Episode 36: Blue Movie aka Fuck (Andy Warhol Porno), Only Lovers Left Alive
In dieser Episode wird es romantisch… kind of. Wir sprechen zum ersten Mal in der Geschichte des Podcasts über einen echten Porno. Blue Movie von Andy Warhol aus dem Jahr 1969. Und wir widmen uns einer stylischen Vampirromanze, Jim Jarmuschs Only Lovers Left Alive aus dem Jahr 2013. Es wird also viel geredet, geliebt und über Sex nachgedacht.
Passend dazu gibt es eine Top 3 zum Thema unsimulierter Sex in der Filmgeschichte und zu unsterblichen cineastischen Figuren.
Blue Movie [Andy Warhol]
(USA 1969)
Also dann… es führt kein Weg dran vorbei, da müssen wir gemeinsam durch. Wer noch nie von Andy Warhol gehört hat, hat sollte dringend an seinem Wissen zur Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts arbeiten. Aber stellen wir uns ganz kurz naiv. Wer ist dieser Andy Warhol? Ohne jeden Zweifel einer der wichtigsten Künstler der Postmoderne. Der Erfinder der Pop-Art. Raffinierter Ironiker. Schillernder Selbstdarsteller. Schüchternes Mysterium. Party- und Lebemensch. Und vor allem DER Kurator experimenteller und progressiver Kunst in den 60er und 70er Jahren. Sowohl Gegner als auch Triebfeder der Kommerzialisierung des gesamten Kunst- und Kulturbetriebs im letzten Jahrhundert. Achja… und Andy Warhol hat natürlich auch Filme gedreht. Wenn auch nur für einen überschaubaren Zeitraum, von den frühen 60er bis in die frühen 70er Jahre, dafür aber mit einem nicht zu leugnenden Impact auf die experimentelle Kinowelt.
Blue Movie aus dem Jahr 1969 gehört zu seinen bekanntesten Filmen, die in jener Zeit entstanden sind. Nachdem er in Werken wie Sleep den Schlaf oder Eat das Essen eines Pilzes dokumentiert hatte, war nun der Sex an der Reihe. Und so setzte er seine Stars Viva und Louis Waldon auf ein Bett und ließ sie machen. Viel mehr gibt es zu der frei improvisierten Handlung dann auch nicht zu erzählen. Es wird geredet, es wird geschäkert, und es wird kopuliert, unsimuliert und ohne jeden Filter. Fuck ist der Alternativtitel des Films, und auch wenn der eigentliche Verkehr nur knapp zehn Minuten der insgesamt zwei Stunden einnimmt, wurde er für diesen berühmt; sorgte für eine Menge Kontroversen und läutete en passant das Golden Age of Porn ein.
So gesehen ist der Kontext, die Zeit seines Entstehens, sein kultureller Hintergrund, seine Veröffentlichung und Rezeption wahrscheinlich ungemein spannender als der Inhalt dieses doch sehr trivialen, wenig künstlerischen Streifens, über dessen Filmigkeit man durchaus auch streiten kann. Oder was denkst du Johannes?
Only Lovers Left Alive [Jim Jarmusch]
(USA 2013)
Jim Jarmuschs Only Lovers Left Alive erstaunt mich immer wieder. Ich vergesse immer wieder dass der Film von 2013 und nicht 1973 ist, bin jedesmal überrascht Tom Hiddleston zu sehen der auch damals schon Loki war und freue mich über den analogen Charme die dieser digital gedrehte Film versprüht.
Es geht um ein Vampir-Paar, das… uhmm… naja… also das… hier komm ich schon ins straucheln, denn wenn man einen Plot sucht, wird man Schwierigkeiten haben einen richtigen zu finden. Es ist ein ruhiger Film, ein kraftvoller Film, um das ewige Leben und was man damit anfängt, aber das fast nur nebensächlich, implizit, denn Hauptsächlich um die Leidenschaft zu Kunst und Kultur, und natürlich… die ewige Liebe. Hachja.
Die Liebe, die Liebe. Während dein Take, Plor, auf die Liebe, sehr geschwätziger Sex zu sein scheint, ist meiner sehr viel epischer. Und schweigsamer. Und ruhiger, gesetzter, Leidenschaftlicher? Erwachsener? Was meinst du?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 36: Blue Movie aka Fuck (Andy Warhol Porno), Only Lovers Left Alive Publishing Date: 2021-09-08T22:39:37+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/09/08/episode-36-blue-movie-aka-fuck-andy-warhol-porno-only-lovers-left-alive/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast? Nein, eigentlich nicht, aber ich. Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können. Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee. Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeige dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest. Das heißt so Musicals aus den 50ern? Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme?
Florian Bayer: Mit russischen Untertiteln, von mir, für dich. Oh Gott, okay. Aber du weißt, dass das für Menge Streit sorgen kann.
Johannes Franke: Äh, definitiv, das wird lustig. Mama, bitte, diese Episode ist nichts für dich. Ich schalte einfach weiter in die nächste Episode oder die davor. Ich werde jetzt ganz lange und ganz viel mit Plur über Pornografie reden und über Sex und so. Also, ähm, ich, im Sinne unserer, du weißt schon, schalt ab.
Florian Bayer: Bela, wenn du das hörst, der Grund, dass dein Papa heute nicht mit dir zum Kindertheater gegangen ist, ist der, dass er mit einem anderen fast 40-Jährigen über Pornos reden muss. Aua, aua, aua, aua. Und es ist sogar wahr und noch viel schlimmer, liebe Silvleys, wenn ihr das hört, der Grund, dass ihr heute keinen lachenden, jonglierenden Fuchs auf der Bühne habt.
Johannes Franke: Ich bin eigentlich heute fürs Kindertheater eingeteilt, aber es übernimmt jemand anders, weil ich mit einem anderen fast 40-jährigen Mann über Pornografie reden muss. Herzlich willkommen. Herzlich willkommen zu unserem Podcast, muss man sehen, wo wir den jeweils anderen Filme aufgeben als Hausaufgaben, von denen wir wissen, dass er den anderen vielleicht noch nicht, also dass er ihn noch nicht kennt oder dass er ihn vielleicht gar nicht so sehr mag, das Genre oder sowas. Und wir hoffen, den Horizont des anderen zu erweitern. Ja, und diese Woche habe ich, Johannes, ein Porno aufgegeben. Also nicht, dass Pornografie mir ein völlig neues Genre wäre, aber dieser Film ist halt aus einer Zeit, wo ich Quark im Schaufenster war und bei Pornografie geht man selten in die Geschichte.
Florian Bayer: Eine eigene Kategorie bei X-Hamsters und Pornhub und wie sie alle heißen, Vintage. Vintage-Porn ist ein Ding. Und das wirklich Gruselige ist, in der Vintage-Porn-Section von diesen Seiten werden Filme gezeigt, die ich mir damals als Jugendlicher heimlich angeguckt habe mit Freunden. Das ist Vintage heutzutage, 90er-Jahre-Pornos. Aber wir sind viel mehr Vintage und viel mehr Retro, wir gehen nämlich rein in die 60er-Jahre. Wir gucken uns den ersten großen Porno-Hit an, wenn man so will.
Johannes Franke: Und danach, also jetzt haben wir das irgendwie festgelegt, oder, Ploa? Wir waren nicht so sicher vorher, welche Reihenfolge wir machen, aber ich nehme an, wir gucken uns erst den Porno an und dann geht es wieder kulturell aufwärts.
Florian Bayer: Nachdem wir lang und breit über Pornografie geredet haben, reden wir über... Only Lovers Left Alive von Jim Jarmusch. Auf jeden Fall haben wir zwei Filme aus dem Independent-Bereich. Das stimmt, ja. Aber sehr unterschiedlicher Independent-Bereich. Und ich würde behaupten, auch qualitativ und auch was das Zielpublikum betrifft, sehr unterschiedlicher Independent-Bereich.
Johannes Franke: Ja, ich bin gespannt, in welche Richtung du das siehst. Okay, gut, dann lass uns doch anfangen mit, wie heißt es, The Blue Movie? Ja. Von Andy Warhol, Ploa, für uns mal ein... Oh nein, nie war dieser Satz so trifft. Oh mein Gott. Kein Weg dran vorbei.
Florian Bayer: Wir werden ganz viele 16-Jährige Witze machen. Ja, unser pubertäres Ich wird jetzt so reanimiert. Ach du Scheiße. Also dann, da müssen wir wohl gemeinsam durch. Wer noch nie von Andy Warhol gehört hat, sollte dringend an seinem Wissen zur Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts arbeiten. Aber stellen wir uns ganz kurz naiv. Wer ist dieser Andy Warhol? Ohne jeden Zweifel einer der wichtigsten Künstler der Postmoderne. Der Erfinder der Popart. Raffinierter Ironiker, schillernder Selbstdarsteller, schüchternes Mysterium, Party- und Lebemensch und vor allem der Kurator experimenteller und progressiver Kunst in den 60er und 70er Jahren. Sowohl Gegner als auch Triebfeder der Kommerzialisierung des gesamten Kunst- und Kulturbetriebs im letzten Jahrhundert. Ach ja. Und Andy Warhol hat natürlich auch Filme gedreht. Wenn auch nur für einen überschaubaren Zeitraum von den frühen 60er bis in die frühen 70er Jahre, dafür aber mit einem nicht zu leugnenden Impact auf die experimentelle Kinowelt. Blue Movie aus dem Jahr 1969 gehört zu seinen bekanntesten Filmen, die in jener Zeit entstanden sind. Nachdem er in Werken wie Sleep den Schlaf oder Eat das Essen eines Pilzes dokumentiert hatte, war nun der Sex an der Reihe. Und so setzte er seine Stars Viva und Louis Walden auf ein Bett und ließ sie machen. Viel mehr gibt es zu der frei improvisierten Handlung dann auch nicht zu erzählen. Es wird geredet, es wird geschäkert und es wird korpoliert. Unsimuliert und ohne jeden Filter. Fuck ist der Alternativtitel des Films. Und auch wenn der eigentliche Verkehr nur knapp 10 Minuten, der insgesamt 2 Stunden einnimmt, wurde er für diesen berühmt. Sorgte für eine Menge Kontroversen und läutete en passant das Golden Age of Porn ein. So gesehen ist der Kontext, die Zeit seines Entstehens, sein kultureller Hintergrund, seine Veröffentlichung und Rezeption wahrscheinlich ungemein spannender als der Inhalt dieses dann doch sehr trivialen, wenig künstlerischen Streifens, über dessen Filmigkeit man durchaus auch streiten kann. Oder? Was denkst du, Johannes? Lass uns streiten kommen. Das Traurige ist ja, ich werde wahrscheinlich bei dir sein. Ja, wahrscheinlich. Ist es ein Film?
Johannes Franke: Es ist rein physikalisch, würde ich sagen, es ist ein Film. Auch rein physikalisch gesprochen ist es noch dazu ein schlechter Film, weil er noch nicht mal den richtigen Film in die Kamera eingelegt hat. Ja. Was immerhin für den Titel verantwortlich ist.
Florian Bayer: Willst du das gleich als Technikexperte von uns beiden, willst du das kurz reinwerfen, was da passiert ist? Es ist so doof.
Johannes Franke: Andy Warhol denkt sich, ich muss auch einen Film machen und macht natürlich auch alles falsch, weil er keine Ahnung hat. Natürlich hat er keine Ahnung, er ist kein Filmemacher. Und dann besorgt er sich in die Kamera, stellt sie hin und legt einen Film ein. Also wir sind im analogen Zeitalter, ne? Das heißt, er legt einen Film ein, der eigentlich für Nachtaufnahmen gedacht ist, was völlig bescheuert ist. Und dann kommt das ganze Licht von draußen durchs Fenster rein und natürlich ist alles dann blau eingefärbt. Wenn man heute mit digitalen Sachen reden würde, dann würde man der Kamera sagen, welches Licht als weiß definiert werden soll. Tageslicht ist blauer als zum Beispiel meine Lampen, die ich zu Hause anmache. Kerzenlicht ist viel gelber als draußen, wenn Tageslicht ist. Und wenn ich das in einer Kamera nicht richtig einstelle, dann ist unter Umständen der ganze Film blau.
Florian Bayer: Es ist ja das gesamte technische Herangehen an diesen Filmen. Ja. Es ist ja wenig von der klassischen Filmliebhaberei, von der Akribie, die man an guten Regisseuren oder Regisseurinnen schätzt, geprägt. Es ist alles überbelichtet. Es ist alles überbelichtet. Wir haben eine wirklich katastrophale Kartrage. Also wir haben ein 4 zu 3 Bild, wo die Köpfe immer falsch angeschnitten sind. Es gibt auch wenige. Es gibt zwar tatsächlich Schnitte, es gibt auch Nahaufnahmen, aber relativ wenige. Eine wirklich lange Szenen dauert 30 Minuten, wo einfach nur die Kamera drauf hält. Und obwohl es diese Schnitte gibt, also das Material, was er gedreht hat, war ein bisschen länger als das, was er nachher gefilmt hat, aber auch nicht viel. Also er hat so 20 Minuten, eine halbe Stunde ungefähr rausgeschnitten. Es gibt diese Schnitte, aber eigentlich ist es ein Raum, ein Bett, eine Kamera, die drauf hält, zwei Leute, die im Bett liegen und die sich miteinander unterhalten und die dann halt irgendwann auch Sex haben.
Johannes Franke: Ja. Und irgendwie hat man von Anfang an das Gefühl, Moment, habe ich die richtige Version im Internet angeklickt? Weil da ist ja nur so ein Ausschnitt vom Ganzen zu sehen. Und dann merkt man aber, nee, das ist irgendwie alles, also Absicht will ich nicht unterstellen, aber es ist einfach Andy Warhol, der einfach raufhält und sagt, mal gucken, was dabei rauskommt.
Florian Bayer: Das war tatsächlich Andy Warhols Zugang zum Film und Experimentieren mit Filmen. Er hat ja in den, Anfang der 60er hat er ja, hat er ja mit diesen Factory-Arbeiten angefangen, als er sich diese Fabrikgebäude gemietet hat. Ja. Und dann gesagt hat, das ist jetzt die Factory und da gehen Künstler ein und aus und Künstlerinnen und da machen wir irgendwie Kunst und da entstehen Dinge. Und es war halt, wie das in den 60ern war zu dieser Zeit, es war halt wirklich Chaos, es war eine Kommune, irgendwie sowas dazwischen. Also Warhol war wohl durchaus auch ein Control-Freak, aber der hat Menschen einfach machen lassen und Menschen ein- und ausgehen lassen. Und dann hat er halt irgendwann die Kamera für sich entdeckt und hat gesagt, geil, mit der Kamera kann man ja auch was machen. Und das Erste, was er gemacht hat, ist, er hat diese Screen-Tests gemacht. Da hat er eine Kamera aufgestellt und hat Leute auf Stühle gesetzt und die drei Minuten gefilmt und die sollten halt irgendwas machen. Und alle, die da ein- und ausgegangen sind. Das klingt wie 1895.
Johannes Franke: 1895 ist das erste Mal eine Kamera überhaupt gebaut. Mal gucken, was damit möglich ist.
Florian Bayer: Actualities. Er hat die Leute da vorgesetzt und dann haben einige von den SchauspielerInnen natürlich so Performance gemacht, haben versucht irgendwie was zu bringen. Jemand anderes ist einfach aufgestanden und gegangen. Manche haben einfach awkward vor der Kamera gesetzt. Es gibt wohl eine Person, die auch in Tränen ausgebrochen ist. Es war einfach ein bizarres Spielen. Das war Anfang der 60er Jahre. Und Andy Warhol hat Film immer als Verlängerung von seinem künstlerischen Arm verstanden und als Verlängerung des Experiments. Ich habe gesagt beim Outro vom letzten Mal, dass ich dir den Andy-Warhol-Film gebe, der wahrscheinlich noch am ehesten zu konsumieren ist. Stimmt. Oh mein Gott. Um vielleicht mal kurz historisch einzutauchen, was Warhol in dieser Zeit gefilmt hat. Sleep. 311 Minuten. Der Autor John Giorno, während er schläft. Kein Schnitt. Eine Perspektive. Wir sehen einen schlafenden Mann. 311 Minuten. Er hat das leicht zu konsumieren im Vergleich zu Empire aus dem Jahre 1964. 485 Minuten. Acht Stunden. Schwarz-Weiß. Stumm. Wir sehen die Spitze und die oberen Etagen des Empire States Buildings. Und das war in 24 Frames per Second gefilmt und wurde dann aber in 16 ausgestrahlt, damit es ein bisschen länger noch dauert. Nein. Wurde allgemein als unsehbar klassifiziert. Wir sehen halt einfach, dass ein paar State Building da stehen und es wird langsam Abend und es wird langsam Nacht. Okay. Und sonst passiert nichts. Und tatsächlich, wenn man sich den Ausschnitt anschaut, ich habe den Film nicht geguckt, ich habe wieder davon gesehen, dann denkt man auch, ja, es ist jetzt auch nicht so ästhetisch der schönste Ausschnitt. Wir sehen halt nur so diese Spitze und ein paar Bürofenster. Es wirkt so wie nichts Halbes und nichts Ganzes. Eid, er ist auf kürzere Filme umgeschwenkt, dann 45 Minuten aus dem Jahr 1945, 1964. Die sind alle im selben Zeitraum entstanden. Und bei Eid sieht man Robert Indiana beim Essen eines Pilzes. Das war's. Okay. Und dann gab es auch tatsächlich diese ersten Sex-Film-Geschichten, wo er eine Couch gezeigt hat. Couch 1966. Eine Stunde Ringelpilz mit anfassen mit diversen Leuten, die halt auf der Couch sich vergnügen und wohl auch miteinander Sex haben. Der einzige wirkliche Film, der in der Zeit entstanden ist, den man als Spielfilm bezeichnen könnte, wovon ich auch nur Ausschnitte gesehen habe, der auch komplett durchgefallen ist bei der Kritik, war Chelsea Girls. Es gab ja dieses Chelsea Hotels, Hotel. Das war der Ort, wo die Stars gelebt haben dann. Da sind die ganzen Stars ein- und ausgegangen, die auch in der Factory von Warhol waren. Und der ist aus dem Jahr 1966 und da hat er quasi eine Art fiktive Doku gemacht. Drei Stunden lang dauert der Film und immer mit Splitscreen und Frauen werden porträtiert und reden aus ihrem Leben und wir sehen einzelne Szenen und meistens ein Splitscreen mit zwei Bildern, die parallel ablaufen. Und wir hören halt diesen Monolog und die Gedankengänge und sehen gleichzeitig eigentlich auch total triviale Alltagsaufnahmen. Aber das war es eigentlich. Warhols Filme waren immer irgendwie Trivialitäten, waren immer Alltag und waren immer Experimenten nach der Form, wir halten mal die Kamera drauf. Er hat das einmal versucht zu brechen mit Lonesome Cowboys, das war aus dem Jahr 1968 und das war so der Versuch einer Westernparodie und der ist komplett gefloppt. Das hat überhaupt nicht funktioniert. Und dann, das war dann, eigentlich sind wir jetzt schon am Ende seiner filmischen Laufbahn, weil er hat dann 1968 hat er eben auch diesen Blue Movie gedreht. Und das war aber auch die Zeit, wo er mehr und mehr seinen Mitarbeiter und Künstlerfreund Paul Morris sie hinter die Kamera gesteckt hat und der hat dann Regie übernommen und Warhol war eigentlich nur der Produzent und hat seinen Namen hergehalten. Es gibt diese Trash-Filme aus den 70er Jahren, so Andy Warhols Frankenstein oder Andy Warhols Dracula. Diese Titel hat jeder schon mal gesehen, der in der Videothek war und da in der Billow-Ecke, wo so die Trash- und Exploitation-Sachen stehen und damit hatte Andy Warhol nicht mehr viel zu tun, außer dass sein Name halt dafür herhielt und dass Paul Morris sie versucht hat, so ein bisschen Exploitation zu mischen mit dem künstlerischen Gedanken von Warhol. Das sind dann auch so sehr, sehr schräge und kaputte Filme, aber die sind deutlich filmischer, die sind deutlich an diesem Exploitation der damaligen Zeit dran. Ein trauriger Grund dafür, dass er mit dem Film aufgehört hat, ist tatsächlich, dass 1968, als er Blue Movie hergestellt hat, gab es das Attentat auf ihn von Valerie Solanas, die einen persönlichen Beef mit ihm hatte, die war eigentlich quasi ein Star in seiner Factory.
Johannes Franke: Und war nicht die Hauptdarstellerin, wie war, auch gerade am Telefon, als das passierte?
Florian Bayer: Ja, kann ich jetzt gerade nicht sagen, weiß ich nicht genau.
Johannes Franke: Ich glaube, das war so, die war am Telefon, die haben gerade telefoniert und dann kam das zu diesem Schuss und ja.
Florian Bayer: Die Geschichte ist total absurd, diese Valerie Solanas war eine Künstlerin und die hat da ein Drehbuch geschrieben für ein Theaterstück und hat ihm das gegeben, weil sie unbedingt wollte, dass er das inszeniert. Und das ist auch ein Grund, warum diese Factory dann wahrscheinlich gescheitert ist. Das Ding ist verloren gegangen und sie war fest davon überzeugt, er klaut ihr Theaterstück. Und wahrscheinlich ist das Teil irgendwo zwischen Drogen und Sex in dieser Factory verloren gegangen, weil da ist es halt rumgeflogen, da ging es durch mehrere Hände. Und dann war sie sauer und dann hat sie sich von ihm ungerecht behandelt gefühlt, hat mehr Gage verlangt und hat ihn wohl auch etwas bedrängt dabei und dann hat er halt gesagt, du fliegst jetzt raus. Und dann ist sie aus der Factory rausgeflogen und das Chelsea Hotel hat sie dann auch rausgeworfen, weil das war halt einfach der Ort für die Warhol-Leute und da hatte sie da auch nichts mehr zu suchen. Und dann kam es eben zu diesem Attentat, wo sie drei Schüsse auf ihn abgefeuert hat. Und das wiederum hat dazu geführt, dass er deutlich verschlossener wurde und diesen ganzen Gedanken des offenen Ateliers hat fallen lassen, weil er einfach Angst um sein Leben hatte danach. Und die Factory wurde dann mehr und mehr zum Bürogebäude und Wall hat sich einfach mit anderen Sachen beschäftigt. Der ist dann so ein bisschen in sich gekehrter gewesen, was die Arbeit betrifft und hat sich gleichzeitig aber ins Partyleben gestürzt und war ja dann auch in diesem berühmten Club in Amerika zu der damaligen Zeit und hat gefeiert. Und hat aber nicht mehr diesen, er hat einfach nicht mehr diesen Ort hergegeben, wo jeder mal machen konnte und wo frei improvisiert wurde. Und deswegen ist Blue Movie auch so ein bisschen der Abschluss von einer Epoche, von diesen zehn Jahren, in denen Warhol extrem viel mit Filmen experimentiert hat. Und wie traurig ist das jetzt nun wirklich, dass er aufgehört hat mit Filmen? Ja, darüber kann man streiten, ne? Sag mal ganz kurz, Andy Warhol, was hältst du von Andy Warhol?
Johannes Franke: Ein abgefahrener Typ, ich finde, die Welt braucht ganz viele abgefahrene Typen, auf jeden Fall. Also es ist schon wichtig und gut, dass er auch die Chance hatte, viele Sachen zu machen. Hat ja auch großen Einfluss in viele Richtungen gehabt. Ich hätte diesen Film nicht gebraucht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also, um es mal ganz hart zu sagen. Wahrscheinlich die anderen Filme auch nicht.
Florian Bayer: Ja, mit Sicherheit. Also, ich glaube nicht, dass du Empire mehr genießen würdest als diesen Film. Und ich glaube auch nicht, dass du Sleep mehr genießen würdest als diesen Film. Ich habe mir überall, von allen diesen Warhol-Filmen, habe ich mir einfach mal Schnipsel angeguckt. Aber ich würde mich auch nie im Leben durch 400 Minuten quälen, wo jemand schläft oder wo ein Gebäude gezeigt wird und nichts passiert. Weil ich sehe da einfach nicht den Purpose. Ja. Ich bin auch, um das mal zu sagen, ich bin nicht der größte Warhol-Fan. Ich bin auch nicht der größte Pop-Art-Fan. Ich finde, also zum einen ist es einfach so, dass er mit seiner Kunstvorstellung so krass ironisiert hat. Also, eben diese Suppe malen oder diese Merlin-Monroe-Bilder, diese Siebdrucke, die er gemacht hat. Der hat so krass ironisiert, dass man bei ihm nie genau weiß, wo die Ironie aufhört und wo die Affirmation anfängt. Also, irgendwie ist diese Pop-Art, ist einfach, ja, du kannst sagen, die macht sich lustig über die Konsumgesellschaft und so weiter. Aber eigentlich ist sie auch ein Ausdruck und eine Ausgeburt der Konsumgesellschaft. Diese ganze Pop-Art.
Johannes Franke: Ja, aber da kommst du nicht drum rum am Ende, ne? Also, du beschäftigst dich damit und, ich weiß nicht, das gleiche Schicksal trifft ja jetzt Banksy gerade. Ja.
Florian Bayer: Aber Banksy finde ich zum Beispiel, das ist nämlich der zweite Punkt. Tatsächlich entsprechen die Bilder, die Warhol gemacht hat, auch einfach nicht mehr im Sinn für Ästhetik. Also, das, was Banksy macht, finde ich tatsächlich ganz einfach ästhetisch deutlich besser. Das entspricht einfach mehr meinem Sinn für Kunst. Ja. Und Banksy ist natürlich auch einfach direkter politisch. Das stimmt. Weil bei Warhol, wie gesagt, der ironisiert so weit, dass man die politischen Aussagen immer ein bisschen mit der Lupe suchen muss. Und dann fragt man sich am Schluss, oh, will er vielleicht nicht doch einfach nur hübsches, buntes Design machen?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Was ich aber an Warhol spannend finde wiederum ist, also, und. Dafür schätze ich ihn eben als Kurator und als Werkocher-Leg des Ausprobierens, eben, dass er diese Orte geschaffen hat, dass er sich mit ganz vielen KünstlerInnen zusammengeworfen hat, dass er geguckt hat, was die machen, dass er sich hat inspirieren lassen, dass er inspiriert hat. Und damit hat er natürlich einen ganz wichtigen Einfluss auf die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts. Ja, genau. Und ähnlich geht's mir auch mit diesem Film. Ich finde, also, es ist kein guter Film. Das ist noch nicht mal ein guter Porno. Das ist noch nicht mal ein guter Porno. Aber ich schätze diesen Film als was ausprobieren, was man zeigen kann, als Lostreten von was ist möglich, wie weit kann ich Pornografie, wie weit kann ich Sex, das, was in der Schmuddelecke stattfindet, in den Kunstbereich bringen und auch in den Mainstream bringen. Und ich schätze sehr, dass dieser Film eben auch die Filmgeschichte wirklich beeinflusst hat, eben dadurch, dass er diesen Pornoschick mit ausgelöst hat.
Johannes Franke: Was ich im Nachhinein ganz beeindruckend finde, dass das überhaupt passiert ist, weil ich gucke mir den Film an und bei mir hätte da gar nichts ausgelöst an irgendwelchen Bestrebungen, irgendwas mehr zu machen in die Richtung. Also, natürlich bin ich nicht aus der Zeit. Ich weiß nicht, wie das Klima damals war und was man machen konnte und was man nicht machen konnte. Also, ich weiß es theoretisch, aber praktisch kann ich nicht erfahren und nicht nachfüllen, wie genau der Impact dieses Films im Künstler, der das angeguckt hat, war und der sich dann gedacht hat, oh ja, ich muss jetzt auch unbedingt irgendwie freier mit sowas umgehen. Es geht natürlich auch in die politische, es passt ja nun genau in die Zeit, Ende der 60er, Anfang der 70er, da irgendwie, aber ich weiß nicht, irgendwie, dafür hat der Film auch zu wenig ausgelotet, was künstlerisch damit möglich ist. Es ist ja keine Kunst, er hat ja keine wirkliche Kunst draus gemacht. Es ist ja bloß, ich stelle die Kamera auf und die haben jetzt Sex und unterhalten sich und duschen nochmal und das.
Florian Bayer: Er stellt eigentlich Alltag dar und die Gespräche, es wird sehr gerne so betont, dass der Film natürlich ein politischer Film wäre, dass es gegen den Vietnamkrieg geht, dass es hier so ein Make-Love-Not-War-Ding ist und so weiter. Aber wenn man sich diesen Film anguckt, 90 Prozent der Gespräche, eigentlich 100 Prozent der Gespräche sind absolut Banalitäten und Trivialitäten.
Johannes Franke: Ja, und wenn man jetzt anfängt, daraus, habe ich auch gelesen, Andy Warhol hat es auch irgendwie, glaube ich, gesagt, dass er dann alternativen Titel gegen Vietnam für freie Liebe oder was, keine Ahnung. Das ist aber natürlich, das ist das, was man als Künstler versucht, wenn man irgendein Gemälde gemalt hat und dann sagt, so und jetzt erfinde ich einen Riesenpamphlet, das erklärt, warum das Bild so aussieht, wie es aussieht, damit alle nochmal sagen können, ah und oh, was der Künstler sich dabei gedacht hat. Was alles nicht stimmt. Weißt du? So, das versucht er mit diesem Film und es funktioniert nicht, weil der Film zu viel Preis gibt, was er eigentlich ist.
Florian Bayer: Ja, aber der Film, es ist ja tatsächlich, es ist ja wirklich eigentlich ein Banalitätenkabinett, was wir hier sehen. Absolut. Sie führen ja auch keine großen politischen Gespräche und wenn sie mal politisch werden, das gibt es tatsächlich, so nach einer Stunde wird ein bisschen politisch geredet, dann ist es ja auch unglaublich platt. Es ist jetzt nicht so, dass du das Gefühl hast, du wohnst hier einer großen Erkenntnis bei, sondern du hast halt einfach diesen Louis Walden, der anfängt über das Militär zu lästern. Und der sagt, er plädiert fürs Nichtwählen und man soll doch nicht wählen gehen und dann erzählen sie beide nochmal von ihrer konservativen Vergangenheit, dass sie beide nicht Kennedy gewählt haben und dann geht es auch schon wieder weiter mit Trivialitäten. Das sind so fünf Minuten, wo sie ein bisschen politisch reden und dann reden sie wieder über irgendwelchen Bullshit, der ihnen mal passiert ist, über irgendwelche Drogengeschichten. Ja, genau. Und es ist tatsächlich, es ist nichts, es ist nichts von Belang dabei, es ist nichts dabei, wo du denkst, wow, krass, jetzt werden meine Augen geöffnet, sondern du hast hier zwei Menschen aus diesem Kunstmilieu, die sich halt irgendwie austauschen und dann erzählen, dass sie, ob da Strichnin in ihren Drogen war oder er erzählt, dass er irgendwie, dass er mit irgendeinem Junkie geredet hat, der gesagt hat, dass er sich wieder den Krieg wünscht. Und sie beschwert sich über irgendwas, wo sie am Telefon rumgeschrien hat. Es ist so, es ist so banal, es ist so uninteressant. Ja. Es ist einfach, es ist tatsächlich langweilig, über das sie reden.
Johannes Franke: Weißt du, der poetischste Moment im ganzen Film ist, wenn das erste Mal der Ton wegbricht. Dann ist plötzlich so ein bisschen Stille und so ein bisschen Geknacke im Hintergrund, weil der Ton versucht irgendwas, keine Ahnung, weiß ich nicht genau, was das für ein Sound ist, aber irgendwas passiert da. Und dann ist nur noch das Bild. Und man sieht nur noch die beiden, wie sie da liegen und irgendwie sich wälzen oder was, keine Ahnung. Und das wird plötzlich, dadurch, dass die vorher so wahnsinnig geschwätzig sind und man sich die ganze Zeit denkt, Alter, hör auf, ich will nicht mehr. Oder wird das plötzlich so, ach, so ein Jungbrunnen, so eine Oase der Ruhe und der Besonnenheit. Und man denkt sich, ach, das ist eigentlich ganz poetisch.
Florian Bayer: Ich finde, der künstlerischste Moment ist, wenn die Klingel geht und dann Andy offensichtlich zur Tür geht und sie beide so ein bisschen unbeholfen in die Kamera gucken. Und dann fragen sie, was war da? Und dann ruft er so aus dem Hintergrund niemand. Und sie sagt auch nochmal, nee, da war niemand, alles gut. Und dann geht es halt weiter.
Johannes Franke: Ja, es ist echt, es passiert ein paar Mal, dass die dann die Referenz hinter die Kamera und irgendwie beschließen und dann fragen sie sich, ob die Kamera überhaupt noch läuft oder nicht. Das fragen sie sich, glaube ich, drei oder vier Mal im ganzen Film. Einmal beim Kochen, einmal beim Duschen und weißt du, es ist so, hä?
Florian Bayer: Also, und wenn sie nackt da liegen und diesen mobilen Fernseher, auf diesen mobilen Fernseher sich irgendwas angucken. Ja, aber das finde ich ganz nice. Ja, genau. Es gibt die künstlerische Momente, wo ich denke, ah, da passiert irgendwie was. Aber es liegt natürlich auch daran, dass man davor so viel trivialen Bullshit gesehen hat. Ja, ja, genau. Dass man, dass alles, was bricht mit dem, was vorher zu sehen war, immer total Excitement auslöst. Auch wenn wir plötzlich eine Nahaufnahme von ihrem Gesicht haben. Wir haben halt die ganze Zeit diese schreckliche Totale mit diesem schlimmen Framing. Und dann kommt plötzlich ein Schnitt auf ihre Nahaufnahme. Und zwar nach ewiger Zeit. Mal wirklich, wir sehen ein Gesicht in der Nahaufnahme, wo sich jemand, offensichtlich Andy, einmal kurz Gedanken über die Kartrasch gemacht hat. Und wir sehen ein vernünftiges Bild. Ja.
Johannes Franke: Und ich denke so, yeah, so sieht die also aus. Film, es passiert Film. Es ist schon irgendwie ein, oh. Also als Kameramann tut einem der Film weh, als Filmliebhaber tut der Film ein bisschen weh, als, als, weiß ich nicht, als Liebhaber einer Narrative tut einem der Film total weh. Ich weiß nicht. Aber es gibt immer tatsächlich diese Oasen im Film, aber nur, weil er vorher die Hölle schafft, damit man dann das Gefühl hat, oh, das ist eigentlich ganz nice.
Florian Bayer: Ich kann diesen Film als Filmhistoriker einfach schätzen. Ich sehe diesen Film und sehe in ihm was, was passiert, was irgendwie eine Art von Aufbruch markiert. Und das betrifft auch tatsächlich die anderen Filme von Andy Warhol. Natürlich sind die ungenießbar. Die Filme wurden gemacht, um ungenießbar zu sein. Also vor allem dieser Empire State Building Film. Ja.
Johannes Franke: Aber. Das klingt ein bisschen wie das Trollen, was wir bei YouTube manchmal anfangen. Weißt du, wenn wir, ich hatte ja vorgeschlagen, dass wir mal Cat-Content raushauen. Und dann wirklich nur meine Katze schlafend auf dem Stuhl und das war's.
Florian Bayer: Tatsächlich hatten diese Filme Einfluss darauf, auf experimentelle Filmmacher, dass die sich überlegt haben, was kann man mit Stille machen? Und was kann man mit Langeweile machen oder mit Improvisierten? Auch dieses Guerilla-Filmen machen. Das hat sich dann ja auch weitergezogen. Es gab ja dieses Transgressive Cinema in den 80ern, wo viele experimentelle Filmemacher, auch weil die Technik günstiger wurde, angefangen haben zu sagen, okay, wir packen uns jetzt die Kamera und wir tauchen unser Bild in Licht und Farben und lassen einfach Leute was machen und scheiß drauf, lasst uns einfach herumexperimentieren. Und viele experimentelle Filmemacher, die in den 80ern sowas gemacht haben, die so Guerillatechnik angewendet haben, wurden dann auch in den 90ern mehr und mehr ernste Filmemacher. Und das ganze Exploitation-Genre und das Trash-Genre, auch viele Filme, über die wir heute lachen, sind eben auch aus diesem Gedanken entstanden. So, hey, wir können auch einfach mal machen, wir können auch einfach mal die Kamera draufhalten, ein bisschen improvisieren. Also es ist sozusagen eigentlich der Mutmacher. Der Mutmacher, ja. Ja, okay. Und das schätze ich eben, wenn ich sage, das ist das, was ich an Warhol schätze, dass er eben auch ein Kurator war, aber nicht einfach nur, dass er Werke ausgestellt hat, sondern dass er Werke beeinflusst hat und Werken so eine gewisse Dynamik gegeben hat.
Johannes Franke: Aber wenn man böse ist, dann sagt man, wer war derjenige, der den Leuten gezeigt hat, guck mal. Das kannst du besser. None|Ja. Und ich weiß nicht, ob man das sein will. Ich weiß nicht, ich will nicht, dass Leute meine Filme gucken und sagen, ah, jetzt bin ich motiviert, was Besseres zu machen.
Florian Bayer: Nein, ich glaube, es braucht die Leute, die einfach sagen, hey, ich probiere mal einfach aus. Ja, das stimmt schon. Und dass es einfach die Leute dann nachgeben kann, die sagen können, okay, und ich mache daraus jetzt was Gutes.
Johannes Franke: Nein, also du hast natürlich vollkommen recht und ich finde, das ist ein richtiger, wichtiger Punkt. Man braucht einen Vorstoß und der erste Vorstoß ist oft eben nicht der beste. Aber trotzdem ist der wichtig und den muss man einfach wagen. Und insofern ist Andy Warhol vielleicht als Abenteurer zu begreifen.
Florian Bayer: Um dieses filmliche Konzept nochmal auf den Punkt zu bringen, ich zitiere mal Warhol aus seiner Biografie, die er nicht selbst geschrieben hat. Aber in der Biografie von 2003 wurde er zitiert mit Scripts bore me. It's much more exciting not to know what's going to happen. I don't think that plot is important. If you see a movie of two people talking, you can watch it over and over again without being bored. Wir würden das bei dir in Frage stellen, was diesen Film betrifft. You get involved. You miss things. You come back to it. But you can't see the same movie over again if it has a plot. Because you already know the ending. Everyone is rich. Everyone is interesting. Years ago people used to sit looking out of their windows at the street. Or on a park bench. They would stay for hours without being bored, although nothing much was going on. This is my favorite theme in moviemaking. Just watching something happening for two hours or so. Oder acht Stunden. I still think it's nice to care about people. And Hollywood movies are uncaring. We are pop people. We took a tour of Universal Studios in Los Angeles. And inside and outside the place, it was very difficult to tell what was real. They are not real. They are not real people trying to say something. And we are real people not trying to say anything. I just like everybody and I believe in everything. Ist natürlich auch so ein bisschen Beliebigkeit, ne? Ja. Jeder kann Künstler sein. Wall war ja auch ein großer Fan von Beuys. Wall hat in den 80ern ja mit Beuys ganz viel gemacht. Und das ist ja so die ähnliche Attitüde. Jeder ist ein Künstler und alles ist ein Kunstwerk. Und wenn es der Fettfleck ist, der dann aufgewischt wird.
Johannes Franke: Was einen gewissen Charme hat, ne? Ja. Also so ist es nicht. Die Kunstwelt braucht auch sowas. Definitiv. Klar. Finde ich auch richtig. Und er sagt auch ein paar richtige Sachen. Ich glaube auch, Filme, die sehr starken und darauf eingegrenzten Plot haben, was immer mehr geschehen ist in den letzten 20 Jahren, dass man so die Hollywood-Schule, dass man alles auf dem Plot ausrichtet und jeder Satz, der nicht dem Plot dient, muss rausgeschnitten werden. Das macht einen Film schaubar beim ersten Mal und beim zweiten Mal nicht mehr. Ja. So. Und dann mag ich eben solche Filme wie Only Lovers Left Alive, den wir nachher gucken werden, der einfach mehr Leben zeigt als nur den Plot. Oh, steile These.
Florian Bayer: Ohne Warhols Blue Movie gäbe es Only Lovers Left Alive nicht. Oh.
Johannes Franke: Nein, es gab auch vorher schon Filme, die nicht nur dem Plot gedient haben. Ja.
Florian Bayer: Aber er hatte auf jeden Fall einen Einfluss auf dieses experimentelle Filmmachen. Und Jim Jarmusch ist natürlich auch jemand, der aus dieser Ecke entstanden ist. Jim Jarmusch hat mit Coffee and Cigarettes auch einen Film gedreht, der auf improvisierten
Johannes Franke: Dialogen basiert. Ja. Und der auch ganz cool ist. Ja. Also den mochte ich tatsächlich auch sehr gerne. Ja, aber Jim Jarmusch hat ja auch dann einen Blick, einen filmischen und filmemacherischen Blick für sowas.
Florian Bayer: Aber Jim Jarmusch kommt halt auch aus dieser Guerilla-Ecke. Der hat ja auch nicht immer diese Polished-Version seiner Filme abgeliefert. Ja, ja, klar. Also je weiter man bei Jim Jarmusch zurückgeht, umso mehr findet man eben auch das Dreckige und das, was nicht ganz so ästhetisch ausgereift ist. Ja, ja. Und Only Lovers Left Alive ist dann halt auch was, was vielleicht aus so einer Vita entstehen kann. Eben, dass mehr und mehr ein Blick gewonnen wird für künstlerische Zusammenhänge, für eine bestimmte Ästhetik. Ja, genau. Für die Momente, wo einfach nur Ruhe gezeigt wird, wo Triviales gezeigt wird, aber das trotzdem eine Aussagekraft hat. Ja. Ja. Kommen wir zum zweiten großen Punkt. Ja. Also. Was ist der zweite große? Es gibt noch einen zweiten großen Punkt. Es gibt einen zweiten großen Punkt. Dieser Film hat einen zweiten großen Punkt. Naja. Blue Movie, der die experimentellen Filmemacher und so weiter beeinflusst hat. Und der zweite große Punkt ist natürlich Blue Movie als Proto-Porn. Ja. Reden wir über Pornos. Okay. Jetzt so. Jetzt, jetzt, Mama. Jetzt darfst du ausschalten. Johannes.
Johannes Franke: Schaust du Pornos? Ich schaue Pornos. Plor. Schaust du Pornos? Ja. Ja, okay. Wir konsumieren Pornos. Ich glaube, die halbe Menschheit, die halbe, dreiviertel, neunzig Prozent. Ja, die Menschheit konsumiert einfach Pornos.
Florian Bayer: Pornos machen immer noch den meisten Traffic des Internets aus.
Johannes Franke: Gleich danach Katzenvideos. Äh, ich bin froh, dass es keine Überschneidung gibt. Ach du Scheiße, gibt's Überschneidungen? Ah, Plor. Oh no. Natürlich gibt es Überschneidungen. Oh.
Florian Bayer: Es gibt doch diese, diese Fairy-Sex-Szene. Ach du Scheiße. Okay. Gut. Und auch Hässlicheres, das ist aber in Deutschland tatsächlich strafbar.
Johannes Franke: Äh, ja. Lassen wir das. Pornografie. Der, der Film ist ja, du hast ihn mir als Porno angekündigt, aber eigentlich hätte ich gleich am Anfang sagen wollen, das ist kein Porno. Warum ist es kein Porno? Es ist zwar unsimuliertes Sex, aber ich sehe davon nicht viel und es ist keine, keine, äh, kein Film, der darauf abzielt, dem Publikum eine bestimmte, ähm, Befriedigung zu verschaffen.
Florian Bayer: Mhm. Das ist auf jeden Fall ein interessanter Punkt. Wie, wie überhaupt so die Frage, wie, wie definierst du Porno? Genau. Und ich, ich bin immer gerne dabei, so bei der ganz, ganz konservativen, ganz allgemeinen Definition, dass ich einfach sage, ein Porno ist erstmal ein Film, der menschliche Sexualität zeigt.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und zwar echte menschliche Sexualität. Und das mit einem großen, und das echt muss groß in Anführungszeichen geschehen werden.
Johannes Franke: Ja, aber sehr große Anführungsstrichen.
Florian Bayer: Echte menschliche Sexualität in dem Sinne, dass von dem Sexualakt oder von den Sexualakten nichts verborgen wird. Und das ist auch so dieser harte Cut, den ich machen würde zwischen Porno und Erotikfilm oder Soft-Erotikfilm. Ja. Erotikfilme zeigen bestimmte Dinge nicht. Und erstmal ganz banal, die Genitalien werden nicht gezeigt oder zumindest nicht im erigierten Zustand oder nicht im offenen Zustand. Und es gibt genaue Regeln, auch ab wann. Es gibt ja tatsächlich Kommissionen, die drauf gucken und sagen, jetzt können wir ein bisschen zu viel von der Vagina sehen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dann ist es, ist es Porno. Oder jetzt ist der Penis ein bisschen zu viel erigiert. Ich glaube, es gibt sogar, es gibt wirklich so genaue Angaben, wie weit darf ein Penis erigiert sein, bis es pornografisch ist.
Johannes Franke: Okay. Ist das nicht, gehört da nicht Interaktion dazu, zu einem Porno dann bei einem erigierten Penis? Das weiß ich nicht.
Florian Bayer: Ein erigierter Penis ist, glaube ich, schon zu viel. Echt? Ja. Ich glaube, ja. Und bei, was, was die, interessant, was die Genitalien der Frau betrifft.
Johannes Franke: Haben wir sowas nicht in den 70ern auch in Filmen, in großen populären Filmen sind
Florian Bayer: da nicht auch? Die klassischen Soft-Erotik- und Soft-Sex-Filme aus den 70ern, die waren ja in den 70ern auch unglaublich populär.
Johannes Franke: Ich meine ganz normale Filme. Ich meine sowas wie 1900.
Florian Bayer: Ja, tatsächlich, der zeigt, der hat pornografische Elemente drin.
Johannes Franke: Das ist schon krass.
Florian Bayer: Ich würde sagen, es gibt natürlich auch Mainstream-Filme, die keine Pornos sind. Aber die, oder Kinofilme, die keine Pornos sind, die aber pornografische Elemente haben. Und das ist dann halt mal ein erigierter Penis oder mal ein Blowjob, der gezeigt wird. Aber so die klassischen Soft-Sex-Filme, so die klassischen Erotik-Filme, sowas wie Emanuel oder auch sowas wie Basic Instinct, wenn wir zu den 90ern springen, die wissen ganz genau, was sie zeigen und was nicht. Und zum Beispiel, was nicht gezeigt wird, sind erigierte Penisse. Wenn eine Frau nackt ist, dann gibt es diese Full-Frontal-Nudes, die werden gezeigt. Das heißt, du siehst die Schamhaare der Frau und zumindest so die Andeutung der Vulva dann auch. Aber du siehst keine Klitoris und du siehst keine Schamlippen. Das ist einfach, das ist einfach tabu. Und da wird so ganz klar der Cut gesetzt. Und wenn du dir viele Erotik-Filme anguckst, siehst du halt immer dasselbe, gerade in den 70ern. Sehr viele Schamhaare. Aber eben nicht, was dahinter ist. Da erinnere ich mich vor allem sehr gut dran, weil ich früher als Kind heranreifender Jugendlicher, die sehr gerne heimlich geguckt habe. Und ich hatte dann irgendwann immer so diesen Move, dass ich den Kopf so ein bisschen gedreht habe, um zu gucken, wie viel ist da zu sehen. Und manchmal gab es dann ja auch tatsächlich diese Soft-Erotik-Filme, wo zumindest so ein bisschen mehr kurz aufgeblitzt ist. Oder wo du dachtest, vielleicht blitzt kurz ein bisschen mehr auf. Vielleicht war das deine Fantasie-Plor. Wahrscheinlich war es auch ganz viel meine Fantasie. Aber das wäre so irgendwie der harte Cut, den ich setzen würde. Pornos zeigen einfach mehr. Pornos zeigen einfach verschiedene Sexualakte und werden dabei explizit. Und wie wir es heute kennen, ist natürlich auch ganz krass in der aktuellen Mainstream-Pornografie zumindest ist ja auch so diese Detailaufnahme der radikalen Nahen. Dass die Kamera wirklich ganz nah am Penetrationsakt ist oder ganz nah dran ist am Conylingus. Ja. Und du wirklich jedes Detail sehen kannst in HD. In HD. Wirklich, dass du auch dann jeden Pickel sehen kannst auf der Haut und dann siehst du die rasierte Scham und siehst, dass dann noch so ein paar kleine Herrschensprießen, wo nicht so ordentlich rasiert wurde. Das ist ja das klassische Pornoding. Und davon bin ich gar nicht überhaupt gar kein Fan. Also ich finde dieses aggressive amerikanische Pornoding finde ich ganz schrecklich. Ich glaube aber, dass Pornografie große Kunst sein kann und dass das viel zu wenig gemacht wird. Und ich bin ein großer Fan von Pornografie, wenn sie gut ist. Tja, aber was sind die Beispiele?
Johannes Franke: Ja, ich glaube, ich sehe da was anfliegen. Es gibt vielleicht eine Top 3. Jingle. Jingle. Liste. So, aber wir haben jetzt nicht die Top 3 Pornos.
Florian Bayer: Nee, ich habe gesagt, ich habe ein Und-Oder reingepackt. Ich habe beides geschafft. Aber nicht so wirklich. Ich habe Johannes gesagt, mach mir mal die Top 3. Entweder unsimulierte Sex-Szenen oder realistische Sex-Szenen. Okay. Was ist denn mehr geworden? Es ist eine Mischung. Okay. Es ist einfach eine Mischung. Ich habe auf jeden Fall drei klare, unsimulierte Sex-Szenen. Und bei den realistischen Sex-Szenen bin ich total gescheitert, weil es gibt kaum realistischen Sex im Kino zu sehen. Das stimmt.
Johannes Franke: Deswegen bin ich auch an der Liste ziemlich verzweifelt. Das glaube ich dir. Ja, weil, also ich weiß nicht, also Pornos da rauszusuchen ist völliger Mumpitz. Also ich meine, das war es auf YouPorn und so weiter.
Florian Bayer: Ja, die meisten Pornos sind deutlich unrealistischer als die Soft-Sex-Filme oder die Filme mit erotischem Inhalt, die keine Pornografie zeigen. Einfach weil wir wissen das und leider wissen Jugendliche, die Pornos anfangen zu konsumieren, das oft nicht. Das ist nicht wie Sex passiert. Ja. Man kann es vielleicht nochmal sagen, falls uns jemand Jugendliches zuhört. Wenn ihr einen Porno seht, das ist nicht Sex.
Johannes Franke: Das ist der Akt, hat aber mit dem realen nichts zu tun und Gott sei Dank nichts zu tun, wenn das, nein, egal.
Florian Bayer: Ja, also mit dem ganzen Schund, der mit stattfindet, weil Pornos halt ganz oft, ganz oft frauenfeindlich sind, weil die Lust des Mannes total im Mittelpunkt steht, weil Sex als Sport gezeigt wird. Ja. Wo wirklich mit, also einfach mit krassen Durchhaltevermögen und Eingerschnipperektionen.
Johannes Franke: Der macht einen Druck auf in allen Ebenen, von allen Seiten, für alle Beteiligten.
Florian Bayer: Das ist so dämlich. Und es werden auch einfach Sachen gezeigt, die für eine Frau nicht angenehm sind, aber als ob sie für die Frau angenehm wären. Ja. Gerade so, wie sich Männer in Pornos teilweise auf die Genitalien der Frau stürzen und denkst nur, nein, so funktioniert die weibliche Anatomie nicht. Und ich glaube jetzt, und Erregung wird ja auch nicht realistisch gezeigt, diese Stöhnerei
Johannes Franke: bei Pornos, die so ganz offensichtlich fake ist. Und ganz, 90% der Frauen haben natürlich einen Orgasmus nur durch Penetration. Und was für Orgasmen. Ja. Also ich meine, es gibt auch diesen Bereich, der da zu 90% gezeigt wird, gibt es bestimmt auch zu, weiß ich nicht, 5%. So, die 95%, die es noch gibt, werden nicht gezeigt.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Weißt du, das ist halt das Ding.
Florian Bayer: Ja. Und tatsächlich sind Pornos auch mitschuld, dass es gerade was, was, oh Gott, jetzt reden zwei 40-jährige Männer über weibliche Anatomie, das kann nur schief gehen. Und alle Zuhörerinnen, das tut mir wirklich leid, aber was gezeigt wird, was zum Beispiel Frauen erregend finden, Pornos sind sehr vaginal zentriert.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und es wird einfach sowas wie Klitoris als Geschlechtsorgan findet kaum statt. Ja. Weil eben Pornos total männerzentriert sind und total diesen männlichen Blick haben. Und dieses Bild evozieren von dem Mann, der dreimal zustößt und die Frau macht dabei, oh
Johannes Franke: ja, ja, ja. Oh, wie toll. None|Genau. Ja. Ja, okay. Aber dass wir da im Fantasy-Bereich sind, ist eh klar. Fantasy ist der falsche Begriff, weil Fantasy ist was Tolles.
Florian Bayer: Fantasie ist ja was Schönes, aber es ist nicht mal eine schöne Fantasie. Es werden wirklich ekelhafte, plumpes Stereotype bedient.
Johannes Franke: Ja, und ich glaube, das gehört in dem Bereich, was auch bei anderen Filmbereichen so ist, dass Produzenten sagen, die Leute wollen das sehen und das muss dann eben produziert werden. Und dann hat niemand so richtig mal den Mut zu sagen, nee, wir gucken mal, was wir noch machen können und Überraschung, es gibt ein Publikum dafür. Ja. Und zwar ein großes Publikum. Und man ist vielleicht dankbar über mal andere Sachen als das, was sich so entwickelt hat in den letzten, weiß ich nicht, 40 Jahren.
Florian Bayer: Ja, steigen wir an ins Thema. Gute Pornos, gute Pornografie, es gibt sie. Sie ist schwer zu finden.
Johannes Franke: Ich kenne sie nicht. Es ist wirklich, ich habe keinen einzigen Porno oder Pornograf, wirklich Pornografisches drin. Es ist schwierig.
Florian Bayer: Also ich habe zwei, ich habe in meiner Liste mit den unsimulierten Sexszenen zwei Filme, die ich klar als Porno bezeichnen würde, die gut sind und die beide einen künstlerischen Anspruch haben. Und einen dritten Film, der eher kein Porno ist, sondern eher ein Drama.
Johannes Franke: Also ich habe auch keine echten gut positiven. Ich habe einen eins und der ist noch nicht mal, da geht es noch nicht mal um, das ist nur das Thema. Ich habe die Serie auf Platz drei, ich mag mit Platz drei. Sex Education ist eine ganz tolle Serie über Sex. Es gibt natürlich keine pornografischen Elemente, es ist eine Serie auf Netflix und es wird realistisch über Sex geredet und über all die Probleme und Schwierigkeiten und all das, was sonst nicht stattfindet in romantischen Sexszenen, wo alles perfekt ist und das Licht sieht schön aus. Und es gibt keinerlei Probleme und er kann immer und sie ist immer begeistert. Und Sex Education macht das halt nicht. Die machen da halt wirklich all die Zwischenräume auf, die passieren können. Das finde ich super. Cool.
Florian Bayer: Dann sind wir erstmal bei den realistischen Sexszenen. Dann würde ich das Pornografische erstmal nach hinten schieben und meine zwei Filme, ich habe leider auch nur zwei gefunden, was realistische Sexszenen betrifft, nennen. Und zwar das eine wäre The Cooler aus dem Jahr 2003 und das ist kein Erotikfilm, das ist ein Drama über einen totalen Pechvogel, der in einem Casino als Coole angestellt ist. Und zwar hat er so viel Pech, dass wenn er an den Tisch kommt, verlieren die anderen auch alle. Und er ist von dem Casino angestellt, um zu den Tischen zu gehen, wenn Leute zu viel gewinnen und die alle runterzuziehen. Und er sorgt dann dafür, dass er an dem Tisch verloren wird. Das ist die Geschichte, das heißt, es ist auch so ein bisschen ein Märchen. Allerdings verliebt er sich dann in eine Frau und hat zum ersten Mal Glück in seinem Leben und plötzlich hat er keinen Erfolg mehr in seinem Job, weil die Leute plötzlich gewinnen, wenn er an den Tisch kommt. Shit. Das ist wirklich ein süßer Film, wirklich süße Tragikomödie, die auch deutlich düsterer ist, als das jetzt klingen könnte. Das ist keine klassische Rom-Com, sondern er hat schon so eine wirklich tragische Note. Und die beiden, unsere beiden Hauptfiguren, gespielt von William H. Macy und Maria Bello. Das sind die, die sich ineinander verlieben. William H. Macy spielt sowieso die Verlierer-Typen immer ganz toll. Das ist der, der in Fargo den Typen spielt, der seine Frau entführen lassen will. Also in dem Film, nicht in der Serie. Ja, genau.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und die haben eine Sexszene und die ist ganz toll realistisch, weil sie so ein bisschen awkward ist, weil er so ein bisschen unbeholfen ist, weil er schon sehr lange keine Beziehung mehr hat. Ich glaube, er ist geschieden oder so.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und es ist einfach realistisch, weil es geht nicht schief, aber es ist halt so ein bisschen unbeholfen und ein bisschen tollpatschig dann auch. Und es ist einfach sehr sympathisch, weil es eben auch das zeigt, was halt auch beim Sex sein kann. Dass man so ein bisschen Kommunikationsschwierigkeiten hat. Oh, magst du das jetzt? Und ah, vorsichtig und so. Und das ist wirklich sehr schön gemacht. Okay.
Johannes Franke: Okay. Das ist schön. Das, was ich übrigens eben in unserem Film, den wir gerade besprechen, Blue Movie, so ein bisschen geben möchte, positiv. Das ist eben tatsächlich so ein bisschen Kommunikation und dann wird dann gesagt, fangen wir nicht mal Stellung wechseln.
Florian Bayer: Sie wirkt immer so ein bisschen latent genervt davon. Also gerade er ist so, ach komm jetzt, lass uns mal, hier Missionarstellung, das ist doch gut, das ist doch gut. Und sie ist dann so ein bisschen, naja, ja, sollen wir jetzt vielleicht nicht mal was anderes machen? Bist du überhaupt richtig drin? Was ist denn da los?
Johannes Franke: Das ist schön. Also das finde ich dann wiederum ein bisschen ein Verdienst von dem Film. Also das ist schon cool. Auch das Ganze drumherum, dadurch, dass er einfach improvisiert ist, macht er natürlich das alles ein bisschen realistischer als in allen anderen.
Florian Bayer: Sie reden über seine Erektion und so, ist es jetzt soweit, na, lass mal gucken. Das ist halt auch dieses Shackern davor, das gehört halt auch für mich zum realistischen Sex dazu, dass man davor einfach redet und man liegt nackt zusammen. Man macht ein bisschen Quatsch auch, unterhält sich und das ist nicht so, eben nicht so wie im Porno. Warum liegt da Stroh rum? Warum hast du eine Maske auf?
Johannes Franke: Aber Andy Warhol macht natürlich dadurch, dass es ein Zwei-Stunden-Film ist, viel zu viel vorher, viel zu viel nachher. Also ich würde keine drei Stunden mit jemandem vorher da irgendwo rumliegen. Also ich habe die Zeit nicht mehr, aber ich denke, jetzt muss, denke ich drüber nach. Ja, vielleicht, vielleicht doch. Ich weiß es nicht mehr, aber nee, in der, ich weiß nicht, so lange davor irgendwelche, welche, so wirklich viel, sehr explizit, aber sehr viel geschäkert und dann doch nicht und dann doch und dann doch nicht und dann vielleicht doch so ein bisschen, weil die, weil die sind ja die ganze Zeit permanent kurz davor, weißt du?
Florian Bayer: Ja, das finde ich schon ein bisschen, ja, das stimmt, das hat auch diese Meta-Ebene, weil sie irgendwie offensichtlich sich Gedanken drüber machen mit der Kamera und so. Das stimmt. Dazu kommen wir gleich, wenn wir zu den Pornos kommen nochmal.
Johannes Franke: Genau, genau. Okay, das heißt, du hast deinen Platz drei. Oder Platz zwei, weil ich habe nur zwei. Oh, du hast nur zwei.
Florian Bayer: Ich habe tatsächlich, also für unrealistische, äh, Quatsch, für realistische Sechszenen das erste Mal, ich habe keine Top drei zusammengekriegt. Meine Top drei Pornos ist nicht so realistische Sechszenen, sondern ist einfach nochmal losgelöst davon.
Johannes Franke: Verstehe, okay. Für mich wäre sonst an einigermaßen realistischem Nymphomaniac.
Florian Bayer: Echt, tatsächlich?
Johannes Franke: Ja. Hm.
Florian Bayer: Und war es, wo er sie, ähm, ganz am Anfang, wo sie entjungfert wird? Nein, oder?
Johannes Franke: So ganz genau kann ich gerade nicht sagen, welche Szenen. Aber ich fand Nymphomaniac tatsächlich ziemlich gut gemacht. Okay, interessant.
Florian Bayer: Also ich glaube, ich sehe, was du meinst. Ich finde, aber der Film ist auch so voll mit so stilisierten Sex-Szenen, ne? Der hat so ein, zwei realistische. Ja, aber irgendwie... Aber der hat auch so seine stilisierten Sex-Momente. Also wenn sie zum Beispiel, das ist ja so eigentlich so eine Altherrenfantasie, wenn sie diesen Fremden im Zug, quasi zum Co-Job nötigt.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, ja, ja. Naja, aber, aber ich muss schon sagen, dass ich auch Menschen kenne, also Frauen kenne, die dazu tendieren. Das ist jenseits meiner Social Bubble. Ja, naja. Tja, Flora. Mach mal ein bisschen diverser, dann machen wir deine Bubble ein bisschen auch. Ja, sollte ich mal machen, ne? Weil es gibt es, es gibt es alles.
Florian Bayer: Ja, natürlich gibt es das alles.
Johannes Franke: Und Nymphomaniac basiert ja nicht auf reiner Männerfantasie, sondern das ist ja tatsächlich auch etwas, was nicht von dahin zu weisen und tatsächlich einfach existiert. Und genauso zu Recht wie alle anderen.
Florian Bayer: Ja, das ist natürlich immer die Frage, wenn wir sagen, wir reden über realistischen Sex, worüber reden wir? Weil es gibt so viele Spielarten von Sexualität. Das ist es, ja. Und so viele verschiedene Interessen. Und was für den einen total bizarr ist, ist für den anderen ganz normal. Genau. Also, ja, keine Ahnung, egal, was jeden Fetisch betrifft. Ja. Tatsächlich sind das Sachen, also ich könnte zum Beispiel nicht sagen, was realistische Darstellung von Sanomasochismus in einem Film ist, weil ich einfach nicht wirklich die große Expertise habe, was das betrifft. Ja, insofern. Ich habe nur von Leuten gehört, dass Fifty Shades of Grey keine realistische Darstellung von Sanomasochismus sein soll.
Johannes Franke: Ich habe den Film nicht gesehen, aber ich ahne es auch.
Florian Bayer: Na, der hat ja richtig Ärger ausgelöst, auch in der Szene teilweise, weil er die Szene falsch darstellt, weil er halt einfach eine sexuelle Spielart, die ganz stark auf Vertrauen basiert und auf Rücksicht und Respekt und so weiter, reduziert auf so ein krasses Machtgefälle, das so übergriffig ist.
Johannes Franke: Okay, ja.
Florian Bayer: Also, ganz viele S&Mler haben sich komplett falsch dargestellt durch den Film und sagen, ey, dieser Film schadet total unserer Kultur. Weil so sind wir nicht. Und dieser Film wirft so ein komplett falsches Bild auf davon, wie wir unsere Sexualität leben. Shit. Naja.
Johannes Franke: Ja, insofern, ich habe das halt bei Nymphomaniac jetzt mitbekommen, auch ich habe ihn gesehen, fand ihn ganz gut und habe das, was ich mit anderen darüber geredet habe, war es auch nicht völlig fernab.
Florian Bayer: Was sagt das über meine Sexualität aus, dass der zweite, den ich gefunden habe, der einzige, den ich noch gefunden habe, was realistische Sexszene betrifft, auch so eine awkward Sexszene ist. Anomalisa von Charlie Kaufman. Der Animationsfilm, den Charlie Kaufman tatsächlich unmittelbar vor einem Thinking of Endingfinks gemacht hat. Aus dem Jahr 2015 und da geht es auch, da gibt es einfach eine Sexszene, wo unser Protagonist mit unserer Protagonistin Sex hat und das auch so, sie haben zum ersten Mal Sex miteinander und es basiert halt auch ganz stark drauf, dass sie sich drüber unterhalten, was sie mögen und was nicht so gut funktioniert und so weiter. Und sie sagt dann mal, au, au, du bist mir gerade weh mit dem Bein, mach das mal ein bisschen anders und dann sagt, oh, Entschuldigung und dann, es gibt einfach diese awkward Moments, die halt auch beim Sex passieren können. Ja, sehr schön. Dann Platz eins.
Johannes Franke: Ja, ich habe eigentlich gar keinen. Nein, ich wollte eigentlich, das habe ich ganz übersehen, das, was ich jetzt, ich habe immer da drauf geguckt, ah, da sind noch welche. Und das, was ich da eigentlich drin hatte, wollte ich als Honorable Mention beziehungsweise Dishonorable Mention nehmen. None|Oh. Und zwar Alice in Wonderland aus 1973, glaube ich, war das.
Florian Bayer: Oh, das ist eine unsimulierte Sexszene, das ist ein Porno.
Johannes Franke: Das ist ein Porno, ja.
Florian Bayer: Und der ist eigentlich ganz süß. Also der ist eigentlich ganz süß, aber total verstörend. Das ist ein Porno-Musical, wo Alice, also eine erwachsene Alice-Darstellerin, um das gleich zu sagen, durch das Wunderland geht und dann diverse Figuren trägt.
Johannes Franke: Und ihre Sexualität wird geweckt. Es ist halt gar nicht so lange her, dass ich den nochmal geguckt habe und ich habe halt vor, weiß ich nicht, mit Anfang 20 den das erste Mal gesehen. Ja, das war ungefähr auch die Zeit, in der ich den gesehen habe. Und seitdem erinnere ich mich daran, dass wir kichernd und total fertig mit den, also so Lachmuskelkater vor diesem Ding saßen. Und dann habe ich es mir nochmal angeschaut und ich glaube, mir fehlten einfach die richtigen Leute, mit denen ich das zusammen gucke. Weil ich saß jetzt die ganze Zeit davor und dachte, ähm, what? Was passiert da? Hä?
Florian Bayer: Also ich mag diesen Film. Der ist in meiner Top-Liste der besten Pornos der 70er Jahre gelandet. Geil, okay, verstehe.
Johannes Franke: Und zwar, weil er wirklich sowas Naives, Unbedarftes hat. Ja, aber Naivität und Sex ist irgendwie eine ganz komische Kombi. Das stimmt allerdings. Also das ist halt, genau deswegen hat mich das ein bisschen sehr verstört teilweise. Eben wegen dieser Kombination. Er hat auch diese Musical-Elemente, oder? Ja, ja, ja, ja.
Florian Bayer: Ja. Nein, das finde ich schon gut. Sex-Musical, das sollte doch eigentlich voll dein Genre sein. Oh Mann. Tja. Das ist deine honorable, dishonorable Mensch? Ja, genau. Okay. Ich habe drei Filme mit unsimulierten Sex-Szenen, die ich wirklich gut finde. Wirklich gute Filme. Okay. Platz Nummer drei. Ist kein Porno. Bad Ways. Und es wird sich wieder so ein bisschen ein Schema offenbaren.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Was ich gut finde bei pornografischen Filmen. Es geht darum, dass eine junge Regisseherin einen Film machen möchte, der von Sex handelt und in dessen Zentrum eine Sex-Szene steht, eine unsimulierte. Und sie lädt dann ihren Darsteller und ihre Darstellerin ein und verbringt ganz viel Zeit mit denen und die philosophieren darüber und diskutieren darüber, wie sie das machen können. Und es ist halt ein transparenter Film, weil es geht darum, wie wird ein Porno gedreht oder wie wird ein Sex-Film gedreht, wie kann man Sex vor der Kamera inszenieren. Und dann gibt es auch einen kleinen Plot und zwar ist es so, dass der Darsteller, der Hauptdarsteller ist der Ex-Freund der Regisseurin. Und sie fühlt sich zu ihm während der Dreharbeiten stärker sexuell hingezogen. Und es ist ein sehr, es ist eigentlich so ein Diskursfilm tatsächlich. Es wird auch mal Foucault zitiert. Es ist auch so ein bisschen prätentiös, könnte man sagen. Aus dem Jahr 2010, ein deutscher Film. Rolf-Peter Kahl ist der Regisseur. Ein wirklich spannendes Drama. Ein Metasex-Film, könnte man sagen, der sich eben beschäftigt mit der Frage, was ist authentisch vor der Kamera, was ist inszeniert, wie schaffen wir es überhaupt, zusammen zu kommen, um jetzt eine Sex-Szene zu drehen. Und er hat aber auch erotische Momente. Ein wirklich spannender Film, den ich nur empfehlen kann.
Johannes Franke: Mir fällt gerade auf, dass ich mitbekommen habe, wie er nach Schauspielern gesucht hat für diesen Film. Oha. R.P. Kahl. Ja.
Florian Bayer: Hatten wir darüber, war das der Film, hatten wir darüber geredet, dass du das dann aber nicht machen willst, oder war das mit jemand anderem? Ich, es war mit jemand anderem. Ah, ich weiß, okay, den Namen wollen wir jetzt nicht nennen. Ich erinnere mich, mit einer anderen Person geredet zu haben. Und diese Person hat gesagt, sie wurde vorgeschlagen und hat mit dem Regisseur, glaube ich, geredet. Genau. Und dann war klar, okay, hier wird unsimulierter Sex gezeigt. Und dann war das für diese Person ein No-Go. Und sie will das nicht drehen. Ja, ich erinnere mich. Ja, es ist ein guter Film daraus geworden und ich kann jeden verstehen, der sagt, nee, das will ich nicht drehen, weil es gibt halt einfach diese unsimulierte Sexszene in der Mitte. Und eine Masturbationsszene am Ende, aber tatsächlich nimmt, wie bei so vielen Filmen, wo es irgendwie das zum Thema hat, nimmt der Sex einen relativ wenig Raum ein. Und der Film besteht vor allem eigentlich so ein bisschen aus Berliner Schuledialogen, so sehr langsam erzählt, ein bisschen improvisiert, ruhige Momente, wo gar nichts passiert. Spannender Film, ich habe ihn sehr gemocht. Okay. Mein Platz Nummer zwei, auch so Meta, aber nicht ganz so krass Meta Häppchenweise aus dem Jahr 2012. Ich glaube, ich habe ihn schon mal erwähnt. Ja, hast du schon mal. Von einer ganz tollen Regisseurin, die auch danach noch einen richtig klassischen Porno gemacht hat. In Häppchenweise ist von Maike Brochhaus. Und es geht darum, dass sie einfach fünf Leute zusammensetzt in einem Big Brother Zimmer quasi mit vielen Kameras drumherum, aber halt durch so Spiegel, dass sie die Kameras nicht direkt wahrnehmen. Und sie essen zusammen und spielen dann Flaschentränen zusammen. Und die Prämisse des Films ist, lasst uns doch mal gucken, was passiert. Sex ist eindeutig erlaubt. Legt los, macht mal was. Und es ist auch sehr bunt gemischt, sehr divers, also Heterosexualität, Homosexualität, das gesamte Spektrum ist da. Und ja, und es ist so spannend, weil man nicht genau weiß, was passieren wird. Das bleibt sehr lange offen, wie sexuell wird es überhaupt. Und dadurch hat er eine wirklich angespannte Erotik, aber es so süß und so zuckerweich inszeniert. Und ja, es kommt auch zu expliziten Szenen. Also es kommt zu so expliziten Szenen, dass man diesen Film nicht im normalen Kino zeigen könnte. Aber es ist wirklich ein schöner Film und es ist auch so ein utopischer Film, weil er eben dieses Ganze, was man in der Pornoproduktion eben ständig mitdenkt, dieser Druck, dieser Leistungsdruck, diese Angespanntheit und so, das lässt er alles weg, weil er sagt, ihr dürft machen, was ihr wollt. Ihr müsst uns jetzt nicht diese drei Positionen zeigen für die Kamera. Ihr könnt einfach Spaß miteinander haben und wir gucken schon, wie wir das mit den Kameras hinkriegen und was wir dann davon zeigen. Und so läuft der Abend dann eben auch. Es ist halt kein, es ist einfach, es ist nicht, es passiert nichts, was man in einem normalen klassischen US-Porno sehen würde, sondern es passiert halt Sexualität zwischen Menschen auf unterschiedliche Art und Weise. Und in unterschiedlichsten Konstellationen ist es wirklich ein schöner und süßer Film, ein utopischer Gegenentwurf zum Porno. Sie hat ihn, glaube ich, postpornografisch genannt, ihren Film. Aber ich würde ihn als Porno bezeichnen. Postpornografisch ist fast schon zu prätentiös dafür. Was ist denn dann postpornografisch? Ja, genau. Wie will man das so? Das ist so wie Post-Horror. Ja, ja, genau. Das denken sich irgendwelche KulturkritikerInnen aus, um ein neues Wort zu haben, über das sie reden können. Ja, ja. Mein Platz 1. Ein Film, den ich erst vor kurzem gesehen habe, der aber mich echt umgehauen hat. Der große vergängliche Hautfilm. Das ist auch so ein prätentiöser Titel, ne? Ja. Ich muss jetzt einmal kurz aufmachen, die Seite dazu. Es ist eigentlich so ein Independent-Film und es ist eine Mockumentary. Es geht darum, dass zwei Filmemacher ein paar besuchen, das schon länger zusammen ist und sie wollen einfach Sex zeigen, unsimuliert. Und sie wollen so lange mit der Kamera da sein, bis es halt dazu kommt, um einmal wirklich realistisch zu zeigen, was im Bett passiert. Und dann sitzen die zu viert zusammen in diesem Haus und unterhalten sich und es gibt so eine vorsichtige Annäherungsszene von dem Paar. Also es ist alles gefakt, ne? Es ist kein Paar, das sind zwei Schauspieler, die das spielen. Okay. Und sie haben so ein bisschen was zusammen und dann passiert mal was auf Kamera. Das ist total krass, weil es passiert dann halt nie so wirklich und dann haben sie keine Lust und dann sagen sie, ach nee, es funktioniert gerade nicht und so weiter. Und dann ist Black und dann sagt der Regisseur, an diesem Abend ging mein Mit-Kameramann oder mein Mit-Regisseur ins Bett und dann hatte ich mit den beiden Sex. Das ist so das erste wirkliche Sex-Ding. Es kommt aber irgendwann zum Sex und das ist ganz toll, weil sie kriegen es einfach nicht hin und dann inszenieren sie es. Und dann haben wir diese Sex-Szene, die halt irgendwie so fünf bis zehn Minuten einnimmt, keine Ahnung. Und der Kameramann, der Regisseur, die die ganze Zeit drum herumlaufen und sagen, ah, wir müssen das noch ein bisschen mehr stellen. Ich glaube, ich muss von da unten rein. Willst du noch näher? Können wir das ein bisschen anders machen? Und das ganze Konzept des Films, was der so aufgebaut hat, wird ad absurdum geführt, weil sie dann einfach ein Porno inszenieren und sie sind keine Profis, aber sie versuchen es halt trotzdem. Es ist großartig. Es ist so ein toller Meta-Kommentar zu der ganzen Industrie und auch zu diesem Versuch, Sex ungefiltert zu zeigen. Einfach weil klar wird, wenn ein Beobachter dabei ist, ist ein Beobachter dabei und du verhältst dich anders. Es funktioniert einfach nicht. Und dieses Scheitern, großartig, fantastischer Film, dauert nur eine Dreiviertelstunde aus dem Jahr 2012, auch deutsch. Ich habe drei deutsche Filme in meiner Liste. Nicht schlecht, wow. Ausgerechnet bei Pornografie. Ausgerechnet bei Pornografie. Ein wirklich, wirklich großartiger Film, der eben vor allem gut wird, dadurch, dass er diese Meta-Ebene hat. Okay. Kann ich nur jedem empfehlen, der sich mit dem Thema befasst. Ja. Und wer keine Angst vor unsimuliertem Sex hat, sollte diesen Film gesehen haben. Wirklich, wirklich sehenswert. Okay.
Johannes Franke: Wow. Ja, mir ist halt aufgefallen, dass ich tatsächlich, ich habe eine Liste im Internet durchgearbeitet, einfach eine Liste unsimulierte Sex-Szenen. Ich habe keinen einzigen Film davon gesehen, außer eben Alice in Wonderland. Ach krass. Das ist halt überhaupt nicht bis zu mir groß durchgedrungen.
Florian Bayer: Es gibt ja tatsächlich, es gab Ende der 90er, Anfang der 2000er, als diese New French Extremity aufkam, gab es ja diesen Trend, dass dann Filme, Dramen, unsimulierte Sex-Szenen drin hatten. Gaspar Noé hat das auch gemacht. Genau, Gaspar Noé hat das gemacht mit Love. Dann gab es die Regisseurin, die viel gedreht hat. Die hat Romans XXX gemacht. Das war, Moment, einmal kurz gucken, die Cafrine Préa, Entschuldigung, ich spreche den Namen falsch aus, eine französische Regisseurin, die sich sehr viel mit Sexualität auseinandergesetzt hat und die hat diesen Romans-Film gemacht, der einfach auch unsimulierte Sex-Szenen drin hat, auch relativ wenige. Und dann gab es mehrere Leute, die das gemacht haben, was auch relativ bekannt ist, ist dieser Film, ich muss es googeln, Brown Bunny von Winston Gallow, wo ein Blowjob gezeigt wird unsimuliert, unsimuliert.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ja, es gibt es einfach, es war auch einfach mal ein Ding, mittlerweile ist es wieder weniger ein Ding, es war einfach so im Zeitraum von 95 bis 2005, war es ein großes Ding, dass unabhängige Filme, Dramen mit unsimulierten Sex-Szenen gearbeitet haben.
Johannes Franke: Hm, okay.
Florian Bayer: Tja. Aber auch natürlich nicht pornografisch, eben nicht diese Nähe, sondern einfach, dann haben wir halt mal einen Blowjob, dann sehen wir halt mal einen erigierten Penis.
Johannes Franke: Hm, okay.
Florian Bayer: Und selten tatsächlich auch erotisch, sondern meistens ging es dann eher um sexuelle Verzweiflung.
Johannes Franke: Hm.
Florian Bayer: Übrigens, Lars von Trier. Antichrist. Ja, Antichrist. Ist auch noch so einer. Antichrist, genau, das Intro von Antichrist, aber auch natürlich bei Nymphomaniac gibt es auch diese Szenen.
Johannes Franke: Ja, ja, genau, da haben sie, da hat er das so gemacht, dass er die Schauspieler im Nachhinein am Computer mit Pornodarstellern zusammengebracht hat, also.
Florian Bayer: Ja, da gibt es diese ganz krasse Szene von Scheile Bauf, wo er mit seinem riesigen Penis dann da sitzt und diese ganz merkwürdige Szene, weil es irgendwie so ein bisschen falsch wirkt, so ein bisschen gefaked wirkt.
Johannes Franke: Und sie haben auch ganz viel mit Prostetix gearbeitet und so, also, ja.
Florian Bayer: Aber tatsächlich, also ich würde mir wünschen, dass es mehr Pornos gibt, die halt wirklich versuchen, anderes zu machen. Die drei, die ich jetzt genannt habe, sind so meine drei Lieblingsbeispiele. Ich glaube, Erika Lust ist der große Name, was Porno betrifft, also vor allem was feministischer Porno betrifft, der immer wieder aufploppt. Von ihr habe ich so zumindest ein, zwei Kurzfilme gesehen. Sie ist Dauergast mittlerweile bei Festivals.
Johannes Franke: Ah, okay.
Florian Bayer: Bei Pornfestivals. Und sie macht halt so einfach Pornofilme, die dann doch recht klassisch sind, aber bei denen einfach die weibliche Lust mehr im Mittelpunkt steht und die einfach nicht dieses herablassende, widerwärtige haben, was man beim Mainstream-Porno so oft findet. Und es gibt mit Sicherheit noch ganz viele andere RegisseurInnen, die das machen. Ich kenne tatsächlich zu wenig und es ist auch wirklich schwierig, dann die Sachen zu finden. Also ich würde mir sowas mehr wünschen, weil ich glaube nach wie vor, Porno kann wirklich große Kunst sein.
Johannes Franke: Ja, dem Beweis muss es mir noch erbringen. Also ich meine...
Florian Bayer: Schau dir mal häppchenweise und den unvergänglichen Hautfilm an. Ja, das sind zwei Beispiele für mich, wo Pornokunst wird.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Und Bad Ways weniger, weil das zu wenig Porno ist, um da reinzufallen. Hm. Na gut. Okay. Okay, okay, okay, okay. Und damit waren wir wieder Ende der 60er und Anfang der 70er, wo halt dieser Pornboom ausgelöst wurde. Dann wurde Porno plötzlich Mainstream-tauglich. Also man darf Warhol auch nicht zu groß dabei machen, weil es gab diesen zweiten großen Film, der wirklich schlecht ist. Deep Throat. Das war der Film, der diesen Pornoschick noch größer ausgelöst hat. Das war zu Beginn der 70er Jahre. Und der lief halt einfach im normalen Kino. Und das ist auch sein einziges Alleinstellungsmerkmal, was das betrifft. Weil das ist ein ganz, ganz schlimmer, klassischer Porno. Der ist auch nicht, der ist wirklich nicht guckbar. Okay. Da geht's darum, also die Story. Und das ist ungefähr die Männerfant, dass sie die da bedient wird. Eine Frau wird von ihrem Arzt untersucht und der stellt fest, dass ihre Klitoris in ihrer Hals sitzt, in ihrer Kehle sitzt. Und dass sie nur befriedigt werden kann, indem sie sehr tief, also Deep Throat, der Begriff ist mittlerweile so gängig geworden im Pornomilieu, sehr tiefe Blowjobs verteilt. Das ist ein schlimmer Film. Also wirklich kein schöner Film. Und die Entstehung drumherum ist wohl auch ziemlich schäbig, weil die Darstellerin selbst hat dann auch wohl danach zu Protokoll gegeben, dass sie sehr naiv war und sich darauf eingelassen und dass der Film doch einigen Schaden bei ihr hinterlassen hat. Und dass sie es sehr bereut, diesen Film gemacht zu haben. Ach, scheiße. Ja, es war tatsächlich, es war eine merkwürdige Zeit. Es war wirklich dann so, aber dieser Film wurde krass rezipiert. Die New York Times hat drüber geschrieben.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und dann haben ganz viele große Leute aus dem Kunstbereich gesagt, ja, natürlich habe ich den Film gesehen und haben drüber diskutiert. Es war plötzlich im Feuilleton, wurde über Pornografie geredet. Und dann gab es so einen kleinen Zeitraum, Anfang der 70er Jahre, bis Ende der 70er Jahre, wo unglaublich viele Pornos veröffentlicht wurden, die zum einen in großen Kinos gelaufen sind. Und das ist natürlich, Warhols Blue Movie war da auch mit Auslöser, der 3000 Dollar gekostet und hat das fünffache eingenommen. Also es war ein Riesenerfolg. So ein Blue Movie war wahrscheinlich der erfolgreichste Film, den Andy Warhol jemals gemacht hat.
Johannes Franke: Der brauchte auch nur ein Wochenende, um das irgendwie einzuspielen. Also ich meine, 3000 Euro zu überbieten ist jetzt nicht so wahnsinnig schwer. Das stimmt allerdings.
Florian Bayer: Und dann gab es viele Filmemacher, die ihren Anfang bei Porno genommen haben, die dann später auch andere Filme gedreht haben und die dann so ein bisschen da rangegangen sind mit, naja, ich muss 316 drin haben, das gibt das Studio vor. Aber ich habe so ein bisschen künstlerische Freiheit. Okay. Und dann gab es wirklich Filme, die versucht haben, so Surrealismus einzubauen, die versucht haben, eine Komödie zu werden oder ein Musical wie eben dieser Alice in Wonderland. Es gab Filme, die wirklich versucht haben, Historien-Eben zu sein oder ein bisschen Science-Fiction und Horror mit reinzubringen und es war eine sehr schräge Zeit, aber auf jeden Fall eine Zeit, die das Kino durchaus auch positiv beeinflusst hat, einfach weil Sex enttabuisiert wurde auf der Leinwand und weil auch ganz viel drauf geguckt wurde, nochmal neu darüber nachgedacht wurde, wie arbeiten wir mit Sex, was wollen wir mit Sex machen. Und es sind viele schlimme Filme in der Zeit entstanden und auch alles so teilweise im Suspekten-Milieu und kriminelle Hinterleute, die das finanziert haben, Darstellerin, die kacke behandelt wurden und so weiter.
Johannes Franke: Also diese Dunkelziffer an Schauspielerinnen, die keine schöne Zeit hatten, ist also...
Florian Bayer: Bis zum heutigen Tag, die Porno-Industrie ist einfach... Und das ist auch ein ganz großes Problem in der Porno-Industrie, du kannst eigentlich kein Porno gucken, ohne dir Gedanken drüber zu machen, wie geht's den Leuten, die da vor der Kamera gerade performen und die, keine Ahnung, egal ob es jetzt darum geht, dass der Krankheitsschutz nicht genügt, ob Leute mit falschen Versprechungen dahin gelockt wurden, ob es Leute sind, die wirklich wenig Geld haben und halt irgendwie so aus Verzweiflung bei einer Billigproduktion mitmachen. Es ist ein total schwieriges Thema. Und deswegen schätze ich sowas wie zum Beispiel Erika Lust, die halt ganz transparent sagt, bei mir sind die Produktionsbedingungen andere. Und allein das macht ihre Filme halt schon besser. Weil es einfach nicht diese Schäbigkeit hat und nicht dieses Unangenehme.
Johannes Franke: Na gut, ich bin gespannt, ob das Genre sich noch entwickelt, vor allem in die Richtung, die du dir wünschst. Weil natürlich, klar, Pornografie ist es auch egal, was man davon hält. Also ich finde auch Pornografie ein spannendes Feld. Aber selbst wenn man es für völlig unspannend und ganz unnötig hält, es wird immer eines der wichtigsten Themen dieser Menschheit sein. Sex ist immer da und wird auch immer ein Thema für Filme sein, in der expliziten oder weniger expliziten Art. Und deswegen müssen wir uns dringend was überlegen, wie wir das Ganze humanistisch hinkriegen.
Florian Bayer: Ja, es ist tatsächlich schon viel Gutes passiert in den letzten Jahren. Es gibt ja in Berlin, gibt es dieses Pornfilmfestival, das mittlerweile stattfindet. Und da werden halt einfach auch ganz viele feministische Pornos, queere Pornos und so weiter gezeigt. Es gibt einfach diesen Strang neben dem Mainstream. Und der Mainstream ist halt wirklich schlimm. So dieses, das, was alles jetzt, diese Billigproduktionen, die rausgeworfen werden und die auf diesen Pornseiten stattfinden und die alle nach demselben Schema sind und oft frauenverachtend, sehr männerzentriert und so weiter. Es gibt diesen Nebenstrang und der müsste einfach stärker werden und nochmal so einen Schub Richtung Öffentlichkeit kriegen. Und darauf hoffe ich, dass das mehr passiert. Und ich finde, Andy Warhol mit seinem Film ist tatsächlich so ein, auch ein sehr früher Film, der es eben besser gemacht hat. Ja. Weil wir haben hier zwei Personen, also Viva und Luis haben offensichtlich beide Spaß an dem Sex. Und es passiert auch nichts ohne Content. Man sieht einfach, wo es hinführt, wie es hinführt. Sie sind auf einer Augenebene, auf einer Höhe. Und naja, sie ist ein bisschen, sie ist genervt die ganze Zeit. Sie ist ein bisschen genervt, aber sie sagt das auch. Und sie macht auch Witze über ihn und macht auch Witze darüber und sie ist offensichtlich stark. Sie war ja einer von den Warhol Superstars. Ja. Sie hat ja Andy Warhol so lange bedrängt, bis er endlich mal eine Rolle in einem Film gegeben hat. Sie hat ihn offensichtlich gestalkt und ist auf einer Party, bis sie ihm hinterhergelaufen hat und hat gesagt, Andy, Andy, komm schon. Und dann hat er irgendwann gesagt, ja mein Gott, dann darfst du in die Factory. Und dann wurde sie aber auch tatsächlich ein richtiger Star in der Factory. Okay. Sie ist ja Janet Susan Mary Hoffman, um zumindest einmal ihren Geburtsnamen zu nennen. Und dann wurde sie Viva mit Ausrufezeichen. Und Louis Walden war ja auch ein Schauspieler, der zig Sachen gedreht hat und bei Andy Warhol auch in der Factory rumgelaufen ist. Also es sind einfach zwei Menschen, die hier Sex haben, als diese Menschen, und das ist schon mehr, als man Ende der 60er, Anfang der 70er in vielen Pornos gesehen hat. Einfach, weil es Menschen sind, die Spaß am Sex haben, deren Sex nicht so gekünstelt wirkt, wo nichts so krass inszeniert ist auf die eine Nahaufnahme und auf die komische Männerfantasie, dass eine Frau eine Klitoris in der Kehle hat. Also Andy Warhol war durchaus Pionier, was das betrifft. Auch wenn der Film selbst nicht sonderlich erotisch ist. Ja, muss man schon sagen. Und auch nicht sonderlich gut gemacht ist. Ja. Er hat keinen großen künstlerischen Wert. Nee.
Johannes Franke: Wobei ich beim Duschen oder was war, ganz am Schluss, da gibt es so eine Stelle, wo ich gedacht habe, ach jetzt gucke ich ihnen kurz gern zu, wie sie einfach nur in der Gegend rumkichern.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Irgendwas, aber ich glaube, ich war einfach von dem restlichen Film verzweifelt genug, dass ich nach jedem Strohhalm geguckt habe.
Florian Bayer: Es hat halt diesen gewissen Sympathiewerk, weil es einfach Menschen sind, die sich verhalten, wie sich Menschen verhalten, ein bisschen awkward, ein bisschen albern. Sie reden halt unglaublich viel Müll. Ja. Sie sind sich dessen auch irgendwie bewusst teilweise.
Johannes Franke: Was ich nicht verstehe ist, warum man nicht aus dem, du siehst, kommt das Material, kommt aus dem Kopierwerk, guckst es an und denkst dir, ja, überbelichtet, falsche Farben, warum hat er keinen schwarz-weiß Film draus gemacht? Hätte er machen können, hätte einfach eine schwarz-weiß Kopie davon ziehen können.
Florian Bayer: Ich glaube, das war einfach die Art, wie Andy Warhol Filme gemacht hat. Es muss wohl Stunden, hunderte von Stunden geben von Andy Warhol Filmen, die noch gar nicht richtig gesichtet wurden, weil der hatte eine Kamera und dann hat er halt einfach angefangen und losgelegt und dann hat er jeden Scheiß gedreht. Das finde ich auch sympathisch, auch wenn dabei nicht große Kunst entstanden ist. Ja. Aber wenn ich das mache, interessiert es keinen. Ja, natürlich. Andy Warhol, genau. Bei Andy Warhol hat es halt interessiert, weil er schon einen Namen hatte. Ja. So sieht es aus.
Johannes Franke: Deine finalen Gedanken. Meine finalen Gedanken. Muss ich mir nicht angucken eigentlich, aber ich gebe dir gerne den Punkt, dass er Dinge beeinflusst hat. Die gebe ich ihm in anderen Bereichen allerdings mehr als im Filmbereich, die dazu geführt haben, dass andere Leute was draus gemacht haben. Nein, ich meine, Andy Warhol ist ein Künstler gewesen für sich und er war in seiner Zeit genau der Richtige für das, was er gemacht hat.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Punkt. Und egal, was man davon hält, ob man sich das gerne anschaut, ob es ästhetisch wertvoll ist für einen oder nicht. Er ist ein wichtiger Mensch für seine Zeit. Und allein dafür gönne ich ihm alles Glück der Welt. Ja.
Florian Bayer: Ich glaube, das kann ich so unterschreiben. Ich habe jetzt auch nochmal darüber nachgedacht, wir hätten über diesen Film eigentlich reden können, ohne den Film zu gucken. Ja. Weil es letzten Endes vor allem um den Impact geht, den er hatte, weil es um den historischen Kontext geht und das finde ich alles super spannend. Mhm. Aber der Film selbst ist tatsächlich jetzt nicht ein Film, wo ich sagen würde, der ist total sehenswert. Na toll, jetzt habe ich zwei Stunden. Wer gibt mir jetzt mal zwei Stunden wieder zurück? Naja, aber du kannst jetzt sagen, du hast diesen Film gesehen und du verstehst den Kontext. Ja, okay. Und das ist ja auch schon was wert. Also wie gesagt, der Kontext ist super spannend, sowohl was das Künstlerische von Warhol betrifft, die Art, Filme zu machen, als auch was den beginnenden Pornoboom betrifft.
Johannes Franke: Schnitt. Plur kommt, klingelt bei mir, ich habe ein Porno gedreht. Guck mal.
Florian Bayer: Vergrisselte Bilder, nichts ist zu sehen, ordentlich. Plus, wir können endlich abhaken, ja, jetzt haben wir auch ein Porno gemacht. Jetzt haben wir wirklich fast alle Genres durch. Okay, Kinderfilme fehlen noch. Ja, stimmt.
Johannes Franke: Merkwürdig, das jetzt zu sagen. Oh, fuck, man. Also wir überlegen noch, welche Genre fehlen.
Florian Bayer: Ist das Folge richtig?
Johannes Franke: Oh, Sex werden Kinder und dann braucht man Kinderfilme.
Florian Bayer: Das stimmt. Das ist sehr wahr. Also wir werden drüber nachdenken, was für Genres uns noch fehlen, aber ich bin froh, dass wir hinter den Porno einen Haken machen können.
Johannes Franke: Ich finde, wir brauchen viel obskurere Genres. Oh, sehr spezielle Genres. Forderst du mich gerade heraus? Ach du Scheiße, nein, hätte ich es bloß nicht gesagt. Okay. Wir sehen uns. Wir hören uns. Erstmal einen Moment Pause machen, dann machen wir den zweiten Film und für nächste Woche kannst du dir dann allen möglichen Scheiß ausdenken. Ich bin auf das Schlimmste vorbereitet nach diesem Film. Hervorragend. Bis gleich. Bis gleich. Welcome back. Willkommen zurück. Zu einem zweiten Teil der Liebesfilmfolge. Es wird jetzt deutlich romantischer und weniger sexuell. Wir haben jetzt den Film Only Lovers Left Alive von Jim Jarmusch. Blau, du hast erzählt, du hast den schon mal gesehen, aber wie lange ist das her?
Florian Bayer: Ich werde den gesehen haben, also ich habe ihn nicht im Kino gesehen, aber das heißt dann, als er rausgekommen war, auf DVD wahrscheinlich, also.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ich gehe davon aus, dass es halt, ja, 15 Jahre dürfte es dann wahrscheinlich her sein, so um den Drehen, ne? Nein, der Film ist erst 2013 rausgekommen. Oh. Nee, dann ist es fünf Jahre her.
Johannes Franke: Dann ist es noch gar nicht so lange her. Dann ist es nämlich gar nicht so lange her. Ja. Hm. Ich kann uns ja mal in den Film so ein bisschen einführen und dann, ähm, auf ins Gefecht. Ja. Wie viel Gefecht da sein wird, ist so eine Frage. Du hattest das letzte Mal angedeutet, dass du den Film mochtest damals beim ersten Gucken. Bin mal gespannt, ob du ihn immer noch magst. Jim Jarmusch's Only Lovers Left Alive erstaunt mich immer wieder. Ich vergesse immer wieder, dass der Film von 2013 ist und nicht 1973. Ich bin jedes Mal überrascht, Tom Hiddleston zu sehen, der auch damals schon Loki war und freue mich über den analogen Charme, der dieser digital gedrehte Film versprüht. Es geht um ein Vampirpaar, das, ähm, naja, das, also, das, ähm, hier komme ich schon ins Straucheln, denn, äh, wenn man einen Plot sucht, wird man Schwierigkeiten haben, einen richtigen zu finden. Es ist ein ruhiger Film, ein kraftvoller Film, um das ewige Leben und was man damit anfängt, aber das auch fast nur nebensächlich, implizit, denn hauptsächlich geht es um die Leidenschaft zur Kunst und Kultur und natürlich die ewige Liebe. Ach ja, die Liebe, die Liebe. Während dein Takeplore auf die Liebe sehr geschwätziger Sex zu sein scheint, ist meiner sehr viel epischer und schweigsamer und ruhiger, gesetzter, vielleicht leidenschaftlicher, erwachsener, was meinst du? Das ist ja unfair, dass du sagst, das wäre mein Take auf die Liebe.
Florian Bayer: Nicht nur, dass ich würde auch sagen, Only Lovers Left Life ist deutlich der erotischere Film von den beiden. Ja, also. Und das ist mir jetzt beim zweiten Schauen nochmal aufgefallen, vielleicht, weil ich unmittelbar davor den Blue Movie geguckt habe, was für eine unglaubliche Erotik dieser Film versprüht. Cool, oder? Das ist ja krass. Genau, was für eine coole Erotik. Ja. Wir haben vorhin drüber geredet, über Musicals und du hast gemeint, oh, nicht schon wieder ein Musical. Aber dieser Film hat sehr viel von einem Musical oder sagen wir mal von einem Musikfilm. Ja, ja, genau. Weil er ist die ganze Zeit getragen von diesem coolen, lässigen Rock'n'Roll. Ich kann nochmal sagen, Jim Jarmusch ist einfach einer der Regisseure mit dem besten Musikgeschmack ever. Ja, eigentlich ist er Rockstar.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dieser Film ist permanent getragen von der Musikalität, die er hat. Es gibt so viele Szenen, in denen gar nicht geredet wird, in denen wir einfach sehen, wie unsere beiden Hauptfiguren einfach sich bewegen zu Musik, packen, lesen, rumhängen miteinander. Ja. Und es ist großartig.
Johannes Franke: Schön.
Florian Bayer: Also ich liebe diesen Film. Er hat so eine tolle Ästhetik, er hat so viel Stil.
Johannes Franke: Das ist krass, ne? Also nicht nur in der Ausstattung, in der Kamera, sondern auch in den Dialogen so viel Stil und in dem Zitat, was er, also ich meine, er zitiert ja, das ist ein einziges Zitat, das riesige Ding. Und wird wahrscheinlich nur so zehn Prozent davon wirklich erhaschen, selbst, also, oder zuordnen können oder sowas. Was er da alles reinpackt, ist unglaublich.
Florian Bayer: Er ist so ein Genuss und auch so ein Dekadenzfilm, weil er behandelt natürlich auch ganz viel diese Lebensüberdrüssigkeit. Wir haben hier zwei GenießerInnen, aber gleichzeitig ist zumindest der eine, Ian, nicht Ian, Adam, Adam, ist ja so eigentlich komplett lebensüberdrüssig und man hat so das Gefühl, er hat schon alles gesehen und die Menschheit nervt ihn einfach nur noch und er flieht sich so ein bisschen in seinen musikalischen Eskapismus, aber eigentlich hat er keinen Bock mehr auf diese Welt.
Johannes Franke: Was die ganz große Frage aufmacht, die machen wir jetzt gleich auf, wenn man so lange lebt und der soll ungefähr 600 Jahre alt sein, während sie irgendwie sehr viel älter ist auch noch, aber es wird nicht im Film gesagt, sondern er hat, Jim Jarmusch hat es seinen Schauspieler dann und den ganzen Crewleuten so ein bisschen erzählt, was er sich so vorgestellt hat.
Florian Bayer: Das wird sowieso wenig Hintergrundgeschichte erzählen, was toll ist.
Johannes Franke: Ja, genau, was ich ganz super finde, ganz großartig. Aber natürlich, wie man das als ordentlicher Filmemacher macht, man hat seine eigenen Backstories im Kopf und möglichst auch den Schauspielern gegeben und die sollen halt irgendwie so 600 Jahre ist er alt und sie irgendwie über 1300 Jahre alt oder was, keine Ahnung.
Florian Bayer: 2000?
Johannes Franke: Oh ja, es ist schon 2000. Und worauf wollte ich hinaus, Paul? Was ist, wenn man so lange lebt? Was ist, wenn man so lange lebt? Hat man diese Leidenschaft? Er hat ja anscheinend eine Leidenschaft für Musik. Ja. Und die scheint ja schon sehr, sehr lange zu bestehen. Wie lange kann man so eine Leidenschaft aufrechterhalten? Das habe ich mich gefragt. Ja, das ist auch eine spannende Frage.
Florian Bayer: Offensichtlich, also zumindest wenn es nach Djamusch geht, sehr lange.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil es wird ja immer mal wieder so in kleinen Bits angedeutet, dass er viel gemacht hat, dass er viele Künstler und Künstlerinnen beeinflusst hat im Laufe seines Lebens. Und er hat ja offensichtlich, zumindest was das betrifft, immer noch nicht genug davon. Er hat diese unglaubliche Liebe zu Gitarren. Ja. Er ist Rockstar, also da ist schon zu viel gesagt. Er zieht sich halt zurück, weil er keinen Bock auf die Menschen hat. Aber seine Musik wird offensichtlich gespielt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und sorgt auch dafür, dass ganz viele Leute neugierig auf ihn sind, was er ganz schrecklich findet.
Johannes Franke: Ja, weswegen plötzlich Leute vor der Tür stehen, was ihn wirklich, also plotbewegend beeinflusst. Also er zieht dann ja weg.
Florian Bayer: Aber diese Musik scheint ihm Halt zu geben. Und ich finde, dieser Film macht es ganz toll, diese Gegenüberstellung von diesem gewissen Überdrust, den es gibt und auch diese gewisse Langeweile, diese Envie, diese Melancholie, die er hat. Ja. Aber verbunden eben doch mit dieser Lust am Genuss, am einfachen Genuss. Das ist ein Genussfilm, ein Genießerfilm auch.
Johannes Franke: Ja. Und ich finde es ganz toll, wenn er schon anfängt, der Film sagt schon ganz viel, dieser Plattenteller, der sich da dreht, das Bild, was sich dreht im Topshot über ihr, wie sie, da sind Bücher irgendwie um sie drumherum drapiert. Und sie liegt da in ihrer Leidenschaft der, naja, Literatur wohl. Und er liegt da mit seiner Gitarre, glaube ich, und auch dieser drehende Topshot. Und schon hast du mit der Musik, die drunter liegt, die Atmosphäre des ganzen Films geatmet und weißt schon, wo es dann geht. Das ist ganz toll.
Florian Bayer: Auch diese großartige Verbindung, die so auf Distanz und gleichzeitiger Nähe basiert. Weil sie ist in Tangier. Tangier, genau. Tangier.
Johannes Franke: Und er ist in Detroit. Ja. Und das finde ich auch sehr, sehr spannend, weil das gar nicht so erzählt wird groß, aber man hat sofort das Gefühl, die sehen sich Jahrzehnte nicht. Ja. Ja, bis sie sich dann wieder, weil sie sich sorgt um ihn, kommt sie und kümmert sich um ihn. Und die sind halt ein Paar.
Florian Bayer: Und sie haben, natürlich ist es ganz okay für sie, weil sie haben ein ganz anderes Zeitgefühl als wir, weil sie eben so lange leben. Und dann ist es auch okay, wenn man sich mal ein Jahrzehnt nicht sieht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das ist halt so wie für uns, wenn man mal eine Woche Urlaub hat voneinander.
Johannes Franke: Das Geheimnis einer Ehe, man sieht sich nicht. Ja, das ist krass. Und das atmet dieser Film mit so sofort von der ersten Minute an, so diese Langsamkeit und dieses einfach im Moment sein und dann irgendwie auch vergessen, dass schon wieder fünf Jahre vergangen sind. Und das ist krass.
Florian Bayer: Und wir haben immer diese meandernde Kamera, die irgendwie so durch den Raum schwebt und über sich schwebt, ihre Gesichter einfängt und sie tatsächlich auch im Nichtstun einfängt. Der Film besteht aus ganz viel Nichtstun.
Johannes Franke: Unabhängig davon, ob man es allein macht oder ob man es zusammen macht. Ohne, dass der Film den Faden verliert. Und das ist oft bei Filmen, die versuchen einfach nur Nichtstun darzustellen. Also in Blue Movie passiert wesentlich mehr Zeug und Nichtstun, aber man hat keinen einzigen Faden.
Florian Bayer: Übrigens nochmal zu der These, die ich vorhin gebracht habe, dass es ohne Blue Movie diesen Film nicht gäbe. Wenn man sich in Jim Chalmers Biografie ein bisschen umschaut, dann war er sehr früh, war er begeistert von der Poesie der Beatniks und aber auch vom Experimentalfilm. Und es gab ein Kino, ein Independent Kino, in dem er als Jugendlicher ein- und ausgegangen ist, das experimentelle Filme gezeigt hat. Unter anderem auch Chelsea Girls von Warhol. Und wenn wir uns Chalmers angucken, so als Typ mit diesen hellen Haaren und so ein bisschen schüchtern in sich gekehrt, da spüre ich so leichte Warhol-Vibes. Ich möchte meine Thesen nochmal unterstreichen. Diesen Film gäbe es nicht ohne Blue Movie.
Johannes Franke: Lass uns Andy Warhol mal anrufen. Andy Warhol wird nichts mehr. Ich glaube, Jim Chalmers würde uns zustimmen. Ja, vielleicht. Ich gebe es zu. Aber er schafft es natürlich hier viel besser, eine Stimmung einzufangen, weil er einfach Filmemacher ist. Und Andy Warhol war kein Filmemacher.
Florian Bayer: Er macht es aber auch schon seit 30 Jahren, wenn er diesen Film dreht. Und wenn man sich die ersten Filme von Chalmers anguckt, die sind noch so ein bisschen mehr so ein bisschen dreckiger, ein bisschen roher. Und ich halte mal drauf und lasse mal die Dialoge einfach laufen. Was ganz spannend ist, weil dieser Film ist, wenn man sich so die Vita von Warhol anguckt, ist es natürlich auch schon so ein Ergebnis, wo er irgendwie hingelaufen ist. Immer ästhetischer, immer poetischer. Und er ist auch schon so ein kleiner Höhepunkt in der Chalmers Vita.
Johannes Franke: Ja, ja, also ich kann es nicht ganz einsortieren, weil ich die Chalmers Filme nicht alle so präsent habe jetzt im Kopf. Aber ich erinnere mich, dass ich jedes Mal, wenn ich gehört habe, dass es ein Jim Chalmers Film war, den ich ja gerade gesehen habe, dass ich gedacht habe, ah, okay, ja, ja, ja, gut, gut, okay, cool.
Florian Bayer: Man erkennt sie auch immer wieder. Auch diesen Film, man erkennt Chalmers Handschrift, diese ruhige Erzählweise. Ja, genau. Diese coole Lässigkeit, diesen Blick für kleinen Humor. Ja, es ist kein Film zum lauten Lachen, aber er hat diese Schmunzelmomente und hat auch immer mal wieder dieses Augenzwinkern drin. Ja.
Johannes Franke: Und wenn man jetzt mal auf diese Filmemacherschiene weiterredet, er wollte ja eigentlich Film auf Film drehen, analog.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ging aber nicht, wegen, er hat sowieso über sieben Jahre gewartet, bis er das machen konnte, weil ihm einfach keiner Geld geben wollte dafür. Und dann, ausgerechnet bei uns in Deutschland, NRW, die Filmförderanstalten NRW, haben ihm sieben Millionen gegeben dafür. Krass. Ich habe das Film, ich habe ihn geguckt auf meinen Beamer und sah es mit offenem Mund da, als der Abspann ging. Ja. Und gefördert durch, what the fuck? Ein Hoch auf die deutsche Filmförderung. Total krass, Mann. Und dann hat er mit der Aria Alexa, hat er dann gedreht. Genau, er hat mit der Aria Alexa Plus gedreht. Und das Geile ist, und das möchte ich einmal, also kurzer Pro-Tipp an alle, die anfangen jetzt gerade Filme zu machen, die irgendwie großes Bedürfnis nach guten Kameras haben, aber nicht genug Geld dafür haben. Also kein Geld, es ist immer noch viel Geld. Aber es gibt diese Aria Alexa Plus auf Ebay, weil es eine alte Kamera ist, auf Ebay für 10.000 Euro. Das ist günstig für eine Kamera.
Florian Bayer: Das musst du unserem Publikum dazu sagen. Weil 10.000 Euro klingen viel.
Johannes Franke: Ja, aber es ist richtig spottbillig für eine Kamera. Deswegen leihen sich die meisten FilmemacherInnen Kameras aus, wenn sie drehen. Ausgeliehen. Aber wenn man, wenn man, also natürlich kann die Aria Alexa Plus nicht alles das, was wir heute gerne in der Kamera haben möchten. Sie dreht, glaube ich, nicht in 4K und sie dreht nicht in 250 Frames per Second für Zeitlupen, die irgendwie bombastisch sind. Aber sie produziert ein so tolles Bild, weil Aria Alexa einfach eine gute, also es ist eine gute Marke. Und dann hat er auch noch mit Linsen gedreht. Da kostet auch eine so 6.000 Euro und die kosten normalerweise halt auch 50.000 Euro pro Linse. Und das ist schon krass. Und für so knapp 20.000 Euro kann man sich was zusammenlegen, was richtig, richtig, richtig gut aussieht. Was diese Ästhetik hinkriegen kann. Was diese Ästhetik hinkriegen kann. Wenn man das Talent von Jamo schaut. Ja, naja, gut. Du brauchst eine gute Ausstattung, brauchst einen guten Lichtmenschen. Da müssen wir gleich weiter technisch reden. Entschuldigung.
Florian Bayer: Das krass ist ja tatsächlich, dass es in diesem Film gelingt. Dieser Film wirkt nicht wie ein digitaler Film.
Johannes Franke: Überhaupt nicht. Dieser Film hat total analoge Vibes. Es ist unglaublich geil, aber es hat viel mit der Ausstattung zu tun und es hat viel mit dem Licht zu tun und auch mit den Linsen, muss man sagen. Und die haben, dadurch, dass es eben um dieses Thema der Unsterblichkeit und so, die kennen halt einen Haufen Künstler von vor 500, 600, 700, 800 und so weiter Jahren. Einen sogar ganz persönlich, mit dem sie dann gleich am Anfang das Gespräch führt. Genau. Mit Marlow. Aber da müssen wir später zu kommen. Tut mir leid. Und das heißt, sie haben sich mit der Kunstgeschichte auseinandergesetzt und überlegt, alle Departments haben sich überlegt, wie kann man damit arbeiten. Das Licht hat sich das überlegt. Die haben sich Gemälde von Caravaggio angeschaut und so und haben geguckt, wie fällt das Licht bei Caravaggio, wie können wir das übertragen. Da gibt es ein paar Szenen, die das besonders deutlich machen, zum Beispiel die Sterbeszene von Marlow, die total Caravaggio ist.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und die Ausstattung wirklich geguckt hat, wie schaffe ich es zu erzählen, dass jemand 500 Jahre Zeit hatte, Sachen zu sammeln. Und da liegt halt ein Instrument von vor 100 Jahren neben einer Fernbedienung, die er gestern gekauft hat und irgendwie noch ein 500 Jahre altes irgendwas woanders. Und das ist so krass. Alle Bilder, die in diesem Film sind, atmen. Diese Reichhaltigkeit der Kultur über so viele Jahrhunderte. Ohne dass es wirkt wie ein Antiquariat. Das wirkt einfach wie jemand, der halt Zeug hat. Und alles macht klack, klack und alles hat ein Geräusch heutzutage, ist ja alles so leise. Aber das, was der zu Hause hat, wenn der sein antiquiertes Studio anschmeißt, macht alles und klack und hier und da und sein Generator, den er sich gebaut hat für seine Stromversorgung, auch total krass zusammengebasteltes Zeug.
Florian Bayer: Und er behandelt es nicht wie ein Antiquariat, sondern es sind einfach verschiedene Dinge aus verschiedenen Zeiten. Es ist auch ein bisschen messy, es ist Chaos. Und da kann halt auch dieses wirkliche Sammlerstück, das 300 Jahre alt ist, kann einfach neben einer aktuellen Billiggitarre liegen.
Johannes Franke: Genau. Das ist super. Ganz toll gemacht. Ich habe ein Interview mit dem Typen gelesen, der die Ausstattung gemacht hat. Das klang auch so begeistert von ihm. Und diese Begeisterung habe ich jetzt auch gerade so.
Florian Bayer: Und man sieht es auch in den Bildern. Ja. Es ist einfach, wenn man die Ausstattung sieht, allein die Ausstattung in diesem Film, die ist so viel Gold wert, die macht so viel aus von der Atmosphäre.
Johannes Franke: Wahnsinn. Und dann hat er es eben auch geschafft, also Jarmusch, das so zu inszenieren, dass es alles so in sich ruht und dass man das alles so genießen kann und dass er das nicht so hektisch durchgeht und durchrennt und das ist alles überhaupt nichts wert, sondern man kann sich so gut drauf einlassen und die Gravitas von diesem ganzen Ding kann sich einfach entfalten. Ich finde es ganz toll. Ja.
Florian Bayer: Auch weil er diese ganzen Vampir-Klischees erstmal komplett zur Seite kloppt.
Johannes Franke: Genau. Und es wird ja nicht ein einziges Mal das Wort Vampir benutzt. Also es ist halt ja gar nicht Thema. Es geht ja darum, geht nicht. Also das einzige Wort, was irgendwas bezeichnen soll, ist andersrum die Zombies. Das sind wir. Das sind wir. Wir sind die Muggel.
Florian Bayer: Also die Zombies für die. Und dann sieht man ja auch relativ am Anfang schon, wie sie sich halt aus der Blutbank das Blut holen. Also er holt sich das von einem Arzt. Ja, der Dr. Watson heißt.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und dann trinken sie ihre Blutkonserven und es ist schon klar, wir haben hier nicht unsere klassischen Vampire, wie man sie kennt. Und es geht gar nicht so sehr darum zu erzählen, wie ein Vampir versucht zu überleben, sondern es geht einfach um die Persönlichkeiten und um die Gefühlslage dieser beiden Personen,
Johannes Franke: die im Zentrum stehen. Genau. Also einmal wirklich den Vampir ernst zu nehmen und darüber nachzudenken, was hat das für Implikationen, wenn man so lange lebt? Ja. Und nicht den Mythos des Vampirs groß auszuschlachten. Wie blickt man auf die Welt? Wie geht es ihnen? Nicht wie sehen wir sie, sondern wie sehen sie uns? Wie sehen sie die Welt? Genau. Und daran erkennt man auch, und da ist es wieder folgerichtig, dass er nicht diese Silver Bullet nimmt, sondern eine aus Holz. Dieses Silber, wie man Vampire tötet mit einer silbernen Kugel. Das ist eine sehr neue Erfindung, die in diese Saga erst irgendwie, weiß ich nicht, in den 20er, 30ern eingeführt wurde. Vorher war es Holz, eindeutig Holz. Ja, der Holzfall, ne? Ja, und er bestellt sich halt so eine Holz Bullet und nicht aus Silber. Adam and Eve, sehr biblisch. Ja, aber so ist es nicht gedacht, das hast du wahrscheinlich auch rausgefunden. Jim Jarmusch meinte, er hätte so kurz bevor die Dreharbeiten angefangen haben, hat er gemerkt, oh, Moment mal, da gibt es ja auch was in der Bibel. Das könnte falsch verstanden werden. Scheiße, jetzt ist zu spät. Was will er eigentlich zitieren damit? Er will eigentlich, ähm, äh, ich hab's mir mal aufgeschrieben, äh, äh, äh, mach
Florian Bayer: du. Von Mark Twain stammt es ursprünglich. Ja. The Diaries of Adam, Adam and Eve, was offensichtlich eine Satire ist, ich kenn's nicht.
Johannes Franke: Ich kenn's auch nicht, ich hab versucht es zu finden, ich hab's, es liegt daran, dass es anscheinend nur sehr selten, also es ist nicht richtig publiziert worden in der kompletten Fassung, es gibt immer so Teile, die irgendwo mit drin hängen, aber so richtig eine komplette Fassung gibt's wohl irgendwie nur selten.
Florian Bayer: Und Mark Twain hängt auch als Bild bei Adam, der hat viele Bilder da hängen. Ah, da müssen wir, okay.
Johannes Franke: Okay, Spiel, folgendes Spiel. Oh nein, jetzt mach nicht Spot des Stars. Ja, wen hast du denn erkannt? Wirklich? Du gehst doch mit der Kamera rüber und natürlich das erste, was passiert in deinem Kopf ist doch, wen erkenne ich da? Oder? Hab ich tatsächlich nicht gedacht. Das hast du nicht gemacht?
Florian Bayer: Ich dachte tatsächlich nur, wow, das sind aber viele bekannte Menschen, ah, interessant. Ich hab, ich hab, es war, es war auch, es war vielleicht zu schnell, um, um zum Suchspiel zu werden und jetzt hab ich auch die Namen schon vor mir liegen, deswegen ist das total beeinflusst von dem, was ich hier gerade lese. Ich weiß es noch. Natürlich, also Kafka ist, weil Kafka einfach ein sehr prägnantes Gesicht hat. Ja, okay. An Kafka ist mein Auge kleben geblieben. Und Edgar Allan Poe, finde ich, ist auch sehr markant. Ja.
Johannes Franke: Und Richard Wagner auch. Ja gut. Und natürlich, weil es einfach der Stilgebiete des Johann Sebastian Bach, der ganz klar, ja, ne, also nach diesem Porträt halt, klar.
Florian Bayer: Aber dann, wir können jetzt Name-Tropping machen, ne, er hat da Jimi Hendrix hängen und Billie Holiday und John Coltrane und Franz Schubert und Gustav Mahler und Fritz Lang und Bruce Lee und Basta Keaton. Es ist diese wunderbare Mischung, und das liebe ich an Jarmusch auch total, aus Popkultur und diesem schrecklichen Wort E-Kultur. Ja. Die U-Kultur und die E-Kultur, ne, das Ernsthafte und das Unterhaltsame. So eine bescheuerte Auseinandersetzung. Und bei Jim Jarmusch, also vor allem auch in diesem Film, fließt das komplett ineinander über. Das vermeintlich Triviale mit dem vermeintlich kulturell Wertvollen. Es gibt keine Grenzen, keine Unterschiede. Ja. Da kann eben auch, können Baudelaire, Jen Austin und Samuel Beckett neben Bruce Lee und Basta Keaton und Harpo Marx hängen.
Johannes Franke: Ja, vor allem Marx, weil der wirklich, der blöde Typ überhaupt schlechthin ist. Noch schlimmer als Basta Keaton. Basta Keaton ist ja gar kein richtiges Blödel im Vergleich zu den Marx Brothers.
Florian Bayer: Ja, und dann Rodney Dangerfield hängt auch, da ist mir nicht aufgefallen, aber der ist ja noch, noch, noch blödiger überhaupt. Das ist ja, das ist ja der blödler Schlechthin. Das sagt mir gar nichts. Oh Gott. Der ist, oh, pass auf, Rodney Dangerfield ist der Pointenmacher. Wie heißt denn der Deutsche? Es gibt so einen Deutschen. Ähm, äh, Phipps Asmussen. Genau, Rodney Dangerfield ist der amerikanische Phipps Asmussen. Ach so, Scheiße. Also würde ich so sagen, ich weiß nicht, ob Phipps Asmussen sich von ihm hat inspirieren lassen, aber das Bühnenprogramm von Rodney Dangerfield ist auch so. Da kommt eine Pointe nach der anderen. Okay, wow. Na gut. Und dann natürlich die klassischen Chamosch-Leute, ne? Ja, genau.
Johannes Franke: Iggy Pop. Seine Leute, mit denen er zusammengearbeitet hat. Was, was schön ist, also, guckst dir als Tom Waits den Film an und freust dich, dass du da mithängst. Ja, auf jeden Fall. Schön. Ja, ähm, und dann sagt er auch noch im Film eigentlich, ich hab keine Heroes. Ja. Und da hat er die ganze Wand voll.
Florian Bayer: Sie sagt ja irgendwann zu ihm, ich hab mit deinem, ich hab mit Christopher Marlowe geredet, den du so total verehrst und ich weiß nicht mehr genau, wie sie sich sagt, aber es gibt diesen Moment, wo sie sagt, mit Christopher Marlowe hab ich übrigens auch geredet, du bist doch so ein Fanboy von dem.
Johannes Franke: Und er versucht sich zurückzuhalten und sagt, ich hab keine, ich hab keine Helden.
Florian Bayer: Und ist das nicht fantastisch, wie die beiden spielen? Um jetzt nochmal kurz auf unsere beiden Protagonisten zu sprechen zu kommen. Göttergleich. Tilda Swinton, also, für mich ist es so, wenn Tilda Swinton im Film mitspielt, dann nominiert die auch meistens diesen Film.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ich will jetzt Tom Hiddleston nicht schlechtreden, er spielt das fantastisch. Ja. Aber Tilda Swintons Präsenz ist einfach Wahnsinn.
Johannes Franke: Es ist von der ersten Sekunde an, in der sie im Bild ist.
Florian Bayer: Auch mit dieser krassen Perücke, die sie hat, ne? Weißt du, was die für Berückenhaare haben? Ziegenhaare.
Johannes Franke: Die haben hier Ziegenhaare mit reingemacht, die haben extra für alle so, damit die Haare so richtig wild sein können, haben die da Zeug reingebaut. Wahnsinn.
Florian Bayer: Das war krass. Und sie schaffen was ähnliches, was, das hatten wir ja vor kurzem in Dr. Sleep schon gelobt, diese Zeitlosigkeit in den Charakteren, dass sie so gleichzeitig alt und jung wirken. Das schafft Chamusch hier auch sehr gut, dass sie wirklich irgendwie zeitlos, alterslos wirken.
Johannes Franke: Ja. Das ist wie bei Orlando, ne? Ja, genau. Ist ja auch, Orlando ist ja auch so eine ganz zeitlose Figur und auch geschlechtslose Figur am Ende, wenn man das so will. Und Tilta Swinton, genau, Orlando, Tilta Swinton, ne?
Florian Bayer: Krass. Sie ist einfach so unfassbar gut. Wie ich, ich frage mich, wie sie das macht. Diese Ausstrahlung, diese Coolness. Ja. Wahnsinn. Wow.
Johannes Franke: Und trotzdem, Entschuldigung, Tom Hiddleston, ich will dich nicht übergehen, du, auch grandios. Ja, natürlich, Tom Hiddleston, ich habe ihn auch sehr gefreut, da sollte ja eigentlich, sollte das jemand anders spielen. Jetzt habe ich das hier gerade nicht. Michael Fassbender war auch nicht geplant.
Florian Bayer: Ja, genau, Michael Fassbender.
Johannes Franke: Der hätte das bestimmt auch ganz gut gemacht. Der passt gut in das, was ich mir vorstelle von der Figur, absolut, aber irgendwie, der hat da anscheinend dann andere Sachen zu tun oder so. Und Tom Hiddleston spielt das einfach grandios.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist so ein bisschen Loki vorweg, genau. Nee, Loki, er spielt ja Loki schon. Es ist 2011, hat er mit Loki angefangen zu spielen und dann 2013. Ach krass, das ist nach Loki. Ja, es ist nach Loki. Wahnsinn.
Florian Bayer: Okay, dieser Film, das kommt noch dazu, dieser Film ist so zeitlos vom Gefühl her. Ja. Deswegen habe ich auch vorhin gesagt, das ist 15 Jahre her, weil er könnte eben so aus dem Jahr 2005 sein. Ja. Er hat sowas krass Zeitloses an sich. Total krass.
Johannes Franke: Ja. Oder 90er, könnte er auch sagen. Ja, deswegen habe ich ja am Anfang gleich gesagt, dass ich mich jedes Mal wundere, den da zu sehen, weil ich denke, hä, was? Den gibt, gab es da schon? Und das stimmt ja nicht. Allerdings gibt es natürlich Hinweise, weil sie hat ein iPhone, ne, wenn sie mit ihm telefoniert. Ja, ja klar. Und das finde ich total geil. Sie hat das iPhone und er hat alles irgendwie verbunden mit seinem alten Röhrenfernseher, der da steht und das ist total, das ist so, so, mein Herz wird so angesprochen davon, von diesen Anachronismen. Und ich liebe das so sehr, wenn ich, wenn ich ein bisschen mehr Verständnis für Technik und Zusammenlöten von Zeug hätte, würde ich sowas auch haben. Das ist unglaublich. Skype über den Röhrenfernseher, das hat schon Stil, ne? Ja. Irgendwie hat er da wirklich eine ganz tolle Welt zusammengeschustert, also der Ausstatter mit Jim Jarmusch zusammen.
Florian Bayer: Und wenn sie so distanziert sind, also man merkt einfach schon diese Nähe, die sie zueinander haben, in diesen spärlichen Dialogen, die sie dann miteinander haben, wo sie ihn fragt, was los ist und dann halt so rauskommt, dass er wirklich so diesen Lebensüberdruss hat. Ja. Und da ist schon eine krass, krass spannende Nähe zwischen ihnen, eine krasse Intimität und das wird noch stärker, wenn sie dann später zusammen sind, wenn sie zum ersten Mal zusammentreffen, seit, keine Ahnung, wie langer Zeit. Ja.
Johannes Franke: Also dieses sofort Vertraute zwischen den beiden ist halt wirklich wahnsinnig toll, weil du dann gar nichts mehr erzählen musst. Genau. Du musst sie nur einmal im Raum zusammen sehen und du weißt alles. Die, die einfach, da brauchst du einfach Schauspiele, die das irgendwie bringen und die bringen das beide super mit.
Florian Bayer: Dieses karge zusammen rumhängen, wie spärlichen Dialoge, sie machen eigentlich nicht viel, sie hängen miteinander rum, sie diskutieren ein bisschen. Ja. Über die Menschen, er findet die Menschen ziemlich doof.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Sie versucht irgendwie so ein bisschen Anhalt für die Menschen zu spielen und dann fahren sie halt rum miteinander und er zeigt ihr Jack Whites Haus.
Johannes Franke: Das ist so geil, weil es geht um Jack White, nicht etwa um Shakespeare oder um, weiß ich nicht, sondern es geht um Jack White und sie ist total beeindruckt. Das ist so geil. Und wenn sie, wenn sie überhaupt, als sie losfliegt, was packt man, wenn man auf Reisen geht? Sie packt den Koffer voller Bücher. Bücher. Ja, da können wir das nächste Name-Drop hier machen. Ja, genau. Endgame von Samuel Beckett. Don Quirote, Cervantes. Die anderen Sachen sagen mir nicht so viel. Metamorphosis von Franz Kafka noch. Jules Verne. Die anderen Sachen sagen mir gerade nichts. David S. Foster Wallace. Madame Bovary von Flaubert.
Florian Bayer: Und Infinite Chest, genau, Infinite Chest ist mir vor allem ins Auge gesprungen. Ach so. Weil das damals relativ neu war. Das ist, Moment, jetzt muss ich einmal kurz gucken, von wann das Buch ist, aber das ist ein relativ junges Buch von, oh, Moment, kurz gucken. Ah, nee, doch, 1996. Sollte, wir waren es gar nicht mehr damals.
Johannes Franke: Ja, also das ist toll, dass sie als erstes erstmal Bücher packt und nicht irgendwas Kleidung oder sonst irgendwas, sondern das ist ihre Leidenschaft. Und es ist schön, seine Leidenschaft, die Musik. Die sehen sie auch lesen, ne? Und das ist ja auch einfach Kultur. Das ist so die Liebeserklärung von Jarmusch an Kunst und Kultur über die Jahrhunderte und diese Richness, die da drin steckt.
Florian Bayer: Da gibt es auch diese wirklich coole Montage, bevor sie dann losfährt, wo sie zuerst packt und dann tanzen sie quasi getrennt voneinander. Und dann packt sie und dann liegt sie im Bett und liest wieder. Während des Packens halt einfach ein Buch gegriffen und jetzt erstmal nochmal ein bisschen lesen. Ja.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ja, und dann in seiner Wohnung machen sie im Prinzip genau dasselbe. Sie hängen halt rum, sie essen Blut am Stiel. Das ist so süß.
Johannes Franke: Null negativ, weil das besonders gut ist offensichtlich. Ja, und nicht so kontaminiert ist von dem ganzen Zeug in der Moderne. Verlade on a stick. Und das ist spannend, dass er aufmacht, dass eben modernes Blut eher krank macht. Und dass da irgendwie einen Haufen, weiß ich nicht, durch... Toxide. Toxide, genau. Einfach die im Blut der Menschen inzwischen sind und deswegen das nicht mehr so geil ist. Und es eben auch schwierig macht, und das ist halt der Plot am Ende, ne? Schwierig macht, einfach so jemanden auf der Straße zu überfallen, ist halt gefährlich eigentlich.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Könntest du dir was einholen. Und das ist halt das Problem mit Christopher Marlowe dann. Und jetzt können wir mal über Christopher Marlowe reden.
Florian Bayer: Ja, Christopher Marlowe.
Johannes Franke: Ach, John Hurt ist so ein toller Schauspieler. John Hurt ist fantastisch in dem Film. Ach.
Florian Bayer: Wie schafft Jim Jarmusch das, so geile Leute zusammenzubringen? Das ist so geil. Und von Anfang an, der hat schon bei seinen frühesten Filmen, hatte er schon Tom Waits dabei. Wahnsinn. Wahnsinn. Oh, ich bin so neidisch. Ich will auch. Und Christopher Marlowe ist ja so eine ganz mysteriöse Figur der englischen Literaturgeschichte.
Johannes Franke: Ende 20 war der, als er gestorben ist, irgendwie ganz mysteriös, oder? Ist er? Ja, ist er. Oder war es nicht doch William Shakespeare? Das ist geil. Der Film macht das so auf. Er geht so auf diese alte, diese mystische Geschichte, dass Marlowe eigentlich gar nicht gestorben ist, sondern weil ja Marlowe direkt davor, bevor Shakespeare seine ersten großen Stücke geschrieben hat, ist Marlowe gestorben. Das passt so geschichtlich plötzlich, so zufällig passt das zusammen. Und so wird natürlich gemutmaßt, dass Marlowe gar nicht gestorben ist, sondern sich das Pseudonym Shakespeare zusammengestorben hat.
Florian Bayer: Ja, es gibt wohl auch unterschiedliche und sich widersprechende Geschichten von seinem Tod. Okay. Also Marlowe, ob er jetzt erstochen wurde von einem Nebenbuhler oder ob er in einer Schlägerei totgeschlagen wurde, während er betrunken war. Du hast das bestimmt gerade vor dir. Die Jahreszahl 1500 irgendwas? Moment, das muss ich ganz kurz gucken. Also sein Tod wird datiert auf 1593. Ah ja. Genau, und Shakespeare ist kurz danach in Erscheinung getreten und es gibt tatsächlich diese sehr lebendige Verschwörungstheorie, dass Marlowe einfach keinen Bock mehr hatte, Marlowe zu sein und dann eben zu Shakespeare wurde.
Johannes Franke: Was ich ein bisschen, ich weiß nicht, keine Ahnung, warum sollte man das als Marlowe? Nein, das ist einfach Bullshit, aber es ist eine schöne Geschichte. Es ist eine schöne Geschichte und darauf stürzt sich jetzt Jarmusch und sagt, okay, Marlowe ist Vampir geworden. Und er hat dann sich eben als, aber eben Ghostwriter für Shakespeare. Nicht er ist Shakespeare, sondern eben einfach als Ghostwriter. Er hat Hamlet geschrieben für Shakespeare und so.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das wird dann irgendwie einmal aufgemacht. Was ich sehr süß finde, weil es auch eine schöne Geschichte ist und eine schöne Szene, weil er ja auf dem Sterbebett ist am Ende und dann nochmal darüber redet.
Florian Bayer: Und weil es auch so en passant passiert, dieses ganze Name-Dropping und diese Rückgriffe auf die Kulturgeschichte, die sie beeinflusst haben, das passiert immer so im Vorbeigehen. Ja. Es gibt, es wird nie groß drauf gehauen von der Geschichte, sondern sie sagt halt mal zu ihm, hey, du hast doch da dem geholfen, das zu schreiben. Und ja, er hat es für sich, für seins ausgegeben.
Johannes Franke: Was soll das? Ja, und er sagt dann natürlich, das habe ich ihm gesagt, dass er das machen soll, weil Adam heißt da, der wollte halt diesen Fame nie, ne? Ja, genau. Was man auch von Anfang an verstehen kann. Der als zurückgezogener, total sensibler, der weltüberdrüssiger Vampir, der keine Lust auf Aufmerksamkeit hat.
Florian Bayer: Und er hat ja auch seinen Handlanger, den Ian, der in der Handlung später nochmal eine etwas größere Rolle spielt. So tragisch. Der ihn total anhimmelt und der versucht, die Öffentlichkeit von ihm fernzuhalten.
Johannes Franke: Das wäre so eine Figur für mich gewesen, den hätte ich spielen können. So einer, der so Fanboy ist und der irgendwie... Und total lieb und süß. Ja, der so aber ahnt, in welchem... Dass er sich da mit jemandem sehr Großen irgendwie eingelassen hat, aber nicht so richtig weiß, wer es eigentlich ist und was er...
Florian Bayer: Und Adam bringt ihm das Maximum an Respekt gegenüber, was er einem Menschen gegenüber bringen kann. Er sagt, für einen Zombie bist du ganz okay.
Johannes Franke: Und dann kommt halt der... Um mal eine Geschichte tatsächlich zu erzählen, hat Jarmusch sich überlegt, okay, jetzt kommt noch die Schwester zu Besuch. Ava. Ava, die dann... Weiß nicht. Was ist das? Das ist so eine Bratze.
Florian Bayer: Die ist so cool. Ich finde sie tatsächlich total sympathisch, weil sie ist natürlich exaltiert. Ja. Und sie sind beide total genervt von ihr. Ja. Also Tom Hiddleston, Adam noch deutlich mehr als Eve. Aber ich finde sie gar nicht so schlimm, weil sie ist irgendwie niedlich. Sie ist klar ein bisschen lauter als sie. Aber sie ist jetzt auch nicht krass exzentrisch extrovertiert, sondern sie ist halt einfach so... Sie hat auch so eine gewisse Eleganz in dieser Exaltiertheit die ganze Zeit.
Johannes Franke: Sie ist halt irgendwie die 16-Jährige unter denen. Ja, genau. So die...
Florian Bayer: Sie ist jung. Ich will was erleben, ich will das machen, ich will das machen, ich will den aufsaugen. Und sie überredet sie dann ja auch tatsächlich zum Konzert zu gehen. Hey, lass uns noch ein bisschen Party machen. Was soll das hier? Lass uns nicht nur rumhängen. Ja.
Johannes Franke: Und es ist so geil, bevor sie kommt, reden sie schon über sie. Ah, ich habe von meiner Schwester geträumt. Und dann sagt er, ja, ich auch und Marlo auch. Anscheinend versucht sie, Kontakt zu uns aufzunehmen. Und sie wird so ein bisschen aufgebaut wie der Willen der Geschichte, die jetzt kommt und alles durcheinander. Und dann ist das aber so eine... So ein Girl, weißt du? Ja. What?
Florian Bayer: Ich finde sie charmant. Sie hat sowas Unberechenbares. Ja. Aber sie hat auch sowas charmant, niedliches. Das ist auch das, was dann... Sie sorgt halt wirklich für das Chaos, weil sie in dieser Nacht dann ihren aussaugt. Ja, und die Gipsen kaputt macht.
Johannes Franke: Und das hat mir wirklich...
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Diese Gitarre. Oh mein Gott. Und er sagt es am Anfang gar nicht, dass es eine Gipsen ist.
Florian Bayer: Sie tötet Ian, die Gitarre.
Johannes Franke: Ach, was soll's. In der ersten Szene, als die Gitarre zu ihm kommt, die Gipsen, wird gar nicht gesagt, dass es eine Gipsen ist, wenn ich das richtig verstanden habe. Aber ich habe die ganze Zeit gedacht, das ist doch eine Gipsen. Und ich habe gar keine Ahnung von Gitarren. Warum habe ich Ahnung von Gitarren? Und dann sagt er am Ende, das ist die Gipsen. Und ich dachte, hä? Hä? Warum weiß ich das? Und dann dachte ich, okay, da habe ich einen Film zehn Jahre nicht gesehen, aber... Naja, nicht zehn Jahre, aber... Und dann fällt mir das wieder ein, warum ist mir das hängen geblieben von all dem, was in diesem Film passiert.
Florian Bayer: Ich mag tatsächlich seine trockene, genervte Art, wie er darauf reagiert. Ja. Weil er ist schon... Also er macht ja deutlich, dass er das Kacke findet, was sie da macht. Aber es ist halt doch eher so ein... You drank, Ian.
Johannes Franke: Ja, genau. Es ist so ein bisschen, naja, so viel wert war es dann doch nicht, aber es ist schon nervig.
Florian Bayer: Und ihre Entschuldigung ist so niedlich, ne? Sorry. Er war so süß. Es tut mir leid.
Johannes Franke: Oh Mann. Also es ist typisch für Vampire eher nervig, aber nicht wirklich wichtig. Ja, genau. So.
Florian Bayer: Und ich fand es wirklich traurig, weil dieser Ian so ein unschuldiger, lieber Charakter ist. Ja.
Johannes Franke: Aber die Gitarre. None|Aber die Gitarre. Die ist halt von 1903. Das geht nicht. Das kannst du nicht machen. Aber es fällt mir oft auf, dass ich in Filmen, wenn es um Verschandelung oder Zerstörung von Kunst geht und gleichzeitig noch irgendein Menschenopfer passiert oder sowas, irgendjemand stirbt, dass ich mehr mit der Kunst mitleide als mit dem Menschen.
Florian Bayer: Ja, da bist du ja voll auf der Linie mit Adam, ne? Weil der ist ja wirklich genervt von den Menschen. Wie gesagt, er sagt so, Ian sagt, für einen Zombie bist du ganz okay. Ist so ein Maximum an Lob, aber eigentlich hat er keinen Bock auf die Menschen. Und dieses, dass das Blut giftig ist, dass man von dem Blut sterben kann, das ist natürlich auch immer so eine Spiegelung von seiner Genervtheit, von den Menschen, die ihm einfach alle auf den Sack gehen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ja. Was ist eine Gipsenwert von 1903? Keine Ahnung. Tausende Euro? Wirst du das jetzt rauszufinden? Ja, ich bin gerade in eng einem Gitarrenforum. Ich kenne mich halt überhaupt nicht aus mit Gitarren.
Johannes Franke: Ich frage mich immer wieder und ich glaube, dem Zuhörer geht es ähnlich oder schlimmer, weil ich ja auch noch so Pausen rausschneide, wie du es schaffst, während wir reden, auch noch auf Ebay oder so irgendwie Gitarren zu erforschen.
Florian Bayer: Also wir reden hier von einem Wert von eher so 10.000 Euro.
Johannes Franke: Das hast du jetzt wirklich rausgefunden?
Florian Bayer: Ich bin auf reverb.com. Da wird eine Akustik-Gitarre von Gibson aus dem Jahr 1903 geführt für 9.690 Euro in gut erhaltenem Zustand. Krass, die könnte ich mir kaufen. Ja, aber warum? Nein, aber ich meine, ja, aber ich dachte, das wäre viel schlimmer. Ja, offensichtlich. Aber es ist, glaube ich, auch weniger der finanzielle und mehr der emotionale Wert der so einer Gitarre. Ja, sowieso. Und da gibt es ein Forum, wo sie drüber diskutieren, wo sie sagen, dass die, wo auch jemand eine Gibson-Gitarre zeigt, und da sagen sie eher so 7.000 Euro. Ich finde es tatsächlich das Schönste, also ich habe wenig Ahnung von Instrumenten und von dem Wert, den Instrumenten und Material haben. Das ist tatsächlich das schönste Instrument in dem Film, ist für mich diese Ud, die sie ihm schenkt. Ah, okay. Ganz am Schluss, ne? Diese türkisch-arabische Gitarre mit diesem Hals, der gebogen ist einmal.
Johannes Franke: Ja, die ist toll, das stimmt, ja. Weil ich weiß gar nicht mehr, wie er reagiert.
Florian Bayer: Er freut sich auf seine Art.
Johannes Franke: Er freut sich, ne? So wie er sich halt über sowas freuen kann. Ja. Und da kommen wir auch zu dem einen Moment, der so ganz toll ist. Sie reisen ja dann, weil zu viele Leute an dem Haus dann ankommen, reisen sie zu ihr statt zu ihm, weil er in seinem Haus nicht mehr sein kann, weil er Angst hat vor diesen Zombies.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Oder einfach zu genervt davon ist und sich wahrscheinlich dann wirklich irgendwann umbringen würde. Und dann nimmt sie ihn mit zu sich und dann sitzen sie irgendwo in den Straßen und dann irgendwo in einem Café spielt einfach Musik. Und da ist eine Frau, Jasmin heißt sie, eine Musikerin, die tatsächlich relativ erfolgreich ist, die sie dann in den Film eingebaut haben, die einfach nur ihren Song singt. Ja, wir haben einfach eine Musikszene. Und der ist so, so gut. Und der zieht das halt einfach durch. Es wird nicht, in vielen Filmen wird dann so ein Musikstück auf eine Minute runtergekürzt oder eine halbe. Aber ich glaube, das ist wirklich so ein volles Musikstück, glaube ich. Und wie sie da singt und die stehen da und gucken sich das an und es ist einfach so Genuss in dem Moment.
Florian Bayer: Jasmin Hamdam, die libanesische Sängerin. Ja. Es ist toll. Es ist einfach eine schöne Szene. Wirklich toll. Das Besondere an dieser Szene ist ja auch, dass sie wirkt überhaupt nicht deplatziert. Ja. Diese Genuss-Szenen auch, wir haben öfter diese musikalischen Szenen. Der Film ist ständig unterbrochen von Szenen, in denen einfach Musik läuft und nichts passiert. Vielleicht sehen wir Leute, wie sie sich zur Musik bewegen. Ja. Oder wir sehen die Kamera, wie sie sich durch einen Raum zu der Musik bewegt. Aber sonst passiert da nicht viel. Und keiner dieser Momente wirkt deplatziert. Ich finde auch nicht, es gibt auch keinen Moment davon, der den Film langatmig macht, sondern wir wohnen einfach einem schönen Stück bei.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und wir genießen es, dieser Sängerin zuzuhören. Und wir sind einfach drin. Wir sind in diesem Moment in diesem Café und hören ihr zu.
Johannes Franke: Das ist in jedem, also jeder dieser Sequenzen, die der Film hat, sind einfach dazu da, für uns als Zuschauer einfach mitzuerleben, was, also natürlich macht das jeder Film, dass wir miterleben, was der Hauptcharakter ergeben. Ja. Und nicht in einem Plot beizuwohnen. Und das finde ich toll an dem Film.
Florian Bayer: Deswegen hast du auch jetzt, bist du jetzt einfach zu dieser Szene gesprungen und es ist vollkommen egal, dass sie kurz vorher Ian, der tot ist, in Säure aufgelöst haben.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: That certainly was visual.
Johannes Franke: Ja, that was certainly visual. Weil er da irgendwie sehr, äh, ähm, naja. Er löst sich auf. Er löst sich in Acid auf und das ist natürlich auch nicht schön, aber naja.
Florian Bayer: Aber das sind nicht die wesentlichen Szenen, auch das Chaos, das Ava in ihr Leben bringt, das sind alles nicht die wesentlichen Szenen. Die wesentlichen Szenen sind, wenn sie da zusammensitzen, Musik hören und Blut am Stiel essen. Oder eben, wenn sie in diesem Café sitzen und Jasmin zuhören, wie sie dieses Lied singt.
Johannes Franke: Ja. Jim Jarmusch wurde ja gebeten, ähm, nachdem im Drehbuch doch ein paar Action-Szenen waren, dass er doch ein bisschen mehr Action-Szenen einbauen soll. Als Reaktion hat er die Action-Szenen, die drin waren, auch noch rausgenommen. Guter Mann. Sehr guter Mann. Ja. Sehr geil. Ja, also der Film lohnt sich, äh, allein schon wegen der ganzen kulturellen, äh, richness, die da drin ist. Die ganzen Zitate und dieses ganze, äh, leicht angetißerte Hier und Da und, ähm, und ein Gefühl dafür zu bekommen, wie, und eine Begeisterung wieder zu spüren für, für die Menschheit, was sie geschaffen hat an Kunst und Kultur und wie man die erleben kann. Mhm. Ohne, dass man jetzt sagt, das ist das, das ist das und das ist das, sondern einfach ein Gefühl, nur ein pures Gefühl dafür zu haben, was auf dieser Welt passiert ist. Und deswegen finde ich auch geil, dass es eine Detroit ist und das andere auf der anderen Seite der Welt. Ja. Und dass man mehrere Kulturen sozusagen erleben kann. Und, und auch, das macht dieser Song eben von dieser Frau, von der Jasmin da drin. Das, also, so, trägt so bei zu dieser Reichhaltigkeit.
Florian Bayer: Obwohl er sowas Kammerspielartiges hat, weil er findet eben in klar abgesteckten Räumen statt, eben seine Wohnung in Detroit. Ja. Diese Bar, in der sie sind, ihre Wohnung und eben die Cafés dann nachher in Tangier, also er ist trotzdem ein sehr kosmopolitischer Film.
Johannes Franke: Ja, genau. Dafür, allein dafür lohnt es sich. Ja. Und dann natürlich für die kleinen, äh, Side-Notes, wie zum Beispiel, dass Tom Hiddleston als Adam einen dänischen Passport, also einen dänischen Ausweis auch noch hat, auf dem der Name Loki, was Loki heißt. Im Grunde, also, Referenz auf seine Rolle beim, beim Marvel-Universe.
Florian Bayer: Und er ist so weit weg von diesem Loki, ne? Ja, ja. Er spielt eine ganz eigene Rolle von weltübertrüstigem Rock'n'Roller mit leichter Punk-Attitüde. Ja. Aber auch sehr relaxed, sehr cool. Der Film versprüht sowieso die ganze Zeit so eine unfassbare Coolness. Ja. Also wirklich Klischee-Coolness. Wir hatten irgendwann in einer der letzten Episoden, hatten wir eine Top 3 coole Typen. Und alle Figuren in diesem Film könnten da auch landen, ne? Das stimmt, ja.
Johannes Franke: Und die Unsterblichkeit teilt sich ja der Vampir hier mit Loki, den er hier anteasert in seinem Ausweis. Und die Unsterblichkeit haben wir ja dann jetzt, wenn wir schon bei den Top 3 sind. Ja. Einmal als Top 3 für uns. Wollen wir?
Florian Bayer: Ja. Das war ein sehr komplizierter Übergang. Wir hätten auch einfach den Schingel reinwerfen können. Okay.
Johannes Franke: Unsere Liste.
Florian Bayer: Top 3.
Johannes Franke: Wir sind bei unsterblichen Charakteren in Filmen. Ich liebe es, wenn das gut gemacht ist. Das hat so eine Magie, die es, die Film einfach, dafür ist Film gemacht.
Florian Bayer: Ich glaube, wir haben schon mal über Unsterblichkeit auch ins Mikro geredet und haben beide gesagt, dass wir uns total für die Unsterblichkeit entscheiden würden, wenn wir die Wahl hätten. Ja, ja. Oder für das lange Leben. Ja, genau. Als du die Frage aufkommst, das könnte ja langweilig sein und so, nein, ich will lange
Johannes Franke: leben. Ich will alles mögliche, ich will alles lernen, ich will alles, ich will vor allem auch wissen, was in 500 Jahren die Welt aussieht. Ja, total, total. Meine Güte. Ja, vielleicht entweder die Zeitreisen oder die Unsterblichkeit. Irgendwas von beiden muss noch passieren in meinem Leben. Ich nehme eher die Unsterblichkeit. Ja, ich auch. Okay. Hast du Honorable Mentions?
Florian Bayer: Ich muss, glaube ich, anfangen, ne? Du musst anfangen. Ich habe vor allem meine Türklinge. Das war Johannes' Türklinge. Er wird das jetzt wieder komplett rausschneiden, damit bloß keine Länge entsteht im Podcast. Vielleicht lässt er es aber auch einfach drin, wenn er jetzt drüber hört. Wir wissen es nicht, wir werden es erfahren. Die Lücke war zu lang, Flo. Vielleicht schneide ich auch nur die Lücke raus. Ja, dann ist es noch merkwürdiger. Ich habe zwei Honorable Mentions. Drei, nee, zwei Honorable Mentions. Okay. Eine, weil wir es einfach schon drin hatten, weil wir schon sehr lange und breit über diesen Film geredet haben. Orlando.
Johannes Franke: Ja, okay. Ja, super. Ganz tolle Wahl.
Florian Bayer: Einmal zumindest erwähnt. Es gibt eine Episode, da reden wir sehr lange über Sally Potters Orlando aus den 90ern. Eine Verfilmung von einem Roman von Virginia Woolf.
Johannes Franke: Ganz toller Film.
Florian Bayer: Wo Tilta Swinton die Hauptrolle spielt und durch die Jahrhunderte reist und zwischendurch auch mal das Geschlecht wechselt. Sie beginnt als junger Edelmann und endet als erfolgreiche Schriftstellerin in unserer Zeit. Ja. Toller Film, auf jeden Fall sehenswert. Und meine zweite Honorable Mention hat es ganz knapp nicht reingeschafft, weil es irgendwie wenig Träume vom ewigen Leben erfüllt. Der Tod steht ihr gut. Eine wirklich, eine, nein, kennst du nicht?
Johannes Franke: Doch, ich glaube schon, aber das ist ewig her. Moment.
Florian Bayer: Death Becomes Her, eine wirklich, wirklich, wirklich düstere, zynische Komödie von Robert Zemeckis. Aha. In der. Der hat was Zynisches gemacht? Meryl Streep und Goldie Hawn als verfeindete Freundinnen. Ah ja, doch, doch. Einen Unsterblichkeitstrang kriegen, der ihnen ewige Schönheit verspricht und ihre gemeinsame Love Interest ist Bruce Willis, der einen ziemlich abgefuckt altwirkenden Schönheitschirurgen spielt, der dann so ein bisschen an sie gebunden ist, weil er muss sie halt fixen, wenn irgendwas kaputt geht. Sie sind unsterblich, aber ihnen könnte trotzdem was passieren und dann fällt Meryl Streep die Treppe runter und dann dreht sich ihr Kopf einmal um 180 Grad und dann muss er den wieder gerade rücken und muss den, das alles retuschieren, damit man diese Spuren am Hals nicht mehr sieht. Genau, daran erinnere ich mich.
Johannes Franke: Goldie Hawn kriegt von Meryl Streep ein Loch in den Bauch geschossen mit einem Gewehr, das muss dann auch zugenäht werden. Okay, ich glaube, wenn du mir jetzt den Film nach und nach erzählen würdest, ich würde mich komplett erinnern. Geil, okay, ja. Die Special Effects sind nicht so gut gealtet, aber waren damals sehr beeindruckend.
Florian Bayer: Okay. Und es ist aber eine wirklich schöne schwarze Komödie, die auf jeden Fall sehenswert ist. Okay. Mein Platz drei.
Johannes Franke: Soll ich mal noch Honorable Mention vorher machen? Ja, bitte, bitte. Ich würde gerne als Honorable Mention pauschal Dorian Gray reingeben. Ja, welche Version, welcher Film ist das? Genau, das ist halt das Ding. Es gibt Verfilmungen, gute Verfilmungen. Schlechte Verfilmungen. Schlechte Verfilmungen. Ich kann es hier nicht ganz genau auseinandernehmen. Aber Dorian Gray als Figur ist einfach großartig. Ja, auf jeden Fall. Also es war eine tolle, sehr, sehr spannende und mal mehr abgefuckte und mal weniger abgefuckte Version von seiner Unsterblichkeit. Ist großartig. Also spannend. Sehr, sehr spannend. Was hätten wir noch? Ich würde gerne noch Himmel über Berlin mit reinhauen. Der Engel, der sich entscheidet, dann auf der Erde zu sein und da rumläuft. Also Wim Wenders at its best. Sehr poetischer Film. Sehr schöner Film.
Florian Bayer: Wenn wir die Bilder schöner machen, können wir die Welt schöner machen.
Johannes Franke: Oh mein Gott, Plur. Wenn ihr euch das, worauf er anspielt, mal anhören wollt. Welche Episode war das? Die erste Episode.
Florian Bayer: Die erste? Da reden wir über Schlingensiefs 100 Jahre auf Hitler und Schlingensief macht sich da doch über Wim Wenders ziemlich lustig. Der bei der Preisverleihung, ich glaube es war Berlinale, vielleicht war es auch Cannes, zu Himmel über Berlin gesagt hat, wenn wir die Filme schöner machen können, können wir auch die Welt schöner machen. Ich glaube es war Cannes. Aber, oder? Ja, ich glaube schon. Ja, es war wahrscheinlich ein internationales Filmfestival, weil er redet Englisch auch, oder?
Johannes Franke: Ja, aber Berlin ist auch ein internationales Festival.
Florian Bayer: Aber da hätte er es auf Deutsch gesagt, wahrscheinlich.
Johannes Franke: Vielleicht, ja. Okay, das, das, das, jetzt weiß ich welche ich habe und zwar als Honorable Mention, muss jetzt noch herhalten, Highlander. Nur Honorable Mention, weil ich überhaupt nicht weiß, wie ich reagieren würde heute, wenn ich den Scheiß sehe. Ich glaube, es ist totaler Trash, aber als Kind mochte ich es total. Ich habe es geliebt.
Florian Bayer: Mein Platz 3.
Johannes Franke: Dein Platz 3?
Florian Bayer: Ja, und mir geht es ähnlich. Es ist schon sehr lange her, da ich den gesehen habe. Ich habe ihn auch geliebt als Kind und ich habe ihn als total episch in Erinnerung, weil er reißt halt eben durch die Jahrhunderte und es wird auch durch die Jahrhunderte geschnitten. Und ich kann mir auch vorstellen, dass der Trash-Faktor, wenn man ihn heute sieht, deutlich höher ist. Wäre vielleicht mal was, was man rewatchen könnte. Oh, Highlander Rewatch. Oh, oh, ich glaube, wir würden so in den Boden versinken. Ja, das Schlimme ist, bei Highlander gibt es ja diese ganz schreckliche Serie. Ja, stimmt. Und diesen noch viel schrecklicheren zweiten Teil, der wirklich, wirklich, wirklich, wirklich, wirklich übel war.
Johannes Franke: Ich habe sie alle gesehen.
Florian Bayer: Ne, nach dem zweiten Teil, die Serie habe ich nicht komplett gesehen, nach dem zweiten Teil war für mich Schluss, weil Highlander 2 gehört zu den schlechtesten Filmerfahrungen, die ich je hatte.
Johannes Franke: Oh, okay. Der war wirklich übel. Boah, war der schlecht. Wahnsinn. Oh Mann. Also, aber nicht mal The Room schlecht, dass man sich irgendwie lustig macht? Doch, schon. Ich glaube, man kann sich auch viel drüber lustig machen, aber vor allem blöd.
Florian Bayer: Okay. Wenn man irgendwie, also vor allem, wenn man den ersten Teil gesehen hat und fand das cool, diesen Mythos um die Highlander, und dann wird so eine Geschichte drumherum gesponnen, dass sie vom anderen Planeten kommen und dann...
Johannes Franke: Okay. Richtig mies. Okay. Mein Platz 3 wäre, ist jetzt ein bisschen eng aneinander alle, Platz 3 jetzt wäre Claire Bennett aus der Serie Heroes. Heroes war eine Serie, die ich sehr geil fand, irgendwie, als sie rauskam, ist eine ganze Weile her, da geht es einfach wirklich um, naja, Leute, die plötzlich feststellen, sie haben Superhelden-Eigenschaft und was auch immer, und sie ist halt unsterblich. Und ich fand die Serie einfach großartig. Irgendwann hat sie sich selbst überholt, weil sie halt immer mehr darum kreiste, versucht hat, immer noch mehr Geschichten zu erfinden, die nicht nötig waren. Hat nach der ersten zwei Staffeln oder so, hat sich auserzählt eigentlich.
Florian Bayer: Das war der Mystery-Boom Mitte der 2000er, ne? So kurz nach Lost war das.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, genau. Und was ich besonders geil fand, war die Figur des Villains, der eigentlich, der von einem Uhrmacher oder sowas abstammte und der in der Lage war, die Fähigkeiten der anderen anzunehmen, indem er versteht, wie es funktioniert. Also wie so ein Uhrmacher, der ins Uhrwerk reinguckt und sieht, ah, dieses Zahnrad muss dahin, das muss dahin, das muss dahin und dann kann er die Fähigkeiten der anderen absaugen und für sich benutzen. Was ein ziemlich crazy Villain ist, ne?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und dann gibt's halt Leute, die nicht sterben können, Leute, die in die Zukunft reisen können, Leute, die von einem Ort auf den anderen können, Leute, die in einem Sonnambulenzustand Zeug zeichnen, was irgendwie gedeutet werden muss, aber die Wahrheit darstellt. Solche Sachen.
Florian Bayer: Okay, ich hab die ersten Folgen davon gesehen, weil ich so ein bisschen die Hoffnung hatte, ein zweites Lost zu sehen und hab's dann ausgemacht nach einiger Zeit.
Johannes Franke: Nee, Lost wird's also nicht ersetzen können, weil's auch eine ganz andere Bedürfnisse des Zuschauers befriedigt. Lost ist aber auch schlecht gealtert, wenn man das heute guckt. Ja, gut. Okay.
Florian Bayer: Ja, interessant, ja. Superhelden sind natürlich so die klassischen Projektionsfiguren, auch auf die man seine Wünsche und Träume. Ja. Projizieren kann. Ja. Vor allem, wenn sie unsterblich sind.
Johannes Franke: Ja. Also, ich bin ganz viel auf Superhelden gestoßen bei der Recherche und hab dann aber gedacht, natürlich. Ja, das ist, hm, hm, hm.
Florian Bayer: Jeder Superheld, viele Superhelden, vor allem im Marvel-Universum, sind unsterblich, ne?
Johannes Franke: Also so Thor und... Ja, Loki. Loki. Und der Bösewicht eigentlich auch. Thanos. Ja, Thanos, glaub ich. Oder? Ja. Ist ja eigentlich auch so ein... Ich wüsste nicht genau.
Florian Bayer: Ja, mein Marvel-Wissen ist auch nicht so ausgeprägt. Ich hab keinen Superhelden in meiner Liste. Superman ist natürlich so der Klassiker, der ist, glaub ich, auch ziemlich unsterblich. Und trotzdem gibt's zu jedem zweiten Superhelden gibt's einen Tod- und Wiederauferstehungskomming. Okay, was ist denn bei dir sonst noch? Also mein Platz zwei, weil mein Platz drei war ja Conor McLeod von Highlander. Mein Platz zwei kommt jetzt, jetzt hab ich nur noch Serien drin, lustigerweise. Oh, okay. Mein Platz zwei, und ich musste ihn einfach mit reinnehmen.
Johannes Franke: Was ist eigentlich der Moment gewesen, an dem wir zu Serien übergegangen sind, als respektabel Plätze für diese Top-3-Listen? Du hast mich am Anfang immer gescholten, wenn ich eine Serie mit eingebaut habe. Nachdem wir die Filme schon so abgegrast haben. Und es gibt halt gute Serien. Dir geht's also auch aus. Okay. Ich bin ein bisschen beruhigt.
Florian Bayer: Mein Platz zwei ist Kenny aus South Park. Oh my God, they killed Kenny. Kenny, die klassische Figur, die immer sterben muss und in der nächsten Folge wieder lebendig da ist. Und in späteren Staffeln bekommt Kenny ja tatsächlich so eine Lore, warum er unsterblich ist und was für ein Fluch da wirkt. Okay. In einer epischen Folge, wo Superhelden gegen das Böse kämpfen, erfährt Kenny, warum er unsterblich ist und warum er, wenn er getötet wurde, dann gezwungen ist, wieder aufzuerstehen. Okay. Und davor stirbt er aber immer wieder Millionen Tode und kommt immer wieder zurück ins Leben und keiner erinnert sich, dass er tot war. Das ist sein Schicksal. Ich liebe Kenny.
Johannes Franke: Ich liebe auch South Park. Also was Zeichentrickfiguren betrifft, sind wir sowieso eine Unsterblichkeit. Keine Simpsons gibt es seit wie vielen Jahren und keiner von denen ist überhaupt gealtert?
Florian Bayer: Darauf warte ich übrigens die ganze Zeit, dass mal eine Zeichentrickserie rauskommt, die das macht, was andere Serien gezwungenermaßen machen, dass sie ihre Charaktere altern lässt. Das heißt, bringt mal eine Zeichentrickserie mit ein paar kindlichen Protagonisten und versucht es mal, sie so zu zeichnen, dass die von Staffel zu Staffel älter werden, in die Pubertät kommen und erwachsen werden.
Johannes Franke: Das wäre schon ziemlich geil. Das ist eine gute Idee.
Florian Bayer: Und das könnte ja auch, meinetwegen, das könnte wirklich auch eine ganz normale, also nicht Soap, aber so eine Drama oder Dramedy Serie sein, die einfach das Leben behandelt. Und es wäre halt super spannend zu sehen, wie das zeichnerisch umgesetzt wird, dass die Figuren altern.
Johannes Franke: Hm. Klingt spannend. Mein Platz zwei wäre, wieder so ein Rückgriff auf, was habe ich früher gerne geguckt, Spike von Buffy. Okay. Bei Buffy bin ich komplett raus, wie du weißt. Ja, aber Spike ist halt irgendwie so ein rotzender Charakter gewesen, der einfach, dem einfach alles egal war. Der einfach, es war immer ein Highlight, wenn der gekommen ist und der war halt auch so ein, naja, ich meine, es geht ja um Vampire. Ja. Also auch so ein unsterblicher, von James Masterson gespielt.
Florian Bayer: Spike war der coole Rockstar. Und dann gab es den anderen, der irgendwie so ein netter, braver.
Johannes Franke: Angel. Ja, genau. Total dämlich. Und es gibt so eine ganz geile, es gibt ja das Spin-Off von Angel, der hat irgendwie auch eine eigene Serie bekommen dann. Und dann ist Spike einmal aufgetaucht in der Serie und sitzt in einer epischen, in einer unglaublich geilen Folge sitzt Spike auf einem Hochhaus und beobachtet eifersüchtig Angel, wie er heldenhaft irgendwelche Sachen macht und dann synchronisiert, was er nur sehen kann, was für ein Gespräch stattfindet und man kann nicht hören, was die da sagen. Und synchronisiert für sich alleine sitzend da irgendwie, ich bin so toll und du bist so super, ich will dich gerne nach Hause nehmen. Oh, ich komme gerne, off to the Angel Mobile. Das ist so, ich weiß nicht, Spike war einfach so ein Liebling. Ich glaube auch, nicht nur einfach bei mir, sondern generell war der so beliebt. Ganz, ganz toll.
Florian Bayer: Ja, nie geschaut, aber ich weiß, dass ich es eigentlich gucken müsste, weil das ist mittlerweile, also das ist auch was, was man nicht ironisch guckt, sondern was wirklich gut ist, ne? Was auch so gefeiert wird als coole Serie. Irgendwie, aber irgendwo dazwischen.
Johannes Franke: Man guckt es schon auch ein bisschen ironisch. Also es ist so, weiß nicht, keine Ahnung, weil der Trash-Faktor ist nicht zu unterschätzen. Also das ist schon seltsam, wenn da plötzlich, also auch die Maske, wie gezeigt wird, wie normal aussehende Menschen plötzlich so eine Vampir-Fratze bekommen und so. Das ist schon trashig. Ja, okay. Also, naja. Ja. Mein Platz 1. Dein Platz 1. Ich bin gespannt. Trommelwirbel. Ich bin immer noch im Serien-Universum.
Florian Bayer: Warum haben wir eigentlich seit 38, nee, 34, 35 Episoden keinen Trommelwirbel? Ja, okay, Trommelwirbel. Ich bin immer noch im Serien-Universum. Achtung, mein Platz 1 ist... Q aus Star Trek. Geil!
Johannes Franke: Das ist auch deiner? Nee, aber ich hab gedacht, den muss ich eigentlich nehmen.
Florian Bayer: Warst ja eine großartige Figur und vor allem, weil in ihm so viel zusammenkommt, was die Unsterblichkeit ausmacht. Er ist genervt von den Menschen, gelangweilt von den Menschen. Er will eigentlich nur spielen. Ja, genau. Es gibt diese tolle Episode, in der Q aus diesem Kontinuum raus will und dann die Menschen quasi mit beurteilen sollen und dann wird ihnen das Kontinuum gezeigt und dann wird das so gezeigt als eine Veranda, auf der die rumsitzen und sich nichts zu sagen haben, weil sie halt so omnipotent sind und so allwissend sind. Es gibt einfach nichts, worüber sie reden können. Du kennst das Star Trek Next Generation Ding, ne?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und auch ganz toll gespielt von John Delancey, der das wirklich süß macht als so ein verspielter
Johannes Franke: kleiner Gott, der so einen koboldhaften Charme hat. Und das ist wieder ein Beispiel für die anderen spielen den Gott oder spielen den König, weil die anderen immer so, oh, jetzt ist der schon wieder, oh nein, Hilfe. Und er macht die ganze Zeit so, wie so ein Kobold, wie du sagst.
Florian Bayer: Und er stellt echt viel Scheiße an, aber er ist halt auch allwissend, er hat so super Power, also er ist das einfach das mächtigste Wesen im ganzen Star Trek Universum und es macht jedes Mal Spaß, Folgen mit ihm zu sehen. Ich habe mich immer gefreut, wenn es eine Q-Episode gab bei Star Trek.
Johannes Franke: Ja. Gab es so viele davon? Ne, es gibt nicht viele. Er kommt nicht so oft vor. Ja. Legendär. Okay, meine Nummer eins kannst du eigentlich erraten. Ne. Ich habe keine Idee. Unsterbliche Serienfigur.
Florian Bayer: Serien? Ja. Du hast auch ganz viel Serien drin. Unsterbliche Serienfigur. Ah, ja, okay. Du hast wieder den Doktor. Du hast wieder den Doktor genommen. Ja.
Johannes Franke: Dr. Who, es ist einfach wirklich das Beste, was es gibt. Das Beste, was es im Fernsehen, also überhaupt auf der ganzen Welt und immer schon und seit 65, 70 Trillionen Jahren gibt es Dr. Who. Ist der Doktor tatsächlich unsterblich? Nein. Fuck.
Florian Bayer: Mann, nur, warum fragst du solche Fragen? Ich weiß es nicht, weil es war einfach nur so Lucky Guess. Verdammt.
Johannes Franke: Ich wollte es so unter den Teppich fallen lassen.
Florian Bayer: Das ist gemein.
Johannes Franke: Aber er gehört zu einer speziellen Spezies, die offensichtlich sehr alt wird. Ja, die haben halt die Fähigkeit zu regenerieren. Also es gibt so Zwischentode mehr oder weniger und dann haben sie aber nur zwölf Cycles. Also sie können zwölfmal regenerieren und dann ist aber auch fertig. Oh, das heißt ja, wo sind wir gerade beim Doktor Who, beim aktuellen?
Florian Bayer: 13. Okay, fuck it. Er ist unsterblich.
Johannes Franke: Sie haben dann irgendwie in der Episode, haben sie ihm einfach, irgendwie hat die Gemeinschaft der Timelords, haben ihm nochmal zwölf Cycles gegeben.
Florian Bayer: Boring.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und alle haben gewartet, was passiert nach dem zwölften Cycle. Und dann gibt es so eine wirklich lahme, okay, wir retten ihn, wir müssen mehr, mehr Episoden und mehr Staffeln produzieren. Das ist ein bisschen, naja. Wer ist denn der aktuelle Doktor? Eine Frau. Ja, genau, deswegen frage ich, weil ich wusste, dass es irgendwann mal eine Frau war und das eine kleine Kontroverse ausgelöst hat, weil Nerds manchmal dumm sind.
Johannes Franke: Dämlich, richtig dämlich. Jodie Whittaker. Und Jodie Whittaker hat eigentlich bei Broadchurch mit David Tennant gespielt und David Tennant war ja auch ein Doktor, der Elfte, glaube ich. Ja. Oder der Zwölfte. Und hat, nee, nee, der Zwölfte war ja Peter Kippel, der Zehnte war er. David Tennant war der Zehnte Doktor und hat mit ihr in Broadchurch gespielt und hat halt auch mit Chris Chibnall zu tun gehabt irgendwie. Und was der Showrunner von Doktor Who jetzt war, eine Weile, die hört ja jetzt auch auf demnächst und sie ja auch wieder. Und die kam dann irgendwie sozusagen über diese Vitamin B. Aber ich will nicht sagen, dass sie das über Vitamin B bekommen hat, sondern ich glaube, dass sie einfach wirklich eine großartige Schauspielerin ist. Ich finde sie wirklich ganz toll und als Doktor weibliche Version ganz großartig. Ich glaube, ich hätte mir nichts Besseres vorstellen können. Und ich bin sehr gespannt, was sie als nächstes machen, weil es jetzt natürlich die Frage ist, wird es wieder eine Frau oder wird es wieder ein Mann? Wenn es wieder ein Mann wird, haben wir das Gefühl, dass wir wieder zurückfallen in die alten Muster. Und wenn es wieder eine Frau wird, werden ganz viele sagen, ja, jetzt wird es die ganze Zeit eine Frau, weil es ist blöd. Also es ist eine ganz schwierige Situation.
Florian Bayer: Jetzt haben wir schon 10 Prozent Frauen. Das kann doch nicht sein.
Johannes Franke: Genau. Und dann wird es vielleicht auch noch eine schwarze Frau. Oh mein Gott, nein. Das Ende steht bevor.
Florian Bayer: Hört in unsere letzte Episode, nee, nicht letzte, eine Episode vor drei, vier Folgen diskutieren wir über das, über Amazons Inclusion Policy und iBook. Da wird sowas auf den Tisch gelegt. Können jetzt nur noch Frauen Doktor Who spielen.
Johannes Franke: Schwieriges Thema, schwieriges Thema. Eigentlich ein total easy Thema, überhaupt gar kein Thema eigentlich, aber irgendwer muss da immer ins Maul aufreißen.
Florian Bayer: Du bist eher so der Doktor Who, die neueste Inkarnation-Gucker, ne? Du hast die 80er und hast du die auch geguckt?
Johannes Franke: Ich habe da natürlich einiges geschaut, bei weitem nicht alles. Die sind natürlich sehr viel trashiger noch, aber den Trash-Faktor haben sie ja auch in die... Ich finde, die Neuen sind auch ganz schön trashig.
Florian Bayer: Ja, hineingerittet. Alle haben gesagt, ich soll das gucken und dann habe ich das angefangen zu gucken, also die Neuesten und war schockiert, wie low budget und trashy das ist, weil ich habe eigentlich irgendetwas viel Monumentaleres erwartet und viel mehr mit großen Special-Effekts
Johannes Franke: und so. Inhaltlich ist es sehr monumental. Ja. Aber von der Ausstattung nicht immer. Ja. Also es ist auch besser geworden über die Jahre. Der Zehnte oder Neunte sowieso, der Neunte ist total trashig, der Zehnte auch noch so, David Tennant, mit James, nee, wie heißt er? Ah, warum fällt mir der Name nicht ein? Egal. Mit der Zeit wurde es dann ein bisschen besser budgetiert, habe ich das Gefühl. Aber irgendwie scheint es für die BBC immer noch so ein Kinderprogramm zu sein. Ja. Was es ja schon lange nicht mehr ist.
Florian Bayer: Naja, aber es scheint mir auch so ein bisschen, dass eines der wichtigen Merkmale der Serie zu sein, dass es so ein bisschen Pop ist und so ein bisschen Trash. Ja, ja, ja. Und so ein bisschen No-Budget. Und das waren tatsächlich Dinge, die mich einfach an der Serie genervt haben. Das war mir zu viel London-Pop. Ich weiß nicht.
Johannes Franke: Dafür, dass der Doktor eigentlich ein Alien aus einer weit entfernten Galaxis ist, hat er eine ganz schön krasse Vorliebe für London. Das stimmt. Ja, allerdings. Naja. Okay. Das ist mein Platz 1 und das wird immer mein Platz 1 sein. Auf ganz vielen Listen. Okay. Für immer und ewig.
Florian Bayer: Und jetzt dürfen wir gerne in den Film zurückkehren. Ja. Gehen wir zu unseren coolen Unsterblichen, die eigentlich auch einen Platz in dieser Liste verdient hätten. Ja. Weil sie so cool sind, weil sie so relaxed sind und weil sie aus ihrer Unsterblichkeit wirklich verdammt viel rausgeholt haben.
Johannes Franke: Ja. Also, was sie alles gesammelt und mit wem sie alles zu tun hatten. Und das macht so Sehnsuchtsräume auf für Leute, die so Kunstgeschichte oder sowas studieren oder die, weißt du, das ist so ein, oh, diese ganzen Sachen, die da zitiert werden und die man gerne selbst erlebt hätte. Und was passiert dann da am Ende?
Florian Bayer: Kommt dann doch ihre animalische Seite wieder durch? Ist dieses Kulturelle, dieses Kultivierte, ist das einfach im Kampf ums Überleben, geht das einfach verloren? Pure Verzweiflung. Pure Verzweiflung, ne? Ja. Sie haben keine andere Wahl, sagen sie, bevor sie sich auf das Pärschen stürzen, was sie da in Tanji ja beobachten.
Johannes Franke: Ich bin ein bisschen hin und her gerissen, weil, wie hat er denn das jetzt hergeleitet, dass sie ein Problem haben, dass sie nichts zu essen finden? Weil sie ist ja schon mal zu ihm gekommen, auch mit dem All-Night-Flight, also sie müssen ja nachts losfliegen und ankommen und, naja, wenn sie das beim ersten Mal problemlos durchgestanden hat, warum haben sie jetzt auf dem Rückflug so ein großes Problem? Es wird nicht so richtig erzählt. Oder hattest du irgendeinen Anhaltspunkt?
Florian Bayer: Nee, es kommt auch ein bisschen unerwartet. Also mir hätte es auch vollkommen gereicht, wenn der Film einfach so ausfadet. Er fadet ja auch schon auch ein bisschen aus, aber. Ja, er endet mit dem Angriff, ne? Ja. Also es ist so exquisement und dann ist er vorbei. Gut, dass sie keine Attacke mehr zeigen, aber ganz klar am Schluss sehen sie dieses Liebespaar und sie werden die jetzt aussaugen. Christopher Marlowe war offensichtlich ihr Blutlieferant und der ist halt weggefallen. Ja, das stimmt. Aber trotzdem wird es nicht so eindeutig erklärt. Und für mich ist es halt auch tatsächlich so ein bisschen dann der Verlust der Kultiviertheit.
Johannes Franke: Ja. Aber es ist auch ein spannendes Thema, also das gegenüberzustellen von dem eigentlich animalischen des Vampirs gegenüber dem, was sie sich erarbeitet haben über die Jahrhunderte an Kultiviertheit.
Florian Bayer: Es wird halt so lange in diesem Film erzählt, dass es sie einen ganz klaren moralischen Workflow gefunden haben, wie sie klarkommen, wie sie halt, wie sie keine Menschen töten müssen. Und dann wird ja auch das Gegenbild präsentiert mit Ava, die halt so unberechenbar ist und dann halt mal, weil sie Bock drauf hat, diesen Ian aussaugt. Und dann verfallen sie auch wieder ihrem animalischen Geist. Ich weiß gar nicht, ob es so sehr darum geht, dass das jetzt eine Verzweiflungstat ist, weil sie überleben müssen. Ja. Sondern auch einfach, dass der Film nochmal zeigt, dass dieser Überdrust, den sie haben und dann angesichts der Trauer, weil Marlowe gestorben ist, dass der sie einfach wieder zumindest für diesen Moment zu wilden Bestien werden lässt. Und ich halte total denkbar, dass sie dann danach sagen, jetzt reden wir nicht mehr drüber und dann führen sie ihr Leben so weiter, wie sie es da vorgelegt haben.
Johannes Franke: Ja, ja, so ist das in meinem Kopf auch gewesen, dass man sagt, okay, das ist jetzt eine einmalige Sache. Zumindest, wenn sie es schaffen, danach an ordentlichen Blutkonserven irgendwo vorbeizukommen regelmäßig.
Florian Bayer: Ja, damit sollten sie ja keine Probleme haben. Sie haben es ja offensichtlich die letzten tausend Jahre auch geschafft.
Johannes Franke: Ja, aber es ist eine seltene Blutgruppe. Es geht ja um null Blutgruppe, glaube ich. Und sie begeben sich aber damit jetzt auch schon auch innerhalb des Universums, was erzählt wird, in Gefahr.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Die beiden könnten schlechtes Blut haben. Ja. Aber sie suchen sich ein junges Pärchen.
Florian Bayer: Wobei sie natürlich auch angefixt sind von diesem Paar. Ja, genau. Dieses junge, romantische, verliebtes, süße Paar. Also es ist ja auch eine sehr bewusste Wahl und da wird ja auch direkt ihr Blutdurst geweckt, wenn sie sehen, wie die halt miteinander knutschen und schmissen.
Johannes Franke: Überhaupt, der ganze Film über Rot als Farbe wird ja auch sehr sparsam eingesetzt und immer vor allem für Blut und so genutzt. Und wie sie auf dem Flugzeug neben jemandem sitzt, der sich gerade den Finger verletzt hat und so. Das sind auch sehr sparsam inszeniert, aber sehr gut, sehr treffend inszeniert. Und wird nicht groß aufgebauscht, aber zumindest ist diese Spannung dann da. Und das finde ich auch sehr gut gemacht. Ja.
Florian Bayer: Es ist für einen Vampirfilm ein sehr unblutiger Film. Es ist auch, also ich meine, das sollte jetzt klar geworden sein in dem Gespräch, dass es natürlich kein Horrorfilm ist. Ja. Es ist tatsächlich, es ist ein romantischer Film, aber gar nicht mal so sehr die Romantik zwischen zwei Personen, auch wenn die auch eine Rolle spielt, sondern wirklich eher so diese Romantik zum Leben, zu einer besonderen Art von Leben. Und das ist so ein bisschen, ja, ein leicht heruntergekommener, decadenter Rock'n'Roll-Lifestyle. Die gealterten Rockstars. Ich stelle mir vor, dass Tom Waits so lebt, nur weil, dass er kein Blut trinkt, sondern Whisky.
Johannes Franke: Das stimmt, ja. Ach ja, so stelle ich mir mein Leben eigentlich am Ende vor, auch wenn ich kein Musiker bin. Eigentlich ist es schon romantisierend, muss man sagen. Ja, total, natürlich. Hast du irgendeinen, sind wir schon beim Fazit, wir sind doch beim Fazit, oder? Wir sind beim Fazit, ja. Hast du noch irgendwas, wo du sagst, willst du noch den Zuschauern mitgeben? Ich habe das Wort Rock'n'Roll, glaube ich, sehr oft benutzt.
Florian Bayer: Es ist so ein Film, Rock'n'Roll, Lebensabend ein bisschen, aber ein Lebensabend, der sich eben schon sehr lange hinzieht.
Johannes Franke: Ja, also eigentlich, wahrscheinlich haben die einen längeren Lebensabend, als der das Leben angefangen hat. Also, der Lebensmorgen, der Morgen, der Lebensmorgen, ja, richtig, komisches Wort.
Florian Bayer: Und das hat viel zu heißen bei dem Registrier, einer der stilvollsten Filme von Jim Jarmusch, der sehr viele stilvolle Filme gemacht hat in seiner Laufbahn.
Johannes Franke: Ich glaube, ich muss mich nochmal genauer, also ich habe Jim Jarmusch Filme gesehen, aber ich muss das nochmal genauer für mich sortieren. Denn für mich steht Jim Jarmusch immer für was leicht Surreales, ruhiges Poetisches.
Florian Bayer: Ja, ruhige Poesie und halt viel, tatsächlich viel Musik, musikalische Filme.
Johannes Franke: Das ist auch für diesen Film einfach großartig, wirklich. Von Anfang an die ersten Töne erklingen und man hat sofort, man fühlt sich sofort zu Hause in diesem Film. Ja.
Florian Bayer: Das ist ganz toll. Und tatsächlich, Jim Jarmusch ist halt auch wirklich so besonders, weil er hat so einen sehr spezifischen Stil, aber er ist sehr vielfältig da drin. Weil er hat zum Beispiel mit Ghost Dog hat er einen Film gemacht, der eher so den Hip-Hop oder die Hip-Hop-Kultur abfeiert. Oh. Aber eben auch diese musikalische Komponente hat. Ja.
Johannes Franke: Wow. Ja, ich liebe es, wenn Menschen allgemein einfach ihre Leidenschaft in vielen verschiedenen Bereichen sehen, finden können. Wenn man gleichzeitig Hip-Hop eine bestimmte Leidenschaft entgegenbringen kann, wie jetzt zum Beispiel Rock oder eben Klassik und dieser ganzen Literatur in der Form, wie es ja auch in diesem Film durchklingt. Ja. Der Mann muss wahnsinnig viel Liebe für die Menschen und ihre kulturellen Errungenschaften mit sich rumtragen. Das finde ich ganz toll. Vor allem für die Vielfältigkeit der Kultur. Ja. Schön. Ganz, ganz toll.
Florian Bayer: Ja, also vielen Dank, dass du mir den gezeigt hast nochmal, weil er war auch tatsächlich nicht mehr so präsent jetzt, als ich ihn geguckt habe.
Johannes Franke: Ja. Vielen Dank, dass du ihn geguckt hast und ich danke an dieser Stelle Marie. Kannte ich vorher auch nicht, aber Marie hatte dann irgendwann gesagt, komm, wir gucken uns den mal an. Wann war das? Das war vor vier, fünf Jahren auch ungefähr. Ja. Also tatsächlich, als er relativ frisch war, dann, ne? Wahrscheinlich, ja. Wahrscheinlich.
Florian Bayer: Also alt ist er ja nicht, wie wir erfahren haben, obwohl er sich so anfühlt.
Johannes Franke: Ja. Schön. Und danke auch für deinen Film in dieser Folge, Ploa. Für den Ausflug in die Pornogeschichte. Ja, und natürlich müssen wir uns damit vielleicht auch öfter auseinandersetzen, weil Pornografie ja durchaus eine Aufgabe für die Menschheit ist, wie wir das vorher schon mal hatten, im ersten Teil.
Florian Bayer: Und wir konnten unser Andy Warhol und Pop-Art-Wissen ein bisschen auffrischen, was auch ganz gut ist.
Johannes Franke: Ja. Okay, cool. Ja, wir hatten Spaß. Ich hoffe, ihr hattet auch Spaß und wir sehen uns dann, hören uns dann, kling, wieder eine Münze in die Kasse hören sehen. Wir hören uns nächste Woche wieder.
Florian Bayer: Bleibt dran, wenn ihr wissen wollt, was wir nächste Woche besprechen. Aber jetzt kommt erstmal das Outro. Vielen Dank fürs Zuhören. Vielen Dank, Johannes. Bis dann. Bis dann. Ciao. Ciao.
Johannes Franke: So, Ploa, es ist ausdiskutiert. Ich habe als erstes vorgeschlagen, dass wir dir Clou nehmen.
Florian Bayer: Fuck you. None|Verdammt. Liebes Publikum, ich habe gesagt, ich will den Clou wieder sehen.
Johannes Franke: Nein, das habe ich gesagt. Nein, ich, nein, ich, nein.
Florian Bayer: Johannes, kann ich dir den Clou, das ist ja eigentlich so ein Film, den du mir vorschlagen würdest? Ja. Und dann kommt von Johannes, dann gebe ich dir den Clou und zerrt mich vor das Mikrofon und sagt, und du musst noch einen anderen Film finden. Nee, wir haben tatsächlich, der Clou stand fest dann. Ja. Und dann haben wir überlegt, was können wir daneben noch werfen und...
Johannes Franke: Kennt jemand der Clou? Möchtest du ganz kurz sagen? Robert Redford in...
Florian Bayer: Robert Redford und... Oh, wenn ich nicht recherchiert habe, bin ich immer schlecht. Paul, Paul, Paul, Paul... Nee, das ist der andere. Paul Newman? Paul Newman. Paul Newman und Robert Redford, die sich an einem Gangsterboss rächen, der ihren Freund umgebracht hat, indem sie ihn aber nicht umbringen, weil sie können, sie sind keine Killer, sie sind halt Trickbetrüger, indem sie einen riesigen Trickbetrug anleiern, wo sie ihn aufs Kreuz legen. Einer meiner... Ja, das ist doof, als ich jetzt schon sage, aber er ist einfach einer meiner liebsten Heistfilme, wenn nicht sogar mein liebster Heistfilm. Ein richtiger Klassiker des guten alten Hollywood.
Johannes Franke: Ja, und das ist der einzige Soundtrack, den ich als Platte habe. Ja, das ist total cool. Es ist großartig. Es ist wirklich ein ganz toller Film und wir widersprechen jetzt unserem Konzept ein kleines bisschen, dass wir versuchen, Filme zu finden, die der andere noch nicht gesehen hat und die man irgendwie mal zeigen will. Aber das ist einfach ein toller Film. Ja. Und jetzt wollen wir noch einen anderen Heistmovie dazu, damit wir das ein bisschen gegenüberstellen.
Florian Bayer: Genau, das war so der Gedanke. Und dann haben wir überlegt, nehmen wir einen aktuellen Heistmovie und haben festgestellt, dass Ocean's Eleven auch schon 20 Jahre alt ist. Haben beide kurz ein bisschen gewürgt, so das Katzenwürgen gemacht, als Now You See Me auf dem Plan stand. Und dann habe ich mich aber erinnert, es gibt eine ganz nette, das ist nicht ein hundertprozentiger Heistmovie, aber es geht auch um Trickbetrug und die TrickbetrügerInnen in diesem Fall stehen mehr im Zentrum und haben auch einen gewissen Charme. Aus dem Jahr 2019, Hustlers.
Johannes Franke: Okay. Irgendwas mit TänzerInnen in einer Bar. Striptease-TänzerInnen, die ihre Kundschaft ausrauben. Okay. Dann haben wir das nächste Mal zwei Trickbetrüger-Filme. Genau. Wow. Ich finde es ein ganz geiles Subgenre.
Florian Bayer: Eine geschlossene Episode und dann haben wir auch schon eine Top 3 mit einem Top 3 Heist-Film.
Johannes Franke: Dann fehlen uns aber zwei Top 3, also wir müssen ja... Ja, stimmt, wir brauchen noch eine zweite Top 3. Einmal Heistmovie und einmal, weiß ich nicht, weiblicher Heist. Was? Nein.
Florian Bayer: Oh, es gibt... Nein, das wäre natürlich auch spannend. Es gibt natürlich auch diesen Ocean's 13, den ich... Das stimmt.
Johannes Franke: Ähm, diesen anderen da. Ocean's 8. Den habe ich nicht gesehen. Ich weiß nicht. Ich habe ihn, glaube ich, auch nicht gesehen. Aber soll ganz gut gewesen sein.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich glaube, ja. Aber natürlich gab es wieder Shitstorm und so. Ja, klar. Den gab es bei Hustlers auch. Wie das bei Filmen so ist, wenn ein Haufen Frauen mitspielen, man kann ja keinen Film machen, in dem Frauen die Hauptrollen spielen.
Florian Bayer: So, mal sehen, ob man den auf Amazon findet. Das wäre natürlich auch eine Möglichkeit.
Johannes Franke: Jetzt willst du noch mal tauschen?
Florian Bayer: Ich würde zumindest mal gucken. Ne, Ocean's 8 gibt es bei Amazon nur zu kaufen. Also bleiben wir dabei. Wir gucken Hustlers und wir gucken das Ding, beziehungsweise der Clou.
Johannes Franke: Ja, sehr schön. Ich bin begeistert und ich freue mich sehr darauf und werde die ganze Woche die Schallplatte hören. Okay. Schön. Plor, vielen Dank für diese schnelle Einigung. Ebenso vielen Dank und ich freue mich auf nächste Woche. Bis dann. Bis dann. Ciao. Ciao.
