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Kategorie: 2010er

Episode 259: Charles Dickens – Der Mann der Weihnachten erfand

Charles Dickens hat Probleme: Seine letzten Veröffentlichungen waren ziemliche Flops, seine Reise nach Amerika war alles andere als erholsam und sein üppiger Lebensstil sorgt dafür, dass die Rücklagen sinken. Keine Frage: Ein neues Buch muss her. Dank der Unterstützung seines Freundes und Agenten John und den Gute-Nacht-Geschichten des neuen irischen Kindermädchens der Familie kommt er schließlich zu der passenden Idee: Eine Weihnachtsgeschichte, ein komisches Buch… vielleicht auch mit ein bisschen Tragik… und… Schreibblockade: Das schlimmste, was einem Autoren passieren kann.

Gott sei Dank hat sich Dickens bereits den Protagonisten Ebenezer Scrooge zurechtgelegt und so kann er mit diesem gemeinsam die Stationen seines kommenden Romans bereisen: Von den drei weihnachtlichen Geistern bis zum Schicksal des kleinen Timmy.

Aber die Deadline – immerhin ist es Oktober und das Buch muss vor Weihnachten erscheinen – sitzt ihm im Nacken. Und zu allem Überfluss schaut dann auch noch sein Vater vorbei, mit dem Charles einige der schlimmsten Momente seiner Kindheit verbindet. Schnell wird klar: Nicht nur Scrooge muss sich zu diesem Weihnachtsfest den Geistern der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft stellen.

The Man Who Invented Christmas aus dem Jahr 2017 zeichnet den kreativen Prozess bei der Entstehung einer der großen Weihnachtsklassiker nach: Teils als Komödie, teils als Drama, teils als fantastisches Lehrstück.

Hat uns der Film in vorweihnachtliche Stimmung gebracht?

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Hat euch diese Episode gefallen? Dann spendiert uns doch einen Kaffee, Tee oder passend zur Saison einen Glühwein. Vielen Dank! https://buymeacoffee.com/mussmansehen

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Episode 251: It Follows – Von zwei Podcastern, die auszogen, das Fürchten zu lernen…

Manche Filmhandlungen lassen sich extrem schnell zusammenfassen. So auch die von It Follows aus dem Jahr 2014: Die 19jährige Jay hat Sex mit Jay. Anschließend entführt er sie, um ihr zu zeigen, was sie sich damit eingehandelt hat. ES ist jetzt hinter ihr her. Es kann nur von ihr gesehen werden, es kann die Gestalt von allen möglichen Menschen annehmen, es bewegt sich unnachgiebig in Schrittgeschwindigkeit zu… und ES will sie töten. Die einzige Möglichkeit es loszuwerden, besteht darin, den Fluch durch Sex weiterzugeben.

Was folgt, sind 100 enervierende Minuten: Angst, Paranoia, permanente Flucht und schließlich der Kampf gegen diese abnorme Entität. It Follows bewegt sich dabei irgendwo zwischen Post Horror Metafilm und vagem Alptraum: Ohne klare zeitliche Verortung mit vielen Reminiszenzen ans 80er Slasher Kino, mit parabolischer Schärfe… vor allem aber mit einer sich nie ganz auflösenden Grundunsicherheit.

Johannes, hast du dich gefürchtet?

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Episode 247: Publikumswunsch und Geburtstagsgeschenk – Frau in Gold

Die Frau in Gold, das ist eigentlich die jüdische Kunstpatronin Adele Bloch-Bauer, porträtiert von Gustav Klimt in seinem wahrscheinlich berühmtesten Gemälde.

Der gleichnamige Film aus dem Jahr 2015 erzählt die – auf wahren Begebenheiten beruhende – Geschichte von Bloch-Bauers letzter lebender Nichte, Maria Altmann, die um die Jahrtausendwende versucht, das in den 30ern von den Nazis geraubte Gemälde von Österreich zurückzuerhalten. Gemeinsam mit einem jungen Anwalt, der ein Nachkomme des Komponisten Arnold Schönberg ist, und unterstützt von einem Wiener Journalisten kämpft sie gegen den Widerstand des österreichischen Staates, der das Ölgemälde als Teil seiner Identität betrachtet und um jeden Preis in einem Wiener Museum halten will. Ein Rechtsstreit, der sich fast zehn Jahre zieht: Von einer Anhörung in Wien bis hin zum Obersten Gerichtshof der USA.

Daneben gibt uns der Film immer wieder Einblicke in das Schicksal der Beteiligten: Die Entstehung des Bildes, der Terror der Nazis, Altmanns Flucht aus dem besetzten Wien… und am Ende finden Vergangenheit und Gegenwart zusammen.

Johannes, ich finde es ja immer spannend, wenn wir hier auch mal über Medien abseits des Films sprechen. Und mit dem Thema sind wir mal wieder bei der bildenden Kunst gelandet… und dann auch noch bei einem der berühmtesten Künstler des frühen 20. Jahrhunderts, auch wenn wir diesen selbst im Film kaum zu sehen kriegen: Also dann, was hältst du von Gustav Klimt?

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Episode 246: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri und das Prinzip Versöhnung

Vor den Toren der Stadt Ebbing, Missouri, stehen 3 Größe Plakatwände, die vor kurzem noch vor sich hin gammelten. Jetzt steht dort in großen Lettern:

“Raped While Dying“, „And Still No Arrests?“, „How Come, Chief Willoughby?”

Obwohl Mildred Hayes sich diese Plakatwände nicht leisten kann, hat sie sie gemietet, um Aufmerksamkeit auf den Mord an ihrer Tochter zu lenken. Die Polizeiarbeit scheint dies ja nicht zu tun.

Natürlich ist die Polizei alles andere als begeistert und so beginnt ein Krieg zwischen den beiden Lagern, der die Gewaltspirale auf beiden Seiten nach oben treibt.

Ein Film über Vergebung, über Gerechtigkeit und über die Ambivalenz unserer Charaktere.

Ihren Mörder bekommt Mildred am Ende nicht, aber vielleicht einen durch Selbstjustiz gejagten Verdächtigen eines ähnlichen Verbrechens. Plor, mal abgesehen davon dass wir keine Fans von Selbstjustiz in der Realität, sind, wünschen wir Mildred in ihrem Filmuniversum dass sie den Typen zur Strecke bringen kann um ein bisschen closure zu bekommen, oder sehen wir eine andere Chance wie sie endlich zur Ruhe kommt?

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Episode 244: Interstellar – Christopher Nolan between Science and Fiction

2014 hatte Christopher Nolan ohne jeden Zweifel sein Blockbusterzenit erreicht. Zwei Jahre zuvor hatte er mit The Dark Knight Rises seine Batman-Trilogie abgeschlossen, vier Jahre zuvor hatte er mit Inception neu definiert, wie Blockbuster Raum und Zeit erzählen kann. Die Sterne schienen das Limit zu sein… und so dachte sich der damals von Kritik wie Publikum gefeierte Kultregisseur “Why not?”, und ab ging es in den Weltraum.

In Interstellar erzählt Nolan also von der Reise ins All… und natürlich noch einiges mehr: Eine Erde, die vom Untergang bedroht ist, eine Truppe heldenhafter Astronauten, die in den Weiten des Weltraums nach einem potentiellen neuen zu Hause suchen, ein Vater, der dafür seine Tochter zurücklassen muss, ein Wurmloch, dass sie durchqueren, ein schwarzes Loch, dass sie umkreisen müssen… und natürlich auch irgendwann im Laufe des Films betreten werden. Eine ganz eigene Science Fiction Vision, in der das Wort Science groß geschrieben werden soll. Ob Nolan dies gelungen ist, darüber waren sich Kritik und Publikum und Fachwelt damals wie heute uneinig.

Johannes, wir haben schon öfter über Nolan geredet, sein Frühwerk wie seinen aktuellen Film. Interstellar – irgendwo dazwischen – wurde uns von unserem Zuhörer David ans Herz gelegt. Wo siehst du ihn in Nolans Gesamtwerk stehen?

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Episode 208: Doctor Who, A Christmas Carol – SciFi-Weihnachtsstimmung aus Großbritannien

Endlich kann ich wieder Doctor Who in diesen Podcast schmuggeln. Was Weihnachtlichkeit betrifft, gibt es kaum eine Möglichkeit, diese Episode aus dem Jahr 2010 zu übertreffen. Und da wir bei dieser Serie so uneins sind wie sonst nie, wirst sicherlich du heute der Grinch sein und ich derjenige, dem Weihnachtsfreude aus dem Hintern strahlt.

Auf einem fremden Planeten stößt der Doktor auf Kazran Sardick, der die dichte Wolkendecke kontrolliert. Und damit die gesamte Bevölkerung. Ein Raumschiff mit 4000 Menschen ist in Gefahr und nur Kazran kann sie mit seiner Maschine retten. Der allerdings ist kaum gewillt, sich um andere Leben zu scheren als sein eigenes. So beschließt der Doktor, das Buch a Christmas Carol nachzustellen und mit seiner Zeitmaschine in die Vergangenheit dieses Mannes zu reisen und sein Leben so zu beeinflussen, dass er ein besserer Mensch wird und in der Gegenwart den 4000 Seelen hilft, die ohne seine Hilfe den sicheren Tod finden. Auf dem Weg machen wir Bekanntschaft mit Abigail, die vor allem sehr gut singen und sehr gut krank sein kann. Wobei wir vom krank sein nur mitbekommen, dass sie offenbar nur noch eine einstellige Zahl an Tagen zu leben hat. Die tragische Liebe, die Kazran zur Todkranken Abigail entwickelt, lässt ihn wiederum verbittern, was die Situation in der Gegenwart irgendwie nicht besser macht. Erst durch einen Blick in die zukünftige Weihnacht lässt sich Kazran erweichen, und gemeinsam mit der singenden Abigail retten sie die 4000 Leben.

Da ich schon ahne dass diese Episode eine Menge der Dinge vereint die du an Doctor Who nicht sonderlich magst, hier eine softe Einstiegsfrage: WAS ZUR HÖLLE MAGST DU AN DOCTOR WHO NICHT DU HERZLOSER SCOOGE???

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Episode 173: Get Out – Horror, Rassismus und ein fettes Happy Birthday

Unsere Stammhörerin Liz ist dieses Jahr mit einem Horrorfilm-Wunsch vorbeigerauscht, und den wollen wir ihr natürlich erfüllen. Und so reden wir über Jordan Peeles Get Out aus dem Jahr 2017. Themen sind natürlich die Verknüpfung von Horror und Humor, sowie die Verknüpfung von Horror und Gesellschaftskritik. Es geht aber auch um die vorhandene oder vielleicht auch fehlende Subtilität von Jordan Peeles Satire, um Pseudoscience im Genrekino, Hypnose und die alles entscheidende Frage: Wie cool ist Rod?

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Episode 146: Victoria – One Shot Gimmick oder zurecht junger deutscher Kultfilm?

In dieser Episode reden wir über einen der jüngsten deutschen Kultfilme, Victoria aus dem Jahr 2015, dessen 140 Minuten in einem einzigen Take, ohne Schnitte, gedreht wurden. Handelt es sich dadurch bei Sebastian Schippers Werk um einen reinen Gimmick-Film oder hat er mehr zu bieten als seinen beeindruckenden Entstehungsprozess? Dem gehen wir auf den Grund, während wir über Berliner Nächte, Improvisationskunst, glaubhafte Charaktere und Coolness im deutschen Film plaudern.

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Episode 144: Ghost in the Shell mit Yugen vom Indiefilmtalk-Podcast

Wir haben wieder einen Gast: Yugen vom Indiefilmtalk-Podcast ist zu Besuch und hat uns etwas mitgebracht: Den Anime-Klassiker Ghost in the Shell aus dem Jahr 1995. Aber nur über diesen zu reden, wäre ein bisschen zu einfach. Und so knöpfen wir uns auch das Remake aus dem Jahr 2017 mit Scarlett Johansson vor. 

In unserem Gespräch geht es um die vielen verschiedenen Facetten, sowohl des Originals als auch seiner „Amerikanisierung“. Und so reden wir nicht nur über seine beeindruckende Ästhetik sondern auch über die typischen Cyberpunk-Themen wie Künstliche Intelligenz, Mensch-Maschinen und Maschinenmenschen sowie die komplexe Politik dystopischer Zukunftsentwürfe.

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Episode 134: Ziemlich beste Freunde – Der französische Kassenschlager des 21. Jahrhunderts

Üblicherweise läuft es ja bei uns folgendermaßen: Der eine schlägt dem anderen einen Film vor, über den er voll des Lobes ist, und bangt dann dem jeweiligen Gespräch entgegen, in der Hoffnung, dass sein Must-see nicht zerrissen und vielleicht sogar richtig gemocht wird. Warum es im Falle der französischen 2011er Hitkomödie etwas anders gekommen ist, könnt ihr in dieser Episode nachhören. 

Wir sprechen über den großen Kassenschlager, über Realismus und Romantik im Kino, sowie die Darstellung von schwarzen und behinderten Menschen im Film.

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