Episode 7: Hausu, 10 Dinge die ich an dir hasse
Wir reden über den japanischen Grusel/Horror/Fantasy Hybrid „Hausu“ aus dem Jahr 1977 und „10 Dinge die ich an dir hasse“ aus dem Jahre 1999. Dabei versuchen wir Sinn in einem der verrücktesten Anti-Märchen fernöstlicher Prägung zu finden, diskutieren ausgiebig über die Rolle von Exploitation, Kindlichkeit und bizarrem Horror und werden uns vielleicht sogar ein bisschen einig bei der Frage, wie grotesk ein Film sein darf. Beim Blick auf den Teenager-Film-Klassiker der 90er Jahre interessiert uns vor allem die Rolle von Klischees, Archetypen und Stereotypen in typischen High School Filmen. Wir streiten darüber wie feministisch 10 Things I hate about you denn nun tatsächlich ist, und wie blass beziehungsweise nuanciert seine Charaktere sind.
Natürlich gibt es auch wieder passende Top 3 Listen: Die besten Gebäude im Kino und Neuinterpretationen von klassischen Texten. Nicht einverstanden mit unserer Liste? Schreibt uns unter florian@mussmansehen.de
Hausu [Nobuhiko Obayashi]
(Japan 1977)
Es gibt einfach Filme, die komplett aus der Reihe tanzen. Sie lassen sich nicht richtig einem Genre zuordnen, sie scheinen selbst nicht zu wissen, ob sie nun experimentell sind, poppig oder trashig, ob sie unterhalten oder zum Nachdenken anregen wollen. Manchmal weiß man selbst nicht so genau, ob man es mit einem ausgeklügelten sinnstiftenden Werk, einem Fiebertraum oder gar einer künstlerischen Trollerei zu tun hat. Die 70er Jahre sind voll von diesen Filmen, und doch sticht einer dabei ganz besonders heraus. Hausu aus dem Jahre 1977 von Nobuhiko Obayashi: Kitschig bunte, naive Reise, skurriler Fantasytrip, dazwischen immer mal wieder Experimentalfilm, der mit dem Surrealismus flirtet, oft genug alberner Trash und als Überbau eine bizarre Spukhausgeschichte mit herumfliegenden Köpfen und Zeichentrick-Gespenstern.
Die Toho Studios, die unter anderem Godzilla produziert haben, wollten eigentlich einen Weißen Hai für den japanischen Markt, aber irgendwo auf halber, oder eher auch achtel Strecke ging diese Idee komplett verloren. Denn weiter als Hausu kann man wohl kaum vom amerikanischen Blockbusterkino entfernt sein. Obayashi erzählt die Geschichte von dem Schulmädchen Oshame, die mit ihren Freundinnen im Sommer in das Haus ihrer Tante fährt, um ein paar unbeschwerte Tage fernab der Zivilisation zu verbringen Dort erwartet sie jedoch ein gespenstischer Reigen, der sich mehr und mehr in einen bizarren Alptraum verwandelt.
Gewagte Filmkunst? Kitschiges Gruselmärchen? Exploitation? Trash? Oder irgendetwas dazwischen?
10 Dinge die ich an dir hasse [Gil Junger]
(USA 1999)
DIE RomCom der 90er Jahre von Gil Junger über die Liebe, moralische und ethische Ideale – und die Balance eben jener. Über Geschwister Hassliebe, übers erwachsenwerden und über Lebensentwürfe und deren Anfänge und Ursprünge. Als Vorlage diente Shakespeares „der widerspenstigen Zähmung“ und wurde eine bitter nötigen Modernisierung unterzogen – in eine Highschool verlegt und quasi zur Teenie-Komödie umgebaut. Oder vielleicht doch mehr als nur eine Teenie-Komödie?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 7: Hausu, 10 Dinge die ich an dir hasse Publishing Date: 2021-02-17T17:08:18+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/02/17/episode-7-hausu-10-dinge-die-ich-an-dir-hasse/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast?
Johannes Franke: Nein, eigentlich nicht, aber ich.
Florian Bayer: Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können.
Johannes Franke: Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee.
Florian Bayer: Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeige dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest.
Florian Bayer: Das heißt so Musicals aus den 50ern?
Johannes Franke: Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme?
Florian Bayer: Mit russischen Untertiteln. Von mir, für dich.
Johannes Franke: Oh Gott, okay.
Florian Bayer: Aber du weißt, dass das für Menge Streit sorgen kann.
Johannes Franke: Äh, definitiv. Das wird lustig. So, da sind wir wieder.
Florian Bayer: Hallo, willkommen zur siebten Folge.
Johannes Franke: Siebte Folge.
Florian Bayer: Bald haben wir Jubiläum.
Johannes Franke: Wahnsinn.
Florian Bayer: Sehr beständig.
Johannes Franke: Wir haben sieben Wochen durchgehalten bis jetzt. Ich bin beeindruckt. Ich bin stolz auf uns. Toll.
Florian Bayer: Willkommen zum Muss-man-sehen-Podcast.
Johannes Franke: Ja, wo wir dem jeweils anderen einen Film aufs Auge drücken... Und hoffen, dass er den Horizont des anderen erweitert.
Florian Bayer: Genau. Und natürlich hoffen wir auch, dass euer Horizont erweitert wird, wenn ihr uns zuhört, wie wir über diese Filme diskutieren.
Johannes Franke: Oder euch dann die Filme inspiriert davon anschaut. Oder vielleicht habt ihr sie schon gesehen. Ja.
Florian Bayer: Genau, vielleicht an ein imaginäres Publikum gerichtet. Eine kleine Spoilerwarnung, das haben wir nämlich bis jetzt noch nicht gemacht. Und ich stelle mir vor, wie langsam die abbewussten Kommentare reinkommen sollten. Wir spoilern.
Johannes Franke: Ja, aber volle Kanne.
Florian Bayer: Die Filme, die wir besprechen, sind eigentlich alle älter als... Fünf Jahre.
Johannes Franke: Fast. Ja, meistens zumindest. Am Anfang Borat war nicht der Fall.
Florian Bayer: Stimmt, Borat war ein sehr junger Film.
Johannes Franke: Aber man muss irgendwann einfach spoilern können. Und wir können über Filme gar nicht so ausführlich reden, wenn man nicht irgendwie auch...
Florian Bayer: Genau. Aber da die Filme so alt sind, gehe ich auch davon aus, dass das okay ist. Weil es gibt einfach so ein gewisses Datum, ab dem man sagt, okay, jetzt Gibt's keine Spoilerwarnung mehr. Und jetzt sollte jeder wissen, dass bei Sixth Sense ...
Johannes Franke: Nein, aber wann ist denn dieser Punkt erreicht?
Florian Bayer: Ja, das ist eine gute Frage.
Johannes Franke: Das ist überhaupt noch eine gute Frage.
Florian Bayer: Ja, definitiv. Ich glaube tatsächlich, spätestens wenn er einen Home-Release hat. Ja.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Das heißt zwei Jahre, nein, ein halbes Jahr nachdem er im Kino gelaufen ist. Irgendwann muss man über Filme reden können, ohne die ganze Zeit Angst vor Spoilern zu haben.
Johannes Franke: Ja. Aber das Problem ist zum Beispiel bei The Mandalorian oder sowas. Das läuft dann lange, bis irgendwann alle mal zugegriffen haben. Aber ich schiebe mir das auf dann irgendwie, weiß ich nicht, ein halbes Jahr, dann plötzlich ist es doch ein Dreivierteljahr und so. Alle wollen drüber reden, aber ich bin noch nicht dazu gekommen, diese Serie zu schauen. Es ist schon schwierig.
Florian Bayer: Ja, das stimmt. Aber die meisten Dinger sind ja auch so, dass man eigentlich nicht so viel Angst vor Spoilern haben muss. Also zum Beispiel Mandalorian hab ich auch noch nicht gesehen, komplett. Ich habe keine Angst vor Spoilern. Wahrscheinlich, weil es mir auch einfach ein bisschen zu egal ist.
Johannes Franke: Ja, ich wollte gerade sagen, es ist doch eigentlich uns egal genug. Also gerade bei Mandalorian. Aber ich muss auch sagen, ich weiß nicht, warum das den meisten nicht so geht wie mir, bin mir nicht sicher. Für mich trägt das überhaupt nichts an der Qualität ab des Films. Nur weil ich weiß, da wird jetzt dieser Reveal oder dieser Reveal passieren. Eigentlich ist mir das egal. diesen Film kann ich ja trotzdem genießen.
Florian Bayer: Dazu gab es sogar mal eine Studie, in der nachgewiesen wurde, dass der Genuss des Films höher ist, wenn man weiß, was passiert. Ah, aber ich würde hier trotzdem die Gegenposition einnehmen. Also ich lasse mich ungern spoilern. Zumindest bei Filmen, die aus dem Bereich Mystery, Science Fiction kommen, wo man weiß, es gibt irgendwie einen Plottwist oder es muss ein großer Plottwist kommen. Und ich ärgere mich auch immer sehr, wenn ich einen Plottwist vorausahne.
Johannes Franke: Ach so. Aber hängt das wirklich zusammen? Weil das eine ist ja, du hast es erraten und ärgerst dich deswegen drüber, weil der Film es nicht schafft, dir das auszureden genug.
Florian Bayer: Genau. Das ist dann eine Schwäche auch von dem Film. Wenn er es nicht schafft, seinen entscheidenden Twist so zu verschleiern, dass am Ende wirklich eine Überraschung steht.
Johannes Franke: Ja. Ich muss mal diesem Computer, der hier vor mir steht, etwas Strom besorgen. Es tut mir wahnsinnig leid, ich bin sehr schlecht vorbereitet.
Florian Bayer: Johannes geht Strom besorgen und ich denke nochmal kurz über Spoiler nach. Die nachfolgende Sendung verschiebt sich um wenige Minuten.
Johannes Franke: Hast du gerade den Betten-das-Move gemacht?
Florian Bayer: Ist das ein Wetten-Das-Move?
Johannes Franke: Ja, die nachfolgende Sendung.
Florian Bayer: Ach, tatsächlich, natürlich, ja. Eine gute Wetten-Das-Sendung musste mindestens 30 Minuten überzogen sein. Das waren auch schöne Zeiten, oder?
Johannes Franke: Wie alt sind wir eigentlich?
Florian Bayer: Das wäre heutzutage gar nicht mehr möglich.
Johannes Franke: Ich weiß nicht.
Florian Bayer: Und das durfte sich auch eigentlich nur Gottschalk rausnehmen.
Johannes Franke: Echt? Durfte das nur Doc Gottschalk? Findest du? Also das literarische Quartett, ich weiß nicht, wie das bei denen war.
Florian Bayer: Die waren wahrscheinlich nicht live, oder?
Johannes Franke: Achso, stimmt, die waren ja gar nicht live. Verdammt. Nein, ich wollte schlau sein, aber leider, naja.
Florian Bayer: Stefan Raab durfte das auch.
Johannes Franke: Oh, stimmt.
Florian Bayer: Es gibt eine legendäre Stefan-Raab-Sendung. Schlag den Rab, wo sie am Schluss im letzten Spiel, das ist höchste Dramatik, sie haben fast gleich viel Punkte, das letzte Spiel ist das entscheidende und es ist so ein Ring auf einen Nagel werfen oder so was. Irgendein britisches oder irisches Spiel, ich weiß es nicht genau. Und dieses Spiel dauert dann anderthalb Stunden lang. Sie schaffen es nicht. Es dauert ewig. Ich weiß nicht, ob es anderthalb Stunden sind. Es dauert wirklich, wirklich ewig. Ich glaube, es heißt Ring the Bull. Und sie sind dann im Studio und sie versuchen es und sie versuchen es und sie schaffen es einfach nicht. Das ist der Wahnsinn. Und sie werfen, genau, Ring the Bull heißt es. Und am Schluss Versuchen es dann auch noch der Moderator und der Kommentator, es wird auch eine kurze Pause gemacht, weil sie irgendwann pullern müssen, selbstverständlich. Und es hört einfach nicht auf. Und dann beschließen sie irgendwie, okay, wir machen jetzt noch so 20 bis 30 Würfe. Und wenn es dann nicht klappt, dann machen wir was anderes. Und tatsächlich, sie schaffen es nicht. Es funktioniert einfach nicht. Ja. Und dann stehen diese Macher der Sendung da unten, weil, wie gesagt, der Kommentator steht auch dabei und sie versuchen das zu schaffen, diskutieren darüber, wie sie es schaffen könnten. Und dann machen sie sich drüber lustig, dass das natürlich riesigen Ärger geben wird für die Leute, die sich die Spiele ausdenken. Da gibt es ja ein ganzes Team, was sich diese Spiele ausdenkt. Hat das keiner getestet vorher? Natürlich, die testen die Spiele durch und offensichtlich haben sie es bei den Tests geschafft. Aber Stefan Raab und der Kandidat und der Moderator, wahrscheinlich, wie heißt der, Obtenhöfe ...
Johannes Franke: Ich habe keine Ahnung. Ich kenne die nicht.
Florian Bayer: Die versagen komplett. Es ist große TV-Unterhaltung, weil einfach mal 90 Minuten nichts passiert und sie immer wieder... den Ring auf diesen Bullenkopf werfen. Und sie treffen einfach nicht. Sie haffen es nicht, dass der hängen bleibt. Und das ist eigentlich total langweilig, aber das ist so groß.
Johannes Franke: Daran zeigt sich auch die Fähigkeit eines Moderators, das zu schaffen, so eine Sendung noch spannend zu gestalten. auch noch entsprechend zu kommentieren, entsprechend was zu finden, was irgendwie ein Zuschauer dran hält. Ich weiß nicht, wie die Quoten aussahen. Das wäre mal interessant.
Florian Bayer: Also eine ganze Stunde Spielzeit war es. Ich bin gerade bei Wikipedia und schlagt das nach. Im November 2014 und es ging um 2,5 Millionen Euro.
Johannes Franke: Oh, fuck, okay, ja.
Florian Bayer: Und das Spiel wurde ergebnislos abgebrochen und dann gab es ein Ersatzspieler und der Kandidat hat sich durchgesetzt und die 2,5 Millionen ... Die 2,5 Millionen Euro gewonnen. Also es gibt ein Happy End der ganzen Geschichte.
Johannes Franke: Okay. Diese Spannung für diesen armen Kandidaten da irgendwie, ist das hart.
Florian Bayer: Apropos Spannung und armer Kandidat. Was hast du denn du für einen Film für mich heute?
Johannes Franke: Ich armer Kandidat. Nein, du armer Kandidat. Nein, Moment. Also ich habe für dich 10 Things I Hate About You.
Florian Bayer: Oh ja, stimmt.
Johannes Franke: Genau. Du nicht so überrascht, du hast ihn dir angeschaut.
Florian Bayer: Ich war gerade tatsächlich überrascht, weil ich mit meinen Gedanken immer noch bei Stefan Raab war. Und dieser Wechsel von Stefan Raab zu Endneunziger... Sollte eigentlich ob ihr seid.
Johannes Franke: Ja, schon.
Florian Bayer: Ist dieselbe Zeit.
Johannes Franke: Ja, genau. 10 Things I Hate About You und wo ganz viele tolle Schauspieler mit groß geworden sind. die überhaupt aus diesem Film rausgekommen sind als Stars, die sie jetzt sind.
Florian Bayer: Ein halber Chris-Nolan-Film.
Johannes Franke: Ja, stimmt.
Florian Bayer: In einer Teenager-Comedy.
Johannes Franke: Ja, großartig. Und was hast du für mich?
Florian Bayer: Ich hab für dich Hausu aus dem Jahr 1977. Aha.
Johannes Franke: Na sowas. Das ist ja spannend.
Florian Bayer: Und das ist auch der Film, mit dem wir starten werden.
Johannes Franke: Ja, mit dem fangen wir dann gleich an. Na gut, dann führ doch mal in den Film ein und lass uns mal gucken, wo es uns hinführt.
Florian Bayer: Auf geht's. Es gibt einfach Filme, die komplett aus der Reihe tanzen. Sie lassen sich nicht richtig einem Genre zuordnen, Sie scheinen selbst nicht zu wissen, ob sie nun experimentell sind, poppig oder trashig, ob sie unterhalten oder zum Nachdenken anregen wollen. Manchmal weiß man selbst nicht so genau, ob man es mit einem ausgeklügelten, sinnstiftenden Werk, einem Fiebertraum oder gar einer künstlerischen Trollerei zu tun hat. Die 70er Jahre sind voll von diesen Filmen. Und doch sticht einer dabei ganz besonders heraus. Haosu aus dem Jahre 1977 von Nobuhiko Obayashi. kitschig-bunte, naive Reise, skurriler Fantasy-Trip, dazwischen immer mal wieder Experimentalfilm, der mit dem Surrealismus flirtet oft genug alberner Trash und als Überbau eine bizarre Spukhausgeschichte mit herumfliegenden Köpfen und Zeichentrickgespenstern. Die Toho Studios, die unter anderem Godzilla produziert haben, wollten eigentlich einen weißen Hai für den japanischen Markt. Aber irgendwo auf halber... oder eher auf Achtelstrecke, ging diese Idee komplett verloren. Denn weiter als Hausu kann man wohl kaum vom amerikanischen Blockbuster-Kino entfernt sein. Obayashi erzählt die Geschichte von dem Schulmädchen Oshame, die mit ihren Freundinnen im Sommer in das Haus ihrer Tante fährt, um dort ein paar unbeschwerte Tage fernab der Zivilisation zu verbringen. Dort erwartet sie jedoch ein gespenstlicher Reigen, der sich mehr und mehr in einen bizarren Albtraum verwandelt. Gewagte Filmkunst? Kitschiges Gruselmärchen? Exploitation? Trash? Oder irgendwas dazwischen? Was denkst du, Johannes?
Johannes Franke: Oh mein Gott. Ich musste mich die ganze Zeit zusammenreißen, nicht deine ganze Introduction zu verlachen. Ich möchte dir so oft zustimmen. Der Film weiß nicht, was er eigentlich sein will. Und wer hat so viele Möglichkeiten, ihn einzusortieren und ihn wieder doch nicht einzusortieren? Es ist... Auf seine eigene Art und Weise großartig ist.
Florian Bayer: Also ich glaube, es sind so drei Motive, die in dem Film mal alleine stehen, mal sich überlappen und auch ganz oft miteinander ringen. Und zwar zum einen das wirklich kindlich naive. Das ist ja eigentlich eine total nette Geschichte, die dahintersteht, dass Obayashi ... einen Kruse-Film machen wollte, aber dachte, ich muss auch ein bisschen so die Kinderängste, das sind doch so die klassischsten Urängste.
Johannes Franke: Hat er nicht sein eigenes Kind dazu gefragt?
Florian Bayer: Genau. Was ihn dazu gebracht hat, dass er seine eigene Tochter Shigumi dazu gebracht hat, am Drehbuch mitzuwirken. Und das merkt man in diesem Film auch total.
Johannes Franke: Es ist unglaublich.
Florian Bayer: Er ist so oft so kindlich naiv. Das zweite ist, was total präsent ist, ist das Experimentelle.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Es wird die ganze Zeit über in diesem Film mit dem Medium gespielt. Das Medium wird aufgebrochen. Es werden tolle Bilder inszeniert. Auch wirklich krasse Bilder, die ... die filmische Kartrage thematisieren, mitunter komplett brechen, die wirklich auch ins Surreale hineingehen, das ... fängt ja schon mit der Eröffnungssequenz an, wenn wir dieses Foto sehen. Es fängt mit einem Fotoshooting an. Und die Kartrage des Bildes ist ... Bildes ist dieses klassische Foto, in dem sich das Model bewegt, das fotografiert wird.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dann gibt es so einen Fade-In von der eigentlichen Filmszene, aber so halb überlappt. Und dann löst sich das Foto auf, wenn die Schauspielerin, wenn das Model aus dem Foto hinaus tritt. Und der Film ist voll mit diesen experimentellen Momenten.
Johannes Franke: Der macht das immer wieder. Er hat ja immer wieder diese, was ich sehr, sehr schön fand irgendwann, irgendwann sage ich bewusst, weil... Weil ich am Anfang gedacht habe, na, was? Das war kaum zurecht. Und irgendwann fand ich es einfach großartig. Irgendwann gab es diese... Standbilder innerhalb des Bewegtbildes, die irgendwie auch dieses Fotografische eben mit aufgegriffen haben nochmal und diese Einblendung von... Bildelementen, die wir ja sowieso eigentlich sehen, aber nochmal ein größer. Ja. So einen Fokus gelegt auf jemanden mit so einer Lochblende, solche Sachen. Aber es war toll eingesetzt, fand ich am Ende irgendwie.
Florian Bayer: Gerade in den ersten zehn Minuten hat man das Gefühl, weil in den ersten zehn Minuten passiert nicht viel. Wir sehen einfach diese Schulmännchen, wie sie zusammen Spaß haben und sich unterhalten. Und man hat das Gefühl, währenddessen läuft der Schnitt und die Kameratechnik komplett amok. Weil es so... So wenig zusammenpasst. Es wird einfach nur die Geschichte etabliert. Wir sollen eingeführt werden in die Handlung. Und es ist pures Chaos. Mal steht die Kamera auf dem Kopf. Mal gibt es wirklich roughe Cuts, wenn sie sich unterhalten. Die Kamera schwenkt zwischen den Gesprächspartnerinnen und entscheidet sich dann auf halbem Schwenk doch für einen Schnitt. Ja. Man ist wirklich desorientiert dabei.
Johannes Franke: Das ist aber ein kleines bisschen, also gerade bei diesem, was du im einen sprichst, dieses Hin und Her, das fand ich sehr, sehr schön als Idee, aber da er sich zwischendurch für einen Schnitt entscheidet, weil er anscheinend nicht rechtzeitig rübergekommen ist und er das dann irgendwie schneiden musste. Ich nehme an, dass er die Figuren... Dass das Konzept nicht aufgegangen ist und dass es im Nachhinein im Schnitt entstehen muss.
Florian Bayer: Das glaube ich nicht. Ich glaube, das war komplett Absicht. Dafür spielt er viel zu viel damit. Dafür hat er viel zu viel diese verstörenden Schnitte drin.
Johannes Franke: Aber er hat den Schnitt versucht zu verstecken.
Florian Bayer: Nein, hat er nicht.
Johannes Franke: Doch, er hat ihn genau an der Stelle, wo, ach verdammt, ich habe es nicht mehr richtig im Kopf, aber er hat es an einer dunklen Stelle, wo man gut schneiden kann. Da hat er es versucht.
Florian Bayer: Aber wir reden von einer anderen Szene. Ich rede davon, wenn sie ganz am Anfang am Brunnen sitzt.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Aber nein, das ist doch so offensichtlich. Er hat diesen Schnitt... Dieser Schnitt ist nicht versteckt. Jeder, der da drauf guckt, sieht, dass da ein Schnitt ist. Ja, leider. Er hat den Schnitt offensichtlich gemacht. Der Schwenk war ihm zu wenig. Er wollte... Er wollte diesen Schnitt drin haben, damit wir wieder in dem Gefühl der Medialität sind.
Johannes Franke: Es gibt immer so einen ganz bestimmten Schwenk von der Seite, den ich meine, vielleicht hast du auch was anderes im Kopf. Wir haben die gleiche Szene, glaube ich, aber ich glaube... Das ist so viel. Genau, das ist das Problem. Eigentlich müsste man den Film zusammen gucken und alle paar Sekunden anhalten und mal ein bisschen drüber reden.
Florian Bayer: Und es ist ja auch so krass, weil er das am Anfang, wie gesagt, überhaupt nicht braucht. Und es ist eher so, dass es dann zu Desorientierung führt und zu Konfusionen und vor allem auch dazu, dass man permanent daran erinnert wird, dass man einen Film sieht. Also es ist ja so eine klassische goldene Regel der Schnitttechnik. Die Leute sollen den Film dahinter, die Technik dahinter nicht mitkriegen. Und der macht genau das Gegenteil. Du kriegst die ganze Zeit radikal die Technik in die Fresse gehauen.
Johannes Franke: Das hat er auch selbst geschnitten. Er hatte niemanden, der das übernommen hat.
Florian Bayer: Ja, genau. Er hatte sowieso total Probleme. Er ist Produzent, er ist auch Regisseur, aber er ist eigentlich der Produzent und er hat die ganze Zeit nach dem Regisseur für diese Idee gesucht. Und er hatte schon so das Drehbuch halb fertig und er dachte, ey, irgendjemand muss doch diesen Film für mich drehen und das haben alle abgewinkt. Okay. Und ich glaube auch, dass er tatsächlich, dass er dann gedacht hat, okay, dann mach ich das jetzt, aber dann benutze ich das Ding auch als Spielwiese und dann probiere ich auch ein bisschen rum, dann experimentiere ich auch.
Johannes Franke: Also ich finde es schon beeindruckend, dass die Produktionsfirma das so gemacht hat, weißt du, weil wenn ich als Produzent... weiß ich nicht genau, wenn ich vorher solche Filme gemacht hätte, wie Godzilla oder sowas, die doch einen anderen, also Godzilla ist auch, naja, aber
Florian Bayer: Es ist eher Mainstream.
Johannes Franke: Genau, was Mainstreamigeres an. Und wenn mir dann sowas unterkommt ... Muss ich mich schon wirklich bewusst dafür entscheiden, zu sagen, ich lasse jetzt dieses Geld einmal los? Und bin mir nicht sicher, ob das Geld irgendwann wieder reinkommt. Denke ich auch.
Florian Bayer: Es war ein großes Risiko. Also es ist auch tatsächlich, es ist sein dritter Film als Regisseur. Wie gesagt, er hatte vielleicht auch ein bisschen Freifahrschein.
Johannes Franke: Ja, so sieht er auf jeden Fall aus, der Film, als ihr dann wirklich einen Freifahrschein gehabt.
Florian Bayer: Um noch ganz kurz das Dritte zu erwähnen. Also wie gesagt, es gibt das Kindliche, Naive, das Experimentelle, Künstlerische. Und dann das dritte ist natürlich auch das Exploitation-Moment. Der Film ist voll mit Exploitation, nicht nur was Gewalt betrifft, sondern später auch was nackte Haut betrifft. Und er fühlt sich auch ganz oft an wie so ein Streich von einem kleinen Jungen, der einfach ein bisschen spielen will.
Johannes Franke: Genau, Spielwiese, finde ich, trifft es deswegen ja auch sehr gut.
Florian Bayer: Aber das macht es natürlich auch so spaßig, dass das immer miteinander ringt und immer miteinander kämpft. Und man auch nie genau weiß, ist das jetzt ernst gemeint? Soll das große Kunst sein? Und da hat er einfach gedacht, hm. Lass uns da noch ein paar mehr Farben reinbauen.
Johannes Franke: Weißt du, was ich gedacht habe die ganze Zeit? Es wirkt auf ganz vielen Ebenen wie so ein Präsentationskatalog an Möglichkeiten. So für einen Filmmacher. Schau mal lieber Filmmacher, diesen Schnitt könntest du wählen oder du könntest so einen Schnitt machen oder auch diesen Schnitt. Mach niemals alle zusammen gleichzeitig, aber du könntest dir jetzt einen aussuchen, oder? Mach diesen Special-Effekt oder diesen Special-Effekt. Davon hat er auch so wahnsinnig viele Special-Effekts, die irgendwie auf kreativste Art und Weise mal mit Zeichnungen, mal mit... Direkt mit Props am Set und irgendwie so wild, wild durcheinander geworfen.
Florian Bayer: Genau, das ist auch das Ding. Ja. Er hat so viele und er hat auch keine kohärente Bildsprache, einfach weil er wirklich alles reinwirft, weil er mal düster, elegisch ist. Mal ist er verträumt kitschig, gerade am Anfang. Es gibt so viele kitschige Szenen mit dieser Musik, die permanent drüber liegt. Dann ist es so weich gezeichnet.
Johannes Franke: Was haben Sie mit dieser Mutter, dieser neuen? Die da so ganz komisch reinkommt. Wir sind noch am Anfang. Wir kommen langsam rein in die Geschichte.
Florian Bayer: Jedes Mal, wenn die neue Stiefmutter von ihr, das ist so ein bisschen das, was den Plot zum Laufen bringt, dass ihr Vater eine neue Freundin hat, die ihre potenzielle Stiefmutter ist. Und jedes Mal, wenn sie ins Bild kommt, ist sie begleitet von einem Wind, von einem Hauch und von dieser Musik mit großem Pathos. Und alles schreit, schaut euch diese Frau an, sie ist wunderschön.
Johannes Franke: Das ist so, weiß ich nicht, so dieses 50er Jahre und dann auch noch dieser gemalte Hintergrund, der Himmel. Und dieser Schal, den sie umhandelt, der dann im Wind weht und so, das ist alles, das macht alles so ein... reißt völlig aus dem Film raus und macht so einen Moment von, das ist das Frauenideal, was wir jetzt präsentieren wollen.
Florian Bayer: Und es wirkt auch so willkürlich, weil diese Frau spielt keine Rolle in dem Film.
Johannes Franke: Gar nicht.
Florian Bayer: Sie treibt eigentlich nur die Handlung voran, weil sie... mit dem Vater zusammen ist, will die Tochter nicht mit dem Vater Zeit verbringen, ist sauer auf ihn und beschließt deswegen, mit ihren Freundinnen zu der Tante zu fahren. Aber diese Zähne ist auch so toll, wir sehen diese Zähne fast die ganze Zeit durch Glas gebrochen.
Johannes Franke: Ja, ja, genau.
Florian Bayer: Das ist eine großartige Zähne, genau. Wir haben diese idealisierte Zähne, wie sie reinkommt auf den Balkon, dieser wunderschöne Hintergrund. Hintergrund und es ist wirklich wie ein Gemälde. Und dann aber, sobald sie in das Geschehen kommt und sobald sie sich unterhalten, entschließt sich die Filmsprache, komplett durch das Glas zu zeigen. Es wirkt alles gebrochen, es wirkt alles so ein bisschen wie ein Mosaik, weil das auch nicht einfach nur Glas ist, sondern auch so ein mosaikhaftes Glas ist.
Johannes Franke: Das ist sehr schön gemacht. Ich finde es sehr toll, diese Atmosphäre, die das herstellt. Finde ich cool.
Florian Bayer: Er bricht damit auch ein bisschen mit diesem Kitsch. Also sie wird am Anfang so stilisiert gezeigt und dann haben wir aber diesen Blick, der nie so 100% genau ist auf das Geschehen, wieder in so einer ganz einfachen Szene. Mutter... Potenzielle neue Stiefmutter, Vater und Tochter unterhalten sich und Tochter ist wütend.
Johannes Franke: Ja, was für mich, ich weiß nicht genau, ob ich einfach nur die Art und Weise, japanische Art und Weise zu spielen nicht verstehe oder ob sie wirklich schlecht sind, aber Ich weiß nicht. Ich habe ja nur mit englischen Untertiteln gucken können. Das ist die Originalsprache. Das heißt, ich kann eigentlich ... ganz schlecht beurteilen, was die Schafspieler wirklich können oder nicht können. Aber ich hatte immer den Eindruck, so richtig gut sind sie nicht. Aber das steht mir eigentlich nicht zu, das wirklich zu beurteilen, weil ich es nicht, ich bin in dem Kulturkreis nicht, ich habe keine Ahnung.
Florian Bayer: Was fandst du denn nicht gut? Also kannst du es konkret sagen? Es ist alles gestellt. So artifiziell auch.
Johannes Franke: Das ist alles hingestellt. Also du musst jetzt, wir brauchen jetzt die Situation, wo du würdend wirst wegen der Mutter. Aber es ist alles sehr, ich glaube aber, dass das eine kulturelle Sache ist, dass sowieso sehr viel in diesem Kulturkreis über Symbole, Symbolhandlungen, Symbol... Ästhetik gehandelt wird und gezeigt wird. Und ich glaube, dass das Spiel sich entsprechend anpasst. Was ich aber auch aus anderen Filmen aus dem Bereich anders kenne. Also das... muss nicht immer so sein.
Florian Bayer: Ja, japanische Filme müssen nicht so sein. Auch japanische Filme aus den 70ern müssen nicht so gestellt wirken. Es ist ganz interessant, weil ich habe noch gar nicht so viel über das Schauspiel nachgedacht.
Johannes Franke: Ja, ich bin immer derjenige, der das hier dann... Einmal auf den Tisch springt und sagt, na.
Florian Bayer: Ich glaube, ich war einfach zu sehr geflecht von den Farben, von dem Setting, von dem Spiel der Kamera. Und von den Effekten, dass ich gar nicht sehr darauf geachtet habe, dass das Schauspiel tatsächlich teilweise sehr merkwürdig ist. Auch wenn die Freundinnen sich unterhalten, die ja alle so ... komplette Stereotypen sind.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und da kommt wieder das Kindliche zum Vorschein.
Johannes Franke: Genau. Was auch echt nervt am Anfang. muss ich mal sagen. Also dieses Gegackere und dieses die ganze Zeit kichern die vor sich hin und eigentlich gibt es keine substanzielle Unterhaltung oder so oder sie unterhalten sich über den heißen Lehrer oder was?
Florian Bayer: Genau, über den heißen Lehrer von dem Fantasieträumen. Das sind die Namen. Das ist ganz toll. Der Film, wie gesagt, die Charaktere sind totale Stereotypen oder sogar Archetypen. Und ihre Namen sagen schon, was ihre Eigenschaften sind. Und das sind ihre Eigenschaften und sonst nichts. Das ist, glaube ich, wieder dieser kindliche Einfluss. Also wir haben zum Beispiel die einzige mit einem Namen, der so ein bisschen ... Ein bisschen verschleiert, wie ihre Persönlichkeit ist, ist unsere Protagonistin, Oshame, die im Englischen als Angel untertitelt wurde. Hast du das gesehen?
Johannes Franke: Als Gorgeous.
Florian Bayer: Ah, interessant. Bei meinen Untertiteln wurde sie als Angel untertitelt.
Johannes Franke: Ah, okay.
Florian Bayer: Und dann haben wir Kung-Fu.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Wie leicht zu erraten es die sportliche ist.
Johannes Franke: Tada.
Florian Bayer: Wir haben Prof, beziehungsweise Garry. Das ist die Intelligente. Das erkennt man daran, dass sie eine Brille trägt. Dann haben wir Sweetie. Das ist die... na ja, die allen helfen will, die häusliche, die mal Ordnung machen will und für alle da sein will, dann haben wir Fantasy. die eine ganz wichtige Rolle spielt. Das ist die, die immer in ihren Tagträumen hängt. Es gibt wunderschöne Szenen, wenn sie in ihren Tagträumen von ihrem Lehrer hängt, wie er sie rettet. Als der große Held.
Johannes Franke: Oh Mann.
Florian Bayer: Dann haben wir Melody, die wenig überraschend die musikalisch in der Gruppe ist.
Johannes Franke: Die sitzt am Klavier.
Florian Bayer: Und dann haben wir Meg, die immer nur ans Essen denkt. Und das war's. Das ist unsere Gruppe. komplett stereotype Charaktere. Man sieht sie einmal, man bekommt ihren Namen gesagt. Genau. Über jede von ihnen wird einmal ein One-Liner gemacht. Ja. Du musst immer ans Essen denken, du immer mit deinen Fantasien und wir wissen genau, was für Personen wir hier vor uns haben. Das unterstreckst du diesen Katalogcharakter?
Johannes Franke: den ich die ganze Zeit im Kopf habe von diesem Film.
Florian Bayer: Ich dachte an das Kindliche. Ich glaube, das ist so wie ein Kind so eine Geschichte schreiben würde. Ein Kind denkt sich sehr eindimensionale Charaktere aus. Und ein Kind... Überlegt dann, wie die Namen von den Charakteren sein können. Denkt so, naja, die denkt immer ans Essen. Natürlich, Mac wie McDonalds. Macht doch Sinn.
Johannes Franke: Oh Gott. Ja, okay. Aber das Problem ist, dadurch habe ich Also zum einen, weil die Personalie recht groß ist, ist es schwierig und zum anderen eben, dass es so Stereotype sind, die nicht wirklich gute Geschichten bekommen. Fehlt mir ein bisschen die Beziehung zu den Charakteren.
Florian Bayer: Die gibt es nicht.
Johannes Franke: Also die gibt es halt einfach nicht. Ich habe da nicht so ein... Zugang höchstens eben zu Shama oder wie sie heißt, die zu ihrer Tante eben die anderen alle mitnimmt. Aber auch zu ihr eher dünn.
Florian Bayer: Ja, ihre Story-Arc ist ja auch... Ziemlich plump.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Sie ist wütend auf ihren Vater. Sie will allein Urlaub verbringen. Sie will noch einmal in ihre Vergangenheit reisen, zu ihrer Tante, die sie nur als Kind einmal gesehen hat, ins Haus ihrer Mutter, vielleicht auch so ein bisschen als Rache an ihrem Vater, an ihrem verwitweten Vater, der jetzt neu heiratet. Ja, das ist dünn. Es passt für mich zu ... Genau, es gibt keine Empathie mit den Charakteren. Passt für mich zu dem Gesamtkonzept des Films, dass das Medium ständig sichtbar ist. Er baut einfach keine Immersion auf und es ist kein Suspension of Disbelief möglich, einfach weil wir viel zu oft daran erinnert werden, dass wir uns in einem Film befinden. Und tatsächlich kurz darauf, wenn sie unterwegs sind, zu der Tante kommt ja auch die Szene, die das am krassesten unterstreicht und die für mich eine der... tollsten Szenen des Filmes ist, wenn unsere Protagonistin Oshame erzählt, wie ihre... Vater und ihre Mutter, wie sie sich kennengelernt haben und woher sie kommen. Sie erzählt das ihren Freundinnen im Zug. Aber sie erzählt es nicht, sondern sie schauen sich die Bilder zusammen an. Sie reisen zusammen in die Vergangenheit. Sie schauen sich keine Fotos an, sie schauen sich keinen Film an. Sondern sie beginnt ein bisschen zu erzählen und plötzlich sehen wir als Publikum in Stummfilmszenen diese Momente. Und dann erzählt sie auch nichts mehr und dann sagen ihre Freundinnen, oh, guck mal, da ist ja deine Mutter, die sieht ja aus wie du. Ist das nicht schön? Oh, fantastisch.
Johannes Franke: Und ich frage mich die ganze Zeit, hä, woher wissen sie das? Wie kriegen die das mit? Aber die haben doch am Ende Bilder in der Hand. Ja, aber ...
Florian Bayer: Sie bewegen sich da drin. Sie läuft dann ja auch irgendwann mit dem Schirm in diesem Stummfilm-Zimmer. Ja, genau. Und dann brennt einmal dieser Film kurz ein. Und dann sagen sie, oh, das Feuer der Liebe ... Es ist fantastisch. Es ist so eine tolle Szene, weil das Medium komplett aufgerissen wird. Wir befinden uns in einem Film, hey, dann können wir die ja auch in diesen Film reinschauen. Und sie kommentieren dann einfach nur noch, als ob sie dabei wären.
Johannes Franke: Aber irre ich mich oder ist das irgendwie ... schon irgendwie so etwas, was gerade im japanischen Kulturkreis besonders zu finden ist. Mir kam das sofort total Weiß ich nicht. Ich habe ein Gefühl dafür aus diesem Kulturkreis.
Florian Bayer: Ich weiß gar nicht, ob ich jetzt Selbstreferenzialität so sehr mit dem japanischen Kino verbinden würde.
Johannes Franke: Das nicht unbedingt, aber diese Art und Weise, das anzugehen und damit zu spielen und das zum, ich weiß nicht, keine Ahnung.
Florian Bayer: Auf jeden Fall wird im japanischen Kino oder noch allgemeiner im asiatischen Kino öfter Surreales in die Handlung eingeflochten. eher davon ausgegangen, dass das als gegeben akzeptiert wird. Es wird vielleicht nicht so als Störung der Suspension of Disbelief wahrgenommen.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, vielleicht ist es das. Was ich meine. Dass man irgendwie eher akzeptiert, dass dann nochmal ein surreales Element, was irgendwie eine dritte Deutungsebene einführt. Ja.
Florian Bayer: Vielleicht.
Johannes Franke: Dass das viel mehr akzeptiert ist da, dass das einfach passiert. Und dann kommst du aus dieser Sache wieder raus und bist wieder in der Geschichte.
Florian Bayer: Ja, was tatsächlich präsent ist dann am Anfang in dieser Geschichte, ist vor allem der Kitsch. Es ist so zuckersüß alles und weich gezeichnet.
Johannes Franke: Ruhige Minute ohne Musik. Es ist die ganze Zeit diese Musik drunter. Das heißt, du kannst auch keinen später, soll es ja so ein bisschen horrormäßig werden, aber das wird es einfach nicht, weil die Musik die ganze Zeit dagegen arbeitet. Ja. Du hast immer diese liebliche oder... Und sie ist so ein schrecklicher Ohrwurm.
Florian Bayer: Sie wird ja auch immer wieder wiederholt. Ja. Dann setzt sich Melodie nachher ins Klavier und spielt auch wieder diese Melodie. Und es ist eine ganz simple Melodie.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Ich fand es so schön, weil es war das Gefühl, wirklich in einer kitschigen Kinderfantasie gefangen zu sein. Und zwar wirklich gefangen, ohne dass es ein Entkommen gibt. Es ist alles zuckersüß, es ist alles kunterbunt und alle haben Freude und lachen zusammen. Und dann kommen sie auch an an diesem Ort irgendwo entlegen in der japanischen Landschaft und sagen auch, es fühlt sich an, als wären wir in einer fremden Welt verloren. Und genauso fühle ich mich in dem Moment auch als Zuschauer.
Johannes Franke: Das stimmt, ja. Ja, das schafft der Film tatsächlich sehr gut. Also einen da wirklich reinzuziehen und zu sagen, so, jetzt lass dich mal drauf ein und dann... mal Spaß.
Florian Bayer: Und du bist wirklich verloren auch. Ab einem gewissen Punkt kann man nur noch mit den Schultern zucken und sagen, okay. Es ist so, es ist total fremd, es ist surreal. Aber es funktioniert auch irgendwie, weil er so viele Geschütze auffährt, dass man ihm einfach nicht entkommen kann.
Johannes Franke: Ja, ist wirklich schön. Also das hat mich auch tatsächlich, also ich habe am Anfang gedacht, ich komme einfach nicht darüber weg, dass diese Mädchen so wahnsinnig kicherig inszeniert und so wahnsinnig auch so ein bisschen den... unguten Einschlag von, weiß ich nicht, so Pädophilie. Darüber müssen wir reden. Der ist wirklich... Oh, schwer.
Florian Bayer: Ich habe den in diesem Film gar nicht gespürt am Anfang. Und das finde ich ist tatsächlich ... Wir kommen zu späteren Szenen. In der ersten halben Stunde, wenn die Mädchen etabliert werden, hatte ich das Gefühl, dieser Film hat nichts Verruchtes. Und wenn du an Schulmädchen und 70er Jahre denkst, dann läuten natürlich alle Alarmglocken. Aber wirklich? Zeiten, in denen ganz viel gemacht wurde. Und zwar nicht von den Japanern, sondern wir Deutschen waren die Schlimmen in dieser Zeit. Wir haben unsere gefühlt 25 Schulmenschenreport-Filme gedreht. Oder die Franzosen oder so. Und ... Dieser Film ... Ich hatte in dem Moment nicht das Gefühl, dass da irgendwas rüberschwappt. Ich hatte keinerlei Pädophilie-Vibes. keinerlei, hey, hier kommt so ein Schulmenschen-Report-Ding, sondern ich fand es einfach so kitschig, naiv und kindlich, dass ich da keine versteckte oder offensichtliche Erotik gesehen habe, sondern wirklich einfach nur diese verstühlten Kinder, die Spaß zusammen haben.
Johannes Franke: Hm, okay. Nee, das war für mich von Anfang an drin. Das fand ich irgendwie echt ein bisschen verstörend am Anfang. Und irgendwann habe ich mich so ein bisschen... hat sich das abgelöst durch den ganzen Wahnsinn, den sie einfach in diesem Film haben.
Florian Bayer: Aber durch was hast du das gespielt? Uniform an, aber typische Schulmädchenuniform.
Johannes Franke: Ja, ja, ich versuche es die ganze Zeit irgendwie eine Revue passieren zu lassen im Kopf, um rauszufinden, an welchen Stellen Aber es ist gleich am Anfang, gleich die ersten Gespräche, die sitzen jetzt zusammen am Fenster da.
Florian Bayer: Aber ist es vielleicht auch einfach nur die filmische Sozialisation, dass wir es gewusst sind, sowas zu sehen und wissen, oh Gott, dieser Filmemacher, der das gemacht hat, macht das natürlich nur, um den unter den Rock gucken zu können?
Johannes Franke: Ja, das kann sein. Ja.
Florian Bayer: Ich fand, die waren halt auch so kindlich naiv. Die haben auch nicht gewirkt wie das Alter, in dem sie eigentlich sein sollen. Die sollen ja so 16 sein.
Johannes Franke: Ja, aber das sind die ja, das merkt man ja nicht, dass die das nicht sind. Die sind älter.
Florian Bayer: Aber vom Verhalten wirkten sie eher noch jünger. Und das ist halt so kindisch, dass diese jugendliche Erotik überhaupt nicht rübergekommen ist.
Johannes Franke: Aber vielleicht ist es das... Was mich so verstört hat, dass die offensichtlich viel zu älteren, alten Mädchen, Frauen Kinder spielen. Was einen ganz komischen Anstrich hat. Nein, tu es nicht.
Florian Bayer: Ich weiß nicht, für mich war es in dem Moment einfach nur tatsächlich eine Kindergeschichte. Und es hat dieses Verruchte, was man eigentlich erwarten würde von einem Setup-Schulmädchen... 70er Jahre Horror, Fantasy Exploitation. Das hatte es überhaupt nicht. Und ich war sehr dankbar dafür, Okay. Es kommt nachher nochmal anders. Dieses exploitative Moment kommt auf jeden Fall rein. Aber In den 30, 45 Minuten am Anfang, bevor der Horror losgeht, war das für mich total okay. Kein Gefühl davon, dass hier ein Päderast hinter der Kamera steht, der seine heimlichen Gelüste ausleben will.
Johannes Franke: Okay. Okay, also es war tatsächlich nicht deutlich und es gab keine Szene, die ich jetzt wirklich in den Kopf kriegen könnte, wo ich weiß, Das kann man anführen als tatsächlich sehr problematische Szene. Das stimmt, das geht nicht. Aber dieses... Vielleicht ist es das, was du sagst, dass man das so kulturell mitdenkt, wenn man das einfach kennt.
Florian Bayer: Wir sind so sozialisiert. Also die Filme... Das ist halt auch das Krasse, wenn Filme aus der damaligen Zeit und selbst bis heute so Schulmädchen darstellen, Dann schwingt ganz oft in einer ganz einfachen Inszenierung dieses Ding mit. Und wenn es nur eine Kamera ist, die mal von unten die Beine hochfährt.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Das ist fast schon so... Im Filmkanon drin. Das ist eigentlich total schrecklich. Ja, total.
Johannes Franke: Das ist
Florian Bayer: einfach so, das ist die Kameraeinstellung, wenn du ein Schulmädchen zeigen willst. Du fängst bei den Füßen an, gehst die nackten Beine hoch und dann bist ... Und das macht der Film meiner Meinung nach nicht oder so wenig oder so gebrochen, dass ich diese Vibes nicht spüre.
Johannes Franke: Ja, gut.
Florian Bayer: Und es ist tatsächlich, es ist lange, ne? Also dieser Anfang ist, das ist ein relativ langer Beginn, der auf Gefahr läuft, immer so ein bisschen langatmen. Ja. Weil dafür, dass er eigentlich ein Spukfilm sein will.
Johannes Franke: Davon habe ich am Anfang nichts gemerkt. Gar nicht.
Florian Bayer: Was ist das am Anfang? Irgendwie eine Art Märchen?
Johannes Franke: Aber weißt du, jetzt fällt mir es ein.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Die fangen an, sexualisiert über diesen Lehrer zu reden.
Florian Bayer: Wirklich?
Johannes Franke: Nein. Da wollte ich nicht Teil sein. Das wollte ich gerne vorspulen.
Florian Bayer: Sie reden doch... Das ist doch so unschuldig, wie diese Fantasie den Leere anhimmelt.
Johannes Franke: Weiß ich nicht.
Florian Bayer: Sie stellt ihn sich vor in Uniform, wie er sie rettet nach einem Mann.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Nein, aber in der Welt dieser Mädchen nicht statt.
Johannes Franke: Ach man, ich weiß nicht. Vielleicht macht mein Kopf auch komische Sachen damit.
Florian Bayer: Das ist auch gemein, zu sagen, Moment, du bist der Perverse, wenn du das da drin siehst.
Johannes Franke: Ja, genau. Toll. Okay. Naja, aber ich bin darüber hinweggekommen irgendwann, weil der einfach der Film genug Zeug macht. Das ist meine Heizung, die da komische Geräusche macht. Ich weiß nicht, ob das über das Mikro jetzt rüberkommt.
Florian Bayer: Also ich höre es gerade ganz stark, Siri. Ich drehe mal kurz runter.
Johannes Franke: Nee, es wird eine Weile so bleiben. Das hat mit dem Runterdrehen wird es nicht besser. Glaube ich. Okay, ja, also dadurch, dass da so viel Kram passiert, komme ich irgendwann drüber weg und bin dann einfach nur noch, okay, gut, dann ist das jetzt so, muss ich mit klarkommen. Gibt es für den Anfang noch irgendwas zu sagen oder gehen wir mal in die Reise? Dass sie dann irgendwo in einem Haus ankommen.
Florian Bayer: Also ich glaube, ja, wir können zu einem Haus übergehen und zu einem Exploitation-Moment, der dann reinkommt. Weil bis dahin ist es für mich einfach nur ein wunderschöner, kitschiger Fantasy-Trip. Es gibt nicht viel Fantasy, es ist eher so irgendwie zwischen Experimentalfilm und kindlicher, nostalgischer Fantasie. Und dann kommen sie in dem Haus von der Tante an. von Oshama. Oba Shama heißt sie. Und die sitzt im Rollstuhl. und freut sich sehr über die Ankunft der jungen Mädchen, weil sie offensichtlich lange keine Gesellschaft hatte.
Johannes Franke: Du hast ein kleines bisschen den bescheuerten Vorweg-Typen...
Florian Bayer: Den Melonenmann.
Johannes Franke: Der Melonenmann, der wohl aus der Crew kam, der eigentlich Crewmensch war.
Florian Bayer: Dann bitte. Dann Einsatz. Du willst was zu dem Melonenmann sagen.
Johannes Franke: Der Melonenmann. Das ist das erste Mal, Sagt mir eine Figur das in dem Haus, was nicht stimmen wird. Indem er den Mädchen sagt, oh, da wird sich Tante aber freuen, dass sie da sein. Aber er sagt es nicht so gut gespielt im Sinne von, wir machen das mal subtil. Sondern er ist drüber, drüber, drüber und noch drüberer.
Florian Bayer: Also der klassische Vorbote des Horrors. Im Horrorfilm der 70er Jahre besonders, gerade im amerikanischen Horrorfilm hat man das immer, wenn jemand in die einen Öde fährt und dann irgendwann einem Killer begegnet. muss mindestens einmal vorher kurz eine Szene sein an einer Tankstelle oder an einem Convenience-Store, irgendwo in der Einöde, wo ein ... schräger Typ ist und sagt, mit den Armen fuchtelt. Der Tod wartet auf dich. Und dieser Typ macht das ganz großartig, also wie er schon eingeführt wird. Sie kommen da an an diesen Melonenstand und nehmen die Melone weg und dann sehen wir seinen Kopf da liegen.
Johannes Franke: Direkt dahinter, hinter der Melone. Vorher ist da niemand. Und ich weiß nicht, sie haben so einen dicken Typen, der sich so richtig... dämlich verhält, irgendwie keine schöne, ich weiß nicht, er macht so einen auf Slapstick.
Florian Bayer: Slapstick. Eine Szene müssen wir noch kurz nennen. Eigentlich sollte ein Lehrer mitkommen mit Ihnen. Und der kommt allerdings nicht mit, weil er den Zug verpasst, weil er einen Unfall hat. Und das wird auch inszeniert in so einer wundervoll albernen Slapstick-Szene, wo er ... mit Stop-Motion animiert eine Treppe runtergezogen wird.
Johannes Franke: Ich hab das nicht verstanden.
Florian Bayer: Ich hab das auch nicht so ganz verstanden. Ich glaub, das sollte einfach eine Slapstick-Szene sein. Er geht aus dem Haus, er muss den Zug kriegen, er rennt los ... Und dann passiert ihm irgendwie ein Unfall und er fällt und dann dreht er sich über den Boden und es war total albern. ist für mich immer noch die kindliche Seite des Films.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Wir sind in einer kindlichen Traumwelt. Hey, da können wir auch noch ein bisschen Slapstick-Humor mit einbauen. Passt ja ganz gut. Und dieser Melonenmann auch tatsächlich. auch wenn er der Vorbote des Grusels, des Übels ist.
Johannes Franke: Und weißt du schon da, wenn er sagt ... Da wird sich Tante aber freuen, dass ihr da seid. Schon da denke ich, ja ist okay, ich habe es begriffen. Musst du nicht nochmal sagen. Und dann kommt aus dem Film immer noch ein paar Mal, dass irgendjemand irgendwie nochmal deutlich machen muss, dass diese Tante schwierig ist. Ja, das stimmt. Das ist echt.
Florian Bayer: Das ist vielleicht so als Vorbereitung auf den folgenden hyperaktiven hysterischen Albtraum.
Johannes Franke: Nun ja, sie kommen da an und Tante ist erstmal sehr nett.
Florian Bayer: Genau, Tante ist nett. Tante ist nicht schrullig, Tante ist nicht unheimlich, sondern Tante sitzt in ihr im Rollstuhl, freut sich über sie, begrüßt sie, sagt, hey, toll, dass Kinder da sind, ich hab hier so wenig Gäste.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Eigentlich ist alles schön, die Katze ist merkwürdig. Und dann auch diese Szene am Anfang, wenn sie in das Haus reinkommen und diese Ratte von dem ... Kronleuchter und Kung-Fu kämpft gegen den Kronleuchter, um die Ratte zu besiegen. Und es war zu schnell, ich habe nicht verstanden, was diese Szene sollte.
Johannes Franke: Keine Ahnung, aber diese Ratte wird erstochen vom Grundleuchter, oder?
Florian Bayer: Genau, weil Kung-Fu, ich glaube, die eigentliche Szenenabfolge ist ... Sie kommen in das Haus, sie sehen die Ratte, sie erschrecken. Kung-Fu tritt den Kronleuchter, der fällt runter und tötet die Ratte.
Johannes Franke: Ich hatte den Eindruck, dass der Kronleuchter das selber macht.
Florian Bayer: Ja, gut möglich. Das Haus hat sowieso sein Eigenleben. Und das wird auch nie verborgen. Sie kommen rein und die Tante sagt so. Nicht so, das ist 90er oder 80er-Licht. Und dann wird alles schön heimelig. Und die Tante unterhält sich dann auch mit dem Ofen und sagt, hey ... Soll ich dir noch ein paar Holzscheide reinwerfen?
Johannes Franke: Und sie erzählt auch den anderen, dass sie sich mit allen Gegenständen in ihrem Haus unterhält. Und es stört auch niemanden und niemand wundert sich, wenn die Tür einfach von alleine aufgeht.
Florian Bayer: Genau, das Haus hat ein Eigenleben, aber es ist irgendwie, es ist in Ordnung. Es gehört einfach zur Atmosphäre des Films, deswegen akzeptieren unsere Protagonistinnen das auch.
Johannes Franke: As one does, okay.
Florian Bayer: Und dann beginnt langsam der Grusel, ne?
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Sagt das. Fantasy ist die erste, die es trifft. Das ist nicht Mac? Ja, eigentlich Mac, aber von Mac sehen wir nicht viel. Mac verschwindet einfach.
Johannes Franke: Mac verschwindet einfach, wird aber der Kopf von Mac aus dem Brunnen geholt.
Florian Bayer: Genau, genau, genau. Und Mac wird gegessen. Aber Fantasy ist die, die den Kopf aus dem Brunnen zieht.
Johannes Franke: Richtig, genau, ja.
Florian Bayer: Und der Kopf greift dann auch Fantasy an und beißt sie in den Allerwertesten.
Johannes Franke: Aber auch eher spielerisch.
Florian Bayer: Ja, genau. Das war auch zum Beispiel so ein Moment, wo er nicht das exploitativ ausgenutzt hat. hat. Es ist auf dieser spielerischen Ebene geblieben. Es ist keine merkwürdige Erotik, die da mitschwingt, sondern Wie sich ein Kind vorstellt, dass jemand anderen in den Hintern beißt. Das passiert halt. Aber Fantasy ist ziemlich mitgenommen davon.
Johannes Franke: Wobei sie echt lange braucht, um zu reagieren. Ja. Sie guckt sich sehr lange diesen Kopf an. Es gibt so eine Comic-Verzögerung.
Florian Bayer: Sie hat den Kopf in der Hand, sie schaut ihn an. Ah!
Johannes Franke: Und plötzlich geht's los.
Florian Bayer: Ja. Das ist übrigens auch ganz witzig, dass die ... Im Folgenden werden die Protagonistinnen alle eigentlich so heimgesucht von Ängsten, die irgendwie mit ihnen zu tun haben, mit ihrem Charakter. Fantasy sieht ... Gruselige Bilder. Mac, die immer verfressen ist, wird gegessen. Sweetie stößt beim Aufräumen auf eine zuckersüße Puppe und wird dann von Baumwollmatratzen erschlagen.
Johannes Franke: Und vom Rest des Zimmers?
Florian Bayer: Vom Rest des Zimmers. Kung Fu bekommt eine fantastische Kampfszene. Ganz großartig. In der sie gegen Holzscheiter kämpft. Plötzlich Martial Arts.
Johannes Franke: Und das Schöne ist, sie gewinnt noch.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und bleibt uns noch eine Weile erhalten. Was ich sehr schön finde, weil Kung Fu fand ich spannend.
Florian Bayer: Kung Fu war toll. Und das ist so toll. Genau, sie wird angegriffen von den Holzscheiden, aber das ist natürlich kein Problem, weil sie ist super sportlich, sie kann gut kämpfen. Und dann kämpft sie gegen diese Holzscheide und sie springt rum und sie schlägt. Und es ist wirklich, für einen Moment haben wir das Gefühl, wir sind in so einem japanischen Wushia-System. Martial-Arts-Film aus den 70ern.
Johannes Franke: Ja, sehr schön.
Florian Bayer: Und auch wirklich gut choreografiert.
Johannes Franke: Das stimmt.
Florian Bayer: Kann man sich nicht beschweren.
Johannes Franke: Ach Gott, mir fällt gerade noch auf, dass die Tante ja, bevor Mac gegessen wird, ihr schon noch sagt, you sure look tasty. Der Film will mir die ganze Zeit um die Ohren hauen, was passieren wird. Es ist unglaublich. Und dann steht auch die Tante so ganz, also nachdem Mac gegessen wurde, steht die Tante halt dann auf und hat hat wieder Energie.
Florian Bayer: Sie kann einfach wieder. Das ist in Ordnung. Aber diese Tante bekommt dann wirklich eine großartige Szene auch. Also es fängt damit an, dass sie beim Essen sitzen und sie essen die Melone, die sie nach dem... Genau, Fantasy hat den Kopf gesehen, Hilfe, Hilfe, da ist ein Kopf im Brunnen. Die anderen Mädchen gehen zu dem Brunnen, der natürliche Kühlschrank, weil der Kühlschrank der Tante kaputt ist und holen die Melone raus, lachen sich kaputt. Fantasy hat wieder nur irgendwelche komischen Bilder im Kopf. Und da ist ja unsere Melone und sie hat das für den Kopf gehalten und dann essen sie die Melone. Und während dieses Essens sieht dann Fantasy plötzlich, dass die Tante ein Auge im Mund hat, statt dem Melonenstück.
Johannes Franke: Und mit dem Auge nach links und nach rechts guckt.
Florian Bayer: Genau. Wir können es leider nicht sehen.
Johannes Franke: Aber du hast das sehr schön nachgemacht. Wir könnten Eintritt verlangen.
Florian Bayer: Und dann gibt es diese tolle Szene der Tante, wie sie durch das Haus tanzt. Mit dem Skelett tanzt und Blut trinkt und die Hand von Mac ist. Und sie ist wie so ein kleiner Kobold. Verschwindet dann auch und dann guckt sie in die Kamera und lächelt zu dem Publikum und macht sich irgendwie lustig über ihre neuen Opfer. Also wir wissen in dem Moment, die Tante ist definitiv irgendwie die Böse.
Johannes Franke: Ja, das wissen wir aber schon sehr lange.
Florian Bayer: Wir wissen nicht, was sie genau ist. Also in dem Moment wirkt sie so ein bisschen wie eine Hexe auch, weil sie tanzt wirklich auf eine lustige, alberne Weise mit dem Skelett. Sie zwinkert uns praktisch zu und es ist ein sehr merkwürdiger Moment, aber auch ein sehr amüsanter Moment, weil man einfach sieht, wie viel Spaß die Tante hat mit dem Grusel, den sie und ihr Haus erzeugen.
Johannes Franke: Ja. Man weiß nicht genau, ob man nicht als Zuschauer irgendwann... die Tante als Sympathiefigur annehmen soll. Das ist so der Gedanke, den ich habe an der Stelle. Aber absolut. Dass ich das Gefühl habe, okay, die kleine Hexe sozusagen. Ja, genau. Ich will plötzlich dieser Figur... Raum geben und Sympathie geben, aber irgendwie, weiß ich nicht, er fährt das nicht weiter, der Film.
Florian Bayer: Vielleicht, weil die anderen Charaktere halt auch so eindimensional sind. Man sucht irgendwie was, woran man sich klammern kann. Weißt du, wer für mich der Sympathieträger des Films war?
Johannes Franke: Die Katze?
Florian Bayer: Das Haus. zu Snowy. Zu der müssen wir gleich noch kommen. Aber das Haus war für mich der Sympathieträger des Films. Das Haus hat ein Eigenleben. Das Haus ist... Wirklich so ein Kobold, der seinen Schabernack treibt mit den Mädchen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das Haus ist irgendwie bösartig, aber auch irgendwie lustig, weil das Haus immer auch genug Humor mit reinbringt. Und es ist einfach ein... wundervolles, filmisches Gebäude.
Johannes Franke: Das stimmt. Da hast du vollkommen recht. Oh nein, oh nein. Ich spüre da was.
Florian Bayer: Ich auch. Es kommt, es kommt.
Johannes Franke: Die Top 3. Flor, ich habe was für dich. Ja, ich habe einen Jingle gebaut.
Florian Bayer: Yay!
Johannes Franke: Klasse! Ich hatte ihn dir schon zugeschickt, aber hast du den angehört? Nein.
Florian Bayer: Fuck. Na toll. Du hast deinen Schingel gebaut, pass auf, den spiele ich jetzt gleich vor.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Den hast du mir wahrscheinlich per Messenger geschickt.
Johannes Franke: Genau. Also per ...
Florian Bayer: Oh, fantastisch. Fantastisch. Den nehme ich. Das wird ab sofort unser Jingle. Top 3, genau. Wir sind wieder bei den Top 3 und Wenig überraschend, die Top 3 Gebäude im Kino.
Johannes Franke: Ja, die Top 3 Gebäude. Also, äh ... Pentagon oder was? Johannes. Was meintest du?
Florian Bayer: Alles. Also es geht nicht um die besten Filme mit Gebäuden, weil in den meisten Filmen kommen Gebäude vor. Ich wollte tatsächlich... Drei beeindruckende Gebäude. Die Filme selbst müssen gar nicht gut sein. Einfach die Gebäude sollen toll sein. Okay.
Johannes Franke: Ähm, fang du doch an mit Platz 3.
Florian Bayer: Mein Platz 3 ist die, äh, Basis von Plofeld in, man lebt nur zweimal, von, ähm, James Bond.
Johannes Franke: Aus dem Jahr 1967 und zwar in einem Vulkan.
Florian Bayer: Oh! Und die hat alles, was so ein Superbösewicht, der die Welt zerstören und ganz viel Geld haben will, als Basis braucht. Sie ist halt in einem Vulkan, sie ist kreisförmig aufgebaut, sie hat große Kanonen. Sie hat so kleine Verstecke und sie ist einfach ein fantastischer Tempel des Bösen.
Johannes Franke: Okay, hast du... Hast du irgendein Ding am Laufen mit Gebäuden in Filmen? Weil ich habe nur langweilige Sachen. Mir fallen Gebäude im Film nicht so auf wie die anscheinend.
Florian Bayer: Ich habe aber auch lange überlegen müssen. Ich habe noch ein paar Honorable Mention.
Johannes Franke: Ich habe eine Honorable Mention.
Florian Bayer: Okay, dann haut die zuerst raus.
Johannes Franke: The Shining.
Florian Bayer: Ah, das Overlook Hotel, ne?
Johannes Franke: Genau, das ist wirklich toll. Ja. Aber es ist nicht in die Liste gekommen, weil ich nicht in der Stimmung für große Hotels war.
Florian Bayer: Und du hattest Shining auch schon bei den Top-Geistern, ne?
Johannes Franke: Genau, und deswegen dachte ich, na ja.
Florian Bayer: Meine Honorable Mention wären sämtliche Häuser in das Kabinett des Dr. Caligari aus dem Jahr 1920. Weil das so wunderschön surrealistische Bauten sind, die so verzerrt sind und schräg.
Johannes Franke: Warum bin ich nicht auf die 20er gekommen? Die haben ja wirklich sehr viel gemacht in der Richtung. Tolle Sets gebaut. Oh mein Gott. Na gut, okay. Das nächste Mal. Mein Platz 3 ist Hobbingen. Herr der Ringe. Für die Hobbits wohnen.
Florian Bayer: Du bist bei dem Peter-Jackson-Film, nicht bei dem Zeichentrick-Film.
Johannes Franke: Ich bin bei Peter Jackson.
Florian Bayer: Ja, schön.
Johannes Franke: Ganz toll. Ich würde immer in sowas wohnen.
Florian Bayer: Sind das Häuser oder Höhlen oder Hügel?
Johannes Franke: Es wird von Tolkien als Höhle bezeichnet.
Florian Bayer: Ja, wirklich toll. Ja, definitiv. Wirklich eine schöne Architektur.
Johannes Franke: Gefällt mir sehr.
Florian Bayer: Ja. Und definitiv eine bessere Wahl als irgendeine der großen Städte oder Hemsclum oder so.
Johannes Franke: Ja, genau. Also ... Obwohl es natürlich spannend wäre bei Inmodor. Naja, egal. Okay.
Florian Bayer: Nummer zwei. Meine Nummer zwei, das Haus aus Paper House. Albträume werden wahr, aus dem Jahr 1988. Sagt dir jetzt vielleicht nichts? Ein Gruselfantasy-Film britischer Herkunft. Für ein junges bis jugendliches Publikum. Den habe ich, glaube ich, gesehen, als ich zehn oder elf war. Und er hat mir so eine Scheißangst gemacht.
Johannes Franke: Oh.
Florian Bayer: Es geht um ein Mädchen, das ein Haus malt. Und in ihren Träumen reist sie dann zu diesem Haus. Und dann malt sie noch einen Jungen hinein, damit sie da Gesellschaft hat und malt so peu à peu weitere Dinge hinein, um Spaß zu haben, zum Beispiel eine Eismaschine. einen Ball zum Spielen und so weiter. Und dann verwandelt sich das Szenario aber irgendwann in einen Albtraum. als sie ihren alkoholabhängigen Vater da reinmalt und dann doch so viel Angst davor hat, dass sie anfängt, das Bild komplett durchzustreichen, alles schwarz malt und das... und mehr will ich nicht sagen, weil das zu viel gespoilert wäre.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Es wäre vielleicht ein Film, den wir in einer der kommenden Folgen besprechen werden. Okay. Das Tolle an dem Gebäude ist, es ist gemalt. Das heißt, sie malt dieses Gebäude und das wird auch entsprechend im Film dann umgesetzt und es ist alles etwas schräg und schief, die Treppen sind... nicht einfach schön straight nach oben führen, sondern haben Stufen, die ein bisschen höher sind und Stufen, die ein bisschen tiefer sind. Sie Vergisst einfach, Sachen reinzumalen. Einige Sachen erscheinen zweidimensional, weil sie sie einfach nicht vernünftig gemalt hat. Ein tolles Gebäude. Einfach dadurch, weil es diese kindliche Fantasie und dieses Unvermögen ... was realistisch zu malen in die dritte Dimension überführt.
Johannes Franke: Wow. Das klingt sehr cool. Okay. Ja, dann müssen wir es vielleicht wirklich mal besprechen. Bei mir geht es langweilig weiter mit Harry Potter.
Florian Bayer: Hogwarts? Ja, natürlich. Ja, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Das ist doch ein tolles Gebäude, das sich ständig verändert und Treppen hier, Treppen dort.
Florian Bayer: Verändert sich auch ständig über die Filme. mich hinweg. Mal liegt es an einem See, mal steht es auf einem Hügel.
Johannes Franke: Aber es ist wirklich toll umgesetzt auch in den Filmen. Also so wie ich mir das auch im Buch vorgestellt habe.
Florian Bayer: Ja, ein wunderschöner Ort. Spannend wäre tatsächlich die Frage, welches Hogwarts, weil wie gesagt, das unterscheidet sich ja von Film zu Film.
Johannes Franke: Hm.
Florian Bayer: Spontan würde ich sagen, das ist aus Teil 1, weil sie da am ehesten zeigen, wie die Treppen sich bewegen.
Johannes Franke: Genau, wahrscheinlich ist es das und dann auch die dicke Dame auf dem Bild den Werf. Was ich auch im Buch schon so wahnsinnig cool fand. Und dann irgendwie auch gut umgesetzt. Also wirklich schön.
Florian Bayer: Definitiv.
Johannes Franke: Doch, doch, doch.
Florian Bayer: Ja. Meine Nummer eins ist die Schokoladenfabrik von Willy Wonka 1971. Okay. Ja. Nicht die von Tim Burton.
Johannes Franke: Warum ist das so wichtig, der Unterschied?
Florian Bayer: Weil das einfach die klassische Schokoladenfabrik für mich ist. mag den Burton-Film tatsächlich auch und ich weiß, viele mögen den Burton-Film nicht. Ich mag den Burton-Film auch, aber Ich bin einfach mit dem anderen Willy Wonka groß geworden. Und das ist für mich dieses kitschig, naive ... kindliche, dieser künstliche Rasen und dieser komische Schokosee und das sieht einfach toll aus und Tim Burton hat auf seinen Film einfach mal noch so ein Eine Schippe draufgepackt und das ist dann ein bisschen zu viel. Der psychedelische Tunnel, durch den sie da mit dem Boot fahren, den hat Burton nicht mal in dieser Intensität drin, wenn Willy Wonka plötzlich wieder so ein wahnsinniger Psychopath. Part wirkt. Und es gibt an jeder Stelle was zu entdecken. Es ist bunt, es ist toll, es gibt Schokolade und es kommen ständig Kinder ums Leben. Was kann man sich mehr wünschen? Okay, mein Platz Nummer 1 ist Downton Abbey. Da musst du was dazu sagen. Downton Abbey hast du nicht gesehen. Nein, habe ich nicht gesehen.
Johannes Franke: Downton Abbey ist im Grunde Heißt genau so, weil es ist eine Abbey auf dem englischen Land und ist so ein Naja, so ein riesiges Landhaus. Also so ein riesiges von... Upper Class, weiß ich nicht, wie nennt er sich das? Naja, so Adel halt. Und das ist einfach so schön. So schön. Architektur aus dieser Zeit. Die sich auch mit den Jahren dann so ein bisschen angepasst hat, also weiß ich nicht, 1500 gebaut und dann bis 1920 immer wieder so mit Ergänzungen weiterentwickelt. finde ich eine ganz tolle, ganz toll von der Architektur. Ganz, weiß ich nicht. riesige Hallen mit Gemälden an den Wänden und mit Dann hast du so einen Salon mit einem Klavier und dann hast du, weißt du das, ich weiß nicht, da will man sofort einziehen.
Florian Bayer: Das ist schön, wir sind so unterschiedlich an diese Listen rangegangen. Du hast definitiv Orte gewählt, an denen du gerne leben würdest.
Johannes Franke: Definitiv.
Florian Bayer: Und ich habe eher Orte gewählt, die ich... aus anderen Gründen beeindruckend oder bizarr finde. Also ich glaube, ich würde weder in Blofelds Basis leben wollen, noch in dem Albtraumhaus von Paper House. Aber in Willy Wonkas Schokoladenfabrik würde ich sehr gerne leben. Ja. Jeden Tag Süßkram essen. Und wenn einem Kinder auf die Nerven gehen, kann man sie halt in den Schokoladenteich werfen. Sie werden vernichtet. Total.
Johannes Franke: Okay. Ich würde mal ganz kurz... Die Aufnahme checken, weil wir hatten inzwischen wirklich Probleme und ich würde mal ganz kurz reinhören. Wir sind gleich wieder da. Alles gut, die Technik hat uns nicht im Stich gelassen.
Florian Bayer: Gott sei Dank. Ich habe mir zwischendurch eine Zigarette angezündet und wir sind mit unserer Top 3 durch und sind wieder im Gruselhaus von ... Hausu.
Johannes Franke: Von Hausu. Ich gehe mal zurück in meine anderen, anderes
Florian Bayer: Ich muss mich auch kurz orientieren, wie unsere Protagonistinnen auch, weil es passieren dann wirklich sehr desorientierende Sachen.
Johannes Franke: Möchtest du noch Tee?
Florian Bayer: Ja, sehr gerne. Ah ne, ich hab noch genug, danke. Du hast noch genug? Ja. Genau, das war tatsächlich für mich das, was im letzten Drittel passiert, die Orientierung geht. sowohl für das Publikum als auch für die Protagonistin so ein bisschen verloren. Jetzt erst? Jetzt so richtig. Also ich finde, da gab es diese eine Szene mit den... Framelags? Was? Wenn Oshame Oshame sitzt vor dem Spiegel und das Spiegelbild macht sich selbstständig. Sieht aus wie ein Vampir und dann sieht sie aus wie ihre Tante und der Spiegel zerspringt und das Gesicht zerfällt. Eine ganz merkwürdige Szene, in der plötzlich die Haut so abblättert und wir sehen einen ganz bunten psychedelischen Hintergrund.
Johannes Franke: Naja, so feuerartig ein bisschen. Ja.
Florian Bayer: Wie konnte ich bis jetzt das Wort psychedelisch nicht benutzen? Das kennzeichnet so sehr den Horror, der dann nach und nach etabliert wird. Mit schrillen, bunten Farben, mit viel Lichteffekten. Und mit Köpfen, die vor einem Hintergrund schweben, also vor einem bunten Hintergrund schweben. Das ist... LSD teilweise.
Johannes Franke: Und auch in diesem Bild, oder? Im Hintergrund des Skeletters tanzt.
Florian Bayer: Wenn Melody am Klavier spielt, ihre Finger leuchten dann, die Klaviertasten leuchten, das Skelett fängt an zu tanzen. Das ist total merkwürdig.
Johannes Franke: Aber das stimmt. Ich muss jetzt immer wieder an deinem Vergleich mit der Kinderfantasie was Kinder dann eben gruselig finden oder was Kinder schreiben würden, was dann, wie das dann ist. Ja, natürlich, klar, dann ist dann das Skelett im Hintergrund.
Florian Bayer: Und Snowy, die Katze? Wie gesagt, die leuchtet immer so grün mit den Augen, bevor was passiert. Mit einem intensiven Blick. Und grünes Augenleuchten bedeutet in dem Fall ... Auch das Medium wird sichtbar. Es sind keine besonders gekonnten Special Effects, die hier angewendet werden. Es wird auf das Bild drauf gemalt.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Wir haben sehr viele Comicartige Szenen, in denen wirklich in das Bild reingemalt wird, in denen die Farben, die leuchten, einfach Farbkleckse sind.
Johannes Franke: Aber der Film hat uns ja gut darauf vorbereitet. Ja, sehr ausführlich darauf vorbereitet, dass Special Effects nicht unbedingt besonders elaboriert sein müssen, um zu funktionieren.
Florian Bayer: Und ich finde, er hat dann auch eine gute Steigerung. Also er fängt nicht gleich an mit dem totalen Horror, Sondern er steigert sich da so langsam rein und wird dann aber an einem gewissen Punkt wirklich einfach nur noch hysterisch.
Johannes Franke: Ja, hysterisches Chaos, was dann nur noch passiert. Ja. Aber sind wir schon soweit? Ich muss mal in meine Liste gucken. Ich habe mir tatsächlich für diesen Film relativ viel aufgeschrieben, einfach weil ich... relativ fassungslos davor gesessen habe und immer wieder gedacht habe, okay, das musst du jetzt aufschreiben. Passiert das gerade wirklich? Die Klamotten fehlen. Ach ja, wer ist das, die diese Puppe findet? Sweet. Sweetie, da ist mir erst mal aufgefallen, dass tatsächlich, dass sie es etablieren, zumindest versuchen zu etablieren, dass jeder einfach verschwindet und die Klamotten sind aber noch da. Ja, genau.
Florian Bayer: Das ist dann ja auch der große Plot-Twist, was da eigentlich passiert.
Johannes Franke: Hm. Und dann fantasiert dann noch die eine immer noch mal von ihrem Night in Shining Armor, der dann irgendwann kommt und sie retten wird? Oder sie irgendwie...
Florian Bayer: der der totale Depp ist. Das ist übrigens auch so ein Thema in diesem Film, die Erwachsenen sind zu nichts zu gebrauchen. Und das ist auch diese kindliche Seite, die Ich liebe das, wenn Filme, die eigentlich an ein kindliches Publikum gerichtet sind, die Kinder als die Verantwortungsbewusstsein zeigen. Das macht der Film weniger. Ja. Aber vor allem die Erwachsenen als die Deppen. Und das machen die besten Filme für Kinder mit kindlichen Protagonisten, machen das auch. Zum Beispiel Goonies aus den 80ern macht das. Oder um einen neueren Film zu nennen, Super 8. der zehn Jahre alt ist oder so. Und die Erwachsenen sind einfach die Deppen. Und Mr. Togo ist so witzig, weil ... Fantasy träumt immer davon, dass er sie rettet, dass er der große Erlöser ist, der große Held. Und der ist eigentlich ein totaler Depp, der sitzt im Stau. Der kommt nicht vor. Am Schluss wird er in Bananen verwandelt. Warum auch immer.
Johannes Franke: Warum auch immer in Bananen verwandelt? Was ist das? Warum ist der dann plötzlich... Er wird vorher gefragt, ob er eine Melone haben will oder sowas. Oder wie war das? Und dann sagt er, nee, Bananen sind mir lieber. Und dann ist er in Bananen.
Florian Bayer: Bananen, Bananen. Er schreit dann auf Bananen. Und man sieht nicht die Verwandlung, sondern am Schluss sieht man halt einfach sein Auto und da liegt eine Bananenstaude drin.
Johannes Franke: Das ist offensichtlich Mr. Togo. Und sie haben versucht es in seine Form zu legen, die Bananen.
Florian Bayer: So einigermaßen.
Johannes Franke: So wie es halt ein Kind machen würde. Zwischendurch, jetzt kommt diese komische, seltsame Szene, wo du Gorgeous oder bei dir Angel, glaube ich. Ja. Im Grunde, wie ihre Tante ist, im Grunde ihre Tante...
Florian Bayer: Im Spiegel, sie sieht das Bild ihrer Tante, genau, und Schwimmen auch so ein bisschen.
Johannes Franke: Dann wird sie von den anderen gefunden, geht ans Telefon.
Florian Bayer: Das ist die Szene, die ich meine, da habe ich Framelacks aufgeschrieben.
Johannes Franke: Ja, habe ich auch aufgeschrieben.
Florian Bayer: Das ist der Film, du hast ihn gestreamt, ne? Ja, es ist nichts kaputt in dem Moment, weil ich habe auch kurz gedacht, ist die Blu-ray jetzt irgendwie kaputt? Hoffentlich hört das gleich auf, weil es ist wirklich merkwürdig.
Johannes Franke: Aber es war zu merken, dass es Absicht war.
Florian Bayer: Ja. Es ist keine Zeitlupe, aber es ist definitiv langsamer läuft es ab. Aber sie haben auch Frames weggelassen. Ich ... Es macht Kopfschmerzen.
Johannes Franke: Man hat das Gefühl, dass sie sich überlegt haben, okay, jetzt jeden 12. oder jeden 13. Frame nehmen wir einfach raus oder zwei Frames sogar.
Florian Bayer: mehr, es ist so, also ich hab, und die Szene geht bestimmt fünf Minuten, wenn sie, nachdem sie die ihre Tante im Spiegel gesehen hat oder gesehen hat, dass sie aussieht wie ihre Tante, wird sie von ihren Freundinnen gefunden und die bringen sie runter zum Telefon. Und diese Szene dehnt sich gefühlt sehr lange aus. Und ich hatte auch wirklich so eine ... Es gab den Moment, wo ich dachte, hoffentlich ist es gleich wieder normal, ich kriege davon Kopfschmerzen.
Johannes Franke: Das war zwischendurch dann auch wieder normal und dann fing es aber wieder an.
Florian Bayer: Ja, genau.
Johannes Franke: Also irgendwie hatten sie, ich weiß nicht genau nach welchem Konzept er sich überlegt hatte, jetzt letzen wir es aus und jetzt fangen wir wieder damit an.
Florian Bayer: Ja, war das vielleicht ihre Wahrnehmung, dass sie in dem Moment alles so... verkürzt wahrnimmt, dass sie so desorientiert ist.
Johannes Franke: Jedenfalls hört sie am Telefon ja dann so Hilferufe und Schreie oder was. Lügt aber die anderen an und sagt ihnen, dass sie jetzt irgendwie jemanden ruft oder jemanden abholt. Sie geht die Polizei holen. Genau. Genau, sie geht in die Stadt und holt die Polizei, sagt sie.
Florian Bayer: Und dann sperrt sie sie im Haus ein. Und das Haus hilft dabei mit.
Johannes Franke: Genau, da gehen einfach alle Türen und Fenster zu.
Florian Bayer: Und dann gibt's diese tolle Musical-Szene. Ist Angel oder beziehungsweise Gorgeous, ist sie besessen? Sie tanzt dann umher? Und singt.
Johannes Franke: Stimmt, draußen im Wald.
Florian Bayer: Genau, und eine ganz melancholische... Schöne Szene, wirklich eine Musical-Szene. Und sie jongliert mit den Ehrlichtern.
Johannes Franke: Ja, krass.
Florian Bayer: Wald, Sumpf. Ich weiß nicht genau, wo sie da unterwegs ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das ist plötzlich so ein kurzer, kompletter Bruch mit der Ästhetik, die sich ja die ganze Zeit radikalisiert hat. Und es wurde immer schriller. Aber dann gibt es wirklich diesen Moment, wo der Film innehält ... Und wir einfach eine schöne Szene sehen, wie sie mit den Ehrlichtern tanzt und ein Liebeslied singt.
Johannes Franke: Tja, warum auch immer, aber irgendwie ist es schön. Ja, es hilft tatsächlich an der Stelle einmal... auszuruhen und sich darauf vorzubereiten, dass jetzt gleich wieder, also die Ruhe vor dem Sturm einmal. Finde ich ganz nett. Da kommt kurz danach der denkwürdige Satz von irgendeinem dieser Mädchen. Es ist ja wie im Horrorfilm. Und du denkst dir, well duh. Okay.
Florian Bayer: Und dann wird es auch wirklich einfach nur noch laut. Es geht los mit dem Klavierspiel. Melody spielt Klavier. Hat sie davor schon gemacht. Und dann werden ihre Finger abgebissen. Und das ist auch der Moment, wo der Film blutig wird. Und zwar ordentlich.
Johannes Franke: Ja, und wo der Film so blutig wird, dass man es schon wieder nicht mehr ernst nehmen kann. Ja. Blutfontänen. Auch sehr verdünnt und sehr, wir mussten hier ganz viel Blut dran schaffen, also legen wir nicht so viel Wert auf. Ja, genau. Und auch ihre Finger sind abgebissen und sie guckt sie sehr neugierig erstmal an, bevor sie wieder diese Comic-Verzögerung in der Reaktion.
Florian Bayer: Faszinierend. Oh, shit. Und dem Klavier reichen nicht die Finger und dem reicht auch nicht die Hand.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Weil sie wird dann komplett Und das ist auch der Moment, in dem die Musik kippt. In dem die Musik auch plötzlich lautes, hysterisches Geklimper wird. Sie wird von dem Klavier gefressen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dann ist ein einziges Gekreiche und Lärm und Chaos.
Johannes Franke: Und auch diese Schnitt- und Effektorgie, die dann jetzt passiert. Fand ich schon wirklich beeindruckend, muss ich mal sagen. Für diese Zeit und für diese ... Das Tempo und man sieht vielen Frames an, dass sie doch relativ viel Arbeit gekostet haben und die haben sie innerhalb von ein paar Sekunden alle verwurstet. Und es muss viel Arbeit gewesen sein.
Florian Bayer: Und nicht einmal so aus dem technischen Standpunkt, also das war nicht top notch, was Technik betrifft damals, aber aus einem kreativen standpunkt, wie viele fucking Ideen man in einen Film einfließen lassen kann, was Bildsprache betrifft. Und dann auch Nicht sich draufsetzen, zu sagen, hey, wir haben hier ein schönes Bild, guckt euch das an, sondern in einer ehren Schnittabfolge, sodass auch Bilder einfach verloren gehen. So Zeichentrickfiguren und bunte Farben und ... Köpfe, die mit Blue Screen irgendwie, Köpfe, die durch die Gegend fliegen, andere Körperteile, die durch die Gegend fliegen, äh, Gegenstände, die sich selbstständig machen. Kung-Fu darf wieder kämpfen und kämpft gegen alles Gespenstiche, was da irgendwie ist.
Johannes Franke: Die waren inzwischen im Herzstück des Hauses, glaube ich, angekommen mit dem Uhrwerk.
Florian Bayer: Genau, Sweetie ist in der Uhr eingesperrt.
Johannes Franke: Und es wird blutig.
Florian Bayer: Sie wird von den Zahnrädern zerquetscht, zerrissen. Ich weiß es nicht genau, aber es wird blutig.
Johannes Franke: Und dann sind sie irgendwann nur noch in einem Meer von Blut.
Florian Bayer: Genau. Und schwimmen da rum. Sie drohen in dem Blut zu ertrinken. Aber sie erfahren vorher noch die Wahrheit, was tatsächlich los ist. Das Buch. Intelligente, belesene Prof, die kriegt dieses Buch, in dem dann drinsteht, was mit der Tante los ist. Und die Wahrheit ist, die Tante ist ein Geist. Die Tante hat nie existiert. Die ist schon lange tot. Und sie ... ist, was auch in der, was vorher bei dieser Zugfahrt schon angedeutet wird, sie hat einen Mann, Der im Krieg stirbt wahrscheinlich, der verloren geht und sie kann das nicht ertragen und sie wartet die ganze Zeit auf ihn.
Johannes Franke: Er hat versprochen, dass er wieder kommt.
Florian Bayer: Und sie dann heiratet. Sie sind noch nicht mehr verheiratet. Ich glaube, es war ihr Verlob da.
Johannes Franke: Kann sein.
Florian Bayer: Und ihr Heiratswunsch erfüllt sich nicht. Und sie wartet und wartet. Dann stirbt sie einen einsamen Tod. Und sie frisst junge Mädchen.
Johannes Franke: Genau, unverheiratete Mädchen.
Florian Bayer: Unverheiratete Mädchen, das ist ganz wichtig. um wieder diese Kraft zu spüren, um zurück ins Leben zu kommen. Und unsere Protagonistin, Angel, ist ... quasi, die ihr diese Mädchen bringt. Und sie verschwimmt dann auch irgendwie mit ...
Johannes Franke: Mit ihrer Tante. Sie sagt auch irgendwann, sie ist jetzt in ihrer Welt.
Florian Bayer: Genau, sie ist jetzt in ihrer Welt. Sie ist jetzt eine Dienerin von ihr, sie ist ein Ghoul, sie ist vielleicht auch einfach... besessen von ihr. Aber genau dieser Plotwist ist eigentlich total nebensächlich, weil was dann passiert, ist einfach das Chaos.
Johannes Franke: Genau, das Chaos will sich einmal austoben mit allem, was ihm so zur Verfügung steht an Mitteln. Mit Blut und Effekten und mit allen möglichen Symbolsachen auch, wo man immer wieder nicht genau weiß, was steckt da alles drin. Wow, was willst du?
Florian Bayer: Kung-Fu kriegt wieder einen ordentlichen Kampf. Das ist das, was ich vor allem aufgeschrieben habe. Sie darf noch einmal gegen alles Gespenstliche kämpfen und gegen diverse Gegenstände treten, die sie angreifen. Sie kämpft dann auch gegen Angel. Mhm. Und sie stirbt dann allerdings, indem sie elektrisiert wird.
Johannes Franke: Stimmt, ja. Von dieser Lampe, die da von der Decke kommt und sie quasi angreift. Sie steckt da so ewig in dieser Lampe drin und schwingt mit dieser Lampe mit und elektrisiert.
Florian Bayer: Das ist total bizarr, wie diese Mädchen dann am Schluss sterben. Auch wie Sweetie in dieser Uhr drin steht. entdeckt und wir sehen nicht so genau, was mit ihr passiert, aber wir sehen, dass diese Zahnräder offensichtlich irgendwie ihrem Körper etwas antun. Und es ist, ja, es ist Es ist einfach nur noch irre am Schluss. Diese Bildsprünge und dieses Chaos.
Johannes Franke: Und dann schneidet er heraus auch noch ... Um diesen Typen zu zeigen, der doch noch versucht zu kommen. Mr.
Florian Bayer: Togo, der Held.
Johannes Franke: Wo ich am Anfang, also nicht am Anfang, sondern zwischendurch dann dachte halt eben... Okay, der Film will jetzt darauf hinaus, dass der Mann kommt, um sie alle zu retten. Von wegen. Von wegen. Der ist dann halt in Bananen verwandelt und das war's mit der Geschichte. Hä, hätten wir diesen Typen uns nicht auch übersparen können? Der hat nichts gemacht.
Florian Bayer: Der hat sich verfallen. Der hat im Stau festgehangen, der wurde angemotzt. Das ist so der totale Depp und Loser. Aber das ist so toll, dass das so kontrastiert wird. Ja, ja, ja. Weil Fantasy hat halt bis zum Ende gehofft, dass ihr Retter kommt, um sie alle zu erlösen. Und wie gesagt, er ist ein Mann, er ist ein Erwachsener. komplett unbrauchbar für diese Handlung. Und das Letzte, was wir von ihm sehen, ist wie gesagt, Bananen, Bananen, Bananen. Und dann sehen wir halt nur noch die Bananenstauen, wie die... wie du schon sagst, in seinem Auto schön angeordnet sind.
Johannes Franke: Ich überlege gerade, welches Bild der geneigte Zuhörer gerade von diesem Film hat, wenn er ihn nicht gesehen hat. Das muss ja völlig chaotisch sein.
Florian Bayer: Man kann es auch wirklich nicht beschreiben. Der Film ist auch chaotisch, wenn man ihn sieht.
Johannes Franke: Und dann kommt auch noch die angeheiratete Mutter, also die Stiefmutter.
Florian Bayer: Genau, am nächsten Morgen.
Johannes Franke: Am nächsten Morgen, wenn sich alles ein bisschen beruhigt hat und eigentlich alle tot sind, kommt sie noch. um eben ihre Stieftochter da irgendwie, weil sie sich in den Kopf gesetzt hat, sie da retten zu müssen oder was, obwohl sie gar nicht weiß, dass sie in Schwierigkeiten steckt. Egal. Jedenfalls hat sie sich in den Kopf gesetzt, da hinzufahren. Und dann macht sie das und jetzt kommt dieses etwas undurchsichtige Ende. Weiß ich nicht.
Florian Bayer: Die kommt an und fragt, wo sind die anderen Mädchen? Und Oshare sagt zu ihr, na ja, die schlafen noch.
Johannes Franke: Und wenn sie aufwachen, werden sie sicher Hunger haben.
Florian Bayer: Genau, und dann gibt sie ihr die Hand, ganz ruhig reicht sie ihr die Hand rüber und dann wird sie in Flammen gesetzt, aber ohne großen Schreck.
Johannes Franke: und ohne großes drama sie wird halt einfach verbrannt ja aber will der film zeigt uns noch einen ehring ja Ist das ein Ehering oder habe ich das falsch interpretiert? Weil eigentlich hieß es ja, dass sie nur unverheiratete Frauen... Ja, verkonsumiertes Haus und war das ein Verlobungsring? Weiß ich
Florian Bayer: Weil es wurde ja eigentlich nur angedeutet, dass sie heiraten wollen. Und dann hat sie ja gesagt, ich möchte, also Oshara war ja wütend auf ihren Vater, weil er neu heiraten will. Und dann sagt diese Ryoko, pass auf, ich werde Oshare besuchen gehen, wenn sie bei ihrer Tante ist. Und wir werden schöne Zeiten miteinander verbringen. Und dann werden wir uns schon ... Und dann wird sie mich als ihre Stiefmutter akzeptieren. Deswegen habe ich das gar nicht so gelesen, dass sie jetzt verheiratet war, sondern nach wie vor unverheiratet. Und dass sie einfach ein nächstes Opfer ist.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Was man natürlich als Interpretationsebene anbieten könnte, wenn man ein bisschen in die Tiefe gehen will. Ich weiß nicht, ob das dem Film gerecht wird. in die Tiefe zu gehen, dass die Tante in dem Moment für Oshare als Verbindung zu ihrer Mutter so ein bisschen auch die Rächerin ihrer Mutter ist. Sie ist die unverheiratete Frau. Und es gibt sowas wie eine Familienehre hier. Und der Vater will jetzt eine andere Frau heiraten. Er will irgendwie die ... er bringt einen Fremdkörper in die Familie herein. Zumindest das, was Oshare wahrnimmt. Und diese Verbindung mit dem Geist von ihrer Tante ermöglicht ihr ... sich dann als Rächerin zu fungieren und zu sagen, du kommst nicht in unsere Familie, du wirst jetzt verbrannt. Und die dann zu vernichten.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Also wir haben hier eigentlich eine ganz klassische Familiengeschichte. Es gibt die Mutterlinie und es gibt die Vaterlinie. Und die Vaterlinie verrät die Mutterlinie in indem sie eine neue Frau ins Leben bringt. Und die Mutterlinie rächt sich mit allem, was sie auffahren kann. Das sind Tochter und Tante in dem Fall.
Johannes Franke: Also ich würde nicht sagen, dass man dem Film gerecht wird, indem man sagt, das ist eine klassische Familiengeschichte.
Florian Bayer: Und es ist ja auch das Haus der Großmutter, es ist ihr Haus. Stimmt, ja. ist das Haus dieser Familie, des mütterlichen Zweiges. Und Oshare fühlt sich ja offensichtlich auch dem mütterlichen Zweig verbunden. Deswegen ist sie so wütend auf ihren Vater. Und sie guckt sich dann ja auch noch Fotos an, ganz am Anfang, wenn der Vater sagt, ich will jetzt neu heiraten und sagt, ach Mama, ich vermisse dich. Und wie kann Vater uns das nur antun? Er verrät uns. Das wird hier schon angeboten. Es war so cheesy.
Johannes Franke: Es war so cheesy alles. Oh Gott, natürlich. Ein Triefkitsch.
Florian Bayer: Ich glaube, man muss da keine psychoanalytische Ebene draufpacken. Ich finde der Film ... Hat einfach Spaß gemacht in seiner Kindlichkeit. Und vor allem in diesem Zusammenspiel von kindlich-naiven Kitsch, diesem Exploitation, was kommt, darüber können wir vielleicht gleich noch ganz kurz reden, weil es gibt da natürlich auch Nacktszenen. Wenn der Horror kommt, es gibt diese Badezähne von Oshare. Und die ist schon eindeutig Fleischbeschau.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ja, diese Momente hat er ... Viel mehr kann ich dazu eigentlich gar nicht sagen. Diese Momente hat er auch. Er hat einfach diese Exploitation-Momente, in denen er auch ein bisschen Fleischbeschau ist, in denen er sich auch daran ergötzt, seine ... jugendlichen Protagonistinnen vorzuführen und dann zu zermetzeln, eben mit diesem klassischen Voyeurismus, den man aus dem Exploitation-Kino der 70er-Jahre kennt. Das ist einfach da. Punkt.
Johannes Franke: Aber es ist nicht so wahnsinnig viel. Es gibt einmal im Bad was, Und es gibt einmal dann später eben in diesem Riesenchaos, wenn sie im Grunde im Blut schwimmen. Da ist sie dann auch nochmal so, oder? Wie war das?
Florian Bayer: Ja, da ist sie dann auch nochmal, genau, dann gibt sie, wenn sie ihre Brust freigibt am Schluss, wenn…
Johannes Franke: Auch das noch stimmt, ja. Gorgeous, oder nicht?
Florian Bayer: Ja, Gorgeous und dann aber noch eine andere, die dann zu ihr geht. Achso. Ich glaube, es ist Kung-Fu. Nee, Kung-Fu wurde elektrisiert. Es ist Fantasy-
Johannes Franke: Vielleicht, ja.
Florian Bayer: Ich weiß es auch nicht mehr ganz sicher, aber ja, es gibt diese Momente. Und zu den Exploitation-Momenten gehört natürlich auch zum Beispiel diese Martial-Arts-Szenen. Das ist einfach so... So typisch, diese Kampfszenen noch einzubauen, noch ein bisschen Action zu haben. Auch mit dieser wirklich coolen Heldin. Also Kung-Fu ist eine coole, kämpfende Heldin. Auch wenn sie dasselbe Schicksal erleidet wie alle anderen Protagonisten, hat sie ihre tollen Momente, in denen sie sich beweisen kann.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Sehr, sehr schön.
Florian Bayer: Aber ja, wie gesagt, es ist einfach diese Mischung aus Kindlichkeit, Exploitation und dann aber obendrauf immer wieder dieses Künstlerische, immer wieder dieses Experimentelle und das macht den Film für mich besonders und auch stark.
Johannes Franke: Also mein kleines, sind wir schon bei Schlussworten?
Florian Bayer: Wir sind offensichtlich beim Schlussfazit.
Johannes Franke: Also mein Schlussfazit Du darfst danach nochmal, wenn du möchtest, wäre, dieser Film ist von allem zu viel. Aber durch dieses von allem zu viel ist er irgendwie sehr unterhaltsam. Ja, und ich bereue nicht im geringsten, ihn mir angeschaut zu haben und danach auch nochmal so ein bisschen... recherchiert zu haben und so, weil ich einfach fasziniert war.
Florian Bayer: Ja. Das kann ich nur unterstreichen. Also, er ist definitiv kein Jaws, kein weißer Hai made in Japan geworden. Und er ist was viel besseres geworden ist. Vom Gefühl her, vom Look and Feel, ist es für mich so ein bisschen eine japanische Variante von Suspiria. Es hat diese schrillen Töne auch, diese schrillen Lauten und auch diese musikalischen Töne, Farben kombiniert mit Blut. Aber dann auch noch mal einen oben drauf gesetzt. Irgendwie noch ein Stück farbenfroher, noch ein Stück wagemutiger. Er verliert sich halt irgendwie wirklich so ein bisschen in dieser Mischung aus Kindermärschen, Fantasy, Kitsch und Horror. und Experimentalfilm und Spukgeschichte und was sonst noch alles. Und es gibt eigentlich keinen wirklichen Kern mehr. Man braucht gar nicht nach dem Kern von ihm zu suchen. Aber vielleicht muss dieser Kern auch gar nicht gefunden werden, weil dieses over the top und dieses alles drauf Und noch einmal durchgerührt. Das funktioniert einfach und sorgt für ein einmaliges Filmerlebnis.
Johannes Franke: Ja. Das ist schon beeindruckend.
Florian Bayer: Ja, danke Johannes.
Johannes Franke: Danke, Flur, dass du ihn mir gezeigt hast.
Florian Bayer: Ja, danke, dass du ihn geguckt hast und dass er dir gefallen hat.
Johannes Franke: Schön. Dann machen wir jetzt eine Pause. Und gehen in den zweiten Film. Bis gleich. Bis gleich. So, herzlich willkommen, Plor, zurück zum zweiten Teil. So, oh Gott, ich bin so aufgeregt. Ich mag diesen Film so sehr und jetzt ist es wie bei meinem 50er Jahre Film, wo ich gehofft habe, dass du mich nicht, nee, welcher Film war das?
Florian Bayer: Dr. Who?
Johannes Franke: Dr. Who, wo ich echt Angst hatte. Oh Mann. Okay, also. Ich gebe mal eine kleine Einführung in den Film und danach können wir uns ja...
Florian Bayer: Streiten. Oh Gott. Ich bin doch gar nicht so cringe-mäßig drauf.
Johannes Franke: Naja, aber manchmal bei so manchen Sachen und der Film hat schon so seine Kitschmomente und manchmal... Hast du da so Schwierigkeiten mit? Deswegen habe ich gerade so Sorge.
Florian Bayer: Lass uns mal schauen, wo wir hinkommen.
Johannes Franke: Okay, also. 10 Things I Hate About You. Die Rom-Com, also die romantische Komödie der 90er Jahre von Jill Junger, äh, junger... wie auch immer der ausgesprochen wird, über die Liebe, moralische und ethische Ideale und die Balance eben jener. über Geschwister Hassliebe, übers Erwachsenwerden und über Lebensentwürfe und deren Anfänge und Ursprünge. Als Vorlage diente Shakespeare's der widerspenstigen Zähmung und wurde einer bitternötigen Modernisierung unterzogen. in eine Highschool verlegt und quasi zur Teenie-Komödie umgebaut. Oder vielleicht doch mehr als nur eine Teenie-Komödie. Plur. Was meinst du?
Florian Bayer: Da lässt du mich hängen.
Johannes Franke: Da lasse ich dich hängen.
Florian Bayer: Mehr als eine Teenie-Komödie. Also was er auf jeden Fall nicht ist, ist mehr als ein 90er-Film. Film schreit gerade zu 90er Jahre.
Johannes Franke: Aber sowas von. Alles daran.
Florian Bayer: daran ist dass aus dem jahr 1999 ist ja und damit natürlich auch ein perfekter abschluss der 90er jahre toll oder weil er wirklich einen letzter, ja, vielleicht nicht der allerletzte, aber einer der letzten Blick auf eine unbeschwerte Zeit ist, bevor wir dann 2001 von 9-11 alle niedergerauscht wurden.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber hier darf noch einmal alles so wunderbar, optimistisch und positiv und fröhlich sein, wie wir es aus den 90ern in Erinnerung haben. Und auch so klischeehaft und auch so albern und auch so infantil. Und es ist ein Zeitdokument. Eigentlich gehört der Film in ein Museum. Also alles, die Musik, die Kleidung, die Sets... Die Story, ich meine ja, Shakespeare dient irgendwie als Vorlage, aber natürlich ist es so 90er.
Johannes Franke: Alles ist daran 90er, das ist vollkommen richtig und ich glaube, das ist auch einer der Gründe, warum ich den Film so liebe.
Florian Bayer: Wir sind in den 80ern geboren, Johannes und ich haben dasselbe Geburt. Kölzjahr, glaube ich. Vielleicht bist du ein Jahr später geboren.
Johannes Franke: Ich bin 83 geboren. Du bist 83, ich bin 82. Genau.
Florian Bayer: Wir wurden so sozialisiert. Ich war 17, als der Film rauskam. Ich kann mich auch noch gut daran erinnern. Ich habe ihn, glaube ich, nicht im Kino gesehen. Aber ich werde ihn relativ früh als Video gesehen haben, weil ich kann mich erinnern, dass es damals zwei Teenager-Filme gab, zwei Teenager-Rom-Coms.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: die ich in meiner Erinnerung auch immer ein bisschen durcheinander werfe. Und zwar ist das eine eben zehn Dinge, die ich an dir hasse. Und das zweite ist eine wie keine.
Johannes Franke: Oh, okay.
Florian Bayer: Und 10 Dinge, die ich an dir hasse, ist ... Eindeutig und ohne Zweifel der bessere Film.
Johannes Franke: Danke.
Florian Bayer: Definitiv. Und es gab viele, viele, viele schlechte Rom-Coms in der Zeit mit Teenagern.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und viele schrecklich billige, plumpe ... hässliche Entleingeschichten. Das klassische Ding, sie traut sich nicht zum Ball, sie ist stark und selbstständig und unabhängig und wird dann gezähmt. Wirklich ganz im ... klassisch im Sinne von der widerspenstigen Zähmung von Shakespeare mit allen sexistischen und missugrigen Dingen, die dazugehören. Und das ist dieser Film auch nicht.
Johannes Franke: Wundervoll, oder?
Florian Bayer: Lustigerweise, obwohl er der Film ist, der sich von der Story... an der widerspenstigen Zähmung orientiert, ist er das nicht. Tatsächlich hat er einige ... Feministisch ist so ein großes Wort, aber ja doch, er hat einige feministische Momente.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und er schafft es auch nie, zu sehr zum Zerrbild von dem Ganzen zu werden. Was natürlich daran liegt, dass er sich selbst nicht ernst nimmt und genau weiß, was er ist. und sich auch ordentlich drüber lustig macht. Es reicht nicht, dass er es infrage stellt. Das macht er nicht unbedingt. Er stellt diese Welt oder diese Art des Mediums der Unterhaltung nicht infrage, Spielt unglaublich gekonnt damit.
Johannes Franke: Schön, dann lass uns doch mal exploren, rausfinden, wo, an welcher Stelle und wie.
Florian Bayer: Gleich am Anfang. Wenn die Schule eingeführt wird und wir sehen, was... Was für Klicken an dieser Schule unterwegs sind.
Johannes Franke: Das ist ganz wundervoll. Ich weiß nicht, woher kommt das, aber dieser Film macht das so wunderbar. Es gibt einen neuen. Der wird einmal rumgeführt vom Nerd der Schule. Das ist die Clique, das sind die Mädchen, an die du niemals rankommen wirst.
Florian Bayer: Und diese Klicken sind so toll. Wir haben die Slacker, die Politischen mit ihren Rasters, die eigentlich den ganzen Tag nur kiffen wollen und ab und zu mal eine politische Parole brüllen. Ganz toll, wir haben die Juppies. Sie sind eigentlich die Liebsten, die dann am Footballfeld stehen mit ihren Golfschlägern und die Golfbälle aufs Footballfeld hauen.
Johannes Franke: Also völlig unmögliche Schule eigentlich, was das alles... Wie klar klassifiziert alles ist und wie daneben die sich auch benehmen mit allem, jeder in seiner Art.
Florian Bayer: Und jeder weiß... in welche Gruppe er gehört. Und das ist ein absolut starres System. Und das ist ... unfassbar übertrieben pointiert in den ersten Minuten, wenn sie durch diese Schule gehen, wenn Cameron, der Neue, durch diese Schule geführt wird. Es ist fantastisch, was sie da zeigen. Und da sind die Jocks, die Footballer, die Sportler, das sind genau die hübschen Mädchen. Es sind alles... Alle dabei, alle Klischees, die man sich vorstellen kann aus dieser Zeit.
Johannes Franke: Und das Schöne ist, er baut die auf, um einige davon dann eben wieder einzureißen. So ein bisschen. Ja, erzähl mir mehr. Vornehmlich natürlich an der Hauptfigur.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: An der einen weiblichen, also es gibt vier, fünf.
Florian Bayer: Aber es gibt ganz klar einen Zeitraum im Film, das ist Julia Stiles.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Sie stiehlt auch allen die Show.
Johannes Franke: Wirklich allen, bis auf Heath Ledger.
Florian Bayer: Ich würde sagen, einem jungen Heath Ledger die Show zu stehlen, das muss man auch erstmal hinkriegen.
Johannes Franke: Und das gelingt Julia Stiles. Ich würde sagen, sie halten sich die Waage mal hier, mal dahin. Aber ich weiß nicht, also der Charme, den Heath Ledger aufhält.
Florian Bayer: Ja, Heath Ledger ist charmant, das ist seine Rolle, er ist charmant.
Johannes Franke: Oh, du kriegst es nicht hin. Das ist unglaublich. Ich bin unglaublich hetero, aber dieser Typ…
Florian Bayer: Es war fluchtsexy. Definitiv. Ich bin ganz bei dir. Aber es ist gut, dass wir uns jetzt so auf Heath Ledger und Julia Stiles stürzten. Damit kann man nicht, welche Protagonist des Films Cameron null Charakter hat. Tut mir leid.
Johannes Franke: Ja, leider. Aber auch die beiden.
Florian Bayer: Und Joseph Gordon-Lavitt ist wirklich ein fantastischer Schauspieler.
Johannes Franke: Ist ein unglaublich toller Schauspieler.
Florian Bayer: Aber die Rolle in diesem Film hat null Charakter. Er ist einfach Plankpage für Publikum, für Identifikation.
Johannes Franke: Aber es ist nicht trotzdem toll, dass es es geschafft hat, über diesen Film hinaus zu wachsen? Also als Schauspieler dann aus diesem Film rauszugehen in eine Welt, die ihm wirklich alles möglich machte?
Florian Bayer: Er spielt halt auch das, was ihm das Drehbuch vorgibt natürlich. Er spielt diese Rolle und Die Rolle ist ganz klar so angelegt. Wie gesagt, er ist einfach blank page. Er kommt neu an diese Schule. Er hat nichts mit diesen irren Klicken zu tun. Deswegen braucht er ... braucht er auch nicht irgendwas zu sein, sondern irgendwie soll sich jeder Jugendliche mit ihm identifizieren können. Aber dabei ist er natürlich unfassbar plass. Und dann bleibt eben doch die Rolle von Julia Stiles. Jetzt hätte ich fast Bianca gesagt, aber sie ist die andere Cat.
Johannes Franke: Genau, Cat.
Florian Bayer: bleibt als Identifikationsfigur, weil sie natürlich irgendwie auf ihre Art und Weise weiser ist und auch intelligenter ist. 99 Prozent aller anderen Figuren, egal ob es Schüler oder Lehrer oder die Direktorin mit ihrem Pornothek oder der Vater mit seinem Schwangerschaftsgürtel sind. Also Hand aufs Herz, alle Figuren in diesem Film sind Karikaturen. Und zwar der krassesten Sorte.
Johannes Franke: Ich finde das so großartig. Ich habe mich so gefreut nochmal, als ich es jetzt gesehen habe. Weil man kann Karikaturen auf die eine oder andere Art und Weise machen, aber er macht es mit so viel Liebe.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und ich finde es so toll, weil er nie spöttisch drauf schaut, nie böse, sondern immer mit einem liebenden Blick.
Florian Bayer: Ja, er hat viel Sympathie für seine Figuren. Und er hat auch Sympathie für ihren Konflikt und mögen sie noch so albern sein. Ich liebe die Szenen mit ihrem... Englischlehrer.
Johannes Franke: Ja, die sind großartig. Ganz toll. Oh mein Gott.
Florian Bayer: Und gleich am Anfang, du führst dir damit auch ein. Genau.
Johannes Franke: Das kannst du vielleicht aus deiner Sicht mal erzählen.
Florian Bayer: Es gibt eine Hassliebe, würde ich sagen, zwischen ihr und ihrem Englischlehrer. Ihr Englischlehrer weiß, dass sie intelligent ist. Und ihr Englischlehrer weiß, dass sie ... Dass sie viel drauf hat, das merkt man. Und gleichzeitig ist er komplett genervt von ihr.
Johannes Franke: So was von genervt von ihr.
Florian Bayer: Und es gibt quasi ein Spiel zwischen den beiden. Man weiß nicht so genau, wie ernst es ist und wie viel Spiel dahinter ist. Und ich glaube, der Film will auch gar nicht, dass man das so genau weiß. Aber das Spiel endet immer damit, dass er sie irgendwann aus dem Unterricht rauswirft, weil er total genervt ist, von ihren ständigen Zwischenfragen, von ihren ständigen Parolen. Und das Tolle ist, ihr Englischlehrer ist tatsächlich ein engagierter Lehrer, der die Schüler für Politik begeistern will.
Johannes Franke: Ja, und das teilweise auch schafft.
Florian Bayer: Und das auch schafft. Er ist Schwarzer und es gibt einen tollen Moment, wo er richtig erbost ist über ihre Parolen, wo sie ausholt mit ihren feministischen Gedanken.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und er dann sagt, boah, ey, du verwöhnte Göre, die in der Vorstadt groß wird.
Johannes Franke: Ich sage dir, was er sagt. Ich habe es aufgeschrieben.
Florian Bayer: Ja, bitte.
Johannes Franke: I know how difficult it must be to overcome all these years of upper-middle-class urban oppression. Must be tough.
Florian Bayer: Und er spielt das so toll. Und es ist natürlich auch so ein wahrer Kern in dieser Szene, weil er steht da als jemand, der er kriegt keine Geschichte, er keine große Geschichte oder so, aber er steht als jemand, der sich offensichtlich durchgeboxt hat und es schwer hat im Leben, im rassistischen Amerika.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: das in den 90ern noch weitaus schlimmer war, als es heute ist. Und heute ist es immer noch so. Und er ist teilweise dann so genervt von diesen verwöhnten reichen, mittelreichen Schülern auch ganz toll, als diese politischen Schüler sich auf seine Seite schlagen. Und er ihnen nur wirklich einen wütenden Blick zuwirft.
Johannes Franke: Ja, weil sie so Rastafaris sind.
Florian Bayer: Genau, sie sind so das Zerbel der kulturellen Aneignung, so die weißen Jungs, die so ein bisschen Rebellen spielen. Ja. Und er guckt dann auch total genervt und wütend zu ihnen rüber.
Johannes Franke: Don't let me even start on you guys.
Florian Bayer: Daryl Mitchell ist der Schauspieler. Ich hab extra noch mal nachgeschaut, weil ich den so toll fand. Und er hat leider nicht so viel gespielt. Er ist jetzt kein großer Schauspieler. Aber ich dachte so, hey, den kenne ich doch. Und ich kannte ihn vor allem aus Galaxy Quest.
Johannes Franke: Ach.
Florian Bayer: Wo er einen ... Ein Teil des Teams ist, und zwar war er in der klassischen Serie, die Galaxy Quest auf den Armen. Du kennst Galaxy Quest, oder?
Johannes Franke: Ja, aber nicht wirklich gut.
Florian Bayer: Eine Star Trek-Parodie, in der es darum geht, dass Schauspieler, die in so einer klassischen Star Trek-Serie gespielt haben, damit konfrontiert werden, dass Aliens ihre Technik und ihre Philosophie kopiert haben. Dann müssen sie in den Weltraum reisen. Toller Spoof-Film. Den hätte ich auch in der Liste der besten Spoof-Filme nennen können. Und er spielt einen Piloten, der in der Serie immer als Kind aufgetaucht ist, aber mittlerweile erwachsen geworden ist und sich dann nicht anhören muss, ach, du bist aber groß geworden. Ja. Und davon total genervt ist. Toller Schauspieler. Und auch wenn er wenige ... Minuten hat zu wenige in diesem Film. Habe ich mich jedes Mal gefreut, vor allem auch die Dynamik zwischen ihm und Cat. Ganz fantastisch.
Johannes Franke: Ganz toll. Später im Film, dann kommen wir nochmal drauf zu, wenn er sie nochmal rausschmeißt, weil er nicht verstanden hat, ob sie ihn jetzt verarscht oder nicht. großartig. Es ist egal, es endet immer damit, dass sie rausfliegt. Und Ich weiß nicht, ob du den Film gut genug kennst oder ihn gut genug mochtest damals, Als dass du diese ganzen Zitate, die man aus diesem Film mitnimmt, also ich weiß nicht, wie oft ich schon... gesagt habe, you can be underwhelmed and you can be overwhelmed. But can you just be overwhelmed? I think you can be in Europe.
Florian Bayer: Was? Tatsächlich, diese Szene habe ich auch aufgeschrieben. Diese Frage, weil ich die zum einen sauwitzig fand und ich wirklich lachend da saß vom Fernseher und zum zweiten, weil sie so schön zusammenfasst. wie die zweite große Protagonistin in diesem Film ist, Bianca, die Schwester von Cat. die genau das Gegenteil von Kat ist. Kat ist die politisch Engagierte, die feministische, die ständig mit allen aneinander gerät, die ihren Außenseiterstatus genießt.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und Bianca ist die Unbedarfte, die dazugehört, sie ist eins von den heißen, beliebten Girls. die mit ihrer besten Freundin unterwegs ist, die natürlich von vielen umworben wird. Keiner hat eine Chance. Dazu kommen wir gleich, warum. Und ja, sie ist... Sie ist einfach so die klassische, coole Highschool-Prinzessin.
Johannes Franke: Will der Film uns erzählen.
Florian Bayer: Die aber ziemlich hohl ist.
Johannes Franke: Ja, das will uns der Film erzählen, aber ich finde, dass sich das noch wandelt. Okay, dazu kommen wir gleich. Die erste Begegnung unseres Paars, mit dem wir mitfiebern wollen. Er kommt rein, Heath Thatcher kommt in ... Wie heißt der Patrick? Patrick, glaube ich. Patrick kommt zu spät in den Unterricht, fragt, was habe ich verpasst? Und nicht etwa der Lehrer antwortet, setz dich, sondern Kat antwortet, the oppressive patriarch values that dictates our education. Und er sagt, okay, gut, und geht wieder.
Florian Bayer: Diese Trockenheit ist wirklich toll. Großartig. Und sie haben von Anfang an eine... Wirklich coole Dynamik. Ja, weil es ist natürlich klar, dieser Patrick ist ... Genau das, was sie abstoßend findet eigentlich an der Highschool. Er ist der vermeintliche coole Draufgänger. Er hat auch so ... einen leicht kriminellen Ruf. Er ist halt auch ein Klischee erstmal. Er ist irgendwie eine Karikatur. Er pflegt das auch. Und er pflegt das auch. Auch als Cameron drüber nachdenkt, wen er ... Ich will nicht zu schnell vorweggreifen, dass Dori ... In den Schlüsselmomenten, bevor wir ihn näher kennenlernen, ist klar, dass seine Rolle ist, er ist der Kriminelle, er ist der, der auch ein bisschen älter wirkt, er ist der, der irgendwie gefährlich wirkt. Er hat halt einfach so diese ganz klare Rolle und er ist der Draufgänger, der ständig Ärger kriegt und ständig im Büro von der Direktorin landet. die davon auch ziemlich genervt ist, weil sie eigentlich viel Besseres zu tun hat, als sich um ihre Schüler zu kümmern.
Johannes Franke: Nämlich ihren Porno-Roman zu schreiben. nicht nach Synonymen für irgendwas sucht und ihre Schüler auch irgendwie mit befragt und so. Ja, eine ganz tolle Rolle, finde ich. Also natürlich völlig unrealistisch, aber super.
Florian Bayer: Es ist so ein bisschen ein Klischee, wie Jugendliche auf erwachsene Personen blicken. Sämtliche erwachsene Personen in diesem Film... sind eigentlich Zerrbilder durch die Augen der Jugendlichen, die ihnen gewisse Rollen auch zuschreiben, so wie sie sich selbst Rollen zuschreiben. Und dann glauben, dass die perfekt in diese Rollen passen. Und das wird auch nicht aufgebrochen, das ist aber auch nicht nötig, weil die erwachsenen Personen, vielleicht abgesehen von dem Englischlehrer, den ich wirklich ... spannend fand, über den ich gerne viel mehr gesehen hätte. Weil die Erwachsenen-Personen auch wirklich eigentlich nur als Bouncing-Balls dienen für die Jugendlichen. Die sie hin und wieder mal reinlegen, hin und wieder mit ihnen konfrontiert werden und irgendwie versuchen, sie zu besiegen in diesem täglichen Kampf Jugend gegen Erwachsene.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Aber sie ist witzig dabei. Also sie hat mich auch so ein bisschen erinnert. Parker Lewis, diese Serie Anfang der 90er, die hatte auch so Klischee-Erwachsene. Aha. Da war die Direktorin anders, aber da war es genauso. Da waren das so Zerrbilder und es war klar, so stellen sich Jugendliche die Erwachsenen vor, wie Erwachsene handeln, wenn sie nicht dabei sind. Und es ist natürlich eine tolle Vorstellung, dass deine Direktorin heimlich an einem Pornoroman arbeitet. sein zweites Leben hat.
Johannes Franke: Wirklich schön. War auch gut umgesetzt und die Schauspielerin hat es toll gemacht.
Florian Bayer: Ja, super.
Johannes Franke: Ja, dann wird natürlich gleich gezeigt erstmal, wer wie, auf welche Art und Weise flirtet. Oder versucht zu flirten und wie jemand auf Flirtversuche reagiert. Kat natürlich sehr, sehr, sehr ablehnend auf alles, was ihr entgegengeworfen wird, von Joey zum Beispiel. der sich der wirklich sich durch den Film durch ekelt
Florian Bayer: Joey wird von Anfang an als der absolute Ekel inszeniert. Es ist auch keine Frage, wir sehen ihn zum ersten Mal mit seinen schmierigen Haaren und seinem arroganten Blick und wir wissen, hier haben wir unseren Antagonisten. Und das wird sich auch nicht ändern. Also wenn es darum geht, Klischees aufzubrechen, das Klischee des bösen Gegenspielers, der komplett ... selbstsüchtig ist und einfach ein arroganter Arsch, das wird nicht aufgebrochen. Wir haben hier unseren Fiesling und wir lieben es, den gesamten Film über ihn zu hassen.
Johannes Franke: Und ich finde, dass er so ein paar Szenen hat, wo man merkt, dass der Schauspieler eine gewisse Ironie mitbringen muss, um das spielen zu können. Und ich finde es toll, dass er das so geschafft hat, diese Rolle dann auch so durchzuziehen. Weil es ist nicht selbstverständlich in dem Alter, als Schauspieler, auch als Schauspieler, eine gewisse ironische Distanz zur eigenen Figur entwickeln zu können.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und die hat er. Er hat Spaß an seiner Fiesheit. Er hat Spaß an seiner fiesen Rolle.
Florian Bayer: Und er wird auch... Es ist teilweise wirklich cartoonhaft überzeichnend, auch wenn er dann später was auf den Deckel kriegt, was ab und zu vorkommt, freut man sich jedes Mal drüber auch einfach, weil seine Reaktionen so toll sind, weil es die Reaktionen sind, die man sich wünscht, wenn der Wiesling endlich mal in den Magen geboxt wird.
Johannes Franke: Wie er auf dieser einen Party viel später einmal noch zwei Posen vormacht. Einmal die Unterwäschepose und einmal die Bademodenpose. Und es ist genau die gleiche Pose und der steht einfach nur da.
Florian Bayer: Es ist doch auch ganz am Anfang, wenn er Bianca seine Fotos zeigt. Einmal im weißen Shirt und einmal im schwarzen Shirt. Hey, was findest du, sieht besser aus. Und das ist genau das gleiche Bild. Er hat einmal ein weißes Shirt an, einmal ein schwarzes Shirt. Und das ist für ihn eine lebenswichtige Frage. Er ist Model. Es ist total wichtig für ihn und es ist ganz klar. Da ist nichts zwischen den Ohren.
Johannes Franke: Ja, nichts. Super.
Florian Bayer: Aber es scheint zu funktionieren. Er ist Menschenschwarm, ne?
Johannes Franke: Ja, irgendwie. Und Bianca fällt ja erst mal drauf rein, so ein bisschen.
Florian Bayer: Komplett.
Johannes Franke: Und das ist auch noch die Phase des Films, in dem uns der Film erzählen will, dass Bianca auch eine hohle Nuss ist. Und eben auf diesen Typen so abfährt und reinfällt. Während Joseph Gordon-Lewitt eben versucht... sich so langsam ranzurobben und für sie französisch lernt.
Florian Bayer: Cameron kommt in diese Schule neu, wird von dem Geek rumgeführt und eine der ersten Personen, die er sieht, ist Bianca und er ist instant verliebt. Das ist die Frau seiner Träume. Er will mit ihr ausgehen. Und schön finde ich übrigens, dass Cameron ... Ja, das ist halt dieses Ding, Cameron ist halt diese ... diese Blank-Page. Das finde ich tatsächlich schön, dass er nicht als der Außenseiter inszeniert wird. Solche Filme machen es sich oft so leicht, dass sie Liebesgeschichte machen. Wir nehmen als Sympathieträger den Außenseiter, den Nerd, der sich selbst behaupten kann. Und das machen sie mit ihm nicht, weil sie ihn halt so als Blank Page haben. Das heißt, er ist auch jetzt nicht der schüchterne Außenseiter, sondern ihm ist klar, hey, ich bin in sie verliebt, ich will sie ansprechen. Ich will sie um ein Date bitten.
Johannes Franke: Ja, ich kümmere mich da jetzt um.
Florian Bayer: Das finde ich ganz gut, dass er tatsächlich so weit allgemein gefasst ist, dass er auch nicht dieses Stereotyp des schüchternen, hilflosen, der nicht weiß, wie er mit Mädchen sprechen soll, sondern er ist wirklich so ... Irgendwie findet jeder in dieser Figur was, womit er sich identifizieren kann.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Aber es ist schon so, dass ich oft ... da sitze und denke, was hat er? Irgendwas hat er, aber was? Keine Ahnung. Irgendwie.
Florian Bayer: Er ist einfach eine Silhouette für uns, in die wir uns reinbegeben dürfen. Dafür bin ich wahrscheinlich zu weit weg vom Teenageralter. Ich konnte mich mit ihm nicht identifizieren.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es gibt so das schreckliche Moment, dass man anfängt, Teenager-Filme zu gucken und feststellt, dass man sich mehr mit den Erwachsenen identifiziert mit den Kids und dann denkt man, shit, ich bin alt geworden.
Johannes Franke: Lass uns mal in der Story ein bisschen voranschreiten, denn der eigentliche Turning Point, der jetzt ja die Geschichte ins Laufen bringt, ist, dass Papa... von den Geschwisterpaaren Bianca und Kat sagt und sich sehr clever dabei fühlt. Solange Kat kein Date hat, darf Bianca auch nicht daten. Das sagt er natürlich nur, weil er weiß, dass Cat nun gar kein Interesse daran hat, auch nur irgendjemanden aus der Ferne zu sehen.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Also Männer oder überhaupt irgendjemanden, der...
Florian Bayer: Wir haben jetzt schon so viel über Karikaturen gesprochen. Wir müssen einmal sagen, was dieser Vater von den beiden dieser Walter ist. Der ist die Karikatur eines Overprotected Parents. Ganz krass.
Johannes Franke: Ganz schlimm.
Florian Bayer: Er hat Angst vor allem, was ihn widerfahren könnte. Und ihm ist klar, er will auf keinen Fall das Cat, wenn sie mit der Schule fertig ist, Woanders studiert als direkt neben dem Haus, damit sie die Kontrolle nicht verliert. Genau. Und er will auf keinen Fall, dass Bianca ausgeht, weil ganz klar ist, sie könnte schwachen. Die wird sofort schwanger, sobald die jemanden küsst. Wenn er etabliert wird, wird das noch nicht gezeigt, aber wir können trotzdem schon mal vorweggreifen, es gibt diesen Gürtel, den er hat. um seinen Töchtern zu zeigen, wozu es führen kann, wenn sie auf Partys gehen, wenn sie Sex haben, wenn sie promiskuitiv sind, und zwar zur Schwangerschaft. Dann hat er einen Schwangerschaftsgürtel.
Johannes Franke: Und wenn man den aufsetzt, dann kriegt man da so ein bisschen die Gewichtsverteilungen. Hier ist der Bauch, die Brüste werden größer, alles das. Und das scheint etwas zu sein, was er öfter macht, denn die beiden... gucken ihn schon sehr wissend an, wenn er sagt, bring den Gürtel.
Florian Bayer: Bring den Gürtel. Oh nein, ist schon wieder dieser Gürtel. Sie müssen ihn dann anziehen, einfach damit sie wissen, wie das ist, schwanger zu sein. Damit sie bloß nicht auf die Idee kommen, irgendwas Unzüchtiges zu machen. Übrigens auch toll gespielt, Larry Miller. Großartiger Schauspieler. Er spielt diese Karikatur herrlich. Und man hat die ganze Zeit Spaß, ihm zuzugucken. Seine Ängste sind total überzeichnet und man hasst ihn dafür auch ein bisschen, aber er schafft es, das so zu spielen, dass die Figur trotzdem auch liebenswert ist.
Johannes Franke: Und vor allem schafft er es, dass man am Ende mit ihm mitfiebert, wenn er seinen Turning Point hat, also sich da einmal was lernt.
Florian Bayer: Aber genau, er will seine Töchter beschützen. Und Bianca will natürlich unbedingt ausgehen. Patrick baggert auch die ganze Zeit an ihr rum. Nicht Patrick. Joey. Joey. Und eigentlich galt immer, niemand geht aus. Und dann sagt sie, das ist unfair und das ist ungerecht. Dann sagt er, okay, pass auf, neue Regel. Du darfst ausgehen, wenn Cat ausgeht. Weil er einfach, wie du schon gesagt hast, davon ausgeht, Cat wird nicht ausgehen. Damit behalte ich die beide im Haus. Perfekt. Ende der Geschichte.
Johannes Franke: Aber, aber, aber ... Damit hat er ein Schlupfloch erschaffen, von dem er nicht wusste, welches Monster er da mitbringt. Joseph Gordon-Lewitt kommt auf die großartige Idee mit seinem Kumpel zusammen, der übrigens auch ganz toll gespielt hat.
Florian Bayer: Ja, der ist sympathisch, süß.
Johannes Franke: Ein toller Typ.
Florian Bayer: Er hat natürlich auch so ein bisschen Geek-Karikatur.
Johannes Franke: Ja, aber ...
Florian Bayer: Aber er kriegt ja auch eine eigene Story, er kriegt eine eigene Liebesgeschichte, ist ... Nehme ich mit.
Johannes Franke: Und die beiden Baldovern halt den Plan aus, dass sie der Schwester, also Kat, ein Date besorgen. damit Bianca endlich ausgehen kann, damit Cameron mit Bianca ausgehen kann, während Joey auch darauf wartet, mit Bianca auszugehen. Und eigentlich auch die erstere Wahl ist zurzeit noch.
Florian Bayer: Und wer könnte dazu besser geeignet sein, als der möchte gerne James Dean der Schule. Patrick.
Johannes Franke: Patrick. Patrick wird bestochen, um mit Kat auszugehen.
Florian Bayer: Genau. Ja, sie schaffen das auch tatsächlich relativ schnell, ihn mit Geld einfach zu überzeugen.
Johannes Franke: Ja, also er handelt ganz gut, ne? Ja, er schlägt ein bisschen was raus. Aber er denkt sich dann nicht, ich nehme das Geld mit. Warum nicht?
Florian Bayer: Klar, genau. Er nimmt das Geld und er denkt auch, kein Problem, ich hab die... Total schnell um den Finger gewickelt.
Johannes Franke: Genau. Ich habe ja mein Bad Boy Image und da stehen sie ja alle drauf.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Und dann spricht er sie an und sie reagiert erst mal nicht so.
Florian Bayer: Es stellt sich heraus, dass das Ganze schwieriger ist als erwartet. Weil sie natürlich überhaupt keinen Bock hat auf diesen Möchtegern-Rebell.
Johannes Franke: Ja, genau, weil sie sofort durchschaut, was da los ist.
Florian Bayer: Eigentlich baut das die ganze Zeit darauf auf, dass sie irgendwie von der Seite angemacht wird, egal von wem. Und dass sie immer direkt den passenden One-Liner-Apparat hat. Egal, ob es gegen ihre Schwester geht, ob es gegen Joey geht oder eben gegen Patrick.
Johannes Franke: Genau und jeder, der sie angesprochen hat, liegt dann mental auf dem Boden.
Florian Bayer: Und sie genießt auch diese Rolle. Sie ist halt nicht das Mauerblümchen. Sie ist nicht die Außenseiterin, die einfach ... vom richtigen Prinz geküsst werden muss, sondern sie ist ganz bewusst, obwohl sie sieht gut aus, sie ist sportlich ...
Johannes Franke: Genau, und das ist es eben nicht, dieses Aschenputtel-Prinzip von den anderen Filmen. Und das finde ich eben so toll an dem Film. Dass sie nicht irgendwie nur aus sich rauskommen muss oder noch irgendwas Tolles lernen und irgendwie die Brille abnehmen muss und schon ist sie wunderschön. Das ist immer so schlecht in diesen Filmen.
Florian Bayer: Das hässliche Entlein. Das hässliche Entlein kriegt eine Brille und einen Dutt. Und man sieht ein wunderschönes Gesicht, auch wenn eine Brille drauf ist, auch wenn ein Dutt drauf ist. Das macht keinen Unterschied.
Johannes Franke: Oh Gott, naja und sie ist aber, sie ist einfach, sie ist wunderschön, sie ist schon sehr sportlich und kann tanzen, wie man auch später sieht. Sie bringt alles mit.
Florian Bayer: Sie bringt alles mit.
Johannes Franke: Sie hat bloß einfach eine eigene Meinung.
Florian Bayer: Genau. Und sie hat nicht viele Freunde. Sie hat eine beste Freundin. Sonst hat sie auch keine großen sozialen Kontakte, aber sie hat auch keinen Bock auf die sozialen Kontakte.
Johannes Franke: Ja, und man kann sie total verstehen.
Florian Bayer: Sie zeigt jedem die kalte Schulter. Und natürlich, diese Highschool, die gezeigt wird, ist... Irgendwie eine Art Haifischbecken der dummen Leute. Und sie hat keinen Bock auf diese Typen. Natürlich hat sie keinen Bock auf diesen Joey. Und später erfahren wir noch mehr, dass es noch mehr Gründe gibt, warum sie keinen Bock auf ihn hat. Aber das bräuchte es gar nicht, weil es ist von Anfang an klar. Natürlich hat sie keinen Bock auf diese Hohlbirnen, die nichts Vernünftiges zu tun haben und die sich über nichts Vernünftiges unterhalten können und sich Gedanken darüber machen, ob man whammed sein kann.
Johannes Franke: Oh, da muss man, apropos Whammed, ein Satz noch, ähm, ähm, Bianca sagt ganz am Anfang und das ist der Satz, wo sich George Gordon-Lewitt in sie verliebt. There's a difference between like and love. I like my sketches, but I love my Prada backpack.
Florian Bayer: Und das ist... Dieser Film macht es tatsächlich... Wirklich treist, dass er Figuren mit einem Satz, den sie bringen, charakterisiert. Sie sagt das und damit ist klar, wie ihr Charakter ist.
Johannes Franke: Du weißt sofort Bescheid.
Florian Bayer: Und du könntest das wahrscheinlich auf jede Figur anwenden. Ich weiß nicht mehr, was die erste Line ist, die Joey sagt. Wahrscheinlich irgendwas zu seinem Model-Ding. Mhm.
Johannes Franke: Wahrscheinlich.
Florian Bayer: Und du weißt direkt, er ist das Ekel, das wir hassen sollen. Und Patrick genauso. Der sympathische Rebell, dem irgendwie alles egal ist und der keine Angst haben muss vor nichts.
Johannes Franke: Obwohl der am Anfang schon als, am Anfang weiß man nicht genau, ob er nicht einfach auch ein bisschen doof ist. weil er sagt nicht viel und er ist einfach nur der Rebell. Und dann entwickelt sich das. Dann merkt man plötzlich, Ah okay, der ist nicht nur einfach Bad Boy, sondern der hat tatsächlich was in der Birne und der kann auch im richtigen Moment die richtigen Ratschläge geben.
Florian Bayer: Was ist denn seine erste Sprechrolle? Er sagt zum ersten Mal, was wirklich ist, wenn er bei der Direktorin drin ist, aber da ist es auch nicht viel.
Johannes Franke: Das ist auch nicht wirklich viel, aber ergibt ihr tatsächlich irgendeine Idee für ihren Roman?
Florian Bayer: Ja, genau, sie sucht nach einem Begriff. Bratwurst. Ist das gleich am Anfang genau? Sie fragt die ganze Zeit ihre Assistentin nach Begriffen, die sie benutzen kann. Ich weiß wieder, wie sie nun für Penis.
Johannes Franke: Er wird zur Rektorin geschickt und sie sagt, du kannst nicht einfach überall dich einfach blank machen. Er hat anscheinend die Hose aufgemacht und einmal präsentiert. Und da fällt dann das Wort Bratwurst. Ah, okay, ja. Und er verteidigt sich mit einem ganz netten Comeback, von dem ich nicht mehr genau weiß, was es war. Aber... Aber er ist sympathisch.
Florian Bayer: Und so ist es mit allen Charakteren. Sie sagen einen Satz und du weißt eigentlich so ziemlich genau, wie diese Figur funktioniert und was diese Figur... macht und wie die Rolle dieser Figur in dem Film und in dem Geflecht Highschool ist.
Johannes Franke: Genau. Wie schafft Patrick es jetzt, ein Date zu kriegen bei ihr? Also, irgendwie scheint er mehr zu wollen als nur das Geld, weil so wichtig scheint das Geld dann am Ende doch nicht zu sein.
Florian Bayer: Ich glaube, am Anfang will er nur das Geld.
Johannes Franke: Am Anfang will er das Geld und dann gibt es diesen Moment, wo Cameron und sein bester Freund finden so ein paar Sachen raus. um irgendwie das mit dem Date hinzukriegen, weil sie am Anfang ja ablehnt und sie irgendwie rausfinden müssen, wie sie es schaffen.
Florian Bayer: Und das in einer Zeit, bevor es Facebook gab. Das muss man auch erstmal hinkriegen.
Johannes Franke: Stimmt. Na, da waren sie im Zimmer. Sie waren bei ihr im Zimmer.
Florian Bayer: Und sie guckten sich auch ihre Unterwäsche an.
Johannes Franke: Und Bianca sagt zu Cameron, der furchtbar verliebt in sie ist, Wenn man schwarze Unterwäsche hat, dann hat man vor, Sex zu haben.
Florian Bayer: Oh, wirklich?
Johannes Franke: Aufschreib.
Florian Bayer: Das ist übrigens auch eine wirklich süße Dynamik zwischen Bianca und Cameron.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und zwar, es ist ... keine richtige Liebesgeschichte am Anfang, weil Bianca schon irgendwie echt so ein bisschen ein hinterfotzig ist, weil sie will eigentlich mit Joey ausgehen. Sie merkt, dass Cameron an ihr Interesse hat. Natürlich merkt sie das. Und sie nutzt es total aus. Und sie spielt ihm irgendwie, also sie ist schon so freundschaftlich zu ihm, spielt ihm aber so ein bisschen mehr vor. Und es ist schon ... Ja, sie ist in den Momenten kein Sympathieträger, sondern ... Naja. Eine verzogene Highschool-Göhre, die alles macht, um das zu kriegen, was sie will.
Johannes Franke: Genau. Und dann macht sie eben auch ... hilft sie halt Cameron, um dem Cat das Date zu verschaffen, damit sie endlich ausgehen kann. Genau, das ist ihr Plan. Damit sie endlich ein Date haben kann. Und sagt zum Beispiel ihm, dass die Schwester keinen Raucher haben möchte als Freund. woraufhin Patrick das Rauchen aufgibt.
Florian Bayer: Ja, er ist da wirklich motiviert. Ich glaube, es ist der Moment ... Es gibt so diese, es gibt eine Entwicklung und zwar zuerst geht es wirklich nur ums Geld und dann wird es eine Herausforderung. Ich glaube, das ist es. Er ist jemand, der kämpft. Und der ist gewohnt, wenn ihm wirklich was wichtig ist, zu kämpfen. Und in dem Moment ist es einfach so, hey ... es gibt hier einen Sieg zu holen.
Johannes Franke: Und dann setzt er sich da auch voll rein. Ja, genau. Und dann besucht er sie auf dieser Party. Also er tut so, als wenn er zufälligerweise auch da wäre. Ach, du kennst die Band auch? Genau. Überraschung. Und schafft es auch sehr intelligent, das einzusetzen. Also sie glaubt ihm irgendwie so. Und ist ein bisschen verwundert. Aber sie denkt nicht ... Lang genug darüber nach, um das irgendwie zu enttarnen.
Florian Bayer: Er hat dann auch rausgekriegt, wie er mit dir flirten muss. Er flirtet dann nämlich ganz anders mit ihr, weil er so ein bisschen ihre Verhaltensweisen kopiert, auch so ein bisschen dieses kalte Schulter zeigen, was eigentlich eine ziemlich plumpe Szene. Um ehrlich zu sein, dass es so leicht ist. Sie zeigt ihm die ganze Zeit die kalte Schulter und er hängt wie ein Hund an ihr und merkt, das funktioniert nicht. Also zeigt er ihr die kalte Schulter und sich bringt direkt raus. Koffer. Also es geht dann doch tatsächlich sehr schnell.
Johannes Franke: Aber es ist nicht so schlimm plump inszeniert.
Florian Bayer: Nee, aber dafür, dass sie so stark und eigentlich cool auch und gewitzt am Anfang inszeniert wurde, fällt sie doch ein bisschen zu schnell auf seine Strategie rein. Ich hätte mir gewünscht, dass es da Momente gibt, wo sie noch ein bisschen mehr Widerstand zeigt.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: einfach um ihren Charakter stärker zu machen. Ihr Charakter verliert an Stärke, wenn sie ... wenn sie sich so leicht rumkriegen lässt. Weil sie ist ja auch intelligent.
Johannes Franke: Sie ist intelligenter als er. sie in keinem Moment an Stärke, weil sie immer wieder Szenen bekommt, in denen klar wird, sie muss und darf Ihre Meinung, Ihren Standpunkt nicht verlieren, um diese Liebesgeschichte voranzutreiben.
Florian Bayer: Sie gewinnt diese Stärke wieder, das stimmt. Da bin ich ganz bei dir. Aber es gibt einfach Momente, wo die gebrochen wird und ... wo es nicht viel gebraucht hätte, um die beizubehalten. Und das ist zum Beispiel diese Konzertszene. Ich fand... Der Dialog hätte einfach eine Minute länger dauern müssen, bevor er sie hat. Vielleicht auch zwei Minuten, aber irgendwie sowas in der Richtung. Vielleicht noch zwei, drei Sätze mehr, vielleicht noch ein bisschen mehr Widerstand, vielleicht noch ein bisschen mehr Spiel.
Johannes Franke: Ich finde nicht, dass er sie schon hat in der Szene. Sie guckt schon noch skeptisch und sagt, naja ... Und ich finde, dass er derjenige ist, der sich plötzlich in sie verliebt. Er guckt sie auf der Tanzfläche an, sieht, wie sie tanzt Und dann sehen wir plötzlich, wie er da steht und denkt, jetzt bin ich vielleicht doch...
Florian Bayer: Das ist ein Moment, wo wir durch seine Augen sehen, dass sie mehr ist als... Das, was wir vorher gesehen haben, dass sie halt auch leidenschaftlich sein kann und dass sie auch Freude haben kann. Weil davor war natürlich auch so ein bisschen die Karikatur des Verbiesterten.
Johannes Franke: Und das schafft der Film eben, diese Falle nicht reinzutappen. Nicht die Widerspenstige, wie sie bei Shakespeare zum Beispiel ist. zu sein, sondern wirklich ein Mensch mit allen Facetten.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das find ich toll.
Florian Bayer: Definitiv. Also Gott sei Dank. Also ich mein, hätten sie die widerspendestige Zähme originalgetreu umgesetzt. Ja, das ist eine Katastrophe geworden.
Johannes Franke: Absolute Katastrophe, ja. Man muss mal dazu sagen, ganz kurz, im Original bei Shakespeare ist es so, dass sie... von dem Mann, den sie dann heiraten soll, das ist ja auch damals noch ein anderer... Man soll sie dann, sie wurde da reingedrängt, ihn zu heiraten. Und er... sperrt sie richtig ein, verweigert ihr Essen, verweigert ihr Zeug. Das ist Hardcore-Unterdrückung, was er macht. Abusive, ne? Also richtig krass.
Florian Bayer: Definitiv.
Johannes Franke: Und es ist ein Stück, das total, also schon sogar 1700 noch was haben sie angefangen, darin rumzumachen.
Florian Bayer: Total früh haben sie gesagt, ey, was hat denn Shakespeare sich dabei gedacht? Weil es als Komödie inszeniert ist und es geht die ganze Zeit darum, dass die Frau unterdrückt wird und Und am Schluss ist es ja auch einfach so, sie gibt auf. Sie gibt auf und alle sind begeistert.
Johannes Franke: Ja, ist total krass. Sie sagt dann einfach nur noch, ja, was auch immer du willst, ich kann einfach
Florian Bayer: nicht mehr.
Johannes Franke: Genau. Das ist schon krass.
Florian Bayer: Und nicht nur das, sie findet das dann auch noch toll. Sie genießt es auch. Sie ist... Es war richtig, dass sie unterdrückt wurde. Es war richtig, dass sie diese Gehorsamkeit gelernt hat und dass sie jetzt eine richtige Frau sein kann, die ihrem Mann gehorsam ist und nach dem Mund redet.
Johannes Franke: Es ist auch ein schwieriges, also es ist wirklich so ein Stück, über das man mit Shakespeare-Fans nur schwer reden kann. Also zum Beispiel mit mir. Weil ich von Shakespeare so viele tolle Sachen sehe und so viele tolle Sachen gelesen habe, dass ich mir fast gar nicht vorstellen kann, dass er sowas schreibt.
Florian Bayer: Wie will man dieses Stück verteidigen?
Johannes Franke: Das geht nicht. Man kann es nicht verteidigen. Man kann nur sagen, es ist ein Frühwerk, es sind Motive aus allen möglichen anderen Werken, die funktionieren. vorher gewesen. Er hatte ja im Grunde Flickenteppich. Seine ganz viele Stücke sind ja aus allen möglichen Ideen, die sowieso rumgeisterten in anderen Stücken. Und man kann sogar sagen, dass dieses Stück ... noch die bessere Variante von den Vorgängern ist, quasi. Aber Aber im Großen und Ganzen ist es Shakespeare's grausamstes und gruseligstes Stück.
Florian Bayer: Ja, es ist total gruselig. Es ist ganz interessant, das Stück wurde viel aufgeführt in den vorigen Jahrzehnten.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Und genau, es wurde immer von den Debatten begleitet, weil es ist halt einfach mal, es ist einfach mal, man kann da auch nicht verdeckten Feminismus reindeuten und sagen, da ist eine Satire da drauf oder so. Es ist einfach mal ein krasses Stück Misogynie. Unterdrückung der Frau. Sexismus. Es ist alles drin. Gewalt, Rapeculture.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Aber nicht in diesem Film.
Johannes Franke: Aber eben nicht in diesem Film, was ich ganz toll finde. Ich hatte ein bisschen Angst davor, muss ich sagen, als ich... vorgeschlagen habe, dass sie noch mal gucken und ich ihn jetzt lange nicht gesehen habe, habe ich Angst davor gehabt, wie viel davon da wohl noch drin ist und wie viel nicht. Und ich war so froh, dass ich nichts mehr darin gefunden habe. Das war wirklich schön.
Florian Bayer: Ich überlege es aber tatsächlich, Fällt mir jetzt auch keine Szene ein, wo ich dachte, uff, das ist aber so ein bisschen überholt. Das würde man heutzutage nicht mehr so inszenieren.
Johannes Franke: Ganz am Ende, einmal ganz kurz.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Aber da kommen wir später zu.
Florian Bayer: Okay, also kommen wir später.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Party, Party, Party.
Johannes Franke: Party, Party, Party. Kat ist... Auf der Party, die dann stattfindet, die der Vater versucht hat zu unterbinden. Ja. wo es auch zu dieser Schwangerschaftsgürtelsache kam. Ähm ... Und, nun ja.
Florian Bayer: Bianca ist nicht mit Cameron, geht nicht mit Cameron auf die Party, sondern mit Joey, mit dem Arsch, mit dem Eke.
Johannes Franke: Und Cameron ist so frustriert davon, dass er im Grunde die ganze Sache abbläst.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Dass er zu Patrick geht und sagt, du brauchst das Date nicht mehr forcieren, ich gebe auf. Und das ist ein ganz toller Moment, weil Patrick dann sagt, ja was jetzt? Willst du die Frau oder nicht? Magst du sie? Findest du es? Ist es dir das wert oder nicht eigentlich? Du kannst doch nicht jetzt einfach, also entweder hopp oder flop. Und er sagt es gut, er sagt es wahnsinnig gut. Cameron, do you like the girl? Don't let anyone make you feel you don't deserve what you want. Toller Satz.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das finde ich schön. Und dann wird er mir richtig sympathisch, dieser Typ. Und überhaupt über die ganze Party wird er mir total sympathisch, weil er dann Kat, die sehr frustriert ist, die anfängt zu saufen. Und die dann auf dem Tisch tanzt und so und beinahe vom Tisch stürzt, er fängt sie noch auf, sich rührend um sie kümmert.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Was eine ganz tolle Szene ist.
Florian Bayer: Genau, er fährt sie dann nach Hause. Ich finde tatsächlich, also Patrick, die Figur ist mir ... nie richtig sympathisch geworden in diesem Film. Wirklich? Also ich fand ihn nicht unsympathisch, ich fand ihn einfach zu... Ich fand ihn charismatisch, ich fand ihn charmant. Aber um, dass ich wirklich Empathie mit ihm empfinde, dafür war er mir zu sehr abziepelt des unverstandenen Rebellen. Er hat seine sympathischen Momente und er hat seine coolen Momente. Es ist auch ganz toll, er fährt sie dann nach Hause und sie ist betrunken und versucht ihn zu küssen und er sagt, nee, lass mal. Auch cool.
Johannes Franke: Wir sind zu schnell. Okay.
Florian Bayer: Auf jeden Fall, es gab nicht diesen Moment, wo ich dachte, ich kann voll mit ihm mitempfinden, weil dafür ist er mir zu sehr Charakter am Reißbrett geblieben. Und es ist gar nicht so schlimm. Also es stört mich gar nicht. Ich finde es Weil er ist charmant und er ist sympathisch, aber es ist jetzt nicht, dass ich mit ihm mitfiebere, ob er Cat kriegt und ob er versteht, dass sie die Frau seiner Träume ist. Dafür war er mir dann doch zu eindimensional, weil es gibt ja dieses Klischee des armen, unverstandenen Rebellen. Und das ist er halt irgendwie. Kommt wahrscheinlich aus einer Unterklasse-Familie, hat es schwer an der Highschool, weil ... weil er sich einfach nicht das leisten kann, was sich die anderen leisten können. Er trägt das Herz am rechten Fleck, aber natürlich gerät er immer in Probleme. Er genießt das irgendwann in dieser Rolle. Er macht so ein bisschen einen auf James Dean. Er ist ein bisschen so leicht kriminell, aber halt nie zu schlimm.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Aber er hat, wie gesagt, das Herz am rechten Fleck. Er ist eigentlich ein guter Kerl und er ist vor allem viel zu clever. um da zu stehen und er wird sich immer durchschlagen müssen und vielleicht schafft er es vom Tellerwäscher zum Millionär irgendwann, das ist der amerikanische Traum. Das ist keine Rolle, wo ich sagen würde, wow, die ist aber tiefgründig.
Johannes Franke: Ich finde die ein bisschen tiefgründiger als du. Okay. Ich mag vor allem die Szene. er bringt sie dann, die Betrunkene, gerade so auf die Schaukel. Die sitzen dann beide auf den Schaukeln und vor sich hin und Ich liebe es, dass dieser Film das macht. Sie schaut dann so ganz betrunken zu ihm nach oben. Also das erste Mal, dass sie sich wirklich in die Augen schauen, sie sagt, du hast so grüne Anteile in den Augen. Ganz romantisch und dann kotzt sie eben vor die Füße. Das ist tatsächlich süß. Ich mag das. Das ist schön. Und Ja, weiß nicht. Er kommentiert auch ihre bösen Spitzen so schön, weil er sie irgendwie so auffängt und weiterträgt, ohne böse zu reagieren. Er ist Er reagiert nicht verletzt oder kannst du mal aufhören, mich hier so runterzumachen? Er steckt auch nicht zurück. sondern er spielt clever damit. Ja, er spielt damit. Er sagt in einer Stelle, who needs affection when you have blind hatred? Schön. Also er nimmt auf, was sie sagt und biegt das so ein bisschen... Das ist schön, das ist ganz toll geschrieben. Und dann eben, und das ist eine ganz tolle Schlüsselszene, was du vorhin schon gesagt hast. Wir sitzen im Auto, er hat sie nach Hause gefahren, sie will ihn küssen und er sagt sich, Nee. Dafür ist das jetzt gerade A, zu echt. Für das, was ich als Setup hier habe, nämlich, dass ich eigentlich bezahlt werde dafür. Und B... Die Frau ist betrunken. Die kann gerade nicht wirklich entscheiden, ob sie das will. Also mache ich es nicht. Ich glaube, dieser Film sollte in jeder Schule gezeigt werden.
Florian Bayer: Bin ich ganz bei dir. Was ich nicht verstanden habe, das ist die zweite Szene, in der ich den Charakter von Cat ... schwächer finde, als er eigentlich sein sollte, dass sie so wütend darauf reagiert.
Johannes Franke: Ich finde das ganz großartig, dass sie so wütend reagiert.
Florian Bayer: Ich hab nicht verstanden, warum. Weil ich das nicht in ihrem Charakter gesehen habe. Und es hat mich auch ein bisschen genervt, weil ich das Gefühl hatte, ihr Charakter schwach gemacht wird. Dass sie sauer auf ihn ist, dass er sie in dem Moment nicht küssen wollte. Und zwar wirklich so sauer, dass sie erstmal nichts mehr mit ihm zu tun haben will.
Johannes Franke: Das ist sie nicht. Das ist nicht der Grund.
Florian Bayer: Was sagst du, ist nicht der Grund?
Johannes Franke: Der Grund ist, dass sie sich vor ihm bloßgestellt hat und wütend auf sich ist.
Florian Bayer: Würdest du dem so viel Tiefe geben?
Johannes Franke: Definitiv, weil er gibt ihr das zurück später. Sie macht sich ihm gegenüber quasi lächerlich.
Florian Bayer: In dem er sich auch lächerlich macht, meinst du?
Johannes Franke: Genau. Und um das Gleichgewicht wieder herzustellen, macht er sich vor ihr lächerlich und singt auf dieser Tribüne dieses Lied.
Florian Bayer: Ich sehe, woher du kommst. Ja, vielleicht. Dafür war das für mich zu sehr eine Fun-Szene, was ich so tief interpretieren wollen würde. Genau, sie ist sauer auf ihn, sie redet nicht mit ihm und er geht dann ins Stadion und liegt einen ... der erinnerungswürdigsten Szenen der 90er-Jahre zurück. Und ich glaube, auch viele Leute, die den Film nicht gesehen haben oder nicht mehr so guten Erinnerungen haben, werden sich an diese Szene erinnern. Wenn er vor ihr im Stadion einfach mal losschmettert und sie... Und dann gejagt wird von den Sicherheitskräften.
Johannes Franke: Und er scheint diese Szene größtenteils improvisiert zu haben.
Florian Bayer: Heath Ledger.
Johannes Franke: Ja, Heath Ledger. Und das könnte auch sein, dass sie ... so ein Zweikamera-Setup hatten und sie Echtzeit reagiert auf das, was er macht. Sie wirkt sehr echt in dem, wie sie reagiert. Ihre Reaktionen sind toll. Und ich glaube, die sind echt. Weil er improvisiert die Szene.
Florian Bayer: Ja, das ist klasse. Das gibt der Szene natürlich noch mehr Stärke. Ich liebe diese Szene, die ist einfach toll.
Johannes Franke: Großartig.
Florian Bayer: Es ist auch diese wunderschöne Mischung aus ... Musical-Atmosphäre, die aber nicht richtig aufgebaut wird, die dann im richtigen Moment gebrochen wird. Sie versuchen... Ich versuch zum Musical zu kommen, ich will Musical werden, ich will Musical werden. Und dann diese Jagdszene und es ist so, und dann hat's so was Dilettantisches. Ja. Der Versuch eines Musicals, der schief geht, könnte als Überschrift über dieser Szene stehen. Und es ist einfach toll. Wunderschöne Szene. Ganz großartig. Ja, definitiv.
Johannes Franke: Und ich lese es ebenso. Sie hat sich vor ihm die Blöße gegeben und es ist wirklich kein schönes Gefühl. bietest einen Kuss an. Und obwohl du eigentlich weißt, das stimmt gerade, Irgendwie wird es nicht angenommen und irgendwie ist es scheiße, du fühlst dich richtig kacke und du bist dann wütend auf dich selbst, dass du die Situation nicht richtig gelesen hast. Und dann auch noch im betrunkenen Zustand und so weiter. Sie war ja sowieso nicht... Die Trinkerin und so. War ja sowieso schon den Abend über weit außerhalb ihrer Komfortzone. Und diese Wut auf sich selbst und auf diese Blöße, die sie sich gegeben hat, die greift er ganz, ganz, ganz toll auf und sagt sich... stelle ich jetzt wieder Gleichgelicht her und stelle mich vor allen anderen bloß und dann sind wir quit.
Florian Bayer: Finde ich eine wirklich schöne Interpretation dieser Szene. Ich weiß nicht, ob ich mitgehe, aber ich finde es eine sehr schöne Interpretation. Deswegen will ich das einfach so stehen lassen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Kommen wir ganz kurz zurück zur Geschichte Bianca Cameron, dass sie nicht ganz verloren geht, weil, ja, die Patrick-Cat-Liebesgeschichte ist ... Der zentrale Dreh- und Angepunkt der Handlung. Aber Bianca und Cameron haben auch was am Laufen. Cameron ist stinksauer auf sie, weil sie mit Joey zu der Party gegangen ist.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und er zeigt dir das auch. Er reagiert dann wirklich abweisend. Und gleichzeitig realisiert Bianca, dass Joey ein ziemlicher Arsch ist. Ja. Oh. und versucht, sich wieder mit Cameron zu versöhnen.
Johannes Franke: Und das Schöne ist und warum ich glaube, dass es sehr schön ist, dass Bianca eine Veränderung durchmacht und dass es sehr schön inszeniert ist, Sie bemerkt ja, wie scheiße Joey ist und wird dann trotzdem nach Hause gefahren von Cameron, obwohl er eigentlich nicht mehr... Ja, keine Lust mehr hat, okay. Macht das noch? Und stellt sie dann aber zur Rede und sagt, du warst wirklich, bist du immer so selbstsüchtig? Und sie sitzt da, schluckt erst mal und sagt dann, ja...
Florian Bayer: Und das ist eigentlich der einzige Moment, wo der Cameron-Charakter wirklich toll war. Also wie gesagt, ich Ich kann nur nochmal sagen Plank Page irgendwie. Aber in diesem Moment, wenn sie im Auto sitzen und wenn er wirklich sauer auf sie ist, macht er es ihr nicht leicht. Und er ist dabei offen und ehrlich. ungewöhnliches Verhalten für einen Highschool-Teenager.
Johannes Franke: Ja, naja, klar. Aber viele Szenen sind
Florian Bayer: Ungewöhnlich für High School. Das Altkluge und die Konflikte und das alles drüber. Es ist eine tolle Szene, weil es so eine Szene von krasser Offenheit ist, die auch ... überraschend kommt in dem Film, weil sonst bis jetzt wurde eigentlich alles mit Humor gelöst und mit schrägen Zähnen und albernen Zähnen und das ist der erste Moment, das ... gibt später noch einen, wo der Film wirklich keine Angst vor Gefühlen hat und dabei auch funktioniert. Und klar, dass sie ihn dann küsst und dass das dann irgendwie Versöhnung ist, ist vielleicht ein bisschen drübergehauen. Aber davor sein Monolog, wenn er mit ihr redet, wenn er sie konfrontiert, ist wirklich ... Eine starke Szene. Dafür, dass der Charakter davor so blass war. Mhm. Gehe ich voll mit.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Fand ich gut.
Johannes Franke: Und er spielt es auch gut.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und dass sie dann eben... den Moment nutzt, sich zu wachsen und sagt, ja, ich war so selbstsüchtig die ganze Zeit. Und das ein Moment für sie ist, zu sagen, okay, ich muss was ändern.
Florian Bayer: Ist auch der erste Moment für sie, ne? Davor war sie auch wirklich eine Karikatur, vielleicht nicht mal blass, sondern einfach zu überdreht, um irgendwie sympathisch oder interessant zu sein. Und da kriegst du zum ersten Mal mehr Charakter.
Johannes Franke: Genau. Ja. Und dann gehen wir also in diese Big-Band-Szene, wo er sich da auf der Tribüne einmal vor allem...
Florian Bayer: Er muss nachsissen und Affen macht...
Johannes Franke: Genau, Detention Class.
Florian Bayer: Toller Moment, wo wieder gezeigt wird, wie die Erwachsenen die Deppen sind.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Eine absolut unrealistische Escape-Scene.
Johannes Franke: Finde ich absurd.
Florian Bayer: Komplett daneben. Never ever.
Johannes Franke: Also sie will eigentlich Patrick wiedersehen und hat irgendwie keine Lust drauf zu warten, bis er aus Detention Class wieder rauskommt.
Florian Bayer: Genau, und deswegen...
Johannes Franke: befreit sie ihn, indem sie den Lehrer ablenkt.
Florian Bayer: Oh Gott.
Johannes Franke: Eine Szene, die wirklich... Oh Gott.
Florian Bayer: Nächste Szene.
Johannes Franke: Ja, nächste Szene. Okay. Guckt es euch an.
Florian Bayer: Das war wirklich dumm. Aber schön, dass die Erwachsenen einfach die Deppen sein.
Johannes Franke: Ja, genau. Okay, und dann sitzen sie zusammen, Julia Stiles und Heath Ledger und unterhalten sich darüber, wie sie sind, wo sie herkommen und was ihre Probleme sind. haben einen ganz tollen Austausch darüber, wie sie die Welt sehen. Was ich ganz großartig finde, weil Julia Stiles sehr gut erklärt, ähm ... was mit Expectations, was für ein Problem sie damit hat, einfach die Erwartungen anderer Menschen zu erfüllen. Was nun vielleicht auch meiner eigenen Wahnmögen der Welt sehr entgegenkommt, weswegen ich da sehr viel mit anfangen kann. Ich war auch so und ich bin den ganzen Film in sie verliebt, weil es genau mir aus der Seele spricht und ich nie Erwartungen von anderen Leuten erfüllen wollte. wollte und auch immer noch nicht will. Das hat sich einfach immer so durchgezogen. Und ich finde es toll, wie sie das erklärt.
Florian Bayer: Die Szene ist mir tatsächlich gar nicht so krass in Erinnerung geblieben, weil ich tatsächlich diese überschattet sehe von der Szene, die kurz darauf kommt, wenn Kat mit Bianca redet. Aber erzähl mal noch mehr von dieser Szene, was sie da sagt, weil tatsächlich ...
Johannes Franke: Das vermischt sich auch mit dem später mit ihrer Schwester tatsächlich. Sie erzählt ja auch ... Sie setzt das an bei dem Gespräch mit Patrick. Das geht dann über in so einen Paintball-Kampf. der ganz nett ist und wirklich eine schöne Annäherungsszene ist. Und dann erzählt sie aber auch ihrer Schwester tatsächlich das mit dem Erwartungen erfüllen, dass man die eigenen Erwartungen erfüllen soll und nicht die Erwartungen anderer.
Florian Bayer: Und dass sie das gemacht hat. Das ist ganz spannend, dass sie diese Geschichte hat, dass sie eigentlich eine Zeit lang genau diesem ... diesem Gruppendruck nachgegangen ist und das dazu geführt hat, dass sie jetzt der ist, wer sie ist und dass sie nie wieder zurück will.
Johannes Franke: Ja, dass sie mit Joey mal was hatte.
Florian Bayer: Das ist ihre Geschichte mit Joey, mit dem sie was hatte und mit dem sie auch Sex hatte.
Johannes Franke: Und danach gesagt hat, naja, lass mal lieber, das ist mir eigentlich was zu früh und ich will es noch eine Weile nicht. Und er sie dann einfach verlassen hat.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und gesagt hat, ne, pff, sind sie halt nicht.
Florian Bayer: Was dann auch noch mal so im Rückgriff erklärt, die Szene davor auf der Party, sie hat sich natürlich betrunken, weil sie gesehen hat, dass Bianca mit Gioiro macht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und weil das war ihr unangenehm, sie hasst Joey, sie ist wütend auf sie, sie hat Angst um ihre Schwester, sie hat da offensichtlich auch ein Beschützerinstinkt. Und es ist eine tolle Szene zwischen den beiden, weil es die erste Szene ist, in der die beiden auf einem Level miteinander interagieren und wirklich ehrlich zueinander sind. und Verständnis füreinander haben für ihre jeweiligen Rollen in der Gesellschaft, woher sie kommen und wie sie so geworden sind.
Johannes Franke: Was ich übrigens auch eine Stärke vom Film finde, dass der Film nicht die ganze Zeit nur sagt... Guck mal, das ist Kat. Die findet Patriarchat doof. Die findet bestimmte gesellschaftliche Normen doof. Wir müssen das ändern. Und die will nicht reinpassen. Die geht voll rein in dieses, ich gehöre nicht dazu und ihr könnt mich alle mal... Und Bianca aber auf der anderen Seite sehr verständlich sagen kann, was ist falsch daran, dass ich will, dass Leute mich mögen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das ist völlig verständlich. Natürlich will ich, dass mich Menschen mögen. Ich will ja in der Gesellschaft irgendwo verankert sein.
Florian Bayer: Ja, das ist auch so eine starke Szene zwischen den beiden, weil sie am Ende dieser Szene nach diesem Gespräch, wo ganz klar ist, Kat will sie auch beschützen vor diesem Joey, sagt ... Ich bin anders als du und ich kann meine eigenen Entscheidungen treffen. Und es ist fast so ein Empowerment-Moment auch von Bianca, die sagt, ich bin anders als du.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber lass mich auch anders sein und lass mich meine eigenen Entscheidungen treffen und ich bin alt genug und du musst mich nicht beschützen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wo sie auch eine Stärke zeigt, einfach weil sie sich von dem Ironischerweise, indem sie dieses Rollenklischee so ein bisschen erfüllt, emanzipiert sie sich gleichzeitig von diesem Rollenklischee. Weil sie ist halt in diesem Moment nicht die Hohlbirne, die einfach alles das macht, was andere sagen. Sondern sie ist einfach... Die, die gerne auf Partys geht, die gerne Dates hat, die gerne Spaß hat und gerne im großen Freundeskreis. Und das ist auch total okay. Und hey, lass mich so sein, das bin ich. Deine Schwester.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Ja, starker Moment zwischen den beiden.
Johannes Franke: Sehr stark, ja. Finde ich toll. So, dann sind wir aber schon im Fahrwasser des Höhepunkts des Films. Kat hat sich natürlich lange gewehrt, auf den Abschlussball zu gehen und es gibt auch dieses Gespräch, wo sie merkt, dass Patrick Erdrückt, ganz schön.
Florian Bayer: Sie ist skeptisch.
Johannes Franke: Ja, sie will eigentlich nicht hingehen. fragt sie aber und drückt sie da so ein bisschen rein und dann hat sie das Gefühl, dass ja irgendeine andere Motivation noch dahinter hat.
Florian Bayer: Übrigens großartig, dass es keine große Umgestaltungsszene gibt. Jeder dieser verfluchten Filme hat diese Szene, hässliches Entlein wird Schwarm, Schwart. Und natürlich würde das überhaupt nicht funktionieren, weil Julia Stiles, so wie auch sie inszeniert wird in dem Film. Und es wird gar kein Primborium drum gemacht. Das... sonst hat das wirklich jeder Film und wenn es nur kurz gezeigt wird, wie sie sich anzieht und im Spiegel betrachtet oder so, es wird nichts drum gemacht, sie hat halt dieses Kleid dann an. Ja. Es gibt überhaupt nichts drumherum. Das ist so toll.
Johannes Franke: Und keiner sagt, du siehst aber toll aus. Und nein, du wirst aber toll aus. Und wie hast du das denn jetzt gemacht?
Florian Bayer: Sie wandelt nicht groß die Treppe runter, sondern so, hey Dad, ich geh jetzt zum Abschluss. Das ist so angenehm, weil man hat es zu oft gesehen. Und selbst die Filme, die es subtil inszeniert haben, haben es immer zumindest ein bisschen inszeniert. Und wenn es nur ist, dass ... Keine Ahnung. Dass man kurz sieht, wie das gleich übergestreift wird. Dass man kurz sieht, wie man in den Spiegel guckt oder so. Aber nichts davon. Das ist einfach... Auf geht's, Party.
Johannes Franke: Sehr schön. Okay, dann sind Sie alle auf der Party. Und Cameron hat natürlich Bianca bekommen. Also Joey ist ja schon jetzt ein bisschen abgemeldet. Will es aber noch nicht wahrhaben. Ist auf der Party und prügelt sich mit Cameron, oder?
Florian Bayer: Er prügelt sich nicht mit Cameron, er haut Cameron K.O. Und wer dazwischen geht, ist Bianca.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Großartige Szene. Ganz schön. Er haut Cameron K.O., Bianca haut ihn K.O. Aber ganz kurz bevor er ihn K.O. haut, das viel Schlimmere, was Joey macht, ist natürlich, dass er ... zu Patrick geht, während Cat dabei ist und sagt ...
Johannes Franke: Stimmt.
Florian Bayer: Ich krieg Bianca nicht rum, vergiss es, du kriegst, das Ding ist abgebrochen. unser Deal gilt nicht mehr, weil ich nicht mit ihr auf dem Ball bin, weil ich sie nicht rumkriege und so weiter. Natürlich steht Cap direkt nebendran. Und erfährt dadurch, dass Patrick bezahlt wurde, um mit ihr auszugehen. Und bezahlt wurde, um ... ihr zum Abschlussball zu gehen, was wir auch noch nicht erwähnt haben. Es gibt nämlich noch eine zweite Bezahlung. Joey ...
Johannes Franke: Richtig viel Geld, ja.
Florian Bayer: Joey hat nach wie vor Hoffnung, mit Bianca zum Abschlussball gehen zu können. Geht zu Patrick, sagt ... Nächster Deal, ich geb dir Geld, du gehst mit Kat zum Abschlussball, damit Bianca auch zum Abschlussball gehen kann. Patrick sagt, nee, keinen Bock. Das ist jetzt was Ernstes. Und dann fängt Joey an ... offensichtlich als das Ekel, das er ist, als der Juppie-Arsch, so Geld auszufächern. Und ab einem gewissen Betrag hat er dann Patrick eben doch ... 300 Dollar. 300 Dollar waren es.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und das sagt er dann auf dem Abschluss bei macht er das ganz offensiv. Wahrscheinlich, weil er auch sauer ist, weil er sich rächen will. Und Cat kriegt mit, dass ... Patrick bezahlt wurde, um mit ihr zum Ball zu gehen und mit ihr auszugehen und es entsprechend nicht nur wütend, sondern ihr Herz ist gebrochen. Sie ist richtig traurig und rannt weg. Das war's. Joey haut Cameron und wird danach von Bianca K.O. gehauen. Es ist so ein befriedigender Moment. Auch schön, natürlich ist dieser Rollenwechsel schön, dass sie ihn beschützt, dass Bianca Cameron beschützt.
Johannes Franke: Aber auch ihre Gründe, die sie anbringt. Ja. Und ihm wirklich mal die Levitenlisten sagt, nee, so geht das nicht. Das... Einen Schlag in die Magengrube für meine Schwester, einen Schlag in die Magengrube für mich und einen für Cameron. Genau.
Florian Bayer: Und das Tolle ist, genau, sie erfährt nämlich an dem Abend auch, dass Joey die ganze Zeit sie einfach nur flachlegen wollte und damit angegeben hat. Und dann gibt sie ihm einen richtig festen Magenschlag für ihre Schwester. Einen richtig festen Magenschlag für Joey. Und dann so einen kleinen Hauer für sich. Wo offensichtlich auch so eine Umbewertung stattfindet.
Johannes Franke: Das habe ich so nicht gesehen. Aber vielleicht ja.
Florian Bayer: Nein, er kriegt von, wenn sie sagt, der ist für mich, das kriegt er deutlich weniger ab.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Die Schläge für ihre Schwester, die Verteidigung ihrer Schwester und ihres Freundes sind stärker.
Johannes Franke: Okay. Ach, schön. Was wir... Das machen wir gleich. Ne, es stimmt nicht. Wir machen das jetzt... Was wir nicht erwähnt haben, ist, dass der Lehrer einen Auftrag gegeben hat, Shakespeare... umzuschreiben, eine neue Variante von Shakespeare, irgendeinem Shakespeare- Passage.
Florian Bayer: So Net 141.
Johannes Franke: Ah ja, das.
Florian Bayer: Und das wirklich im Original... ein wunderschönes Tonight ist.
Johannes Franke: Möchtest du es rezitieren?
Florian Bayer: Nee, meine englische Aussprache ist so schlecht, dass ich Shakespeare damit nicht gerecht werden würde. Aber Wenn ihr ein wirklich tolles Liebesgedicht lesen wollt, lest es so nett. 141 von William Shakespeare. Wie heißt das? Welches ist das? 141.
Johannes Franke: Naja, okay.
Florian Bayer: Das hat keinen Titel.
Johannes Franke: Ich gucke kurz nach.
Florian Bayer: Und zwar, es geht in diesem Sonett darum, es kurz zusammenzufassen, Shakespeare ist in eine Frau verliebt. Und er schreibt über diese Frau. Und sie ist aber so gewöhnlich. Sie ist nichts Besonderes. Und er schreibt die ganze Zeit, dass sie... Dass sie Schwächen hat, dass ihre Stimme nicht besonders klingt, dass sie nicht besonders riecht und so weiter. Aber ... dass er trotzdem in sie verliebt ist und sterblich in sie verliebt ist. Und dass er in dem Gewöhnlichen das Besondere sieht ... Ja, es ist ein tolles Gedicht. Es ist kurz.
Johannes Franke: Hat nur ein paar Zeilen.
Florian Bayer: Man kann es mal eben lesen. Und es lohnt sich total.
Johannes Franke: Und dass die Aufgabe des Englischlehrers ist, dass jeder seinen eigenen Take davon schreiben soll.
Florian Bayer: Eine Neuinterpretation.
Johannes Franke: Eine Neuinterpretation. Neue Interpretation. Neue Interpretation. So forciert, aber wir müssen dazukommen, bevor der Film zu Ende ist. Das stimmt, okay. Wir müssen zur Top 3. Möchtest du den Jingle bitte vorstellen?
Florian Bayer: Ja, Top 3, Moment, Moment. Oh nein, sie kommt, sie kommt. Moment, sie kommt. Kurz durchschalten. Da ist sie, da ist sie, da ist sie. Top 3, ja, passend zu dem Film. Neuinterpretationen von klassischen Stücken. klassischen Texten, haben wir gesagt, um es so weit wie möglich zu fassen.
Johannes Franke: Also die Sache ist, es ist natürlich ein schwieriges
Florian Bayer: Uff. Ich hab lange gebraucht, ich hab lange überlegt, ich hab auch ständig rumgeworfen und das ist auch keine Ewigkeitstop 3, sondern das, was mir dann irgendwie so in den Sinn kam, dass es schön zusammenpasst.
Johannes Franke: Genau, ich glaube, dass gerade diese Top 3 nächste Woche wieder ganz anders aussehen würde, gerade bei mir auch, weil ich, ja, hm, hm, hm.
Florian Bayer: Dann sag mir mal deine drei, die nächste Woche ganz anders aussieht.
Johannes Franke: Also die von nächster Woche soll ich dir jetzt sagen.
Florian Bayer: Ja, ich will die Nummer drei von nächster Woche haben. Wenn wir uns Tenet angucken. Okay.
Johannes Franke: Nein, also mein Platz 3, die anderen oder Menschen, das kann ich ja dann machen. Platz 3 ist Trommelwirbel. Die Blechtrommel.
Florian Bayer: Oh, nah an der Veröffentlichung der Vorlage, oder?
Johannes Franke: Ich glaube, ja. Aber toller Film. Ist es zu nah? Haben wir gesagt, wir müssen, oh mein Gott, es tut mir leid.
Florian Bayer: Wir haben nicht die Regeln festgelegt. Ach so. Ich halte die Blechtrommel als Literaturverfilmung, die nah an der Vorlage ist und sowohl zeitlich als auch inhaltlich nah an der Vorlage. Aber okay.
Johannes Franke: Aber die Blechtrommel ist Wahnsinn.
Florian Bayer: Ja, der Film ist großartig. Also ja, definitiv. Ich habe das Buch nie ganz gelesen.
Johannes Franke: Ich auch nicht.
Florian Bayer: Gut. Aber der Film ist super. Ist Volker Schlöndorf? Es ist auf jeden Fall ein großer Registrier des neuen deutschen Films. Das muss ich kurz googeln. Ich glaube, es ist Volker Schlöndorf. Es ist Volker Schlöndorf. Gott sei Dank. 1979. Und das Buch ist von 1959. Ah, 10 Jahre. Nicht viel, okay, okay, okay. Ich habe auch noch genug andere Sachen. Ich könnte auch noch wechseln. Nein, das sind 20 Jahre sogar. Trotzdem, na dran. Meine Nummer drei. Und den habe ich nur aufgenommen, weil ich unbedingt einen Film von 2020 haben wollte, weil 2020 so ein kaputtes Filmjahr war. Wegen dieser ganzen Corona-Scheiße. Offair von Alexander Kluge. Alexander Kluge nimmt den Orpheus-Mythos, Orpheus in der Unterwelt, und macht aus Orpheus eine Frau. Und aus Eurydice, die er retten soll, wird dann natürlich ein Mann gemacht. Und diese Affair wandelt zum einen durch die Münchner Studios von Alexander Kluge. Also in Interview-Passagen, wo sie dann auch ständig aus ihrer Rolle raustritt. Die Orphea wird gespielt von ... Helge Schneider? Ach, bitte. Ja, was?
Johannes Franke: Helge Schneider und Alexander Kluge?
Florian Bayer: Das ist noch ein Team. Es gibt noch... Es gibt noch andere Schauspieler, mit denen klug zusammenarbeitet. Lilith Stangenberg, tolle Schauspielerin, die an der Volksbühne viel gespielt hat.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und ... Das ist das eine, sie ist in dem Studio und sagt Dinge wie halt Kluge inszeniert, so Collagenartig. Und er hat sich zusätzlich den südamerikanischen Regisseur Carven mit ans Boot genommen.
Johannes Franke: mit ins Boot genommen.
Florian Bayer: Und der inszeniert sie ... auf dem Weg durch die Unterwelt und nimmt als Unterwelt die Slums, in denen er groß geworden ist und lässt sie dadurch durch die Stadt wandeln. Schwieriger Film, Filmcollage, experimentell, so wie man es von Kluge erwartet. Durchbrochen von diesen Carven-Aufnahmen, die einfach nur wild, laut und... Extrem ist ein großartiger Film. Wahrscheinlich der beste Film, den ich 2020 gesehen habe. Das Kinojahr 2020 war für mich ziemlich dünn, weil ich nicht im Kino war. Den Film habe ich sehr genossen.
Johannes Franke: Okay, sehr schön. Dann musst du mir den irgendwie mal zugänglich machen. Wie kriegt man den? Alexander Kluger.
Florian Bayer: Ich guck mal.
Johannes Franke: Mein Platz zwei. Mein Platz zwei ist Eiskalter Engel.
Florian Bayer: Oh.
Johannes Franke: Also von gefährlichen Liebschaften aus, Moment, ich gucke mal kurz.
Florian Bayer: Hey, du hast ein Faible für Teenager-Geschichten Ende der 90er Jahre.
Johannes Franke: Ja, irgendwie schon. Naja, 1782 ist der Roman.
Florian Bayer: Der Abstand ist genug.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und es ist vor allem auch ganz neu interpretiert.
Johannes Franke: Ja, sehr. Und ich fand den unglaublich gut gemacht. Unglaublich cool gewonnen und sehr... auch reinholend, also man wird sehr reingezogen in diese Geschichte, in diese Beziehung der drei
Florian Bayer: Ja, toller Film, großartiger Soundtrack. Wenn ich an den Film denke, denke ich vor allem an den tollen Soundtrack mit Moby und ... jetzt darf ich nichts Falsches sagen, Radiohead. Ich weiß nicht, so 90er-Indie-Rock-Bands vor allem, ne? Ja. Es war einiges dabei und ... Jetzt habe ich nur so ein vages Indie-Rock-Vibes im Gehör. Aber genau, super Film, ja. Tolle Darsteller. Und schick, sexy.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und an den richtigen Stellen dramatisch. Meine Nummer zwei ist ... Obrada Wearto von den Coens. Eine Umsetzung der Odyssee im Amerika des 20. Jahrhunderts. Anfang des 20. Jahrhunderts. Odysseus, beziehungsweise Ulysses, wie er im Englischen heißt.
Johannes Franke: Das ist mir zu nah. Die Veröffentlichung ist einfach zu nah an der Verfügung.
Florian Bayer: Das muss ich jetzt erstmal schlagen. im Jahr 2000 verfilmt. Mehr Abstand kriegst du fast nicht hin.
Johannes Franke: Krass, Mann. Das ist krass. Okay, okay. Es hat bestimmt irgendwann mal jemand... Nee.
Florian Bayer: Ja, genau, habe ich auch gerade überlegt.
Johannes Franke: Nee, es wird nicht. Es wird mehr Abstand nicht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Okay. Na gut.
Florian Bayer: Aber toller Film. Ja. Super Komödie, auch mit toller Musik, dieses ganze Bluegrass-Zeug. Sauwitzig und wunderbar diese mythischen Figuren wie die Nymphen und der ... Und der Zyklop eingebaut in dieses Setting des Amerikas im frühen 20. Jahrhundert. Krass. Krass.
Johannes Franke: Zu lange her, dass ich ihn gesehen habe. Ich muss ihn unbedingt nochmal gucken. Dafür ist der Podcast auch gut. Dass man sich ab und zu mal daran erinnert, ach, da war ja mal was. Und nochmal gucken. Ich kann mich nicht entscheiden für meinen Platz 1. Und nehme das Abgefahrenste davon. Die Muppets Weihnachtsgeschichte.
Florian Bayer: Absolut.
Johannes Franke: Keine Widerrede.
Florian Bayer: Sehr cool.
Johannes Franke: Also die Literaturverfilmung überhaupt. Große Literatur und große Umsetzung.
Florian Bayer: Cool. Ich habe total eine Schwäche für die Weihnachtsgeschichte. Ja. Wahrscheinlich ist mein Ziel, eines meiner großen Ziele im Leben ist es, sämtliche Verfilmungen gesehen zu haben. Ich glaube, das wird nichts. Das wurde echt oft verfilmt. Ich werfe die auch manchmal durcheinander, weil es gab so eine Reihenfolge, wo gefühlt jedes Jahr ein neuer Scrooge-Film kam. Aber die Muppets sind toll. Die Muppets Weihnachtsgeschichte ist echt wahrscheinlich eine der besten. Hatten wir nicht vor kurzem.
Johannes Franke: Du hattest dann Jim Carrey angeführt.
Florian Bayer: Genau, diese Jim Carrey-Verfilmung ist auch überraschend gut.
Johannes Franke: Die muss ich immer noch angucken.
Florian Bayer: Na mal sehen. Animiert ist die, ne? Die ist mit diesem ... Verfahren, was einen Regisseur rausschneiden ... Also, Christmas Carol von 2009 ist von Robert Zemeckis.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und das Ganze ist mit Motion Capture gemacht. Also ... Was er auch bei Polarexpress gemacht hat. dass er den Schauspieler aber sehr genau einfängt und der Schauspieler sehr viel mit der Rolle macht, obwohl es animiert ist.
Johannes Franke: Okay, okay.
Florian Bayer: Auf jeden Fall eine sehenswerte Umsetzung. Und total faszinierend, weil Jim Carrey alles spielt, Scrooge und drei Geister.
Johannes Franke: Geil. Krass, Mann.
Florian Bayer: Meine Nummer eins ist schon japanischer Film mit russischen Unterrichtungen. Das Schloss im Spinnwebwald von Akira Kurosawa aus dem Jahr 1957. Eine Shakespeare-Umsetzung, Macbeth. Macbeth in einem Samurai-Setting.
Johannes Franke: Wow, krass.
Florian Bayer: Düster, pathetisch, großartige Bilder. Ja, der beste Shakespeare-Film, den ich kenne.
Johannes Franke: Okay. Also, wie fandest du Romeo und Julia, die Verfilmung? Die war gut, ne? Und ich, was mich sehr gewundert hat, weil Romeo und Julia Meinung nach der schlechteste, das schwächste von dem berühmten Shakespeare- Stücken ist.
Florian Bayer: Ich glaube, ich bin bei dir, was Romeo und Julia betrifft, im Vergleich zu anderen Stücken. Dass es eher nicht zu den Stärken gehört. Wenn ich eine Top 5 der Shakespeare-Stücke machen würde, wäre Romeo und Julia mit Sicherheit nicht drin. Ja, ich fand ihn gut. Er hat Das war natürlich auch so krass, 90er vom ganzen Stil und vom Soundtrack und von den Kulissen und Kostümen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber sie haben sehr viel Kraft. Ja, sie haben es geschafft, diese Gewalttätigkeit, die in dem Stück verborgen liegt, gut auf die Leinwand zu bringen. Besser auf die Leinwand zu bringen als... ältere Verfilmungen, die zahmer sind.
Johannes Franke: Ja, ja. Also Romeo und Julia verleitet sehr dazu, sehr zahm und sehr elegisch zu sein. Weswegen ich auch glaube, dass es eine der schwächeren Stücke ist von Shakespeare. Zum einen, weil ich mit den Figuren, sobald ich älter als 22 bin, nicht mehr mitkomme, weil ich denke, 14-Jährige, die eigentlich gar nichts wissen vom Leben.
Florian Bayer: Und sie sind auch so naiv, ne?
Johannes Franke: Ja, irgendwie, ich weiß nicht. Naja, und dann... finde ich, dass einige Plotholes da drin sind. Also viele Szenen existieren, in denen man denkt, jetzt musst du ja nur das machen und dann kommst du da aus der ganzen Geschichte wieder raus.
Florian Bayer: Ja. Das ist eigentlich, wenn man sich genau anguckt, ist eine extrem dünne Story auch, wie schnell sie sich ineinander verlieben.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Es ist so plump. Dieser Familienkonflikt ist natürlich prinzipiell spannend.
Johannes Franke: Prinzipiell spannend, aber nicht ausgearbeitet in der Form, wie man das eigentlich... denkt, was möglich wäre. Das macht er in anderen Stücken viel ausführlicher und viel besser.
Florian Bayer: Ja. Mein liebstes Shakespeare-Stück ist tatsächlich Hamlet. Ganz banal und langweilig.
Johannes Franke: Okay. Hamlet ist gut, klar.
Florian Bayer: Aber Hamlet ist ganz gut.
Johannes Franke: Was ist mit Sonnachtstraum? Was ist mit was ihr wollt?
Florian Bayer: Ich führe einen grundsätzlichen Gegensatz zwischen uns. Du magst von Shakespeare eher die Komödien. Ich mag von Shakespeare eher die Tragödien. Also meine Top 3 wäre wahrscheinlich Hamlet, Macbeth, King Lear. Ich weiß, das ist echt nicht originell, aber das wäre es wahrscheinlich einfach.
Johannes Franke: Nein, Hamlet ist wirklich toll. Es ist ein wirklich gutes Stück und ich habe noch eine ganz tolle Inszenierung davon gesehen, die ich wirklich sehr mochte. Aber ich bin mit den Komödien sehr ... Ich mag die Komödien einfach viel lieber, weil Shakespeare für mich ... nicht wie es oft so wahrgenommen wird als Unterhaltung für Intellektuelle ist, sondern ... Eigentlich ist Shakespeare Volkstheater. Ja. wenn man es einmal verstanden hat, hat man so einen Spaß mit diesem Volkstheater und diesem wahnsinnigen, dieser wahnsinnigen Lust, die da drin steckt am Spiel und am Auseinandernehmen und am total Verhuhnepiepeln, weil... Du hast einfach so eine Lust und so viel Spaß da dran.
Florian Bayer: Ja, ich weiß, was du meinst, total. Shakespeare ist Travestie, Shakespeare ist Kostüm... Schnick, Schnack, Shakespeare ist derber Humor, Shakespeare ist albern.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich mag halt trotzdem seine Tragöne, in denen das alles nicht stattfindet, weil Shakespeare ist auch gewalttätig, Shakespeare ist düster, dramatisch, Shakespeare ist apokalyptisch. Vielleicht ist Macbeth sogar doch auf Platz eins. Es gibt eine ganz tolle Macbeth-Verfilmung aus dem Jahr 2015. die ich dir nur ans Herz legen kann. Der hat perfekt diesen apokalyptischen Ton von Shakespeare getroffen. Da ist alles düster und alles dunkel und alles ist verloren mit ... Einen ganz tollen Schauspieler. Und zwar ... Warum brauche ich immer so langen Schauspielernamen zu suchen? Mit Michael Fassbender als Macbeth. Und Marion Cotillard als Lady Macbeth. Kann ich dir nur ans Herz legen, wenn du Shakespeare in seiner tragischsten, düstersten, pathetischsten Form sehen willst. den MacBuy von 2015.
Johannes Franke: Okay. Okay, das werde ich mir mal zu Gemüte führen. Ich bin so ein bisschen sowieso dabei, die Shakespeare-Inszenierung noch mal ein bisschen zu roundabout... Weil es ganz viele tolle Inszenierungen gibt. Es gibt eine ganz tolle Inszenierung und deswegen ist auch Much Ado About Nothing ganz lange mein Lieblingsstück gewesen. Mit Catherine Tate und David Tennant. Wie die beiden einander angiften auf der Bühne, ist einfach... Kein Film, sondern ein Bühnenstück. Ein Bühnenstück, was abgefilmt wurde. Und das ist eine ganz tolle Entzündung.
Florian Bayer: Das hast du mir, glaube ich, auch schon mal empfohlen.
Johannes Franke: Kann sein. Das gibt es auf YouTube. Kann man immer... Ganz problemlos googeln.
Florian Bayer: Okay. Einfach gucken. Das sollte ich mal schauen.
Johannes Franke: Much to do but nothing mit Catherine Tate und David Tennant. Ganz, ganz tolle Inszenierung. Die beiden sind einfach großartig zusammen.
Florian Bayer: Okay. Ja.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wir kommen zurück zum Ende von unserem Film. Und zwar zu ihrer Aufgabe. Sie sollten das Sonett von Shakespeare 141 neu schreiben. Und Cat hat davon eine Version geschrieben.
Johannes Franke: Kat hat davon eine Version geschrieben, wohlgemerkt, wir sind in der Situation, dass sie sehr enttäuscht. enttäuscht und verletzt von dieser Prom Night nach Hause gerannt ist, am nächsten Morgen nur deprimiert da sitzt und dann später, wenn sie wieder Schule haben. gibt es diese Szene. Beide sitzen sehr verletzt da vor sich hinlungernd im Klassenzimmer. Und der Lehrer fragt, wer möchte denn seine Hausaufgaben vorlesen. Lange meldet sich keiner und irgendwann sagt sie dann, na gut, ich mach's. Und sie macht es so toll.
Florian Bayer: Es ist das titelgebende Gedicht, was sie jetzt liest. Genau. Und es ist wirklich eine großartige Szene.
Johannes Franke: Zum einen spielt sie das so wahnsinnig gut und zum anderen finde ich es aber auch wirklich sehr gut geschrieben.
Florian Bayer: Es ist ein tolles Gedicht, es ist kein so nett. mal mein Germanistik-Grundwissen hervorzuheben. Es ist kein so nett, was sie liest, aber das ist vollkommen egal in dem Moment. Das ist nämlich einfach, weil eigentlich müsste sie... Kriegt sie dafür eine Sex? Ist das Thema verfehlt, weil es kein so nett ist? Es ist ein super Text und sie trägt ihn vor und bringt da alle ihre Emotionen gegenüber Patrick rein. Und es ist eine wirklich, wirklich, wirklich mitreißende Szene und es ist eine wirklich traurige Szene auch.
Johannes Franke: Sie zählt auf, was sie alles an Patrick, ohne den Namen zu sagen, hasst. Und dass sie am meisten hasst, dass sie ihn nicht hassen kann.
Florian Bayer: Ja. Es ist wirklich eine tolle Szene. Und sie kommt auch wirklich unerwartet, weil man erwartet in dem Film dann nicht ... dass die Emotionen doch so stark noch einmal nach oben gehoben werden. Weil die Liebesgeschichte zwischen ... Cameron Bianca, die immer so ein bisschen der pseudozentrale Punkt ist manchmal. Weil die so ... einfach gelöst wird und die Emotionen halt so in diesem netten, kitschigen Teenager-Kosmos bleiben. Aber diese Szene ist einfach mal stark und wirkt auch sehr echt.
Johannes Franke: Ja, das ist der erste Take.
Florian Bayer: Krass.
Johannes Franke: Ja, sie haben den ersten Take genommen. Sie war sofort auf dem Punkt. Und ich verstehe das auch als Schauspieler, wenn du so emotionale Sachen hast, ist der erste Take meistens der beste. Weil du hast dir das alles aufgebaut einmal und wenn es einmal raus ist aus dem System, so dieses Emotionale, sie weint ja dann. dann ist es schwer, das nochmal zu holen. Aber es ist so toll, diese Punkte alle zu treffen am ersten Take. Ja, das hat mich total gepackt.
Florian Bayer: Man sieht da schon, dass Julia Stiles einfach eine fantastische Schauspielerin ist.
Johannes Franke: Ja, sie war 17.
Florian Bayer: Krass.
Johannes Franke: Und er war 19.
Florian Bayer: Das mit 17 zu machen, wow.
Johannes Franke: Ja, also toll gespielt.
Florian Bayer: Sie rennt dann weinend weg.
Johannes Franke: Ja, sie rennt dann weinend weg und er rennt ihr nicht hinterher. was man in einem dramatischen Film hätte machen können, sollen müssen dürfen vielleicht oder so. Aber wir schneiden in ... Den Ende des Tages, in das Ende des Tages, das Ende, der Ende, das Ende. und sie kommt zu ihrem Auto und in dem Auto liegt eine Fender E-Gitarre
Florian Bayer: Man muss dazu sagen, dass sie während des Films irgendwann mal Patrick ziemlich überrascht hat, als sie von ihren ... musikalischen Ambitionen erzählt hat und dass sie eigentlich gerne in einer Band wäre, dass sie eigentlich gerne Gitarre spielt.
Johannes Franke: Das ist auch eine ganz tolle Szene im Film, wie man merkt, dass er wirklich verliebt ist. Sie sitzt mit Kopfhörern im Shop und versucht diese Gitarre. sie hat sie einfach in der Hand, spielt ein bisschen drum rum. Wir hören gar nicht, was sie hört. Wir sehen, wie er kommt und Mit dem Auftrag im Kopf, ich muss sie jetzt irgendwie doch nochmal ausfragen, also nochmal fragen, ob sie mit ihm ausgeht und traut sich nicht so richtig. ein bisschen verloren hinter ihr und gehe ich da jetzt hin oder nicht oder was? So ein bisschen nervös. Das ist eine süße Szene.
Florian Bayer: Ja, ist es.
Johannes Franke: Und dann löst sich halt das mit der Gitarre auf, indem sie dann diese Gitarre geschenkt bekommt von ihm, der dann hinter ihr auftaucht und ihr eben... sagt, hier, da hat sich jemand ziemlich idiotisch benommen und es tut dem auch Leid und so.
Florian Bayer: Diese Versöhnungsszene steht für mich immer so ein bisschen im Schatten von der vorherigen emotionalen Szene, aber ich weiß auch nicht, wie sie das hätten... besser machen können. Ich glaube, es ist eine zu große Fallhöhe. Wir kommen wirklich von krassen Emotionen und diese Versöhnung ist dann doch sehr banal, sehr trivial. dadurch, dass er, ich meine, ja, stell dir eine Gitarre rein. Eigentlich findet die Versöhnung ja in dem Moment statt, in dem sie das Gedicht liest und klar ist, dass sie nicht von ihm loslassen kann. ja genau und das ist ja nicht ihr schritt zur versöhnung aber ihr schritt offen mit ihren gefühlen umzugehen Vielleicht hätte man ihm auch so einen Moment geben können. Ich weiß es nicht so genau. Ich finde, diese Szene steht so ein bisschen im Schatten von der vorherigen Szene. Tut sie auf jeden Fall. Eine sehr simple Versöhnung.
Johannes Franke: Ja. Obwohl sie glücklicherweise dann noch sagt, du kannst mir nicht jedes Mal eine Gitarre schenken, wenn du dir verkackt hast. Ja. Und dann sagt er ganz witzig, ja, es gibt ja auch noch andere. Es gibt ja auch ein Tambourin, es gibt ja auch noch ein Schlagzeug.
Florian Bayer: Das ist übrigens ganz süß, weil es zeigt, dass sie trotzdem sie selbst geblieben sind. Im Kern, auch wenn sie sich entwickelt haben, sind sie im Kern sie selbst geblieben.
Johannes Franke: Genau. Das hat sich keiner verbogen für den anderen.
Florian Bayer: Und sie sah allein schon, dass sie was sagt. Weil in der widerspenstigen Zähmung ist die Frau dann ja einfach nur noch stiller.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und sie wurde eben nicht gezähmt.
Johannes Franke: Wenn jemand gezähmt wurde, dann er.
Florian Bayer: Dann er am ehesten. Aber ich glaube, auch er wurde nicht gezähmt. Das ist das Schöne, es gibt keine Zähmung der Widerspenstigen am Schluss. Sie darf widerspenstig sein. Das Wort widerspenstig.
Johannes Franke: Jeder darf sein, wie er ist und das ist halt das Tolle daran. Ja, das ist eine ganz tolle und wichtige Botschaft. Ich kann mich nur wiederholen, eigentlich sollte dieser Film in Klassen gezeigt werden. Wirklich, der geht so gut mit Sachen um, mit Konsent und mit solchen, weiß ich nicht.
Florian Bayer: Es gibt diese Szenen definitiv, ich würde ihm nicht das Prädikat besonders wertvoll geben. Aber er hat mir Spaß gemacht, um vielleicht zu meinem Schluss-Take zu kommen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Er ist okay. Er ist bewusst überzeichnet.
Johannes Franke: Er ist okay.
Florian Bayer: Nein, nein, nein. Okay, er ist bewusst überzeichnet. Ich akzeptiere das. Er ist total albern und total drüber. Und macht sich dabei auch über das Genre Teenager-Komödie lustig, ohne zur klassischen Parodie, zum klassischen Spoof-Movie zu werden. Aber er hinterfragt die Stereotype nicht so richtig. Er spielt eher mit ihnen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und er weiß aber, was er ist. Er weiß, dass er eine alberne Teenager-Komödie ist. Er nimmt sich dabei nicht zu ernst, findet dabei aber Momente, in denen er krass drüber hinauswächst. Das ist diese Szene, in der er das Gedicht liest. Das ist die Szene, in der er ihren Kuss ablehnt. Nicht ihre Wut danach, sondern wirklich dieser Moment, wo er einfach den Kuss ablehnt. Und es gibt ein, zwei Dialogszenen, vor allem die zwischen ihr und ihrer Schwester. aber auch der Dialog zwischen Cameron und Bianca, wo der Film ... immer so ein Stück über sich hinauswächst. Ansonsten ist es einfach wirklich eine unterhaltsame 90er-Jahre-Teenager-Komödie. Und wahrscheinlich in diesem riesigen Fass an schlechten Filmen, durchschnittlichen Filmen und auch ein paar okayen Filmen, ist ja ohne jeden Zweifel der Beste.
Johannes Franke: Okay, das ist doch schön. Ja, ich will da gar nicht viel hinzufügen.
Florian Bayer: Siri, halt die Klappe!
Johannes Franke: Was ist hier los heute? Also ich will gar nicht viel dazu ergänzen. Der Film spricht so wahnsinnig viele Themen an für mich, die ich wahnsinnig wichtig finde. Und ich finde... Ich finde es wahnsinnig gut von diesem Film, Ende der 90er es zu schaffen. Einer Frau... das zu lassen, was sie ist und was sie ausmacht und was sie wichtig findet, ihre Ideale zu lassen, Und ihr sie nicht wegzunehmen zugunsten einer Liebe, die angeblich viel besser ist oder zugunsten eines Mannes oder was auch immer.
Florian Bayer: Vor allem ein Film aus den 90ern, der auf einem Stück aus dem 16. Jahrhundert basiert, der das genau das Gegenteil macht.
Johannes Franke: Ja, ganz toll. Vielen Dank, Flor, dass du ihn gesehen hast.
Florian Bayer: Ja, vielen Dank, dass ich ihn noch mal sehen durfte. Das ist sehr lange her. Wahrscheinlich war ich in dem Alter der Protagonisten, als ich ihn das letzte Mal gesehen habe.
Johannes Franke: Schön.
Florian Bayer: Nee, in dem Alter der Schauspieler.
Johannes Franke: Das ist kein großer Unterschied. Das Spiel ist da als 17.
Florian Bayer: Ja, das ist wirklich krass. Das überrascht mich. Okay. Na dann. Vielen Dank. Bis nächste Woche. Bis nächste Woche.
Johannes Franke: Ciao.
Florian Bayer: Ciao. Ja, wir haben noch was.
Johannes Franke: Wir haben noch was, ja, stimmt.
Florian Bayer: Nächste Sendung.
Johannes Franke: Du weißt schon, was du machst?
Florian Bayer: Ja, ich weiß es wie immer.
Johannes Franke: Was denn?
Florian Bayer: Ich greife wieder auf meine Top-Liste zurück und nehme einfach einen Film, den ich in dieser Top-Liste hatte und zwar Paper House Albträume werden war aus dem Jahr 1988. Britischer Horror-Fantasy-Kruselfilm.
Johannes Franke: Sehr schön, okay. Ja, du hattest mir das schon erzählt und ich dachte, ja, okay, den muss ich vielleicht einfach mal sehen. Und insofern ist es ganz gut, dass du dir nichts vorschlägst. Sehr schön.
Florian Bayer: Was hast du denn für mich?
Johannes Franke: Ich war so unsicher, aber ich glaube, ich muss einfach mal das machen, was du eigentlich von mir erwartet hast, als wir angefangen haben, diesen Podcast zu machen. 50er. Ja, genau. Und zwar Some Like It Hot. Manche mögen es heiß mit Marilyn Monroe und Tony Curtis und Jack Lemmon. Von Billy Wilder.
Florian Bayer: Sehr schön. Du kennst den Film bestimmt schon, oder? Ich kenn ihn schon, aber ich... Ich gehe fest davon aus, dass ich ihn das letzte Mal als Kind gesehen habe.
Johannes Franke: Oh, als Kind, ja. Okay, sehr gut. Das ist cool, weil dann ist auch noch mal der Kontrast vielleicht stärker.
Florian Bayer: Das glaube ich auch. Also es betrifft viele von diesen Filmen aus den 50ern. Die habe ich als Kind gesehen, weil mein Vater die gerne geguckt hatten, lustig fand. Das heißt, meine Erinnerungen an diese Filme sind auch immer, dass mein Vater neben mir auf der Couch sitzt und schrecklich laut lacht und sich auf die Knie haut. Und ich immer denke, oh, was ist denn daran so lustig? Das ist doch nicht komisch. Das ist meine Verbindung zu 50er-Jahre-Filmen und zu Tom und Jerry Cartoons.
Johannes Franke: Tom und Jerry Cartoons? Dein Vater sitzt neben dir?
Florian Bayer: Ja, mein Vater wollte, dass wir die gucken, diese klassischen Cartoons. Hanna-Barbera und Looney Tunes und so. Und er fand die viel lustiger als wir.
Johannes Franke: Okay, ich bin gespannt, wie das mit deinem Sohn irgendwann kommt.
Florian Bayer: Das ist eigentlich etwas, was ich nicht in dem Podcast, sondern bei einer Therapiesitzung erzählen sollte.
Johannes Franke: Dann sehen wir uns bei der nächsten Therapiesitzung nächste Woche. Bis dahin.
Florian Bayer: Ich freue mich drauf. Bis dann. Ciao. Ciao.
