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Kategorie: Absurdes

Episode 275: Der Würgeengel – ein surrealer Publikumswunsch

Nachdem die feine Gesellschaft in der Oper war, werden sie vom Ehepaar Nobile noch zu einem gemütlichen Beisammensein eingeladen. Auch dass die Bediensteten nach und nach das Anwesen der Nobiles verlassen, kann die Feierlaune nicht trüben: Man unterhält sich, man speist und trinkt, man lauscht einem Klavierstück der hoffnungsvollen Nachwuchspianistin. Und dann wäre es eigentlich Zeit aufzubrechen… Nur das mag niemandem so recht gelingen. Die Festgesellschaft bleibt einfach im Salon, verbringt dort sogar – gegen alle gesellschaftlichen Konventionen – die Nacht. Und dann dämmert es den Leuten so langsam: Sie sind eingeschlossen, können den Salon nicht verlassen. Warum weiß keiner. Aber der Weg sowohl zur Außenwelt als auch den anderen Räumen des Hauses ist wie durch eine magische Barriere verschlossen.

Man diskutiert darüber, woran es liegen könnte, versucht sich einzurichten, schmiedet Fluchtpläne… Schließlich macht sich Verzweiflung breit, Misstrauen, die tierischen Instinkte kommen hervor, während die Aussicht auf Rettung immer weiter schwindet.

Luis Buñuel, zusammen mit Salvador Dali und dem andalusischen Hund 1929 der Vater des surrealistischen Kinos. Er sollte noch Filme drehen, lange nachdem die Bewegung erloschen war: In Spanien, Frankreich und nach dem zweiten Weltkrieg vor allem in Mexiko. In seinem letzten mexikanischen Film “Der Würgeengel” entwirft er die klaustrophobische Parabel eines Bürgertums, das auf sich selbst zurückgeworfen wird: Mit schrägen Repetionen, surrealen Einwürfen und viel Symbolismus.

Johannes, sind die Hölle die Anderen?

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Episode 272: Enter the Void von Gaspar Noé – Spirituelle Pornografie

Enter the Void aus dem Jahr 2010 vom französischen Filmemacher Gaspar Noé wird konsequent aus der Ich-Perspektive seines Protagonisten Oscar erzählt… nur, dieser Oscar stirbt bereits nach den ersten 25 Filmminuten. Wie also diese radikale POV beibehalten?

Frei nach dem Motto “Beim Sterben siehst du dein ganzes Leben an deinem inneren Auge vorbeirasen” erlebt Oscar noch einmal seine Geschichte, die ihn zu diesem Ende geführt hat: Wie er und seine jüngere Schwester Linda eine glückliche Kindheit erleben. Wie ihre Eltern bei einem Verkehrsunfall sterben. Wie sich die innig verbundenen Geschwister ewige Treue schwören und dann doch voneinander getrennt werden.

Oscar lebt schließlich als junger Erwachsener in Tokio und holt Linda zu sich. Während Sie in einem Stripclub arbeitet, versucht er sich als Drogendealer über Wasser zu halten. Das Schicksal schlägt erbarmungslos zu, als Oscar von einem seiner Kontakte an die Polizei verraten wird. Zugedröhnt mit DMT begeht er einen fatalen Fehler und wird auf der Toilette einer heruntergekommenen Bar erschossen. Der Kreis zum Beginn schließt sich…

…Nur in diesem Moment sind gerade mal die ersten 85 Minuten von diesem fast dreistündigen Ungetüm von einem Film vorbei. Was folgt, ist ein Mäandern von Oscars Seele durch Raum und Zeit. Weil er versprochen hat, Linda nie zu verlassen, schwebt er als Geist über den Neonlichtern Tokios: Eindrücke von den Ereignissen nach seinem Tod mischen sich mit Erinnerungen, mit Farben, mit abstrakten Strukturen. Er betritt die Wahrnehmung anderer Menschen und verlässt sie wieder. Wir sehen die brutale Realität, alptraumhafte Visionen, Träume, Hoffnungen, Ängste. Ideen des tibetischen Totenbuches, Drogentrips, flackernde Lichter, Sex und Gewalt, bis wir schließlich durch die POV einer Vagina der Zeugung von neuem Leben beiwohnen dürfen (wenn ihr wisst, was das visuell bedeutet, dann wisst ihr es)… vielleicht die Wiedergeburt Oscars, vielleicht aber auch nur die letzten Eindrücke eines Sterbenden auf einem schlechten Trip.

Enter the Void, hinein in die Leere: Spiritualität, Rausch, das Mäandern einer rastlosen Seele, Padmasambhava, Bach, Haeckel, Anger und vor allem flackernde Neonlichter und Motion Sickness. Ein gefühlt endloses Wabern durch Raum und Zeit… Film als Trip, Film als spiritueller Porno… Uff.

Johannes, wenn ich dir so etwas gebe, kann – wie schon in der Vergangenheit – die erste Frage eigentlich nur so lauten: Wie erschöpft hast du dich nach diesem Film gefühlt?

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Episode 253: Werckmeister Harmóniák – Die Melancholie des Widerstands

János Valuska ist Mädchen für alles in dem kleinen Dorf in dem er lebt: Er trägt Zeitungen aus, bringt Kinder ins Bett, sorgt mit einer skurrilen Tanzperformance dafür, dass die örtlichen Trunkenbolde zur Sperrzeit nach Hause gehen. Vor allem aber kümmert er sich um den alten Musiktheoretiker György Eszter, der es als seine Lebensaufgabe betrachtet, die Falschheit der wohltemperierten Klänge zu enttarnen.

Es ist jedoch nicht nur die westliche Harmonielehre, die diese Tage zur Disposition steht. Ein Zirkus kommt in die Stadt, mit gerade mal zwei Attraktionen: Einem gigantischen Walkadaver und einem sogenannten Prinzen, der den Ruf hat überall Zerstörung und Chaos zu hinterlassen, wo er zu Wort kommt. Die Obrigkeit ist alarmiert. Tünde, Esters Ex-Frau, die mittlerweile mit dem Polizeichef liiert ist, erpresst János und Ester, ihr bei der Wiederherstellung der Ordnung zu helfen. Menschen versammeln sich auf dem Marktplatz. Feindseligkeit liegt in der Luft. Aufgestaute Wut entlädt sich. Gewalt eskaliert. Und die Unschuldigen und Schwachen geraten als erstes unter die Räder. Am Ende verliert János den Verstand, das Militär rückt an und nach all den Tumulten, nach all der Zerstörung bleibt nur ein verrottender Walkadaver zurück, der Este einen letzten Blick auf die Melancholie des Widerstands gewährt.

Werckmeister Harmoniak aus dem Jahr 2000, ein typischer Bela Tarr Film: Schwarzweiß, langsam, schwermütig… 145 Minuten lang. Ich habe 36 Einstellungen gezählt, die Meinungen gehen anscheinend auseinander.

Johannes, dein erster Tarr, aber nicht deine erste Konfrontation mit ungewöhnlich langsamer Dramaturgie.

Wie hast du sie in diesem Fall erlebt?

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Episode 248: Re-Animator – Lustiges Splattern in den Halloween-Monat hinein

Ladies and gentlemen and everyone between and behind and above… schnallen Sie sich an! Wir tauchen wieder hinab in die Untiefen des 80er Jahre Gore- und Splatter-Horror-Comedygenres. Unser Reiseführer in diesem Fall ist Herbert West, entsprungen aus einer Kurzgeschichte von H.P. Lovecraft, die nicht nur seine Kritiker sondern auch er selbst als eines seiner schäbigsten Werke bezeichnet.

Dieser Herbert West – ein Medizinstudent irgendwo zwischen young Christopher Lee und Christopher Street Day – will nicht weniger als den Tod überlisten. Und wie macht er das? Natürlich mit einem grün leuchtenden Serum, mit dem er Leichen zum Leben erweckt. Gott sei Dank findet er trotz seiner fehlenden Manieren und gruseligen Art Unterstützung im Kommilitonen und Mitbewohner Dan, der so viel Rückgrat wie ein Wackelpudding hat. Im Weg stehen ihnen der Dekan der Universität, dessen Tochter sowie ein Oberarzt, der das Wissen um die Wiederbelebung am liebsten für sich allein hätte… achja, und natürlich eine Menge blutrünstiger Zombies, die sie auf dem Weg zur medizinischen Revolution erschaffen werden.

Das Ergebnis: Ein schon damals von der Kritik seltsamerweise gefeierter Film, ein in den Jahren gewachsener Kultstatus, drei Schnittversionen, natürlich eine Indizierung in Deutschland, die bis zum Jahre 2013 anhielt… und eine obsessive Fangemeinde, die vor allem in letzter Zeit viel darüber diskutiert, ob wir hier ein queeres Pionierwerk vor uns haben. Aber natürlich auch all der Glanz und all der Spaß und all der Schmutz und all die Abgründe, die man aus dem 80er Jahre Horror kennt, inklusive mindestens einer “What were they thinking?”-Szene.

Johannes… komm schon. Ich weiß. Das ist absolut geschmacklos. Und moralisch ist das natürlich auch alles voll daneben. Und natürlich müssen wir gleich hart mit dem Film ins Gericht gehen. Aber davor hast du trotzdem die Chance zuzugeben, wie viel Spaß du zumindest zeitweise bei diesem Film hattest. Oder? Oder?

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Episode 238: Little Shop of Horrors (1986)

Skid Row! Das dreckigste, Gott verlassenste und gefährlichste Viertel der Stadt. Streunende Mädchen ohne Zukunft, harte motorradfahrende Gangster und… der harmlose Seymour im Blumenladen um die Ecke. Oder sieht er nur so harmlos aus mit seiner nerdigen Brille und den nervösen Ticks? Einer wie der kann doch nie einer Fliege was zu leide tun. Nun ja, vielleicht einem Zahnarzt und vielleicht einem Chef eines gewissen Blumenladens, der ihn erpressen will. Aber nur wenn es darum geht, die Frau seiner Träume zu bekommen und nur mit der Hilfe einer… menschenfressenden Pflanze! Dum-dum-duuuuuuuh.

Diese fleischfressende Pflanze, die er Audrey II tauft, nach seiner großen Liebe, die mit ihm im Blumenladen arbeitet, nimmt ihren Anfang als kleines süßes Pflänzchen. Aber als Seymour es ausversehen mit Blut füttert, wächst und gedeiht die Pflanze zu einer Sensation heran die das ganze Viertel anzieht und den Blumenladen und seine Mitarbeiter reich macht.

Wenn die Stadt nur wüsste, wovon sich die Monstrosität ernährt! Kleine Blutstropfen reichen bald nicht mehr. Ganze Körper verschlingt die Pflanze und sie verlangt Morde von Seymour.

Eine Weile macht er das mit, aus Angst und auch aus Ruhmeslust. Dann durchschaut er den Welteroberungsplan des botanischen Bastards und will dem ganzen ein Ende setzen.

Hier nimmt der Film zwei verschiedene Pfade, je nach dem ob man den düsteren Director’s Cut sieht, oder das Hollywood Happy End, das sich die Zuschauerschaft erklagt hat. Wie die aussehen? Darüber wird jetzt zu sprechen sein.

Welches Ende hat dir besser gefallen, Plor?

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Episode 237: Die Reise ins Ich – 80er Jahre Popcornkino, die bizarre Version

Der Draufgänger Tucker Pendleton hat wegen seines exzessiven Lebenswandel sowohl seine Freundin als auch seinen Job bei der Marine verloren. Also macht er das, was man als 80er Jahre Draufgänger in einem solchen Fall eben macht: Er nimmt an einem riskanten Experiment teil, bei dem er auf mikroskopische Größe verkleinert wird und anschließend einem Hasen injiziert werden soll. Leider wird mitten während des Experiments das Labor überfallen und Tucker landet nicht im Körper des Kaninchens, sondern in dem des neurotischen Hypochonders Jack.

Und der macht, was ein 80er Jahre Nerd nunmal macht, wenn er in einen Actionfilm gezogen wird: Panik schieben, hysterisch sein, durchdrehen. Dank Tucks Überzeugungskünste und der Hilfe der Journalistin Lydia wird Jack dann aber doch noch zu so etwas wie einem Helden. Denn immerhin gibt es einen McGuffin zu finden, in diesem Fall den Computerchip, der Tuck wieder auf seine Normalgröße bringen kann. Und im Weg stehen eine nymphomanische Wissenschaftlerin, ein stummer Killercyborg, ein Bond-Bösewicht und ein hedonistischer Cowboy.

Die Reise ins Ich aus dem Jahr 1987 ist Popcornkino vom feinsten. Vor allem Popcornkino aus einer extrem Filmemacherfreundlichen Produktion, und damit dann doch um einiges bizarrer als das, was man sonst so als Blockbuster aus dieser Zeit zu sehen bekommt. Und da ich in diesem Film wenig Tiefe, aber dafür umso mehr Spaß finde. Lasst uns doch einfach mal zusammen viel Spaß haben. Oder hast du was zu meckern, Johannes?

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Episode 230: Das Blut eines Dichters und der frühe surrealistische Film

Ein Schornstein stürzt ein. Ein Dichter zeichnet ein Gesicht auf Leinwand. Plötzlich beginnt der gezeichnete Mund zu reden. Irritiert wischt der Dichter diesen ab, nur um ihn kurz darauf auf seiner Hand wiederzufinden. Da die Reinigung der Hand nicht hilft, wird der Mund schnell auf eine Statue gepackt, die natürlich kurz darauf zu leben beginnt. Sie schickt den Dichter durch einen Spiegel in eine Paralleldimension, wo er in einem Hotelflur durch die Schlüssellöcher verschiedene Szenen betrachtet: Ein Revolutionär der wieder und wieder erschossen wird, ein gezüchtigtes Kind, das an der Decke schwebt, ein Hermaphrodit umgeben von Pentagrammen… schließlich hat der Dichter genug und erschießt sich… und landet zurück in seiner Welt. Er zerstört die Statue und wird selbst zu einer. Kinder machen eine Schneeballschlacht, die langsam in tödliche Gewalt eskaliert. Ein Tisch wird aufgebaut: Ein Mann und eine Frau spielen Karten, beobachtet von einem amüsierten Theaterpublikum. Auch dieses Kartenspiel endet tödlich. Ein Engel kommt vorbei, die Frau wird zur Statue, führt einen Ochsen irgendwohin, landet in einem Gitarrenkasten. Ein Schornstein stürzt ein.

Nein, das ist mir nicht heute im Büro passiert, sondern das ist so ziemlich genau die Chronologie der Handlung von Jean Cocteaus erstem Spielfilm Le Sang d’un poète – Das Blut eines Dichters – aus dem Jahr 1930. In vier Sequenzen erzählt, 50 Minuten lang, konsequent der Logik des Traums gehorchend. Ein Film des Surrealismus, nur ein Jahr nach dem berühmten Un Chien Andalou von Salvador Dail und Luis Bunuel. Natürlich wollte Cocteau nie diesem Genre zugeordnet werden. Weil Schubladen sind etwas für Konformisten, Bitch! Aber der Film atmet den Geist dieser Epoche und auch dieser spezifischen Kunstrichtung: Symbolisch aufgeladen, freudianisch, traumhaft, ohne kohärente Logik… soweit so prätentiös, so weit so kunsthistorisch bedeutend.

Aber wir wollen natürlich unabhängig davon Filme empfehlen. Und müssen uns jetzt die Frage stellen: Ist das ein sehenswerter Film? Johannes, Rede!

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Episode 223: Hundreds of Beavers – Expressionistischer Looney Tunes Slapstick Horror im Jahr 2025

Normalerweise bringen wir an dieser Stelle eine mal mehr mal weniger tiefe und breite Inhaltszusammenfassung, das können wir meiner Meinung nach aber an dieser Stelle abkürzen. Zum einen, weil die Story von “Hundreds of Beavers” weder besonders breit noch besonders tief ist, und zum zweiten, weil sie nicht der entscheidende Punkt bei der Frage ist, ob man den Film sehen möchte.

Also in aller Kürze: Nachdem das Apfelweinimperium von Jean in einer riesigen Explosion zu Grunde gegangen ist, findet er sich im erbarmungslosen Winter des amerikanischen Nordens wieder: Zuerst muss er ums Überleben kämpfen, wird schließlich Lehrling bei einem erfahrenen Trapper. Und beschließt nach dessen Tod, die titelgebenden Hunderte von Bibern zu fangen, um die Frau seiner Träume heiraten zu können, die Tochter eines grimmigen Pelzhändlers ist.

Was bei diesem Film im Zentrum steht, ist nicht seine Geschichte sondern seine Inszenierung: Ein schwarzweißer Stummfilm, vollgepfropft mit Cartoonsounds und albernen Gags. Die Tiere – egal ob Biber, Hase, Hund, Wolf oder Pferd – gespielt von Menschen in billigen Tierkostümen. Von der Action orientiert an klassischen Slapstickkomödien und Looney Tunes Cartoons, von der Ästhetik inspiriert von expressionistischen Stummfilmen, von der Struktur angelehnt an Videospiel-Grinds. Ganz unabhängig von der Qualität der Ausführung und dem Remix-Charakter vielleicht der originellste Film der letzten zehn Jahre… Ich habe so etwas in der Form jedenfalls noch nicht gesehen… du, Johannes?

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Episode 218: Eraserhead – David Lynchs alptraumhaftes Regiedebüt

Eraserhead markiert sicherlich das Surreal-albtraumhafteste das mein Filmliebhaber-Hirn ertragen kann. Und auch das steht hin und wieder im Film zur Debatte. Ein junger Mann, Henry Spencer, läuft hier durch einen postindustriellen, wenn nicht sogar postapokalyptischen Film, immer mit einem hart verängstigten, verstörten und verwirrten Gesichtsausdruck. Auf das Geschehen scheint er nur wenig Einfluss zu haben. Er wird zum essen zu seinen soon-to-be Schwiegereltern gerufen. Dort erfährt er, dass er Vater geworden ist und muss sich ab sofort um ein Alien-artiges Baby kümmern. Sichtlich überfordert flüchtet er sich in Fantasien. Eine singende Lady in einem Heizkörper, eine Affäre mit der Nachbarin. Das sind die Träume eines Everyday Man… Oder einen Schritt zurück gemacht: das sind die Albträume eines David Lynch. Alles ist in Schwarz-Weiß gehalten und immer düster und Wortkarg inszeniert. Es ist ein Mood-Film, der auf Stimmung setzt. Auf gar keinen Fall ein Plot-Film der auf Handlung setzt. Aber vielleicht vor allem ein Durchhaltefilm….

Plor, der Film scheint sich vor allem mit der Angst vor Vaterschaft auseinander zu setzen. Kannst du, als Vater, dich darin sehen – oder hast du dich einfach nur gefreut und hattest eine Bonbon-Bunte-Welt vor dir, als dein Kind kam?
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Episode 216: The Wild Boys – Sex, Gewalt und Genderfluidität

Irgendwo im nirgendwo irgendwann zu Beginn des 20. Jahrhunderts leben fünf reiche, verzogene Jungs, die versuchen, ihre Langeweile mit Exzess zu betäuben. Aus Begehren wird Raserei und die Bande begeht ein schreckliches Verbrechen. Sie werden verurteilt und sollen zur Resozialisierung mit einem bärtigen, ruppigen Kapitän auf See. Die Überfahrt soll sie zu neuen Menschen machen, so zumindest das Versprechen.

Über die rauhe See bringt sie der Kapitän zu einer Insel der Lüste, bevölkert von phallischen und vulvischen Pflanzen… und einem Dr. Moreau in einem Frauenkörper, der aber im Gegensatz zum viktorianischen Vorbild nicht an der animalischen Seite des Menschen interessiert ist, sondern seiner feminen. Und so erleben die Jungs einen Sex- und Genderswap, der sie in der Tat zu neuen Menschen macht… oder auch nicht.

The Wild Boys von Bertrand Mandico aus dem Jahr 2017 ist so etwas wie Clockwork Orange auf Aphrodisiaka. Eine hitziger, sexuell aufgeladener Fiebertraum, erzählt in schwarzweiß mit grellen Farbintermezzi. Gewalttätig, stilisiert, queer und provokant, so als hätten Alejandro Jodorowski, Judith Butler und Charles Baudelaire einen hypersexuellen Bastard gezeugt. Die Jungs werden ausnahmslos von Frauen gespielt, erleben irgendwann auch in der Handlung körperliche Transformationen und erleben das ganze, ähnlich wie das Publikum sowohl als Traum als auch Alptraum. Sehr surreal, sehr romantisch, sehr brutal und zugleich sehr eskapistisch.

Johannes, deine Skepsis gegenüber experimentellen, surreal opulenten Filmen hast du in der Vergangenheit des Öfteren bewiesen. Und ich kann mir vorstellen, dass die Vermengung von Sexualität und Gewalt in diesem Film für dich problematisch ist. Also komm doch einfach mal mit deinen ersten Eindrücken.

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