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Kategorie: Jahrzehnte

Episode 49: The Evil Dead II – Die Fortsetzung von Tanz der Teufel

Die Legende sagt, dass es von den dunklen Mächten geschrieben wurde: NECRONOMICON EX MORTES; Das Buch der Toten. Um den Ursprung des Buches zu verfolgen müssen wir zurückreisen… zurück zu den Tagen, als die Geister die Welt regierten. Als die Meere aus rotem Blut bestanden. Es war dieses Blut, das benutzt wurde, um das Buch zu schreiben….

Hmmm… Das klingt ja fast wie die Prämisse für einen bemüht düsteren Horrorfilm. Was Sam Raimi, Scott Spiegel und Bruce Campbell daraus machen, ist aber alles andere als das. In Evil Dead II aus dem Jahr 1987 spielt Campbell Ash, der mit seiner Freundin zu einer entlegenen Waldhütte fährt. Dort werden sie von aus dem Necronomicon beschworenen dämonischen Mächten heimgesucht. Und im Anschluss gibt es fliegende Köpfe, Blutfontänen und Kettensägenmassaker.

Business as usual in a cabin in the woods? Nicht so ganz. Die Quasi-Fortsetzung von The Evil Dead aus dem Jahr 1981 ist viel mehr ein Remake oder auch eine Kreuzung von Ideen des ersten Films mit einer Horrorparodie. So versucht er seinen B-Movie-Status gar nicht zu verschleiern und packt zugleich auf alles ein bisschen mehr drauf: Mehr Blut, mehr Bizarrerien, mehr Dämonen… und vor allem auch mehr Humor. Frei nach dem – hier sehr gut passenden – deutschen Synchrontitel tanzen in diesem Film die Teufel. Im übertragenen Sinnen und im wahrsten Sinne des Wortes. Tanz der Teufel 2 ist eine schräge Geisterbahnfahrt: Laut, wild, hemmungslos, dreckig, albern, infantil und einfach sau unterhaltsam: Man gruselt sich, man ekelt sich, man lacht, man vergießt eine Träne… und am Ende weiß man, dass das Leben einfach wunderschön ist… und groovy, zumindest wenn man mit einer Kettensäge als Armprothese dämonische Zombies metzeln kann.

Johannes, als jemand der keine Horrorfilme mag, aber durchaus gerne Geisterbahn fährt… Hattest du denn Spaß?

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Episode 48: Thor Ragnarok und das Marvel Cinematic Universe

Superheldenfilme. Ein eigenwilliges Genre, das es in den letzten Jahrzehnten immer wieder geschafft hat, eine riesige Fangemeinde um sich zu scharen. Wie ist das denn nur passiert?

Plor, ich glaube wir müssen mal reden. Am besten am Beispiel von Thor: Ragnarok.

Im dritten Film der Thor-Reihe muss Thor ohne Hammer auskommen und gegen seine Böse Schwester Hela ankommen um Ragnarok, also das Ende von allem, zu verhindern. Dumm nur, dass er auf Sakaar festsitzt. Einem Planeten der unfreiwillig angespülte Menschen als Gladiatoren gegeneinander antreten lässt. Neben Thor darf auch Loki seine Späße treiben und Hulk seine Halbsätze grunzen und draufhauen.

Ein Feuerwerk an Action, Slapstick und vielleicht ein bisschen Drama.

Ich denke das ist ein guter Film um rauszufinden, was Superheldenfilme so erfolgreich macht… oder ist er vielleicht doch gar nicht so archetypisch für das Genre? Was meinst du Plor?

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Episode 47: Fahrraddiebe und der italienische Neorealismus

Also dann… Machen wir wieder einmal einen Ausflug in die filmhistorische Hochkultur. Die Nouvelle Vague aus Frankreich haben wir ja in unserer “Außer Atem” Episode bereits abgehandelt. Mit Vittorio de Sicas Film Fahrraddiebe aus dem Jahr 1948 reden wir heute über die europäische Filmbewegung, die der Nouvelle Vague unmittelbar vorausging: Den italienischen Neorealismus. Dieser entstand in den frühen 40er Jahren, in der Endzeit des italienischen Faschismus unter Mussolini, und gehört zu den großen Filmschulen des 20. Jahrhunderts.

Fahrraddiebe ist ohne jeden Zweifel Peak Neorealismus, der Film, der am besten auf den Punkt bringt, was diese filmische Schule ausmacht: Erzählt wird in der (damaligen) Gegenwart, eine einfache Geschichte aus dem Arbeitermilieu: Dem Tagelöhner Antonio wird das Fahrrad geklaut, das er für seinen neuen Job als Plakatierer zwingend benötigt. Keine Banalität für den Familienvater, der dadurch die Existenz seiner gesamten Familie auf dem Spiel sieht. Verzweifelt zieht er mit seinem Sohn durch Rom, auf der Suche nach dem Diebesgut und den Dieben.

In dieser einfachen Geschichte, die vom Zufall geleitet wird, verbindet sich ein dokumentarischer Blick mit einem humanistischen Pathos, der den alltäglichen Kampf des Prekariats ums Überleben nuanciert und mitreißend darstellt. Auch heute noch, gut 70 Jahre später für mich absolut fesselnd und berührend, einfach einer der besten Filme aller Zeiten, ein Urteil das ich mit dem Gros des Feuilleton und der Filmkritik teile.

Also bitte Johannes. Hier ist wieder einmal eine heilige Kuh. Bereit für die Schlachtung?

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Episode 46: Blackadder

The Black Adder. Rowan Atkinson, den man hierzulande als Mr. Bean kennt, in seiner anderen Ikonischen Rolle, der des zynischen, machthungrigen, intriganten Typen, der durch die Staffeln durch die verschiedenen Jahrhunderte, die immer gleiche Figur in neuen Inkarnationen spielt.

Von 1485 im endenden Mittelalter, über das 16. und dann das 19. Jahrhundert bis 1917 – mitten im ersten Weltkrieg. Immer mit von der Partie: Baldrick, sein loyaler und intellektuell prekär ausgestatteter Diener, der jedes Mal einen “cunning Plan” hat, die beiden aus der Misere zu holen. Meist versucht Edmund, respektive Black Adder, seine Macht und Reichtum zu mehren, oder diesen überhaupt erst zu erlangen, oder – wie in der letzten Staffel – einfach nur zu überleben.

Vier Staffeln á sechs Folgen. Für heutige Verhältnisse keine riesige Serie, aber für einen Podcast wie unseren schon eine Menge Holz. Schaut sich aber gut durch, ohne dass man Längen zu spüren bekommt, oder wie hast du das nostalgische Gebinge erlebt, Plor?

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Episode 45: Dark Star

Seit 20 Jahren ist das Raumschiff Dark Star in einer fernen Galaxie unterwegs… und das sieht man ihrer Crew, bestehend aus vier ziemlich abgewrackten Astronauten auch an. Ihr Job ist es eigentlich umherirrende Planeten abzuschießen, ihr Alltag besteht aber vor allem aus Langeweile und Ärger untereinander. Da ist Doolittle, der eigentlich nur wieder zurück zur Erde und zu seinem Surfbrett will. Da ist Talby, der sich in eine Beobachtungskapsel zurückgezogen hat und dort von der Sichtung der schillernden Phoenix-Asteroiden träumt. Da ist Pinnback, der sich um ein aufgelesenes Alien kümmern muss und von seinen Kollegen entweder ignoriert oder gemobbt wird. Und da ist Boiler, ein abgefuckter Redneck, der es liebt auf alles zu schießen, was ihm vor die Flinte kommt. Egal ob im Weltall oder auf dem Schiff. Der ebenso langweilige wie anstrengende Alltag der Dark Star wird aufgebrochen, als durch einen Meteroitensturm ein Kommunikationslaser ausfällt und eine störrische, intelligente Bombe sich selbstständig macht. Sie droht sich selbst und damit das gesamte Raumschiff in die Luft zu sprengen.

Mit Dark Star von John Carpenter aus dem Jahr 1974 haben wir eigentlich zwei Filme vor uns: Auf der einen Seite schwarzhumorige, trashige und trollige B-Movie Parodie auf Stanley Kubricks 2001 Odyssee im Weltraum. Auf der anderen Seite ein düsterer, philosophischer Science Fiction Film, der trotz seines geringen Budgets und seiner konfusen Entstehung Pate für zahllose schmutzige, düstere und nachdenkliche Genrefilme stand, die ihm folgen sollten: Von Alien über Moon bis zu Prometheus.

Vielleicht sogar einer der wegweisendsten Weltraumfilme der 70er Jahre, der in der Ahnengalerie einen Platz direkt neben Star Wars verdient hat. Oder siehst du das anders, Johannes?

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Episode 44: Cats

Welcome to „Cats got talent“. In der Jury heute: Judi Dench.
Die Konkurrenz der Bewerber um den Titel “cat sacrifice of the year” ist gigantisch. Eigentlich bewirbt sich der ganze schlecht animierte Tribe, aber herauszustellen wären Macavity, der Mitbewerber entführt um zu gewinnen und nicht zu vergessen die Außenseiterin Grizabella, die bis zum letzten Moment niemand in betracht zieht.

Nachdem alle einmal getanzt haben um sich zu bewerben, entführt Macavity Old Deuteronomy um sich seinen ersten Platz zu erzwingen. Old Deuteronomy ist nicht weise genug ihn einfach gewinnen zu lassen, damit sie ihn endlich los sind. Stattdessen wird sie gerettet von einem magischen Kater der sie einfach wieder herzaubert. Grizabella schleicht um die Szenerie umher und wird von Victoria hinzugezogen und dazu genötigt ihre Geschichte zu erzählen, bzw. zu singen.
Old Deuteronomy ist davon so bewegt dass sie sie erwählt, den Schritt in den Himmel zu wagen.
Toll. Der Kult ist begeistert und nachdem ich schon gehofft hatte dass sie in einem Blutbad zerfetzt wird, steigt sie sehr langweilig mit einem Ballon in den Himmel auf.

Plor. In welchen Himmel oder welche Vorhölle möchtest du dass dieser Film auf- oder hinabsteigt?

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Episode 43: Checker Tobi und das Geheimnis unseres Planeten

Grüße nach München und an Tobias Grell, den Mann, der nicht nur dafür verantwortlich ist, dass mein Sohn weiß, dass die weißen Blutkörperchen die Polizei des Körpers sind und dass der Mars zwei Monde besitzt, sondern auch der Mann, Dank dem ich selbst so manches neues über die Welt gelernt habe. Seit 2013 sucht er als Checker Tobi im Kika nach den Antworten auf allerlei wichtige und triviale Fragen. Schlanke 25 Minuten dauert jede Episode, die sich jeweils einem Thema widmet, und die Bandbreite reicht dabei von Alltagswissen über Geschichte bis zu den Naturwissenschaften. Ursprünglich als Ersatz für seinen Vorgänger Checker Can eingesprungen ist Tobi mittlerweile der berühmteste und beliebteste Checker des gleichnamigen Formats, deutlich populärer als Can und der jüngste Spross der Checkergilde Julian.

Tobi ist so beliebt, dass er 2019 sogar seinen eigenen Kinofilm spendiert bekam. In diesem mit dem Namen Checker Tobi und Das Geheimnis unseres Planeten schickt eine mysteriöse Flaschenpost Tobi auf die Reise, eben jenem Geheimnis auf die Schliche zu kommen. Dafür reist er zu einer Vulkaninsel, taucht zu einem tasmanischen Korallenriff, fliegt in die Arktis und landet schließlich in den Slums Indiens. Das alles inszeniert zwischen Dokumentation und Fiction, zwischen Information und kindlicher Unterhaltung. Aber kann ein solches Infotainment-Format für die jüngste Zielgruppe auch auf der großen Leinwand funktionieren? Halten wir diese Frage kurz zurück und reden erst mal über die Serie, von der du dir ja auch eine Episode ansehen solltest. Welche war es denn und hast du was neues gelernt?

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Episode 42: Die Olsenbande sieht rot

Ach jaaaa, die Olsenbande, wer kennt sie nicht? …Achja. Plor. Du kanntest sie nicht. Im Westen ließ der Erfolg der Olsenbande tatsächlich auf sich warten, was der wesentlich schlechteren Synchronisation zugeschrieben wird. Aber in der DDR! von der DEFA synchronisiert, war die Olsenbande ein absoluter Hit! In vierzehn Filmen versuchen Egon, Kjeld und Benny krumme Dinger zu drehen und immer wieder kommt das wahre Leben dazwischen.

Im Falle unseres achten Films „Die Olsenbande sieht rot“ aus dem Jahr 1976 soll Egon im Auftrag eines Zellennachbarn aus dem Gefängnis und des Barons eine teure Vase stehlen, damit der Baron, der sie eigentlich besitzt, sie dann teuer auf dem Schwarzmarkt verkaufen kann.
Der Baron allerdings nutzt Egon als Sündenbock, was dazu führt dass Egon wieder einmal im Gefängnis landet. Egon will sich rächen und „hat einen Plan!“. Er will dem Baron die Vase wieder entwenden, diesmal ohne Auftrag, damit dieser vor seinem Schwarzmarktkunden schlecht dasteht. Der erste Versuch auf dem Schloss des Barons klappt nur so semi-gut, die zweite Chance im Theater wird brillant mit dem Konzert verbunden, das den Lärm diverser Sprengungen verdeckt.

Ein Spektakel, mitunter etwas Chaotisch, aber immer menschlich und zum schmunzeln und lachen.
„Mächtig gewaltig Plor!“ Oder… teilst du meine Begeisterung nicht so?

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Episode 41: Inland Empire

David Lynch… achja, David Lynch. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll: Meine erste surreale Filmliebe. Ich war wahrscheinlich 16, als ich zum ersten Mal Lost Highway gesehen habe. Und natürlich habe ich nicht verstanden, was da auf dem Bildschirm vor sich geht. Muss man bei Lynch auch gar nicht, und sollte man wahrscheinlich auch nicht. David Lynchs große surrealen Filme funktionieren nämlich trotz ihres akademischen, experimentellen Gestus vor allem als emotionale Filme, die Unterhaltung und Arthaus, traditionelles Kino und Experiment miteinander verbinden. Sie bedienen sich beim Pulp, beim Mystery, beim Film Noir, beim Horror, beim Thriller und bei der Erotik und zerfransen und zerfasern sich dann aber so, dass sie im Gegensatz zu den traditionellen Genrefilmen keine kohärente Handlung mehr besitzen. Sie sind Puzzles, die nicht gelöst werden können, nicht gelöst werden wollen. Cineastische Möbiusbänder, auf Zelluloid gebannte Paradoxien. Aber eben auch verflucht unterhaltsame Trips ins Unterbewusstsein. Kein Wunder, dass Lynch als der Mainstreamigste unter den Experimentalfilmern gilt… oder eben auch der experimentellste unter den Mainstream-Regisseuren, je nachdem aus welcher Richtung man kommt.

Dennoch ist sein letzter Langfilm Inland Empire aus dem Jahr 2006 harter Tobak. Wahrscheinlich sein experimentellster und dekonstruktivistischster Film seit seinem Debüt Eraserhead. Zu Gunsten des Spiels mit der damals noch jungen digitalen Videotechnik verzichtet Lynch größtenteils auf die von ihm sonst bekannten düsteren Hochglanzbilder und erzählt in dreckigen, überbelichteten, unterbelichteten, mit dem Look & Feel von homemade Amateurfilmen spielenden Sequenzen die Geschichte von einer Frau in Nöten. So beschreibt er selbst zumindest den Film in einem Satz. Und den Rest sollen wir uns selbst zusammenreimen.

Also dann… ohne groß auf den Inhalt einzugehen und dich möglicherweise zu sehr zu beeinflussen, Johannes. Lass uns ein wenig puzzlen. Lass uns herausfinden, worum es in diesem improvisierten Patchwork-Film geht.

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Episode 40: Is‘ was, Doc?

Text von Johannes:

Die Screwballkomödie „Is was Doc“ von Peter Bogdanovich aus dem Jahre 1972 erzählt uns eine Gesichte vierer Taschen.

Genau!

Vier. Taschen. Vier identische Taschen noch dazu. Und sie erzählt uns von deren mehr oder weniger wertvollen Inhalt. Eine Verwechslungskomödie mit Vierlingstaschen also.

Achja und natürlich ist es eine Geschichte über aggressives Stalking und dessen dramatische Folgen. In einer Zeit in der Stalking noch als romantisch erzählt wurde, darf die junge Barbra Streisand bzw. Judy Maxwell wie sie hier heißt, dem Nerd Howard Bannister hinterher steigen und durch intrigante Streiche dafür sorgen, dass sich seine beruflichen wie privaten Träume erfüllen, auch wenn er die Privaten bis dato noch nicht einmal kannte.

Wenn man sich der Naivität, mit der dieses Thema angegangen wird, einmal hingibt, kann man sehr viel Spaß haben, oder Plor?

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