Episode 7: Hausu, 10 Dinge die ich an dir hasse
Wir reden über den japanischen Grusel/Horror/Fantasy Hybrid „Hausu“ aus dem Jahr 1977 und „10 Dinge die ich an dir hasse“ aus dem Jahre 1999. Dabei versuchen wir Sinn in einem der verrücktesten Anti-Märchen fernöstlicher Prägung zu finden, diskutieren ausgiebig über die Rolle von Exploitation, Kindlichkeit und bizarrem Horror und werden uns vielleicht sogar ein bisschen einig bei der Frage, wie grotesk ein Film sein darf. Beim Blick auf den Teenager-Film-Klassiker der 90er Jahre interessiert uns vor allem die Rolle von Klischees, Archetypen und Stereotypen in typischen High School Filmen. Wir streiten darüber wie feministisch 10 Things I hate about you denn nun tatsächlich ist, und wie blass beziehungsweise nuanciert seine Charaktere sind.
Natürlich gibt es auch wieder passende Top 3 Listen: Die besten Gebäude im Kino und Neuinterpretationen von klassischen Texten. Nicht einverstanden mit unserer Liste? Schreibt uns unter florian@mussmansehen.de
Hausu [Nobuhiko Obayashi]
(Japan 1977)
Es gibt einfach Filme, die komplett aus der Reihe tanzen. Sie lassen sich nicht richtig einem Genre zuordnen, sie scheinen selbst nicht zu wissen, ob sie nun experimentell sind, poppig oder trashig, ob sie unterhalten oder zum Nachdenken anregen wollen. Manchmal weiß man selbst nicht so genau, ob man es mit einem ausgeklügelten sinnstiftenden Werk, einem Fiebertraum oder gar einer künstlerischen Trollerei zu tun hat. Die 70er Jahre sind voll von diesen Filmen, und doch sticht einer dabei ganz besonders heraus. Hausu aus dem Jahre 1977 von Nobuhiko Obayashi: Kitschig bunte, naive Reise, skurriler Fantasytrip, dazwischen immer mal wieder Experimentalfilm, der mit dem Surrealismus flirtet, oft genug alberner Trash und als Überbau eine bizarre Spukhausgeschichte mit herumfliegenden Köpfen und Zeichentrick-Gespenstern.
Die Toho Studios, die unter anderem Godzilla produziert haben, wollten eigentlich einen Weißen Hai für den japanischen Markt, aber irgendwo auf halber, oder eher auch achtel Strecke ging diese Idee komplett verloren. Denn weiter als Hausu kann man wohl kaum vom amerikanischen Blockbusterkino entfernt sein. Obayashi erzählt die Geschichte von dem Schulmädchen Oshame, die mit ihren Freundinnen im Sommer in das Haus ihrer Tante fährt, um ein paar unbeschwerte Tage fernab der Zivilisation zu verbringen Dort erwartet sie jedoch ein gespenstischer Reigen, der sich mehr und mehr in einen bizarren Alptraum verwandelt.
Gewagte Filmkunst? Kitschiges Gruselmärchen? Exploitation? Trash? Oder irgendetwas dazwischen?
10 Dinge die ich an dir hasse [Gil Junger]
(USA 1999)
DIE RomCom der 90er Jahre von Gil Junger über die Liebe, moralische und ethische Ideale – und die Balance eben jener. Über Geschwister Hassliebe, übers erwachsenwerden und über Lebensentwürfe und deren Anfänge und Ursprünge. Als Vorlage diente Shakespeares „der widerspenstigen Zähmung“ und wurde eine bitter nötigen Modernisierung unterzogen – in eine Highschool verlegt und quasi zur Teenie-Komödie umgebaut. Oder vielleicht doch mehr als nur eine Teenie-Komödie?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 7: Hausu, 10 Dinge die ich an dir hasse Publishing Date: 2021-02-17T17:08:18+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/02/17/episode-7-hausu-10-dinge-die-ich-an-dir-hasse/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast? Nein, eigentlich nicht, aber ich. Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können.
Johannes Franke: Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee.
Florian Bayer: Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeige dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest. Das heißt so Musicals aus den 50ern? Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme? Mit russischen Untertiteln? Von mir, für dich.
Florian Bayer: Oh Gott, okay. Aber du weißt, dass das für eine Menge Streit sorgen kann.
Johannes Franke: Äh, definitiv, das wird lustig. So, da sind wir wieder. Hallo, willkommen zur siebten Folge. Siebte Folge, oh. Bald haben wir Jubiläum. Wahnsinn. Bis jetzt sehr beständig. Wir haben sieben Wochen durchgehalten bis jetzt. Ja, ich bin beeindruckt. Ich bin stolz auf uns. Ah, toll. Willkommen zum Muss-man-sehen-Podcast. Ja, wo wir dem jeweils anderen einen Film aufs Auge drücken und hoffen, dass er den Horizont des anderen erweitert.
Florian Bayer: Genau. Und natürlich hoffen wir auch, dass euer Horizont erweitert wird, wenn ihr uns zuhört, wie wir über diese Filme diskutieren.
Johannes Franke: Ja, oder euch dann die Filme inspiriert davon anschaut. Oder vielleicht habt ihr sie schon gesehen.
Florian Bayer: Ja. Genau, vielleicht an ein imaginäres Publikum gerichtet. Eine kleine Spoilerwarnung. Das haben wir nämlich bis jetzt noch nicht gemacht. Und ich stelle mir vor, wie langsam die abbewussten Kommentare reinkommen sollten. Wir spoilern. Ja, aber volle Kanne. Die Filme, die wir besprechen, sind eigentlich alle älter als fünf Jahre.
Johannes Franke: Fast. Ja, meistens zumindest. Am Anfang Borat war nicht der Fall.
Florian Bayer: Stimmt, Borat war ein sehr junger Film.
Johannes Franke: Aber man muss irgendwann einfach spoilern können. Und wir können über Filme gar nicht so ausführlich reden, wenn man nicht irgendwie auch detailliert auf die Neue geht.
Florian Bayer: Aber da die Filme so alt sind, gehe ich auch davon aus, dass das okay ist. Weil es gibt einfach so ein gewisses Datum, ab dem man sagt, okay, jetzt gibt es keine Spoilerwarnung mehr. Und jetzt sollte jeder wissen, dass bei Sixth Sense ...
Johannes Franke: Okay. Nein, aber wann ist denn dieser Punkt erreicht? Ja, das ist eine gute Frage. Das ist überhaupt noch eine gute Frage?
Florian Bayer: Ja, definitiv. Ich glaube tatsächlich, spätestens, wenn er ein Home-Release hat. Okay. Das heißt, zwei Jahre, nein, ein halbes Jahr, nachdem er im Kino gelaufen ist. Irgendwann muss man über Filme reden können, ohne die ganze Zeit Angst vor Spoilern zu haben.
Johannes Franke: Ja. Aber das Problem ist zum Beispiel bei The Mandalorian oder sowas. Das läuft dann lange, bis irgendwann alle mal zugegriffen haben. Aber ich schiebe mir das auf dann irgendwie. Weiß ich nicht. Ein halbes Jahr, dann plötzlich ist es doch ein Dreivierteljahr und so. Und alle wollen drüber reden. Aber ich bin noch nicht dazu gekommen, diese Serie zu schauen. Es ist schon schwierig.
Florian Bayer: Ja, das stimmt. Aber die meisten Dinger sind ja auch so, dass man eigentlich nicht so viel Angst vor Spoilern haben muss. Also zum Beispiel Mandalorian habe ich auch noch nicht gesehen, komplett. Ich habe keine Angst vor Spoilern. Wahrscheinlich, weil es mir auch einfach ein bisschen zu egal ist.
Johannes Franke: Ja, ich würde gerade sagen, ist doch eigentlich, ist es uns egal genug. Also gerade bei Mandalorian. Aber ich muss auch sagen, ich weiß nicht, warum das den meisten nicht so geht wie mir, bin mir nicht sicher. Für mich trägt das überhaupt nichts an der Qualität ab des Films. Nur weil ich weiß, da wird jetzt dieser Reveal oder dieser Reveal passieren. Eigentlich ist mir das egal. Ich will diesen Film, kann ich ja trotzdem genießen.
Florian Bayer: Dazu gab es sogar mal eine Studie, in der nachgewiesen wurde, dass der Genuss des Films höher ist, wenn man weiß, was passiert. Ah. Aber ich würde hier trotzdem die Gegenposition einnehmen. Also ich lasse mich ungern spoilern. Zumindest bei Filmen, die aus dem Bereich Mystery, Science Fiction kommen, wo man weiß, es gibt irgendwie einen Plottwist oder es muss ein großer Plottwist kommen. Und ich ärgere mich auch immer sehr, wenn ich einen Plottwist vorausahne.
Johannes Franke: Ach so. Aber hängt das wirklich zusammen? Weil das eine ist ja, du hast es erraten und ärgerst dich deswegen drüber, weil der Film es nicht schafft, dir das auszureden genug.
Florian Bayer: Genau. Das ist dann eine Schwäche auch von dem Film. Wenn er es nicht schafft, seinen entscheidenden Twist so zu verschleiern, dass es am Ende wirklich eine Überraschung steht.
Johannes Franke: Ja. Ich muss mal diesem Computer, der hier vor mir steht, etwas Strom besorgen. Das tut mir wahnsinnig leid. Ich bin sehr schlecht vorbereitet.
Florian Bayer: Johannes geht Strom besorgen. Ich denke noch mal kurz über Spoiler nach. Die nachfolgende Sendung verschiebt sich um wenige Minuten.
Johannes Franke: Sie hat den Wetten-Das-Move gemacht?
Florian Bayer: Ist das ein Wetten-Das-Move? Die nachfolgende Sendung. Ach, tatsächlich, natürlich, ja. Eine gute Wetten-Das-Sendung musste mindestens 30 Minuten überzogen sein. Das waren noch schöne Zeiten, oder? Oh Gott, wie alt sind wir eigentlich? Das wäre heutzutage gar nicht mehr möglich. Ich weiß nicht.
Johannes Franke: Und das durfte sich auch eigentlich nur Gottschalk rausnehmen. Echt? Durfte das nur Gottschalk? Findest du? Also das literarische Quartett, ich weiß nicht, wie das bei denen war. Die waren wahrscheinlich nicht live, oder? Ach so, stimmt. Die waren ja gar nicht live. Verdammt. Nein, ich wollte schlau sein, aber leider, naja. Stefan Raab durfte das auch. Oh, stimmt.
Florian Bayer: Es gibt eine legendäre Stefan Raab-Sendung, Schlag den Raab, wo sie am Schluss, im letzten Spiel, das ist höchste Dramatik, sie haben fast gleich viele Punkte, das letzte Spiel ist das entscheidende. Und es ist so ein Ring auf einen Nagelwerfen oder so was. Irgendein britisches oder irisches Spiel, ich weiß es nicht genau. Und dieses Spiel dauert dann anderthalb Stunden. Sie schaffen es nicht. What? Es dauert ewig. Ich weiß nicht, ob es anderthalb Stunden sind. Es dauert wirklich, wirklich ewig. Ich glaube, es heißt Ring the Bull. Und sie sind dann im Studio und sie versuchen es und sie versuchen es und sie schaffen es einfach nicht. Das ist der Wahnsinn. Und sie werfen, genau, Ring the Bull heißt es. Und am Schluss versuchen es dann auch noch der Moderator und der Kommentator, es wird auch eine kurze Pause gemacht, weil sie irgendwann pullern müssen, selbstverständlich. Und es hört einfach nicht auf. Und dann beschließen sie irgendwie, okay, wir machen jetzt noch so 20 bis 30 Würfe. Und wenn es dann nicht klappt, dann machen wir was anderes. Und tatsächlich, sie schaffen es nicht. Es funktioniert einfach nicht. Wie geil ist das denn? Und dann stehen diese Macher der Sendung da unten, weil, wie gesagt, der Kommentator steht auch dabei und sie versuchen das zu schaffen, diskutieren darüber, wie sie es schaffen könnten. Und dann machen sie sich drüber lustig, dass das natürlich riesigen Ärger geben wird für die Leute, die sich die Spiele ausdenken. Da gibt es ja ein ganzes Team, was sich diese Spiele ausdenkt. Hat das keiner getestet vorher? Natürlich, die testen die Spiele durch und offensichtlich haben sie es bei den Tests geschafft. Aber Stefan Rappen, der Kandidat und der Moderator, wahrscheinlich, wie heißt der, Oppenhöfe?
Johannes Franke: Ich habe keine Ahnung. Ich kenne die nicht.
Florian Bayer: Die versagen komplett. Es ist wirklich, es ist große TV-Unterhaltung, weil einfach mal 90 Minuten nichts passiert und sie immer wieder den Ring auf diesen Bullenkopf werfen. Und sie treffen einfach nicht. Sie schaffen es nicht, dass der hängen bleibt. Und es ist eigentlich total langweilig, aber es ist so groß.
Johannes Franke: Daran zeigt sich auch die Fähigkeit eines Moderators, es zu schaffen, so eine Sendung noch spannend zu gestalten. Also dann auch noch entsprechend zu kommentieren, entsprechend was zu finden, was irgendwie ein Zuschauer dran hält. Ich weiß nicht, wie die Quoten aussahen. Das wäre mal interessant.
Florian Bayer: Also eine ganze Stunde Spielzeit war es. Ich bin gerade bei Wikipedia und schlag das nach. Im November 2014 und es ging um 2,5 Millionen Euro. Oh fuck, okay, ja. Und das Spiel wurde ergebnislos abgebrochen und dann gab es ein Ersatzspieler und der Kandidat hat sich durchgesetzt und die 2,5 Millionen Euro gewonnen.
Johannes Franke: Also es gibt ein Heavy-End der ganzen Geschichte. Oh mein Gott. Okay. Diese Spannung, die für diesen armen Kandidaten da irgendwie, oh, ist das hart. Apropos Spannung und armer Kandidat, was hast du denn du für einen Film für mich heute? Ich armer Kandidat. Nein, du armer Kandidat. Nein, Moment. Also ich habe für dich 10 Things I Hate About You. Oh ja, stimmt. Genau. Du nicht so überrascht, du hast ihn dir angeschaut.
Florian Bayer: Ich war gerade tatsächlich überrascht, weil ich mit meinen Gedanken immer noch bei Stefan Raab war. Und dieser Wechsel von Stefan Raab zu Endneunziger sollte eigentlich, ob ihr seid.
Johannes Franke: Ja, schon. Ist dieselbe Zeit. Ist dieselbe Zeit. Ja, genau. 10 Things I Hate About You und wo ganz viele tolle Schauspieler mit groß geworden sind, die überhaupt aus diesem Film rausgekommen sind als Stars, die sie jetzt sind. Ein halber Chris Nolan-Film. Ja, stimmt. In einer Teenager-Komödie.
Florian Bayer: Ja, großartig. Und was hast du für mich? Ich habe für dich Hausu aus dem Jahr 1977. Aha, na sowas. Das ist ja spannend.
Johannes Franke: Und das ist auch der Film, mit dem wir starten werden. Ja, mit dem fangen wir doch dann gleich an. Na gut, dann führ doch mal in den Film ein und lass uns mal gucken, wo es uns hinführt.
Florian Bayer: Auf geht's. Es gibt einfach Filme, die komplett aus der Reihe tanzen. Sie lassen sich nicht richtig einem Genre zuordnen. Sie scheinen selbst nicht zu wissen, ob sie nun experimentell sind, poppig oder trashig. Ob sie unterhalten oder zum Nachdenken anregen wollen. Manchmal weiß man selbst nicht so genau, ob man es mit einem ausgeklügelten, sinnstiftenden Werk, einem Fiebertraum oder gar einer künstlerischen Trollerei zu tun hat. Die 70er Jahre sind voll von diesen Filmen. Und doch sticht einer dabei ganz besonders heraus. Hausu aus dem Jahre 1977 von Nobuhiko Obayashi. Kitschig, bunte, naive Reise. Skurriler Fantasy Trip. Dazwischen immer mal wieder Experimentalfilm, der mit dem Surrealismus flirtet. Oft genug alberner Trash. Und als Überbau eine bizarre Spukhausgeschichte mit herumfliegenden Köpfen und Zeichentrickgespenstern. Die Toho Studios, die unter anderem Godzilla produziert haben, wollten eigentlich einen weißen Hai für den japanischen Markt. Aber irgendwo auf halber, oder eher auf Achtelstrecke, ging diese Idee komplett verloren. Denn weiter als Hausu kann man wohl kaum vom amerikanischen Blockbuster-Kino entfernt sein. Obayashi erzählt die Geschichte von dem Schulmädchen Oshame, die mit ihren Freundinnen im Sommer in das Haus ihrer Tante fährt, um dort ein paar unbeschwerte Tage fernab der Zivilisation zu verbringen. Dort erwartet sie jedoch ein gespenstlicher Reigen, der sich mehr und mehr in einen bizarren Albtraum verwandelt. Gewagte Filmkunst? Kitschiges Gruselmärchen? Exploitation? Trash? Oder irgendwas dazwischen? Was denkst du, Johannes?
Johannes Franke: Oh mein Gott! Ich muss mich die ganze Zeit zusammenreißen, nicht deine ganze Introduction zu verlachen. Ich möchte dir so oft zustimmen. Der Film weiß nicht, was er eigentlich sein will. Und er hat so viele Möglichkeiten, ihn einzusortieren und ihn wieder doch nicht einzusortieren. Es ist auf seine eigene Art und Weise großartig.
Florian Bayer: Also ich glaube, es sind so drei Motive, die in dem Film mal alleine stehen, mal sich überlappen und auch ganz oft miteinander ringen. Und zwar zum einen das wirklich kindlich naive. Das ist ja eigentlich eine total nette Geschichte, die dahinter steht, dass Obayashi einen Gruselfilm machen wollte, aber dachte, ach, ich muss auch ein bisschen so die Kinderängste, das sind doch so die klassischsten Urängste. Hat er nicht sein eigenes Kind dazu befragt? Genau. Was ihn dazu gebracht hat, dass er seine eigene Tochter Shigumi dazu gebracht hat, am Drehbuch mitzuwirken. Und das merkt man in diesem Film auch total. Das ist unglaublich. Er ist so oft so kindlich naiv. Das Zweite ist, was total präsent ist, ist das Experimentelle. Also es wird die ganze Zeit über in diesem Film mit dem Medium gespielt. Das Medium wird aufgebrochen. Es werden tolle Bilder inszeniert. Auch wirklich krasse Bilder, die die filmische Kartrage thematisieren, mitunter komplett brechen, die wirklich auch ins Surreale hineingehen. Das fängt ja schon mit der Eröffnungssequenz an, wenn wir dieses Foto sehen. Das fängt mit einem Fotoshooting an. Und die Kartrage des Bildes ist dieses klassische Foto, in dem sich das Model bewegt, das fotografiert wird. Und dann gibt es so einen Fade-In von der eigentlichen Filmszene, aber so halb überlappt. Und dann löst sich das Foto auf, wenn die Schauspielerin, wenn das Model aus dem Foto hinaus tritt. Und der Film ist voll mit diesen experimentellen Momenten.
Johannes Franke: Der macht das immer wieder. Er hat ja immer wieder diese, was ich sehr, sehr schön fand irgendwann. Irgendwann sage ich bewusst, weil ich am Anfang gedacht habe, was? Vollkommen zurecht. Und irgendwann fand ich es einfach großartig. Irgendwann gab es diese Standbilder innerhalb des Bewegtbildes, die irgendwie auch dieses Fotografische eben mit aufgegriffen haben nochmal. Und diese Einblendung von Bildelementen, die wir ja sowieso eigentlich sehen, aber nochmal ein größer oder so einen Fokus gelegt auf jemanden mit so einer Lochblende. Solche Sachen. Aber es war toll eingesetzt, fand ich am Ende irgendwie.
Florian Bayer: Gerade in den ersten zehn Minuten hat man das Gefühl, weil in den ersten zehn Minuten passiert nicht viel. Wir sehen einfach diese Schulmännchen, wie sie zusammen Spaß haben und sich unterhalten und untereinander lachen. Und man hat das Gefühl, währenddessen läuft der Schnitt und läuft die Kameratechnik komplett amok. Weil es so wenig zusammenpasst, es wird einfach nur die Geschichte etabliert. Wir sollen eingeführt werden in die Handlung. Und es ist pures Chaos. Mal steht die Kamera auf dem Kopf, mal gibt es wirklich roughe Cuts, wenn sie sich unterhalten. Die Kamera schwenkt zwischen den Gesprächspartnerinnen und entscheidet sich dann auf halbem Schwenk doch für einen Schnitt. Ja.
Johannes Franke: Man ist wirklich desorientiert dabei. Das ist aber ein kleines bisschen ... Also gerade bei diesem, was du im Einen sprichst, dieses Hin und Her, das fand ich sehr, sehr schön als Idee. Aber da er sich zwischendurch für einen Schnitt entscheidet, weil er anscheinend nicht rechtzeitig rübergekommen ist und er das dann irgendwie schneiden musste. Ich nehme an, dass er die Figuren ... Dass das Konzept nicht aufgegangen ist und dass es im Nachhinein im Schnitt entstehen muss. Das glaube ich nicht. Ich glaube, das war komplett Absicht. Ich glaube es nicht.
Florian Bayer: Aber dafür spielt er viel zu viel damit. Dafür hat er viel zu viel diese verstörenden Schnitte drin.
Johannes Franke: Aber er hat den Schnitt versucht zu verstecken. Nein, hat er nicht. Doch, er hat ihn genau an der Stelle, wo ... Ach, verdammt, ich habe es nicht mehr richtig im Kopf. Aber er hat es an einer dunklen Stelle, wo man gut schneiden kann. Da hat er es versucht. Aber wir reden von einer anderen Szene.
Florian Bayer: Ich rede davon, wenn sie ganz am Anfang am Brunnen sitzen. Genau, unter der Tag. Aber nein, das ist doch so offensichtlich. Dieser Schnitt ist nicht versteckt. Jeder, der da drauf guckt, sieht, dass da ein Schnitt ist.
Johannes Franke: Ja, leider.
Florian Bayer: Er hat den Schnitt offensichtlich gemacht. Der Schwenk war ihm zu wenig. Er wollte diesen Schnitt drin haben, damit wir wieder in dem Gefühl der Medialität sind.
Johannes Franke: Okay. Ja, vielleicht haben wir ... Es gibt immer so einen ganz bestimmten Schwenk von der Seite, den ich meine, vielleicht hast auch was anderes im Kopf, weil wir haben die gleiche Szene, glaube ich. Aber ich glaube, wir haben uns an was anderem. Genau, das ist das Problem. Eigentlich müsste man den Film zusammen gucken und alle paar Sekunden anhalten und mal ein bisschen drüber reden.
Florian Bayer: Und es ist ja auch so krass, weil er das am Anfang, wie gesagt, überhaupt nicht braucht und es ist eher so, dass es dann zu Desorientierung führt und zu Konfusion und vor allem auch dazu, dass man permanent daran erinnert wird, dass man einen Film sieht. Ja. Also, es ist ja so eine klassische goldene Regel der Schnitttechnik. Die Leute sollen den Film dahinter, die Technik dahinter nicht mitkriegen. Und der macht genau das Gegenteil. Du kriegst die ganze Zeit radikal die Technik in die Fresse gehauen.
Johannes Franke: Das hat er auch selbst geschnitten, ne? Er hatte niemanden, der das übernommen hat dann. Ja, genau. Okay.
Florian Bayer: Er hatte sowieso total Probleme. Er wollte eigentlich, er ist Produzent, er ist eigentlich gar kein, also er ist auch Regisseur, aber er ist eigentlich der Produzent. Und er hat die ganze Zeit nach dem Regisseur für diese Idee gesucht. Und er hatte schon so das Drehbuch halb fertig und er dachte, ey, irgendjemand muss doch diesen Film für mich drehen und das haben alle abgewinkt. Okay. Und ich glaube auch, dass er tatsächlich, dass er dann gedacht hat, okay, dann mache ich das jetzt, aber dann benutze ich das Ding auch als Spielwiese. Und dann probiere ich auch ein bisschen rum, dann experimentiere ich auch.
Johannes Franke: Also ich finde es schon beeindruckend, dass die Produktionsfirma das so gemacht hat. Weißt du, weil wenn ich als Produzent, weiß ich nicht genau, wenn ich vorher solche Filme gemacht hätte wie Godzilla oder sowas, die doch einen anderen, also Godzilla ist auch, naja, aber man merkt Godzilla. Naja, Godzilla ist eher Mainstream, ne? Genau, was Mainstreamigeres an. Ja. Und wenn mir dann sowas unterkommt, muss ich mich schon wirklich bewusst dafür entscheiden, zu sagen, ich lasse jetzt dieses Geld einmal los. Und bin mir nicht sicher, ob das Geld irgendwann wieder reinkommt.
Florian Bayer: Denke ich auch. Es war ein großes Risiko. Also es ist auch tatsächlich, es ist ein dritter Film als Regisseur. Wie gesagt, er hatte vielleicht auch ein bisschen Freifahrschein. Ja, so sieht er auf jeden Fall aus, der Film, als er dann wirklich einen Freifahrschein gehabt. Um noch ganz kurz das dritte zu erwähnen, also wie gesagt, es gibt das Kindliche, Naive, das Experimentelle, Künstlerische und dann das dritte ist natürlich auch das Exploitation-Moment. Ja. Der Film ist voll mit Exploitation, nicht nur was Gewalt betrifft, sondern später auch was nackte Haut betrifft. Und er fühlt sich auch ganz oft an wie so ein Streich von einem kleinen Jungen, der einfach ein bisschen spielen will. Genau, Spielwiese, finde ich, trifft es deswegen ja auch sehr gut. Aber das macht es natürlich auch so spaßig, dass das immer miteinander ringt und immer miteinander kämpft, was jetzt, und man auch nie genau weiß, ist das jetzt ernst gemeint? Soll das große Kunst sein? Oder hat er einfach gedacht, lass uns da noch ein paar mehr Farben reinbauen?
Johannes Franke: Weißt du, was ich gedacht habe die ganze Zeit? Es wirkt auf ganz vielen Ebenen wie so ein Präsentationskatalog an Möglichkeiten. So für einen Filmmacher, gucke mal lieber, schau mal lieber Filmmacher, diesen Schnitt könntest du wählen oder du könntest so einen Schnitt machen oder auch diesen Schnitt. Mach niemals alle zusammen gleichzeitig, aber du könntest dir jetzt einen aussuchen oder mach diesen Special-Effekt oder diesen Special-Effekt. Davon hat er auch so wahnsinnig viele Special-Effekt irgendwie auf kreativste Art und Weise, mal mit Zeichnungen, mal direkt mit Props am Set und irgendwie so wild, wild durcheinander geworfen.
Florian Bayer: Genau, das ist auch das Ding. Er hat so viele und er hat auch keine kohärente Bildsprache, einfach weil er wirklich alles reinwirft, weil er mal düster, elegisch ist, mal ist er verträumt kitschig, gerade am Anfang. Es gibt so viele kitschige Szenen mit dieser Musik, die permanent drüber liegt, dann ist es so weich gezeichnet.
Johannes Franke: Was haben Sie mit dieser Mutter, dieser neuen, die da so ganz komisch reinkommt? Wir sind noch am Anfang, wir kommen langsam rein in die Geschichte, würde ich sagen.
Florian Bayer: Jedes Mal, wenn die neue Stiefmutter von ihr, das ist so ein bisschen das, was den Plot zum Laufen bringt, dass ihr Vater eine neue Freundin hat, die ihre potenzielle Stiefmutter ist und jedes Mal, wenn sie ins Bild kommt, ist sie begleitet von einem Wind, von einem Hauch. Und von dieser Musik mit großem Pathos und alles schreit, schaut euch diese Frau an, sie ist wunderschön.
Johannes Franke: Das ist so, weiß ich nicht, so dieses 50er Jahre und dann auch noch dieser gemalte Hintergrund, der Himmel und dieser Schal, den sie umhandelt, der dann im Wind weht und so. Das ist alles, das macht alles so ein, reißt völlig aus dem Film raus und macht so einen Moment von, das ist das Frauenideal, was wir jetzt präsentieren wollen.
Florian Bayer: Und es wirkt auch so willkürlich, weil diese Frau spielt keine Rolle in dem Film. Gar nicht. Sie treibt eigentlich nur die Handlung voran, weil sie mit dem Vater zusammen ist, will die Tochter nicht mit dem Vater Zeit verbringen, ist sauer auf ihn und beschließt deswegen mit ihren Freundinnen zu der Tante zu fahren. Aber diese Szene ist auch so toll, wir sehen diese Szene fast die ganze Zeit durch Klaas gebrochen. Ja, ja, genau. Das ist eine großartige Szene, genau, wir haben diese idealisierte Szene, wie sie reinkommt, auf dem Balkon, dieser wunderschöne Hintergrund und es ist wirklich wie ein Gemälde. Und dann aber, sobald sie in das Geschehen kommt und sobald sie sich unterhalten, entschließt sich die Filmsprache komplett durch das Glas zu zeigen. Es wirkt alles gebrochen, es wirkt alles so ein bisschen wie ein Mosaik, weil das auch nicht einfach nur Glas ist, sondern auch so ein mosaikhaftes Glas.
Johannes Franke: Das ist sehr schön gemacht, ich finde es sehr toll, diese Atmosphäre, die das herstellt, finde ich cool.
Florian Bayer: Er bricht damit auch ein bisschen mit diesem Kitsch. Also sie wird am Anfang so stilisiert gezeigt und dann haben wir aber diesen Blick, der nie so 100% genau ist auf das Geschehen, wieder in so einer ganz einfachen Szene. Mutter, potenzielle neue Stiefmutter, Vater und Tochter unterhalten sich und Tochter ist wütend.
Johannes Franke: Ja, was für mich, ich weiß nicht genau, ob ich einfach nur die Art und Weise, japanische Art und Weise zu spielen nicht verstehe oder ob sie wirklich schlecht sind. Aber ich weiß nicht, also es ist ja, ich habe ja nur mit englischen Untertiteln gucken können, das Original, die Originalsprache. Das heißt, ich kann eigentlich ganz schlecht beurteilen, was die Schafspieler wirklich können oder nicht können. Aber ich hatte immer den Eindruck, so richtig gut sind sie nicht. Aber das steht mir eigentlich nicht zu, das wirklich zu beurteilen, weil ich es nicht, ich bin in dem Kulturkreis nicht, ich habe keine Ahnung.
Florian Bayer: Was fandst du denn nicht gut? Also kannst du es konkret sagen, was andere performt? Es ist alles, nee, es ist alles gestellt. Gestellt? So artifiziell auch?
Johannes Franke: Es ist alles hingestellt. Also du musst jetzt, wir brauchen jetzt die Situation, wo du wütend wirst wegen der Mutter. Aber es ist alles sehr, ich glaube aber, dass das eine kulturelle Sache ist, dass sowieso sehr viel in diesem Kulturkreis über Symbole, Symbolhandlungen, Symbolästhetik gehandelt wird und gezeigt wird. Und ich glaube, dass das Spiel sich entsprechend anpasst, was ich aber auch aus anderen Filmen aus dem Bereich anders kenne. Also das muss nicht immer so sein.
Florian Bayer: Ja, japanische Filme müssen nicht so sein. Auch japanische Filme aus den 70ern müssen nicht so gestellt wirken. Es ist ganz interessant, weil ich habe noch gar nicht so viel über das Schauspiel nachgedacht. Ja, ich bin immer derjenige, der das hier dann einmal auf den Tisch bringt und sagt, naja. Ich glaube, ich war einfach zu sehr geflecht von den Farben, von dem Setting, von dem Spiel der Kamera und von den Effekten, dass ich gar nicht sehr darauf geachtet habe, dass das Schauspiel tatsächlich teilweise sehr merkwürdig ist. Auch wenn die Freundinnen sich unterhalten, die ja alle so komplette Stereotypen sind.
Johannes Franke: Ja, und da kommt wieder das Kindliche zum Vorschein. Genau, was auch echt nervt am Anfang, muss ich mal sagen. Also dieses Gegackere und die ganze Zeit kichern die vor sich hin und eigentlich gibt es keine substanzielle Unterhaltung oder so. Oder sie unterhalten sich über den heißen Lehrer oder was. Was?
Florian Bayer: Genau, über den heißen Lehrer von dem Fantasieträumen. Das sind die Namen. Und das musst du kurz erklären. Das ist ganz toll. Der Film, wie gesagt, die Charaktere sind totale Stereotypen oder sogar Archetypen und ihre Namen sagen schon, was ihre Eigenschaften sind und das sind ihre Eigenschaften und sonst nichts. Das ist, glaube ich, wieder dieser kindliche Einfluss. Also wir haben zum Beispiel die einzige mit einem Namen, der so ein bisschen verschleiert, wie ihre Persönlichkeit ist, ist unsere Protagonistin Oshame, die im Englischen als Angel untertitelt wurde. Hast du das gesehen? Als Gorgeous. Ah, interessant. Bei meinen Untertiteln wurde sie als Angel untertitelt. Ah, okay. Und dann haben wir Kung Fu. Ja, genau. Wie leicht zu erraten, dass die sportliche ist. Tada. Wir haben Prof, beziehungsweise Garry. Das ist die intelligente. Das erkennt man daran, dass sie eine Brille trägt. Das ist die gelesene. Dann haben wir Sweetie. Das ist die, naja, die allen helfen will, die häusliche, immer Ordnung machen will und für alle da sein will. Dann haben wir Fantasy, die eine ganz wichtige Rolle spielt. Das ist die, die immer in ihren Tagträumen hängt. Und auch, es gibt wunderschöne Szenen, wenn sie in ihren Tagträumen von ihrem Lehrer hängt, wie er sie rettet als der große Held. Oh Mann. Dann haben wir Melody, die wenig überraschend die musikalisch in der Gruppe ist. Die sitzt am Klavier. Und dann haben wir Meg, die immer nur ans Essen denkt. Und das war's. Das ist unsere Gruppe. Das sind komplett stereotype Charaktere. Man sieht sie einmal, man bekommt ihren Namen gesagt. Genau. Über jede von ihnen wird einmal ein One-Liner gemacht. Du musst immer ans Essen denken. Du immer mit deinen Fantasien. Und wir wissen genau, was für Personen wir hier vor uns haben. Das unterstreicht so diesen Katalogcharakter, den ich die ganze Zeit im Kopf habe von diesem Film. Ich dachte an das Kindliche. Ich glaube, das ist so wie ein Kind so eine Geschichte schreiben würde. Ein Kind denkt sich sehr eindimensionale Charaktere aus. Und ein Kind überlegt dann, wie die Namen von den Charakteren sein können. Und denkt so, naja, die denkt immer ans Essen. Natürlich, Mac wie McDonalds. Macht doch Sinn.
Johannes Franke: Oh Gott. Ja, okay. Aber das Problem ist, dadurch habe ich, dadurch, also zum einen, weil die Personalie recht groß ist, ist es schwierig. Und zum anderen eben, dass es so Stereotype sind, die nicht wirklich gute Geschichten bekommen. Fehlt mir ein bisschen die Beziehung zu den Charakteren. Ja, die gibt's nicht. Also die gibt's halt einfach nicht. Ich habe da nicht so einen Zugang. Höchstens eben zu Oshame, oder wie sie heißt, zu ihrer Tante eben, die anderen alle mitnimmt. Aber auch zu ihr eher dünn.
Florian Bayer: Ja, ihre Story-Arc ist ja auch ziemlich plump. Genau. Sie ist wütend auf ihren Vater. Sie will allein Urlaub verbringen. Sie will noch einmal in ihre Vergangenheit reisen, zu ihrer Tante, die sie nur als Kind einmal gesehen hat, ins Haus ihrer Mutter. Vielleicht auch so ein bisschen als Rache an ihrem Vater, an ihrem verwitweten Vater, der jetzt neu heiratet. Ja, das ist dünn. Es passt für mich zu, genau, es gibt keine Empathie mit den Charakteren. Es passt für mich zu dem Gesamtkonzept des Films, dass das Medium ständig sichtbar ist. Er baut einfach keine Immersion auf und es ist kein Suspension of Disbelief möglich einfach, weil wir viel zu oft daran erinnert werden, dass wir uns in einem Film befinden. Und tatsächlich, kurz darauf, wenn sie unterwegs sind, zu der Tante kommt ja auch die Szene, die das am krassesten unterstreicht und die für mich eine der tollsten Szenen des Filmes ist, wenn unsere Protagonistin Oshame erzählt, wie ihrer Vater und ihre Mutter, wie sie sich kennengelernt haben und woher sie kommen. Sie erzählt das ihren Freundinnen im Zug. Ah ja, ja, ja, genau. Aber sie erzählt es nicht, sondern sie schauen sich die Bilder zusammen an. Sie reisen zusammen in die Vergangenheit. Sie schauen sich keine Fotos an, sie schauen sich keinen Film an, sondern sie beginnt ein bisschen zu erzählen. Und plötzlich sehen wir als Publikum in Stummfilmen ziehen diese Momente. Und dann erzählt sie auch nichts mehr und dann sagen ihre Freundinnen, oh, guck mal, da ist ja deine Mutter, die sieht ja aus wie du. Ist das nicht schön?
Johannes Franke: Oh, fantastisch. Und ich frage mich die ganze Zeit, hä, woher wissen sie das? Wie kriegen die das mit? Aber die haben doch am Ende Bilder in der Hand.
Florian Bayer: Ja, aber sie bewegen sich da drin. Sie läuft dann ja auch irgendwann mit dem Schirm in diesem Stummfilmen ziehen.
Johannes Franke: Ja, ja, genau.
Florian Bayer: Und dann brennt einmal, brennt dieser Film kurz ein und dann sagen sie, oh, das Feuer der Liebe. Ja, ja. Es ist fantastisch. Es ist so eine tolle Szene, weil das Medium komplett aufgerissen wird. Ja, genau. Wir befinden uns in einem Film, hey, dann können wir die ja auch in diesen Film reinschicken. Ja, genau. Und sie kommentieren dann einfach nur noch, als ob sie dabei wären.
Johannes Franke: Aber irre ich mich oder ist das irgendwie schon irgendwie so etwas, was gerade im japanischen Kulturkreis besonders zu finden ist? Weil mir kam das sofort total, weiß ich nicht. Ich habe ein Gefühl dafür aus diesem Kulturkreis.
Florian Bayer: Ich weiß gar nicht, ob ich jetzt Selbstreferenzialität so sehr mit dem japanischen Kino verbinden würde.
Johannes Franke: Das nicht unbedingt, aber diese Art und Weise, das anzugehen und damit zu spielen und das zum, ich weiß nicht, keine Ahnung.
Florian Bayer: Auf jeden Fall wird im japanischen Kino oder noch allgemeiner im asiatischen Kino öfter Surrealis in die Handlung eingeflochten und eher davon ausgegangen, dass das als gegeben akzeptiert wird. Das wird vielleicht nicht so als Störung der Suspension of Dispenship wahrgenommen.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, vielleicht ist es das, was ich meine. Dass man irgendwie eher akzeptiert, dass da nochmal ein surreales Element, was irgendwie eine dritte Deutungsebene einführt. Ja, vielleicht. Dass das viel mehr akzeptiert ist da, dass das einfach passiert. Ja. Und dann kommst du halt aus dieser Sache wieder raus und bist wieder in der Geschichte.
Florian Bayer: Ja. Was tatsächlich präsent ist dann am Anfang dieser Geschichte, ist vor allem der Kitsch. Das ist so zuckersüß alles und weich gezeichnet.
Johannes Franke: Es gibt keine ruhige Minute ohne Musik. Ja. Es ist die ganze Zeit diese Musik drunter. Das heißt, du kannst auch keinen später, soll es ja so ein bisschen horrormäßig werden, aber das wird es einfach nicht, weil die Musik die ganze Zeit dagegen arbeitet. Ja. Du hast immer diese liebliche oder, oder, oder. Und sie ist so ein schrecklicher Ohrwurm.
Florian Bayer: Sie wird ja auch immer wieder wiederholt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann setzt sich Melodie nachher ans Klavier und spielt auch wieder diese Melodie. Und spielt genau diese Melodie. Und es ist eine ganz simple Melodie. Ich fand es so schön, weil es war das Gefühl, wirklich in einer kitschigen Kinderfantasie gefangen zu sein. Ja. Und zwar wirklich gefangen, ohne dass es ein Entkommen gibt. Es ist alles zuckersüß, es ist alles kunterbunt. Und alle haben Lacht, haben Freude und lachen zusammen. Und dann kommen sie auch anderen diesem Ort irgendwo entlegen in der japanischen Landschaft und sagen auch, es fühlt sich an, als wären wir in einer fremden Welt verloren. Und genauso fühle ich mich in dem Moment auch als Zuschauer.
Johannes Franke: Das stimmt, ja. Ja, das schafft der Film tatsächlich sehr gut. Also einen da wirklich reinzuziehen und zu sagen, so, jetzt lass dich mal drauf ein und dann haben wir Spaß. Und du bist wirklich verloren auch.
Florian Bayer: Ja. Und dann ab einem gewissen Punkt kann man nur noch mit den Schultern zucken und sagen, okay. Ja gut. Es ist so, es ist total fremd, es ist surreal, aber es funktioniert auch irgendwie, weil er so viele Geschütze auffährt, dass man dem einfach nicht entkommen kann.
Johannes Franke: Ja, es ist wirklich schön. Also das hat mich auch tatsächlich, also ich habe am Anfang gedacht, ich komme einfach nicht darüber weg, dass diese Mädchen so wahnsinnig kicherig inszeniert und so wahnsinnig, auch so ein bisschen den unguten Einschlag von, weiß ich nicht, so Pädophilie. Darüber müssen wir reden, ja.
Florian Bayer: Der ist wirklich, oh, schwer. Ich habe den in diesem Film gar nicht gespürt am Anfang. Und das finde ich ist tatsächlich, wir kommen zu späteren Szenen, ich habe in der ersten halben Stunde, wenn die Mädchen etabliert werden, hatte ich das Gefühl, dieser Film hat nichts Verruchtes. Und wenn du an Schulmädchen und 70er Jahre denkst, dann läuten natürlich alle Alarm kloppen. Aber wirklich. Weil das war eine Zeit, in der das ganz viel gemacht wurde. Ja. Und zwar nicht von den Japanern, sondern wir Deutschen waren die Schlimmen in dieser Zeit. Wir haben gefühlt 25 Schulmädchen-Report-Filme gedreht oder die Franzosen oder so. Und dieser Film hatte es tatsächlich, ich hatte in dem Moment nicht das Gefühl, dass da irgendwas rüberschwappt. Ich hatte keinerlei Pädophilie-Vibes, keinerlei, hey, hier kommt so ein Schulmädchen-Report-Ding, sondern ich fand es einfach so kitschig, naiv und kindlich, dass ich da keine versteckte oder offensichtliche Erotik gesehen habe, sondern wirklich einfach nur diese verspielten Kinder, die Spaß zusammen haben.
Johannes Franke: Okay. Nee, das war für mich von Anfang an drin. Das fand ich irgendwie echt ein bisschen verstörend am Anfang. Und irgendwann habe ich mich so ein bisschen, hat sich das abgelöst durch den ganzen Wahnsinn, den sie einfach in diesem Film haben.
Florian Bayer: Aber durch was hast du das gespielt? Ich meine, sie haben Schulmädchen-Uniform an, aber typische Schulmädchen-Uniform.
Johannes Franke: Ja, ja, ich versuche es die ganze Zeit irgendwie eine Revue passieren zu lassen im Kopf, um rauszufinden, an welchen Stellen. Aber es ist gleich, gleich am Anfang, gleich die ersten Gespräche, die sitzen jetzt zusammen am Fenster da.
Florian Bayer: Aber ist es vielleicht auch einfach nur die filmische Sozialisation, dass wir es gewohnt sind, sowas zu sehen und wissen, oh Gott, dieser Filmmacher, der das gemacht hat, macht das natürlich nur, um den unter den Rock gucken zu können?
Johannes Franke: Ja, das kann sein. Ja. Nee, nein, tu's nicht.
Florian Bayer: Ich weiß nicht, für mich war es in dem Moment einfach nur tatsächlich eine Kindergeschichte. Und es hat dieses Verruchte, was man eigentlich erwarten würde von einem Setup, Schulmädchen, 70er Jahre Horror, Fantasy Exploitation, das hatte es überhaupt nicht. Und ich war sehr dankbar dafür. Okay. Es kommt nachher nochmal anders. Es kommt diese Eurotik rein. Es kommt dieses exploitative Moment, kommt auf jeden Fall rein. Aber in den 30, 45 Minuten am Anfang, bevor der Horror losgeht, war das für mich total okay. Und kein Gefühl davon, dass hier ein Pederast hinter der Kamera steht, der seine heimlichen Gelüste ausleben will.
Johannes Franke: Okay. Okay. Also es war tatsächlich nicht deutlich. Es gab keine Szene, die ich jetzt wirklich in den Kopf kriegen könnte, wo ich weiß, das kann man anführen als tatsächlich sehr problematische Szene. Das stimmt. Das geht nicht. Aber dieses, vielleicht ist es das, was du sagst, dass man das so kulturell mitdenkt jetzt, wenn man das einfach kennt.
Florian Bayer: Wir sind so sozialisiert. Also die Filme, das ist halt auch das Krasse, wenn Filme aus der damaligen Zeit und selbst bis heute so Schulmädchen darstellen, dann schwingt ganz oft in einer ganz einfachen Inszenierung dieses Ding mit. Und wenn es nur eine Kamera ist, die mal von unten die Beine hochfährt. Ja, genau. Das ist fast schon so im Filmkanon drin. Das ist eigentlich total schrecklich. Ja, total. Das ist einfach so, das ist die Kameraeinstellung, wenn du ein Schulmädchen zeigen willst. Du fängst bei den Füßen an, gehst die nackten Beine hoch und dann bist ... Und das macht der Film meiner Meinung nach nicht oder so wenig oder so gebrochen, dass ich diese Vibes nicht spüre.
Johannes Franke: Ja, gut.
Florian Bayer: Und es ist tatsächlich, es ist lange, ne? Also dieser Anfang ist, das ist ein relativ langer Beginn, der auf Gefahr läuft, immer so ein bisschen langatmig zu werden. Ja. Weil dafür, dass das ja eigentlich ein Spukfilm sein will.
Johannes Franke: Davon habe ich am Anfang nichts gemerkt. Gar nicht.
Florian Bayer: Was ist das am Anfang? Irgendwie eine Art Märchen?
Johannes Franke: Aber weißt du was, jetzt fällt mir es ein. Ja. Die fangen an, sexualisiert über diesen Lehrer zu reden. Wirklich? Ich finde nicht ... Nein. Da wollte ich nicht Teil sein, das wollte ich gerne vorspulen. Sie reden doch ... Das ist doch so unschuldig, wie diese Fantasie den Lehrer anhimmelt.
Florian Bayer: Weiß ich nicht. Sie stellten sich vor in Uniform, wie er sie rettet nach einem Haus weg. Ja, okay. Nein, aber in der Welt dieser Mädchen nicht statt. Ach, Mann. Ich weiß nicht. Vielleicht macht mein Kopf auch komische Sachen damit. Das ist auch gemein, zu sagen, ey, Moment, du bist der Perverse, wenn du das da drin siehst.
Johannes Franke: Toll. Okay. Naja, aber ich bin darüber hinweggekommen irgendwann, weil der einfach der Film genug Zeug macht. Das ist meine Heizung, die da komische Geräusche macht. Weiß nicht, ob das über das Mikro jetzt überkommt.
Florian Bayer: Also, ich höre es gerade ganz stark, Siri. Ich drehe mal kurz runter.
Johannes Franke: Nee, es wird eine Weile so bleiben. Okay. Das hat mit runterdrehen wird es nicht besser. Glaube ich. Okay. Ja, also dadurch, dass da so viel Kram passiert, komme ich irgendwann drüber weg und bin dann einfach nur noch, okay, gut, dann ist das jetzt so. Muss ich mit klarkommen. Und dann ist es am Anfang, gibt es für den Anfang noch irgendwas zu sagen oder gehen wir mal in die Reise, dass sie dann irgendwo in einem Haus ankommen?
Florian Bayer: Also, ich glaube, ja, wir können zu einem Haus übergehen und zu einem Exploitation-Moment, der dann reinkommt. Weil bis dahin ist es für mich einfach nur ein wunderschöner, kitschiger Fantasy-Trip. Es gibt nicht viel Fantasy, es ist eher so irgendwie zwischen Experimentalfilm und kindlicher, nostalgischer Fantasie. Und dann kommen sie in dem Haus von der Tante an, von Oshama. Obersama heißt sie. Und die sitzt im Rollstuhl und freut sich sehr über die Ankunft der jungen Mädchen, weil sie offensichtlich lange keine Gesellschaft hatte.
Johannes Franke: Du hast ein kleines bisschen den bescheuerten Vorweg-Typen. Den Melonenmann? Der Melonenmann, der wohl aus der Crew kam, der eigentlich Crew-Mensch war. Dann bitte, dann Einsatz. Du willst was zu dem Melonenmann sagen. Der Melonenmann. Das ist das erste Mal, sagt mir eine Figur, dass in dem Haus was nicht stimmen wird. Indem er den Mädchen sagt, oh, da wird sich Tante aber freuen, dass sie da sein. Aber er sagt es nicht so gut gespielt im Sinne von, wir machen das mal subtil. Sondern er ist drüber, drüber, drüber und noch drüberer.
Florian Bayer: Er ist so der klassische Vorbote des Horrors. Im Horrorfilm der 70er Jahre besonders, gerade im amerikanischen Horrorfilm hat man das immer. Wenn jemand in die Einöde fährt und dann irgendwann einem Killer begegnet, muss mindestens einmal vorher kurz eine Szene sein an einer Tankstelle oder an einem Convenience-Store. Irgendwo in der Einöde, wo ein schräger Typ ist und sagt, der Tod wartet auf dich. Und dieser Typ macht das ganz großartig. Also wie er schon eingeführt wird. Sie kommen da an an diesen Melonenstand und nehmen die Melone weg und dann sehen wir seinen Kopf da liegen.
Johannes Franke: Direkt dahinter, hinter der Melone. Vorher ist da niemand. Und er, ich weiß nicht, sie haben so einen dicken Typen, der sich so richtig dämlich verhält. Irgendwie keine schöne, ich weiß nicht. Er macht so einen auf Slapstick.
Florian Bayer: Slapstick. Eine Szene müssen wir noch kurz nennen. Eigentlich sollte ein Lehrer mitkommen mit ihm. Und der kommt allerdings nicht mit, weil er den Zug verpasst, weil er einen Unfall hat. Und das wird auch inszeniert in so einer wundervoll albernen Slapstick-Szene, wo er mit Stop-Motion animiert eine Treppe runtergezogen wird. Ich hab das nicht verstanden. Ich hab das auch nicht so ganz verstanden. Ich fand, ich glaub, das sollte einfach eine Slapstick-Szene sein. Also er geht aus dem Haus, er muss den Zug kriegen, er rennt los und dann passiert ihm irgendwie ein Unfall und er fällt. Und dann dreht er sich über den Boden und es war total albern. Das ist für mich immer noch die kindliche Seite des Films. Ja, okay. Wir sind in einer kindlichen Traumwelt, hey, da können wir auch noch ein bisschen Slapstick-Humor mit einbauen. Passt ja ganz gut. Und dieser Melonenmann auch tatsächlich. Auch wenn er der Vorbote des Grusels, des Übels ist.
Johannes Franke: Und weißt du, schon da, wenn er sagt, da wird sich Tante aber freuen, dass ihr da seid, schon da denke ich, ja, ist okay, ich hab's begriffen. Musst du nicht nochmal sagen. Und dann kommt es dem Film immer noch ein paar Mal, dass irgendjemand irgendwie nochmal deutlich machen muss, dass diese Tante schwierig ist. Ja, das stimmt. Das ist echt.
Florian Bayer: Das ist vielleicht so als Vorbereitung auf den folgenden hyperaktiven, hysterischen Albtraum. Nun ja, sie kommen da an und Tante ist erstmal sehr nett. Genau, Tante ist nett. Tante ist nicht schrullig, Tante ist nicht unheimlich, sondern Tante sitzt in ihrem Rollstuhl, freut sich über sie, begrüßt sie, sagt, hey, toll, dass Kinder da sind, ich hab hier so wenig Gäste. Mhm. Eigentlich ist alles schön und die Katze ist ein bisschen merkwürdig. Und dann auch diese Szene am Anfang, wenn sie in das Haus reinkommen und diese Ratte von dem Kronleuchter und Kung-Fu kämpft gegen den Kronleuchter, um die Ratte zu besiegen und es war zu schnell, ich hab nicht verstanden, was diese Szene sollte. Keine Ahnung, aber diese Ratte wird erstochen vom Kronleuchter, oder? Genau, weil Kung-Fu, ich glaub sie, also, ich glaub die eigentliche Szenenabfolge ist, sie kommen in das Haus, sie sehen die Ratte, sie erschrecken, Kung-Fu tritt den Kronleuchter, der fällt runter und tötet die Ratte. Ich hatte den Eindruck, dass der Kronleuchter das selber macht. Ja, unmöglich, das Haus hat sowieso sein Eigenleben. Ja. Und das wird auch nie verborgen, sie kommen rein und die Tante sagt so, nicht so, das ist 90er oder 80er Licht. Und dann wird alles schön heimelig und die Tante unterhält sich dann auch mit dem Ofen und sagt, hey, soll ich dir noch ein paar Holzscheide reinwerfen?
Johannes Franke: Und sie erzählt auch den anderen, dass sie sich mit allen Gegenständen in ihrem Haus unterhält. Und das stört auch niemanden und niemand wundert sich, wenn die Tür einfach von alleine aufgeht.
Florian Bayer: Genau, das Haus hat ein Eigenleben, aber es ist irgendwie, es ist in Ordnung. Es gehört einfach zur Atmosphäre des Films, deswegen akzeptieren unsere Protagonistinnen das auch. As One Does, okay. Und dann beginnt langsam der Grusel, ne? Mhm. Sagt es, Fantasy ist die erste, die es trifft. Das ist nicht Mac? Ja, eigentlich Mac, aber von Mac sehen wir nicht viel, Mac verschwindet einfach, ne? Mac verschwindet einfach, wird aber der Kopf von Mac aus dem Brunnen geholt. Genau, genau, genau. Und genau, Mac wird gegessen, aber Fantasy ist die, die den Brunnen, den Kopf aus dem Brunnen zieht.
Johannes Franke: Richtig, genau, ja.
Florian Bayer: Und der Kopf greift dann auch Fantasy an und beißt sie in den Allerwertesten. Aber auch eher spielerisch. Ja, genau, das war auch zum Beispiel so ein Moment, wo er nicht das exploitativ ausgenutzt hat.
Johannes Franke: Nee.
Florian Bayer: Es ist auf dieser spielerischen Ebene geblieben, es ist keine merkwürdige Erotik, die damit schwingt, sondern wie sich ein Kind vorstellt, dass jemand anderen in den Hintern beißt. Ja, genau. Das passiert halt. Aber Fantasy ist ziemlich mitgenommen davon.
Johannes Franke: Wobei sie echt lange braucht, um zu reagieren, ne? Ja. Also sie guckt sich sehr lange diesen Kopf an, sehr ... Es gibt so eine Comic-Verzögerung.
Florian Bayer: Ja, genau. Sie hat den Kopf in der Hand, sie schaut ihn an, ah, hm, hm, Melone. Und plötzlich geht's los. Ja. Und dann wird sie gebissen. Es ist übrigens auch ganz witzig, dass die, ähm, im Folgenden werden die Protagonistinnen alle eigentlich so heimgesucht von Ängsten, die irgendwie mit ihnen zu tun haben, mit ihrem Charakter. Fantasy sieht gruselige Bilder. Meg, die immer verfressen ist, wird gegessen. Sweetie stößt beim Aufräumen auf eine zuckersüße Puppe und wird dann von Baumwollmatratzen erschlagen. Und vom Rest des Zimmers. Vom Rest des Zimmers. Ja. Kung-Fu bekommt eine fantastische Kampfszene. Ganz großartig. In der sie gegen Holzscheite kämpft. Plötzlich Martial Arts, ne? Ja.
Johannes Franke: Und das Schöne ist, sie gewinnt noch. Ja. Und bleibt uns noch eine Weile erhalten. Was ich sehr schön finde, weil Kung-Fu fand ich spannend.
Florian Bayer: Kung-Fu war toll. Und das ist auch, das ist so toll, weil, genau, sie wird angegriffen von den Holzscheiden, aber das ist natürlich kein Problem, weil sie ist super sportlich, sie kann gut kämpfen. Und dann kämpft sie gegen diese Holzscheide und sie springt rum und sie schlägt und es ist wirklich, wir sind, für einen Moment haben wir das Gefühl, wir sind in so einem japanischen Wuxia-Marsial-Arts-Film aus den 70ern. Ja, sehr schön. Und auch wirklich gut choreografiert. Das stimmt. Ja.
Johannes Franke: Kann man sich nicht beschweren. Ach Gott, mir fällt gerade noch auf, dass die Tante ja, bevor Mac gegessen wird, ihr noch, schon noch sagt, you sure look tasty. Was so ganz, was, der Film will mir die ganze Zeit um die Ohren hauen, was passieren wird. Ja, es ist unglaublich. Und dann steht auch die Tante so ganz, also nachdem Mac gegessen wurde, steht die Tante halt dann auf und hat wieder Energie. Ja, sie kann einfach wieder und das ist in Ordnung.
Florian Bayer: Genau. Aber diese Tante bekommt dann wirklich eine großartige Szene auch. Also es fängt damit an, dass sie beim Essen sitzen und sie essen die Melone, die sie nach dem, genau, Fantasy hat den Kopf gesehen, Hilfe, Hilfe, da ist ein Kopf im Brunnen. Die anderen Mädchen gehen zu dem Brunnen, der natürliche Kühlschrank, weil der Kühlschrank der Tante kaputt ist und holen die Melone raus, lachen sich kaputt. Fantasy hat wieder nur irgendwelche komischen, komischen Bilder im Kopf und da ist ja unsere Melone und sie hat das für den Kopf gehalten und dann essen sie die Melone. Und während dieses Essens sieht dann Fantasy plötzlich, dass die Tante ein Auge im Mund hat, anstatt dem Melonenstück. Und mit dem Auge nach links und nach rechts guckt.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Wir können es leider nicht sehen.
Johannes Franke: Aber du hast es sehr schön nachgemacht.
Florian Bayer: Danke dir. Wir könnten Eintritt verlangen. Und dann gibt es diese tolle Szene der Tante, wie sie durch das Haus tanzt, mit dem Skelett tanzt und Blut trinkt und die Hand von Mac ist. Sie ist wie so ein kleiner Kobold, sie verschwindet dann auch und dann guckt sie in die Kamera und lächelt zu dem Publikum und macht sich irgendwie lustig über ihre neuen Opfer. Also wir wissen in dem Moment, die Tante ist definitiv irgendwie die Böse. Ja, das wissen wir aber schon sehr lange. Wir wissen nicht, was sie genau ist. Also in dem Moment wirkt sie so ein bisschen wie eine Hexe auch, weil sie tanzt wirklich auf eine lustige, alberne Weise mit dem Skelett. Sie zwinkert uns praktisch zu und es ist ein sehr merkwürdiger Moment, aber auch ein sehr amüsanter Moment, weil man einfach sieht, wie viel Spaß die Tante hat mit dem Grusel, den sie und ihr Haus erzeugen.
Johannes Franke: Ja, man weiß nicht genau, ob man nicht als Zuschauer irgendwann die Tante als Sympathiefigur annehmen soll. Das ist so der Gedanke, den ich habe an der Stelle. Aber absolut. Dass ich das Gefühl habe, okay, die kleine Hexe sozusagen. Ja, genau. Ich will plötzlich dieser Figur Raum geben und Sympathie geben, aber irgendwie, weiß ich nicht, er fährt das nicht weiter, der Film.
Florian Bayer: Vielleicht, weil die anderen Charaktere halt auch so eindimensional sind. Man sucht irgendwie was, woran man sich klammern kann. Weißt du, wer für mich der Sympathieträger des Films war? Die Katze? Das Haus. Die Katze ist auch toll. Zu Snowy, zu der müssen wir gleich noch kommen. Aber das Haus war für mich der Sympathieträger des Films. Stimmt eigentlich. Das Haus hat ein Eigenleben. Das Haus ist wirklich so ein Kobold, der seinen Schabernack treibt mit den Mädchen. Das Haus ist irgendwie bösartig, aber auch irgendwie lustig, weil das Haus immer auch genug Humor mit reinbringt. Und das ist einfach ein wundervolles, filmisches Gebäude.
Johannes Franke: Das stimmt. Da hast du vollkommen recht. Oh nein, oh nein. Oh nein, Johannes. Ich spüre da was. Oh, ich auch. Es kommt, Flo. Es kommt. Die Top 3. Flo, ich hab was für dich. Ja. Ich hab einen Jingle gebaut. Yay. Klasse. Ich hatte ihn dir schon zugeschickt, aber hast du den angehört? Nein. Fuck. Na toll.
Florian Bayer: Du hast einen Jingle gebaut, pass auf, den spiel ich jetzt gleich vor. Genau. Der müsste dann, den hast du mir wahrscheinlich per Messenger geschickt. Genau.
Johannes Franke: Also per, ähm.
Florian Bayer: Oh, fantastisch. Fantastisch. Den nehm ich. Das wird ab sofort unser Jingle. Okay. Top 3. Genau. Wir sind wieder bei den Top 3. Und wenig überraschend, die Top 3 Gebäude im Kino.
Johannes Franke: Ja. Die Top 3 Gebäude. Also, äh, Pentagon oder was? Johannes. Was meintest du?
Florian Bayer: Alles. Also es geht nicht um die besten Filme mit Gebäuden, weil in den meisten Filmen kommen Gebäude vor. Ich wollte tatsächlich drei beeindruckende Gebäude. Die Filme selbst müssen gar nicht gut sein. Einfach die Gebäude sollen toll sein. Okay. Fangen du doch an mit dem Platz 3. Mein Platz 3 ist die, äh, Basis von Plofeld in, man lebt nur zweimal, von, ähm, James Bond. Ah, ja, ja, ja. The Only of Twice aus dem Jahr 1967. Und zwar in einem Vulkan. Und die hat alles, was so ein Superbösewicht, der die Welt zerstören und ganz viel Geld haben will, als Basis braucht. Sie ist halt in einem Vulkan. Sie ist kreiswärmlich aufgebaut. Sie hat große Kanonen. Sie hat so kleine Verstecke. Und sie ist einfach ein fantastischer Tempel des Bösen.
Johannes Franke: Okay, hast du irgendein Ding am Laufen mit Gebäuden in Filmen? Weil ich hab nur langweilige Sachen. Mir fallen Gebäude im Film nicht so auf, wie dir anscheinend. Ich hab aber auch lange überlegen müssen. Ich hab noch ein paar Honorable Mention. Ich hab eine Honorable Mention. Okay, dann hau die zuerst raus. Äh, The Shining. Ah, das Overlook Hotel, ne? Genau. Das ist wirklich toll.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also wirklich super. Aber es ist nicht in die Liste gekommen, weil ich nicht in der Stimmung für große Hotels war.
Florian Bayer: Und du hattest Shining auch schon bei den Top-Geistern, ne? Genau. Und deswegen dachte ich, naja. Meine Honorable Mention wären sämtliche Häuser in das Kabinett des Dr. Caligari aus dem Jahr 1920. Ah, ja. Weil das so wunderschön surrealistische Bauten sind, die so verzerrt sind und schräg.
Johannes Franke: Warum bin ich nicht auf die Zwanziger gekommen? Ja. Die haben ja wirklich sehr viel gemacht in der Richtung. Tolle Sets gebaut. Ja. Oh mein Gott. Na gut, okay. Das nächste Mal. Mein Platz 3 ist Hobbingen. Herr der Ringe. Ja. Ne? Für die Hobbits wohnen. Du bist bei dem Peter-Jackson-Film, nicht bei dem Zeichentrick-Film. Ich bin bei Peter Jackson.
Florian Bayer: Ja, schön.
Johannes Franke: Ganz toll. Ich würde immer in sowas wohnen. Sind das Häuser oder Höhlen oder Hügel? Es wird von Tolkien als Höhle bezeichnet, ja.
Florian Bayer: Ja, wirklich toll. Ja, definitiv. Wirklich eine schöne Architektur.
Johannes Franke: Ja. Gefällt mir sehr. Ja.
Florian Bayer: Ja. Und definitiv eine bessere Wahl als irgendeine der großen Städte oder Hemsclum oder so. Ja, genau.
Johannes Franke: Also. Obwohl es natürlich spannend wäre bei Inmodor. Naja, egal. Okay.
Florian Bayer: Nummer 2. Nummer 2. Dein. Meine Nummer 2. Das Haus aus Paper House. Albträume werden wahr aus dem Jahr 1988. Sagt dir jetzt vielleicht nichts? Nein. Ein Grusel-Fantasy-Film, ein Grusel-Fantasy-Film britischer Herkunft für ein junges bis jugendliches Publikum. Den habe ich, glaube ich, gesehen, als ich 10 oder 11 war. Und er hat mir so eine Scheißangst gemacht. Oh. Es geht um ein Mädchen, das ein Haus malt und in ihren Träumen reist sie dann zu diesem Haus. Mhm. Und dann malt sie noch einen Jungen hinein, damit sie da Gesellschaft hat und malt so peu a peu weitere Dinge hinein, um Spaß zu haben. Zum Beispiel eine Eismaschine und einen Ball zum Spielen und so weiter. Und dann verwandelt sich das Szenario aber irgendwann in einen Albtraum, als sie ihren alkoholabhängigen Vater da reinmalt und dann doch so viel Angst davor hat, dass sie anfängt, das Bild komplett durchzustreichen, alles schwarz malt und das Bild in den Müll wirft. Und mehr will ich nicht sagen, weil das dann zu viel gespoilert wäre.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Es ist vielleicht ein Film, den wir mal in einer der kommenden Folgen besprechen werden, weil den kannst du eigentlich gesehen haben. Na gut. Das Tolle an dem Gebäude ist, es ist gemalt. Das heißt, sie malt dieses Gebäude und das wird auch entsprechend im Film dann umgesetzt und es ist alles etwas schräg und schief. Die Treppen sind nicht einfach schön straight nach oben führend, sondern haben Stufen, die ein bisschen höher sind und Stufen, die ein bisschen tiefer sind. Sie vergisst einfach Sachen reinzumalen. Einige Sachen erscheinen zweidimensional, weil sie sie einfach nicht vernünftig sind. Und das ist ein tolles Gebäude. Einfach dadurch, weil es diese kindliche Fantasie und dieses Unvermögen, was realistisch zu malen, in die dritte Dimension überführt.
Johannes Franke: Wow. Das klingt sehr cool. Okay. Ja, dann müssen wir es vielleicht wirklich mal besprechen. Bei mir geht es langweilig weiter mit Harry Potter. Hogwarts? Ja, natürlich. Ja, auf jeden Fall. Das ist doch ein tolles Gebäude. Nicht langweilig. Das ist wirklich ständig verwendet und Treppen hier, Treppen dort.
Florian Bayer: Verändert sich auch ständig über die Filme hinweg. Mal liegt es an einem See, mal steht es auf einem Hügel.
Johannes Franke: Aber es ist wirklich toll umgesetzt auch in den Filmen. Also so wie ich mir das auch im Buch vorgestellt habe.
Florian Bayer: Ja, ein wunderschöner Ort. Spannend wäre tatsächlich die Frage, welches Hogwarts, weil wie gesagt, das unterscheidet sich ja von Film zu Film. Spontan würde ich sagen, das ist aus Teil 1, weil sie da am ehesten zeigen, wie die Treppen sich bewegen.
Johannes Franke: Genau, wahrscheinlich ist es das und dann auch die dicke Dame auf dem Bild, was ich auch im Buch schon so wahnsinnig cool fand. Und dann irgendwie auch gut umgesetzt. Also wirklich schön. Definitiv. Doch, doch, doch. Ja.
Florian Bayer: Meine Nummer 1 ist die Schokoladenfabrik von Willy Wonka 1971. Okay. Nicht die von Tim Burton.
Johannes Franke: Die von Tim Burton ist auch ganz nett.
Florian Bayer: Warum ist das so wichtig, der Unterschied? Weil das einfach die klassische Schokoladenfabrik für mich ist. Ich mag den Burton-Film tatsächlich auch und ich weiß, viele mögen den Burton-Film nicht. Ich mag den Burton-Film auch, aber ich bin einfach mit dem anderen Willy Wonka groß geworden. Und das ist für mich dieses kitschig, naive, kindliche, dieser künstliche Rasen und dieser komische Schokosee und das sieht einfach toll aus. Und Tim Burton hat auf seinen Film einfach mal noch so eine Schippe draufgepackt und das ist dann ein bisschen zu viel. Der psychedelische Tunnel, durch den sie da mit dem Boot fahren, den hat Burton nicht mal in dieser Intensität drin, wenn Willy Wonka plötzlich wie ein wahnsinniger Psychopath wirkt. Und es gibt an jeder Stelle was zu entdecken. Es ist bunt, es ist toll, es gibt Schokolade und es kommen ständig Kinder ums Leben. Was kann man sich mehr wünschen?
Johannes Franke: Okay, mein Platz Nummer eins ist Downton Abbey.
Florian Bayer: Da musst du was dazu sagen, weil ich kenne Downton Abbey.
Johannes Franke: Downton Abbey hast du nicht gesehen.
Florian Bayer: Nein, habe ich nicht gesehen.
Johannes Franke: Downton Abbey ist im Grunde, heißt genau so, weil es ist eine Abbey auf dem englischen Land und ist so ein riesiges Landhaus. Das war so ein riesiges von Upper Class, weiß ich nicht, wie nennt er sich das, naja, so Adel halt. Und das ist einfach so schön, so schön. Architektur aus dieser Zeit, die sich auch mit den Jahren dann so ein bisschen angepasst hat, also weiß ich nicht, 1500 gebaut und dann bis 1920 immer wieder so mit Ergänzungen weiterentwickelt. Finde ich eine ganz tolle, ganz toll von der Architektur, ganz, weiß ich nicht, riesige Hallen mit Gemälden an den Wänden und dann hast du so einen Salon mit einem Klavier und dann hast du, weißt du das, ich weiß nicht, da will man sofort einziehen.
Florian Bayer: Das ist schön, wir sind so unterschiedlich an diese Listen rangegangen. Du hast definitiv Orte gewählt, an denen du gerne leben würdest. Definitiv. Und ich habe eher Orte gewählt, die ich aus anderen Gründen beeindruckend oder bizar finde. Also ich glaube, ich würde weder in Blofelds Basis leben wollen, noch in dem Albtraumhaus von Paper House. Aber in Willy Wonkas Schokoladenfabrik würde ich sehr gerne leben. Jeden Tag Süßkram essen. Und wenn einem Kinder auf die Nerven gehen, kann man sie halt in den Schokoladenteich werfen und sie werden vernichtet.
Johannes Franke: Total. Okay, ich würde mal ganz kurz die Aufnahme checken, weil wir hatten zwischendurch Probleme und ich würde mal ganz kurz reinhören. Wir sind gleich wieder da. Alles gut, die Technik hat uns nicht im Stich gelassen.
Florian Bayer: Gott sei Dank. Ich habe mir zwischendurch eine Zigarette angezündet und wir sind mit unserer Top 3 durch und sind wieder im Gruselhaus von Haosu.
Johannes Franke: Von Haosu. Ich gehe mal zurück in meine anderen Dokument.
Florian Bayer: Ich muss mich auch kurz orientieren, wie unsere Protagonistinnen auch, weil das passieren dann wirklich sehr desorientierende Sachen. Möchtest du noch Tee? Ja, sehr gerne. Ah ne, ich habe noch genug, danke. Du hast noch genug? Ja. Genau, das war tatsächlich für mich das, was im letzten Drittel passiert. Die Orientierung geht sowohl für das Publikum als auch für die Protagonistin so ein bisschen verloren. Jetzt erst? Jetzt so richtig. Also ich finde, da gab es diese eine Szene mit den Frame-Lags. Was? Wenn Oshame sitzt vor dem Spiegel und das Spiegelbild macht sich selbstständig und sieht aus wie ein Vampir und dann sieht sie aus wie ihre Tante und der Spiegel zerspringt und das Gesicht zerfällt. Eine ganz merkwürdige Szene, in der plötzlich die Haut so abblättert und wir sehen einen ganz bunten, psychedelischen Hintergrund. Naja, so feuerartig ein bisschen. Wie konnte ich bis jetzt das Wort psychedelisch nicht benutzen? Ja, das kennzeichnet so sehr den Horror, der dann nach und nach etabliert wird. Mit schrillen, bunten Farben, mit viel Lichteffekten und mit Köpfen, die vor einem Hintergrund schweben, also vor einem bunten Hintergrund schweben.
Johannes Franke: Das ist LSD teilweise. Und auch in diesem Bild, oder? Im Hintergrund des Skeletters tanzt. Wenn Melody am Klavier spielt. Ja, genau.
Florian Bayer: Ihre Finger leuchten dann, die Klaviertasten leuchten, das Skelett fängt an zu tanzen. Das ist total merkwürdig.
Johannes Franke: Aber das stimmt, also wenn du, ich muss jetzt immer wieder an deinem Vergleich mit den Kinder, mit der Kinderfantasie, was Kinder dann eben gruselig finden oder was Kinder schreiben würden, was dann, wie das dann ist. Ja, natürlich, klar, tanzt dann das Skelett im Hintergrund.
Florian Bayer: Und Snowy, die Katze, zu der werden wir noch nicht viel gesagt haben, die leuchtet immer so grün mit den Augen, bevor was passiert. Mit einem intensiven Blick. Und grünes Augenleuchten bedeutet in dem Fall, auch das Medium wird sichtbar. Es sind keine besonders gekonnten Special Effects, die da angewendet werden. Es wird auf das Bild drauf gemalt. Genau. Wir haben sehr viele comicartige Szenen, in denen wirklich in das Bild reingemalt wird, in denen die Farben, die leuchten, einfach Farbkleckse sind. Aber der Film hat uns ja gut darauf vorbereitet. Ja.
Johannes Franke: Sehr ausführlich darauf vorbereitet, dass Special Effects nicht unbedingt besonders elaboriert sein müssen, um zu funktionieren.
Florian Bayer: Und ich finde, er hat dann auch eine gute Steigerung. Also er fängt nicht gleich an mit dem totalen Horror, sondern er steigert sich da so langsam rein und wird dann aber an einem gewissen Punkt wirklich einfach nur noch hysterisch.
Johannes Franke: Ja, hysterisches Chaos, was dann nur noch passiert. Aber sind wir schon soweit? Ich muss mal in meine Liste gucken. Ich habe mir tatsächlich für diesen Film relativ viel aufgeschrieben, einfach weil ich relativ fassungslos davor gesessen habe und immer wieder gedacht habe, okay, das musst du jetzt aufschreiben. Passiert das gerade wirklich? Die Klamotten fehlen. Ach ja, wer ist das, die sie Puppe findet? Sweetie? Sweetie, da ist mir erst mal aufgefallen, dass sie es tatsächlich etablieren, zumindest versuchen zu etablieren. Dass jeder einfach verschwindet und die Klamotten sind aber noch da. Ja, genau. Das ist dann ja auch der große Plot-Twist, was da eigentlich passiert. Ja, genau. Und dann fantasiert dann noch die eine immer nochmal von ihrem Night in Shining Armor, der dann irgendwann kommt und sie retten wird.
Florian Bayer: Der der totale Depp ist. Das ist übrigens auch so ein Thema in diesem Film, die Erwachsenen sind zu nichts zu gebrauchen. Und das ist auch diese kindliche Seite. Ich liebe das, wenn Filme, die eigentlich an ein kindliches Publikum gerichtet sind, die Kinder als die Verantwortungsbewusstsein zeigen. Das macht der Film weniger. Aber vor allem die Erwachsenen als die Deppen. Und das machen die besten Filme für Kinder mit kindlichen Protagonisten, machen das auch. Zum Beispiel Goonies aus den 80ern macht das. Oder um einen neueren Film zu nennen, Super 8, der zehn Jahre alt ist oder so. Und die Erwachsenen sind einfach die Deppen. Und Mr. Togo ist so witzig, weil Fantasy träumt immer davon, dass er sie rettet, dass er der große Erlöser ist, der große Held. Und der ist eigentlich ein totaler Depp, der sitzt im Stau. Der kommt nicht vorwärts und am Schluss wird er in Bananen verwandelt.
Johannes Franke: Warum auch immer. Warum auch immer in Bananen verwandelt? Was ist das? Ja, genau. Warum ist der dann plötzlich? Er wird vorher gefragt, ob man eine Melone haben will oder sowas. Oder wie war das? Und dann sagt er, nee, Bananen sind mir lieber. Und dann ist er in Bananen verwandelt.
Florian Bayer: Bananen, Bananen. Er schreit dann auch Bananen. Und man sieht nicht die Verwandlung, sondern am Schluss sieht man halt einfach sein Auto und da liegt eine Bananenstaude drin. Ja. Das ist offensichtlich Mr. Togo. Und sie haben versucht, das in seine Form zu legen, die Bananenstaude.
Johannes Franke: So einigermaßen. So einigermaßen. So wie es halt ein Kind machen würde. Genau. Zwischendurch, jetzt kommt diese komische, seltsame Szene, wo Gorgeous oder bei dir Angel, glaube ich, im Grunde wie ihre Tante ist, im Grunde ihre Tante. Im Spiegel, sie sieht das Bild ihrer Tante, genau. Und dann schwimmen auch so ein bisschen. Dann wird sie von den anderen gefunden, geht ans Telefon.
Florian Bayer: Das ist die Szene, die ich meine. Da habe ich Framelacks aufgeschrieben. Ja, habe ich auch aufgeschrieben. Das ist der Film, du hast die Dressing gestreamt, ne? Ja. Es ist nichts kaputt in dem Moment, weil ich habe auch kurz gedacht, ist die Blu-ray jetzt irgendwie kaputt? Hoffentlich höre ich das gleich auf, weil es ist wirklich merkwürdig. Aber zu merken, dass es Absicht war. Ja, es ist Absicht. Es ist keine Zeitlupe, aber es ist definitiv langsamer, läuft es ab. Aber sie haben auch Frames weggelassen. Es macht Kopfschmerzen.
Johannes Franke: Man hat das Gefühl, dass sie sich überlegt haben, okay, jetzt jeden 12. oder jeden 13. Frame nehmen wir einfach raus. Oder zwei Frames sogar.
Florian Bayer: Ja, es ist so, also ich habe, und die Szene geht bestimmt fünf Minuten, wenn sie, nachdem sie ihre Tante im Spiegel gesehen hat oder gesehen hat, dass sie aussieht wie ihre Tante, wird sie von ihren Freundinnen gefunden und die bringen sie runter zum Telefon. Und diese Szene dehnt sich gefühlt sehr lange aus und ich hatte auch wirklich so den, es gab den Moment, wo ich dachte, oh, hoffentlich ist es gleich wieder normal.
Johannes Franke: Ich kriege davon Kopfschmerzen. Das war zwischendurch dann auch wieder normal und dann fing es aber wieder an.
Florian Bayer: Ja, genau.
Johannes Franke: Also irgendwie hatten sie, ich weiß nicht genau, nach welchem Konzept er sich überlegt hatte, jetzt letzen wir es aus und jetzt fangen wir wieder damit an. Ja, war das vielleicht ihre Wahrnehmung, dass sie in dem Moment alles so verkürzt wahrnimmt, dass sie so bestorientiert ist? Ja. Ja, jedenfalls hört sie am Telefon ja dann so Hilferufe und Schreie oder was, lügt aber die anderen an und sagt ihnen, dass sie jetzt irgendwie jemanden ruft oder jemanden abholt. Sie geht die Polizei holen. Genau, sie geht in die Stadt und holt die Polizei, sagt sie. Und dann sperrt sie sie im Haus ein und das Haus hilft dabei mit. Genau, da gehen einfach alle Türen und Fenster zu.
Florian Bayer: Und dann gibt es diese tolle Musical-Szene, ist Angel oder beziehungsweise Gorgeous, ist sie besessen, sie tanzt dann umher und singt. Stimmt, da draußen im Wald. Genau, und eine ganz melancholische, schöne Szene, wirklich eine Musical-Szene und sie jongliert mit den Ehrlichtern. Ja, krass. So Wald, Sumpf, ich weiß nicht genau, wo sie da unterwegs ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das ist plötzlich so ein kurzer, kompletter Bruch mit der Ästhetik, die sich ja die ganze Zeit radikalisiert hat und es wurde immer schriller. Aber dann gibt es wirklich diesen Moment, wo der Film innehält und wir einfach eine schöne Szene sehen, wie sie mit den Ehrlichtern tanzt und ein Liebeslied singt.
Johannes Franke: Tja, warum auch immer, aber irgendwie ist es schön. Ja, es hilft tatsächlich an der Stelle einmal auszuruhen und sich darauf vorzubereiten, dass jetzt gleich wieder, also die Ruhe vor dem Sturm einmal, finde ich ganz nett. Da kommt kurz danach der denkwürdige Satz von irgendeinem dieser Mädchen. Es ist ja wie im Horrorfilm. Ja. Und du denkst ja, well done.
Florian Bayer: Okay. Und dann wird es auch wirklich einfach nur noch laut. Es geht los mit dem Klavierspiel. Melody spielt Klavier. Mhm, genau. Hat sie davor schon gemacht. Und dann werden ihre Finger abgebissen. Und das ist auch der Moment, wo der Film blutig wird und zwar ordentlich.
Johannes Franke: Ja, und wo der Film so blutig wird, dass man es schon wieder nicht mehr ernst nehmen kann. Also auch sehr verdünnt und sehr, wir mussten hier ganz viel Blut dran schaffen, also legen wir nicht so viel Wert auf. Ja, genau. Und auch ihre Finger sind abgebissen und sie guckt sie sehr neugierig erstmal an, bevor sie wieder diese Comicverzögerung in der Reaktion. Das ist faszinierend.
Florian Bayer: Oh, shit.
Johannes Franke: Und dann wird der Rest der Hand abgebissen.
Florian Bayer: Ja, dem Klavier reichen nicht die Finger und dem reicht auch nicht die Hand. Ja, genau. Weil sie wird dann komplett gegessen. Und das ist auch der Moment, in dem die Musik kippt. In dem die Musik auch plötzlich lautes, hysterisches Geklimper wird. Sie wird von dem Klavier gefressen. Und dann ist ein einziges Gekreiche und Lärm und Chaos.
Johannes Franke: Und auch diese Schnitt- und Effektorgie, die dann jetzt passiert, fand ich schon wirklich beeindruckend, muss ich mal sagen. Für diese Zeit und für diese, also das Tempo und man sieht vielen Frames an, dass sie doch relativ viel Arbeit gekostet haben. Ja. Und die haben sie innerhalb von ein paar Sekunden alle verwurstet und es muss viel Arbeit gewesen sein.
Florian Bayer: Ja, und nicht einmal so aus dem technischen Standpunkt, also das war nicht, das war nicht topnotch, was Technik betrifft damals, aber aus einem kreativen Standpunkt, wie viele fucking Ideen man in einen Film einfließen lassen kann, was Bildsprache betrifft. War schon krass. Und dann auch nicht sich draufsetzen zu sagen, hey, wir haben hier ein schönes Bild, guckt euch das an, sondern in einer irren Schnittabfolge, sodass auch Bilder einfach verloren gehen. Und so Zeichentrickfiguren und bunte Farben und Köpfe, die mit Blue Screen irgendwie, Köpfe, die durch die Gegend fliegen, andere Körperteile, die durch die Gegend fliegen, Gegenstände, die sich selbstständig machen. Kung Fu darf wieder kämpfen und kämpft gegen alles Gespenstiche, was da irgendwie ist.
Johannes Franke: Die waren inzwischen im Herzstück des Hauses, glaube ich, angekommen mit dem Uhrwerk.
Florian Bayer: Genau, Sweetie ist in der Uhr eingesperrt. Und es wird blutig. Es wird blutig, sie wird von den Zahnrädern zerquetscht, zerrissen, ich weiß es nicht genau, aber es wird blutig. Ja, und dann sind sie irgendwann nur noch in einem Meer von Blut. Genau, sie baden. Und schwimmen da rum. Ja, sie drohen in dem Blut zu ertrinken. Aber sie erfahren vorher noch die Wahrheit, was tatsächlich los ist. Das Buch. Weil unsere intelligente, belesene Prof, die kriegt dieses Buch, in dem dann drin steht, was mit der Tante los ist. Und die Wahrheit ist, die Tante ist ein Geist. Die Tante hat nie existiert. Die hat existiert. Die ist schon lange tot. Und sie ist, was auch vorher bei dieser Zugfahrt schon angedeutet wird, sie hat einen Mann, der im Krieg stirbt wahrscheinlich, der verloren geht. Und sie kann das nicht ertragen und sie wartet die ganze Zeit auf ihn. Er hat versprochen, dass er wiederkommt. Und sie dann heiratet. Sie sind noch nicht mehr verheiratet. Ich glaube, es war ihr Verlob da.
Johannes Franke: Kann sein.
Florian Bayer: Und ihr Heiratswunsch erfüllt sich nicht und sie wartet und wartet, dann stirbt sie einen einsamen Tod. Und sie frisst junge Mädchen. Genau. Unverheiratete Mädchen. Unverheiratete Mädchen. Das ist ganz wichtig. Um wieder diese Kraft zu spüren, um zurück ins Leben zu kommen. Und unsere Protagonistin Angel ist quasi die, die ihr diese Mädchen bringt. Und sie verschwimmt dann auch irgendwie mit ihrer Tante. Sie sagt auch irgendwann, sie ist jetzt in ihrer Welt. Genau, sie ist jetzt in ihrer Welt. Sie ist jetzt eine Dienerin von ihr. Sie ist ein Ghoul. Sie ist vielleicht auch einfach besessen von ihr. Aber genau, dieser Plotfest ist eigentlich total nebensächlich. Weil was dann passiert, ist einfach das Chaos.
Johannes Franke: Genau. Das Chaos will sich einmal austoben mit allem, was ihm so zur Verfügung steht an Mitteln. Mit Blut und Effekten und mit allen möglichen Symbolsachen auch. Wo man immer wieder nicht genau weiß, was man... Wow, was steckt da alles drin?
Florian Bayer: Kung-Fu kriegt wieder einen ordentlichen Kampf. Das ist das, was ich vor allem aufgeschrieben habe. Sie darf noch einmal gegen alles Gespenstliche kämpfen. Stimmt. Und gegen diverse Gegenstände treten, die sie angreifen. Sie kämpft dann auch gegen Angel. Und sie stirbt dann allerdings, indem sie elektrisiert wird.
Johannes Franke: Stimmt, ja. Von dieser Lampe, die da von der Decke kommt. Und sie quasi angreift. Sie steckt da so ewig in dieser Lampe drin und schwingt mit dieser Lampe mit und elektrisiert.
Florian Bayer: Nee, das ist total bizar, wie diese Mädchen dann am Schluss sterben. Auch wie Sweetie in dieser Uhr drin entdeckt. Und wir sehen nicht so genau, was mit ihr passiert. Aber wir sehen, dass diese Zahnräder offensichtlich irgendwie ihrem Körper etwas antun.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und es ist, ja, es ist einfach nur noch irre am Schluss. Diese Bildsprünge und dieses Chaos.
Johannes Franke: Und dann schneidet er heraus auch noch, um diesen Typen zu zeigen, der doch noch versucht zu kommen. Mr. Togo.
Florian Bayer: Der Held.
Johannes Franke: Wo ich am Anfang, also nicht am Anfang, sondern zwischendurch, dann dachte halt eben, okay, der Film will jetzt darauf hinaus, dass der Mann kommt, um sie alle zu retten. Von wegen. Von wegen. Der ist dann halt in Bananen verwandelt und das war's mit der Geschichte. Und ich denke mir, hä, hätten wir diesen Typen uns nicht auch übersparen können? Der hat nichts gemacht.
Florian Bayer: Der hat sich verfahren, der hat im Stau festgehangen, der wurde angemotzt. Das ist so der totale Depp und Loser. Aber das ist so toll, dass das so kontrastiert wird. Ja, ja, ja, ja. Weil Fantasy hat halt bis zum Ende gehofft, dass ihr Retter kommt, um sie alle zu erlösen. Und wie gesagt, er ist ein Mann, er ist ein Erwachsener, er ist irgendwie komplett unbrauchbar für diese Handlung. Und das Letzte, was wir von ihm sehen, ist wie gesagt, Bananen, Bananen, Bananen. Und dann sehen wir halt nur noch die Bananen anstauen, wie du schon sagst, in seinem Auto schön angeordnet sind.
Johannes Franke: Ich überlege gerade, welches Bild der geneigte Zuhörer gerade von diesem Film hat, wenn er ihn nicht gesehen hat. Das muss ja völlig chaotisch sein. Man kann es auch wirklich nicht beschreiben, der Film ist auch chaotisch, wenn man ihn sieht. Ja. Und dann kommt auch noch die angeheiratete Mutter, also die Stiefmutter. Genau, am nächsten Morgen. Am nächsten Morgen, wenn sich alles ein bisschen beruhigt hat und eigentlich alle tot sind, kommt sie noch, um eben ihre Stieftochter da irgendwie, weil sie sich in den Kopf gesetzt hat, sie da retten zu müssen oder was. Obwohl sie gar nicht weiß, dass sie in Schwierigkeiten steht. Egal. Jedenfalls hat sie sich in den Kopf gesetzt, da hinzufahren. Und dann macht sie das und jetzt kommt dieses etwas undurchsichtige Ende. Weiß ich nicht.
Florian Bayer: Sie kommt an und fragt, wo sind die anderen Mädchen?
Johannes Franke: Und Oshare sagt zu ihr, naja, die schlafen noch.
Florian Bayer: Und wenn sie aufwachen, werden sie sicher Hunger haben. Genau. Und dann gibt sie ihr die Hand, ganz ruhig reicht sie ihr die Hand rüber und dann wird sie in Flammen gesetzt. Aber ohne großen Schrei und ohne großes Drama, sie wird halt einfach verbrannt.
Johannes Franke: Ja. Aber der Film zeigt uns noch einen Ehering. Ja. Ist das ein Ehering oder habe ich das falsch interpretiert? Weil eigentlich hieß es ja, das sind nur unverheiratete Frauen. Ja. Verkonsumiertes Haus und...
Florian Bayer: War das ein Verlobungsring? Weiß ich nicht. Weil es wurde ja eigentlich nur angedeutet, dass sie heiraten wollen. Und dann hat sie ja gesagt, ich möchte, also Oshare war ja wütend auf ihren Vater, weil er neu heiraten will. Und dann sagt diese Ryoko, pass auf, ich werde Oshare besuchen gehen, wenn sie bei ihrer Tante ist. Und wir werden schön Zeit mit Ländern da verbringen und dann werden wir uns schon versöhnen. Und dann wird sie mich als ihre Stiefmutter akzeptieren. Deswegen habe ich das gar nicht so gelesen, dass sie jetzt verheiratet war, sondern nach wie vor unverheiratet. Und dass sie einfach ein nächstes Opfer ist. Was man natürlich als Interpretationsebene anbieten könnte, wenn man ein bisschen in die Tiefe gehen will. Ich weiß nicht, ob das dem Film gerecht wird. In die Tiefe zu gehen. Dass die Tante in dem Moment für Oshare als Verbindung zu ihrer Mutter so ein bisschen auch die Rächerin ihrer Mutter ist. Sie ist die unverheiratete Frau. Und es gibt sowas wie eine Familienehre hier. Und der Vater will jetzt eine andere Frau heiraten. Er bringt einen Fremdkörper in die Familie herein. Zumindest das, was Oshare wahrnimmt. Und diese Verbindung mit dem Geist von ihrer Tante ermöglicht ihr, sich dann als Rächerin zu fungieren und zu sagen, du kommst nicht in unsere Familie. Du wirst jetzt verbrannt. Und die dann zu vernichten. Also wir haben hier eigentlich eine ganz klassische Familiengeschichte. Es gibt die Mutterlinie und es gibt die Vaterlinie. Und die Vaterlinie verrät die Mutterlinie, indem sie eine neue Frau ins Leben bringt. Und die Mutterlinie rächt sich mit allem, was sie auffahren kann. Das sind Tochter und Tante in dem Fall.
Johannes Franke: Also ich würde nicht sagen, dass man dem Film gerecht wird, indem man sagt, das ist eine klassische Familiengeschichte.
Florian Bayer: Und es ist ja auch das Haus der Großmutter. Es ist ihr Haus. Das ist das Haus dieser Familie, des mütterlichen Zweiges. Und Oshare fühlt sich ja offensichtlich auch dem mütterlichen Zweig verbunden. Deswegen ist sie so wütend auf ihren Vater. Und sie guckt sich dann ja auch noch Fotos an, ganz am Anfang. Wenn der Vater sagt, ich will jetzt neu heiraten und sagt, ach Mama, ich vermisse dich. Und wie kann Vater uns das nur antun? Er verrät uns. Es wird hier schon angeboten, dass es hier diese Ebene gibt. Es war so cheesy alles. Oh Gott, natürlich. Ein Trief-Kitsch. Ich glaube, man muss da keine psychoanalytische Ebene draufpacken. Ich finde, der Film hat einfach Spaß gemacht in seiner Kindlichkeit. Und vor allem in diesem Zusammenspiel von kindlich-naiven Kitsch. Diesem Exploitation, was kommt. Darüber können wir vielleicht gleich noch ganz kurz reden. Weil es gibt da natürlich auch Nacktszenen, in der Horror kommt. Es gibt diese Badezene von Oshare. Und die ist schon eindeutig Fleischbeschau. Ja. Ja, diese Momente hat er, wie mehr kann ich dazu eigentlich gar nicht sagen. Diese Momente hat er auch. Er hat einfach diese Exploitation-Momente, in denen er auch ein bisschen Fleischbeschau ist. In denen er sich auch daran ergötzt, seine jugendlichen Protagonistin vorzuführen. Ja. Und dann zu zermetzeln. Eben mit diesem klassischen Voyeurismus, den man aus dem Exploitation-Kino der 70er-Jahre kennt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das ist einfach da.
Johannes Franke: Punkt. Aber es ist nicht so wahnsinnig viel. Es gibt einmal im Bad was. Und es gibt einmal dann später eben in diesem Riesenchaos, wenn sie im Blut, im Grunde im Blut schwimmen. Ja. Da ist sie dann auch nochmal so, oder? Wie war das?
Florian Bayer: Ja, da ist sie dann auch nochmal, genau, dann gibt sie, wenn sie ihre Brust freigibt am Schluss.
Johannes Franke: Auch das noch, stimmt, ja. Na, Gorgeous, oder nicht?
Florian Bayer: Ja, Gorgeous und dann aber noch eine andere, die dann zu ihr geht. Ach so. Ich glaube, ist es Kung-Fu? Nee, Kung-Fu wurde elektrisiert. Ist es Fantasy? Vielleicht, ja. Ich weiß es auch nicht mehr ganz sicher, aber ja, es gibt diese Momente. Und zu den Exploitation-Momenten gehört natürlich auch zum Beispiel diese Martial-Arts-Szenen. Das ist einfach so typisch, diese Kampf-Szenen noch einzubauen, noch ein bisschen Action zu haben. Auch mit dieser wirklich coolen Heldin. Also Kung-Fu ist eine coole, kämpfende Heldin. Auch wenn sie dasselbe Schicksal erleidet wie alle anderen Protagonisten, hat sie ihre tollen Momente, in denen sie sich beweisen kann.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Sehr, sehr schön.
Florian Bayer: Aber ja, wie gesagt, es ist einfach diese Mischung aus Kindlichkeit, Exploitation und dann aber obendrauf immer wieder dieses Künstlerische, immer wieder dieses Experimentelle. Und das macht den Film für mich besonders und auch stark.
Johannes Franke: Also mein kleines, sind wir schon bei Schlussworten? Wir sind offensichtlich beim Schlussfazit. Also mein Schlussfazit, du darfst danach nochmal, wenn du möchtest, wäre, dieser Film ist von allem zu viel. Aber durch dieses von allem zu viel ist er irgendwie sehr, sehr unterhaltsam. Ja. Und ich bereue nicht im geringsten, ihn mir angeschaut zu haben und danach auch nochmal so ein bisschen recherchiert zu haben und so, weil ich einfach fasziniert war.
Florian Bayer: Ja, das kann ich nur unterstreichen. Also er ist definitiv kein Jaws, kein weißer Hai made in Japan geworden und er ist, was viel besseres geworden ist. Vielleicht ist er, also ich, vom Gefühl her, so vom Look and Feel, ist es für mich so ein bisschen eine japanische Variante von Suspiria. Es hat diese schrillen Töne auch, diese schrillen, lauten und auch diese musikalischen Töne, Farben kombiniert mit Blut. Aber dann auch nochmal einen obendrauf gesetzt, irgendwie noch ein Stück farbenfroher, noch ein Stück wagemutiger. Er verliert sich halt irgendwie wirklich so ein bisschen in dieser Mischung aus Kindermärschen, Fantasy, Kitsch und Horror und Experimentalfilm und Spukgeschichte und was sonst noch alles. Und es gibt eigentlich keinen wirklichen Kern mehr. Also man braucht gar nicht nach dem Kern von ihm zu suchen. Aber vielleicht muss dieser Kern auch gar nicht gefunden werden, weil dieses Over-the-Top und dieses Alles-Drauf- und noch einmal durchgerührt, das funktioniert einfach und sorgt für ein einmaliges Filmerlebnis.
Johannes Franke: Ja. Das ist schon beeindruckend.
Florian Bayer: Ja. Danke, Johannes. Danke, Flur, dass du mir gezeigt hast.
Johannes Franke: Ja, danke, dass du ihn geguckt hast und dass er dir gefallen hat. Schön. Dann machen wir jetzt eine Pause und gehen in den zweiten Film. Ja, bis gleich. Bis gleich. So, herzlich willkommen, Plur, zurück zum zweiten Teil. So, oh Gott, ich bin so aufgeregt. Ich mag diesen Film so sehr und jetzt ist es wie bei meinem 50er-Jahre-Film, wo ich gehofft habe, dass du mich nicht... Nee, welcher Film war das? Doctor Who? Doctor Who, wo ich echt Angst hatte. Oh Mann. Okay, also, ich gebe mal eine kleine Einführung in den Film und danach können wir uns ja streiten. Ich bin doch gar nicht so cringe-mäßig drauf. Naja, aber manchmal so bei so manchen Sachen und der Film hat schon so seine Kitsch-Momente und manchmal hast du da so Schwierigkeiten mit. Deswegen habe ich gerade so Sorge. Lass uns mal schauen, wo wir hinkommen. Okay, also, Ten Things I Hate About You. Die Rom-Com, also die romantische Komödie der 90er-Jahre von Jill Junger, äh, Younger, wie auch immer der ausgesprochen wird, über die Liebe, moralische und ethische Ideale und die Balance eben jener. Über Geschwister-Hassliebe, übers Erwachsenwerden und über Lebensentwürfe und deren Anfänge und Ursprünge. Als Vorlage diente Shakespeare's der widerspenstigen Zähmung und wurde einer bitter nötigen Modernisierung unterzogen. In eine Highschool verlegt und quasi zur Teenie-Komödie umgebaut. Oder vielleicht doch mehr als nur eine Teenie-Komödie? Plur, was meinst du?
Florian Bayer: Da lässt du mich hängen? Da lasse ich dich hängen. Mehr als eine Teenie-Komödie? Gute Frage. Also, was er auf jeden Fall nicht ist, ist mehr als ein 90er-Film. Dieser Film schreit gerade zu 90er-Jahre. Aber sowas von. Und alles daran. Und das Schöne daran ist, dass er aus dem Jahr 1999 ist. Ja. Und damit natürlich auch ein perfekter Abschluss der 90er-Jahre. Toll, oder? Weil er wirklich ein letzter, ja, vielleicht nicht der allerletzte, aber einer der letzten Blick auf eine unbeschwerte Zeit ist, bevor wir dann 2001 von 9-11 alle niedergerauscht wurden.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber hier darf noch einmal alles so wunderbar optimistisch und positiv und fröhlich sein, wie wir es aus den 90ern in Erinnerung haben. Ja. Und auch so klischeehaft und auch so albern und auch so infantil. Und das ist ein Zeitdokument. Eigentlich gehört der Film in ein Museum. Also, alles. Die Musik, die Kleidung, die Sets, die Story. Ich meine, ja, Shakespeare dient irgendwie als Vorlage.
Johannes Franke: Aber natürlich ist es so 90er. Alles ist daran 90er. Das ist vollkommen richtig. Und ich glaube, das ist auch einer der Gründe, warum ich den Film so liebe. Wir sind in den 80ern geboren.
Florian Bayer: Johannes und ich haben dasselbe Geburtsjahr, glaube ich. Vielleicht bist du ein Jahr später geboren. Ich bin 83 geboren. Du bist 83, ich bin 82 geboren. Genau. Wir wurden damals, wir wurden so sozialisiert. Also, ich meine, ich war 17, als der Film rauskam. Ich kann mich auch noch gut daran erinnern. Und ich habe ihn, glaube ich, nicht im Kino gesehen. Aber ich werde ihn relativ früh als Video gesehen haben, weil ich kann mich erinnern, dass es damals zwei Teenager-Filme gab, zwei Teenager-Rom-Coms. Ja. Die ich in meiner Erinnerung auch immer ein bisschen durcheinander werfe. Und zwar ist das eine eben Zehn Dinge, die ich an dir hasse. Und das zweite ist Eine wie keine. Oh, okay.
Johannes Franke: She's all that.
Florian Bayer: Ja. Und Zehn Dinge, die ich an dir hasse, ist eindeutig und ohne Zweifel der bessere Film. Danke. Definitiv. Und es gab viele, viele, viele, viele schlechte Rom-Coms in der Zeit mit Teenagern. Ja. Und viele schrecklich billige, plumpe, hässliche Entleingeschichten. Das klassische Ding, sie traut sich nicht zum Ball, sie ist stark und selbstständig und unabhängig und wird dann gezähmt. Wirklich ganz klassisch im Sinne von der widerspenstigen Zähmung von Shakespeare mit allen sexistischen, missugrinen Dingen, die dazugehören. Und das ist dieser Film auch nicht. Wundervoll, oder? Lustigerweise, obwohl er der Film ist, der sich von der Story an der widerspenstigen Zähmung orientiert, ist er das nicht. Tatsächlich hat er einige, feministisch ist so ein großes Wort, aber ja doch, er hat einige feministische Momente und er schafft es auch nie zu sehr zum Zerrbild von dem Ganzen zu werden. Ja. Was natürlich daran liegt, dass er sich selbst nicht ernst nimmt und genau weiß, was er ist. Ja. Und sich auch ordentlich drüber lustig macht. Es reicht nicht, dass er es in Frage stellt. Das macht er nicht unbedingt. Er stellt diese Welt oder diese Art des Mediums, der Unterhaltung nicht in Frage, aber er spielt unglaublich gekonnt damit.
Johannes Franke: Schön, dann lass uns doch mal exploren, rausfinden, wo, an welcher Stelle und wie. Gleich am Anfang.
Florian Bayer: Gleich am Anfang. Wenn die Schule eingeführt wird und wir sehen, was für Klicken an dieser Schule unterwegs sind.
Johannes Franke: Das ist ganz wundervoll. Ich weiß nicht, woher kommt das, aber dieser Film macht das so wunderbar. Aber es gibt einen neuen. Der wird einmal rumgeführt. Von Nerd. Vom Nerd der Schule. Das ist die Clique. Das ist die Clique. Das sind die Mädchen, an die du niemals rankommen wirst.
Florian Bayer: Und diese Clique sind so toll. Wir haben die Slacker, die Politischen mit ihren Rasters, die eigentlich den ganzen Tag nur kiffen wollen und ab und zu mal eine politische Parole brüllen. Ganz toll. Wir haben die Juppies. Sie sind eigentlich die Liebsten, die dann am Footballfeld stehen mit ihren Golfschlägern und die Golfbälle aufs Footballfeld hauen.
Johannes Franke: Also völlig unmögliche Schule eigentlich, was das alles, wie klar klassifiziert alles ist und wie daneben die sich auch benehmen mit allem, jeder in seiner Art. Und jeder weiß, in welche Gruppe er gehört und das ist ein absolut starres System.
Florian Bayer: Und das ist unfassbar übertrieben pointiert in den ersten Minuten, wenn sie durch diese Schule gehen, wenn Cameron, der Neue, durch diese Schule geführt wird. Es ist fantastisch, was sie da zeigen. Und da sind die Jocks, die Footballer, die Sportler, das sind genau die hübschen Mädchen. Es sind alle dabei, alle Klischees, die man sich vorstellen kann aus dieser Zeit.
Johannes Franke: Und das Schöne ist, er baut die auf, um einige davon dann eben wieder einzureißen. So ein bisschen. Ja? Ja?
Florian Bayer: Erzähl mir mehr.
Johannes Franke: Vornehmlich natürlich an der Hauptfigur. Ja. An der einen weiblichen, also es gibt vier, fünf Hauptfigur.
Florian Bayer: Aber es gibt ganz glaren Zeitraum im Film und das ist Julia Stiles. Ja. Und sie stiehlt auch allen die Show. Wirklich allen, bis auf Heath Ledger. Ich würde sagen, einem jungen Heath Ledger die Show zu stiehlen, das muss man auch erstmal
Johannes Franke: hinkriegen und das gelingt Julia Stiles. Ja. Ich würde sagen, sie halten sich die Waage mal hier, mal da hin. Aber ich weiß nicht. Also der Charme, den Heath Ledger aufbauen.
Florian Bayer: Ja, Heath Ledger ist charmant, das ist seine Rolle, er ist charmant.
Johannes Franke: Oh, du kriegst es nicht hin. Das ist unglaublich. Ich bin der, ich bin unglaublich hetero, aber dieser Typ ist verflucht sexy.
Florian Bayer: Definitiv. Ich bin ganz bei dir. Aber es ist gut, dass wir uns jetzt so auf Heath Ledger und Julia Stiles stürzten. Damit kann man, dass der Protagonist des Films Cameron null Charakter hat. Tut mir leid.
Johannes Franke: Ja, leider. Aber auch die beiden. Und Joseph Gordon-Lavitt ist wirklich ein fantastischer Schauspieler. Er ist ein unglaublich toller Schauspieler.
Florian Bayer: Aber die Rolle in diesem Film hat null Charakter. Er ist einfach Plank Page für Publikum, für Identifikation.
Johannes Franke: Aber es ist nicht trotzdem toll, dass er es geschafft hat, über diesen Film hinaus zu wachsen? Also als Schauspieler dann aus diesem Film rauszugehen in eine Welt, die ihm wirklich alles möglich machte? Er spielt halt auch das, was ihm das Drehbuch vorgibt natürlich. Ja, natürlich.
Florian Bayer: Er spielt diese Rolle und die Rolle ist ganz klar so angelegt, wie gesagt, er ist einfach Plank Page. Er kommt neu an diese Schule. Er hat nichts mit diesen irren Klicken zu tun. Deswegen braucht er auch nicht irgendwas zu sein, sondern irgendwie soll sich jeder Jugendliche mit ihm identifizieren können. Aber dabei ist er natürlich unfassbar blass. Und dann bleibt eben doch die Rolle von Julia Stiles, jetzt hätte ich fast Bianca gesagt, aber sie ist die andere Cat. Genau, Cat. Bleibt als Identifikationsfigur, weil sie natürlich irgendwie auf ihre Art und Weise weiser ist und auch intelligenter als 99 Prozent aller anderen Figuren. Egal, ob es Schüler oder Lehrer oder die Direktorin mit ihrem Pornothek oder der Vater mit seinem Schwangerschaftsgürtel sind. Also Hand aufs Herz, alle Figuren in diesem Film sind Karikaturen und zwar der krassesten Sorte.
Johannes Franke: Ich finde das so großartig. Ich habe mich so gefreut nochmal, als ich es jetzt gesehen habe nochmal. Weil man kann Karikaturen auf die eine oder andere Art und Weise machen, aber er macht es mit so viel Liebe. Ja. Und ich finde es so toll, weil er nie spöttisch drauf schaut, nie böse, sondern immer mit einem liebenden Blick.
Florian Bayer: Ja, er hat viel Sympathie für seine Figuren und er hat auch Sympathie für ihren Konflikt und mögen sie noch so albern sein. Ich liebe die Szenen mit ihrem Englischlehrer. Ja, die sind großartig.
Johannes Franke: Ganz toll.
Florian Bayer: Oh mein Gott.
Johannes Franke: Eine tolle Figur.
Florian Bayer: Du führst dir damit auch ein. Genau. Das kannst du vielleicht aus deiner Sicht mal kurz erzählen. Es gibt eine Hassliebe, würde ich sagen, zwischen ihr und ihrem Englischlehrer. Ihr Englischlehrer weiß, dass sie intelligent ist und ihr Englischlehrer weiß, dass sie viel drauf hat. Das merkt man. Und gleichzeitig ist er komplett genervt von ihr.
Johannes Franke: Sowas von genervt von ihr.
Florian Bayer: Und es gibt quasi ein Spiel zwischen den beiden. Denn man weiß nicht so genau, wie ernst es ist und wie viel Spiel dahinter ist. Und ich glaube, der Film will auch gar nicht, dass man das so genau weiß. Aber das Spiel endet immer damit, dass er sie irgendwann aus dem Unterricht rauswirft, weil er total genervt von ihr ist, von ihren ständigen Zwischenfragen, von ihren ständigen Parolen. Und das Tolle ist, ihr Englischlehrer ist tatsächlich ein engagierter Lehrer, der die Schüler für Politik begeistern will. Ja, und das teilweise auch schafft. Und das auch schafft. Er ist Schwarzer und es gibt einen tollen Moment, wo er richtig erbost ist über ihre Parolen. Ganz toller Moment. Wo sie ausholt mit ihren feministischen Gedanken. Und er dann sagt, boah, ey, du verwöhnte Göre, die in der Vorstadt groß wird. Ich sage dir, was er sagt. Ich habe es aufgeschrieben. Ja, bitte.
Johannes Franke: I know how difficult it must be to overcome all these years of upper-middle-class-urban oppression. Genau. Must be tough.
Florian Bayer: Und er spielt das so toll. Und es ist natürlich auch so ein wahrer Kern in dieser Szene, weil er steht da als jemand, der sich, also er kriegt keine Geschichte, keine große Geschichte oder so, aber er steht da als jemand, der sich offensichtlich durchgeboxt hat und es schwer hat im Leben, im rassistischen Amerika. Ja. Das in den 90ern noch weitaus schlimmer war, als es heute ist. Und heute ist es immer noch so. Und er ist teilweise dann so genervt von diesen verwöhnten, reichen, mittelreichen Schülern. Auch ganz toll, als diese politischen Schüler sich auf seine Seite schlagen. Und er ihnen nur wirklich einen wütenden Blick zuwirft. Ja, weil sie so Rastafaris sein wollen, weißt du? Genau, sie sind so das Zerrbild der kulturellen Aneignung, so die weißen Jungs, die so ein bisschen Rebellen spielen. Ja. Und er guckt dann auch total genervt und wütend zu ihnen rüber. Don't let me even start on you guys. Daryl Mitchell ist der Schauspieler. Ich habe extra nochmal nachgeguckt, weil ich den so toll fand. Sehr schön. Und er hat leider nicht so viel gespielt. Er ist jetzt kein großer Schauspieler. Okay. Aber ich dachte so, hey, den kenne ich doch. Und ich kannte ihn vor allem aus Galaxy Quest. Ach. Wo er ein Teil des Teams ist. Und zwar war er in der klassischen Serie, die Galaxy Quest auf den Armen. Du kennst Galaxy Quest, oder? Ja, aber nicht wirklich gut. Eine Star Trek Parodie, in der es darum geht, dass Schauspieler, die in einer klassischen Star Trek Serie gespielt haben, damit konfrontiert werden, dass Aliens ihre Technik und ihre Philosophie kopiert haben. Und dann müssen sie in den Weltraum reisen. Toller Spoof-Film. Den hätte ich eigentlich auch in der Liste der besten Spoof-Filme nennen können. Okay. Und er spielt einen Piloten, der in der Serie immer als Kind aufgetaucht ist, aber mittlerweile erwachsen geworden ist. Ach. Und sich dann nicht anhören muss, ach, du bist aber groß geworden. Und davon total genervt ist. Toller Schauspieler. Ja, und auch wenn er wenige Minuten hat, zu wenige in diesem Film, habe ich mich jedes Mal gefreut. Vor allem auch die Dynamik zwischen ihm und Cat.
Johannes Franke: Ja. Ja, ganz fantastisch. Ganz toll. Später im Film, dann kommen wir nochmal drauf zu, wenn er sie nochmal rausschmeißt, weil er nicht verstanden hat, ob sie ihn jetzt verarscht. Großartig.
Florian Bayer: Es ist egal, es endet immer damit, dass sie rausfliegt.
Johannes Franke: Und ich weiß nicht, ob du den Film gut genug kennst oder ihn gut genug mochtest damals, als dass du diese ganzen Zitate, die man aus diesem Film mitnimmt. Also ich weiß nicht, wie oft ich schon gesagt habe, you can be underwhelmed and you can be overwhelmed. But can you just be whelmed? I think you can be in Europe. Was?
Florian Bayer: Es ist tatsächlich, diese Zähne habe ich auch aufgeschrieben, weil ich diese Frage, weil ich die zum einen sauwitzig fand und ich wirklich lachend, da saß vom Fernseher. Und zum Zweiten, weil sie so schön zusammenfasst, wie die zweite große Protagonistin in diesem Film ist, Bianca, die Schwester von Cat, die genau das Gegenteil von Cat ist. Cat ist die politisch Engagierte, die feministische, die ständig mit allen aneinander gerät, die ihren Außenseiterstatus genießt. Und Bianca ist die Unbedarfte, die dazu gehört, sie ist eins von den heißen, beliebten Girls, die mit ihrer besten Freundin unterwegs ist, die natürlich von vielen umworben wird. Keiner hat eine Chance, dazu kommen wir gleich, warum. Und ja, sie ist einfach so die klassische, coole Highschool-Prinzessin.
Johannes Franke: Will der Film es uns erzählen. Die aber ziemlich hohl ist. Ja, das will uns der Film erzählen, aber ich finde, dass sich das noch wandelt. Aber da kommen wir dann auch später.
Florian Bayer: Okay, dazu kommen wir gleich, ja.
Johannes Franke: Okay. Die erste Begegnung unseres Haars, mit dem wir mitfiebern wollen. Er kommt rein, Heath Thatcher kommt in, wie heißt der Patrick? Patrick, Patrick, glaube ich. Patrick. Patrick kommt zu spät in den Unterricht, fragt, was habe ich verpasst? Und nicht etwa der Lehrer antwortet, setz dich, sondern Kat antwortet, the oppressive patriarch values that dictates our education. Und er sagt, okay, gut, und geht wieder. Diese Trockenheit ist wirklich toll.
Florian Bayer: Großartig. Und sie haben von Anfang an eine wirklich coole Dynamik. Ja, weil es ist natürlich klar, dieser Patrick ist genau das, was sie abstoßend findet eigentlich an der Highschool. Er ist der vermeintliche coole Draufgänger. Er hat auch so einen leicht kriminellen Rufe. Er ist halt auch, er ist ein Klischee erstmal. Er ist irgendwie eine Karikatur. Er pflegt das auch. Und er pflegt das auch. Auch als Cameron drüber nachdenkt, wen er, ich will nicht zu schnell vorweggreifen, in den Schlüsselmomenten, bevor wir ihn näher kennenlernen, ist klar, dass seine Rolle ist, er ist der Kriminelle. Er ist der, der auch ein bisschen älter wirkt. Er ist der, der irgendwie gefährlich wirkt. Er hat halt einfach, er hat halt einfach so diese ganz klare Rolle. Und er ist der Draufgänger, der ständig Ärger kriegt und ständig im Büro von der Direktorin landet, die davon auch ziemlich genervt ist, weil sie eigentlich viel Besseres zu tun hat,
Johannes Franke: als sich um ihre Schüler zu kümmern, nämlich ihren Porno-Roman zu schreiben und ständig nach Synonymen für irgendwas sucht und ihre Schüler auch irgendwie mit befragt und so. Ja, eine ganz tolle Rolle, finde ich. Also natürlich völlig unrealistisch, aber super.
Florian Bayer: Es ist so ein bisschen ein Klischee, wie Jugendliche auf erwachsene Personen blicken. Sämtliche erwachsene Personen in diesem Film sind eigentlich Zerrbilder durch die Augen der Jugendlichen, die ihnen gewisse Rollen auch zuschreiben, so wie sie sich selbst Rollen zuschreiben und dann glauben, dass die Perfekten in diese Rollen passen. Und das wird auch nicht aufgebrochen, das ist aber auch nicht nötig, weil die erwachsenen Personen, vielleicht abgesehen von dem Englischlehrer, den ich wirklich spannend fand, den ich gerne viel mehr gesehen hätte, weil die erwachsenen Personen auch wirklich eigentlich nur als Bouncing Balls dienen für die Jugendlichen, die sie hin und wieder mal reinlegen, hin und wieder mit ihnen konfrontiert werden und irgendwie versuchen, sie zu besiegen in diesem täglichen Kampf Jugend gegen Erwachsene. Aber sie ist witzig dabei, also sie hat mich auch so ein bisschen erinnert. Parker Lewis, diese Serie Anfang der 90er, die hatte auch so Klischee Erwachsene. Da war die Direktorin anders, aber da war es genauso. Da waren das so Zerrbilder und es war klar, so stellen sich Jugendliche die Erwachsenen vor, wie Erwachsene handeln, wenn sie nicht dabei sind. Und es ist natürlich eine tolle Vorstellung, dass deine Direktorin heimlich an einem Porno-Roman arbeitet, sein zweites Leben hat.
Johannes Franke: Wirklich schön. War auch gut umgesetzt und die Schauspielerin hat es toll gemacht. Ja, super. Ja, dann wird natürlich gleich gezeigt, erst mal, wer wie, auf welche Art und Weise flirtet oder versucht zu flirten und wie jemand auf Flirtversuche reagiert. Kat natürlich sehr, sehr, sehr ablehnend auf alles, was ihr entgegengeworfen wird, von Joey zum Beispiel, der wirklich sich durch den Film durchekelt.
Florian Bayer: Joey wird von Anfang an als der absolute Ekel inszeniert. Es ist auch keine Frage, wir sehen ihn zum ersten Mal mit seinen schmierigen Haaren und seinem arroganten Blick und wir wissen, hier haben wir unseren Antagonisten. Und das wird sich auch nicht ändern. Also wenn es darum geht, Klischees aufzubrechen, das Klischee des bösen Gegenspielers, der komplett selbstsüchtig ist und einfach ein arroganter Arsch, das wird nicht aufgebrochen. Wir haben hier unseren Fiesling und wir lieben es, den gesamten Film über ihn zu hassen.
Johannes Franke: Und ich finde, dass er so ein paar Szenen hat, wo man merkt, dass der Schauspieler eine gewisse Ironie mitbringen muss, um das spielen zu können. Und ich finde es toll, dass er das so geschafft hat, diese Rolle dann auch so durchzuziehen. Weil es ist nicht selbstverständlich in dem Alter, als Schauspieler, auch als Schauspieler, eine gewisse ironische Distanz zur eigenen Figur entwickeln zu können.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und die hat er. Er hat Spaß an seiner Fiesheit.
Florian Bayer: Und er wird auch, es ist teilweise wirklich cartoonhaft überzeichnet, auch wenn er dann später was auf den Deckel kriegt, was ab und zu vorkommt, freut man sich jedes Mal drüber auch einfach, weil seine Reaktionen so toll sind, weil es die Reaktionen sind, die man sich wünscht, wenn der Fiesling endlich mal in den Magen geboxt wird.
Johannes Franke: Wie er auf dieser einen Party, viel später, einmal noch zwei Posen vormacht. Einmal die Unterwäschepose und einmal die Bademodenpose. Und es ist genau die gleiche Pose und steht einfach nur da.
Florian Bayer: Es ist doch auch ganz am Anfang, wenn er Bianca seine Fotos zeigt, mit dem einmal im weißen Shirt und einmal im schwarzen Shirt. Hey, was findest du sieht besser aus? Und es ist genau das gleiche. Es ist genau das gleiche Bild. Er hat einmal ein weißes Shirt an, einmal ein schwarzes Shirt. Und das ist für ihn eine lebenswichtige Frage. Er ist Model. Es ist total wichtig für ihn und es ist ganz klar, da ist nichts zwischen den Ohren. Ja, nichts.
Johannes Franke: Super. Aber es scheint zu funktionieren. Er ist Mädchenschwarm, ne? Ja, irgendwie. Und Bianca fällt ja erstmal drauf rein so ein bisschen. Komplett. Und das ist auch noch die Phase des Films, in dem uns der Film erzählen will, dass Bianca auch eine hohle Nuss ist und eben auf diesen Typen so abfährt und reinfällt. Während Joseph Gordon-Lewitt eben versucht, sich so langsam ranzurobben und für sie französisch
Florian Bayer: lernt. Cameron kommt in diese Schule neu, wird von dem Geek rumgeführt. Und eine der ersten Personen, die er sieht, ist Bianca und er ist instant verliebt. Das ist die Frau seiner Träume. Er will mit ihr ausgehen. Und schön finde ich übrigens, dass Cameron, ja, das ist halt dieses Ding, Cameron ist halt diese Blank Page. Das finde ich tatsächlich schön, dass er nicht als der Außenseiter inszeniert wird. Solche Filme machen es sich oft so leicht, dass sie die Liebesgeschichte machen. Wir nehmen als Sympathieträger einfach mal den Außenseiter, den Nerd, der sich dann irgendwie selbst behaupten kann. Und das machen sie mit ihm nicht, weil sie ihn halt so als Blank Page haben. Das heißt, er ist auch jetzt nicht der schüchterne Außenseiter, sondern ihm ist klar, hey, ich bin in sie verliebt, ich will sie ansprechen. Ich will sie um ein Date bitten. Ja, ich kümmere mich da jetzt um. Und das finde ich ganz gut, dass er tatsächlich so weit allgemein gefasst ist, dass er auch nicht dieses Stereotyp des schüchternen, hilflosen, der nicht weiß, wie er mit Mädchen sprechen soll, sondern er ist wirklich so, irgendwie findet jeder in dieser Figur was, womit er sich identifizieren kann.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Ja. Aber es ist schon so, dass ich oft da sitze und denke, was hat er, irgendwas hat er, aber was, ich weiß, keine Ahnung, irgendwie.
Florian Bayer: Er ist einfach, er ist eine Silhouette für uns, in die wir uns reinbegeben dürfen. Ja. Ich habe tatsächlich, also dafür bin ich wahrscheinlich zu weit weg vom Teenager-Alter, ich konnte mich mit ihm nicht identifizieren. Ja. Es gibt so das schreckliche Moment, dass man anfängt, Teenager-Filme zu gucken und feststellt, dass man sich mehr mit den Erwachsenen identifiziert, also mit den Kids und dann denkt man, shit, ich bin alt geworden.
Johannes Franke: Lass uns mal in der Story ein bisschen voranschreiten, denn der eigentliche Turning Point, der jetzt ja die Geschichte ins Laufen bringt, ist, dass Papa von den Geschwisterpaar Bianca und Kat Kat sagt und sich sehr clever dabei fühlt, solange Kat kein Date hat, darf Bianca auch nicht daten. Das sagt er natürlich nur, weil er weiß, dass Kat nun gar kein Interesse daran hat, auch nur irgendjemanden, auch nur aus der Ferne zu sehen. Genau. Also Männer oder überhaupt irgendjemanden, der ...
Florian Bayer: Wir haben jetzt schon so viel über Karikaturen gesprochen, wir müssen einmal sagen, was dieser Vater von den beiden, dieser Walter ist, der ist die Karikatur eines overprotected parents, ganz krass. Ganz schlimm. Er hat Angst vor allem, was ihn widerfahren könnte und ihm ist klar, er will auf keinen Fall, dass Kat, wenn sie mit der Schule fertig ist, woanders studiert als direkt neben dem Haus. Mhm, damit er die Kontrolle nicht verliert. Genau. Und er will auf keinen Fall, dass Bianca ausgeht, weil ganz klar ist, sie könnte schwanger werden.
Johannes Franke: Sie wird sofort schwanger, sobald sie jemanden küsst, jaja.
Florian Bayer: Wenn er etabliert wird, wird das noch nicht gezeigt, aber wir können trotzdem schon mal vorweggreifen, es gibt diesen Gürtel, den er hat, um seinen Töchtern zu zeigen, wozu es führen kann, wenn sie auf Partys gehen, wenn sie Sex haben, wenn sie promiskuitiv sind und zwar zur Schwangerschaft. Dann hat er einen Schwangerschaftsgürtel.
Johannes Franke: Und wenn man den aufsetzt, dann kriegt man da so ein bisschen die Gewichtsverteilungen. Hier ist der Bauch, die Brüste werden größer, alles das. Und das scheint etwas zu sein, was er öfter macht, denn die beiden gucken ihn schon sehr wissend an, wenn er sagt, bring den Gürtel.
Florian Bayer: Bring den Gürtel.
Johannes Franke: Oh nein, ich habe wieder dieser Gürtel. Ich habe wieder dieser Gürtel.
Florian Bayer: Sie müssen ihn dann anziehen, einfach damit sie wissen, wie das ist, schwanger zu sein. Und damit sie bloß nicht auf die Idee kommen, irgendwas Unzüchtiges zu machen. Übrigens auch toll gespielt, Larry Miller. Großartiger Schauspieler. Er spielt diese Karikatur herrlich und man hat die ganze Zeit Spaß, ihm zuzugucken. Ja. Seine Ängste sind total überzeichnet und man hasst ihn dafür auch ein bisschen, aber er schafft es, das so zu spielen, dass die Figur trotzdem auch liebenswert ist.
Johannes Franke: Und vor allem schafft er es, dass man am Ende mit ihm mitfiebert, wenn er seinen Turning Point hat. Also sich da einmal, was lernt denn doch.
Florian Bayer: Aber genau, er will seine Töchter beschützen und Bianca will natürlich unbedingt ausgehen. Patrick baggert auch die ganze Zeit an ihr rum. Nicht Patrick, der andere. Und eigentlich galt immer, niemand geht aus. Und dann sagt sie, das ist unfair und das ist ungerecht. Und dann sagt er, okay, pass auf, neue Regel, du darfst ausgehen, wenn Cat ausgeht. Weil er einfach, wie du schon gesagt hast, davon ausgeht, Cat wird nicht ausgehen. Und damit behalte ich die beide im Haus. Perfekt. Zum Ende der Geschichte.
Johannes Franke: Aber, aber, aber. Damit hat er ein Schlupfloch erschaffen, von dem er nicht wusste, welches Monster er da mitbringt. Joseph Gordon-Lewitt kommt auf die großartige Idee mit seinem Kumpel zusammen, der übrigens auch ganz toll gespielt hat. Ja. Ich hab seinen Namen gerade nicht parat. Sympathisch, süß. Ein toller Typ.
Florian Bayer: Er hat natürlich auch so ein bisschen Geek-Karikatur.
Johannes Franke: Eher, ja, aber super.
Florian Bayer: Aber er kriegt ja auch eine eigene Story, er kriegt eine eigene Liebesgeschichte.
Johannes Franke: Ja. Nehme ich mit. Finde ich schön, ne? Ja. Und die beiden Baldobern halt den Plan aus, dass sie der Schwester, also Cat, ein Date besorgen, damit Bianca endlich ausgehen kann. Damit Cameron mit Bianca ausgehen kann. Während Joey auch darauf wartet, mit Bianca auszugehen. Und eigentlich auch die erste Reval ist zur Zeit noch.
Florian Bayer: Und wer könnte dazu besser geeignet sein, als der möchte gern James Dean der Schule? Patrick. Patrick. Patrick wird bestochen, um mit Cat auszugehen. Genau. Ja, sie schaffen das auch tatsächlich relativ schnell, ihn mit Geld einfach zu überzeugen. Ja, also er handelt ganz gut, ne? Ja, er kann gut handeln. Er schlägt ein bisschen was raus. Aber er denkt sich dann nicht, ich nehme das Geld mit. Warum nicht? Klar. Genau, er nimmt das Geld und er denkt auch, kein Problem, ich hab dir total schnell um den Finger gewinkelt. Genau.
Johannes Franke: Ich hab ja mein Bad Boy Image und da stehen sie ja alle drauf. Genau. Und dann spricht er sie an und sie reagiert erstmal nicht so. Ja.
Florian Bayer: Stellt sich heraus, dass das Ganze schwieriger ist, als erwartet. Weil sie natürlich überhaupt keinen Bock hat auf diesen Möchtegern-Rebell. Ja, genau, weil sie sofort durchschaut, was da los ist. Ja. Eigentlich baut das die ganze Zeit darauf auf, dass sie irgendwie von der Seite angemacht wird. Ja. Egal von wem. Und dass sie immer direkt den passenden One-Liner-Apparat hat. Egal, ob es gegen ihre Schwester geht, ob es gegen Joey geht oder eben gegen Patrick.
Johannes Franke: Genau. Und jeder, der sie angesprochen hat, liegt dann mental auf dem Boden.
Florian Bayer: Und sie genießt auch diese Rolle. Sie ist halt nicht nur das, sie ist nicht das Mauerblümchen, sie ist nicht die Außenseiterin, die einfach vom richtigen Prinz geküsst werden muss, sondern sie ist ganz bewusst, obwohl sie sieht gut aus, sie ist sportlich.
Johannes Franke: Genau, und das ist es eben nicht, dass dieses Aschenputtel-Prinzip von den anderen Filmen, und das finde ich eben so toll an dem Film, dass sie nicht irgendwie nur aus sich rauskommen muss oder noch irgendwas Tolles lernen und irgendwie die Brille abnehmen muss und schon ist sie wunderschön.
Florian Bayer: Das ist immer so schlecht in diesen Fünf. Das hässliche Entlein, und sie kommt dann, das hässliche Entlein kriegt eine Brille und einen Dutt. Und man sieht ein wunderschönes Gesicht, auch wenn eine Brille drauf ist, auch wenn ein Dutt drauf ist. Das macht keinen Unterschied.
Johannes Franke: Oh Gott. Naja, und sie ist aber, sie ist einfach, sie ist wunderschön, sie ist schon sehr sportlich und kann tanzen, wie man auch später sieht, und sie bringt alles mit. Sie bringt alles mit. Und sie hat bloß einfach eine eigene Meinung.
Florian Bayer: Genau, und sie hat keine, sie hat nicht viele Freunde, sie hat eine beste Freundin, aber sonst hat sie auch keine großen sozialen Kontakte, aber sie hat auch keinen Bock auf die sozialen Kontakte. Ja, und man kann sie total verstehen. Sie zeigt jedem die kalte Schulter. Und natürlich, diese Highschool, die gezeigt wird, ist irgendwie eine Art Haifischbecken der dummen Leute. Und sie hat keinen Bock auf diese Typen. Natürlich hat sie keinen Bock auf diesen Joey. Und später erfahren wir noch mehr, dass es noch mehr Gründe gibt, warum sie keinen Bock auf ihn hat. Aber das bräuchte es gar nicht, weil es ist von Anfang an klar. Natürlich hat sie keinen Bock auf diese Hohlbirnen, die nichts Vernünftiges zu tun haben und die sich über nichts Vernünftiges unterhalten können und sich Gedanken darüber machen, ob man Whampt sein kann.
Johannes Franke: Apropos Whampt, ein Satz noch. Bianca sagt ganz am Anfang, und das ist der Satz, wo sich George Gordon-Lewitt in sie verliebt. There's a difference between like and love. I like my sketches, but I love my Prada backpack.
Florian Bayer: Und dieser Film macht es tatsächlich wirklich treist, dass er Figuren mit einem Satz, den sie bringen, charakterisiert. Sie sagt das und damit ist klar, wie ihr Charakter ist. Du weißt sofort Bescheid. Und du könntest das wahrscheinlich auf jede Figur anwenden. Ich weiß nicht mehr, was die erste Line ist, die Joey sagt. Wahrscheinlich irgendwas zu seinem Model-Ding. Wahrscheinlich. Und du weißt direkt, er ist das Ekel, das wir hassen sollen. Und Patrick genauso. Der sympathische Rebell, dem irgendwie alles egal ist und der keine Angst haben muss
Johannes Franke: vor nichts. Obwohl der am Anfang schon als, am Anfang weiß man nicht genau, ob er nicht einfach auch ein bisschen doof ist. Er sagt nicht viel und er ist einfach nur der Rebell, weißt du. Und dann entwickelt sich das. Dann merkt man plötzlich, ah okay, der ist nicht nur einfach Bad Boy, sondern der hat tatsächlich was in der Birne. Und der kann auch im richtigen Moment die richtigen Ratschläge geben.
Florian Bayer: Was ist denn seine erste Sprechrolle? Also er sagt zum ersten Mal, was wirklich ist, wenn er bei der Direktorin drin ist. Aber da ist es auch nicht viel.
Johannes Franke: Das ist auch nicht wirklich viel, aber er gibt ihr tatsächlich irgendeine Idee für ihren Roman.
Florian Bayer: Ja genau, sie sucht nach einem Begriff. Mit Bratwurst. Ist das gleich am Anfang genau? Sie fragt die ganze Zeit ihre Assistentin nach Begriffen, die sie benutzen kann.
Johannes Franke: Ich weiß wieder, wie sie nur mit für Penis. Sie kommt, er wird zur Rektorin geschickt und sie sagt, du kannst nicht einfach überall dich einfach blank machen. Er hat anscheinend die Hose aufgemacht und einmal präsentiert. Und da fällt dann das Wort Bratwurst. Ah, okay, ja. Und er verteidigt sich mit einem ganz netten Comeback, von dem ich nicht mehr genau weiß, was es war. Aber er ist sympathisch.
Florian Bayer: Und so ist es mit allen Charakteren. Sie sagen einen Satz und du weißt eigentlich so ziemlich genau, wie diese Figur funktioniert und was diese Figur macht und wie die Rolle dieser Figur in dem Film und in dem Geflecht Highschool ist.
Johannes Franke: Wie schafft Patrick es jetzt ein Date zu kriegen bei ihr? Also irgendwie scheint er mehr zu wollen als nur das Geld, weil so wichtig scheint das Geld dann am Ende doch nicht zu sein. Ich glaube am Anfang will er nur das Geld. Am Anfang will er das Geld und dann gibt es diesen Moment, wo Cameron und sein bester Freund finden so ein paar Sachen raus, um irgendwie das mit dem Date hinzukriegen, weil sie am Anfang ja ablehnt und sie irgendwie rausfinden müssen, wie sie es schaffen. Und das in einer Zeit, bevor es Facebook gab. Das muss man auch erst mal hinkriegen. Stimmt. Na, da waren sie im Zimmer. Sie waren bei ihr im Zimmer. Und sie guckten sich auch ihre Unterwäsche an. Und Bianca sagt zu Cameron, der furchtbar verliebt in sie ist, wenn man schwarze Unterwäsche hat, dann hat man vor, Sex zu haben. Oh, really? Oh, wirklich. Aufschreib.
Florian Bayer: Das ist übrigens auch eine wirklich süße Dynamik zwischen Bianca und Cameron. Ja. Und zwar, es ist keine richtige Liebesgeschichte am Anfang, weil Bianca schon irgendwie echt so ein bisschen hinterfotzig ist, weil sie will eigentlich mit Joey ausgehen. Sie merkt, dass Cameron an ihr Interesse hat. Natürlich merkt sie das. Und das nutzt sie. Und sie nutzt es total aus. Ja. Und sie spielt ihm irgendwie, also sie ist schon so freundschaftlich zu ihm, spielt ihm aber so ein bisschen mehr vor. Und es ist schon, ja, sie ist in den Momenten kein Sympathieträger, sondern, naja. Ja. Bezogene Highschool-Göre, die alles macht, um das zu kriegen, was sie will.
Johannes Franke: Genau. Und dann macht sie eben auch, hilft sie halt Cameron, um Kat das Date zu verschaffen, damit sie endlich ausgehen kann. Damit Bianca eigentlich ein Date haben kann. Und sagt zum Beispiel ihm, dass die Schwester keinen Raucher haben möchte als Freund. Woraufhin Patrick das Rauchen aufgibt. Ja, er ist da wirklich motiviert.
Florian Bayer: Ich glaube, es ist der Moment, es gibt so diese, es gibt eine Entwicklung. Und zwar, zuerst geht es wirklich nur ums Geld und dann wird es eine Herausforderung. Ich glaube, das ist es. Ja, stimmt. Er ist jemand, der kämpft und der es gewohnt ist, wenn ihm wirklich was wichtig ist, zu kämpfen. Und in dem Moment ist es einfach so, hey, es gibt hier einen Sieg zu holen. Und dann setzt er sich da auch voll rein.
Johannes Franke: Ja, genau. Und dann besucht er sie auf dieser Party. Also er tut so, als wenn er zufälligerweise auch da wäre. Ach, du kennst die Band auch und so was. Genau. Überraschung. Und schafft es auch sehr intelligent, das einzusetzen. Also sie glaubt ihm irgendwie so und ist ein bisschen verwundert und ein bisschen, aber sie denkt nicht lang genug darüber nach, um das irgendwie zu enttarnen.
Florian Bayer: Er hat dann auch rausgekriegt, wie er mit ihr flirten muss. Er flirtet dann nämlich ganz anders mit ihr, weil er so ein bisschen ihre Verhaltensweisen kopiert, auch so ein bisschen dieses kalte Schulter zeigen. Genau. Was eigentlich eine ziemlich plumpe Szene ist, um ehrlich zu sein, dass es so leicht ist. Sie zeigt ihm die ganze Zeit die kalte Schulter und er hängt wie ein Hund an ihr und merkt, das funktioniert nicht. Also zeigt er ihr die kalte Schulter und sie springt direkt drauf an. Also es geht dann doch tatsächlich sehr schnell. Aber das ist nicht so schlimm plump inszeniert. Nee, aber dafür, dass sie so stark und eigentlich cool auch und gewitzt am Anfang inszeniert wurde, fällt sie doch ein bisschen zu schnell auf seine Strategie rein. Ich hätte mir gewünscht, dass es da Momente gibt, wo sie noch ein bisschen mehr Widerstand zeigt. Okay. Einfach um ihren Charakter stärker zu machen, weil ihr Charakter verliert dann natürlich an Stärke, wenn sie sich so leicht rumkriegen lässt. Weil sie ist ja auch intelligent.
Johannes Franke: Sie ist intelligenter als er. Ja, für mich verliert sie in keinem Moment an Stärke, weil sie immer wieder Szenen bekommt, in denen klar wird, sie muss und darf ihre Meinung, ihren Standpunkt nicht verlieren, um diese Liebesgeschichte voranzutreiben.
Florian Bayer: Sie gewinnt diese Stärke wieder, das stimmt. Da bin ich ganz bei dir. Aber es gibt einfach Momente, wo die gebrochen wird und wo es nicht viel gebraucht hätte, um die beizubehalten. Und das ist zum Beispiel diese Konzertszene. Ich fand, der Dialog hätte einfach eine Minute länger dauern müssen, bevor er sie hat. Vielleicht auch zwei Minuten, aber irgendwie sowas in der Richtung. Vielleicht noch zwei, drei Sätze mehr, vielleicht noch ein bisschen mehr Widerstand, vielleicht noch ein bisschen mehr Spiel.
Johannes Franke: Ich finde nicht, dass er sie schon hat in der Szene. Sie guckt schon noch skeptisch und sagt, naja. Und ich finde, dass er derjenige ist, der sich plötzlich in sie verliebt. Das stimmt allerdings. Er guckt sie auf der Tanzfläche an, sieht, wie sie tanzt. Und dann sehen wir plötzlich, wie er da steht und denkt, jetzt bin ich vielleicht doch rezerzulich.
Florian Bayer: Das ist ein Moment, wo wir durch seine Augen sehen, dass sie mehr ist als das, was wir vorher gesehen haben. Dass sie halt auch leidenschaftlich sein kann. Und dass sie auch Freude haben kann. Weil davor war natürlich auch so ein bisschen die Karikatur des Verbiesterten.
Johannes Franke: Und das schafft der Film eben, diese Falle nicht reinzutappen. Nicht die Widerspenstige, wie sie bei Shakespeare zum Beispiel ist, zu sein. Sondern wirklich ein Mensch mit allen Facetten.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das finde ich toll.
Florian Bayer: Definitiv.
Johannes Franke: Also Gott sei Dank.
Florian Bayer: Also ich meine, hätten sie die Widerspenstige Zähmung originalgetreu umgesetzt, wäre das eine Katastrophe geworden.
Johannes Franke: Absolute Katastrophe, ja. Man muss mal dazu sagen, ganz kurz, im Original bei Shakespeare ist es so, dass sie von dem Mann, den sie dann heiraten soll, das ist ja auch damals noch eine andere Gebenheiten, man soll sie dann, sie wurde da reingedrängt, ihn zu heiraten. Und er sperrt sie richtig ein, verweigert ihr Essen, verweigert ihr Zeug. Das ist Hardcore-Unterdrückung, was er macht. Richtig abusive, ne? Ja. Also richtig krass. Definitiv. Und es ist ein Stück, das total, also schon sogar 1700 noch was, haben sie angefangen, daran rumzukriegeln.
Florian Bayer: Total früh haben sie gesagt, ey, was hat denn Shakespeare sich dabei gedacht? Weil es als Komödie inszeniert ist, und es geht die ganze Zeit darum, dass die Frau unterdrückt wird, und am Schluss ist es ja auch einfach so. Sie gibt auf. Sie gibt auf, und alle sind begeistert.
Johannes Franke: Ja, ist total krass. Sie sagt dann einfach nur noch, ja, was auch immer du willst, ich kann einfach nicht mehr.
Florian Bayer: Genau. Und das ist schon krass. Und nicht nur das, sie findet das dann auch noch toll. Sie genießt es auch. Es war richtig, dass sie unterdrückt wurde. Es war richtig, dass sie diese Gehorsamkeit gelernt hat, und dass sie jetzt eine richtige Frau sein kann, die ihrem Mann gehorsam ist und nach dem Mund redet.
Johannes Franke: Und es ist auch ein schwieriges, also es ist wirklich so ein Stück, über das man mit Shakespeare-Fans nur schwer reden kann. Also zum Beispiel mit mir. Weil ich von Shakespeare so viele tolle Sachen sehe, und so viele tolle Sachen gelesen habe, dass ich mir fast gar nicht vorstellen kann, dass der sowas schreibt. Wie will man dieses Stück verteidigen? Das geht nicht. Man kann es nicht verteidigen. Man kann nur sagen, es ist ein Frühwerk, es sind Motive aus allen möglichen anderen Werken, die vorher gewesen sind. Er hat ja im Grunde Flickenteppich. Ganz viele Stücke sind ja aus allen möglichen Ideen, die sowieso rumgeisterten, in anderen Stücken zusammengeworfen. Und man kann sogar sagen, dass dieses Stück noch die bessere Variante von den Vorgängern ist, quasi. Aber im Großen und Ganzen ist es Shakespeare's grausamstes und gruseligstes Stück. Ja, es ist total gruselig.
Florian Bayer: Es ist ganz interessant, das Stück wurde viel aufgeführt in den vorigen Jahrzehnten. Und genau, es wurde immer von den Debatten begleitet, weil es ist halt einfach mal, man kann da auch nicht verdeckten Feminismus reindeuten und sagen, hey, da ist eine Satire da drauf oder so. Es ist einfach mal ein krasses Stück Misogynie.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Unterdrückung der Frau. Sexismus. Es ist alles drin. Gewalt, Rape-Culture.
Johannes Franke: Ja, genau. Aber nicht in diesem Film. Aber eben nicht in diesem Film, was ich ganz toll finde. Ich hatte ein bisschen Angst davor, muss ich sagen, als ich vorgeschlagen habe, dass sie noch mal gucken und ich ihn jetzt lange nicht gesehen habe, habe ich Angst davor gehabt, wie viel davon da wohl noch drin ist und wie viel nicht. Und ich war so froh, dass ich nichts mehr darin gefunden habe. Das war wirklich schön.
Florian Bayer: Ich überlege, tatsächlich fällt mir jetzt auch keine Szene ein, und ich dachte, uff, das ist aber so ein bisschen überholt. Das würde man heutzutage nicht mehr so inszenieren.
Johannes Franke: Ganz am Ende. Einmal ganz kurz. Ja. Aber da kommen wir später zu. Okay. Also kommen wir später. Okay. Party. Party, Party, Party. Party, Party, Party. Kat ist auf der Party, die dann stattfindet, die der Vater versucht hat zu unterbinden. Ja. Wo es auch zu dieser Schwangerschaftsgürtelsache kam. Und nun ja.
Florian Bayer: Bianca ist nicht mit Cameron, geht nicht mit Cameron auf die Party,
Johannes Franke: sondern mit Joey, mit dem Arsch, mit dem Ekel. Und Cameron ist so frustriert davon, dass er im Grunde die ganze Sache abbläst. Genau. Dass er zu Patrick geht und sagt, du brauchst das Date nicht mehr forcieren, ich gebe auf. Und das ist ein ganz toller Moment, weil Patrick dann sagt, ja was jetzt? Willst du die Frau oder nicht? Magst du sie? Findest du es, ist es dir das wert oder nicht eigentlich? Du kannst doch nicht jetzt einfach, also entweder hopp oder flop. Und er macht, er sagt das gut. Er sagt das wahnsinnig gut. Cameron, do you like the girl? Don't let anyone make you feel you don't deserve what you want.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Toller Satz.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das finde ich schön. Und dann wird er mir richtig sympathisch, dieser Typ. Und überhaupt über die ganze Party wird er mir total sympathisch, weil er dann, Kat, die sehr frustriert ist, die anfängt zu saufen und die dann auf dem Tisch tanzt und so und beinahe vom Tisch stürzt, er fängt sie noch auf, sich rührend um sie kümmert. Ja. Was eine ganz tolle Szene ist.
Florian Bayer: Genau, er fährt sie dann nach Hause. Ich finde tatsächlich, also Patrick, die Figur, ist mir nie richtig sympathisch geworden in diesem Film. Wirklich? Also ich fand ihn nicht unsympathisch, ich fand ihn einfach zu, ich fand ihn charismatisch, ich fand ihn charmant, aber um, dass ich wirklich Empathie mit ihm empfinde, dafür war er mir zu sehr abziehbildes, unverstandenen Rebellen. Er hat seine, er hat seine sympathischen Momente. Ja. Und er hat seine coolen Momente, das ist auch ganz toll, er fährt sie dann nach Hause und sie ist betrunken und versucht ihn zu küssen und er sagt, nee, lass mal. Auch cool.
Johannes Franke: Wir sind zu schnell.
Florian Bayer: Okay. Auf jeden Fall, es gab nicht diesen Moment, wo ich dachte, ich kann voll mit ihm mitempfinden, weil dafür ist er mir zu sehr Charakter am Reißbrett geblieben. Und es ist gar nicht so schlimm, also es stört mich gar nicht. Ich finde, es reicht, weil er ist charmant und er ist sympathisch, aber es ist jetzt nicht, dass ich mit ihm mitfiebere, ob er Cat kriegt und ob er versteht, dass sie die Frau seiner Träume ist. Dafür war er mir dann doch zu eindimensional, weil es gibt ja dieses Klischee des armen, unverstandenen Rebellen. Und das ist er halt irgendwie. So kommt wahrscheinlich aus einer Unterklassefamilie, hat es schwer an der Highschool, weil er sich einfach nicht das leisten kann, was sich die anderen leisten können. Er trägt das Herz am rechten Fleck, aber natürlich gerät er immer in Probleme. Er genießt es irgendwann in dieser Rolle. Er macht so ein bisschen einen auf James Dean. Er ist ein bisschen so leicht kriminell, aber halt nie zu schlimm. Aber er hat, wie gesagt, das Herz am rechten Fleck. Er ist eigentlich ein guter Kerl und er ist vor allem viel zu clever, um da zu stehen. Und er wird sich immer durchschlagen müssen und vielleicht schafft er es vom Tellerwäscher zum Millionär irgendwann. Das ist der amerikanische Traum. Es ist keine Rolle, wo ich sagen würde, wow, die ist aber tiefgründig.
Johannes Franke: Ich finde die ein bisschen tiefgründiger als du. Okay. Ich mag vor allem die Szene. Er bringt sie dann, die Betrunkene, gerade so auf die Schaukel. Die sitzen dann da beide auf den Schaukeln und vor sich hin. Ich liebe es, dass dieser Film das macht. Sie schaut dann so ganz betrunken zu ihm nach oben. Das erste Mal, dass sie sich wirklich in die Augen schauen. Sie sagt, du hast so grüne Anteile in den Augen. Ganz romantisch. Und dann kotzt sie ihm vor die Füße. Das ist tatsächlich süß. Ich mag das. Das ist schön. Und ja, weiß nicht. Er kommentiert auch ihre bösen Spitzen so schön, weil er sie irgendwie so auffängt und weiterträgt, ohne böse zu reagieren. Er reagiert nicht verletzt. Oder kannst du mal aufhören, mich hier so runterzumachen?
Florian Bayer: Er schlägt auch nicht zurück, sondern er spielt damit.
Johannes Franke: Ja, er spielt damit. Er sagt, sagt er an einer Stelle, who needs affection, when you have blind hatred? Schön. Also er nimmt auf, was sie sagt und biegt das so ein bisschen. Ja. Das ist schön. Das ist ganz toll geschrieben. Und dann eben, und das ist eine ganz tolle Schlüsselszene, was du vorhin schon gesagt hast. Man sitzt in einem Auto, er hat sie nach Hause gefahren, sie will ihn küssen. Und er sagt sich, nee, dafür ist das jetzt gerade A, zu echt, für das, was ich als Setup hier habe, nämlich, dass ich eigentlich bezahlt werde dafür und B, die Frau ist betrunken. Die kann gerade nicht wirklich entscheiden, ob sie das will. Also, mache ich es nicht. Ich glaube, dieser Film sollte in jeder Schule gezeigt werden.
Florian Bayer: Bin ich ganz bei dir. Was ich nicht verstanden habe, das ist die zweite Szene, in der ich den Charakter von Cat schwächer finde, als er eigentlich sein sollte, dass sie so wütend darauf reagiert. Ich finde das ganz großartig, dass sie so wütend reagiert. Ich habe nicht verstanden, warum. Weil ich das nicht in ihrem Charakter gesehen habe. Und es hat mich auch ein bisschen genervt, weil ich das Gefühl hatte, dass ihr Charakter sehr schwach gemacht wird. Dass sie sauer auf ihn ist, dass er sie in dem Moment nicht küssen wollte. Und zwar wirklich so sauer, dass sie erst mal nichts mehr mit ihm zu tun haben will.
Johannes Franke: Das ist sie nicht. Das ist nicht der Grund.
Florian Bayer: Was sagst du, ist nicht der Grund?
Johannes Franke: Der Grund ist, dass sie sich, dass sie sich vor ihm bloßgestellt hat und wütend auf sich ist.
Florian Bayer: Würdest du dem so viel Tiefe geben?
Johannes Franke: Definitiv. Weil er gibt ihr das zurück später. Sie macht sich ihm gegenüber quasi lächerlich. In dem er sich auch lächerlich macht, meinst du? Genau. Und um das Gleichgewicht wieder herzustellen, macht er sich vor ihr lächerlich und singt auf dieser Tribüne dieses Lied.
Florian Bayer: Ich sehe, woher du kommst. Ja, vielleicht. Dafür war das für mich zu sehr eine Fun-Szene. Dass ich sie so tief interpretieren wollen würde. Genau, sie ist sauer auf ihn. Sie redet nicht mit ihm. Und er geht dann ins Stadion und liegt in einem der erinnerungswürdigsten Szenen. Absolut. Das sind ja 90er-Jahre zurück. Und ich glaube, auch viele Leute, die den Film nicht gesehen haben oder nicht mehr so guten Erinnerungen haben, werden sich an diese Szene erinnern, wenn er vor ihr im Stadion einfach mal losschmettert und dann gejagt wird von den Sicherheitskräften.
Johannes Franke: Und er scheint diese Szene größtenteils improvisiert zu haben. Heath Ledger. Ja, Heath Ledger. Und das könnte auch sein, dass sie so ein Zwei-Kamera-Setup hatten und sie Echtzeit reagiert auf das, was er macht. Sie wirkt sehr echt in dem, wie sie reagiert. Ihre Reaktionen sind toll. Ihre Reaktionen sind toll. Und ich glaube, die sind echt. Weil er improvisiert die Szene. Ja, das ist klasse.
Florian Bayer: Das gibt der Szene natürlich noch mehr Stärke. Ich liebe diese Szene, die ist einfach toll. Das ist großartig. Also es ist auch diese wunderschöne Mischung aus Musical-Atmosphäre, die aber nicht richtig aufgebaut wird, die dann im richtigen Moment gebrochen wird. Sie versuchen, ich versuche zum Musical zu kommen. Ich will Musical werden. Und dann diese Jagdszene. Und dann hat es so was Stiletantisches. Der Versuch eines Musicals, der schief geht, könnte als Überschrift über dieser Szene stehen. Und es ist einfach toll. Wunderschöne Szene.
Johannes Franke: Ganz großartig. Definitiv. Und ich lese es eben so. Sie hat sich vor ihm die Blöße gegeben. Und es ist wirklich kein schönes Gefühl. Du bietest einen Kuss an. Und obwohl du eigentlich weißt, das stimmt gerade irgendwie, wird es nicht angenommen. Und irgendwie ist es scheiße. Du fühlst dich richtig kacke. Und du bist dann wütend auf dich selbst, dass du die Situation nicht richtig gelesen hast. Ja. Und dann auch noch im betrunkenen Zustand und so weiter. Sie war ja sowieso nicht die Trinkerin und so. War ja sowieso schon den Abend über weit außerhalb ihrer Komfortzone. Und diese Wut auf sich selbst und auf diese Blöße, die sie sich gegeben hat, die greift er ganz, ganz, ganz toll auf und sagt sich, dann stelle ich jetzt wieder gleichgelicht her und stelle mich vor allen anderen bloß. Und dann sind wir quit.
Florian Bayer: Finde ich eine wirklich schöne Interpretation dieser Szene. Ich weiß nicht, ob ich mitgehe, aber ich finde es eine sehr schöne Interpretation.
Johannes Franke: Deswegen will ich das einfach so stehen lassen.
Florian Bayer: Okay. Kommen wir ganz kurz zurück zur Geschichte Bianca Cameron, dass sie nicht ganz verloren geht. Weil, ja, Patrick-Kett-Liebesgeschichte ist der zentrale Dreh- und Angepunkt der Handlung. Aber Bianca und Cameron haben auch was am Laufen. Cameron ist stinksauer auf sie, weil sie mit Joey zu der Party gegangen ist. Und er zeigt ihr das auch. Er reagiert dann wirklich abweisend. Und gleichzeitig realisiert Bianca, dass Joey ein ziemlicher Arsch ist. Ja.
Johannes Franke: Und versucht, sich wieder mit Cameron zu versöhnen. Und das Schöne ist, und warum ich glaube, dass es sehr schön ist, dass Bianca eine Veränderung durchmacht und dass es sehr schön inszeniert ist. Sie bemerkt ja, wie scheiße Joey ist und wird dann trotzdem nach Hause gefahren von Cameron, obwohl er eigentlich keine Lust mehr hat. Okay. Macht das noch. und stellt sie dann aber zur Rede und sagt, du warst wirklich, bist du immer so selbstsüchtig? Und sie sitzt da, schluckt erst mal und sagt dann, ja.
Florian Bayer: Und das ist eigentlich der einzige Moment, wo der Cameron-Charakter wirklich toll war. Ja. Also wie gesagt, ich kann nur noch mal sagen, Plank Page irgendwie. Aber in diesem Moment, wenn sie im Auto sitzen und wenn er wirklich sauer auf sie ist, macht er es ihr nicht leicht. Und er ist dabei offen und ehrlich. und ungewöhnliches Verhalten für einen Highschool-Teenager.
Johannes Franke: Ja, na ja, klar. Aber viele Szenen sind ungewöhnlich für Highschool. Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Das Altkluge und die Konflikte und das ist alles drüber. Es ist eine tolle Szene, weil es so eine Szene von krasser Offenheit ist, die auch überraschend kommt in dem Film. Weil sonst bis jetzt wurde eigentlich alles mit Humor gelöst und mit schrägen Szenen und albernen Szenen. Und das ist der erste Moment. Das gibt später noch einen, wo der Film wirklich keine Angst vor Gefühlen hat und dabei auch funktioniert. Ja. Und klar, dass sie ihn dann küsst und dass das dann irgendwie Versöhnung ist, ist vielleicht ein bisschen drübergehauen. Aber davor sein Monolog, wenn er mit ihr redet, wenn er sie konfrontiert, ist wirklich eine starke Szene.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Dafür, dass der Charakter davor so blass war, geh ich voll mit.
Johannes Franke: Ja. Fand ich gut. Und er spielt es auch gut. Ja. Und dass sie dann eben den Moment nutzt, sich zu wachsen und sagt, ja, ja, ja, ich war so selbstsüchtig die ganze Zeit. Und das ein Moment für sie ist, zu sagen, okay, ich muss was ändern.
Florian Bayer: Ist auch der erste Moment für sie, ne? Davor war sie auch wirklich eine ... Ja, ist blass. Eine Karikatur, vielleicht nicht mal blass, sondern einfach zu überdreht, um irgendwie sympathisch oder interessant zu sein.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und da kriegt sie zum ersten Mal ein bisschen mehr Charakter.
Johannes Franke: Genau. Ja. Und dann gehen wir also in diese Big-Band-Szene, wo er sich da auf der Tribüne einmal vor allem ... Er muss nachsitzen. ... um Affen macht.
Florian Bayer: Genau, detention class. Toller Moment, wo wieder gezeigt wird, wie die Erwachsenen die Deppen sind. Ja, das ist ein absolut unrealist ... Eine absolut unrealistische Escape-Scene. Finde ich absurd. Komplett daneben. Never ever.
Johannes Franke: Also sie will eigentlich Patrick wiedersehen und hat irgendwie keine Lust drauf zu warten, bis er aus detention class wieder rauskommt. Genau, und deswegen ... Befreit sie ihn, indem sie den Lehrer ablenkt. Oh Gott. Eine Szene, die wirklich ... Oh Gott. Okay. Nächste Szene. Ja, nächste Szene. Okay. Guckt's euch an. Das war wirklich dumm.
Florian Bayer: Aber schön, dass die ... Ja, die Erwachsenen sind ... Die Erwachsenen dürfen einfach die Deppen sein da.
Johannes Franke: Ja, genau. Okay. Und dann sitzen sie zusammen, Julia Stiles und Heath Ledger, und unterhalten sich darüber, wie sie sind, wo sie herkommen und was ihre Probleme sind. Und haben einen ganz tollen Austausch darüber, wie sie die Welt sehen. Was ich ganz großartig finde, weil Julia Stiles sehr gut erklärt, was mit Expectations, was für ein Problem sie damit hat, einfach die Erwartungen anderer Menschen zu erfüllen. Ja. Was nun vielleicht auch meinen eigenen, meiner eigenen Wahnmögen der Welt sehr entgegenkommt, weswegen ich da sehr viel mit anfangen kann. Ich war auch so. Ah, okay. Und ich bin den ganzen Film in sie verliebt. Weil es genau mir aus der Seele spricht. Und ich nie Erwartungen von anderen Leuten erfüllen wollte. Und auch immer noch nicht will. Das hat sich einfach immer so durchgezogen. Und ich find's toll, wie sie das erklärt.
Florian Bayer: Die Szene ist mir tatsächlich gar nicht so krass in Erinnerung geblieben. Weil ich tatsächlich diese überschattet sehe von der Szene, die kurz darauf kommt, wenn Kat mit Bianca redet. Aber erzähl mal noch mehr von dieser Szene, was sie da sagt. Weil tatsächlich ...
Johannes Franke: Das vermischt sich auch mit dem später mit ihrer Schwester tatsächlich. Sie erzählt ja auch, sie setzt das an bei dem Gespräch mit Patrick. Das geht dann über in so einen Paintball-Kampf, der ganz nett ist und wirklich eine schöne Annäherungsszene ist. Und dann erzählt sie aber auch ihrer Schwester tatsächlich, dass man die eigenen Erwartungen erfüllen soll. Und nicht die Erwartungen anderer Leute.
Florian Bayer: Und dass sie das gemacht hat. Das ist ganz spannend, dass sie diese Geschichte hat, dass sie eigentlich eine Zeit lang genau diesem Gruppendruck nachgegangen ist. Und dass das dazu geführt hat, dass sie jetzt der ist, wer sie ist. Und dass sie da nie wieder zurück will.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Dass sie mit Joey mal was hatte. Das ist ihre Geschichte mit Joey. Mit dem sie was hatte und mit dem sie auch Sex hatte.
Johannes Franke: Und danach gesagt hat, naja, lass mal lieber, das ist mir eigentlich was zu früh und ich will's noch eine Weile nicht. Und er sie dann einfach verlassen hat. Ja. Und gesagt hat, ne, pff, sind sie halt nicht.
Florian Bayer: Was dann auch nochmal so im Rückgriff erklärt, die Szene davor auf der Party, sie hat sich natürlich betrunken, weil sie gesehen hat, dass Bianca mit Joey rummacht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und weil ihr, das war ihr unangenehm, sie hasst Joey, sie ist wütend auf sie und sie hat Angst um ihre Schwester. Sie hat da offensichtlich auch ein Beschützerinstinkt. Und das ist eine tolle Szene zwischen den beiden, weil es die erste Szene ist, in der die beiden auf einem Level miteinander interagieren und wirklich ehrlich zueinander sind. Ja. Und Verständnis füreinander haben für ihre jeweiligen Rollen in der Gesellschaft, woher sie kommen und wie sie so geworden sind.
Johannes Franke: Was ich übrigens auch eine Stärke vom Film finde, dass der Film nicht die ganze Zeit nur sagt, guck mal, das ist Cat. Die findet Patriarchat doof, die findet bestimmte gesellschaftliche Normen doof, wir müssen das ändern. Und die will nicht reinpassen. Die geht voll rein in dieses, ich gehöre nicht dazu und ihr könnt mich alle mal. Und Bianca aber auf der anderen Seite sehr verständlich sagen kann, was ist falsch daran, dass ich will, dass Leute mich mögen. Und das ist völlig verständlich. Natürlich will ich, dass mich Menschen mögen. Ich will ja in der Gesellschaft irgendwo verankert sein.
Florian Bayer: Ja. Das ist auch so eine starke Szene zwischen den beiden, weil sie am Ende dieser Szene nach diesem Gespräch, wo ganz klar ist, Cat will sie auch beschützen vor diesem Joey, sagt, ich bin anders als du und ich kann meine eigenen Entscheidungen treffen. Und in dem ist es fast so ein Empowerment-Moment auch von Bianca, die sagt, ich bin anders als du. Ja. Aber lass mich auch anders sein und lass mich meine eigenen Entscheidungen treffen. Und ich bin alt genug und du musst mich nicht beschützen. Ja. Wo sie auch eine Stärke zeigt einfach, weil sie sich von dem Bild, ironischerweise, indem sie sagt, indem sie dieses Rollenklischee so ein bisschen erfüllt, emanzipiert sie sich gleichzeitig von diesem Rollenklischee. Und hey, lass mich so sein, das bin ich, deine Schwester. Genau. Und ja, starker Moment zwischen den beiden. Sehr stark, ja.
Johannes Franke: Finde ich toll. So, dann sind wir aber schon im Fahrwasser des Höhepunkts des Films. Ja. Die gehen, Cat hat sich natürlich lange gewehrt, auf den Abschlussball zu gehen. Und es gibt auch dieses Gespräch, wo sie merkt, dass Patrick irgendwie ... Erdrückt, ganz schön. Sie ist skeptisch. Ja, sie will eigentlich nicht hingehen. Er fragt sie aber und drückt sie da so ein bisschen rein. Und dann hat sie das Gefühl, dass ja irgendeine andere Motivation noch dahinter hat.
Florian Bayer: Übrigens großartig, dass es keine große Umgestaltungsszene gibt. Jeder dieser verfluchten Filme hat diese Szene, hässliches Entlein wird schwarm. Und natürlich würde das überhaupt nicht funktionieren, weil Trudia Styles, so wie auch sie inszeniert wird in dem Film. Und es wird gar kein Primborium drum gemacht. Das, jeder Film, sonst hat das wirklich jeder Film. Und wenn es nur kurz gezeigt wird, wie sie sich anzieht und im Spiegel betrachtet oder so, es wird nichts drum gemacht. Sie hat halt dieses Kleid dann an.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und geht damit so, es gibt überhaupt nichts drumherum. Das ist so toll.
Johannes Franke: Und keiner sagt, boah, du siehst aber toll aus. Und nein, du siehst aber toll aus. Und wie hast du das denn jetzt gemacht? Und so. Sie wandelt nicht groß die Treppe runter, sondern so.
Florian Bayer: Hey, Dad, ich geh jetzt zum Abschlussball. Das ist so angenehm, weil es ist wirklich, man hat es zu oft gesehen. Und selbst die Filme, die es subtil inszeniert haben, haben es immer zumindest ein bisschen inszeniert. Ja. Und wenn es nur ist, dass, keine Ahnung, dass man kurz sieht, wie das gleich übergestreift wird, dass man kurz sieht, wie man in den Spiegel guckt oder so, aber nichts davon. Das ist einfach, bap, auf geht's, Party.
Johannes Franke: Sehr schön. Okay, dann sind sie alle auf der Party und Cameron hat natürlich Bianca bekommen. Also Joey ist ja schon jetzt ein bisschen abgemeldet, will es aber noch nicht wahrhaben. Ja. Ist auf der Party und prügelt sich mit Cameron, oder? Er prügelt sich nicht mit Cameron, er haut Cameron K.O.
Florian Bayer: Und wer dazwischen geht, ist Bianca K.O. Großartige Szene. Ganz schön. Ja, er haut Cameron K.O., Bianca haut ihn K.O. Aber ganz kurz, bevor er ihn K.O. haut, was wirkt, das viel Schlimmere, was Joey macht, ist natürlich, dass er zu Patrick geht, während Kat dabei ist und sagt, äh, ich krieg Bianca nicht rum, vergiss es, du kriegst, du lass, das Ding ist abgebrochen. Wir machen, unser Deal gilt nicht mehr, weil ich nicht mit ihr auf dem Ball bin, weil ich sie nicht rumkriege und so weiter. Natürlich steht Kat direkt nebendran und er fährt dadurch, dass Patrick bezahlt wurde, um mit ihr auszugehen und bezahlt wurde, um ihr zum Abschlussball zu gehen, was wir auch noch nicht erwähnt haben. Es gibt nämlich noch eine zweite Bezahlung. Joey hat nach wie vor Hoffnung, mit Bianca zum Abschlussball gehen zu können, geht zu Patrick, sagt, ähm, nächster Deal, ich geb dir Geld, du gehst mit Kat zum Abschlussball, damit Bianca auch zum Abschlussball gehen kann. Patrick sagt, nee, keinen Bock. Das ist jetzt was Ernstes. Und dann fängt Joey an, offensichtlich als das Ekel, das er ist, als der Juppie-Arsch, so Geld auszufächern und ab einem gewissen Betrag hat er dann Patrick eben doch.
Johannes Franke: 300 Dollar.
Florian Bayer: 300 Dollar waren's. Genau. Tja. Und das sagt er dann auf dem Abschlussball, macht er das ganz offensiv, wahrscheinlich, weil er auch sauer ist, weil er sich rächen will. Und Kat kriegt mit, dass Patrick bezahlt wurde, um mit ihr zum Ball zu gehen und mit ihr auszugehen und es entsprechend nicht nur wütend, sondern ihr Herz ist gebrochen. Sie ist richtig traurig und rannt weg. Das war's. Joey haut Cameron und wird danach von Bianca Kaogarhorn. Es ist so ein befriedigender Moment. Auch schön, natürlich ist dieser Rollenwechsel schön, dass sie ihn beschützt, dass Bianca Cameron
Johannes Franke: beschützt. Ja, aber auch ihre Gründe, die sie anbringt. Ja. Und ihm wirklich mal die Levitin-Listen sagt, nee, so geht das nicht. Einen Schlag in die Magengrube für meine Schwester, einen Schlag in die Magengrube für mich und einen für Cameron. Genau.
Florian Bayer: Und das Tolle ist, genau, sie erfährt nämlich an dem Abend auch, dass Joey die ganze Zeit sie einfach nur flachlegen wollte und damit angegeben hat. Und dann gibt sie ihm einen richtig festen Magenschlag für ihre Schwester, einen richtig festen Magenschlag für Joey und dann so einen kleinen Hauer für sich, wo offensichtlich auch so eine Unbewertung stattfindet.
Johannes Franke: Ach so, okay, das habe ich so nicht gesehen, aber vielleicht ja.
Florian Bayer: Nein, er kriegt, er kriegt von, wenn sie sagt, der ist für mich, das kriegt er deutlich weniger ab. Okay. Die Schläge für ihre Schwester, die Verteidigung ihrer Schwester und ihres Freundes sind wichtiger. Sind stärker. Okay. Ach schön.
Johannes Franke: Was wir, das machen wir gleich. Nee, es stimmt nicht. Wir machen das jetzt. Was wir nicht erwähnt haben, ist, dass der Lehrer einen Auftrag gegeben hat, Shakespeare umzuschreiben. Eine neue Variante von Shakespeare. Irgendeinem Shakespeare-Pasar.
Florian Bayer: Sonet 141. Ah ja, das. Und das wirklich im Original ein wunderschönes Sonet ist.
Johannes Franke: Möchtest du es rezitieren?
Florian Bayer: Nee, meine englische Aussprache ist so schlecht, dass ich Shakespeare damit nicht gerecht werden würde. Okay. Aber wenn ihr ein wirklich tolles Liebesgedicht lesen wollt, lest das Sonet 141 von William Shakespeare. Wie heißt das? Welches ist das? 141. Naja, okay. Das hat keinen Titel.
Johannes Franke: Ich gucke kurz nach.
Florian Bayer: Und zwar, es geht in diesem Sonet darum, es kurz zusammenzufassen, Shakespeare ist in eine Frau verliebt. Überraschung. Und er schreibt über diese Frau. Und sie ist aber so gewöhnlich. Sie ist nichts Besonderes. Und er schreibt die ganze Zeit, dass sie Schwächen hat, dass ihre Stimme nicht besonders klingt, dass sie nicht besonders riecht und so weiter, aber dass er trotzdem in sie verliebt ist und sterblich in sie verliebt ist. Und in diesem Gewöhnlichen, dass er in dem Gewöhnlichen das Besondere sieht. Ja, es ist ein tolles Gedicht. Es ist kurz. Hat nur ein paar Zeilen.
Johannes Franke: Man kann es mal eben lesen.
Florian Bayer: Man kann es mal eben lesen und es lohnt sich total.
Johannes Franke: Ja. Und dass die Aufgabe des Englischlehrers ist, dass jeder seinen eigenen Take davon schreiben soll. Neuinterpretation. Neuinterpretation. Neuinterpretation. Neuinterpretation. Neuinterpretation. So forciert. Aber wir müssen dazukommen, bevor der Film zu Ende ist. Das stimmt. Okay. Wir müssen zur Top 3. Wir haben eine Top. Möchtest du den Jingle bitte vorstellen? Ja, Top 3. Moment, Moment.
Florian Bayer: Oh nein, sie kommt. Sie kommt. Moment, sie kommt. Kurz durchhalten. Da ist sie. Da ist sie. Da ist sie. Top 3. Ja. Passend zu dem Film. Neuinterpretation von klassischen Stücken. Klassischen Texten, haben wir gesagt, um es so weit wie möglich zu fassen.
Johannes Franke: Also die Sache ist, es ist natürlich ein schwieriges Feld.
Florian Bayer: Ich habe lange gebraucht, ich habe lange überlegt. Ich habe auch ständig rumgeworfen und das ist auch keine Ewigkeitstop 3, sondern das, was mir dann irgendwie so in den Sinn kam, dass es schön zusammenpasst.
Johannes Franke: Genau. Ich glaube, dass gerade diese Top 3 nächste Woche wieder ganz anders aussehen würde. Gerade bei mir auch. Ja. Weil ich, ja.
Florian Bayer: Dann sag mir mal deine 3, die nächste Woche ganz anders aussieht. Also die von nächster Woche soll ich dir jetzt sagen. Ja, ich will die Nummer 3 von nächster Woche haben. Wenn wir uns Tenet angucken.
Johannes Franke: Also mein Platz 3, die anderen orderen Menschen, das kann ich ja dann machen. Platz 3 ist Trommelwirbel, die Blechtrommel. Oh, nah an der Veröffentlichung der Vorlage, oder? Ich glaube, ja. Aber toller Film. Ist es zu nah? Haben wir gesagt, wir müssen, oh mein Gott, es tut mir leid.
Florian Bayer: Nein, wir haben nicht die Regeln festgelegt, aber es ist, ich hatte die Blechtrommel als Literaturverfilmung, die nah an der Vorlage ist und sowohl zeitlich als auch inhaltlich nah an der Vorlage, aber okay.
Johannes Franke: Aber die Blechtrommel ist Wahnsinn.
Florian Bayer: Ja, der Film ist großartig. Also, ja. Ja, definitiv. Ich habe das Buch nie ganz gelesen. Ich auch nicht. Gut. Aber der Film ist super. Ist Volker Schlöndorf? Es ist auf jeden Fall ein großer Regissier des neuen deutschen Films. Das muss ich kurz googeln. Ich glaube, es ist Volker Schlöndorf. Es ist Volker Schlöndorf, Gott sei Dank, 1979 und das Buch ist von 1959. Ich habe auch noch genug andere Sachen. Ich könnte auch noch wechseln. Nein, das sind 20 Jahre sogar. Trotzdem, nah dran. Meine Nummer drei. Und den habe ich nur aufgenommen, weil ich unbedingt einen Film von 2020 haben wollte, weil 2020 so ein kaputtes Filmjahr war. Wegen dieser ganzen Corona-Scheiße. Orphea von Alexander Kluge. Alexander Kluge nimmt den Orpheus-Mythos. Orpheus in der Unterwelt. Okay. Und macht aus Orpheus eine Frau. Okay. Und aus Eurydike, die er retten soll, wird dann natürlich ein Mann gemacht. Und diese Orphea wandelt zum einen durch die Münchner Studios von Alexander Kluge. Also in Interview-Passagen, wo sie dann auch ständig aus ihrer Rolle raustritt. Die Orphea wird gespielt von... Helge Schneider? Och, bitte. Ja, was? Helge Schneider und Alexander Kluge? Das ist doch ein Team. Es gibt noch andere Schauspieler, mit denen Kluge zusammenarbeitet. Lilith Stangenberg. Tolle Schauspielerin, die an der Volksbühne viel gespielt hat. Okay. Und das ist das eine. Sie ist in dem Studio und sagt Dinge, wie halt Kluge inszeniert, so Collagenartig. Und er hat sich zusätzlich den südamerikanischen Regisseur Carven mit ins Boot genommen. Mhm. Mit ins Boot genommen. Und der inszeniert sie auf dem Weg durch die Unterwelt und nimmt als Unterwelt die Slums, in denen er groß geworden ist und lässt sie dadurch durch die Stadt wandeln. Schwieriger Film, Filmcollage, experimentell, so wie man es von Kluge erwartet. Durchsprochen von diesen Carven-Aufnahmen, die einfach nur wild, laut und extrem sind. Großartiger Film. Mhm. Wahrscheinlich der beste Film, den ich 2020 gesehen habe.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Also, das Kinojahr 2020 war für mich ziemlich dünn, weil ich nicht im Kino war. Okay. Den Film habe ich sehr genossen.
Johannes Franke: Okay, sehr schön. Dann musst du mir den irgendwie mal zugänglich machen. Und wie kriegt man den? Alexander Kluge. Ich guck mal. Mein Platz zwei. Mein Platz zwei ist Eiskalter Engel. Oh. Also von Gefährlichen Liebschaften aus, Moment, ich gucke mal kurz. Hey, du hast ein Faible für Teenager-Geschichten Ende der 90er Jahre. Ja, irgendwie schon. Naja, 1782 ist der Roman.
Florian Bayer: Der Abstand ist genug.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und es ist vor allem auch ganz, ganz neu interpretiert. Ja, sehr.
Johannes Franke: Und ich fand den unglaublich gut gemacht. Unglaublich cool gewohnt und sehr auch reinholend. Also man wird sehr reingezogen in diese Geschichte, in diese Beziehung der drei.
Florian Bayer: Ja, toller Film. Ein großartiger Soundtrack. Wenn ich an den Film denke, denke ich vor allem an den tollen Soundtrack mit Moby und, jetzt darf ich nichts Falsches sagen, Radiohead. Ich weiß nicht, so 90er Indie-Rock-Bands vor allem, ne? Ja. Es war einiges dabei und jetzt habe ich nur so ein vages Indie-Rock-Vibes im Gehör. Aber genau, super Film, ja. Tolle Darsteller und schick, sexy. Ja. Ja. Und an den richtigen Stellen dramatisch. Hm. Meine Nummer zwei ist O'Brother Where Art Doe von den Cones. Oh, okay. Eine Umsetzung der Odyssee im Amerika des 20. Jahrhunderts.
Johannes Franke: Oh mein Gott.
Florian Bayer: Anfang des 20. Jahrhunderts. Und Odysseus, beziehungsweise Ulysses, wie er im Englischen heißt. Ist mir zu nah. Die Veröffentlichung ist einfach zu nah in der Verfilmung. Die Odyssee im Jahr 2000 verfilmt. Mehr Abstand kriegst du fast nicht hin.
Johannes Franke: Krass, Mann. Das ist krass. Okay. Okay. Das hat bestimmt irgendwann mal jemand. Nee. Ja, genau. Hab ich auch gerade überlegt. Nee, das wird nicht. Mehr Abstand wird nicht. Ja. Okay. Na gut.
Florian Bayer: Aber toller Film. Ja. Super Komödie.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Auch mit toller Musik, dieses ganze Bluegrass-Zeug, sauwitzig und wunderbar diese mythischen Figuren, wie die Nymphen und der Zyklop eingebaut in dieses Setting des Amerikas im frühen 20. Jahrhundert. Krass.
Johannes Franke: Zu lange her, dass ich ihn gesehen habe. Ich muss ihn unbedingt nochmal gucken. Ach, dafür ist der Podcast auch gut. Ja. Dass man sich ab und zu mal daran erinnert, ach, da war ja mal was. Und nochmal gucken. Ich kann mich nicht entscheiden für meinen Platz 1 und nehme das Abgefahrenste davon. Die Muppets Weihnachtsgeschichte.
Florian Bayer: Absolut.
Johannes Franke: Keine Widerrede. Sehr cool. Also die Literaturverfilmung überhaupt. Große Literatur und große Umsetzung.
Florian Bayer: Cool. Ich habe total eine Schwäche für die Weihnachtsgeschichte und wahrscheinlich ist mein Ziel, eines meiner großen Ziele im Leben ist es, sämtliche Verfilmungen gesehen zu haben. Ich glaube, das wird nichts. Nee, glaube ich auch. Das wurde echt oft verfilmt. Ich werfe die auch manchmal durcheinander, weil es gab so eine Reihenfolge, wo gefühlt jedes Jahr ein neuer Scrooge-Film kam. Aber die Muppets sind toll.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Die Muppets Weihnachtsgeschichte ist echt wahrscheinlich eine der besten. Hatten wir nicht vor kurzem. Ah, wir hatten...
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Du hattest dann Jim Carrey angeführt. Genau. Diese Jim Carrey-Verfilmung ist auch überraschend gut. Die muss ich immer noch angucken.
Johannes Franke: Na mal sehen.
Florian Bayer: Die animiert ist die, ne? Die ist mit diesem Verfahren, was einen Regisseur rausschneiden. Also, Christmas Carol von 2009 ist von Robert Zemeckis. Und das Ganze ist mit Motion Capture gemacht. Also, was er auch bei Polarexpress gemacht hat, dass er den Schauspieler aber sehr genau einfängt und der Schauspieler sehr viel mit der Rolle macht, obwohl es animiert ist. Okay.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Auf jeden Fall eine sehenswerte Umsetzung. Und total faszinierend, weil Jim Carrey alles spielt, Scrooge und drei Geister. Geil. Krass, Mann. Meine Nummer eins ist schon... Na? Na, na, na? Japanischer Film mit russischen Unterrichtungen. Das Schloss im Spinnwebwald von Akira Kurosawa aus dem Jahr 1957. Eine Shakespeare-Umsetzung. Macbeth. Mhm. Macbeth in einem Samurai-Setting. Wow, krass. Düster, pathetisch, großartige Bilder. Ja, der beste Shakespeare-Film, den ich kenne.
Johannes Franke: Okay. Ja, die... Also, wie fandest du Romeo und Julia? Ja, die Verfilmung. Mochte ich sehr. Die war gut, ne? Und ich, was mich sehr gewundert hat, weil Romeo und Julia meiner Meinung nach der schlechteste, das schwächste von den berühmten Shakespeare-Stücken ist.
Florian Bayer: Ich glaube, ich bin bei dir, was Romeo und Julia betrifft, im Vergleich zu anderen Stücken. Dass es eher nicht zu den Stärken gehört. Ja. Wenn ich eine Top-5 der Shakespeare-Stücke machen würde, wäre Romeo und Julia mit Sicherheit nicht drin. Ja, ich fand ihn gut. Er hat... Das war natürlich auch so krass. 90er vom ganzen Stil und vom Soundtrack und von den Kulissen und Kostümen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber sie haben sehr viel Kraft. Ja, sie haben es geschafft, diese Gewalttätigkeit, die in dem Stück verborgen liegt, gut auf die Leinwand zu bringen. Besser auf die Leinwand zu bringen, als ältere Verfilmungen, die zahmer sind.
Johannes Franke: Ja, ja. Man kann... Also, Romeo und Julia verleitet sehr dazu, sehr zahm und sehr elegisch zu sein. Weswegen ich auch glaube, dass es eine der schwächeren Stücke ist von Shakespeare. Zum einen, weil ich mit den Figuren, sobald ich älter als 22 bin, nicht mehr mitkomme, weil ich denke, 14-Jährige, die gar nichts, eigentlich gar nichts wissen vom Leben.
Florian Bayer: Und sie sind auch so naiv, ne?
Johannes Franke: Ja, irgendwie, ich weiß nicht. Naja, und dann finde ich, dass einige Plotholes da drin sind. Also, viele Szenen existieren, in denen man denkt, ja, jetzt aber, jetzt musst du ja nur das machen und dann kommst du da aus der ganzen Geschichte wieder raus.
Florian Bayer: Ja. Das ist eigentlich, wenn man sich genau anguckt, ist es eine extrem dünne Story, auch wie schnell sie sich ineinander verlieben.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Das ist so plumm. Dieser Familienkonflikt ist natürlich prinzipiell spannend.
Johannes Franke: Prinzipiell spannend, aber nicht ausgearbeitet in der Form, wie man das eigentlich sich denkt, was möglich wäre. Das macht er in anderen Stücken viel ausführlicher und viel besser. Ja.
Florian Bayer: Mein liebstes Shakespeare-Stück ist tatsächlich Hamlet. Ganz banal und langweilig.
Johannes Franke: Okay. Ja, also Hamlet ist gut, klar.
Florian Bayer: Aber Hamlet ist ganz gut.
Johannes Franke: Was ist mit Sohnachtstraum? Was ist mit, was ihr wollt und wie es euch gefällt?
Florian Bayer: Ich fühle einen grundsätzlichen Gegensatz zwischen uns. Du magst von Shakespeare eher die Komödien.
Johannes Franke: Definitiv.
Florian Bayer: Von Shakespeare eher die Tragödien.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Also, meine Top 3 wäre wahrscheinlich Hamlet, Macbeth, King Lear. Ich weiß, das ist echt nicht originell, aber das wäre es wahrscheinlich einfach.
Johannes Franke: Nein, ja, Hamlet ist wirklich toll. Es ist ein wirklich gutes Stück und ich habe eine ganz tolle Inszenierung davon gesehen, die ich wirklich sehr mochte. Aber ich bin mit den Komödien sehr, ich mag die Komödien einfach viel, viel lieber. Weil Shakespeare für mich nicht, wie es oft so wahrgenommen wird, als Unterhaltung für Intellektuelle ist, sondern eigentlich ist Shakespeare Volkstheater. Ja. Und wenn man es einmal verstanden hat, hat man so einen Spaß mit diesem Volkstheater und dieser wahnsinnigen Lust, die da drin steckt, am Spiel und am Auseinandernehmen und am total verhohne piepeln, weil das ist einfach so eine Lust und so viel Spaß da dran. Ja. Ich weiß, was du meinst. Total.
Florian Bayer: Shakespeare ist Travestie. Shakespeare ist Kostüm. Ja. Schnick, schnack. Shakespeare ist Chaos. Werber Humor. Shakespeare ist albern. Ja. Ich mag halt trotzdem seine Tragödie, in denen das alles nicht stattfindet, weil Shakespeare ist auch gewalttätig, Shakespeare ist düster, dramatisch, Shakespeare ist apokalyptisch. Vielleicht ist Macbeth sogar doch auf Platz 1. Es gibt eine ganz tolle Macbeth-Verfilmung aus dem Jahr 2015, die ich dir nur ans Herz legen kann. Der hat perfekt diesen apokalyptischen Ton von Shakespeare getroffen. Da ist alles düster und alles dunkel und alles ist verloren mit einem ganz tollen Schauspieler und zwar, warum brauche ich immer so langen Schauspielernamen zu suchen? Mit Michael Fassbender als Macbeth und Marion Cotillard als Lady Macbeth. Kann ich dir nur ans Herz legen, wenn du mal wieder, wenn du Shakespeare in seiner tragischsten, düstersten, pathetischsten Form sehen willst, dann den Macbeth von 2015.
Johannes Franke: Okay. Okay, das werde ich mir mal zur Gemüte führen. Ich bin so ein bisschen sowieso dabei, die Shakespeare-Inszenierung noch mal ein bisschen roundabout. Weil es ganz viele tolle Inszenierungen gibt. Es gibt eine ganz tolle Inszenierung und deswegen ist auch Much Ado About Nothing ganz lange mein Lieblingsstück gewesen. Mit Catherine Tate und David Tennant. Wie die beiden einander angiften auf der Bühne ist einfach unglaublich gut. Kein Film, sondern ein Bühnenstück. Ein Bühnenstück, was abgefilmt wurde. Und das ist eine ganz tolle Inszenierung. Das hast du mir, glaube ich, auch schon mal empfohlen. Kann sein. Das gibt es auf YouTube. Kann man immer ganz problemlos googeln. Okay. Einfach gucken. Das sollte ich mal schauen. Much Ado About Nothing mit Catherine Tate und David Tennant. Ganz, ganz tolle Inszenierung. Die beiden sind einfach großartig zusammen.
Florian Bayer: Okay. Ja. Ja. Ja. Wir kommen zurück zum Ende von unserem Film. Ja. Und zwar zu ihrer Aufgabe. Sie sollten das Sonnet von Shakespeare 141 neu schreiben. Und Cat hat davon eine Version geschrieben.
Johannes Franke: Cat hat davon eine Version geschrieben. Wohlgemerkt, wir sind in der Situation, dass sie sehr enttäuscht und verletzt von dieser Prom Night nach Hause gerannt ist. Dass sie am nächsten Morgen nur deprimiert da sitzt und dann später, wenn sie wieder Schule haben, gibt es diese Szene. Beide sitzen sehr verletzt da vor sich hinlungernd im Klassenzimmer. Und der Lehrer fragt, wer möchte denn seine Hausaufgaben vorlesen. Lange meldet sich keiner und irgendwann sagt sie dann, na gut, ich mach's. Und sie macht es so toll.
Florian Bayer: Das ist das titelgebende Gedicht, was sie jetzt liest. Genau. Ten Things I Hate About You. Und das ist wirklich eine großartige Szene.
Johannes Franke: Zum einen spielt sie das so wahnsinnig gut und zum anderen finde ich es aber auch wirklich sehr gut geschrieben.
Florian Bayer: Es ist ein tolles Gedicht. Es ist kein Sonnet. Und mein Germanist, die Grundwissen hervorzuheben, es ist kein Sonnet, was sie liest, aber das ist vollkommen egal in dem Moment. Das ist nämlich einfach, weil eigentlich müsste sie, kriegt sie dafür eine Sex? Ist das Thema verfehlt, weil es kein Sonnet ist? Es ist ein super Text und sie trägt ihn vor und bringt da all ihre Emotionen gegenüber Patrick rein. Und es ist eine wirklich, wirklich, wirklich mitreißende Szene und es ist eine wirklich traurige Szene auch.
Johannes Franke: Sie zählt auf, was sie alles an Patrick, ohne den Namen zu sagen, hasst. Und dass sie am meisten hasst, dass sie ihn nicht hassen kann.
Florian Bayer: Ja. Es ist wirklich eine tolle Szene. Und sie kommt auch wirklich unerwartet, weil man erwartet in dem Film dann nicht, dass die Emotionen doch so stark noch einmal nach oben gehoben werden, weil die Liebesgeschichte zwischen Cameron und Bianca hier immer so ein bisschen so ein Pseudo, der Pseudo-Zentrale Punkt ist manchmal. Ja. Weil die so einfach gelöst wird und die Emotionen halt so in diesem netten, kitschigen Teenager-Kosmos bleiben. Aber diese Szene ist einfach mal stark und wirkt auch sehr echt.
Johannes Franke: Ja. Das ist der erste Take.
Florian Bayer: Krass.
Johannes Franke: Ja. Sie haben den ersten Take genommen. Sie war sofort auf dem Punkt. Und ich verstehe das auch als Schauspieler, wenn du so emotionale Sachen hast, ist der erste Take meistens der beste. Weil du hast dir das alles aufgebaut einmal und wenn es einmal raus ist aus dem System, so dieses Emotionale. Sie weint ja dann. Ähm, dann ist es schwer, das nochmal zu holen. Ähm, aber es ist so toll, diese Punkte alle zu treffen am ersten Take. Ja. Das hat mich total gepackt.
Florian Bayer: Man sieht da schon, dass Julia Stiles einfach eine fantastische Schauspielerin ist.
Johannes Franke: Ja. Sie war 17. Krass. Und er war 19.
Florian Bayer: Das mit 17 zu machen, wow.
Johannes Franke: Ja, also. Wahnsinnig. Toll gespielt. Ja. Sie rennt dann weinend weg. Ja, sie rennt dann weinend weg und er rennt ihr nicht hinterher, was man in einem dramatischen Film hätte machen können, sollen müssen dürfen vielleicht oder so. Aber wir schneiden in den Ende des Tages, in das Ende des Tages, das Ende, der Ende, das Ende. Und sie kommt zu ihrem Auto und in dem Auto liegt eine Fender E-Gitarre.
Florian Bayer: Ja. Und man muss dazu sagen, dass sie während des Films irgendwann mal Patrick ziemlich überrascht hat, als sie von ihren musikalischen Ambitionen erzählt hat und dass sie eigentlich gerne in einer Band wäre. Ja. Dass sie eigentlich gerne Gitarre spielt.
Johannes Franke: Und das ist auch toll, weil er, das ist auch eine ganz tolle Szene im Film, wie er, wie man merkt, dass er wirklich verliebt ist. Er, sie sitzt mit Kopfhörern im Shop und versucht diese Gitarre. Sie hat die einfach in der Hand, spielt ein bisschen drumherum. Wir hören gar nicht, was sie hört. Wir sehen, wie er kommt. Und mit dem Auftrag im Kopf, ich muss sie jetzt irgendwie doch nochmal ausfragen, ob sie, also nochmal fragen, ob sie mit dir ausgeht, mit ihm ausgeht und traut sich nicht so richtig. Steht einfach ein bisschen verloren hinter ihr und gehe ich da jetzt hin oder nicht oder was? So ein bisschen nervös. Das ist eine süße Szene. Ja, ist es. Und dann löst sich halt das mit der Gitarre auf, indem sie dann diese Gitarre geschenkt bekommt von ihm, der dann hinter ihr auftaucht und ihr eben sagt, hier, da hat sich jemand ziemlich idiotisch benommen und es tut dem auch leid und so.
Florian Bayer: Diese Versöhnungsszene steht für mich immer so ein bisschen im Schatten von der vorherigen emotionalen Szene. Aber ich weiß auch nicht, wie sie das hätten besser machen können. Ich glaube, es ist eine zu große Fallhöhe. Wir kommen wirklich von krassen Emotionen und diese Versöhnung ist dann doch sehr banal, sehr trivial, dadurch, dass er hier, ich meine, er stellt hier eine Gitarre rein. Eigentlich findet die Versöhnung ja in dem Moment statt, in dem sie das Gedicht liest und klar ist, dass sie nicht von ihm loslassen kann. Ja, genau. Und das ist, ja, nicht ihr Schritt zur Versöhnung, aber ihr Schritt offen mit ihren Gefühlen umzugehen. Ja. Vielleicht hätte man ihm auch so einen Moment geben können. Ich weiß es nicht so genau. Ich finde, diese Szene steht so ein bisschen im Schatten von der vorherigen Szene. Tut sie auf jeden Fall. Das ist eine sehr simple Versöhnung.
Johannes Franke: Ja. Obwohl sie glücklicherweise dann noch sagt, du kannst mir nicht jedes Mal eine Gitarre schenken, wenn du dir verkackt hast. Ja. Und dann sagt er, ganz witzig, ja, es gibt ja auch noch andere. Es gibt ja auch ein Tambourin, es gibt ja auch noch ein Schlagzeug.
Florian Bayer: Das ist übrigens ganz süß, weil es zeigt, dass sie trotzdem sie selbst geblieben sind.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Im Kern, auch wenn sie sich entwickelt haben, sind sie im Kern sie selbst geblieben. Genau.
Johannes Franke: Das hat sich keiner verbogen für den anderen. Was ich ganz toll finde.
Florian Bayer: Allein schon, dass sie was hat. Weil in der widerspenstigen Szene ist die Frau dann ja einfach nur noch stiller. Ja, genau. Und sie wurde eben nicht gezähmt. Wenn jemand gezähmt wurde, dann er. Dann er am ehesten. Aber ich glaube auch, er wurde nicht gezähmt. Das ist das Schöne, dass es, es gibt keine Zähmung der Widerspenstigen am Schluss.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Sie darf widerspenstig sein. Das Wort widerspenstig.
Johannes Franke: Jeder darf sein, wie er ist. Und das ist halt das Tolle daran. Ja, das ist eine ganz tolle und wichtige Botschaft. Ich kann mich nur wiederholen. Eigentlich sollte dieser Film in Klassen gezeigt werden. Wirklich, der geht so gut mit Sachen um. Mit Konsent und mit solchen, weiß ich nicht.
Florian Bayer: Es gibt diese Szenen definitiv. Ich würde ihm nicht das Prädikat besonders wertvoll geben. Aber er hat mir Spaß gemacht, um vielleicht zu meinem Schluss-Take zu kommen. Er ist okay. Er ist bewusst überzeichnet. Er ist okay. Nein, nein, nein. Okay. Er ist bewusst überzeichnet. Ich akzeptiere das. Er ist total albern und total drüber. Und macht sich dabei auch über das Genre Teenager-Komödie lustig. Ohne zur klassischen Parodie, zum klassischen Spoof-Movie zu werden. Aber er hinterfragt die Stereotype nicht so richtig. Er spielt eher mit ihnen. Und er weiß aber, was er ist. Er weiß, dass er eine alberne Teenager-Komödie ist. Er nimmt sich dabei nicht zu ernst. Findet dabei aber Momente, in denen er krass drüber hinauswächst. Das ist diese Szene, in der er das Gedicht liest. Das ist die Szene, in der er ihren Kuss ablehnt. Nicht ihre Wut danach, sondern wirklich dieser Moment, wo er einfach den Kuss ablehnt. Und es gibt ein, zwei Dialog-Szenen. Vor allem die zwischen ihr und ihrer Schwester. Aber auch der Dialog zwischen Cameron und Bianca. Wo der Film immer so ein Stück über sich hinauswächst. Ansonsten ist es einfach wirklich eine unterhaltsame 90er-Jahre-Teenager-Komödie. Und wahrscheinlich in diesem riesigen Fass an schlechten Filmen. Durchschnittlichen Filmen und auch ein paar okayen Filmen. Ist ja ohne jeden Zweifel der Beste.
Johannes Franke: Okay, das ist doch schön. Ja, ich will da gar nicht viel dazu hinzufügen.
Florian Bayer: Siri, halt die Klappe! Was ist hier los heute?
Johannes Franke: Also ich will gar nicht viel dazu ergänzen. Der Film spricht so wahnsinnig viele Themen an für mich. Die ich wahnsinnig wichtig finde. Und ich finde es wahnsinnig gut von diesem Film Ende der 90er es zu schaffen, einer Frau das zu lassen, was sie ist und was sie ausmacht und was sie wichtig findet, ihre Ideale zu lassen und ihr sie nicht wegzunehmen zugunsten einer Liebe, die angeblich viel besser ist. Oder zugunsten eines Mannes oder was auch immer.
Florian Bayer: Vor allem ein Film aus den 90ern, der auf einem Stück aus dem 16. Jahrhundert basiert, der das genau das Gegenteil macht.
Johannes Franke: Ja, ganz toll.
Florian Bayer: Vielen Dank, Flor, dass du den gesehen hast. Ja, vielen Dank, dass ich ihn nochmal sehen durfte. Das ist sehr lange her. Wahrscheinlich war ich in dem Alter der Protagonisten, als ich ihn das letzte Mal gesehen habe. Schön. Nee, eher in dem Alter der Schauspieler.
Johannes Franke: Das ist kein großer Unterschied, dass Julia ist da als 17.
Florian Bayer: Ja, das ist wirklich krass, das überrascht mich.
Johannes Franke: Okay. Na dann.
Florian Bayer: Vielen Dank. Bis nächste Woche. Bis nächste Woche. Ciao. Ciao. Ja, wir haben noch was. Wir haben noch was. Ja, stimmt. Nächste Sendung.
Johannes Franke: Ui, ui, ui. Was? Du weißt schon, was du machst?
Florian Bayer: Ja. Ich weiß es, wie immer. Was denn? Ich greife wieder auf meine Top-Liste zurück und einfach einen Film, den ich in dieser Top-Liste hatte und zwar Paper House Albträume werden war aus dem Jahr 1988. Britischer Horror-Fantasy-Kruse-Film.
Johannes Franke: Sehr schön. Okay. Ja, du hattest mir das schon erzählt und ich dachte, ja, okay, den muss ich vielleicht einfach mal sehen. Und insofern ist es ganz gut, dass du mir das vorschlägst. Sehr schön. Was hast du denn für mich? Ich war so unsicher, aber ich glaube, ich muss einfach mal das machen, was du eigentlich von mir erwartet hast, als wir angefangen haben, diesen Podcast zu machen. 50er. Ja, genau. Und zwar Some Like It Hot. Manche mögen es heiß mit Marilyn Monroe und Tony Curtis und Jack Lemmon von Billy Wilder. Sehr schön. Du kennst den Film bestimmt schon, oder? Ich kenne ihn schon, aber ich gehe fest davon aus, dass ich ihn das letzte Mal als Kind gesehen habe. Oh, als Kind, ja. Okay, sehr gut. Das ist cool, weil dann ist auch nochmal der Kontrast vielleicht stärker.
Florian Bayer: Das glaube ich auch. Also es betrifft viele von diesen Filmen aus den 50ern. Die habe ich als Kind gesehen, weil mein Vater die gerne geguckt hat und lustig fand. Oh, cool. Das heißt, meine Erinnerungen an diese Filme sind auch immer, dass mein Vater neben mir auf der Couch sitzt und schrecklich laut lacht und sich auf die Knie haut und ich immer denke, oh, was ist denn daran so lustig? Das ist doch nicht komisch. Das ist meine Verbindung zu 50er Jahre Filmen und zu Tom und Jerry Cartoons. Tom und Jerry Cartoons? Dein Vater sitzt neben dir und schrecklich. Ja, mein Vater wollte, dass wir die gucken, diese klassischen Cartoons, Hanna-Barbera und Looney Tunes und so und er fand die viel lustiger als wir. Okay, ich bin gespannt, wie das mit deinem Sohn irgendwann wird. Das ist eigentlich etwas, was ich nicht in dem Podcast, sondern bei einer Therapiesitzung erzählen sollte.
Johannes Franke: Okay, dann sehen wir uns bei der nächsten Therapiesitzung nächste Woche. Bis dahin. Ich freue mich drauf. Bis dann. Ciao. Ciao.
