Episode 29: Die Frühzeit des Films
A very special episode… Um das Sommerloch zu stopfen haben wir uns ausnahmsweise nicht jeweils einen Film zugeworfen… sondern unzählige. In unserer 29. Episode sprechen wir über die Frühzeit des Films, die Anfangstage des Mediums, als es noch Experimentierkasten und Jahrmarktsattraktion war, lange bevor es Kinos oder das Fernsehen gab. Wir reisen zurück ins 19. Jahrhundert (und noch ein bisschen weiter in die Vergangenheit), wohnen den Präsentationen des Bioskops und Kinematographen im Jahr 1895 bei, streifen die Edison-Filmschmiede und lassen uns von den Skladanowskys, den Lumières und Georges Méliès verzaubern.
Die Links zu den knapp 30 Filmen, die wir uns dabei anschauen, findet ihr hier oder in den Shownotes. Viel Spaß.
Links:
Roundhay Garden Scene (1888)
Eadweard Muybridges Zoopraxiskop (1878)
Wintergartenprogramm & Boxendes Känguru (1895)
Babys Frühstück (1895)
Fred Ott’s Sneeze (1894)
Boxing Cats (1894)
Fire Rescue Scene (1894)
Electrocuting an Elephant (1903)
Der erste Tonfilm: The Dickson Experimental Sound Film (1895)
Der begossene Gärtner (1895)
Chapeaux à transformations (1895)
Der erste Schnitt: Come Along, Do! (1898)
Grandma’s Reading Glass (1900)
As Seen Through a Telescope (1900)
The Kiss (1896)
Something Good – Negro Kiss (1898)
Der erste Sexfilm (?): Le Coucher de la Mariée (1896)
Der erste Horrorfilm: Le Manoir du Diable (1896)
Le Chaudron Infernal (1903) und früher Farbfilm
Le squelette joyeux (1898)
Der erste Zeichentrickfilm: Humorous Phases of Funny Faces (1906)
Die Ankunft eines Zuges auf dem Bahnhof in La Ciotat (1895)
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 29: Die Frühzeit des Films Publishing Date: 2021-07-21T14:58:12+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/07/21/episode-29-die-fruehzeit-des-films/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast?
Johannes Franke: Nein, eigentlich nicht, aber ich...
Florian Bayer: Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können.
Johannes Franke: Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee.
Florian Bayer: Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeige dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest.
Florian Bayer: Das heißt so... Musicals aus den 50ern.
Johannes Franke: Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme.
Florian Bayer: Mit russischen Untertiteln. Von mir. Für dich.
Johannes Franke: Oh Gott, okay.
Florian Bayer: Aber du weißt, dass das für Menge Streit sorgen kann.
Johannes Franke: Definitiv. Das wird lustig. Bereit, Plower?
Florian Bayer: Bereit. Herzlich willkommen, liebes Publikum. Seid ihr bereit?
Johannes Franke: Herzlich willkommen zurück aus dem Urlaub, Plower.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Dass ich dich hier aus dem Urlaub begrüßen kann mit dieser Episode bedeutet, dass was angekündigt war, nicht ganz so funktioniert hat.
Florian Bayer: Diese Episode, die ihr jetzt hört, ist der zweite Wurf dieser Episode. Wir haben das schon mal versucht. Und zwar aus meinem Urlaubs-Setup mit Hängen und Würgen. Und wir haben wirklich verschiedene Sachen ausprobiert. Turns out, das Internet in Nordhessen im Werra-Tal ist wirklich kacke. Und auch mit Handy und dann so über Handy-Lautsprecher. Wir haben die Episode ganz aufgenommen, wir haben reingehört und wir haben gesagt, das können wir niemandem zumuten. Das wollen wir euren Ohren wirklich nicht zumuten.
Johannes Franke: Wird auf ewig im Giftschrank von Muskeln. man sehen. Podcast.de. Podcast, du weißt schon. Ja, im Giftschrank verschwindet diese Episode und wird noch einmal aufgenommen. Jetzt von uns.
Florian Bayer: hier im ganz gemütlichen, klassischen Setup mit Tee, mit guten Mikrofonen und ohne... Ein Delay von 10 Sekunden, bis wir hören, was der andere sagt.
Johannes Franke: Das waren mindestens 10 Sekunden, oder? Das war echt übel. Du hast mitgezählt, oder?
Florian Bayer: Ja, ich hab mitgezählt. So ungefähr hätte der Podcast geklungen. Moment, Moment, nein, nicht so. Moment, einen Augenblick, bitte.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Ja, ich hab mitgezählt. So ungefähr hätte der Podcast geklungen.
Johannes Franke: Du musstest auch noch ein bisschen übersteuern alles, dann geht das.
Florian Bayer: Ja, ich hab mitgezählt.
Johannes Franke: Ich glaube, das Mikro ist zu gut dafür.
Florian Bayer: Weswegen wir jetzt hier sitzen. und nochmal über Filmgeschichte reden werden, beziehungsweise nicht nochmal, sondern für euch zum ersten Mal. Wir haben uns für den Sommer nämlich etwas überlegt, weil... unsere Zeit ja auch begrenzt ist. Wir Urlaub machen wollen, Johannes viel zu tun hat.
Johannes Franke: Ich verstehe es einfach nicht. Ich arbeite jeden Tag.
Florian Bayer: Du bist in zwei Wochen auch im Urlaub. Auf jeden Fall gibt es zwei Sommerlochepisoden, wovon diese die erste ist. Und die funktionieren so, dass wir uns nicht... Filme zugeworfen haben, beziehungsweise wir haben uns nicht zwei Filme zugeworfen, sondern...
Johannes Franke: Gleich 500.000.
Florian Bayer: 500.000 sehr kurze Filme. Wir wollen nämlich über die Anfänge des Films reden, als Filme nicht... viel länger als 20 Sekunden waren.
Johannes Franke: Und ich freue mich so auf die Episode.
Florian Bayer: Ich freue mich auch.
Johannes Franke: Das ist so toll, weil du hast einen Pioniergeist, den du eigentlich sonst selten so präsentiert bekommst, oder?
Florian Bayer: Es ist unglaublich spannend. Das sind kleine Dinge, die da passieren in der Frühzeit des Films. Also wir reden hier wirklich 19. Jahrhundert.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Aber es sind spannende Dinge, es sind so Kleinigkeiten, die richtig entscheidend sind für das, was später passiert, die ersten Genrefilme. die halt auch nur 20 Sekunden gehen, die ersten Schnitte.
Johannes Franke: Wow, was für eine Idee, überhaupt einen Schnitt zu setzen. Das ist heute so selbstverständlich.
Florian Bayer: Das erste pornografische Filmmaterial macht euch auf einen wilden Trip gefasst.
Johannes Franke: Was macht man als erstes, wenn man einen Film erfindet? Man macht Pornografie. Das dauert nie lange.
Florian Bayer: Jetzt ganz aktuell bei Virtual Reality, was ja auch mittlerweile nicht mehr so aktuell ist. Natürlich hängt sich ganz schnell die Pornobranche dran. Und die ersten VR-Brillen sind auf dem Markt. Und man kann damit rechnen, es dauert nur ein paar Minuten und es kommen die ersten Pornos.
Johannes Franke: Aber es ist gut, wenn es eine Triebfeder ist, Hauptsache es geht voran.
Florian Bayer: Natürlich, das Internet hätte sich in nie so entwickelt, wie wir es heute kennen, wenn es nicht Pornos gäbe.
Johannes Franke: Und Katzen.
Florian Bayer: Und Katzen. Und Katzenpornos. Ja, ich rede mit euch, liebe Furry-Liebhaber.
Johannes Franke: Okay, Tim Wechsel. Wir wollten die frühe Filmgeschichte und bei der Recherche bin ich wirklich, ich bin wieder, mein Herz ist aufgegangen. Weil es so viele, also man muss ja noch viel früher anfangen eigentlich. Du musst ja, weil wenn du an Filmen denkst, es sind ja Fotos. Eigentlich. Eigentlich hast du ja nur 24 oder 25 Fotos hintereinander. Zumindest der heutige Standard, der dir einen Film suggeriert. Und die Fotoentwicklung ist ja noch viel früher.
Florian Bayer: Das ist total spannend, weil du kannst sogar noch weiter gehen als die Fotografieentwicklung. Wahnsinn. Die Frage, das hatten wir das letzte Mal auch schon. Und ich verspreche euch, das ist das letzte Mal, dass ich das jetzt sage. Die Frage ist tatsächlich, wo beginnt die Filmgeschichte?
Johannes Franke: Ja, das ist eine sehr gute Frage.
Florian Bayer: Und ich würde auf jeden Fall sagen, dass Fotos ein anderes Medium sind als Film.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber ich würde ... vorsichtig die These aufstellen, dass Film älter ist als Foto.
Johannes Franke: Das ist spannend. Jetzt möchte ich das untermauert wissen.
Florian Bayer: Und zwar beginnt meine Filmgeschichte... Mit der Laterna Magica. Und die gibt es schon seit dem 17. Jahrhundert.
Johannes Franke: Ja, aber Fotos... Gibt es ja auch schon sehr viel früher.
Florian Bayer: Was kannst du mir bieten, was vor dem 17. Jahrhundert stattfindet?
Johannes Franke: Also, die Kamera Obscura gab es schon im 11. Jahrhundert. Ja. Die Kamera Obscura war einfach nur ein Kasten mit einem Loch drin, einem sehr kleinen Loch. Wo dann auf der Rückseite hinter dem Loch im schwarzen Kasten, spiegelverkehrt, das Bild abgebildet. bildet wurde. Nicht besonders scharf und nicht besonders... Obwohl, scharf war es eigentlich schon, weil es gab keine Lindsay, die das Ganze hätte unscharf machen können. Aber es gab... nicht besonders elaboriert.
Florian Bayer: Eine Kamera Obskura kann man sich im Prinzip selbst bauen. Man braucht nur einen Schuhkarton und man muss ein Loch reinschneiden. Tatsächlich hat meine Freundin, die Lehrerin ist, hat das mit ihren Schülern gemacht. in der Projektwoche jetzt.
Johannes Franke: Toll.
Florian Bayer: Und die haben Kamera Obscuras gebaut, die haben Lochkameras gebaut und sich dann die Projektion angeguckt da drin und dann haben sie sie mit dem Handy abfotografiert. Und was wirklich ein faszinierender Look ist. Also es ist nochmal so eine ganz eigene Ästhetik.
Johannes Franke: Und das ist natürlich, also ich meine, das gibt es seit dem 11. Jahrhundert und dann natürlich ein bisschen weiterentwickelt und dann haben irgendwelche Leute angefangen, riesige Räume zu bauen. die nach dem gleichen Prinzip funktioniert haben. Und dann haben sie diese Projektionen benutzt, um Zeichnungen exakter anfertigen zu können. haben dann nachgezeichnet, was da projiziert wurde und so. Es wird gemunkelt, das vermehrt zum Beispiel. seine Gemälde nach dem Camera Obscura Prinzip gemalt hat. Reine Schattenwürfe, die ja so besonders sind, die in ein neues Zeitalter der Malerei übergegangen sind. dass die Schatten so extrem akkurat waren und überhaupt der Realismus, der sich langsam eingeschlichen hat, der angeblich von der Kamera Obscura her rührt. Weil er sich das hat produzieren lassen.
Florian Bayer: Das ist spannend, weil jetzt ist natürlich die Frage, was Was macht Film mehr als Fotografie oder was macht Film anders? Und natürlich ist die naheliegende Antwort, das sind die Animationen, das sind die Bewegungen. Film ist etwas Lebendiges, was sich bewegt und deswegen würde ich bei der Laterna Magica ansetzen, weil die Laterna Magica nicht in ihrer frühen Form, aber in ihrer späten Form ist. mehr und mehr Bewegung in die mediale Wahrnehmung reingebracht hat.
Johannes Franke: Ähm ...
Florian Bayer: Und zwar, weil man eben mit der Latana Magica wirklich nicht nur projizieren konnte, Sondern weil die Laterne Magica spätestens in den Laternenbildern auch benutzt wurde, um Bewegungen zu machen. Also zum einen gibt es wirklich diese ganz simplen Bewegungen, wo ein... Ein Bild, ein Panorama von links nach rechts geschoben wird.
Johannes Franke: Du musst, glaube ich, das Prinzip Glaterna Magica mal erklären.
Florian Bayer: Also die Laterna Magica ist im Prinzip auch eine Projektionsvorrichtung. Ein kleiner Kasten mit einer Öffnung. Und es gibt eine Lichtquelle und das ist dann entsprechend, weil wir uns in der vorelektronischen Zeit befinden, eine Kerze oder eine Öllampe oder vielleicht auch eine Facke. Und dieses Licht wird durch das Linsensystem dieser Laterna Magica nach außen geführt und projiziert dann eben ein Bild. dass da eingeführt wird an eine Oberfläche, was dann unsere Leinwand ist. Und das Besondere an der Latana Magica ist, dass da schon sehr früh damit experimentiert kommentiert wurde, wie können wir Bilder wechseln? Wie können wir Bewegung da reinbringen? Wie können wir die Bilder durchschieben? Und das wurde dann, wie gesagt, zuerst benutzt, um einfach ein Bild nach dem anderen zu zeigen. Sprich, wir haben eine Diashow. Es wurde dann aber auch mehr und mehr damit experimentiert, wie man im Bild bleiben kann und trotzdem Bewegung machen kann. Und ein ganz simples ist natürlich der Blick über das Panorama. Im Prinzip haben wir in der Latana Magica unseren ersten Kameraschwenk. Wir haben ein großes, breites Bild. Und das wird langsam durchgezogen. Und für den Zuschauer, die Zuschauerin, die die Projektion sieht, sieht das so aus, als würde eine Kamera über die Landschaft schwenken.
Johannes Franke: Beziehungsweise ihr Blick. Ja, okay. Weil eine Kamera schwenkt über eine Landschaft war damals ein Satz, den... Hättest du nicht anbringen können. Aber okay, der erste Kamera schwenkt, dann hätten wir den aber jetzt schon abgefrühstückt.
Florian Bayer: Dann hätten wir den schon abgefrühstückt. Aber was dann auch kommt, Die ersten Special Effects. Wir haben nämlich wirklich Crazy Shit, der mit der Laterna Magica gemacht wurde, wo man Figuren sieht, deren Nasen wachsen, deren Gesichter sich verzerren, wo Bilder so elegant übereinander und ineinander geschoben wurden, dass eben diese Effekte entstanden, dass tatsächlich... rudimentäre Bewegungen zu sehen waren.
Johannes Franke: Mhm. Ich stelle mir das unglaublich magisch vor. Also deswegen heißt das Ding ja auch Latane Magica. Aber wenn du sonst... Kaum so Technologie oder sowas, das Wort gibt es ja noch nicht so lange im Vergleich. Soll ich dir Tee eingießen, Plo?
Florian Bayer: Ja, bitte. Plo sieht so verzweifelt aus. Ein Mikrofonständer ist genau zwischen mir und der Teekanne und ich komme nicht dran, ohne das ganze Setup umzuwerfen.
Johannes Franke: Auf jeden Fall spüre ich da in dieser Zeit so ein bisschen das, Was ich immer mit Jules Verne verbinde.
Florian Bayer: Oh ja.
Johannes Franke: Weißt du, so dieses Entdeckergeist und dieses ferne Welten und dann irgendwie... So magische, luzide Sachen, die irgendwie an Wände geworfen werden. Und wenn man sich vorstellt, dass die Laterna Magica natürlich nur von einer Kerze beleuchtet wurde... Das ist ein schwaches Abbild. Das ist nicht viel. Es sei denn, du bist wirklich im Dunkeln, Dunkeln, Dunkeln und hast da ein bisschen was davon.
Florian Bayer: Also schaut euch auf jeden Fall Bilder an. Es gibt natürlich auch Aufnahmen davon, wie diese Laterna Magica funktionieren. Und es gibt Bilder ... Und es ist einfach total spannend, weil diese Bilder haben einfach einen ganz eigenen Look. Und wie Johannes sagt, sie haben wirklich was Magisches, weil sie eben auch so ... Es wird auch von Nebelbildern gesprochen. Das sind die Bilder, die eben langsam ineinander übergingen. Wo dann dieser Effekt entstanden ist, dass sich zum Beispiel eine Nase verlängert. Das ist das, was bei mir am stärksten in Erinnerung geblieben ist. Wirklich tolle Effekte und tolle magische... Seherlebnisse.
Johannes Franke: Aber das ist ja im klassischen Film noch kein Film. Da muss ja noch einiges passieren, damit sowas zu einem... zu einem wirklichen Film wird? Oder würdest du sagen, das ist ein filmisches Erlebnis?
Florian Bayer: Nein, also ich glaube, ein filmisches Erlebnis entsteht tatsächlich erst... Mit dem Realfilm. Das ist viel gesagt, weil in der Frühzeit auch Zeichentricks sind. Zeichentrickfilme existieren. Aber für mich ist der erste wirkliche Film das, was ich als Film definieren würde. Und das ist das, was auch der Wissenschaft als Film definiert wird, ein fotorealistischer Film. Und zwar stammt der aus dem Jahre ... 1888.
Johannes Franke: Kannst du nochmal ganz, ganz langsam diese Zahl sagen?
Florian Bayer: 1888.
Johannes Franke: Muss man sich mal vorstellen.
Florian Bayer: Das ist das späteste Datum, das für diesen Film geschätzt wird.
Johannes Franke: Eigentlich wird früher geschätzt, ne?
Florian Bayer: Ja, es ist so, dass 1888, also ... später definitiv nicht, weil eine Person, die in diesem Film zu sehen ist, die ist 1888 gestorben. Genau, ja. Und bei diesem Film handelt es sich um die Round Hay Garden Scene, die von Louis Leprins aufgenommen wurde. Und wie gesagt, das gilt als der erste Film der Filmgeschichte. Und es ist... Dem werden wir noch sehr oft begegnen. Das ist zum einen Film von dem ... nicht mehr viel erhalten ist. Man weiß nicht genau, wie die ursprüngliche Länge ist. Und es ist ein Film, der sehr kurz ist. Also zwei Sekunden erhalten. Und wir können davon ausgehen ... dass der eigentliche Film auch nicht viel länger war. Und es ist, wie der Name schon sagt, nicht viel mehr als ein Garten durchstehen, sich Leute bewegen. Aber wir sehen, wie diese Leute hin und her gehen.
Johannes Franke: Genau. Erinnert sehr an die Fotografien, die wir dann hatten. Ah, Plur hat mal kurz den Film angemacht. Man sieht im Film sofort an, durch welche Hände er gegangen ist und wie schlimm der rauf und runter gespielt wurde wahrscheinlich. Denn ich glaube nicht, dass die schlechte Qualität, die er jetzt hat in unserer Rezeption, dass der tatsächlich auch damals so eine schlechte Qualität hatte. Ich glaube, die Kontraste stimmen ungefähr.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Aber ich glaube, das, was an Filmfehlern und so weiter drin ist, nicht unbedingt drin war, oder?
Florian Bayer: Ja, das ist so schwer zu sagen. Man sieht tatsächlich am Rand des Filmstreifens sieht man so schwarz, was da reinflattert. Das meinst du zum Beispiel. Man sieht weiße... Störbilder.
Johannes Franke: Das sind halt dann Kratzer auf dem Film, die im Nachhinein gekommen sind.
Florian Bayer: Aber es ist trotzdem krass, es ist total beeindruckend. Wie gesagt, ich sag's nochmal ganz langsam, wir befinden uns im Jahr 1888. Und wir sehen Menschen, die sich bewegen, durch einen Garten, aufgenommen auf Film.
Johannes Franke: Und es ist ja gar nicht... Es hat ja gar nicht lange gedauert von dem ersten tatsächlich auf haltbarem Papier festgehaltenen Foto, 1826 glaube ich. Dass die Leute es wirklich geschafft haben, vom Foto zum Film zu kommen. Das ist ja kein Jahrhundert dazwischen. Es ist ja unglaublich. Das ist ein halbes dazwischen. Das ist total krass.
Florian Bayer: Und es ist krass, dass es schon fast 150 Jahre jetzt her ist. Noch nicht ganz, aber auf jeden Fall weit über 100 Jahre mittlerweile.
Johannes Franke: Aber man muss ja eigentlich, deswegen frage ich auch, was für dich der erste Film ist, weil eigentlich... Die Anfänge des Films liegen ein Stückchen sogar noch zurück, wo ich fast sagen würde, die Animation des Pferdes. Das ist eigentlich der erste Film, meiner Meinung nach, weil ich diesen Geist und die Idee dahinter gerne... in diese Richtung schieben würde. Weil das ist ja der ursprüngliche Gedanke.
Florian Bayer: ich sag jetzt den Namen garantiert falsch aus, Edwird Maybridge. Das war ein britischer Fotograf und nicht nur ein Pionier des Films, sondern auch ein Pionier der Filmtechnik. Und der hat im Jahre 1878 78? 78. Wir sind noch mal zehn Jahre vor unserem ersten Film.
Johannes Franke: Wow.
Florian Bayer: Hat er ... Hat er ... Nee, 1872 hat er schon damit angefangen.
Johannes Franke: Ach du Scheiße.
Florian Bayer: Und zwar hat er Serienfotografien gemacht. Das Spannende daran ist, dass es da nicht so sehr um das filmische Erlebnis ging. Also viele Menschen, denen wir noch begegnen werden jetzt, haben, für die war der Film das Besondere und die haben den Film hervorgehoben. Aber dieser My Bridge hat das ja gar nicht gemacht, weil er gesagt hat, wow, Film ist so geil, ich will ein neues Medium schaffen, sondern weil er was herausfinden wollte.
Johannes Franke: Und fast jede gute Geschichte fängt so an, würde ich sagen. Ich will wissenschaftlich oder aus Entdeckergeist etwas rausfinden mit den Mitteln, die ich habe und plötzlich entdecke ich, dass ich ein völlig neuer Richtung eingeschlagen haben, ein völlig neues Medium entdeckt habe. Ich weiß gar nicht, wie bewusst ihm das irgendwann war oder nicht war. Keine Ahnung.
Florian Bayer: Er hat tatsächlich soweit ich weiß noch mehr mit dem Medium experimentiert, aber worum es damals eigentlich ging war, er sollte herausfinden, ob es einen Moment gibt beim Galoppieren, in dem kein Bein des Pferdes den Boden berührt.
Johannes Franke: Das war ja damals die gängige Meinung, ne? Das war das, was damals angenommen wurde und irgendwie kam es dazu, dass er das untersuchen wollte.
Florian Bayer: Und um das herauszufinden, hat er dann zwölf Kameras an einer Rennbahn aufgestellt und hat Kontakträte gespannt. die dann durch die Bewegung des Pferdes eingerissen werden und das Foto auslösen. Das heißt, er hat ... Serienfotografie gemacht. Es gab für jedes einzelne Bild, für jeden Frame gab es eine Kamera. Und die hat er dann in schneller Reihenfolge in dem sogenannten Zoopraxiskop ablaufen lassen. Und zwar hat er die auf eine Scheibe gemacht, wie eine Schallplatte, die er dann ganz schnell gedreht hat. Und dann hat man auf dieser Schallplatte die Bewegungen des Pferdes gesehen in einer Bildfolge, die... Ein Film war.
Johannes Franke: Eine unglaublich geile Idee. Ich finde es total krass. Und ich kenne diese Schallplatten-Dinger. Ich hatte früher in meiner Kindheit, irgendwie hat meine Mama oder wer auch immer dafür verantwortlich war, Diese Dinger angeschleppt, wo man diese alten Abfolgen gesehen hat und auch ein paar neue wahrscheinlich, die gebaut wurden dafür extra. Aber ich habe mich stundenlang vor einen Plattenspieler gesetzt und habe mir diese Dinger angeschaut. Das ist total großartig.
Florian Bayer: Fantastisch. Hatte ich leider nie, aber dieses Gefühl ist wahrscheinlich großartig, auch einfach, weil es einem ein Gefühl davon vermittelt, wie Film funktioniert. Ja, genau. Filme sind viele Bilder pro Sekunde. Und zwar lassen wir mal alles weg mit Frames mit 24 und 60 und so weiter. Erstmal ist ein Film. Eine Abfolge von Bildern.
Johannes Franke: Stell dir kurz vor, der Plattenspieler, am Anfang läuft er noch nicht so schnell. Ja, und du hast am Anfang noch, ah ja, das sind jetzt mehrere Bilder hintereinander, so, du hast noch keine Bewegung. Und sobald der Plattenspieler eine ganz bestimmte Schnelligkeit überschreitet, switcht das Hirn und sagt, oh, jetzt ist in der Bewegung. Und diesen Moment des Überschreitens dieser Grenze, das fand ich als Kind so... What the fuck is going on in my brain? Weißt du, das war so, ist schon krass.
Florian Bayer: Ich fand es total... Es ist ja auch tatsächlich interessant, weil die Filmlängen damals werden ja auch meistens nicht in Sekunden oder in Minuten angegeben, sondern... In Längen.
Johannes Franke: Ja, in Filmlänge. Also in physischer Filmlänge. Also du hast die... So und so viel Fuß Filmmaterial.
Florian Bayer: Genau. Und je nachdem, wie schnell es abspielt, kann der Film zwei Sekunden dauern. Er kann aber auch fünf Sekunden dauern.
Johannes Franke: Und dieses Filmmaterial wurde auch nach Länge verkauft. Also der Preis war auch nicht wertvoll. weil da bestimmte Inhalte drauf waren oder weil da irgendwas Besonderes oder ein Star-Konzept gab es ja noch nicht. Das heißt, es gab 15 Cent pro Fuß in den USA und ein Schilling pro Fuß in Großbritannien. Das war der Preis für einen Film.
Florian Bayer: Aber ich wollte noch einmal kurz zurückspringen. Und das ist jetzt wirklich der letzte Sprung, den wir zurückmachen. Wenn wir sagen, Film ist einfach nur eine Abfolge von Einzelbildern, dann haben wir natürlich das Daumenkino. Als erstes immunisches Medium. Und das gibt es tatsächlich schon seit dem 16., 17. Jahrhundert. Es wird... Also es wird schon total früh in historischen Schriften erwähnt. Nur um das noch einmal als Gedanken in den Raum zu werfen. Film ist eine Abfolge von Bildern und Abfolge von Bildern, die schnell per Hand dann bewegt werden, gibt es schon seit über 500 Jahren. Und wahrscheinlich können wir aber auch dazu gleich sagen, Das Besondere ist natürlich in der Filmtechnik, wie sie sich entwickelt, dass das mehr und mehr automatisiert wird. Und dass dann irgendwann, dann hast du zwar immer noch jemanden an der Kurbel stehen, aber die Einzelbilder sind überhaupt nicht mehr wahrnehmbar. Und damit kommen wir zu den großen drei Namen der Filmgeschichte und zu dem großen Konflikt, wer ist es? Der Erfinder des Films.
Johannes Franke: Wer hat den Film erfunden?
Florian Bayer: Wer darf es von sich behaupten? Die Deutschen, die Amerikaner oder die Franzosen?
Johannes Franke: Dass die Russen dann nicht dabei waren. Also ich habe keine Russen gefunden groß, ich habe aber auch nicht ausführlich gesucht. Aber wir hätten da auf der einen Seite die Skladanowskis, von denen ich großer Fan war, weil die ihre erste Show... im Wintergarten Varieté hier in Berlin hatten. Und da habe ich meine eigene Verbindung einfach mit, als Artist und Jongleur und Zauberer. Und fand ich einfach oh sympathisch, dass die da irgendwie sich in einem ganz normalen Varieté-Programm, wo es einfach nur Artisten gab und Zauberer und Jongleuren und so. dass die ein Teil des Programms waren. Einfach als Sensation hier, guck mal da, es bewegen sich Bilder. Und die Leute waren begeistert.
Florian Bayer: Wir befinden uns im 1. November 1895, wo diese Vorführung im Wintergarten stattfindet. Und das ist die erste öffentliche Vorführung war. Das muss man noch einmal laut betonen, weil das war später für die Skladanowskis das Argument, dass sie gesagt haben, aber wir waren vor den Lumières. Weil der zweite große Name, die Gebrüder Limier, hatten im März desselben Jahres... die erste geschlossene Vorführung ihres Kinematografen, und zwar am 22. März 1895. Und die Geschichte der Skladanowskis ist auch tatsächlich eine sehr tragische Geschichte, weil die hatten diese tolle Vorführung. Mit verschiedenen Filmen, die sie gezeigt hatten.
Johannes Franke: Und hoch gefeiert.
Florian Bayer: Hoch gefeiert. Große Begeisterung hier. Hier gibt es die Zukunft. Und dann sind sie mit dieser Begeisterung im Rücken sind sie nach Paris gefahren, um ihr Bioskop, so hieß ihr Projektionsapparat, ähm ... dort vorzustellen und dort noch mehr Öffentlichkeit zu gewinnen. Und ja, wir bringen die Zukunft mit.
Johannes Franke: Die wurden richtig eingeladen, oder?
Florian Bayer: Die wurden eingeladen.
Johannes Franke: Also die haben nicht einfach nur gesagt, wir packen jetzt unsere Sachen und gehen nach Paris und wenn wir es doch schaffen, kommen wir nie wieder zurück.
Florian Bayer: Die sollten in einem Pariser Varieté am 29. Dezember 1895 sollten sie...
Johannes Franke: Sollten sie dieses Ding zeigen,
Florian Bayer: Einen Tag vorher, am 28. Dezember, gab es eine Vorführung der Brüder Lumière im Grand Café.
Johannes Franke: Und das war so viel besser.
Florian Bayer: Der Projektor war tatsächlich, den sie benutzt hatten. War tatsächlich technisch, war das dem, was die Skladanowskis entwickelt hatten, weit überlegen. Und es war auch, es war offensichtlich... Die Skladanowskis waren da, haben das gesehen, haben gedacht, shit. Man muss sich das vorstellen, wie viel gekränkter Stolz da dabei sein muss.
Johannes Franke: Und die haben sich auch nicht gut verhalten danach.
Florian Bayer: Nee, die haben sich nicht gut verhalten. Die sind halt nach Paris gefahren, wirklich mit den größten... wünschen und träumen und dann sehen sie ein ihnen überlegenes Gerät, was parallel entwickelt wurde. Es gab später Debatten, wurde geklaut, es wurde wahrscheinlich nicht geklaut, weder von den einen noch von den anderen. Ich glaube auch nicht. Es war einfach so, dass... wie es halt ist mit so technischen Entwicklungen. Es passiert parallel, es passiert vieles gleichzeitig. Deswegen kann auch so ein Film wie A Bug's Life gleichzeitig mit Enz ins Kino kommt. Zwei animierte Filme, einer von Pixar, einer von DreamWorks. Beide handeln von Ameisen und alle fragen sich, wurde da Spionage betrieben? Nein, das passiert einfach. Ja, das kann einfach passieren und die Geräte waren auch unterschiedlich, so unterschiedlich, dass das wirklich… dass man nicht sagen kann, da hat einer von dem anderen geklaut. Aber was für eine Enttäuschung das gewesen sein muss für die Skladanowskis, als sie das dann gesehen haben in Paris. Fuck, da sind unsere Konkurrenten
Johannes Franke: Und die wurden ausgeladen. Die Franzosen haben dann gleich gesagt, ach nee, dann doch nicht.
Florian Bayer: Ist aber auch nicht 100% klar, was passiert ist. Auf jeden Fall ihre Vorstellung hat nicht stattgefunden. Teilweise wird gesagt, sie wurden ausgeladen, teilweise wird gesagt, sie haben das selbst nicht gemacht, weil es ihnen peinlich war, weil sie dann ihr Gerät nicht mehr zeigen wollten. Sie haben tatsächlich auch Ihr Bioskop, Sie haben daran weitergearbeitet, nachdem Sie das von den Lumières gesehen haben. wurden sie haben sie gesehen, okay, es gibt Verbesserungspotenzial und sind dann zurück und haben dann tatsächlich auch Ideen von den Lumiers. Genau, Sie haben den Kinematografen gesehen, von den Brüdern Lumière, der früher noch Dormitor hieß, aber das war, Kinematograf ist der Begriff, mit dem wir arbeiten, wenn wir von dem Projektionsgrad der Lumière reden. Und sie haben dann an ihrem Gerät, an ihrem Bioskop noch mal weitergearbeitet. Ganz traurige Geschichte, vor allem auch deswegen, weil Max Kladanowski ... in seinem verletzten Stolz den verletzten Nationalstolz der Deutschen dabei auch gekitzelt hat. Es gibt... Er hat sehr gewettert gegen die Lumières. Es gibt einen Artikel aus der deutschen Zeitung Kinematograph aus dem Jahr 1930. in dem Max Ladanowski vehement darauf besteht, dass das Kino... dass der Film in Deutschland erfunden wurde. Und der Beweis für ihn, die Beweisführung ist halt, wir hatten die erste öffentliche Vorführung. Den Lumiers haben nur privat aufgeführt. Und er klingt in diesem Text unglaublich verbittert. Ich werde den Link zu dem Dokument zu dieser Zeitung, die ohnehin spannend ist. Deutsche Filmzeitschrift aus dem Jahr 1930. Wow. Super interessant. Er klingt wirklich verbittert da drin. Es lohnt sich, diesen Text mal zu lesen, um auch ... zu verstehen, wie gekränkt dieser Mann gewesen sein muss, weil seine Erfindung ausgestochen wurde von einer Erfindung, die parallel zeitgleich entwickelt wurde. Die Geschichte geht noch ein Stück weiter. Er hat sich dann auch mit den Nazis gemeingemacht. ist dann sehr, sehr mit Goebbels auf Tuchfühlung gegangen. Und zwar nicht nur ... Ja, einfach er hat auch den Kontakt gesucht und ihm kam natürlich dieser Nationalismus sehr gerecht und den Nazis kam natürlich diese... sehr zu Recht, dass der Film eigentlich in Deutschland entstanden ist, nicht nur wegen Deutschland versus Frankreich, sondern auch, weil die Gebrüder Lemire Juden waren. Und um hier zu zitieren, die jüdischen Gebrüder Lemier zu Paris traten kaum zwei Monate später mit einer ähnlichen Erfindung hervor. wenn diese auch in Qualität und Vollständigkeit bei weitem nicht mit der Skladanowskis Wette eifern konnte. So brachte jüdisch-französischer Korpsgeist es doch fertig, die Vorführung des deutschen Films in Paris zu verhindern und den französischen zu fördern.
Johannes Franke: Krass.
Florian Bayer: Und wahrscheinlich geht auch auf dieses Zitat und auf diese Gedanken... Unter anderem das Narrativ zurück, dass die Skladanowskis rausgeworfen wurden aus Frankreich. ich kann es nicht genau rekonstruieren, was damals passiert ist, aber Fakt ist, die Skladanowskis haben Großartiges gemacht für den deutschen Film. Wir können gleich zu den Filmen gehen, die sie gezeigt haben.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Und gleichzeitig haben die Lumières was entwickelt, was dem Tech nicht weit überlegen war. Und die Lumiers hatten auch Vorführungen vor der ersten öffentlichen Vorführung der Skladanowskis. Und es ist durchaus auch denkbar, dass die Lumières Spitz gekriegt haben, dass die Skladanowskis mit ihrem Gerät nach Paris kommen. Und dass die deswegen absichtlich nochmal eine Vorführung von ihren Geräten auf dieses Datum gelegt haben, um die auch so ein bisschen auszustechen. Also es ist durchaus denkbar, dass da auch ... Intrigant ist wahrscheinlich zu viel gesagt, aber natürlich ist klar, wenn du siehst, ein Konkurrent bringt sein Produkt, will sein Produkt auf deinem Markt etablieren, auf dem du gerade entwickelt hast, dann sagst du, okay, dann müssen wir jetzt dagegen arbeiten. Und es ist durchaus denkbar, dass das passiert ist. Boxendes Känguru.
Johannes Franke: Johannes... Ich habe das lange vorher gewusst, dass es ein boxendes Känguru gab bei den Slaternavskis im Programm, bevor ich es gesehen habe und ich habe mir das immer sehr toll vorgestellt. Aber wenn man sich das Video dann anschaut, ist man ein kleines bisschen enttäuscht.
Florian Bayer: 20 Sekunden sind es ungefähr.
Johannes Franke: Max ist das selber, oder? Max boxt mit dem Känguru.
Florian Bayer: Max Skladanowski, ich weiß nicht, einer von den Skladanowskis kämpft gegen einen Känguru. Und es ist tatsächlich, ja...
Johannes Franke: Es sieht ein bisschen... Also... Sie haben kein Gefühl dafür, also das Känguru hat sowieso gar kein Gefühl dafür, wo die Kamera ist. Känguru steht ständig mit dem Rücken zur Kamera, das geht ja wohl gar nicht.
Florian Bayer: Wir haben auch die Schatten, die jetzt nicht so vorteilshaft in Szene gesetzt sind. Also jeder Modell... Moderne Filmmacher, jede moderne Filmmacherin würde sagen, nee Leute, die beleuchtigen wir uns irgendwie anders, wir können hier diese... Das macht das Bild zu konfus, wenn wir diese Schatten haben, die auf die Wand projiziert werden.
Johannes Franke: Obwohl Leni Riefenstahl bestimmt stolz wäre.
Florian Bayer: Weil die Skladanowskis Deutsche waren.
Johannes Franke: Nein, aber die hat ja auch so klare und schattenbestimmende Sachen gemacht. Ja, ja. Auf jeden Fall ein boxendes Känguru. Schaut euch das boxende Känguru an. Es gab aber in dem Programm von den Zlatanowskis noch mehr. Das Känguru, der Jongleur, ein akrobatisches Putpourri, so Tänzerinnen und Ringkämpfer. Und dann am Ende? Gab es einen Film davon, wie die beiden Brüder sich vor die Kamera stellen, sich verbeugen vor dem wahrscheinlich anwesenden Publikum? Und danach, wenn sie wieder abgegangen sind, treten sie dann im Wintergarten-Varieté tatsächlich auf die Bühne und verborgen sich auf die gleiche Art und Weise nochmal.
Florian Bayer: Das war das Konzept. Sieben Minuten dauerte das Programm insgesamt und es ist, glaube ich, größtenteils tatsächlich noch erhalten. Es besteht eben aus sehr vielen... kurzen Episoden. Wir sehen zum Beispiel Tänzer. Wir sehen ... Wir sehen Akrobaten im Zirkus, wir sehen Ringkämpfer, wir sehen das boxende Känguru, wir sehen einen italienischen Bauerntanz und es ist halt ein... Zusammenschnitt von verschiedenen Szenen. Jetzt haben wir gerade den Ringkampf am Laufen. Die Schatten sind ein bisschen besser, aber das liegt daran, dass der Hintergrund einfach dunkel ist. Aber auch hier haben wir das Phänomen, dass die Regenkämpfer aus dem Bild rausspringen und rausfallen.
Johannes Franke: Ja, nein, aber ich finde es ganz toll, weil das so eine... Es hat eine ganz eigene Kraft, finde ich.
Florian Bayer: Tatsächlich ist das visuell Beeindruckendste ist ... Das, was du gerade gesagt hast, die Apotheose, wenn sich die beiden Skladanowskis vor dem Publikum verbeugen. weil man das Gefühl hat, dass sie da tatsächlich ein Gefühl haben von Cartrage, was für den Film ganz wesentlich ist. Das ist unser Filmbild.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und das ist was, dem wir auch noch viel begegnen werden beim frühen Film. Die Kartrage ist ganz stark natürlich am Theater orientiert. Das heißt, wir haben eine totale, wir haben die Bühne. Das, was auf der Leinwand zu sehen ist, ist die Bühne und sie treten dann rein, verbeugen sich zentral und treten dann raus aus dem Bild, wie man von der Bühne abtritt. Aber... Filmische Kartrage, orientiert an Theater-Kartrage und funktioniert einfach.
Johannes Franke: Ja. Und was haben die Lumiers da gemacht? Weißt du das? Ich weiß es nämlich gar nicht.
Florian Bayer: Die Lumiers haben gefrühstückt.
Johannes Franke: Die haben gefrühstückt.
Florian Bayer: Tatsächlich einer der Filme, der mich aus der Zeit am meisten... beeindruckt hat. Und ich glaube, es hängt letzten Endes auch mit der Cartage zusammen aus dem Lumière-Programm aus dem Jahre 1895, Repa de bébé. Das frühstückende Baby. Das frühstückende Baby. Und wir sehen einen Lumière. wie er sein Baby füttert. Nebendran sitzt seine Frau und schenkt sich Tee ein Und ich habe nochmal drüber nachgedacht, was mich so beeindruckt daran. Warum ich das so toll finde.
Johannes Franke: Jetzt bin ich gespannt.
Florian Bayer: Ich glaube, es liegt an der Kartrasch. Und zwar orientieren sich die Filme aus der Frühzeit des Kinos, wie schon gesagt ... sehr nah an der Bühne. Das heißt, wir haben immer die Totalen. Wir haben keine Kartrasch, die irgendwie ... bewussten Ausschnittwelt, sondern wir sehen den ganzen Menschen, wie er sich halt auf der Bühne bewegt. Und Oder wie er sich halt irgendwo bewegt, wie er kämpft, wie er tanzt, whatever. Und hier haben wir einen Frühstückstisch und wir sehen nur die Oberkörper. Stimmt. Und die Kamera ist so, dass sie den Tisch noch ein bisschen einfängt. Sie gibt den drei Personen, die zu sehen sind, Headroom. Sie zeigt ein Stück vom unteren Tisch. Es ist ein schönes Bild und es ist wahrscheinlich auch... mehr von Fotografie inspiriert, was die Bildsprache betrifft, als von der Bühne.
Johannes Franke: Also ich finde, es sieht ein bisschen zusammen inszeniert, eng gequetscht aus. Das ist so ein kleines bisschen, also vielleicht hätten sie noch mehr... Luft an der Seite haben können. Aber darum geht es denen ja nicht. Das ist ja eine andere Form von Präsentation, die sie wählen. Es geht ja um was anderes. Es geht um das Proof of Concept. So funktioniert Film. Das können wir damit machen. Und das andere ist halt... Was tatsächlich das Novum dabei ist, ist, dass es eine Art inszenierte Szene ist. Das boxende Känguru ist... Die Kamera draufgehalten. Ja, Sensationsgier. Man nannte es damals Actual Tees, wenn ich das richtig verstanden habe. Also... Filme von Dingen, die einfach passiert sind. Also Dokumentarfilm würde man heute sagen, aber Actualties im Sinne von wirklich kurzen Schnipseln von Dingen, die einfach passieren. Wie jemand, der... Einfach nur da sitzt und mal niest.
Florian Bayer: Niest! Tatsächlich gehört, und hier sind wir bei dem Namen Nummer drei, bei ... unserem geliebten Thomas Alvin Edison, beziehungsweise seinem Regisseur William K. Dixon,
Johannes Franke: Schon besser, aber Edison hat ja in den letzten Jahrzehnten ein bisschen gelitten, sein Ruf, weil alle nochmal die schlechten Geschichten über ihn rausgeholt haben, die wirklich schlecht sind. Sind sie, sind sie. Der fiese Geschäftsmann, der sich alles unter den Nagel reißt. Ah, naja. Unter anderem das auch. Es ist ja nicht seine Erfindung, aber er hat auch da versucht, glaube ich, sehr starks sich anzueignen.
Florian Bayer: Es war ein Großkonzern. Die Edison Manufacturing Company war War damals schon ein Großkonzern und die hat sich entsprechend kreative Köpfe, kreative Ideen gegriffen und damit gearbeitet. Spannend ist es tatsächlich... Addisons Ansatz war, oder der Ansatz von der Addison Company war ein bisschen anderer, weil es zum einen darum ging, mehr die Produktionsseite technisch vorzunehmen. auszurüsten. Und zum anderen wurde nicht so auf diesen Event-Charakter der Vorführung geachtet, weil die haben ja diese Kucker, Kästen hergestellt, nicht so für die öffentliche Vorführung.
Johannes Franke: Ach so, na ja.
Florian Bayer: Diese Geräte, wo man wirklich als Einzelpersonen reinguckt, um den Film zu sehen.
Johannes Franke: Aber das war eigentlich auch nur ein Geschäftsmodell. Da musste man eine Münze reinwerfen, konnte dann da durchgucken, als einzelne Person... Und hat sich das einmal angeschaut, ein paar Sekunden lang und durfte dann nochmal eine Münze reinwerfen, um es sich nochmal anzuschauen. Und ich glaube, das ist wirklich... Nur geschäftstüchtiges Kalkül zu sagen, wir machen für eine Person das zugänglich, damit jeder einzelnen Geld reinwerfen muss.
Florian Bayer: Die frühen Arcade-Automaten quasi. Und für mich ist das auch tatsächlich ein Grund, Edison da immer so ein bisschen rauszuhalten, was das betrifft. Film betrifft, also zumindest was die Filmrezeption betrifft, weil für mich ist Film eigentlich ... Eigentlich bedeutet für mich Film vor allem, dass es was Öffentliches ist. Und zwar nicht mal unbedingt im großen Kreis. Ich brauche nicht einen Kinosaal, um einen Film zu genießen. Ja. Aber Filme sind eigentlich Medien, die ich gerne mit anderen Leuten genieße.
Johannes Franke: Ja, definitiv.
Florian Bayer: Und diesen Gedanken der öffentlichen Filmrezeption, der Filmrezeption in der Gruppe ... Das ist halt eher das, was die Skladanowskis und die Lumières gemacht haben, während das Edison oder Edison Company vor allem darum ging, zum einen technische Geräte zu liefern zur Produktion von Filmen und zum anderen eben die Geräte, die du gerade erwähnt hast.
Johannes Franke: Naja, aber das soll nicht schmählen, was die gemacht haben für den Film. Genau, ich wollte gerade sagen, es gibt ja wirklich tolle Sachen, die die auch gemacht haben.
Florian Bayer: Und der Nieser ist aus dem Jahr 1894. Naja. Siehst du? Ein Jahr, bevor die Lumiers mit dem Baby gefrühstückt haben und bevor mit dem Känguru geboxt wurde, hat Hat die Edison Company schon andere Sachen gemacht und vor allem eben Dixon und aber auch Edison. Du hast gesagt, Edison war kein guter Mensch und es gibt einen Film, den du aus der Zeit kennst.
Johannes Franke: gefunden hast, der das besonders untermalt. Der ist ja so, wie heißt der? Ich habe die Liste jetzt nicht vor mir, du hast die vor dir.
Florian Bayer: Johannes Kommentar, wir haben eine Liste von Filmen und Johannes hat da zugeschrieben zu diesem Film.
Johannes Franke: Der erste Cat-Content.
Florian Bayer: Und vor allem hast du geschrieben... Tierquälerei.
Johannes Franke: Ja, aber wirklich. Man sieht, ich nehme schon an, dass er das ist. Das sieht aus wie Edison.
Florian Bayer: Das ist Thomas Edison.
Johannes Franke: der sich an zwei Katzen irgendwie links und rechts, hat er sie in der Hand und lässt die gegeneinander boxen. In so einem improvisierten Boxring, so einem kleinen für Katzen halt. Und also ich meine, es ist Cat-Content und es könnte süß sein, aber es ist halt leider sehr cruel, weil irgendwie... Ja, die da so gegeneinander aufstachelt und aneinander zieht sie auf. Er zieht sie aufeinander los.
Florian Bayer: Er zieht sie hoch und er hält sie fest und er guckt, dass sie auch wirklich... Die armen Katzen, die tatzen nur nacheinander und haben dann diese Boxhandschuhe an, die er angezogen hat. Und er sitzt dahinter wie so ein fieser Puppenspieler.
Johannes Franke: Nicht schön.
Florian Bayer: Überhaupt nicht schön. Schöner dagegen ist, auch aus den Edison Studios, wieder von Dixon und zusammen mit William Heise der Film... Der erste Actionfilm der Filmgeschichte, wenn wir es so wollen. Und zwar die Fire-Rescue-Scene.
Johannes Franke: Das Geile ist, ich habe mir das angeschaut und habe gedacht, oh wow, krass, die haben echt ein Feuer gefilmt und so. Und dabei ist das gar nicht echt.
Florian Bayer: Davon ist nichts echt. Nochmal, wir sind immer noch so in der 15-Sekunden-länge Region. Wir sehen Feuerwehrmänner. Ja, ich kann nicht Feuerwehrleute sagen, weil damals waren es einfach nur Feuerwehrmänner, die auf einer Leiter stehen und Menschen retten. Mädchen, Mädchen retten. Nein, da ist auch ein kleiner Junge dabei. Aus einem scheinbar brennenden Gebäude. das wir nicht sehen können, weil alles voll mit Rauch ist. Tatsächlich wurde das im Studio aufgenommen und der Rauch wurde wahrscheinlich mit einer Rauchmaschine... gemacht und die Leiter wurde irgendwie an die Wand gestellt und es sieht gut aus. Es ist eine actionreiche Szene. Es ist vielleicht auch nicht so ein guter Blick für Cartrage, aber ...
Johannes Franke: Ja, es ist in Ordnung. Die wichtigsten Sachen sind drin und ich glaube, das ist das, was zählt.
Florian Bayer: So ist die Kamera platziert, dass die wichtigsten Sachen drin sind. Sie wollen sowohl die Leiter zeigen, als auch die Feuerwehrmänner am Boden, zumindest im Anschnitt. Und dementsprechend ist es ein sehr hohes Bild. Und wir sehen dann den Feuerwehrmann auf der Leiter stehen, wie er aus einem rauchenden Gebäude Menschen rauszieht.
Johannes Franke: Ja, ist cool. Und das zählt schon auch unter diesen Actualities, diesen kleinen, dass wir bilden die Was ich eine ganz schreckliche Variante davon finde, war dieser Elefant, den du da gefunden hast.
Florian Bayer: Das ist ja mehr als nur das Leben abbilden. Es gab tatsächlich... Das ist was, was wirklich passiert ist. Es gab die... Geschichte von einem Elefanten. Und da sind wir schon im Jahr 1903.
Johannes Franke: Oh, wir sind jetzt kurz gesprungen, das tut mir sehr leid.
Florian Bayer: Das ist vollkommen in Ordnung. Wir springen gleich wieder zurück. Wir sind im Jahr 1903 und wir sind aber, es passt, weil wir sind nach wie vor bei der Edison Company. Und diesmal bei Edwin S. Porter oder Jacob Plasmith, das ist nicht so ganz klar, wer das aufgenommen hat, die die Hinrichtung... eines Elefanten, und zwar des Zirkuselefanten Topsis im Jahr 1903 gedreht haben.
Johannes Franke: Das war wirklich ein großes Thema damals. Topsy war wohl nicht allzu leicht zu handeln, der Zirkus. War das ein Zirkus? Nee, war das ein Zoo? Das war ein Zirkus. Der war nicht sehr glücklich mit diesem Elefanten, weil der auch schon Leute tatsächlich das Leben gekostet hat. Also der Fall, der dann dazu führte, dass Topsi elektrisiert werden sollte... Da wurde jemand aus dem Publikum, der leider betrunken war und eine Zigarette am Rüssel des Elefanten ausgedrückt hat. Dann auch entsprechend bestraft vom Elefanten.
Florian Bayer: Das war sein Wärter. Der hat zumindest Augenzeugenberichten nach zu urteilen, Zigarettenstummel. auf ihn drauf gedrückt und es sind drei Männer insgesamt gestorben in den Jahren 1900 bis 1901. Und ja, dann wurde beschlossen, dass der Elefant sterben muss. Und er sollte eigentlich ... Es ist so absurd. Es ist so absurd. Sie wollten ihn erhängen. Sie wollten ihn erhängen. Und Tierschützer haben interveniert und haben gesagt, nee, das geht nicht. Und daraufhin wurde beschlossen, dass sie eben mit ... Das ist kein elektrischer Stuhl, aber quasi mit dem Pendant vom elektrischen Stuhl für einen Elefanten hingerichtet werden sollte. Das heißt, Elektroden werden angeschlossen und dieser Elefant soll... soll getötet werden. Und es wurde aber das Ganze, die ganze Geschichte dieser Hinrichtung wurde als Event vermarktet.
Johannes Franke: Total krass, völlig Ah, absurd.
Florian Bayer: 1500 Leute haben dazu geguckt.
Johannes Franke: Warum macht man das? Warum?
Florian Bayer: Ja, genau, warum? Und die gesagt, Edison Company, die haben dann die ... Die haben die Kamera drauf gehalten. Die haben die Filmrechte gekauft. Und die haben das dann auch wirklich begleitet. Ich muss gerade einmal kurz suchen, dass wir es finden, weil ich muss es mir nicht nochmal angucken, Plur. Okay, finde ich gut. Das wurde tatsächlich von YouTube gelöscht. Ich habe einen YouTube-Link hier reingepackt, den werde ich euch jetzt leider nicht mehr geben können. Ach so. Während der Recherche war er noch da. Mittlerweile wurde er offensichtlich von der Plattform runtergenommen. Das Video ist nicht mehr verfügbar.
Johannes Franke: Ja, es ist halt auch wirklich grausam. Der steht halt da, die wollten ihn eigentlich dann noch, die hatten woanders was aufgebaut, über eine Brücke musste der. hätte der Elefant noch gemusst. Aber der Elefant hat wohl geahnt, was los ist und hat sich nicht mehr von der Stelle bewegt, sodass sie dann die das elektrische Zeug alles nochmal eine Stunde lang rüberkarren mussten, wo er dann eben stand. sodass die Kamera dann eine Stunde lang aus war, sodass man auch nicht so richtig weiß, was in der Zeit passiert ist in dieser Stunde. Aber dann geht die Kamera wieder an. Wir sehen, wie der Elefant mit Elektroden an den Beinen vor allem dasteht. Und einfach plötzlich anfängt zu krampfen und zu dampfen unten und auf grausamste Art und Weise dann umfällt irgendwie und einfach stirbt.
Florian Bayer: Ja. Tatsächlich in der frühen Filmgeschichte haben wir eben auch die... Den Gedanken vieler Filmemacher, wir halten die Kamera drauf, was passiert. Und das kann grausam sein, es kann witzig sein, wir halten die Kamera einfach drauf. Ich würde gerne nochmal ins Jahr 1895 zurückspringen. Und zwar haben wir nämlich in der Zeit überraschenderweise... Die Skladanowskis haben beim Wintergartenprogramm, als sie ihre Filme vorgeführt haben, ein riesiges Orchester organisiert, um Lärm zu machen.
Johannes Franke: Ah ja, stimmt.
Florian Bayer: Damit man den Projekt dann nicht hört, weil der so laut war. Das ist die Stummfilmzeit.
Johannes Franke: Schön.
Florian Bayer: Könnte man meinen. Aber 1895 ist nicht nur die Zeit, in der die Lumières und Skladanowskisch gestritten haben, wer den Film erfunden hat. Es ist auch die Zeit des ersten Tonfilms.
Johannes Franke: Aber das war Edison, oder?
Florian Bayer: Das war William Dixon. der und William Heyser hat Kamera gemacht. Das heißt, es war es war im Edison.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Es war es war Im Edison-Bereich, genau. Es war im Edison-Experimentalbereich, was vielleicht nochmal zeigt, dass Edison ging es immer mehr um die Technik und darum zu experimentieren, was technisch möglich ist und weniger darum... Was künstlerisch Unterhaltsames zu schaffen. Aber er hat mit dem ersten ... Soundfilm, was durchaus unterhaltsames Geschafften. The Dixon Experimental Soundfilm geht 17 Sekunden und wir sehen einen Geigenspieler Vor einem riesigen Horn, wo der Ton aufgenommen werden soll. Und daneben zwei Männer, die tanzen. Das ist unser Film. Und es hat so was total Süßes, Naives. Es ist ein schönes Beispiel für diesen ... Für diesen Erfindergeist, den es damals gab, weil man sieht, wie sie sich ins Zeug gelegt haben, um zu experimentieren. was möglich ist.
Johannes Franke: Da kannst du den Ton auch anlassen. Es knarzt. Das ist so süß. Der Film ist schön gemacht, weil es von irgendeiner Association gemacht ist. Die haben den Film dreimal hintereinander geschnitten und kleine Kommentare dazwischen. Und man sieht einfach diesen Geiger da vor diesem Horn und die beiden tanzenden Männer. Und es ist total süß und total friedlich. Und es hat so ein... Es hat so ein bisschen was Steifes auch. Ja. Und dann kommt der Techniker noch rein.
Florian Bayer: Es wirkt wirklich wie so ein Versuchsaufbau und alle sind so ein bisschen steif dabei und alle denken wahrscheinlich, hoffentlich klappt es jetzt vernünftig. Eine tolle Szene, 17 Sekunden, zwei Männer, die tanzen, eine Geige, die spielt, der erste Tonfilm.
Johannes Franke: Aus dem Jahr?
Florian Bayer: 1895.
Johannes Franke: 1895. Das ist schon krass. Und dann dauert das echt nochmal 35 Jahre, bis der erste... wirkliche Talkie ins Kino kommt. 35 Jahre später. Es muss echt im Photonfilmbereich große Hürden gegeben haben. Ich nehme an, es hat mit der Aufnahmetechnik zu tun, dass du ja nicht überall so ein Horn hinstellen kannst, so ein riesiges Aufnahmetrichter-Ding. Das geht ja nicht.
Florian Bayer: Wahrscheinlich war der Pioniergeist dann auch ein bisschen gebremst, weil der Sturmfilm sich so hervorragend entwickelt hat. Und wir hatten ja auch ... Wir hatten in einer der letzten Episoden über die Artist gesprochen, wo sich der Protagonist als Stummfilmstar... tierisch lustig macht über Tonfilme. Und es gab durchaus, es gab vehemente Kritik am Tonfilm und vehementen Kampf gegen den Tonfilm. Es gibt so ein tolles Plakat. gerade aus der Zeit, als der Tonfilm kam. Rette den Stummfilm. Und Tonfilm macht unser Kino kaputt. Und Tonfilm zerstört die Illusionen, Und verdummt. Und Tonfilm verdummt. Und wahrscheinlich lag es daran, der Stummfilm hat sich halt rasend schnell zum Publikumsmagneten entwickelt. Und dann gab es erst mal wahrscheinlich zumindest von Publikumsseite nicht so den Bedarf. Und das liegt daran, und dazu kommen wir jetzt natürlich, dass dann sehr früh auch schon angefangen wurde, Film als Unterhaltung zu benutzen. Du hast mir einen sehr schönen Film rausgesucht, den begossenen Gärtner. den ersten, wie hast du gesagt, den ersten Slapstick-Film?
Johannes Franke: Der erste Slapstick-Film. Es ist so die erste Comedy-Variante, was natürlich Also, ich lache nicht lautlos, wenn ich den Film sehe. Aber es ist ... Ich finde das so toll ... Dieser Gag kursierte schon eine ganze Weile. Und dann haben die Lumière, wir gucken uns ja gerade den Film an, es gibt einen Gärtner, der einfach seinen Rasen und seine Blumen da gerade… sprengt und der Junge kommt von hinten und stellt sich auf den Schlauch. Es kommt kein Wasser mehr raus. Und er nimmt den Fuß wieder runter und der Gärtner wird vom Wasserstahl getroffen. Rett den Jungen hinterher. Typisch für diese Zeit, es gibt richtig Prügel.
Florian Bayer: Ja. Er rennt dem Jungen hinterher, der ist ja auch klassisch, so Stan Loren, Oli Hardy, Oli, der Stan hinterher rennt. Ja, er kriegt den Jungen und er zieht ihn am Ohr zurück und dann verprügelt er ihn. Ja, anders kann man es nicht sagen.
Johannes Franke: Und es ist auch so ein erstes Chase-Movie-Moment, ne?
Florian Bayer: Auf jeden Fall.
Johannes Franke: Was ja später die Keystone-Cops ganz viel gemacht haben. Die Keystone-Cops waren ja von der Firma Keystone, die Filme gemacht hat. Die haben halt eben diese Komödien gemacht, wo einfach... Polizisten Gaunern hinterher gefahren sind, in einer rasenden, also in einer Schnelligkeit, wo du einfach als Zuschauer die ganze Zeit da gesessen hast und gesagt hast, Das heißt, um Gottes Willen, der wird gleich vom Zug überfahren. Der kommt da nämlich auch noch. Und dann irgendwie ein Riesenchaos. Und ich glaube, diese Chase- Der war einfach sehr beliebt damals.
Florian Bayer: Ja, es gab doch... Ich habe leider nicht... in meine Recherche eingeschlossen, aber ich habe so eine vage Erinnerung, dass ich irgendeinen Film gesehen habe, wo über die frühe Filmgeschichte Ich weiß nicht mal, ob es Fiction oder eine Doku war. Es wurde aus der frühen Filmgeschichte was gezeigt. Dann wurde gezeigt, wie was gedreht wurde, eine Chase-Scene. Und zwar war das vor allem so einer riesigen Säule, die sich gedreht hat. Und auf dieser Säule war halt fotografisch dann der Hintergrund. Ach so, ja. Es war so eine Straßenszene mit ein paar Zäunen, ein paar Häusern.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann sind die auf der Stelle gerannt. Ja. Und das Ding hat sich gedreht und gedreht und dann hat sich das natürlich irgendwie, wie man es aus einem Zeichentrickfilm kennt, immer wiederholt, aber es ist halt der Effekt, als würden sie endlos lang diese Straße entlanglaufen, während sie auf der Stelle stehen und
Johannes Franke: Das war beliebt für so Eisenbahnwaggons, die fahren sollten, auf denen sie dann so jagten auf den Eisenbahnen.
Florian Bayer: Und das ist ein schönes frühes Beispiel auch für Schnitt, bevor der Schnitt stattfand. Also beziehungsweise Ortswechsel, bevor der Schnitt stattfand. Ich hatte... eine Sache noch gefunden, ebenfalls Lumières aus dem Jahr 1895, wo damit experimentiert wurde und wo noch nicht technisch an den Schnitt gedacht wurde. Und das finde ich sehr schön. Weil trotzdem geschaut wurde, wie man in diesem Fall nicht Ortswechsel, sondern Charakterwechsel hat. einen Film bringen kann und es war relativ leicht zu machen, weil es dafür jemanden gab, der das als Bühnenkomiker sowieso gemacht hat. Ich rede von dem Film Chapeau à Transformation. Tut mir leid für mein schlechtes Französisch. Wo die Lumières 45 Sekunden lang Nochmal schlechtes Französisch. Phyllis, ja, Truvi, Truvi. einen Kleinkünstler aufgenommen haben, dessen Programm darin bestand, auf der Bühne viele Kostümwechsel zu machen und in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Und wir sehen eben diesen, Ruby, oder wie auch immer der Name ausgesprochen wird, wie er verschiedene Hüte anzieht und dabei aber auch andere Accessoires, zum Beispiel ein Schnurrbart oder eine Perücke. Und so in verschiedene Rollen schlüpft und in diesen Rollen ganz kurz ein bisschen Mimik und Gestik macht und dann zur nächsten Rolle wechselt. Das ist ganz toll. Weil es ist eben kein Schnitt, aber es ist schon dieses Gefühl von, wir schaffen neue Szenarien.
Johannes Franke: Ja, genau. Aber ich meine, natürlich reicht da Film dem Woodville, dem Varieté sehr die Hand. Beziehungsweise, ich weiß nicht, ob man schon sagen kann, dass das eine Art... Schnittgedanke sein könnte. Aber es geht in die Richtung. Aber ... Mir fällt dabei auf, jetzt ganz am Anfang dieses Films zum Beispiel, gibt es ja so Sprünge, kleine Zeitsprünge, weil dann irgendwie der Film zu schnell gedreht wurde oder so. Ich kann mir vorstellen, dass die ersten Schnitte im Film passiert sind, weil zwischen mehreren Frames irgendwie irgendwas passiert ist, irgendein Brand im Film oder sowas. Und dann musste man die zusammenfügen. Man musste die schadhafte Stelle rausschneiden und dann musste man das zusammenfügen, sodass im Film selbst... Wenn man sich die Stummfilme anguckt, die sind voll davon so Sprünge. Er kommt da an und plötzlich ist er aber schon ein paar Meter weiter, als er eigentlich sein müsste, zum Beispiel. Und das ist aus Versehen. Und dann, wenn man sowas oft genug macht, als jemand, der einen Film macht. Dann kommt man auf die Idee, ich könnte jetzt, statt den eigentlichen Film, der da weitergeht, ranzukleben, könnte ich auch was Randes rankleben.
Florian Bayer: Ja, warum nicht? Lass uns doch mal... Einen Ortswechsel probieren.
Johannes Franke: Tada.
Florian Bayer: Come along du. Robert W. Powell war der Erste. der diese Idee hatte, oder zumindest der erste, von dem wir wissen, dass er diese Idee hatte. Es handelt sich um ... bei diesem Film um einen kurz, sehr kurzen 1 Minute 38 Sekunden. Eine Minute ist ja lang, 38 Sekunden haben überlebt. Es geht um ... Aber es soll Comedy sein. Es geht um den Besuch eines Paares in einer Kunstgalerie. Und der Mann interessiert sich zum Missfallen seiner Frau. sehr für eine erotische Figur, eine nackte Statue und betrachtet diese. Von dem Film erhalten ist leider nur noch der Anfang. Vor dem Schnitt.
Johannes Franke: Also nicht die erotische Figur.
Florian Bayer: Die erotische Figur sehen wir nur in Fotos. enthalten ist nur der erste Teil. Es gibt einen klaren Schnitt und zwar wird dieser Schnitt benutzt, um einen Ortswechsel herzustellen. Und zwar das, was erhalten ist, ist die Szene vor dem Ortswechsel, als wir den Mann und die Frau vor der Galerie sehen. Wie sie da sitzen und warten, sich miteinander unterhalten. Sie reicht ihm noch ein Brötchen. Das ist eigentlich auch eine sehr schöne Pärchen-Szene. Klassisches Comedy Gold. Wie man es bei L'Oreal vor allem sieht. Ein Paar im Zug. Es gibt nichts Lustigeres.
Johannes Franke: Also ich würde ja eher Shakespeare daran sehen, aber gut. Ja. Aber schön, ja, es ist sehr theatrisch gedacht. Eine klare Kameraeinstellung, totale und man sieht alles, was nötig ist darin. Und dann gehen die da rein, in diese Galerie. Und wir haben einen Schnitt und wir sind plötzlich in der Galerie. Und man kann als Zuschauer... die Transferleistung durchaus leisten, zu denken, ah, da geht der Film weiter, das ist eine Handlung, die kann ich weiterverfolgen. Für uns ist das jetzt selbstverständlich, ne? Aber ich kann mir schon vorstellen, dass damals man so ein bisschen... die Leute da ranführen musste an das Konzept. An das Konzept eine fortführende Handlung über mehrere... Schnittwechsel und Ortswechsel und so. Also es ist ja nicht selbstverständlich, vor allem wenn man so Filme an sich einfach nicht kannte.
Florian Bayer: Und es ist tatsächlich spannend, weil Schnitt da noch so gedacht wurde als das naheliegendste. Schnitt wird benutzt, um von einem Ort zum anderen zu wechseln. Wir können nicht die ganze Bühne umbauen. Und das ist natürlich noch nicht so dieser 100% kreative Schnittgedanke, weil eigentlich das Faszinierende am filmischen Schnitt ist natürlich nicht der Ortswechsel, sondern vor allem auch der Perspektivwechsel. Da haben wir zwei sehr schöne Beispiele. Wir sind jetzt etwas später wieder in der Zeit, im Jahr 1900.
Johannes Franke: Etwas später in der Zeit 1900, das klingt so ...
Florian Bayer: im 20. Jahrhundert gelandet.
Johannes Franke: Oh mein Gott.
Florian Bayer: Bist du jetzt bei der Großmutter oder bist du bei... Machen wir zuerst das Anständige und dann den Schund.
Johannes Franke: Okay. Dann sind wir jetzt bei der Großmutter, wo das Kind seine Lupe oder ihre Lupe, ihre Leselupe ausprobiert. Stimmt das?
Florian Bayer: Genau. George von George... Albert Smith, Grandmas Reading Class aus Großbritannien aus dem Jahr 1900. Und wir sehen nichts, weil ich kurz suchen muss.
Johannes Franke: Machen wir kurz ...
Florian Bayer: Wir sehen Schnitt, der in einem 1-Minute-Eingesetzt wird für einen Perspektivwechsel.
Johannes Franke: Und es ist so großartig, weil es so folgerichtig ist und so einleuchtend. Und sich wahrscheinlich tausend Leute vorher gedacht haben, scheiße, warum bin ich nicht darauf gekommen? Klar, natürlich. Der Junge kommt da ran an den Tisch und nimmt das Glas und dann sieht man halt einfach durch dieses... Durch die Lupe. Durch die Lupe, was das Kind durch die Lupe sieht. Und das ist mal der Vogel und mal was sie lesen soll und mal die Uhr. Das ist super bei das Auge.
Florian Bayer: Ich finde es vor allem so fantastisch, weil es Zum ersten Mal wirklich dieser im Film auch dieser Perspektivwechsel ist von der auktorialen Erzählhaltung. Wir sehen Enkel und Oma zu Einzelhandeln. Seiner POV. Die persönliche Sicht des Enkels. Was sieht er durch das Glas? Er sieht das Auge seiner Oma, das sich wirklich merkwürdig bewegt. Es ist ganz fantastisch, weil es wirklich eine ganz neue Narrative eben aufmacht. Hey, wir können hier wechseln. Wir können wechseln von dem Blick, den wir alle als Zuschauerinnen auf den Film haben. zu dem Blick, den die Person in diesem Film hat. Immersion. Das ist die Geburtsstunde der Immersion.
Johannes Franke: Ja, das ist total krass, weil du das ja auch im Theater nicht kannst. Das ist für mich... Der Schnitt hin und her ist eine tolle Idee, aber die Einführung des Point of View, also POV, ist wirklich für mich... Das ist eigentlich krasse, weil das hast du nicht im Theater. Du hast einen Guckkasten und du kannst die Leute nicht einfach auf die Bühne holen und sagen, jetzt guck mal, wie meine Figur die ganze Szenerie sieht. Das geht ja nicht. Und das heißt, diesen Gedanken zu haben, das finde ich genial.
Florian Bayer: Und wenn ein genialer Gedanke da ist, dann stürzt sich die Pornoindustrie drauf.
Johannes Franke: Es ist so geil. Da steht jemand an der Straße mit einem Fernglas, guckt in der Gegend rum. Ist das später oder vorher?
Florian Bayer: Das ist im selben Jahr.
Johannes Franke: Das ist im selben Jahr passiert.
Florian Bayer: A Seen Through Telescope. Aus dem Jahr 1900 von George Albert Smith. Wieder.
Johannes Franke: Und er guckt durch das Teleskop in der Straße lang und bleibt natürlich, wo bleibt er hängen? Bei einem... beinahe nackten Fuß. Ein Knöchel. Ein Knöchel, oh mein Gott. Und da guckt er jetzt sehr lange und lüstern drauf.
Florian Bayer: Ja, das ist krass. Wir haben wieder die POV und ganz klar Porno. Aber sowas von.
Johannes Franke: Toll.
Florian Bayer: Und er ist auch sehr zufrieden mit dem, was er gesehen hat. Das ist nämlich auch schön. Wir haben nämlich den Schnitt auch wieder zurück. Das haben wir auch schon bei Grandmas Reading Class. Wir haben den Schnitt wieder zurück zu dem Herrn, der dann auch noch einmal eine kleine Slapstick-Einlage bekommt. Er ist sehr selbstzufrieden über das, was er gesehen hat.
Johannes Franke: Es darf keiner ungestraft pornografische Inhalte genießen.
Florian Bayer: Du meinst, es ist so ein bisschen der Film drückt da nochmal mit der Moralkeule drauf, um das zu rechtfertigen, was er gerade gemacht hat?
Johannes Franke: Ich glaube schon.
Florian Bayer: Aber damit wären wir bei Erotik. Und Erotik ist ja auch schon vorher. Und zwar ... Große Sache, der erste Filmkuss. Ja. Von William Heise. Wir sind wieder bei den Edisons. Und wir sind wieder im Jahr 1896. Und die erste Kussszene im Film war ein Film, der nur aus einer Kussszene besteht.
Johannes Franke: Ja, es ist ja im Grunde...
Florian Bayer: relativ lange dauert, 25 Sekunden.
Johannes Franke: Ja, es ist ja im Grunde eines dieser Actualities. Also das ist kein narrativer Film oder sowas, sondern es ist einfach... Wir zeigen alles Mögliche. Und ich weiß nicht, wer auf die Idee mit dem Kurs gekommen ist, weil Edison traue ich es ehrlich gesagt nicht zu. Weil der ja viel zu sehr auf die Wirtschaftlichkeit seines Unternehmens bedacht war. Und das... Einen Kuss öffentlich zu zeigen, das hat ganz schön was heraufbeschworen. Also die Öffentlichkeit war nicht zufrieden damit. Ja. Also zumindest die moralische Öffentlichkeit. Das gab einen großen Aufschrei deswegen. Weil es war ja auch damals verpönt, sich in der Öffentlichkeit überhaupt zu küssen und das dann als Film konserviert, als Musik. öffentliche Aufführung, das geht ja mal gar nicht.
Florian Bayer: Der Ursprung ist ein Theaterstück. Diese Schlussszene, diesen Kuss.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und den fand Heise wohl offensichtlich toll und dachte, hey, den lass uns doch mal in der Nahaufnahme machen. Und wie du schon sagst ... Der Skandal entsteht gar nicht unbedingt durch den öffentlichen Kuss, sondern vor allem, dass denen so nah auf den Leib gerückt wird. Und dass sie wirklich auch nur den Kuss zeigen, das ist so komplett losgelöst von allem.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und viel Aufregung drumherum, aber auch viel Erfolg. Es war Edisons erfolgreichster Vita-Scope-Film in den 1890er Jahren. Und der wurde überall gezeigt, der wurde getourt. Und ja ... Es gab viel Aufregung drumherum. Es gab teilweise Entrüstung. Es gab aber auch viel Beifall. Und na ja, wie das halt so wahrscheinlich mit ... Erotig im Film ist, es hatte Erfolg einfach mal, weil Sex sells und du sagst, Addison war sehr bedacht, dass das erfolgreich war. Ja, er war sehr auf seinen Ruf bedacht. Aber da hat dann vielleicht doch die Wirtschaftlichkeit, zumindest was das betrifft, überwogen.
Johannes Franke: Aber da fällt mir ein, wenn da so viel getourt ist. Es wurde ja viel von dem, was produziert wurde für die Zeit zum Rumtouren, das war ja nach einem Jahr Oder so. Oder nach zwei Jahren total hin, das Material. Weil das ja immer wieder abgespielt wurde und immer wieder aufgezogen, abgenommen, abgepackt und so weiter. Und das war einfach irgendwann im Arsch. Ja. in zig Versionen gedreht, dann haben die Engländer nochmal ihre eigene Version gedreht und die Franzosen ihre eigene Version gedreht und die sehen auch witzig unterschiedlich aus. Jeder hat so seinen eigenen Spin da auch reingebracht. Und ich weiß nicht bei dem Kuss, ob das jetzt die erste Version ist. Das wissen wir alles nicht.
Florian Bayer: Wir wissen es nicht, weil wir reden ja von einer Zeit, in der so viel verloren gegangen ist. Das Tolle am Kurs ist natürlich auch, dass es mit Sicherheit verschiedene Versionen davon gab. Aber es gab beim Kuss auch ganz viele Nachahmer, ganz viele Leute, die ihre eigenen Kussfilme gemacht haben. Kussfilm war quasi ein eigenes Genre in der Zeit. nach Küssen suchst aus den 1890er Jahren, findest du unfassbar viele Szenen einfach, wo du das nachgeahmt hast, aber wo es klar ist, es sind zwei andere Leute, die küssen sich jetzt.
Johannes Franke: Und es gibt eine ganz tolle eigene Version, die nochmal einen anderen Meilenstein darstellt. von dem ich nicht gedacht hätte, dass er so früh passiert. Nämlich zwei Schwarze, die sich küssen.
Florian Bayer: Ja. Und das ist gar nicht so viel später als der erste Kuss im Film. Aus dem Jahr 1898. Something Good Negro Kiss. Und man muss sagen, er hat viel mehr Stil als der erste Kuss, der gezeigt wurde.
Johannes Franke: So viel mehr Stil und so viel mehr Freude und Lebensfreude drin. Ich find's toll.
Florian Bayer: Also erstmal würde man meinen, es ist nichts anderes. Die Kamera ist vielleicht ein bisschen weiter weg. Aber zum einen sind hier unsere beiden küssenden... Sehr elegant gekleidet. Und der Kurs ist auch begleitet von ... wunderschönem Schäkeln, ich weiß gar nicht, ist es so zwischen Kuscheln und Tanzen? Es wirkt immer so, als ob sie kurz ansetzen würden, als ob sie jetzt wirklich miteinander tanzen wollen würden und dann entscheiden sie sich doch... dazu, sich zu küssen. Und es hat so viel Lebensfreude. Es hat so viel ... Es steckt so viel Liebe da drin. Ich mag ihn tatsächlich. Natürlich ist es wirklich einfach ein Meilenstein, weil man sieht, hey ... So früh wurde das doch schon gemacht. Aber es ist auch wirklich ... Es ist wirklich ein schöner Film von William Selig.
Johannes Franke: Und also ... Die Geschichte ist ja nicht besonders gut gewesen zu Schwarzen, was das betrifft, auch was Repräsentation im Film betrifft. Das geht ja bis heute so, aber die... Die großen Aufschreie kamen ja dann später in den... 10er, 20ern, 1910er, 20er, dass niemand, keine Schwarzen vor der Kamera stehen durften. Total krass. Sogenannte, ich sag's jetzt mal, sogenannte Neger-Imitatoren.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ja, toll.
Florian Bayer: Blackfacing ist ein ganz krass großes Problem des frühen Films. Also am berühmtesten ist ... Natürlich Birth of a Nation. Jetzt sind wir schon bei den Langfilmen. 1915 von Griffith.
Johannes Franke: Ja, davon wollen wir eigentlich gar nicht hin.
Florian Bayer: Und die Geschichte des Ku Klux Klans. die dann auch so total romantisiert wird und dann hast du halt einfach Weiße, die mit Blackfacing die Schwarzen spielen und Nicht nur das, sondern dazu kommt natürlich auch noch, dass die Schwarzen in diesem Film als lüsterne Monster dargestellt werden und der Kuckuck. Ku Klux Klan rettet dann die armen Weißen, die unter der Diktatur der Schwarzen leiden.
Johannes Franke: Toll. Ja, aber ... Irgend die ersten frühen Sachen, die wir jetzt haben, da ist mir zum Beispiel nichts in diese Richtung wirklich aufgefallen. Ganz im Gegenteil, eben dieser Kuss ist ja wirklich Vorreiter quasi dann, wenn man das so sieht, beziehungsweise eigentlich... der normale Weg, aber von dem sind sie abgekommen. Und Ansonsten ist mir aber nicht viel aufgefallen, was irgendwie in dem Bereich Rassismus oder sowas groß passiert wäre. Es ist halt schon auch ein weiße Männer dominierter Bereich gewesen.
Florian Bayer: weiße Veranstaltung. Aber ja, es ist tatsächlich, ich finde es tatsächlich schön auch in diesem Film, dass die beide so elegant gekleidet sind. Ja, das ist sehr schön. Stereotype der damaligen Zeit ist. Weil ich meine, das Ende des amerikanischen Bürgerkriegs und die Befreiung der Sklaven, das ist nicht so lange her. Das ist vor 40 Jahren. 30 Jahre liegt es in der Vergangenheit. Und Ja, das ist einfach toll. Um dazu kurz noch was zu sagen, es waren ... Zwei Entertainer, es waren Saint Suddle und Gertie Brown, die die Hauptrolle gespielt haben in diesem ersten schwarzen Kuss. Und er war ein Theaterkomponist. Und sie war eine ... Darstellerin im Unterhaltungstheater. Mhm.
Johannes Franke: Wenn wir dann weitergehen, wenn du das schon als Erotik angeteasert hast, dann müssten wir die richtige Erotik ja jetzt auch nochmal.
Florian Bayer: Wir kommen zum ersten Porno. Aus dem Jahr 1896. Und zwar ein episches Langwerk für die damalige Zeit. Sieben Minuten. Sieben Minuten. Sex. Feuer. Pornografie in den ersten Stellungen. Und wer macht das? Die Franzosen. Natürlich die Franzosen. Aber leider sind davon nur zwei Minuten erhalten. Ach schade. Es ging wild daher. Man weiß nicht, was passiert ist.
Johannes Franke: Wir haben einfach überhaupt gar keine Ahnung. In unseren zwei Minuten, die wir haben davon. Macht sie ja nicht viel. Sie schickt den Typen hinter den Paravent. Und zieht sich so langsam aus. Das war's.
Florian Bayer: Aber sie zieht sich für das Publikum aus.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Der Typ verschwindet. Entschuldigung, du musst das Wort nochmal sagen. Ich krieg's nicht ausgesprochen. Wendt. Wendt. Und sie schmusen auch so ein bisschen davor, sie flirten ein bisschen miteinander. Das ist eine hoch erotische Atmosphäre. Also wir wissen, die schnacken gleich. Und zwar so richtig.
Johannes Franke: Und das Bett ist ja daneben ganz verheißungsvoll. Ja.
Florian Bayer: Aber wieder einmal, ja, die Kartrage ist okay. Wir haben hier eine sehr schlechte Version die offensichtlich von der Leinwand abgefilmt wurde.
Johannes Franke: Ja, genau. Also davon kann man es ganz schlecht beurteilen. Aber er sitzt da hinter dem Paravan und es ist auch schön, weil das... Weil das mit unserer Perspektive und der Erwartung des Zuschauers und seiner Erwartung spielt. Also wir haben sozusagen wirklich ein psychologisches Erzählweise im Grunde. Er schickt, sie schickt ihn hinter dem Paravent, er sieht nicht, was wir als Zuschauer sehen. Das ist schon irgendwie, ich finde es clever für die Zeit. Suspense.
Florian Bayer: So ein bisschen, ne? Der Zuschauer weiß mehr als der Protagonist.
Johannes Franke: Wobei suspensiv. Spence hat ja auch schon dieser Junge, der auf den Schlauch tritt.
Florian Bayer: Definitiv. Ja, das stimmt.
Johannes Franke: Das ist auch schon ein Suspence-Moment.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Ja, und es ist schön, weil sie lässt sich auf wirklich Zeit und es ist einfach mal ein Strip, die ist für uns. Und nach zwei Minuten bricht dieses Ding ab. Und wir wissen nicht genau, was danach passiert ist. Also wahrscheinlich nicht viel. Wahrscheinlich gab es eine Slapstick-Einlage. Der Typ fällt mit dem Paramor um oder so.
Johannes Franke: Nein, ich glaube, wir haben den heftigsten Porno dieser Zeit verpasst.
Florian Bayer: Verdammt. Ach, wie schade. Ja, aber das ist das, was wir haben... Anrüchigstes gefunden haben aus dieser Frühzeit des Films, aber immer noch im 19. Jahrhundert.
Johannes Franke: Ja, ist krass, ne? Es ist schon, also... Ich weiß ja nicht, wie das so war, wie das so gesehen wurde zu der Zeit. Vielleicht wurde es auch später erst so richtig verpönt. Aber es wurden ja früh schon so irgendwelche Zeichnungen so verkauft auf der Straße und so. Im Grunde in dieser Tradition ist das ja quasi.
Florian Bayer: Varieté, Burlesque.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Ja, es ist eigentlich Burlesque-Unterhaltung. Du kannst dir das auch wieder sehr gut als Bühnenprogramm vorstellen mit einem Comedian und einer Tänzerin.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und dann ziehen sie ihre Show ab.
Johannes Franke: Wobei Borlesque an sich später erst erfunden wurde.
Florian Bayer: Wann wurde Borlesque erfunden? Ich kenne mich zu wenig mit der Geschichte.
Johannes Franke: Kannst du das kurz Wiki eintragen? Also ich dachte so zwischen 1910 und 1920 oder vielleicht sogar erst in den 20ern, soweit ich weiß, Wollte sich eine Dame gerade umziehen zu ihrer nächsten Nummer hinter der Bühne und hatte dann aber doch nicht genug Zeit, sich hinter der Bühne umzuziehen. musste dann also auf die Bühne gehen, um dort von einem Kostüm ins nächste zu kommen und hat das dann genutzt. Es ist also, Burlesque ist abzugrenzen ganz klar von Striptease, was wir heute so kennen sonst. Weil Striptease ist ja wirklich nur zur Befriedigung bestimmter... visueller Bedürfnisse, sagen wir so, sexuell konnotiert. Während Burlesque irgendwie so zwischen Sex und Humor und Ironie und Also sich subsumieren lässt unter humorvoller, ironischer, überhöhter Unterhaltung, während Striptease ja ein bisschen... Sagen wir, die plattere Variante davon ist so ein bisschen Kabarett und Comedy.
Florian Bayer: Also, wir haben die Anfänge im ... 19. Jahrhundert in England und USA, aber tatsächlich die Blütezeit haben wir eher in den USA der 1920er Jahre. 1910er, 1920er Jahre, ja. Also wahrscheinlich. Vielleicht war das früher eher so das Burlesque, dass weniger sich ausgezogen wurde, wenn ich das richtig gelesen habe, und mehr getanzt wurde. in kurzen Kleidern und aufreizenden Kleidern, was halt im 19. Jahrhundert als aufreizend galt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann das Ausziehen als Handlung erst später durch die amerikanische Variante dazu kam.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Aber wir sind bei Genres. Wir hatten jetzt, Erotik haben wir ziemlich gut abgegrast.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich hätte Horror zu bieten.
Johannes Franke: Du hättest Horror zu bieten. Aber dann kommen wir ja schon zu... Meinem absoluten Liebling, wenn ich das richtig sehe. Es geht bei dir um Georges Méles?
Florian Bayer: Und zwar ein sehr früher Film von Georges Méliès aus dem Jahre 1896. Wow. Der erste Horrorfilm ist. und ein Frühwerk von ihm auch, Le Manoir du Diable.
Johannes Franke: Wie lange geht der? Der geht schon sieben Minuten oder so?
Florian Bayer: Der geht drei Minuten.
Johannes Franke: Drei Minuten, okay, gut. Kommen wir auf an, ich will den wieder sehen.
Florian Bayer: Wir sehen einen Vampir, eine Fledermaus verwandelt sich in einen Vampir oder Dämonen oder Fürsten der Finsternis, was auch immer, der dann anfängt zu zaubern.
Johannes Franke: Und das krasse ist, es ist ja, also wir befinden uns im Jahre 1896. Und dieser Typ hat es einfach mal geschafft, mit Schnitten und anderen raffinierten Zusammenstellungen seines Filmmaterials, Zaubertricks herzustellen. Man muss dazu sagen, dass Georges Méliès Zauberer war, ne? Also er hat eigentlich ein eigenes Theater gehabt, wo er gezaubert hat und dann hat er wahrscheinlich... Dieses Medium entdeckt und hat gedacht, oh mein Gott, all die Sachen, die ich auf der Bühne nicht machen kann, weil das nicht funktioniert so. Kann ich jetzt auf Film... Total gut. Eine Spielwiese an Möglichkeiten. Und als Georges Méliès weniger Techniker als vielmehr... Kind, das einfach mit dem Zeug rumspielt.
Florian Bayer: Der erste wirkliche Zauberer des Films, der uns so... Um euch ein Gefühl davon zu vermitteln, schaut es euch an. Es sind drei Minuten, die sich total lohnen, Wir sehen Dinge erscheinen und verschwinden. Wir sehen mit Nebeln und Explosionen Dinge erscheinen und verschwinden. Und ... Es ist eine Zaubershow, die so auf der Bühne nicht stattfinden kann. Weil wirklich ... einfach die Sachen verschwinden. Aber es ist nicht nur eine Zaubershow, sondern es gibt auch eine wirkliche Handlung. Es kommen dann nämlich zwei Edelmänner in das Schloss dieses Magiers und die werden... tyrannisiert von Kobolden und Dämonen.
Johannes Franke: Und der eine Schauspieler hat das noch nicht so richtig drauf mit der Tricktechnik. Die müssen ja einmal freeze, einmal einfrieren. Damit ein Typ dazukommen kann, damit der plötzlich im Schnitt dort auftaucht, wo er auftaucht. Und dann müssen alle gleichzeitig sie wieder anfangen zu bewegen, damit der Film weiterlaufen kann. Das Tolle ist, in den ersten Schnitten hat er es noch nicht drauf und bleibt noch stehen, während alle anderen schon weitermachen. Und es ist so entlarvend, aber so süß.
Florian Bayer: Was man heutzutage immer noch in billigen Filmen, Realfilmen, CGI-Elementen sieht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wo die Schauspieler versuchen, mit dem CGI zu spielen und klar ist, sie haben nicht so viel Zeit, sie haben nicht so viele Takes und sie machen das halt irgendwie und nachher, wenn man das fertige Produkt sieht. Erkennt man so doll, dass da ein Mensch mit nichts interagiert. Toll, auch dieses Skelett, das dann plötzlich erscheint. Der Edelmann schlägt dagegen und das Glätt wird wieder zur Fledermaus.
Johannes Franke: Das ist so toll. Man sieht auch die Schnüre nicht, an der die Fledermaus dran ist. Es ist einfach, er hat mit allem gespielt, was ihm irgendwie zur Verfügung stand und Georges Méliès war ja der Erste, der auch wirklich so ein Studio gebaut hat. außerhalb von Paris, er hat in Paris gelebt und hat dann so ein bisschen draußen, hat er das erste Mal Im Grunde nur ein Glashaus, wie so ein Gewächshaus, bloß eben größer gebaut, damit das Licht ordentlich reinfallen kann. Und hat da richtig viel gebaut und gebastelt und Zeug gedreht, unter anderem eben dann seine Reise zum Mond. die dann ja 1902 kam.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist ein unglaubliches Meisterwerk für die Zeit. Das ist toll.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Er hat... Er hat einfach verstanden, dass man Filmen für so viel mehr nutzen kann, als ein Baby beim Füttern zu gucken. Ja, ja. Oder ein boxendes Känguru oder boxende Katzen zu zeigen. Und er hat das voll ausgenutzt. Wahrscheinlich war Méliès wirklich der Erste, der Film benutzt hat, um Träume wahr werden zu lassen.
Johannes Franke: lassen.
Florian Bayer: Eigentlich die Geburt des Gedankens Film als Traumfabrik. Ich zeige euch hier mehr als die Realität. Ich
Johannes Franke: Also ist es nicht nur der erste Horrorfilm, sondern eigentlich der, der Special Effects eingeführt hat in der Form? Ja, also das ist schon wirklich beeindruckend und krass. Und dann hat er auch noch angefangen mit diesem ganzen Coloring. Es gibt ja ganz tolle Farbfilme von ihm aus der Zeit. Also Farbfilme gab es ja damals nicht im Sinne von, dass man in Farbe gedreht hat, aber sie haben sie nachkoloriert. Das heißt, es wurde wirklich... Per Hand mit so einem kleinen Pinsel und entsprechender Farbe, die auf dem Material gehalten hat. was, wie, wo, welche Farbe haben soll. Und das Tolle daran ist, Du kannst dir dann alle möglichen Sachen, Farben geben, die sie eigentlich nicht haben können. Zum Beispiel eben Menschen wie in diesem Film, den wir jetzt vor uns haben, von 1903, einen handkolorierten Film, wo der eine Typ einfach mal grüne Hautfarbe hat. Und es ist so... ist so toll, aber so wahnsinnig aufwendig.
Florian Bayer: Die haben ja tatsächlich... Le Chautron Infernal.
Johannes Franke: Ah ja, genau, so heißt der Film. Ganz, ganz typischer Miliess, würde ich sagen. mit Zaubertricks und Feuer und hier wird das und da verschwindet jemand und da kommt jemand und da ist... Er spielt auch viel mit diesem Dämonischen. Das lohnt sich auf jeden Fall, den anzuschauen. Und dieses... Hand-Coloring, das war so aufwendig, dass die Amis tatsächlich... ihre Filme nach Europa geschickt haben, weil es dort billiger war. Europa war ein Billiglohn-Kontinent für Amerika.
Florian Bayer: Für Farben.
Johannes Franke: Fürs Handcoloring.
Florian Bayer: Ganz toll an diesem Film ist natürlich auch, dass er die Farben nicht nur benutzt, um Objekte anzumalen, sondern auch um Objekte zu erschaffen, wie er z.B. Die Flammen werden gemalt. Es gibt diesen Kessel, um den die grünen Monster herumtanzen und der wird dann immer mal wieder befeuert und dann schießt eine riesige Stichflamme heraus und Und das ist einfach wunderbar, wie da die Farbe eingesetzt wurde, um diese Flamme größer erscheinen zu lassen, als eine Flamme in diesem Moment wäre.
Johannes Franke: Ja, ganz toll.
Florian Bayer: Total faszinierend.
Johannes Franke: Da kommt da dieser Geist raus, was ja auch krass ist. Das ist halb durchsichtige Ding.
Florian Bayer: sieht so großartig aus, ja. Und dann schwebt der Geist durch den Raum und es ist wirklich ganz toll gearbeitet und wirklich Ja, wenn man sich, also es ist nochmal eine ganz andere Qualität und wie gesagt, Charles Méliès hat auch schon in den 1890ern gearbeitet und man merkt, wie sich sein Stil verbessert und wie er mehr Ideen hat. findet. Und das ist tatsächlich, an Georges Méliès sieht man sehr schön diese Entwicklung zum zauberhaften Film, zum fantastischen Kino. zum Film, der mitreist. Und das ist dann halt auch der Sprung von diesen 20 Sekündern über die drei Minüter zu den ersten... Quasi Langfilm, also wenn wir von 10 Minuten Reise zum Mond als Langfilm reden.
Johannes Franke: Ja, genau, genau. Also der lohnt sich auf jeden Fall. Und wer schon immer sich gewundert hat, was eigentlich unser Logo da soll, dieser komische Mond mit der Rakete im Auge, Das ist aus dem Film Reise zum Mond von Georges Méliès. Und es gibt eine schwarz-weiß Version davon und eine Color-Version und die sind beide absolut sehenswert. Es ist so großartig.
Florian Bayer: 18 Minuten aus dem Jahr 1902. Und dann sind wir wirklich im 20. Jahrhundert. Und dann fängt Film an, mehr zu werden.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das ist tatsächlich, wenn wir von der Frühzeit des Films reden, reden wir von Filmen als Experiment und von Filmen als Jahrmarktsattraktionen. Und dann gibt es aber plötzlich diesen Sprung Filme als, ja, eigentlich Eskapismusfilme als fantastisches Medium.
Johannes Franke: Das ist so ein spannender Sprung, weil Georges Méliès ja im Grunde auch schon eben... so in den 1880ern, 1890ern angefangen hat, damit drum zu experimentieren. Und Für mich in meiner Retrospektive so im Alleingang. diesen Sprung zur Narrative und zur Erzählerischen und zum Magischen geschafft hat. Ich weiß nicht genau, da gab es natürlich andere Leute, die da mitgemacht haben, die auch dabei waren, aber für mich ist das so die Galleonsfigur. Und deswegen bin ich so ein ganz großer Fan von diesem Typen, weil der einfach alles daran gesetzt hat, so ganz viel... rumzuspielen und Visionen umzusetzen. Und zwar nicht im technischen Bereich wie Edison, sondern wirklich im Fantastischen.
Florian Bayer: Was fantastische Bereiche betrifft, haben wir noch zwei wirklich schöne Sachen, die wir euch auf jeden Fall nahelegen wollen. Einmal... habe ich hier Le Skelette Joyeux. Und da sind wir wieder bei den Lumières. Und das ist im Jahr 1898, wo mit ganz tollen Tricks... ein tanzendes Skelett gezeigt wird.
Johannes Franke: Da bin ich total beeindruckt, weil ich nicht nachvollziehen kann, wie er das gemacht hat.
Florian Bayer: Es ist eine Schwarzlichtaufführung, glaube ich. Also wir haben hier kostümierte Darsteller, die verschwinden.
Johannes Franke: Nein, das kann ich mir nicht vorstellen.
Florian Bayer: Kurz, was wir sehen, bevor wir schauen, was dahinter steckt. Wir sehen ein tanzendes Skelett. Aber nicht nur ein tanzendes Skelett, sondern dieses Skelett verliert seine Körperteile und hat seine Extremitäten teilweise nicht im Griff. Der Kopf fliegt richtig weit nach oben, der Arm fällt runter und wird dann aufgehoben und wieder festgesteckt. Die Gelenke verbiegen sich ganz extrem.
Johannes Franke: Und eigentlich kann das gar nicht, also es geht weder mit Fäden, weil du musst ja den Knochen wieder an die richtige Stelle bekommen, das kriegst du ja mit dem Fadenzug einfach nicht einfach so hin. Und du kriegst es auch nicht hin mit so einem Schwarzlichtding, weil du für jeden Knochen ja eine eigene Person bräuchtest, weil die ja so weit voneinander unabhängig sind. dass es ja sonst nicht machbar ist. Ich bin also wirklich massiv beeindruckt, weil ich es einfach nicht verstehe, wie es geht.
Florian Bayer: Ich glaube, und das hatten wir schon beim letzten Mal, ich muss doch jetzt nochmal auf die erste Aufnahme referieren, weil da saßen wir auch da und haben beide gesagt, wie Wie geht das? Und ich meinte so schwarzlich und du meintest eigentlich Nüre kann auch nicht sein. Und während dieser Episode habe ich dann noch schnell hektisch gegoogelt und ich habe es nicht gefunden.
Johannes Franke: Es ist halt nicht rauszufinden.
Florian Bayer: Ja, es ist... Also ich habe hier bei IMDb jetzt was, da steht Attached to Wires.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: It's obvious to see how the dance is being done. Nein.
Johannes Franke: Nein. Überhaupt nicht. Vor allem, weil das Fallen dieser Knochen ja auch sehr realistisch Schwerkraft ist. Also wenn es runterfällt, dann hat das nicht irgendjemand einfach nur mit Drähten geführt oder sowas. Weil dann würde sowas ja unnatürlich aussehen. Aber es sieht sehr, die Schwerkraft dieses Films sieht sehr natürlich aus.
Florian Bayer: Ja. Jetzt bin ich im Lumière-Katalog. Also es ist definitiv ein Lumière-Film.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aus dem Jahr 1898. der in Lyon gezeigt wurde. Aber das bringt uns ja alles nicht weiter. Mal schauen, ob ich hier irgendwo noch was ... Da wird spekuliert, dass es wahrscheinlich von Meillesse inspiriert ist. Weil das... Schloss, das wir uns angeschaut hatten, war ja früher, war ja 1896. Und auch hier wird spekuliert, was es ist. Also es gibt natürlich gerade in Ost-Eurocup gibt es ja diese große Schwarzlicht-Theater-Tradition, also vor allem in Tschechien.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: diese Theater, in denen Tänzer komplett schwarze Kostüme tragen und dann sind eben da irgendwas drauf gezeichnet, dann tanzen sie besonders und dann wird auch... toll, mit tollen Effekten gearbeitet. Teilweise eben auch Gliedmaßen, die runterfallen. Das wird dann mit zwei Tänzern gemacht. Aber vom Bild wirkt es gar nicht so, weil das ist nicht dunkel genug.
Johannes Franke: Ja, genau. Der Hintergrund ist ab und zu mal ein bisschen heller beleuchtet. Also es ist halt... Die Empfindlichkeit des Films scheint unterschiedlich zu sein und die Belichtungszeiten der einzelnen Wie das eben damals so war, ne? Kurbelst du langsamer, kurbelst du schneller, dann kriegst du unterschiedliche Ergebnisse. Aber...
Florian Bayer: Ja, ich finde es nicht. Also offensichtlich sind sich auch die Experten und Expertinnen nicht einig darüber, wie das gemacht wurde und Toll, dass diese Tricks auch heute noch so funktionieren.
Johannes Franke: Ja, super.
Florian Bayer: Es könnte gezeichnet sein. Womit wir noch zu einem weiteren beeindruckenden Film kommen.
Johannes Franke: Ja, und das ist ja tatsächlich etwas, wo wir zurückkehren zu deinem Anfang, wo du gesagt hast, Filme, fängt ja tatsächlich vor der Fotografie vielleicht an für dich, für mich nicht, aber tatsächlich unabhängig davon, das Bedürfnis danach, gezeichnete Figuren zum Leben zu erwecken. Mit Daumenkino und dann jetzt eben auch mit dem Medium Film im Sinne von mehreren Frames aneinander stellen. Bei Zeichentrick sind es ja meistens nur 12 gewesen, 12 Frames und dann hat sich das so aufgebaut zwischen 12 und 24 Frames. Und es gibt einen ganz tollen frühen Zeichentrickfilm im Grunde, so der erste. den man sagen würde.
Florian Bayer: Humorous Faces of Funny Faces. 20 Frames per Second von J. Stuart Blackton. Aus dem Jahr 1906.
Johannes Franke: 1906, das ist unglaublich, oder?
Florian Bayer: Und es ist ein toller Film, also auch weil wirklich mit der Idee des Zeichentricks gespielt und gearbeitet wird.
Johannes Franke: Ja, vor allem, weil er anfängt wie ein Realfilm, weil so eine Hand erstmal reinkommt, um irgendwas auf eine Tafel zu malen. Und daraus entwickelt sich's dann.
Florian Bayer: Ja, das ist tatsächlich, genau, du hast eigentlich was ganz Banales. Du siehst eine Hand. Und die zeichnet auf die Tafel. Und es ist überhaupt nicht absehbar, was dann passieren wird, was mit diesen Bildern passieren wird. Also ich finde es heute noch überraschend, was der Film dann daraus macht und wie muss das erst auf die Zeitgenossen damals gewirkt haben, als dann plötzlich die Zeichnung... Zum Leben erweckt.
Johannes Franke: Obwohl er ja im Grunde Trickverrat betreibt, indem man das vorher so zeichnet und man dann schon sehen kann, das nächste, was sich selbst zeichnet. Ist irgendwie nach dem gleichen Prinzip passiert, bloß, dass die Hand dann rausgelassen wurde.
Florian Bayer: auch erstmal viel, viel gezeichnet. Also wir haben dann einen Mann und eine Frau und der Mann, der schaut zu der Frau und interessiert sich für sie und macht sich eine Zigarre an und die Frau findet das gar nicht geil. Die Figuren leben auf der Leinwand, also auf der Tafel.
Johannes Franke: Und es ist noch ziemlich rudimentär, aber es wird echt so nach und nach sehr flüssig und sehr... Da kommt die Hand rein und wischt alles weg und dann kommt die nächste Figur. Ich find's super.
Florian Bayer: Ganz toll auch diese Metaebene. Es wird schon mit dem Medium gespielt. Ja, genau. Es ist eigentlich ein sehr frühes Beispiel auch von postmoderner Kunst, die ihre eigene... Ihr eigenes Schaffen reflektiert. Dann sehen wir einen Herrn mit Melone und mit einem Schirm. der sich auf der Tafel bewegt. Und schön ist tatsächlich, wie das dann immer aufgelöst wird, eben durch das Verwichen, mal mit Hand, mal ohne Hand.
Johannes Franke: Und auch in diesem Falle andersrum. Sie haben auch zwei Figuren, die sich rückwärts entwickeln, von der verwischten Tafel wieder zurück zu ordentlich... hergestellten Figuren und dann zurück zu noch nicht existierenden Figuren und dann fängt er an mit seiner Technik zu spielen. Dann sehen wir nämlich so einen Clown, der mit seinem Hut spielt und man denkt wieder, ah ja, okay, das ist gezeichnet und so. Aber es sind Schablonen. Ja, das ist ganz toll. Und durch diese Schablonen, die sie da hinlegen, sind nochmal andere Sachen möglich. Nämlich zum Beispiel, dass so ein Hund... durch einen Reifen durchspringt und verschiedene andere Dinge, die sonst nicht so einfach möglich wären. Um zu beweisen, dass es doch gezeichnet ist, kommt dann eine Hand rein und wischt dann auch weg. Das ist ganz toll.
Florian Bayer: Das ist fantastisch. Dieser Film treibt einen Schabernack mit dem Publikum. Er legt es rein, er sagt so, jetzt zeig ich euch was und dann zeigt er was ganz anderes. Und er spielt wirklich so seine Scherze mit dem Publikum und das... Super. Eine ganz tolle Herangehensweise an das Medium.
Johannes Franke: Schöne, simple Ideen, die dann aber wirklich gut durchdacht und überlegt sind. Wirklich schön. Ja, dann hätten wir ja den ersten Tonfilm, den ersten Zeichentrickfilm, den ersten Farbfilm.
Florian Bayer: Wir haben alles in der Frühzeit des Kinos, in diesem kurzen Zeitraum von 1895, Das ist unglaublich. 1905 bis 1906 haben wir Genres, die entstehen. Ja, genau. Wir haben Geschichten, die entstehen. Wir haben Tricktechnik, mit der experimentiert wird, mit der rumgespielt wird. Und wie du sagtest, es ist eine Pionierzeit und es ist eine total faszinierende Pionierzeit. Ja. Auch weil so vieles zusammenkommt, die Faszination an der Technik, die Faszination an dem neuen Medium. Die Faszination an den neuen Möglichkeiten und das ist eine riesige Spielewiese.
Johannes Franke: Total krass. Ich muss jetzt natürlich Vergleiche ziehen, weil ich hatte als erstes gedacht... Oh mein Gott, wie krass ist das, das in so kurzer Zeit, das könnte ich mir gar nicht vorstellen. Und dann ist mir aber eingefallen, naja, ich habe sowas ja selbst, wir haben alles sowas erlebt. Das Internet ist ja auch wahnsinnig schnell entstanden. Wenn man darüber nachdenkt, wann passiert ist. In den 60ern gab es die ersten... Überlegungen mit Internet und so, ein Netzwerk von Netzwerken. Damit gab es aber keine Computer in der Form, wie wir sie heute haben. Das würde ich jetzt mal mit der Fotografie zum Beispiel gleichsetzen. Dann die große Entwicklung von 1826 bis Ende des Jahrhunderts mit der Fotografie. Also das Internet von 1960 bis in die 80er hinein. Und dann gab es 1990... Den ersten Browser, der das Ganze wirklich für User machbar ist. gebracht hat. Also es ist so ein Zeitraum, wo ich denke, okay, das ist irgendwie vergleichbar so ein bisschen. Das ist spannend. Und dann in den 90ern und 97 schon Gab es dann Google und dann 2005 YouTube? Und Boom. Und du hast so ein krasses Ding.
Florian Bayer: Es gibt diesen tollen Artikel aus den 90ern, Anfang, Mitte 90er, aus der Bravo. Wo sie Jugendliche befragen, wie das mit dem Internet ist. Und die dann sagen, naja, ich glaube, das Internet ist jetzt auch langsam wieder Schnee von gestern. Das ist so schön. Das wird sich nicht durchsetzen. Das ist geil. Und bei ganz vielen Ideen kann man das beobachten. Ich find die Analogie zum Videospiel auch ganz spannend. Stimmt, ja. Das Videospiel ist die ersten Videospiele... Ich muss gucken, Pong ist zum Beispiel aus dem Jahr 1972. Ich weiß, davor gab es noch andere. Bitte keine wütenden Mails. Tennis for Two oder was da auf dem Radarbildschirm gespielt wurde. Aber da haben wir auch die Anfänge 1972. Und dann haben wir 10, 15 Jahre später so was wie Zelda angefangen. wird, Narrativespiele, große Abenteuer und diese Entwicklung von den einfachen Schwarz-Weiß-Dingern, wo halt zwei Tennisschläger sich nach oben und unten bewegen und und Ball hin und her spielen. Pong, pong, pong. hin zu wirklich großen Abenteuern. Es ist ein ähnlicher Zeitraum. Es ist einfach nur faszinierend, wie sich so Medien entwickeln können. Und ich finde es toll, dass wir... das auch miterleben haben. Und dass wir es natürlich auch miterlebt haben, wie sich das mit den Smartphones entwickelt hat, was ja auch in kurzer Zeit war. Und wenn ich davon ausgehe, dass wir da eben noch... nicht so alt sind, werden wir hoffentlich noch ein oder zwei andere Sachen in dieser Richtung miterleben.
Johannes Franke: Ich finde es sehr gespannt. Am liebsten würde ich natürlich miterleben, wie die Leute es schaffen, unsere Lebenszeit noch etwas zu verlängern.
Florian Bayer: Das wäre toll. Liebe Wissenschaftlerinnen, die zuhören. Meine Zeit läuft, bitte kümmert euch. Bevor ich im Grab bin, bitte. Wäre das nicht ärgerlich, oder? Stell dir mal vor, so zehn Jahre später. Und dann denken die zukünftigen Generationen, ach ... Diese armen Leute, und die sind echt alle gestorben? Ja, genau.
Johannes Franke: Ja, und ich denke dann irgendwie auch an die ganzen Leute wie Einstein oder wie Stephen Hawking. Das ist so traurig. Und du hast es jetzt geschafft, die Leute immer noch weiter älter werden zu lassen und die früheren Generationen haben alle irgendwie so ein bisschen, naja... Obwohl Leonardo da Vinci ist recht alt geworden.
Florian Bayer: Aber ich glaube auch, es ist vielleicht gar nicht so relevant, weil, ich weiß nicht mehr, wo ich das gelesen habe, es ging darum, wie die Menschen, was die Menschen für ein Gefühl von... für eine Beziehung zum Thema Leben haben und zum Thema Sterblichkeit und Unsterblichkeit und Menschen können sich Das war so die Quintessenz von diesem Text. Menschen fällt es schwer, sich ein Weiterleben ohne individuelle Wahrnehmung vorzustellen. Aber eigentlich gibt es natürlich auch eine... Form von Weiterleben, das außerhalb von der individuellen Wahrnehmung existiert. Und das ist ja das, was wir hier gerade machen, dass wir hier sehen, Erlebnisse aus einer Zeit, die irgendwie weitergetragen wurden in so einer Art kulturellem Gedächtnis.
Johannes Franke: Aber davon habe ich nichts. Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Das stimmt. Wenn man es egomanisch denkt, auf jeden Fall. Ich bin auch voll bei dir. Leute, macht was. Liebe Wissenschaftler, wir sind keine Biologen. Wir kennen uns damit nicht aus. Macht bitte was. Helft uns, wir sterben. Ich werde 40 leichter. geil. Herzlich willkommen zur Lamoyance im Sommer noch. Hören Sie Enddreißiger, wie Sie über Ihre verpassten Chancen weinen. Geil. Wie sie ihr Leben noch einmal Revue passieren lassen und denken, oh shit, jetzt aber mal schnell. Wie alt war Beethoven, als er die neunte komponierte?
Johannes Franke: Ah, fuck, nein.
Florian Bayer: Hör auf. Der konnte seinen Namen noch nicht googeln. Okay, vielleicht zum Abschluss dieser Folge, bevor wir uns auf die Lamoyans-Folge stürzen. Ja. Wir haben es geschafft, und ich bin sehr stolz auf uns, die Frühzeit des Filmes zu behandeln, ohne die größte Urban Legend der Filmgeschichte zu erwähnen.
Johannes Franke: Oh ja, ich bin auch stolz davon. Das habe ich gar nicht mehr daran gedacht, aber ja, natürlich.
Florian Bayer: 1895.
Johannes Franke: 1895.
Florian Bayer: Kein Mensch ist schreiend weggerannt. Kein Mensch. Und das ist auch nicht der erste Film der Filmgeschichte.
Johannes Franke: als der Zug in den Bahnhof einfuhr. Und das ist ja nicht mal ein Film, ihr müsst euch den mal trotzdem anschauen. Es heißt... dass angeblich bei der ersten Vorführung des Films der Zug fährt in den Bahnhof ein, die Leute schreiend rausgerannt sind. Das stimmt so nicht. Vor allem, weil der Zug ja nicht auf den Zuschauer zurollt, sondern am Bild vorbei. Also das Bild ist ja so schräg gestellt und nicht so vorgelegt. Frontal. Der Zug fährt ja nicht auf die Kamera zu. Aber es scheint wohl so zu sein, dass es eine 3D-Vorführung davon gab, weil 3D ist tatsächlich auch schon sehr alt. Da könnte man auch eine eigene Folge drüber machen.
Florian Bayer: Oh ja, 3D-Filme.
Johannes Franke: Damals in den 20ern gab es eine 3D-Verführung dieses Films und da müssen Leute dann doch... Schwierigkeiten mitgehabt haben.
Florian Bayer: Aha, interessant.
Johannes Franke: Also entweder kommt sozusagen diese Urban Legend daher oder sie kommt einfach aus marketingtechnischen... Erwägungen.
Florian Bayer: Das sind die Lumiers, die hatten es drauf mit dem Marketing. Also es ist natürlich, die Lumier-Technik war... den Skladanowski-Techniken weit überlegen. Und die Lumières haben wirklich tolle Filme gezeigt. Aber die Lumières waren auch Marketinggenies. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie auch so ein bisschen diese Legende in die Welt gesetzt haben. 1895 wurde der Film gezeigt, er hat einfach zu den frühen Lumière-Programmen gehört, deswegen wird er auch gerne als erster Film zitiert. Und diese Geschichte ist natürlich auch einfach zu schön, dass Menschen einen Zug auf der Leinwand sehen und tierisch Angst bekommen und dann rausrennen. 1895, eine Minute dauert er und er heißt L'Arrivée d'un Train en Gare de la Ciutat. Schaut ihn euch an. Er ist nicht der erste Film der Filmgeschichte und er ist auch mit Sicherheit nicht der beste Film von diesen frühen 1895er Filmen. Da gibt es faszinierendere. Ja. Aber er wird spannend durch die Geschichte, die um ihn herum gesponnen wird. Sehr süß, ja. Das ist vielleicht alles, was wir zu diesem Film sagen müssen.
Johannes Franke: Und ich möchte gerne noch, was ich wieder nicht geschafft habe unterzubringen und zwar es gibt einen Ottmar Anschütz. Bist du auf diesen gestoßen in der Recherche? Ottmar Anschütz, der ist nämlich in Deutschland das Pendant gewesen derer, die diese Serienfotos gemacht haben. Der wurde beauftragt vom preußischen Kriegsministerium, Chronofotografien zu machen von Reitern und Pferden des Militärischen Reitinstituts in Hannover. Und da hat er 24 elektrisch miteinander verbundene Kameras aufgestellt.
Florian Bayer: Déjà vu.
Johannes Franke: Déjà vu, das kennen wir doch irgendwoher. Ja. Genau. Und hat das dann auch diese Serienfotos gemacht.
Florian Bayer: 1886? Genau. Dann, ähm...
Johannes Franke: Und der fällt hinten immer runter, aber den möchte ich eigentlich gerne mit in die Annalen eingehen lassen, mal so... Ja, der hat sich halt auch viel Arbeit ins Bein gebunden. Der war eigentlich Fotograf. Und hat dann angefangen mit diesen Serienfotos und war wirklich ein sehr heller und sehr erfindungsreicher Typ.
Florian Bayer: Das Problem bei Kulturgeschichte ist ja immer, sie wird sehr eng kanonisiert ab einem gewissen Punkt. Das heißt, es wird zahllose Menschen geben. Zahllose Filme, zahllose Ideen, die die Entwicklung des Films vorangebracht haben, die einfach jetzt bei uns und auch in allen anderen Ausführungen sind. unter den Tisch fallen. Da kommen wir einfach nicht drum herum. Und deswegen... Vielleicht so ein kleiner Hinweis an alle, die zuhören. Wir haben Filme ausgesucht, die uns besonders begeistert haben. Natürlich auch Filme, die wir für relevant halten. Wir werden ganz viel übersehen haben und wir freuen uns auch, wie immer, wenn ihr uns Filmideen schickt und wenn ihr sagt, hey, und da gab es noch einen schönen Film aus der Zeit. können wir auch durchaus gerade so mal so einen Einminüter oder auch 30 Sekunden da einzuwerfen in einer Episode und zu sagen, hey, uns wurde von ... einer Zuhörerin, einem Zuhörer dieser Film geschickt. Den wollen wir euch noch kurz vorstellen. Guckt ihn euch an. Wir freuen uns darüber, auf jeden Fall. Auf jeden Fall. Und es ist klar, es ist ein Kanon, was wir hier machen. Wir haben hier jetzt irgendwie so unseren Early-Movie-History-Kanon gebaut. Der ist unvollständig. Der wird nicht vollständig werden.
Johannes Franke: auch nur unvollständig sein, weil allein wie viele tausend Filme unter Siemens entstanden sind. Also wirklich. Und was, also was, habe ich Siemens gesagt?
Florian Bayer: Ja, du hast Siemens gesagt.
Johannes Franke: Unter wie viele tausende Filme bei Addison entstanden sind. Und wie viele bei den Lymers entstanden sind.
Florian Bayer: Wie viele Filme verloren gegangen sind.
Johannes Franke: Oh, wir müssen über Miliès nochmal reden. Der hat ja... der hat ganz große Teile seiner eigenen Filme verbrannt. und weiterverkauft als Material und Zeug und hatte dann irgendwelche Rechtsschreiz noch mit irgendwelchen anderen Leuten. Es sind alles so... Tragische Geschichten dabei.
Florian Bayer: Ähnlich wie Benni Skladanowskis, es hat Ad Limier eine sehr tragische Geschichte, was auch so den Umgang mit seiner Kunst betrifft, die dann irgendwie... Und dann später halt tatsächlich nur noch Materialramsch war, den er gebraucht hat, um zu überleben.
Johannes Franke: Und es ist schon wirklich traurig, wie viel davon am Ende nur noch übrig bleibt. Und was eigentlich alles an Schatz noch existieren könnte.
Florian Bayer: Ja. Vielleicht verabschieden wir uns mit einem Lächeln und vielleicht auch einer kleinen Träne für die Filmgeschichte.
Johannes Franke: Ja, ich bin sehr froh um den Erfindergeist des Menschen in die Richtung. Das ist... Es hat mein Leben auf jeden Fall in die richtige Richtung gebracht. Ich weiß nicht, was ich gemacht hätte. sicher irgendwas im darstellenden Bereich, aber Film ist wirklich ein ganz großes Herz für Film.
Florian Bayer: Johannes, vielen Dank, dass du mich auf diese Zeitreise begleitet hast. Vielen Dank, dass du dabei warst.
Johannes Franke: Wirklich, es hat sehr viel Spaß gemacht, da nochmal drin rumzupoolen.
Florian Bayer: Bleibt kurz dran, wenn ihr wissen wollt, was wir nächste Woche machen in unserer zweiten Sommerloch-Episode. Und... Ja, bis dahin. Vielen Dank fürs Zuhören. Vielen Dank dir, Johannes.
Johannes Franke: Schönen Urlaub euch. Und bis zum nächsten Mal.
Florian Bayer: Bis dann. Ciao. Ciao. Johannes, was hast du nächste Woche für einen Film für mich?
Johannes Franke: Ich habe keine Zeit. Ich kann keinen Film gucken. Es funktioniert leider nicht. Gott sei Dank. Du nämlich auch nicht.
Florian Bayer: Nächste Woche, Leute, gibt es nochmal eine Füller-Episode. Und zwar eine wirkliche Fülle Episode. Wir werden nämlich einfach mal einen Lava-Podcast machen.
Johannes Franke: Es ist ja so, wir haben uns nie so richtig vorgestellt.
Florian Bayer: Das werden wir auch nächste Woche nicht machen.
Johannes Franke: Also ich habe vor, streng vor, dass ihr irgendwie ein Bild davon bekommt, wie wir eigentlich sind. Ich habe vor Plor so ein paar Faktoren.
Florian Bayer: Habe ich neulich im Fernsehen gesehen.
Johannes Franke: Das war ein tolles Konzept.
Florian Bayer: Nennt man Interview.
Johannes Franke: Ja, Stephen Colbert hat so ein Questionnaire. Das sind so ein paar Fragen, die er allen Gästen stellt. Und ich fand es ganz nice. Ich habe die Fragen, die werde ich wahrscheinlich austauschen. Aber so in der Richtung. Und dann reden wir einfach so ein bisschen über uns und was wir so machen und warum wir so sind, wie wir sind.
Florian Bayer: oder? Ja, ganz kurz, Stephen Colbert, dieses Questionnaire, ist das das Ding, wo sie, oder war das nur einmalig, wo sie in dieser Kiste sind? Achso, nein. Das war nämlich toll.
Johannes Franke: Das war toll. Aber das ist nicht das.
Florian Bayer: Vor allem in der Episode mit Conan O'Brien.
Johannes Franke: Ach du Scheiße, ja.
Florian Bayer: Und dann fragt Steven Colbert, was wichtig ist für seine Late-Night-Show. Und dann sagt Conan O'Brien, meine Gäste nicht zu erniedrigen.
Johannes Franke: Schön. Oh, Conan O'Brien, der ist großartig. Ich höre seinen Podcast die ganze Zeit an.
Florian Bayer: Conan O'Brien ist ja jetzt vorbei. Die letzten Minuten seiner Late-Night-Show sind gelaufen.
Johannes Franke: Habe ich nicht gesehen bis jetzt, aber...
Florian Bayer: Es ist mit einem Lächeln in deiner Träne. Wie unsere Episode hier. Nur ein bisschen dramatischer, weil ich meine, der hat echt lange Fernsehen gemacht und Eine wichtige Figur der amerikanischen Late-Night-Szene.
Johannes Franke: Ja, absolut.
Florian Bayer: Wahrscheinlich sogar die wichtigste nach David Letterman.
Johannes Franke: Aber der macht schon noch was irgendwie danach, ne? Ja.
Florian Bayer: Ja, niemand, der in den Ruhestand geht. Okay, nächste Woche. Keine Filme. Ihr lernt uns kennen. Wir labern einfach ein bisschen. Wir werden über, keine Ahnung. Wir werden wahrscheinlich ein bisschen auch über Filme reden, die wir gerade geguckt haben. Wir werden vielleicht... kurz ein bisschen was Persönliches sagen, was wir arbeiten. Wir werden uns da irgendwie durchhangeln, gemeinsam. Und es wird auch nicht so eine lange Episode und danach Gibt's aber wieder eine richtige Episode.
Johannes Franke: Sehr schön. So, und wenn euch das überhaupt nicht interessiert, wer wir sind ... Dann überspringt sie einfach.
Florian Bayer: Also ihr wisst, worauf ihr euch einlasst. Wenn ihr nur hören wollt, wie wir über Filme reden... Ich kann es total gut nachvollziehen. Ich glaube, wenn ich einem Filmpodcast folgen würde und dann würde so eine Laber-Episode zur als Lückenbüßer reinkommen, würde ich auch überlegen, ob ich skippe nach 5 Minuten.
Johannes Franke: Nein, wir haben das jetzt ganz falsch angekündigt. Aufgrund zahlreicher Mails, die uns erreicht haben, die uns die ganze Zeit fragen, wer seid ihr denn, was wollt ihr vom Leben und warum seid ihr so, wie ihr seid, haben wir uns jetzt schweren Herzens überlegt. wir werden doch mal ein bisschen was über uns erzählen.
Florian Bayer: Aber weil wir keine Zuschauer-Publikumsfragen beantworten wollen, gibt es keine Zuschauer. Warum sage ich immer Zuschauer oder Zuschauer? Zuschauer ist noch schlimmer als Zuschauerin, weil es noch nicht mal gegendert ist. Aber ich sollte mir angewöhnen, dass es Zuhörerinnen sind.
Johannes Franke: Ja. Es sind ZuhörerInnen.
Florian Bayer: Und ich sollte noch an meinem Klotal-Laut arbeiten. Nächste Woche, wir machen keinen Frequently Asked Questions, sondern wir stellen uns einfach Fragen.
Johannes Franke: Flo, ich kenne dich so schlecht.
Florian Bayer: Wir reden ins Nichts hinein.
Johannes Franke: dann erstmal viel Spaß im Urlaub oder wo auch immer und wir sehen uns nächste Woche.
Florian Bayer: Bis dann. Ciao.
Johannes Franke: sehen uns nächste Woche.
Florian Bayer: Ja, genau.
Johannes Franke: Verdammt.
