist auch toll und das mit dem Kind funktioniert auch so. sofort super. Man kommt irgendwie sofort in diese Familie rein irgendwie.
Florian Bayer: Ulrich Müh ist einfach ein verdammt guter Schauspieler.
Johannes Franke: Ja, muss man wirklich sagen.
Florian Bayer: ja schon ewig lange, also wirklich zu den wirklich, wirklich starken deutschsprachigen Schauspielern gehört und Susanne Lothar ist auch ganz fantastisch, die hat ja auch unzählige Sachen gespielt, die ist vor allem im Theater unterwegs gewesen, aber auch im Kino. Und genau, die sind super gespielt. Der Sohn ist von Stefan Klopczynski gespielt, der jetzt nicht so eine große Schauspielwiete hat. Aber der in den richtigen Momenten auch das total überzeugend spielt. Absolut. Diese Angst und Hilflosigkeit, die später kommt. Ja, man ist schnell drin und man versteht auch, wie diese Familie funktioniert. Und ich glaube, man kommt auch nicht drum herum, gleich von Anfang an diese Familie so als... Als satirischer Blick auch aufs Bildungsbürgertum zu lesen, wie sie da im Auto sitzen und dann dieses Ratespiel spielen, wo sie die klassische Musik erklären.
Johannes Franke: kennen sollen. Ja, wer ist das jetzt? List, ja, List, klar, aber was genau? Also, schon cool. Man liest sofort, welche Familie, woher die kommen.
Florian Bayer: Wir haben hier Bildungsbürgertum. Besitzbürgertum. Sie fahren zu ihrem Ferienhaus in einem schicken Ort, ein sehr schönes Haus, direkt am Meer.
Johannes Franke: Ganz toll. Und ich finde auch, was mir sofort aufgefallen ist, als sie nur ein paar mehr Worte gewechselt haben, dass Hanneke ein wirklich guter Dialogschreiber ist. Muss man sagen. Wirklich richtig gut. Realistische und sehr... Lebensnahe Dialoge einfach. Ganz toll.
Florian Bayer: Ja, auch... Also Haneke schafft es ja tatsächlich... banalen Dialogen Tiefe zu verleihen. Und das ist eine Gabe, die nur ganz wenige Filmmacher oder Filmmacherinnen haben, dass sie es schaffen, In diesen Alltäglichkeiten Menschen zu porträtieren, dass man versteht, wie diese Menschen ticken und in welcher Welt sich diese Menschen bewegen.
Johannes Franke: Ja und nicht irgendwie so in jedem Satz irgendwie am Anfang des Films unterbringen zu wollen. wo gehen die Figuren hin, was wollen die vom Leben und so, sondern man erfährt es ganz natürlich und es ist nicht so ein verzweifelter Versuch über den Dialog alles zu erklären, wie das oft bei solchen Filmen ist. Also Haneke macht das wirklich sehr, sehr gut.
Florian Bayer: Genau, es kommt die Ankunft im Ferienhaus und es dauert tatsächlich nicht lange. Es gibt noch ein kurzes Zwischenspiel, wo wir mit den beiden Antagonisten... konfrontiert werden, die offensichtlich bei Freunden sind. Da sehen wir sie einmal kurz, Paul und Peter, zumindest zeitweise Paul und Peter. Die Namen können nämlich durchaus wechseln. Und sie kommen in ihrem Ferienhaus an, bereiten alles zu und dann kommt der Peter und Und fragt Susanne nach Eiern.
Johannes Franke: So ganz schüchtern, weißt du?
Florian Bayer: Sehr höflich.
Johannes Franke: Sehr höflich und distinguiert und so.
Florian Bayer: Unsere beiden Antagonisten haben ohnehin wirken eigentlich wie so klassische junge Snobs. Also so stellt man sich irgendwie so 20-jährige... Julis vor, die gerade ihr Rechtsanwaltsstudium begonnen haben oder so.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: die sich auch mit Golf auskennen. Sie sagen auch, wow, interessante Golfschläger. Er kommt und fragt ganz höflich nach Eiern. Und das wird aber... ganz schnell unangenehm, als man merkt, da stimmt irgendwas nicht, wenn er nämlich die Eier fallen lässt und dann überhöflich nochmal nach den Eiern fragt und dann zufällig das Telefon ins Spülbecken fallen lässt Und Susanne ist auch von Minute zu Minute genervter von ihm. Am Anfang findet sie das noch lustig, findet ihn einfach tollpattig, aber dann merkt sie auch selbst, dass da offensichtlich irgendein irgendwer vieles Spiel läuft und dass sie veralbert wird, erkennt aber noch nicht so wirklich die Gefahr,
Johannes Franke: Und da muss ich mal sagen, das muss man erst mal schaffen, als Drehbuchautor A, das zu schreiben, so eine sehr subtile Entwicklung zu schreiben und B, dann das so zu inszenieren. dass du da wirklich ganz seicht reinkommst und als Zuschauer genau wie sie auch im Film erst nach und nach merkst, Irgendwie, was macht er da? Und dann besteht er auf diese Eier. Das sind alles so ... Ganz kleine Grenzüberschreitungen, wo du dann eigentlich noch sagen könntest, ja, irgendwie hat er vielleicht kein Gefühl für soziale Interaktion oder so, aber... Und dann kommst du nach und nach, wird die Daumenschraube so angedreht und du merkst dann irgendwann, au scheiße. Das wird richtig unangenehm jetzt.
Florian Bayer: Und dann ist auch tatsächlich der Moment erreicht, wo der Film unangenehm wird. Also schon bevor der Terror anfängt, wird der Film unangenehm. Und er hört dann auch nicht mehr auf, unangenehm zu sein. Hervorragend übrigens gespielt von den beiden, die Paul und Peter verkörpern. Um die Namen auch noch mal kurz zu nennen, das sind Arno Frisch und Frank Giering. Gerade mit Arno Frisch hat Michael Haneke auch vorher schon zusammengearbeitet in Bennys Video. Als Arno Frisch noch ganz jung war und da auch den psychopathisch veranlagten Jungen gespielt hat als Kind und das auch ganz hervorragend gemacht hat. Und das ist eigentlich so, du hast das Gefühl, der Film geht jetzt in eine bestimmte Richtung. Gewalt gezeigt, der über eine Familie kommt. Und diese Gewalt wird tatsächlich realistisch dargestellt, sodass sie unangenehm ist, dass die Zuschauer damit konfrontiert werden, wie unangenehm Gewalt eigentlich ist und halt nicht so wie im klassischen Horrorfilm. Aber das ist natürlich ja nicht alles, was der Film macht.
Johannes Franke: Und ...
Florian Bayer: Das ist das, was ich auch meinte mit den Genresprüngen. Der Film will ja offensichtlich zwei Dinge tun. Er will einmal einen Film zeigen, einen Gewaltfilm, in dem die Gewalt maximal unangenehm ist. Dann will er aber gleichzeitig einen Film zeigen, der eine Satire ist auf den Horrorfilm und auf das Medium. Und das macht er eben, indem er radikal die vierte Wand durchspricht. Nicht oft.
Johannes Franke: Aber es ist auch keine Satire, über die man lachen kann.
Florian Bayer: Es ist keine Satire, über die man lachen kann. Das ist die Frage, will der Film, dass wir darüber lachen? Wenn er will, dass man darüber lacht, dann scheitert er natürlich.
Johannes Franke: Ja. Also ich finde es wahnsinnig creepy, wie er das erste Mal die vierte Wand durchbricht. Es ist wirklich super ausgewählt, ein großartiger Moment dafür. sie sucht den Hund, von dem wir als Zuschauer ahnen, dass er ihn erschlagen hat. Also der, wie heißt der nicht, Peter, sondern der andere.
Florian Bayer: Ja, wie heißt der Paul?
Johannes Franke: Paul, ähm, da heißen die auch noch Peter und Paul, weißt du, sind so...
Florian Bayer: Aber er nennt ihn übrigens zwischendurch dann Tom, ne? Was... Das ist tatsächlich, als Paul dazu kommt, fängt er an, Peter plötzlich Tom zu nennen. Und danach nennt er ihn wieder Peter. Es ist nicht ganz klar, wo dieser Wechsel herkommt. Er nennt ihn auch irgendwann Cherry zwischendurch. Und sie nennen sich auch irgendwann mal Beavis und Butthead.
Johannes Franke: Ja genau, es kommt von Tom und Jerry, oder? Genau. Aber als sie nach dem Hund sucht, Und wir schon wissen, okay, der ist ja erschlagen worden. Und er guckt ihr, amüsiert dabei zu, wie sie sucht. Und sagt so noch ganz zynisch von außen, warm, kalt, kalt, warm, wie man das so macht mit Kindern, wenn sie was suchen. Und dreht sich dann einmal zur Kamera um und guckt in die Kamera und zwinkernd uns verschwörerisch zu.
Florian Bayer: Fröhlich, verschwörerisch. Hey, ihr habt doch Spaß daran. 30. Minute. Wow. Es ist einer von ein paar... mit der vierten Wand. Das sind tatsächlich nicht viele. Wir haben den in der 30. Minute, das ist der erste. Dann haben wir in der 42. Minute, wenn die Familie mittlerweile... wirklich gefangen genommen ist und dann klar ist, die wollen sie töten und sagen, wir wetten, dass ihr in zwölf Stunden alle drei tot seid. Dann guckt er wieder in die Kamera, das ist dann so die 40. Minute und er fragt uns. Na, was denken Sie? Sie sind doch auf Ihrer Seite. Auf wen wetten Sie? Das ist der zweite Bruch der vierten Wand?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Der dritte ist ein bisschen weniger spektakulär, dann dauert es tatsächlich relativ lange, in der 90. Minute. Wenn er die, wenn Susanne geknebelt ist, sagt er, wird ihr Knebel gelöst von Tom, äh, von Peter ... Mit den Worten, stumme Leiden und spektakulär. Wir wollen doch dem Publikum etwas bieten. Natürlich ganz klar auch wieder Richtung uns.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Dann gibt es den vierten, das ist in der 95. Minute ... Wenn er sagt, wir sind doch noch unter Spielfilmlänge. Ist die nicht schon genug? Sie wollen doch ein richtiges Ende mit plausibler Entwicklung, oder? Auch wieder in unsere Richtung. Und der Fünfte ist in der 100. Minute mit der Fernbedienung. Und der sechste ist im Schlussbild, wenn der Blick vom Anfang wieder gespiegelt wird, Das sind also sechs Brüche insgesamt mit der vierten Wand oder sechs, nicht mal Brüche mit der vierten Wand, sechs selbstreferenzielle Momente. Das ist alles. Aber die sind super platziert.
Johannes Franke: Und die sind so pervers, weil du als Zuschauer, dann kommst du dir richtig schmutzig vor, weil du einfach... reingezogen wirst und Mittäter irgendwie wirst und dann, na komm, machst du mit, wir sind hier fröhlich dabei. Du willst doch, dass es unterhaltsam ist und so.
Florian Bayer: Der Film macht keinen Hehl daraus, dass die beiden Killer das machen zu unserem Vergnügen. Dass wir Spaß haben, dass wir gestrilled sind. Sie sind sich auch bewusst, dass wir nicht auf ihrer Seite sind, sondern auf der Seite der Opfer. Aber die Opfer sind eigentlich auch nur die Opfer, weil wir da sind. Sie machen das für das Publikum.
Johannes Franke: Was will uns Haneke damit sagen?
Florian Bayer: Ihm wurde ja viel vorgeworfen, dass es total moralistisch wäre, was er da macht. Und zwar auch, dass es ein bisschen heuchlerisch moralistisch wäre oder sogar wie Gott, weil er natürlich die... Rolle des Mediums komplett ausklammert. Oder seine eigene Rolle. Die Filmmacher... sind nicht die Schuldigen, sondern die Schuldigen sind die Zuschauer.
Johannes Franke: Ja, aber das brauchst du, das musst du.
Florian Bayer: Er klagt uns an, aber er klagt sich nicht selbst an. Er reflektiert sich nicht selbst. Er reflektiert nur unsere Rolle.
Johannes Franke: Ja, aber du musst ja den Zugang zum Zuschauer kriegen. Du musst ihn ja direkt kriegen. Und wenn du dann den Filmemacher dazwischen schaltest, dann verliert das an Wirkung. Weißt du, was ich meine?
Florian Bayer: Ja, ich weiß, was du meinst. Aber es hat natürlich so ein... Das hat natürlich so was Selbstgerechtes, ne?
Johannes Franke: Ja, ja gut. Ich habe sowieso das Gefühl, dass Haneke relativ viel so selbstgerecht ist. Also wenn ich an Bennys Video zurückdenke, ich habe es auch echt lange nicht gesehen. Oder wenn ich an Caché oder wie der heißt, der ist ja auch krass und der hat aber auch so irgendwie so, weiß ich nicht, so ein... Der Unterton ist irgendwie, ist der schon so ein bisschen da immer, aber mich stört es nicht zu sehr.
Florian Bayer: Und es waren ja tatsächlich die drei großen Filme von Hanecker, die das Medium referieren in allen drei Filmen. geht es irgendwie darum, welche Rolle spielen Medien bei der Gewalt? In Bennys Video wird ein Kind zum Mörder. weil es Gewaltvideos konsumiert und weil es Gewaltvideos drehen will und Und in Caché spielen gesendete Videos auch eine ganz große Rolle. Caché kriege ich übrigens auch nicht mehr so wirklich zusammen.
Johannes Franke: Ich auch nicht. Ich weiß nicht.
Florian Bayer: Nur der hatte so eine Lönch-Atmosphäre dadurch, dass er einfach dieses Motiv aus Lost Highway übernimmt, dass ein einfaches Ehepaar plötzlich... Videos zugeschickt kriegt, wo nur ihr Haus zu sehen ist und ihre Türschwelle. Aber alle drei Filme reflektieren irgendwie, welche Rolle spielt Medialität beim Thema Gewalt.
Johannes Franke: ultra unangenehm.
Florian Bayer: Ja, Funny Games macht das am radikalsten. Funny Games macht das tatsächlich am konsequentesten und ja,
Johannes Franke: Am unangenehmsten. Womit wir vielleicht. Ganz organisch sogar diesmal. Bei unserer Top 3 wären.
Florian Bayer: Das sind wir. Jingle.
Johannes Franke: Yeah. So. Top 3, die unangenehmsten Filme oder Filmmomente, die uns so einfallen. Müssen wir die Filme dazu mögen?
Florian Bayer: Nein, ich habe definitiv Filme dabei, die ich nicht mag und die ich auch nicht mag, weil sie unangenehm sind und teilweise auch Filme, unabsichtlich was Unangenehmes haben?
Johannes Franke: Also so Rassismuszeug?
Florian Bayer: Ja, tatsächlich. Das ist das richtige Wort für eine meiner honorable, beziehungsweise in diesem Fall dishonorable Mentions.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: zwei Stück habe ich, zwei des Honorable Mentions. Und beide sind politisch extrem schwierig. Der erste ganz radikal Nicht ohne meine Tochter aus dem Jahr 1991. Ein amerikanischer Film, der die Verfilmung einer Autobiografie ist von Betty Mahmoudi. Und zwar ist sie mit ihrem Mann ... in den 80ern glaube ich in den Iran gezogen Und er war iranischer Herkunft, sie ist Amerikanerin und da wird sie dann unterdrückt und Und ihre Tochter wird von ihr ferngehalten und sie muss sich mehr und mehr dem Bild der muslimischen Hausfrau feststellen. fügen und irgendwann wird es ihr zu viel und sie hat dann auch Angst, dass das ihr was angetan werden könnte, weil der Mann auch gewalttätig ist und sie hat Angst, dass ihrer Tochter was angetan werden könnte oder dass ihre Tochter ihr komplett weggenommen wird. Und dann flieht sie mit ihr gemeinsam in die USA. Und dieser Film steckt so voller... anti-islamischer Stereotype und ist gleichzeitig so ein krasses amerikanisches Propagandawerk, weil sie ähm Es ist wirklich dieses Bild am Schluss, wenn sie die amerikanische Flagge sieht, die auch noch wunderbar perfekt im Wind weht, weiß sie, sie hat jetzt die Freiheit erreicht. Und natürlich gibt es im Iran und in anderen aschalischen, muslimischen Gesellschaften gibt es sehr viel Unterdrückung der Frau und so weiter.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Aber das wird in diesem Film derart penetrant mit so einer krassen Keule draufgehauen und es werden so viele rassistische Stereotype bedient. dass es ab einem gewissen Punkt einfach unangenehm wird. Vor allem, wenn man den Hintergrund kennt, dass der... Mann, der in dem Roman dargestellt wird, der hat sehr stark auch versucht, gegen den Roman zu kämpfen. Hat gesagt, hey, diese Autobiografie, die entspricht spricht nicht der Wahrheit. Das ist alles ganz anders gelaufen und man weiß natürlich nicht, was der Realität entspricht und ich glaube, sehr viel, was sie geschrieben hat, stimmt auch. Aber das Schlimme ist halt auch, was Hollywood draus gemacht hat. Und das ist einfach mal so ein extrem patriotischer bis nationalistischer von rassistischen Vorurteilen... und ethnischen Stereotypen durchsetzter Film, der wirklich ab einem gewissen Punkt einfach unangenehm wird. Weil es ein ideologischer Zwerg ist.
Johannes Franke: Okay. Ja gut, sowas gibt es ja auch. Nun aus so Nazis. Zeiten und so, ne, so unangenehme Sachen, die man sich einfach nicht mehr angucken kann, weil man die ganze Zeit denkt, ach du Scheiße, was da alles... propagiert wird und was da dran hängt und wem, wo das alles hingeführt hat und so. Ähm, Ich hätte es in die andere Richtung als honorable Menschen. Leg dich nicht mit Zorn an, den ich wirklich sehr unangenehm fand zu gucken.
Florian Bayer: Der war doch witzig. Auch der Wunsch einer Zuschauerin, einer Zuhörerin, wir sollten nicht von Zuschauern sprechen, wenn wir einen Podcast machen.
Johannes Franke: Sie gucken sich dabei das Handy an, ich sag's dir.
Florian Bayer: Der Wunsch einer Zuhörerin, den wir vor einiger Zeit besprochen haben und Johannes war nicht sehr glücklich mit dieser Wahl. Nein.
Johannes Franke: Aber auch unangenehm, aber auf eine gute Art und Weise ist dann wieder Borat.
Florian Bayer: Ja, stimmt. Borat ist wirklich unangenehm teilweise. Oh ja.
Johannes Franke: Ja, aber eben auf eine... Gute Art und Weise, weil du am Ende irgendwie wirklich ein, du hast einen Mehrwert davon und du weißt, du hast ein, ja, es ist einfach ein Gesellschaftsbild. Wenn auch eine unangenehme ist, aber naja, so ist das halt. Ja. Die habe ich nicht mit reingenommen in meine Liste, warum auch immer, keine Ahnung, aber das wären so, ja.
Florian Bayer: Ich habe noch eine Dishonorable Mention, auch aus der politischen Ecke, mit eigentlich... Ich gehe davon aus, dass der Macher Joffrey White die besten Intentionen bei diesem Film hatte. Und er versagt aber total. Und zwar Romper Stomper aus dem Jahr 1992. Ein Film der Neonazi-Skinheads in Australien. Die Geschichte von Neonazi-Skinheads in Australien erzählt mit einem ganz jungen Russell Crowe. Ich glaube, es war seine erste große Rolle, wenn nicht sogar seine erste Und er versucht natürlich irgendwie diese Subkultur nachvollziehbar zu machen. Und gleichzeitig ihre Abgründe zu zeigen. Das heißt, er zeigt ihren Alltag geprägt von Gewalt, Alkohol und neonazistischer Propaganda.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Aber... Er läuft total in die Falle, dass er irgendwann, und das merkt man in diesem Film an, er ist irgendwann total fasziniert von dieser Welt. Und ganz vieles, was er zeigt ... zeigt er mit einer sichtlichen Begeisterung für diese Figuren. Obwohl er das, glaube ich, gar nicht will. Bis zu dem Punkt, wo die ... Sie prügeln halt die ganze Zeit auf Ausländern rum. Und dann... wird auch teilweise zurückgeschlagen und dann gibt es in Australien sind es ja vor allem asiatische Einwanderer auch. Und die werden dann aber auch so als identitätslose Masse gezeigt, fast wie so im Actionfilm, dass die Skinheads, die wir kennengelernt haben, deren Motiv wir verstehen, plötzlich konfrontiert wird mit einer Horde von Asiaten, die sie dann verprügeln. Und es ist fast so wie in einem klassischen Actionfilm, wo der Held gegen ganz viele gesichtslose Bösewichte kämpft. Und diese Atmosphäre... Okay. kommt in dem Film irgendwann auf. Und der Film will das nicht. Ich glaube dem Film, dass er das nicht will. Der Film will kein Propagandawerk sein für Neonazis. Der Film will zeigen, hey, Neonazis sind scheiße. Aber er scheitert darin total, weil er zu sehr von seiner Action begeistert ist und zu sehr von der Dynamik dieser Welt begeistert ist, Und dadurch wird es zum total unangenehmen Werk, weil man einfach merkt, diesen Film gucken 14-jährige Teens und denken, irgendwie ist es schon geil. So ein Hakenkreuz-Tattoo.
Johannes Franke: Nee, shit. Okay, verstehe, was du meinst. Okay, machen wir deinen Platz 3.
Florian Bayer: Meinen Platz 3. Keine Dishonorable Mention, sondern eine Honorable Mention, sondern einfach ein... sondern einfach mein Platz 3. Ein wirklich, wirklich guter Film, ein wirklich, wirklich schwer zu konsumierender Film. Gammo. aus dem Jahr 1997. Ein amerikanischer Independent-Film und... Budget 1,3 Millionen, also gar nicht so low, low budget. der einen Vorort zeigt von Ohio, in dem... Es ist White Trash in Filmform gegossen. Wir sehen Menschen ... die ein wirklich schwieriges Leben haben, das geprägt ist von Drogen, von Gewalt, von Alkohol, von Schmutz. Und Perversion. Und wir sehen einfach Figuren, die sich in dieser Welt bewegen. Und es sind unglaublich... dreckige Bilder, schmutzige Bilder. Es ist ein unglaublich schmutziges Leben. Es ist ein verwahrlostes Leben. Der Film ist irgendwie so ein bisschen zeitlos, aber man hat teilweise das Gefühl, man befindet sich in so einer Art Postapokalypse.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Aber es ist eigentlich nur, einfach nur heruntergekommen, eine vergessene amerikanische Vorstadt und Und es führt auch zu nichts. Es werden einfach Episoden gezeigt. Und wir sehen Menschen, die dahin vegetieren. Und das ist ... Ein wirklich, wirklich starker Film und gleichzeitig ein wirklich, wirklich schwieriger Film, der irgendwie... der so dreckig ist und so hässlich, dass man ihn kaum genießen kann. Und trotzdem ... Trotzdem hat er eine ganz eigene Poesie. Toller Film, kann ich nur empfehlen, aber ... Robuster Magen und man sollte auf einiges gefasst sein. Man muss damit klarkommen, was man da sieht. Meine Nummer 3. Gammo 1997.
Johannes Franke: Mm-hmm. Ich hätte auf meinem Platz drei... Ähm, andalusischer Hund. Der andalusische Hund. Oh ja. Wo das mit dem Auge, von wann ist der Film? Zwanzigern, dreißigern? Ja. Ende der 20er vielleicht. 29 ist nicht gut. wo dieser Frau einfach mit einer Rasierklinge das Auge aufgeschnitten wird. Und das ist so gut gemacht. selbst heute noch, also 1929 haben sie es irgendwie hingekriegt, mir Im Jahr 2021 ein...
Florian Bayer: radikale Nahaufnahme auf den Augapfel und das Rasiermesser direkt durchschneidet und sogar noch so Flüssigkeit rauskommt und so aufploppt.
Johannes Franke: Das ist wirklich, wirklich eine der unangenehmsten Szenen, die ich je im Film sehen musste.
Florian Bayer: Von Louis Bonoel und... Salvador Dalí, Louis Bonoel, der sich dann aufgemacht hat, unglaublich viele tolle surrealistische Filme zu drehen. Es ist ja ein bisschen schade, dass das Kino des Surrealismus so ein bisschen untergegangen ist in den 80ern. Ich liebe diese Filme. Ich glaube, wir müssen mal auf unsere Liste demnächst ein Surrealismuswerk packen.
Johannes Franke: Ich glaube auch, ich glaube auch. Obwohl ich von The Fall auch schon fast genug hatte.
Florian Bayer: Aber The Fall war ja alles noch klar geordnet. Ja, naja. Wenn ich Surrealismus reinpacken will, dann muss es so richtig abgehen. So Jodorowski, wo du das Gefühl hast, du siehst einfach nur zwei Stunden einen einzigen Drogenrausch.
Johannes Franke: Wie war das mit dieser, eine Taube saß auf einer Bank und dachte über das Leben nach oder sowas? Ich weiß nicht ganz genau. Der skandinavische Regisseur? Ja, genau.
Florian Bayer: Ja, genau. Ja, den könnten wir auch nehmen.
Johannes Franke: Vielleicht müssen wir den mal gucken.
Florian Bayer: Der wäre auch spannend, auf jeden Fall, ja.
Johannes Franke: Weil den hast du noch nicht gesehen, ne?
Florian Bayer: Ich habe von dem einen Film gesehen, aber ich muss jetzt selbst nochmal suchen. Ich habe einen von diesen ... Warte, war das das jüngste Gewitter? Ich weiß nicht, ich bring bei sowas die Filme dann irgendwann durcheinander. Wenn die so ähnlich sind bei Bruno Elbe, hab ich auch mal Schwierigkeiten zu sagen. Welcher Film ist, wenn die Filme oft so episodisch sind und gleichzeitig so surreal dann noch. Ja, aber auf jeden Fall. Stimmt. Und das surreale Kino ist offensichtlich nicht ganz tot, weil die Filme sind noch relativ jung.
Johannes Franke: Relativ jung, genau. Okay, ja, schöne Nummer drei. Schöne Nummer drei. Mach du mal deine zwei.
Florian Bayer: Meine 2 ist wieder eher so ein Dishonorable-Film. Und zwar Insight aus dem Jahr 2007. Ein französischer Horrorfilm. Mhm. Zu der Zeit rausgekommen, als zum einen diese New French Extremity total en vogue war. Wir hatten Climax von Gaspar Noé. Und in dieser New French Extremity hat sich dieses zweite Subgenre entwickelt, so eine Art Nouvelle Vague des französischen Horrorfilms. Es sind sehr viele Horrorfilme rausgekommen, die alle sehr ähnlich waren. Und vor allem sehr brutal. Und ich kann wirklich viel ab, was Horror betrifft. Aber Inside war ein Film, der mich wirklich wütend gemacht hat, weil er so exploitativ mit Gewalt umgeht. Und zwar geht es um eine schwangere Frau, die von einem unbekannten Killer... in ihrer Wohnung bedroht wird. Und der jagt sie und sie versucht zu entkommen.
Johannes Franke: Und was...
Florian Bayer: an diesem Film wirklich krass ist, ist, dass immer wieder, wenn sie, was oft passiert, wenn sie stürzt, wenn sie geschlagen wird oder so, sehen wir Röntgenaufnahmen von ihrem Bauch, das Innere, das Baby, das rumgeschleudert wird in ihrer Gebärmutter und entsprechend mitleidet.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und das war unglaublich unangenehm inszeniert, einfach weil ... Sie war hochschwanger, wir sehen halt ein Baby kurz vor der Geburt, das maltretiert wird im ... Und es waren unschöne Gewaltszenen und es war vor allem auch unangenehm, weil man das Gefühl hatte, der Film nutzt das wirklich klassisch, exploitativ, um Spannung zu erzeugen. Aber bei mir hat er einfach nur Widerwillen erzeugt. Also kein Film, für den ich eine Empfehlung aussage. aussprechen kann, einfach, weil ich es wirklich unangenehm fand, wie er mit der Gewalt umgegangen ist und vor allem mit der Gewalt gegen ein Baby, das auch im Mutterleib ist.
Johannes Franke: Okay. Okay, mein Platz 2 wäre Black Swan. Oh. Es gibt da dieses, also alleine wie sie ihre Federn wachsen. Sie reißte sich auch irgendwann aus, glaube ich. Es gab so echt ein paar Momente in dem Film.
Florian Bayer: So Body-Horror-Momente. Ja.
Johannes Franke: Was ich nicht erwartet habe von dem Film. Ich bin da reingegangen ins Kino. Ich glaube, wann war denn, wann ist der Film ausgezeichnet? gekommen. Ich habe noch deutlich mehr Verbindung zur Ballettschule gehabt. Ich war ja auf der Artistenschule und der Ballettschule.
Florian Bayer: 2010, wir waren zusammen im Kino.
Johannes Franke: Ich glaube, wir waren zusammen im Kino, ja, genau. Und da hatte ich meine Verbindung noch stärker. Das hat sich ein bisschen gelegt inzwischen. Aber damals habe ich mehr... weiß nicht, so Ballett und ach, schön und so erwartet und dann kam da so ein krasser Horror bei raus. Und das war... Der Film war gut, ne? Also vor allem auch... Technisch wahnsinnig spannend gemacht und wahnsinnig gut, weil die auch diese Spiegel überall und dann mussten sie die Kamera irgendwie rausretuschieren und das... Das hat ganz krasse Bildkompositionen erzeugt. Aber es waren einfach unglaublich unangenehme Momente dabei.
Florian Bayer: Darren and I are enough, kannst du mich glaube ich jetzt nicht weitersagen darf, sonst nehme ich deinen Platz 1 vorweg.
Johannes Franke: Nö, nö, nö.
Florian Bayer: Nicht? Okay. Darren Aronofsky, der ja wirklich gut drin ist, Pathos mit unangenehmen Bildern zu verknüpfen.
Johannes Franke: Immer da habe ich zum Beispiel nicht gesehen.
Florian Bayer: Einer seiner jüngsten Filme, Mother, war ziemlich unangenehm, aber tatsächlich finde ich der unangenehm. ist der Film, der das macht von ihm, ist immer noch Requiem for Dream, wo er zeigt, wie junge, heroinabhängige mehr und mehr abgleiten und dann in teilweise wirklich brutalen Montagen zeigt er, wie einer Frau bei so einer Sexshow mitmacht, um das Geld für ihr Heroin zu bringen, während ihrem Freund der Arm abgesägt wird, weil er eine Blutvergiftung hat. Und das war ein wirklich übler Film. Und gleichzeitig die Elektroschocks gegen seine Mutter, die tablettenabhängig war und dadurch den Verstand verloren hat. Aus dem Jahr 2000, krasser Film, hab ich gar nicht dran gedacht bei der Liste, aber Darren Aronofsky ist für sowas immer ganz gut.
Johannes Franke: Ja. Nee, Requiem for a Dream habe ich einfach nicht mehr gut genug im Kopf gehabt. Habe ich gut genug verdrängt... Was da jetzt passiert ist? Danke für die Erinnerung.
Florian Bayer: Das war wirklich ein... Ja, krasser Regisseur, krasser Film.
Johannes Franke: Dein Platz 1?
Florian Bayer: Mein Platz 1. Wir haben vor kurzem über ihn gesprochen, Lars von Trier. Und zwar Dancer in the Dark. Oh, weil ich meine, es ist ein Musical. Es gibt keine radikale Gewaltdarstellung. Aber es ist einfach mal 140 Minuten in Musicalform gegossenes Leid. Von Anfang bis Ende.
Johannes Franke: Ich habe den Film geliebt.
Florian Bayer: Ich liebe ihn auch, aber wir sehen Björk leiden. Wenn du eine Zusammenfassung für diesen Film haben willst, Björk leidet 140 Minuten lang und wird dann umgebracht. Das ist der Film. und dazwischen dann diese kitschigen Musical-Momente, wo sie immer von mehr träumt und immer die Hoffnung nicht aufgibt, aber es wird immer schlimmer und schlimmer und schlimmer. Und es hört einfach nicht auf, schlimm zu werden. Und du sitzt einfach, also wenn ein Film Depressionen induzieren kann, dann ist es dieser Film. Dance in the Dark von Lars von Trier, mein Platz 1.
Johannes Franke: Aber auch wirklich tolle Musiknummern, muss man schon wirklich sagen. Es ist unglaublich.
Florian Bayer: Großartiges Musical, großartiges Drama.
Johannes Franke: Und ich glaube, dass Björk zu Recht nicht mehr mit Lars von Trier zusammenarbeiten will. Es muss wirklich schlimm gewesen sein.
Florian Bayer: Oh nee, warte mal. Das ist kein witziges Thema, aber ich glaube, Jörg hat gegen Lars von Trier Missbrauchsvorwürfe.
Johannes Franke: Auch das noch?
Florian Bayer: Ich glaube ja... Ach du Scheiße, das wäre jetzt wirklich krass. Was, Björk? Ja, Björk hat über Missbrauch bei einem Dreh gesprochen. Fuck. Und zumindest, ich glaube, sie hat keinen Namen genannt und dann hat, was die Presse halt macht, hat sich dann halt versucht zusammenzureimen, wer gemeint sein könnte. Und hat gesagt, das ist Lars von Trier, der wiederum sich auch zu den Vorwürfen geäußert hat und sagt, dass... dass das nicht stimmt, was sie gesagt hat. Also ich weiß es nur so vom Drüberhören. Ich weiß nicht genau, was sie ihm vorgeworfen hat und was er dazu gesagt hat, aber ... Ich glaube, Lars von Trier ist auch ein Mensch, mit dem man nicht unbedingt zusammenarbeiten will. Auch wenn es tatsächlich Gegenstimmen gab. Es gab einige Leute, die haben gesagt, sie waren überrascht, wie...
Johannes Franke: Ja, zum Beispiel Melancholia. Da hat sie ja gesagt, wie heißt sie? Ich habe ihren Namen gerade nicht parat.
Florian Bayer: Kirsten Danst.
Johannes Franke: Die hatte gesagt, dass ich Angst davor hatte, mit ihm zusammenzuarbeiten und dann aber gedacht hat, ja, der ist super, super Typ. Also es gibt halt dann irgendwie ja von allen Seiten. Und ich glaube, er eignet sich halt auch wirklich sehr, um da Legendenbildung in eine negative Richtung zu betreiben, weil er halt auch sehr gerne mal provoziert. Und sehr gerne mal Sachen sagt wie, ich bin ein Nazi, um seinen Film zu probieren. in die Gespräche zu bringen. Ich weiß nicht.
Florian Bayer: Also ich weiß nicht. Ich liebe seine Filme, aber ich glaube, Lars von Dries ist kein sympathischer Mensch. Jedes Mal, wenn ich ihn in Pressekonferenzen sehe, Da denke ich, wie kann jemand, der so dummes Zeug redet, so kluge Filme machen?
Johannes Franke: Das ist krass, ne? Das ist schon komisch.
Florian Bayer: Also gerade diese Nazi-Geschichte auch in Cannes, als er dann angefangen hat über Israel und die Juden zu reden. Oh Mann, halt lieber die Fresse, bitte.
Johannes Franke: Ja, halt die Fresse und mach Filme. Ja. Ach, naja.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ja, mein Platz 1 ist auch Lars von Trier, aber Antichrist.
Florian Bayer: Ja, total nachvollziehbar.
Johannes Franke: Das war der Film, der einfach wirklich am meisten... Ekel und ich habe wirklich fünf Minuten Pause gebraucht, um mich hinzulegen und durchzuatmen. Und einfach ein paar Mal zu schlucken und zu sagen, okay, jetzt können wir wieder weitergucken.
Florian Bayer: Diese zwei krassen Gewaltszenen am Ende vor allem, wo sie ihm einmal die Hoden zerschlägt und ihm dann Blut ejakulieren lässt.
Johannes Franke: Ja, ich glaube, das war die Stelle.
Florian Bayer: Dabei ist die andere Stelle noch viel schlimmer, wenn sie sich mit der Schere die Klitoris abschneiden. Und Lars von Trier hält halt drauf mit der Kamera bei beiden Szenen. Lars von Triers Kamera ... Im Gegensatz zu Funny Games der Gewalt nicht, zeigt Lars von Triers Kamera verschweigt nichts. Der Film startet ja schon mit einer expliziten Sexszene. Tatsächlich, ja ... Es war ja zu dem Dogma-Manifest, das Trier in den 90ern geschrieben hat. Da gehörte ja auch, dass sowohl Sex als auch Gewalt, wenn sie dargestellt werden, echt sein müssen. Also der schwieriger Mann, der großartige Filme gemacht hat.
Johannes Franke: Scheiße.
Florian Bayer: Aber Antichrist mochtest du, oder?
Johannes Franke: Ich fand ihn gut, den Film, ja. Aber es war dann schon wirklich einfach ... Ja.
Florian Bayer: Ich glaube, Antichrist ist tatsächlich mein liebster Lars von Trier Film. Und ich teile jedes Wort, was du gerade gesagt hast. Der Film ist teilweise einfach wirklich unangenehm.
Johannes Franke: Na gut. Zurück zu Funny Games. Durchatmen und wieder zurück zum...
Florian Bayer: Genau, durchatmen und jetzt reden wir über die Gewalt in Funny Games.
Johannes Franke: Er ist wirklich, also ich muss schon sagen, dass er den meisten Filmen, die wir jetzt gerade besprochen haben, nichts nachsteht in den Ungenehmen. Du bist halt wirklich die ganze Zeit von Anfang bis Ende... dreht sich dir entweder der Magen um oder du hast ein Herzflimmern oder was. Also es ist so, ah, fuck. du willst eigentlich weg, die ganze Zeit.
Florian Bayer: Das ist ein total unangenehmer Film. Ich will noch mal ganz kurz auf diese Genres zu sprechen kommen. Was macht der Film? Also er zeigt zum einen eben, er ist ein Torture-Porn- oder Terrorfilm.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: So wie es die in den 70ern gab mit Folter und Gewalt und so weiter und wie es dann später nochmal gab.
Johannes Franke: Aber ohne, dass man es sieht.
Florian Bayer: Ohne, dass man es sieht. Aber v.a. die unangenehmen Seiten der Gewalt herauskehrend. Das machen diese Filme halt nicht. Die haben Gewalt erzeugt, um ... benutzt, um Spannung zu erzeugen oder auf eine ganz perverse Art zu unterhalten. Das macht er nicht. Er zeigt einfach die unangenehmen Seiten von Gewalt. Das heißt, er ist ein Terrorfilm, der unangenehmen Seiten will.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber mit diesen selbstreferentiellen Momenten ist er halt... Auch eine Satire. Er hat diese satirischen Momente. Also ganz krass in der Rückspulszene.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: die ja irgendwie noch mal so einmal so ein komplett surreales Moment reinbringt, wenn ... Wenn sie es denn endlich schaffen, wenn Susanne es endlich schafft, das Gewehr zu greifen und einen von den Angreifern niederzuschießen und diese Katharsis und diese Freude und sie hat es geschaffen. Und dann greift sich der andere Wichser die Fernbedienung, spult einfach zurück und zwar wirklich, er nimmt einfach eine Fernsehfernbedienung, die da rumliegt, drückt auf den Rückspulknopf, der Film läuft zurück. Bis zu der Stelle, kurz bevor sie zum Gewehr greift. Sie versucht, wieder zum Gewehr zu greifen. Er ist natürlich gewarnt, hält das Gewehr fest. Fehler. Und es geht weiter. Die Basis wird uns weggenommen.
Johannes Franke: Wir... wir werden gar nicht rausgerissen aus dem Film. Irgendwie schafft es der Film, dass ich nicht... Einen Schritt zurück mache und sage, ach ja, ich gucke ja einen Film und so. Ich bin sofort wieder drin.
Florian Bayer: Ich wurde damals total rausgerissen, als ich den das erste Mal gesehen habe. Und deswegen kann ich mich so gut an diese Szene erinnern. Weil ich damals, also damals war es für mich so der Gedanke, oh krass, jetzt ist der Film zum Meisterwerk geworden. Ich war halt süßer, 18 wahrscheinlich. Und ich hab nachts im Bett gelegen und diesen Film geguckt und so halt verschlafen. Fuck. Ich dachte, für einen Moment ist irgendwas kaputt. Weil das halt wirklich so plötzlich dieses Einfrieren des Bildes, das Bild friert dann ja auch wirklich ein und Und dann sind die Geräusche, du musst dir vorstellen, wie so ein 18-Jähriger nachts um 12 da liegt und so halb verschlafen. Vielleicht hatte ich auch was getrunken, ich weiß es nicht mehr genau. Diese Szene guckt. Und dann das plötzlich passiert.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und das, was Andy Kaufman erreichen wollte mit seinen ... mit seinen Witzen, dass das Publikum denkt, der Fernseher ist kaputt und auf den Fernseher haut. Das Gefühl hatte ich da für einen kurzen Moment. Deswegen hat mich diese Szene voll erwischt und komplett rausgerissen.
Johannes Franke: Ah, okay. Ah, okay. Vielleicht, weil ich auch wusste, irgendwo im Hinterstübchen war mir wahrscheinlich bewusst, dass es diese Szene gibt. obwohl ich den Film wirklich extrem lange nicht gesehen habe und schon wieder völlig vergessen hatte, was eigentlich alles passiert.
Florian Bayer: Und jetzt sehe ich halt in dieser Szene Und auch in dem, wenn er mit uns spricht, sehe ich einen schwarzen Humor durch Blitzen.
Johannes Franke: Jaja, das auf jeden Fall.
Florian Bayer: zum Lachen oder zum Schmunzeln bringt, aber der Film ist irgendwie in dem Moment auch eine Satire auf den Horrorfilmen. Und vor allem auf Zuschauer in einem Horrorfilm. Und das ist eben das dritte Genre, was er aufmacht. Er ist eine moralische Anklage gegen uns. Er greift uns an.
Johannes Franke: Und er macht dieses satirische Moment auch auf. als er dann eben darüber spricht, warum die beiden das machen. Er redet ja über Dickie darüber, was er für eine schwierige... Ja genau, was für eine schwierige Vergangenheit er hat und so. Und dann lässt er halt irgendwie, macht er einmal das Tor auf zu dieser... Wohlstandslangeweile. Und das ist halt auch ein satirischer Ansatz, dass man sagt, okay... Gesellschaftssatire, wo sind wir hier gelandet? Warum machen die das? Welche Motivation? So ein bisschen der Joker?
Florian Bayer: Ja, das sind total die Fake-Erklärungen. Er fängt an mit, dass er in schweren Verhältnissen groß geworden ist, dann sagt er, dass er missbraucht wurde und ... Seine Mutter hat sich scheiden lassen. Nein, sein Vater hat sich scheiden lassen. Es kommen so ein paar Fakerklärungen. Genau. landet er halt bei dieser Wohlstandslangeweile. Aber das ist genauso Fake-Erklärung. Es ist irgendwie klar. Der Vater sagt dann ja auch, ist ja gut, ich hab's kapiert. Er hat's kapiert.
Johannes Franke: Ja, die schweben die ganze Zeit so drüber über allem.
Florian Bayer: Naja, ich glaube, wenn man den Film befragen würde, würde er sagen, das sind die Avatare, die ihr geschaffen habt, um jetzt eure Unterhaltung zu haben. Ich mag den Film total, um das gleich zu sagen, aber ich finde schon... Man kann diesem Film einen gewissen Moralismus vorwerfen, der nicht so selbstreflektiert ist, weil er sich halt gegen die Zuschauer richtet. Der Film ist eine Anklage gegen das Publikum. Er ist eine Publikumsbestimmung. Schimpfung, ohne sich mit seiner eigenen Rolle auseinanderzusetzen. Aber er ist ja auch... Und Haneke klingt fast wie Handgirte.
Johannes Franke: Ach Gott. Meine Güte. Aber dafür ist die Zuschauerbeschimpfung dann doch nicht offensiv genug, als dass ich das für ein Problem halte. Weißt du, was ich meine? Wenn er das jetzt offensiv ganz explizit machen würde, dann würde ich sagen, ein bisschen Reflexion wäre gut. Aber dadurch, dass er das nur so durch die Hintertür macht und da mal so einen Blick und da mal einen Blick und da einen Kommentar, finde ich es okay. Er ist nicht so überheblich damit.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Für meinen Begriff.
Florian Bayer: Ich bin gerade so still, weil ich nicht weiß, ob er überheblich ist. Ich finde, er hat eine gewisse... bringt so eine gewisse Arroganz mit.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich kann es ihm auch nicht vorwerfen, weil er das einfach zu gut macht. Und weil es so billig wäre zu sagen, hey, der ist so arrogant, der Film. Weil das natürlich davon befreit, darüber zu reden, dass dieser Film ein Angriff auf uns ist und ein Angriff, den wir auch verdient haben als Publikum.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil das ist ja tatsächlich, das ist halt wie Gewalt in der Filmlandschaft ganz oft funktioniert. Gewalt ist zur Unterhaltung des Publikums da. Egal, ob es jetzt um Spannung zu erzeugen ist oder ganz perfide Humor zu erzeugen, gibt es ja auch mehr als genug. Oder eben um so eine Art Katharsis auszulösen. Aber die Gewalt ist da für das Publikum.
Johannes Franke: Ganz kurz einmal den Ausflug zu der Szene, wo sie ... Wo darüber diskutiert wird, ob Dickie jetzt wirklich dick ist, weil er seine Speckröllchen hat und ob sie Speckröllchen hat. Und sich dann einmal ausziehen soll. Und das war der Moment, wo ich dachte, oh wow, jetzt bin ich mal gespannt, 1997... anderer Umgang mit Fleischbeschau von Frauen und so. Wie machen sie das? Dann war ich aber sehr beeindruckt davon, dass er einfach nur gesagt hat, na gucken wir mal, ob sie Speckröllchen hat, hat sie ihr Kleid ausziehen lassen. Und dann hat er gesagt, nö, gibt's keine, darfst du wieder anziehen. Es gibt kein echtes Fleischbeschau, sondern es gibt genau dieses eine Thema, was einmal angeguckt werden will. will. Und dann ist das wieder abgehakt. Und das fand ich sehr gut.
Florian Bayer: Ist das so eine unangenehme Szene.
Johannes Franke: Unglaublich unangenehm. Vor allem, weil der Vater das dann sagen soll. dass sie sich ausziehen soll und das mit Liebling oder Schatz oder was auch immer. Eine furchtbare Szene, aber eine von vielen furchtbaren Szenen.
Florian Bayer: Tatsächlich schafft er es, diese sexuelle Übergriffigkeit zu zeigen, ohne dass er sie sexualisiert.
Johannes Franke: Ja, genau das.
Florian Bayer: Es ist so, weil diese Exploitationfilme machen das ja ganz oft, sie zeigen sexuelle Übergrifflichkeit. Und dann wird es sexualisiert in dem Sinne, dass wir das als Publikum erotisch finden sollen, dass wir jetzt eine nackte Frau sehen.
Johannes Franke: Und wir sehen sie halt nicht nackt.
Florian Bayer: Wir sehen sie nicht nackt. Das macht er und er zeigt aber trotzdem, er verarmlost das nicht. Das ist trotzdem ein krass unangenehmer Moment für alle. Auch so, wo wirklich so die Zeit fast stillsteht, auch diese ganze Situation, der Sohn ist unter dem Sack gefangen, hat den Sack über dem Kopf, der Mann wird gezwungen. seine Frau zu bitten, sich auszuziehen. Es ist unfassbar unangenehm. Die Frau muss sich ausziehen vor ihnen. Und weiß nicht, was als nächstes passiert ist. Das ist eine krasse Szene. Fand ich auch super inszeniert. Ja, man kann es immer nur wieder sagen, es ist einfach nur unangenehm und es ist das, was der Film erreichen will. Die Szene fühlt sich unfassbar schrecklich an.
Johannes Franke: Ja, krass, Mann. Und ich finde es eben auch deswegen beeindruckend, weil wir es eben nicht sehen. Wir sehen sie wirklich nur halsaufwärts, wie es ihr damit geht. Und ahnen an ihrer Bewegung, was sie tut. Wir sehen aber ihren Körper nicht. Wir sehen nicht, was die anderen sehen. Null Exploitation in der Richtung, sondern es ist nur eine pure... Emotionen, die wir da mitbekommen. Und das macht Hannecke in jeder Minute in diesem Film so, dass er sich nicht dafür interessiert, Das zu zeigen und dadurch eine Katharsis zu bekommen, sondern einfach wirklich... die Spannung aufrecht zu erhalten, indem wir es nicht sehen. Und das finde ich die beste Variante und die beste Idee, die man als Filmemacher in der Richtung haben kann.
Florian Bayer: Wir kriegen einfach keine Erlösung. Es gibt immer mal wieder diese Momente, wo es so ... Wo es vielleicht das geben könnte, also direkt darauf kommt ja der Moment, wo der Sohn dann flieht, also zuerst mal ... uriniert in seine Hose, was auch so super unangenehm ist, einfach in diesem ganzen Setup und dann schafft er es zu fliehen Aber es ist halt auch, es gibt keine Rettung. Sie fangen ihn ein. Und dann ist diese Szene mit dem Abzellreim.
Johannes Franke: Es ist so... Es ist so krass, wie der Junge dann verschwindet und wie diese Verfolgungsjagd dann auch noch... Wer das dann auch schafft, diese wiederum richtig, richtig spannend und richtig gut zu erzählen, Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich d'accord damit gehe, dass er den Jungen tatsächlich da kriegt. Weil das ist schon ein großes Haus und ein Gelände, man sollte sich ganz gut irgendwo verstecken. Aber das Kind ist halt auch dumm, wie Kinder halt sind. Und ist nicht besonders klug darin, sich zu verstecken, aber es hätte also 80% Wahrscheinlichkeit, dass er ihn nicht findet.
Florian Bayer: Die Ausweglosigkeit von diesem Film gebietet es quasi, dass er den Sohn findet. Und die gebietet es auch eigentlich, dass er dann, wenn er den Sohn zurückgebracht hat, Dass der Sohn dann der erste, der erschossen wird. Übrigens. Ganz schlimm, also er zählt, währenddessen, Paul macht sich Essen, währenddessen macht Tom seinen Abzählreim und er schießt dann einfach und wir hören den Schuss und wir hören Schreien. Und dann sehen wir das Blut am Fernseher und wir hören Tom und Paul diskutieren und dann sagt, Paul, die Luft ist jetzt raus. Was so voll unangenehm ist, weil man weiß, also das ist der Moment, wo man irgendwie realisiert, die haben wahrscheinlich das Kind erschossen, weil das war ein das unschuldige Kind, mit dem fiebert man am ehesten mit. Und dann, wie sie da so drüber diskutieren, dass das... Ja, dass die Luft jetzt raus ist, dass das das Spannendste war vielleicht, ob das Kind davon kommt wenigstens. Also, was man halt so draufdrücken kann als Interpretation. Das fand ich super unangenehm, eine super krasse Szene, weil einfach ...
Johannes Franke: Diese Bagatellisierung.
Florian Bayer: Genau, diese Bagatellisierung. Und er regt sich drüber auf, dass sein Freund den Falschen erschossen hat, weil man zählt. Man erschießt nicht den, auf den man gezeigt hat, sondern den anderen. Und dann kommt ja auch diese lange Leidtotale danach, wo du schon gesagt hast, wo sie ganz lange da sitzt und Wir wissen, der Sohn ist tot. Das ist einfach krass. Und das ist vor allem halt krass, weil das... das komplett die Genre-Regeln untergräbt. Die Kinder werden nicht getötet. Die Kinder sterben nicht.
Johannes Franke: Aber das hat er ja gleich am Anfang mit dem Hund, der gestorben ist, auch schon. Also keine Kinder, keine Hunde ist ja in dem Film sowieso schon am Anfang über Bord geworfen. Naja, ich hab in dem Moment aber auch gedacht, als sie dann weg waren, hab ich dem Film schon abgenommen, dass er dann jetzt ... die beiden vielleicht leben lässt, weil ich habe mich echt nicht mehr daran erinnert, was eigentlich dann kommt. Und sie rennt dann los und lässt ihn zurück, weil er sagt, hier komm, ich bin schlecht zu Fuß. Diese banale Essensszene.
Florian Bayer: Er ist in der Küche und erföhnt das Telefon, damit er Hilfe rufen kann und ist dabei und beißt dabei zweimal in Baguette. Und wir müssen ganz kurz zu dem Remake zu sprechen kommen.
Johannes Franke: Ah ja, ja, ja.
Florian Bayer: Das Remake, wo es eben nicht ... Ulrich Mühe ist, der in das Brot beißt, sondern Tim Roth, der in dem Remake den Ehemann spielt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und Haneke hat gesagt, er wollte dieses Remake machen, er wollte in diesem Remake ganz kleine, feine Verbesserungen vornehmen. Und tatsächlich war der Film ja von Anfang an als amerikanischer Film eigentlich geplant.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das konnte dann aber Haneke wegen fehlendem Budget nicht umsetzen. Und das kaufe ich ihm total ab. Das hat er auch gesagt als Rechtfertigung für das Remake. Das Ding war eigentlich als amerikanischer Film geplant. Und es macht ja auch Sinn, weil ... Weil es ist ein amerikanisches Thema, weil die Deutschen oder die Österreicher sind jetzt nicht so groß, was Exploitation Horror und was Terrorfilm betrifft. Das ist ein amerikanisches Genre. Naja, auf jeden Fall war das deine Rechtfertigung dafür. Es war von Anfang an als amerikanischer Film geplant, deswegen macht es für mich Sinn, zehn Jahre später einen Remake zu machen. Ich würde eine kleine Verbesserung vornehmen. In dieser Szene, in der George... dann heißt der George in das Brot beißt, spuckt er das Brot wieder aus. Also er beißt rein, aber er kann es nicht runterschlucken. Das ist eine der Verbesserungen, die Hannecke vorgenommen hat. Ich weiß nicht, ob es besser ist. Ich glaube, ich finde es im Original stärker, dass er isst, dass er nicht das Brot ausspuckt. Das ist so ein Nitpicking und so ein Detail.
Johannes Franke: Ich habe, während er reingebissen hat, habe ich gedacht, na, kann er es schlucken? Geht das? Und ich hätte es nicht gekonnt und ich glaube, ich hätte als Regisseur wie Haneke jetzt im Remake gesagt, er kriegt es nicht hin.
Florian Bayer: Er kriegt es nicht hin. Das ist so ein winziges Detail, aber es ist natürlich das, was das Remake betrifft, worüber man nur reden kann, weil das Remake ist tatsächlich fast kompletten 1 zu 1 Reshot. Ich habe nicht mehr reingeguckt jetzt für diese Episode, aber ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich den damals gesehen habe, als er rauskam. dachte ich, okay, jetzt muss ich doch noch mal ins Original gucken. Und dann habe ich gedacht, wow, okay, krass, die Firmen liegen wirklich dicht aufeinander. Und ich finde das Remake gut übrigens. Er hat gut gecastet. Naomi Watts spielt die Susanne, die heißt Anna im Remake. Und Tim Roth spielt den George. und Michael Pitt und Brady Corbett spielen die Killer und Ich finde, also die Killer sind im Original für mich überzeugender, weil Arno Frisch und Frank Giering einfach diese Schüchternheit besser rüberbringen. Wirklich diese
Johannes Franke: Krass. Sensibilität.
Florian Bayer: Und diese... unangenehme Höflichkeit, aber ansonsten ist das Remake tatsächlich stark und ich glaube, ich kann das Remake auch empfehlen, selbst wenn man das Original gesehen hat, einfach um auch mal ein 1 zu 1 Remake zu sehen, was funktioniert funktioniert. Auch 1 zu 1 Remakes können voll in die Hose gehen, wie das Van Sand mit seinem Psycho-Remake gezeigt hat, um einen
Johannes Franke: Beispiel zu nennen. Honig im Kopf, habe ich gehört, ist immer ganz schlimm gewesen sein. Der war schon im Original irgendwie, naja.
Florian Bayer: Es gibt einen Film jüngeren Datums, wo so ein Pärchenabend ist und sie dann ihre Handys tauschen oder so? Und das ist ein französischer Film. Also sie treffen sich zum Abend und sie sagen, okay, jetzt machen wir ein Spiel. Jeder kriegt das Handy von jemand anderem. Und dann passieren natürlich Dinge, dass die Affäre sich meldet oder so weiter, solche Sachen. Und davon gibt es ein französisches Original und es wurde ein deutsches Remake gedreht. Ich glaube fast, es ist ein Til Schweiger Film.
Johannes Franke: Ach du Scheiße.
Florian Bayer: Mit Sicherheit, ich weiß aber nicht ganz sicher. Okay. Und dann gibt es aber auch, glaube ich, noch ein amerikanisches Remake. Und ich muss einmal kurz gucken. Das perfekte Geheimnis ist Von 2019. Es gibt ein Original, das ist ein italienischer Film. Perfettos Gonos Guti, was ich garantiert jetzt falsch ausgesprochen habe, aus dem Jahr 2016. Und der ist 2019 ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen worden, weil er der Film in der Filmgeschichte ist. der die meisten Remakes gekriegt hat. Insgesamt 18 Stück. What the fuck? 18? 18. Es gibt den deutschen Film, der nicht Til Schweiger ist. Es gibt einen ... griechischen Film, einen spanischen Film, einen türkischen Film, einen französischen Film, einen südkoreanischen, einen ungarischen, einen mexikanischen, einen einen Chinesischen, einen Russischen, einen Polnischen, einen Deutschen, einen Armenischen, einen Vietnamesischen, einen Japanischen, einen Tschechoslowakischen, einen Israelischen, einen Holländischen. und einen arabischen. Und es gibt Und die Rechte am englischsprachigen Remake wurden 2017 von der Weinstein Company gekauft und sind aber offensichtlich Noch nicht gedreht, weil die Weinstein Company ist aus bekannten Gründen dann bankrott gegangen und irgendjemand anderes hat das Ding dann gekauft. Lustigerweise so viele Remakes und kein amerikanisches. Ich hätte wetten können, dass es auch einen amerikanischen Film gibt.
Johannes Franke: Wow. Okay, ja, das Thema ist natürlich verführerisch. Da kann man viel mit machen. Die Frage ist, ob die Filme alle unterschiedliche Dinge damit gemacht haben oder ob alle sich sehr sklavisch an das gehalten haben, was im Original passiert.
Florian Bayer: Und es ist so ein Film, der mich so null interessiert tatsächlich. Deswegen dachte ich auch gleich an ... Til Schweiger.
Johannes Franke: Das klingt halt relativ generisch, ne?
Florian Bayer: Ja, und also der deutsche Film hat auch ganz schlechte Kritiken gekriegt. Aber mit Caroline Herfurt.
Johannes Franke: Ja, ich glaube, ich kenne es sogar, den Trailer.
Florian Bayer: Elias und Barek, oh ja, okay, mit großen Darstellern, Florian David Fitz, Frederik Lau, Jessica Schwarz. Okay, sie haben wirklich einmal so ... alle Jeller Hase, sie haben tatsächlich komplett mit deutscher Star-Besetzung.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Er ist glaube ich bei der Kritik komplett durchgefallen.
Johannes Franke: Tja, schade. Wo waren wir vorher, Plor?
Florian Bayer: Funny Games Remake. Ich wollte sagen, es ist sehenswert als 1-zu-1-Remake. Und es ist spannend auch zu sehen, was Michael Haneke sich im Jahr 2007 Neues hat einfallen lassen. Spoiler, es ist sehr wenig.
Johannes Franke: Okay. Na, was mich ein bisschen wundert, ist eben, dass dann der ganze Zirkus nochmal losgegangen ist in Amerika, weil eigentlich... Haben wir inzwischen so viel erlebt an Zeug, was in diesem Genre Horrorfilm so passiert ist? Apropos, ist es genremäßig Horrorfilm tatsächlich?
Florian Bayer: Was sagt man denn dazu? Tatsächlich hat unsere Zuhörerin, die das vorgeschlagen hat, ja auch geschrieben, über das Genre wird gestritten. Über das Genre kann man auch gut streiten. Post? Post ist immer so doof, um sich rauszuwinken. Es ist ein selbstreferenzieller Psycho-Thriller, vielleicht ein Terrorfilm, Torture-Porn. Aber Torture-Porn ist es nicht, weil das Porn-Element fehlt.
Johannes Franke: Richtig, genau. Also Psychothriller finde ich einigermaßen treffend.
Florian Bayer: Er hat halt auch Experimentalfilmanleihen, dadurch, dass er die vierte Wand bricht und diese Rückspulszenen, die er wirklich einmal radikal mit dem Medium... aufräumt. Für einen Experimentalfilm ist er dann doch die meiste Zeit über zu geradlinig erzählt.
Johannes Franke: Stimmt.
Florian Bayer: Ja, geradlinig Richtung Tod.
Johannes Franke: Ja, oh Gott. Nein, ich habe dann wirklich gedacht, als die erstmal alleine waren, habe ich gedacht, okay, sie schafft es jetzt und sie geht jetzt los. Dann fährt dieses Auto an ihr vorbei und ich denke, ja natürlich, ich würde mich auch verstecken und dann, ja natürlich, beim zweiten Auto würde ich mich vielleicht dann doch trauen. Das falsche Auto. Das falsche Auto. Scheiße, Mann. Und ich finde es wieder gut, wieder gut, dass Haneke genau in dem Moment abblendet und die andere Szene reingeht. Und wir nur sehen, wie sie dann halt wieder gefangen genommen zurückgebracht wird. Ich will nicht sehen, wie sie dann aus dem Auto aussteigen und sie da wieder einkaschen oder, weißt du, das ist blöd.
Florian Bayer: Übrigens der Moment, wo er fast ein bisschen dem Suspense-Moment des Horrorfilms erliegt, wenn er diesen Golfball reinrollen lässt als Skull. große Antizipation der Killer, die wieder zurückkommen. Gott sei Dank ohne Musik. Wäre die Musik drunter, dann wäre es tatsächlich zu sehr dem Genre erlebt. zu sehr fasziniert von diesem Horror. Oh nein, da kommen sie wieder. Ja, sie kommen zurück und dann kommt auch tatsächlich die witzigste Szene, die witzigste selbstreferenzielle Szene, wenn Paul noch nicht Schluss machen will und sagt, wir sind doch noch unter Spielfilmlänge. Nach 95 Minuten. Ist es Ihnen schon genug? Sie wollen doch ein richtiges Ende mit plausibler Entwicklung, oder? Sehr höflich übrigens, Paulus sehr höflich.
Johannes Franke: Ja, und dieser österreichische Akzent dann noch dazu, weißt du? Ja, genau. Ja, mei. Sie wollen doch ein plausibles Ende.
Florian Bayer: Und dann spielen sie die liebende Gattin. Sie darf entscheiden, wer als nächstes stirbt und mit welchem Werkzeug. Sie haben ein Messer und sie haben ein Gewehr.
Johannes Franke: Und das ist die Szene, wo du vorhin gesagt hast, dass sie ja so einfach immer wieder fertig gemacht wurde von dem Regisseur dann auch, dass sie dann nur noch... Einfach nur noch da hängt und nur noch die Worte rauspurzeln lässt aus ihrem Mund.
Florian Bayer: Sie zwingen sie zu beten auf den Knien.
Johannes Franke: Oh, fuck, Mann.
Florian Bayer: Boah. Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komme. Das ist... Es ist wirklich düster und abgefuckt. Und dann noch als Höhepunkt davon eben diese Gewehrszene, wo sie es schafft, das Gewehr zu greifen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wir haben einen kurzen Moment der Katharsis, weil sie es schafft, den Bösewicht zu erschießen. Und dieser Moment wird direkt wieder aufgelöst, indem die Fernbedienung die Szenerie zurückspult. Und dann wird natürlich Georg erschossen.
Johannes Franke: Ja, Georg wird erschossen. Sie nehmen sie nochmal aufs Boot und diese mit dieser... Und nebenbei diese Nostalance, mit der sie einfach hinten übergekippt wird und im See fällt. Und wir sehen sie nicht weiter. Sie kippt aus dem Bild und das war's.
Florian Bayer: Das ist so krass. Aua. Und wir kommen zum Schlussbild und das nächste Opfer ist dran. Helga, die Freundin von Ihnen, die kurz vorbeigeschaut hat. Also, genauso auf die Killer gestoßen ist, wie sie auf die Killer gestoßen sind. Hey, das sind Freunde von unseren Freunden. Die haben nichts Böses im Sinn. Und er, Paul kommt zu ihr, will wieder die Eier haben und Schlussbild, der letzte herausfordernde, leicht schmunzelnde Blick zu uns. 106 Minuten. Es ist geschafft. Uff.
Johannes Franke: Also ein durch und durch unangenehmes Erlebnis, aber einfach so gut gemacht wurde. Das ist wirklich beeindruckend. Und ich habe nochmal nachgeschaut, von wann der Film ist und wie viel Haneke vorher gemacht hat. Er hat schon eine ganze Menge vorher gemacht. Ich hatte während des Guckens versucht zu sagen, oh wow. Einer der ersten Filme von Henneke, so genial schon. Und dann habe ich aber nachgeschaut und gesagt, naja, okay, er hat genug Zeit gehabt zu üben.
Florian Bayer: Aber ich glaube, der erste Film von ihm, der wirklich auch so international größere Aufmerksamkeit erregt hat, eben wegen dieser Kann-Geschichte und wegen der Legendenbildung drumherum und Und Haneke hat in der Zeit eigentlich noch so sehr düstere und sehr spröde Filme gemacht. Und er sollte uns dann aber in ... der Folge zeigen, dass er wirklich viel, viel mehr kann. Er hat einige der besten österreichischen, deutschsprachigen Filme überhaupt gemacht mit... Liebe, der französisch sprach ich wahr.
Johannes Franke: Ja, aber der ist einfach... Absolutes Meisterwerk.
Florian Bayer: Das weiße Band würde ich als zweiten Haneke Film nennen, den ich liebe, der einfach... Unglaublich perfekt ist es sich. Wenn ich beide Filme, wenn ich das weiße Band oder Liebe sehe, denke ich immer ... Ich würde auch gerne mal diese Akribie aufbringen können, Dinge zu tun, egal ob es jetzt Schreiben ist oder Filmen oder was auch immer. Diese Detailversessenheit, wo du das Gefühl hast, hinter jedem Moment steckt so viel Perfektionismus.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und da ist so viel Gedanken über Licht und über das richtige Bild, über das richtige Arrangement der Schauspieler, Haneke ist so gut da drin, Szenen zu arrangieren. Und das sieht man auch schon in diesem Film.
Johannes Franke: Ja, der ist krass.
Florian Bayer: Ja, es gibt übrigens auch eine Verfilmung von Kafkas, das Schloss aus demselben Jahr wie Funny Games von Haneke, die auch. total sehenswert ist. Lass mich nichts Falsches sagen, auch mit Mühe. Ja, auch mit Ulrich Mühe, der den K spielt.
Johannes Franke: Oh, cool.
Florian Bayer: Ist ein Fernsehfilm, irritierenderweise, aber ein ganz, ganz großartiger Film, eine wirklich gelungene Literaturverfilmung.
Johannes Franke: Muss ich mir mal anschauen. Weil ich habe dann eben auch gemerkt, dass ich ja gar nicht so viel von Hanneke gesehen habe. Also da fehlt ja noch eine ganze Menge. Ich muss es mir einfach mal zu Gemüte führen.
Florian Bayer: Bei seinen frühen Filmen habe ich so ein paar Bildungslücken. Genau, den aktuellsten Film habe ich auch noch nicht gesehen. Der bestimmt auch wieder stark ist. Happy End aus dem Jahr 2017. Hannecke nimmt sich auch Zeit für seine Filme. Der hat nicht so viel gedreht. So alle fünf Jahre mal einen Film. Ja. Da doch im 2000er ein bisschen mehr und ... großartiger Regisseur und detailversessener und akribischer Regisseur und ich glaube, für einen solchen Film brauchst du auch einen solchen Regisseur. der sich wirklich Zeit nimmt und sich Gedanken macht.
Johannes Franke: Er hat dann halt irgendwie den Luxus, das auch machen zu können, weil die Filme erfolgreich genug waren und er dann irgendwie finanziell ... auch die Möglichkeit hat. Es gibt ja nur genug andere Regisseure, die einfach weiter arbeiten müssen, sonst...
Florian Bayer: Haneke hat tatsächlich auch, also in seiner Filmografie blitzt so einiges hervor, wo man sieht, er hat gedreht, um nicht zu verhungern. Er hat unter anderem auch... einen Tatort gedreht. 1993.
Johannes Franke: Kessel treiben.
Florian Bayer: Unter einem Pseudonym. Gehört wahrscheinlich nicht zu seinen großen Werken. Und der hat sehr viele Fernsehfilme gedreht in den 90ern.
Johannes Franke: Wäre dann interessant zu sehen, ne? Ja auf jeden Fall. Ich möchte einmal die New York Times zum Remake zu Wort kommen lassen. Was auch zum Original passen würde. Michael Haneke war schon immer mehr daran gelegen, das Publikum zu bestrafen, als es zu unterhalten. Wahrscheinlich betrachtet Herr Hannecke das als Kompliment. Selbst die Freude am eigenen Masochismus möchte man uns nehmen. Herr Haneke scheint irgendwie ein Wesensverwandter von Eli Roth zu sein. Eli Roth sagt mir jetzt nichts.
Florian Bayer: Keine Ahnung. Ganz mieser Vergleich. Ganz, ganz mieser Vergleich. Eli Roth ist vor allem bekannt für Hostel, das ist der erste Film, den mir von ihm einfallen würde. Und der ist ein Regisseur des ... Terror-Horror-Films, der Anfang der 2000er-Jahre so eine kleine Resonance erlebt hat mit Filmen wie Hostel und Saw... Und dann gleichzeitig zu dieser Zeit auch diese französische Nouvelle Vague des Horrors. Ich bin kein Eli Roth-Fan. Der wurde vor allem bekannt, weil ... Quentin Tarantino großer Fan von ihm war und den so eine Zeit lang wirklich promotet und gepusht hat.
Johannes Franke: Wow.
Florian Bayer: Ich hab bis jetzt von Eli Roth noch keinen Film gesehen, der mich begeistert hätte.
Johannes Franke: Aber spannend, dass die New York Times zum Remake, aber es passt nun wirklich auch zum Original. Eher der Meinung ist, dass Haneke das Publikum mehr bestrafen als unterhalten möchte. Ich verstehe das irgendwie. Ja. Diese Haltung. Dafür ist aber der Film einfach zu gut.
Florian Bayer: Ja, also es ist ein sehr guter Film, aber wenn ich gefragt werde, ob ich ihn empfehlen kann, Würde ich sagen, du musst wissen, worauf du dich einlässt bei diesem Film. Und ich kann auch verstehen, dass viele sagen, mir ist der Haneke zu moralistisch mit seiner... Publikumsanklage, zu sehr Zeigefinger Richtung Publikum.
Johannes Franke: Wobei das bei dem Film ja auch fast, man könnte auch in dem Moment gerade auf Toilette sein. Wenn man im Film nicht ernsthaft guckt und so ein paar Sachen einfach hinten runterfallen lässt, dann könnte man es auch verpassen.
Florian Bayer: Würde der Film funktionieren ohne seine selbstreferenziellen Momente? Was wäre er dann?
Johannes Franke: 100 Prozent. Er würde genauso funktionieren.
Florian Bayer: Das ist das Erstaunliche. Dann wäre es wahrscheinlich ein noch unangenehmerer Film. Vielleicht.
Johannes Franke: Nicht unbedingt, das würde ich nicht sagen. Diese selbstreferentiellen Momente sind genauso unangenehm, weil sie einfach, also der Blick zu... zum Zuschauer mit dem Zwinkern und ihn reinholen, das macht es so unangenehm und man fühlt sich so schmutzig.
Florian Bayer: Aber vielleicht ist es auch eine Einladung zum Philosophieren und Analysieren und dadurch kann man so ein bisschen diese wirklich... düstere Gewaltdarstellung so ein bisschen zur Seite stieben für einen Moment.
Johannes Franke: Ich konnte es nicht. Aber es stimmt vielleicht, wenn man es auf eine bestimmte Art und Weise guckt, dann hat man eine philosophische Distanz dazu plötzlich. Das könnte sein. Aber ich weiß nicht. Der Film würde so oder so funktionieren. Ich finde es gut, dass es drin ist, weil es irgendwie ein spannendes Moment aufmacht und nochmal einen anderen... ein anderes Element und eine andere Ebene. Aber ja, Der Film ist einfach großartig inszeniert, die Dialoge sind toll, viel Gespür für Entwicklung, für wie Menschen miteinander interagieren. Und wie sowas ganz subtil creepy wird.
Florian Bayer: Ja, definitiv. Er ist extrem unangenehm, aber er ist gut, weil er so unangenehm ist. Und viel zu viele Horrorfilme, Horrorthriller ähnlichen Kalibers. sind zu angenehm.
Johannes Franke: Ja, und irgendwie in ihrer Katharsis dann sehr plump, genau. Weswegen ich eben es nicht mag, wenn man mir zeigt, was passiert, sondern ich einfach viel lieber mag, wie Haneke das macht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Einfach zu sagen, so und da drüben passiert jetzt eine ganze Menge, von denen du dir ausmalen kannst, was da alles passiert.
Florian Bayer: Und es ist viel schlimmer. Es ist viel unangenehmer als die klassischen Gore-Werke, wo Blut spritzt und wir Gemetzel sehen.
Johannes Franke: In diesem Film...
Florian Bayer: Wir sehen keine Körper, die zerstört werden. Das Blutigste ist das Blut, das an den Fernseher spritzt. Das könnte man Haneke vorwerfen, dass das wirklich ein plumpes Bild ist. Dass wir den blutbeschmierten Fernseher sehen, wo das Blut noch runterläuft. Aber ein plattes Bild sei ihm gegönnt in diesem Film. Ja.
Johannes Franke: Das stimmt, ich war in dem Moment fast ein bisschen raus. Aber es kam sehr schnell wieder rein.
Florian Bayer: Sind wir schon auf Podcast-Länge?
Johannes Franke: Sind wir schon auf... Ja, wir wollen ja auch eine plausible Entwicklung und ich würde sagen bei 1, 10, 15, je nachdem.
Florian Bayer: Shit, Johannes, dein Wiener Schmäh ist echt gut.
Johannes Franke: Finns den Tanke?
Florian Bayer: machen wir eine Pause.
Johannes Franke: Ja, dann gehen wir doch zurück in die Pause und dann werden wir uns dem zweiten Film nähern und mal schauen, was der zu bieten hat.
Florian Bayer: Ich freue mich drauf, glaube ich. Vielleicht auch nicht, ich weiß nicht. Bis gleich. Bis gleich.
Johannes Franke: Ja, das läuft wieder, Plur.
Florian Bayer: Kannst du auch bayerisch?
Johannes Franke: Ja, das Problem ist... Der Wiener kommt ja durch, ich weiß nicht. Ja mei, da legst du dich nieder und stehst dir auf.
Florian Bayer: Zum neuen Film müsstest du jetzt Neuseeländisch.
Johannes Franke: Ach du Scheiße. Nee, ich bin schon mit den deutschen Dialekten ein bisschen überfordert. Ich glaube, das kriege ich jetzt nicht noch hin.
Florian Bayer: Willkommen zurück.
Johannes Franke: Willkommen zurück. Danke, dass du dich nochmal über meine Immobilie in Form von Pfandflaschen aufgeregt hast in meiner Küche. Ich weiß, hier kommt man schwer durch gerade, weil ich... Du hast ein echtes Malzbierproblem, wenn ich das richtig sehe. Nein, ich habe kein Problem mit Bier. Nur ohne.
Florian Bayer: Für richtigen Alkoholismus reicht es nicht.
Johannes Franke: Was haben wir denn als zweites Plur? Peter Jackson.
Florian Bayer: 2009.
Johannes Franke: Ja, in meinem Himmel heißt der Film und wurde auch von Laura empfohlen. Und den sollen wir uns mal angucken. Und das haben wir getan.
Florian Bayer: Und du führst uns jetzt ein.
Johannes Franke: Ich führe uns in diesem Film einmal ein. In meinem Himmel. Die Story ist schnell erzählt. Das Drama In meinem Himmel aus dem Jahre 2009 arbeitet den gewaltsamen Tod einer 14-Jährigen auf, die aus dem Raum zwischen Leben und Tod berichtet, ... und wie ihre Familie versucht, den Tod zu verkraften und den Mörder zu finden... Regie führte Peter Jackson. Wait, what? Peter Jackson? War das nicht der mit den Fantasy-Ebenen? War das nicht der mit dem Trash-Horror? Hat Peter Jackson in diesem... Filmen völlig anderen Genres alles das in der einen oder anderen Form auch versucht unterzubringen? Ja. Den Trash-Faktor? Ja. Die überbordende Fantasy? Ja. Ist das gelungen? Ähm, was meinst du, Plur?
Florian Bayer: Das ist ein schneller Ping-Pong, weil ... Nein. Um es kurz zu fassen.
Johannes Franke: Um es kurz zu fassen.
Florian Bayer: Um es lang zu fassen. Wir lästern hier immer gerne über Kritiker und sagen, dass Kritiker falsch liegen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Die geballte Kritikerzunft hasst diesen Film. Er gehört wohl zu den meistgehassten Filmen der letzten 10, 20 Jahre. Und zwar mit einem Kaliber, das schon erstaunenswert ist, wurde über diesen Film hergezogen. Wurde dieser Film verrissen von Krallen. Und wird auch gerne noch so Postmortem verrissen. Also wenn man nach dem Film googelt, findet man unfassbar vernichtende Kritiken, die sagen ... Texte über diesen Film fangen normalerweise damit an, warum das der schlechteste Film aller Zeiten ist. So weit würde ich nicht gehen.
Johannes Franke: So weit würde ich auch nicht gehen, tatsächlich.
Florian Bayer: Aber es war ein Film... Ich kann die Kritikpunkte nachvollziehen und das war ein Film, der mich teilweise tatsächlich... fassungslos zurückgelassen hat, und zwar nicht wegen seiner großen dramatischen Geschichte. sondern wegen der Art, wie er sie erzählt und wie er sie auch ausschlachtet, um sie so zu erzählen, wie er sie erzählen will.
Johannes Franke: Ja, gehört aber zu den Filmen, bei denen ich das Gefühl habe, wenn man in den Schnittraum gehen würde. nichts neu dreht, aber vieles einfach neu arrangiert oder einfach gnadenlos rausnimmt, könnte ein guter Film bei rauskommen.
Florian Bayer: Es fällt mir schwer. Ich denke gerade drüber nach, was man rausschneiden müsste. Und dann denke ich, dieser komplette Himmel-Part.
Johannes Franke: Ja!
Florian Bayer: Aber dann denke ich auch Mark Wahlberg komplett.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann denke ich diese... Also wenn das Problem ist, ja, du ... Wir können uns ja mal erst mal drauf konzentrieren, was wir an diesem Film gut fanden.
Johannes Franke: Das heißt, wir enden mit dem schlechten, naja, Sandwich-Kritik.
Florian Bayer: Wir sagen zuerst das Gute und dann das Schlechte, was ich gut fand.
Johannes Franke: Aber das ist noch kein Sandwich. Erst das Gute und das Schlechte, dann das Schlechte ist noch kein Sandwich.
Florian Bayer: Okay, dann hebe ich mir was auf, was ich gut fand tatsächlich. Susan Sarandon ist großartig. Ich liebe Susan Sarandon. Sie ist eine fantastische Schauspielerin. Sie rockt immer, wenn sie da ist.
Johannes Franke: Liebe es. Es ist großartig, wie sie geschrieben ist, die Figur, und was sie daraus macht. Es ist einfach toll.
Florian Bayer: Susan Sarandon ist die Großmutter des Opfers. Und es ist ein absolut Highlight im Film, wenn sie in einer total witzigen Szene den auseinanderbrechenden Haushalt übernimmt und dann mit der Zigarette im Mund kocht. und das anbrennende Essen mit der Blumenvase löscht. Es ist super witzig. Es passt überhaupt nicht in diesen Film. Da wurde gerade ein Mädchen vergewaltigt und umgebracht. Und der Killer läuft noch frei rum und sucht sich das nächste Opfer aus. Und der Vater ist am Verzweifeln, die Mutter ist gegangen, weil sie das nicht aushält, dass der Vater am Verzweifeln ist. Und es ist eine super witzige Szene und sie passt überhaupt nicht in diesen Film. Entschuldigung, ich weiß, ich habe gerade deinen Pegel... Ganz böse angegriffen. Aber Susan Sarandon ist großartig.
Johannes Franke: Ganz schnell runtergeregelt. Ja, Plur, möchtest du noch ein bisschen ranten? Möchtest du vielleicht, du könntest mir vorher so zuzwinkern, wenn du einmal lauter werden möchtest, dann würde ich hier runter... Oh, Flora.
Florian Bayer: Also der Film über eine Mutter, über eine Großmutter, die einen Haushalt zusammen... Held, der am zerbrechen ist, wäre ein toller 5-minütiger Kurzfilm mit Susan Sarandon. Wir dürfen halt nicht erfahren, dass sie im Setup von einem Mord und einem zukünftigen möglichen Mord und einem Mädchen, das im Himmel rumläuft, in ihrem Himmel rumläuft. Zweiter Punkt, der gut war. Es wird viel über den CGI-Himmel gelästert, der in dem Film gezeigt wird von der Kritik. Ich fand die Bilder tatsächlich gut. Jackson beherrscht sein Handwerk. Jackson kann ... gute Bilder machen und er nutzt teilweise das, was er hat, auch um ... Gute Bilder zu erzeugen. Ich fand zum Beispiel, wenn der Vater verzweifelt über den Tod seiner Tochter die die Flaschen mit den Schiffen, die sie vorher zusammengebaut haben, zerstört und die auf den Boden wirft. Sie läuft in ihrem Himmel rum. Dann sieht man diese riesigen zersprungenen Flaschen rumliegen. Das ist nicht narrativ besonders clever oder ist kein cleveres Bild, aber es ist gut inszeniert von Jackson.
Johannes Franke: Was daran ist gut inszeniert?
Florian Bayer: Ich fand es auf einer visuellen Ebene gut.
Johannes Franke: Okay, das ist aber keine Inszenierung.
Florian Bayer: Es ist die visuelle Ebene.
Johannes Franke: Okay, das heißt, das Post-Production-Haus hat das gut gemacht.
Florian Bayer: Die Grafik ist gut.
Johannes Franke: Ja, die Grafik ist gut. Ähm... Also, ich finde... Im ersten Moment, wo die ersten wirklich offensichtlichen CGI-Sachen kommen, denke ich, oh wow, gar nicht so schlecht. Beim zweiten Mal denke ich, ach du Scheiße, war das jemand völlig anderes? War das der Praktikant? Beim dritten Mal denke ich wieder, oh ja, das ist doch ganz nett.
Florian Bayer: Es wechselt ein bisschen. Ich fand den Film grundsätzlich auf einer visuellen Ebene... Und zwar tatsächlich komplett auf der handwerklichen Ebene. Weil die Bilder waren meistens zu kitschig, zu dramatisch, zu sentimental, zu plump. Aber auf einer handwerklichen Ebene fand ich, hatte das Hand und Fuß. Es war ... Ich hatte auch jetzt nie so den krassen Praktikanteneffekt. Also ich hatte nie das Gefühl, lass den Praktikanten da nicht ran. Ich fand es handwerklich okay. Aber ich bin jetzt auch mit meinem Latein am Ende und dann müsste ich halt anfangen zu renten jetzt, weil das wären so die zwei Sachen, die mir wirklich positiv in Erinnerung geblieben sind.
Johannes Franke: Ich habe noch ein paar andere Sachen.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Also, was ich schön finde, ist ... Ich finde die Schauspielerin, die Hauptfigur, sehr gut.
Florian Bayer: Ja, das stimmt.
Johannes Franke: Ich finde es ist eine ganz wundervolle Schauspielerin. Dass sie sie haben zu viel säuseln lassen, ist nicht ihre Schuld. Für die Texte kann sie auch nichts. Sie ist toll.
Florian Bayer: Sie ist eine fantastische Schauspielerin. Tatsächlich ...
Johannes Franke: Ich mag ihr gerne zusehen, ich mag ihr gerne zuhören, ich möchte wissen, was mit ihr ist, alleine, weil sie es ist.
Florian Bayer: Sie war in Lady Bird. Richtig, richtig gut. Richtig, richtig, richtig, richtig gut. Hat sie eine Oscar-Nominierung dafür gekriegt? Ich weiß es nicht mehr genau.
Johannes Franke: Hat sie nicht für diesen Film irgendeine Nominierung bekommen? Das weiß ich nicht. Ich habe es irgendwo aufgeschrieben, glaube ich, aber verdammt, ich weiß es nicht mehr. Sie ist gerade nicht raus.
Florian Bayer: Sie ist eine wirklich gute Schauspielerin. Ich finde, in diesem Film muss sie halt zu oft einfach mit strahlenden Augen durch diesen Himmel rennen oder mit eingeschüchterten Augen sehen, dass sie ermordet wurde. Und ... Nee, Oscar ... Doch, Academy Award, Best Supporting Actor für Stanley Tucci.
Johannes Franke: Ach ... Für Stanley Tucci. Verstehe. Verdammt.
Florian Bayer: Stanley Tucci ist eigentlich auch ein guter Schauspieler.
Johannes Franke: Und ich fand ihn auch in diesem Film nicht allzu schlecht.
Florian Bayer: Aber ich kann es diesem Film nicht verzeihen, dass er so die billigste Serienkiller-slash-Pädo-Bilder Die Creep-Maske benutzt hat überhaupt mit Schnurrbart und Brille. Das ist so ... Also diese ganze Figur wirkt so überzeichnet. Du siehst ihn quasi durch den Vorort gehen und so ein bisschen merkwürdig gucken und du weißt, das ist der Killer.
Johannes Franke: Ja, es ist, also ein kleines bisschen verzeihen kann ich es ihm, weil es in einer Zeit spielt, in der das... in der das Brillengestell nicht ungewöhnlich war, in der der Bart nicht ungewöhnlich war. Das ist nicht völlig out of context oder sowas. Aber es ist schon so, ja, abziepelt.
Florian Bayer: Und wenn wir schon bei Schauspielleistungen sind, Rachel Weisz. Ist auch eine sehr gute Schauspielerin. Kriegt in dem Film zu wenig zu tun.
Johannes Franke: Sie hätte, glaube ich, mehr zu tun gehabt, wenn sie nicht rausgeschnitten hätten, bestimmte Sachen. Aber es gab noch irgendwie eine Geschichte von einer Affäre mit jemandem und so. Und die haben irgendwie... Da ist noch ein bisschen was gewesen.
Florian Bayer: Aber was macht Mark Wahlberg in diesem Film?
Johannes Franke: Ich frage mich das auch die ganze Zeit. Ich denke die ganze Zeit, hä, was war, warum, aber Mark Wahlberg, so schlecht ist er doch eigentlich normalerweise nicht.
Florian Bayer: Wenn er einen guten Regisseur hat, offensichtlich.
Johannes Franke: Ja, aber ich glaube ihm kein Wort in diesem Film.
Florian Bayer: Ich fand, also ich habe irgendwann zwischendurch, während ich so meine Notizen gemacht habe, irgendwann geschrieben, uff. Mark Wahlberg.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil er wirklich schlecht spielt. Und ich weiß, Mark Wahlberg kann besser spielen. Mark Wahlberg war in Boogie Nights toll. Mark Wahlberg war in Departed cool. Ich weiß nicht, was er da macht. Und ich habe mich teilweise erinnert gefühlt an deinen Lieblingsfilm, The Happening, Wo ich ein ähnliches Gefühl hatte bei ihm und ich hab das Gefühl, er ist krass. abhängig vom Regisseur. Das heißt, wenn er einen Paul Thomas Anderson oder einen Martin Scorsese hat, dann spielt er richtig weit oben. Aber wenn er einen Night Shyamalan hat oder einen Peter Jackson, der jetzt auch nicht unbedingt der beste Schauspielführer ist, dann ... Ich fand ihn so schlecht in dem Film, dass es ein Störfaktor war, weil er hat ja auch eine wesentliche Rolle. Er soll den Vater spielen, der verzweifelt. an der Suche nach dem Mörder seiner Tochter.
Johannes Franke: Wow.
Florian Bayer: Wow, das war wirklich schlecht.
Johannes Franke: Ja, traurig. Wirklich traurig. Und ich habe es erst nicht glauben wollen. Und dann... kommt so eine Szene nach der anderen, wo man so nicht so reinkommt und dann nicht versteht, warum, wie, warum glaube ich ihm nicht. Und dann irgendwann muss man einfach akzeptieren, dass er in diesem Film einfach schlecht ist. Das ist traurig.
Florian Bayer: Ja, und es ist wirklich schade, weil... Tatsächlich gehört seine Rolle mit zu den spannendsten.
Johannes Franke: Theoretisch. Aber praktisch halt dann leider nicht mehr.
Florian Bayer: Nee, überhaupt nicht. Ja.
Johannes Franke: Trotzdem muss ich sagen, hat mich der Film beeindruckt zurückgelassen. Er hat so viel aufgefahren, dass ich durchaus beeindruckt war am Ende davon. in der einen oder anderen Storyline mitgekommen bin und gedacht habe, okay, das will ich auch wissen und da will ich auch... teilnehmen. Wenn man von vorne mal ein bisschen durchgeht, am Anfang, sie will Fotografin werden, das ist so ein bisschen Staple of Jugendliche, wir geben ihr irgendwas, was sie werden will. Fotografin und dann, ne, das spielt gar keine Rolle mehr groß.
Florian Bayer: Sie soll cool sein, sie darf ihrem kleinen Bruder das Leben retten und ihrem Vater Schiffe in Flaschen aufstellen.
Johannes Franke: Aber streckenweise gut inszeniert, wie der Junge fast erstickt, das ist eigentlich nicht schlecht gewesen.
Florian Bayer: Ich hab so das Gefühl, sie haben drauf verzichtet, ihren Charakter zu geben. Und wollten sie stattdessen einfach so ... und strahlend wie möglich machen, dass man wirklich erschüttert ist über ihren Tod. Und das fand ich Tatsächlich am Anfang schon anstrengend, einfach wie sie etabliert wird.
Johannes Franke: Da war ich nämlich noch gar nicht so...
Florian Bayer: Auch wenn sie diesen Typen anhimmelt und sie wünscht sich halt eine Beziehung und sie ist ein bisschen ängstlich und... Sie waren ja zu sehr so strahlende Schablone, um irgendwie ... Also ich habe so das Gefühl, und das zieht sich durch den ganzen Film, dass es eine sehr aggressive, emotionale Inszenierung gibt. Dieser Film sagt die ganze Zeit, Fühler. Fühler. Und das hat es mir unglaublich schwer gemacht, irgendwas zu fühlen. Also, weil es so, wir haben, als wir über die Artis gesprochen haben, haben wir über, über, hab ich... zumindest das eingebracht, wie manipulativ Hollywood ist. Und dass es bei die Artist egal ist, weil es einfach so gut funktioniert. Und dass ich ihm das ganze Manipulative verzeihe, weil er einfach ... weil er es einfach schafft, mir die Emotionen zu wecken. Und dieser Film ist jetzt vielleicht so das Gegenbild davon. Er schafft es nicht, weil ... Ja, weil seine Manipulativität zu offensichtlich ist.
Johannes Franke: Mhm. Na, ich fühle mich noch nicht ganz so schlimm manipuliert und ich habe auch ein paar Szenen, wo ich... Zwar angefangen habe, darüber nachzudenken, wie es inszeniert ist. Bei einem guten Film hätte ich nicht darüber nachdenken müssen. Aber ich habe oft gedacht, sie hätten es viel schlimmer machen können. Zum Beispiel, wie sie nicht nach Hause kommt. Hätten sie auch einfach eine weinende Mutter erst mal zeigen können. Aber nein, sie machen erst mal... Abendessen und Essen. Und machen ihren Teller fertig und... regen sich erstmal darüber auf, dass sie einfach nicht kommt und sie werden sie dazu zwingen, diese Bohnen zu essen, die sie eigentlich nicht mag oder sowas, weiß ich nicht mehr genau. Ähm, und dass sie zwischenschneiden, ihr Schritt... den sie mehr auf dieses Hideout, das er gebaut hat, zumacht. zwischen geschnitten wird mit den Tellern, die auf den Tisch kommen. Und nicht etwa mit den Worten der Mutter, wo bleibt sie denn? Sie ist doch normalerweise nicht so spät. Das haben wir in anderen Filmen auch schlechter. Ich fand's so rein montagemäßig und so, fand ich das nicht so schlimm und nicht so... problematisch, wie es auch in anderen Filmen schon zu sehen war.
Florian Bayer: Das ist das handwerkliche Ding, was ich meinte. Peter Jackson versteht halt sein Handwerk, aber... Es war für mich einfach dann doch zu plump, zu sehr so auf diesen Suspensfaktor gedrückt. Was auch so ein Ding ist, was sich durch diesen Film zieht, dass er, er kriegt einfach nicht die Balance hin zwischen Suspense, Thriller, Fantasy, spirituelle Märchen und Comedy. Warum plötzlich Comedy?
Johannes Franke: Ja, ich weiß nicht.
Florian Bayer: Und dann noch, eigentlich will es ein Drama, eigentlich will es ein Melodram sein, aber das funktioniert natürlich überhaupt nicht, wenn du dazwischen so eine Mystery-Geschichte erzählst und...
Johannes Franke: Ja, es funktioniert auch nicht, wenn sie die ganze Zeit sagt, ich bin tot, aber ach, ist doch eigentlich gar nicht so schlimm.
Florian Bayer: Ja, das war einer der großen Kritikpunkte. Ich habe vorhin gerade noch... In der Pause kurz nochmal über eine Kritik gelesen, die ich gefunden habe, die so krass, so hart damit ins Gericht gegangen ist. dass die Aussage des Films ist, naja, du wirst halt vergewaltigt und stirbst, aber hey, du bist in deinem Himmel und du kannst deine Lieben nochmal sehen und
Johannes Franke: Und du bist Best Buddies mit den anderen Victims.
Florian Bayer: Genau. Und dann so ein Meme-Foto, wo sie da steht und eben in diesen... Himmelshorizont guckt, freudestrahlend, und unten drunter steht, I was raped.
Johannes Franke: Oh nein! Aua!
Florian Bayer: Aber das ist das, was der Film da aufwirft schon. Also... Wenn man es wirklich hart sieht, kann man sagen, es ist wirklich eine Relativierung von Leid.
Johannes Franke: Ja, das ist nicht die Absicht dahinter.
Florian Bayer: Nein, es ist überhaupt nicht die Absicht dahinter.
Johannes Franke: Und es gibt ja ein ursprüngliches Buch. Ich habe es aufgeschrieben. Moment. von Alice Sebald The Lovely Bones um Und das muss viel, viel besser sein als der Film. Also es muss wirklich eine gute Vorlage sein. Und es wurde auch... viele Entscheidungen, die im Film getroffen wurden, wurden auch von der Autorin kritisiert. Wie zum Beispiel, dass sie die Vergewaltigung nicht zeigen und dass sie es alles vermeiden, was zu sehr... zu extrem sein könnte.
Florian Bayer: Den Artikel, den ich gelesen habe, ist übrigens Videogam The Hunt for the Worst Movie of All Time. Es ist aber eine Reihe, also sie reden über mehrere Worst Movies, Potential Worst Movies of All Time. Der beginnt mit der Aussage, I hate Alice Seabolls Novel, The Lovely Bones. Und dann erstmal so ein Rant über die Novel.
Johannes Franke: Ach so, okay.
Florian Bayer: Und dann kommt aber, so sehr ich dieses Buch hasse, es ist nichts im Vergleich dazu, wie ich diesen Film hasse.
Johannes Franke: Oh Gott. Wow.
Florian Bayer: Ich kann zur Vorlage nicht viel sagen, ich habe auch gelesen, dass sie einiges weggelassen haben. Die Vorlage ist auch offensichtlich eine Auseinandersetzung oder Verarbeitung ihrer eigenen Vergewaltigungserfahrung. Und deswegen würde ich einfach mal in dem Punkt so... wie sagt man, den Zweifel, den Benefit of the Doubt geben, dass das Buch besser ist, Eben zum Beispiel, weil sowas wie die Vergewaltigung nicht einfach rausgelassen wird. Aber viel mehr kann ich dazu auch nicht sagen.
Johannes Franke: Ja, also ich finde es innerhalb Peter Jacksons Kopf nachvollziehbar, dass er diese Vergewaltigung weggelassen hat und dass er so ein paar Sachen einfach nicht gezeigt hat. dann hätte er ja komplett woanders gehen müssen mit dem Film, ne?
Florian Bayer: Ich weiß gar nicht, ob ich so krass mit diesem Kritikpunkt mitgehen würde, dass die Vergewaltigung nicht gezeigt wird. Als ich den Film gesehen habe, war es für mich ziemlich eindeutig, dass das eine versuchte Vergewaltigung ist, die schief geht und deswegen wird das Mädchen umgebracht. Für mich hat keine Vergewaltigung im Buch stattgefunden. Und erst retrospektiv, als ich das gelesen habe und gesagt wurde, im Film wird die Vergewaltigung nicht gezeigt, im Buch findet sie statt und so. kam erst mal der Gedanke auf, ah, okay, also es war klar, dass er sie vergewaltigen wollte, aber ... in meiner Rezeption des Films hat die Vergewaltigung nicht stattgefunden. Er hat es versucht, es ist misslungen, er hat sie umgebracht.
Johannes Franke: Tatsächlich auch
Florian Bayer: eine okay Szene, wenn sie dann flieht vor dem Mörder und wir sehen sie rausrennen und es gibt diesen kurzen Suspensmoment. Wir wissen irgendwie schon, dass sie tot ist, weil wir sehen irgendwie, dass alles so nebulös ist und Wir wissen ja auch, dass sie, also die Offerzählerin hat uns davor zehnmal gesagt, dass sie gestorben ist. Ja, genau. Ganz gut inszeniert, wie sie da wegrennt und nicht realisiert, dass sie tot ist.
Johannes Franke: Das finde ich übrigens wirklich ganz cool. Also jetzt nicht... Die grandioseste Idee in der Filmgeschichte, aber eine nette Geisterdarstellung. Du kommst dann... Als jemand, der aus seinem eigenen Körper rausstürmt und nicht realisiert, ich bin gestorben, in ein Dorf rennt an jemandem vorbei. Aber... Aber eine nette Geisterdarstellung zwischen dem Dorf, was bevölkert und nicht bevölkert ist gleichzeitig und wo du dann bist oder nicht bist gleichzeitig.
Florian Bayer: Hat mir 15 Jahre früher bei Ghostnachricht.
Johannes Franke: von Sam. Ja, okay.
Florian Bayer: Ja, ja, ja. Das Mittel ist nicht schlecht. Auf jeden Fall. Ich finde es auch Durchaus funktionierend, auch diese Realisierung von ihr dann, dass sie tot ist.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Ich kann dem Film auch verzeihen, also das wurde auch kritisiert, dass sie dann halt über ihren Mörder stolpert, dass das der erste Moment ist, dass sie es wirklich realisiert, dass sie tot ist, wenn sie ihren Mörder Gerade in der Badewanne sieht man das ganze Blut. Fand ich war auch eine gute Szene. War halt... Ja, war halt den Aufhänger einer versuchten Vergewaltigung eines Mordes oder einer Vergewaltigung eines Mordes benutzt, um... einen Gruselmoment zu erzählen. Das ist vielleicht ein bisschen plump, so ein bisschen exploitativ, aber es war gut inszeniert.
Johannes Franke: Ja. Und da hat mir auch der Effekt noch gefallen, der draufliegt auf der Szene und wie sie dann weggetragen wird vom ... Vom Wind? Keine Ahnung, ich weiß es nicht. Aber das war effektmäßig vom Visual Effects Haus gut umgesetzt. Während die nächsten Sachen dann teilweise doch ein bisschen sind. Ja, also, ich weiß nicht. Für mich ist es einfach sehr durchwachsen. Es gibt immer wieder Momente, die gut inszeniert sind und immer wieder Momente, wo ich denke, ach du Scheiße, voll reingegriffen ins Klo. Und ich frage mich halt, warum Peter Jackson da so inkonsistent ist. Entweder richtig kacke oder... Aber er hat immer wieder Szenen drin, die ich wirklich gut finde.
Florian Bayer: Ja, das Problem ist, dass für mich halt wirklich über diesem ganzen Film war die ganze Zeit diese Atmosphäre des... Der Film ist mir, und das ist eins, was er beteilt mit Funny Games, der Film ist mir gegenüber extrem aggressiv und tatsächlich so weit, dass es auch eine unangenehme Filmerfahrung ist. Ich hab noch überlegt, ob ich den Witz mache, dass die unangenehmen Filme doch eigentlich das gedacht war als für in meinem Himmel. Einfach... Weil er mich so zwingt und mir so seine Emotionen aufdrücken will, aber auf so eine Und teilweise auch mit so hysterischen Bildern, diese extrem nahen vom Killer mit seinen Händen, wenn er irgendwas baut oder so. Wir haben ganz oft diese, übrigens frühes digitales Kino, sieht man da ganz, ganz krass in seinem... hässlichsten Bild, wenn man die Nahaufnahmen sieht, wie Hände etwas machen. Das gibt es immer mal wieder und das sieht so ... Das schreit so 2000er digitales Kino und wir können noch nicht so gut damit umgehen. Es wirkt irgendwie alles noch so ein bisschen fakie und ein bisschen TV und ein bisschen billig. Und dann sind diese Nahaufnahmen und die sind immer so aggressiv, auch wenn der Mörder zum Beispiel vom Polizisten befragt wird und Und immer mal wieder so in dem Puppenhaus schaut. Und dann haben wir diese Kameraperspektiven, Mörderblick durchs Puppenhaus.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Das ist so in your face. Ich kann keine Beziehung zu diesem Film aufbauen, weil ich das Gefühl habe, dieser Film ist ... viel zu sehr daran interessiert mich zu manipulieren und mir seine Gefühle aufzudrücken.
Johannes Franke: Also ich finde zum Beispiel an der Stelle, wo was du vorhin erwähnt hast mit den Schiffen in den Gläsern, Wenn er in Zeitlupe die Gläser zu Boden wirft, voller Verzweiflung, die Mark Wahlberg nicht spürt. spielt, sondern einfach nur körperlich macht. Das hat irgendwie echt Anleihen von, obwohl sie das nicht kennen, von Rosamunde Pilcher, was wir gesehen hatten. Ja. Weiß nicht, so plump, Zeitlupe an der Stelle irgendwie.
Florian Bayer: Fuck. Er drückt halt voll drauf. Der Film will Emotionen erzeugen. Und das will er sowohl in den Bildern der Familie, die durch den Mord aufgerieben wird, Was ich halt irgendwie nicht so wirklich abkaufen kann, weil Mark Wahlberg schwach ist. Und er will aber auch Emotionen aufdrücken, indem er uns diese spirituelle Bilderflut gibt von der... Hauptfigur von Susi, wie sie im Himmel rumläuft, in ihrem Himmel, in diesem Vorhimmel. Und dann auch übrigens... natürlich eine Art Fremdenführerin kriegt, die nochmal ganz viel erklären darf. Und ich finde es ja grundsätzlich schwierig, wenn Filme spirituell sind. Ja.
Johannes Franke: Und ...
Florian Bayer: Jenseitsdarstellungen haben wir schon mal festgestellt, sind grundsätzlich schwierig. Es gibt nicht wirklich viele Filme, die das beherrschen und
Johannes Franke: Der beherrscht es halt wirklich gar nicht.
Florian Bayer: Der beherrscht es auch nicht. Nein.
Johannes Franke: Also auch das ist eine Dialogstelle, die mir auch eben genau in die gleiche Kerbe fährt. als sie sagt, aber der Mörder hat nicht damit gerechnet, wie sehr ein Vater seine Tochter lieben kann. Weißt du, so ein Satz, wo man denkt, what the fuck? Wie tief willst du noch reingreifen in diese Kitsch- Vor allem ist es nicht logisch. Es hat ja nichts damit zu tun.
Florian Bayer: Ja, und es macht vor allem auch nicht wirklich viel. Er beschuldigt ja, er sucht ja überall nach Verdächtigen. Es gibt ja diese Montage, Namen entgegenschleudert und sagt, untersuchen Sie mal den, untersuchen Sie mal den. Man sieht einfach, der Vater ist dabei, den Verstand zu verlieren. Jeden. Was dann übrigens auch retrospektiv gesehen, was das total kaputt macht, wenn er dann tatsächlich herausfindet, dass sein Nachbar der Mörder ist. Weil es ist ... Weil es reiht sich fast ein in diese falschen Verdächtigungen, die er gemacht hat. Er sieht halt eine Rose, er kriegt von seiner Tochter eine Vision geschickt und weiß dann, das ist der Mörder. Das ist genauso Bullshit wie die Namen, die er vorher genannt hat. Wie sollen wir hier... sehen, der Vater mit seiner Energie schafft es, den Mörder zu stellen, wenn er davor genauso tausend andere wahrscheinlich genauso verdächtigt hat.
Johannes Franke: Ja, es ist also... Es bleibt auf diesem Bullshit-Level. Du hast keine wirkliche Ermittlungsarbeit oder keine Beweise, was ja auch dann erzählt wird. Du brauchst Beweise für sowas. Und dann wird es aber nicht, weiß ich nicht, weiter aufgegriffen. Beziehungsweise Sie bringt ja dann die Beweise, die Schwester.
Florian Bayer: Und die ist tatsächlich auch wieder eine spannende Rolle, die ist auch okay gespielt.
Johannes Franke: Genau, finde ich auch.
Florian Bayer: Und ... Da hatte der Film tatsächlich Potenzial, auch wenn er zeigt, wie Lindsay zur Jugendlichen wird, die eben Susi vorher war und dann Susi irgendwann überholt. Es gibt ja sogar diesen Moment, wo Susi sagt, sie hat mich jetzt überholt, jetzt hat sie ihren ersten Kuss gekriegt, den ich nie kriegen konnte. Oh Gott, die Kuss. Szene. Dazu müssen wir gleich kommen, dass es ganz schrecklich ist. Schrecklich. Ja, aber auf jeden Fall Ist Lindsay eine Rolle mit Potenzial, das aber einfach nicht ausgeschöpft wird, weil sie zu wenig gezeigt wird? Sie dient dann eben letzten Endes doch vor allem als Vehikel, um ... den Mord aufzuklären, weil sie die ist, die sich in die Wohnung des Mörders traut.
Johannes Franke: Ja. Aber wiederum da die Inszenierung der Szene selbst. Spannend. Wie sie da im Haus rumgeistert und versucht und er kommt nach Hause und so. Das ist gut montiert. Und gut inszeniert. Ich finde es super. Aber innerhalb des Films selbst ist es halt ... Ja, genau.
Florian Bayer: Es stört so, weil wir davor irgendwie das Drama hatten. das Melodram, danach haben wir den Humor, dann haben wir davor irgendwie nochmal ein bisschen Fantasy, ein bisschen Mystery. Das passt einfach auch alles nicht zusammen. Also... Die Frage war ja, Funny Games, man kann drüber diskutieren, welches Genre das ist, aber Funny Games ... macht was Rundes draus. Und dieser Film schafft es nicht, was Rundes zu machen, weil die... Weil das auch teilweise so deplatziert ist. Ich will ... Ich will nicht das Leid von einer Familie kriegen und dann einen ganz plumpen, spannenden Thriller, egal wie spannend der ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Dann hätten sie die unangenehme Spannung von Funny Games vielleicht eher einbauen sollen. Ja. Oder das nicht so mitteldramatisch machen, wie die Familie zerbricht. Oder eben nicht so eine total lustige Montage, in der Susan Sarandon ... Susan, du bist so toll. Durch die Wohnung tanzt. Das passt einfach nicht zusammen.
Johannes Franke: Wenn wir uns mal den Vergleich zu bildender Kunst erlauben, Funny Games hat wahnsinnig viele Farben auf der Palette und deswegen kann man das Genre nicht eingrenzen, weil du viele, viele Farben hast. Und dieser Film hier hat auch sehr viele Farben, aber eben auch viel Material unterschiedliches. Dann wird Kork mit auf die Leinwand gelegt. Genagelt wäre neben Ölfarben und dann noch ein bisschen Waste von irgendwo anders. Und dann hast du so ein Chaos an Zeug.
Florian Bayer: Ja, es fehlt einfach. einfach der Zusammenhalt. Es wird einfach, du weißt nicht, was in der nächsten Szene für eine Stimmung erzeugt wird. Aber es ist nicht so, dass du das Gefühl hast, so angenehm überrascht zu sein. So, oh, jetzt fahren sie die Comedy-Schiene. Sondern zumindest mir ging es so. Ich habe mich dann halt immer eher geärgert. Ich dachte, hey, die Zähne ist toll. Aber ich ärgere mich darüber, dass sie mir die Zähne jetzt hinklatschen, nachdem sie vorher was gemacht haben. ganz anderes erzählen wollten.
Johannes Franke: Ja. Irgendwie... Aber das wiederum... Weswegen ich... so manche Szene einfach wirklich toll finde und einfach nur verstört davon bin, wie Peter Jackson Es nicht schafft, das alles einheitlich zusammenzubringen in dem Film. Die Szene, wo der Detective bei dem Mörder ist. Das Gespräch an sich ist wiederum gar nicht so schlecht. Ist auch gut inszeniert. Natürlich gibt es da so ein paar Staple-Antworten und ein paar Stempel für... Guck mal, so sind Mörder in den 80ern oder... 80er? 70er? Aber ich fand das nicht schlecht beinszeniert und gespielt.
Florian Bayer: Das war mir tatsächlich zu sehr in your face. Also handwerklich gut gemacht. Handwerklich ist vieles wirklich gut gemacht. aber es war mir einfach zu aufdringlich. Das ist es. Der Film ist sehr aufdringlich, dabei zu sagen ... welche Stimmung er gerade erzeugen will. Und zwar so aufdringlich, dass ich halt das Handwerk hinter der Stimmung sehe.
Johannes Franke: Ja, okay. Ja, das ist immer blöd, wenn du dann anfängst, in einem Film nachzudenken und zu sagen, oh Gott, was will denn der jetzt, das will er jetzt, das will er jetzt. Ja. Da musste ich am meisten auflachen. Nicht bei Susan Sarandon, die ich sehr mochte, aber als diese beiden... Herzhälften in den Ketten, weil erinnerst du dich an diese ... Ich weiß nicht, ob das immer noch rumgeistert, ob Brigitte oder wie die heißt, die immer noch diese Herzenhälften als Ketten haben, aber das ist so ein Staple. für mich, für 70er, 80er Jugendliche schenken sich was Ding.
Florian Bayer: In jeder zweiten 80er Teenager-Romanze kommt diese Kette mit zwei Herzteilen vor. Da gibt es auch immer dramatische Momente, wo die Ketten irgendwann wieder zusammengefügt werden oder eine verloren geht. oder so. Oh Mann.
Johannes Franke: Ja, aber was ich auch schön finde, ist, dass die Fotografien einmal, immer wieder einen Monat, alles Neue entwickelt werden.
Florian Bayer: Tolles Motiv, ja.
Johannes Franke: Fand ich ein ganz tolles Motiv. Hat mich auch immer wieder sehr gefreut. Und das Problem ist bloß halt, bei den letzten Bildern, die er entwickeln lässt, kommen diese Rosen und der Vorgarten, die was in ihm auslösen, was völlig überhaupt nicht nachvollziehbar ist. Ja. Also es ist, plötzlich wird er zum Visionär. Irgendwie hat er plötzlich Visionen, dass er es war, völlig ohne... handfeste Beweise oder handfestes an irgendwas, woran er sich festhalten kann. Sie hat halt Nachbarn fotografiert, ja und?
Florian Bayer: Ich finde es ja tatsächlich gut, dass sie sehr vorsichtig damit umgehen, sie aus dem Jenseits ins Diesseits eingreifen zu lassen. Also es gibt keine großen spirituellen Momente, abgesehen vielleicht von der Roof. Also die Figur, das ist eine, die übersinnlich begabt ist und die sie irgendwie sehen kann oder von ihr so ein bisschen was empfangen kann. Aber ansonsten gibt's Haben sie das wirklich subtil gemacht? Nein, nicht subtil gemacht, aber es passiert einfach wenig. Wenn sie zum Beispiel am Fenster ihren Vater beobachtet durch das Fenster, wo einfach... wo sie einfach keine große Geistererscheinung ist. Aber dadurch ist es natürlich total unplausibel, wie ... Es fehlt einfach so ein bisschen die Verknüpfung mit der Geschichte der Aufdeckung des Mordes. Es wäre natürlich... spannend gewesen zum Beispiel, wenn sie vielleicht doch ein bisschen mehr hätte eingreifen können in das Diesseits und wenn sie Die Detektivin hilft, ihren Mörder zu enttarnen. Zum Beispiel. Dann hätte das auch ein bisschen mehr Hand und Fuß gehabt, dass sie das überhaupt so nebeneinander stellen.
Johannes Franke: Auch dieser, ich weiß nicht, kann mir nicht helfen, aber Peter Jackson hat bei Herr der Ringe das super einsetzen können, seinen Hang zu epischem Fantasy-Zeug. Aber der Himmel, in dem sie da ist, der ist einfach... Der rastet vollkommen aus mit Wechsel von Jahren. Passzeiten mit Wechsel von Location, mit Wechsel von Zeug und alles ist so furchtbar transzendental. Und es ist so... Autsch. Und wenn man alles 15 Nummern kleiner gemacht hätte, wäre wahrscheinlich alles viel glaubwürdiger geworden. Und du hättest dann tatsächlich sowas machen können, wie du jetzt gesagt hast, dass man wirklich eingreifen kann als Geist vielleicht. Macht man halt eine Geistergeschichte draus, ist doch auch gut. Und dann ist es eben auch wirklich plausibler, dass sie dann den Mörder tatsächlich enttarnen.
Florian Bayer: Ja, ich fand die Bilder so ein bisschen Hit and Miss. Also einige Bilder fand ich wirklich gelungen vom CGI und auch sogar von der Bildsprache. Ich würde noch mal die Flaschen hervorheben. Ich fand, das war eine ganz gute Szene. Ich find's auch gut, wenn der Mörder ... Also, das ist alles sehr simpel. Das sind wirklich ganz simple Allegorien. Aber ich find's ... visuell funktioniert es ganz gut, wenn der Mörder ihre Kette wegwirft ins Wasser und sie dann selbst im Wasser untergeht. Das sind irgendwie so ... Ich hab dafür auch durchaus so einen Softspot für so eine Jenseitsdarstellung, wo alles ein bisschen drunter und drüber geht. mit verschiedenen visuellen Reizen gespielt wird. Es war halt dann am Schluss doch eine Nummer zu kitschig und zu transzendental, hast du gerade gesagt. Ich habe eh so aufgeschrieben. Es war auf jeden Fall vom Gefühl her alles zu wabernd. Und das Problem war halt auch, dass das dann immer ... Nicht gut im Kontrast stand zu dem, was im Leben im Diesseits passiert. mit der Mördergeschichte, mit dem Mörder, der frei rumläuft. Ja.
Johannes Franke: Was ich wieder gut fand, war, dass wir dann irgendwann eine Verordnung haben, dass sie im Safe ist. Das war so ein realistischer Moment, wo du weißt, ah, okay. Da ist sie und da könnte man sich jetzt dran hangeln, findet es jemand raus, kann jemand den Safe öffnen und so weiter, aber das hätte alles keine Rolle gespielt. Er hat ja den Safe dann da ins Loch geworfen.
Florian Bayer: Es war tatsächlich eine komische Entwicklung insgesamt. um noch mal zu Funny Games zurückzukommen. Sie wollen doch eine plausible Entwicklung. Es gibt halt keine plausible Entwicklung. Entwicklung, weil diese Mördersuche führt auch zu nichts, der Mörder flieht dann halt und Aber dann schafft der Film das nicht konsequent zu machen, dass er uns sagt, dass die Mördersuche zu nichts führt. Könnte er auch machen. Aber stattdessen gibt er uns so eine Katharsis in einer wirklich absurden Sterbe-Szene des Mörders. wo sie offensichtlich noch mal extra auf die Kacke gehauen haben, weil sie wollten, dass das ... Er ist zuerst nur eine Klippe runtergestürzt und dann war das wohl zu wenig. Und deswegen mussten sie für das Publikum, damit sich das besser fühlt, nochmal zeigen, wie auf verschiedenen Felsen aufdotzen. Und am Schluss blutend und schwer atmend da unten liegt und langsam schmerzhaft verreckt.
Johannes Franke: Das haben sie echt über Testerführungen gesagt. rausgefunden. Die haben sich das Publikum befragt und wie war der Film und so und dann gab es halt viele Stimmen, die gesagt haben, ja, wir wollen mehr Gewalt, wir wollen mehr sehen, dass der wirklich leidet am Ende.
Florian Bayer: Und das war auch so wieder so... In your face, Emotionen, hey, du hast diesen Menschen, jetzt darfst du auch zusehen, wie er so richtig elend krepiert nochmal. Geht's dir jetzt besser? Geht's dir besser? I was raped. Ja, also...
Johannes Franke: Grrrrrrrr. Ich weiß nicht, es ist so schwer dann noch irgendwie zu faziten. Weißt du, was ich meine? Es ist so... So all over the place der Film, dass ich ganz schlecht sagen kann, wie ich den ganzen Film fand, weil es echt so viele Sachen gab, die ich wirklich... gut inszeniert fand, so Einzelteile und die mich auch von einer Szene in die nächste getragen haben und mich motiviert haben, weiterzugucken und auch Also ich wollte wissen, wie es weitergeht und was mit ihr ist, aber ich wollte halt auch echt zwischendurch. durchsagen, liebe CGI-Abteilung kündigt einfach und sagt, nee, das ist uns zu viel, lass das.
Florian Bayer: Also, um das noch mal stark zu machen. Ich find's krass, wie ... wie derbe mit dem Film umgegangen wurde. Ich kann es nachvollziehen, woher das kommt. Ich fand es auch ärgerlich, wie der Film so Emotionen ... und wie aggressiv er mir diese Emotionen verkaufen will. Aber ich würde jetzt nicht so weit gehen und sagen, wow, das ist so ein schlechter Film. Keine Ahnung, ich muss mal kurz gucken. Wurde wirklich böse über den Roger Ebert. Hat den auf seiner Most Hated List.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Er hat darüber geschrieben, es ist ein schrecklicher Film mit der Botschaft, wenn du ein 14-jähriges Mädchen bist, das brutal vergewaltigt und ermordet wurde. Kannst du dich auf den Himmel freuen, auf den du dann mit den anderen Opfern dieses Mörders herumtanzen darfst? Ich würde gar nicht so weit gehen, weil ... Ja, wie gesagt, dafür war das einfach, also klar, man kann das sehen, dass hier eine Vergewaltigung erzählt wurde, vor allem, wenn man die Buchvorlage dazu nimmt.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Habe ich allein dadurch, dass ich die Vergewaltigung einfach nicht gesehen habe und gedacht habe, okay, die wurde nicht gezeigt und die hat im Film nicht stattgefunden, wurde das für mich ein bisschen entschärft. Aber ich kann diese Wut total gut nachvollziehen. Und ich fand, es war wirklich ein unterdurchschnittlicher Film.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: der mich einfach kalt gelassen hat, weil er zu sehr auf die Emotionen gedrückt hat. Ja.
Johannes Franke: Das Projekt hat ja auch eine lange Entwicklung hinter sich. Die hatten ja das relativ schnell geplant, das zu verfilmen, diese Vorlage. Und dann haben das verschiedene Leute hin und her gereicht und dann gab es da mal einen Entwurf und da mal einen Entwurf und dann haben später auch Leute, die im frühen Stadium dabei waren und das anders gemacht hätten, danach gesagt, um Gottes Willen, ich hätte diese My Little Pony heile Welt da komplett rausgelassen und weißt du, es sind halt es ist viel passiert mit diesem Skript. Ja. Er hätte vielleicht an der einen oder anderen Stelle sagen sollen, so, das ist jetzt unsere Version und wir lassen Peter Jackson bitte raus.
Florian Bayer: Peter Jackson hat ja gesagt, er wollte ... Wie wird der Name ausgesprochen? Sawas?
Johannes Franke: Ich weiß es nicht. Ich kann es nicht sagen.
Florian Bayer: Sawas Ronan wollte er diese Vergewaltigungsszene nicht zumuten, weil sie zu dramatisch wäre und sie wollten... das alles ein bisschen anders machen und so. Ich habe das Gefühl, es ging vor allem um das PG-13-Ding.
Johannes Franke: Ja, wahrscheinlich.
Florian Bayer: Und das ist wohl das, was auch letzten Endes... dem Film nicht gut getan hat, dass sie, er ist an der Zeit rausgekommen, als dieses Young Adult Ding gerade so am, Young Adult Fantasy gerade so am Wachsen war. Tribute von Panem. Ich muss einmal kurz gucken, wann der erste Hunger Games Film war. Der war 2012, der war tatsächlich Später. Interessant. Aber Twilight war um die Zeit dann wahrscheinlich, ne?
Johannes Franke: Das weiß ich gerade nicht.
Florian Bayer: Jetzt darf ich dem Film nämlich nicht unrecht tun. Twilight war 2009 und Twilight hat das so ein bisschen losgetreten. Also, der erste Twilight-Film war ... 2008. Das heißt ... dieser Film fällt irgendwie so in die Zeit, als das gerade hochgekocht ist. Hunger Games war dann ja so ein bisschen die intellektuelle Version davon.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber sie haben halt Fantasy-Filme gemacht für ein Teenager-Publikum und das wurde ja auch bei der Verfilmung von Tribute von Panem viel kritisiert, dass sie da auch das PG-13 gesucht haben, dementsprechend die Gewalt... sehr krass gekürzt haben in einem Film, in dem es eigentlich um Gewalt geht, weil die Teenager übereinander herfallen. Und Ja, ich kann es einerseits verstehen, weil es ist natürlich auch ein Teenager-Thema. Es ist ein Film für Teenager. Ja. Ich weiß auch nicht, ob das ganze Thema funktionieren würde, wenn du es für Erwachsene drehst, weil die Protagonistin ist Teenager, es sind Teenager-Themen, die drin sind.
Johannes Franke: Nein, das geht für Erwachsene. Ich glaube, es geht für Erwachsene und das Buch ist auch für Erwachsene. Das Buch ist wirklich nicht an einen Teenager gerichtet. Das ist ein erwachsenes Buch und das Thema ist ganz klar an Erwachsene auch entsprechend umgesetzt und beschrieben. Weil die Vergewaltigung ja auch ordentlich beschrieben wird und alles. Ich bin mir ganz sicher, dass der Film funktioniert hätte und viel besser funktioniert hätte, wenn es wirklich für Erwachsene gemacht hätte.
Florian Bayer: Wobei ich mir das auch gerade schwer vorstelle, wenn sie, also ich weiß nicht, ob mir das den Film noch madiger machen würde, wenn sie zum Beispiel die Vergewaltigung zeigen würden und dann die Himmelsvision.
Johannes Franke: Nein, da müsstest du ganz viel anders machen.
Florian Bayer: Also da würdest
Johannes Franke: dann müsstest du auf diese ganze, auch die Off-Stimme von ihr, wie sie die ganze Zeit, ach und jetzt bin ich tot und ich hoffe, dass ihr ein schönes, schönes, langes Leben habt. Darauf musst du alles verzichten dann, weil das ist an die Jugendlichen gerichtet. Das ist die Stimme auch für die Jugendlichen, um ihnen zu sagen, du siehst da jetzt gerade eigentlich traumatische Ereignisse, aber wir versuchen, dir das besser zu verpacken, damit du nicht traumatisiert aus dem Film rausgehst, weil du zu jung bist, um eigentlich sowas in der schlimmen Version und realistischen Version zu sehen.
Florian Bayer: Also vielleicht ist das das Hauptmanke des Films tatsächlich, dass er einfach auf das falsche Zielpublikum abkommt. gezielt hat.
Johannes Franke: Ich bin mir ganz sicher, aber ich glaube auch, dass Peter Jackson einfach Einfach in allem, ich sehe das immer bei Peter Jackson, dieses Bedürfnis nach... Fantasy-Epos und epischen Sachen und viel zu großen Sachen für so ein kleines Thema. Also nicht kleines Thema im Sinne von klein geredet, aber im Sinne von, es ist eigentlich eine... eine gute, intime Geschichte und kein Herr der Ringe.
Florian Bayer: Das Krasse ist tatsächlich, dieser Film hat mich dazu gebracht, nochmal so zurückzudenken an Peter-Jackson-Filme und wie die inszeniert sind. Ich war ein großer Fan der Herr-der-Ringe-Trilogie.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Aber wenn ich jetzt zurückdenke und nochmal drüber nachdenke, was für Szenen unangenehm waren in diesem Film, weil sie einfach zu ... aggressiv emotional waren. In Herr der Ringe, in der Trilogie, gab es in jedem Film auch solche Szenen, die einfach drüber waren. die einfach, wo einfach so ein Punkt überschritten wurde, an dem ich dann dachte, uff, das ist jetzt zu viel und jetzt will der Film zu sehr mir seine Emotionen aufs Auge drücken.
Johannes Franke: Also Galadriel und Co. Diese...
Florian Bayer: Auch einfach so kleine Szenen, in denen Frodo irgendwas macht und wir extreme Nahaufnahmen haben und Zeitlupen. besonderes Gefühl vermittelt bekommen sollen. Zum Beispiel die schrecklichste Szene in Herr der Ringer. Das ist ganz eindeutig. Wenn alles geschafft ist und Frodo in ... Der Ring wurde zerstört und dann wird er wach im Bett im ... Nicht im Auenland, sondern bei den Elben liegt er im Bett. Und dann kommt Gandalf und dann lacht er. Und dann kommen die anderen, dann lachen sie auch. Oh Gott, ja. Und es ist total, es ist bizarr.
Johannes Franke: Ja, es stimmt.
Florian Bayer: Und es ist aber eine Szene, die uns erleichternde Emotionen bieten soll. Es ist nur bizarr.
Johannes Franke: Du könntest so Horrorfilmmusik drunterlegen.
Florian Bayer: Und die Herr der Ringe Trilogie, so sehr ich die Filme schätze, hat viele von diesen Momenten. Und auch die Heavenly Creatures, auch ein Teenager-Film mit düsterer Thematik aus den 90ern. Den ich wirklich gerne mag.
Johannes Franke: Ich mag den sehr gerne, den Film.
Florian Bayer: Der hat, glaube ich, auch diese Momente. Da haben wir auch diese Verknüpfung von Mord. und von im Lala-Land rumtanzen.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Aber da passt es besser thematisch.
Florian Bayer: Da passt es besser thematisch. Ich will sagen, vielleicht hatte Peter Jackson das schon immer. Und er hat es bisher geschafft, das immer ganz gut zu verschleiern. Und in meinem Himmel ... Vielleicht auch, weil die Story dann zu schwach ist, weil das Grundset-Up zu schwach ist, kommt das alles raus und Das ist so ein böses Urteil über den Film, aber er hat ihn ja ein bisschen Peter Jackson auch madig gemacht.
Johannes Franke: Ja, aber wirklich. Aber ich glaube, ich finde den Film insgesamt besser als du, weil ich... immer wieder anknüpfen kann, weil mir immer wieder die Inszenierung einzelner Szenen gut gefallen hat und ich Themen... die er aufmacht, durchaus ernst nehmen konnte, dann auch was, wo du dich schon Zu sehr draufgestupst, mit der Nase draufgestupst oder dir das ins Gesicht geklatscht fühlst. Während ich noch denke, ja okay, ist in Ordnung, ich komme damit klar, dass es jetzt ein bisschen drüber ist.
Florian Bayer: Ja, mir war der Einstieg einfach schon zu aggressiv. Und dann schwebte das die ganze Zeit so drüber.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und irgendwann so in der Mitte des Films dachte ich, wow, der Film ist bestimmt bei der Kritik Der hat bestimmt schlechte Kritiken gekriegt. Und als ich dann danach drauf geguckt habe, Wie gesagt, ich fand den Film nicht gut, aber ich war dann trotzdem noch mal überrascht, wie krass mit dem Film ins Gericht gegangen wurde. Fast so, dass ich denke, eigentlich ... Müsste man was zur Ehrenrettung sagen, weil das wirklich hässlich ist, wenn so derart von allen auf den Film draufgehauen wird? Mir fällt halt leider nicht viel zur Ehrenrettung an.
Johannes Franke: Nein, das ist das Problem. Wusstest du übrigens, dass Ryan Gosling eigentlich war? Die Rolle von Mark Wahlberg spielen sollte. Nee, nicht von Mark Wahlberg. Doch, von Mark Wahlberg. Ja, wirklich? Nee.
Florian Bayer: Von Jack, oder? Jetzt muss ich auch noch mal gucken.
Johannes Franke: Doch, doch, doch, doch. Stimmt. Ja, genau. Und es hieß ... Dann in der offiziellen Erklärung, dass er rausgegangen ist, weil beide festgestellt haben, nee, der passt nicht in die Rolle, es stimmt nicht ganz, er müsste ja eigentlich erst viel zu jung für die Rolle. und so weiter. Und dann hat irgendwann Ryan Gosling zugegeben, dass er sich für die Rolle einiges angefressen hat und einen Schnurrbart hat wachsen lassen, ohne dass Peter Jackson Bescheid wusste. Und dann einfach rausgeflogen ist. Er ist da halt angekommen, in diesem Zustand. Und Peter Jackson hat gesagt, hallo? Geht's noch?
Florian Bayer: Ich wollte nicht Ryan Gosling. Ich wollte nicht diesen Ryan Gosling. Ich wollte Plakat hochhalten. Diesen Ryan Gosling.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Ist wahrscheinlich auch besser so.
Johannes Franke: Ja, Ryan Gosling hätte sich vielleicht mit dem Film nicht so viel Gutes getan.
Florian Bayer: Ja, es tut mir tatsächlich leid. Ich fühle mich so ein bisschen wie auf dem Schulhof, wenn alle jemanden mobben und ich komme dazu und mobbe mit. der Film wirklich so schlecht, so fies runtergemacht wurde und man so viel Hate findet gegen diesen Film. Ich finde ihn halt wirklich nicht gut. Ich kann ihn nicht verteidigen. Ja. Ja, es tut mir noch nicht mal leid, weil dafür ist er mir dann halt auch doch zu aggressiv und dann denke ich, es ist selbst schuld, wenn er versucht, mir so krass zu sagen. krass, die Emotionen aufzudrücken. Ey, was soll ich dann machen? Ja.
Johannes Franke: Ich bin ein bisschen gnädiger mit ihm, wirklich, weil ich wirklich ein paar Sachen davon ganz gut finde und ich glaube, wenn man irgendwie so... 45 Minuten rauskürzen würde, die schlimmen Teile und die Geisterdarstellung von ihr vielleicht ein bisschen besser irgendwie noch hinkriegt. Und den Himmel komplett weg. Und das Ganze ein kleines bisschen umstellt. Ich glaube, es könnte gut sein.
Florian Bayer: Ich weiß nicht.
Johannes Franke: Und mal Warburg austauscht.
Florian Bayer: Gab es Gefühle, was man rauskürzt? Kürzt man das eine raus, hat man einen... lahmen Fantasy-Kitsch. Kürzt man das andere raus, hat man einen lahmen Thriller über eine Serienmördersuche. Kürzt man das andere raus, hat man eine lahme Familiengeschichte über Trauer und das Auseinanderbrechen einer Familie wegen des Verlusts eines Familienmitglieds.
Johannes Franke: Ja, aber es wäre doch mal spannend, das mal zu probieren. Sich wirklich hinzusetzen und zu sagen, okay, ich gehe jetzt mal mit der Schere ran und schneide mal meine Version des Films zusammen aus dem existierenden Material. Aha. Oh wow.
Florian Bayer: Ich glaube tatsächlich das Beste... Nee, es ist alles, ja. Es waren einfach in jedem Moment zu wenig Highlights, als dass man daraus einen funktionierenden Film schneiden könnte. Auch wenn die Ansätze gut sind, ich finde es eigentlich spannend, sich damit auseinanderzusetzen, was passiert mit einer Familie, nachdem sie ihre älteste Tochter verloren hat durch einen Mord. Aber der Film, die Szenen, die das behandelt haben, hatten zu wenig Fleisch. Und man kriegt mit diesen Szenen, allein kriegt man kein gutes Familiendrama erzählt.
Johannes Franke: Wie lame ist das eigentlich, so ein Hideout zu bauen und einer 14-jährigen... Zu unterstellen, dass sie es total geil findet, dass ein Nachbar so ein Hideout gebaut hat. Das ist schon auch ein bisschen abwegig, oder?
Florian Bayer: Ja, das ist vielleicht so ein 70er-Ding, 70er-Vorort-Ding und alle, man kennt sich und fühlt sich wohl, aber ja.
Johannes Franke: Ist schon ein bisschen weird.
Florian Bayer: Sehr, ja, ist es.
Johannes Franke: Also dass er sie auch damit kriegt, dass er sagt, ach schade, ich... Ich wollte jetzt unbedingt jemandem zeigen, was ich da gemacht habe. Und sie ist voll begeistert von diesem Hideout und denkt sich nichts dabei. Weiß nicht. Irgendwie.
Florian Bayer: Und es ist noch so eine Gruselhöhle, die er da gebaut hat, mit den Puppen, die da rumstehen und den Zeitschriften. Nee, irgendwie nicht. Wollen wir unsere Top-Liste machen? Ich will über gute Filme reden.
Johannes Franke: Okay, Jingle. Unsere Liste.
Florian Bayer: Teenager-Filme.
Johannes Franke: Teenager-Filme.
Florian Bayer: Filme für Teenager, Filme mit Teenagern, Filme über Teenager.
Johannes Franke: Filme von Teenagern?
Florian Bayer: Kennst du einen guten Film von einem Teenager?
Johannes Franke: Nein. Schade.
Florian Bayer: Als ich 15, 16 war, haben wir ein... einen Slasher-Film gedreht. Im Haus von einem Freund. Und zwar wirklich groß ambitioniert mit der... Was war das für eine Kamera? Das ist eine gute Frage. Also es war natürlich nicht digital, es war... Fuck, ich kenne mich mit den Kassettenformaten nicht mehr so gut aus. Es war so ein Mini-VHS-Format und Und dann haben wir auf jeden Fall mit einer Kamera und mit einem Halloween-Scream-Kostüm, also mit dem...
Johannes Franke: Ah ja, mit der Maske.
Florian Bayer: Genau, mit der Maske und mit so einem Umhang haben wir uns viel Theaterblut, was wir uns gekauft haben und so Messern, die sich eindrücken, wenn sie auf dem Körper gehalten werden, haben wir einen Slasher-Film gedreht. Das ist mein Lieblings-Teenager-Film. Von einem Teenager. Okay. Schön. Nicht so gut wie unser Star Trek Remake.
Johannes Franke: Was?
Florian Bayer: Wir haben auch einmal versucht, Star Trek zu drehen. Das war nicht so sonderlich toll. Geil. Eigentlich war am besten, aber da war ich noch kein Teenager, war Müllman. Das war eine Superman-Parodie, die habe ich mit meinem besten Freund damals gedreht, als ich 10 oder 11 war.
Johannes Franke: Geil, hast du irgendwas davon noch?
Florian Bayer: Nein, das war alles analog und wurde nie digitalisiert. Könnte mal schauen, ob irgendwo noch Kassetten rumliegen. Ich halte es aber für sehr unwahrscheinlich.
Johannes Franke: Schade.
Florian Bayer: Das war auf jeden Fall witzig, weil da haben wir ihn als Müllman im Superman-Outfit auf den Tisch gelegt und Und die Kamera von der Perspektive so gehalten, dass es aussieht, als wäre er in der Luft. Also einen Meter über dem Boden. Schön.
Johannes Franke: Hm? Okay, die Top 3 Jugendfilme. Hast du Honorable Mentions?
Florian Bayer: Hab ich, aber ich hab vorhin angefangen. Das heißt, du solltest jetzt mal... Lustigen.
Johannes Franke: Okay, honorable mentions, die nicht in der Liste gelandet sind, weil wir sie einfach schon besprochen haben, sind 10 Things I Hate About You, was wahrscheinlich auf Platz 1 landen würde normalerweise. Oder Cruel Intentions.
Florian Bayer: Oh, ja. Den hatten wir noch, über den haben wir noch gar nicht geredet.
Johannes Franke: Den haben wir noch nicht geredet, aber den habe ich schon mal in Toplisten gehabt, ein paar Mal, glaube ich, oder ein, zweimal mindestens.
Florian Bayer: Ich kann mich nicht erinnern, dass der im Zuge dieses Podcasts jemals erwähnt worden wäre.
Johannes Franke: Doch, doch, ich weiß nicht. aber ich weiß nicht mehr, in welcher Episode. Aber Cruel Intentions, also gefährliche Liebschaften, habe ich schon mal gehabt.
Florian Bayer: Tolle Neuinterpretationen.
Johannes Franke: Ganz toll. Ach, das war die Top 3 der Filme, die... Aus literarischen Vorlagen sind, die schon ein bisschen länger her sind.
Florian Bayer: Stimmt, da hatten wir auch über Romeo und Julia geredet, oder?
Johannes Franke: Ich glaube, ja. Das war, glaube ich, die Shakespeare-Episode. Ja. Okay. Und ich hätte noch... Heathers.
Florian Bayer: Oh, den haben wir auf jeden Fall auch schon mal genannt.
Johannes Franke: Den haben wir auch schon mal genannt.
Florian Bayer: Ja, toller Film.
Johannes Franke: Ganz, ganz weirder Film. Also total, okay. Das fängt an wie so ein typischer Teenager-Highschool-Film, aber er hat irgendwie echt weirde... Momente und eine seltsame Entwicklung.
Florian Bayer: Und dann wird verdammt viel getötet.
Johannes Franke: Ja. Das ist ja krass. Ja, einer meiner liebsten Filme aus der Zeit irgendwie.
Florian Bayer: Cool.
Johannes Franke: Und es gibt natürlich ganz viele Sachen, die irgendwie in dieses Horn stoßen. Irgendwie ist Back to the Future auch so ein... Das ist alles so, weiß ich nicht, 90er, 80er, 90er Filme, die irgendwie, weiß nicht, wahrscheinlich weil wir einfach in den... Was in den 80ern, 90ern sind.
Florian Bayer: Wobei wir in den 80ern noch keine Teenager waren. Das war ja die große Zeit des Teenager-Films, als diese ganzen Brad-Pack-Filme rauskamen.
Johannes Franke: Brad-Pack?
Florian Bayer: Brad Peck, tatsächlich die Großmäuler. Das war wirklich ein gängiger Name für eine Gruppe von Schauspielern.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und zwar primär die Schauspieler, die in Breakfast Club mitgespielt haben.
Johannes Franke: Aha, den hätte ich nämlich auch noch genannt.
Florian Bayer: Bei Mikrokosmos Schule hattest du den damals genannt.
Johannes Franke: Ja, genau, genau.
Florian Bayer: Und die, also ich krieg die Namen nicht mehr zusammen, die haben in ganz vielen Filmen mitgespielt. In Deutschland sind die nicht so groß rezipiert worden, nur so ein paar davon.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Pretty in Pink gehört dazu zum Beispiel. Oder ... Der ist in Deutschland gar nicht so bekannt. Mhm. Und dann hieß dieser eine St. Elmo's Feier, den auch kein Mensch in Deutschland kennt. Okay. Ich habe keinen von diesen Filmen auf meiner Liste, weil ich finde 80er Teenager-Filme sind auch manchmal echt problematisch.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Es gibt von College Humor so einen tollen Sketch, wo sie drüber reden, dass sie jetzt ein paar ... ein paar Streiche spielen wollen, dann überlegen sie, was für Streiche sie machen könnten. Und ... lassen sich inspirieren von Teenager-Filmen aus den 80ern und stellen fest, dass 90% der Streiche in 80er-Teenager-Filmen einfach mal Rape-Jokes sind.
Johannes Franke: Ach du Scheiße.
Florian Bayer: Und was tatsächlich der Fall ist. Die 80er Teenager-Filme haben eine merkwürdige Sexualmoral, wo dann zum Beispiel unser nerdiger Held in ein Kostüm schlüpft, um Sex mit der Freundin des coolen Football-Spielers zu haben. Was einfach mal eine fucking Vergewaltigung ist.
Johannes Franke: Krass.
Florian Bayer: Und das ist aber halt lustig, ne? Und sie schämt sich dann furchtbar, wenn das rauskommt. Das ist halt ein netter Gag.
Johannes Franke: Oh mein Gott.
Florian Bayer: Und halt, ja, komm, lass uns eine Kamera in der Mädchenumkleide umstellen. Lustig.
Johannes Franke: Unsere Helden.
Florian Bayer: Lasst uns Juckpulver machen, damit die Frauen sich alle ausziehen. Lustig.
Johannes Franke: Stimmt, aber das sind so diese, ja, das ist der Umgang mit diesem Thema der 80er, das ist richtig, ja.
Florian Bayer: 80er-Rape-Culture.
Johannes Franke: Scheiße, Mann. Wow. Ja, und ich erinnere mich an die Zeit und ich erinnere mich an meine Gedanken zu der Zeit und schäme mich ganz furchtbar dafür.
Florian Bayer: Dito. Also es ist krass. Es ist so, ne? Ja, total. Ja, das ist die Gesellschaft, in der wir groß geworden sind. Und wir fanden das halt auch lustig. Das war halt guter, alter, sexistischer Humor.
Johannes Franke: Ich hätte noch als Honorable Mention... Jetzt muss ich überlegen, was ich da rausnehme aus meinem... Nee, mehr habe ich nicht. Mach du erst mal.
Florian Bayer: Meine Honorable Mentions. Einmal zwei Serien, die ich einfach nicht drin habe, weil es Serien sind.
Johannes Franke: Ich habe volle keine Serien mit drin. Weil ich einfach nicht, es ist einfach gerade, der Hot Shit sind einfach Serien gerade, muss ich mal sagen.
Florian Bayer: Ich hoffe, ich nehme nichts aus deiner Liste, aber es sind keine aktuellen Serien. Meine Honorable Mention Nummer 1 ist Willkommen im Leben aus dem Jahr 1994. My So-Called Life hat leider nur eine Staffel gekriegt. Mit Claire Danes, die damals wirklich einfach mal 13 Jahre alt war, als sie das gespielt hat. Wirklich ein Teenager, der ein Teenager spielt.
Johannes Franke: Stimmt.
Florian Bayer: Und eine... wunderbare Serie, die den Zeitgeist der 90er Jahre so zwischen Crunch und No Future und gleichzeitig im Aufbruch der Clinton-Ära perfekt einfängt. So ein bisschen auch spielt mit mythischen Themen. Es gibt manchmal wird so ein bisschen zu esoterisch, aber ganz großartige Themen hat und weit seiner Zeit voraus ist zum Beispiel ist einer der Nebencharaktere ist ein homosexueller Teenager. Der dann auch tatsächlich sein Coming-out hat und ist der beste Freund unserer Protagonisten. Es wird über Drogen geredet, es wird über sexuellen Missbrauch geredet. Und die Serie war, glaub ich, damals einfach zu hart und zu düster. Und man wusste nicht genau, wer das Zielpublikum ist. Weil teilweise spricht's halt wirklich Teenager an, weil Teenager Liebesgeschichten erzählt. Und andererseits wirklich harte, gesellschaftskritische Themen. Ganz tolle Serie, leider nur eine Staffel. Gibt's bei Amazon, aber ich glaube, nur zu kaufen. Unbedingt ansehen. Und das Zweite ist eine Serie ... die von der Haltung ähnlich war aus den 2000er-Jahren, und zwar eine britische Serie Skins. 2007 bis 2013, allerdings sind nur die ersten beiden mit Einschränkung die ersten drei Staffeln wirklich sehenswert.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und sie zeigen auch Teenager, die sehr viel durchmachen. Viele Themen sind halt auch Drogen, Sex, Gewalt. Aber mehr Humor als bei Willkommen im Leben. wirklich lustigen, romantischen Blick auf das Teenager-Dasein und vor allem einen sehr... authentischen Blick. Es wird nichts ausgelassen, es wird nichts beschönigt, es wird wirklich Aber auch gleichzeitig mit merkwürdigen, bizarren Humor erzählt. Tolle Serie, kann ich nur empfehlen, ja.
Johannes Franke: Okay, cool.
Florian Bayer: Und Honorable Mention hat es einfach nicht in die Liste geschafft. Kids von Larry Clark. Auseinandersetzung mit den düsteren Seiten des Teenager-Lebens. 1995
Johannes Franke: Guter Film. Auch hart zu sehen.
Florian Bayer: Hart zu sehen, schwer zu ertragen teilweise, ja.
Johannes Franke: Ich bin mit meinem Platz 3 als erstes dran. Platz 3 Serie Sex Education.
Florian Bayer: Nein, kann ich nicht.
Johannes Franke: Du musst Sexual Education auf Netflix gucken. Es ist wirklich richtig genial. Richtig, richtig gute Serie. Einfach im Grunde wieder so Highschool-Ding. Hat inzwischen drei oder vier Staffeln oder sowas mit Scully, mit, wie heißt sie?
Florian Bayer: Gillian Anderson?
Johannes Franke: Glyn Anderson als Mutter eines Sohnes, der auf dieser Highschool ist und sie ist Sexualtherapeutin, wenn ich das richtig erinnere, dass das der richtige Beruf ist. Aber sie hat irgendwas mit Sex auf jeden Fall zu tun und berät Leute. Und sie redet sehr offen über Sex mit ihrem Sohn und der weiß sehr viel mehr über Sex als alle seine... Mit Schüler und er macht dann quasi in der Schule eine Beratungsstelle für Sex auf. Und zwar auf dem Klo. Wie alt ist er? Er soll, glaube ich, so 17 sein oder so.
Florian Bayer: Cool, das klingt total ... Und es ist Comedy, oder?
Johannes Franke: Es ist Comedy. Und es ist aber unglaublich cool. großartig, weil sie alle möglichen, sie haben sehr diverses Cast und auch, also weil was ethnische Sachen betrifft, als auch was sexuelle Orientierung betrifft und so. Und macht alle Themen auf, die wir mit Sex zu tun haben. Und auch alles drumrum. Also es ist wirklich ganz, ganz, ganz toll aufgemacht. Also wirklich toll. Cool. Nur empfehlenswert.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Alle gucken. Guckbefehl. Absoluter Guckbefehl. Ja. Dein Platz zwei?
Florian Bayer: Platz drei.
Johannes Franke: Platz drei.
Florian Bayer: Das ist mittlerweile auch so ein Running Gag, dass du immer mit den Zahlen ein bisschen durcheinander kommst. Ja.
Johannes Franke: Ich habe ja extra so Karten liegen. Was mache ich heute falsch?
Florian Bayer: Mein Platz 3 ist ein Kurzfilm von Spike Jonze.
Johannes Franke: Okay, also nicht Spike Jonze, wie du oft so sagst.
Florian Bayer: Spike Jonze, ich habe es mir jetzt endlich eingetrichtert. Ich muss mir auch mal die Karten legen, was ich alles falsch mache. Vor allem Namen aussprechen. Und Thor's Ronin, oder wie auch immer sie ausgesprochen wird, gehört mit Sicherheit dazu. Das werde ich nachher nochmal nachhören. Scenes from the Suburbs aus dem Jahr 2011, 30 Minuten Film mit der Musik von Arcade Fire. Das ist eine kanadische Indie-Rockband.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und es geht um Jugendliche, die in einer Vorstadt groß werden, in der Krieg tobt. Es wird nicht genau erklärt, was für ein Krieg das ist.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Es gibt irgendeinen Bürgerkrieg, überall sind Soldaten und die überwachen alles und es ist so, ja, wie so ein autoritäres System. Und die Jugendlichen versuchen trotzdem irgendwie ihr Leben zu genießen. Und es ist ein eine wunderschöne Kombination von dieser Melancholie und auch Nostalgie des Großwerdens im Vorort mit dieser düsteren Seite, wenn einfach mal na ja, halt Krieg gezeigt wird. Und sie fahren halt mit ihren Fahrrädern rum und erleben Abenteuer. Und am Straßenrand stehen Soldaten, die Leute hinrichten.
Johannes Franke: Okay, krass.
Florian Bayer: merkwürdiges Erlebnis dieser Film. Unbedingt sehenswert, auch mit großartiger Musik.
Johannes Franke: Wie kommt man an sowas ran?
Florian Bayer: Den findest du wahrscheinlich bei Vimeo oder YouTube oder Dailymotion.
Johannes Franke: Hm, okay.
Florian Bayer: Ich kann einen Link in die Show Notes haben.
Johannes Franke: Ja, das wäre super, wenn das irgendwie einigermaßen legal.
Florian Bayer: Kennst du Caltfire?
Johannes Franke: Äh, nee.
Florian Bayer: Dann noch mal eine Höherempfehlung dafür. Das ist eine kanadische Indie-Rockband und die ist so ein bisschen inspiriert von diesem ... kanadischen Dingen der 2010er Jahre so sehr bombastischer Indie-Rock. Die sind viele Leute.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und die haben diverse Instrumente und die ... Diese kanadischen Indie-Rock-Bands haben so eine Zeit lang das einfach gerne gemacht, dass sie sehr viele Tonspuren übereinander legen. Das heißt, Da ist dann noch eine Violine im Hintergrund und dann kommt noch ein Banjo mit rein und dann kommt noch ein Chor und es ist sehr bombastisch und sehr überladen. Gefällt nicht jedem, ich liebe es.
Johannes Franke: Okay. Also so ein bisschen wie dieser Film, also mit dem wir gerade eigentlich entwickelt haben.
Florian Bayer: Nein.
Johannes Franke: Also von allem zu viel.
Florian Bayer: Von allem zu viel, das stimmt tatsächlich. Es ist auch teilweise echt kitschig, aber es ist irgendwie. ein schöner Kitsch.
Johannes Franke: Okay. Das war dein Platz 3. Dann muss ich jetzt Platz 2? Ja, Platz zwei ist für mich für deutsche Filme jetzt gerade reserviert und zwar zwei. Und zwar zwei Filme, bei denen ich dabei war. Einfach Sommersturm. Es ist ein ganz toller Film über Erwachsenwerden und sexuelle Präferenz entdecken. Also ein schwuler... Im Ruderclub, zu einer Zeit, in der es echt schwierig war, sich da zu outen. Mit Tobias... Genau, mit Robert Stadlober und diversen anderen Kollegen. Es ist einfach wirklich ein... Von Marco Kreuzpeintner ein wirklich toller Film über, naja, übers Erwachsenwerden und über... wie man das jetzt macht mit dem Outing oder nicht oder was oder in welchem Umfeld bewegt man sich da und das ist halt auch eine Komödie, aber eben eine dramatische Komödie. So typisches deutsches Comedy-Drama.
Florian Bayer: Den mochte ich auch sehr. Ich fand auch tatsächlich, du hast gesagt, es sind beide Filme von dir, das heißt, ich nehme dir jetzt nicht irgendwas weg, wenn ich sage, dass ich auch crazy...
Johannes Franke: sehr schön fand. Crazy war gut, ja, das stimmt. Genau.
Florian Bayer: Und ich mochte auch diesen Film, obwohl ich sonst mit dem Schauspieler gar nicht so viel anfangen kann. Ich glaube, das ist auch so ungefähr die Zeit. Schule hieß der mit ganz bekannter deutscher Schauspieler, der damals noch jung war. Daniel Brühl.
Johannes Franke: Ach Daniel Brühl, der ist doch so omnipräsent.
Florian Bayer: Genau, ich bin auch nicht der größte Daniel Prü-Fan, aber in Schule war er ziemlich gut und er hat kurz danach nichts bereuen gemacht, was auch ein schöner deutscher Teenager-Film war.
Johannes Franke: Also ich mag Daniel Brühl tatsächlich sehr gerne, muss ich sagen. Irgendwie mag ich seine Präsenz und ich mochte ihn auch in... Goodbye Lenin sehr und später in seinen größeren Sachen auch internationalen Sachen sehr. Es gibt eine ganz tolle Serie, The Alienist auf Netflix. Ganz toll mit ihm in der Hauptrolle. wirklich ganz tolle Sachen gemacht. Ich finde ihn wirklich gut.
Florian Bayer: Er war mir, glaube ich, irgendwann einfach zu präsent.
Johannes Franke: Ja, es gab wirklich eine Phase, wo er wirklich überall zu sehen war. Aber ein sympathischer Mensch und solider Schauspieler. Solide ist fast schon gemein. Also wirklich guter Schauspieler.
Florian Bayer: Aber wenn ich solide sage, meine ich das nicht böse. Wenn ich solide sage, meine ich wirklich solide.
Johannes Franke: Okay, gut. Und ein Teil mit Vergiss Amerika, was auch ein ganz, ganz toller Film war über Jugend und über drei Leute, also eine Frau und zwei Kinder. Jungs, die rausfinden wollen, was sie denn eigentlich dann mit ihrem Leben machen wollen. Junge Menschen. Der eine will unbedingt amerikanische Luxusautos verkaufen in seinem Dorf, in dem er da ist. wo es keinen, eigentlich niemanden interessiert, wo sich das auch keiner leisten kann, wo es also völliger Blödsinn ist. Eigentlich, also so wird es zumindest dargestellt. Sie will Schauspielerin werden und er will Fotograf werden. Und alle... Ja, haben so Semi-Erfolg oder versuchen es irgendwie. Er verkauft dann seine Schlitten nicht wirklich, hat sie alle dastehen und kommt aber in Pole und macht mit ihm irgendwie so ein Verschiebe. Bahnhof auf für geklaute Autos, was er mehr oder weniger ignoriert, sondern einfach nur ach, Der gibt mir ein bisschen Geld, damit ich das Auto nach Polen fahre. Ist doch nichts dabei. So, weißt du? Und dann stirbt er am Ende. Und es ist wirklich ein... wirklich trauriger Film über Wünsche und Träume, die mehr oder weniger schwierig zu erfüllen sind und sie es zwischendurch in der Synchronisation eines Pornofilms und hat das als Tiefpunkt ihrer Karriere als Schauspielerin. Es ist halt wirklich, der greift tief in die Kiste der traurigen Entwicklungen eines eigentlich großen Lebenswunsches. Ja. Aber so viele schöne, gute Momente dabei, so viele liebevolle Ideen. Ganz toller Film. Vergiss Amerika. Absolut empfehlenswert.
Florian Bayer: Ich glaube, ich habe den noch nicht gesehen. Wir kennen uns so lange und ich glaube, ich habe den Film noch nicht gesehen. Das ist total traurig.
Johannes Franke: Das ist auch mein allererster Film gewesen, wo ich mitgespielt habe, als kleiner 16, 15, 16, 15-Jähriger. Ich spiele den kleinen Bruder von dem einen. Das war eine ganz tolle Erfahrung, aber nicht nur deswegen finde ich den Film toll, sondern einfach Weil der Film wirklich gut geworden ist.
Florian Bayer: Mein Platz 2 ist auch ein trauriger Film. Aus dem Jahr 1986. Das Messer am Ufer. Und zwar ein Drama über eine Punk-Klicke. In der einer ohne ersichtlichen Grund einen Mord begeht und sie dann überlegen, wie sie damit umgehen und sie beschließen, dass sie die Leiche verschwinden lassen, weil sie zusammenhalten wollen. mit einem ganz jungen Keanu Reeves. Oh. Ein Film, der zeigt halt wirklich so ein bisschen den... Zeitgeist der New-Future-Punk-Generation, die wirklich nicht viel vom Leben erwarten und sich gegen jegliche Obrigkeit behaupten. Und die gleichzeitig aber von einer tiefen Sehnsucht getragen sind, aber eben auch von so einem krassen Phlegma. Er pendelt dann auch die ganze Zeit dazwischen, zwischen dieser Sehnsucht nach Leben und diesem Phlegma und diesem Gefühl, gefangen zu sein in so einem ewigen Teenager-Dasein. Dennis Hopper hat eine Nebenrolle. Als verrückter Typ, der eine Sexpuppe geheiratet hat und mit der ... tatsächlich seinen Tag verbringt. Sehr faszinierender Film, ist halt 80er-Punk, ist von der Ästhetik düster, ein bisschen dreckig und hat so einen ... traurigen Grundton, aber trotzdem immer mal wieder so ein paar witzige Momente. Cool. Ja.
Johannes Franke: Ja, es gibt ganz viele tolle melancholische Annäherungen an das Thema Jugend und Erwachsenwerden. Ich hätte dann jetzt noch eine Serie auf Platz 1. Twilight. Nein. Das ist eine Frage. Nein, ich hätte Dairy Girls. Hast du auch immer noch nicht gesehen?
Florian Bayer: Nein.
Johannes Franke: Ich empfehle dir Dairy Girls schon seit Ewigkeiten. Aber du hast es immer noch nicht geguckt? Nein, tut mir leid. Es ist auf Netflix, es ist alles zu kriegen. Du musst es nur anmachen. Derry Girls. Es geht um eine Gruppe von... Vor allem eben Girls, beziehungsweise mit einem Typen dazwischen, der irgendwie... Weil er einfach muss, durch Umstände, die erklärt werden, aber gar nicht wichtig sind, auf einem Mädcheninternat dann irgendwie landet. Oder ist es ein Internat? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall auf einer Mädchenschule in den 90ern. Und zwar in Nordirland. Wo dieses große Thema und diese Kämpfe um Nordirland eben stattfinden... Und das ist halt die Kulisse der ganzen Geschichte. Und droht da überall, aber eigentlich geht es gar nicht um diese Kämpfe. Aber dieses Lebensgefühl ist da mit drin, ist mit verwoben. Und es ist eine ganz abgefahrene Comedy-Serie, aber sehr tragisch auch zwischendurch und sehr... Man ist so emotional dran bei denen. Ich finde es ganz, ganz toll gemacht.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Und es sind halt Mädchen, die einfach... Ja, die haben sich halt ein paar Sachen überlegt, was die erleben können. Aber das Wichtige ist der Ton, mit dem das Ganze erzählt wird. Und der ist einfach ganz toll.
Florian Bayer: Gibt es schon mehrere Staffeln? Es gibt zwei Staffeln.
Johannes Franke: Und ich hoffe, es gibt demnächst die dritte.
Florian Bayer: Derry Girls. Ja, ich sollte mal Teenager-Serien gucken.
Johannes Franke: Und die eine Hauptdarstellerin von Derry Girls? Nach der ersten Staffel ist die wieder Kellnern gegangen. Wie das bei Schauspielern so ist. Du hast einen Job, dann hast du ein bisschen Geld eine Weile. Und dann musst du halt irgendwie gucken, ob du wieder einen Job bekommst und sie hat halt keinen, nicht sofort wieder einen Job bekommen. Und weil auch der Fame von Derry Girls noch nicht da war. Und dann war sie Kellnern und dann ist die Produktion irgendwie essen gegangen. Und sie war als Kellnerin da. Krass. Und es war eine ganz weirde Situation. Ja, total schräg. Und der Typ guckt sie an und sagt, wieso musst du hier kellnern? Und sie hat einen Mut zusammengenommen und hat gesagt... Ihr wisst, wie ihr mich bezahlt habt. Natürlich muss ich sie dann gehen. Wie geil. Und dann haben sie die zweite Staffel gedreht und seitdem musste sie dann anscheinend nicht mehr kennen. Sehr cool.
Florian Bayer: Ist es auch eine nordirische Serie oder eine irische Serie?
Johannes Franke: Ich glaube ja. Ich glaube ja. Cool.
Florian Bayer: Mein Platz 1, oder?
Johannes Franke: Ja, dein Platz 1.
Florian Bayer: Mein Platz 1 ist ein Film aus dem Jahr 1995. Willkommen im Tollhaus, Welcome to the Dollhouse von Todd Solons, den man vielleicht kennt von dem Film Happiness. der ein unglaublich gutes Gespür dafür hat, Tragik mit absurder Komik zu kreuzen. Und der Spiel, eigentlich ist sie fast zu jung, um schon als Teenager zu gehen. Sie ist so zwölf ungefähr, die Protagonistin.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und sie ist ein totaler Außenseiter. Sie sieht auch nicht so gut aus. Und sie kämpft irgendwie um ihren Platz im Leben. Ihre kleine Schwester ist eine... ist der Liebling der Familie, weil sie total hübsch ist und auf diese Schönheitskönigin-Wettbewerbe geht und so weiter. Und ... Ja, es erzählt eigentlich so vom Alltag und was für ein Monster die Jugend sein kann, wenn man nicht so ganz dazugehört. Und er macht das ... aber nicht auf die Tränendrüse drücken, sondern auch mit einem ganz tollen, gehässigen und zugleich liebevollen Humor.
Johannes Franke: Hm.
Florian Bayer: Und total viel Sympathie für diese Protagonistin.
Johannes Franke: Schön.
Florian Bayer: Ganz fantastischer Film, der witzig ist, der traurig ist, der nicht zurückhält mit etwas schwereren Themen und der einfach... einfach wunderbar ist und runter geht wie Öl und Mit einem Lächeln und einer Träne. Tolle Tragikomödie.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Cool.
Johannes Franke: Weißt du, was mir gerade einfällt? Ich habe diverse Male, als wir unsere Top 3 austauschen, gedacht, ja, das muss ich unbedingt gucken, kommt auf meine Liste. Und dann irgendwann festgestellt, scheiße, ich muss die Episode nochmal nachhören, was wir uns unterhalten haben, um zu wissen, was für Empfehlungen du da rausgehauen hast. Vielleicht sollten wir das mal auch verarbeiten irgendwo und mal schriftlich festhalten.
Florian Bayer: Das ist gar keine schlechte Idee. Vielleicht sollten wir wirklich mal... Zumindest die Dinger mal in die Shownotes schreiben. Jedes Mal unsere Top 3.
Johannes Franke: Ja, oder einen kleinen Artikel auf, muss man sehen... für die Empfehlungen, einfach Listen. Oder einen Artikel, der immer fortgeführt wird. Oder irgendwas in der Richtung.
Florian Bayer: Das finde ich eine gute Idee. Lass uns da mal drüber nachdenken, dass wir sowas machen in der Richtung. Weil stimmt, ich habe jetzt auch, also tatsächlich, und dann vergesse ich sie wieder.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil ich während der Episode nicht irgendwie groß mehr Sachen aufschreibe, aber ... Ich sollte eigentlich auch eine Liste haben von Sachen wie Derry Girls eben. Oder jetzt weiß ich schon den Namen nicht mehr, was du davor gesagt hast. Die andere Teenager-Serie, die du genannt hast. Sex Education. Sex Education, klang auch super. Ja, lass uns mal überlegen, dass wir sowas machen.
Johannes Franke: Jetzt haben wir unser Produktionsgespräch in der Öffentlichkeit geführt.
Florian Bayer: Machen wir sowieso viel zu oft. Zurück zu ... in meinem Himmel.
Johannes Franke: Ja, lass uns zurück in diesen Film gehen und gucken, ob wir noch ein Fazit haben. Mach du mal als erstes, damit ich vielleicht nochmal ein kleines, weil eigentlich, wir hatten ja gesagt ein Sandwich, gutes, schlechtes und jetzt bitte nochmal gutes.
Florian Bayer: Also ich finde es wirklich hart, wie von der Kritik mit dem Film umgegangen wurde. Aber ich fand den Film auch nicht gut. also man muss nicht so draufhauen, wie das teilweise gemacht wurde. Aber verteidigen kann ich auch nicht. Dafür hat einfach Dafür war das Pacing zwischen Melodram, Thriller, Mystery, Fantasy, Comedy ... einfach zu schlecht. Es ist zu viel, es funktioniert einfach nicht, weil es nicht richtig zusammengewoben ist.
Johannes Franke: Also doch nichts Gutes. Nochmal am Schluss.
Florian Bayer: Susan Sarandon war großartig.
Johannes Franke: Okay, da möchte ich auf jeden Fall zustimmen. Susan Sarandon hat mir so gefallen. Ich habe sofort Als die ein paar Mal die ersten paar Sätze gesagt hat, habe ich aufgeschrieben, was für eine großartige Figur, was für eine großartige Großmutter, die da... auftritt. Aber die passt, wie du auch sagst, halt nicht in den Rest rein. Aber Es gibt so viele Momente, wo man sagt, das passt ja jetzt gar nicht in den Rest rein. Wobei man sich fragt, was ist denn der Rest? Der Rest besteht aus den Sachen, die nicht zum anderen Rest passen. Also es ist einfach ein Flickenteppich von Zeug und viele Sachen dabei, die ich wiederum wirklich gut fand. Und ich wollte tatsächlich auch der Hauptfigur folgen, einfach weil die Schauspielerin gut war und weil ich auch inszenierungstechnisch Peter Jackson hat wirklich ein Handwerk, ich weiß bloß nicht welches, aber er hat eins und vielen Sachen kann ich folgen und möchte ich auch folgen. Aber insgesamt natürlich, wenn man ein Gemälde vor sich hätte jetzt von dem Film. dann wäre das Gemälde schwer anzuschauen. Also du würdest sagen, was für ein Chaos von Zeug. Aber wenn du mehrere Layer hättest, könntest du da einen Layer rausnehmen und sagen, der ist ziemlich geil oder der ist ziemlich gut. Aber zusammen ist halt irgendwie schwierig. Ja. Ich glaube, ich fand den Film wirklich einiges besser als du, aber ja. Es ist vieles, was ich rausnehmen würde.
Florian Bayer: Reicht es für Durchschnitt bei dir?
Johannes Franke: Definitiv.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Definitiv. Ja, ja. Für dich Schnitt reicht es auf jeden Fall. Ähm, Schwer konsumierbarer Durchschnitt, weil man eben einfach hin und her geworfen wird zwischen den ganzen Genres und dieser ganzen Fantasy-Genre. krasse und dann ganz oft denkt, oh Gott, jetzt ist mir viel zu transzendental. Aber doch, auf jeden Fall reicht es für Durchschnitt.
Florian Bayer: Die klassische Internetfilmkritik gibt ja gerne Punkte und ich habe das Gefühl, bei diesem Film kann ich das sehr genau sagen, dass es irgendwo zwischen drei und vier von zehn Punkten stattfinden würde bei mir.
Johannes Franke: Naja, also ich meine nicht und sonst hat Roger Ebert 1,5 von vier Sternen gegeben. Also wirklich sehr vernichtend. Ja.
Florian Bayer: Aber 5 von 10 Punkten zum Beispiel, was irgendwie so der Durchschnitt ist, würde er bei mir nicht kriegen. Er ist einfach unterdurchschnittlich.
Johannes Franke: Ja. Ja, aber es ist ein Film, wieder mal, wo ich Schwierigkeiten habe, eine komplette Bewertung zu geben. Weil ich einfach Punkte habe, die ich wirklich toll finde an dem Film und Punkte, die einfach echt scheiße sind. Tja.
Florian Bayer: Okay, cool. Aber trotzdem vielen Dank, Laura, für deine Filmvorschläge. Ja. Ich fand's toll, Funny Games mal wieder zu sehen.
Johannes Franke: Ja, es hat sich gelohnt.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Vielen Dank. Ich bin auch froh. Ich tatsächlich ... Auch bei so einem Film bin ich froh, ihn gesehen zu haben. Weil ich hab das Gefühl, es ist irgendwie so ein ... Es gehört zur Filmgeschichte, ist so viel gesagt, aber ja, es ist einfach, da hat sich ja auch jemand Gedanken gemacht und hat irgendwie und hatte eine Idee und eine Vision und ja. Ich bereue es nicht, diesen Film gesehen zu haben. Auch wenn ich ihn nicht gut fand. Ich bin froh, dass du diesen Vorschlag gemacht hast. Auch einfach, weil ... ich mich dabei so sehr aus meiner Komfortzone bewegt habe, was bestimmte Darstellungen von Pathos und so betrifft. Ich bin mir sicher, ich hätte mir diesen Film niemals angeschaut, wenn du ihn nicht empfohlen hättest. Und ich bereue es nicht, ihn gesehen zu haben, auch wenn ich ihn nicht gut fand. Klingt paradox, ist aber irgendwie so.
Johannes Franke: Danke, Laura, auch dafür, weil ich das, glaube ich, auch nicht vorgeschlagen hätte. Aber eigentlich finde ich es ganz geil, dass Plot das mal gucken musste. Das ist eben, dass du diesen Schritt mal machen musstest in diesem Pathos.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Weil das machst du ja sonst nicht.
Florian Bayer: Ja, genau.
Johannes Franke: Schön, cool. Vielen Dank also und danke an die Zuhörer, die uns durch diese Folge gefolgt sind. Ich freue mich auf nächste Woche, wenn wir Punkt, Punkt, Punkt Vorschau gibt es nach dem Jingle. Bis dann, ciao. Bis dann, ciao. So, jetzt haben wir aber ein bisschen diskutiert. Jetzt haben wir eine Weile gebraucht, aber wir sind zum Schluss gekommen. Was möchtest du mir für die nächste Woche aufgeben?
Florian Bayer: Wir hatten jetzt doch einige Fish Out of Water Episoden, weil wir Publikumswünsche erfüllt haben. Ja. Und ich würde gerne mal wieder einen Film... reinhauen aus meiner Filmvita.
Johannes Franke: Was nicht demotivieren soll, uns Vorschläge zu schicken. Nein, überhaupt nicht. Weiterhin schicken. Aber ich bin froh, dass du mir mal wieder einen Film gibst, von dem du glaubst, dass er gut ist und ich vielleicht.
Florian Bayer: Ich bin so gespannt.
Johannes Franke: Eher der Vorsitzende und sage, oh Gott, nein.
Florian Bayer: Ich glaube, es könnte eher ein Oh-Gott-Nein-Film sein.
Johannes Franke: Wirklich, oh nein.
Florian Bayer: Es ist ... Ich liebe surreale Filme. Und Einer der Klassiker des Surrealismus ist neben Louis Bonoel, den wir vorhin schon erwähnt haben, der mexikanische Regisseur Alejandro Jodorowsky. Und ich habe tatsächlich jetzt überlegt, welchen von ... Er hat einige gute Filme gemacht oder einige interessante Filme. Aber ich denke, Holy Mountain zählt neben El Topo zu seinen größten Klassikern. Ich finde El Topo ein bisschen besser, tatsächlich, weil er ein bisschen stringenter ist. Aber ich glaube, wenn man Jodorowsky schauen will, dann sollte man Holly Mountain sehen. Aber mach dich auf was gefasst. Das ist ein wilder LSD-Trip von einem Film.
Johannes Franke: Und es ist dem Namen entsprechend ein... Ein Mountain von einem Film oder wie?
Florian Bayer: Ja, es ist einfach...
Johannes Franke: Wie lange geht er denn? Wie lange muss ich aushalten?
Florian Bayer: Ich glaube, er hat Spielfilmlänge. Das heißt, in dem Fall, ich bin gerade bei Wikipedia, keine zwei Stunden.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Es ist eher ein Mountain von einem Film, weil ... Schau ihn dir an. Ich kann wirklich nichts dazu sagen. Es ist so ein wilder Mix aus Fantasy und Surrealismus und... Ganz viel Zeitkritik, die ich wahrscheinlich nicht erkenne, weil ich mich zu wenig auskenne in ... in der Geschichte Lateinamerikas. Er ist übrigens Alejandro Jodorowsky, kommt aus Chile. Der Film wurde in Mexiko gedreht.
Johannes Franke: Okay. Ja gut, dann werde ich mal den Gegenentwurf wagen. Gegenentwurf? Ich weiß nicht genau, aber andere Richtung. Und zwar bin ich neulich wieder darauf gestoßen, bin über einen Trailer gestoßen und gedacht... Ach du Scheiße, das gibt es ja auch. Und das war ja auch damals so großartig. Tilda Swinton. Wir haben noch gar keinen Film gehabt, wo Tilda Swinton dabei war und die ganz großartig in Orlando war. Und Orlando ist wirklich so lange aus meinem Gedächtnis verschwunden. bis es eben vor ein paar Wochen bei mir wieder Klick machte, als ich diesen Trailer auf Facebook, glaube ich, begegnet, weil irgendjemand das nochmal gepostet hat. Dito. Ja, es ist großartig. Du kennst ihn.
Florian Bayer: Ich kenne ihn, aber es ist auch länger her, da ich ihn gesehen habe, das letzte Mal.
Johannes Franke: Und ich habe halt auch kaum noch Erinnerungen daran und würde ihn einfach gerne wieder sehen. Und schön, wenn du... schon weißt, dass du ihn mochtest, wenn ich das richtig verstehe?
Florian Bayer: Ich mochte ihn sehr, ja.
Johannes Franke: Dann können wir uns ja da nochmal beide unseren Horizont erweitern. Beziehungsweise uns erinnern, wie weit er schon mal war.
Florian Bayer: Von Sally Potter. Sally Potter. Verrät mir gerade Wikipedia. Und Vorlage von Virginia Woolf. Ich habe viel von Virginia Woolf gelesen. Nee, ich habe nicht viel von Virginia Woolf gelesen. Das ist eine totale Übertreibung. Ich habe ein bisschen was von Virginia Woolf gelesen. Orlando war nicht dabei. Das heißt, ich kann keine... Keinen Vergleich, Vorlage, Film machen in dem Fall.
Johannes Franke: Okay, schade. Aber bin gespannt. Ich bin sehr gespannt und vielleicht gucke ich auch noch mal in... Ein paar andere Sachen rein, um die vielleicht aus der Vorlage nochmal, vielleicht gibt es irgendwo im Internet noch so ein paar Vergleiche oder sowas, wo wir klauen können.
Florian Bayer: Vielleicht ist das Buch auch gar nicht so dick. Mal schauen.
Johannes Franke: Liest du es noch bis nächste Woche?
Florian Bayer: Ich glaube nicht. Also ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass ich das schaffe. Mal gucken, wie lange das Buch von Orlando ist. Geduld. Ihr könnt übrigens schon abschalten, weil es kommt jetzt einfach nichts mehr. Außer, dass ich verzweifelt versuche, irgendwie ... zu finden, wie lange das Buch ungefähr ist.
Johannes Franke: Er versucht noch, sein Germanistikstudium zu retten.
Florian Bayer: Genau, es ist ein englisches Buch. Ich bin fein raus, muss ich nicht gelesen haben. Gehört nicht zum Kanon. 190 Seiten.
Johannes Franke: Ich glaube, eher nicht.
Florian Bayer: Wahrscheinlich eher nicht. Mal schauen. Ich muss auf jeden Fall nochmal in die Bibliothek die Woche. Das heißt, ich... Ich kreis mir mal, wenn ich's kriege. Dann lese ich zumindest ein bisschen rein.
Johannes Franke: Okay. Schön. Sehr gut. Okay, dann freue ich mich. Vielen Dank, Bloor, für diese schöne Episode.
Florian Bayer: Vielen Dank, Johannes, für diese schöne Episode.
Johannes Franke: Und bis zur nächsten Woche.
Florian Bayer: Bis dann. Ciao. Ciao.
